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„Wenn ihr in meinem Worte bleibet,...“
Das Thema Älteste und Leiterschaft in der christlichen Versammlung (ekklesia) ist ein Bereich, mit dem sich jede christliche Gruppe früher oder später befassen wird. Das Ergebnis der verschiedenen christlichen Gruppen (Gemeinden, Versammlungen, Kreise, Denominationen, Kirchen) zu diesem Thema ist unterschiedlich. Welche Gruppe hat nun Recht? Um eine sorgfältige und systematische Erörterung von diesen Thema zu gewährleisten, wurde dieses Kapitel in folgende Unterkapitel eingeteilt:
22.1 Begriffe, Vorkommen (Bibelstellen)
22.2 Die Situation in der Urgemeinde
22.3 Die Situation nach der Urgemeinde – Sollzustand
22.4 Die Situation nach der Urgemeinde – am Anfang
22.5 Die Situation nach der Urgemeinde – heute
22.6 Gegenargumente
22.7 Vertiefte Betrachtung
22.8 Schlusswort des Kapitels
22.1 Begriffe, Vorkommen (Bibelstellen):
Unten sind die Begriffe beschrieben, welche im Neuen Testament vorkommen und die Grundlage für das Thema Leiterschaft bilden. Es wurden ALLE Bibelstellen angegeben, in denen das betreffende griechische Wort in den Grundtexten vorkommt. Dies schließt mit ein, dass auch Bibelstellen angegeben wurden, die sich NICHT auf die Leiterschaft in einer christlichen Versammlung beziehen, z.B. Mt 15.2 (jüdische Älteste), Mt 27.2 (römische Führer), 1Tim 5.2 (ältere Frauen).
Älteste – presbyteros - presbuterouV
Vorkommen: Mt 15.2, Mt 16.21, Mt 21.23, Mt 26.3, Mt 26.47, Mt 26.57, Mt 26.59, Mt 27.1, Mt 27.3, Mt 27.12, Mt 27.20, Mt 27.41, Mt 28.12, Mk 7.3, Mk 7.5, Mk 8.31, Mk 11.27, Mk 14.43, Mk 14.53, Mk 15.1, Lk 1.18, Lk 7.3, Lk 9.22, Lk 15.25, Lk 20.1, Lk 22.52, Lk 22.66, Joh 8.9, Apg 2.17, Apg 4.5, Apg 4.8, Apg 4.23, Apg 6.12, Apg 11.30, Apg 14.23, Apg 15.2, Apg 15.4, Apg 15.6, Apg 15.22, Apg 15.23, Apg 16.4, Apg 20.17, Apg 21.18, Apg 22.5, Apg 23.14, Apg 24.1, Apg 25.15, 1Tim 4.14, 1Tim 5.1, 1Tim 5.2, 1Tim 5.17, 1Tim 5.19, Tit 1.5, Tit 2.2, Tit 2.3, Philemon 9, Heb 11.2, Jak 5.14, 1Pe 5.1, 1Pe 5.5, 2Joh 1, 3Joh 1, Off 4.4, Off 4.10, Off 5.5, Off 5.6, Off 5.8, Off 5.11, Off 5.14, Off 7.11, Off 7.13, Off 11.16, Off 14.3, Off 19.4.
Vorsteher – proistemi - proisthmi
Vorkommen: Rö 12.8, 1Thess 5.12, 1Tim 3.4, 1Tim 3.5, 1Tim 3.12, 1Tim 5.17, Tit 3.8, Tit 3.14.
Aufseher – episkopos - episkopoV
Vorkommen: Lk 19.44, Apg 1.20, Apg 20.28, Phil 1,1, 1Tim 3.1, 1Tim 3.2, Tit 1.7, Heb 12.15, 1Pe 2.12, 1Pe 2.25, 1Pe 5.2.
Führer – hegeomai - hgeomai
Vorkommen: Mt 2.6, Mt 10.18, Mt 27.2, Mt 27.11, Mt 27.14, Mt 27.15, Mt 27.21, Mt 27.23, Mt 27.27, Mk 13.9, Lk 2.2, Lk 3.1, Lk 20.20, Lk 21.12, Lk 22.26, Apg 7.10, Apg 14.12, Apg 15.22, Apg 23.24, Apg 23.26, Apg 23.33, Apg 23.34, Apg 24.1, Apg 24.10, Apg 26.2, Apg 26.30, 2Kor 9.5, Phil 2.3, Phil 2.6, Phil 2.25, Phil 3.7, Phil 3.8, 1Thess 5.13, 2Thess 3.15, 1Tim 1.12, 1Tim 6.1, Heb 10.29, Heb 11.11, Heb 11.26, Heb 13.7, Heb 13.17, Heb 13.24, Jak 1.2, 1Pe 2.14, 2Pe 1.13, 2Pe 2.13, 2Pe 3.9, 2Pe 3.15.
Hirten – poimen - poimhn
Vorkommen: Mt 2.6, Mt 9.36, Mt 25.32, Mt 26.31, Mk 6.34, Mk 14.27, Lk 2.8, Lk 2.15, Lk 2.18, Lk 2.20, Lk 17.7, Joh 10.2, Joh 10.11, Joh 10.12, Joh 10.14, Joh 10.16, Joh 21.16, Apg 20.28, 1Kor 9.7, Eph 4.11, Heb 13.20, 1Pe 2.25, 1Pe 5.2, 1Pe 5.4, Jud 12, Off 2.27, Off 7.17, Off 12.5, Off 19.15.
Alle oben genannten Bibelstellen sollten gelesen werden. Wenn in Gottes Wort nachgelesen wird, dann kann man folgende Punkte erkennen:
1. Das Wort Älteste bedeutet im Neuen Testament oft einfach älterer Mensch (Lk 1.18, Lk 15.25, 1Tim 5.1, 1Tim 5.2, Tit 2.2, Tit 2.3, Philemon 9, Heb 11.2, 1Pe 5.5). In den genannten Bibelstellen ist das gleiche griechische Wort für ältere Menschen genannt, wie es in anderen Bibelstellen für Leiter der Versammlung (Älteste) verwendet wird. Auch die Ältesten in der Versammlung mussten älter an Jahren sein, um das Kriterium von Tit 1.5-6 zu erfüllen. Das Kriterium spricht davon, dass Älteste gläubige Kinder haben. Älteste mussten deshalb verheiratet sein und wenigstens zwei zumindest jugendliche Kinder haben, denen Gott eine Wiedergeburt geschenkt hat. Deshalb waren die Ältesten welche durch die Apostel eingesetzt wurden sicherlich älter als 40 Jahre.
2. Älteste in einer christlichen Versammlung wurden ausschließlich durch Apostel (Apg 14.23) oder durch direkt apostolisch Beauftragte (Tit 1.5), zu Lebzeiten der Apostel, eingesetzt (benannt).
3. Im Gegensatz zur Einsetzung (Benennung) von Älteste, gibt es auch noch Vorsteher im Herrn. Die Vorsteher werden nicht wie die Ältesten eingesetzt (benannt). Stattdessen werden sie von Christen, denen sie vorstehen, erkannt (1Thess 5.12-13). Die Aufforderung die Vorsteher zu erkennen würde überhaupt keinen Sinn machen, wenn sie bereits offiziell und damit öffentlich benannt (eingesetzt) sind.
4. Die Aufsehereinsetzung wird genannt in Apg 20.28. Die Aufsehereinsetzung geschieht durch den Heiligen Geist.
5. Die Bibelstellen der Offenbarung, wo der Begriff Älteste vorkommt, beschreiben nicht die Leiterschaft in christlichen Versammlungen. In der Offenbarung handelt es sich beim Begriff Älteste um eine Beschreibung für die gesamte Gemeinde Jesu. Es sind alle Christen zu allen Zeiten, die nach der Entrückung vollständig im Himmel sind. Dies geht bereits aus Off 4.4 hervor. In der Bibel beschreibt das erste Vorkommen eines Begriffes oft seine Bedeutung. In Off 4.4 kommt der Begriff vierundzwanzig Älteste das erste Mal vor. Er beschreibt Menschen, die mit weißen Kleidern bekleidet sind und goldene Kronen auf ihren Häuptern haben. Beide Kriterien treffen nur auf Christen zu (Weiße Kleider: Off 3.4-5, Off 3.18, Kronen: 1Kor 9.25, 2Tim 4.8, Jak 1.12, 1Pe 5.4, Off 2.10). In Off 4.10 werfen die Christen (=24 Älteste) ihre Kronen vor Gott nieder. Ein Zeichen dafür, dass sie nicht Herrlichkeit und Ehre und Macht wollen, sondern alle Herrlichkeit und Ehre und Macht Gott geben, der alle Dinge erschaffen hat (Off 4.9-11). Wenn es in der Zukunft schon so eindeutig klar ist, wem Ehre und Macht gebührt, sollten wir dann nicht auch hier auf Erden auf Ehre und Macht verzichten um Jesu willen?
6. Jesus betont für Leiterschaft, dass sie sich klein macht und dient (Mt 20.25-28). Es werden also nicht Amt, Titel, Macht und hierarchische Höherstellung über andere Christen betont. Es ist eben ganz anders als in der Welt.
7. Leitung im allgemeinen findet sich überall in der Welt, wo Menschen sich versammeln. Es kommt z.B. vor bei der römischen Besatzungsmacht (Mt 27.2, Lk 2.2) und im Judentum (Mt 16.21, Mt 26.3). Wir finden Leitung auch heute in den Regierungen der Länder und in den Firmen (Mt 20.25).
8. Älteste werden in folgenden Ur-Gemeinden genannt:
Derbe, Lystra, Ikonium, Antiochien (Apg 14.20-23), Jerusalem (Apg 15.2), Ephesus (Apg 20.17), Kreta (Tit 1.5).
9. Älteste werden in folgenden Ur-Gemeinden NICHT genannt:
Rom, Korinth, Galatien, Philippi, Kolossa, Thessalonich, Smyrna, Pergamus, Thyatira, Sardes, Philadelphia, Laodicäa. Es gab also in vielen Versammlungen keine benannte Älteste.
22.2 Die Situation in der Urgemeinde:
Die Zeit der Urgemeinde war von der Ausgießung des Heiligen Geistes (Apg 2.1-4) bis zur Zeit, als die Ältesten, welche durch die Apostel eingesetzt wurden, heimgegangen (verstorben) sind. Die Urgemeindezeit wird ausführlich im Neuen Testament beschrieben. Diese Zeit war dadurch geprägt, dass das Wort Gottes NICHT vollständig in den Ortsversammlungen vorlag. Es war eine Übergangszeit vom Alten zum Neuen Bund und die Schriften des Neuen Testamentes wurden gerade erst geschrieben. Das Wort Gottes bezeugt, dass es in dieser Zeit Apostel, Älteste, Vorsteher, Aufseher, Führer und Hirten gab. Welche Aufgaben Apostel hatten und warum der Aposteldienst einmalig war und mit dem Tod des letzten Apostels aufhörte, wurde bereits im Kapitel Apostel und Propheten beschrieben. Zu klären wären die Begriffe Älteste, Vorsteher, Aufseher, Führer und Hirten. Diese Begriffe sind zum Teil austauschbar. So werden zum Beispiel die gleichen Personen, die in Apg 20.17 Älteste genannt werden in Apg 20.28 Aufseher genannt. Daraus wird manchmal der Fehler abgeleitet, dass es sich bei Älteste, Vorsteher, Aufseher, Führer und Hirten um die Beschreibung eines Dienstes handelt, der durch verschiedene Wörter beschrieben wird. Zumindest im Bezug auf Älteste ist diese Schlussfolgerung falsch. Denn es gibt neben den Eigenschaften, welche auf alle Begriffe zutreffen auch eindeutig Eigenschaften, welche nur auf Älteste zutreffen. Deswegen ist die vollständige Austauschbarkeit der Begriffe unzulässig. Deutlich wird dies an folgender Zeichnung:
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Schnittmenge
In der Schnittmenge sind die Eigenschaften beschrieben, welche auf beide Gruppen zutreffen. Zum Beispiel treffen die Begabungen und Dienste „vorstehen, beaufsichtigen, führen und behirten“ alle auf Älteste und zugleich auch auf Vorsteher, Aufseher, Führer und Hirten zu. Was jedoch die beiden Gruppen voneinander unterscheidet, sind folgende Eigenschaften: Älteste wurden vor der Versammlung offiziell und öffentlich mit Macht und Autorität bekleidet. Dies geschah dadurch, dass man sie offiziell benannte (einsetzte) und zwar von einer höheren Stelle aus. Die Einsetzung (Benennung) geschah ausschließlich durch Apostel (Apg 14.23) oder durch direkt apostolisch Beauftragte (Tit 1.5) und damit ausschließlich zu Lebzeiten der Apostel auf Erden. Diese öffentliche Bekleidung mit Macht von einer höheren Stelle (Apostel) gab es für die Vorsteher, Aufseher, Führer und Hirten nicht. Deswegen dürfen die Begriffe nicht beliebig ausgetauscht werden. Daraus ergibt sich folgende Frage: Warum wurden Älteste öffentlich mit Macht vor den Mitchristen bekleidet, während die Vorsteher, Aufseher, Führer und Hirten nicht offiziell mit Macht bekleidet (benannt, eingesetzt) wurden? Die Antwort liegt in dem einmaligen schwierigen Dienst, den die Ältesten in der Übergangszeit zu tun hatten. Die Ältesten mussten nämlich Ortsversammlungen führen, ohne dass alle Neutestamentlichen Schriften verfügbar waren. Denn die Neutestamentlichen Schriften wurden gerade erst geschrieben. Damit in dieser Übergangszeit sich keine falsche Lehre in den Versammlungen ausbreitete, war eine wachende Autorität (Älteste) nötig, bis das Wort Gottes vollständig vorlag. Die Ältesten konnten sich gegenüber ihren Mitchristen bei Entscheidungen zurecht auf ihre apostolische Einsetzung berufen. Wie man diese Tatsache auch drehen und wenden mag, es waren zu Lebzeiten der Apostel apostolische Kräfte wirksam um die Ältesteneinsetzung durchzuführen. Dass es ergänzend zu den Aposteln und Ältesten in der Urgemeinde auch Vorsteher, Aufseher, Führer und Hirten gab, die nicht öffentlich vor den Mitchristen mit Macht bekleidet (eingesetzt, formell ernannt) wurden, hat seinen Grund. Gottes Wort hat damit die Grundlage beschrieben, wie die Versammlungen auch ohne apostolisch eingesetzte Leiterschaft in der kommenden Zeit nach der Urgemeinde geführt werden sollten.
22.3 Die Situation nach der Urgemeinde – Sollzustand:
Als die Apostel und die durch Apostel eingesetzten Ältesten heimgegangen waren, gab es keine Möglichkeit mehr Älteste von einer höheren Stelle aus zu benennen (einzusetzen), um sie öffentlich vor den Mitchristen mit Macht zu bekleiden. Weil jedoch das Wort Gottes nun vollständig und verfügbar war, gab es für solch eine Machtstellung auch keine Notwendigkeit mehr. Das vollständige Wort Gottes sollte die Machtstellung übernehmen. Alle Christen sollten gewissenhaft in Gottes Wort bleiben (Joh 8.31-32, Joh 8.51, 1Tim 4.16). Natürlich gibt es innerhalb der Christenheit Unterschiede in der Reife und im Erkenntnisstand der Gläubigen. Deshalb hat Gott auch für die Zeit nach der Urgemeinde Vorsteher, Aufseher, Führer und Hirten gegeben. Diese Vorsteher, Aufseher, Führer und Hirten wurden jedoch nicht öffentlich eingesetzt (formell benannt) und damit mit Macht bekleidet. Der Grund dafür war, dass Gott verhindern wollte, dass Macht von Menschen missbraucht werden könnte und die von Jesus mit seinem eigenen Blut teuer erkauften Christen unter einem menschlichen Leiterjoch kommen (Mt 11.29-30, 1Kor 7.23, 2Kor 11.4, Gal 5.1). Es sollte immer so sein, dass Gottes Wort und der Stimme Jesu mehr gehorcht werden sollte als jegliche Äußerung von Menschen (Apg 5.29). Deswegen mussten die Christen nun geistlich die erkennen, die unter ihnen arbeiten und ihnen vorstanden (1Thess 5.12).
1Thess 5.12: „Wir bitten euch aber, Brüder, dass ihr die erkennet, die unter euch arbeiten und euch vorstehen im Herrn und euch zurechtweisen.“
Solch eine Aufforderung jemanden zu erkennen, macht nur Sinn, wenn diese Vorsteher nicht offiziell benannt wurden. Damit gibt es unter den Christen Vorbilder, die jedoch keine Macht haben. Unterordnung und Gehorsam waren damit nicht aufgrund eines Kirchengesetzes oder einer Gemeindeverfassung oder einer Gemeindelehrschrift von den geistlichen Leitern einklagbar (erzwingbar). Vielmehr sollte der Gehorsam freiwillig und aus dem Motiv der Liebe zu Jesus und zum Wort Gottes und aus dem Beweggrund der Wahrheit heraus kommen. Mit Zwang, Angst (Drohung vom Ausschluss), Macht und Kontrolle kann man wohl eine Gruppe von Menschen leiten. Jedoch ist dies nicht die Art, die Gott für seine Kinder vorgesehen hat. Bei den wiedergeborenen Kindern Gottes sollte Liebe und Wahrheit das Motiv zum Handeln sein. Echte Liebe und echte Wahrheit hat es nicht nötig, dass ein hierarchischer Machtapparat aufgebaut wird, für den es in Gottes Wort bei genauer Betrachtung keinerlei Grundlage gibt. Die Bedingungen für Gehorsam gegenüber den nicht mit Macht bekleideten (unbenannten) Führern sind im gesamtbiblischen Kontext klar geregelt:
1. Das, was die Führer empfehlen, muss mit dem gesamten Wort Gottes übereinstimmen (Heb 13.7). Diese erste Bedingung ist jedoch noch nicht ausreichend. Denn, nicht alle Aussagen von Gottes Wort sind zu aller Zeit für alle Gläubigen dran. Auch der Feind (der Teufel) kann Bibelstellen zitieren um die Christen in eine falsche Richtung zu verführen (Mt 4.6). Deswegen muss zusätzlich die zweite Bedingung erfüllt sein:
2. Der einzelne betroffene Gläubige muss die Stimme des guten Hirten (Jesu Stimme!, Joh 10.27) in der Aussage des Führers erkennen.
Sind diese beiden Bedingungen erfüllt, dann folgt der Gläubige nicht mehr den Führern, sondern Gott.
Von den Aufsehern heißt es in Apg 20.28, dass sie vom Heiligen Geist eingesetzt wurden. Nur im Fall der Ältesten in der heilsgeschichtlichen Übergangszeit war damit auch eine öffentliche Machtbekleidung vor den Mitchristen verbunden. Es dürfte klar sein, dass jeder echte Dienst der von Gott vorbereitet ist (Eph 2.10), sei es ein großer oder kleiner, sein es Hirten, Führer, Evangelisten oder Lehrer vom Heiligen Geist kommt. Einklagbare Macht war damit jedoch nicht verbunden. Freiwilligkeit, allgemeine Bruderschaft (Mt 23.8) und allgemeines Priestertum (1Pe 2.5, 1Pe 2.9, Off 1.6), Liebe und Wahrheit sollte die Überhand haben.
22.4 Die Situation nach der Urgemeinde – am Anfang:
Leider ist es häufig nicht so geschehen, wie es von Gott gewünscht wurde. Zum einen gelang es den Christen nicht vollständig im Wort Gottes zu bleiben (Joh 8.31-32, Joh 8.51). Zum anderen gelang es den Christen auch nicht vollständig in der ersten Liebe zu bleiben (Off 2.4). Es begann der von Paulus vorhergesagte Verfall.
Apg 20.29: „Denn ich weiß dieses, dass nach meinem Abschiede verderbliche Wölfe zu euch hereinkommen werden, die der Herde nicht schonen. Und aus euch selbst werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her.“
Diese Prophezeiung hat sich leider exakt erfüllt. Die Kirchenväter (verderbliche Wölfe), welche zum Teil die Apostel noch gekannt haben, legten die Grundlage für falsche Lehre (verkehrte Dinge), so dass die Christen (Jünger) in eine falsche Richtung abgezogen wurden. Und dies geschah bereits kurz nach dem Abschied des Apostels Paulus. Durch die Kirchenväter konnte sich in kleinen Schritten immer mehr Irrlehre unter den Christen verbreiten. Dadurch entwickelte sich die freie Bruderschaft hin zu einem streng hierarchischen System mit vielen Irrlehren, was uns seit Jahrhunderten als Katholische Kirche bekannt ist. Wie man im Anfang, als die Apostel gerade alle heimgegangen waren, versuchte bei den Christen neben Jesus Christus und Gottes Wort eine weitere menschliche Macht zu installieren, soll an einigen Zitaten der Kirchenväter aufgezeigt werden:
Ignatius von Antiochien an die Epheser, Kapitel 6: „Jeden nämlich, den der Herr des Hauses schickt zur Verwaltung seines Hauses, den müssen wir so aufnehmen wie den Sendenden selbst. Daher ist es klar, dass wir den Bischof (Aufseher) so ansehen müssen wie den Herrn selbst.“
Ignatius von Antiochien an die Magnesier, Kapitel 7: „Wie nun der Herr, da er mit ihm eins ist, ohne den Vater nichts getan hat, weder durch sich selbst noch durch die Apostel, so sollt auch ihr ohne den Bischof und die Presbyter (Älteste) nichts tun; auch sollt ihr nicht versuchen, etwas auf eigene Faust als richtig erscheinen zu lassen.“
Ignatius von Antiochien an die Trallianer, Kapitel 2: „Solange ihr nämlich euren Bischof untertan seid wie Jesus Christus, scheint ihr mir nicht nach Menschenart zu leben, sondern nach Jesus Christus.“
Kapitel 7: „Wer sich innerhalb der Opferstätte befindet, ist rein; wer aber außerhalb steht, ist nicht rein; das heißt: wer ohne Bischof, ohne Presbyterium (Älteste) und Diakon etwas tut, der ist nicht rein in seinem Gewissen.“
Ignatius von Antiochien an die Philadelphier, Kapitel 3: „Denn alle, die Gott und Jesus Christus angehören, stehen auf Seiten des Bischofs.“
Ignatius von Antiochien an die Smyrnäer, Kapitel 8: „Alle sollt ihr den Bischof gehorchen wie Jesus Christus dem Vater, und auch den Presbyterium (Ältesten) wie den Aposteln.“
Kapitel 9: „Es ist gut, Gott und den Bischof zu kennen. Wer den Bischof ehrt, der wird von Gott geehrt; wer ohne des Bischofs Wissen etwas tut, der dient dem Teufel.“
Klemens erster Brief an die Korinther, Kapitel 44: „Auch unsere Apostel wussten durch unseren Herrn Jesus Christus, dass Streit entstehen würde um die Bischofswürde.“ Wenige Sätze später heißt es: „Denn es wird uns keine kleine Sünde sein, wenn wir Männer, die tadellos und heiligmäßig ihre Opfer dargebracht haben, aus ihrem Bischofsamt vertreiben....Wir müssen es nämlich erleben, dass ihr einige, die einen guten Wandel führten, vertrieben habt aus dem heiligen Dienste.“
Jeder kann anhand dieser Zitate selbst erkennen, wie bereits im Anfang die Christen durch Einschüchterung in ein hierarchisches System gedrängt wurden. So hat sich über das Nikolaitentum das Papsttum entwickelt. Die Tatsache, dass die Unterordnung unter dem Bischof (Aufseher) und den Presbyterium (Ältestenschaft) immer wieder massiv betont wurde, ist eine Art Indoktrination. Die Apostel kämpften gegen solch eine weitere Macht bei den Christen. Im dritten Johannes Brief heißt es zum Beispiel:
3Joh 9-10: „Ich schrieb etwas an die Versammlung, aber Diotrephes, der gern unter ihnen der erste sein will, nimmt uns nicht an. Deshalb, wenn ich komme, will ich seiner Werke gedenken, die er tut, indem er mit bösen Worten wider uns schwatzt; und sich hiermit nicht begnügend, nimmt er selbst die Brüder nicht an und wehrt auch denen, die es wollen, und stößt sie aus der Versammlung.“
Wie aus dem Zitat des Klemens an die Korinther zu sehen ist, haben auch die Korinther wenige Jahrzehnte nach der Apostelzeit gegen diese selbsternannte Macht (Bischöfe) versucht anzukämpfen. Sonst hätte es wohl Klemens nicht bemängelt, dass die Korinther die Bischöfe vertrieben haben.
Der erste Schritt in die falsche Richtung war, dass man die allgemeine Bruderschaft aufgab und die Lehre akzeptierte, dass es Älteste und Bischöfe gibt, die in einem besonderen Verhältnis zu Gott und Jesus Christus stehen, welches hierarchisch über die der übrigen Christen steht. Die Ältesten und Bischöfe bekamen praktisch eine Machtfülle, wie sie die echten Apostel hatten. Doch sie waren nun halt mal keine Apostel und von Gottes Sohn nicht dazu erwählt. Es wäre ein Fehler, sie in diesem Licht zu sehen. Abgesehen von den Ältesten, die noch durch Apostel benannt (eingesetzt) wurden, waren es nicht einmal Älteste im Sinne von Gottes Wort. Immer wieder wurde anstatt der Machtstellung Jesu Christi als Herrn die Machtstellung der Ältesten und Bischöfe (Aufseher) betont. Dies stellt nichts Weiteres dar, als einen Rückschritt weg vom allgemeinen Priestertum der Christen zurück zum hierarchischen Priestertum des Alten Testamentes. Und wer etwas mehr darüber nachdenkt, erkennt, dass durch dieses hierarchische Priestertum die Alleinherrschaft von Jesus Christus angegriffen wird. Dass Jesus Christus uns von dem hierarchischen Priestertum des Alten Testamentes befreite, wird einfach ignoriert. Warum hatten die Verführer damit Erfolg? Aus dem einfachen Grund, weil die meisten Menschen lieber andere eine Verantwortung tragen lassen, die sie eigentlich selbst übernehmen müssten. In gewisser Weise sind sie sogar noch stolz darauf, dass sie sich einer sichtbaren menschlichen Macht unterstellen. Paulus ermahnte die Korinther ihr Getue um eine Art Superapostel zu überdenken:
2Kor 11. 20: „Denn ihr ertraget es, wenn jemand euch knechtet, wenn jemand euch aufzehrt, wenn jemand von euch nimmt, wenn jemand sich überhebt, wenn jemand euch ins Gesicht schlägt.“
Mit der Zeit sah man es als immer nützlicher und notwendiger an Macht in die Hände von wenigen Menschen zu konzentrieren um Einheit zu gewährleisten. Anstatt mit der geistlichen Waffe des Wortes Gottes gegen die Irrlehre zu kämpfen, wandte man sich der fleischlichen Waffe zu, sich einen Führer zu unterwerfen, der nun die Aufgabe hatte die Einheit sicherzustellen. Dies erinnert stark an Israel, welches äußeren und inneren Angriffen ausgesetzt war und es für nützlich hielt, sich ebenfalls einen sichtbaren Führer (König) zu unterwerfen. Gott gewährte ihnen zwar Saul als König, nannte jedoch ihr Handeln einen Angriff auf seine unsichtbare Herrschaft, einen Akt des Unglaubens. Und obwohl Gott sie davor warnte, dass dadurch ihre Freiheit eingeschränkt würde, kam es in Israel nicht zum Umdenken (1Sam 8.4-20).
1Sam 12.17-19: „Ist nicht jetzt die Weizenernte? Ich will zu Jehova rufen, und er wird Donner und Regen geben; und ihr sollt erkennen und sehen, dass das Böse, das ihr getan habt, groß ist in den Augen Jehovas, einen König für euch zu begehren. Und Samuel rief zu Jehova, und Jehova gab Donner und Regen an jenem Tage. Da fürchtete sich das ganze Volk sehr vor Jehova und vor Samuel. Und das ganze Volk sprach zu Samuel: Bitte Jehova, deinen Gott, für deine Knechte, dass wir nicht sterben! Denn zu allen unseren Sünden haben wir das Böse hinzugefügt, einen König für uns zu begehren.“
In 1Sam 10.17-19 nennt Gott das Begehren nach einen König, der zwischen ihm und dem Volk steht, gleich dem Verwerfen des Gottes Israels.
Einheit, die sich nicht auf Wahrheit und Liebe gründet, sondern auf Manipulation, Zwang und Furcht beruht, ist brüchig, selbst wenn sie solide erscheint. Wenn dazu noch der Gott der Christen (Jesus) beiseite gesetzt wird, wo soll das hinführen? Auch wenn es verbal geleugnet wird, dass Jesus durch die Ältestenbenennung (Einsetzung) beiseite gesetzt wird, ist es doch in der Praxis so. Israel hat sich von den Nationen um sich rum blenden lassen, die alle Ihre Könige hatten. Israel hat einen König begehrt. Die Aufbrüche in den christlichen Kreisen ließen sich von den bereits existierenden Kirchen, Freikirchen und religiösen Gruppen blenden, die alle ihre Leiter haben. Problematisch wird es oft erst in der zweiten Generation (Ri 2.6-15). So wie der Segen oft erst zeitversetzt kommt, so kommt auch der Fluch oft zeitversetzt. Die erste Generation der eingesetzten Ältesten hält sich am Anfang oft noch weitestgehend an Gottes Wort. Jedoch wurde die Tür für eine weitere Macht neben Jesus und Gottes Wort geöffnet. Der Feind wird dies zu einem späteren Zeitpunkt nutzen um sein zerstörerisches Werk weiterzuführen. Was am Anfang als harmloser kleiner Formfehler erschien, kristallisierte sich später als ein nicht mehr korrigierbarer Zustand heraus, wo Christen, die Jesus lieb haben, sich nur noch von distanzieren können. Für das Prinzip des Verfalls in der zweiten Generation gibt es mehrere Beispiele. Wenn Gott etwas tut und dazu Menschen gebraucht, so bleiben diese Menschen der ersten Generation im Willen Gottes. Beispiele dafür sind David, Samuel, die Apostel und die Philadelphia Versammlungen. Jedoch die Kinder der ersten Generation, handeln oft schon wieder anders. Salomo, der Sohn Davids, hatte im Alter ein geteiltes Herz. Er wandelte nicht mit ungeteilten Herzen Jehova nach, sondern hatte aufgrund seiner ausländischen Frauen auch noch andere Götter (1Kö 11.1-14). Die Söhne von Samuel wandelten nicht wie sein Vater (1Sam 8.1-3), Ephesus blieb nicht in der ersten Liebe, nach Philadelphia kam Laodicäa. Bei den Gründungen der Freikirchen war eine Aufbruchsstimmung und eine Bibeltreue und Bruderliebe vorhanden. In der zweiten Generation nahm dies jedoch wieder ab. Heute ist die Grundlage verbal Gottes Wort, jedoch in der Praxis ist es das Gemeindeverständnis oder die Gemeindelehrschrift, eben die Sonderlehren dieser Gruppe. Die Autorität ist verbal Jesus, praktisch aber herrschen die Ältesten (Mt 15.8-9).
22.5 Die Situation nach der Urgemeinde – heute:
Im wesentlichen haben wir heute 2000 Jahre nach der Urgemeinde ähnliche Probleme, wie sie in der Zeit direkt nach der Urgemeinde vorhanden waren. Heute sind die Probleme nur ausgereifter als am Anfang. Der Verfall innerhalb der Christenheit ist so stark fortgeschritten, dass wir heute selten noch Versammlungen vorfinden, in denen Bruderschaft ohne hierarchisches Vorgesetztentum existiert. Hierarchisches Vorgesetztentum, egal ob es sich dabei um benannte Älteste, Apostel oder Päpste handelt, führt die Jünger von der Einfalt gegenüber Jesus Christus weg. Es führt von der Eigenverantwortung und Mündigkeit weg in eine Abhängigkeit von Menschen. Die heutige Benennung von Leiterschaft ist eine öffentliche Bekleidung einiger Menschen mit Macht. Aber diese Machtbekleidung kommt nicht von einer höheren Stelle (Apostel), sondern von unten (andere Mitchristen). Für solch eine Machtbekleidung von unten gibt es in Gottes Wort keine Stütze, sie wird eigenwillig vollzogen (1Sam 15.22-23).
Die Überlegenheit des biblischen freien Christentums oder genauer gesagt die Überlegenheit der Gesinnung Jesu (Wahrheit und Liebe) gegenüber dem menschlich weltlichen hierarchischen Macht-Christentum ist enorm. Jedoch wird dem Himmelreich hier auf Erden Gewalt angetan:
Mt 11.12: „Aber von den Tagen Johannes des Täufers an bis jetzt wird dem Reiche der Himmel Gewalt angetan, und Gewalttuende reißen es an sich.“
Dies ist auch heute so. Wie man in Apg 20.29-30 und in 3Joh 9-10 sieht, reißen böse Menschen dass Himmelreich an sich.
22.6 Gegenargumente:
Ein paar Gegenargumente sollen geprüft werden:
·
Es hat mal jemand folgendes Argument genannt: „Übt
niemand Autorität, dann ist keine Führung in der Gemeinde, und dann wird eine
Gemeinde leicht ziellos. Zudem wird sie zu einem freien Tummelfeld für allerlei
eigensinnige Geschäfte und private Ambitionen. Es leidet der Missionsauftrag, es
leidet der Dienst an den Gemeindegliedern. Unordnung und Zank, Rivalität und
Gerangel können Überhand nehmen: Wo keine Führung ist, verfällt ein Volk (Spr
11,14; vgl. Mt 9,36). Das ganze Buch der Richter ist uns als lebendiger
Anschauungsunterricht dafür gegeben, dass ein führerloses Volk verfällt (Ri
17,6; 21,25). Fehlende Führung bringt Verlust.“
Kommentar: Wenn Christen zusammen kommen, so kommen sie niemals ohne Führung
zusammen. Ihr Führer ist Jesus Christus. Fehlende Führung können nur die
beklagen, die keine Beziehung zu Jesus Christus haben.
· 1Kor 15.22-28: „Denn gleichwie in dem Adam alle sterben, also werden auch in dem Christus alle lebendig gemacht werden. Ein jeder aber in seiner eigenen Ordnung: der Erstling, Christus; sodann die, welche des Christus sind bei seiner Ankunft; dann das Ende, wenn er das Reich dem Gott und Vater übergibt, wenn er weggetan haben wird alle Herrschaft und alle Gewalt und Macht. Denn er muss herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat. Der letzte Feind, der weggetan wird, ist der Tod....Wenn ihm (Jesus) aber alles unterworfen sein wird, dann wird auch der Sohn selbst dem unterworfen sein, der ihm alles unterworfen hat, auf dass Gott alles in allem sei.“
Mit diesem Text versuchen einige Evangelikale zu belegen, dass es ein hierarchisches Vorgesetztentum im Sinne einer Ältestenschaft in unserer Heilszeit gibt. Sie sagen, dass alle Christen sich jetzt den Ältesten unterstellen. Bei Jesu Wiederkunft übergeben dann die Ältesten den Herrn Jesus das Reich. Jesus wird dann das Reich dem Vater übergeben.
Kommentar: Es steht in diesem Text überhaupt nichts von Ältestenschaft, sondern von „Ordnungen“. Was unter Ordnungen zu verstehen ist, steht auch drin: Der Erstling ist Christus und dann kommen die, welche am Ende zu Christus gehören und noch auf diese Erde sind (Mt 19.30, Mt 20.16). Man darf in Bibeltexten nicht mehr hineinlesen, als wirklich dort steht. Wenn Älteste bei der Wiederkunft das Reich an Christus übergeben, dann haben sie es jetzt an sich genommen von denen, die sich ihnen unterstellen. Wenn Älteste aber jetzt das Reich haben, dann herrschen sie. Wie soll dann Jesus jetzt Herr sein über jeden Mann? Die biblische Ordnung gemäß 1Kor 11.3 würde mit obiger Auslegung missachtet werden. Im Grunde genommen geht es immer um den gleichen Punkt: Wer hat was zu sagen? Wer hat die Macht? Und wenn diese Fragen nicht eindeutig mit „Jesus Christus“ beantwortet werden, dann hat man zumindest einen wesentlichen Teil des Christentums noch nicht vollständig erfasst. Man darf Mitbrüder nicht in die Enge treiben indem man Ihnen sagt sie müssten Jesus UND den Ältesten gehorchen. Denn der Mensch kann sich nun mal nicht auf ZWEI Herren konzentrieren. Wenn wir das versuchen, werden wir EINEN auf jeden Fall aus den Augen verlieren, auch wenn wir das nicht bemerken (Jes 42.8, Mt 6.24).
· Heb 13.17: „Gehorchet euren Führern und seid unterwürfig; denn sie wachen über eure Seelen.“ Isoliert betrachtet scheint Heb 13.17 die stärkste Stütze eines hierarchischen Christentums zu sein. Doch wenn man den Kontext mit liest, dann fällt auf, dass es sich nicht um eine Generalvollmacht der Führer handeln kann. In Heb 13.7 steht bereits: „Gedenket eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet haben, und, den Ausgang ihres Wandels anschauend, ahmet ihren Glauben nach.“ Nur 10 Verse zuvor werden die gleichen Führer definiert. Führer sind demnach Gläubige, die das Wort Gottes reden, ohne etwas dazu zutun oder weg zunehmen. Wenn ein Führer über die Schrift hinausgeht, dann hat er bereits seinen Führerstatus verloren. Die Aufforderung „den Ausgang ihres Wandels anschauend, ahmet ihren Glauben nach“ ist eine Aufforderung zur Prüfung. Es geht also gar nicht um blindes gehorchen und unterwürfig sein. Hinzu kommt, dass Führer ja nicht durch Menschen benannt werden wie Älteste, sondern sie zu der Gruppe gehören, die man selbst erkennen muss. Es ist nicht eine einzige Führereinsetzung in Gottes Wort bezeugt. Nicht formell eingesetzte Führer können niemals mit Zwang Maßnahmen durchsetzen. Deswegen ist Heb 13.17 auch eine Aufforderung an den einzelnen Gläubigen den echten Führern zu gehorchen, eben weil die Führer nicht mit Macht bekleidet sind. Gehorchen jedoch nur, wenn das, was die Führer sagen biblisch ist (Heb 13.7) und zusätzlich man die Stimme Jesu in der Aussage der Führer erkennt (Joh 10.27). Wir müssen auch immer den Grundsatz im Sinn behalten, den der Herr selbst aufgestellt hat, Mt 23.8: „Ihr aber, laßt ihr euch nicht Rabbi nennen; denn einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder.“ Heb 13.17 kann diesen Grundsatz nicht kippen. Wir sind alle Brüder. Nicht benannte, jedoch erkannte Führer leiten zu Christus hin. Sie fördern die Mündigkeit in Christus. Christliche Führer, die nicht öffentlich durch Menschen benannt wurden, gab Gottes Wort wohl Vollmacht. Es war allerdings die Vollmacht zu dienen und nicht, andere als niedriger einzustufen. Sie sollten Beistand leisten, Rat geben und auch zurechtweisen. Aber niemals sollten sie herrschen oder Vorschriften machen. Abweichungen sollten durch Widerlegung, ehrliche Argumentation und Überzeugungsarbeit angegangen werden, niemals durch Zwang oder Einschüchterung durch eine Machtposition (Mt 20.25-28, Mt 23.10-11, 2Kor 1.24, Tit 1.9-13, 1Pe 5.1-5). Die Vollmacht zu dienen und zu erbauen, wurde oft als Macht missbraucht gefügig zu machen, zu kontrollieren, zu beherrschen. Um diese Macht zu haben benötigt man einen Titel. Es müssen manche vor anderen benannt (betitelt) werden. Dieser Vorgang wirkte nicht nur zerstörerisch auf die christliche Freiheit des Christen, sondern auch auf den Geist des Christentums und auf die christliche Botschaft.
· Egal wie die hierarchischen Organisationschristen argumentieren, folgendes Argument ist anhand der Heiligen Schrift nicht kippbar. Auf dieses Hauptargument können sich die freien Christen immer stützen: IN GOTTES WORT BESTÄTIGT DER HEILIGE GEIST (APG 20.28) NUR EINE EINZIGE FORM DER ÄLTESTENEINSETZUNG, NÄMLICH DIE DURCH APOSTEL (APG 14.23) UND DURCH DIREKT VON APOSTEL BEAUFTRAGTE (TIT 1.5). Weil es heute keine Apostel mehr auf Erden gibt, können wir keine Älteste mehr einsetzen. Eine andere Form der formellen Ernennung und Machtbekleidung ist in Gottes Wort nicht genannt. Und wer sind wir, dass wir über das Wort Gottes hinausgehen dürfen (1Kor 4.6)?
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Älteste |
Vorsteher, Führer, Hirten |
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Ernannt |
Apg 14.23, Tit 1.5 |
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Erkannt |
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1Thess 5.12 |
Alle vier Aussagen stimmen erstaunlich überein. Dies zeugt von der Gesamtharmonie des Wortes Gottes. Es ist eine eindeutige Lehre. Das vollständige Fehlen des Nachweises, dass Älteste auch nur ein einziges mal durch andere Älteste oder einfache Brüder eingesetzt (benannt) wurden, spricht eine deutliche Sprache. Autorität kommt immer von oben (Gott, Jesus Christus, Heiliger Geist, Apostel, direkt apostolisch Beauftragte). Autorität kommt niemals von unten (andere Brüder, andere Älteste, Gemeindebauer).
· Manchmal wird gesagt: Wofür hat Gott die Eigenschaften von Ältesten und Aufsehern in Gottes Wort geschrieben (1Tim 3.1-7, Tit 1.5-9), wenn wir keine Älteste einsetzen sollen.
Kommentar: Die genannten Eigenschaften dienen in unserer Heilszeit als Anleitung dazu, dass jeder erkennen kann, welcher Bruder als Aufseher angesehen werden kann.
Jedoch ist der Vollzug einer Einsetzung und damit der Machtbekleidung ohne direkt apostolischen Auftrag nicht möglich. Titus konnte in den Versammlungen auf Kreta einen direkt inspirierten Brief mit apostolischer Autorität vorweisen, um Älteste formell einzusetzen (Titusbrief). Wer von uns kann so einen direkt inspirierten Brief an eine heutige Versammlung im Ort X vorweisen. Der Kanon ist abgeschlossen. Es ist also weder die Neubesetzung noch die Nachbesetzung für die Benennung von Ältesten in unserer Heilszeit in Gottes Wort geregelt. Auch ist heute keiner mit einer Titusautorität von Aposteln bekleidet worden um die Benennung durchzuführen. Wir dürfen uns nicht aufgrund menschlicher Überlegungen dazu verleiten lassen, über die Schrift hinaus zu gehen (1Kor 4.6, Jer 17.3) und neben Jesus und Gottes vollständigem Wort noch eine weitere Autorität (Älteste) in unserer Heilszeit öffentlich benennen (einsetzen). Durch solch ein Vorgehen wird Jesus Christus und Gottes Wort aus dem Zentrum gedrängt. Dies würde zur Unmündigkeit der Gläubigen führen (Passivität). Ist solch eine weitere Autorität erst mal eingeführt, setzt sie sich mit den Jahren mehr und mehr über Gottes Wort hinweg. Die Kirchengeschichte ist ein deutliches Warnzeichen dafür.
· Manche Vertreter einer heutigen eingesetzten Ältestenschaft sagen: „Weil die Schrift nicht explizit Ältesteneinsetzung durch Menschen heute verbietet, können wir es doch machen“. Wer so argumentiert, der müsste auch so argumentieren: „Weil die Heilige Schrift nicht explizit die Anbetung des Heiligen Geistes verbietet, können wir es doch machen“. Oder so: „Weil die Heilige Schrift nicht explizit die Kindertaufe verbietet, können wir es doch machen“. Dies ist nicht die Sprache des Glaubens, sondern die Sprache der Kirchen.
22.7 Vertiefte Betrachtung:
Einige weitere Aspekte zu diesem Thema:
· Es ist erstaunlich, dass es innerhalb der Zeit des Neuen Testamentes (ca. 30-95 n. Chr.) – einen Zeitraum von über sechzig Jahren – nicht ein einziges Beispiel einer Ältesteneinsetzung durch andere Christen überliefert wurde, wenn dies tatsächlich eine biblische Lehre sein soll. Immer mussten die Apostel kommen oder die Apostel jemand persönlich beauftragen. Es verstieße gegen das Herzstück des Glaubens an die Alleingültigkeit der Heiligen Schrift, wenn wir die Existenz einer völlig anderen Ältesteneinsetzung annehmen würden, die im Neuen Testament keiner Erwähnung würdig befunden wurde. In den verschiedenen religiösen Gruppen wird heute die Einsetzung durch den Vorstand, oder durch den Gemeindebauer, oder durch demokratische Wahl vollzogen. Diese Methoden sind uns jedoch in Gottes Wort nicht bezeugt.
· In Heb 12.15 wird jedem Gläubigen der Dienst des Aufsehers gegeben. Dies widerspricht dem benannten hierarchischen Vorgesetzten-Christentum. Es bestätigt aber die biblische Sicht der freien Christen über die allgemeine Bruderschaft und über das allgemeine Priestertum aller Gläubigen unter dem alleinigen Haupt Jesus Christus.
· Das Bild des Leibes Jesu, welches uns in Gottes Wort für unsere Heilszeit vorgezeichnet wurde, steht dem hierarchischen Christentum konträr entgegen. Wie jede Rebe direkt am Weinstock hängt, so ist auch jeder Christ direkt an Jesus angeschlossen (Joh 15.1-17). Es gibt keine Zwischenmittler wie Apostel oder Älteste die als Zwischenzweige fungieren. Deswegen müssen wir Jesus selber direkt aufsuchen im Gebet. Jeder Mann ist unmittelbar Christus unterstellt (1Kor 11.3, 1Kor 12.6-11). Abgesehen davon, dass der Mann das Haupt der Frau ist (1Kor 11.3, Eph 5.23), gibt es in unserer Heilszeit keine weitere Hierarchie unter Christen. Jedes Schaf hört die Stimme des guten Hirten (Joh 10.4-5). Durch Bibellesen bekommt man geübte Sinne, um die Stimme der falschen Hirten von der Stimme des guten Hirten zu unterscheiden.
· Wenn sich nun dennoch Gläubige zu einer Gemeinde zusammenschließen und sich nun "biblisch einrichten" wollen und aus ihrer Mitte, einige nach ihrer Meinung für das Ältestenamt passende, Männer auswählen und zu Ältesten ernennen, kann man von diesen Brüdern sagen, dass "der Heilige Geist sie als Aufseher in der Versammlung (Gemeinde) Gottes gesetzt hat"? Das müsste doch so sein, wenn die ganze Herde, die ganze Gemeinde aus einer Stadt sie als solche anerkennen und ihnen unterwürfig sein soll. Älteste irgendeiner Sondergemeinschaft kennt Gottes Wort nicht, nur Älteste der Versammlung oder Gemeinde an irgendeinem Orte.
· Der Preis, den Jesus Christus für uns bezahlt hat, war sein eigenes Leben. Er tat dies, damit wir von den Sünden loskommen und der Gerechtigkeit leben (1P 2.24). Der Preis dafür wurde mit dem kostbaren Blut von Jesus Christus bezahlt (1Pe 1.18-19). Jesus Christus wurde durch diesen Preis unser Herr. Wenn uns der bezahlte Preis etwas bedeutet, dann können wir es nicht zulassen, dass andere Menschen sich zwischen uns und unserem Herrn Jesus Christus schieben. Paulus schrieb an Menschen, welche die volle Bedeutung der persönlichen Beziehung eines jeden Christen zu Jesus Christus nicht erkannten:
Rö 14.4-12: „Wer bist du, der du den Hausknecht eines anderen richtest? Er steht oder fällt seinem eigenen Herrn. Er wird aber aufrecht gehalten werden, denn der Herr vermag ihn aufrecht zu halten.....Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder auch du, was verachtest du deinen Bruder? Denn wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden.....Also wird nun ein jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben.“
· Als Gott sich das Volk Israel als Bundesvolk erwählte, wurden keine Einzelpersonen berufen. Gott nahm die ganze Nation an, unabhängig von ihrer Herzensgesinnung, gute und schlechte Menschen. Das Gesetz wurde dem Volk Israel gegeben, damit sie erkennen konnten, dass sie sich nicht selbst erlösen konnten, sondern einen Erlöser benötigen. Das Gesetz sollte sie auf Christus vorbereiten. Im Gegensatz dazu wurden Christen durch Jesus Christus in ein Sohnschaftsverhältnis zu Gott berufen. Nicht als Masse wurden sie angenommen, sondern jeder wurde einzeln als Individuum angenommen. Nicht aufgrund ihrer natürlichen Abstammung, sondern auf der Grundlage eines zerbrochenen Herzens (Wiedergeburt). Christen stehen nicht unter Gesetz sondern unter unverdienter Güte. Christen lieben Jesus und sein Geist treibt sie an. Der Heilige Geist kann viel mehr bewirken, als es eine offiziell benannte Aufseherschaft durch Kontrolle und Macht erreichen kann.
· Die Entstehungsgeschichte der Versammlung verdeutlicht eine Entwicklung. Diese Entwicklung ist gekennzeichnet von einer abnehmenden personenbezogenen Autorität und einer zunehmenden wortbezogenen Autorität. Beide Autoritäten sind von Gott gegeben.
| Jesus -----------> | Apostelzeit -------> | Ältestenzeit -------> | Bruderschaft |
| Jesus Christus, Wunderkräfte, +12 Apostel. | 13 Apostel, teilweise Wunderkräfte +viele Älteste (>40?). |
Viele Älteste, Wunderkräfte, zum Nachweis der Apostelschaft weggenommen | Alle Brüder, Keine Wunder zum Nach-weis einer Autorität. |
| Wort Gottes ur zum Teil offenbart. (Evangelien). | Wort Gottes mit
Abschluss der Apostelzeit
vollendet.
|
Wort Gottes vollständig jedoch in den Ortsversammlungen nur zum Teil verfügbar. |
Wort Gotte vollständig und verfügbar |
Jesus Christus war und ist zentraler Punkt in der Versammlung. Die Versammlung versammelt sich zu ihm hin. Er ist Gegenstand der Anbetung und der Betrachtung beim Abendmahl. Er ist auch das Haupt der Versammlung.
Aufgrund der Vielzahl der Versammlungen war die Ältestenzahl wesentlich größer als die Anzahl der Apostel. Eine Anzahl von über 40 Älteste darf auch dann angenommen werden, wenn man berücksichtigt, dass viele damalige Versammlungen überhaupt keine Ältesten hatten (z.B. Korinth). Die personenbezogene Machtkonzentration hat mit der Einsetzung der Ältesten bereits erheblich abgenommen, weil sie auf viele Älteste verteilt wurde. Schließlich hörte sie auf, als keine weitere Älteste durch Apostel eingesetzt werden konnten. Dafür war Gottes Wort jedoch vollständig und verfügbar in der Zeit der Bruderschaft.
·
Das Ideal der Versammlung ist eine allgemeine
Bruderschaft. Dies hat Jesus selbst in Mt 23.8 gesagt: „Ihr aber, lasst ihr
euch nicht Rabbi nennen; denn einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid
Brüder.“
Noch deutlicher wird Jesus in Mt 18.15-20: „Wenn aber dein Bruder wider dich
sündigt, so gehe hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein. Wenn er auf
dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen. Wenn er aber nicht hört, so nimm
noch einen oder zwei mit dir, damit aus zweier oder dreier Zeugen Mund jede
Sache bestätigt werde. Wenn er aber nicht auf sie hören wird, so sage es der
Versammlung; wenn er aber auch auf die Versammlung nicht hören wird, so sei
er dir wie der Heide und der Zöllner. Wahrlich, ich sage euch: Was irgend ihr
auf der Erde binden werdet, wird im Himmel gebunden sein, und was irgend ihr auf
der Erde lösen werdet, wird im Himmel gelöst sein. Wiederum sage ich euch: Wenn
zwei von euch auf der Erde übereinkommen werden über irgend eine Sache, um
welche sie auch bitten mögen, so wird sie ihnen werden von meinem Vater, der in
den Himmeln ist. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin
ich in ihrer Mitte.“
Die letzte menschliche Instanz bei Unstimmigkeiten zwischen Christen wird von
Jesus Christus mit der ganzen Versammlung angegeben. Dies verdeutlicht
das Idealbild der Versammlung. In diesem Idealbild sind alle Brüder mündig.
· Um die Gefahr zu verdeutlichen, welche von eingesetzten Leitern mit Macht ausgeht, soll ein Beispiel aus dem Jahr 1937 aus Deutschland berichtet werden. 1937/38 waren in Deutschland ca. 90% der Christen aus den „exklusiven Brüderversammlungen“ unter dem Druck der Hitlerdiktatur dazu bereit, sich in einem staatlich registrierten und zentral geführten Bund freikirchlicher Christen (BfC) zu organisieren. Die Gemeinden des BfC sind dann 1942 dem Bund evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) mit den Baptisten beigetreten. Lediglich ca. 10% der exklusiven Brüder, die sogenannten „Nichtbündler“, sind den biblischen Glaubenslehren treu geblieben und haben sich nicht dem BfC angeschlossen. In dem Buch „Quellen zum Versammlungsverbot des Jahres 1937 und zur Gründung des BfC“ von Hartmut Kretzer (Ernst-Paulus-Verlag) sind die Hintergründe genannt, die zu diesem Verhalten geführt haben (Seiten 26, 37, 60, 496). Tatsächlich gelang es einigen wenigen Menschen (Dr. Becker, Dr. Richter, u.a.) die Kontrolle über den größten Teil der 700 exklusiven Versammlungen in Deutschland zu erlangen. Natürlich wurde in dieser Zeit viel mit der Bibelstelle Rö 13.1ff argumentiert, dass man sich den obrigkeitlichen Gewalten (Staat) unterwerfen müsse. Man muss jedoch auch bedenken, dass man Gott noch mehr gehorchen muss als dem Staat (Apg 5.29). Als Beispiel wurden in 2M 1.15-21 die hebräischen Hebammen Schiphra und Pua von Gott belohnt, weil sie Gott mehr gehorcht haben, als der staatlichen Anordnung des Königs von Ägypten. Es ist lobenswert, dass sich viele nach 1945 aus den ökumenischen Bündnissen wieder gelöst haben. Aber es ist höchst zweifelhaft, dass man das Problem erkannt hat, welches zum Beitritt von 90% der Geschwister geführt hat. Wenn man die Geschwister erst entmündigt indem man sie dazu erzieht ihren Leitern gehorsam zu sein, anstatt selbst zu prüfen, dann ist im Belastungsfall nicht damit zu rechnen, dass sie prüfen und den falschen Anweisungen von bösen Leitern (Dr. Becker, Dr. Richter) widerstehen. Dass hier 90% versagten und nur 10% zur Wahrheit standen, ist ein deutliches Warnzeichen an uns. Es wäre soviel besser, wenn wir die Geschwister heute dazu ermutigen würden, alles anhand des Wortes Gottes zu prüfen und keine Leiterschaft zu benennen, weder offiziell, noch heimlich hinter den Kulissen, und es fördern, dass sie Jesus Christus als Herrn auch im Belastungsfall anhängen.
· Eine weitere Gefahr von offiziell eingesetzten Versammlungsleitern ist, dass sie Jesus Christus und Gottes Wort angreifen könnten. Leider gibt es Versammlungsleiter, die zur Erlangung der Macht über andere Christen ein „Gemeindeaufnahme-Gelöbnis“ fordern. Während der Gemeindeaufnahme-Besprechung stellen die Versammlungsleiter eine selbst geschriebene Schrift vor. Diese selbst geschriebene Schrift enthält die Gemeindelehren. Anschließend wird der Bewerber an diese Zusatzschrift verbindlich gebunden. Wenn ein Christ sich an eine von Menschen geschriebene Zusatzschrift binden lässt, so muss er sich ernsthaft fragen, ob er an Gottes Wort als alleinige Grundlage glaubt. Wie man sieht, ist der Schritt von „Gottes Wort“ weg, hin zu „Gottes Wort und Zusatzschrift“, schnell getan. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob die Zusatzschrift biblische Lehren enthält oder nicht. Denn wenn sie biblische Lehren enthält, dann ist sie dennoch nur ein Auszug, ein Teil, aus Gottes Wort. Man benötigt sie also nicht, wenn man Gottes ganzes Wort hat. Natürlich ist der Feind Gottes so intelligent, dass er am Anfang oft nur biblische Lehren in solch eine verbindliche Zusatzschrift aufnimmt. Wer garantiert aber dafür, dass dies über Jahre, Jahrzehnte, Generationen so bleibt, wenn die Versammlungsleiter das Recht haben, diese Zusatzschrift abzuändern? Die Weiche ist bereits dann falsch gestellt, wenn man eine Zusatzschrift als verbindlich zulässt. Um es einmal ganz deutlich zu sagen: „Es gibt neben Gottes Wort absolut NICHTS, an das sich Christen binden lassen dürfen“. (Jesus ist Gottes Wort). Während der Gemeindeaufnahmebesprechung fragen die Versammlungsleiter dann den Bewerber, ob er sich den Versammlungsleitern (Ältesten) absolut unterordnet. Wer jetzt „Ja“ sagt, der hat seinen Herrn Jesus verleugnet und seine Seele verkauft. Denn die Unterordnung unter Menschen ist nie absolut. Absolute Unterordnung gibt es nur gegenüber dem Herrn Jesus Christus. Keinesfalls darf man seine Seele von Jesus zurück fordern und sie den Ältesten anvertrauen. Eine Generalvollmacht über die eigene Seele den Ältesten auszustellen ist mit Sicherheit nicht die Stimme des guten Hirten. Wir stehen in der Entscheidung:
| Heiligtum: | Ältestenherrschaft | KONTRA | Christusherrschaft |
| Grundlage | Gottes Wort + Zusatzschrift | KONTRA | Gottes Wort allein |
Deshalb sollten wir das Ziel von Mt 17.8 stets im Sinn behalten.
Mt 17.8: „Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.“
Wenn man uns Christen in die Enge treibt und an die Wand stellt, so dass uns keine Fluchtmöglichkeit bleibt, dann kommt die Wahrheit ans Licht, wer unser Herr ist. Wer jetzt dem Druck der Ältesten und der Zusatzschrift NICHT nachgibt, und Jesus NICHT verleugnet, der wird aus der religiösen Organisation rausgeworfen werden. Aber der Vater im Himmel wird seine Kinder aufnehmen. Jesus Christus wird sich zu uns bekennen (Mt 10.32-33).
· Lk 20. 1-2: „Und es geschah an einem der Tage, als er das Volk im Tempel lehrte und das Evangelium verkündigte, da traten die Hohenpriester und die Schriftgelehrten mit den Ältesten herzu und sprachen zu ihm und sagten: Sage uns, in welchem Recht tust du diese Dinge? Oder wer ist es, der dir dieses Recht gegeben hat?“
Vollmacht (Recht) und Autorität war der entscheidende Punkt im Konflikt zwischen Jesus und den geistlichen Führern. Die Führer beanspruchten die Macht, über religiöse Themen zu entscheiden, für sich selbst. Deshalb betrachteten sie Jesus als Bedrohung ihres Machtgebäudes. Für die Führer war Jesus ein Außenseiter, ein religiöser Aufrührer, der ihre Stellung im Volke untergrub. Seine Lehren waren in den Augen der Führer ketzerisch und gefährlich, weil er sich nicht an die Normen, welche die Ältesten aufstellten, hielt. Genau um diesen Punkt ist es im Laufe der Jahrhunderte immer wieder gegangen. Es ist bemerkenswert, dass Menschen, die einmal der Tyrannei einer religiösen Macht mutig widerstanden haben und sich zum Beispiel von der katholischen Kirche gelöst haben, später selbst ihrer Versuchung erlegen sind. Weil Autorität als nützlich erscheint und zusätzlich die Möglichkeit bietet über andere Macht (Kontrolle) auszuüben, hat man die Ideale für die man früher kämpfte verworfen, ohne es selbst zu bemerken.
· Mt 23.8+10-11: „Ihr aber, lasst ihr euch nicht Rabbi nennen; denn einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder. Lasst euch auch nicht Meister nennen; denn einer ist euer Meister, der Christus. Der Größte aber unter euch soll euer Diener sein.“
Wer sich intensiv mit der biblischen Lehre des Wortes Gottes beschäftigt, der wird erkennen, dass alles, was das Verhältnis der Brüder zueinander ändert, nicht wirklich christlich sein kann. Alle Titel oder Amtsstellungen, die einige Brüder über die Geschwister auf eine höhere geistliche Ebene hebt oder die in irgendeiner Weise gegen das Recht von Jesus Christus verstießen, der einzige Meister und Lehrer seiner Nachfolger zu sein, ist ein Abweichen vom Geiste des Christentums. Offenbar bedeuten die Bezeichnungen Hirte, Lehrer, Prophet, Ältester, Aufseher überhaupt keine Amtsstellungen sondern sie bedeuten Dienste (Mt 20.25-28).
· Für viele Menschen ist es bequemer, nicht den Weg des mühevollen Prüfens zu gehen, sondern die eigene Verantwortung an eine menschliche Führergestalt (oder Gruppe) abzugeben. Aber vor Gott können wir die eigene Verantwortung für unser Leben nicht auf einen anderen Menschen oder einer Gruppe abschieben. Da jeder einzeln vor dem Richterstuhl Christi stehen wird (2Kor 5.10, Rö 14.10), bleibt die Verantwortung für unser Leben unsere eigene. Der Weg des Prüfens mag uns zunächst als der schwierigere Weg erscheinen. Es mag zeitweise ein einsamer Weg sein. Die Vorbilder des Glaubens, die uns in der Bibel beschrieben werden, sind Menschen, die ebenfalls Zeiten der Einsamkeit durchmachten. Einige wandelten in Wüsten und Gebirgen, Höhlen und Klüften umher oder waren im Gefängnis (Heb 11.37-40). Der Glaube erinnert uns daran, dass der Vater, der Sohn und der Heilige Geist bei uns sind auf diesem Weg. Ohne der Verheißung der Gegenwart von Jesus Christus geht es nicht, aber notfalls ohne alles andere. Viele unserer Freunde werden diesen Weg nicht gehen. Deswegen ist es zeitweise ein einsamer Weg. Im Angesicht des Todes jedoch, wenn wir vor Gott stehen müssen, wird sich dieser Weg als der bessere Weg herausstellen.
· Die heute oft zu findende offiziell benannt und eingesetzte Ältestenschaft ist in Wirklichkeit eine Idee, eine nicht beweisbare Theorie, welche für unsere Heilszeit nicht biblisch belegbar ist, an die man zu glauben hat. Eine menschliche Theorie mit einer vagen Hoffnung, dass Gott heute noch neben Jesus Christus eine weitere Macht in der Versammlung duldet.
22.8 Schlusswort des Kapitels:
Das Zeugnis des Wortes Gottes ist eindeutig, dass man in unserer Heilszeit neben Jesus Christus und dem Wort Gottes keine weitere Autorität ernennen darf. Dennoch sieht es heute in den verschiedenen Organisationen nahezu immer völlig anders aus. Man hat eben doch Leiter ernannt, welche vor den übrigen Glaubensbrüdern mit Macht bekleidet sind. Was soll man nun zu diesem Widerspruch sagen?
· Gottes Wort: Wer Gottes Wort nicht glaubt, der könnte sich vielleicht noch von den Früchten und Werken der Kirchengeschichte überzeugen lassen.
· Früchte der Kirchengeschichte: Wer sich auch von den negativen Früchten und Werken der Kirchengeschichte nicht überzeugen lässt, der könnte sich eventuell noch dadurch überzeugen lassen, dass er an seine Kinder denkt.
· Die eigenen Kinder: Für die Kinder will man ja nur das Beste. Das Beste für die Kinder ist, wenn sie allein an Jesus Christus und an Gottes Wort gebunden sind und NICHT an Leiter (Menschen).
· Letzter Warnruf: Wem aber auch das Wohl seiner Kinder nicht am Herzen liegt, der soll sich von folgenden Gotteswort warnen lassen:
Rö 14. 10: „Denn wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden.“
Jeder wird alleine vor dem Richterstuhl stehen. Dann hilft Dir keiner mehr als Jesus allein. Weil es so wichtig ist, seine Hoffnung ganz auf Jesus zu setzen, sollten wir dies auch auf diese Erde voll tun, selbst dann, wenn wir mit der Gruppe der wir angehören, Probleme bekommen können. Im Angesicht des Todes wird sich dann diese Haltung als besser herausstellen. Es ist auf jeden Fall der sicherste Weg, wenn wir nicht über die Schrift hinausgehen (1Kor 4.6). Und die Schrift sagt nun halt mal Jesus allein (Mt 17.8). Wenn wir vor dem Richterstuhl Gottes stehen, was wollen wir sagen, wenn wir mutwillig über die Schrift hinaus gegangen sind??