Home   Forum  Unterredungen.ch  Bibellehre.ch   Bibelkreis.ch  Geistliche Lieder 

Welche Auswirkung hat das Festhalten an den 5 Punkten des Calvinismus?

Zu Vortrag 2:
Welche Auswirkungen hat das Festhalten an den 5 Punkten des Calvinismus? Wie kann die Gemeinde damit umgehen?
Es ist nicht egal, was wir denken, weil das, was wir denken, unser Handeln beeinflußt. In Mt. 15,19 sagt der Herr: Denn aus dem Herzen kommen hervor böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Hurerei, Dieberei, falsche Zeugnisse, Lästerungen... - Das gleiche Prinzip sagt uns der Herr in Kap. 5, in der Bergpredigt. Und man kann sehr einfach erkennen, daß das, was man im Herzen hat, das, was man denkt, sich darauf auswirkt, was man tut. Das Ganze funktioniert nicht nur in die negative Richtung, sondern auch in die positive Richtung. Deshalb werden wir im N. T. so oft dazu aufgefordert, unsere Gesinnung zu erneuern. Gedanken beeinflussen unser Handeln und unser Leben, und dabei gilt ganz einfach: Erhebliche Gedanken führen zu erheblichen Handlungen, nichtige Gedanken führen zu nichtigen Handlungen. - Jetzt ist natürlich die Frage, was der höchste oder der entscheidenste Gedanke ist, den der Mensch fassen kann. Ich möchte mal die Behauptung in den Raum stellen, daß das Höchste, was der Mensch denken kann, ist, über Gott nachzudenken.
Tozer sagte mal: "Solange unsere Vorstellungen von Gott falsch oder unangemessen sind, ist es unmöglich, unser Verhalten und unsere innere Einstellung gesund zu erhalten. Wenn unser Leben wieder geistliche Kraft bekommen soll, müssen wir damit beginnen, so über Gott zu denken, wie Er in Wirklichkeit ist."
Die entscheidene Frage, wenn wir über Calvinismus oder speziell über diese 5 Punkte des Calvinismus nachdenken, ist: Wie ist Gott? Wie kann ich wissen, oder wie kann ich erfahren, wie Er ist. Da geht es nicht um Geschmacksfragen, und es geht auch nicht um systematische Theologie, sondern es geht darum: Wie ist Gott. - Asaph macht uns einen sehr guten Vorschlag, wie das geht, zu erfahren, wie ist Gott. Er sagt in Ps. 77, 11-14: Der Jahre der Rechten des Höchsten, will ich gedenken, der Taten des Jah; denn deiner Wunder von alters her will ich gedenken; und ich will nachdenken über all dein Tun, und über deine Taten will ich sinnen. Gott! Dein Weg ist im Heiligtum; wer ist ein großer Gott wie Gott?

Nachdenken über Gott. Nachdenken darüber, wie Gott ist, und was Er schon getan hat. Natürlich ist es für uns unmöglich, Gott vollständig zu beschreiben, zu erfassen, alle Seine Handlungen zu verstehen und zu erklären. Und gerade aus dem Umstand heraus speist sich auch unsere Ehrfurcht, unsere Anbetung, unsere Bewunderung. Aber: Gott ist kein Mysterium. Wenn man das Reden oder die Lehre vieler der Calvinisten durchliest, dann hat man den Eindruck, Gott ist ein riesengroßes Mysterium. Er ist souverän, und die Dinge, die Er tut, kann ich nicht nachvollziehen, nicht verstehen; das muß ich halt so nehmen. - Aber Gott hat sich offenbart. Wir lesen in Hebräer 1, daß Sein Reden in der Menschwerdung des Herrn Jesus gipfelt, daß der Herr Jesus gekommen ist, um den Vater kundzumachen. Und durch den Herrn Jesus können wir unmißverständlich wissen oder erfahren, wie Gott ist, wie Er über Menschen denkt, und wie wir errettet werden können. Ich würde sagen: Durch den Herrn Jesus können wir die wichtigsten Dinge, die wir als Menschen wissen sollen, wissen können. Das ist ja genau das wunderbare Evangelium, daß Gott Mensch wird in der Person vom Herrn Jesus, und der Herr Jesus uns zeigt/sagt, wie Er ist und wie wir errettet werden können. Im Evangelium ist alles enthalten im Prinzip, was wir wissen müssen. Und diese Offenbarung durch den Herrn Jesus hat ein ganz konkretes Ziel, nämlich, daß Er aus Feinden Gottes, aus Rebellen Anbeter macht, die in Geist und Wahrheit anbeten. Wie man jetzt zu so einem Anbeter wird, darüber scheiden sich natürlich jetzt die Geister in unserem gegenständlichen Thema. - Wir haben auf der einen Seite die Lehre des Calvinismus bzw. der reformierten Theologie, und auf der anderen Seite haben wir viele Aussagen der Bibel zu diesem Thema.
Jedenfalls ist es wichtig zu sagen: Es gibt eine gewisse Bandbreite von Meinungen, und es gibt eine
gewissen Bandbreite von dem Verständnis, wie Gottes Allwissenheit, Allmacht, Seine Souveränität auf der einen Seite, und der freie Wille des Menschen auf der anderen Seite zusammenhängt.
Wir müssen und hier beschäftigen mit einem extremen Rand des Spektrums. In der Kirchengeschichte war es 1500 Jahre eine absolute Minderheitenmeinung, die Theologie, wie sie uns jetzt als Calvinismus oder reformierte Theologie begegnet. Aber diese Minderheit ist momentan sehr prominent, sie ist vertreten im Internet, in Büchern, Seminaren, Bibelschulen. Der 5-PunkteCalvinismus ist ein Gedankengebäude, systematische Theologie, die einfach einmal steht. In der Mathematik würde man sagen: Es ist eine axiomatische Annahme; Annahme, die man trifft, und von der aus man dann weiter argumentiert. Und das ist ja das, was man sehr häufig begegnet, daß sozusagen diese 5 Punkte via Brille aufgesetzt werden, und dann wird in der Bibel gelesen. Die Popularität von diesen 5 Punkten ist ein stückweit in der Geschichte der Reformation begründet. Nach dem Mittelalter, die Renaissance, der Humanismus, der aufgekommen ist, und mehr und mehr Gottes Rolle klar gemacht hat, bzw. die Rolle der Kirche, muß man sagen, klargemacht hat, und den Menschen großgemacht hat, und den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Vor diesem Hintergrund ist natürlich nicht so schwer zu verstehen, daß Männer Gottes aufgestanden sind, und dem ein Gegengewicht entgegengesetzt haben, zu sagen: Der Mensch steht nicht im Mittelpunkt. Gott ist das Zentrum aller Dinge.
Der 5-Punkte-Calvinismus ist keine einheitliche Bewegung, sondern daß es darin auch wieder enorme Bandbreiten gibt und Parteien, die sich z. T. zutiefst bekämpfen. Das Problem an dieser systematischen Theologie des 5-Punkte-Calvinismus ist, daß man sich Schritt für Schritt vom eindeutigen Reden der Schrift entfernt, und insbesondere von der Offenbarung durch den Herrn Jesus. Man entfernt sich, und kriegt eine gewisse Unwucht hinsichtlich der Inhalte und des Stellenwertes. Was für Konsequenzen ergeben sich jetzt aus dieser Lehre des 5-PunkteCalvinismus?
Ich möchte ganz kurz darlegen, in was für eine Richtung dieser 5-Punkte-Calvinismus geht, wenn man einen Schritt weiter denkt in Bezug auf die Lehre, wie sie sich auf Gemeinden und auf einzelne Geschwister aufwirken kann. - Der 5-Punkte-Calvinismus betrifft den Kern oder die Kernbotschaft des Evangeliums. Und damit betrifft es unweigerlich unser Denken über Gott. Wenn Gott - um ein Beispiel zu nennen - souverän ist im Sinne dieses 5-Punkte-Calvinismus nämlich, daß Er alles vorherbestimmt hat, jeden Schritt nicht nur kennt, sondern aktiv verursacht, stellt sich natürlich die Frage, was für eine Verantwortung der Mensch hat. Die Lehre des 5-Punkte-Calvinismus sagt uns, daß der Mensch total verdorben ist, und daß diese totale Verdorbenheit ihn unfähig macht, Gutes zu tun, und Gutes überhaupt als Gutes wahrzunehmen. Er ist taub für Gottes Reden und blind für Gottes Handeln. Das einzige Verlangen, das dieser Mensch hat, ist zu sündigen. Und weil er so verdorben ist, hat er kein Verlangen mehr danach, moralisch richtig zu leben. Soweit einmal die Problemlage. Was ist jetzt die Antwort des Calvinismus: Der Mensch muß wiedergeboren, er muß erneuert werden, Gott muß aktiv werden, und der Mensch bleibt passiv; dieser Prozeß der Wiedergeburt - Regeneration - bevor nämlich der Mensch überhaupt glauben kann. Das hat massive Auswirkungen - wenn wir darüber nachdenken - auf die ganz, ganz zentralen Lehren des Evangeliums. Z. B. Joh. 7-10 ist vor diesem Hintergrund sehr, sehr unverständlich. Darüberhinaus ergibt sich eine Frage: Wenn Gott gut ist, und Gott ist gut (Ps. 119, 68), und alles, was Er geschaffen hat, inklusive dem Menschen, sehr gut ist, woher kommt dann überhaupt die Fähigkeit Adams und auch Luzifers, zu sündigen, und damit den Menschen in den Zustand der totalen Verdorbenheit zu bringen? Woher kommt das? Wenn auf der einen Seite totale Verdorbenheit den Menschen unfähig macht Gutes zu tun, woher kommt dann die Fähigkeit Schlechtes zu tun aus einem Zustand, der als "sehr gut" beschrieben wird. Wir haben zwei widersprüchliche Annahmen. Und das zeigt und, wie systematische Theologie auch funktioniert. Die erste Annahme ist, daß etwas, das von Natur aus gut ist, nichts Schlechtes tun kann, und umgekehrt funktioniert´s natürlich auch. Die zweite Annahme, oder Feststellung ist: Adam und auch Luzifer waren ursprünglich gut, und sündigten aber. - Eine der
beiden Annahmen ist falsch, oder, man muß zu dem Schritt gehen: "Gott selbst ist der Ursprung der Sünde. Wenn nur das, was man tun kann, daraus entspringt, was innen drinnen ist, und Gott den Menschen sehr gut gemacht hat, dann muß ja die Fähigkeit zu sündigen von Gott gekommen sein."
Diesen Schluß würde ich als Blasphemie bezeichnen: daß Gott der Ursprung der Sünde ist. Eng verbunden mit diesem Problem ist die Verantwortung des Menschen. Wenn ich selbst nicht der Verursacher meiner Taten bin, dann kann ich dafür auch nicht verantwortlich gemacht werden. - Der Herr Jesus sagt klipp und klar zu den Pharisäern: Wenn ihr blind wäret, so würdet ihr keine Sünde haben; nun ihr aber saget: Wir sehen, so bleibt eure Sünde. (Joh. 9,24) - Wie kann jemand, der blind ist, nicht dafür verantwortlich gemacht werden, daß er sieht? Und deshalb ist es wenig überraschend, daß die Bibel unmißverständlich davon redet, daß der Mensch für seine Taten verantwortlich ist und dafür, wie er zu Gott steht.
Der Herr Jesus sagt in Mt. 23,37: "...ihr habt nicht gewollt." - Und gleichzeitig sagt uns Paulus in Röm. 2,5-6: "Nach deiner Störrigkeit und deinem unbußfertigen Herzen aber häufst du dir selbst Zorn auf am Tage des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichts Gottes, welcher einem jeden vergelten wird nach seinen Werken." - Der Mensch ist verantwortlich für das, was er tut, und wir er zu Gott steht, bzw. wie er auf Gottes Reden durch den Herrn Jesus reagiert.
Neben dem Ursprung der Sünde und der Verantwortung des Menschen, möchte ich noch ein drittes Beispiel bringen, was uns einfach klar macht, auf was für eine schiefe Ebene wir uns begeben, wenn diese 5 Punkte des Calvinismus wahr wären. Wenn Gott in der Lage ist, den Menschen das unwiderstehliche Verlangen nach Rettung zu geben, warum gibt Er es nicht allen Menschen? Wenn wir weiter folgern, dann müssen wir annehmen, daß Gott entweder nicht allmächtig oder nicht allliebend ist, d. h. daß es nicht Seine Absicht ist, daß alle Menschen gerettet werden. Und das wiederum steht im krassen Widerspruch zu den unmißverständlichen Aussagen der Bibel. D. h. entweder ist die biblische Aussage über Gottes Absicht mit dem Menschen falsch, oder diejenigen, die den 5-Punkte-Calvinismus für sich als wahr nehmen, müssen einen Schritt weitergehen. Konservative 5-Punkte-Calvinisten hören eben bei diesem Schritt auf und sagen: "Es ist eben ein Mysterium, das wir nicht verstehen." Weniger konservative Calvinisten gehen den Schritt weiter und landen bei einer Form des Universalismus, der Allversöhnung.
Zitat von einem der Wegbereiter des modernen, calvinistisch-geprägten Universalismus, Lesslie Newbigin, der einer der "Väter der Ökumene" war. Er sagt: "Gottes erwählende Gnade schafft ein Volk, dessen Verantwortung es ist, die Träger seiner universalen Rettung zu sein. Erwählt zu sein heißt nicht, daß der Erwählte gerettet ist und der Rest verloren geht. In Jesus Christus erwählt zu sein, und eine andere Erwählung gibt es nicht, heißt, Teil seiner Mission für die Welt zu werden, heißt, Träger von Gottes Willen, die ganze Welt zu retten, zu werden, d. h. Wegweiser, Zeuge und Erstlingsfrucht seines gesegneten Königreichs für alle zu werden." - Es gibt einen Autoren, der von diesem Gedanken/Denken sehr stark geprägt ist. Das ist Tim Keller. Er ist 2011 in einem Fernsehinterview (das kann man sich auf Youtube anschauen, wenn es einen interessiert) gefragt worden: "Was ist mit all den Moslems, Juden und Sioux? Kommen die in den Himmel?" Da druckste er so herum und sagte: "Ja, die müssen von Jesus hören." Der Fernsehreporter sagte: "Wir reden von den Moslems, Juden uns Sioux, die von Jesus gehört haben. Kommen die in den Himmel?" Tim Keller ließ sich zu der Aussage hinreißen: "Sie brauchen Jesus, aber ich weiß ja nicht, wie Gott wirklich ist, und ich kann mir gut vorstellen, daß es sozusagen eine "trap-door", also eine Hintertür noch gibt."
Die Beispiele zeigen, wie eng verbunden die einzelnen Bereiche dieser 5 Punkte miteinander sind, und was für Türen man aufmacht! Letztendlich führen sie zu Aussagen, die nicht biblisch sind. Die biblische, unmißverständliche Aussage ist, daß der Mensch ein moralisches Wesen ist. Und Moral setzt die echte Möglichkeit zur Entscheidung voraus. Genauso wie Liebe, die sich
letztendlich in Anbetung aus freien Stücken manifestiert.
Ausgehend von den Auswirkungen für die Lehre an sich, hat das vehemente Vertreten der reformierten Theologie natürlich auch Auswirkungen auf den geistlichen Zustand von Gemeinden und einzelnen Gläubigen. Aus den Southern Baptists sagt Steve Lemke: "Ich glaube, der Calvinismus ist potentiell die explosivste und entscheidenste Frage, mit der wir uns in naher Zukunft befassen müssen. Dadurch wurden schon viele Ortsgemeinden gespalten, und die Frage hat das Potential, die gesamte Versammlung zu entzweien." - Die Frage ist natürlich: Warum ist mit dem 5-Punkte-Calvinismus soviel Spaltung verbunden? Die Gefahr ist, daß Dinge überbetont werden... Das Interessante ist eben, daß diese Agenda mit sehr, sehr großem Nachdruck vertreten wird. Die Bibel warnt uns aber davor, eben auf einer Seite des Pferdes hinunterzufallen. Sie warnt uns vor Überbetonungen, letztendlich falschen Lehren und Spaltungen. Das kann harmlos anfangen. In 1. Timotheus 1 lesen wir vom fruchtleeren Gerede (Anm. "eitlem Geschwätz"). Das kann aber weitergehen zu sektiererischer Lehre. - Titus 3,10-11: Einen sektiererischen Menschen weise ab nach einer ein- und zweimaligen Zurechtweisung, da du weißt, daß ein solcher verkehrt ist und sündigt, indem er durch sich selbst verurteilt ist. - Und der Effekt ist eben der, wie er in Römer 16 beschrieben wird: Zwiespalt und Ärgernis. - Und zu all diesen drei genannten Eskalationsstufen gibt uns die Bibel Anweisungen, wie damit umzugehen ist.
Der 5-Punkte-Calvinismus hat aber auch Auswirkungen auf einzelne Geschwister. Das kann verschiedene Formen annehmen. Häufig ist es so, daß die systematische Theologie zu einem Steckenpferd wird und man kreist nurmehr um ein Thema oder wenige Themen, und kriegt sozusagen eine geistliche Unwucht. Andererseits kann es uns vor seelsorgerliche Mammutaufgaben stellen. "Was für eine Sicherheit habe ich, unter den Erwählten zu sein? Was tun, wenn alles nur Einbildung ist? Was hat es zu bedeuten, wenn ich als vermeintliches Kind Gottes sündige und vielleicht sogar in diesem Zustand sterbe?" Das sind seelsorgerliche Aufgaben. - Was ich jetzt kurz in Bezug auf die Lehre, Gemeinde und Geschwister sagen will: Es geht bei der Frage des 5-PunkteCalvinismus nicht um theologische Geschmacktsfragen, sondern es hat handfeste Auswirkungen mit großer, großer Tragweite. Und ich denke, die Botschaft ist für uns angekommen, oder sie ergibt sich zwingend daraus, wir müssen als Christen wissen, wie wir mit der Lehre des 5-PunkteCalvinismus umgehen wollen, so wie mit jeder anderen Lehre auch. Wir müssen eine Ahnung haben. Wenn wir da leichtfertig sind, wenn wir sagen: Ist doch wurst, ob Vanille oder Schokolade, dann werden wir über kurz oder lang überrollt werden, und mit Situationen konfrontiert werden, die uns weder wünschen, noch vielleicht jetzt vorstellen können noch wollen.

Lektorat VF