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Josua Kapitel 22 & 23 & 24 Walvoord
IV. Schluß
( Jos 22-24 )
A. Eine Grenzstreitigkeit
( Jos 22 )
Als die Oststämme zu ihren eigenen Erbteilen zurückkehrten, drohte ein
voreiliges Urteil, die sich gerade niedergelassenen Gemeinschaften in einen
verheerenden Bürgerkrieg zu stürzen. Es war eine gefährliche und explosive
Situation. Der Feind lauerte in der Nähe und hoffte mit Sicherheit inständig,
daß solch eine trennende Streitigkeit stattfinden würde, so daß er seine
verlorenen Gebiete zurückgewinnen könnte. Doch dank Gottes Vorsehung wurde die
Tragödie verhindert, und Israel bekam eine wertvolle und wichtige Lektion
erteilt.
1. Die Ermahnungen Josuas
( 22,1-8 )
Jos 22,1-4
Die Oststämme Ruben, Gad und der halbe Stamm Manasse hatten ihre Aufgabe
erfüllt. Als sie vor ihren General gerufen wurden, bekamen sie ein Lob dafür
ausgesprochen, daß sie ihr Versprechen gegenüber Gott, Mose und Josua
eingehalten und an der Seite ihrer Brüder in allen Schlachten der Eroberung
Kanaans gekämpft hatten (vgl. 4Mo 32; Jos 1,16-18; 4,12-14 ). Sieben Jahre lang
waren diese Männer von ihren Frauen und Familien getrennt gewesen, doch nun
waren die Kämpfe vorüber, das Land war verteilt, und es war Zeit, nach Hause zu
gehen. So entließ Josua diese Soldaten in Ehren.
Jos 22,5-8
Als die müden, aber frohen Soldaten losmarschierten, nahmen sie einen großen
Beuteteil, den sie dem Feind entrungen hatten, mit sich. Sie hatten Anweisungen,
die Beute mit ihren Brüdern, die zu Hause geblieben waren, zu teilen (V. 8 ).
Die Soldaten hatten großen Reichtum errungen, der Viehherden, Metalle und
Kleider einschloß. Doch warum sollten diejenigen, die den Schmerz und die
Anstrengung des Krieges gar nicht erlitten hatten, etwas von der Beute erhalten?
Wahrscheinlich hätten viele der Männer, die zurückgeblieben waren, es
vorgezogen, in den Krieg zu ziehen. Doch wer hätte dann die Herden gehütet und
die Frauen und Kinder beschützt? Es wurde einfach das Prinzip angewendet, daß
nicht nur diejenigen Ehre und Belohnung erhalten sollten, die Waffen tragen,
sondern auch diejenigen, die zu Hause blieben, um die alltäglichen
Angelegenheiten vor Ort zu verrichten ( 1Sam 30,24 ).
Die heimkehrenden Krieger marschierten dazu mit sechs ernsthaften Ermahnungen
Josuas los, die ihnen noch in den Ohren klangen: (a) Seid stark darauf bedacht,
die Gebote und das Gesetz einzuhalten , (b) liebt den HERRN, euren Gott , (c)
wandelt in allen seinen Wegen, (d) gehorcht seinen Geboten, (e) haltet an ihm
fest und (f) dient ihm von ganzem Herzen und von ganzer Seele. Diese kurze,
jedoch ernsthafte Anweisung rief zum Gehorsam, zur Liebe, zur Nachfolge und zum
Dienst auf. Ihre militärischen Verpflichtungen waren erfüllt, doch Josua
erinnerte sie an ihre geistlichen Verpflichtungen, die Vorraussetzung für Gottes
kontinuierlichen Segen waren. Wie ein besorgter Vater, der einen Sohn oder eine
Tochter das Haus verlassen sieht, um dahin zu gehen, wo die junge Person von
geistlichen Einflüssen getrennt sein würde, drückte Josua seine ernsthafte
Anweisung gegenüber den heimkehrenden Kriegern aus. Er befürchtete vielleicht,
daß ihre Trennung von den anderen Stämmen sie dazu verleiten könnte, sich vom
Dienst des HERRN zu entfernen und dem Götzendienst zu verfallen.
2. Der Götzendienst der östlichen Stämme
( 22,9-11 )
Jos 22,9-11
Die Heere der Oststämme, die von Silo aufgebrochen waren, eilten freudig erregt
nach Hause. Als sie sich dem Jordan näherten, gingen ihnen wahrscheinlich
zahlreiche Erinnerungen an die wunderbare Überquerung vor sieben Jahren, an den
bemerkenswerten Sieg über das nahegelegene Jericho und an die weiteren Siege,
die sie mit ihren Brüdern teilten, von denen sie sich erst kürzlich getrennt
hatten, durch den Kopf. Ein Gefühl der Isolation von den anderen Stämmen begann
sie zu erfüllen. Doch dies lag nicht daran, daß ein ganz normaler Fluß die Ost-
von den Weststämmen trennen würde, denn der Jordan ist kein normaler Fluß. Auf
jeder Seite ragen Berge bis zur Höhe von 600 m hoch, und das Jordantal, das sich
dazwischen windet, ist tatsächlich ein großer Graben mit einer Breite von 8 bis
21 km. Während eines großen Teils des Jahres entmutigt die große Hitze die
Reisenden. Es war also eine verstärkte Flußgrenze und mag zu der Befürchtung
dieser Stammesleute beigetragen haben, daß sie und ihre Brüder sich nach und
nach auseinanderleben würden. Schließlich bedeutet "aus den Augen" oft "aus dem
Sinn". Was könnte also dafür getan werden, damit die kameradschaftliche
Verbindung, die sich in den langen Jahren gemeinsamer Kämpfe gebildet hatte,
lebendig erhalten würde? Was könnte getan werden, um die Gemeinschaft zwischen
den Leuten auf beiden Seiten des Flusses zu symbolisieren, um jeden daran zu
erinnern, daß sie alle Kinder der Verheißung waren?
Die Antwort, die sich in den Köpfen jener Soldaten bildete, war, daß sie einen
großen Altar bauen sollten, einen, der aus großer Entfernung gesehen werden
konnte, einen Eindruck erweckenden Altar, der ihr Recht am wirklichen Altar bei
der Stiftshütte bezeugen sollte. Also errichteten sie einen solchen Altar auf
der israelitischen (westlichen) Seite des Jordans. Warum bauten sie kein anderes
Monument auf? Weil sie wußten, daß die wahre Basis ihrer Gemeinschaft ihr
ständiger Dienst, der sich an den Opfern am Altar ausrichtete, war.
3. Die Kriegsdrohung
( 22,12-20 )
Jos 22,12
Doch das Symbol der Gemeinschaft wurde zum Symbol des Abfalls. Als die anderen
Stämme davon erfuhren, versammelten sie sich bei Silo, dem Ort des wahren Altars
( 1Sam 4,3 ), bereit, gegen die Armeen der Oststämme zu marschieren. Aufgrund
dessen, was sie gehört hatten ( Jos 22,11 ), schlossen die Israeliten, daß es
Auflehnung gegen Gott sei, daß die anderen Stämme gegen das mosaische Gesetz (
3Mo 17,8-9 ) einen zweiten Opferaltar errichtet hatten.
"Sie dachten, die Heiligkeit Gottes sei gefährdet. Und so sagten diese Männer,
die den Krieg satt hatten: 'Die Heiligkeit Gottes erlaubt keinen Kompromiß' .
Ich wünschte, die Kirche des 20. Jahrhunderts würde dies lernen. Die Heiligkeit
des Gottes, der existiert, erlaubt keinen Kompromiß auf dem Gebiet der Wahrheit"
(Francis A. Schaeffer, Joshua and the Flow of Biblical History , S. 175).
Jos 22,13-14
Einem anscheinenden Kompromiß und Ungehorsam gegen Gott gegenübergestellt,
riefen die Israeliten zum Krieg zur Bestrafung ihrer Brüder auf. Auch wenn man
den Eifer für die Wahrheit und für die Reinheit des Gottesdienstes bewundern
muß, ist es doch gut, wenn Weisheit über Voreiligkeit herrscht. Es wurde
beschlossen, damit zu beginnen, die zweieinhalb Stämme eindrücklich zu ermahnen,
in der Hoffnung, daß sie von ihrem Projekt ablassen würden. Dadurch könnte Krieg
vermieden werden. Eleasars Sohn Pinhas , der für seinen rechten Eifer für den
Herrn bekannt war ( 4Mo 25,6-18 ), führte einen Ausschuß von 10 Stammesfürsten
an, deren Aufgabe es war, sich den anderen gegenüberzustellen.
Jos 22,15-20
Nachdem sie am Standort des neuen Altars angekommen waren, beschuldigte die
abgesandte Gruppe die östlichen Stammesleute der Abkehr vom HERRN (V. 16.18 )
und der Auflehnung gegen ihn (V. 16 ; vgl. V. 18-19 ). Sie erinnerten die
östlichen Stämme daran, daß die Sünde Peors das Gericht Gottes über die gesamte
Nation gebracht hatte ( 4Mo 25 ), so wie es auch die Sünde Achans getan hatte (
Jos 22,20; vgl. Jos 7 ). Nun war die ganze Gemeinde wegen ihres anscheinenden
Aktes der Auflehnung wieder in Aufruhr. Solch eine Sünde würde Gottes Zorn über
die gesamte Nation bringen ( Jos 22,18; vgl V. 20 ). Zuletzt wurde großmütig
angeboten, daß, wenn die Angehörigen der zweieinhalb Stämmen meinten, daß das
Land östlich des Jordans unrein, das heißt, daß es nicht durch Gottes Gegenwart
geheiligt sei, die westlichen Stämme für sie auf ihrer Seite des Jordans Platz
schaffen würden. Dies war ein generöses, liebevolles Angebot, das möglicherweise
großen Aufwand bereiten würde.
4. Die Verteidigung der östlichen Stämme
( 22,21-29 )
Die israelitische Delegation sollte nun erfahren, wie falsch ihr vorschnelles
Urteil und ihr hitziger Vorwurf gewesen war. Die Gründe für den Aufbau des
großen Altars am Jordan kamen ans Licht.
Jos 22,21-23
Anstatt auf den übereilten Vorwurf wütend zu reagieren, wiesen sie lediglich in
allem Ernst und aufrichtig die Anklage zurück, daß der Altar, den sie errichtet
hatten, als Auflehnung gegen Gott zu verstehen sei. Indem sie sich auf Gott als
Zeugen beriefen, schworen sie zweimal bei seinen drei Namen - El, Elohim, Jahwe
( der Allmächtige, Gott, der HERR ) - und bekräftigten, daß, wenn ihre Tat in
Auflehnung gegen Gott und seine Gebote bezüglich des Gottesdienstes geschehen
sei, sie sein Gericht verdienten.
Jos 22,24-25
Warum wurde denn dann der zweite Altar gebaut? Sie erklärten ernsthaft, daß er
wegen der geographischen Trennung und deren möglichen Auswirkungen auf
zukünftige Generationen erbaut worden sei.
Jos 22,26-29
Die Leute der Oststämme erklärten eindeutig, daß sie sich der Gebote Gottes, die
den Gottesdienst Israels bestimmten, völlig bewußt waren; der gerade erbaute
Altar war nicht als Ort für Brandopfer (vgl. V. 23 ) gedacht, sondern als
Zeugnis für alle Generationen , daß die Transjordanstämme ein Recht darauf
hatten, den Jordan zu überqueren und in Silo Gottesdienst zu halten. Dieser
Altar war nur eine Kopie des wahren Gottesdienstzentrums und ein Beweis für ihr
Recht, dieses aufzusuchen. Auch wenn ihre Sorge um das geistliche Wohlergehen
zukünftiger Generationen bemerkenswert war, so erscheint doch die Tat der
zweieinhalb Stämme als unnötig. Gott hatte im Gesetz bestimmt, daß alle
männlichen Israeliten dreimal im Jahr das Heiligtum aufsuchen sollten ( 2Mo
23,17 ). Dies würde, wenn es praktiziert würde, die Einheit der ganzen Stämme,
sowohl geistlich als auch politisch, aufrecht erhalten. Außerdem war der Aufbau
eines weiteren Altars auch ein gefährliches Unterfangen. John J. Davis
kommentiert: "Der vereinende Faktor im alten Israel war nicht dessen Kultur,
Architektur, Wirtschaft oder militärische Gründe. Der weitreichende vereinende
Faktor war die Anbetung Jehovas. Als das zentrale Heiligtum als wahrer Ort des
Gottesdienstes nicht mehr aufgesucht wurde, bildeten die Stämme eigene
Heiligtümer, wodurch sie sich von den anderen Stämmen entfernten und ihre
militärische Stärke schwächten. Die Auswirkungen dieses Trends werden in der
Zeit der Richter ersichtlich" ( Conquest and Crisis , S. 87).
5. Die Versöhnung der Stämme
( 22,30-34 )
Jos 22,30-34
Diese kritische Situation hatte ein glückliches Ende. Die Erklärung der
Repräsentanten der Oststämme wurde von Pinhas und seiner Delegation, wie auch
von den anderen Stämmen, als diese den Bericht hörten, akzeptiert. Tatsächlich
waren die neuneinhalb Stämme westlich des Jordans froh und priesen Gott. Als er
die ganze Angelegenheit erkannte, drückte Pinhas große Dankbarkeit darüber aus,
daß keine Sünde begangen und daß der Zorn Gottes nicht ausgelöst worden war.
Warum sollte in einem Buch, das die Besetzung und Verteilung des Gelobten Landes
beschreibt, dieses einzelne Geschehen so detailliert behandelt werden? Ganz
einfach, weil es bestimmte Prinzipien verdeutlicht, die lebenswichtig waren,
damit Israel in dem Land gemeinsam in Harmonie und unter Gottes vollem Segen
zusammenleben konnte. Dieselben Prinzipien gelten für die heutigen Glieder in
Gottes Familie:
1. Es ist für Gläubige empfehlenswert, eifrig auf die Reinheit des Glaubens
bedacht zu sein. Kompromisse auf Kosten der Wahrheit kommen immer teuer zu
stehen.
2. Es ist falsch, die Beweggründe von Leuten auf der Basis von ungenauen
Beweismitteln zu beurteilen. Es ist wichtig, alle Fakten zu erfahren und zu
bedenken, daß es in einem Streit immer zwei Seiten gibt.
3. Ein offenes und aufrichtiges Gespräch wird oft die Angelegenheit klären und
zur Übereinkunft führen. Doch solch eine Zusammenkunft sollte im höflichen Sinn
angegangen werden und nicht mit Arroganz ( Gal 6,1 ).
4. Jemand, der fälschlicherweise beschuldigt wird, tut gut daran, sich an den
weisen Rat Salomos zu erinnern: "Eine linde Antwort stillt den Zorn; aber ein
hartes Wort erregt Grimm." ( Spr 15,1 ).
B. Die letzten Tage Josuas
( 23,1-24,28 )
Das Buch Josua endet damit, daß der alte Soldat Lebewohl sagt. Seine
Abschiedsworte enthalten einen Anflug von Traurigkeit, wie es letzte Worte fast
immer tun. Sie drückten die tiefe Besorgnis Josuas aus, der eine wachsende
Lässigkeit von seiten Israels gegenüber den verbleibenden Kanaanitern voraussah,
eine leichtfertige Duldung des gemeinsamen Bewohnens des Landes, welches nur
ihnen gehören sollte. Josua kannte sehr wohl die Gefahr, daß das Volk angesichts
des praktisch bezwungenen Feindes "nachlassen" würde. Bevor er seine aktive
Führerschaft verließ, fühlte er sich genötigt, sie zu warnen, daß der ständige
Gehorsam gegenüber Gottes Geboten nötig ist, um sich seines ständigen Segens zu
erfreuen. Auch wenn manche vermuten, daß diese letzten Kapitel zwei Berichte
derselben Begebenheit enthalten, erscheint es besser, Kapitel 23 als Josuas
Ermahnung an die Führer Israels, und Kapitel 24 als seine Ermahnung an das Volk
anzusehen.
1. Josuas letzte Ermahnungen an die Oberhäupter
( Jos 23 )
a. Die erste Runde
( 23,1-8 )
Jos 23,1-2
Ungefähr 10 oder 20 Jahre nach Beendigung der Eroberung und der Verteilung des
Landes ermahnte Josua Israels Führer, wahrscheinlich in Silo, wo die Stiftshütte
stand, um sie ernsthaft vor der Gefahr zu warnen, sich von Jahwe abzuwenden. Es
war eine feierliche Zusammenkunft. Sicher war auch Kaleb zusammen mit Eleasar,
dem Priester, und den Soldaten der Eroberung, die ihre Schwerter gegen
Pflugscharen eingetauscht hatten und nun Familienoberhäupte, Älteste und Richter
waren, dort.
Sie waren als Antwort auf Josuas Ruf ohne Zögern gekommen, um die letzten Worte
ihres großen Führers zu hören. Der alte Veteran sprach nur über ein Thema -
Gottes unendliche Treue gegenüber Israel und dessen Pflicht und Verantwortung,
ihm treu zu bleiben. Dreimal wiederholte er seine Hauptaussage (V.
3-8.9-13.14-16 ). Dreimal betonte er voller Befürchtungen, daß sie nicht hören
und aufmerksam sein würden, die Treue Gottes und die Verantwortung Israels.
Jos 23,3-5
Indem er jede Versuchung vermied, sich selbst zu erhöhen, erinnerte Josua die
Führer Israels daran, daß ihre Feinde nur besiegt worden waren, weil der Herr,
ihr Gott, für sie gekämpft hatte. Die Schlachten waren Kriege des Herrn und
nicht Josuas gewesen. Ein Psalmist wiederholt diese Beteuerung ( Ps 44,4 ). Die
Kanaaniter, die noch im Land verblieben waren, würden vom Herrn auch vertrieben
werden, so daß Israel das Land in Besitz nehmen könnte, das sie bisher nur zum
Teil besetzt hielten.
Jos 23,6-8
Um den Israeliten ihre Verantwortung wieder bewußt zu machen, gab Josua die
Worte weiter, mit denen Jahwe ihn ausgerüstet hatte, als er ihn aufgefordert
hatte, den Jordan zu überqueren: Sei ... stark; sei darauf bedacht zu gehorchen
(vgl. Jos 1,6-9 ). Mut und Gehorsam waren die Gnadengaben, die zur erfolgreichen
Eroberung Kanaans geführt hatten, und sie waren nun nicht weniger wichtig
geworden (vgl. Jos 22,5 ). Josua befürchtete besonders Israels Übereinkunft mit
den heidnischen Nationen, die sie umgaben. Deshalb verbot er ihnen jeglichen
Kontakt und jegliche Gemeinschaft mit ihnen, im Bewußtsein, daß sein Volk
Schritt für Schritt abtrünnig werden würde, bis es sich im Zuge des Abfalles vor
den Schreinen der heidnischen Götzen niederwerfen würde (vgl. Jos 23,16 ). Statt
dessen ermahnte er sie, am HERRN festzuhalten (vgl. Jos 22,5 ).
b. Die zweite Runde
( 23,9-13 )
Jos 23,9-13
Indem er zu seinem Thema zurückkehrte, bezeugte Josua zum wiederholten Mal
Gottes bisherige Treue zu Israel. Jahwe hatte seine Schlachten geschlagen (vgl.
V. 3 ), und auch wenn noch einige Kanaaniter im Lande verweilten: Wo auch immer
ein Feind gefunden wurde, wurde er besiegt.
Danach wurde Israel auf der Basis des göttlichen Eingreifens zu seinen Gunsten
feierlich ermahnt, Gott ... zu lieben (vgl. Jos 22,5 ). Dies würde wegen der
Nähe seiner korrupten Nachbarn Eifer und Wachsamkeit erfordern. Die Versuchung
war groß, von Jahwe abzulassen und den Völkern Kanaans anzuhängen, ja sich sogar
bei ihnen einzuheiraten, was eine fatale Entscheidung wäre, die Israel in
ernsthafte Gefahr brächte. Diese Gefahr wurde von Josua durch Ausmalen der
drohenden Konsequenzen, die darauf folgen würden, eindrücklich beschrieben.
Erstens würde Gott nicht mehr länger diese Nationen hinausjagen , und sie würden
verbleiben und Israels Besitz beeinträchtigen. Zweitens würden die Kanaaniter
unter ihnen wie Fallstricke und Netze ,
um sie einzufangen, Geißeln , um sie zu schlagen, und Dornen in ihren Augen
werden. Drittens würden Elend und Schwierigkeiten in Israel anwachsen, bis sie
ihr gutes Land verlören (vgl. Jos 23,15-16 ).
Josua räumte keine Möglichkeit der Neutralität ein, als er zur Entscheidung
rief. Entweder würden sie mit Israels Gott wandeln oder mit den Völkern Kanaans.
So ist es auch heute. Es gibt keinen Mittelweg. "Niemand kann zwei Herren
dienen" ( Mt 6,24; vgl. Mt 12,30 ).
c. Die dritte Runde
( 23,14-16 )
Jos 23,14-16
Wie ein meisterhafter Prediger begann Josua seine Erklärung von neuem, dieses
Mal mit Betonung darauf, daß er ein sterbender Mann war, wobei er sich erhoffte,
daß dies seine Worte tiefer in ihre Herzen einprägen lassen würde. Noch einmal
sprach er von Gottes peinlich genauer Treue gegenüber jeder Zusage (vgl. gute
Versprechen in Jos 21,45 ); noch einmal warnte er vor dem Fluch, der durch
Ungehorsam ausgelöst würde. Josuas schwere Befürchtungen betrafen die Völker,
die noch im Lande verblieben waren. Wenn der alte Soldat in die Zukunft schaute,
sah er Israels sündhaften Kompromiß mit ihnen, und das tragische Schicksal, das
unweigerlich über das Volk Gottes kommen würde, voraus. Gottes Zorn würde gegen
sie entbrennen, und sie würden das Land verlieren (vgl. gutes Land in Jos
23,13.15-16 ).
Der schreckliche Höhepunkt dieser Botschaft an die Führer der Nation betonte die
Tatsache, daß Israels größte Gefahr keine militärische, sondern eine moralische
und geistliche war.
2. Josuas letzte Ermahnung an das Volk
( 24,1-28 )
Josuas letzte Zusammenkunft mit dem Volk fand in Sichem statt. Ob diese
Zusammenkunft kurz nach der vorherigen geschah, ob sie an einem Jahresfest von
dieser stattfand, oder ob sie nach einer langen Zwischenzeit geschah, kann nicht
ermittelt werden.
Die geographische Lage ist interessant. Sichem, das ein paar Kilometer
nordwestlich von Silo lag, war der Ort, an dem Abraham das erste Mal das
Versprechen bekam, daß Gott seinem Samen das Land Kanaan geben würde. Abraham
reagierte darauf, indem er einen Altar baute, um sein Vertrauen in den einen
wahren Gott zu bezeugen ( 1Mo 12,6-7 ). Auch Jakob hielt in Sichem auf seiner
Rückreise von Paddan Aram und vergrub dort die Götzen, die seine Familie
mitgenommen hatte ( 1Mo 35,4 ). Nachdem die Israeliten den ersten Teil der
Eroberung Kanaans vollbracht hatten, zogen sie nach Sichem, wo Josua Jahwe einen
Altar baute, das Gesetz Gottes auf Steinsäulen schrieb und es für das ganze Volk
wiederholte ( Jos 8,30-35 ). Josua hatte deshalb gute Gründe, die Israeliten an
diesem Ort zu versammeln. Sicherlich standen die Steine, auf denen das Gesetz
geschrieben worden war, immer noch als anschauliche Denkmäler dieser bedeutsamen
Begebenheit. Von diesem Moment an würde dieses wunderschöne Tal zwischen dem
Berg Ebal und dem Berg Garizim mit dieser ergreifenden Abschiedsszene, als ihr
verehrter Führer zum letzten Mal zu ihnen sprach, in Verbindung gebracht werden.
Die literarische Form dieser Rede hat schon viel Interesse und viele Kommentare
hervorgerufen. Es ist heute ziemlich gut bekannt, daß die Herrscher des
Hetiterreiches zu dieser Zeit (ca. 1450 - 1200 v. Chr.) internationale
Übereinkünfte mit ihren Vasallenstaaten schlossen, in denen sie diese
verpflichteten, den Hetiterkönigen in Treue und Gehorsam zu dienen. Diese
Lehnsverträge folgten einer regulären Form und bedurften einer periodischen
Erneuerung. Jos 24 enthält in der damalig regulären Form der Lehnsverträge ein
Bundeserneuerungsdokument, in dem das Volk Israel dazu aufgerufen wurde, seine
Herrschaftsbeziehung mit Gott festzumachen (vgl. den Abschnitt zur "Struktur" in
der Einführung zu 5.Mose). Die Teile der Bundeserneuerung beinhalteten, wie ein
Lehnsvertrag, eine Präambel (V. 1-2 a), ein historisches Vorwort (V. 2 b. 3-13
), die Pflichten der Vasallen mit den Konsequenzen des Ungehorsams (V. 14-24 )
und die Aufzeichnung der Übereinkunft (V. 25-28 ). Der mosaische Bund, der am
Sinai geschlossen worden war, war kein immerwährender Bund, denn er mußte in
jeder Generation neu geschlossen werden. Diese Erneuerung wurde nun in einer
formalen und eindrucksvollen Zeremonie begangen.
a. Rückbesinnung auf ihre Segnungen
( 24,1-13 )
Jos 24,1-13
Gott wurde als der Autor des Bundes und Israel als das Volk festgesetzt (V. 1-2
a). Dieser Präambel folgt der historische Prolog (V. 2 b. 3-13 ), in dem Jahwe
seine bisherigen Segnungen für seine Geschöpfe wiederholte. Er brachte sie aus
dem Ur der Chaldäer (V. 2 b. 3-4 ) und aus Ägypten heraus (V. 5-7 ) nach Kanaan
(V. 8-13 ). Einige sagen, daß die Angst und der Schrecken (V. 12 ; 2Mo 23,28;
5Mo 7,20 ) sich auf ägyptische Armeen beziehen, die möglicherweise Kanaan vor
der Eroberung angegriffen hatten. Andere behaupten, die Schrecken beziehen sich
auf die Panik, welche die Völker Kanaans verspürt haben müssen, als sie hörten,
was Gott für Israel getan hatte (vgl. 5Mo 2,25; Jos 2,10.24; 5,1 ). Andere
vermuten wiederum, daß es sich um wirkliche Hornissen gehandelt habe. (In
anderen Übersetzungen steht für Angst und Schrecken: Hornissen).
Es war Gott, der in dieser kurzen Wiederholung der Geschichte Israels sprach; 13
Mal wird das Personalpronomen "Ich" gebraucht; Ich nahm ... Ich gab ... Ich
sandte ... Ich plagte ... Ich brachte , usw. Wie ein Hetiterkönig, der seine
wohltätigen Werke, die er an seinen Vasallen getan hatte, aufzählte, so gab Gott
einen Rückblick auf die Wundertaten, die er zum Wohl Israels vollbracht hatte.
Jegliche Größe, die Israel erreicht hatte, war nicht durch Israels Bemühungen,
sondern durch Gottes Gnade und Befähigung erreicht worden. Von Anfang bis Ende
gingen Israels Eroberungen, Befreiungen und Reichtümer auf Gottes Güte und Gnade
und nicht auf seine eigene Kraft zurück.
b. Aufzählung ihrer Pflichten
( 24,14-24 )
Jos 24,14-15
Dann wurden die Bedingungen der Bundeserneuerung genannt: Israel sollte den
HERRN fürchten und ihm dienen . In den hetitischen Verträgen mußten alle fremden
Bündnisse abgelehnt werden; genauso mußte Israel jegliche Bündnisse mit fremden
Göttern ablehnen. Josua forderte es kühn auf, zwischen den Göttern Urs, die
seine Vorfahren jenseits des Flusses (z. B. des Euphrats) angebetet hatten (vgl.
V. 2 ), den Göttern der Amoriter in Kanaan und Jahwe zu wählen. Daraufhin
versicherte ihm Israels verehrter Führer, um ein mutmachendes Beispiel zu geben,
daß, welche Wahl es auch immer treffen mochte, sein Kurs feststand: Ich aber und
mein Haus, wir wollen dem HERRN dienen .
Jos 24,16-18
Das Volk reagierte, von der Stärke der Argumente Josuas und der Anziehungskraft
seines Beispiels bewegt, mit Bereitwilligkeit. Es verwarf den Gedanken, den
Gott, der es aus Ägyptenland dem Land der Knechtschaft befreit, es in der Wüste
beschützt und es ins verheißene Land geführt hatte, zu verlassen. Seine
ernsthafte Antwort war: Verwirf den Gedanken, daß wir jemals einer solchen
Undankbarkeit schuldig würden. Es gelobte, daß es auch dem Herrn dienen wolle.
Jos 24,19-21
Josua sprach noch einmal. Er war mit dessen enthusiastischen Antwort noch nicht
ganz einverstanden. Hatte er vielleicht einige Spuren von Unaufrichtigkeit
entdeckt? Hatte er gehofft, daß das Volk seine Götzen hergeben würde, um sie zu
zerstören, wie es Jakobs Familie an diesem Ort Jahrhunderte zuvor getan hatte? (
1Mo 35,4; Jos 24,14.23 ). Es gab keine solche Reaktion, und so erklärte Josua
schonungslos: Ihr könnt dem HERRN nicht dienen; denn er ist ein heiliger Gott,
ein eifersüchtiger Gott, der eure Vergehen und Sünden nicht vergeben wird . Mit
Sicherheit meinte Josua nicht, daß Gott nicht ein Gott der Vergebung sei. Er
meinte damit, daß Gott nicht halbherzig gedient werden durfte, und daß ihn zu
verlassen, um Götzen zu dienen, eine schwerwiegende Sünde war, für die es nach
dem Gesetz keine Vergebung gab ( 4Mo 15,30 ). Solch eine Sünde würde in einer
Katastrophe enden. Noch einmal antwortete das Volk auf Josuas prüfende Worte und
wiederholte ernsthaft seine Absicht, Jahwe zu dienen.
Jos 24,22-24
Josua sprach ein drittes Mal und forderte es deutlich auf, als Zeugen gegen sich
selbst aufzutreten, falls es sich von Gott abkehrte. Das Volk antwortete sofort:
Ja, wir sind Zeugen .
Danach sprach Josua ein viertes und letztes Mal, wobei er noch einmal auf den
Punkt zurückkam, den er am Anfang erwähnt hatte. So schafft nun die fremden
Götter weg, die unter euch sind (vgl. V. 14 ). Er hatte den Schwur von dessen
Lippen vernommen; nun forderte er es auf, seine Ernsthaftigkeit durch Werke zu
beweisen. Weil er wußte, daß viele insgeheim Götzendienst trieben, gebot Josua
dem Volk, sofort seine fremden Götter zu vernichten. Ohne im geringsten zu
zögern rief das Volk: Wir wollen dem HERRN, unserm Gott, dienen und ihm
gehorchen . Es sagte, daß es gehorsamer Diener Gottes sein wollte, keine Sklaven
Ägyptens oder anderer Götter. (Die Wörter "dienen", "gedient" und "dient"
erscheinen 14 Mal in V. 14-24 .) Es konnte keine Vermischung zwischen Gehorsam
gegenüber Gott und Götzendienst geben. Damals, wie in jeder Generation, mußte
eine eindeutige Wahl getroffen werden. Menschen müssen zwischen Bequemlichkeit
und Prinzipien, zwischen dieser Welt und der Ewigkeit und zwischen Gott und den
Götzen wählen (vgl. 1Thes 1,9 ).
c. Die Zeugen des Schwurs
( 24,25-28 )
Jos 24,25-26 a
Josua, der feststellte, daß weitere Worte fruchtlos waren, jedoch von der
Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit der Hingabe des Volkes noch nicht ganz überzeugt
war, erneuerte den Bund. Er schrieb ihre Abmachung im Buch des Gesetzes Gottes
nieder, das möglicherweise neben der Bundeslade aufbewahrt wurde (vgl. 5Mo
31,24-27 ). Bei den Hetitern wurde in ähnlicher Weise der Lehnsvertrag im
Heiligtum des Vasallenstaates aufbewahrt.
Jos 24,26-27 (Jos 24,26b-27)
Als weiteren Zeugen schrieb Josua die Statuten des Bundes auf einen großen
Stein, der unter einer Eiche an diesem heiligen Ort aufgerichtet wurde.
Archäologen, die bei Sichem Ausgrabungen durchgeführt haben, haben eine große
Kalksteinsäule entdeckt, die als der hier erwähnte Gedenkstein identifiziert
werden könnte. Josua sagte, dieser Stein sei ein Zeuge, als ob er die
Abmachungen des Bundes gehört hätte.
Jos 24,28
Indem er das Volk in einem heiligen Ritual der Bundeserneuerung schwören ließ,
dem Herrn, seinem Gott, zu folgen, beendete Josua seinen letzten öffentlichen
Dienst. Mit der Erinnerung an diese bedeutungsvolle Begebenheit, die
unauslöschlich in ihrer Erinnerung verankert war, kehrten die Israeliten nach
Hause in ihre Erbteile zurück.
C. Nachwort
( 24,29-33 )
Jos 24,29-31
Drei Beerdigungen - alle drei in Ephraim - kennzeichnen den Schluß des Buches
Josua. Zuerst wird berichtet, daß Josua im fortgeschrittenen Alter von 110
Jahren starb und in seiner eigenen Stadt beerdigt wurde (vgl. Jos 19,50 ). Es
konnte ihm kein besserer Titel verliehen werden als die Tatsache, daß er der
Knecht des HERRN genannt wurde. Er trachtete nach keinem höheren Rang als
diesem.
Jos 24,32
Es wird auch die Beisetzung der Gebeine Josefs berichtet. Sein letzter Wille war
gewesen, daß er im Gelobten Land beigesetzt würde ( 1Mo 50,25 ). Mose, der von
diesem Wunsch wußte, nahm Josefs Gebeine beim Auszug mit ( 2Mo 13,19 ). Nun,
nach den langen Jahren der Wanderung und der Eroberung, wurden Josefs letzte
Überreste, die 400 Jahre vorher in Ägypten einbalsamiert worden waren ( 1Mo
50,26 ), in Sichem zur Ruhe gelegt (vgl. 1Mo 33,18-20 ).
Jos 24,33
Das dritte Begräbnis, das hier erwähnt wird, ist das des Hohepriesters Eleasars,
des Sohnes und Nachfolgers Aarons . Es war sein Privileg, bei der Verteilung des
Landes mit Josua zusammenzuarbeiten ( 4Mo 34,17; Jos 14,1; 19,51 ) und den
Gottesdienst an der Stiftshütte in den kritischen Jahren der Eroberung und
Inbesitznahme Kanaans zu leiten.
Der Bericht von drei Beerdigungen ist ein seltsamer Schluß für ein Buch wie das
des Josua! Doch diese drei friedlichen Gräber bezeugen die Treue Gottes, denn
Josua, Josef und auch Eleasar hatten einst in einer fremden Nation gelebt, wo
sie Gottes Zusage erhielten, sein Volk nach Kanaan zurückzubringen. Nun waren
alle drei im Gelobten Land zur Ruhe gekommen. Gott hielt sein Versprechen
gegenüber Josua, Josef und Eleasar - und auch gegenüber ganz Israel. Dies
ermutigt auch heute Gottes Kinder, auf Gottes unendliche Treue zu zählen.
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