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4. Das Sünd- und Schuldopfer.


(3. Mose 4 - 7).
Das Sündopfer
Die bisher betrachteten Opfer waren Opfer „lieblichen Geruchs". Das Schuld- und Sündopfer dagegen werden genannt „Opfer für die Sund e" (Hebr. 10, 8). Bei den Opfern „lieblichen Geruchs" nahte der Opfernde als Anbeter. Indem er die Hand auf den Kopf des Opfertieres legte, wurde er einsgemacht mit dem Opfer. Er kam freiwillig und fand sich auf die Weise als Anbeter mit der Annehmlichkeit des Opfers, das Gott vollkommen angenehm war, einsgemacht. Die Annehmlichkeit des Opfers war also auf den Opfernden übertragen.
Welch eine Gnade zu wissen, daß die Annehmlichkeit Christi, der Sich Gott völlig geweiht hat, und zwar im Leben und im Sterben, auf den Erlösten übertragen ist. Wir nahen Gott in der Schönheit, Herrlichkeit und Annehmlichkeit Christi. Wie dankbar sollten wir dafür sein und Ihn ehren und Sein Herz erfreuen, indem wir in treuer Hingabe an Ihn und völlig abgesondert vom Bösen vorangehen!
Bei dem Sündopfer begegnen wir zwar demselben Grundsatz der Einsmachung vermittelst des Händeauflegens, aber der Opfernde nahte nicht als Anbeter, sondern als Sünder; nicht als rein, um sich der Gemeinschaft mit Gott zu erfreuen, sondern als schuldig und befleckt. Und indem der Opfernde seine Hand auf den Kopf des Sündopfers legte, wurde dieses einsgemacht mit der Sünde und Befleckung des Opfernden. Das Opfer wurde an seiner Statt zur Sünde gemacht und dementsprechend behandelt, nämlich außerhalb des Lagers verbrannt, wodurch angedeutet wurde, wie häßlich und verabscheuungswürdig die Sünde vor Gott sei.
Von den Sündopfern gab es vier Arten:
1. das Opfer für den gesalbten Priester,
2. für die ganze Gemeinde,
3. für den Fürsten, und
4. für jemanden aus dem Volke des Landes.

Die beiden ersten Arten finden wir in Kap. 4, 3-12 und 13-21. Sie unterscheiden sich in ihren Gebräuchen nicht voneinander. Die Folgen waren dieselben, ob der gesalbte Priester, der Stellvertreter der Gemeinde, oder die Gemeinde selbst gesündigt hatte. In jedem Falle wurden drei Dinge davon berührt:
1. die Wohnstätte Gottes in der Versammlung,
2. die Anbetung der Versammlung und
3. das persönliche Gewissen.
Die Herstellung konnte nur durch das Blut geschehen; daher finden wir, daß das Blut zunächst „siebenmal vor Jehova gegen den Vorhang des Heiligtums" hin gesprengt wurde. Daß es siebenmal geschah, sollte andeuten, die Gemeinschaft zwischen Gott und Seinem Volke sei nun durch das vergossene Blut vollkommen wiederher- und sichergestellt.
Weiter hören wir: „Der Priester tue von dem Blute an die Hörner des Altars des wohlriechenden Rauchwerks, der im Zelte der Zusammenkunft ist, vor Jehova". Hierdurch wurde die Anbetung der Versammlung gesichert, denn das Blut war die Grundlage für die Anbetung.
Zuletzt wurde das Blut des Farren an den Fuß des Brandopferaltars gegossen, der an dem Eingang des Zeltes der Zusammenkunft war. An diesem Altar fand die Begegnung statt zwischen Gott und dem Sünder. Das Böse mußte hinweggetan und den Forderungen des persönlichen Gewissens entsprochen werden. Dies geschah wiederum durch das Blut.
Bei den beiden letzten Arten des Sündopfers „für einen F ü r s t e n" und „für jemanden aus dem Volke des Landes" handelte es sich nur um das persönliche Gewissen. Daher war nur eine Handlung notwendig, nämlich das Ausgießen des Blutes an den Fuß des Brandopferaltars. Der Unterschied beider Opfer bestand nur darin, daß für einen „Fürsten" ein Ziegenbock und für „jemanden aus dem Volke" eine Ziege als Sündopfer dargebracht werden mußte. Warum dieser Unterschied? Weil die Sünde eines Fürsten einen weit größeren Einfluß ausübte als die eines einfachen Mannes aus dem Volke. Im 5. Kapitel, wo es sich bloß um ein unbedachtsames Schwören oder um das



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Anrühren von Unreinem handelt, finden wir eine noch geringere Anwendung des Sündoplers. In diesem Falle war nur nötig, ein Zehntel Epha Feinmehl als Sündopfer darzubringen, um Sühnung zu tun.
Die Wirkung des Sündopfers Christi ist notwendig für jede Sund e, wie es denn auch ein für allemal für jeden Sünder vollbracht ist; aber die Gemeinschaft der Versammlung oder der Gesamtheit der Anbeter mit Gott wird durch die Sünde des einzelnen, obwohl beeinträchtigt, so doch nicht unterbrochen. Sobald die Sünde bekannt ist, muß Sühne für den geschehen, der sie begangen hat. Bleibt sie verborgen, so kann es sein, daß Gott eine ganze Versammlung unter die Zucht stellt, wie wir es bei Achans Diebstahl sehen. Gott sagte: „Israel hat gesündigt". Als aber die Sünde offenbar wurde, mußte Achan allein die Strafe tragen, und der Segen kehrte auf die Gemeinde zurück.
Der Herr macht, wenn die Versammlung treu vorangeht, die Sünde des einzelnen offenbar und bestraft sie an ihm; andererseits aber kann Er auch die Sünde des einzelnen benutzen, um die ganze Versammlung, wenn sie untreu ist, unter die Zucht zu stellen. In dem Falle Achans lagen die Dinge so: Israel hatte Vertrauen auf das Fleisch gezeigt; daher hielt es Gott für gut, Sein Volk zu züchtigen, um ihm die Eitelkeit seines Vertrauens vor Augen zu stellen; aber die Veranlassung zur Zucht trat durch die Sünde Achans ans Licht.
Schlimm ist es, wenn ein Christ sich durch eine Sünde befleckt hat und doch, ohne diese zu verurteilen, in der Versammlung zur Anbetung erscheint; er zieht dadurch die Versammlung auf seinen Boden herab und hindert die Anbetung. Wenn ein Fehltritt vorliegt, dann sollte man im Verborgenen mit Gott darüber reden; die Sünde tief bereuen und vor Ihm bekennen, damit die wahre Anbetung und die wahre Stellung der Versammlung stets klar in der Seele bewahrt bleiben.
Aus den Einzelheiten der Opfer erkennen wir, daß Gott stets Kenntnis nimmt von der Sünde. Weil Er in Gnaden gegen den Menschen handeln will, so kann Er sie vergeben, aber nicht übersehen. Wenn die Sünde auch dem Menschen verborgen bleibt, so ist sie deshalb nicht verborgen vor Gott. Dem Schuldigen kann die Sünde verborgen bleiben, weil sein geistliches Verständnis durch die Sünde und

durch seine Nachlässigkeit verdunkelt ist. Aber Gott richtet die Sünde, zwar nicht dem gemäß, was dem Menschen geziemt, sondern wie es Seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit entspricht. Was den Gläubigen betrifft, so wohnt Gott in ihm, und nach dem, was Seiner Gegenwart geziemt, richtet Er ihn. Unsere Vorrechte sind stets der Maßstab unserer Verantwortlichkeit.
Wenn sich Menschen, die vor den Augen der Menschen einen sittlich einwandfreien Lebenswandel führen wollen, zu einer Gesellschaft vereinigen, so nehmen sie niemand in ihren Kreis auf, den sie dafür unwürdig erachten; sie gestatten keinem lasterhaften Menschen den Zutritt, weil dies ihren Gewohnheiten und ihrem Stande nicht entspricht. Sie entschuldigen die Bosheit nicht und decken sie auch nicht zu. Sollte nun Gott, der heilig ist und die Sünde haßt, anders handeln? Nie und nimmer wird Er Seine Gegenwart durch die Sünde entweihen lassen; Er wird sie weder entschuldigen noch billigen. Kein Wesen könnte auch in Gottes Gegenwart glücklich sein, wenn Er dem Bösen dort den Zutritt erlaubte; nein, Er muß um Seiner Selbst und um der Glückseligkeit derer willen, die in Seiner Gegenwart wohnen und das Böse richten, es aus Seiner Gegenwart völlig ausschließen.
Die Menschen reden sich gerne ein, Gott würde die kleinen Sünden übersehen. Wie wenig erkennen solche die Heiligkeit Gottes! Wenn der Unverstand und die Torheit des Menschen ihn unfähig machen, das Böse zu erkennen, dann ist dies durchaus noch kein Grund für Gott, es zu übersehen. Muß Er blind werden, weil uns die Sünde blind gemacht hat? Soll Er Sich Selber entehren und andere unglücklich und jede heilige Freude für sie unmöglich machen, indem Er das Böse ungestraft hingehen läßt? Unmöglich. Jede Sünde wird gerichtet. „Alles ist bloß und aufgedeckt vor den Augen Dessen, mit dem wir es zu tun habe n".
Gott wird mit jedem Sünder Mitleid haben, der aufrichtig seine Schuld bekennt, und Er wird diese auch vergeben um Jesu willen, wo man Sein Opfer ergreift, aber dies alles verändert Sein Urteil über die Sünde nicht. Ihm sei Dank, daß Er einen Weg bereitet und ein Opfer hat bringen lassen, so daß Er, unbeschadet Seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit, vergeben kann; aber stets sollten wir



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festhalten: Gott haßt und verabscheut die Sünde und richtet sie. Für den Unbekehrten liegt daher, wenn er errettet werden und zu Gott kommen will, die Notwendigkeit vor, Buße zu tun und an Jesum Christum, der für ihn gestorben ist, zu glauben; andernfalls wird er der Verdammnis anheimfallen. Und was den Erlösten betrifft, so kann er die Gemeinschaft mit Gott nur genießen auf dem Boden der Absonderung von allem Bösen. Und wenn, er gefehlt hat, bleibt für ihn, um in die praktische Gemeinschaft mit Gott wieder zu kommen, kein anderer Weg übrig, als sich zu demütigen und seine Schuld und Sünde vor Gott zu bekennen. Wohl dem Gläubigen, der in stetem Selbstgericht vorangeht! Da wir aber das Fleisch noch in uns haben und in einer Welt der Ungerechtigkeit und des Verderbens leben, auch Satan stets bemüht ist, uns in die Sünde zu verwickeln, so sollten wir nie ermüden im Wachen und Beten und allezeit zu Gott flehen; „Bewahre mich, daß ich nicht wider Dich sündige!"
Wenn wir das Sündopfer näher betrachten, dann erkennen wir, daß Gott nicht nur das zarteste Gewissen befriedigt hat, sondern vor allem allen Anforderungen der göttlichen Heiligkeit, Gerechtigkeit und Majestät entsprochen hat. Das Gewissen des Menschen, so zart und empfindlich es auch der Sünde gegenüber sein mag, konnte und kann niemand für die Heiligkeit Gottes zum Maßstab dienen; denn es gibt viele Dinge, die dem Gewissen entgehen, aber von Gott als Sünde angesehen werden. Wiederum kann es sein, daß etwas von uns für richtig gehalten wird, während Gott es nimmer dulden kann und es daher die Gemeinschaft mit Ihm und die Anbetung hindern würde. Wie gut nun, daß das Erlösungswerk Christi nicht nur Vorsorge getroffen hat für die Sünden, deren wir uns erinnern können, sondern auch für die, welche niemals uns ins Gedächtnis kamen. Die Sünde ist am Kreuz gesühnt worden nach der Erkenntnis, die Gott von ihr hat, entsprechend den Ansprüchen Seines Thrones, und zwar so, wie sie im Lichte der göttlichen Heiligkeit geschaut wird.
Der erlöste Mensch sollte ohne Furcht in der heiligen Gegenwart Gottes leben. Dies kann er jetzt auf Grund des Opfers Christi, weil dadurch nicht nur das Gewissen des Menschen befriedigt werden kann, sondern auch allen heiligen und gerechten Forderungen Gottes Genüge geschehen und die Sünde nach Seiner Kenntnis gerichtet worden ist.
Wir haben nun gesehen, daß der Opfernde seine Hand auf das Sündopfer legen mußte, wodurch er sich mit dem Opfer einsmachte, d. h. seine Sünde auf das Opfertier legte. Das Opfer wurde an seiner Statt zur Sünde gemacht, ein Hinweis auf Christum, der am Kreuze für uns „z u r Sünde gemacht wurde, auf daß wir Gottes Gerechtigkeit würden in Ihm" (2. Kor. 5, 21). Der Herr nahm dort unsere Stellung mit allen ihren Folgen ein, damit wir an Seiner Stellung mit all den daran geknüpften Segnungen teilnehmen könnten. Er wurde am Kreuze als Sünde behandelt, damit wir in Gegenwart der unendlichen Heiligkeit als Gerechtigkeit behandelt werden könnten. Er wurde aus der Gegenwart Gottes verstoßen wegen der Zurechnung unserer Sünde, damit wir ewig im Lichte Seiner Gegenwart und in Seinem Hause wohnen könnten, und zwar als solche, die Seine Gerechtigkeit besitzen. Was uns als verderbte Sünder hätte treffen müssen, wurde auf Ihn gelegt; der Tod in all seiner Bitterkeit und das Gericht waren Sein Teil, damit wir Anteil hätten an dem, was Er als Erlöser erworben, teilhätten an Seinem Leben. Er trank den Kelch des Zornes Gottes, damit wir ewig in derselben Gunst bei Gott ständen, welche Er, der geliebte Herr, als Mensch genießt.
Doch vergessen wir nie, was der Herr dort am Kreuze gelitten, als Er unseren Platz einnahm und von Gott wie Sünde behandelt wurde. Furchtbar waren jene drei Stunden der Finsternis, wo dies geschah. Und als diese Stunden des Gerichts und des Zornes Gottes vor Seiner heiligen Seele standen, da war Er bestürzt und beängstigt, und Er sprach: „Meine Seele ist sehr betrübt, bis zum Tod e". Er suchte Trost bei den Jüngern, fand ihn aber nicht. Da wendet Er Sich zum Vater: „Abba, Vater, alles ist Dir möglich; nimm diesen Kelch von Mir weg: doch nicht was Ich will, sondern was Du willst!" Welch ein bitterer Kelch muß es gewesen sein, der einem völlig ergebenen Herzen die Worte auspreßte:
 „Nimm ihn von Mir weg!" Und wiederum: Welch eine Unterwürfigkeit, die angesichts eines solch schrecklichen Kelches sagen konnte: „Doch nicht was Ich will, sondern was Du willst!"



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O, was muß Seine heilige Seele gefühlt haben, als Gott Sein Antlitz von Ihm wegwandte, als alle Wogen und Wellen des Zornes Gottes über Ihn hinwegbrausten! Da hören wir Ihn sagen: „Wie Wasser bin ich hingeschüttet, und alle Meine Gebeine haben sich zertrennt; wie Wachs ist geworden Mein Herz; es ist zerschmolzen inmitten Meiner Eingeweide. Meine Kraft ist vertrocknet wie ein Scherben, und Meine Zunge klebt an Meinem Gaumen" (Ps. 22, 14-15).
Wer könnte je ergründen Die Tiefen und die Höhn, Und wer Verständnis finden Von dem was dort geschehn! Du, alles Lebens Quelle, Des ew'gen Gottes Sohn, Du hast an unsrer Stelle Geschmeckt der Sünde Lohn.
Wie reden doch die Leiden des Herrn zu uns von Seiner unergründlichen Liebe zum Vater und zu den Menschen, die Er um jeden Preis dem Gericht und ewigen Verderben entreißen wollte. Wenn Gott auch ein so schweres Strafgericht wegen unserer Sünde und Schuld über Ihn bringen mußte, Sein Antlitz vor Ihm verbarg und Ihn verließ, so hielt doch der Herr fest an der Liebe Gottes, vertraute Ihm völlig und harrte aus, bis das große Werk der Erlösung vollbracht und Gott völlig verherrlicht war. „Er ward gehorsam bis zum Tode, ja, zum Tode am Kreuz e". - Und was uns betrifft, so waren wir gottlose Sünder und Seine Feinde; dennoch hat Er uns mit einer solchen Liebe geliebt, mit einer Liebe, die auch die Wasser jenes schrecklichen Gerichts am Kreuze nicht auszulöschen vermochten.
Teure Geschwister, danken wir dem Herrn für Seine Liebe und Gnade? Sind wir stets eingedenk, wie schrecklich die Sünde in den Augen Gottes ist, und was der Herr in jenen drei Stunden der Finsternis, wo Er als unser Sündenträger gerichtet wurde, gelitten hat? Wenn dieses Gericht über die Sünde vor unseren Augen steht, werden wir das Böse hassen und fliehen.

Wie verabscheuungswürdig die Sünde vor Gott ist, wurde auch dadurch zum Ausdruck gebracht, daß das Sündopfer außerhalb des L a g e rs gänzlich verbrannt*) wurde. Willigen wir trotz aller Mahnungen und Warnungen, die uns Gott in Seinem Worte gibt, dennoch ein in die Sünde und richten sie nicht, so betrüben wir Sein Herz sehr und geben Ihm Veranlassung, die Zucht über uns zu verhängen. „Wenn wir uns selbst beurteilten, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir vom Herrn gezüchtigt, auf daßwirnicht mit der Welt verurteilt werden" (I. Kor. 11, 31. 32).
Wehe jedem Sünder, der die Gnade in Christo jetzt verschmäht. Das Gericht, dem er durch den Glauben an den Opfertod des Herrn hätte entrinnen können, wird auf ihn zurückkehren. Wie furchtbar wird dies sein!
Obwohl nun beim Sündopfer der erste Zweck darin bestand, das vorzubilden, was Christus für uns wurde, und nicht das, was Er ia Sich Selbst, in Seiner Natur, war, so hatte doch Gott eine Handlung damit verbunden, durch welche Seiner persönlichen Annehmlichkeit vor Gott der lebendigste Ausdruck gegeben wurde. Wir finden diese in den Worten: „Und alles Fett vom Farren des Sündopfers soll er von ihm abheben: das Fett, welches das Eingeweide bedeckt, und alles Fett, das am Eingeweide ist, und die beiden Nieren und das Fett, das an ihnen, das an den Lenden ist, und das Netz über der Leber: samt den Nieren soll er es abtrennen, so wie es abgehoben wird von dem Rinde des Friedensopfers; und der Priester soll es räuchern auf dem Brandopferaltar" (3. Mose 4, 8-10).
Durch diese Handlung - durch das Räuchern des Fettes auf dem Brandopferaltar - wurde auf die innere Vortrefflichkeit Christi hingewiesen.
 Das auf dem Altar- verbrannte Fett war der passende Ausdruck der göttlichen Würdigung und Kostbarkeit der Person Christi, welchen Platz Er auch in Gnaden um unsertwillen einnehmen mochte.
*) Dies bezog sich freilich nur auf die Sündopfer, deren Blut ins Heiligtum getragen wurde.



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Der Herr wurde am Kreuze zur Sünde gemacht; aber es war eben der Auserwählte Gottes, Sein reiner, fleckenloser und ewiger Sohn, der Sünde nicht kannte. Es würde nichts weniger als teufliche Weisheit sein, wollte man die Tiere Seiner Erniedrigung als Anlaß benutzen, Seine persönliche Herrlichkeit zu verdunkeln oder gar in den Staub zu ziehen. Die innere Vortrefflichkeit, die ungetrübte Reinheit und die göttliche Herrlichkeit unseres hochgelobten Herrn erscheinen ebenso völlig im Sündopfer wie im Brandopfer. Die Natur und die innersten Gedanken Christi waren Gott vollkommen wohlgefällig; als der Reine und Fleckenlose konnte Er allein das Gericht über die Sünde tragen. Weil aber Christus im Sündopfer als Sündenträger betrachtet wird, so hören wird nicht, daß das Räuchern des Fettes Gott zum „lieblichen Geruch" war.
Wir haben nun gesehen, wie der Reinheit und Fleckenlosigkeit der Natur Christi beim Sündopfer durch das Räuchern des Fettes Ausdruck gegeben wurde. Auch hören wir, daß das Opfer in jedem Falle „ohne Fehl" sein mußte (3. Mose 4, 3. 23. 28). Es ist überhaupt bemerkenswert, daß nichts so sehr den Charakter der Heiligkeit und einer gänzlichen Absonderung für Gott trug wie das Sündopfer. Bei den anderen Opfern begegnen wir einer vollkommenen Annehmlichkeit, einem lieblichen Geruch und in einzelnen Fällen den gesäuerten Broten; aber in allem gab Gott Seiner Freude Ausdruck, welche Er an d e m fand, was vollkommen und ausgezeichnet war. Bei den Sündopfern dagegen war es ausdrücklich geboten, ein Opfer „o h n e Fehl" darzubringen. Dies finden wir auch bestätigt im Gesetz des Sündopfers. Im 6. Kapitel lesen wir: „Rede zu Aaron und zu seinen Söhnen und sprich: Dies ist das Gesetz des Sündopfers. An dem Orte, wo das Brandopfer geschlachtet wird, soll das Sündopfer geschlachtet werden vor Jehova: hochheilig ist es".
In dem ganzen Werke Jesu gibt es nichts, was so sehr Seine tatsächliche Heiligkeit, Seine vollkommene und gänzliche Absonderung für Gott kennzeichnet, als die Tatsache, daß Er unsere Sünden getragen hat. Nur Der, „welcher keine Sünde kannte", konnte „zur Sünde gemacht" werden. Und gerade die Tatsache, daß Er die Sünde getragen hat, beweist die völlige Absonderung für
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Gott, die man sich nur denken kann; ja, sie übersteigt unser Denkvermögen. Als Sündopfer betrachtet, ist Christus in ganz besonderer Weise heilig, wie Er denn auch jetzt, kraft dieses Opfers als Priester vor Gott stehend und uns vertretend, „heilig, abgesondert von den Sündern und höher als die Himmel geworden ist" (Hebr. 7, 26).
Das Blut des Sündopfers wurde ins Heiligtum gebracht. Hören wir, was das Wort darüber sagt: „Und der gesalbte Priester nehme von dem Blute des Farren und bringe es in das Zelt der Zusammenkunft; und der Priester tauche seinen Finger in das Blut siebenmal vor Jehova gegen den Vorhang des Heiligtums hin" (Kap. 4, 5. 6).
Wenn das gesamte Volk oder der Hohepriester gesündigt hatte, so war jede Gemeinschaft mit Gott unterbrochen. Es handelte sich dann nicht um die Wiederherstellung einer einzelnen Person, sondern um die Wiederherstellung der Gemeinschaft zwischen Gott und dem ganzen Volke. Es war nicht nötig, eine Grundlage für die Beziehung des Volkes zu Gott zu legen; dies geschah am g r o s -sen Versöhnungstag. Nein, es handelte sich bloß um die Wiederanknüpfung einer unterbrochenen Gemeinschaft mit Gott,
Siebenmal wurde das Blut gegen den Vorhang des Heiligtums hin gesprengt, wodurch angedeutet werden sollte, daß eine vollkommene Wiederherstellung jener Gemeinschaft stattgefunden hatte.
Es war nicht nötig, daß der Opfernde noch einmal mit dem Blut besprengt wurde; es wurde nicht wieder auf ihn angewandt. Dies war geschehen bei der Rechtfertigung und Annahme des Sünders; das Blut Christi hat die Kraft auf „immerdar" vollkommen zu machen vor Gott; die Wirksamkeit des Blutes ändert und vermindert sich nicht. Dem Gläubigen kommt seine Kraft auf immer zugute. Wenn er jedoch gesündigt hat, kann er nicht mit Gott wandeln, auch dessen Gemeinschaft nicht genießen, bis er die Sünde Gott bekannt hat und diese vor Gottes Augen hinweggetan ist. Weggetan aber kann sie nur werden auf
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Grund des einmal vergossenen Blutes Christi, und dann wird der Gläubige, welcher gesündigt hat und die Wiederherstellung sucht, erinnert, um immer vor Augen zu haben, was nötig war, um die Sünde, die so schrecklich in Gottes Augen ist, hinwegzutun.
Weiter hören wir: „Und der Priester tue von dem Blute an die Hörner des Altars des wohlriechenden Rauchwerks, der im Zelte der Zusammenkunft ist vor Jehova" (Kap. 4, 7).
Dies sicherte die Anbetung der Versammlung; denn dadurch, daß das Blut auf den „goldenen Altar" gebracht wurde, blieb die wahre Grundlage der Anbetung aufrecht erhalten, so daß die Flamme des Weihrauchs und dessen Wohlgeruch beständig emporsteigen konnte. Die Opfernden waren wieder zu Freiheit und Vertrauen im Gebet zurückgekehrt. Diese konnten sie nicht besitzen, solange ihr Herz sie verurteilte. Wenn die Erlösten gesündigt haben und die Sünde Gott gemäß richten, dann bekommen sie von Christo und Seiner Gnade eine viel größere Auffassung, eine Auffassung, die ihnen wieder Freiheit gibt, mit glücklichem Herzen Gott zu nahen, zu beten und anzubeten. David bat, nachdem er so schwer gefehlt hatte: „Entsündige mich mit Ysop, und ich werde rein sein; wasche mich und ich werde weißer sein als Schnee. Laß mich Fröhlichkeit und Freude hören, so werden die Gebeine frohlocken, die Du zerschlagen hast" (Ps. 51, 7. 8).
Dann hören wir noch, daß das Blut des Farren „an den Fuß des Brandopferaltars gegossen" werden sollte, der am Eingang des Zeltes der Zusammenkunft war. Hierdurch wurde den Forderungen des persönlichen Gewissens entsprochen; denn der eherne Altar war die Stätte des persönlichen Hinzunahens, der Ort, wo Gott dem Sünder begegnete.
Wenn ein einzelner Mann eine Sünde beging, war die Gemeinschaft mit Gott im allgemeinen (der ganzen Versammlung) nicht unterbrochen, darum wurde in diesem Falle auch kein Blut auf den „goldenen Altar" gebracht, sondern das Blut wurde nur an den Fuß des Brandopferaltars gegossen. Der einzelne verlor nur den Genuß der Gemeinschaft, und sein Gewissen mußte zur Ruhe und sein Herz in den Genuß der Gemeinschaft mit Gott gebracht werden. Die Wirkung der persönlichen Sünde vermochte also die Grenzen des persönlichen Gewissens nicht zu überschreiten, also auch in ihrem Einfluß weder den „Räucheraltar", den Ort der priesterlichen Anbetung und Fürbitte, noch den Vorhang des „Heiligtums", die heilige Grenze der Wohnung Gottes inmitten Seines Volkes, zu errichten.
Darum sollte auch an der Stätte der Anbetung, also in der Versammlung, niemals von persönlichen Sünden und Fehltritten die Rede sein. Diese Dinge müssen an der Stätte des persönlichen Hinzunahens geordnet werden. Traurig ist es, wenn Gläubige in unreinem Zustande, mit beflecktem Gewissen zur Anbetung in die Versammlung kommen und dadurch die Versammlung auf ihren unreinen Boden herabziehen und die Anbetung hindern.
Durch das, was mit dem „Blut e" des Sündopfers und mit dessen „Fleische" geschah, treten zwei besondere Wahrheiten vor unsere Augen, nämlich: die Anbetung und die Jüngerschaft.
Das ins Heiligtum gebrachte Blut ist die Grundlage der Anbetung, und das außerhalb des Lagers verbrannte Fleisch zeigt uns den Platz, den die Jünger Jesu in dieser Welt einnehmen sollen.
Wenn wir mit gereinigtem Gewissen und glücklichem Herzen vor Gott treten und Ihn anbeten wollen, müssen wir wissen, daß die Frage der Sünde für uns geordnet ist. Dies ist geschehen durch das Blut des göttlichen Sündopfers, welches allen Forderungen eines heiligen und gerechten Gottes, sowie allen Bedürfnissen des verlorenen, schuldigen Sünders entsprochen hat. Das Wort Gottes und der Heilige Geist bezeugen uns, daß Gott nun unserer „Sünden und Gesetzlosigkeiten nie mehr gedenken will". Dieses Zeugnis gibt dem Herzen vollen Frieden, und im Genüsse dieses Friedens beten wir Gott freimütig an. „Denn wenn das Blut von Böcken und Stieren und die Asche einer jungen Kuh - wie die Israeliten sie darbrachten - auf die Unreinen gesprengt, zur Reinigkeit des Fleisches heiligt, wieviel mehr wird das Blut des Christus, der durch den ewigen Geist Sich Selbst ohne Flecken Gott geopfert hat, euer Gewissen reinigen von toten Werken, um dem lebendigen Gott zu dienen!" (Hebr. 9, 13. 14).
Die volle Gewißheit, daß die Sünde durch das Blut Christi hinweggetan ist, erweckt nicht einen Geist des Selbstvertrauens, sondern einen Geist des Lobes, des Dank  und der Anbetung. Sie bringt nicht einen Geist der Selbstgefälligkeit hervor, sondern einen Geist, der an Christo sein Wohlgefallen hat und welcher, Gott sei Dank! die Erlösten in alle Ewigkeit kennzeichnen wird, denn sie werden ewig Gott anbeten. Diese Gewißheit der Vergebung leitet nicht dahin, die Sünde gering zu achten, sondern hoch zu denken von der Gnade, welche die Sünde vollkommen vergeben hat, sowie von dem Blute, das sie vollkommen getilgt hat. Wenn man den Herrn als Sündopfer betrachtet, also als Den, der am Kreuze zur Sünde gemacht war, dann wird notwendigerweise eine tiefe Verabscheuung der Sünde in allen ihren Formen und eine innige, aufrichtige Liebe zu Christo, zu Seinem Volke und zu Seiner Sache in uns geweckt werden.
In der Tatsache, daß das Fleisch des Sündopfers außerhalb des Lagers verbrannt wurde, sehen wir einerseits den Platz vorgebildet, welchen der Herr Jesus als Träger unserer Sünden einnahm, die Stätte, wohin Ihn eine Welt, die Ihn verwarf, verstieß, aber auch andererseits, wie schon oben bemerkt, die Grundlage der wahren Jüngerschaft.
Unser teurer Herr hat außerhalb des Tores gelitten, darum die Ermahnung, ja, die Aufforderung: „Deshalb laßt uns zu Ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, Seine Schmach tragend" (Hebr. 13, 13). Haben uns die Leiden des Herrn den Eingang in den Himmel gesichert, so drückt die Stätte, wo Er gelitten hat, unsere Verwerfung seitens der Welt aus. Durch Seinen Tod hat der Herr uns eine Stadt droben bereitet, aber der Ort Seiner Leiden nimmt uns eine Stadt hienieden. Die damalige religiöse Welt ist nach Gesinnung und Grundsatz die religiöse Welt unserer Tage. Niemand lasse sich durch den Mantel des Christentums, in den die Welt sich gehüllt hat, täuschen; sie hat dies getan, um unter diesem ihren Haß
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gegen Christum in noch tödlicheren Formen zu entfalten. Eine wesentliche Religion, die ein System bildet, worin die Welt wandeln kann und worin das religiöse Element den Menschen im Fleische angepaßt ist, ist eine Verleugnung des Christentums. Hüten wir uns daher vor jedem religiösen Lager. Wo aber der Mensch religiöse Formen einführt, Einrichtungen schafft, die Christum verdrängen, die Wirksamkeit des Geistes und Wortes hindern, da kann das Zusammenkommen der Gläubigen nicht mehr als ein Versammeln im Namen Jesu betrachtet werden. Und auch wir selbst, die wir bekennen uns im Namen Jesu zu versammeln, sind auf Grund mancherlei in Erscheinung1 getretenen Dinge, die den Heiligen Geist in Seiner freien Entscheidung hindern, nahe daran unsere Stellung „in Christo" aufzugeben. Die Versuchung liegt für den Gläubigen immer nahe, bloße Formen festzuhalten, während der Geist und die Kraft fehlen. Grundsätzlich heißt dies nichts anderes als ein Lager aufzurichten. Hüten wir uns alle, in tote Formen zu versinken, aber wenden wir viel Fleiß an, in der Gemeinschaft mit einem lebendigen Christus zu verharren! Und da unser Herr und Heiland ein von der Welt verachteter und verworfener Christus ist, sie werden alle, die treu mit Ihm vorangehen, in Seinen Fußtapfen wandeln, die Verwerfung mit. Ihm teilen und Seine Schmach tragen. Viele suchen dieser Schmach zu entgehen, indem sie sich der Welt anpassen. Dies ist sehr betrübend für den Herrn. Hören wir, was Er uns zuruft: „Wenn jemand Mir nachkommen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge Mir nac h". Sonnen wir uns nicht in den Strahlen der Gunst der Welt; denn sie kreuzigte den Geliebten und haßt mit ungeschwächtem Hasse Ihn, dem wir unser gegenwärtiges und ewiges Glück und Heil zu verdanken haben, und der uns mit einer Liebe liebt, welche die großen Wasser des Gerichts nicht auszulöschen vermochten. Ein Erlöster, der mit seinem ganzen Herzen und mit seinem Wandel nicht den Platz getrennt von der Welt einnimmt, kann nicht glücklich sein. Möchte daher, während unser Gewissen auf der Grundlage des vergossenen Blutes Christi ruht, die liebe unseres Herzens Ihn Selbst zum Gegenstand haben, damit die Trennung von dem „gegenwärtigen und bösen Zeitlauf", ja, von allem, was der Mensch
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selbst in guter Meinung aufgerichtet hat, nicht nur eine Sache kalter Grundsätze, sondern die Frucht eines liebenden Herzens sei, das den Gegenstand seiner Liebe nicht in der Welt findet, sondern allein im Herrn!
In Kap. 5, 1-6 werden drei Fälle von Verschuldung erwähnt, die wohl dem Grundsatz nach jede Art von Sünde umfassen. Der erste betrifft einen Fehltritt im Zeugnis, der zweite die Absonderung und der dritte den Mangel an Nüchternheit und Selbstbeherrschung.
In bezug auf das Zeugnis lesen wir: „W e n n jemand sündigt, daß er die Stimme des Fluches hört, und er war Zeuge, sei es, daß er -es gesehen oder gewußt hat - wenn er es nicht anzeigt, so soll er seine Ungerechtigkeit tragen" (Kap. 5, 1).
Wenn jemand vom Volke Gottes Kenntnis bekommen hat über geschehenes Böse in der Versammlung, so ist er verpflichtet, dies den Brüdern anzuzeigen, also Zeugnis darüber abzulegen. Unterläßt er dies und verschweigt das Böse, so ist er schuldig, und er muß „seine Ungerechtigkeit tragen". Ist die verschwiegene Sünde so schwer, daß sie den Ausschuß dessen, der sie begangen hat, notwendig macht, dann wird die Versammlung den, der um das Böse wußte, es aber nicht angezeigt hat, auf denselben Boden stellen mit dem, der das Böse verübt hat. Wer die Sünde eines anderen verhehlt, ist vor Gott ebenso schuldig wie der, der sie begangen hat.
Der Fehltritt im Zeugnis, wie er Kap. 5, 1 erwähnt wird, findet aber noch eine andere Anwendung. Wir sind als Kinder Gottes in dieser Welt zurückgelassen worden, damit wir Zeugen für den Herrn seien, wie Er es auch nach Seiner Auferstehung den Jüngern ans Herz gelegt hat, indem er zu ihnen sagte: „Ihr sollt Meine Z eugen sein". Wenn wir schweigen, da wo wir Gelegenheit haben, den Namen des Herrn zu bekennen, und tun es nicht, so sind wir schuldig. Als der Herr vor dem Hohenpriester die Stimme der Beschwörung hörte (Matth. 26, 63), da „bezeugte" Er „das gute Bekenntnis". Mit derselben
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Freimütigkeit und Kraft legte Er auch vor Pontius Pilatus Zeugnis ab. Und was tun wir, wenn Er uns Gelegenheit gibt, Seinen Namen zu bekennen? Fürchten wir uns vor der Welt? Scheuen wir die Schmach? Wie betrübend für den Herrn, wenn wir aus Feigheit vor dem Bekennen Seines Namens zurückschrecken. Bedenken wir doch stets, daß wir verantwortlich sind, Bekenner der Wahrheit, Bekenner Christi zu sein! Ehren wir den Herrn durch ein treues Zeugnis über Ihn, dann wird die Welt Segen haben, und Er wird uns einst vor Seinem Vater bekennen und vor Seinen Engeln (Offenbg. 3, 5).
Oft suchen Kinder Gottes, wenn sie Gelegenheit haben, ein Bekenntnis für den Herrn abzulegen, auszuweichen. So hat z. B. mancher, der gefragt wurde: „Warum gehen Sie nicht zum Tanz oder ins Theater?" gesagt: „Ich habe keine Freude oder kein Interesse daran", oder aber: „Ich habe eine andere Anschauung", anstatt zu sagen: „Ich suche  dem Herrn, der für mich am Kreuze gestorben ist, zu gefallen, Ihm zu leben und Ihn zu ehren. Seitdem ich Ihn besitze, bedarf ich jener Vergnügen nicht mehr".
Wir sollten von dem, was wir in Christo gesehen oder erkannt haben, Zeugnis ablegen. Die Welt wird sagen: „Das gehört nur in die Kirche. In einer Gesellschaft aber von Christo reden, verstößt gegen den guten Ton, weil es die Unterhaltung stört und alle in eine unangenehme Stimmung bringt". Wir aber sollten uns nicht irre machen lassen, auch dann nicht, wenn wir ein wenig in Verlegenheit kommen oder etwas ungeschickt das Zeugnis ablegen. Es liegt eine ungeheure Kraft darin zu sagen, daß Jesus unser Herr ist. Jeder Christ, der treu den Herrn bekennt vor der Welt, erhält vom Himmel Unterstützung. Aber schlimm ist's und betrübend für den Herrn, wenn wir uns versündigen, indem wir es unterlassen, Zeugnis von Ihm abzulegen.
Im zweiten Falle handelt es sich um die Absonderung vom Bösen. Wir lesen: „Wenn jemand etwas Unreines anrührt, sei es das Aas eines unreinen wilden Tieres, oder das Aas eines unreinen Viehes, oder das Aas eines unreinen
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kriechenden Tieres, - ist es ihm auch verborgen, so ist er unrein und schuldig; oder wenn er die Unreinigkeit eines Menschen anrührt.... erkennt er es, so ist er schuldig" (Kap. 5, 2-3).
In der Welt gibt es große und kleine Dinge - worauf die wilden Tiere, das Vieh und die kriechenden Tiere hinweisen - durch die wir uns verunreinigen können. Dem Hause Gottes geziemt Heiligkeit auf immerdar (Ps. 93, 5). Absonderung von der Welt und ihren Dingen muß aufrecht erhalten werden. Tun wir dies nicht, dann verschulden wir uns vor Gott. „Seid nicht in einem ungleichen Joche mit Ungläubigen. Denn welche Genossenschaft hat Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis? . . . oder welches Teil ein Gläubiger mit einem Ungläubigen?" Wollen wir unsere Teilhaberschaft bloßstellen, in dem wir mit der Welt zusammengehen? Davor bewahre uns der Herr! Er ermahnt uns: „Gehet aus ihrer Mitte und sondert euch ab... und rühret Unreines nicht an, und Ich werde euch aufnehmen; und ich werde euch zum Vater sein, und ihr werdet Mir zu Söhnen und Töchtern sein" (2. Kor. 6, 17. 18).
Die unreinen Tiere weisen wohl hin auf die Verbindung mit den Ungläubigen in der Welt, während „die Unreinigkeit eines Menschen" mehr das Böse in u n s darstellt, wie es in 2. Kor. 7, 1 seinen Ausdruck findet: „Da w i r n u n diese Verheißung haben, Geliebte, so laßt uns uns selbst reinigen von jeder Beflek-kung des Fleisches und des Geistes, indem wir die Heiligkeit vollenden in der Furcht Gottes".
Nun kommt noch der letzte Fall der Verschuldung, nämlich durch Mangel an Selbstbeherrschung. Wir lesen: „Wenn jemand schwört, indem er unbesonnen mit den Lippen redet, Böses oder Gutes zu tun, nach allem was ein Mensch mit

einem Schwur unbesonnen reden mag, und es ist ihm verborgen, - erkennt er es, so ist er schuldig" (Kap. 5, 4).
Redet man unbesonnen mit den Lippen, um „Böses zu tu n", so ist es Sünde; man hatte es eben nicht tun sollen. Geschieht es aber, um „G u t e s zu tu n", dann muß man sein Wort auch halten, sonst versündigt man sich. Wie notwendig daher für uns, besonnen zu sein, nicht in Hast und in Übereilung zu reden. Sind wir in Gemeinschaft mit dem Herrn, dann reden wir mit Bedacht, überlegen vor Ihm, ob es Ihm zur Ehre und den Menschen zum Nutzen und Segen ist. Man braucht in diesem Falle nichts zu beteuern; man handelt nach dem Worte des Herrn: „Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein; was aber mehr ist als dieses, ist aus d e m B ö s e n" (Matth. 5, 38).
Wo ein gebrochener Wille ist, da überstürzt man sich nicht; aber unbesonnenes Reden macht den ununterwürfigen Herzenszustand offenbar. Hören wir die Ermahnung des Predigers: „Sei nicht vorschnell mit deinem Munde, und dein Herz eile nicht, ein Wort vor Gott hervorzubringen; denn Gott ist im Himmel, und du bist auf der Erde: darum seien deiner Worte wenige" (Kap. 5, 2). Wie wahr sind die Worte des Jakobus: „Wenn jemand nicht im. Worte strauchelt, der ist ein vollkommener Mann, fähig auch den ganzen Leib zu zügeln" (Kap. 3, 2).
Bis jetzt war die Rede von der Verschuldung wegen des Zeugnisses, der Absonderung und des Mangels an Nüchternheit und Selbstbeherrschung. - Wenn eine Verschuldung dieser Art bei einem Gläubigen vorliegt, dann ist der Herr bemüht, ihn durch Seinen Geist und durch Sein Wort in das Licht Gottes zu bringen, damit er seinen Fehltritt erkennt. Ist sein Gewissen erreicht und aufgeweckt, dann liegt die Verschuldung wie eine Last auf ihm; er hat eingesehen, daß er dem Fleische erlaubt hat zu wirken. Die Freude ist gewichen und die Freiheit zum Gebet und zum Dienst für den Herrn; auch fühlt er sich nicht mehr wohl unter den Geschwistern und meidet ihre Gesellschaft.

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Wohl der Seele, die sich in diesem gedrückten und unglücklichen Zustand zu Gott wendet und Ihm ihre Sünde aufrichtig bekennt! Das Schuldbekenntnis ist gleich der Darbringung eines Sündopfers. Die Sünde wird von Gott vergeben; denn „wenn wir unsere Sünden bekennen, so i s t E r treu und gerecht, daß Er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit" (1. Joh. 1, 9).
Der schuldige Israelit konnte nun ein Tier vom Kleinvieh (Schaf oder Ziege), zwei Turteltauben, zwei junge Tauben, oder im Falle großer Armut ein Zehntel Epha Feinmehl als Opfergabe darbringen (3. Mose 5, 7-13).
Wie rührend war es, und wie offenbarte es die Gnade unseres Gottes, daß Er auch für die Ärmsten im Volke Vorsorge getroffen hatte.
Auch heute gibt es unter dem Volke Gottes einen grossen Unterschied, sowohl in Bezug auf die Wertschätzung Christi und Seines Opfers am Kreuze, als auch betreffs der Beurteilung der Sünde und des notwendigen Selbstgerichts bei vorliegenden Fehltritten. Gott nimmt Rücksicht auf die verschiedenen Zustände bei den Menschen und auf das Maß ihrer Fähigkeit betreffs des Urteils. Wenn wir auch keinen Grund für diese Verschiedenheit angeben können, so wissen wir doch aus dem Worte Gottes, daß der Unterschied besteht.
Wer in Israel nach einem Fehltritt, nach einer Verunreinigung zwei Vögel als Opfer darbrachte, war jedenfalls ärmer als der, welcher ein Schaf brachte. So gibt es auch Gläubige, die ein geringes Verständnis über Christum und Sein Opfer haben und auch ein schwaches Urteil über die Sünde, was sie wirklich in Gottes Augen ist. Andere wieder haben eine größere Auffassung davon. Wenn ein Christ nach einem Fehltritt - im Bilde geredet - zwei Tauben als Opfergabe bringt, so zeigt er damit an, daß er zwar ein geringes Verständnis über seine Sünde und über das Opfer Christi hat, aber so viel Erkenntnis doch besitzt, daß er zwischen Christo als Sündopfer und als Brandopfer einen Unterschied zu machen weiß. Die eine Taube wurde nämlich als Sündopfer und die andere als Brandopfer dargebracht,
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ein Hinweis darauf, daß der schwache Christ, wenn er seine Sünde Gott bekannt hat, in diesem Falle doch weiß, seine Sünden sind vergeben (Sündopfer), und daß ihm die Wiederkehr der Freude und Annahme auf Grund des Opfers Christi sicher ist (Brandopfer). Gottes Gunst wird wieder auf ihm ruhen; er naht Gott wieder im Bewußtsein der Annehmlichkeit, die er in Christo besitzt.
Ein Zehntel Epha Feinmehl war das geringste Sündopfer. Es weist hin auf das sehr geringe Verständnis eines Menschen über den Herrn und sein Opfer, über die Sünde und das notwendige Selbstgericht.
Der Räuber am Kreuze ist hierfür ein klares Beispiel. Er hatte von seiner Sünde eine geringe Vorstellung, sowie auch von Christo und Seinem Opfer.
In Bezug auf seine Sünde bekennt er nur: „W i r empfangen was unsere Taten wert sind;" und vom Herrn bezeugt er nur: „Dieser hat nichts Ungeziemendes getan" (Luk. 23). Er urteilte, daß er Christum nötig habe zum Eingang in das Reich, und glaubte an die Vergebung, die ihm auch durch die Gnade des Herrn zuteil wurde. Es war sicher eine große Freude für den Herrn, daß der Räuber sich verurteilte und Ihn, den Gekreuzigten, rechtfertigte.
Wir sollten bei der Beurteilung der Seelen auch mit einem geringen Verständnis, das sie von Christo und Seinem Opfer haben, zufrieden sein und nicht immer so große Anforderungen an das Verständnis stellen. Gott erkennt das geringste Maß von Erkenntnis über die Sünde und das Opfer Christi an und würdigt es. Doch sollten wir den Gläubigen, die so schwach an Verständnis sind, zu Hilfe kommen und sie belehren, damit sie wachsen in der Erkenntnis und ein größeres Verständnis über die Sünde und ihre Hassenswürdigkeit, sowie auch über die Herrlichkeit der Person Christi und die Vollkommenheit Seines Werkes am Kreuze bekommen. Achten wir die schwachen Seelen aber für wertlos, so bekunden wir damit, daß wir bei unserer größeren Erkenntnis doch ihren göttlichen Wert nicht besser verstehen als sie selbst.
Wenn Gott nun auch die geringe Auffassung von Christo und von der Sünde anerkennt, so sollten wir aber nicht
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denken, die Sünde sei nicht schlimm. Sie ist in Wahrheit sehr schlimm, und wir können sie nicht genug hassen und verabscheuen. Aber wahr ist es auch, daß Gott den Menschen nach seiner Fähigkeit und nach seinem Licht beurteilt. Er erwartet - im Bilde gesprochen - kein Schaf, wenn jemand nur zwei Tauben oder ein Zehntel Epha Feinmehl bringen kann. Und wir sollen es auch nicht erwarten. Doch wie gesegnet, wenn wir eine sehr hohe Auffassung von der Herrlichkeit Christi, von der Vollkommenheit und Notwendigkeit. Seines Opfers haben, sowie auch ein großes Maß Verständnis darüber, wie hassenswürdig die Sünde vor Gott ist, und daß wir nach dieser Erkenntnis das Selbstgericht ausüben, wenn wir gefehlt haben. Vor allem aber bewahre uns der Herr vor allem Bösen und lasse uns mit Demut fest umhüllt sein, Ihn von ganzem Herzen lieben und Ihm gehorsam sein! Dann werden wir Ihn erfreuen, Sein Wohlgefallen wecken, Seine und des Vaters Liebe genießen und mit glücklichem Herzen zum Zeugnis und Segen für andere die Welt durchschreiten.
Was das Gesetz des Sündopfers betrifft, so haben wir daraus schon erwähnt, daß es auf die Heiligkeit des Sündopfers sehr großes Gewicht legte. Das Opfer mußte an demselben Orte geschlachtet werden, wo das Brandopfer geschlachtet wurde; „hochheilig" war es (3. Mose 6, 18).
Wir sollen ein hohes Bewußtsein haben von der Heiligkeit und Vortrefflichkeit des Menschen Jesus Christus, der durch Seinen Tod das vor Gott beseitigt hat, was Ihm so sehr missfiel: die Sünde. Christus hat die Sünde gesühnt, aber Er konnte dies nur, weil Er „ohne Sünde" war und Gott bis zum Tode am Kreuze verherrlicht, also Seinen ganzen Willen vollkommen durchgeführt hat zu Seinem ewigen Wohlgefallen.
Weiter ist zu beachten, daß wir zur Wohnstätte der Heiligkeit Gottes gebracht sind. In ihrem Lichte sollen wir an die Sünde denken und erkennen, wie häßlich und Verabscheuungs würdig sie vor Gott ist. Heilig sein heißt: abgesondert vom Bösen sein, und zwar nach dem, wie Gott über die Sünde denkt. Ein unwiedergeborener Mensch hat wohl ein Gefühl dafür, was anständig, schicklich und sittlich oder unsittlich ist, aber er weiß nicht
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zu beurteilen, was der Heiligkeit Gottes entspricht. Gott fordert von Seinem Volke Heiligkeit; denn ohne diese „kann niemand den Herrn schauen" (Hebr. 12, 14). Der das Sündopfer opfernde Priester mußte das Fleisch des Sündopfers „an heiligem Orte" essen, „im Vorhof des Zeltes der Zusammenkunft" ( 3. Mose 6, 19).
Die Sünde ist etwas so Verabscheuungswürdiges in den Augen Gottes, daß der Tod Christi notwendig war, wenn sie vor Seinem Angesicht hinweggetan werden sollte.
Denken wir nun einerseits nach über die Sund e, wie häßlich sie in Gottes Augen ist, und andererseits über Den, der sie vor Gott in Seinem Tode beseitigt hat, dann essen wir das Sündopfer. Wir bekommen dann eine neue, größere Auffassung vom Tode des Herrn und vom Herrn Selbst, der Sich in so großer Liebe und Gnade für uns hingeben und in die tiefsten Tiefen des Gottverlassenseins hineingestiegen ist der Sünde wegen. Auf diese Weise kommt der Erlöste in Seinem Sinn und Geiste in Einklang mit Gott. Einerseits empfindet er die Sünde in ihrem so überaus schlechten Charakter, andererseits aber auch die Gnade, die in Christo offenbar geworden der Sünde gegenüber, die Er für den Glaubenden beseitigt hat am Kreuze. So schwindet jede Leichtfertigkeit in Bezug auf die Sünde; man bekommt ein tiefinnerliches Bewußtsein von dem, was es Christum gekostet, hat, die Sünde zu sühnen. Weiter lernt man die überströmende Gnade immer mehr schützen, in welcher Gott in Christo gegen den Sünder gehandelt hat. Der Gläubige wird innerlich so gebildet, daß er in völlige Übereinstimmung kommt mit Gott im Blick auf die Sünde und auf die Vollkommenheit, Herrlichkeit und Gnade Dessen, der einst am Kreuze für uns im Tode war.
Im Leben und Wandel der Gläubigen kommt es nun oft vor, daß sie fehlen: es zeigt sich noch manches bei ihnen, was ein Sündopfer erforderlich macht. Möchten wir nun allezeit in dem Zustand gefunden werden, daß wir in Übereinstimmung mit Gott sind im Blick auf die Sünde. Wenn wir sie Gott gemäß verurteilen und Ihm bekennen, dann vergibt Er, und so wird sie zugedeckt.
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Am Tragen der Sünde konnten wir kein Teil haben. Christus allein, der Heilige und Gerechte, der Sohn Gottes, konnte sie sühnen. Darum durfte auch von den Sündopfern, „deren Blut ins Heiligtum hineingetragen" wurde, nichts gegessen werden.
Wenn wir aber gesündigt haben, dann geziemt es sich für uns, das Gott gemäße Gefühl darüber zu haben und die Sünde zu verurteilen. Aber auch dann, wenn sie bei einem anderen Gläubigen vorkommt, sollen wir denken, der Bruder oder die Schwester hat etwas verübt, was auch in meinem Fleische vorhanden ist. Die Sünde des anderen ist ein Spiegel für mich, um mein eignes Bild zu sehen. Wenn, wir nicht also denken, kommen wir in einen Richtgeist hinein und überheben uns, während wir doch trauern sollten, daß Böses sich in einem Gläubigen gezeigt hat, für welches Christus sterben mußte. Wir sollten dadurch in Übung vor Gott kommen und die Gott gemäßen Gefühle haben; nur so können wir das Sündopfer essen. Wir machen die Sünde des anderen zu unserer eigenen, wie es Esra, Nehemia und Daniel getan haben, und dies ist wohlgefällig vor Gott. Aber oft ist es für uns leichter, das Sündopfer zu verbrennen, als es zu essen, d. h. uns eins zu machen mit der Sünde des andern.
O möchten wir, die Kinder Gottes, doch bei vorkommenden Verfehlungen anderer Christen in dem Gott wohlgefälligen Sinn und Geiste handeln; wieviel Betrübendes würde verhindert, wie schnell würde man tätig sein und für bittend eintreten für die Irrenden und Sorge tragen für ihre Wiederherstellung, damit Gottes Herz erfreut werde und Sein Wohlgefallen auf uns allen ruhen könne.
Wenn in einer Versammlung sich Böses zeigt, dann geziemt es sich, daß alle auf ihr Angesicht fallen und Schmerz darüber tragen. In der Versammlung zu Korinth war dies einst nicht der Fall. Doch wie groß war der Schmerz des Apostels Paulus und vielleicht noch einiger Gläubigen dort; sie wurden geübt und machten die Sünde der Korinther zu ihrer eigenen; sie aßen das Sündopfer. Und was war die Folge? Das Böse wurde von der Versammlung erkannt und verurteilt und der Böse hinausgetan. Auf diese Weise fand
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die Wiederherstellung statt. Der Priester, der das Sündopfer ißt, kann vielen eine Hilfe sein zur Wiederherstellung.
Wir haben nun gesehen, was das Essen des Sündopfers bedeutet. Jetzt wollen wir weiter hören, was uns das Gesetz des Sündopfers lehrt.
Die Darbringung des Sündopfers setzte Heiligkeit voraus. Wir lesen: „Alles was sein Fleisch anrührt, wird heilig sein" (3. Mose 6, 20). Damit wollte Gott sagen: Wer in Berührung mit dem Sündopfer kommt, muß den Menschen im Fleische verurteilen. Warum? Er ist so schlecht und verderbt, daß Gott ihn richten und beseitigen mußte. Dieses Gericht aber ist über ihn ergangen im Tode Christi. Wer nun im Leben und Wandel dem Fleische Raum gibt, ist nicht, in Übereinstimmung mit dem Gedanken Gottes, ja, er steht im Widerspruch dazu. Wer im Einklang mit dem Tode Christi sein will, hat dies durch einen heiligen Wandel kundzutun. Das Blut des Sündopfers redete eine ernste Sprache. Wir lesen: „Wenn von seinem Blute auf ein Kleid spritzt, - das worauf es spritzt, sollst du waschen an heiligem Orte" (Kap. 6, 20). Dies besagt, daß der Gedanke an das Blut Christi, welches einst für unsere Sünden fließen mußte, einen Einfluß auf unser Leben ausüben soll. Das Kleid ist in der Heiligen Schrift ein Bild von dem, was bei dem Menschen nach außen hin gesehen wird, also von seinem Wandel, seinen Gewohnheiten. Unser Benehmen und Betragen soll überall den Charakter der Heiligkeit tragen. Wohl uns, wenn wir durch die innere geistige Berührung mit dem Tode Christi, den Er der Sünde wegen erleiden mußte, so gebildet werden, daß es nach a u s-s e n hin sichtbar wird zur Verherrlichung Gottes und zum Zeugnis für die Menschen!
Wir lesen weiter vom Gesetz des Sündopfers: „Und das irdene Gefäß, in welchem es (das Fleisch des Sündopfers) gekocht wird, soll zerbrochen werden, und wenn es in einem ehernen (oder kupfernen) Gefäß gekocht wird, so soll dieses gescheuert und mit Wasser gespült werden" (Kap. 6, 21).
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