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Ein vorläufig letztes Wort zu "ProChrist – wohin?"

Nachdem in den beiden letzten Ausgaben von "Fest&treu" das Thema "ProChrist" in Verbindung mit dem Buch von Jens Grapow "ProChrist – wohin?" behandelt wurde, möchten wir abschließend dem Autor selbst Gelegenheit geben, auf die kritischen Punkte einzugehen.

An dieser Stelle möchten wir noch einmal betonen, dass wir die grundsätzliche Kritik an ProChrist völlig mit Jens Grapow teilen, nur in der Beurteilung der Verkündigung Ulrich Parzanys können wir Grapows Urteil nicht in allen Punkten nachvollziehen. Dennoch glauben wir, dass in den Argumenten Grapows Gefahren angedeutet werden, die wir nicht leichtfertig übersehen sollten.

Mit diesem Leserbrief des Betroffenen möchten wir zunächst die Diskussion über dieses Thema beenden und hoffen sehr, dass viele Leser durch diese Kontroverse zumindest angeregt wurden, die Problematik zu überdenken und für Ulrich Parzany und für die Evangelisation in Deutschland zu beten.

W.B.

 

 

Lieber Leser!

Vielleicht ist durch den letzten Artikel über das Büchlein "ProChrist-wohin" ein wenig der Eindruck entstanden, als hätte es keine inhaltliche und faire Kritik an der Aktion der Brüder Alberts und Bühne gegeben. Das ist natürlich nicht so - bereits im Vorfeld der Veröffentlichung der Entschuldigung hat es sie gegeben. Leider wurde sie aus meiner Sicht nicht oder wenigstens nicht genügend beachtet.

Nun, das ist sehr schade. Aber vielleicht kann ja dem Misstand ein wenig mit diesen paar Zeilen abgeholfen werden. Ich kann unmöglich auf alles Gesagte erneut eingehen und beschränke mich daher auf einige wenige Punkte.

1. Falsches oder richtiges Evangelium

Es gibt nach meiner Einschätzung nur ein Evangelium (frohe Botschaft). Man kann es nicht besser formulieren als es unser Herr Jesus Christus selbst getan hat:

(Lk.5,32) ... ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße!

Bereits hier gibt es den Bruch bei Parzany: Der Mensch wird nicht als das angesprochen, was er in den Augen eines HEILIGEN Gottes ist; so wird er wohl kaum die Notwendigkeit sehen, irgend etwas in seinem Leben zu ändern. Nun ist aber der Mensch nicht (nur) Opfer seiner Umwelt oder der Umstände, sondern er ist in allererster Linie Täter: Rebell gegen Gottes Willen. Stellen wir uns bitte einmal vor, Gottes Wort würde tatsächlich die Realität beschreiben – es würde über uns Menschen Folgendes aussagen:

(Römer 3, 10- 18) Es ist keiner gerecht, auch nicht einer; es ist keiner verständig, keiner fragt nach Gott; alle sind abgewichen, sie taugen alle zusammen nichts; es ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer! Ihre Kehle ist ein offenes Grab, mit ihren Zungen trügen sie; Otterngift ist unter ihren Lippen; ihr Mund ist voll Fluchens und Bitterkeit, ihre Füße sind eilig, um Blut zu vergießen; Verwüstung und Jammer bezeichnen ihre Bahn, und den Weg des Friedens kennen sie nicht. Es ist keine Gottesfurcht vor ihren Augen.

Das sind die nicht sehr schmeichelhaften, aber zutreffenden Charakterbeschreibungen eines jeden (unerlösten) Menschen. Diese bilden ja die Zielgruppe für jeden Evangelisten. Trotz ihres unschmeichelhaften Charakters ist dies aber praktisch der Einstieg des Apostels Paulus in seine Belehrungen an die Gemeinde zu Rom. Diese Ausführungen sind aber sicher nicht geeignet, Massen in eine Halle zu "locken". Deswegen werden sie aus meiner Sicht bei ProChrist auch nicht gesagt. Parzany zielt vielmehr schon im Vorprogramm auf die unerfüllten Sehnsüchte des Menschen ab. Der Mensch, der bei "ProChrist" erscheint, taucht dort nicht als Sünder i.S. von Römer 3 auf, sondern als Enttäuschter, Ausgebrannter, am Leben Betrogenener und natürlich auch am Rande als Sünder. Wenn aber überhaupt als Sünder, dann hauptsächlich als Sünder mit Schuld gegenüber den Mitmenschen. Buße bei Parzany ist somit nicht im Sinne der Buße von Lk. 5, 32 (umfassende Gesinnungsänderung [metanoia]) zu verstehen – die setzt wirkliche Sünder voraus – sondern eher als Weg aus der Sackgasse eines (oft selbst verschuldet) verpfuschten Lebens.

Die Tatsache, daß bei ProChrist den Menschen aus meiner Sicht nicht deutlich gesagt wird, wer sie in Gottes Augen sind und wie Gott das in Zeit und Ewigkeit werten wird, verhindert den zweiten Schritt: Buße (Umkehr). Schon von daher kann man bei dem ProChrist-Evangelium nicht von dem rettenden Evangelium sprechen. Es dürfte zumindest nicht "Evangelium" genannt werden – hier ein alternativer Vorschlag:

"Programm zur Hinführung zu Menschen, die das Evangelium vielleicht kennen und es euch vielleicht sagen"

Ein "Evangelist" darf nur dann diese Ehrenbezeichnung tragen, wenn er das vollständige (biblische) Evangelium verkündet. Ansonsten sollte er sich "Therapeut" oder "Lebensberater" o.ä. nennen. Hunderte, wenn nicht gar Tausende Menschen gehen nach ProChrist davon aus, sie hätten das Evangelium Gottes gehört und würden ihm folgen. Sie haben es aber nicht gehört und folgen ihm daher auch nicht. Sie sind Betrogene, Verführte. Meiner Überzeugung nach sind alle Verantwortlichen von ProChrist hier die (evtl. selbst verführten) Verführer. Und allen voran Ulrich Parzany.

2. Der Umgang mit Verkündigern eines "verkürzten Evangeliums"

"Ist Ulrich Parzany in unseren Augen ein "Feind", den wir abschießen müssen?"

Kein Mensch ist unser Feind. Ein Mensch kann aber durchaus ein Feind des Evangeliums sein. Dazu muß er das Evangelium nicht einmal ablehnen. Er muß es "nur" verwässern, verdrehen, verkürzen oder unberechtigt erweitern. Dies kann er sogar in dem festen Glauben tun, der Menschheit damit einen Gefallen zu tun. Deshalb wird aber die Sache an sich nicht besser.

Der ärgste Feind des Menschen (gleichzeitig der ärgste Feind Gottes) ist ein Verführer – er verkleidet sich in einen Engel des Lichtes (2.Kor. 11,14). Würde irgend ein Verkündiger beispielsweise sagen, Jesus Christus sei nicht Gottes Sohn, würde niemand im evangelikalen Lager auf ihn hören. Aber genau diese Zielgruppe hat der Teufel im Visier. Wie wird wohl jemand aussehen, der eine Gruppe Evangelikaler verführen soll? Natürlich wie ein Evangelikaler!

Nun kann jeder Mensch, auch ein wiedergeborenes Gotteskind, sich zum Werkzeug des Teufels machen lassen. Petrus lässt an dieser Stelle grüßen (Mk.8,33; 2.Tim. 2, 24-26). Nicht Parzany ist daher unser Feind – unser Feind ist der erklärte Feind Gottes, nämlich der Teufel, wobei Jesus Christus diesen ja am Kreuz auf Golgatha besiegt hat.

Aber ein Verkündiger des Evangeliums kann in die Fallstricke des Teufels geraten und ist nun diesem (dem Feind Gottes) dann u.U. mit einem verkürzten Evangelium zu Diensten. Die Frage ist doch nun nur, wie wir mit einem solchen Menschen umgehen! Die rechte Antwort hierauf finden wir im 2. Timotheusbrief, Kapitel 2 Verse 24 bis 26:

Ein Knecht des Herrn aber soll nicht streiten, sondern milde sein gegen jedermann, lehrtüchtig, fähig die Bösen zu tragen, mit Sanftmut die Widerspenstigen zurechtweisend, ob ihnen Gott nicht noch Buße geben möchte zur Erkenntnis der Wahrheit und sie wieder nüchtern werden, aus der Schlinge des Teufels heraus, von welchem sie lebendig gefangen worden sind für seinen Willen.

Das schreibe ich übrigens ganz bewußt auf Bühnes berechtigte Ermahnung bez. des Tones und der Wortwahl unter Brüdern in dieser Auseinandersetzung – "milde gegen jedermann ..."! Das gilt uns allen.

In der Zwischenzeit aber haben wir die Posaune klar erschallen zu lassen. Die uns anvertrauten Menschen müssen wissen, worin sich ein falsches Evangelium unterscheidet von dem biblischen Evangelium. Es muß klar und deutlich gesagt werden: Das Evangelium bei ProChrist ist aus dem o.g. Grunde nicht dem Wort Gotte gemäß – es ist davor zu warnen, es als Evangelium anzunehmen!

3. Die Frage der Motivation

Ich glaube nicht, daß der Papst, der Dalai Lama oder indianische Schamanen mit ihrem "Dienst" Menschen schaden wollen. Dennoch tun sie es. So kann ich auch Parzany nicht unterstellen, er würde Menschen in die Irre führen wollen. Er wird nur das beste für sie wollen. Die Frage ist doch nur, wer definiert, was Gut oder böse, was richtig oder falsch, was göttlich oder ungöttlich ist. Diese Auseinandersetzung wird aber nicht mehr geführt, um das Programm nicht zu gefährden.

So behaupte ich nach wie vor, daß Parzany bewußt Ökumene will, sie anstrebt und auch mittels ProChrist unter anderem eben die Ökumene fördern will (wie er umgekehrt durch die Ökumenisierung die Evangelisation bzw. das, was er darunter versteht, fördern will.) Das halte ich aus den im Buch genannten Gründen für gefährlich und einen weiteren wichtigen Schritt hin in Richtung Hure Babylon. An keiner Stelle habe ich gesagt, daß Parzany die Welteinheitskirche will – ich habe lediglich gesagt, daß diese mit Sicherheit kommen wird und daß die jetzigen Einheitsbestrebungen (auch von Parzany gewollt und gefördert) die Vorarbeiten zu dieser großen "Hure Babylon" leisten. ProChrist leistet dabei mit seiner ökumenischen, kirchen-verbindenden Grundausrichtung seinen nicht unwesentlichen Beitrag.

Wenn Parzany wirklich will, daß Menschen errettet werden und zum retteden, lebendigen Glauben an Jesus Christus kommen, muß er sich die Frage gefallen lassen, warum er nicht den Menschen ihren jämmerlichen Zustand sagt, damit sie in biblischer Weise die zum Heil notwendige Buße tun können. Statt dessen "beruhigt" er die Menschen mit einer Fixierung auf ihre Probleme und bietet die Buße an als Heilmittel zur besseren Lebensbewältigung.

Zum Abschluss:

Die Evangelisationsmethoden gleichen sich heute fast wie ein Ei dem anderen. "Evangelisations-Hilfen" wie der "Alpha-Kurs" haben dazu beigetragen, daß flächendeckend den Menschen ihr wahrer Zustand und die Gefahr, in der sie sich tatsächlich befinden, verschleiert wird. Sie werden so daran gehindert, wirklich Buße zu tun und von ihren gottlosen Wegen umzukehren.

Unter diesen Umständen ist es eine unermessliche Gnade, daß noch Menschen zum lebendigen Glauben kommen – trotz unserer Versäumnisse und Fehler. Danken wir Gott dafür und bitten IHN, weiterhin unserem Mangel auszuhelfen. Aber bitte nutzen wir diese unbegreifliche Gnade nicht dazu aus, nun verantwortungslos weiter diese unbiblischen, ungöttlichen "Bekehrungsmethoden" zu verwenden und kehren wir zum biblischen Evangelium zurück:

Ohne Buße (umfassende Lebenserneuerung/Umkehr) gibt es kein Heil! Für uns nicht und für niemanden sonst.

(Lukas 24, 45-47) Da öffnete er ihnen das Verständnis, um die Schriften zu verstehen, und sprach zu ihnen: So steht es geschrieben, daß Christus leiden und am dritten Tage von den Toten auferstehen werde, und daß in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden gepredigt werden soll unter allen Völkern.