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ich denke, die nachfolgende Zeilen entsprechen dem, was wir vor einigen Minuten besprochen haben. Ich habe mich einmal bemüht es festzuhalten.

Auswahl im Römerbrief

 

In letzter Zeit machen einige einen erheblichen Aufwand und viel Aufhebens rund um den Begriff Auswahl, wobei dann noch suggeriert wird, das damit so etwas wie eine Vorauswahl oder Zuvorbestimmung Gottes, bezogen auf das endgültige Los eines Menschen verbunden sein.

 

Nun ist es sehr interessant, dass dieser Begriff gar nicht so häufig in der Bibel vorkommt. Insgesamt haben wir bei der Elberfelder Übersetzung von 1905 den Begriff überhaupt nur achtmal in der gesamten Bibel, wobei der Begriff nur zweimal im Neuen Testament und da dann im Römerbrief gefunden wird. Es scheint einmal der Mühe wert zu sein, diese beiden Stellen in ihrem Kontext etwas genauer zu untersuchen. Einige haben daraus eine Auswahl vor Grundlegung der Zeit gemacht. Hier soll direkt gesagt werden, dass genau daran nicht geglaubt wird und darum der Versuch unternommen wird einen Beweis anzutreten, der belegt, dass die Auswahl vor Grundlegung der Zeit überhaupt nichts mit einer Auswahl zur ewigen Errettung zu tun hat.

 

Die erste Stelle haben wir in Römer 9,11, dort wird betont, dass der Vorsatz Gottes nach Auswahl bestände, nicht aus Werken, sondern aus dem Berufenden.

 

Zunächst einmal ist hier ganz deutlich heraus gearbeitet worden, dass der Berufende die Spielregeln vorgibt. Wir müssen uns nun die Frage stellen welche Regel der Berufende hier vorgibt. Eindeutig wird hier die Regel genannt: „Der Größere wird dem Kleineren dienen“. Im Gegensatz zu vielen, die hier die Auswahl des Kleineren, nämlich Jakobs vermuten, müssen wir festhalten, dass die Regel sich an den Größeren, nämlich an Esau richtet. Es gibt überhaupt kein Auswahlkriterium für Jakob, es gibt nur ein Auswahlkriterium für Esau: „Der Größere wird dem Kleineren Dienen“.

 

Genau diesem Auftrag oder Auswahlkriterium ist Esau nicht gerecht geworden, darum hat, obwohl Gott den Esau auserwählt hatte, Esau das Ziel der Auswahl nicht erreicht.

 

Sicherlich gibt es viele, die dieser Auslegung in Römer 9,11 nicht folgen wollen, und man kann verstehen, dass sie an dieser Stelle „Probleme“ haben. Darum lasst uns die zweite Stelle im Neuen Testament und damit auch gleichzeitig im Römerbrief untersuchen, bei der Auswahl genannt wird.

 

„Hinsichtlich des Evangeliums sind sie zwar Feinde, um euretwillen, hinsichtlich der Auswahl aber Geliebte, um der Väter willen.“ (Römer 11,28). Wir haben hier also eine Gruppe vor uns, die gleichzeitig Feinde und Geliebte sind. Das ist schon ganz gewaltig, denn wie kann so etwas sein, wenn die Auswahl vor Grundlegung der Welt schon stattgefunden hat. Hat denn Gott Feinde geliebt? Ja, natürlich, ganz eindeutig! Das ist doch genau die Aussage von Johannes 3,16. Wie kann es aber sein, dass Paulus, durch den Geist Gottes geleitet, auch im Römerbrief noch welche Feinde und gleichzeitig Geliebte nennt? Paulus sagt dann auch noch hinsichtlich der Auswahl sind sie Geliebte! Spätestens hier wird doch deutlich, dass Paulus einfach den Kalvinismus nicht begriffen hat. Wenn eine Auswahl Gottes stattgefunden hat, dann muss doch auch die Gotteskindschaft die Folge sein. Wie können denn hinsichtlich der Auswahl Geliebte Feinde sein? Es gibt nur zwei Möglichkeiten, entweder ist bei der Auswahl oder bei dem Kalvinismus etwas falsch gelaufen. Wir entscheiden uns hier einmal dafür, dass bei dem Kalvinismus etwas falsch gelaufen ist!

 

Der Kalvinismus hat offensichtlich nicht verstanden, dass Auswahl und Errettung nichts miteinander zu tun haben. Die Israeliten sind nach der Auswahl Geliebte. Dies trifft nach Johannes 3,16 auf die ganze Welt zu. Wird darum auch die ganze Welt errettet? Nach Römer 11,28 offensichtlich nicht, denn dort wird im Bezug auf die Israeliten ganz eindeutig gesagt, dass sie Feinde sind. Also, auserwählte Geliebte können Feinde sein. Wie dass? So, wie Esau, sie sind dem Auswahlkriterium nicht gehorsam. Sie dienen nicht dem Jüngeren.

 

So sind alle Menschen aufgefordert dem Christus, dem Messias, dem Jüngeren, dem Herrn Jesus zu gehorchen, IHM zu dienen, IHN anzubeten. Genau dazu ist jeder, jeder ohne Ausnahme, auserwählt. Dann gehorchen sie dieser Frohen Botschaft, dem Evangelium nicht. Dadurch sind sie Feinde.

 

Hatte Gott sie bestimmt Feinde zu sein? Eindeutig nicht, denn sie sind hinsichtlich der Auswahl Geliebte. Sie sind aber durch Gehorsamsverweigerung Feinde. Sie gehen ewiglich verloren. Das entspricht ganz eindeutig nicht der Auswahl Gottes!

 

Wer auch immer die doppelte Zuvorbestimmung (Prädestination) erfunden hat, den Römerbrief hat er sicher nicht als Grundlage gehabt.

 

Herzliche Grüße

 

Ulrich