Q.: Ich bin sooo gern mit Gottes/Jesus Wesen
beschäftigt. Daher erneut eine meiner Fragen, wie folgt, um auch
Eure, vom Geist Gottes eingegebenen Gedanken erfahren zu können,
auch , da mir geistlicher Austausch mit Geschwister im Herrn leider
sehr fehlt.
Der Herr Jesus Christus heilte (in vielerlei
Stellen der Bibel nachzulesen). So auch in Mt.8, im Vers 4 sagt er
zum Geheilten, er solle es keinem sagen.
Oder auch in Mt.9,30/31, Vers31 besagt, die
Geheilten redeten...
Meine Frage, warum bat der Herr um Schweigen,
warum redeten die Geheilten dennoch?
Sitsa Kerstin
A.:
Matthäus 9,30–31 („Und ihre Augen wurden
geöffnet. Und Jesus bedrohte sie und sprach: Seht zu, dass es niemand erfahre!
Sie aber gingen hinaus und machten ihn in jenem ganzen Land bekannt.“)
>>>> ist
tatsächlich eine Stelle, die auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt.
Der
Schlüssel liegt im Zusammenhang und im heilsgeschichtlichen Hintergrund.
Literatur aus Bibelkreis.ch zu Matthäus
Matthäus YT Walvoord
Matthäus Beiträge auf www.bibelkreis.ch
Das griechische Verb, das hier mit „bedrohte“ (ἐνεβριμήσατο) übersetzt ist, bedeutet eigentlich „energisch ansprechen, scharf zureden“ – nicht in dem Sinn, dass er ihnen Böses androhte, sondern dass er ihnen mit Nachdruck ein ernstes Gebot erteilte. Das war keine beiläufige Bitte, sondern eine klare Anweisung mit Autorität.
Im Matthäusevangelium wird mehrfach
berichtet, dass der Herr Jesus gebot, seine Wunder nicht publik zu machen (vgl.
Mt 8,4; 12,16; 17,9; Mk 1,44).
Der Hintergrund: Das Volk Israel hatte zu dieser Zeit eine politische
Messiaserwartung – sie wollten einen Befreier von der römischen Besatzung. Wäre
sein Wirken zu früh als „Messias-Triumphzug“ ausgerufen worden, hätte das den
göttlichen Zeitplan für Kreuz und Auferstehung gestört (Joh 6,15: „Jesus entwich
wieder auf den Berg, er allein“).
Seine Sendung war zuerst
geistlich: „… sein Volk erretten von ihren Sünden“ (Mt 1,21). Die öffentliche
Massenbegeisterung hätte diesen Auftrag verkehrt.
Die neutestamentliche Forschung spricht vom „Messiasgeheimnis“ (besonders bei Markus deutlich), womit gemeint ist: Der Herr offenbarte seine wahre Identität gezielt und stufenweise.
Für die Jünger: Er wollte, dass sie zuerst im Glauben auf sein Wort reagieren, nicht nur auf Wunder.
Für die Volksmenge: Er wollte verhindern, dass sein Wirken auf Sensationslust reduziert wird.
Für die religiösen Führer: Eine vorzeitige Konfrontation mit den führenden Kreisen Israels sollte vermieden werden, bis „seine Stunde gekommen“ war (Joh 7,30; 8,20).
Wunder hatten im Dienst Jesu drei Hauptfunktionen:
Beglaubigung seiner Person und Botschaft (Joh 10,25).
Barmherzigkeit gegenüber Bedürftigen (Mt 14,14).
Zeichencharakter im Blick
auf das Reich Gottes (Mt 12,28).
Aber sie waren nie als
Selbstzweck oder PR-Kampagne gedacht. Sobald sie zum Anlass für
oberflächliche Nachfolge oder politischen Druck wurden, gebot der Herr
Schweigen.
Im Kontext von Matthäus 9 reiht Matthäus
eine ganze Serie von Machterweisen Jesu aneinander: Heilung des Gelähmten (V.
1–8), Berufung des Zöllners (V. 9), Heilung der blutflüssigen Frau und
Auferweckung des Mädchens (V. 18–26), Heilung der Blinden (V. 27–31), Befreiung
eines Stummen (V. 32–34).
Diese Wunder belegen: Der König
Israels ist da. Aber die Verwerfung durch die Führer (V. 34) kündigt
sich bereits an.
Darum die Schweigegebote: Es war noch nicht die Zeit für den öffentlichen
Anspruch, sondern für das persönliche Erkennen.
Auch heute kann man daraus lernen:
Wahre Jüngerschaft lebt nicht von Sensationsmeldungen, sondern von stillem Gehorsam.
Nicht jedes geistliche Erlebnis ist zur sofortigen öffentlichen Mitteilung bestimmt; manchmal dient das Schweigen der Reinheit der Botschaft.
Gottes Zeitplan hat Vorrang vor unserem
Drang, Dinge zu beschleunigen.
Übersicht aller Schweigegebote Jesu im Matthäusevangelium mit kurzem Kontext und theologischem Hinweis.
„Und Jesus spricht zu ihm: Sieh zu, sage es niemand; sondern geh hin, zeige dich dem Priester und bringe die Gabe dar…“
Kontext: Unmittelbar nach der Bergpredigt heilt der Herr einen Aussätzigen.
Grund: Das Schweigen sollte den Fokus auf das priesterliche Zeugnis nach 3. Mose 14 richten – das war ein offizieller Beweis für Israel, dass der Messias da ist. Keine Sensationsmeldungen, sondern geordnete Bestätigung.
„Und Jesus bedrohte sie und sprach: Seht zu, dass es niemand erfahre.“
Kontext: Unmittelbar nach der Auferweckung der Tochter des Synagogenvorstehers.
Grund: Vermeidung von Wundersucht und falschen Erwartungen. Sein Werk sollte nicht durch voreilige Publikmachung in eine politische Schiene gedrängt werden.
„Und er bedrohte sie, dass sie ihn nicht offenbar machten…“
Kontext: Nach einem Sabbat-Konflikt heilt er viele.
Grund: Er erfüllte Jesaja 42,1–4 (V. 17–21): Der Messias tritt nicht als lauter Kämpfer auf, sondern sanftmütig und demütig. Keine forcierte öffentliche Selbstdarstellung.
„Dann gebot er den Jüngern, dass sie niemand sagten, dass er der Christus sei.“
Kontext: Nach der Offenbarung durch den Vater, dass Jesus der Messias ist.
Grund: Der Zeitpunkt für die offene Verkündigung war noch nicht gekommen; zuerst musste das Kreuz vollbracht werden (V. 21: „Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu zeigen, dass er… leiden müsse“).
„Sagt niemand das Gesicht, bis der Sohn des Menschen aus den Toten auferweckt ist.“
Kontext: Die Jünger hatten auf dem Berg seine Herrlichkeit gesehen.
Grund: Diese Vorschau auf das Reich sollte erst nach der Auferstehung berichtet werden, um im Licht des vollbrachten Werkes verstanden zu werden.
Schweigegebot vor dem Kreuz: Schutz vor falscher Messiaserwartung, Betonung des geistlichen Auftrags, Erfüllung der prophetischen Zeitordnung.
Offenheit nach der Auferstehung: Matthäus 28,19–20 zeigt den Wendepunkt: Jetzt soll die Botschaft zu allen Nationen hinaus.
Biblische Balance: Gottes Plan entfaltet sich Schritt für Schritt – Offenbarung geschieht im rechten Moment, nicht durch menschliche Beschleunigung.
Übersicht auch als tabellarische Parallelübersicht zu
den anderen Evangelien anfertigen.
wo Markus und Lukas die gleichen Schweigegebote berichten und welche
zusätzlichen Details sie geben.
Das würde den heilsgeschichtlichen Zusammenhang noch klarer machen.
Tabellarische Parallelübersicht der Schweigegebote Jesu in
den Evangelien,
Matthäus, Markus und Lukas dieselben Situationen berichten und welche
besonderen Details sie jeweils hinzufügen.
| # | Ereignis / Empfänger | Matthäus | Markus | Lukas | Bemerkung / Theologische Notiz |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Aussätziger gereinigt | Mt 8,4 | Mk 1,43–44 | Lk 5,14 | In allen drei Evangelien identisch: Der Geheilte soll sich dem Priester zeigen (3. Mose 14). Fokus auf gesetzlich vorgeschriebenes Zeugnis, nicht Sensationsmeldungen. |
| 2 | Zwei Blinde bei Kapernaum | Mt 9,30 | – | – | Nur Matthäus berichtet diese spezifische Heilung mit Schweigegebot. Deutliches „bedrohen“ (ἐνεβριμήσατο) – ernstes, autoritatives Gebot. |
| 3 | Viele Heilungen am See | Mt 12,16 | Mk 3,12 | – | Verknüpft mit Jes 42,1–4: Sanftmütiger Messias, keine Selbstdarstellung. Markus betont, dass die Dämonen ihn als „Sohn Gottes“ kannten, er ihnen aber verbot, dies zu sagen. |
| 4 | Tochter des Jairus (noch vor der Auferweckung) | – | Mk 5,43 | Lk 8,56 | Nach der Auferweckung gebot Jesus den Eltern und Begleitern, nichts zu sagen. Möglicher Grund: Vermeidung von Volksauflauf und Missdeutung. |
| 5 | Heilung eines Taubstummen | – | Mk 7,36 | – | Markus berichtet, dass Jesus gebot, es niemandem zu sagen, doch sie verkündeten es umso mehr – Parallele zu Mt 9,30–31 im Prinzip. |
| 6 | Bekenntnis des Petrus | Mt 16,20 | Mk 8,30 | Lk 9,21 | Allen Jüngern wird geboten, niemandem zu sagen, dass er der Christus ist. Hintergrund: Erst Kreuz und Auferstehung sollten den Titel richtig deuten. |
| 7 | Verklärung | Mt 17,9 | Mk 9,9 | – | Gebot, das Gesehene erst nach der Auferstehung zu berichten. Betonung: Herrlichkeit wird nur im Licht des Kreuzes und der Auferstehung verstanden. |
| 8 | Aussagen zu Dämonenaustreibungen | – | Mk 1,34; 3,12 | Lk 4,41 | Schweigen der Dämonen geboten, damit ihr Zeugnis nicht als Quelle der Messiaserkenntnis dient. Wahrheit sollte nicht aus unreiner Quelle kommen. |
Doppelte Zielrichtung:
Schutz vor politischer Fehlinterpretation (Messias als nationaler Befreier).
Schutz vor oberflächlicher Wundersucht ohne Buße und Glauben.
Schweigen gegenüber Menschen
in der Frühphase des Dienstes → erst nach Kreuz und Auferstehung sollte
der volle Anspruch öffentlich werden.
Schweigen gegenüber Dämonen
→ keine Anerkennung aus unreiner Quelle (vgl. Apg 16,17–18, wo Paulus
ähnlich handelt).
Zunehmende Offenheit nach der Auferstehung
– Mt 28,18–20 markiert den klaren Umschlag vom Schweigen zum weltweiten
Auftrag.
Eine harmonisierte Zeitachse, die diese Schweigegebote
in die chronologische Abfolge des Wirkens Jesu einordnet.
Mit Wendepunkten im Dienst Jesu.
Hier ist der visuelle Zeitstrahl der Schweigegebote Jesu
mit den Ereignissen, Zeitangaben, Orten und Empfängern auf einen Blick.
Die heilsgeschichtliche Abfolge optisch.

Literatur aus Bibelkreis.ch zu Matthäus
Matthäus YT Walvoord
Matthäus Beiträge auf
www.bibelkreis.ch