Home       Bibelkreis.ch

Calvinismus

DER

 CALVINISMUS

 

Calvinismus

 

eine

 kritische Auseinandersetzung

Peter Streitenberger
 

(A)Vorwort

Wenn im folgenden charakteristische Lehren des Calvinismus angesprochen werden sollen, ist es notwendig, einige Vereinfachungen vornehmen zu müssen, da nicht alle Spielarten (z.B. Infralapsarianismus etc.)  innerhalb der diversen calvinistischen Bewegungen ausreichend dargestellt werden können. Es bietet sich die Beschränkung auf die Hauptlehren an, die in erster Linie auf Johannes Calvin zurückgehen und bis in die Gegenwart viele Christen, Gemeinden und Kirchen beeinflusst haben und weiterhin Gegenstand kontroverser Debatten, Konflikte und Spaltungen sind, allerdings auch eine scheinbar friedliche Koexistenz in vielen christlichen Gemeinschaften gefunden haben. Daneben finden sich auch Mischformen und Grauzonen, in denen jedoch auch calvinistisches Vorverständnis zu finden ist. So lehnen einige evangelikale Autoren die Lehre der ‚begrenzten Erlösung’ zwar strikt ab, vertreten jedoch im Sinne des Calvinismus das zweifache Rufen Gottes im Evangelium.

1.Bewertungskriterien

Den folgenden Ausführungen liegt die Voraussetzung der völligen Widerspruchsfreiheit und Unfehlbarkeit von Gottes Wort zugrunde. Sämtliche theologische Aussagen (auch diese Ausführung) haben sich daran messen zu lassen, ob sie mit Gottes Wort in Einklang stehen, oder verworfen werden müssen.  Zwei Kriterien sollen über eine Annahme oder Ablehnung von Behauptungen, wie sie etwa der Calvinismus trifft, entscheiden:

I.Widerspruchsfreiheit mit anderen Aussagen der heiligen Schrift

Treten ein oder mehrere Punkte der klaren Unvereinbarkeit eines Konzeptes mit der heiligen Schrift auf, werden diese als unbiblisch verworfen, da „die Schrift nicht gebrochen werden kann“ (Johannes 10,35).

II.Direkte Ableitung aus Gottes Wort

Sind eine oder mehrere Aussagen nicht auf Gottes Wort zurückzuführen, werden diese abgelehnt, da diese durch die Bibel weder belegt noch widerlegt, d.h. nicht geprüft werden können. Es ist in diesem Fall von menschlicher Spekulation auszugehen, die keineswegs unfehlbar ist und als Grund zahlreicher Lehrabweichungen in Vergangenheit und Gegenwart anzusehen ist.

2.Vorgehensweise

Im weiteren Verlauf wird zunächst der Calvinismus vorgestellt, daraufhin werden entsprechende Aussagen in Bezug zur Bibel gebracht (Widerspruchsfreiheit) und einige typische Bibelauslegungen beurteilt (direkte Ableitung aus Gottes Wort).

Abschließend werden aufgrund der erzielten Ergebnisse mögliche Konsequenzen für christliche Gemeinden gezogen werden.

(B)Einführung in calvinistisches Denken

Die wichtigsten Säulen dieses Lehrgebäudes werden im weiteren dargestellt und mit typischen Zitaten der Vertreter belegt. 

1.Sinngemäßer Überblick

Unter der Gnade und Liebe Gottes wird im Calvinismus verstanden, dass Gott vor Grundlegung der Welt einige Menschen zur Seligkeit vorherbestimmt hat; allein für diese Auserwählten wurde Jesus Christus gesandt, der auch ausschließlich deren Sünden am Kreuz getragen hat. Der heilige Geist schenkt nur diesen Auserwählten die Wiedergeburt durch sein Wirken, gegen das es keinen Widerstand gibt.

Andere Menschen sind nicht in Gottes Heilsplan einbezogen, d.h. sie sind weder zur Seligkeit auserwählt, noch ist Jesus am Kreuz für sie gestorben. Der heilige Geist wirkt an ihnen auch nicht in unwiderstehlicher Art und überlässt sie ihrem Weg zur ewigen Hölle.

2.Die doppelte Prädestination

Das aus lateinischer Wurzel abgeleitete Wort ‚Prädestination’ bezeichnet, das von einer Person bereits vorher festgelegte und  später eintretende Ziele, Plan oder Ereignis. Inhalt der calvinistischen Sicht ist die Errettung der Menschen – Zeitpunkt der Beschlussfassung Gottes war bereits vor Grundlegung/Erschaffung der Erde’.

I.Erster Bestandteil – Prädestination zur Seligkeit

Folgende Auszüge stellen die erste Säule calvinistischer Theologie zusammenfassend und eindrücklich dar: die Prädestination einer vorherbestimmten und abgegrenzten Menge an Menschen zur Seligkeit.

(A)Johannes Calvin

„ indem er [Anm.: Gott] einige Menschen nach seinem Ermessen erwählt, bestimmte andere übergeht [...] Wir entnehmen den Worten des Apostels, dass das Heil der Gläubigen allein auf das Gutdünken der göttlichen Erwählung gegründet ist“ (Institutio, Buch III, Kap. 2)

(B)Dordrechter Lehrregel

Die Dordrechter Lehrregel, die als ein eindrückliches Dokument aus dem Jahre 1619 der reformierten Kirche der Niederlande und deren calvinistischem Denken gesehen werden kann, zeigt die Übernahme der Lehren Calvins.

„Diese Erwählung ist ein unveränderlicher Vorsatz Gottes, durch den er vor der Grundlegung der Welt aus dem gesamten Menschengeschlecht, [..] eine bestimmte Menge von Menschen, [...] zur Seligkeit auserwählt hat - in Christus, den er auch von Ewigkeit her zum Mittler und Haupt aller Auserwählten und zu einem Fundament der Seligkeit gesetzt hat. Und damit sie durch ihn selig gemacht würden, hat er auch beschlossen, sie ihm zu geben [...]“ (erstes Lehrstück, Artikel 7)

(C)Gegenwärtige Vertreter

„Gottes Erwählung zur Errettung bestimmter Menschen vor Grundlegung der Welt beruht einzig allein auf seinem souveränen Willen.“ (aus: www.calvinismus.de)

II.Zweiter Bestandteil - die Prädestination zur Verdammnis

Die Kombination aus der Vorherbestimmung der einen Gruppe von Menschen zur Seligkeit und anderer zur Verdammnis, wird als doppelte Prädestination bezeichnet:

(A)Johannes Calvin

"Unter Vorsehung verstehen wir Gottes ewige Anordnung, vermöge deren er bei sich beschloss, was nach seinem Willen aus jedem einzelnen Menschen werden sollte! Denn die Menschen werden nicht alle mit der gleichen Bestimmung erschaffen, sondern den einen wird das ewige Leben, den anderen die ewige Verdammnis vorher zugeordnet." (Institutio, Buch III Kap. 21).

„...haben wir auch für die Verwerfung anderer keine andere Ursache als seinen Willen.“ (Institutio, Buch III, Kap. 2)

3.Die einfache Prädestinationslehre – Vorherbestimmung zur Seligkeit

Die Lehre der doppelten Prädestination wird auch in der einfachen Form prinzipiell - jedoch in verbal abgeschwächter Form - wiedergefunden: Gott habe Menschen, die verloren gehen werden, zwar nicht aktiv zur Verdammnis vorherbestimmt, diese jedoch nicht zur Seligkeit auserwählt und dadurch - im passiven Sinne - ihrem Weg zur Hölle überlassen und ihnen den rettenden Glauben vorenthalten. Im folgenden soll daher nicht zwischen einfacher und doppelter Prädestination unterschieden werden.

4.Die ‚Zwei-Rufe-Lehre“

Aus calvinistischer Sicht erfolgt die Predigt des Evangeliums auf zwei – je nach Zuhörerschaft - unterschiedliche Arten:

Der erste, allgemeine Ruf des Evangeliums verhallt ohne zwingende Konsequenz, der zweite ist mit dem sogenannten unwiderstehlichen Wirken des heiligen Geistes vergleichbar, da er als zwingende Antwort die Errettung und Wiedergeburt bei den Adressaten hervorbringt. Gegen diesen Ruf gibt es keinen Widerstand auf Seiten der Menschen.

I. Johannes Calvin

„[...] dass in der äußeren Predigt alle zu Buße und Glauben gerufen werden, und dass doch nicht allen der Geist der Umkehr und des Glaubens geschenkt wird“ (Institutio, Buch III, Kap. 22)

Calvin sah sich aufgrund dieser Lehre mit Widerstand konfrontiert, dem er zu begegnen versucht:

„Nun machen einige den Einwand, Gott gerate ja mit sich selbst in Widerspruch, wenn er alle zu sich einlüde und doch nur wenige Auserwählte annähme.“ (Institutio, Buch III, Kap. 22)

II.Gegenwärtige Vertreter

„In Ergänzung zum äußeren allgemeinen Ruf zur Errettung, der an alle ohne Unterschied erfolgt, gestaltet der Heilige Geist für die Erwählten einen speziellen innerlichen Ruf, der sie unwiderstehlich zur Errettung führt. Dem äußerlichen Ruf, der an alle geht kann widerstanden werden, Dem inneren, der an die Erwählten geht, nicht, er mündet immer in eine Bekehrung.“ (aus: www.calvinismus.de)

5.Die begrenzte Erlösung Jesu Christi am Kreuz

Das Erlösungswerk Jesu fand aus Sicht der Calvinisten nur deswegen statt, um die Sünden der Auserwählten zu sühnen. Der Rest der Menschen ist davon ausgeschlossen und wird nicht in Gottes Heilshandeln einbezogen:

„Das Erlösungswerk Christi war nur dazu bestimmt, die von Gott Auserwählten zu retten und ihre Rettung tatsächlich zu bewirken. Durch seinen stellvertretenden Tod ertrug Christus die Strafe der Sünde anstelle ganz bestimmter Sünder. Über die Hinwegnahme der Sünden der Seinen bewirkte das Erlösungswerk Christi alles was notwendig war zu ihrer Rettung [...]“ (aus: www.calvinismus.de)

6.Die Lehre der unwiderstehlichen Gnade

Gottes Wirken an denen, die angeblich zur Wiedergeburt vorherbestimmt sein sollen, wird als direktes zwingendes und unausweichliches Eingreifen Gottes verstanden, um den Auserwählten den rettenden Glauben zu schenken. Jeglicher menschlicher Wille, Verantwortung, Glaube oder Gehorsam sind nicht erforderlich und werden sogar ausdrücklich ausgeschlossen.

I.Gegenwärtige Vertreter

„[..] bringt der Heilige Geist den Sünder immer und unwiderstehlich zur Errettung. Er kann bei seinem Werk vom Willen des Menschen nicht behindert oder eingeschränkt werden.[...] Der Heilige Geist bewirkt beim Erwählten Sünder die Zusammenarbeit, zu Glauben, Buße zu tun, um dann freiwillig und aus eigenem Antrieb zu Jesus zu kommen. Gottes Gnade ist deshalb unwiderstehlich. Sie verfehlt niemals ihr Ziel, diejenigen, für die sie Bestimmt ist, zu erreichen und zu erretten. (aus: www.calvinismus.de)

In logischer Fortführung der Gedanken der Begrenzung des Werkes Jesu am Kreuz, wird auch die Wirksamkeit des heiligen Geistes auf die definierte Gruppe der Auserwählten begrenzt.

7.Die 5 Punkte des Calvinismus - „TULIP“

Im angelsächsischen Raum werden die Hauptaussagen des Calvinismus oft in dem Akronym „TULIP“ widergegeben und dadurch zusammenfassend auf den Punkt gebracht.

I.Total Depravity – Völlige Verderbtheit

Der Calvinismus bezieht die Verdorbenheit des Menschen auf die Unmöglichkeit des Menschen an Jesus Christus glauben zu können, wenn nicht Gott unweigerlich den Glauben - unter Umgehung der Verantwortung und des Willens - schenkt. Dieser Glaube ist eine zwangsläufige Gabe Gottes an Auserwählte - bewirkt durch die unwiderstehliche Gnade.

II.Unconditional Election – Bedingungslose Auswahl

Von Gott getroffene Erwählung eines Teiles der Menschheit zur Wiedergeburt – die restliche Masse bleibt durch Gottes Willen ihrem Weg zur Verdammnis in der ewigen Hölle, ohne Aussicht auf die Möglichkeit zur Errettung, überlassen. Dieser nicht erwählten Gruppe bleibt die „unwidestehliche Gnade“ vorenthalten.

III.Limited Atonement - Begrenzte Sühne

Beschränkung des Erlösungswerkes Jesu Chrisi am Kreuz für den zur Wiedergeburt auserwählten Teil der Menschheit.

IV.Irresistible Grace - Unwiderstehliche Gnade

Die Umgehung der Verantwortung und Entscheidung des Menschen dem Evangelium gegenüber, bzw. ein Zwang Gottes zum Heil, da menschlicher Widerstand gegen das Wirken des heiligen Geistes aus calvinistischer Sicht ausgeschlossen ist.

V.Preseveration of the Saints - Bewahrung der Heiligen

Lehre, wonach Gott die Auserwählten bis zu deren Seligkeit bewahren wird. Diese Lehre soll im folgenden nicht besprochen werden, da sie nicht typisch calvinistisch ist.

(C)Der Calvinismus und die heilige Schrift

1.Einführung

Im weitern Verlauf soll nun geklärt werden, ob eine Begrenzung  im Hinblick auf die Auserwählung einer begrenzten Gruppe von Menschen, die Einschränkung der Erlösung am Kreuz und das begrenzte Wirken des heiligen Geistes, überhaupt durch die Bibel gestützt werden kann. Daher wird jeder angesprochene Lehrpunkt anhand der heiligen Schrift auf  Widersprüche hin geprüft.

2.Vorherwissen – Vorherbestimmung - Auserwählung

Zunächst sind einige Unterscheidungen in der Wortverwendung zu treffen, um calvinistische Argumentation verstehen und bewerten zu können.

I.Vorherwissen Gottes

Die heilige Schrift beschreibt an vielen Stellen Gott als denjenigen, dem keine Sache in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unbekannt ist.

Die Tatsache des Wissens Gottes über diejenigen die sein Heil in Christus annehmen werden, ist darin ebenso enthalten, wie etwa der Verrat des Judas und der Abfall vom Glauben in der Endzeit.

Das gesamte Leben jedes Menschen liegt wie ein aufgeschlagenes Buch vor Gott. Kein Umstand und kein Gedanke unterliegen der Unkenntnis Gottes, ja er kennt sogar jedes Haar auf unserem Kopf (Matthäus 10,30).

II.Vorherbestimmung

Mit Menschen die an Jesus Christus glauben, hat Gott bestimmte Vorhaben, wozu er sie (vorher)bestimmt hat. Gott wusste wie und mit welchen Personen er seine Heilspläne durchführen wird und wer dazu auserwählt sein wird. Nach 1.Petrus 1,1ff entspricht die Auserwählung der Gemeinde seinem Vorherwissen.

„Die Allwissenheit Gottes sieht alles voraus, was in der Zukunft passieren wird. Sie zieht in Betracht, wie die Menschen sich entscheiden. In diesem Sinne ist es zu verstehen, dass jene auserwählt und vorherbestimmt sind und zum ewigen Leben glauben werden (Apg 13,48). Zur gleichen ist der Herr Jesus jedoch über diejenigen bekümmert, die nicht bereit waren zu glauben (Mt 23,37). Gott stellt allen Menschen den rettenden Glauben bereit (1Jo 2,2). Die Schrift lässt an keiner Stelle erkennen, dass es irgendeinen Menschen gibt, der nicht glauben kann, weil Gott ihm die notwendige Voraussetzung versagt hätte. Gott appelliert an alle Menschen, auf ihn zu hören, damit sie leben (Jes 55,1-3). Hierzu sind sie zwar fähig doch müssen sie auch dazu bereit sein“

(Gibson, Jean: Mehr Schein als Sein. Sind alle Christen wirklich Christen? Bielefeld 2000, CLV-Verlag)

Am Vorherwissen Gottes setzt sein Plan im Sinne der Vorherbestimmung an: Römer 8:29 „Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.“

Das Wort „vorher erkannt“ (griech.: proegno, woraus das deutsche Wort Prognose entstanden ist), bezeichnet das Wissen über einen später stattfindenden Sachverhalt.  Gott wusste demnach, wer seinen Sohn annehmen würde.

 Die Allwissenheit Gottes erstreckt sich jedoch ebenso über Handlungen und Dinge, die nicht seinem ausdrücklichen Willen entsprechen, ja sogar diesem entgegenlaufen. Gott ist nie der aktiver Urheber etwa von Sünde, Hass, Unglauben, Rebellion etc..

Jesus Wissen über den später stattfindenden Verrat des Judas ist völlig zu unterscheiden von Gottes Vorbestimmung.

 Johannes 6,64 „Denn Jesus wusste von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer es war, der ihn überliefern würde.“

Der kommende Verrat war in Gottes Plan zwar inbegriffen, aber nicht dessen aktives, zustande bringendes Wollen, das Gott zum Urheber der Sünde machen würden.

Daher sind Begriffe wie Vorherwissen und Vorherbestimmung klar zu unterscheiden. Gott ist nicht der Urheber aller Dinge, die er weiß und kennt, obgleich sie unter seiner Zulassung geschehen.

III.Auserwählung – wozu und wer?

Nachdem Gottes Wort deutlich von Auserwählung spricht, gilt es zu erörtern, welcher Inhalt damit verbunden, welcher Personenkreis davon betroffen ist und welchen Bezug es zur Vorherbestimmung  gibt.

Hat Gott etwa einen Teil der Welt zum Heil auserwählt im Sinne einer Vorherbestimmung zur Seligkeit ? Diesen Gedanken findet man etwa in der Lehrregel von Dordrecht aus dem Jahr 1619 :„Nach diesem Ratschluss erweicht er gnädig die Herzen der Auserwählten, obwohl sie hart sind, und neigt sie gnädig zum Glauben; diejenigen aber, die nicht erwählt sind, belässt er nach seinem gerechten Urteil in ihrer Bosheit und Hartherzigkeit“ (erstes Lehrstück Kap.6).

Folgende Stellen zeigen sowohl die Bezugsgruppe, als auch den Inhalt der Auserwählung Gottes:

§         Auserwählung der Jünger zum Fruchtbringen: Johannes 15,16
§         Bestimmung zum ewigen Leben, derjenigen die glaubten: Apostelgeschichte 13,48
§         Bestimmung derer, die glauben zum ewigen Leben: Römer 13,48
§         Vorherbestimmung der Berufenen zur Gleichförmigkeit mit dem Sohn Gottes: Römer 8,29
§         Auserwählung der Gemeinde zur Heiligkeit und Vorherbestimmung zur Sohnschaft: Epheser 1,3f
§         Vorherbestimmung der Gläubigen zum Preis seiner Herrlichkeit: Epheser 1,11f
§         Vorherbereitung der Werke der Gläubigen: Epheser 2,10
§         Bestimmung der Gläubigen zu Drangsalen: 1.Thessalonicher  3,3
§         Bestimmung der Gläubigen zum Heil - nicht zum Zorn: 1.Thessalonicher  5,9
§         Berufung durch das Evangelium und Erwählung der Brüder zur Errettung: 2. Thessalonicher  2,13f

Die heilige Schrift bezieht Auserwählung und Vorherbestimmung auf wiedergeborene Gläubige und Gottes Pläne und Ziel mit ihnen. Bedingung dazu ist der persönliche Glaube an Jesus Christus, d.h. jedoch nicht, dass Gläubige sich selber auserwählen und vorherbestimmen, da der Akteur Gott allein ist.

(A)Beispiele der Zurückweisung der Ziele und Erwählung Gottes

Die Behauptung, die Auserwählten könnten sich aufgrund des zwingenden Charakters des Heiligen Geistes nicht ihrer Erwählung widersetzen, ist ebenso wie das Objekt und der Inhalt zu hinterfragen.

Neben den vielen Gottesmännern wie etwa David, die im Gehorsam Gottes Plan und Ziele mit ihrem Leben verfolgt haben, finden sich jedoch auch Menschen, die ihre Erwählung durch Unglauben und Ungehorsam zurückgewiesen  haben. Folgende Beispiele zeigen den Gegensatz zur calvinistisch-unabhängigen Erwählung, die abgekoppelt von persönlichem Glauben, Gehorsam und Liebe zu Gott in den Vorzeiten, einige zur Wiedergeburt vorherbestimmt habe.

(I)Die Erwählung der Leviten

Die Nachkommen Levis waren von Gott zum Priesterdienst auserwählt. Dessen Erfüllung war Plan und Ziel für dessen Nachfahren.  

5.Mose 21:5 „Dann sollen die Priester, die Söhne Levis, herantreten. Denn sie hat der HERR, dein Gott, erwählt, seinen Dienst zu verrichten und im Namen des HERRN zu segnen"

Die Söhne Elis kamen dieser Erwählung jedoch nicht automatisch und zwanghaft im calvinistischen Sinne nach, sondern waren persönlich verantwortlich,  Gottes Vorgaben im Gehorsam zu erfüllen.

1.Samuel 2,26ff „Und ich habe ihn aus allen Stämmen Israels mir zum Priester erwählt, um auf meinem Altar zu opfern, um Räucherwerk als Rauch aufsteigen zu lassen, um das Ephod vor mir zu tragen. [...] Warum tretet ihr mit Füßen mein Schlachtopfer und mein Speisopfer, die ich für meine Wohnung geboten habe? [...] Darum spricht der HERR, der Gott Israels: Ich habe allerdings gesagt: Dein Haus und das Haus deines Vaters sollen ewig vor mir einhergehen! - aber nun spricht der HERR: Das sei fern von mir! Denn die mich ehren, werde auch ich ehren, und die mich verachten, sollen wieder verachtet werden.

[...] aber aller Nachwuchs deines Hauses soll im besten Mannesalter sterben. Und das soll dir das Zeichen sein, das über deine beiden Söhne Hofni und Pinhas kommen wird: An einem Tag sollen beide sterben.“

Da Erwählung mit persönlichem Glaubensgehorsam verbunden ist, kann menschlicher Widerstand nicht ausgeschlossen werden. Elis Söhne zeigen dieses völlige Versagen in der Umsetzung göttlicher Vorgaben ebenso deutlich wie König Saul:

1.Samuel 10,24 „Und Samuel sagte zu dem ganzen Volk: Da seht ihr, wen der HERR erwählt hat! Denn keiner ist ihm [Anm,: Saul] gleich im ganzen Volk. Da jauchzte das ganze Volk, und sie riefen: Es lebe der König!

Folgender Abschnitt führt die Ablehnung und Verwerfung Sauls, trotz dessen eigentlicher Erwählung zum König, als Folge seines Ungehorsames an: 1.Samuel 15,26 „Aber Samuel sprach zu Saul: Ich kehre nicht mit dir um. Denn du hast das Wort des HERRN verworfen, und der HERR hat dich verworfen, dass du nicht mehr König über Israel sein sollst.“

Judas Iskariots Erwählung zum Apostel zeigt Johannes 6,70 „Jesus antwortete ihnen: Habe ich nicht euch, die Zwölf, erwählt ?“. Judas Verwerfung durch Gott aufgrund dessen Unglaubens und Ungehorsams, entwirft ein Bild der hohen persönlichen Verantwortung gegenüber Gottes Auswahl zu bestimmten Aufgaben.

Apostelgeschichte 1,17ff „Denn er [Anm.:Judas] war uns zugezählt und hatte das Los dieses Dienstes empfangen.

[...] Denn es steht im Buch der Psalmen geschrieben: «Seine Wohnung werde öde, und es sei niemand, der darin wohne»! und: «Sein Aufseheramt empfange ein anderer!»

Judas war für dieses Amt bestimmt und auserwählt, ist dieser Verantwortlichkeit jedoch nicht nachgekommen.

IV.Calvinistische Widersprüche: Objekt, Inhalt und Ziel der Auserwählung

Sämtliche Beispiele zeigen den Zusammenhang zwischen den Vorstellungen Gottes für das individuelle Leben des Gläubigen und die menschliche Verantwortung gegenüber diesen Zielen.

Die Verwendung von Auserwählung und Vorherbestimmung bezieht sich daher ausschließlich auf gläubige Menschen und das Endziel Gottes mit ihrem Leben und nicht auf die Wiedergeburt Ungläubiger.   

Auserwählung zum ewigen Leben, bzw. aktive oder passive Vorherbestimmung zur Hölle sind der Bibel völlig fremd und ein Schlag in Gottes Angesicht.

Gott erbarmt sich im Gegensatz dazu nicht über einige vorher Auserwählte, sondern „hat alle zusammen in den Ungehorsam eingeschlossen, damit er sich aller erbarmt.“ (Römer 11,32). Daher lautet die Anordnung Gottes für die gesamte Welt, „dass sie alle überall Buße tun sollen“  (Apostelgeschichte 17,30).

Der Befehl und Wille Gottes, dass jeder Mensch an Jesus Christus glauben soll, ist deutlich festzuhalten,  „da er nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen.“ (2.Petrus 3,9).

Gottes Gnade ist nicht allein angeblich Auserwählten erschienen, „denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend allen Menschen“ (Titus 2,11)

Das Urteil Gottes über Verdammnis oder Errettung wird nicht im vorhinein (vor Grundlegung der Welt) unabänderlich festgelegt, sondern im persönlichen Leben des Menschen bzw. am Ende der Welt entschieden, wenn Gott am großen weißen Thron die Bücher aufschlägt und die Menschen verdammen wird, die zur Gnadenzeit dem Evangelium nicht geglaubt haben.

Mit den Menschen, die dem Ruf zum Glauben an Jesus Christus nachgekommen sind, hat Gott jedoch bestimmte Vorstellungen und Pläne, zu denen er sie erwählt und vorherbestimmt hat.

.

V.Ergebnis

Die Lehre der bedingungslosen Auserwählung (unconditional election) muss - sowohl in Bezug auf die Personen, den Inhalt und das Ziel - als unbiblisch zurückgewiesen werden, da sie weder aus Gottes Wort abgeleitet werden kann und im Widerspruch zu anderen Bibelstellen steht. Bedingungslose Auswahl zur Wiedergeburt ist keine Lehre der heiligen Schrift.

3.Ein Ruf für alle oder doppelter Ruf für zwei Welten?

I.Zweifache Verkündigung

Ruft Gott im Evangelium auf zweierlei Weise - einmal äußerlich, allgemein ohne zwingende Antwort des Menschen darauf und andererseits innerlich mit unabdingbar errettender Folge bei den Auserwählten?

Da die Theorie des zweifachen Rufens auch zwei bestimmte Gruppen von Adressaten beinhaltet, erscheint es zunächst folgerichtig eine zweifache Welt vorauszusetzen.

„Sie [Anm.: die Gnade] verfehlt niemals ihr Ziel, diejenigen, für die sie bestimmt ist, zu erreichen und zu erretten.“ (aus: www.Calvinismus.de).

“ Dem äußerlichen Ruf, der an alle geht[...]Dem inneren, der an die Erwählten geht“  (aus www.Calvinismus.de).

Der Ruf und die Gnade richten sich in der Verkündigung des Evangeliums einerseits an eine auserwählte Gruppe innerhalb der Zuhörerschaft. Unklar bleibt jedoch andererseits, welche Absicht Gottes mit dem Ruf des Evangeliums an die zweite Gruppe der Nicht-Erwählten hat, dem die Adressaten ja ohnehin widerstehen werden, da sie ja sonst auserwählt wären.

Diese in sich inkonsequente Konstruktion beinhaltet ein widersprüchliches Wollen und Handeln Gottes und führt zu einem schizophrenen Gottesbild, das dem der heiligen Schrift völlig zuwiderläuft, da dieser das Heil aller Menschen will und dafür auch alles in Christus getan hat.

II.Die eine gefallene Welt – Zielgruppe der einen Verkündigung

Der biblischen „Weltanschauung“ liegen im Gegensatz zur „doppelten Weltsicht“ folgende Aussagen zugrunde:

1 Johannes 5,19 „Wir wissen, dass wir aus Gott sind, und die ganze Welt liegt in dem Bösen.“

Epheser 2:3 „Unter diesen hatten auch wir einst alle unseren Verkehr in den Begierden unseres Fleisches, indem wir den Willen des Fleisches und der Gedanken taten und von Natur Kinder des Zorns waren wie auch die anderen.“

Die ganze Welt liegt  im Bösen und alle unerlösten Menschen sind Kinder des Zorns. Wären aus calvinistischer Sicht die Auserwählten der Welt wirklich Kinder auf die der Zorn Gottes gerichtet ist? Dave Hunt, der vor dem Einfluss calvinistischen Lehren auf die christlichen Gemeinden warnt, schreibt in einer Ausgabe seines Rundbriefes „The Berean Call“ über die „Zwei-Welten-Lehre“: “ Ein Calvinist, der von Versen, die deutlich davon sprechen, dass Gott die ganze Welt liebt, dass er nicht möchte, dass irgend jemand verloren gehe, dass es seinem Willen entspricht, wenn alle zur Wahrheit kommen etc., behauptet, hier wären mit den Worten „Welt“, „jeder“ und „alle“ nur die Auserwählten gemeint – zwingt er diesen Versen nicht eine Sicht auf, welche die Bedeutung dessen pervertiert, was tatsächlich gesagt wird und sich darüber hinaus mit dem Rest der Bibel in Konflikt befindet? Wir besitzen mindestens einen Vers, an dem diese künstlich aufgezwungene Bedeutung scheitert: „Und er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt“ (1. Johannes 2,2). gewiss sind mit „unsere“ bzw. „unseren“ die Erwählten gemeint und mit „die ganze Welt“ müssen alle anderen gemeint sein.

Alle Menschen im Unglauben stehen unter dem GLEICHEN ZORN und dem GLEICHEN GERICHT Gottes. Eine Zweiklassengesellschaft - aus erwählten und der Verdammnis überlassenen - kennt Gott dabei nicht. Alle Menschen sollen das Evangelium hören und glauben – eine Beschränkung des Evangeliums oder eine Umdeutung des Wortes Welt ist unhaltbar. Es kann kein Widerspruch geduldet werden, der das Ausmaß der Liebe Gottes, das nach Johannes 3,16 die ganze Welt ist, beschränkt.

III.Ergebnis

Die Lehre der Zweiteilung der Welt in Erwählte und Nichterwählte bzw. das „Zweifache Rufen Gottes“, muss als falsch zurückgewiesen werden, da sie nicht aus der heiligen Schrift hervorkommt, ja sogar im Gegensatz zu ihr steht.

4.Lehrt die heilige Schrift die unwiderstehliche Gnade des Calvinismus?

Wird - durch die Voraussetzung des unmöglichen menschlichen Widerstandes gegen jedes Wirken des heiligen Geistes - der heiligen Schrift eine künstliche Sichtweise übergestülpt, die nicht aus der Bibel abgeleitet ist und diese uminterpretiert, oder lehrt sie tatsächlich widerstandslose, unwiderstehliche Gnade?

Gott ruft seine Geschöpfen beständig zum Glauben, Busse auf, Christus weint über Israel, verzögert sein Gericht und sendet zur Warnung Propheten – und gießt schließlich seinen Zorn über sein Volk aus, als nicht auf sein Reden gehört wurde. Aber all die Zeit über ruft er ein Volk zur Umkehr, das nie umkehren kann, da Gott nicht seine unwiderstehliche Gnade gegeben hat.

I.Kennt die Bibel bewussten und willentlichen Widerstand gegen Reden Gottes ?

a) Lukas 13,34 „Jerusalem, Jerusalem, das da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihm gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen wie eine Henne ihre Brut unter die Flügel, und ihr habt nicht gewollt!“

Gott will – sein Volk wollte nicht: Die calvinistische Deutung ist eine unglaubliche Missinterpretation der heiligen Schrift: Jesus weint einerseits über die Zurückweisung durch sein Volk, Gott verweigert jedoch andererseits durch das Zurückhalten der unwiderstehlichen Gnade dem jüdischen Volk die Busse.

Gerade die willentliche Ablehnung seines Volkes jedoch veranlasst den Herrn zu tiefer Traurigkeit.

b) Lukas 14,24 „Denn ich sage euch, dass nicht einer jener Männer, die eingeladen waren, mein Gastmahl schmecken wird.

Die Einladung ist erfolgt – die Gäste wollen nicht kommen, obwohl sie nochmals dazu aufgefordert worden sind. Spricht Gott tatsächlich ein Angebot zur Einladung an Menschen aus, denen er es nicht ermöglicht zu kommen?

c) Apostelgeschichte 7,51“ Ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist; wie eure Väter, so auch ihr“

Der heilige Geist wirkt an den Vätern und bei den Zuhörern – sie widerstehen jedoch. Aus calvinistischer Sicht, ist dieser Widerstand durch das Fehlen der Gnade und dem unwiderstehlichen Wirkung des heiligen Geistes begründet.

d) Jesaja 65,12 „ich habe euch für das Schwert bestimmt, und ihr alle werdet zur Abschlachtung in die Knie brechen, weil ich gerufen habe, ihr aber nicht geantwortet habt, weil ich geredet habe, ihr aber nicht gehört, sondern getan habt, was böse ist in meinen Augen, und das erwählt habt, woran ich kein Gefallen habe.“

Eine inakzeptable Inkonsequenz und Widersprüchlichkeit wäre die Zugrundelegung der These, dass Gott zu Busse ruft und zum abgefallenen Volk redet, diese jedoch zur Umkehr gar im Stande sind, da Gott dies nicht unwiderstehlich bewirken will und er das Volk dann trotz dieser Unmöglichkeit der Busse richteten wird.

II.Kann Gottes Ratschluss verworfen werden?

Lukas 7,30 zeigt die menschliche Verantwortung gegenüber Gottes Ratschlüssen, indem er durch Unglauben abgewiesen wird: „die Pharisäer aber und die Gesetzesgelehrten haben den Ratschluß Gottes für sich selbst wirkungslos gemacht, indem sie sich nicht von ihm taufen ließen.“

Der Wille Gottes selbst für die Pharisäer war die Busstaufe des Johannes. Die Antwort des Calvinismus, warum dieser Ratschluss nicht unwiderstehlich durchgesetzt  wurde, steht jedoch noch aus.

Im Gegensatz zur Sicht des unmöglichen Widerstandes, fordert  Gott deutlich auf, sich seinem Wirken und Ratschlüssen nicht zu versperren.

Hebräer 3,7 "Deshalb, wie der Heilige Geist spricht: «Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht"

Gottes Wort führt klar menschliche Rebellion und Widerstand gegen Gottes Willen und Wirken an. Von der Unwiderstehlichkeit bzw. Zwanghaftigkeit des Wirkens des heiligen Geistes kann daher keine Rede sein.

Ungläubige, die im Ungehorsam bleiben wollen, obwohl Gott sie zu Jesus ruft, stellen sich dem Wirken des Geistes bewusst uns willentlich entgegen, widersetzen, verhärten und verstocken sich:

Jesus verkündigt den Menschen Gottes Rettung, aber sie wollen nicht kommen, um ewiges Leben zu haben (Johannes 5,40 "und ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr Leben habt“).

Sogar Gläubige, die mit Gottes Geist versiegelt sind, belügen (wie Hannanias), betrüben und dämpfen den Geist, wenn sie eigene Wege des Ungehorsams gehen. Von zwanghaftem Wirken des heiligen Geistes spricht Gottes Wort daher keineswegs.

III.Gottes Wirken durch den heiligen Geist

Christus soll vielmehr durch den Geist Gottes verherrlicht werden (Johannes 16,4 „er wird mich verherrlichen“)

Der heilige Geist wirkt durch die Gemeinde bzw. Braut des Lammes, indem an alle die wollen der Ruf zum Glauben an Jesus Christus ergeht: Offenbarung 22,17 "Und der Geist und die Braut sagen: Komm! Und wer es hört, spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme! Wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst!“

Er überführt Menschen ihrer Sünden und weist auf den Heiland Jesus Christus hin, wie etwa Lydia in Apostelgeschichte 16,40.

Jesus Christus kam, um jeden Menschen der Welt erleuchten und zu sich zu ziehen: Johannes 1,9 „Das war das wahrhaftige Licht, das, in die Welt kommend, jeden Menschen erleuchtet.“

bzw. Johannes 12,32 „Und ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“

Ebenso ist die Zielgruppe des Heiligen Geistes ausdrücklich nicht eine begrenzte Zahl angeblicher Auserwählter, sondern die ungläubige Welt: Johannes 16,8 „Und wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht. Von Sünde, weil sie nicht an mich glauben“

IV.Verstockung – Gottes Antwort auf den Widerstand gegen sein Reden

Die Verstockung die Gott selbst schließlich im menschlichen Herzen hervorruft, ist dessen Reaktion auf die Ablehnung seines Redens. Pharao hat sich erst mehrfach selbst gegen Gottes Reden wendet und wurde erst dann von Gott selbst verstockt.

Um dem Problem zu entgehen, dass nicht alle Gottes Rufen gehorchen, wird im Calvinismus eine Zwei-Klassen-Welt vorausgesetzt, d.h. nur die auserwählten Ungläubigen werden gerufen und kommen/gehorchen dann auch - die anderen ruft Gott im eigentlichen Sinn gar nicht (siehe zwei Welten/Rufe-Lehre).

V.Ergebnis

Die Lehre, wonach Gottes Geist unwiderstehlich und im eigentlichen Sinne nur an den Auserwählten wirkt, ist zurückzuweisen, da Widersprüche zu Gottes Wort aufgetreten und  eine entsprechende Schriftauslegung nicht gezeigt werden konnte.

5.Begrenzte oder unbegrenzte Erlösung?

I.Viele oder alle Sünden ?

Hat Christus nach Matthäus 20,28; 26,28 und Hebräer 9,28  nur die Sünden „der vielen’ (griech.: polys im Plural) im Sinne einer begrenzten Sühnung getragen, so dass man davon ausgehen müsste, dass dabei Menschen von vornherein ausgenommen wurden ?

In Bezug auf die neutestamentliche Verwendung von ‚die vielen’ ist der hebräische Hintergrund der Schreiber zu beachten.

Daher ist zunächst das alttestamentliche Äquivalent zum Plural von polys (rabbim) erwähnenswert, das die vielen Einzelteile einer Ganzheit bezeichnet. Dabei ist nicht ein hypothetischer Überrest im Blick, der nicht zur Gesamtheit gehören würde (5.Mose 7,1; 15,6; Hes 39,27).

Folgende Verwendung des Plurals von polys im Neuen Testamentes hat eben gerade nicht eine einschränkende, sondern eine umfassende Bedeutung:

(A)’Die vielen’ im Römer - und Korintherbrief

Römer  5,15ff „Denn wenn durch des einen Übertretung die vielen gestorben sind [...]Denn wie durch des einen Menschen Ungehorsam die vielen in die Stellung von Sündern versetzt worden sind“.

Die Parallelstelle 1.Korinther 15,22 „Denn wie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden.“, zeigt das ausnahmslose Vordringen des Todes zu allen Menschen. 

Römer 12,5 „... so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, einzeln aber Glieder voneinander.“ und 1.Korinther 10,17 „Denn ein Brot, ein Leib sind wir, die vielen, denn wir alle nehmen teil an dem einen Brot.“ sprechen von der Gesamtsumme der Einzelglieder als ein Leib: Alle Glieder der Gemeinde – bilden den einen Leib Christi.

B) 'Die vielen' in Jesaja 53,12: "..hat die Sünden der vielen getragen"
Ist die Erwähnung von ‚die Sünden der vielen’ gleichbedeutend mit 'einige/viele/die meisten Sünden aber nicht' ?
Vers 6 kennt diesen Rückschluss nicht: "wir gingen ALLE in die Irre [...] aber der Herr warf unser ALLER Sünden auf ihn" .'Die vielen' Sünden getragen und 'alle' Sünden stehen parallel nebeneinander.

C) Zusammenfassung:
'die vielen'  hat in keinem Fall die Bedeutung 'die meisten/einige aber nicht', sondern ist eine Hebraismus, der auch im NT gefunden wird und eine Zusammenfassung bzw. Gesamtsumme darstellt.
Die Stützung der Begrenzung des Erlösungswerkes des Herrn Jesus auf nur einige - im Vergleich zur großen Masse - einen sehr geringen Teil an Menschen, ist GERADE NICHT durch 'die vielen' zu stützen.
Es besteht die Gefahr, in Gottes Wort calvinistische Widersprüche hineinzukonstruieren und die 'die vielen' und 'alle' gegeneinander ausspielen: Wenn es also an einer Stelle heißt, dass Christus die Sühnung der Sünden der ganzen Welt erwirkt hat, kann nicht an anderer Stelle gemeint sein, dass 'alle' nicht gleich 'alle' ist, sondern 'die meisten nicht'.
Der Herr Jesus sagt selbst, dass die Schrift NICHT gebrochen werden KANN.

Will man das Erlösungswerk Jesu Christi auf eine begrenzte Personengruppe von Auserwählten einschränken, findet man nur auf den ersten Blick unterstützende Bibelstellen, die bei genauerem Hinsehen jedoch gerade dieser Lehre widersprechen.

II.Indirekte Gründe zur Stützung der ‚begrenzten Erlösung’

(A)Freunde - aber nicht Feinde ?

Impliziert die Erwähnung der Erlösung für ‚seine Freunde’ (Johannes 15,13) und ‚seine Schafe’ (Johannes 10,15), oder die Liebe Christi zu seiner Gemeinde (Epheser 5,25) unabdingbar die These der Begrenzung und vorhergetroffenen Einschränkung des Werkes Jesu am Kreuz ?

(B)Gebet für die einen – und die anderen?

Von manchen Befürwortern der ‚begrenzten Erlösung’ wird zudem vom hohepriesterlichen Gebet in Johannes 17, das der Herr ausschließlich im Hinblick auf die Seinen spricht, auf eine Beschränkung des Werkes am Kreuz gefolgert. Warum – so meint man - hätte Christus sein Gebet begrenzen sollen, wenn er den Preis für alle bezahlt hat?

Zur Überprüfung dieser These auf Stichhaltigkeit und Durchgängigkeit ist sie folgender Passage aus Gottes Wort auszusetzen:

2.Petrus 2,1 „Es waren aber auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch falsche Lehrer sein werden, die verderbenbringende Parteiungen heimlich einführen werden, indem sie auch den Gebieter, der sie erkauft hat, verleugnen. Die ziehen sich selbst schnelles Verderben zu.“

Davon ausgehend, dass Irrlehrer, denen das Verderben bevorsteht, nicht einen Teil der Gemeinde Jesu darstellen, bleibt festzuhalten, dass sie dennoch von Gott erkauft waren und das Erlösungswerk des Herrn Jesus auch im Hinblick auf diese gottfeindlichen Menschen geschehen war.

Der Umkehrschluss aus der Erlösung für Freunde, der die Heilstat für die Feinde Gottes ausklammert,  kann demnach nicht gezogen werden. Die Irrlehrer gehen demnach aufgrund ihrer Zurückweisung der Gnade Gottes verloren, obwohl auch sie hätten gerettet werden können.

Jesus Christus hat selbst diese Irrlehrer – die ihn ablehnen - erkauft: das Lösegeld ist am Kreuz bezahlt.

Im Opfer am Kreuz ist die Sühnung der Sünden der ganzen Welt vollbracht. Es wird aber nur für die wirksam, die Jesus Christus als Herrn und Heiland annehmen. Die Bibel lehrt keine Allversöhnung, sondern persönliche Verantwortung dem Evangelium gegenüber. Durch die Abweisung und Verleugnung dieses Gebieters, der auch sie liebt und nicht des Sünders Tod will, ziehen sie sich jedoch das Verderben auf sich.

Wir sehen eine vergleichbare Schlussfolgerung in Matthäus 5,43: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen“. Da nirgends eine Aufforderung Gottes zum Hass gegen die Feinde gefunden wird, sehen wir hier einen ähnlichen Umkehrschluss wie im Calvinismus: Die Aussagen über die Erlösung und die Liebe Christi für die Seinen beinhalten genauso wenig eine Begrenzung der Versöhnung auf die Erwählten, wie die Aufforderung zur Nächstenliebe einen Hass gegen die Feinde impliziert.

Natürlich kennt die heilige Schrift keine Allversöhnung, wonach die Erlösung, die zwar für die ganze Welt geschehen ist, auch denjenigen zugeteilt würde, die das Evangelium abweisen. Vielmehr starb Christus für alle, auf dass alle kommen können und sollen.

(C)Ist der Allmächtige ohnmächtig ?

Von manchen Calvinisten wird angeführt, das Erlösungswerk eines allmächtigen Gottes für alle Menschen wäre eine Kapitulation vor dem menschlichen Willen,  wenn Gott nicht im Stande wäre, alle zur Bekehrung bringen zu können.

Im Hinblick auf folgende Aussage in 2 Thessalonicher 2,10 „und mit jedem Betrug der Ungerechtigkeit für die, welche verloren gehen, dafür, dass sie die Liebe der Wahrheit zu ihrer Errettung nicht angenommen haben.“, bleibt festzuhalten, dass die Voraussetzung gerettet zu werden durch das Werk am Kreuz für alle geschaffen ist - Individuen jedoch verloren gehen, wenn sie diese Heilstat abweisen. Gott kapituliert vor dem Menschen nicht und bleibt der allmächtige, auch wenn er ihn in seiner Haltung gegenüber der Erlösung akzeptiert.

 

(D)Doppelte Bezahlung für Sünden ?

Andere Befürworter der begrenzten Sühnung argumentieren, es stünde einem gerechten Gott nicht zu, Christus für alle Sünden bezahlen zu lassen und dann Menschen in der Hölle ein zweites Mal für ihre Sünden büßen zu lassen, da nicht einmal ein menschliches Gericht für eine Straftat zweimal verurteilt.

Die Qualen der Ungläubigen in der Hölle stellen jedoch nicht die Bezahlung des von Gott geforderten Lösegeldes zur Vergebung der Sünden dar. Der Kaufpreis musste von dem sündlosen Opfer Jesu Christi gebracht werden und ist nicht gleichzusetzen mit den Folge dessen Abweisung und der Verdammnis der Sünder im Feuersee. Selbst im ewigen Gericht ist eine Bezahlung für Sünden durch Sünder ausgeschlossen, da der Preis zu kostbar ist und nie mehr wieder gebracht werden kann: das Blut des unbefleckten Lammes - Jesus Christus:

Psalm 49,8 „Niemals kann ein Mann seinen Bruder loskaufen, nicht kann er Gott sein Lösegeld geben, denn zu kostbar ist das Kaufgeld für ihre Seele, und er muss davon ablassen auf ewig, dass er fortlebe immer, die Grube nicht sehe.“

Kein Mensch kann für sich oder andere Sünden den Preis der Erlösung bezahlen, selbst in der Hölle nicht.

III.Das Evangelium für die Auserwählten ?

1 Johannes 2:2 „Und er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.“

Was sind nun die Konsequenzen von dem, was gezeigt werden sollte, dass nämlich auf Christus alle Sünden aller Menschen lagen, als er am Kreuz unter dem Gericht Gottes stand und er ein vollkommenes, uneingeschränktes Opfer gebracht hat bzw. was ist die Folge davon, dass Christus für „alle den Tod geschmeckt hat“ (Hebräer2,9) ?

 

Die Sühnung – wie die Stelle in Johannes 2,2 deutlich macht – für die Sünden der Gläubigen und der ganzen Welt, sind die Grundlage einer Verkündigung des Evangeliums an alle Menschen:

 

Da nun Matthäus im Kap 28,19 schreibt „Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern“, stellt  die Zielgruppe der Verkündigung nicht ein begrenzter, auserwählter Teil innerhalb der Nationen im calvinistischen Sinn dar, sondern Gott hat alle Menschen, die über diese Erde gehen, im Blick.

Entsprechend verkündigt auch Paulus in Athen, dass „er [Anm. Gott] jetzt den Menschen gebietet, dass sie alle überall Buße tun sollen“ (Apostelgeschichte 17,30).

 

Nun würden sich Vertreter der eingeschränkten Erlösung in der Regel strikt dagegen wehren, wenn ihnen vorgehalten würde, sie verträten auch eine Einschränkung in der Evangeliumsverkündigung.

 

Die Notwendigkeit der Evangelisation wird in der Tat gleich bewertet - nicht aber die Motivation und die Begründung dafür. Wir sehen etwa bei Spurgeon und Whitefield, wie stark evangelistische Bemühungen bei Vertretern der Teilerlösung sein können.

Die Behauptung, wonach Christus für irgendjemand nicht das Erlösungswerk vollbracht hat, kann aus keiner Bibelstelle abgeleitet werden. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das Werk am Kreuz geschehen ist:

1. Für alle Menschen (1 Tim. 2:6; Isa. 53:6).
2. Für jeden Menschen (Heb. 2:9).
3. Für die  Welt (Johannes 3:16).
4. Zur Versöhnung der ganzen Welt (1 Johannes 2:2).
5. Für die Gottlosen (Rom. 5:6).
6. Für falsche Lehrer  (2 Peter 2:1).
8. Für Israel (John 11:50–51).
9. Für die Gemeinde (Eph. 5:25).
10. Für ‘mich’ (Gal. 2:20).

IV.Der Wille Gottes - die Errettung aller Menschen

1 Timotheus 2,1 „Ich ermahne nun vor allen Dingen, dass Flehen, Gebete, Fürbitten, Danksagungen getan werden für alle Menschen,  für Könige und alle, die in Hoheit sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit.  Dies ist gut und angenehm vor unserem Heiland-Gott,  welcher will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.  Denn einer ist Gott, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus,  der sich selbst als Lösegeld für alle gab, als das Zeugnis zur rechten Zeit.“

 

(A)Wirklich alle ?

Da aus calvinistischer Sicht Gott an den meisten Menschen kein Wohlgefallen hat, bzw. nicht mit der ‚unwiderstehlichen Gnade’ an ihnen wirkt und sie zur Bekehrung bringt, liegt die Verantwortung zum Heil einerseits und zum Überlassen des Sünders auf dem Weg in die Hölle andererseits bei Gott allein.

Nach 1.Timotheus 2,1ff ist der Wille Gottes für jeden Menschen die Rettung vor der Hölle durch das Erlösungswerk Jesu Christi. Gott will nicht, dass ein Mensch verloren geht und nicht an Jesus Christus glaubt, da er der einzige Mittler und Zugang zu Gott ist. Daher soll auch für alle Menschen gebetet werden, da Christus das Lösegeld für alle bezahlt hat.

 

1.Korinther 6,14 „Denn die Liebe Christi drängt uns, da wir zu diesem Urteil gekommen sind, dass einer für alle gestorben ist und somit alle gestorben sind. 15 Und für alle ist er gestorben, damit die, welche leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferweckt worden ist. 16 Daher kennen wir von nun an niemand nach dem Fleisch; wenn wir Christus auch nach dem Fleisch gekannt haben, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr so. 17 Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. 18 Alles aber von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Christus und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat,19 nämlich dass Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnete und in uns das Wort von der Versöhnung gelegt hat. 20 So sind wir nun Gesandte an Christi Statt, indem Gott gleichsam durch uns ermahnt; wir bitten für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott!“

 

Der Abschnitt aus dem 1.Korintherbrief hebt deutlich hervor, dass EINER (=Jesus Christus) für ALLE gestorben ist, mit dem Ziel, dass die, die leben, nicht mehr für sich leben, sondern für Jesus Christus. Jeder Mensch soll zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und für und mit Jesus Christus leben.

Klarheit darüber, ob dies ausschließlich für bereits Auserwählte vorgesehen und der Großteil der Menschheit davon nicht betroffen sei, gibt Vers 19, der den Tod des Herrn Jesus zur Versöhnung der Welt deutlich macht. Die Konsequenz daraus ist der evangelistische Dienst und die Verkündigung des Befehles zur Versöhnung mit Gott, der an alle Menschen zu richten ist. Wer dieses Evangelium dann annimmt ist eine neue Schöpfung.

V.Ergebnis

Die Lehre der ‚begrenzten Erlösung’ steht in eindeutigen Widerspruch zu Gottes offenbarter Wahrheit, lässt sich nirgends aus der heiligen Schrift ableiten und wird daher als Irrtum abgewiesen.

(D)Bibelstellen

1.Hintergrund

Im folgenden soll die Frage nach einer direkten Ableitung der calvinistischen Lehre aus Gottes Wort beantwortet werden. Dazu sollen einige typische Bibelstellen und ihre calvinistische Deutung untersucht werden.

2.Matthäus 22,14 „Denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte.“

I.Textinterpretation im Sinne des Calvinismus

Mit diesem Vers endet das Gleichnis des königlichen Hochzeitsmahles, der wiederum Verwendung findet, um die Hypothese der „Zwei-Rufe“ bzw.  „Zwei-Welten“ Lehre des Calvinismus zu belegen.

Das Evangelium richte sich demnach an zwei fixe Gruppen: Einerseits an die Auserwählten, die diesem Ruf Folge leisten und unweigerlich zur Bekehrung finden, andererseits an die Gruppe derer, die von Gott nicht zum Heil vorgesehen war (die vielen Berufenen). Dieser Teil wird zwar mit dem Evangelium konfrontiert, allerdings verfolge Gott damit nicht das Ziel deren Bekehrung.

Es wird dabei vorausgesetzt, die Gruppe der Nicht-Erwählten, wären mit einem äußeren, allgemeinen Ruf Gottes konfrontiert. Die Erwählten mit einem speziellen, inneren Ruf, der zwangsläufig zur Bekehrung führen muss, da dies auf die sogenannte „unwiderstehliche Gnade“ zurückzuführen wäre.

II.Alternative Auslegung von Matthäus 22,14

(A)Konnten oder wollten die Eingeladenen gar zur Hochzeit kommen?

Über den Grund der Zurückweisung der Einladung ist im Gleichnis jedoch zu lesen: Matthäus 22:3 „Und er sandte seine Knechte aus, um die Eingeladenen zur Hochzeit zu rufen; und sie wollten nicht kommen.“

Von der willentlichen Ablehnung des Rufes Gottes durch das jüdische Volk lesen wir entsprechend in Matthäus 23:37: „Jerusalem, Jerusalem, die da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihr gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter Flügel, und ihr habt nicht gewollt!“

(B) „Alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!“

Ebenso wie der König den Ruf ein zweites Mal wiederholt, nachdem die Ochsen und das Mastvieh geschlachtet war, richtet Gott durch das Evangelium nachdem das Opferlamm Jesus Christus geschlachtet war, seine Aufforderung erneut an sein Volk: Gott lässt durch Männer wie Petrus zu Pfingsten und Stephanus sein Volk erneut rufen und fordert es auf zu Jesus Christus zu kommen, da die Erlösung vollbracht ist.

Konnten die Gäste der Einladung nicht folgen oder wollten sie nicht kommen? Gott wollte sie in der Tat rufen und hat die gute Nachricht verkündigen lassen, da er in Christus alles zum Heil vorbereitet hat - sein Volk leistet jedoch bewusst und willentlich Widerstand und bleibt im Unglauben.

 Das calvinistische Gottesbild konstruiert einen Gott, der will und eigentlich doch nicht will, der ruft und es doch nicht so meint. Dem gegenüber bleibt festzuhalten: Gott hat alles getan, dass Menschen und vornehmlich das Volk der Juden Vergebung der Sünden und Gemeinschaft mit Jesus Christus haben kann – doch sie haben „nicht gewollt“. Ebenso schreibt Johannes 5,40 „und ihr wollt nicht zu mir kommen, damit Leben habt.“ Alles war bereit – doch sie sind nicht zum Fest erschienen.

(C)„so viele immer ihr finden werdet, ladet zur Hochzeit ein“

Nachdem die Juden wiederholt ihre Ablehnung deutlich machen, berichtet uns Lukas in Apostelgeschichte13:46 analog dazu „Paulus aber und Barnabas sprachen freimütig: Zu euch musste notwendig das Wort Gottes zuerst geredet werden; weil ihr es aber von euch stoßt und euch selber des ewigen Lebens nicht für würdig haltet, siehe, so wenden wir uns zu den Nationen.“

Das Evangelium richtet sich nach der Generalablehnung Israels an die Heiden.

(D)Wer sind nun die Berufenen und Auserwählten?

Gerufen und eingeladen sind im Evangelium alle Menschen (1.Timotheus2,4), an die das Evangelium ergeht – diejenigen jedoch, die sich rufen lassen und der Einladung nachkommen, sind dann auch von Gott auserwählt am Hochzeitsmahl teilzunehmen.

(E)Wieso nur wenige Auserwählte?

Die traurige Wahrheit, dass die Schar derer, die an Jesus Christus glauben einer „kleinen Herde“ (Lukas 12,32) gleichkommt wird in Matthäus 7,13 beschrieben: “Geht hinein durch die enge Pforte! Denn weit ist die Pforte und breit der Weg, der zum Verderben führt, und viele sind, die auf ihm hineingehen. Denn eng ist die Pforte und schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind, die ihn finden.“ Daher endet das Gleichnis in Matthäus 22 auch mit dieser Feststellung: „wenige sind auserwählt“.

(F)Wille Gottes - Verantwortung des Menschen

Da nun gezeigt wurde, dass Gott nicht des Sünders Tod will (Hesekiel 33,11), sondern alles bereit ist, ist auch die Berechtigung der Frage des Petrus nachvollziehbar: “was wird das Ende derer sein, die dem Evangelium Gottes nicht gehorchen ?“ (1.Petrus 4,17).

Dieser Einladung Gottes im Evangelium hat der Mensch in Verantwortung und Gehorsam nachzukommen, da es sonst keine andere Hoffnung auf Errettung gibt.

Hat Gott seine „unwiderstehliche Gnade“ zurückgehalten, sodass diese Menschen nicht glauben konnten und in Folge dessen gleichgültig blieben und sogar die Boten Gottes verfolgten?

Die Folgen der Abweisung des Evangeliums in Matthäus 22 wird erschreckend geschildert „sie kümmerten sich nicht darum“, bzw. „Die übrigen aber ergriffen seine Knechte, misshandelten und töteten sie.“

Die selbe Gleichgültigkeit dem Evangelium gegenüber ist leider bis heute ebenso feststellbar, wie die Verfolgung der Boten Gottes, die durch die Geschichte der Kirche keine Ausnahme geblieben ist, sondern traurige Wirklichkeit bei den Menschen, die dem Willen Gottes Widerstand leisten.

(G)EIN Ruf- ZWEI Antworten

Die These der „Zwei Rufe- Lehre“ ist mit dem Gleichnis des königlichen Hochzeitsmahl nicht zu belegen. Vielmehr wird darin deutlich, dass Gott die Gnade der Einladung im Evangelium an die Menschen – Juden wie Heiden – in gleicher Weise richtet. Alle erhielten die gleiche EINE Einladung. Deren Zurückweisung lag nicht der Wille dessen zu Grunde, der die Einladung ausrichten ließ, sondern war Reaktion der Geladenen darauf: Glaube und Gehorsam oder Unglaube entschieden über die Teilnahme am Hochzeitsmahl. Die Erwähnung weniger Auserwählter, ist darauf zurückzuführen, dass es wenige sind, die die Gnade Gottes für sich in Anspruch nehmen und die Masse gleichgültig oder mit Widerstand antwortet.

III.Zusammenfassung Matthäus 22

Aus dem Gleichnis der königlichen Hochzeit wird – entsprechend der anderen Erwählungsstellen  - deutlich, dass die Berufung Gottes durch den Menschen (in Umkehr/Buße/Bekehrung) angenommen werden muss. Wer die Berufung Gottes jedoch nicht annimmt, der gehört nicht zum Hochzeitsmahl Auserwählten, und es wird ihm erge­hen wie dem Mann, der ohne Hochzeitskleid vor dem König nicht bestehen kann (V. 12.13) und trotz seiner Berufung zum Himmelreich verloren geht.

Die Sicht der Calvinisten, eine Einladung auszusprechen und zu wiederholen mit dem Wissen, die Angesprochenen können gar nicht kommen, konstruiert ein schizophrenes Bild dessen, der tatsächlich alle Menschen liebt und auch wirklich retten will.

3.Apostelgeschichte 13,48 „Als aber die aus den Nationen es hörten, freuten sie sich und verherrlichten das Wort des Herrn und glaubten, so viele ihrer [Luther: „alle die“] zum ewigen Leben verordnet waren.“

I.Zur Übersetzung

Der Satz gliedert sich in zwei Teile:

(A)TEIL I: „Als aber die aus den Nationen es hörten, freuten sie sich und verherrlichten das Wort des Herrn und glaubten“

‚ABER die aus den Nationen’ zeigt den Gegensatz zu den Juden, die hörten und nicht glaubten (v.46).

a.       ‚Freuen’ und ‚verherrlichen’ im Imperfekt, zeigt nicht eine punktuellen, sondern eine andauernde Zustand, als Reaktion auf das Gehörte.

b.       ‚glaubten’ steht in manchen Übersetzungen nach einem Strichpunkt. Das zweifache ‚und’ zeigt jedoch an, dass sich „freuen – verherrlichen – glauben“ an das Hören des Wortes Gottes anschließt (Parataxe).

(B)TEIL II: „so viele ihrer zum ewigen Leben verordnet/bestimmt/gesetzt waren“

c.       Der Nebensatz ist eine Ergänzung zum vorangehenden Subjekt „sie“, d.h. die Glaubenden, werden dadurch genauer charakterisiert.

d.       Hier steht kein kausaler Nebensatz, der den Grund des Glaubens angibt, etwa „sie glaubten, WEIL....“

 

II.Wer sind die „zum ewigen Leben bestimmten“

‚So viele’ (griech.:’osoi’) ist mit einem mathematischen Gleichheitszeichen vergleichbar. Auf der linken Seite davon steht das selbe wie auf der rechten. Dadurch wird das vorherige Subjekt (die, die glauben) und der nachfolgende Satzteil gleichgesetzt, d.h. die Gruppe der Gläubigen sind exakt die gleichen Personen, die zum ewigen Leben bestimmt sind/waren, einhergehend mit der Bedeutung, dass alle die glauben, das ewige Leben haben werden.

 

III.Zeitlicher Zusammenhang:  Glauben - Bestimmung – ewiges Leben

Das ewige Leben ist im NT stets mit einem gegenwärtigen und einem zukünftigem Aspekt verbunden: Die heute Glaubenden, werden zu einem zukünftigen Zeitpunkt das ewige Leben in der Herrlichkeit empfangen. Die Garantie dafür haben sie bereits schon jetzt (=Heilssicherheit), weil sie dazu gesetzt bzw. bestimmt sind, z.B. Joh 6,40 “dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.“

Jeder Gläubige HAT (=Gegenwart) ewiges Leben und WIRD(=Zukunft dazu am letzten Tag auferweckt).

Die Frage ist nun WANN sie zum ewigen Leben gesetzt werden. Dies ist nicht einfach zu beantworten, da die Person nicht genannt wird, die diese Setzung zum ewigen Leben vorgenommen hat. Es gib für die grammatikalische Form zwei Möglichkeiten des Verständnis:

(A)„Gesetzt/ dazu bestimmt“ in reflexiver Form

 (Die Gläubigen haben sich selber gesetzt/ dazu bestimmt, etwa indem sie gläubig wurden).

Das Zeitverhältnis würde dann auf die damalige Gegenwart zeigen, nämlich auf den Zeitpunkt, an dem die Betreffenden an das Evangelium geglaubt haben. Bei diesem Verständnis käme die menschlich Verantwortung durch ihre persönliche Entscheidung für Christus stark zum Ausdruck.

(B)‚Gesetzt’ in passiver Form (Die Gläubigen wurden von Gott zum ewigen Leben gesetzt/bestimmt/verordnet):

(I)Vor Grundlegung der Welt

Diejenigen die an Jesus Christus glauben, sind von Anfang an von Gott dazu bestimmt, das ewige Leben zu erreichen. Die Menschen die im Zeitalter der Gemeinde zum Glauben kommen werden, sind bereits aufgrund der ewigen Pläne Gottes dazu bestimmt die Herrlichkeit bei Gott zu erlangen. Die entsprechende Übersetzung würde dann lauten„es glaubten diejenigen, die zum ewigen Leben bestimmt WAREN“ Diese Deutung würde die Perspektive Gottes betonen, etwa in der Art, dass die Gläubigen (Eph 1,11) vorherbestimmt sind zum Erhalt des Erbes im Himmel.

(II)Zum Zeitpunkt des Gläubigwerdens der Betreffenden 

Aufgrund der Tatsache, dass die Menschen an seinen Sohn glauben, sind diese Personen in Folge dessen von Gott dazu bestimmt, die Herrlichkeit (ewiges Leben) zu erlangen. Dies ist grammatikalisch möglich, da durch die Syntax keine Vor-/bzw. Nachzeitigkeit angegeben wird.

Eine entsprechende Übersetzung wäre dann „es glaubten all diejenigen, die zum ewigen Leben bestimmt SIND“.  Hierbei wird die menschliche Perspektive im Verhältnis zum Erreichen des ewigen Lebens betont.

IV.Grund der Ablehnung der calvinistischen Exegese

Apg 13,48 behandelt nicht die Frage, warum die Ungläubigen durch die Verkündigung gläubig werden, d.h. warum sie die Wiedergeburt erfahren (etwa weil sie vor Grundlegung der Welt dazu vorherbestimmt worden sind).

Eine aufschlussreiche Passage über Ungläubigen (Juden) findet sich in den vorherigen Versen. Diese hielten sich selbst nicht des ewigen Lebens für würdig. Es ist also deren Verantwortung, nicht an das verkündete Wort Gottes geglaubt zu haben. Ein vorweltlicher Beschluss Gottes zu ihrer Verwerfung ist keinesfalls irgendwo ausgesagt. Nachdem die Angesprochenen das Evangelium durch Unglauben zurückgewiesen haben, wendet sich dieses an die Heiden. 

Apg 13,48 behandelt NICHT die Frage, warum Ungläubige zum Glauben kommen. Wäre dies das Thema im Vers, müsste er etwa folgendermaßen lauten „die Ungläubigen, die zum Glauben gekommen sind, erlangten deswegen die Wiedergeburt, weil sie – trotz ihres Zustand ihres damaligen Unglaubens - von Gott dazu vorherbestimmt und auserwählt waren“.

Die calvinistische Deutung bezieht sich auf die Vorherbestimmung zur Wiedergeburt als eines erreichten Zustandes der damaligen Gegenwart in Bezug auf eine hypothetische vorherige Phase des Unglaubens. Diese Verbindung zwischen der die Bestimmung Gottes stehen würde ist im Text jedoch NIRGENDWO enthalten. Der erwähnte erste Pol ist jedoch der bereits eingetretene Zustand des Glaubens. Daran knüpft die Bestimmung an, die auf den zweite Pol - das ewige Leben – gerichtet ist.

Die calvinistische Deutung wird daher aufgrund des unzutreffenden Bezuges auf die Personen und die Zeit abgelehnt.

V.Gegenüberstellung

(A)Thematik, die in der Textstelle Apg 13,48 NICHT behandelt wird

 

Warum Ungläubige zum Glauben kommen (etwa durch Vorherbestimmung). Die Bestimmung [Gottes] steht hier nicht zwischen dem Zustand des Ungläubigseins und Gläubigwerdens. Verheißungen Gottes beziehen sich NIE auf den Zustand des Unglauben.

 

(B)Thematik, DIE in Apg 13,48 behandelt wird

Lukas beschreibt u.a. zunächst den Dreiklang der Verkündigung von Gottes Wort, dem Hören und Glauben. Im weiteren werden die Gläubigen als die beschrieben, die [von Gott] zum ewigen Leben bestimmt sind.

Die Bestimmung zum ewigen Leben steht zwischen der Gegenwart des Gläubig-gewordenen und deren Zukunft und gibt insofern den Gedanken von Eph 1,11 wieder „Und in ihm haben wir auch ein Erbteil erlangt, die wir vorherbestimmt waren nach dem Vorsatz dessen, der alles nach dem Rat seines Willens wirkt“. Hier sind wiederum gegenwärtig Gläubige angesprochen, die durch Glauben im Besitz des Heils sind und durch Gottes Ratschluss zum Erbe im Himmel bestimmt sind.

VI.Schlussfolgerung

Aufgrund des Textzusammenhangs und der Parallelstelle Eph 1,11 würde am ehesten die Deutung nahe liegen, dass Gott die Gläubigen vor Grundlegung der Welt dazu bestimmt hat, das ewige Leben bei ihm zu erhalten. Dazu hat er sie in seinem ewigen Ratschluss bestimmt.

 

Apg 13,48 behandelt die Frage warum Gläubige – im Gegensatz zu denen die sich dafür nicht würdig halten - das ewige Leben erlangen werden. Weil sie von Gott dazu bestimmt worden sind.

Gleicher Sachverhalt findet sich in 1.Thess 5,9 „Denn Gott hat uns nicht zum Zorn bestimmt, sondern zum Erlangen des Heils durch unseren Herrn Jesus Christus“

 

In Apg 13,48  behandelt im Kontext den Zusammenhang: Die Gläubigen und das ewige Leben, bzw. die Abfolge:

Evangelium hören – daran glauben - mit der Konsequenz die Bestimmung des zukünftigen ewigen Lebens zu erlangen.

 

Dieser Abschnitt steht im deutlichen Kontrast zum vorangehenden:

Evangelium hören – NICHT daran glauben - mit der Konsequenz das ewige Leben NICHT zu erlangen bzw. sich selber dafür unwürdig halten (Ungläubige Juden).

 

Zusammenfassend kann man behaupten,  Apg 13,48 zeigt im praktischen Missionsgeschehen, den Ablauf, den auch Joh 5,24:

 

„Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.“

-          Gottes Wort hören

-          und daran glauben, bewirkt den

-          Übergang vom Tod zum Leben, d.h. ewiges Leben statt Gericht

4.Epheser 1,4 „wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe“

Hier wird nicht eine Auserwählung Ungläubiger zur Seligkeit angesprochen, sondern das Ziel Gottes mit dem Leben des Christen, das Gott gesetzt hat: Heiligkeit und Tadellosigkeit.

Ein Bezug auf Vorherbestimmung zur Wiedergeburt und Überlassen der Nicht-Erwählten ist völlig unhaltbar und gleicht einer Gewaltanwendung des Textes. Gottes Auswahl von Menschen geschieht in Christus, d.h. wer an Jesus Christus glaubt, ist zur Heiligkeit und Tadellosigkeit vorherbestimmt. Eine andere Interpretation, d.h. Auserwählung „außerhalb von Christus“ wie der Calvinismus vorschlägt, indem er Menschen im Unglauben mit dem Terminus der Erwählung in Verbindung bringt ist völlig unhaltbar.

 Gott will eine heilige und untadelige Versammlung derer, die an seinen Sohn glauben. Der Beschluss und das Ziel, eine heilige Gemeinde haben zu wollen, bestand bereits vor Grundlegung der Welt; diese heilige Versammlung wird auf dem Fundament Jesus Christus errichtet:

Die Auserwählung der Gläubigen zur Heiligkeit hat dabei nichts mit der angeblichen Vorherbestimmung Ungläubiger zur Wiedergeburt zu tun, sondern zeigt vielmehr die ewigen Ziele Gottes mit seiner Gemeinde.

5.2. Timotheus 2,10 „Deswegen erdulde ich alles um der Auserwählten willen, damit auch sie die Rettung, die in Christus Jesus ist, mit ewiger Herrlichkeit erlangen.“

I.Textinterpretation im Sinne der Auserwählung Ungläubiger

Die Interpretation o.g. Textstelle aus calvinistischer Sicht würde

1) das Erdulden des Paulus auf sein evangelistisches Bemühen,

2) die Auserwählten auf Ungläubige, die zum Glauben auserwählt sind und

3) die Rettung, die in Christus Jesus ist auf die Wiedergeburt bzw. Vergebung der Sünden

beziehen.

Sinngemäß würde der Abschnitt auf folgende Art verstanden werden: Die Anstrengungen des Dienstes des Apostels Paulus haben das Erreichen der zum Glauben an Christus Auserwählten mit dem Evangelium zum Ziel, damit diese, wie es auch bereits bei Paulus der Fall ist, die Rettung im Sinne der Wiedergeburt und Vergebung der Sünden erfahren sollten.

II.Grundlagen der alternativen Auslegung

Um der Textstelle  gerecht zu werden, ist es außerordentlich wichtig und notwendig, den näheren und weiteren Zusammenhang zu beachten:

(A) Thema des 2.Timotheusbrief

Paulus ermutigt seinen Mitarbeiter Timotheus in seinem schweren Dienst in Ephesus angesichts der Schwierigkeiten mit falschen Lehren, Verfolgungen der Gemeinde und der Untreue und Unzuverlässigkeit unter den Christen. Paulus regt seinen „geliebten Sohn“ an in diesen Umständen die „Widrigkeiten“ zu erdulden, die dieser Dienst mit sich bringt, dem Herrn treu zu bleiben.

Paulus steht am Ende seines Lebens und weist auf seinen eigenen, entbehrungsreichen Dienst hin, der nun mit dem Martyrium enden wird (4,6), jedoch von Seiten Gottes mit der Krone der Gerechtigkeit belohnt wird (4,8)

(B)Inhaltlicher Bezug des Briefes zum Kap. 2

Die Verfolgung derer, die Gott treu nachfolgen wollen, ist geradezu ein Kennzeichen eines echten Dieners (3,12). Paulus selber sitzt in Gefangenschaft wie ein Verbrecher. Zudem wird Timotheus aufgefordert sich an den Herrn Jesus zu erinnern,  „der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat“ (Hebräer. 12,3), bevor er von den Toten auferstanden und verherrlicht wurde.

(C)Die Gemeinde im Spannungsfeld zwischen Gegenwart und Zukunft

Zur Begründung der Notwendigkeit, die Widrigkeiten als Streiter Christi (v.3) zu erdulden, zeigt Paulus das Spannungsfeld zwischen den beiden Polen, in denen jeder Knecht des Herrn steht: Die Leiden der jetzigen Zeit und die ewige Herrlichkeit danach. Das Prinzip Gottes „durch Leiden zur Herrlichkeit“ findet sich in Römer 8,18 „Denn ich denke, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll“

(D) Die beiden Pole in Kap 2,1-13: Jetzt Leiden - später Herrlichkeit

(I)Die Leiden der jetzigen Zeit:

Was hat der Streiter Christi in der Gegenwart zu erwarten? Widrigkeiten(v.3), Kriegsdienst (v.4), Wettkampf (v.5), Arbeit (v.6). Paulus selber sieht sich in Widrigkeiten bis zum Gefängnis (v.9), die er jedoch standhaft für die Auserwählten erträgt (v.10).

(II)Die zukünftige Herrlichkeit der Gläubigen:

Was hat der Streiter Christi von der Zukunft zu erwarten, wenn er dem gefallen hat, der ihn angestellt hat (v.4)? Empfang des Siegeskranzes (v.5) Anspruch auf die Ernte (v.6), mitgestorben sein (v.11), erdulden (v.12).

Dieses Prinzip Gottes hat im gegensätzlichen Sinn ebenso Gültigkeit: Wenn wir den Herrn in unserem Leben verleugnen), wird er unseren Dienst dann ebenso verleugnen (V.12). Diesem Grundsatz hat sich Gott verpflichtet, da er sich nicht selbst verleugnen kann, selbst wenn wir Christen untreu werden sollten (v.13).

(E)Ein Prinzip für alle Christen

Der Gemeinde in Korinth stellt Paulus dieses Prinzip im Bild des Säens und Erntens im 2.Brief, Kap 9,6 vor: „Dies aber sage ich: Wer sparsam sät, wird auch sparsam ernten, und wer segensreich sät, wird auch segensreich ernten.“

Unsere himmlische Stellung als Christen wird später davon gekennzeichnet sein, wie wir dem Herrn in der jetzigen Zeit gedient zu haben. Diesem Zusammenhang ist sowohl Paulus unterworfen, als auch alle anderen Nachfolger des Herrn.

(F)Die Rettung des Paulus  in das himmlische Reich

Von welcher Rettung Paulus im zu betrachtenden Vers spricht, wird in 2.Timotheus 4,18 deutlich „Der Herr wird mich retten von jedem bösen Werk und mich in sein himmlisches Reich hineinretten. Ihm sei die Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“

Paulus war ja einerseits bereits durch die Gnade Gottes von der Macht des Todes und der Sünde gerettet und hatte ewiges Leben: „Der hat uns errettet und berufen mit heiligem Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben“ (Kap 1,9).

Andererseits stand für Paulus die Erlösung des Leibes (Römer 8,23) und die Rettung durch das Eingehen in das himmlische Reich (2.Timotheus 4,18) noch aus, in das ihn der jedoch Herr hineinretten wird.

(G)Die Gemeinde Gottes – zur Erlangung des Heils bestimmt

1.Thessalonicher 5,9  „Denn Gott hat uns nicht zum Zorn bestimmt, sondern zum Erlangen des Heils [Anm. o. Rettung] durch unseren Herrn Jesus Christus“ (Ebenso 2.Thessalonicher 2,13).

Das griechische Wort ‚soteria’ in 2.Timotheus 2,10 wird in den verschiedenen Übersetzungen entweder mit Heil oder mit Rettung bzw. Errettung wiedergegeben.

Den zukünftigen Aspekt der Errettung gibt Paulus auch in Römer 13,11 wieder: “Denn jetzt ist unsere Rettung näher, als da wir zum Glauben kamen“.

Nach 1.Thessalonicher 5,8 soll unser Leben als Christen sogar von der Hoffnung auf Erlangen des Heils in der Herrlichkeit geprägt sein.

(H)Die Bewahrung der Gläubigen zur Rettung

1 Petrus 1,5 „die ihr in der Kraft Gottes durch Glauben bewahrt werdet zur Rettung, die bereit steht, in der letzten Zeit geoffenbart zu werden.“

Ebenso wie Paulus gewiss war, diese Rettung zu erlangen, ist Petrus von der Bewahrung Gottes bis zur zukünftigen Rettung überzeugt.

Der 1.Petrusbrief gibt im 1.Kapitel in anderer Weise den selben Gedanken wieder, den Paulus auch seinem Mitarbeiter Timotheus mitteilen wollte: die Bewährung des Glaubens (v.7), hat „Lob, Ehre und Herrlichkeit“ zur Folge „ bei der Offenbarung Jesu Christi“ (v.7).

(I) Jesus Christus - der Urheber der zukünftigen Errettung

Entsprechend eben erwähnter Stellen aus Gottes Wort steht die künftige Errettung in Bezug mit der Person des Herrn Jesus selbst: Er ist der Urheber unserer gesamten Errettung, auch derjenigen, die noch aussteht.

(J)Errettung – aber wie ?

Die Sicherheit der Erlangung des Heils für die Gemeinde Gottes, ist durch die Bestimmung Gottes garantiert (1.Thessalonicher 5,9). Jedoch wird jeder Gläubige mit seinem Leben dann vor dem Herrn stehen, „damit jeder empfange, was er durch den Leib vollbracht, dementsprechend, was er getan hat, es sei Gutes oder Böses.“ (2.Korinther 5,10).

(K)Wie erreicht Paulus die Herrlichkeit ?

Die feste Verheißung, dass jeder wiedergeborene und erlöste Gläubige die Herrlichkeit sicher erreichen wird, ist durch Gottes klare Zusage gewiss. Daher ist im folgenden nicht die Frage relevant, ob Paulus das Heil erreichen wird, sondern welche Auswirkung auf die Belohnung sein Leben hat und wie er vor dem Herrn stehen wird.

Da der Dienst und das Leben des Apostels von Leiden für das Evangelium und Treue bis zum Ende gekennzeichnet war, zieht er in Kap 4,7f  folgende Bilanz: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt; fortan liegt mir bereit der Siegeskranz der Gerechtigkeit, den der Herr, der gerechte Richter, mir als Belohnung geben wird an jenem Tag“.

Paulus wird also – auch 1.Petrus Kap. 1 entsprechend – das Heil/Rettung in der Ewigkeit durch die Bewährung seines Glaubens mit Herrlichkeit erreichen.

(L)Die Vorbildfunktion des Apostels in Gegenwart und Zukunft

Timotheus etwa hat dem Vorbild des Paulus im Erdulden von Leiden nachgeifert und wird im 2.Timotheusotheusbrief im Hinblick auf die künftige Herrlichkeit aufgefordert, weiterhin standhaft zu bleiben.

Paulus bezeichnet sich in 1.Timotheus 1,16 nicht nur als Vorbild für Timotheus allein, sondern als „Vorbild für die, welche an ihn glauben werden zum ewigen Leben“. Paulus wird im Hinblick auf die zukünftige Belohnung als Beispiel im Dienst in der jetzigen Zeit dargestellt. Dieser Lohn steht nicht allein Paulus zu, sondern auch allen anderen, die das Kommen des Herrn zur Errettung erwarten und den selben Dienst für das Evangelium in Entbehrung und Leiden ausüben. (1.Timotheus 4,8)

III.Die alternative Auslegung von 2.Timotheus 2,10

Im gesamten Textzusammenhang behandelt Paulus das Spannungsfeld der Leiden der Gläubigen im Hinblick auf die zukünftige Herrlichkeit. Paulus will damit seinem Mitarbeiter Timotheus die Prinzipien Gottes für seinen Dienst verdeutlichen.

Durch die Vorbildfunktion in seinen Leiden im Dienst des Evangeliums Christi werden andere Gläubige zur konsequenten Nachfolge ermutigt: Paulus lebt ein Leben des „Mitgestorbenseins“, des Erduldens und hat den Herrn nicht verleugnet, so dass sich der Herr zu seinem Dienst bekennen wird (V.11f): Er wird mit Christus – dem Urheber des Heils/Rettung - leben und im 1000jährigen Reich mit Christus herrschen.

Vers 10 verdeutlicht das Anliegen des Paulus, nicht allein selbst vollen Lohn in der Herrlichkeit zu erhalten, sondern seinen Dienst als Ermutigung für andere Gläubige zu sehen und ihm nachzueifern, damit diese ebenso  das Reich mit ewiger Herrlichkeit erreichen, und ihnen voller Lohn zukommt. Gleicher Gedanke findet sich in 2.Petrus 1,10f „Darum, Brüder, befleißigt euch um so mehr, eure Berufung und Erwählung fest zu machen! Denn wenn ihr diese Dinge tut, werdet ihr niemals straucheln. Denn so wird euch reichlich gewährt werden der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus.“

Die Standhaftigkeit des Paulus im Dienst hat Vorbildcharakter für die anderen Auserwählten Gläubigen, so dass auch sie, wie auch Paulus selbst, in das künftige Heil mit ewiger Herrlichkeit eingehen werden, sofern sie diesem Prinzip folgen.

IV.Mögliche Gründe für die Verwendung des Begriffs „Auserwählte“ in 2.Timotheus 2,10

(A)Die Gläubigen sind auserwählt, die Rettung und das Reich Gottes zu erreichen

Jakobus 2,5 „Hat nicht Gott die vor der Welt Armen auserwählt, reich im Glauben und Erben des Reiches zu sein, das er denen verheißen hat, die ihn lieben ?“

Die Rettung steht in enger Verbindung mit dem Erreichen des Reiches, zu der jeder Christ vorherbestimmt ist.

(B)Die Auserwählung zieht lebenspraktische Konsequenzen nach sich, die Paulus von den Erlösten erwartet.

Kol3,12 „Zieht nun an als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut!“

Gerade die lebenspraktischen Konsequenzen des Glaubens in der Bewährungssituation stehen im 2.Timotheusotheusbrief auch im Vordergrund.

(C)Die Gläubigen sind zum standhaften Erdulden der Leiden bestimmt

1.Thessalonicher 3,3 „dass niemand wankend werde in diesen Bedrängnissen. - Denn ihr selbst wisst, dass wir dazu bestimmt sind“

Rom 8:29 „Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.“

Durch die Bereitschaft zum Erdulden der Leiden, führt Gott seinen Plan aus, die Gläubigen dem Bild des Sohnes Gottes gleichförmig zu machen.

(D)Die Gemeinde ist auserwählt, ein Leben in Heiligkeit bzw. Absonderung für Gott zu führen

Epheser 1,4 „wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos vor ihm seien“.

 Gerade im Textzusammenhang wird die Aufforderung des Apostels an die Auserwählten, ein heiliges Leben zu führen, deutlich.

(E)Ebenso wie Petrus auserwählt war, Gottes Wort zu verkündigen (Apostelgeschichte 15,7), ist die Gemeinde bestimmt, das Evangelium durch Wort und Leben zu bezeugen.

1 Petrus 2,9 „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat“

Die Gemeinde ist aufgerufen und auserwählt, der Welt die Herrlichkeit Gottes bekannt zumachen.

V.Probleme der calvinistischen Deutung von 2.Timotheus 2,10

(A)Gedankenbruch und Außerachtlassen des Zusammenhangs

Das von Paulus erörterte Spannungsfeld zwischen dem gegenwärtigen Leben und der späteren Herrlichkeit, wird gebrochen und umpolarisiert.

(B)Die Wiedergeburt wird nicht bereits ‚mit ewiger Herrlichkeit erlangt’

‚Das Erlangen’ steht in zeitlicher Übereinstimmung mit ‚ewiger Herrlichkeit’. Der Ausdruck ‚ewig’ findet keine Verwendung für den Zeitpunkt, an dem ein Mensch zum Glauben an Christus gelangt. Der Bezug ist vielmehr auf die Herrlichkeit nach dem Leben des Gläubigen gerichtet, wenn der Lohn zugeteilt wird. Die Wiedergeburt findet in Raum und Zeit statt, nicht erst in der Ewigkeit.

(C)Bezug der Auserwählung auf Ungläubige

Titus 1:1 „Paulus, Knecht Gottes, aber Apostel Jesu Christi nach dem Glauben der Auserwählten Gottes und nach der Erkenntnis der Wahrheit, die der Gottseligkeit gemäß ist“

Gott kann Ungläubige, die dem Evangelium widerstehen, nicht auserwählen, um seine ewigen Ratschlüsse durch sie auszuführen, da es ohne Glauben unmöglich ist Gott zu gefallen (Hebräer.11,6) oder seine Pläne zu verwirklichen.

In Titus 1,1 steht – als schwacher Hinweis dessen –  Glauben und Auserwählung im Textzusammenhang, nirgends findet sich jedoch Unglauben und Auserwählung in Verbindung.

Die Gläubigen werden erst nach der Annahme des Heils als Auser­wählte bezeichnet: 1. Thessalonicher 1,4ff „Liebe Brüder, von Gott geliebt, wir wissen, dass ihr erwählt seid [...] denn unsere Predigt des Evangeliums kam zu euch ...“

(D)Die von Gott Berufenen sind bereits im Besitz der Erlösung von Tod und Sünde durch die Gnade Jesu Christi

2 Timotheus 1,9  „Der hat uns errettet und berufen mit heiligem Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben hat“.

Im Vordergrund des Abschnittes in Kap.2 steht die Spannung der bereits geschehenen Rettung im Sinne der Wiedergeburt und der noch ausstehenden Errettung in der Ewigkeit.

(E)Hauptkritikpunkte am Calvinismus

1.Begrenzte Zielgruppe des Evangeliums Gottes

Das Evangelium ergeht an ALLE Menschen. Gott will, dass ALLE Menschen gerettet werden. Daher "gebietet er jetzt den Menschen, dass sie ALLE überall Buße tun sollen" Apostelgeschichte 17,30, da er "will, dass ALLE Menschen errettet werden" (1.Timotheus 2,4), d.h. keine Bestimmung/Begrenzung des Heils auf einzelne "erwählte Ungläubige", wie im Calvinismus. Das Erlösungswerk Jesu Christi ist für die gesamte Menschheit geschehen und wird dem Individuum zugeeignet, wenn er Jesus Christus als Heiland erkennt und ihn annimmt. D.h. "wer da will, der komme".

2.Auserwählung Ungläubiger zur Wiedergeburt

Generalirrtum im Calvinismus ist die angebliche Auserwählung Gottes ungläubiger Menschen der Welt und somit die Konstruktion einer Zwei-Welten-Lehre, bzw. in Folge davon eine "Zwei-Rufe-Lehre".

Die Bibel lehrt solches nicht, sondern allein die Erwählung der Gemeinde, also derer die an Jesus Christus glauben.

Die Auserwählung ist allein "in Christus" - nur wer an Jesus Christus glaubt ist vor Grundlegung der Welt auserwählt und nicht als Weltmensch, der nicht glaubt. Ungläubige in Verbindung mit der Auserwählung der Gemeinde zu bringen ist biblisch völlig auszuschließen. Die biblische Auserwählung steht immer in Verbindung mit einem bestimmten Ziel Gottes dabei.

3.Keine Verantwortung des Menschen

Gott erwartet Gehorsam und Glauben von den Menschen als deren Reaktion auf die Verkündigung des Evangeliums. Er gibt jedem Adressaten des Evangeliums die Möglichkeit zu Bekehrung. Die Voraussetzung einer Verantwortungslosigkeit im calvinistischen Sinne, die mit der völligen Verderbtheit des Menschen begründet werden soll, schiebt Gott, der alles am Kreuz zur Rettung der Menschheit durch Jesus vollbracht hat, die Verantwortung und dadurch die Schuld zu, wenn Mensche ewig Verdammt werden.

1.Thessalonicher 1,8 „Dabei übt er Vergeltung an denen, die Gott nicht kennen, und an denen, die dem Evangelium unseres Herrn Jesus nicht gehorchen“ bzw. 2.Thessalonicher 2,10 „welche verloren gehen, dafür, dass sie die Liebe der Wahrheit zu ihrer Errettung nicht angenommen haben.“

Menschen gehen demnach nicht verloren, weil sie Gott nicht erwählt hätte, oder Christus nicht für sie gestorben wäre und er heilige Geist sie nicht gezogen hätte, sondern allein aus dem Grund, das Evangelium von sich gestoßen zu haben. Hesekiel 33,11 betont mit einer Art Eidesformel, welch großes Anliegen Gott daran hat, dass keiner den Tod des Gottlosen stirbt: „Sage zu ihnen: So wahr ich lebe, spricht der Herr, HERR: Wenn ich Gefallen habe am Tod des Gottlosen! Wenn nicht vielmehr daran, daß der Gottlose von seinem Weg umkehrt und lebt! Kehrt um, kehrt um von euren bösen Wegen! Ja, warum wollt ihr sterben, Haus Israel?“

4. Der calvinistische Gott überlässt seine Geschöpf willentlich der Verdammnis

Da Gott alles zur Erlösung und Errettung der gefallenen Welt durch Jesus Christus vollbracht hat, so dass alle gerettet werden können, ist es nun die Verantwortung jedes einzelnen Menschen den Herrn Jesus anzunehmen. Von einem Heilsautomatismus und einem Übergehen der menschlichen Person im Handeln Gottes kann nicht die Rede sein (UNWIDERSTEHLICHE GNADE).

 Wer jedoch dem Wirken des Heiligen Geistes und dem Liebesangebot Gottes, das er der gottfeindliche Welt anbietet, widersteht und dem Evangelium ungehorsam bleibt, wird die Ewigkeit unversöhnt bleiben und die Vergeltung Gottes erleben.

Gott will nicht, dass irgendjemand verloren geht und hat alles getan, damit jeder Mensch Vergebung erhalten kann. Lehnt der Mensch dies ab, geht er nicht deshalb verloren, weil Gott den Mensch nicht wollte, sondern weil der Mensch Gottes Heil nicht wollte.

(F)Schlusswort

1.Zusammenfassung der Gegenposition zum Calvinismus

Jesus Christus hat für alle Menschen das Erlösungswerk am Kreuz vollbracht. Menschen werden durch das Wirken des Heiligen Geistes von ihren Sünden überführt und im Evangelium zum Glauben an Jesus Christus gerufen. Dabei will Gott die Rettung aller, d.h. jedes einzelnen Menschen und hat bestimmt, das  Evangelium allen Menschen auszurichten. Diese sind völlig verantwortlich, ob sie sich zu Jesus Christus bekehren. Wer jedoch die freie Gnade Gottes verwirft, wird aufgrund seiner Entscheidung von Gott im Jüngsten Gericht ewig verdammt, bzw. nach anhaltendem Widerstand gegen das Wirken des Heiligen Geistes von Gott bereits zu Lebzeiten verstockt, so dass eine weitere Möglichkeit zur Busse ausgeschlossen ist.

2.Nicht der Gott der Liebe

Durch die Gegenüberstellung der Lehren des Calvinismus mit den Aussagen der heiligen Schrift konnte der Gegensatz zwischen dem Gott gesehen werden, der alles für seine Geschöpfe im Werk Jesu Christi getan hat, so dass niemand verloren gehen braucht und soll und der alle Menschen zu Jesus Christus ruft und einem völlig anderen und gegensätzlichen Gottesbild.

Ein Gnaden- und Liebesverständnis im Sinne des Calvinismus, wonach Gottes Wohlgefallen auf einen Bruchteil angeblich auserwählter Menschen gerichtet sei und der den Großteil seiner Geschöpfe ohne Eingreifen der Hölle überlässt, ist dem „Gott aller Gnaden“ völlig fremd.

Dave Hunt kommt in „The Berean Call“ zu folgendem Schluss „Beleidigt die Lehre des Calvinismus nicht vielmehr Gottes Charakter? Präsentiert sie uns nicht vielmehr einen Gott, der den Menschen nicht so viel Liebe entgegenbringt, dass sie alle in den Himmel kommen können; einen Gott, der Christus nur für die Erwählten sandte, und nicht für alle Menschen? Es lässt sich kein Grund finden, wieso Gott, der unparteiisch ist, den einen erwählen sollte und den anderen nicht ( – wie es auch gar nichts in jedem von uns gibt, das Gott dazu bringen könnte, uns überhaupt zu erwählen).“

.

3.Konsequenzen

Das Anliegen vieler Calvinisten ist die Ehre und Souveränität Gottes zu betonen, aber anstatt Gottes Gnade zu verherrlichen, wird seine glühende Liebe zu den Verlorenen pervertiert. Der Calvinismus beschränkt die Heilsabsichten Gottes und das Werk Jesu am Kreuz und das Wirken des Heiligen Geistes auf eine vermeintliche Auswahl.

Es finden sich viele entscheidende Widersprüche, Abweichungen von klaren Aussagen der heiligen Schrift in den Gedanken Calvins und seiner Nachfolger, als dass diese Lehren Eingang in Gemeinden finden könnten.

Im Licht der heiligen Schrift stürzt das Lehrsystem des Calvinismus zusammen, das es seine Aussagen nicht auf Gottes Wort zurückführen kann.

Daher gilt auch der Aufruf zum Umdenken allen, die bewusst oder unbewusst ihr Herz und ihre Gemeinden mit Calvins Lehren verunreinigt haben.

Wir finden den eigentlichen Gegner des Calvinismus nicht im Arminianismus, sondern in Gottes Wort selbst. Für die Lehren des Calvinismus darf es in der Gemeinde Jesu keinen Platz geben!