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Josua Kapitel 12 & 13 Walvoord
2. Die besiegten Könige
( Jos 12 )
Das zwölfte Kapitel gibt als Zusammenfassung der Geschichte, die in Kapitel 1
beginnt, eine detaillierte Auflistung der Könige, die von Israel besiegt wurden.
Demnach erwähnen die vorhergehenden Kapitel nur die größeren Schlachten. Nur
hier findet sich die komplette Auflistung der besiegten Könige. Es wird nicht
behauptet, daß Israel all diese Städte besetzte. Sicherlich hatte Josua nicht
genügend Leute, um an jedem Ort eine Kontrolleinheit zu hinterlassen. Josua
erwartete von den jeweiligen Stämmen, daß sie diese Ortschaften besetzten.
Jos 12,1-6
Zuerst werden die Siege unter Mose an der Ostseite des Jordan erwähnt. Dies
waren die wichtigen Siege über Sihon und Og. Sihon hatte über einen Landstrich
geherrscht, der sich ungefähr 140 km von Süden nach Norden, von der Schlucht des
Arnon etwa in der Mitte des Meeres der Araba (auch Salzmeer und Totes Meer
genannt) hinauf zum See Kinneret (vgl. den Kommentar zu Jos 11,2 ) erstreckte.
Og herrschte über einen Landstrich, der sich von Sihons nördlicher Grenze
ungefähr 95 km nach Norden erstreckte (vgl. 4Mo 21,21-35; 5Mo 2,24-3,17 ).
Dieses Gebiet war für die Stämme Ruben, Gad und den halben Stamm Manasse
bestimmt ( 4Mo 32; vgl. Jos 13,8-13 ). (Zu Geschur und Maacha vgl. den Kommentar
zu Jos 13,13 .)
Jos 12,7-24
In diesem Abschnitt werden zuerst 16 Könige Südkanaans (V. 9-16 ) und dann 15
Könige Nordkanaans (V. 17-24 ) aufgezählt.
Es ist überraschend, 31.Könige in einem Land aufgezählt zu finden, das sich
höchstens 240 km von Norden nach Süden und 80 km von Osten nach Westen
erstreckt. Doch es muß daran erinnert werden, daß diese Könige über Stadtstaaten
herrschten und nur lokale Autorität besaßen. Wenn man die Konföderation, die vom
König Jerusalems gebildet worden war, außer acht läßt, machte das Fehlen einer
zentralen Regierung in Kanaan den Israeliten ihre Aufgabe leichter, als sie es
gewesen wäre, wenn eine solche existiert hätte.
Über die Bedeutung der Siege Josuas meinte ein Schriftsteller: "Nie hat es einen
größeren Krieg für eine größere Sache gegeben. Die Schlacht von Waterloo
entschied das Los Europas, doch diese Serie von Schlachten im weitentfernten
Kanaan entschied das Los der ganzen Welt" (Henry T. Sell, Bible Study by Periods
Chicago: Fleming H. Revell Co., 1899, S. 83).
III. Die Verteilung Kanaans
( Jos 13-21 )
A. Die Anteile der zweieinhalb Stämme
( Jos 13 )
Nachdem er nun die größten militärischen Bedrohungen für das Überleben Israels
in Kanaan beseitigt hatte, wurde Josua, der alte Soldat, nun zum Administrator.
Das Land, das im blutigen Krieg errungen worden war, sollte nun den
verschiedenen Stämmen zugeteilt werden, und Josua sollte diese wichtigen
Verhandlungen überwachen. Es würde ein nicht so anstrengender und seinem hohen
Alter eher entsprechender Dienst werden.
Auf viele Leute wirkt dieser Teil des Buches Josua mit seiner detaillierten
Aufzählung der Besitztümer und Städte ermüdend. Jemand hat einmal gesagt: "Der
größte Teil dieses langen Abschnittes liest sich wie eine Besitzurkunde." Genau
das ist es auch, was in diesen langen Aufzählungen vorzufinden ist:
Eigentumsbeschreibungen (nach der damaligen Art und Weise) der Gebiete, die den
12 Stämmen zugesprochen wurden. Besitzurkunden sind wichtige Dokumente, deshalb
sollten sie nicht als unbedeutend angesehen oder überflogen werden.
Dies war ein höchst wichtiger Zeitpunkt im Leben dieser jungen Nation. Nach
Jahrhunderten in der ägyptischen Knechtschaft, Jahrzehnten in der kahlen Wüste
und Jahren schwersten Kampfes in Kanaan war nun die Stunde gekommen, in der die
Israeliten sich endlich niederlassen konnten, um sich ein Zuhause zu schaffen,
den Boden zu bearbeiten, Familien zu gründen und in Frieden im eigenen Land
wohnen zu dürfen. Die Tage der Landzusprechung waren eine frohe Zeit für Israel.
1. Der göttliche Befehl, das Land aufzuteilen
( 13,1-7 )
Jos 13,1 a
Gott wies Josua an, jetzt das Land westlich des Jordans aufzuteilen, denn er war
schon sehr alt . Da Josua im Alter von 110 Jahren starb ( Jos 24,29 ), war er
wahrscheinlich zu der Zeit mindestens 100 Jahre alt. Gottes Aufgabe für Josua
beinhaltete nicht nur die Eroberung des Landes, sondern auch dessen Aufteilung
unter den Stämmen (vgl. Jos 1,6 ). Deshalb mußte er sich rasch an die
Bewältigung dieser Aufgabe machen.
Jos 13,1-7 (Jos 13,1b-7)
Das Land, das noch in Besitz genommen werden mußte, wird von Süden nach Norden
beschrieben und beinhaltete das Land der Philister (V. 2.3 ; vgl. den Kommentar
zu den Philistern zu 1Mo 21,32 ), Phönizien ( Jos 13,4 ), das hier als das Land
der Kanaaniter bezeichnet wird, wobei aber die Einwohner des
Syro-Palästinensischen Küstenlandes gemeint sind, und Libanon (V. 5-6 ). Dieses
ganze Land sollte nun den neuneinhalb Stämmen zugeteilt werden, da Gott ja
versprochen hatte, den Feind hinauszujagen (V. 6 ).
2. Die besondere Zusage an die östlichen Stämme
( 13,8-33 )
Jos 13,8-13
Josua wurde zunächst aufgefordert, zu bezeugen und zu bestätigen, was Mose
bereits an der Ostseite des Jordans getan hatte. Die Stämme Ruben, Gad und der
halbe Stamm Manasse, die große Viehherden besaßen, waren darauf bedacht, sich
auf den reichen Weideländern des Transjordanlandes niederzulassen. Doch erst
nachdem ihre Männer damit einverstanden waren, mit ihren Brüdern gemeinsam zu
kämpfen, um Kanaan zu gewinnen, war Mose damit einverstanden gewesen, ihnen ihr
Land zu geben ( 4Mo 32 ). In diesen Versen wird ein Überblick über das Gebiet
des Transjordanlandes gegeben ( Jos 13,9-12; vgl. Jos 12,1-5 ). Geschur und
Maacha (bereits in Jos 12,5 erwähnt) waren von den Israeliten nicht geschlagen
worden, wofür kein Grund angegeben wird. Diese Länder lagen östlich und
nordöstlich des Sees Kinneret (See von Galiläa).
Jos 13,14
Der Stamm Levi erhielt kein eigenes Land, wie es die anderen Stämme bekamen
(vgl. V. 33 ; Jos 14,3-4; 18,7 ). Statt dessen bekamen die Leviten 48 Städte mit
Weideland für ihre Herden ( Jos 14,4; 21,41 ), wie Mose es bestimmt hatte ( 4Mo
35,1-5 ).
Jos 13,15-32
Ruben (V. 15-23 ) erhielt das Gebiet östlich des Toten Meeres, das früher von
Moab bewohnt worden war. Der Stamm Gad erhielt seinen Teil im Zentrum des
Gebietes und das ehemalige Land Gilead (V. 24-28 ).
Der Anteil des halben Stammes Manasse (V. 29-31 ) war das reiche Tafelland von
Baschan östlich des Sees Kinneret.
Jahrhunderte bevor das Land aufgeteilt wurde, hatte Jakob, als er im Sterben
lag, Prophezeihungen ausgesprochen, die seine Söhne betrafen. Seine
Prophezeihung bezüglich Ruben war unheilvoll (vgl. 1Mo 49,3-4; 35,22 ). Obwohl
Ruben der Erstgeborene war, und er deshalb ein Anrecht darauf hatte ( 5Mo 21,17
), erhielten weder er noch sein Stamm den doppelten Anteil. Nach mehr als vier
Jahrhunderten ging die Strafe für Rubens sündige Tat auf seine Nachkommen über;
das Erstgeburtsrecht wurde seinem Bruder Josef übertragen, der zwei Anteile
erhielt, einen für Ephraim, den anderen für Manasse ( 1Mo 48,12-20 ).
War der Wunsch der zweieinhalb Stämme, sich im Transjordanland niederzulassen,
ein weiser Entschluß? Die Geschichte scheint dies zu verneinen. Ihre Länder
hatten keine natürlichen Grenzen zum Osten und waren deshalb ständig den
Angriffen der Moabiter, Kanaaniter, Aramäer, Midianiter, Amalekiter und anderer
Stämme ausgesetzt. Als der König von Assyrien voll Begehren auf Kanaan blickte,
waren Ruben, Gad und der halbe Stamm Manasse die ersten, die von den assyrischen
Armeen in die Gefangenschaft verschleppt wurden ( 1Chr 5,26 ).
Jos 13,33
Im Kontrast zum reichen, wenn auch gefährlichen Erbteil dieser Stämme wird
zweimal in diesem Kapitel (V. 14.33 ) und später zweimal ( Jos 14,3-4; 18,7 )
betont, daß der Stamm Levi kein Erbteil von Mose erhielt. Auf den ersten Blick
mag dies verwirrend klingen, doch wenn man bedenkt, daß der Stamm Levi statt
Landbesitz die Opfergaben ( Jos 13,14 ), die Priesterschaft ( Jos 18,7 ) und den
Herrn selbst ( Jos 13,33 ) zugeteilt bekam, muß man fragen: Wer hätte sich ein
größeres Erbteil erträumen können?
Die zweieinhalb Stämme wählten nach dem Augenschein, wie es Lot getan hatte
(vgl. 1Mo 13,10-11 ), und ihr Erbteil ging für sie letztendlich verloren.
Demgegenüber bekamen die Leviten, denen kein Anteil zustand, ein Erbe von
bleibendem geistlichen Wert.