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 DIE EWIGE PEIN    siehe auch:  814

 

J. N. Darby Collected Writings Vol 7

 


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E-Mail Stand 5.1.98


Gegen die Lehre von der ewigen Verdammnis hat man viele Argumente vorgebracht. Sie sind geeignet, solche, die nur eine geringe Kenntnis des Wortes Gottes haben, wankend zu machen und den Glauben etlicher umzustoßen.

Obgleich ich mich mit dieser Sache schon längere Zeit eingehend beschäftigt habe, in der Absicht, darüber ausführlich zu schreiben, habe ich es doch für gut angesehen, zunächst diese kürzere Betrachtung herauszugeben, um unbefestigten Seelen damit zu dienen. Es gibt nämlich Personen, die mit ihren Kenntnissen der griechischen Sprache vor denen, die diese nicht verstehen, glänzen wollen. Solchen zu misstrauen, möchte ich den Lesern dringend ans Herz legen, zumal es ein Leichtes ist, mit seinem erlernten Wissen auf andere Eindruck zu machen, oft mit dem Hintergedanken, ihnen etwas vor zumachen.

Ohne Zweifel ist es nützlich, zum besseren Studium des Neuen Testamentes die griechische Sprache zu beherrschen, weil es in dieser Sprache ursprünglich geschrieben wurde. Es ist auch ganz vernünftig, sich über den griechischen Text mit solchen auszutauschen, die Griechisch können, weil diese über das, was besprochen wird, selbst zu urteilen vermögen. Aber es ist keineswegs gut, griechische Schrifttexte in Gegenwart solcher anzuführen, die die Sprache nicht verstehen. Wie sollten letztere an Hand von ihnen nicht verständlichen Zitaten eine Bibelstelle beurteilen können? Da behauptet z. B. jemand, das Wort " e w i g  " bedeute im griechischen Text nicht " ewig " . Eine solche Aussage erscheint dann ganz weise, aber wer will schon beurteilen, wie sich die Sache wirklich verhält? Ausserdem ist mir wiederholt aufgefallen, dass diejenigen, die sich des Griechischen im Kreise Unwissender bedienen, hiermit eine gewisse Hinterlist verbinden.

Ich habe auch festgestellt, daß es mit ihrem Griechisch nicht weit her, sobald sie von solchen, die diese Sprache beherrschen, auf die Probe gestellt werden. Ohne beanspruchen zu wollen, sehr gelehrt zu sein, darf ich doch sagen, daß ich die griechische Sprache kenne und das Neue Testament im griechischen Text sehr eingehend durchforscht habe. Ich habe mich jedoch niemals dazu verleiten lassen, auch nur das geringste Vertrauen in Aussagen zu setzen, die jene Leute dem griechischen Text unterstellen.

Ganz im Gegenteil. Der Geist Gottes allein ist ein sicherer Führer hinsichtlich der Grundwahrheiten der Schrift für einen jeden Menschen, der über die genannte Gelehrsamkeit nicht verfügt, vorausgesetzt, daß er dem Worte Gottes gegenüber demütig ist. Eine solche Haltung ist nützlicher als Selbstvertrauen auf erlerntes Wissen.

Also: Die Aussagen der Bibel lassen für den einfachsten Gläubigen nicht die geringsten Zweifel hinsichtlich des eingangs genannten Punktes bestehen. Er weiß: Die Pein der Gottlosen ist ewig.

Die Schrift redet hierüber bis ins kleinste genau. Zugegeben, daß Übersetzungen nicht vollkommen und Menschenwerk sind. Die Ansichten und die Gefühle des jeweiligen Übersetzers bergen die Gefahr in sich, daß sich leicht Mängel einschleichen können. Dennoch bleibt bestehen, daß der Text der allgemein bekannten Bibelübersetzungen der gesunden Lehre entspricht. Der Glaube, der mittels des Wortes in dem einfachsten Gläubigen hervorgebracht wird, empfängt ja von Gott selbst Belehrungen, obgleich es möglich ist, daß hier und da der Grund text nicht so genau übersetzt wurde, wie es wünschenswert wäre.

Dennoch: Soviel ich weiß, ist keine der Stellen, die die Grundwahrheiten der Heiligen Schrift betreffen und mit denen wir uns hier zu beschäftigen haben, so übersetzt worden, daß der eigentliche Sinn dadurch entstellt wurde. Es ist für mich wie auch für jeden anderen einfachen und aufrecht denkenden Menschen von grundlegender Bedeutung, daß es die Absicht Gottes war, im Herzen des Bibellesers die Überzeugung wachzurufen, daß das Teil der Bösen die ewige Verdammnis ist. Ich bin also sicher, daß Gott weder die Absicht hatte, die Überzeugung zu wecken, mit dieser Aussage die Unwahrheit gesagt zu haben, noch wollte Er die Seelen durch Vorstellungen erschrecken, die der Wahrheit nicht entsprechen.

Ich möchte jetzt mehrere Schriftstellen nennen, die klare Aussagen über unseren Gegenstand machen. Vorher versichere ich erneut, daß es meine feste Überzeugung ist, daß alle Anstrengungen, die darauf hinauslaufen, diese grundlegende Wahrheit der Bibel zu untergraben, zunichte wurden (und ich sah mich gezwungen, viele Stellen genau zu untersuchen). Die vorgebrachten Argumente sind gekennzeichnet durch Mangel an Aufrichtigkeit, ja oft offenbaren sie Unglauben, jedenfalls sind sie widersprechend und trügerisch. Schließlich stoßen die vorgebrachten sogenannten Beweise andere fundamentale Wahrheiten um. Aber auch das ist noch festzustellen: Eine gesunde Kenntnis des Griechischen vermag den schriftgemäßen Glauben eines einfachen Menschen zu stärken. Mit einigen Worten werde ich am Ende meiner Ausführungen noch ein mal unmißverständlich diese Behauptung begründen. Im Laufe der Betrachtung werde ich eine Anzahl Schriftstellen anführen, (von denen einige, wenn sie für sich allein stehend betrachtet werden, nicht zum Beweis dessen dienen könnten, was der Gegenstand der Betrachtung ist) damit die vom Heiligen Geist beabsichtigte Wirkung aus der Fülle von Kundgebungen, die Er abgegeben hat, hervorgeht. Ich möchte den Leser bitten, diesen Stellen seine ganze Aufmerksamkeit zu widmen. Einige widerlegen mit aller Deutlichkeit die Lehre, daß alle Menschen einmal errettet würden, andere die Behauptung, daß die Bösen ihr Ende darin finden werden, daß ihre Existenz aufgehoben wird. Weitere Schriftstellen zeigen uns, wie unbiblisch der Gedanke vom "lieben" Gott ist. Diese Vorstellung führt dazu, daß die Majestät und Heiligkeit Gottes, die durch Gericht über die Sünde aufrecht erhalten wird, verneint wird; sie führt auch zur Leugnung der bestimmten Tatsache, daß nie Gemeinschaft zwischen Licht und Finsternis bestanden hat oder bestehen wird. Solche Gedanken sind ungöttlich und schriftwidrig. Wiederum widerlegen andere Schriftstellen die sogenannten Beweise, die alle diese Irrtümer bestätigen sollen. Gelangt der aufmerksame Leser zu einem tiefen Verständnis dieser Stellen, so wird er den Irrtum klar erkennen. Manche der aufgeführten Stellen machen die Lehre der Heiligen Schrift besonders deutlich daß nämlich der Zorn Gottes eine Wirklichkeit ist und daß das Teil der Ungläubigen und der sich gegen Gott auflehnenden Sünder ewige Pein und ewige Qual ist. Schließlich werden wir an Hand der Schrift stellen sehen, daß das Wort sich an alle Klassen von Sündern wendet, an solche, die ohne Gesetz gesündigt haben, an die, die sündigten unter dem Gesetz und an alle, die dem Evangelium nicht geglaubt haben.

Ich werde nun Stellen mit bildlicher Darstellungsweise an geben und solche, die den Gegenstand direkt ansprechen. Es war Gottes Absicht, sowohl Bilder zu geben, die zu überzeugen vermögen, als auch durch klare und bestimmte Aussagen jeden Zweifel über die Belehrung auszuschließen, die Er geben wollte.

Nun die Schriftstellen:

1) Matth. 3, 10 u. 12; 5, 22 u. 29 - 30; 6, 15; 7, 13 u. 23. In Matth. 7, 13 u. 23; 10, 33 ist es unmöglich anzunehmen, Christus hätte dieses sowohl von erlösten und erretteten Personen sagen können, als auch von solchen, die für "eine Zeit" bestraft werden sollten.

2) Matth. 8, 12; 10, 28 u. 33; 11, 22 u. 24; 12, 31 - 32; 13, 40-42 u. 49 - S0. Man sagt, daß sowohl in Matth. 13, 40 wie auch in Vers 49 das Wort, das häufig mit " Welt " übersetzt ist, eigentlich " Z e i t a I t e r " oder "Zeitabschnitt" oder "gewisse Zeit" bedeutet. Auch ich glaube, daß das die bessere Übersetzung ist, aber das ändert doch nichts an der Tatsache, daß nach diesem das angekündigte Gericht folgt.

3) Matth. 18, 8-9. Hier wird vom " e w i g e n F e u e r " oder der " H ö l l e " im Gegensatz zum " L e b e n " gesprochen. Wer an den einen Ort geht, geht nicht an den anderen. Übrigens: Keiner der genannten Ausdrücke ist so zu verstehen, daß er, wie gelehrt wird, auf einen besonderen Zeitabschnitt der Glückseligkeit anzuwenden ist. " D a s L e b e n " und das " F e u e r d e r H ö l l e " werden einander gegen übergestellt.20klk

4) Matth. 22, 13; 23, 33; 25, 46; 26, 24. Hier wird in Kap. 25, 46 im Griechischen das Wort " e w i g " sowohl in bezug auf Leben als auch auf die Pein gebraucht.

5) Markus 3, 29; 8, 36; 9, 43 - 49; 16, 16; Lukas 12, 4 - S u.9 - 10; 16,19 - 31; Johannes 3,3.15 u.36; 5,29.

In bezug auf die letzte Stelle wird richtig gesagt, daß hier " G e r i c h t " zu übersetzen ist und nicht "Verdammnis", wie es teilweise geschehen ist. Aber dieses wird doch in Gegensatz zum " B e s i t z d e s L e b e n s " gestellt. Übrigens gilt bezüglich des Gerichtes, daß dadurch "keine lebendige Seele gerechtfertigt wird". Dieses Gericht wird am Ende aller Dinge stattfinden.

6) Johannes 6, 53; 8, 24; Apgsch. 1, 25; Röm. 1, 18; 2, 5 - 16; 9, 22. Römer 9, 22 zeigt, dass Gott willens ist, "seinen Zorn zu erzeigen und seine Macht k u n d z u t u n ". Gott ist Liebe, aber Er ist Gott; und die Rechte Seiner Majestät müssen gegen jede Auflehnung und Sünde aufrechterhalten werden.

7) 1. Kor. 1, 18; 3, 15; Phil. 1, 28; 3, 18 - 19; 2. Thess. 1, 8 - 10; 2,10 - 12; 1. Tim. 6,9; Hebr. 6,4 - 6; 10,26 - 31; Jakobus 5, 20; 2. Petr. 2, 9. 17 u. 21; 3, 7; 1. Joh. 5, 12; Judas 13; Offbg. 14,9 - 11; 20,10 - 15; 21,5 - 8.

In 1. Kor. 1, 18, ebenso wie in Markus 16, 16 finden wir den Gegensatz zweier Zustände. Es gibt solche, die verloren gehen und verdammt sind, und solche, die errettet werden. Auch für den einfachsten Leser wird es nicht schwer sein, dieser Stelle zu entnehmen, daß die ersteren nicht errettet sein können. Die einen werden errettet und die anderen gehen deshalb verloren, weil sie das Kreuz Christi verworfen haben.

Diese Stellen zeigen uns ganz deutlich: Einerseits ist Gottes Zorn aufbewahrt gegen jede Gottlosigkeit, andererseits ist Seine Liebe in Christus geoffenbart worden. Es ist wirklich nicht schwer zu verstehen, daß die Verdammnis die notwendige Folge der Verachtung einer solchen Liebe und des Ungehorsams dem Evangelium gegenüber sein muß. Bei denen, die unter Gottes Zorn stehen, " w i r d i h r W u r m n i c h t sterben und das Feuer nicht erlöschen". Vergebung kann ihnen nie zuteil werden. Sie sind nicht errettet, sondern verloren und werden gequält von Ewigkeit zu Ewigkeit in dem See, der mit Feuer und Schwefel brennt. Weil sie das Opfer von Golgatha verachtet haben, gibt es kein weiteres Opfer für ihre Sünden. Die Menschen suchen aber diesen klaren Zeugnissen auszuweichen, indem sie ihnen widersprechende Überlegungen anstellen und ihre Kenntnisse des Griechischen dabei in den Vordergrund schieben.

Man hat zwei Systeme entwickelt, durch die man solch zu verlässige Schriftstellen beiseite zu setzen versucht. Das eine besagt, daß alle einmal errettet werden, alle, der Teufel selbst eingeschlossen, wobei es einige der Leute dieses Schlages nicht lieben, sich über ihre Gedanken klar genug auszusprechen. Dem anderen nach ist die Seele keineswegs unsterblich. Die Bösen, so wird gelehrt, werden nicht errettet und werden mit der Zeit vom Feuer der Hölle verzehrt.

Aber diese beiden Systeme zerstören sich gegenseitig. Das zweite geht besonders in England um, das erste in anderen Ländern. Diejenigen, die das zweite unterstützen, sagen vom ersten, es sei ungeheuerlich und schriftwidrig. Zunächst berufen sie sich dabei auf solche Stellen, die besagen, daß es Menschen geben wird, die verdammt und solche, die gerettet sein werden. Dann verweisen sie auf eine Menge Schrift stellen, die davon reden, "daß Seele und Leib in der Hölle umgebracht werden" oder ähnlich starke Aussprüche enthalten. Sie sagen auch folgendes: Sollten alle errettet sein, so sind es etliche ohne Versöhnung und ohne Wiedergeburt gibt es doch solche, die das eine verworfen und das andere verachtet haben und für die deshalb "kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig bleibt". In der Tat scheint nichts einleuchtender zu sein als dieses. Hinsichtlich des Teufels und seiner Engel verhält es sich dann ebenso, denn wenn man derartige Ansichten hat und konsequent sein will, muß man auch von ihnen sagen, sie würden errettet. Schließlich wird noch gesagt, daß Gott alles in allem sein wird, und weil Er Liebe ist, kann er die Pein nicht ewig fortbestehen lassen. Wenn es so wäre, würden selbst die Dämonen errettet. Indessen, sie haben keinen Christus, keinen Heiland, so daß, wenn ich dieser Lehre nach einem Menschen sagen würde, daß er ohne den Herrn Jesus nicht errettet werden könnte, ich ihm nicht die Wahrheit sage, da ja eben dieser Lehre gemäß die Menschen auch ohne Ihn er rettet werden. Das bedeutet also, daß das ganze Evangelium hinsichtlich aller Aussagen vollkommen umgestoßen ist.

Für jeden aufrichtigen Menschen ist es aber doch wirklich ganz klar, daß, wenn die Bibel sagt, "Wer glaubt, wird errettet werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden", dieses nicht bedeuten kann, daß " wer nicht glaubt" dennoch errettet werden wird wie derjenige, " der glaubt ", auch wenn die Einschränkung gemacht wird, ein solcher habe für eine gewisse Zeit eine Strafe zu erleiden. Dies alles ist die Lehre der erstgenannten Gruppe, der Allversöhner, wie man sie nennt. Und wenn die Bibel sagt, daß jeder, der an Ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben habe Joh. 3,16), so ist damit doch klar genug ausgedrückt, daß das nicht bedeuten kann, daß auch die, die nicht geglaubt haben, ewiges Leben haben und nicht verloren gehen. Wenn geschrieben steht "ihr Ende ist Verderben", so ist doch völlig klar, daß das nicht bedeuten kann, ihr Ende sei ebenso glücklich wie das der anderen, auch wenn dieses Glück erst einige Zeit später zu erreichen ist. Wenn ferner geschrieben steht: "Es wird nicht vergeben werden", so soll das gewiß nicht heißen, daß solche doch einmal Vergebung erlangen. Obwohl es heißt: "Wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt", möchten manche lehren, man käme unversehrt daraus hervor, um in die Herrlichkeit einzutreten, zusammen mit denen, die errettet werden.

Gott hat gesagt: "Diese werden hingehen in die ewige Pein, die Gerechten aber in das ewige Leben".

Wer könnte da glauben, dieses Wort bedeute, daß die, welche verdammt sind, nur für eine kurze Zeit in Qualen wären und das ewige Leben ebenso wie die anderen haben oder empfangen werden? Das ewige Leben und die ewige Pein- beides also ewig - sind übereinstimmende Ausdrücke und das Wort " e w i g " hat in beiden Fällen die gleiche Bedeutung. Man predigt auch, "ewig" bedeute nicht in beiden Fällen ewig. Aber wer möchte glauben, daß " d a s e w i g e L e b e n " nicht gleichbedeutend sei dem Leben von Ewigkeit zu Ewig keit? Wenn seine ewige Dauer nur vom Wort " L e b en " herzuleiten ist (denn es ist das Leben des Christus), warum die Hinzufügung des Wortes " e w i g " ?

Es macht selbst dem einfältigen Leser Mühe zu glauben, daß das Wort " e w i g " - und das wird häufig gepredigt - eine Hinzufügung sei, um das Leben im zukünftigen Zeitalter zu begrenzen, genau gesagt auf das Tausendjährige Reich. (Sie stützen diese Behauptung auf "ihr Griechisch", worüber gleich noch ein Wort gesagt werden soll).

Das aber ist nichts als ein schrecklicher Trugschluß; ist uns doch genau gesagt, dass wir dieses Leben jetzt schon besitzen, und zwar bevor das Tausendjährige Reich in Erscheinung tritt. "Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben". Es ist also klar gesagt, daß die Pein der Gottlosen von gleicher Dauer ist wie das Leben der Erlösten. Darüber hinaus steht geschrieben, daß seine Dauer gleich der des Lebens Gottes ist. In Offbg. 4,10 wird von den Ältesten gesagt, daß sie "den anbeten, der lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit". In Offbg. 14, 11 heißt es: "Und der Rauch ihrer Qual steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit" (siehe auch Offbg. 20,10 und andere Stellen).

Wenn also klar gesagt ist, daß die Pein der Bösen ebenso lange währt wie das Leben der Glückseligen, ja wie das Leben Gottes selbst, so frage ich: Hätte Gott wohl die ewige Dauer dieser Pein den Lebenden besser klarmachen können? Gott hat betreffs der Bösen gesagt: "Ihr Wurm stirbt nicht". Hätte Er solchen Aussagen noch stärkere hinzufügen können, um den Menschen eine klare Vorstellung der ewigen Pein zu geben? Es ist gut, Offbg. 20,15 zu beachten. Da steht, daß die Bösen in den Feuersee geworfen werden. Das betrifft unzweideutig die Zeit nach dem Tausendjährigen Reiche, wenn alles zu seinem Ende gelangt ist und "Gott alles in allem sein wird".

Die Verfechter der zweiten Irrlehre haben erklärt, es sei längst bewiesen, wie widersinnig und unhaltbar die erste ist.

So kam es eben zu der zweiten. Hiernach ist die Seele keineswegs unsterblich; der Tod bedeutet ganz einfach Beendigung des Daseins und folglich ist das Leben nur in Christus zu finden. Das führt zu dem Gedanken, daß die Bösen aufhören werden zu existieren, und zwar nicht ohne eine gewisse Zeit gequält worden zu sein und Strafen empfangen zu haben, um dann vom Feuer der Hölle verzehrt zu werden; schließlich würden sie, wie schon gesagt -aufhören zu existieren. Diese Lehre ist in England sehr verbreitet.

Aber vom Beginn ihres Auftretens an zeigte sich ihre Unhaltbarkeit. Wenn durch den Tod das Dasein ausgelöscht wird - die Seele also nicht unsterblich ist - und im Jenseits alles nur in Christus lebt, wie ist es dann möglich, daß die Bösen auch nach dem Tode noch weiterleben, wenn auch nur, um bestraft zu werden? Von woher beziehen sie denn dieses Leben? Denn um bestraft zu werden, müssen sie ja Leben haben. Man führt den Vers an: "Wer den Sohn hat, hat das Leben, wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht". Wenn letzteres wörtlich bedeuten soll, daß die Bösen nach dem Tode aufgehört haben zu existieren, so können sie auch kein Leben haben um bestraft zu werden. Jedem wahren Christen ist es hingegen klar, daß das Wort " Leben " in obiger Schriftstelle in dem Sinne gebraucht wird, daß die Erlösten in der Glückseligkeit leben werden bei Gott. Hingegen beziehen sich die Worte "hat das Leben nicht" auf solche, die das natürliche Leben "haben", aber tot sind in ihren Vergehungen und Sünden. Sie haben kein göttliches Leben, keine Segnungen von Seiten Gottes, weil sie noch nicht der Sünde gestorben sind und Gott leben.

Andererseits sagt die Bibel sehr klar und zuverlässig, daß es nach dem Tode für alle, die nicht errettet sind, Zorn, Qual, Gericht und Pein gibt. Wollte man das verneinen, müßte das ganze Zeugnis Gottes geleugnet werden. Wahrheit ist viel mehr, daß es ein Leben auch nach dem Tode gibt, und Sterben nicht Ende des Daseins überhaupt bedeutet, sondern das Ende des Daseins hinsichtlich der Vereinigung von Seele und Leib, wie es hier auf Erden ist. Das sagt die Bibel in Hebr. 9, 27 unmißverständlich: "Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht". Dieses Gericht, das den Menschen treffen wird, findet nach dem Tode statt. Es ist Gottes Zorn und erfaßt alles, was von den Folgen der Sünde durchdrungen ist. Es ist wahr, daß die Sünde immer ins Elend führt. Weit entfernt liegt jedoch der Gedanke der Tod sei das Ende des Menschen. Vielmehr sagt Gottes Wort in Wahrheit und Folgerichtigkeit, daß die Auswirkungen des Zornes Gottes sich erst offenbaren nach dem Tode, und zwar mittels der Gerichte. Merken Sie gut auf: Diese Stelle richtet sich nicht besonders an solche, die von Christus gehört haben, obwohl diese sich zweifelsohne in höchstem Maße schuldig gemacht haben und geschlagen werden müssen "mit vielen Schlägen". "Es ist den Menschen gesetzt" usw. Der Tod und das Gericht sind also das Teil aller Menschen, weil sie ihrer Natur nach Sünder sind.*)

Die Bibel sagt weiter: "Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und nach diesem nichts weiter zu tun vermögen. Aber fürchtet den, der nach dem Töten Gewalt hat, in die Hölle zu werfen" (Luk. 12, 4-5). Der Lohn der Sünde ist der Tod. Die genannte Schriftstelle besagt jedoch, daß er, für sich betrachtet, von geringerer Bedeutung ist im Vergleich zu dem, was " d a n a c h k o m m t " . Danach wird nämlich der volle Lohn der Sünde empfangen, sowohl für den Leib als auch für die Seele, und zwar in der Hölle. Gerade das ist zu fürchten. Es ist hier noch zu beachten, daß nichts zu dem Gedanken berechtigt, daß die Seele eines Menschen zugleich mit seinem Leibe stirbt. So wird es fälschlich behauptet von solchen, die da lehren, daß der Tod einzig und allein den Lohn der Sünde darstellt. Man nimmt dazu Bezug auf die Bibel stelle: "Denn welches Tages du davon issest, wirst du gewißlich sterben".

Die Drohung, die diese Aussage Gottes enthält, soll als Beweis dafür herhalten, daß der Mensch nicht unsterblich geschaffen sei.**) Denn, so sagen sie, warum könnte sonst

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*) In Hebr. 9, 27&emdash;28 finden wir die Auswirkungen des Todes Dessen, Der die Sünden vieler getragen hat auf diejenigen, die errettet sind und im Gegensatz dazu das, was den Menschen gesetzt ist.

**) Andere lehren wiederum, der Mensch sei von Anfang an unsterblich gewesen; sie sind also in ihren Lehren nicht übereinstimmend.

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gesagt werden "du wirst sterben", wenn der Mensch unsterblich ist? Im Gegensatz hierzu denke ich, daß uns durch diese Schriftstelle gerade ein deutlicher Beweis gegeben wird, daß der Mensch unsterblich ist. Wenn ich einem Kinde sagen würde: "Tust du dieses oder jenes, so wirst du gestraft", so bedeutet das doch gewiß nicht, daß es in allen Fällen gestraft wird. So auch die Worte: "Wenn du issest, wirst du sterben". Sie stellen klar: Sollte der Mensch vom Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen essen, würde die Folge davon der Tod sein. So stellt es auch der Apostel dar und schreibt: "Gleichwie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod, und also der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist, weil sie alle gesündigt haben". Es ist offensichtlich, daß der Tod, der eintrat, nicht das Ende des Daseins war, da es ja "den Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht". Und ich wiederhole: "Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und nach diesem nichts weiter zu tun vermögen, aber fürchtet den, der nach dem Töten Gewalt hat, in die Hölle zu werfen".

Wir haben also von Seiten Gottes eine zuverlässige Offenbarung, die die schriftwidrigen Aussagen der falschen Lehrer aufdeckt und beweist: Der Tod ist nicht allein der Lohn der Sünde, sondern nach dem Tode folgt das Gericht. Um sich herauszuwinden, sagen sie nun, daß der Tod der Lohn der Sünde für Adam war, aber daß die Pein der Lohn unserer eigenen Sünden sei. Aber so stellt der Apostel die Dinge nicht dar. Er sagt: "Also ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben", was besagt, daß die Sünde aller Menschen gebunden ist an die Sünde Adams, und alle damit dem Tode unterworfen sind. Damit sind also jene Lehrer überführt.

Aber selbst wenn ihre Behauptung durch diese Erklärung des Apostels noch nicht zu Fall gebracht sein sollte, bleibt noch dieses zu sagen: Wenn Adams Sünde den Tod seiner Nachkommenschaft nach sich zog und wenn der Mensch nicht unsterblich ist wie sie lehren), woher empfangen die Sünder Leben nach dem Tode, jedenfalls dieser Lehre nach obwohl sie nicht mehr bestehen? Ihre Sünden können es Ihnen doch nicht geben. Man will uns lehren, es gibt keine Unsterblichkeit, da über den Menschen das Urteil des Todes ausgesprochen sei und ferner, dass es kein Leben außer in Christus gibt. Sie sehen, wohin solche Gedankengänge führen: die Sünder haben Leben in Christus, um für ihre Sünden bestraft zu wer den, aber dieses Leben, das sie in Christus haben, ist kein ewiges Leben. Wäre es das, so müßten sie ewig unglücklich sein, da das ewige Glück oder die Errettung nicht ihr Teil sind. Darüberhinaus würde dieses Leben, das sie in Christus haben, um bestraft zu werden, dazu bestimmt sein, verzehrt zu werden durch den Zorn und das Gericht Gottes. Da dieses Leben also nicht in Christus ist, ein Leben, das von Ihm Selbst kommt, so macht auch der Tod dem Dasein eines Menschen kein Ende; der Tod hat keineswegs die Wirkung, die ihm fälschlich bei gemessen wird, mit einem Wort: der Mensch ist ein unsterbliches Wesen.

Aber es gibt noch mehr Beweise: Wozu war wohl der Tod des Herrn Jesus nötig gewesen? Einige falsche Lehrer sagen, daß dieser Tod ganz einfach der Tod als Lohn der Sünde war nicht mehr. Aber "Er selbst hat unsere Sünden getragen". Wenn nun unsere Sünden, wie jene sagen, nur eine gewisse Bestrafung nach sich zögen, so hätte Christus nicht nötig gehabt, den Zorn Gottes, der uns als verlorene Sünder treffen muß, abzuwenden, sondern nur eine teilweise Pein. Aber darüberhinaus sagen sie, daß der Tod Christi für die Bösen den Tod abgewendet habe, damit sie noch bestraft werden könnten. Er hat also ihre Sünden nicht getragen, das ist doch klar -, da sie ja für ihre Sünden noch bestraft werden. Sie rechnen so, daß der Tod Christi nötig war, um den Bösen das Leben zu erhalten, damit sie bestraft und schließlich vernichtet werden könnten und daß der Tod Christi von Seiten Gottes zu diesem Zweck für sie bestimmt war.

Achten Sie darauf, daß diese Irrlehrer alle möglichen Ausdrücke im Munde führen, nur nicht den von der "ewigen Pein", z. B.: ihr Ende ist das Verderben - sie werden das Leben nicht sehen - ihnen wird nicht vergeben werden - sie haben kein Leben in sich - Christus wird sie verleugnen -Er hat sie niemals gekannt-. . .

Mit Hilfe solcher Formulierungen versucht man, an der wahren Bedeutung des griechischen Wortes "ewig" vorbeizukommen und läßt diesbezügliche Schriftstellen außer Betracht. Sie geben vor, das Wort "ewig" sei nur in Verbindung mit der Herrlichkeit des kommenden Tausendjährigen Reiches zu verstehen. Ich glaube an die Herrlichkeit jener Zeit, aber ich wiederhole, das im Griechischen das Wort "ewig" keinesfalls in dem von ihnen fälschlicherweise behaupteten Sinn zu verstehen ist. Ich fordere jeden, der Griechisch kann, auf, mir eine einzige Schriftstelle zu nennen, die diese Bedeutung haben könnte. Das Wort " e w i g " wird im Neuen Testament 68 mal gebraucht (und zwar das griechische Wort), wobei ich die 3 Schriftstellen nicht mitzähle, in denen es sich auf die Vergangenheit bezieht; in keinem Falle kann nachgewiesen werden, daß dieses mit Bezug auf das Tausendjährige Reich angewandt wurde. In vielen Fällen ist es offensichtlich, daß "ewig" ewig bedeutet, andere Stellen lassen eine Verbindung mit dem Reiche nicht zu, auch wenn gesagt wird, es sei darauf anzuwenden. Ich zitiere einige deutliche Stellen in bezug auf beide Punkte: Die folgenden Stellen zeigen zunächst unzweideutig die Bedeutung " e w i g :

2. Kor. 4,18: "das, was man sieht, ist zeitlich, das aber, was man nicht sieht, ewig".

2. Kor.5, 1: "Ein Haus, nicht mit Händen gemacht, ein ewiges, in den Himmeln".

1. Tim. 6,16: "welchem Ehre sei und ewige Macht".

1. Petr. 5,10: "der euch berufen hat, zu seiner ewigen Herrlichkeit".

ferner Hebr. 5, 9; 9,12 u. 14.

 

Diese Stellen zeigen deutlich, was die eigentliche Bedeutung des Wortes " e w i g " ist, im Gegensatz zu zeitlich.

Weiterhin wird der Leser bald feststellen, daß auch der zweite Punkt der Irrlehre, nämlich daß mit "ewig" das Tausendjährige Reich gemeint sei, auf keinen Fall der Lehre der Bibel entspricht. Denn der Ausdruck " e w i g e s L e b e n " findet ebenso häufig Anwendung auf das Leben in Christus, das wir schon hier auf der Erde besitzen, als auch auf das Leben, das unser Teil in der zukünftigen Welt sein wird. Es handelt sich ja um Leben aus Gott, das uns tatsächlich gegeben ist, also um eine Wirklichkeit für diese Zeit als auch für die Ewigkeit. Ohne Zweifel wird das ewige Leben erst völlig offenbar werden in der Ewigkeit, aber natürlich besitzen wir es jetzt schon und so sagt es auch die Schrift, so daß der Ausdruck gewiß nicht einen Zustand im Reiche bezeichnet, ob gleich wir das Leben zu jener Zeit ebenso besitzen werden, wie es schon jetzt unser Teil ist. Das mit " e w i g " oder " a u f i m m e r d a r " übersetzte Wort bedeutet manchmal etwas, was nicht ewig ist, wobei aber der Zusammenhang Beachtung finden muß. Es wird benutzt, um die Dauer einer Sache auszudrücken, die sich beständig fortsetzt ohne unterbrochen zu werden, obschon die Sache ihrer Natur nach nicht fortwähren kann. Folglich bezeichnet es die ganze Dauer eines bestimmten Zeitabschnittes -wie das Leben eines Menschen oder den vollständigen Ablauf des gegenwärtigen bösen Zeitlaufs bzw. einen abgeschlossenen Zeitraum. Wird es jedoch gebraucht in bezug auf das Thema, das uns beschäftigt, so gibt es nicht den geringsten Zweifel, daß es " e w i g " bedeutet, wie überall da, wo es nicht in einem besonderen Zusammenhang gebraucht wird, der die Bedeutung einschränkt. Wenn es an dererses mit " e w i g l i c h " oder " i m m e r d a r " übersetzt ist, bedeutet es niemals das Tausendjährige Reich, wie es behauptet wird. Ich könnte weitere Argumente bringen, die sich auf die Verwendung des Wortes im Griechischen stützen. Aber ich möchte mich darüber hier nicht weiter verbreiten da ich fürchten muß, solche zu verwirren, die diese Sprache nicht verstehen. Dennoch finden wir in einer Schriftstelle, die Bezug auf unseren Gegenstand hat, einen klaren Beweis, daß das Wort " e w i g " sich nicht auf das Tausendjährige Reich bezieht. Die Stelle lautet: "Gehet von mir, Verfluchte, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln". Wie sie nun selber sagen, werden die Teufel und Engel dort nicht vor dem Ende des Tausendjährigen Reiches sein, so daß das Wort also unmöglich "Tausendjähriges Reich" bedeuten kann .

Sie beharren weiter auf den Wörtern "vernichten" und "Vernichtung". Aber wir haben doch längst bewiesen, daß dieses hier keineswegs in dem Sinne zu verstehen ist, als würde ihr Sein ausgelöscht, weil ja ihr Fortleben nicht weniger lange währt als das der Glückseligen, ja, wie das Leben Gottes selbst. Übrigens ist es klar, daß in vielen Stellen dieses Wort wirklich nicht die Bedeutung hat, die ihm beigelegt wird. Das wird selbst der Titel zeigen, der dem Engel des Abgrundes gegeben ist: Er wird Apollyon genannt, was auch Vernichter bedeutet. Ohne Zweifel richtet er eine große Anzahl Menschen zugrunde, aber "vernichten" in dem angedeuteten Sinne kann er nicht. Das gleiche Wort wird auch in folgenden Stellen ge braucht: "Durch welche die damalige Welt, vom Wasser über schwemmt, unterging". Und "die verlorenen Schafe des Hauses Israels", und das ist der stärkste Ausdruck, der überhaupt gebraucht wird.

Damit habe ich einige zuverlässige Beweise erbracht, die der Lehre der Schrift entsprechen und dem Worte Gottes entnommen sind. Auch habe ich eine Antwort gegeben auf die hauptsächlichsten Argumente beider Systeme, die auf Irrtümern errichtet sind. Ein aufmerksamer Christ wird finden, daß das eine wie das andere dem Werke Christi Abbruch tut, ebenso den Rechten und der Heiligkeit Gottes. In der Tat, stirbt also der Mensch und hat Christus und den Heiligen Geist abgewiesen -und für solche bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig -und sollte dann trotzdem errettet werden, so wäre es für uns nicht nötig, durch dieses Mittel errettet zu werden. Wenn andererseits der leibliche Tod allein der ganze Lohn der Sünde wäre, so wäre der Mensch nicht unsterblich. Damit würden die Leiden des Sohnes Gottes, Sein Verlassensein von Gott und das Fühlen der Rute Seines Zornes für nichts ge achtet. Sie sind dann nicht mehr die Folge der Heiligkeit und Majestät Gottes, die aufrecht erhalten bleiben mußten, eines Gottes, der "zu rein ist von Augen, um Böses sehen zu können". Würde man den falschen Lehrern folgen, hätte Christus jedenfalls von einer Gruppe von Menschen nur gewisse zeitliche Strafen abgewendet und sie anderen für eine Zeit auf erlegt, da ja ohne Ihn die Menschen aufhören würden zu existieren, so wie ein Pferd oder ein Hund. Er hätte also einigen das ewige Leben gegeben, anderen für eine gewisse Zeit Leben, um darin unglücklich zu sein. Ich denke, daß es nicht einen einzigen Christen gibt, der nicht sieht, daß Gott uns solches nicht lehrt Die Bibel liefert uns wirklich nicht den geringsten Anhaltspunkt, weder für die eine noch für die andere Lehre. Man führt an, daß im Kolosserbrief steht: "Es war das Wohlgefallen der ganzen Fülle, in ihm zu wohnen, und durch ihn alle Dinge mit sich zu versöhnen". Aber hier handelt es sich doch nur um die sichtbare Schöpfung, also sind die Geschöpfe ausgenommen, die im Philipperbrief erwähnt und verpflichtet sind, ihre Knie vor Ihm zu beugen. Sie werden als die Unterirdischen bezeichnet -genau gesagt also die Bewohner der Hölle. Aber diese sind doch nicht in die Versöhnung eingeschlossen. Vergleicht man also diese Stelle aus Kol. 1,19 -20 mit Phil. 2, so beweist sie genau das Gegenteil dessen, was man behauptet.

Wir erhalten nun als Ergebnis unserer Untersuchung zwei Lehraussagen der Heiligen Schrift von größter Tragweite:

1. Die ewige Pein, als die schreckliche Folge des Hasses im Herzen der Menschen gegen Gott.

2. Die ewige Glückseligkeit, also die Folge der freien und gesegneten Gnade Gottes.

Der eine wie der andere Grundsatz ist uneingeschränkt aufrechtzuerhalten, gemäß dem klaren Zeugnis der Bibel. Dieses Zeugnis wird, so kann allgemein gesagt werden, derjenige Christ glauben, dessen Herz einfältig ist.

Nicht unbekannt sein dürfte, daß das gerechte Gericht, das Gott ausübt, und die Pein, die Er auferlegt, Seiner Gerechtigkeit entsprechen, "viele Schläge" oder "wenige S c h l ä g e " (Luk. 12, 47 u. 48). Zu beachten ist auch, daß ein Unterschied besteht zwischen solchen, die ohne Gesetz verloren gehen und solchen, die durchs Gesetz gerichtet wer den (obwohl beide von der Gegenwart Gottes ausgeschlossen und dem Gericht unterworfen sind, das Seine Widersacher treffen wird). Ebenfalls dürfte nicht unbekannt sein, daß Gott, Der in Seiner freien Gnade viele zur Herrlichkeit berufen hat, auch weiß, wann und wie Er ihnen einen Platz gibt zu Seiner Rechten und zu Seiner Linken in Seinem Reiche, und zwar so, "wie er einem jeden bereitet hat", also indem Er jedem seinen Lohn austeilt seinen Werken entsprechend. Dabei besteht kein Unterschied hinsichtlich ihres gemeinsamen Teiles, nämlich bei Christus in ewiger Glückseligkeit, ja, Ihm gleich zu sein.

Der Gedanke an die ewige Pein ist in der Tat sehr ernst. Aber ich darf sagen, daß das Studium der Bibel über diesen Gegenstand nicht einen einzigen unklaren Gedanken betreffs der Wahrheit dieser Lehre in meinem Geist zurückgelassen hat. Gleichzeitig hat mich das Studium der Lehrsysteme, die dieser Wahrheit entgegenstehen, völlig überzeugt, daß sie trügerisch und oberflächlich sind, daß sie weder durch den Heiligen Geist eingegeben sein können, noch der Wahrheit des Wortes Gottes entsprechen und daß ein verständiges und ein gehendes Studium der griechischen Sprache, auf die sie sich ja berufen, ihre Behauptungen zuschanden macht.

Wenn Sie noch in Ihren Sünden sind, merken Sie gut auf: Sie meinen vielleicht, berechtigt zu sein, Gottes Tun zu beurteilen und kompetent zu sagen, für welches Maß an Sünde Gott welches Maß an Strafe bestimmen soll. Bedenken Sie aber, daß es Gottes Sache ist, Sie zu richten. Die Vorstellung, daß Er Liebe ist und gemäß derselben zu handeln verpflichtet sei und es demnach keine ewige Pein geben dürfe, ist unverständig, böse und der Bibel entgegen. Er ist Liebe, aber Er ist Gott und handelt frei in Seiner Liebe gemäß Seiner Heiligkeit. Jawohl: Gott ist Liebe, aber der, welcher Liebe ist, ist GOTT. Liebe ist ein Wesenszug Gottes, aber die Frage lautet nicht: " W a s ist Er", sondern " W e r ist Er"? Gott ist auch Licht und "Er tut das, was Ihm gefällt".

Beachten Sie allen Ernstes folgendes: Sobald Gottes Geist Ihr Gewissen berührt hat, wissen Sie, daß Sie es verdient haben, für immer aus der Gegenwart Gottes ausgeschlossen zu sein. Sie fühlen, daß der ewige Zorn Gottes und die ewige Pein Ihr verdientes Los ist. Solange Sie das nicht fühlen, wissen Sie noch nicht, was Sünde ist, in dem Sinne, wie Gott es uns hat wissen lassen. Ich bitte Sie deshalb sehr herzlich zu beachten, daß es sich bei dieser so wichtigen Frage weder darum handelt, was Er sein kann, noch was Er sein könnte. Sie sind ein Sünder. Also: fragen Sie ihr eigenes Gewissen: Was verdient die Sünde? Wenn es sich um die Frage handelt, was die Sünde verdient, so ist auch danach zu fragen, was Christus auf Sich genommen hat, als Er das Sühnungswerk vollbrachte: denn Er Selbst hat unsere Sünden getragen, ja mehr noch: Er wurde für uns zur Sünde gemacht. -

Gott redet unmißverständlich von Zorn, Unwillen und Rache wegen der Sünde. Was war denn der der Sünde gebührende Zorn, den Christus ertrug, als Er unsere Sünden an Seinem Leibe auf dem Holze getragen hat? Das ist keine theoretische Frage über etwas, das sein k ö n n t e, vielmehr handelt es sich um das, was Sie errettet. Sie glauben doch wohl nicht, daß Christus, als Er Seine Seele als Opfer für die Sünde darbrachte, nur gewisse, vorübergehende Leiden ertrug und da durch für immer die Sünde aus der Gegenwart Gottes entfernte? Glauben Sie etwa, daß sich allein darauf der Zorn Gottes beschränkt hätte? Man versucht Sie zu verwirren, indem diese kostbare Wahrheit zu der Behauptung mißbraucht wird, daß die göttliche Natur des Christus Seinem Opfer einen unbegrenzten Wert gab. Daß es so ist, dafür sei Gott gepriesen! Aber "Er selbst hat unsere Sünden an seinem Leibe auf dem Holze getragen". "Gott hat ihn zerschlagen, er hat ihn leiden lassen". Er war in tiefer Betrübnis wegen unserer Missetaten. "Die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden". War das, was Er für uns getragen hat, nur eine gewisse Summe zeitlicher Pein oder vielmehr der heilige Zorn Gottes, die Schrecknisse des Verlassenseins von Seiner Seite, während Er noch lebte und so das Opfer für unsere Sünden wurde? Hatten wir nicht diesen Zorn verdient, der uns von Gott trennt, obwohl unsere Seele Seine gesegnete Gegenwart kennen könnte? Es handelt sich nicht einfach darum, gestraft zu werden und schließlich auf zuhören zu existieren, obwohl Christus als göttliche Person Seinem Werke einen unendlichen Wert gegeben hat. Ein Geschöpf, das mit größter Kraft ausgestattet ist, hätte wohl die Qualen eines zeitlichen Gerichts ertragen können. Aber den Zorn und das Gericht, die die ewige Pein im Gefolge haben, konnte nur jemand, göttlich (und ewig) wie der Sohn Gottes, ertragen. Alle diejenigen, welche die ewige Pein verneinen, berufen sich manchmal auf Stellen im A. T. wie die folgenden: "Mein Geist soll nicht ewiglich mit dem Menschen rechten" 1. Mose 6, 3. "Denn ich will nicht ewiglich rechten und nicht auf immerdar ergrimmt sein; denn der Geist würde vor mir verschmachten, und die Seelen, die ich ja gemacht habe" Jes. 57, 16. Ferner: "Doch der Mensch, der in Ansehen ist. bleibt nicht; er gleicht dem Vieh, das vertilgt wird"

(Ps 49, 12). Jeder einfältige und gottesfürchtige Leser kann aber an Hand von Schriftstellen wie den eben genannten selbst darüber urteilen, welchen Wert ein solcher Beweis hat. Offensichtlich liegt hier entweder eine kaum zu überbietende Unaufmerksamkeit oder ein großer Mangel an Aufrichtigkeit vor, wenn behauptet wird, dass solche Stellen irgendwelchen Bezug hätten auf das, was hier zur Debatte steht.

Was die Stelle in 1. Mose 6, 3 betrifft, so liegt klar auf der Hand, dass es sich hier um die Geduld handelt, die Gott mit dem Menschen vor der Flut hatte, "während die Arche zugerichtet wurde", "als die Langmut Gottes", wie Petrus schreibt, "in den Tagen Noahs harrte". Ihre Geister wurden ins Gefängnis geworfen, nachdem sie gerichtet worden waren, was ein sehr klarer Beweis davon ist, da¢ sie nach ihrem Tode weiterleben.-

Bezüglich der weiteren Stelle (Jes. 57, 16) ist festzustellen, dass Gott unzweideutig von Menschen spricht, die auf Erden leben. Wenn Er ewig mit ihnen rechten würde - wenn Er also nicht aufhören und nicht schonen würde - so könnte dies der lebende Mensch nicht ertragen und müsste zugrundegehen. Die Hindernisse -wird dort gesagt -sollten aus dem Wege Seines Volkes hinweggetan werden. Der Heilige, der hoch erhaben ist, würde den Geist derer beleben, die demütig sind und das Herz solcher, die zerschlagenen Herzens sind, und zwar deshalb: "weil Er nicht ewiglich rechten und nicht auf immer dar ergrimmt sein wollte". "Wegen der Missetat seiner Habsucht ergrimmte ich und schlug es . . . Seine Wege habe ich gesehen und werde es heilen usw.". Nun, wieso kann man das alles auf die Hölle beziehen? Unmöglich! Es sei mir gestattet, dem einfältigen Leser zu raten, eine angeführte Stelle stets in dem Zusammenhang zu lesen, bevor er eine neue Lehre annimmt. -

Schliesslich möchte ich noch auf die 3. Stelle (Ps. 49) eingehen: Lesen Sie doch bitte den ganzen Psalm, und Sie werden so gleich sehen, dass es sich um irdischen Ruhm handelt. "Denn er sieht, daß die Weisen sterben, daß der Tor und der Unvernünftige miteinander umkommen und anderen ihr Vermögen lassen. Ihr Gedanke ist, daß ihre Häuser stehen in Ewigkeit . . . sie nennen Ländereien nach ihren Namen. Doch der Mensch, der in Ansehen ist, bleibt nicht; er gleicht dem Vieh, das vertilgt wird". Es dürfte doch schwer zu behaupten sein, dass die Worte "der Mensch, der in Ansehen ist, bleibt nicht", Bezug auf die Hölle hätten. "Man legt sie in den Scheol wie Schafe, der Tod weidet sie". - Unzweideutig will uns das Wort hier sagen, daß aller irdische Ruhm des Menschen mit dem Tode verblasst. Sein Ruhm folgt ihm nicht nach. Mag auch die Aussicht dessen, was nach dem Tode kommt, noch so dunkel sein, hier handelt es sich weder um die endgültige Vernichtung noch um die endgültige Wiederherstellung.

Zum Schluss möchte ich noch ein Wort hinzufügen für den Leser, der die griechische Sprache wirklich gut kennt. Die Ethymologie kennt seit der Zeit des Aristoteles und durch ihn folgendes griechische Wort (aien on), was bedeutet "immerzu bestehend". Wollte man die Dauer des Lebens des Menschen ausdrücken, so war dieser Gedanke im vorgenannten griechischen Wort zu finden und von jeher wurde es auch in diesem Sinn gebraucht. Homer z. B. hat es sehr häufig benutzt, wenn er vom Tode seiner Helden spricht, aber auch noch in anderen Fällen. Es wird auch gebraucht von Herodot und von den attischen Dichtern, um damit auszudrücken: (anepneusen aiona). In einer der späteren Geschichtsepochen benutzte man den vorgenannten Ausdruck, um den ganzen Ablauf einer Periode und den ganzen Zusammenhang der Dinge in einem bestimmten Zeitabschnitt aufzuzeichnen. Benutzte man jedoch dieses Wort außerhalb eines Zusammenhanges und in der Bedeutung, die ihm ursprünglich innewohnte, war der Sinn E w i g k e i t " ganz klar. In einem Satz, den Philon schrieb, ist die Bedeutung unzweifelhaft:

(en aioni de oute parelelythen ouden oute mellei alla mono hyphesteke).

Dieser Satz besagt etwa: "In der Ewigkeit ist nichts Vergangenheit, nichts Zukunft, sondern es besteht nur immerfort". Abschließend sage ich noch (wie es schon andere bemerkt haben), daß Gott, als Er die Absicht hatte, eine Vorstellung von der ewigen Pein zu geben, keine stärkeren Ausdrücke hätte gebrauchen können als die von Ihm benutzten. Und in der Tat, es gibt keine stärkeren.

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