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Bibeltext Transliteriert

 

Zephanja Walvoord Kapitel 1

Zefanja (John D. Hannah)

 

EINLEITUNG

 

Titel

 

Der Name "Zefanja", den außer dem Propheten, um den es hier geht, noch drei andere Personen im Alten Testament tragen, bedeutet "Jahwe verbirgt", "Jahwe hat verborgen" oder "Jahwe bewahrte". Das ist vielleicht eine Anspielung darauf, daß Gott sein Volk in den Bedrohungen während der Amtszeit des Propheten schützte, oder auch auf die Bewahrung Zefanjas, dessen Kindheit in die schlimme Regierungszeit Manasses fiel ( 2Kö 21,16 ).

 

 

Autor

 

Bis auf die Informationen in Zeph 1,1 ist wenig über den Propheten bekannt. Seine Abstammung kann über vier Generationen zurückverfolgt werden. Die bei einem Propheten sehr ungewöhnliche Aufzählung einer so langen Ahnenreihe läßt darauf schließen, daß er ein berühmter Mann, vielleicht sogar ein Verwandter der königlichen Familie war. Als Ur-Ur-Enkel von Hiskia, dem König von Juda, ist Zefanja der einzige bekannte Prophet des Alten Testaments von so hohem Rang. Er war also ein entfernter Verwandter des Königs Josia, in dessen Regierungszeit seine Prophezeiungen fielen. Vielleicht lebte er sogar in Jerusalem; jedenfalls könnte man seine Worte "von dieser Stätte" (V. 4 ) und seine Vertrautheit mit der Stadt so interpretieren (V. 10 - 11 ).

 

 

Datierung

 

Nach Zeph 1,1 fiel die Amtszeit des Propheten in die Regierungszeit König Josias (640 - 609 v. Chr.). Unterschiedlicher Ansicht sind die Forscher allerdings darüber, ob die genaue Datierung in die Zeit vor oder nach der Auffindung des Gesetzbuches durch Hilkija und der darauffolgenden religiösen Erneuerung im Jahr 622 v. Chr. zu verlegen ist ( 2Kö 22-23; 2Chr 34 ). Folgende Gründe sprechen für eine Datierung nach Josias Reformen: (1) Das Verbot des Baalskultes ( Zeph 1,4 ) deutet auf eine aufkommende neue Religiosität. (2) Jeremia, dessen Prophezeiungen weit in die Zeit nach 622 (wie auch in die Zeit davor) hineinreichen, beschrieb Judas religiösen und moralischen Zustand ganz ähnlich wie Zefanja (vgl. Jer 8,2; 19,13 mit Zeph 1,5 ; vgl. Jer 5,2.7 mit Zeph 1,5 b; und vgl. Jer 8,8-9 mit Zeph 3,4 ). (3) Die Tatsache, daß die Söhne des Königs ausländische Tracht trugen ( Zeph 1,8 ), legt die Vermutung nahe, daß sie alt genug waren, um eigene Entscheidungen zu treffen. (4) Zefanjas häufige Zitate aus dem Gesetzbuch deuten darauf hin, daß er die von Hilkija entdeckten Quellen benutzte (vgl. V. 13 mit 5Mo 28,30.39 ; vgl. Zeph 1,15 mit 5Mo 4,11 ; vgl. Zeph 1,17 mit 5Mo 28,29 ; und vgl. Zeph 2,2 mit 5Mo 28,15-62 ). (5) Zefanjas Botschaft des kommenden Gerichts könnte für diejenigen bestimmt gewesen sein, die die religiösen Reformen Josias ablehnten. Daher liegt der Zeitpunkt seiner Prophezeiung wohl einige Zeit nach diesen Reformen im Jahr 622, doch vor der Zerstörung Ninives im Jahr 612, das, wie Zefanja andeutet, damals noch existierte und Hauptstadt des assyrischen Reiches war ( Zeph 2,13 ).

 

 

Umfeld

 

In politischer Hinsicht profitierte Juda von dem Vakuum, das das Kräftegleichgewicht zwischen den damaligen "Supermächten" schuf, und so gelang es König Josia, seinen militärischen Einflußbereich weit in den Norden, bis nach Naftali, auszudehnen. In dieser Zeit ging die Vorherrschaft Assyriens, das im Jahr 722 v. Chr., unter Sargon II., die zehn nördlichen Stämme unterworfen hatte, ihrem raschen Ende entgegen. Unter der Herrschaft von Sin-sar-iskun (623 - 612 v. Chr.), des Sohnes Assurbanipals, begann sich, um 626 das neubabylonische Reich unter Nabopolassar herauszubilden. Auch die Meder unter Cyaxares II. entzogen sich seit 625 allmählich der assyrischen Herrschaft. Diese allgemeine Lage ermutigte Josia dazu, die assyrischen Kulte in Juda zu verbieten. In der Folgezeit erlebte Juda eine politische Blüte. Der Zusammenbruch des assyrischen Reiches wurde zwar durch das Bündnis mit den Ägyptern unter Psamtik I. (664 - 609) noch einmal hinausgezögert, doch nach der Koalition der Meder und Babylonier wurde Ninive, die Hauptstadt Assyriens, im Jahr 612 zerstört.

Bevor Josia König wurde, hatten Manasse (695 - 642) und Manasses Sohn Amon (642 - 640) üble Praktiken in Juda eingeführt. Manasse hatte Altäre für Baal gebaut und Sonne, Mond und Sterne verehrt. Die Altäre für diese Gestirne hatte er in den Tempelhöfen aufrichten lassen ( 2Kö 21,4-5 ), und eine Ascherasäule (ein Bildnis der Göttin Aschera) stand sogar im Tempel selbst ( 2Kö 21,7 ). Kindesopfer waren praktisch an der Tagesordnung, und die Astrologie gehörte zu den blühendsten Geschäftszweigen ( 2Kö 21,6;23,10-11 ). König Amon - dessen Name wohl auf eine ägyptische Gottheit zurückgeht - setzte bis zu seiner Ermordung die Politik seines Vaters fort ( 2Kö 21,19-26; 2Chr 33,21-25 ). Im Jahr 640 v. Chr. folgte ihm, im Alter von acht Jahren, Josia auf den Thron. 632, mit 16, begann Josia, sich dem Gott seines Ahnherrn David zuzuwenden. 628 nahm er dann Reformen in Angriff, in deren Verlauf der Götzendienst nahezu vollständig aus Jerusalem und Juda verschwand. Ungefähr zu dieser Zeit (627) begann auch die Amtszeit Jeremias. Juda löste sich langsam von Assyrien; dadurch gewann möglicherweise auch die Vorstellung eines ungeteilten Königreichs wie unter David und Salomo plötzlich wieder Bedeutung. Im 18. Jahr der Regierungszeit Josias (622) entdeckte der Hohepriester Hilkija eine Abschrift des Gesetzbuches ( 2Kö 22,3-8 ), was der religiösen Erneuerung, vor allem dem Fest der ungesäuerten Brote, neuen Auftrieb gab ( 2Kö 23,1-25 ). Leider blieb die vielversprechende Reformbewegung nur ein oberflächliches Phänomen und fand keinen wirklichen Eingang in das politisch-religiöse Leben des Volkes. Der Gottesdienst für Jahwe wurde zwar wieder eingeführt, doch daneben gab es nach wie vor Abgötterei und heidnische Kulte. In dieser Zeit traten Zefanja und auch Jeremia auf und prophezeiten einem politisch blühenden Volk das kommende Gericht, weil Josias Reformen sich nicht genügend durchsetzen konnten.

 

 

Thema

 

Die Wendung "der Tag des Herrn" taucht im Buch Zefanja häufiger auf als in jedem anderen Buch des Alten Testaments. Sein Thema ist also das Gericht Gottes, das Juda für seinen Ungehorsam droht. Dieses Motiv des Gerichts geht jedoch bei Zefanja, wie bei den anderen Propheten auch, immer mit der Verkündigung einher, daß der Gott des Bundes in seiner Gnade die wenigen Gerechten bewahren wird. Trotz der Unausweichlichkeit des Gerichts hält Gott treu zu seinem Versprechen, sein Volk zu schützen und seine Verheißungen zu erfüllen. Die Kernaussage des Buches Zefanja steht in Zeph 1,7 a: "Seid stille vor Gott dem Herrn, denn des Herrn Tag ist nahe."

 

 

GLIEDERUNG

 

I. Einführung ( 1,1 )

 

II. Der Tag des Gerichtes Gottes ( 1,2-3 )

 

     A. Das Gericht über die ganze Erde ( 1,2-3 )

     B. Das Gericht über Juda und Jerusalem ( 1,4-2,3 )

          1. Wen wird das Gericht treffen? ( 1,4-13 )

               a. Die "Götzenpfaffen" ( 1,4-7 )

               b. Die Oberen ( 1,8 )

               c. Die Unterdrücken ( 1,9 )

               d. Die Kaufleute ( 1,10-11 )

               e. Die Gleichgültigen ( 1,12-13 )

 

          2. Wie wird das Gericht aussehen? ( 1,14-18 )

               a. Seine Nähe ( 1,14 a)

               b. Seine Schrecken ( 1,14 b. 15-18 )

 

          3. Wie kann das Gericht vermieden wereden? ( 2,1-3 )

               a. Der Aufruf an die Völker: Tut Buße ( 2,1-2 )

               b. Der Aufruf an die Demütegen: Suchet

 

     C. Das Gericht über die Nachbarvölker ( 2,4-15 )

          1. Über das Philisterland ( 2,4-7 )

          2. Über Moab und Ammon ( 2,8-11 )

          3. Über Äthiopien ( 2,12 )

          4. Über Assyrien ( 2,13-15 )

 

     D. Das Gericht über Jerusalem ( 3,1-7 )

          1. Die Anklage des Propheten ( 3,1-5 )

          2. Das Gericht des Herrn ( 3,6-7 )

 

     E. Das Gericht über die ganze Erde ( 3,8 )

 

III. Der Tag der Wiederherstellung ( 3,9-20 )

 

     A. Die Wiederherstellung der Völker ( 3,9-10 )

     B. Die Wiederherstellung Israel ( 3,11-20 )

          1. Die Erlösung des Volkes ( 3,11-13 )

          2. Die Freude des Volkes ( 3,14 )

          3. Der Herrscher des Volkes ( 3,15-17 )

          4. Die Belohnung des Volkes ( 3,18-20 )

 

 

AUSLEGUNG

 

I. Einführung

( 1,1 )

 

Zeph 1,1

 

Zefanjas einführende Worte, " Das ist das Wort des HERRN, das geschah ", stehen genau so auch zu Beginn der Bücher Hoseas, Joels und Michas. Diese Einführung, zusammen mit den Worten " zu Zefanja ", informiert den Leser sowohl über die Quelle der Botschaft als auch über ihren Überbringer; obgleich dieser ein Mensch ist, stammt doch die Botschaft von Gott selbst und besitzt Gottes Autorität.

Der biographische Teil des Verses verfolgt die Abstammung des Propheten über vier Generationen. Bei den meisten anderen alttestamentlichen Propheten wird jeweils nur der Vater genannt (z. B. Jona, Sohn Amittais, Zeph 1,1 ; Joel, Sohn Petuels; Zeph 1,1 ), bei Sacharja noch der Großvater ( Sach 1,1 ). Die auffallend sorgfältige Aufzählung von Zefanjas Stammbaum, zu dem auch Hiskia gerechnet wurde, führte viele Forscher deshalb zu der Annahme, daß Zefanja königlicher Abstammung gewesen sei.

 

 

II. Der Tag des Gerichtes Gottes

( 1,2 - 3,8 )

 

Zefanjas Prophezeiung kreist um zwei große Themen: (a) die unumwundene Erklärung, daß Gottes Zorn drohe, verbunden mit dem eindringlichen Aufruf zur Buße, und (b) der tröstende Hinweis des Propheten, daß Gott selbst im Gericht seines Bundes mit Israel gedenken und sein Volk in der Zukunft wiederherstellen werde. Gleich am Anfang steht die drohende Ankündigung des Jüngsten Gerichts. Dieser Teil des Buches beginnt und endet mit der Verkündigung des Gerichts über die ganze Erde ( Zeph 1,2-3 und Zeph 3,8 ). Dazwischen erfolgt ein Einschub, in dem zweimal von Juda und/oder Jerusalem ( Zeph 1,4-2,3; 3,1-7 ) und einmal von seinen Nachbarvölkern ( Zeph 2,4-15 ) die Rede ist. Dadurch ergibt sich ein interessantes spiegelverkehrtes Schema mit der Abfolge a, b, c, b1, a1, das man folgendermaßen darstellen kann:

a Das Gericht über die ganze Erde ( Zeph 1,2-3 )

b Das Gericht über Juda und Jerusalem ( Zeph 1,4- Zeph 2,3 )

c Das Gericht über die Nachbarvölker ( Zeph 2,4-15 )

b1 Das Gericht über Jerusalem ( Zeph 3,1-7 ) a1 Das Gericht über die ganze Erde ( Zeph 3,8 )

 

 

A. Das Gericht über die ganze Erde

( 1,2 - 3 )

 

Zeph 1,2-3

 

Zefanjas Worte zum endgültigen Gericht über die ganze Welt sind von einer erschreckenden Unmittelbarkeit. (Auch Jesaja hat über Gottes weltweites Gericht geschrieben; Jes 24,1-6.19-23 .) In Zefanja 1,2 ist zunächst vom Gericht im allgemeinen die Rede, in Vers 3 wird es dann genauer beschrieben. In diesem Gericht wird Gott alles vom Erdboden wegraffen . "Wegraffen" und "ausrotten" (dreimal in V. 2 - 3 ) sind gleichbedeutend mit "nehmen und wegtun, entfernen, zerstören". Dieses Gericht, das den ganzen Erdboden heimsuchen wird, wird alles Leben auf dem Land ( Mensch und Vieh ), am Himmel (Vögel ) und im Meer ( die Fische ) vernichten. Interessanterweise gibt diese Aufzählung die umgekehrte Reihenfolge der Schöpfungsordnung wieder: Fische ( 1Mo 1,20 a), Vögel ( 1Mo 1,20 b), Vieh und Tiere des Feldes ( 1Mo 1,24 ) und die Menschen ( 1Mo 1,26 ). Die Zerstörung im Gericht, die Zefanja in seiner Vision sah, ist also eine Art Umkehrung der Schöpfung. Wenn Gott die Völker ausrotten wird (vgl. Zeph 1,4; 3,6 ), werden von der einst so blühenden Vergangenheit nur noch Ruinen übrigbleiben. Da Zefanja später schrieb, daß ein kleiner Rest gerettet würde ( Zeph 3,9-13 ), ist die in Zeph 1,2-3 angekündigte Vernichtung der gesamten Menschheit anscheinend auf die Gottlosen beschränkt, wie auch Jeremia deutlich macht ( Jer 25,31-33 ).

 

 

B. Das Gericht über Juda und Jerusalem

( 1,4 - 2,3 )

 

Nachdem er in gewaltigen Worten zunächst das Hauptthema des drohenden Endgerichts umrissen hat, geht der Prophet nun besonders auf Juda und Jerusalem ein. Dieser Argumentationsgang ist ganz typisch für das Alte Testament, wo häufig einer allgemeineren Aussage eine detailliertere Schilderung angeschlossen ist (vgl. 1Mo 1,1 mit 1Mo 1,2-31 ).

Zeph 1,4-2,3 enthält die klare Aussage, daß das gottlose Volk Judas bei der babylonischen Invasion im Jahr 586 v. Chr. vernichtet werden wird. Doch wie kommt Zefanja dazu, gleichzeitig ( Zeph 1,2-3 ) von einem universalen Gericht zu sprechen? Wie kann er so schnell von Judas Zerstörung im Jahr 586 zum "Tag des Herrn" (V. 14 ) übergehen, ein in der Zukunft liegendes Ereignis, das erst viele Jahrhunderte nach diesem Datum wahrwerden soll? Die Eroberung Judas durch die Babylonier war kein universales Gericht; wie konnte Zefanja die beiden Ereignisse dennoch miteinander in Verbindung bringen? Eine häufige Antwort auf diese Frage ist, daß jeder einzelne Augenblick des göttlichen Gerichts als "Tag des Herrn" bezeichnet werden kann. Eine andere Antwort ist, daß die Verse 2-3 und Zeph 3,8 nicht vom universalen Gericht, sondern übertreibend von der Invasion der Babylonier sprechen. Die beste Erklärung ist jedoch wohl, daß Zefanja die umittelbar bevorstehende Zerstörung Judas und das zukünftige universale Gericht als zwei Abschnitte eines einzigen großen Ereignisses sah, des "großen Tags des Herrn" ( Zeph 1,14 ). Die Vernichtung seines Volkes würde so schrecklich werden, daß sie in der visionären Schau des Propheten mit dem Tag verschmolz, an dem Gottes Grimm (V. 15 ; Zeph 2,2 ) sich gegen die Gottlosen auf der ganzen Welt richten würde. Auch an einer späterenStelle bringt Zefanja Gottes Gericht über die Völker ( Zeph 3,6 ) und über die ganze Welt ( Zeph 3,8 ) mit dem Gericht über Juda in Verbindung ( Zeph 3,1-5 ). Die Zerstörung Judas durch die Babylonier stellte also einen Schritt in Gottes Zorn gegen sein Volk dar.

Auch viele andere Propheten sprechen vom Tag des Herrn ( Jes 2,12; 13,6.9; Jer 46,10; Hes 13,5; 30,3; Joe 1,15;2,1.11;3,4;4,14; Am 5,18.20; Ob 1,15 ; vgl. die Ausführungen unter "Größere Interpretationsprobleme" in der Einführung zu Joel). In mehreren dieser Verse und den ihnen vorangehenden oder nachgestellten Passagen wird der Tag des Herrn ebenfalls mit dem universalen Gericht zusammengesehen (vgl. Jes 24 ).

 

 

1. Wen wird das Gericht treffen?

( 1,4 - 13 )

 

a. Die "Götzenpfaffen"

( 1,4-7 )

 

Zeph 1,4

 

Der Prophet verkündet seinen Hörern, daß der Herr im Begriff ist, seine Hand gegen das Südreich und gegen dessen Hauptstadt Jerusalem auszustrecken. Alle Anzeichen des Baalskultes sollen verschwinden. Baal war ein kanaanitischer Fruchtbarkeitsgott, der in der Zeit der Richter ( Ri 2,13 ) und zur Zeit Ahabs ( 1Kö 16,32 ) von vielen Israeliten angebetet wurde. Zu den Baalsgottesdiensten gehörten unter anderem auch abstoßende sexuelle Riten. Manasse, der gottlose König von Juda, hatte Baal Altäre errichtet ( 2Chr 33,3.7 ), die sein Enkel Josia dann zerstören ließ ( 2Chr 34,4 ). Leider waren Josias Reformen vom Jahr 622 v. Chr. aber nicht von Dauer, und der Baalskult setzte sich bald wieder durch (vgl. Jer 19,5; 32,35 ). Nach den Worten Zefanjas wird jedoch eine Zeit kommen, in der Gott auch die letzten Spuren dieser heidnischen Gottesverehrung austilgen wird.

Zefanja spricht von zweierlei Priestern: von den Götzenpfaffen , das sind nicht-levitische, von den Königen von Juda ernannte Priester ( 2Kö 23,5 ; vgl. dasselbe hebräische Wort in Hos 10,5 ; die hebräische Bezeichnung für "Götzenpfaffen" ist k+mArIm , das sind Priester, die sich vor Götzen demütigen), und von abgöttischen Priestern , Leviten, die vom wahren Gott abgefallen und zu einem Aberglauben übergegangen sind.

 

 

Zeph 1,7

 

Im Anschluß an die Nennung der drei Hauptformen der Abgötterei in Juda - des offenen und des synkretistischen Götzendienstes und der Gleichgültigkeit - fordert der Prophet ihre Anhänger auf: " Seid stille vor Gott dem HERRN " (vgl. Hab 2,20 ), " denn der Tag des HERRN ist nahe ". Das ist die erste von 19 Erwähnungendes "Tages", "dieses Tages", "eines Tages", "des Tages des Grimmes" und ähnlicher Wendungen, die alle vom "Tag des Herrn" sprechen (vgl. den Kommentar zu Zeph 1,4- Zeph 2,3 und Zeph 1,14 ). Das drohende Gericht soll Furcht und Schweigen erwecken. Keine Anrufung Baals mehr, kein Beschwören der Sterne, kein Gelübde bei Milkom - denn jetzt wird Jahwe, der eine Gott, handeln. Die Menschen mögen ihn vergessen haben, doch er wird sie nicht vergessen! Gott hat Juda als Schlachtopfer zubereitet , d. h. er bereitete das Volk auf seine Hinrichtung vor wie ein Opfertier (vgl. Jes 34,6; Jer 46,10 ). Die geladenen Gäste, die Babylonier, waren Gottes auserwähltes Werkzeug (vgl. Jer 10,25; Hab 1,6 ), dieses Opfer zu verspeisen; sie waren geweiht und ausersehen, Gottes Strafe an seinem Volk zu vollstrecken.

 

 

b. Die Oberen

( 1,8 )

 

Zeph 1,8

 

Außer gegen die "Götzenpfaffen" richtet sich Gottes Zorn vor allem gegen die Mitglieder des königlichen Hofes in Juda. Zu ihnen gehörten die Oberen (Offiziere und Beamte am Hof des Königs; vgl. Jer 36,12; Hos 8,4 ), Josias Söhne und die Aristokratie, deren Ungehorsam schon an ihrer Kleidung - sie trugen die neueste Mode aus Ninive und Babylon - zum Ausdruck kam ( fremdländisches Gewand ). Wahrscheinlich war das ein äußeres Anzeichen dafür, daß sie auch innerlich fremde Wertvorstellungen und Praktiken übernommen hatten. Josias Söhne wurden denn auch hart bestraft. Sein Sohn Joahas regierte nur drei Monate, dann wurde er von Pharao Necho II. gefangengenommen und nach Ägypten gebracht ( 2Kö 23,31-34 ). Josias gottloser Sohn Jojakim, der elf Jahre herrschte ( 2Kö 23,36 ), wurde von Nebukadnezar besiegt ( 2Kö 24,1-2 ). Jojakims Sohn Jojachin regierte ebenfalls nur drei Monate - im Jahr 597 - und wurde dann nach Babylon verschleppt ( 2Kö 24,8-16 ). Elf Jahre später wurde Judas letzter König, Zedekia - ebenfalls ein Sohn Josias -, von Nebukadnezar geblendet und nach Babylon ins Exil verschleppt ( 2Kö 24,18-25,7 ).

 

 

c. Die Unterdrücker

( 1,9 )

 

Zeph 1,9 : Doch nicht nur diejenigen, die von Gott abgefallen waren (V. 4 - 6 ), und die politischen Führer (V. 8 ) wird Gott heimsuchen, sondern auch die, die aus Gewinnsucht rauben und plündern. Die Wendung " die über die Schwelle springen " bezieht sich dabei entweder auf Menschen, die dem Aberglauben der Philister, auf keine Schwelle zu treten, folgten ( 1Sam 5,5 ), oder, was wahrscheinlicher ist, auf diejenigen, die plötzlich in die Häuser anderer einbrachen und wegschleppten, was nicht niet- und nagelfest war. Parallel dazu stehen denn auch die Worte " rauben und trügen ". Die Beute aus diesen Diebstählen wurde wohl heidnischen Gottheiten dargebracht. Es ist allerdings schwer verständlich, wie die heidnischen Priester solchen Frevel und Raub billigen konnten.

 

 

d. Die Kaufleute

( 1,10 - 11 )

 

Zeph 1,10

 

Um die Tatsache hervorzuheben, daß Gottes Gericht über das ganze jüdische Volk kommen werde, sagt Zefanja, daß sich aus jedem Stadtviertel Jerusalems Klagen erheben werden (vgl. die Worte "alle, die in Jerusalem wohnen"; V. 4 ). Das Fischtor (der Name bezieht sich auf die Nähe zum Fischmarkt) im Norden war das Tor, durch das Nebukadnezar in die Stadt eindrang. Die Neustadt lag nordwestlich des Tempelbezirks. Was mit " den Hügeln " gemeint ist, ist nicht ganz klar. Entweder steht das Wort als Bezeichnung für die ganze Stadt oder für die Hügel, auf denen Jerusalem erbaut war, oder auch für die Hügel, die die Unterstadt umgaben (vgl. Jer 31,39 ). Aus all diesen Stadtteilen wird Geheul, großer Jammer und lautes Geschrei zu hören sein, wenn Nebukadnezar in die Stadt eindringen und mit dem Morden beginnen wird.

 

 

Zeph 1,11

 

Dann wendet der Prophet sich einem bestimmten Stadtgebiet zu - dem "Mörser " (dem Bereich der Kaufleute und Händler). Die dort wohnen, werden heulen (vgl. V. 10 ), weil alle Händler (das Krämervolk) dahin sein werden (wörtlich: "zum Schweigen gebracht werden"). Im Tyropäischen Tal, das von Norden nach Süden verläuft und die Stadt in einen östlichen und einen westlichen Teil trennt, lebten damals die Geldwechsler, die sich durch Wucher bereicherten. Weil sie andere übervorteilten, wird Gott sie nun richten und ausrotten (wörtlich: "abschneiden, töten"; vgl. "ausrotten" in V. 3-4 ).

 

e. Die Gleichgültigen

( 1,12 - 13 )

 

Zeph 1,12

 

Der Herr wird Jerusalem aufs sorgfältigste durchsuchen , damit niemand ungestraft davonkommt. Josephus berichtet von einer späteren Invasion, in der die Aristokratie der Stadt buchstäblich aus der Kanalisation, in der sie sich aus Angst versteckt hatte, herausgezogen wurde. Ähnliches geschah wahrscheinlich, als die Babylonier Jerusalem angriffen. Für die Leute, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen , steht im Hebräischen ein Vergleich aus der Weinherstellung: "die auf ihren Hefen festsitzen". Das bezieht sich auf die religiöse Unreinheit, die sich im Volk breitgemacht hatte. Wein, der lange Zeit gärt, bildet eine feste Ablagerung; die Flüssigkeit wird wie Sirup und bekommt einen bitteren, widerwärtigen Geschmack. Statt sich von den Schlacken der täglichen Versündigung zu reinigen, hatte sich Juda gegen Gott verhärtet und war gleichgültig geworden. So tief waren die Menschen gesunken, daß sie nicht einmal mehr glaubten, daß Jahwe so viel bewirken könne wie ihre selbstgemachten Götzen. Die heidnischen Götzenanbeter schrieben ihren zahlreichen Göttern die Macht zu, das Böse zu richten und das Gute zu schützen, doch die Juden hatten eine so geringe Meinung von ihrem Gott, daß sie ihm weder die Verwirklichung seiner Verheißungen noch seiner Drohungen zutrauten: Der HERR wird weder Gutes noch Böses tun . Ihre eigene geistliche Gleichgültigkeit ließ sie glauben, daß auch der Herr gleichgültig sei.

 

 

Zeph 1,13

 

Jahwe ist jedoch nicht so schwach und gleichgültig, wie die Juden zur Zeit Zefanjas dachten, und es steht in seiner Macht und in seinem Willen zu richten. Der dreigeteilte Vers besagt zunächst, daß Gott, wie er es vorhergesagt hatte ( 5Mo 28,30 ), die Feinde der Juden zur Plünderung der Güter des Volkes und zur Verwüstung ihrer Häuser veranlassen wird. Ohne Geld und ohne Zuflucht werden sie nirgends mehr sicher sein. Auch ihre Bemühungen, die Häuser wieder aufzubauen und Weinberge zu pflanzen , werden vergeblich sein. Sie werden nicht lange genug leben, um sich ihrer Arbeit zu erfreuen.

 

 

2. Wie wird das Gericht aussehen?

( 1,14 - 18 )

 

Nachdem er mit klaren Worten Jahwes drohendes Gericht über Juda und die Vernichtung der Menschen, gegen die sich Gottes Zorn richtet, verkündigt hat, beschreibt der Prophet nun die Verwüstungen, die das Gericht anrichten wird.

 

 

a. Seine Nähe

( 1,14 a)

 

Zeph 1,14 a

 

Um das gleichgültige (vgl. V. 12 ) Volk aufzurütteln und ihm die Gefahr, in der es schwebt, bewußtzumachen, kehrt Zefanja zum Thema von Vers 7 , dem großen Tag des HERRN , zurück. Grammatikalisch liegt die Betonung hier auf dem Wort " nahe ", das im Hebräischen am Satzanfang steht (vgl. "nahe" in V. 7 , ebenfalls hervorgehoben). Gottes fürchterlicher Zorn ist nahe und eilt sehr . Da Zefanja seine Prophezeiung kurze Zeit nach 622 v. Chr., dem Jahr von Josias Reformversuchen, niederschrieb, stand dieser "Tag des Herrn" in der Tat unmittelbar bevor. Denn nur 17 Jahre nach diesen Reformen, im Jahr 605, wurde Juda unter Jojakim zu einem Vasallen Babylons, und viele seiner tüchtigsten jungen Männer wurden deportiert. In der Regierungszeit von Jojakims ebenfalls gottlosem Nachfolger Jojachin wurde die Stadt Jerusalem im Jahr 597 von Nebukadnezar belagert, wobei erneut etwa 10 000 Juden verschleppt wurden. Unter Zedekia hatte die Stadt abermals unter einer langen Belagerung durch Nebukadnezar zu leiden, bis sie schließlich im Sommer 586 völlig zerstört wurde. (Zum Verhältnis dieses Ereignisses zum "Tag des Herrn" vgl. den Kommentar unter "B. Das Gericht über Juda und Jerusalem ( Zeph 1,4-2,3 )".)

 

 

b. Seine Schrecken

( 1,14 b. 15-18 )

 

Die Verse 14 b- 16 beschreiben die äußeren Merkmale des schrecklichen Tages, die Verse 17-18 konzentrieren sich dagegen auf die Ängste und Schrecknisse für die Menschen.

 

 

Zeph 1,14-16 (Zeph 1,14b-16)

 

Der Prophet setzt ein mit dem Aufruf an das Volk, seine Worte zu hören ( Horch! ). Am Tag des Schreckens , wenn die Babylonier in die Stadt eindringen, werden die Menschen aus Verzweiflung schreien , und selbst die jüdischen Krieger, die Starken , werden sich vor Angst und Entsetzen verstecken. Der furchtbare Grimm des allmächtigen Gottes gegen die Sünder (vgl. V. 18 ; Zeph 2,2-3; 3,8 ) spiegelt sich in der Beschreibung dieses Tages als Tag der Trübsal, der Angst, des Wetters, des Ungestüms, der Finsternis, des Dunkels, der Wolken und des Nebels . Der Sturm der babylonischen Soldaten auf die Stadt versetzt die Einwohner Jerusalems in Trübsal und Angst, ihre Häuser sind zerstört, und der Himmel ist dunkel vom Rauch der brennenden Gebäude. Die babylonischen Horden, die die Stadt überschwemmen, um zu erobern, zu töten und zu plündern, stoßen in die Posaune und erheben ein Kriegsgeschrei. Nicht nur Jerusalem, auch die festen Städte Judas werden zu Schlachtfeldern. Selbst die Soldaten auf den hohen Zinnen - Verteidigungseinrichtungen gegen angreifende Feinde - sind machtlos.

 

Zeph 1,17

 

Gottes Gericht wird so schrecklich sein, daß die Juden hilflos umherirren werden wie die Blinden (vgl. 5Mo 28,28-29 ), ohne einen sicheren Platz zu finden. Diese furchtbare Erfahrung ist nicht etwa auf Gottes unpersönliche Grausamkeit zurückzuführen, sie ist vielmehr die Strafe dafür, daß sie wider den HERRN gesündigt haben . Die Judäer werden ein schreckliches Ende finden: Ihr Blut soll in solchen Strömen vergossen werden, als wäre es Staub auf der Straße. Ihre Leichen werden geschändet und ihre Eingeweide weggeworfen, als wären sie Kot.

 

 

Zeph 1,18

 

Es wird keine Hoffnung auf Erlösung geben. Auch ihr Reichtum ( Silber - vgl. "Geld" in V. 11 - und Gold ) wird sie nicht vor den Angreifern erretten können (vgl. Hes 7,19 ). Zefanja kehrt an dieser Stelle wieder zum Thema des universalen Gerichts zurück (vgl. Zeph 1,2-3 ). Das ganze Land wird zerstört werden, und alle seine Bewohner werden in kürzester Zeit Gottes Zorn überantwortet werden ( er wird plötzlich ein Ende machen ). Alle diese schrecklichen Ereignisse sind jedoch letztlich die Folge von Gottes leidenschaftlichem Eifer, seiner verzehrenden Liebe und Sorge, daß sein Volk ihm, und nicht falschen Göttern, folgen möge.