Gibt es die calvinistische goldene Kette?
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Römer Kapitel 8 Vers 29 - 30 (Elberfelder 1905) |
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29Denn welche er zuvorerkannt hat,
die hat er auch zuvorbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu
sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.
30Welche er aber zuvorbestimmt hat,
diese hat er auch berufen; und welche er berufen hat, diese hat er auch
gerechtfertigt; welche er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch
verherrlicht. |
Nach calvinistisch reformierter Lehre stellen die oben angeführten zwei
Verse aus dem Römerbrief die so genannte „goldene Kette“ dar. Dabei bringt
man zum Ausdruck, Gott habe einige Menschen auserwählt um in Ewigkeit an der
Herrlichkeit seines Sohnes teilzunehmen. Diese Überzeugung, nämlich dass
Gott aus der Gesamtheit der Menschen einen Teil auserwählt hat, ist sehr
weit verbreitet.
Unterschiede gibt es dann zwischen der einfachen und der doppelten
Prädestination. Die Anhänger der einfachen Vorherbestimmung behaupten Gott
habe zwar einige Menschen für die Herrlichkeit bestimmt, ohne die anderen
für die Verdammnis bestimmt zu haben, die Anhänger der doppelten
Prädestination unterstellen Gott sogar er habe für alle Menschen alles
vorherbestimmt, also auch für die, die verloren gehen, die ewige Verdammnis.
Vom Standpunkt der menschlichen Logik ist die einfache Vorherbestimmung
lediglich die dümmere Variante der doppelten Vorherbestimmung.
Beide Vorherbestimmungstheorien passen aber überhaupt nicht mit der Art und
Weise zusammen, wie sich Gott in der Bibel geoffenbart hat. Der HERR JESUS
ist die Offenbarung Gottes. In IHM wohnt die ganze Fülle der Gottheit
leibhaftig! Wo hat ER Gott oder göttliche Liebe jemals in dieser Form
geoffenbart?
Es hat sich in der Vergangenheit herausgestellt, dass es kaum möglich ist,
die Anhänger solcher unbiblischer Gottesbilder, die deutlich von
menschlicher Logik geprägt sind, davon zu überzeugen, dass der Gott der
Bibel überhaupt nicht allbestimmend ist und das der Gott, der Liebe, Licht,
Heiligkeit und Gerechtigkeit ist, Vorherbestimmung oder Auswahl überhaupt
nicht in dieser calvinistisch / augustineschen Form vorge¬nommen hat.
Dieses calvinistische (reformierte) Gottesbild basiert auf Vernunftschlüssen
und ist nur sehr schwer zu zerstören. „indem wir Vernunftschlüsse zerstören
und jede Höhe, die sich erhebt wider die Erkenntnis Gottes, und jeden
Gedanken gefangen nehmen unter den Gehorsam des Christus, (2.Kor.10,5 )“
Hier soll noch angemerkt werden, dass es keine dem Menschen eingegebene oder
anhaftende Logik gibt. Logik ist ein definiertes Denkmodell der alten
Griechen und basiert auf den so genannten Logik-Sätzen. Per Definition ist
die Logik eine Philosophie und ein menschlich erdachter Weg die Wahrheit zu
suchen. Logik erscheint vernünftig, ist aber nicht Wahrheit und führt auch
nicht zur Wahrheit. Darum erheben sich Vernunftschlüsse gegen die Erkenntnis
Gottes und führen überhaupt nicht zur Erkenntnis Gottes.
In der Theologie gibt es kaum einen Punkt indem so logisch argumentiert wird
wie im Calvinismus. Darum erscheint dort alles so vernünftig und tatsächlich
ist es so vernünftig, dass es den einfachen biblischen Glaubensgehorsam
verhindert. Calvinismus ist wohl eine der höchsten Höhen, die sich gegen die
Erkenntnis Gottes erhebt.
Biblisches
Gottesbild
In einer allgemeinen Wortbetrachtung wurde über Johannes 6,44
gesprochen.
Dabei wurde dann ein sehr weit verbreitetes Bild gebraucht um „ziehen“ des
Vaters bzw. Auserwählung zu erklären. Menschen werden durch die Botschaft
des Evangeliums eingeladen zu Gott dem Vater und zu dem Herrn Jesus zu
kommen. Auf der Zugangsseite befindet sich eine den Menschen zugewandte Tür,
über der steht: „Kommet her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen (Matt.
11,28)“. Wer nun durch die Tür eingeht, der sieht dann auf der Rückseite der
Tür eine Überschrift „auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt (Eph.
1,4 )“
Es wurden dann noch hoch komplizierte Erklärungen abgegeben, wie das alles
funktionieren soll, letztlich lief es auf einen allbestimmenden souveränen
Gott hinaus. Im Endeffekt wurde unterstellt, dass der Vater nur die zieht,
die auch zum Herrn Jesus kommen. So stellt sich aber Gott in der Bibel den
Menschen überhaupt nicht vor, ganz im Gegenteil, Gott macht deutlich, dass
er mit Menschen auf Grund von willentlichem Gehorsam Gemeinschaft haben
möchte, nicht auf Grund einer souveränen Handlung, die er selbst, unabhängig
vom Willen der Menschen, vorgenommen hat.
Einem 78 Jahre alten Bruder, der von diesen ganzen komplizierten
philosophischen Gedanken keine Ahnung hat wurde eine einfache Frage
gestellt: „Glaubt du, dass Gott allbestimmend ist?“ Nach kurzem Überlegen
kam seine Antwort: „Nein, denn dann gäbe es keine Sünde!“ Der Bruder kennt
seinen Gott und Vater.
Wenn wir die beiden Verse aus dem Römerbrief einmal näher ansehen, dann
finden wir in diesen Versen insgesamt fünf Handlungen oder Aktionen:
1. zuvor erkennen
2. zuvor bestimmen dem Bilde seine Sohnes gleichförmig zu sein
3. berufen
4. rechtfertigen
5. verherrlichen
Will man jetzt von der Behauptung ausgehen, dass alles nach dem souveränen
Willen Gottes abläuft und wenn man dann noch zuvor erkennen auf ein gewisses
zuvor wissen reduziert, dann kommt man unwei-ger¬lich an den Punkt wo man
sich fragen muss, warum denn Gott nicht einfach die, die er zuvor erkannt
hat verherrlicht hat? Was sollen die Schritte 3 und 4 in dieser Kette? Wenn
alles nach einem vorbestimmten und unumstößlichen Plan abläuft, dann würden
doch berufen und rechtfertigen auf eine reine Alibitätigkeit reduziert.
Wenn wir uns aber verdeutlichen, dass „zuvor“ in der Bibel häufig auf etwas
hinweist, was schon vor Grundlegung der Welt geschehen ist, dann bekommen
wir hier einen völlig anderen Aspekt. Dann haben wir hier plötzlich den
Gott, der Liebe ist, und der erkennt Menschen zuvor, bevor überhaupt
irgendetwas geschaffen war. Gott liebt Menschen, Gott will eine innige
Gemeinschaftsbeziehung zu Menschen. Dies ist die eigentliche Bedeutung
dieser biblischen Aussage, die wir auch noch an anderen Stellen deutlich
wieder finden. In Johannes 4 macht der HERR JESUS der Frau am Jakobsbrunnen
deutlich, dass es das Sehnen des Vaters ist, Anbeter in Geist und Wahrheit
zu haben.
Hier geht es aber eigentlich zunächst um den Aspekt, dass Gott die Menschen
liebt, ja das Gott Liebe ist. Er ist der Heilandgott, welcher will dass alle
Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Er hat
nicht einen Teil der Menschen besonders auserwählt und eine anderen Teil der
Menschen nicht, bzw. diesen nicht auserwählten Teil auch noch zur Verdammnis
zuvor bestimmt.
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1. Timotheus Kapitel 2 Vers 3 - 6 (Elberfelder 1905) |
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3Denn dieses ist gut und angenehm
vor unserem Heiland-Gott, 4welcher
will, daß alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit
kommen. 5Denn Gott ist einer, und
einer Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus,
6der sich selbst gab zum Lösegeld
für alle, wovon das Zeugnis zu seiner Zeit verkündigt werden sollte,
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Hier ist auch ganz wichtig zu beachten, dass der HERR Jesus, nach Hebr. 2,
durch seinen Tod alle die befreite welche durch Todesfurcht das ganze Leben
hindurch der Knechtschaft unterworfen waren. Befreiung dürfen wir dabei
natürlich nicht mit Errettung verwechseln. 1. Kor. 10 macht deutlich, dass
die Israeliten alle aus Ägypten befreit wurden, sie wurden sogar auf Mose
getauft, an den meisten hat aber Gott kein Wohlgefallen gefunden. Hatte dann
das Volk vielleicht Recht wenn es meinte es sei nur aus Ägypten
herausgeführt worden, weil es in Ägypten keine Gräber für sie gab?
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2. Mose Kapitel 14 Vers 11 (Elberfelder 1905) |
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11Und sie sprachen zu Mose: Hast du
uns darum, weil in Ägypten keine Gräber waren, weggeholt, um in der
Wüste zu sterben? Warum hast du uns das getan, daß du uns aus Ägypten
herausgeführt hast? |
Israel beurteilt Gott in 2. Mose 14 auf Grund der Umstände. Sie gehen später
sogar soweit, dass sie Gott unterstellen sie zu hassen.
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5. Mose Kapitel 1 Vers 27 (Elberfelder 1905) |
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27Und ihr murrtet in euren Zelten
und sprachet: Weil Jehova uns haßte, hat er uns aus dem Lande Ägypten
herausgeführt, um uns in die Hand der Amoriter zu geben, daß sie uns
vertilgen. |
Es gibt auch unter solchen, die nicht die doppelte Prädestination vertreten
viele, die behaupten z.B. Adam und Eva hätten im Paradies keine Chance gegen
den Teufel gehabt (z.B. Franz Kaub). Die Bibel sagt aber deutlich etwas
anderes. Adam und Eva haben von den Bäumen des Gartens gegessen. Aber selbst
im unschuldigen Zustand haben sie nicht von dem Baum des Lebens gegessen.
Das Erste, was der HERR den Überwindern der Sendschreiben gibt ist von dem
Baum des Lebens. Die Befreiung aller Menschen durch den HERRN hat er
vollbracht, indem er in das Haus des Starken eingedrungen ist und den
Starken gebunden hat. (Matt 12,29; Mark 3,27) Durch diesen Vorgang wurden
aber Menschen nicht zu Marionetten. Prinzipiell hat ein Mensch jetzt die
gleiche Möglichkeit wie Adam und Eva vor dem Sündenfall. Adam und Eva hätten
von Christus, von dem Baum des Lebens essen können, der Satan hätte dann in
Ihnen keinen Anknüpfungspunkt gefunden, wie er in Christus keinen gefunden
hat.
Es steht heute jedem Menschen frei, aus dem Haus des Starken herauszugehen.
Der Starke ist gebunden, Satan ist ein besiegter Feind, trotzdem muss der
Mensch herausgehen wollen. Niemand wird hinausgesetzt. Anhänger der
reformierten Theologie behaupten immer sie wurden bekehrt. Diese Passivform
benutzen sie in Übereinstimmung mit Augustinus, Luther und Calvin.
Die Schrift spricht aber an vielen Stellen von dem Willen des Menschen.
Dabei ist die Bereitschaft den Willen Gottes tun zu wollen das
Schlüsselelement, nicht nur bei der Errettung sondern auch später bei einem
Leben aus der Gnade zur Ehre des HERRN.
Epheser 2 macht uns dann ganz deutlich, dass der Glaube, der
Glaubensgehorsam kein Werk ist. Viele wenden bei dieser Argumentation ein,
der Wille des Menschen sei hier entscheidend und darum wäre es
Werkgerechtigkeit, dem steht aber entgegen, dass Glaube und Gehorsam kein
Werk ist. Gott will auf Grund des Glaubens und der daraus resultierenden
Rechtfertigung alle Menschen retten. Es gibt da keine Ausnahme. Die Bibel
macht deutlich, dass jeder Mensch zwei- dreimal ein Chance bekommt um sein
Leben von der Grube abzuwenden.
Ganz deutlich hat Gott auch alle Menschen zuvor bestimmt dem Bilde seines
Sohnes gleichförmig zu sein. Zum einen hat er davon Ausdruck gegeben, weil
alle Menschen in seinem Bilde geschaffen sind und weil alle Menschen von
Grundlegung der Welt an im Buch des Lebens stehen. Psalm 69 und Offenbarung
3 machen das neben vielen vielen anderen Stellen deutlich. Eine separate
Ausarbeitung über das Buch des Lebens hat in stichpunktartiger Form einen
Umfang von 4 Seiten. Aus dem Buch des Lebens gibt es nur Löschvorgänge. Die
Zuvorbestimmung der Menschen von Seiten Gottes ist allein durch die
biblischen Aussagen zu diesem Buch des Lebens ausreichend dokumentiert. Sie
sind zuvor bereitet, nämlich von Gott, als Gefäße zur Ehre, aber sie
bereiten sich selber zu als Gefäße des Zorns (Rö. 9,22+23 ).
Wie wird nun ein Mensch dem Bild des Sohnes Gottes gleichförmig? Nun, dass
ist nach biblischer Lehre sehr einfach. Er muss der göttlichen Botschaft
glauben. Der HERR Jesus selbst ist der „Apostel“ Gottes. Ausgehend von dem
HERRN wird die Botschaft verkündigt. Römer 10 macht deutlich wie geglaubt
werden kann, nämlich in Folge der Botschaft. Der ganze Römerbrief hat wie
einen Rahmen den Begriff „Glaubensgehorsam“. Dieser Begriff kommt nur zu
Anfang und zu Ende des Römerbriefes vor. (Römer 1,5
und Römer 16,26 )
Dieser Glaubensgehorsam rahmt sozusagen einen einmaligen biblischen Begriff
ein, nämlich die „Glaubensgrechtigkeit“ die wir allein in Römer 4,13
finden.
In der „goldenen Kette“ macht das Verb „berufen“ Schwierigkeiten, denn es
hat im Deutschen einen Hauch von Passivität. Tatsache ist aber, dass dieser
Ausdruck, übrigens genau wie der Ausdruck „Gnadenstuhl“ u.a. in Römer 3,25
auf die wortschöpferische Kreativität des Augustiners Dr. Martin Luther
zurückgeht. Wer je Luthers Erwiderung an Erasmus von Rotterdam „gegen den
freien Willen“ gelesen hat, der versteht sofort, warum Luther hier diesen
Hauch von Passivität aufkommen lässt. Tatsache ist, dass hier „rufen“ steht.
Englische Bibelübersetzungen machen das sofort deutlich und auch
Griechischkenner bestätigen, dass es keinen Grund gibt warum hier plötzlich
„berufen“ statt gerufen steht.
Würde hier nicht so ein „Passivausdruck“ verwandt, man käme sofort auf den
Gedanken, dass die Rechtfertigung als vierter Schritt in dieser Kette vom
Gehorsam dem Ruf, dem Evangelium gegenüber abhängt. Es ist übrigens
bezeichnend, dass z.B. in der Studienbibel von John MacArthur die
lutherischen Begriffe sehr häufig in der Fußnote erklärt werden. Da wird
nicht Griechisch oder sonst etwas erklärt, da wird einfach neue reformierte
Theologie durch alte reformierte Theologie untermauert.
Die Schrift selbst ist voll davon, dass wir durch Gnade und aus Glauben
gerechtfertigt werden. Die Schrift betont auch in Eph. 2 das der Glaube kein
Werk ist, trotzdem bleibt der Glaube ein Gehorsamsakt. Durch die ganze
Schrift hindurch wird deutlich, dass Gnade durch Gehorsam zum Ausdruck
kommt. Auch Liebe kommt nach Joh. 14 deutlich zum Ausdruck indem man
gehorsam ist und die Gebote des Herrn hält. Gehorsam ist und bleibt aber
Ausdruck eines Willens, der sich dem Willen Gottes unterordnet. Nur dadurch
hat der HERR, als Mensch, Gott geehrt, durch Gehorsam.
Rechtfertigung setzt Gehorsam voraus, so wie sich Gerechtigkeit nur durch
Gehorsam zeigt. Es gilt darum, dem Ruf, den man hört, zu gehorchen. Dieser
Ruf geht an alle Menschen. Nicht durch Zuvor-erkenntnis oder Zuvorbestimmung
kommt es zu zwei Gruppen unter den Menschen. Eine Trennung machen allein die
Sünden. Nämlich die Sünden, die nicht vergeben werden, obwohl der Heiland
Gott dies anbietet. Einem Menschen bleiben seine Sünden allein durch
Ungehorsam erhalten.
Immer wieder spitzt sich die Diskussion auf die Frage des „freien Willens“
zu. Häufig wird auch die Frage gestellt, warum denn all das Böse in der Welt
geschieht? Die Antwort ist ganz einfach, weil Gott dem Menschen einen freien
Willen gegeben hat und der Mensch das Böse tun will und kann, er ist darin
frei! Gott zwingt niemanden lieb zu sein. Jeder, der im Haus des Starken
bleibt, bleibt freiwillig dort. Die Aussage: „Im Himmel und in der Hölle
gibt es nur Freiwillige!“ ist 100%ig richtig.
Niemand geht verloren, weil er nicht auserwählt, nicht zuvorerkannt oder
nicht zuvorbestimmt war. Die Goldene Kette ist entstanden, weil Augustinus
gegenüber Pelagius die Argumente ausgegangen waren und Augustinus dann
einfach den freien Willen geleugnet hat. Natürlich hat Pelagius eine
Rechtfertigung aus Werken gepredigt. Augustinus konnte und wollte wohl aber
nicht zugeben, dass das Grundübel der Argumentation von Pelagius im
Mönchstum, in der Askese, lag. Wenn Augustinus zu diesem Punkt gekommen
wäre, dann hätte er seinen eigenen Orden wieder einstampfen müssen.
Spätestens seit seiner Zeit im Cassiciacum hatte Augustinus das asketische
Mönchstum so sehr verinnerlicht, dass er es gar nicht mehr in Frage stellen
konnte. Man muss aber eigentlich davon ausgehen, dass wohl schon seine
„Bekehrung“ auf Grund von Rö. 13,13
„nicht in Schwelgereien und Trinkgelagen, nicht in Unzucht und
Ausschweifungen, nicht in Streit und Neid;“ eine Bekehrung zur Askese und
nicht eine Bekehrung zu Christus gewesen ist. Alle Biographen von Augustinus
sind sich einig darin, dass er sich zur Askese bekehrt hat. Uneinigkeit
herrscht allein darüber, ob es bei Augustinus auch eine Bekehrung zum
Christentum bzw. zu Christus gegeben hat.
Wenn man Calvin, den Calvinismus und die daraus resultierende reformierte
Theologie vor sich hat, dann muss man sich immer wieder vor Augen führen,
dass die Reformatoren die Kirche zu Augustinus zurück geführt haben und das
reformierte Theologie ohne alle Abstriche augustinesche Theologie ist.
Calvin hat Augustinus mehr als alles andere zitiert und Luther war
Augustiner.
Der Papst hat Augustinus berechtigter Weise den wichtigsten Theologen der
katholischen Kirche genannt.
Augustinus war eindeutig Platoniker. Ober er nun dem Platonismus oder dem
Neo-Platonismus anhing, dass war ihm wohl selbst nicht ganz klar. Tatsache
ist aber, dass er eigentlich Epikur die Krone der Phi-loso¬phen aufsetzen
wollte. Da aber Epikur die Existenz jeder Gottheit leugnete und das
Höhlengleichnis Platons dem Augustinus eine wunderbare Interpretationsregel
für seine eigene Bibelauslegung lieferte, gewann letztlich Platon die
Oberhand, obwohl Epikur die bessere Ethik vertrat.
Reformierte Theologie ist Philosophie pur und die goldene Kette ist ein
reines Philosophiegebilde.
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