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Im folgenden soll dieser vielfach zitierte Belegvers calvinistischer Lehre kurz untersucht werden.
Die calvinistische Erklärung dieser Schriftstelle würde diesen Abschnitt im Sinne einer Auserwählung Ungläubiger zum Heil bzw. der Wiedergeburt wiedergeben. Dieser Vers wird durchgängig zur Verteidigung dieser Lehre verwendet. Der Grund für den Dank des Paulus wäre demnach die Tatsache, dass Gott die Thessalonicher durch seine "souveräne Erwählung" und seine "unwiderstehliche Gnade" zur Wiedergeburt erwählt hat. Der Vers würde den Grund angeben, warum die Thessalonicher gläubig wurden - aufgrund Gottes souveräner Gnadenwahl, die sich nur auf eine vorweltlich begrenzte Zahl Auserwählter erstreckt. Der übrige Teil der Menschheit wird von Gott mit dem Heil übergangen - diese können sich nicht zu Jesus Christus bekehren, da sie angeblich nicht auserwählt sind.
Die „zum Heil erwählten“ sind jedoch bereits gläubig und wiedergeboren, sonst würden diese nicht als „Brüder“ bezeichnet werden. Zum Heil erwählt sind demnach Gläubige.
Im weiteren soll geprüft werden, ob sich die Rettung auf die Wiedergeburt - ob die Erwählung Gottes der Grund war, warum die Thessalonicher gläubig wurden -, oder auf die Errettung vor kommenden Gerichten bezieht.
Die zwei Interpretationsmöglichkeiten würden sich entweder auf die Erwählung zum Heil als Tatsache der Vergangenheit - die Thessalonicher kamen durch die Erwählung Gottes zum Heil -, oder auf ein zukünftiges Ereignis, etwa im Sinne einer noch bevorstehenden Errettung, beziehen.
Die Heilige Schrift hat zur Errettung immer einen dreifachen zeitlichen Bezug: Gläubige wurden durch das Werk am Kreuz errettet, indem sie sich bekehrt haben (Vergangenheitsaspekt), sie werden im gegenwärtigen Leben von dem Einfluss und der Macht der Sünde errettet (Gegenwartsaspekt) und sie werden vor den künftigen Gerichten (große Trübsal, Hölle) errettet (Zukunftsaspekt).
Der Kontext des Verses muss Aufschluss über den Zeitaspekt geben. Im nächsten Vers finden wir die Aussage, dass die Gläubigen durch das Evangelium zur Erlangung der Herrlichkeit des Herrn Jesus Christus berufen worden sind. Das Eingehen in diese Herrlichkeit stellt für die Gemeinde in Thessalonich eine Ermutigung in ihren derzeitigen Schwierigkeiten dar und bezieht sich auf die Zukunft. Dies soll ihnen Trost und Hoffnung geben (Vers 16).
Die Verse, an die sich die Aussage des Paulus anschließt, sprechen von kommenden Gerichten über die Ungläubigen: Gott wird kräftige Irrtümer senden (Vers 11). Diese Menschen werden verloren gehen, da sie das Evangelium zurückgewiesen haben (Vers 10).
Inmitten dieses Kontext findet man nun den Satz über die Erwählung zur Errettung der Gläubigen. Die Grundlage des Heils ist die „Heiligung des Geistes“ und „der Glaube an die Wahrheit“. Durch den Glauben an Jesus Christus erfährt der Mensch die Wiedergeburt und erhält den Heiligen Geist.
In Joh 5,24 sagt der Herr Jesus „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen“. Der Glaube an Jesus Christus bewirkt demnach eine Bewahrung und Rettung vor kommendem Gericht (Zukunftsaspekt) und der Herr verheißt ewiges Leben.
In 1Thess 5,9 liegt Betonung im Bezug auf das Heil/Rettung auf einem zukünftigen Aspekt: “Denn Gott hat uns nicht zum Zorn bestimmt, sondern zum Erlangen des Heils durch unseren Herrn Jesus Christus“.
Im Zusammenhang der anderen Verse und Parallelstellen ist daher der Vergangenheitsaspekt, den die calvinistische Deutung erforderlich macht, auszuschließen. Paulus beschreibt in 2Thes 2,13 ebenso wie in 1Thess 5,9 den Gegensatz zwischen den Ungläubigen, die verloren gehen und den Gläubigen, die von Gott zur Rettung vor den kommenden Gerichten bestimmt sind. Die Beschlussfassung Gottes war „von Anfang an“. Hier liegt die Bedeutung nahe, dass Gottes Beschlüsse, die sich auf das Heil und die Rettung der Gläubigen beziehen, schon vor Grundlegung der Schöpfung, d.h. von Anfang an im Herzen Gottes befanden.