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Zurück zur Site Ulrich Brinkmann

Der Freie Wille

Was sollen wir nun sagen? Ist etwa Ungerechtigkeit bei Gott? Das sei ferne! Denn er sagt zu Mose:
„Ich werde begnadigen, wen ich begnadige, und ich werde mich erbarmen, wessen ich mich erbarme.“
Also liegt es nun nicht an dem Wollenden noch an dem Laufenden, sondern an dem begnadigenden Gott.
Denn die Schrift sagt zum Pharao:
„Eben hierzu habe ich dich erweckt, damit ich meine Macht an dir erweise und damit mein Name verkündigt werde auf der ganzen Erde.“
So denn, wen er will, begnadigt er, und wen er will, verhärtet er.
Du wirst nun zu mir sagen:
Warum tadelt er denn noch? Denn wer hat seinem Willen widerstanden? Wer bist du denn, o Mensch, der du das Wort nimmst gegen Gott?
Wird etwa das Geformte zu dem, der es geformt hat, sagen: Warum hast du mich so gemacht?
Oder hat der Töpfer nicht Macht über den Ton, aus derselben Masse das eine Gefäß zur Ehre und das andere zur Unehre zu machen?
Wenn aber Gott, willens seinen Zorn zu erweisen und seine Macht kundzutun, mit vieler Langmut ertragen hat die Gefäße des Zorns,
die zubereitet sind zum Verderben, und damit er kund täte den Reichtum seiner Herrlichkeit an den Gefäßen der Begnadigung,
die er zuvor zur Herrlichkeit bereitet hat uns, die er auch berufen hat, nicht allein aus den Juden, sondern auch aus den Nationen.
Röm. 9,14-24


ich fange mit Römer 9 einmal an. Die Frage, was wir sagen sollen, ob denn Ungerechtigkeit bei Gott sei, wird mit "Das sei ferne!" beantwortet.
Es ist sicherlich wichtig zu beachten, dass dies Fragen unmittelbar nach der Ausführung über Jakob und Esau kommen.

Wir finden im Leben der beiden bis zu ihrem 71ten Lebensjahr überhaupt keinen Gehorsam, zumindest berichtet die Schrift überhaupt nichts davon.
Isaak zeigt dem Esau in seinem Segen genau auf, wie Esau gerettet werden kann.
An anderer Stelle haben wir schon daran gedacht, dass "zu segnen" bedeutet einem anderen den Weg zu Heil zeigen.
Isaak fordert Esau in 1. Mose 27,40 auf dem Jakob zu dienen. Wenn er umherschweifen würde, dann würde Esau das Joch seines Bruders von seinem Hals weg zerbrechen.
Wir haben übrigens an dieser Stelle den Begriff Joch erstmalig in der Bibel.
So, wie das Joch des Herrn Jesus sanft und die Last leicht ist (Matt. 11,30), ist auch das Joch Jakobs leicht und sogar mit materiellem Segen verbunden.

Es haut Esau im wahrsten Sinne des Wortes aus den Socken, dass sein Bruder plötzlich seinen Eltern gehorcht.
Esau ist richtig gehend fertig.
Die Folge ist aber nicht Buße, sondern Esau versucht es mit einem Trick.
Über den Dienst für seinen Bruder mit einem Sohn Abrahams in Verbindung zu kommen, wodurch er dem Wort Gottes, dem Wort seiner Mutter,
welches dies wahrscheinlich an ihn gerichtet hatte, aber ganz sich auch dem Wort seines Vaters Isaak gehorsam gewesen wäre, dass gefällt Esau nicht.
Gehorsam und damit Glauben ist einfach nicht sein Ding.
Esau sucht nach Alternativen.
Für ihn reduziert sich das Problem auf seine beiden hethitischen Frauen.
Nicht sein Ungehorsam steht im Vordergrund, sondern nur das Ergebnis. Esau geht zum Haus Ismaels, des Sohnes Abrahams und nimmt sich von dort eine Frau.
Hier sei angemerkt, dass natürlich kein Sohn Abrahams einem Ungöttlichen (Hebr. 12,16), seine Tochter gegeben hat.
Ismael ist zu dem Zeitpunkt schon 5-6 Jahre im Praradies bei Abraham.

In der nächsten Begegnung zwischen Esau und Jakob (1. Mose 32), sendet Jakob dem Esau Segen entgegen.
Man muss in dieser Szene einfach den Blickwinkel Esaus einnehmen.
Esau kennt die Überlegungen Jakobs nicht. Das, was Jakob für Esau hat, will dieser nicht, er lehnt es ab. Esau kann selbst für sich sorgen, Esau braucht Jakob nicht.
Das tun viele auch heute mit dem Herrn Jesus so.

Das nächste Mal treffen wir die Zwillinge bei der Beerdigung Isaaks.
Auch dort wird deutlich, dass Esau die Stellung Jakobs nach Gottes Gedanken nicht anerkennt. Esau nimmt die Führung in die Hand.
Die beiden sind 120 Jahr alt und dann geschieht genau das, wovor Isaak den Esau gewarnt hat.
Esau macht den Ungehorsam vollständig, nimmt seine Habe und zieht außer Landes. Er zieht weg von seinem Bruder (1. Mose 36,6).
Er hat das Joch zerbrochen.

Da wir in Römer 9 eine Anführung aus Maleachi haben, macht es Sinn, die weitere Entwicklung der Nachkommen Esaus, der Edomiter zu betrachten.
Die Edomiter gehen eine Allianz mit Nebukadnezar ein und bringen den Tempeldienst in Jerusalem zu einem Ende.
In Psalm 137 wird für diese Handlung Rache an Edom gefordert und der Prophet Obadja richtet sich ausdrücklich an Edom.

Wenn wir das Leben Esau und der Edomiter betrachten, dann verstehen wir, dass Gott den Esau hasst, aber noch einmal, diese Aussage haben wir erst in Maleachi.
Wir müssen für den weiteren Verkauf unserer Betrachtung noch einen weiteren Aspekt beachten, aus Jakob ist dem Fleisch nach der Christus.
Wer Jakob dient, dient Christus, dient Gott.

Das Leben Jakobs verläuft von 1. Mose 28 an völlig anders als das Leben Esaus.
Jakobs Leben ist durch Gehorsam, Gebet und Gemeinschaft mit Gott gekennzeichnet.
Nachdem Jakob Glaubensgehorsam zeigte begegnet ihm in Bethel Gott.
Nach sechs Jahren Dienst bei Laban für materielle Dinge, sorgt Gott dafür, dass der hebräische Knecht frei ausgehen kann.
Jakob legt seinen Frauen gegenüber Zeugnis von Gott ab und diese fordern ihn auf Gott zu gehorchen.

Am Pniel bleibt Jakob allein zurück um zu beten.
Jakob hat Gott gerufen und Gott ist gekommen.
Jakob hat aber auch die Lektionen von Opa Abraham und Vater Isaak gelernt. Jakob weiß ganz genau, dass Hungersnot kein Grund ist nach Ägypten zu gehen (Lehre an Isaak)
und das ein Weg nach Ägypten, selbst auf Grund von Hungersnot, zu großen Problemen führen kann (Lehre an Abraham).
Selbst als Josef aus Ägypten Wagen und Begleiter geschickt hat, ist das für Jakob noch nicht das oK nach Ägypten zu gehen.
Jakob hält an der Grenze an. Jakob fehlt die Zusage Gottes nach Ägypten gehen zu dürfen.
Die Szene ist ergreifend. Eigentlich hat Jakob allen Grund nach Ägypten zu gehen. Dort ist der geliebte Sohn, dort gibt es Nahrung, aber Jakob hält in Beerseba an und opfert (1. Mose 46).
Dann redet Gott mit ihm und nachdem Gott Jakob die Zusage geben hat mit nach Ägypten zu gehen, erst dann geht Jakob.
An der Stelle bestätigt Gott dem Jakob den Bund und Segen Abrahams.
60 Jahre nachdem Isaak sagt: Jehova geben dir den Segen Abrahams, tut Gott dies.
Dies ist übrigens die Bestätigung des Bundes aus Gal. 3,15 und ab 1. Mose 46 zählen sowohl die 430 Jahre von 2. Mose 12 als auch die von Gal. 3,17.

Wir können vollständig, auf Grund der Handlungen der Zwillinge verstehen, dass Gott den Jakob liebt und Esau hasst.
Es ist keine Ungerechtigkeit bei Gott!

Dann springt der Geist Gottes in seiner Beweisführung direkt nach 2. Mose 33.
Wir haben bei Jakob gesehen, das Glaubensgehorsam zu Gnade und Barmherzigkeit führt, wir haben dies bereits in Römer 4 gelernt,
dass es nicht aus Werken ist, sondern es aus Glauben, damit es nach Gnade sei.
Weder Wirken noch laufen können Gnade hervorbringen, sondern allein der Glaube, der eben nach Röm. 4,5 kein Werk ist.
Gott hat festgelegt auf Grund von Glaube zu begnadigen.

Das Volk hatte in 2. Mose 32 das Goldene Kalb gemacht. Das Urteil Gottes lautete, dass Volk zu vernichten und Mose zu einer großen Nation zu machen.
Mose verwendet sich dann für das Volk und ist bereit von Gott zum Fluch gemacht zu werden, nichts anderes bedeutet das Löschen aus dem Buch, welches Gott geschrieben hat.
Zu Anfang von Römer 9 hat uns der Geist Gottes gleiche Empfindungen von Paulus berichtet.
Gott selbst hatte es auch in sein Herz geschmerzt, als die Sünde der Menschen von ihm gesehen werden musste.
Abraham hat große Nöte wegen seines Sohnes in 1. Mose 21.
Diese Empfindungen kennzeichnen Menschen, die in Verbindung und Gemeinschaft mit Gott leben.

Man kann nur jedem raten solche Empfindungen bei Calvinisten zu suchen.

Mose verwendet sich für das Volk, es kommt nur ein kleiner Teil um, der nicht Buße tun will.
Auch Aaron, der das Goldene Kalb gemacht hatte wird gerettet und nachfolgend sogar Hoherpriester.
Gott zeigt Gnade und Erbarmen und als Mose in der Felsspalte steht und Gott an ihm vorübergeht, da hören wir die erstaunliche Botschaft:
"Barmherzig und gnädig ist Gott, langsam zum Zorn und groß an Güte" 1. Mose 34,6.
Auch wenn man Gott so kennt, kann man doch absolut störrisch und sauer sein,
weil Gott Menschen rettet, denen man selbst das Gericht verkündigen musste.
Jona ist in Jona 4,2 ein beredtes Beispiel dafür.

Gott stellt uns diesen seinen Charakterzug insgesamt 8 Mal im AT vor.
Er ist der Unwandelbare, der der ewig treu derselbe ist.

Wenn wir jetzt zu Pharao kommen, dann sollten wir uns bewusst sein, dass hier ein geschichtlicher "Rücksprung" stattfindet.
"Pharao muss man hier als System begreifen, nicht als einzelne Person.
Wir wissen sicher, dass es zur Geburt von Moses schon das Gebot gab Knaben bei der Geburt zu töten.
Das war mindestens 80 Jahre vor dem Auszug des Volkes.
Aus 1. Mose 15 und aus Apg. 7 wissen wir, dass das Volk 400 Jahre in Ägypten geknechtet wurde.
Es ist deutlich, dass Josef die Verwerfung noch 40 Jahre geteilt hat.
Apg. 7 macht deutlich, dass es gerade Josef verwehrt wurde in Hebron begraben zu werden.
Der Pharao, der aufstand und Josef nicht kannte, hat Josef nicht geliebt, wer Josef war hat er sicher noch 40 Jahre erfahren.

Auch wenn Gott zu Mose sagt, dass er das Herz des amtierenden Pharao verhärten würde, dann hat er ihm doch viermal die Chance gegeben,
dem Volk zu dienen und den von Gott gewünschten Gottesdienst zuzulassen.
Es ist ganz und gar absurd und spricht von Unkenntnis Gottes, wenn man meint, der Pharao hätte gar nicht gehorchen können.
Die ganze ägyptische Dynastie waren damals Nachkommen Kanaans.
Sie hätten nach dem Segen Noahs Knechte Sems und damit des Volkes Israel sein sollen.
Sie hätten es dem Volk ermöglichen sollen, Gott anzubeten.
Was dieses System "Pharao" praktiziert ist Ungehorsam und Unglauben auf der ganzen Linie.

Gott macht in Hiob 33 deutlich, dass er jedem Menschen zwei bis dreimal die Chance gibt ihm zu gehorchen.
Gott tut dies ausdrücklich um den Menschen davon abzuhalten ins Geschoss oder in die Grube zu rennen, Gott will ihn zurückhalten.
Verhärten tut Gott nur den, der nicht gehorchen will.
Alle Bemühungen Gottes sind auf Begnadigung ausgerichtet. Darum wird auch gesagt: "So denn, wen er will begnadit er,"

Jetzt kommen Menschen und nehmen das Wort wider Gott. Sie widerstehen Gottes Willen.
Das sieht bei kaum jemandem so deutlich wie bei Pharao. Pharao hat deutlich das Wort Gottes genommen und es umgedreht, er wollte Mose sagen, was Gott tatsächlich gesagt hatte.

Dann kommt die wohl perverseste Argumentation, nämlich der Mensch sei Geformtes. Aber durch sein Handeln und seine Worte macht der Mensch deutlich,
dass genau das nicht stimmt.
Noch nie hat Geformtes zum Former gesprochen, aber Menschen reden gegen Gott und machen eben dadurch deutlich, das sie nicht Geformtes sind.
Ich habe einen Bruder, der hat Former gelernt.
Der hat nicht immer nur Topformen geformt. Manchmal war das Geformte einfach nur Schrott.
Aber selbst der Schrott hat sich nicht bei meinem Bruder beschwert.
Ich glaube, wenn Geformtes zum Former sprechen würde, dann wäre mein Bruder und auch alle anderen Former, vor Schreck tot umgefallen.
Eben durch sein Reden macht der Mensch deutlich, dass er viel mehr und ganz anders ist als bloß Geformtes.

Die Sache mit dem Töpfer ist ein weiterer Beweis. Sie ist deswegen so wichtig, weil wir mir Jeremia 18 ein ganze Kapitel haben,
dass uns aus göttlicher Sicht die Beziehung zwischen Töpfer und Ton schildert. Man darf nur in Jeremia 19 nicht bloß die Szene im Haus des Töpfers sehen und dann weggehen.
Gott sagte zu Jeremia, dass er ihn im Haus des Töpfers seine Worte hören lassen wollte.
Viele hören gar nicht die Worte Gottes, sie betrachten nur die Szene, denken sie haben verstanden und gehen weg.
Wenn man nur die Szene zu Anfang des Kapitels betrachtet, dann denkt man tatsächlich der Töpfer handelt nach seinem Gutdünken.
Wenn man aber die Worte Gottes in dem Kapitel vollständig hört, dann stellt man plötzlich fest, in der Beziehung zwischen Gott und Menschen ist der Mensch das Problem.
Gott fordert den Menschen, den Ton auf auf ihn zu hören und ihm zu glauben und zu vertrauen.

Ich denke wieder an Jona.
In den Bewohnern von Ninive haben wir die gewaltigste Illustration dafür, dass der "Ton" sich ändert und Gericht ausbleibt.
Aber auch Israel in 2. Mose 32 ist ein deutliches Vorbild dafür.

Die Gefäße des Zorns werden dann zubereitet, während die Gefäße der Begnadigung zuvor zur Herrlichkeit bereitet sind.
Die Gefäße der Begnadigung sind vor Grundlegung Welt von Gott zuvor zur Herrlichkeit bereitet.
Bei den Gefäßen des Zorns wird uns im Text nicht direkt der Zubereitende genannt.
Wenn wir aber die Belehrung von Jeremia 18 berücksichtigen, dann findet die Zubereitung der Gefäße des Zorns durch die Gefäße selbst, seit Grundlegung der Welt statt.

Wir haben also unterschiedliche Zeitpunkte und unterschiedliche Handelnde, Zubereitende.
Gott hat alles so zuvor bereitet, dass jeder Gefäß der Begnadigung sein kann.
Um Gefäß des Zorns zu werden, muss man selbst die Begnadigung verhindern.

Ich habe mich bemüht flüssig und ohne viele Brüche zu schreiben. Man muss das als Anleitung zum eigenen Bibelstudium verstehen.
Sicher muss jeder Leser sich intensiv und unter Gebet mit diesen Punkten auseinander setzen.
Über Fragen, bei denen wir dann noch mehr in die Tiefe gehen freue ich mich.