Eine geschichtliche Einordnung der Kanonbildung des Wortes Gottes in groben Etappen, damit du sie zeitlich und theologisch einordnen kannst.
Biblisch beginnt die „Kanonbildung“ nicht erst mit Konzilen, sondern mit der
Tatsache, dass Gott sein Wort inspiriert hat (2. Tim 3,16; 2. Pet 1,21). Schon
im Alten Testament sehen wir, dass geschriebene Offenbarung von Anfang an als
verbindlich galt
(z. B. 5. Mose 31,24–26). Der Kanon ist also kein menschliches
Produkt, sondern eine Sammlung von Schriften, die von Gottes Volk als inspiriert
erkannt wurde.
Entstehung: Die Schriften entstanden über einen Zeitraum von ca. 1400–400 v. Chr., von Mose (Pentateuch) bis Maleachi.
Frühe Sammlung: Mose legte das Gesetz „neben die Lade des Bundes“ (5. Mose 31,26). Später wurden prophetische Schriften hinzugefügt (Josua, Samuel, Jesaja usw.).
Dreiteilung: Schon um 400 v. Chr. bestand die hebräische Bibel in drei Teilen: Gesetz – Propheten – Schriften (vgl. Lk 24,44).
Fixierung: Der Kanon war zur Zeit Jesu praktisch abgeschlossen und wurde von Ihm und den Aposteln bestätigt.
Apostolische Autorität: Jesu Worte und Werke wurden durch Apostel und ihre direkten Mitarbeiter überliefert (Hebr 2,3–4). Ihre Schriften hatten schon früh Schrift-Status (2. Pet 3,16 über Paulusbriefe).
Frühe Zirkulation: Zwischen ca. 45 und 95 n. Chr. wurden die NT-Schriften verfasst und in den Gemeinden gelesen (Kol 4,16).
Frühzeugnisse: Schon gegen Ende des 1. Jahrhunderts zitiert 1. Clemensbrief (ca. 96 n. Chr.) NT-Schriften als Autorität; der Muratorische Kanon (ca. 170 n. Chr.) listet die meisten Bücher.
Anerkennung: Die Sammlung der 27 Bücher setzte sich durch allgemeine Anerkennung in der Christenheit durch, nicht durch einen einzelnen Beschluss.
Formale Bestätigung: Kirchliche Synoden (Hippo 393, Karthago 397 & 419) bestätigten den bereits weithin anerkannten Kanon.
Die frühe Gemeinde erkannte Schriften als kanonisch, wenn sie:
Apostolisch waren (von Aposteln oder engen Mitarbeitern verfasst).
Inhaltlich der apostolischen Lehre entsprachen.
Allgemein anerkannt und im Gottesdienst gebraucht wurden.
Inspiration bezeugten und im Einklang mit dem Heilsplan standen.
Altes Testament: Entstehung von Mose bis Maleachi (ca. 1400–400 v. Chr.), zur Zeit Jesu bereits abgeschlossen.
Neues Testament: Entstehung ca. 45–95 n. Chr., Anerkennung und Sammlung im 2.–4. Jh., Bestätigung durch Synoden als Reaktion auf Irrlehren.
Zentraler Punkt: Kanonbildung ist primär Erkennen, nicht Erfinden des inspirierten Wortes.