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Prediger

Prediger - Übersicht (WM)

Prüfet Alles und das Gute behaltet:


Titel, Verfasser, Geschichtlicher Hintergrund

Alles ist Eitelkeit


Einleitung

Das Buch Prediger gehört zu den bekannteren Büchern des Alten Testaments. Auch solche, die nie in der Bibel lesen, rufen zuweilen verärgert oder frustriert: „Eitelkeit der Eitelkeiten“, und dass unter der Sonne nichts Neues sei, ist eine in den meisten europäischen Sprachen geläufige Redensart. Beides stammt aus diesem von Salomo verfassten Buch.



Das Thema des Buches

Das Thema des Buches ist Weisheit; das Wort „Weisheit“ oder „weise“ kommt 49-mal vor. Man hat auf Grund einiger anstößig erscheinender Aussagen gemeint, es handle sich da bei nur um menschliche, nicht aber göttliche Weisheit. Diese Meinung lässt sich schwerlich rechtfertigen, wie einmal die vom Autor des Buches selbst gezogene Summe all seiner Erörterung zeigt; aber auch die im ganzen Buch wiederholt aufscheinende Definition von Weisheit macht allem Zweifel ein Ende. Wie die zuvor behandelten Sprüche lehrt auch dieses Buch göttliche Weisheit. Bevor wir weiterfahren, zu den erwähnten Belegstellen:

Am Ende seiner Ausführungen über Gott und die Welt fasst Salomo zusammen: „
Das Endergebnis des Ganzen lasst uns hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das ist der ganze Mensch“ (12,13).

Das ist deutlich. Ebenso die folgenden Stellen, die alle von Gottesfurcht reden:


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Das Thema von Prediger ist also göttliche Weisheit, wird doch die Weisheit so definiert, wie sie Salomo bereits in den Sprüchen definiert hatte: Weisheit beginnt damit, dass man Gott fürchtet (Spr 9,10). Handelt es sich demnach um eine Wiederholung der Lehre, die sich in den Sprüchen findet? Nicht ganz. Der Unterschied ist Folgender: Das Buch der Sprüche lehrt die Weisheit, die wir brauchen, um unseren Weg sicher bis ans Ziel zu gehen; Prediger hingegen lehrt mich göttliche Weisheit für mein Leben auf der Erde. Man könnte als Motto folgende Frage über „Prediger“ stellen: „Denn wer weiß, was dem Menschen gut istim Leben?“ (6,11). Die Frage wird vom Prediger gründlich, ausführlich und einleuchtend beantwortet.

In den eitlen Jahren unserer irdischen Existenz–sie währt siebzig, und wenn es hochkommt achtzig Jahre (
Ps 90,10) – haben wir es mit Dingen wie Familie, Liebe, Arbeit, Bildung, Kunst, Politik, Kleidung, Essen und Trinken und so weiter zu tun. Keiner von uns kann sich dem entziehen. Wie nun sollen wir mit diesen Dingen umgehen, solange sie währen? Welcher Stellenwert kommt ihnen zu? Darauf gibt dieses köstliche Buch, das zu alledem von Witz und Farbe nur so sprüht, willkommene Auskunft. Und diese ist–ich wiederhole–nicht von menschlicher, sondern von göttlicher Weisheit inspiriert. Als letzten Beleg dafür lassen wir den Verfasser einmal mehr zu uns sprechen: „Und außerdem, dass der Predigerweisewar, lehrte er noch das Volk Erkenntnis und erwog und forschte, verfasste viele Sprüche. Der Prediger suchte angenehme Worte zu finden; und das Geschriebene ist richtig, Worte der Wahrheit. Die Worte der Weisen sind wie Treibstacheln, und wie eingeschlagene Nägel die gesammelten Sprüche;sie sind gegeben von einem Hirten“ (12,9–11). Dieser „eine Hirte“ ist unser
 Herr Jesus Christus. Er hat es Salomo eingegeben.




Ein pessimistisches Buch?


Es wird zuweilen gesagt, das Buch sei von schwärzestem Pessimismus durchtränkt, und man verweist auf den wiederholten Ausruf, alles sei eitel, und der Weise sei nicht besser dran als der Tor (2,16); und die Toten seien mehr zu preisen als die Lebenden, und am meisten von allen jene, die nicht geboren wurden (4,2.3). Nein, der Schein trügt; das Buch ist nicht pessimistisch. Als Kehrreim geht durch das ganze Buch vielmehr die Aufforderung,sich zu freuen. Ich habe es sogar nach diesen wiederholten Verweisen auf die Freude eingeteilt.

Wie ist dieser scheinbare Widerspruch zu erklären? Es ist wahr, dass alles eitel und ein Haschen nach Wind ist,solange man den Schöpfer von seinem Tun ausklammert. Bleiben wir auf die sinnlich wahrnehmbare Welt beschränkt, auf das, was „
unter der Sonne“ ist –der Ausdruck kommt 29-mal vor–, ist in der Tat das Leben ein sinnloses Jagen nach sinnlosen Dingen.

Nikolaus Lenauschrieb in seinem letzten Gedicht die resignierten Reime: „’
S ist eitel Nichts, wohin mein Aug ich hefte! / Das Leben ist ein vielbesagtes Wandern, / Ein wüstes Jagen ist’s von dem zum andern, / Und unterwegs verlieren wir die Kräfte.“ Das war 1848, zwei Jahre vor seinem Tod. So ist das Leben, ein wüstes Jagen „von dem zum andern“, ein elendes „Haschen nach Wind“ –der Ausdruck wird in Prediger neunmal verwendet–, solange wir das Jenseits und den jenseitigen Gott aus unserem Trachten und Tun auslassen. Beziehen wir Ihn aber in all unsere Geschäfte ein, dann wendet sich Verdruss in Freude: „Denn wer kann essen und wer kann genießen getrennt von mir? Denn dem Menschen, der ihm wohlgefällig ist, gibt er Weisheit und Kenntnis und Freude“ (2,25.26). Im Herrn, und in Ihm allein, können wir uns allezeit freuen, wie das Neue Testament bestätigt (Phil 4,4). Kennen wir Ihn, nehmen wir alles dankbar aus seiner Hand, und sind wir Ihm als Herrn und Meister unterworfen, wie es die Apostel am Tag von Pfingsten waren, dann können wir auch das tägliche Essen „mit Frohlocken“ zuuns nehmen (Apg 2,46). Es ist wirklich so, wie Salomo fragte: „Wer kann genießen ohne ihn?“ Eine genusssüchtige Zeit, die das Vergnügen mehr liebt als Gott (2Tim 3,4), weiß, dass alles, was man heute Auge und Ohr, Tastsinn und Gaumen in erdrückender Fülle bietet, nur Überdruss und letztendlich Ekel bereiten kann. Wer aber Gott fürchtet, weiß ebenso:
 Er reicht alles reichlich dar zum Genuss (1Tim 6,17).




Eine Einteilung


Nach einer Einleitung (1,1–11) folgen sieben Abschnitte, die alle mit einer Aufforderung schließen, sich zu freuen (2,24–26; 3,22; 5,18–20; 7,13.14; 8,15; 9,7–10; 11,7.8). Der Prediger greift jedes Mal neu ein Problem oder ein Rätsel auf, das uns das Leben aufgibt, erörtert es nach verschiedenen Seiten hin und kommt dabei immer wieder zum gleichen Ergebnis: Alles ist sinnlos, wenn man Gott nicht fürchtet; fürchtet man aber Gott, kann man sich trotz aller Unbilden und Widerwärtigkeiten des Lebens freuen. Es werden der Reihe nach folgende Fragen behandelt:

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Eitelkeit und ein Haschen nach Wind

Die Einleitung nimmt wie so oft das im Buch nachfolgend Behandelte vorweg. Daher wollen wir die Verse 1,1–11 etwasnäher ansehen. „Eitelkeit der Eitelkeiten! Alles ist Eitelkeit“, seufzt der Prediger scheinbar resigniert, und dann stellt er die ebenso resigniert klingende Frage: „Welchen Gewinn hat der Mensch bei all seiner Mühe, womit er sich abmüht unter der Sonne?“ Er hat keinen; denn ein Geschlecht geht und ein neues Geschlecht kommt, aber der Mensch kann von allem, was er sich aufgehäuft hat, nichts mitnehmen (1Tim 6,7), sondern muss es einem andern überlassen, der vielleicht ein Narr oder ein Faulpelz sein wird (2,18.19). „Unter der Sonne“, das heißt auf das Diesseits beschränkt, ist alle Bemühung letztlich umsonst (4,7.8). Alles ist ein Kreislauf ewig wiederkehrender gleicher Dinge: Die Sonne geht auf, die Sonne geht unter, die Flüsse laufen Tag für Tag ins Meer,und doch wird das Meer nicht voll; das, was gewesen ist, ist das, was sein wird; „unter der Sonne“ gibt es nichts Neues. Wohl trachten Ohr und Auge stets danach, „etwas Neues zu hören und zu sagen“ (Apg 17,21), bleiben aber in ihrer Sehnsucht nach etwas dauernd Befriedigendem ewig frustriert. Ein Leben, das auf das Diesseits beschränkt bleibt, ist in der Tat ein elendes Stapfen in der Tretmühle. Wie schwer ein solches Leben auf dem Menschen lastet, wusste Franz Kafkain seinem Tagebuch auszudrücken: „Sonntag, den 19. Juli 1910: Geschlafen, aufgewacht, geschlafen, aufgewacht, elendes Leben.“ Und noch zwölf Jahre später: „16. Januar 1922: Zusammenbruch, Unmöglichkeit zu schlafen, Unmöglichkeit zu wachen, Unmöglichkeit das Leben, genauer, die Aufeinanderfolge des Lebens zu ertragen. Die Uhren stimmen nicht überein, die innere jagt in einer teuflischen oder dämonischen oder jedenfalls unmenschlichen Art, die äußere geht stockend ihren gewöhnlichen Gang.

Wie soll der Mensch mit einem solchen Leben fertig werden? Wie soll er Freude an der Gabe des Lebens und all dessen Gütern finden? Die Antwort dieses Buches lautet: „Fürchte Gott und halte seine Gebote, denn das ist der ganze Mensch“ (12,13). Und tatsächlich bestätigt das Neue Testament, dass die aus der Gottesfurcht fließende Gottseligkeit die Verheißung des ewigen, ja, aber auch des diesseitigen Lebens hat (1Tim 4,8). Das Neue Testament beantwortet auch die Frage von Vers 10: Gibt es ein Ding, von dem man sagt:, Siehe, das ist neu?‘“ Ja, es gibt wirklich Neues: eine neue Geburt (Joh 3,3.5) und damit verbunden eine neue Schöpfung (2Kor 5,17). Wer diese kennt und darin verankert seinen Weg durch die Zeit geht, wird von jenem erdrückenden Bewusstsein der Nichtigkeit aller Dinge befreit. Er weiß, dass „die Welt vergeht mit ihrer Lust“ (1Joh 2,17), und dass „die Gestalt dieser Welt vergeht“ (1Kor 7,31). Darum klammert er sich nicht verzweifelt an sie, lebt nicht für sie, sondern ist bereit, in dieser Welt das Leben zu verlieren. Und siehe da: Er findet es damit (Mt 10,39). Unterwirft er sich Gott, kann er bezüglich dieses Lebens mit Salomo bekennen: „Ich habe erkannt, dass es nichts Besseres unter ihnen gibt, als sich zu freuen und sich in seinem Leben gütlich zu tun; und auch, dass er isst und trink und Gutes sieht bei all seiner Mühe, ist für jeden Menschen eine Gabe Gottes“ (3,12).


Eben an solchen Versen haben viele sich gestoßen und gemeint, hier werde doch deutlich, dass Prediger nur menschliche Weisheit lehre. „Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot“ (1Kor 15,32) ist ja offenkundig die Sprache der Gottlosen, nicht aber der Gottesfürchtigen. Das stimmt, wenn Essen und Trinken unser Lebensinhalt ist. Wenn der Bauch unser Gott ist (Phil 3,19), sind wir wahrlich arm. Ist aber Gott unser Gott, dann wird alles mit einem Schlag anders. Dann können wir uns an den Gaben des Schöpfers freuen, können uns allerdings auch freuen, wenn wir Mangel leiden (Phil 4,12), denn der Quell unserer Freude liegt nicht in den Gaben, sondern im Geber.




Zusammenfassung

Im letzten Kapitel nimmt der Prediger noch einmal alle durchs Buch laufenden Fäden zusammen. Er fordert den Jüngling auf, sich seines Lebens zu freuen (11,9), dabei aber den Richter (11,9) und Schöpfer (12,1) nicht zu vergessen, sondern Ihn zu fürchten; denn dies ist der Schlüssel zu einem glücklichen Leben. Die Verse 12,1.2 widerlegen einen leider weitverbreiteten Irrtum. Es stimmt nicht, dass man im Alter leichter zum Glauben an Gott findet als in der Jugend. Es ist umgekehrt so, dass sich am Lebens abend „die Sonne und das Licht verfinstern“. Der Mensch hat es mit zunehmendem Alter immer schwerer, die „Sonne der Gerechtigkeit“ und „das Licht der Welt“ zu erkennen. Daher fordert Salomo uns auf, in den Tagen der Jugend des Schöpfers zu gedenken, und es nicht so lange hinauszuschieben, bis wir unseren Schöpfer und Erlöser fast nicht mehr erkennen können, weil das Gewissen von Jahr zu Jahr stumpfer geworden ist.

Kapitel 12,3–5 ist eine in ihrer Lebendigkeit hinreißende metaphorische Schilderung des Alters: Die „Hüter des Hauses“ sind die zitternden Hände, die „starken Männer“, die sich krümmen, sind die Beine des Greises. Die wenig gewordenen „Müllerinnen“ sind die nur mehr spärlich vorhandenen Zähne, die „durch die Fenster Sehenden“ sind die inzwischen trüb gewordenen Augen. Dann folgt als eindringliches Memento Mori die unvergleichlich schöne und bewegende Umschreibung des Todes: Eines Tages wird die silberne Schnur zerrissen, die goldene Schale zerschlagen sein. Der Eimer am Quell ist dann zerbrochen, und geborsten ist die Schöpfwelle. Der Leib, aus Staub geworden, kehrt zum Staub zurück; damit ist aber nicht alles aus, nein: Der Geist des Menschen wird eines Tages vor
 den Thron des Richters gerufen werden, der ihn gegeben hat (12,6.7; Off 20,12).
Im HERRN JESUS CHRISTUS, der ist und der war und der kommt, der Allmächtige.
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Antonino.S