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| Bibeltext Transliteriert |
Zephanja Kapitel 3
D. Das Gericht über Jerusalem
( 3,1 - 7 )
Nach der Ankündigung des Gerichtes über die
Nachbarvölker Judas kehrt Zefanja wieder zum Thema der Vernichtung
Jerusalems zurück (vgl. Zeph 1,4-2,3 ) und betont die Dringlichkeit
einerUmkehr für die Juden. Der Prophet zählt Gottes Klagen gegen sein
Volk auf ( Zeph 3,1-5 ) und verkündigt dann das unausweichliche Gericht
(V. 6 - 7 ).
1. Die Anklage des Propheten
( 3,1 - 5 )
Zeph 3,1-2
Am Anfang dieses Abschnittes steht eine allgemeine
Aussage über Jerusalems Gottlosigkeit: Die Stadt ist auf das Niveau der
heidnischen Völker gesunken (vgl. Hab 1,2-4 ). Obwohl Zefanja 3,1 es
nicht namentlich erwähnt, zeigt Vers 2 , daß Jerusalem gemeint ist. Das
" Weh " ist ein Ausdruck der Verurteilung, hier ein dreifacher: Er gilt
einer widerspenstigen, befleckten, tyrannischen Stadt (vgl. Ninive, das
Nahum eine "mörderische Stadt" nannte; Nah 3,1 ). Diese allgemeine
dreifache Anschuldigung wird dann in den Versen 2 - 5 näher ausgeführt:
Sie unterdrückt ihre eigenen Leute (V. 3 ), ist dem Herrn ungehorsam (V.
2 ) und begeht religiösen Frevel (V. 4 ). Die Jerusalemer Bürger hielten
sich nicht an die Zurechtweisungen des Gesetzes und der Propheten. In
ihrer Widerspenstigkeit trauen sie dem HERRN nicht und halten sich nicht
zu ihm (vgl. Zeph 1,6 ).
Zeph 3,3-4
Doch der Prophet klagt auch die politischen (vgl.
Zeph 1,8 ) und religiösen (vgl. Zeph 1,4-5 ) Führer der Stadt an. Die
Oberen werden mit hungrigen, brüllenden Löwen verglichen; die Richter
sind unersättliche Wölfe , die ihre abendliche Beute bis zum Morgen
vollständig aufgefressen haben (vgl. Hes 22,27; Mi 3,1-3 ). Judas Führer
berauben die Bürgerschaft, um ihre eigene Macht- und Geldgier zu
befriedigen (vgl. Mi 3,9-10 ).
Ebenso verkommen sind die religiösen Führer! Die
Propheten sind leichtfertige und eigenmächtige Schwärmer, die im Verein
mit den treulosen Priestern das Gesetz Gottes verdrehen, um ihre Beutel
zu füllen (vgl. Hes 22,28; Mi 3,5.11 ). Die Priester (vgl. Zeph 1,4 )
entweihen das Heiligtum , wahrscheinlich mit Götzendienst und Astrologie
( Zeph 1,4-5 ) oder durch die Darbringung unreiner Opfertiere. Wenn sie
durch ihren Ungehorsam gegen das Gesetz freveln (vgl. Hes 22,26 ), ist
es kein Wunder, daß ihr Volk unbelehrbar ist ( Zeph 3,2 ).
Zeph 3,5
Im Gegensatz zu den Menschen (V. 2 ) und ihren
politischen (V. 3 ) und religiösen Führern (V. 4 ) ist der HERR gerecht,
tut kein Arges und bringt alle Morgen sein Recht ans Licht . Deshalb
wird er ganz sicher den Unterdrückten helfen und die Gottlosen
bestrafen! Das Ausmaß der Verdorbenheit des Volkes zeigt sich an dem
abgestumpften Gewissen: Der Frevler kennt keine Scham (vgl. Zeph 2,1 ).
Das Wort "Frevler" ( ZawwAl ) ist mit dem Wort "Arges" ( ZawlCh ) im
ersten Teil von Vers 5 verwandt. Es bedeutet "verletzen, verdrehen,
gottlos sein".
2. Das Gericht des Herrn
( 3,6 - 7 )
Zeph 3,6-7
Die in Vers 6 - 13 wiedergegebenen Worte des Herrn
zeigen Judas schlimme Situation. Der Herr wiederholt, was er in der
Vergangenheit gegen andere Völker unternommen hat (V. 6 ), und nennt
dann die Gründe für das Gericht (V. 7 ). Gott hat gerecht gehandelt, als
er die Völker für ihre Gottlosigkeit gestraft und sie verwüstet,
zerstört und leer gemacht hat. Ein klassisches Beispiel für Juda sind
die zehn nördlichen Stämme, die von Sargon II. von Assyrien im Jahr 722
v. Chr. zerstreut wurden. Gott bat sein Volk, seine Wege zu befolgen,
sich zurechtweisen (vgl. V. 2 ) zu lassen und so die Ausrottung (vgl.
Zeph 1,3-4 ) und Heimsuchung (vgl. Zeph 1,9-13; 2,1-3 ) zu vermeiden.
Das Wort " aber " am Ende von Zeph 3,7 deutet jedoch auf die
Vergeblichkeit seines Bemühens. Statt auf die unaufhörlichen Wohltaten
des Herrn zu antworten, lehnt Juda ihn bewußt und absichtlich ab und
fährt eifrig fort, alles Böse zu tun . Gleichgültigkeit ( Zeph 1,12 )
und Widerspenstigkeit ( Zeph 3,1 ) führten dazu, daß es bedenkenlos ins
Verderben lief! (V. 7 ) Was für ein Miniaturbild der menschlichen
Geschichte!
E. Das Gericht über die ganze Erde
( Zeph 3,8 )
Der Prophet schließt seinen Abschnitt über das
"Gericht", indem er zu seinem Ausgangspunkt zurückkehrt und erneut auf
das allgemeine Gericht zu sprechen kommt. Am Anfang des Buches stand ja
eine allgemeine Aussage über das universale Gericht ( Zeph 1,2-3 ), der
Ausführungen zum Gericht über Juda und Jerusalem ( Zeph 1,4-2,3 ) und
schließlich über die anderen Völker ( Zeph 2,4-15 ) folgten. Nach der
zweiten Hervorhebung des Gerichts über Jerusalem ( Zeph 3,1-7 ) beendet
er nun diese lange Passage mit einer weiteren Zusammenfassung des
Gerichtes über die ganze Welt. In dem drohenden universalen Gericht über
die Völker wird der Herr den Becher seines Zorns ausschütten. Sein Grimm
wird stärker sein als seine Gnade! Am Ende der zukünftigen Drangsal wird
Gott die Heere der Völker sich gegen Jerusalem sammeln lassen, und in
der Schlacht von Harmagedon (vgl. Sach 14,2; Offb 16,14.16 ) wird er
seinen Zorn ( zaZam , von "Schaum"), die Glut seines Grimmes (vgl. den
Kommentar zu Zeph 2,2 ) und seines Eifers Feuer (wörtlich: "Eifersucht")
über sie ausschütten.
III. Der Tag der Wiederherstellung
( 3,9 - 20 )
Die Wendung "dann aber" in Vers 9 leitet rhetorisch
und inhaltlich über zu einem anderen Hauptanliegen in der Botschaft des
Propheten. Er wendet sich von den schrecklichen Vorhersagen der
Zerstörung zur Prophezeiung von Segen und Frieden. Nachdem die Heere
vernichtet sind, wird Gott die Völker erneuern. Statt erschreckender
Drohungen steht hier die tröstliche Verheißung der Liebe, Gnade und
Wiederherstellung. Sie weist in die Zukunft auf das Tausendjährige
Reich, wenn Christus als König auf Erden herrschen wird.
A. Die Wiederherstellung der Völker
( 3,9 - 10 )
Zeph 3,9
Zefanja kündigt eine moralische (V. 9 ) und auch
eine geistliche (V. 10 ) Erneuerung der Völker an. " Den Völkern reine
Lippen geben " heißt nicht, daß sie eine neue Sprache sprechen werden.
Es bedeutet vielmehr die Erneuerung der entweihten Sprache. Die Lippen
stehen für das Gesprochene (die von den Lippen gesprochenen Worte), und
darin wiederum spiegelt sich das Innere des Menschen (vgl. Jes 6,5-7 ).
Die Völker, die sich früher mit der Blasphemie des Götzendienstes
besudelten, werden von Gott für den wahren Gottesdienst gereinigt
werden. Sie werden im ehrfürchtigen Vertrauen auf Gott des HERRN Namen
anrufen und ihre Abhängigkeit von ihm beweisen, indem sie ihm
einträchtig dienen .
Zeph 3,10
Als Beispiel für die religiöse Einmütigkeit, die
dann herrschen wird, nennt der Prophet die Menschen, die jenseits der
Ströme von Kusch (die Region des oberen Nil - Südägypten, Sudan und
Nordäthiopien; vgl. Zeph 2,12 ) leben, im entferntesten Land, das er
kennt. Nach ihrer Bekehrung werden auch diese fernen Völker dem Herrn in
Jerusalem Geschenke bringen (vgl. Jes 66,18.20 ). Das wird eine
herrliche Umkehr der ganzen heidnischen Politik aus Zefanjas Tagen sein!
Zum Strom der Anbeter , die nach Jerusalem ziehen, wird auch Israel
gehören - mein zerstreutes Volk . Auf dieses Volk geht der Prophet im
folgenden genauer ein ( Zeph 3,11-20 ).
B. Die Wiederherstellung Israels
( 3,11 - 20 )
Wenn Gott die Völker zu sich kehrt und erneuert,
wird sich sein Zorn über Israel in Segen für sein auserwähltes Volk
wandeln. Dieses große prophetische Thema ist der Höhepunkt der
prophetischen Verheißung für das Volk und die höchste Steigerung von
Zefanjas Botschaft überhaupt. Gott hatte bereits Mose die Sammlung
Israels in Jerusalem verheißen ( 5Mo 30,1-10 ).Auch wenn er die Sünde
bestrafen muß, ist er barmherzig und hält seine Versprechen. Gott wird
sein Volk trotz des Gerichtes nicht verlassen. Er ist der Herrscher, und
er hält seinen Bund! Der Schluß von Zefanjas Botschaft ist deshalb so
tröstlich für Israel, weil er dem Volk zusichert, daß Gott zu seinen
Verheißungen steht.
1. Die Erlösung des Volkes
( 3,11 - 13 )
Zeph 3,11-13
Zu Beginn des Tausendjährigen Reiches ( zur selben
Zeit ) wird Israel gereinigt und wiederhergestellt werden. Es wird sich
wegen seiner Sünden nicht mehr vor Gott schämen müssen ( Taten ist die
Übersetzung eines hebräischen Wortes, das eigentlich "schreckliche
Taten" bedeutet), denn Gott wird in seinem Gericht über Israel ( Hes
20,34-38; Mt 25,1-13 ) alle stolzen Prahler und allen Hochmut aus der
Stadt entfernen. Die, die Böses tun und sich schämen müssen, werden
gerichtet sein, und Gottes heiligen Berg (Jerusalem; vgl. Ps 2,6; 3,5;
15,1; 24,3; 78,54; Dan 9,16.20; Joe 2,1;4,17;Ob 1,16 ) wird ein armes
und geringes , aber reines Volk bewohnen (vgl. Zeph 2,3 ) - diejenigen,
die auf den HERRN trauen . Alles Unrecht - Böses ( ZawlCh , wörtlich:
"Ungerechtigkeit"; vgl. Zeph 3,5 : "Gott tut kein Arges"), Lüge und
Betrug - wird gesühnt sein, und in dieser Reinheit werden die Menschen
Frieden und Sicherheit finden. Der Schluß von Vers 13 erinnert an die
Verheißungen von Ps 23 ,dem Psalm vom guten Hirten. Israel, so lange
entweiht, von Unruhen heimgesucht und geschändet, wird endlich Ruhe
unter den anderen Völkern finden und ohne alle Furcht lagern (vgl. Zeph
3,15-16 ).
2. Die Freude des Volkes
( 3,14 )
Zeph 3,14
Dieser Vers ist voll Jubel und Freude: Jauchze,
frohlocke, freue dich und sei fröhlich von ganzem Herzen! Israel wird an
diesem Tag fröhlich sein, weil Gott es erlösen wird. Dem Volk stehen
zwar zunächst, in der unmittelbaren Zukunft, Kummer und Qual (V. 1.5 - 7
) bevor, doch eines Tages werden sich die Ängste der Übriggebliebenen in
Lobgesang verwandeln.
3. Der Herrscher des Volkes
( 3,15 - 17 )
Zeph 3,15
Freudenrufe werden hörbar werden, weil Israels
Erlöser, der messianische König, inmitten seines Volkes sein wird (vgl.
Jes 9,6; Sach 14,9 ). Der seit langem verheißene Retter wird Israel
beschützen. Der Zorn Gottes ( Zeph 3,8 ) und die Unterdrückung der
Feinde (vgl. V. 19 ) werden ein Ende haben. Der HERR, der König Israels
, wird bei seinem Volk sein (vgl. V. 17 ), und es wird sich nicht mehr
fürchten müssen (vgl. V. 13 ).
Zeph 3,16-17
Vers 16 nimmt das Thema der Ruhe nach der Angst von
Vers 15 nochmals auf. Man (wahrscheinlich die bekehrten Heiden) wird
Israel ermutigen und ihm sagen, daß es keine Angst mehr zu haben und
nicht mehr zu verzweifeln braucht. Hände, die sinken , deuten
Verzweiflung, Angst und Schrecken an. Statt dessen wird Israel seine
Hände erheben - eine Geste des Triumphs -, weil der Herr gegenwärtig ist
(er ist bei dir; vgl. Zeph 3,15 ) und die Macht hat ( ein starker
Heiland ). Der Herr wird nicht allein bei dem kleinen erlösten Rest
sein, er wird sich auch über die Menschen freuen und freundlich zu ihnen
sein. Er wird sein Volk wieder lieben und ihm nicht mehr zürnen. Das
Tausendjährige Reich wird eine Zeit des Friedens für das geängstigte
Volk sein; Israel wird frohlocken (V. 14 ). Mehr noch, Gott wird
fröhlich sein ! (V. 17 ) Er wird mit Jauchzen fröhlich sein , weil sein
auserwähltes Volk nun wieder unter seinem Segen im verheißenen Land
wohnt.
4. Die Belohnung des Volkes
( 3,18 - 20 )
Mehrfach taucht in diesen Schlußversen die Wendung
auf: "Ich will".Gott will dem Häuflein der Gläubigen in Zefanjas Tagen,
in denen sein Gericht so unmittelbar bevorsteht und seine
wiederherstellende Gnade noch fern ist, Hoffnung machen. Trotz der
dunklen Zeit will der Prophet, daß die Bußfertigen sich fest auf Gottes
Verheißungen von Trost und Kraft verlassen.
Zeph 3,18
Viele aus ihrer Heimat vertriebene Juden sorgten
sich, weil sie nicht an den vorgeschriebenen Festen teilnehmen konnten.
Doch wie an einem festlichen Tag wird der Herr all ihr Unheil
hinwegnehmen , wenn er sein Volk in Jerusalem, wo es seinen Segen
erfahren wird, sammelt. Damit wird auch alle Schmach ein Ende haben.
Zeph 3,19
Wie Zefanja bereits gesagt hatte ( Zeph 2,4-15;
Zeph 3,8-15 ), wird Gott Israels fremden Unterdrückern ein Ende machen
(vgl. 1Mo 12,3 : "ich will verfluchen, die dich verfluchen"), die
Zerstreuten sammeln und sie überall, wo sie verachtet waren, berühmt
machen ( sie zu Lob und Ehren bringen ; vgl. 5Mo 26,19; Zeph 3,20 ).
Zeph 3,20
Dieser Vers faßt das zukünftige Heil Israels
zusammen: Sammlung im verheißenen Land ( heimbringen ), Ruhm ( Lob und
Ehren ) unter allen Völkern und die Rückgabe ihres Besitzes (oder das
Heimholen der im Exil Lebenden aus der Gefangenschaft ; vgl. Zeph 2,7 ).
Das alles wird vor ihren Augen geschehen. Im Tausendjährigen Reich wird
Israel das Land besitzen, wie Gott es verheißen hat ( 1Mo 12,1-7;
13,14-17; 15,7-21; 17,7-8 ), und der Messias, Israels König, wird sein
Königreich errichten und herrschen ( 1Sam 7,16; Ps 89,4-5; Jes 9,5-6;
Dan 7,27; Zeph 3,15 ).
Zefanjas Schlußwort: " spricht der HERR " betonen
noch einmal die göttliche Autorität seiner Botschaft und die Gewißheit
des göttlichen Trostes.
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