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3. Das Dank- oder Friedensopfer


(3. Mose 3; 7, 11-36).
In diesem Opfer ist die Gemeinschaft des Anbeters der Hauptgedanke. Hier haben wir nicht Christum als ausschließlich durch Gott genossen, wie beim Brandopfer, sondern ein Vorbild, wie Christus genossen wird durch den Anbeter, und zwar in Gemeinschaft mit Gott, mit dem Priester (d. i. mit Christo), der das Opfer dargebracht hat, sowie mit der ganzen Versammlung oder Gemeinde, welche durch Aaron und seine Söhne, als durch die priesterliche Familie vorgebildet ist.
Das Dank- oder Friedensopfer folgte auf das Brand- und Speisopfer, wodurch der Heilige Geist anzeigen wollte, daß die Gemeinschaft mit Gott nur möglich sei auf Grund der vollkommenen Annehmlichkeit des Opfers Christi, der sich Gott geweiht hat im Tode (Brandopfer) und im Leben (Speisopfer).
Gott konnte mit dem Sünder keine Gemeinschaft haben. Dieser mußte erst gereinigt werden, was vorbildlich dargestellt wurde durch das Sündopfer. Auf Grund der Tatsache, daß Christus die Sünde des Glaubenden getilgt hat, ist dieser befähigt, vor Gott hinzutreten; er ist gereinigt und geheiligt durch das Blut Christi und naht nun Gott in der ganzen Annehmlichkeit Christi, die vorbildlich im Brand- und Speisopfer zum Ausdruck gebracht wurde, denn sie wiesen hin auf die Hingabe Christi im Tode und im Leben für Gott. Der Sünder bedurfte nicht nur der Reinigung von der Sünde, um Gemeinschaft mit Gott haben zu können, sondern er mußte auch bekleidet werden mit der Vortrefflichkeit und Annehmlichkeit Christi. Welch ein kostbares Bewußtsein, daß wir als Erlöste heute in Seinem kostbaren Wohlgeruch, in Seiner Gunst, Schönheit und Herrlichkeit Gott nahen. Dies gibt uns viel Freimütigkeit und Freude, vor Gott hinzutreten und Ihn zu preisen und anzubeten durch Jesum Christum.
Als der verlorene Sohn bußfertig zurückkehrte zum Vater, wurde er gnädig und herzlich von diesem empfangen und erhielt Vergebung. Aber ehe er die Gemeinschaft mit dem Vater an der gedeckten Tafel genoß, wurde er erst herrlich gekleidet und in die Würden und Rechte (Ring) eines Sohnes eingesetzt, ein Bild von dem, was wir in Christo
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vor Gott sind, einsgemacht mit dem Geliebten; in dessen Wohlgeruch und Annehmlichkeit wir die Gemeinschaft mit unserem Gott und Vater genießen.
Nun wollen wir die Opferhandlung noch etwas näher betrachten. Wir lesen: „Und wenn seine Opfergabe ein Friedensopfer ist: wenn er sie von den Rindern darbringt, es sei ein Männliches oder ein Weibliches, so soll er sie ohne Fehl vor Jehova bringen" (3. Mose 3, 1).
Das Brandopfer mußte ein „Männliches" ohne Fehl sein, während als Friedensopfer neben dem Männlichen audi ein Weibliches gestattet war darzubringen.
Das Brandopfer war ausschließlich für Gott; kein Mensch hatte Teil daran; es mußte ganz auf dem Altar geräuchert werden. Der Priester bekam die Haut, zum Zeichen, daß das Opfer vollendet und Gott dargebracht war. Gott hat am Tode Christi Sein besonderes Teil, das Er allein wert schätzen und genießen kann. Kein Mensch kann diese Wonne, diesen Genuß mit Ihm teilen.
Im Friedensopfer aber sehen wir, wie der Anbeter Christum genießt in Gemeinschaft mit Gott. Und weil in diesem Opfer uns die Wertschätzung Christi durch den Anbeter vorgestellt wird, so war auch ein weibliches gestattet, das in def Heiligen Schrift immer ein Bild der Schwachheit ist. Denn kein menschliches Herz, so stark seine Liebe auch sein mag, wäre imstande, sich zu der Höhe der Hingabe Christi an Gott und der Annahme Seiner gesegneten Person von Gott zu erheben. Niemand hat die Beweggründe Christi, Seine Liebe und Hingabe, Seinen Gehorsam und Seine Ergebenheit so erkannt und kann sie so wertschätzen wie Gott.
Freilich mußte auch das weibliche Tier „ohne F e h 1" sein, weil Christus in Seiner Natur, ob Er von Gott geschätzt und genossen wird oder vom Anbeter, ein und derselbe sein muß: Er ist rein und heilig.
Betrachten wir nun weiter die Opferhandlungen und ihre vorbildliche Bedeutung für uns! Wir lesen 3. Mose 3, 1 2: „Und wenn seine Opfergabe ein Friedensopfer ist,. .. so soll er sie ohne Fehl vor Jehova darbringen. Und er soll seine Hand auf den Kopf seines Opfers legen und es schlachten an dem Eingang des Zeltes der Zusammenkunft; und die Söhne Aarons, die Priester, sollen das Blut an den Altar sprengen ringsum".
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In Christo haben wir das Lamm Gottes „ohne Fehl und Flecken". Er, der keine Sünde kannte, hat Sich in einer Welt der Sünde Gott geweiht, um Ihn vollkommen zu verherrlichen. Er gab Sein Leben hin, damit auch alles das, was Gott im Gericht gegen das Böse war, verherrlicht werden möchte und so durch Ihn (durch die Person des Herrn) eine unendliche Gunst auf diejenigen käme, welche durch Ihn Gott nahen.
Der Opfernde mußte seine Hand auf den Kopf seines Opfers legen. Was bedeutete dies? Die völlige Einsmachung mit dem Opfer. Wenden wir dies auf uns und den Herrn an, der am Kreuze Sein Leben hingegeben hat, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch, so können wir sagen: Wir nahen Gott in der Annehmlichkeit, in dem Wohlgeruch Christi.
Das Opfertier wurde am Eingang des Zeltes der Zusammenkunft geschlachtet und sein Blut von den Söhnen Aarons, den Priestern, an den Altar ringsum gesprengt.
Der Herr mochte „in der Gleichheit des Fleisches der Sünde" geoffenbart sein, Er mochte auf dieser Erde leben und wirken; Er mochte inmitten der Finsternis dieser Welt in all Seinem himmlischen Glänze, in der himmlischen Schönheit, die Seiner Person angehörten, leuchten, - dennoch wäre kein Sünder errettet und in die Gegenwart Gottes gebracht worden, um Gemeinschaft mit Ihm zu haben, Ihm zu nahen mit Dank und Anbetung, wenn nicht das Blut des Sohnes Gottes geflossen wäre. Aber auf dem Boden stehend, den das kostbare Blut Christi bereitet hat, können wir mit glücklichem Herzen und mit anbetendem Geiste Gott nahen und Ihn preisen.
Je mehr der Gläubige nun in dem Lichte wandelt, desto tiefer wird sein Gefühl über alles, was der Heiligkeit Gottes nicht entspricht, aber desto mehr schätzt er auch den Wert des kostbaren Blutes Christi und naht Gott mit einem um so dankbareren Herzen.
Weiter sehen wir in dem Handauflegen einen Hinweis für den Gläubigen, daß er sich Christo ganz anvertraut hat, nicht nur wegen seiner Annahme bei Gott, sondern weil Christus auch sein gegenwärtiges Teil und seine gegenwärtige Freude vor Gott ist. Er ist der ge-
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meinsame Gegenstand derer, die die Gemeinschaft pflegen, und macht eigentlich das Wesen ihrer Gemeinschaft aus.
Wenn das Opfertier geschlachtet und sein Blut an den Altar ringsum gesprengt war, mußte von dem Friedensopfer ein Feueropfer dem Jehova dargebracht werden. Wir lesen: „Das Fett, welches das Eingeweide bedeckt, und alles Fett, das am Eingeweide ist, und die beiden Nieren und das Fett, das an ihnen ist, das an den Lenden ist, und das Netz über der Leber: samt den Nieren soll er es abtrennen". Der Opfernde mußte dies alles Jehova darbringen; aber die Söhne Aarons räucherten es auf dem Altar, auf dem Brandopfer.
Das Blut und das Fett durfte niemand essen; sie gehörten notwendigerweise Gott.
Das Fett ist das Sinnbild der Entschiedenheit und Kraft des Willens, des Innern des menschlichen Herzens. In Jesu war alles, was an Entschiedenheit und Kraft in der Natur vorhanden war, das ganze Innere ein Brandopfer für Gott, das als ein Opfer lieblichen Geruchs Gott dargebracht wurde. Es war Gottes Anteil an dem Opfer. Jehova fand Seine Wonne daran; Seine Seele ruhte darin, denn es war kostbar für Ihn.
Nun haben wir gesehen, wie uns das Fett des Dank oder Friedensopfers an die Entschiedenheit und Kraft erinnert, die in der Natur Christi vorhanden war; es wies hin auf die Vortrefflichkeit der Beweggründe Seines Herzens und auf Seine vollkommene Hingabe. Das Innere des Herrn war ein Brandopfer für Gott, Ihm zum lieblichen Geruch. Alle Beweggründe, die Jesum leiteten, waren vollkommen gut, sie galten der Ehre und Verherrlichung Gottes. Wir sehen bei Ihm eine Hingabe und Entschiedenheit und einen Gehorsam, die in allem dem Herzen Gottes entsprachen. Seit dem Sündenfall gab es nichts auf Erden, worauf das Auge Gottes mit Wohlgefallen ruhen konnte, bis Jesus herabstieg. Über niemand konnte sich der Himmel öffnen; er war verschlossen, weil alle Menschen unter die Sünde verkauft waren und durch ihr Leben und ihren Wandel Gott verunehrten. Als aber Jesus auf die Erde kam, da öffnete Er sich, und zwar über Ihm, dem Geliebten Gottes, der zweite Mensch war da, der gekommen war, Gottes Willen vollkommen zu erfüllen und das große Opfer am Kreuz
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zu bringen zur Verherrlichung Gottes und den verlorenen Sündern zum Heil. So sehen wir denn, wie der Heilige Geist herniederkommt auf den Herrn, als dieser am Jordan Sich taufen läßt und anschickt, Seinen öffentlichen Dienst anzutreten. Auf Ihm, dem Reinen und Heiligen, konnte der Geist eine Ruhestätte finden und auf Ihm bleiben. Welch eine Wonne für den Vater, Seinen geliebten Sohn in dieser Stellung des Gehorsams zu sehen! Er kann Seine Freude nicht zurückhalten; Er muß ihr öffentlich Ausdruck geben, und Er bezeugt: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an welchem Ich Wohlgefallen gefunden habe" (Matth. 3, 17). Der Vater konnte nicht schweigen Dem gegenüber, Der jetzt bereit war, inmitten des Bösen, in einer Welt voll Sünde und Ungerechtigkeit, Ihn zu verherrlichen. Er wußte, daß die Feindschaft des Menschen und das Kreuz dem Herrn nur eine Gelegenheit geben würden, den Wohlgeruch Seiner Vortrefflichkeit und Kostbarkeit auszuströmen. In Wahrheit war jede Regung im Herzen Christi Gott geweiht; dies zeigte sich in der vollkommensten Weise am Kreuze, wo Er Sein Leben zum Wohlgefallen Gottes hingab. Da offenbarte sich die kostbare „Speise des Opfers".
Das Fett, das Beste und Vorzüglichste des Opfertieres, wurde vorweggenommen - kein Mensch durfte etwas davon genießen - und Gott geräuchert, wodurch der Heilige Geist anzeigen wollte, daß Gott das erste und beste Teil von Christo gehöre. Darüber freuen wir uns sehr. Aber wie gesegnet für uns, daß auch wir uns von Christo nähren dürfen. Um dies anzudeuten, bekam die priesterliche Familie (Aaron und seine Söhne) auch ihren Anteil, nämlich die Brust; den rechten Schenkel erhielt der opfernde Priester, also der, welcher das Opfer darbrachte und das Blut sprengte. Das übrige wurde von den Opfernden und von den Geladenen gegessen,
Auf diese Weise bestand eine Einsmachung mit der Herrlichkeit und dem Wohlgefallen, ja, mit der Wonne Dessen, Welchem das Opfer dargebracht wurde, und zugleich mit dem Priestertum und dem Altar, den Werkzeugen und Mitteln der Darbringung.
Das Blut des Opfers bildete die Grundlage für die Gemeinschaft mit Gott, und alle, welche an dem Dank- oder Friedensopfer teilnahmen und davon aßen, nahten Gott in
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dem Wohlgeruch Christi, was durch das Räuchern des Fettes vorgebildet wurde.
Welch ein gesegneter Gedanke für uns, daß wir Gott nahen können mit Freimütigkeit, weil das Blut Christi für uns spricht, Ihm auch nahen in dem ganzen Wohlgeruch Christi, in Seiner Vortrefflichkeit, und uns nähren dürfen von Dem, der die Wonne des Vaters ist.
Wenn wir Gott nahen mit Dank und Preis, dann setzt dies voraus, daß wir ein gewisses Verständnis über Christum haben, und daß wir Gott lieben, denn wir wollen Ihm etwas darbringen, was Ihm Freude bereitet. Er ist uns genaht, indem Er uns Christum gab und auch dahingab in den Tod zu unserer Erlösung. Was können wir Gott nun bringen, wenn wir Ihm nahen? Nur das, was Er uns gegeben, nämlich: Christum. Wir bringen Ihn Gott zurück voll dankbarer Liebe und mit Preis. Doch das, was wir Gott darbringen, bildete ein göttliches Band zwischen uns und Ihm und zwischen uns und den Heiligen.
Nachdem wir nun einiges über die Bedeutung der einzelnen Opferhandlungen beim Dank- oder Friedensopfer mitgeteilt haben, wollen wir nun zum Gesetz dieses Opfers übergehen. Wir lesen 3. Mose 7, 11 - 13: „Wenn man es zum Dank darbringt, so bringe man nebst dem Dankopfer ungesäuerte Kuchen dar, gemengt mit Öl, und ungesäuerte Fladen, gesalbt mit Öl, und Feinmehl, eingerührt mit Öl: Kuchen, gemengt mit Öl. Nebst den Kuchen soll man gesäuertes Brot als Opfergabe darbringen, nebst seinem Dank- Friedensopfer".
Die ungesäuerten Kuchen weisen auf Christum hin. In Ihm war kein Sauerteig, d. h. keine Sünde. Er war ein Mensch von anderer Wesensart als wir, ein Mensch, der „keine Sünde kannte" und bei all Seinem Denken, Tun und Lassen vom Heiligen Geist geleitet wurde und Gott verherrlichte. Das öl war ein Bild vom Heiligen Geist.
Das gesäuerte Brot deutete auf den Anbeter hin, der, wenn er auch ein Eigentum Gottes ist und ewiges Leben besitzt, doch Sauerteig in sich hat, d. h. die Sünde im Fleische. Das: Brot war gebacken, also durchs Feuer gegangen, und damit war die Wirkung des Sauerteigs zum Stillstand gekommen. So ist auch das Böse in uns im Tode

Christi gerichtet worden, und Gott erwartet und fordert von uns, daß, wenn auch die sündhafte Natur noch in uns ist, wir uns der Sünde für tot halten, also nicht mehr sündigen. „M eine Kinder, ich schreibe euch dieses, auf daß ihr nicht sündiget" (I. Joh. 2, 1). Der Glaube hat alles das, was unrein oder vielmehr als solches erkannt ist - und wenn es auch nur ein unreiner Gedanke wäre, der im Herzen aufgestiegen ist - zu verurteilen. Aber selbst wenn er dies tut, so bleibt es doch wahr, daß immer eine Beimischung von Bösem in unserer Anbetung ist, was durch den Sauerteig des Brotes dargestellt wurde. Dies ist sehr demütigend für uns, und wie vorsichtig sollten wir daher vorangehen und stets in Gemeinschaft mit dem Herrn, damit wir Seinen Geist nicht betrüben, sondern die Anbetung zu Seinem Wohlgefallen darbringen. Und wenn andere Fehler begehen, so sollen die geistlichen Brüder sie im Geiste der Sanftmut zurechtbringen, dabei aber auf sich selbst achten, daß nicht auch sie versucht werden. (Gal. 6, 1). Da wir in Gemeinschaft miteinander vorangehen und die Anbetung gemeinschaftlich darbringen, so sollte dieser Punkt nie außer acht gelassen werden; er sollte uns nüchtern machen, was uns selber angeht, und r ü c k -sichtsvoll gegen die Geschwister.
Weiter lesen wir: „Und das Fleisch seines Dank-Friedensopfers soll am Tage seiner Darbringung gegessen werden; er soll nichts davon liegen lassen bis an den Morge n". Nur wenn das Schlachtopfer seiner Opfergabe ein Gelübde oder eine freiwillige Gabe war, so sollte der Anbeter es am Tage der Darbringung (des Fettes) essen, und am nächsten Tage durfte er das, was übrig geblieben war, essen, aber, wohlgemerkt, nur in diesem Falle. Was dagegen vom .Schlachtopfer für den dritten Tag übriggeblieben war, sollte mit Feuer verbrannt werden. Es war „unrein", ja, „ein Greuel dem Jehova".
Das Essen sollte also von der Darbringung des Opfers, d. h. des Fettes, das Jehova geräuchert wurde, nicht getrennt werden. Hierdurch wurde die Reinheit des Anbeters und die Darbringung des Opfers vor Gott miteinander verbunden. Solange wir diese Verbindung aufrecht erhalten, werden Anbetung und Gemeinschaft in der Gott wohlgefälligen Frische und Annehmlichkeit erhalten bleiben, aber
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nicht länger. Daher müssen wir in unserem Geiste und in den Zuneigungen unseres Herzens und in der Erfahrung unserer Seele ganz nahe bei dem Opfer bleiben. Wahre geistliche Anbetung und wahre Gemeinschaft kann nur stattfinden, wenn unsere Herzen mit der vollkommenen Hingabe Christi an Gott beschäftigt sind. Sobald wir diese aus dem Auge verlieren, sobald unsere Anbetung sich von dem Opfer Christi trennt und das Bewußtsein nicht in uns ist, wie vollkommen wohlgefällig Jesus vor dem Vater ist, wird die Anbetung fleischlich, zu einer Form und dient nur zur Befriedigung des Fleisches. Dies nennt Gott aber eine „Ungerechtigkeit in den heiligen Dingen".
Wie sollte uns dies zur Wachsamkeit anspornen, damit wir nicht, nachdem wir „im Geiste angefangen" haben, „im Fleische vollenden". Gibt uns der Geist nur ,,f ü n f" Worte zur Danksagung, so laßt uns auch nur fünf Worte aussprechen und nicht mehr, damit wir nicht Worte machen, die Gott mißfallen oder gar ein „Greuel" sind. Er kann nur annehmen, was in Verbindung mit dem Opfer Christi und durch den Geist gewirkt ist. Wie betrübend für Gott, wenn es anders ist, wenn die Danksagung nur aus einer fließenden Aufzählung von bekannten Wahrheiten besteht, wenn das Singen der Lieder zu einer bloßen Befriedigung für das Ohr dient, wenn man sich nur an der Melodie erfreut und in schönen Worten schwelgt, anstatt der Gemeinschaft mit Gott durch den Geist Ausdruck zu geben und unsere Freude über das Opfer des Herrn, über Seine Liebe und über die Herrlichkeit Seiner Person kundzutun.
Wie wir oben gesehen, gab es Unterschiede in dem W e r t e der verschiedenen Arten des Friedensopfers. War es ein Gelübde oder eine freiwillige Gabe, so konnte es noch am zweiten Tag nach der Darbringung des Fettes gegessen werden. Das Gelübde und die freiwillige Gabe weisen auf eine höhere geistliche Kraft hin. Wenn nämlich unser Gottesdienst das Ergebnis einer einfältigen und ungeheuchelten Ergebenheit ist, dann kann es länger andauern und annehmlich sein, weil wir, mit dem Geist erfüllt, in einer innigen Gemeinschaft mit Gott dastehen. Doch darüber wollen wir uns noch etwas näher unterhalten.
Nun haben wir gesehen, daß das Fleisch des Dank-Friedensopfers am Tage der Darbringung gegessen werden sollte.
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Nur wenn das Schlachtopfer der Opfergabe ein Gelübde oder eine freiwillige Gabe war, durfte es auch noch am zweiten Tag gegessen werden.
Das Dank-Friedensopfer mußte also jeden Tag erneuert werden, wenn das Essen, d. i. die Gemeinschaft, seine heilige Eigenart behalten sollte.
Mit allem, was wir als Erlöste gemeinsam genießen, sollen wir uns zuerst vor Gott beschäftigt haben. Darin liegt allein die Kraft und Frische dessen, was wir miteinander genießen. O, wie wenig schätzen wir das Vorrecht, jeden Tag aufs neue mit unserem Dankopfer zum Altar kommen zu dürfen und zu Gottes Wohlgefallen vor Ihm das kundwerden zu lassen, was wir von Christo erfasst haben und an Ihm wertschätzen. Möchten wir mehr und mehr erkennen, wie gerne Gott uns Sein Ohr leiht und darauf hört, wenn wir die Wertschätzung des Herrn vor Ihn bringen. Christus ist Seine Wonne, Seine Freude. Nun möchte Er vernehmen, daß Er auch unsere Freude und Wonne ist. Wenn wir vergessen, die Wertschätzungen Christi vor Gott kundwerden zu lassen, oder dies vernachlässigen, dann verliert unsere Gemeinschaft miteinander ihr heiliges, geistliches Gepräge; sie wird Formsache und geht auf in geselligem Verkehr, wie ihn schließlich auch die Weltkinder pflegen. Auf diese Weise geht die wahre Freude und der göttliche Segen der Gemeinschaft verloren.
Es könnte aber jemand einwenden: Wenn wir einmal in der Woche unsere Wertschätzungen Christi vor Gott bringen, das ist doch genügend. Soll man sich denn so oft wiederholen? Aber das ist es ja gerade, was Gott erwartet: jeden Tag sollen wir das, was wir von Christo erfasst haben, vor Ihm erneuern. Dies wird dann beständig der frische Ausgangspunkt unserer Gemeinschaft mit den Geschwistern sein. Im anderen Falle wird unsere Freude von der wahren Quelle getrennt sein; ja, sie verliert ihren geistlichen Wert. Du könntest jetzt denken, lieber gläubiger Mitpilger: „Dann habe ich aber oft gefehlt, wenn ich mit den Geschwistern Gemeinschaft gepflegt habe. Wie oft sind wir beisammen gewesen und haben Dinge zum Gegenstand unserer Unterhaltung gehabt, die uns keinen Segen gebracht haben. Da wurde in einer Weise geredet, gescherzt und gelacht, daß wir uns hätten schämen müssen, wenn Weltkinder zugegen gewesen wären. Und mit welcher Betrübnis muß Gott nun
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auf uns herabgeschaut haben! In Wahrheit muß ich gestehen, daß wir wohl alle mit einem gewissen Schuldbewusstsein auseinander gingen; das Gewissen war beschwert und das Herz gedrückt, weil wir Gott nicht geehrt und erfreut und wir uns gegenseitig nicht genützt, sondern geschadet hatten".
In einem solchen Falle ist tiefe Beugung und Demütigung am Platz, und man sollte zu Gott flehen: „Bewahre uns vor einer solchen unfruchtbaren und Dich verunehren-den Gemeinschaft!"
Die Auffassung von Christo und Dessen Wertschätzung ist bei den Gläubigen verschieden. Da gibt es Geschwister, welche mehr Verständnis über Christum und Seine Herrlichkeit besitzen als andere. Aber ebenso verschieden ist auch die Stärke der Hingabe und Weihe Ihm, dem Geliebten, gegenüber.
Im „G e 1 ü b d e" und in der „freiwilligen Gabe" kam eine innigere Hingabe an Christum zum Ausdruck als in dem gewöhnlichen Dank-Friedensopfer.
Gott erwartet, daß wir allezeit im Geiste der Danksagung sind: „Danksaget in allem, denn dieses ist der Wille Gottes in Christo Jesu gegen euch" (1. Thess. 5, 18). Je mehr wir den Reichtum des Segens erkennen, der uns durch die Gnade von Gott in Christo geschenkt ist, desto dankbarer werden wir sein.
Viele Christen mögen über die allgemeine Danksagung nicht hinauskommen. Aber es gefällt Gott sehr, wenn ein Erlöster zu dem Herzensentschluss vor Ihn kommt, sich Ihm ganz zu weihen. Bedenken wir doch, es muß ein Herzensentschluss vor Ihm sein; ein bloßer Entschluß des Fleisches oder des gesetzlichen Menschen hat keinen Wert. Wohl dem Gläubigen, der durch die Liebe Gottes, des Vaters, so berührt und hingenommen wird, daß sie ihn zu einer gänzlichen Hingabe an Gott treibt! Wahrlich, ein glückseliges Teil, Ihm das ganze Leben zu weihen!
Das Opfergesetz des Friedensopfers betont die Notwendigkeit der Reinheit des Opfernden, bezw. des Essenden. Wir lesen: „Aber die Seele, welche Fleisch von dem Friedensopfer isst, das Jehova gehört, und ihre Unreinigkeitist an ihr, selbige Seele soll ausgerottet werden aus ihren Völker n" (3. Mose 7, 20).
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Es ist wichtig zu beachten, daß das Friedensopfer Jehova gehörte; das soll heißen: Der Gottesdienst, das ist das, was bei diesem in unserem Herzen vorgeht, ist für Gott, es gehört nicht uns, sondern dem Herrn. Gott hat es zu unserer Freude in unsere Herzen gelegt, damit wir teilhaben möchten an dem Opfer Christi, an Seiner eigenen Freude an Christo.
Sobald wir den Gottesdienst uns zueignen, entweihen wir ihn. Deshalb durfte auch kein Unreiner sich daran beteiligen, und das von dem Opfer Übriggebliebene mußte mit Feuer verbrannt werden.
Der Versuch, Unreinheit und Christum miteinander zu vereinigen, nimmt ein unheilvolles Ende. Gott greift dann ein und bringt Gericht über die Seele, wie wir es bei den Korinthern sehen (1. Kor. 11).
Gott hat unsere Sünde für immer aus Seiner Gegenwart entfernt. Obwohl sie noch in uns ist, so ist sie doch nicht der Gegenstand, worauf Sein Auge ruht. Er sieht das Blut Christi, und darum kann Er mit uns vorangehen und uns die ungehinderte Gemeinschaft mit Ihm gestatten. Aber wenn wir der in uns wohnenden Sünde erlauben, sich in irgend einer Form von „Sünde n" zu offenbaren, dann muß Bekenntnis, Vergebung und Reinigung stattfinden, bevor wir wieder von dem Fleisch des Friedensopfers essen. „Wer unwürdiglich ißt und trinkt, ißt und trinkt sich selbst Gericht, indem er den Leib nicht unterscheidet" (1. Kor. 11, 29). Das Ausrotten des Opfernden wegen Unreinigkeit entspricht in unseren Tagen dem Ausschluß aus der Versammlung Gottes. „Tut den Bösen von Euch selbst hinaus" (1. Kor. 5, 13). Wollten wir in unseren Sünden mit Gott Gemeinschaft haben, das wäre Gotteslästerung. „W enn wir sagen, daß wir Gemeinschaft mit Ihm haben, und wandeln in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit" (1. Joh. 1, 6).
Das Verbot, Fett und Blut zu essen, ist sehr bezeichnend; beide gehörten Gott. Das Fett deutete hin auf die Vortrefflichkeit der Person Christi, auf Seine inneren Zuneigungen zu Gott, auf die Beweggründe, die Ihn leiteten und alle für Gott, waren. Gott wacht über die Vollkommenheit und Herrlichkeit der Person Christi, sowie über den Wert Seines vergossenen Blutes, das Sühnung für uns bewirkt hat. Er erwartet, daß wir mit jedem Menschen, der an
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der Wahrheit über die Person des Herrn und Seines gesegneten Opfertodes rüttelt, die Gemeinschaft brechen. '
Gott hat sich ein besonderes Teil an der Wonne vorbehalten, eine Vortrefflichkeit und einen Reichtum, die Christo eigen sind, allein zu genießen. Es ist wichtig für uns, dies zu verstehen. Dies wurde dadurch vorgebildet, daß niemand von dem Fett des Friedensopfers genießen durfte.
Wenn Christus Mensch wird und in den Tod geht, so wird dadurch eine Vortrefflichkeit und Herrlichkeit enthüllt, die zu verstehen das Fassungsvermögen des Geschöpfes weit übersteigt. Doch welche Gnade, daß das Fett, wenn es auch nicht, gegessen werden durfte, geopfert werden konnte, also der Gegenstand der Anbetung wurde. Der Priester durfte den lieblichen Geruch von dem, was ihm nicht zustand, zu essen oder sich zu eigen zu machen, zu Gott emporsteigen lassen; es wurde „auf dem Altar" . . . „auf dem Brandopfer" geräuchert. Wir können das, was nicht unser Teil ist, sondern Gott gehört, doch betrachten. Indem wir aber wissen, daß Gott den reichsten Anteil hat an dem, was das Wesen unserer Gemeinschaft ausmacht, so wird dadurch unsere Freude vermehrt. Der große Gott will Sich erfreuen mit Seinem Volke an Christo; wir erfreuen uns auch an Ihm, wenn wir auch nicht zu der Höhe der Wertschätzung Christi hinaufsteigen, die Gott einnimmt.
Wir haben nun gesehen, daß der Opfernde weder vom Fett noch vom Blute etwas essen durfte. Von der Bedeutung des Fettes ist schon die Rede gewesen; so wollen wir jetzt noch sehen, warum dem Opfernden das Blut vorenthalten wurde. Wir lesen in 3. Mose 17, 10-11: „Wider die Seele, die das Blut i s s e t, werde Ich Mein Angesicht richten und sie ausrotten aus der Mitte ihres Volkes. Denn die Seele des Fleisches ist im Blute, und Ich habe es euch auf den Altar gegeben, um Sühnung zu tun für eure Seelen; denn das Blut ist es, welches Sühnung tut durch die Seele".
Schon zu Noah war gesagt worden: „Alies, was sich regt, was da lebt, soll euch z ur Speise sein . . .
Nur das Fleisch mit seiner Seele, seinem Blute, sollt ihr nicht essen; und wahrlich,



euer Blut, nach euren Seelen, werde Ich fordern" (1. Mose 9, 3-5).
Gott sagte gewissermaßen damit: Das Blut ist für Mich; Ich allein habe das Recht, darüber zu verfügen. Dieses Recht sollte der Mensch nicht antasten. Das Blut sollte in den Gedanken der Menschen immer mit der Sühnung verbunden sein.
Der Mensch ist ein gefallenes, sündiges Geschöpf, welches das Leben verwirkt hat. Weil er gesündigt hat, muß er sterben. „Durch einen Menschen ist die Sünde in die Welt gekommen, und durch die Sünde der Tod, und ist also der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben" (Rom. 5, 12).
Die Seele (oder das Leben) des Fleisches ist im Blute. Dies ist auch beim Tier der Fall. Dies will aber noch nicht sagen, daß der Mensch dem Tiere gleich ist, nein, klar und deutlich lehrt die Schrift, daß Gott dem Menschen, „d e n Odem des Lebens in seine Nase hauchte" (1. Mose 2, 7). Der Mensch unterscheidet sich also wesentlich vom Tier durch den ihm unmittelbar von Gott eingehauchten Geist.
Jedoch hört auch beim Tier das Leben auf, wenn sein Blut vergossen wird, und dadurch war es geeignet, den Menschen im Opfer darzustellen, als Bild der Sühnung und Stellvertretung zu dienen.
Nach der Anordnung Gottes konnte die Sünde des Menschen nur weggenommen werden durch den Tod eines andern, d. i. durch Christum. „Ohne Blutvergießung ist keine Vergebung". Und kein Mensch kann Gerechtigkeit vor Gott erlangen, als nur durch den Tod eines Stellvertreters, was schon so deutlich dadurch vorgebildet wurde, daß Gott die Blöße des Menschen durch „Röcke von Fell" bedecken ließ (1. Mose 3, 21).
Das Blut der Böcke und Kälber im Alten Testament war nur ein Vorbild von dem Blute Christi. Der hochgelobte Sohn Gottes nahm teil an Fleisch und Blut, damit Er sterben könnte und durch Seinen Tod die Sünde sühne und gefallenen Menschen eine ewige Gerechtigkeit erwerbe.
Der Mensch hat durch die Sünde das Leben verwirkt; der Sohn Gottes war aber ohne Sünde. Freiwillig unterwarf
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Er sich dem Tode zu unserer Erlösung und vor allem zur Verherrlichung Gottes.
Der ungläubige Mensch wird stets Anstoß daran nehmen, daß Gott das Blut als Sühnmittel angeordnet hat. Er richtet und verurteilt Gott und findet ein solches Mittel nicht entsprechend den Sittlichkeitsbegriffen und der Lebensweisheit eines aufgeklärten Geschlechtes; aber der Glaube rühmt die Liebe, Weisheit und Gnade Gottes, der dem armen, verlorenen und verdammungswürdigen Sünder in dem Blute Christi eine ewige Erlösung von allem Bösen anbietet und frei und umsonst schenkt, wenn er Christum im Glauben ergreift.
Weil nun das Blut das einzige Mittel ist, um die Beziehungen des Menschen zu Gott zu ordnen, so soll der Mensch kein Blut genießen, es also nicht für sich in Anspruch nehmen, und treue Christen werden sich zu allen Zeiten vom Blutgenuss enthalten.
Teure Geschwister, laßt uns stets die Rechte Gottes anerkennen und viel darüber sinnen, was es Gott gekostet hat, uns zu erlösen, daß Er den Eingeborenen hingeben mußte in Tod und Gericht. Welch eine Liebe! Laßt uns auch nicht vergessen, welche Leiden über Christum kamen, als Er unseren Platz am Kreuze einnahm, unser Stellvertreter ward, damit wir freigemacht würden von Sünde, Tod, Gericht und aller Macht des Satans!
Jedes zum Nutzen des Menschen verwandte Leben, wie es im Alten Bunde geschah, redete von Christo und der Sühnung. So können wir es nun gut verstehen, daß Gott das Blut der Tiere für Sich allein in Anspruch nahm und dem Menschen nicht erlaubte, davon zu genießen.
Wir haben nun gesehen, daß das Blut und Fett des Dank- und Friedensopfers Gott dargebracht werden mußte. Das Blut wurde an den Altar gesprengt, das Fett dagegen auf dem Altar geräuchert. Beide waren für Gott allein; der Opfernde durfte nichts davon genießen. Außerdem wurde auch die Brust als Feueropfer Jehovas dargebracht. Wir lesen von dem Opfernden: „Seine Hände sollen die Feueropfer Jehovas bringen" (3. Mose 7, 30).
Während das Fett, wie wir schon gehört haben, ein Bild von der Vortrefflichkeit Christi war, wies die Brust auf Seine Liebe hin. Sowohl die Vortrefflichkeit des
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Herrn, als auch Seine Liebe waren das besondere Teil Jehovas, Seine Wonne.
Immer wieder legt Gott es den Seinigen nahe, welche Freude Er an der Vortrefflichkeit und Liebe Seines Sohnes hat, und Sein Verlangen ist, daß wir immer tiefer eindringen in die unergründliche Kostbarkeit dessen, was Er in Christo genießt, welche Wonne Er an Seiner Liebe hat. Unergründlich aber ist auch die Liebe Christi zu uns, den Seinigen. Er hat Sein Leben für uns hingegeben in den Tod. Er ertrug das schreckliche Gericht am Kreuze für uns, wurde von Gott zur Sünde gemacht und harrte in den Stunden des Gerichts aus, um das Werk der Erlösung zu vollbringen und uns zu erretten von Sünde, Tod, Gericht und Teufel. Welch eine anbetungswürdige Liebe! Paulus betete darum, daß die Heiligen die Liebe des Christus erkennen möchten. Dies ist eine Liebe, die alle Erkenntnis übersteigt (Eph. 3, 19),
Gott erwartete, daß die Hände des Opfernden das Fett und die Brust Ihm darbrachten. Worauf deutet dies wohl hin? Jedenfalls darauf, daß wir viel erwägen sollen, welch einen Genuß Gott an der Vortrefflichkeit und Liebe Christi hat. Wenn wir dies tun, wird große Freude unser Herz erfüllen, und wir werden angeregt werden, unsere Wertschätzungen der Vortrefflichkeit und Liebe des Herrn vor Ihn zu bringen. Wir sollen nicht darauf warten, das zu genießen, was andere bringen, und uns auch nicht beklagen über den Mangel bei ihnen. Nein, wir sollen uns stets zunächst fragen: Was bringe ich an Wertschätzungen Christi vor Gott zu Seinem Wohlgefallen und auch zur Freude derer, die an dem priesterlichen Dienst teilnehmen?
Die Brust wurde zuerst als Webopfer vor Jehova „g e -web t", und dann diente sie zur Speise der Priester. Die Brust redete, wie wir schon andeuteten, von der Liebe Christi zu Gott und zu uns, den Seinigen, die Er durch das Blut Seines Eigenen erkauft hat. Er hat Sein Wohlgefallen daran, daß diese Liebe von uns gekannt, geschätzt und genossen wird.
Wenn die Priester die Brust vor Gott webten, so sollte dadurch im Bilde angedeutet werden, daß die Heiligen sich bemühen, die Liebe Christi in all dem Wohlgefallen Gottes zu erfassen, und daß ihre Herzen, indem sie über diese Liebe sinnen, vor Gott darüber bewegt sind.

Christus liebt Seinen Gott und Vater. Dies offenbarte Er auf Erden darin, daß Er Mensch wurde und Ihm in dieser Welt inmitten des Bösen diente. Er hatte gesprochen: „Ich komme, um Deinen Willen, o Gott, zu tun" (Hebr. 10, 7). Treu und hingebend hat Er Seinem Gott und Vater gedient und war Ihm gehorsam „bis zum Tode, ja, zum Tode am Kreuz c". Seine Liebe zum Vater sollte selbst die Welt erkennen. Der Feind hatte nicht die Gewalt des Todes über Christum; der Herr ging freiwillig in den Tod, damit die Welt erkenne, daß Er „den Vater liebe" (Joh. 14, 31). Und weil Er den Vater liebte, so gab Er sich auch hin für uns, um uns zu erretten. Welche Liebe! Ja, an den „Heiligen" auf Erden, an den „Herrlichen", war alle Seine „Lust". Seine „Wonne war bei den Menschenkindern" (Ps. 16, 3; Spr. 8, 31).
Welche Freude muß es nun für Gott sein, dessen ewiger Ratschluß es war, uns als Erlöste, als Heilige und Geliebte, in Seiner Gegenwart zu haben, - und dieser Ratschluß ist ausführbar geworden durch die Hingabe Christi in den Tod - wenn Er sieht, daß Seine Kinder die Liebe Christi erkennen, schätzen und genießen. Und wenn sie, erfüllt von dieser Liebe, ihrer Wertschätzungen Seiner Liebe vor Gott Ausdruck geben, dann weben sie gewissermaßen die Brust des Dankopfers vor Gott.
Aaron und seine Söhne nährten sich von der Brust. Die priesterliche Familie aber ist ein Bild von der Versammlung, der Kirche. Die Liebe Christi ist das Teil aller Erlösten, und soweit sie sich von dieser Liebe nähren, werden sie umgestaltet in das Bild Christi. Alle Gläubigen sollten die Wesenszüge Christi vor der Welt darstellen.
O, möchten wir mehr uns von der Liebe Christi nähren und mehr ihr Ausdruck geben nach außen! Paulus konnte sagen: „Die Liebe des Christus drängt uns". Drängt sie wirklich auch uns? Lieben wir einander, wie der Herr uns geliebt hat? „Dies i s t M e i n Gebot, daß ihr einander liebet, gleichwie Ich euch geliebt habe" (Joh. 15. 12).
Wir haben nun gesehen, wie die „Brust" des Friedensopfers, welche Aaron und seinen Söhnen als Speise gegeben war, auf die Liebe Christi hindeutete, von der die Gläubigen heute sich nähren dürfen. Wenn dies geschieht, dann nehmen sie die Wesenszüge Christi an. Er, der teure



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Herr, liebte vollkommen, und wir haben als Erlöste das Vorrecht zu lieben, wie Er geliebt hat. Welch eine Gnade, dies tun zu dürfen in einer Welt, die gekennzeichnet ist durch Selbstsucht, Härte und Lieblosigkeit! Wenn wir freilich unsere Liebe an der Liebe Christi messen, wie gering ist sie dann! Möge es daher unser Herzensentschluß vor dem Herrn sein, in der Ausübung der Liebe zuzunehmen und Ihm ähnlicher zu werden zur Freude für Ihn und für unseren Gott und Vater!
Nun hören wir weiter, daß der opfernde Priester, d. h. der Priester, welcher das Blut des Friedensopfers sprengte und das Fett räucherte, außer dem gemeinsamen Teil (Brust) mit Aaron und seinen Söhnen, noch den rechten Schenkel erhielt: „Den rechten Schenkel sollt ihr als Hebopfer von euren Friedens opfern dem Priester geben. Wer von den Söhnen Aarons das Blut des Friedensopfers und das Fett darbringt, dem soll der rechte Schenkel zuteil werden" (3. Mose 7, 32-33).
Der rechte Schenkel deutete auf die Kraft im Wandel Christi hin. Christus wandelte im Dienst der Liebe. Wir haben schon darauf hingewiesen, daß der Herr in Liebe handelte. Seine Worte und Werke waren der Ausdruck der vollkommenen göttlichen Liebe. Aber auch der Wandel des Herrn war vollkommen. In der Kraft des Geistes ging Er voran und verherrlichte Gott in all Seinem Tun und Lassen. Dadurch war Er das Zeugnis für Gott. Jetzt ist Er darin die Speise für die Gläubigen; sie sollen durch das Anschauen Seines heiligen und treuen Wandels gestärkt werden, Ihm in Seinen Fußtapfen nachzufolgen. Wir lesen von Ihm: „
Welcher keine Sünde tat, noch wurde Trug in Seinem Munde erfunden, der, gescholten, nicht widerschalt, leidend, nicht drohte, sondern sich Dem übergab, der recht richtet" (1. Petri 2, 21-22). In Langmut und Geduld trug Er die Bösen und erduldete in bewunderungswürdiger Sanftmut ihren Widerspruch. Gott weckte Ihm das Ohr, damit Er höre gleich solchen, die belehrt werden, und Er konnte sagen: „Ich, Ich bin nicht widerspenstig gewesen. Ich bot Meinen Rücken den Schlagenden und Meine Wangen den Raufenden, Mein

Angesicht verbarg Ich nicht vor Schmach und Speichel" (Jes. 50, 4-6).
Nie kam ein verletzendes Wort aus Seinem Munde, sondern Er überzeugte in liebender Weise die Gegner von ihrem Unrecht und unterwies sie über die Wahrheit und über den Gott wohlgefälligen Weg. Vollkommene Absonderung vom Bösen kennzeichnete Seinen Wandel, und als Er einmal Seine Feinde fragte: „Wer von euch überführt Mich der Sünde?" da konnten sie Ihm kein Wort darauf erwidern. Jesajas hatte von Ihm geweissagt: „Er hat kein Unrecht getan, noch ist Trug in Seinem Munde gewesen".
Um jeden Preis wollte Er Gott gehorsam sein und lieber sterben, als irgend etwas gegen Seinen Willen tun. So hat Er dann Ihn geehrt bis zum Tode, ja, zum Tode am Kreuze.
Wohl uns, wenn wir unseren Blick auf Ihn richten! Dies gibt Kraft und Mut zu einer treuen Nachfolge.
Jeder Christ wird stets durch die Erinnerung an den Wandel Christi eine vermehrte Erkenntnis von der Eigenart dieses Wandels gewinnen und den Herzensentschluss fassen, Ihm in Seinen Fußstapfen zu folgen.
Nachdem wir auf die Bedeutung der Bestandteile des Dankopfers und auf die Handlungen bei ihm hingewiesen haben, möchten wir es zuletzt noch als Vorbild von der Feier des Abendmahls am Tische des Herrn betrachten.
Sich an einen Tisch setzen und essen bedeutet: Gemeinschaft haben und sich einsmachen mit denen, die an dem Tische sitzen.
Wenn ein Israelit ein Dank- oder Friedensopfer darbrachte und von dem Opfertier aß, so trat er dadurch in Gemeinschaft mit dem Altar, dem Tische Jehovas, und mit dem Gott, dessen Anteil an dem Schlachtopfer: „Sein Brot" oder „Seine Speise" (3. Mose 21, 6. 21. 22; Mal. 1, 12), auf dem Altar dargebracht worden war. Zugleich war der Opfernde in Gemeinschaft mit dem Priestertum und mit allen Geladenen.
Gott hatte den ersten Anteil am Dankopfer. Ihm wurde das Fett (das beste Teil) als Brandopfer geräuchert, ein Hinweis darauf, wie Christus Sich Gott völlig gewidmet hat. Diese Widmung Christi für Gott ist völlig erprobt worden, besonders im Tode, und hat sich als vollkommen erwiesen. Alle Seine Zuneigungen und Beweggründe waren für Gott.



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Nachdem Gott beim Dankopfer Seinen Anteil genossen hatte (also das Fett geräuchert war), wurde der Rest des Opfertieres gegessen: die Brust war für Aaron und seine Söhne (die Priester), welche vorbildlich die Versammlung darstellen, der rechte Schenkel für den Priester, der das Opfer dargebracht, d. h. das Blut gesprengt und das Fett geräuchert hatte. Das übrige des Tieres wurde von den Opfernden und von den Geladenen gegessen. Auf diese Weise bestand eine Einsmachung und Gemeinschaft mit der Herrlichkeit und dem Wohlgefallen, ja, mit der Wonne Dessen, dem das Opfer dargebracht wurde, ferner mit dem Priestertum und dem Altar. Die Grundlage für die Gemeinschaft war das Blut des Opfertieres, das vorher an den Altar gesprengt worden war.
Das Dankopfer ist also ein Vorbild der Gemeinschaft der Heiligen mit Gott, und zwar auf Grund und gemäß der Wirksamkeit des Opfers Christi, sowie ihrer Gemeinschaft mit dem Priester (Christo), der das Opfer für sie dargebracht hat, und endlich mit der ganzen Versammlung Gottes. Dieser Gemeinschaft soll nach den Gedanken Gottes am Tische des Herrn Ausdruck gegeben werden. „D e r Kelch der Segnung, den wir segnen, ist er nicht die Gemeinschaft des Blutes des Christus?"
Vergessen wir nie, wie wohlgefällig es für Gott ist, wenn wir am Tische des Herrn daran denken, daß Er den ersten Anteil am Tode Christi hat; darnach erst kommen wir. Und wenn wir geistlich sind, dann freuen wir uns mehr über das, was Gott am Opfer Christi genießt, als über unseren eigenen Anteil.
Kein Israelit durfte das Fleisch eines Tieres essen, es sei denn, daß er es zuvor als Gabe vor das Zelt der Zusammenkunft gebracht hatte.
Was uns Christen betrifft, so sollen wir am Tische des Herrn in Seinem Namen zusammenkommen und in Seinem Namen essen, indem wir Gott unsre Opfer des Lobes, d. i. die Frucht der Lippen, die Seinen Namen bekennen, darbringen und auf diese Weise alles, woran wir teilhaben, wie auch uns selber Gott weihen und eingedenk sein, daß wir in Gemeinschaft sind mit Gott, dem Geber, und mit Dem, der uns im Genuß des Gegebenen erhält.

Gott erfreut Sich an Christo, der Sich Ihm völlig hingegeben hat. Die Gläubigen, welche als Anbeter vor dem Herrn, an Seinem Tische Platz nehmen, nahen kraft des vollkommenen Opfers, das Christus dargebracht hat, und nähren sich von diesem. Sie haben daher vollkommene Gemeinschaft mit derselben Freude über das Opfer Jesu, mit Jesu Selbst, der Sich also geopfert hat. Sie besitzen mit Gott denselben Gegenstand der Freude und genießen eine gemeinsame gesegnete Freude an dem herrlichen Erlösungswerk, das Jesus vollbracht hat. Welch ein wunderbares Teil, daß wir als die durch Christum Erlösten die gleichen Gefühle haben wie der Vater hinsichtlich der Kostbarkeit Christi.
So werden wir am Tische des Herrn daran erinnert, wie Gott Sich erfreut an Christo, der Sich Ihm zum duftenden Wohlgeruch hingegeben hat, sowie auch an den Erlösten, die jetzt in Christo heilig und tadellos in Liebe vor Ihm stehen. Und wir, die wir einst tot in Sünden, in der Gewalt des Satans und durch Todesfurcht das ganze Leben hindurch der Knechtschaft unterworfen waren, sind glücklich in der Erkenntnis des Heils und der Liebe Gottes in Christo, die so vollkommen in dessen Tod geoffenbart worden ist. Sollte nun der Priester (Christus), der dies alles zuwege gebracht hat, von der Freude der Gemeinschaft ausgeschlossen sein? Nein, auch Er hat Seinen Anteil daran. Dies fand vorbildlich beim Dankopfer seinen Ausdruck darin, daß der opfernde Priester den rechten Schenkel bekam.
Wir sehen also am Tische des Herrn durch den Glauben zunächst Christus als Den, der Sich aus Liebe Gott und uns gewidmet und Sein Leben für uns in den Tod gegeben hat: den gestorbenen Christus, worauf die Zeichen, Brot und Wein getrennt, hinweisen. Doch welch eine gesegnete Sache zu wissen, daß der jetzt im Himmel weilende Priester teilnimmt an der Freude, wenn wir an Seinem Tische Gott die Lobopfer darbringen: „Inmitten der Versammlung will Ich Dir lobsingen".
Jesus findet also als Priester Sein Wohlgefallen an der Freude dieser Gemeinschaft, die Er Selber zwischen Gott und Seinem Volke zu weggebracht hat und deren. Gegenstand Er ist. Er will Sich erfreuen an der Freude Gottes und an dem Gelübde der Erlösten. Dies ist wahrer Gottesdienst der Heiligen, wie er am Tische des Herrn zum Ausdruck kommt.


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Er besteht darin, daß man sich gemeinsam in Gott freut kraft der Erlösung und Hingabe Christi, daß man die gleichen Gefühle mit Gott teilt, indem man sich mit Ihm an der Kostbarkeit des reinen, fleckenlosen Lammes erfreut, das sich einst Gott und für uns geopfert, uns erkauft, versöhnt und in die Gemeinschaft mit Gott und Ihm eingeführt hat.
Wir haben nun gesehen, daß das Dank- oder Friedensopfer ein treffliches Vorbild von der Feier des Abendmahls am Tische des Herrn ist.
Das Friedensopfer trägt eine festliche Eigenart. Wir lesen 5. Mose 27, 7: „Du sollst Friedensopfer opfern und daselbst dich freuen vor Jehova, Deinem Gott". Bei diesen Opfern sollte also eine gemeinsame Freude genossen werden. Niemand kann eine wahrhafte Festfreude allein genießen; sogar die Welt empfindet eine vermehrte Glückseligkeit darin, daß andere teilhaben, und veranstaltet daher Gesellschaftsabende, Festessen und dergl. In dem Gleichnis vom verlorenen Sohn (Luk. 15) lesen wir: „Bringet das gemästete Kalb her und schlachtet es, und lasset uns essen und fröhlich sein!"
Man kann sagen, daß 1. Korinther 10 in Verbindung mit dem Friedensopfer steht. Dort wird gesagt, daß Christen „des Tisches des Herrn" teilhaftig sind. Das was uns, den Erlösten, bereitet ist, genießen wir am Tische des Herrn gemeinsam.
Am Tische des Herrn bringen wir gemeinsam dem Herrn Dank und Anbetung dar. Die Freude der Anbetung gehört der Gesamtheit der Erlösten. Diese werden betrachtet als wohnend in den himmlischen Örtern, mögen sie nun schon dorthin vorangegangen sein oder noch hienieden im Leibe wallen.
Die priesterliche Familie (Aaron und seine Söhne) bekam vom Friedensopfer ihren Anteil; sie genoss ein gemeinsames Teil, eine gemeinsame Freude. Die priesterliche Familie aber ist das Vorbild von der Kirche, soweit sie als ein Ganzes, als ein Körper, betrachtet wird.
Das Dankopfer konnte nur dargebracht werden, wo der Hohepriester war, d. i. in der Stiftshütte. Wir als Christen bringen unsere Anbetung dar in den himmlischen Örtern, wo unser großer Priester ist: Christus. Möchten wir doch dessen eingedenk sein, wenn wir am Tische des Herrn Ihn preisen, daß Gott uns in den himmlischen Örtern betrachtet, und daß wir dort die Festfeier halten. Wir sind in der Gegenwart Christi, da, wo alles Licht und Liebe ist. Wie sollte dies unsere Herzen fröhlich machen und so beeinflussen, daß unsere Anbetung ein himmlisches Gepräge trage.
Die Stiftshütte mit all ihren Verordnungen war das Muster der himmlischen Dinge, und diejenigen, welche die Kirche oder die Versammlung ausmachen, bilden jetzt die Gesamtheit der himmlischen Priester. Jeder wahre Gottesdienst kann daher nicht von der ganzen Körperschaft getrennt werden. Unmöglich kann ein Christ in Wirklichkeit mit seinem Opfer der Hütte Gottes nahen, ohne dort auch die Priester der Hütte zu finden. Und ohne Hohepriester gibt es überhaupt keine Anbetung; denn was können wir Gott darbringen ohne Christum? Ihn aber können wir finden nur als in Verbindung mit Seinem Leibe, Seinem geoffenbarten Volke.
Möchten doch alle Kinder Gottes verstehen, daß wir nur auf dem von Gott vorgeschriebenen Wege Ihm zu Seinem Wohlgefallen nahen und dienen können, also in Verbindung m i t und in Anerkennung von allen denen, die der Hut Seines Hauses warten, d. i. in Anerkennung der ganzen Körperschaft derer, die in Christo geheiligt sind.
Wie verkehrt daher, wenn sich gläubige Christen nach menschlicher Weise zusammenschließen, eigene Gemeinden bilden und vergessen, daß Gott nur eine Versammlung kennt, wozu alle Kinder Gottes gehören. Alle zusammen bilden sie den Leib Christi; sie sind die himmlischen Priester. Auf Erden aber sollte der Einheit dieses Leibes öffentlich Ausdruck gegeben werden, und zwar nach der Heiligen Schrift am Tische des Herrn.
Trauern wir daher über die Zerrissenheit und flehen wir inbrünstig zum Herrn, daß Er Seinem geliebten Volke die Augen darüber Öffnen möge, wie sehr Er verunehrt und der Welt durch die Zerrissenheit Anstoß und Ärgernis gegeben wird.
Zuletzt sei noch darauf aufmerksam gemacht, daß wir, die Erlösten, im Gegensatz stehen zu der den Götzen ergebenen Welt. Wenn nun ein Christ den Genüssen der Welt, nachgeht, so kann er unmöglich die Glückseligkeit derer genießen, die in heiligem Wandel vorangehen, den Herrn von Herzen lieben und zu Seinem. Wohlgefallen an Seinem Tische Ihm die Anbetung darbringen.



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