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Josua Walvoord
Entstehungszeit Da große Teile des Buches von einem Augenzeugen
geschrieben wurden (vgl. den vorherigen Abschnitt "Verfasserfrage"),
hängt die Zeit der Niederschrift eng mit der Zeit des Geschehens
zusammen. Nun gibt es eine beträchtliche Uneinigkeit unter den Gelehrten
über die Zeit der Eroberung Kanaans unter Josua. Bibeltreue Forscher
legen die Eroberung meist ins 15. Jh. v. Chr., andere in das 13. Jh. v.
Chr. (mehr über dieses Thema siehe in der Einführung zu 2.Mose).
Schlüsselverse, um die Zeit festzulegen, sind 1Kö 6,1 und Ri
11,26 .Nach 1Kö 6,1 verließen die Israeliten Ägypten 480 Jahre vor dem
vierten Jahr Salomos, das vor 966 v. Chr. liegen muß. Zählt man diese
Zahlen zusammen, ergibt sich als Auszugsjahr 1446 v. Chr. Der Beginn der
Eroberung lag 40 Jahre später (nach der Wüstenwanderung) oder 1406 v.
Chr. Das Zeugnis von Ri 11,26 bestätigt dies. Jeftah sagt dort, daß die
Zeit zwischen der Eroberung und seiner Zeit 300 Jahre betrug. Addiert
man 140 Jahre dazu, um die Zeit zwischen Jeftah und dem vierten Jahr
Salomos zu überbrücken, ergibt das eine Summe von 480 Jahren, was
mit 1Kö 6,1 übereinstimmt (40 Jahre Wüstenwanderung plus 300 Jahre für
die Zeit zwischen der Eroberung und Jeftah plus 140 Jahre von Jeftah bis
zum vierten Jahr Salomos ergibt 480 Jahre). Da die eigentliche Eroberung
sieben Jahre dauerte (vgl. den Kommentar zu Jos 14,10 ), war das Land
wahrscheinlich ungefähr im Jahr 1399 v. Chr. endgültig besetzt. Das Buch
kann, von geringfügigen Zusätzen abgesehen, kurz danach fertiggestellt
worden sein. Absicht: Die Absicht des Buches Josua ist es,
die historische Erfüllung des Versprechens des Herrn an die Patriarchen,
Israel das Land Kanaan durch heiligen Krieg zu geben, offiziell
darzustellen. Ein "heiliger Krieg" war ein Streit mit vorrangig
religiösem Motiv im Gegensatz zu Kriegen mit politischem Motiv zum
Schutz oder zur Expansion. Dies kann man aus den Anweisungen zu Beginn
( Jos 1,2-6 ) und der zusammenfassenden Inhaltsangabe am Ende ( Jos
21,43 ) ersehen. Die Eroberung Kanaans unter der Führung Josuas baute
auf den Bund mit Abraham auf. Gott machte, nachdem er zunächst mit allen
Nationen gehandelt hatte, Abraham zum Mittelpunkt seines Vorhabens und
beschloß, die verlorene Welt durch Abrahams Samen zu erreichen. Der Herr
schloß einen Vertrag oder einen Bund mit Abraham, in dem er vorbehaltlos
versprach, dem Patriarchen und dessen Nachkommen ein Land,
Nachkommenschaft und geistlichen Segen zu geben ( 1Mo 12,2-3 ). Kurz
danach sagte Gott, daß er Israel das Land für immer geben wolle
(vgl. 1Mo 13,15 ). Damals wurden Abraham die Grenzen des Landes genannt
( 1Mo 15,18-21 ). Später bezeugte Gott, daß die rechtmäßigen Erben des
gelobten Landes Isaak und seine Nachkommen seien ( 1Mo 17,19-21 ). Darum
hält das Buch Josua die Erfüllung der Verheißung an die Patriarchen
fest, die ihnen Jahrhunderte vorher von ihrem treuen Gott gegeben worden
war. Daß die Nation später enteignet wurde, liegt nicht am Charakter
Gottes, sondern an der Wankelmütigkeit seines Volkes, das göttliche
Segnungen als selbstverständlich betrachtete, in die Anbetung der Götzen
seiner Nachbarn verfiel und deshalb unter das Gericht kam, vor dem Gott
es gewarnt hatte (vgl. 5Mo 28,15-68 ). Nach dem Propheten Jesaja sollte
der Messias ein zweiter Josua sein, der "das Land wieder aufrichtet und
das verwüstete Erbe zuteilt" ( Jes 49,8 ). Paulus lehrt, daß die Begebenheiten des Auszugs
und der Eroberung für Christen bedeutungsvoll sind und daß diese
Begebenheiten vorbildhaften Charakter besitzen (vgl. 1Kor 10,1-11 ). Die
griechische Form des Namens "Josua" ("Jahwe errettet" oder "Jahwe ist
Rettung") ist "Jesus". So wie Josua Israel zum Sieg über die Feinde und
zur Inbesitznahme des gelobten Landes führte, und so wie er für das Land
Fürsprache einlegte, als es gesündigt hatte und geschlagen wurde, tut es
auch Jesus. Er führt das Volk Gottes zur verheißenen Ruhe ( Hebr
4,8-9 ), hält ständig für die Seinen Fürsprache ( Röm 8,34; Hebr 7,25 )
und befähigt sie, ihre Feinde zu besiegen ( Röm 8,37; Hebr 2,14-15 ). GLIEDERUNG I. Das Eindringen in Kanaan ( 1,1-5,12 ) A. Die Bevollmächtigung Josuas ( Kap.1 ) 1. Josuas Hören auf den Herrn
( 1,1-9 ) 2. Josuas Befehle an die Offiziere
( 1,10-15 ) 3. Josua erhält die Unterstützung des
Volkes ( 1,16-18 ) B. Die Erkundung des Volkes ( Kap.2 ) 1. Die Aussendung der Späher nach
Jericho ( 2,1 ) 2. Das Verbergen der Späher durch
Rahab ( 2,2-7 ) 3. Der Beweis von Rahabs
Verständigkeit gegenüber den Spähern ( 2,8-11 ) 4. Das Versprechen der Späher an
Rahab ( 2,12-21 ) 5. Die Rückkehr der Späher zu Josua
( 2,22-24 ) C. Die Überquerung des Jordans ( Kap.3 ) 1. Vorbereitungen für die Überquerung
( 3,1-4 ) 2. Heiligung für die Überquerung
( 3,5-13 ) 3. Die Vollendung der Überquerung
( 3,14-17 ) D. Die Aufrichtung von Gedenksteinen
( Kap.4 ) E. Die Heiligung der Israeliten ( 5,1-12 ) 1. Die Erneuerung der Bescheidung
( 5,1-9 ) 2. Die Feier des Passafestes ( 5,10 ) 3. Die Aneignung der Früchte des
Landes ( 5,11-12 ) II. Die Eroberung Kanaans ( 5,13-12,24 ) A. Einführung: Der göttliche Feldherr
( 5,13-15 ) B. Der eigentliche Feldzug ( Kap.6-8 ) 1. Die Eroberung Jerichos ( Kap.6 ) 2. Die Niederlage gegen Ai ( Kap.7 ) 3. Der Sieg über Ai ( Kap.8 ) C. Der südliche Feldzug ( Kap.9-10 ) 1. Das Bündnis mit den Gibeoniter
( Kap.9 ) 2. Die Verteidigung der Gibeoniter
( Kap.10 ) D. Der nördliche Feldzug ( 11,1-15 ) 1. Das Bündnis ( 11,1-5 ) 2. Die Schlacht ( 11,6-15 ) E. Die Aufzählung der Siege
( 11,16-12,24 ) 1. Die eroberten Gebiete ( 11,16-23 ) 2. Die besiegten Könige ( Kap.12 ) III. Die Verteilung Kanaans ( Kap.13-21 ) A. Die Anteile der zweieinhalb Stämme
( Kap.13 ) 1. Der göttliche Befehl, das Land
aufzuteilen ( 13,1-7 ) 2. Die besondere Zusage an die
östlichen Stämme ( 13,8-33 ) B. Der Anteil für Kaleb ( Kap.14 ) 1. Einleitung ( 14,1-5 ) 2. Kaleb in Kadesch-Barnea ( 14,6-9 ) 3. Kaleb während der Eroberung
( 14,10-11 ) 4. Kaleb bei Hebron ( 14,12-15 ) C. Die Anteile der neuneinhalb Stämme
( 15,1-19,48 ) 1. Der Anteil für den Stamm Juda
( Kap.15 ) 2. Die Anteil für die Stämme Josefs
( Kap.16-17 ) 3. Die Anteile für die übrigen Stämme
( 18,1-19,48 ) D. Die Städte für Josua, die Freistädte
und die Städte der Leviten ( 19,49-21,45 ) 1. Die besondere Zuteilung für Josua
( 19,49-51 ) 2. Die Bestimmung von Freistädten
( Kap.20 ) 3. Die Festsetzung von Levitenstädten
( 21,1-42 ) 4. Zusammenfassung der Aufteilung des
Landes ( 21,43-45 ) IV. Schluß ( Kap.22-24 ) A. Eine Grenzstreitigkeit ( Kap.22 ) 1. Die Ermahnungen Josuas ( 22,1-8 ) 2. Der Götzendienst der östlichen
Stämme ( 22,9-11 ) 3. Die Kriegsdrohung ( 22,12-20 ) 4. Die Verteidigung der östlichen
Stämme ( 22,21-29 ) 5. Die Versöhnung der Stämme
( 22,30-34 ) B. Die letzten Tage Josuas ( 23,1-24,28 ) 1. Josuas letzte Ermahnungen an die
Oberhäupter ( Kap.23 ) 2. Josuas letze Ermahnung an das Volk
( 24,1-28 ) C. Nachwort ( 24,29-33 ) AUSLEGUNG I. Das Eindringen in Kanaan ( 1,1-5,12 ) A. Die Bevollmächtigung Josuas ( Jos 1 ) 1. Josuas Hören auf den Herrn ( 1,1-9 ) Jos 1,1 Die einleitenden Worte nach dem Tod
Moses verbinden dieses Buch mit 5.Mose (vgl. 5Mo 34,1-9 ). Vor Moses Tod
war Josua zu seinem Nachfolger bestimmt worden (vgl. 4Mo 27,15-23; 5Mo
3,21-22; 31,1-8 ). Josua war über etliche Jahre Moses junger Gehilfe
gewesen ( 2Mo 24,13; 33,11; 4Mo 11,28 ). Er kam aus dem Stamm Ephraim
( 4Mo 13,8 ) und lebte 110 Jahre ( Jos 24,29 ). Josua fühlte sich wahrscheinlich einsam und
wachte erwartungsvoll in der Nähe des Jordanflusses, um die Stimme
Gottes zu hören. Er wurde nicht enttäuscht. Wenn Gottes Knechte sich
Zeit zum Hören nehmen, tritt Gott immer mit ihnen in Verbindung.
Heutzutage spricht er normalerweise durch sein geschriebenes Wort. Doch
im AT sprach er in Träumen bei Nacht, in Visionen am Tag, durch den
Hohenpriester und manchmal mit vernehmbarer Stimme. Jos 1,2 Mit welcher Methode Gott auch immer mit Josua
kommunizierte, die Botschaft war deutlich. Mose, Gottes Knecht, war
tot . (Interessanterweise wird Mose in Josua 1 dreimal "der Knecht des
Herrn" genannt, V. 1.13.15 ; vgl. 2Mo 14,31 ,und 13 Mal an anderer
Stelle in Josua. Am Ende von Josuas Leben wurde er selbst schließlich
auch "der Knecht des Herrn" genannt, Jos 24,29 .) Doch obgleich Mose tot
war, war Gottes Wunsch immer noch lebendig, und Josua war nun die
Schlüsselfigur, um Gottes Vorhaben zu erfüllen. Gottes Anweisungen waren
eindeutig. Josua sollte den sofortigen Befehl über das ganze Volk
übernehmen und es über den Jordan in das Land führen, das Gott ihnen
geben wollte. Niemand kann Gottes Recht bezweifeln, Kanaan den
Israeliten zu geben, denn ihm gehört die ganze Erde, wie es ein Psalmist
später bezeugte: "Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist, der
Erdkreis und die darauf wohnen" ( Ps 24,1 ). Jos 1,3-4 Obwohl das Land Gottes Geschenk an Israel war,
konnte es nur durch harten Kampf gewonnen werden. Der Herr gab ihnen das
Eigentum des Landes, doch um es zu besitzen, mußten sie über jedes
Gebiet wandern. Die Grenzen, die Gott festgesetzt und Abraham ( 1Mo
15,18-21 ) und Mose ( 5Mo 1,6-8 ) versprochen hatte, sollten von der
Wüste im Süden bis zum Gebirge des Libanon, und vom Euphrat im Osten bis
zum großen Meer, dem Mittelmeer, im Westen reichen. Der Zusatz, das
ganze Land der Hetiter, meint wahrscheinlich nicht das riesige Reich
dieses Namens nördlich von Kanaan, sondern geht zurück auf den Umstand,
daß in früheren Zeiten die gesamte Bevölkerung Kanaans oder ein Teil
davon manchmal "Hetiter" genannt wurden (vgl. 1Mo 15,20 ). Gruppen von
Hetitern gab es nur hier und dort in Kanaan. 38 Jahre zuvor hatte Josua als einer der 12
Späher dieses gute und fruchtbare Land erkundet ( 4Mo 13,1-16; in 4Mo
13,8 wurde er "Hoschea", eine Variante seines Namens, genannt). Die
Erinnerung an dessen Schönheit und Fruchtbarkeit war noch nicht
vergangen. Nun sollte er die Armeen Israels anführen, um dieses Gebiet
zu erobern. Wie groß war die Ausdehnung dieser Grenzen? Das
Gebiet, das in der Zeit Josuas tatsächlich erobert und besetzt wurde,
war viel kleiner als das, das Israel in 1Mo 15,18-21 versprochen worden
war. Selbst zur Zeit Davids und Salomos, als das Land seine größte
Ausdehnung erreichte, lagen die fehlenden Gebiete nur in Israels
Einflußbereich. Wann wird die Nation Israel das Land ganz
besitzen? Die Propheten haben erklärt, daß zur Zeit der Wiederkunft
Christi Jesus die Juden wiedervereinen und in dem Land über ein
bekehrtes und erlöstes Israel herrschen wird. Die völlige Inbesitznahme
des Landes wird an diesem Tag geschehen (vgl. Jer 16,14-16; Am
9,11-15; Sach 8,4-8 ). Josua Jos 1,5 Als Josua die riesige Aufgabe, Kanaan zu
erobern, vor Augen hatte, brauchte er ein mutmachendes Wort. Aus eigener
Erfahrung wußte Josua, daß die Kanaaniter und die anderen Völker starke
Völker waren, die in schwerbefestigten Städten wohnten (vgl. 4Mo
13,28-29 ). Häufige Kämpfe hielten ihre Krieger in ordentlicher
Kampfbereitschaft. Außerdem war das Land zum größten Teil gebirgig, eine
Tatsache die die Truppenbewegungen höchst beschwerlich machen würden.
Doch wenn Gott einen Befehl gibt, verbindet er ihn oft mit einer Zusage,
und so versprach er Josua einen lebenslang anhaltenden Sieg über seine
Feinde, der auf seiner unfehlbaren Gegenwart und Hilfe beruhte. Die
Worte Ich werde dich nie verlassen (vgl. Jos 1,9 ) können auch mit "Ich
werde dich nie fallenlassen oder aufgeben" übersetzt werden. Gott läßt
niemals ein Versprechen platzen. Jos 1,6 Aus dieser starken Zusage, daß Gott Josua
niemals verlassen würde, entsprang Gottes dreifacher Aufruf. Zuerst
wurde Josua aufgefordert, stark und mutig zu sein (vgl. V. 7.9.18 ),
weil Gott das Land versprochen hatte . Stärke und Kraft würden für den
bevorstehenden anstrengenden Feldzug benötigt werden, doch Josua sollte
zuallererst in Erinnerung behalten, daß er erfolgreich sein würde,
Israel zu führen, das Land in Besitz zu nehmen , weil es ihren
Vorvätern, nämlich Abraham ( 1Mo 13,14-17; 15,18-21; 17,7-8; 22,16-18 ),
Isaak ( 1Mo 26,3-5 ), Jakob ( 1Mo 28,13; 35,12 ) und der ganzen Nation,
dem Samen Abrahams ( 2Mo 6,8 ), als ein ewiges Eigentum versprochen
worden war. Josua sollte nun endlich die Kinder Israels zur
Inbesitznahme dieses verheißenen Landes führen. Was für eine wichtige
Rolle sollte er in dieser schwierigen Zeit der Geschichte seines Volkes
spielen! Während die Erfüllung dieser großartigen und bedeutungsvollen
Verheißung in jeder Generation jeweils von Israels Gehorsam gegenüber
Gott abhängig ist, bedarf es keiner Frage, daß die Bibel ihr Recht auf
das Land bezeugt. Durch göttlichen Vertrag sind sie die Eigentümer,
selbst wenn sie es nicht ganz besitzen und sich daran erfreuen, bis sie
mit Gott wieder im reinen sind. Jos 1,7-8 Zum zweiten Mal wurde Josua aufgefordert, stark
und sehr mutig zu sein und darauf achtzuhaben, das ganze Gesetz Moses zu
halten . Dieses Gebot beruht auf Gottes Kraft durch sein Wort. Dies ist
eine stärkere Ermahnung, die aufzeigt, daß größere Charakterstärke
notwendig ist, um Gottes Wort treu und völlig zu gehorchen, als um
Schlachten zu gewinnen. Die Betonung in diesen Versen liegt eindeutig
auf einer schriftlich, d. h. in Buchform, festgehaltenen Wahrheit. Viele
Kritiker behaupten, daß die Schrift erst etliche Jahrhunderte später in
schriftlicher Form erschien, doch hier ist ein klarer Verweis auf ein
autoritatives Buch des Gesetzes . Um bei der Eroberung Kanaans Glück zu haben und
erfolgreich zu sein, mußte Josua nach der Schrift drei Dinge tun: (a)
Das Gesetz durfte nicht von seinem Munde weichen , sondern er mußte
darüber reden (vgl. 5Mo 6,7 ); (b) er sollte darüber bei Tag und Nacht
nachdenken und nachsinnen (vgl. Ps 1,2; 119,97 ); (c) er sollte alles,
was darin geschrieben steht, tun , seinen Gesetzen völlig gehorchen und
nach ihnen handeln (vgl. Esr 7,10; Jak 1,22-25 ). Josuas Leben demonstriert, daß er auf
praktische Weise entsprechend den Lehren des Gesetzes Mose, dem einzigen
Teil des Wortes Gottes, das es zu der Zeit in schriftlicher Form gab,
lebte. Allein dies erklärt die Siege, die er in der Schlacht errang, und
den Erfolg, der seine gesamte Laufbahn begleitete. In einer seiner
Abschiedsreden an das Volk, kurz bevor er starb, drängte er es, in
Übereinstimmung mit der Schrift zu leben ( Jos 23,6 ). Leider gehorchten
sie diesem Rat nur eine kurze Zeit. In nachfolgenden Generationen lehnte
es das Volk Israel ab, von Gottes autoritativer Offenbarung geleitet zu
werden, und die Israeliten taten, was ihnen gefiel ( Ri 21,25 ). Indem
sie eine objektive Grundlage der Gerechtigkeit ablehnten, wählten sie
eine subjektive, die vom moralischen und geistlichen Relativismus
gekennzeichnet war. Dies wiederum stürzte die Nation in Jahrhunderte
religiöser Abtrünnigkeit und moralischer Anarchie. Jos 1,9 Der dritte Aufruf an Josua, mutig zu sein, war
auf das Versprechen von Gottes Gegenwart gegründet. Dies verkleinerte
nicht die Aufgabe, die Josua vor sich hatte. Er würde Riesen und
befestigte Städte vorfinden, doch Gottes Gegenwart würde den Unterschied
ausmachen. Josua hatte wahrscheinlich Zeiten, in denen er
sich schwach, unwohl und ängstlich fühlte. Vielleicht überlegte er zu
resignieren, bevor die Eroberung überhaupt losging. Doch Gott wußte von
allen seinen Gefühlen, persönlichen Schwächen und Ängsten und forderte
ihn dreimal auf: Sei stark und mutig (V. 6-7.9 ; vgl. V. 18 ). Gott
drängte ihn auch, nicht ängstlich oder entmutigt zu sein (vgl. 5Mo 1,21;
31,8; Jos 8,1 ). Diese Ermahnungen mit den begleitenden Zusagen (Gottes
Versprechen, Gottes Kraft und Gottes Gegenwart) reichten aus, um ein
Leben lang zu halten. Gläubige aller Zeiten können von den gleichen drei
Zusagen aufgerichtet werden. 2. Josuas Befehle an die Offiziere ( 1,10-15 ) Der Herr hatte zu Josua gesprochen. Nun sollte
Josua zu dem Volk reden, was er ohne Verzögerung tat. Josuas Befehle
klangen überzeugend. Der neue Anführer hatte die Aufgabe im Vertrauen
angenommen. Die Situation, die Josua und das Volk vor sich hatten, war
nicht einfach. Tatsächlich glich seine Lage sehr stark dem Dilemma, das
Mose und die Israeliten am Roten Meer vorfanden ( 2Mo 14 ). In beiden
Fällen trat das Hindernis am Anfang des Dienstes, den die beiden Führer
zu leisten hatten, auf. Beide waren unmöglich auf natürlichem Weg zu
bewältigen. Beide verlangten völliges Vertrauen in und absolute
Abhängigkeit von Gottes wunderwirkender Kraft. Jos 1,10-11 Zwei Dinge verlangten Aufmerksamkeit. Erstens
mußten Vorräte gesammelt werden, denn obwohl das tägliche Manna noch
nicht aufgehört hatte, sollte das Volk einige der Früchte und Getreide
von den Feldern Moabs für sich selbst und für sein Vieh sammeln. Der
Befehl zur "Vorbereitung" wurde von Josua an die Offiziere gegeben, die
wie die heutigen Adjutanten oder Stabsoffiziere die Befehle ihres
vorgesetzten Offiziers an die Leute weiterleiteten. In drei Tagen
(vgl. Jos 2,22 ) würde die Eroberung beginnen. Jos 1,12-15 Josuas zweite Aufgabe war es, die Stämme Ruben,
Gad und den halben Stamm Manasse daran zu erinnern, daß, auch wenn sie
ihr Erbe östlich des Jordans erhalten hatten, sie doch dazu verpflichtet
waren, mit ihren Brüdern weiterzukämpfen und ihnen dabei zu helfen, das
Land westlich des Jordans zu erobern ( 4Mo 32,16-32; 5Mo 3,12-20 ). Das
Schlüsselwort hier ist denkt daran, und ihre Reaktion ( Jos 1,16-18 )
zeigt, daß sie ihr Versprechen nicht vergessen hatten und bereit waren,
dazu zu stehen. Tatsächlich sollten sie als Überraschungstruppen dienen
und den Angriff auf Kanaan anführen (V. 14 , vor euren Brüdern
hinüberziehen ). 3. Josua erhält die Unterstützung des Volkes ( 1,16-18 ) Jos 1,16-18 Die Reaktion der zweieinhalb Stämme war
enthusiastisch und kam von ganzem Herzen. Sie spiegelte sicherlich auch
die Haltung aller Stämme in dieser heiklen Zeit der Vorbereitung auf die
Invasion wieder. Wie mutmachend muß es auf den neuen Führer gewirkt
haben, zu wissen, daß das Volk darin einig war, ihn zu unterstützen. Ihr
Treue- und Gehorsamsschwur ( wir werden dahin gehen ... wir werden dir
gehorchen ) beinhaltete die ernsthafte Erklärung, daß jeder, der des
Ungehorsams schuldig wurde, hingerichtet werden sollte. Die Stämme
ermutigten Josua sogar, stark und mutig zu sein (vgl. V. 6-7.9 )! Doch es gab eine Voraussetzung: Sie wollten
Josua folgen, wenn er einwandfrei die Tatsache beweisen konnte, daß er
von Gott geführt werde (V. 17 ). Dies war eine weise Vorsichtsmaßnahme,
die auch später wichtig war, wenn sich Israels Führer nicht als falsche
Propheten oder "blinde Blindenführer" entpuppen sollten. B. Die Erkundung Jerichos ( Jos 2 ) Josua war einer der 12 Späher gewesen, die das
Land erkundschaftet hatten ( 4Mo 13-14 ). Nun, als er sein Gesicht gen
Westen hob und das Land gegenüber des reißenden Jordans erblickte, das
Gott ihnen versprochen hatte, war es für ihn selbstverständlich, die
nötigen Informationen einzuholen, um einen erfolgreichen Krieg führen zu
können. Diese Schlacht war die erste in einem langen und beschwerlichen
Krieg. 1. Die Aussendung der Späher nach Jericho ( 2,1 ) Jos 2,1 Inmitten des Weges, den die Eroberer zu nehmen
hatten, ragte die ummauerte Stadt Jericho empor, die Schlüsselfestung
der Jordanebene, die die Wege zu den mittleren Gebirgen kontrollierte.
Doch bevor er sie angriff, benötigte Josua eingehende Informationen über
diese Festung - über Tore, befestigte Türme, die Streitkraft und die
Stimmung ihrer Einwohner. Also wurden zwei Kundschafter ausgewählt und
zu einer sorgfältig geheimgehaltenen Mission entsandt. Nicht einmal die
Israeliten wurden davon in Kenntnis gesetzt, damit ein unerfreulicher
Bericht sie nicht entmutigen würde, wie es bei ihren Vätern bei
Kadesch-Barnea geschehen war ( 4Mo 13,1-14,4 ). Indem sie ihr Leben aufs Spiel setzten,
verließen die beiden Späher Schittim , das 12 km östlich des Jordans
lag, und wanderten wahrscheinlich nach Norden, wobei sie an einer Furt
den Jordan schwimmend überquerten (vgl. Jos 3,15 ). Indem sie sich nach
Süden wandten, näherten sie sich Jericho von der Westseite und befanden
sich schon bald auf ihren Straßen zwischen den Einwohnern. Warum die Kundschafter das Haus einer
Prostituierten mit Namen Rahab wählten, wird nicht offenbart. Während
einige vermuten, daß sie sie auf der Straße gehen sahen und ihr folgten,
erscheint es besser, anzunehmen, daß die Männer durch die Vorsehung
Gottes dorthin geführt worden waren. Gottes Absicht für den Besuch
Jerichos durch die Späher beinhaltete mehr als die Beschaffung von
militärischen Daten. Es gab dort eine sündige Frau, die Gott in seiner
Gnade von dem Gericht zu verschonen gedachte, dem die Stadt bald
verfallen würde. Also brachte der Herr auf seltsame Art und Weise zwei
Geheimagenten des Heeres Israel und eine Hure Kanaans, die eine
Anhängerin des Gottes Israel werden sollte, zusammen. Einige Ausleger von der Zeit des Josephus bis
heute haben versucht, die Situation dadurch zu entschärfen, indem sie
behaupteten, daß Rahab nur eine Gastwirtin gewesen sei, doch die
neutestamentlichen Erwähnungen von Rahab besagen eindeutig, daß sie eine
unmoralische Frau gewesen ist ( Hebr 11,31; Jak 2,25 ). Dies stellt auf
gar keinen Fall die Gerechtigkeit Gottes in Frage, der solch eine Person
für die Erfüllung seiner Absichten benutzte. Statt dessen
veranschaulicht dieser Vorfall nur noch mehr Gottes Güte und Gnade
(vgl. Mt 21,32; Lk 15,1; Lk 19,10 ). 2. Das Verbergen der Späher durch Rahab ( 2,2-7 ) Jos 2,2-3 Die Verstellung der Spione war nicht
ausreichend. Die ganze Stadt war auf der Hut, da sie über das Lager
Israels auf der anderen Seite des Jordans Bescheid wußte. Jemand
erkannte die Späher, folgte ihnen bis zum Haus Rahabs und kehrte schnell
zurück, um dem König Bericht zu erstatten. Der König, der schnell
reagierte, sandte Boten, die von Rahab forderten, daß die Späher sich
ergeben sollten. Mit Rücksicht auf den orientalischen Brauch, die
Privatsphäre auch einer Frau wie Rahab zu respektieren, unterließen sie
es, in das Haus einzubrechen und es zu durchsuchen. Jos 2,4-6 Doch offenbar hatte Rahab auch Vermutungen über
die Identität ihrer beiden Besucher angestellt. Als sie die Soldaten
kommen sah, die sich dem Hause näherten, verbarg sie die Späher unter
den Flachsstengeln, die auf ihrem Flachdach zum Trocknen lagen. Nachdem
die Flachsstengel in der Erntezeit herausgezogen worden waren, wurden
sie für drei bis vier Wochen zum Aufsaugen in Wasser gelegt, um danach
die Fasern trennen zu können. Dann wurde der Flachs, nachdem er in der
Sonne getrocknet war, zu Leinentuch verwebt. Nachdem sie dann hinuntergeeilt war, um den
Gesandten des Königs die Tür zu öffnen, gab sie offen zu, daß zwei
Fremde in ihr Haus gekommen seien, doch woher hätte sie deren Identität
und Auftrag wissen sollen? "Sie sind bei Anbruch der Dunkelheit ungefähr
zur Zeit, wenn das Stadttor geschlossen wird, gegangen", log sie. "Doch
wenn ihr euch beeilt, könnt ihr sie möglicherweise noch stellen." Jos 2,7 Die Soldaten nahmen Rahab beim Wort und
durchsuchten ihren Besitz nicht, sondern ritten aus, um ihnen nach Osten
zu den Furten des Jordans nachzujagen, weil dies der wahrscheinlichste
Fluchtweg war. War es für Rahab verboten zu lügen, obgleich
ihre Falschheit die Späher beschützte? Gibt es einige Situationen, in
denen eine Lüge angebracht ist? Immerhin, sagen einige, war dies eine Sache der
damaligen Kultur, da ja Rahab bei den gottlosen Kanaanitern geboren
worden und aufgewachsen war, bei denen das Lügen allgemein praktiziert
wurde. Möglicherweise sah sie nichts Böses in ihrer Tat. Außerdem wären
die Spione vom König getötet worden, wenn sie die Wahrheit gesagt hätte. Solche Argumente sind jedoch nicht überzeugend.
Zu argumentieren, daß die Spione sicherlich verloren gewesen wären, wenn
Rahab die Wahrheit gesagt hätte, bedeutet, die Tatsache zu ignorieren,
daß Gott die Späher auch auf eine andere Art hätte beschützen können.
Rahab damit zu entschuldigen, daß sie einer allgemeinen Praxis folgte,
bedeutet, etwas nicht ernst zu nehmen, was Gott verwirft. Paulus zitiert
einmal einen Propheten aus Kreta, der gesagt hatte, daß die Kreter
permanente Lügner seien, und fügt dann hinzu: "Dieses Zeugnis ist wahr.
Aus diesem Grund weise sie scharf zurecht, damit sie gesund werden im
Glauben" ( Tit 1,13 ). Die Lüge Rahabs wurde zwar niedergeschrieben,
aber nicht gerechtfertigt. Die Bibel rechtfertigt ihren Glauben, der
sich durch gute Werke erwies ( Hebr 11,31 ), jedoch nicht ihre
Falschheit. (Manche entschuldigen Rahabs Lüge, indem sie behaupten, daß
Täuschung im Krieg erlaubt sei.) 3. Der Beweis von Rahabs Verständigkeit
gegenüber den Spähern ( 2,8-11 ) Jos 2,8-11 Dann fand eine sehr beachtliche Besprechung
statt. Die Gesandten des Königs waren gegangen und Rahab stieg auf das
Dach ihres Hauses, wo sie in der Dunkelheit mit den beiden Spähern
sprach. Man ist auf ihre nun folgende Glaubenserklärung kaum
vorbereitet. Als erstes eröffnete sie, daß sie glaubte, daß der Herr,
der Gott Israels, Israel das Land Kanaan gegeben hatte. Obwohl das Heer
Israels den Jordan noch gar nicht überquert hatte, meinte Rahab: "Die
Eroberung ist so gut wie geschehen". Zweitens gab sie den Spähern die
unbezahlbare Information, daß die Bewohner Jerichos, so wie auch der
Rest Kanaans, völlig demoralisiert waren: Alle Bewohner dieses Landes
beben in Angst vor euch (vgl. V. 24 , und V. 11 , unsere Herzen sind
verzagt und jedem fehlt der Mut ). Dies war so, wie Gott es vorhergesagt
hatte, daß es geschehen würde ( 2Mo 23,27; 5Mo 2,25 ). Da es die
Hauptaufgabe der Späher war, die Moral des Feindes zu erkunden, war
dieses Wort allerdings "Musik in ihren Ohren". Doch warum die Angst?
Wegen der Kraft des Gottes Israels, der 40 Jahre vorher das Rote Meer
für die hebräischen Sklaven geteilt, und ihnen vor kurzem den Sieg
über Sihon und Og , die mächtigen Könige der Amoriter östlich des
Jordan, geschenkt hatte ( 4Mo 21,21-35 ). Nun kehrte sich derselbe Gott
gegen sie, und sie wußten, daß sie nicht gewinnen konnten. Dann bezeugte Rahab ihren Glauben an den Gott
Israels: Denn der HERR, euer Gott, ist Gott oben im Himmel und unten auf
der Erde . Als Antwort auf das Wort, das sie über das mächtige Wirken
Gottes empfangen hatte, glaubte Rahab und vertraute auf seine Kraft und
Gnade. Dieser Glaube rettete sie. Doch wie konnte Rahab so einen
offensichtlichen Glauben haben und trotzdem eine Hure sein und so
leichtfertig Lügen erzählen? Die Antwort scheint zu sein, daß sie später
auch auf weitere Botschaften über Gottes Lebensprinzipien reagierte und
gehorsam war, nachdem sie am Anfang auf die Botschaft über Gottes Werke
mit Glauben reagiert hatte. Immerhin erfolgt geistliches Wachstum
stufenweise und nicht mit einem Mal Selbst John Newton, der das Gospel
"Amazing Grace" (Durch Gnade frei) dichtete, betrieb nach seiner
Bekehrung noch Sklavenhandel, bevor er sich der Schändlichkeit und
Entwürdigung dieser Praxis bewußt wurde und sie aufgab. 4. Das Versprechen der Späher an Rahab ( 2,12-21 ) Jos 2,12-13 Rahab bewies ihren Glauben nicht nur durch das
Beschützen der Späher ( Hebr 11,31; Jak 2,25 ), sondern auch dadurch,
daß sie sich um die Sicherheit ihrer Familie kümmerte. Vermutlich sorgte
sie sich um die körperliche Sicherheit ihrer Familie, jedoch wird sie
auch den Wunsch gehabt haben, daß diese auch ein Teil des Volkes Gottes
würden, anstatt von der schändlichen und unwürdigen Götzenanbetung der
Kanaaniter versklavt zu werden. Sie äußerte dieses dringende Anliegen zwar
vorsichtig, jedoch mit Nachdruck, und drängte die Späher dazu, wegen
ihrer Kooperationsbereitschaft mit ihr einen Pakt zu schließen. Als Rahab um Freundlichkeit ( HeseD ) gegenüber
ihrer Familie bat, benutzte sie ein bedeutungsvolles Wort. HeseD , das
250 Mal im AT vorkommt, bedeutet ehrliche, standhafte oder treue Liebe,
die auf einem Versprechen, einer Übereinkunft oder einem feierlichen
Abkommen beruht. Manchmal wird das Wort benutzt, um Gottes treue Liebe
zu seinem Volk auszudrücken, und manchmal auch, wie hier, für
Beziehungen auf menschlicher Basis. Es war Rahabs Bitte, daß die Späher
mit ihr und der Familie ihres Vaters ein HeseD -Bündnis schlössen, so
wie sie mit ihnen ein HeseD -Bündnis geschlossen hatte, indem sie ihr
Leben rettete. Jos 2,14 Die Antwort der Späher kam sofort und
entschieden. "Wenn der Herr uns das Land, das heißt, Jericho, gibt,
werden wir das HeseD -Abkommen einhalten. Wenn du unseren Auftrag nicht
verrätst, werden wir dich und deine Familie beschützen, oder unser
eigenes Leben einbüßen" (Übertragung durch den Autor). Jos 2,15-20 Als die Späher sich zum Gehen fertigmachten,
bestätigten sie noch einmal den Bund, indem sie die Bedingungen, die
Rahab einzuhalten hatte, wiederholten und sie ihr einschärften. Erstens
mußte ihr Haus durch ein rotes Seil , das aus dem Fenster hing,
gekennzeichnet sein. Wegen der Lage des Hauses auf der Stadtmauer (vgl.
den Kommentar zu V. 21 zum Haus auf der Stadtmauer) würde das Seil von
den israelitischen Soldaten immer und immer wieder gesehen werden,
während sie um die Mauern herummarschierten ( Jos 6,12-15 ). Ihr Haus
würde deutlich gekennzeichnet sein, und kein Soldat, wie eifrig und
verbissen er auch mit der Zerstörung beschäftigt sein würde, würde es
wagen, den Schwur anzutasten und irgend jemanden in diesem Haus zu
töten. Zweitens sollten Rahab und ihre Familie während
des Angriffs auf Jericho in dem Haus verweilen. Sollte jemand
hinausgehen und getötet werden, wäre er selbst und nicht die Eroberer
schuld an seinem Tod. Zuletzt betonten die Späher noch einmal, daß sie
von diesem Schutzversprechen entbunden würden, wenn Rahab ihren Auftrag
preisgäbe. Jos 2,21 Rahab nahm diese Bedingungen an, und nachdem
die Späher gegangen waren, band sie das rote Seil ins Fenster .
Wahrscheinlich beeilte sie sich auch, ihre Familie aufzufordern, sich im
Hause zu versammeln. Die Tür zu ihrem Hause war eine Tür zum Schutz vor
dem Gericht, das schon bald über Jericho kommen würde (vgl. 1Mo 7,16;
2Mo 12,23; Joh 10,9 ). Als ihre Mission beendet war, tauschten die
Späher mit Rahab Anweisungen, die ihre Flucht betrafen, aus (vgl. Jos
2,15-16 ). Jericho war zu der Zeit von zwei Mauern umgeben, die ungefähr
5 Meter auseinanderlagen. Über den Zwischenraum waren Holzbalken gelegt
und auf diesem Fundament Häuser gebaut worden. Wahrscheinlich war Rahabs
Haus auch eines von denen, die wegen des Platzmangels in der engen Stadt
"auf der Mauer" gebaut worden waren. Auf diese Weise war es ein Teil der
Stadtmauer (V. 15 ). 5. Die Rückkehr der Späher zu Josua ( 2,22-24 ) Jos 2,22-24 Die Späher wurden an einem Seil durch ein
Fenster im Haus Rahabs vorsichtig hinuntergelassen (V. 15 ). Ihre Flucht
wäre viel schwieriger, wenn nicht sogar unmöglich gewesen, wenn sie
durch das Stadttor hätten gehen müssen. Knapp 800 m westlich von Jericho erheben sich
Kalksteinfelsen, die bis zu 450 m hoch aufragen und von Höhlen
durchsetzt sind. Hier versteckten sich die Späher ( in den Hügeln ) drei
Tage lang (vgl. Jos 1,11 ), bis die Soldaten Jerichos die
Verfolgungsjagd aufgaben. Dann schwammen die Späher im Schutz der
Dunkelheit über den Jordan, marschierten zügig zum Lager bei Schittim
(vgl. Jos 2,1 ) und berichteten Josua von ihrem wundersamen und
aufwühlenden Abenteuer und der alarmierten und verzagten Stimmung der
Kanaaniter. Ihre Folgerung war: Der HERR hat das ganze Land in unsere
Hände gegeben, und alle Bewohner des Landes sind vor uns feige
geworden (vgl. V. 9 ; 2Mo 23,27; 5Mo 2,25 ). Was für ein Unterschied war
das im Vergleich mit dem Bericht der Mehrheit der Späher bei
Kadesch-Barnea, die sagten: "Wir vermögen nicht hinaufzuziehen gegen
dies Volk, denn sie sind uns zu stark." ( 4Mo 13,31 ). C. Die Überquerung des Jordan ( Jos 3 ) 1. Vorbereitungen für die Überquerung ( 3,1-4 ) Jos 3,1 Josua war ein Mann der Tat. Nachdem die Späher
nun zurück waren und Bericht erstattet hatten, begann Israels Führer
sofort mit den Vorbereitungen, die nötig waren, um den Jordan zu
überqueren und in Kanaan einzufallen. Bis jetzt hatte Josua keine
Vorstellung davon, wie diese große Menge Menschen den überquellenden
Fluß überqueren sollte (vgl. V. 15 ). Doch im Glauben, daß Gott es schon
irgendwie möglich machen würde, ließ er sie alle mitsamt ihrem Hab und
Gut die elf Kilometer von Schittim bis zum Jordan ziehen. (Schittim ist
möglicherweise mit Abel-Schittim identisch, das in 4Mo 33,49 erwähnt
wird.) Jos 3,2-3 Als sie am Fluß ankamen, hielten sie für drei
Tage. Ohne Zweifel benötigten die Führer Zeit, um die Überquerung zu
organisieren und Befehle an die Leute weiterzuleiten. Das Warten gab
auch jedem die Möglichkeit, sich den Fluß näher zu betrachten, der wegen
der Schneeschmelze des Hermon im Norden ein reißender Strom war. Ihre
Herzen werden wohl beim Anblick der scheinbaren Unmöglichkeit der
Überquerung gestockt haben. Am Ende des dritten Wartetages bekam das Volk
Anweisungen. Die Wolkensäule würde sie nicht länger anführen, statt
dessen sollten sie nun der Bundeslade folgen. Keine Militärkundschafter
würden zuerst ins Land vorstoßen, sondern die Priester, die die
Bundeslade trugen (vgl. V. 11 ). Da die Lade den Herrn selbst
symbolisierte, war es Jahwe, der sein Volk nach Kanaan hineinführte. Jos 3,4 Die Lade sollte voranziehen und das Volk
hinterhermarschieren, oder sie möglicherweise von drei Seiten umgeben.
Sie sollten jedoch einen Abstand von ungefähr 1 km einhalten. Warum?
Wahrscheinlich, um sie an die Heiligkeit der Lade und des Gottes, den
sie repräsentierte, zu erinnern. Sie sollten kein ungezwungenes oder
ehrfurchtsloses Verhältnis zu Gott haben, sondern einen Geist tiefer
Ehrfurcht und großen Respektes. Gott sollte nicht als "der Mann da oben"
angesehen werden, sondern als der alleinige und heilige Gott der ganzen
Erde. Der Abstand war auch erforderlich, damit eine
möglichst große Menge des großen Volkes die Lade sehen konnte. Gott
wollte sie über unbekanntes Gelände führen, auf einem Weg, den sie noch
nie zuvor gegangen waren. Es war neues Gebiet, also konnten sie ohne die
Führung und Leitung des Herrn nicht wissen, in welche Richtung sie gehen
sollten. 2. Heiligung für die Überquerung ( 3,5-13 ) Jos 3,5 Als sich der Tag der Überquerung näherte,
befahl Josua dem Volk, sich zu heiligen oder zu weihen . Es wäre
leichter zu verstehen, wenn er gesagt hätte: "Schärft eure Schwerter und
prüft eure Schilder!" Doch zu dieser Zeit war geistliche und keine
militärische Vorbereitung nötig, denn Gott würde sich bald zu erkennen
geben, indem er ein großes Wunder in Israels Mitte vollbringen würde. So
wie eine Person sich gewissenhaft vorbereiten würde, um jemanden mit
irdischem Ruhm zu treffen, so war es für die Israeliten
selbstverständlich, sich auf eine Offenbarung des Gottes der ganzen Erde
vorzubereiten. Derselbe Befehl war am Sinai ergangen, als die
vorangegangene Generation sich für die majestätische Offenbarung des
Herrn vorbereitete, als dieser das Gesetz gab ( 2Mo 19,10-13 ). Doch das war noch nicht alles. Das Volk Israel
sollte erwarten , daß Gott ein Wunder vollbringen würde. Sie sollten
sich in einer erwartungsvollen, gespannten Haltung befinden. Israel
sollte den Blick für seinen Gott nicht verlieren, der Unglaubliches und
menschlich Unmögliches vollbringen konnte. Jos 3,6-8 Dann sagte der Herr zu Josua, wie die
Überquerung ablaufen sollte, und erklärte Josua, daß dieses Wunder ihn
zum Führer des Volkes erheben oder erklären würde. Es war Zeit, Josuas
Glaubwürdigkeit als Gottes Repräsentant, der Israel führen sollte, zu
manifestieren. Was gab es da Besseres, als daß Josua seinen Weg durch
einen durch ein Wunder geteilten Fluß leitete? Tatsächlich achtete das
Volk Josua und wußte, daß Gott mit ihm war ( Jos 3,7; vgl. Jos 1,5.9 ). Jos 3,9-13 Doch als Josua dem Volk die Worte Gottes
weitersagte, erwähnte er das besondere Versprechen, daß er durch dieses
Wunder geehrt werden würde, nicht. Dagegen sagte er zu ihnen, daß dieses
Wunder beweisen würde, daß der lebendige Gott, im Gegensatz zu den toten
Götzen, die von den Heiden verehrt wurden, in ihrer Mitte war. Außerdem
würde der lebendige Gott, neben dem Öffnen eines Weges mitten durch den
reißenden Jordan, die sieben Völker, die das Land bewohnten, vertreiben.
Das Gelöbnis der lebendige Gott ist unter uns wurde zum Leitmotiv der
Eroberung und der Schlüssel zum Sieg über die Feinde in diesem Land. Es
ist ein Versprechen, das fast auf jeder Seite dieses Buches erscheint:
"Ich werde mit dir sein!" Ein Versprechen, das für das Volk des Herrn
immer noch gilt: die Zusicherung seiner Gegenwart. Da Gott der
HERR ( ?XDNn , "Gebieter") der ganzen Erde ist (vgl. Ps 97,5 ), war er
sicherlich auch imstande, sein Volk über den Fluß zu bringen. 3. Die Vollendung der Überquerung ( 3,14-17 ) Jos 3,14-15 a Der Tag der Überquerung des Jordans, der Tag an
dem Israel Kanaan betreten sollte, war endlich angebrochen. Das Volk
brach die Zelte ab und folgte den Priestern, die die Lade trugen, zum
Ufer des Jordan. Es war die Zeit der Gerstenernte im Monat Nisan
(März/April), der erste Monat ihres Jahres ( Jos 4,19 ). Der Fluß führte
Hochwasser , ein böses Omen für die Priester und das Volk, und eine
harte Prüfung ihres Glaubens. Würden sie ängstlich zögern, oder würden
sie im Glauben weitergehen, darauf vertrauend, daß das, was Gott über
das Aufhalten des Wassers versprochen hatte ( Jos 3,13 ), wirklich
eintreffen würde? Jos 3,15-17 (Jos 3,15b-17) Dramatische Dinge passierten in dem Moment, als
die Priester, die die Lade des Bundes trugen, in das schlammige,
reißende Wasser traten. Das Wasser flußaufwärts hörte auf zu
fließen (vgl. V. 13 ). Die Wasser anderer Flüsse stauten sich bei einer
Stadt namens Adam auf und waren völlig abgeschnitten, so daß sie nicht
in den Jordan fließen konnten. So überquerte das Volk den Fluß gegenüber
von Jericho . Dies erinnert an die Überquerung des Roten (Schilf-)Meeres
(vgl. 2Mo 15,8; Ps 78,13 ). Obgleich der Ort namens "Adam" nur hier
vorkommt, wird er gewöhnlich mit Tell ed-Damiyeh identifiziert, das
ungefähr 26 km nördlich der Furt gegenüber von Jericho liegt. Ein großer
Teil des Flusses wurde also aufgestaut, so daß das Volk mit seinem Vieh
und seiner Habe hinübereilen konnte (vgl. Jos 4,10 ). Wie konnte dieses sensationelle Wunder
geschehen? Viele behaupten, daß dies kein Wunder war, da das Geschehen
als ein natürliches Phänomen erklärt werden kann. Sie berufen sich
darauf, daß am 8. Dezember 1267 ein Erdbeben die hohen Ufer des Jordan
bei Tell ed-Damiyeh zum Einsturz brachte, wodurch der Fluß 10 Stunden
lang gestaut wurde. Am 11. Juli 1927 blockierte ein Erdbeben in der
gleichen Gegend den Fluß 21 Stunden lang. Natürlich geschahen diese
Stauungen nicht bei Hochwasser. Möglicherweise bediente sich Gott
natürlicher Ursachen, wie eines solchen Erdbebens oder eines
Erdrutsches. Trotzdem würde die Zeit des Geschehens dies zu einem
wunderbaren Eingriff machen. Doch erlaubt der biblische Text solch eine
Interpretation dieses Geschehens? Wenn man alle beteiligten Faktoren
berücksichtigt, scheint es am besten zu sein, dieses Geschehen als eine
besondere Tat Gottes anzusehen, die auf einem Weg geschah, der Menschen
unbekannt ist. Viele übernatürliche Elemente kamen hier zusammen: (1)
Das Geschehen passierte so, wie es vorausgesagt worden war ( Jos
3,13.16 ). (2) Der Zeitpunkt war genau der richtige (V. 15 ). (3) Das
Geschehen fand statt, als der Fluß Hochwasser führte (V. 15 ). (4) Die
Wassermauer verharrte mehrere Stunden, möglicherweise einen ganzen Tag
(V. 16 ). (5) Der weiche, nasse Flußboden wurde auf einen
Schlag trocken (V. 17 ). (6) Das Wasser kehrte sofort, nachdem das Volk
übergesetzt war und die Priester aus dem Fluß herausgekommen waren,
wieder zurück ( Jos 4,18 ). Jahrhunderte später überquerten die
Propheten Elia und Elisa denselben Fluß auf trockenem Boden nach Osten
( 2Kö 2,8 ). Kurz danach überquerte Elisa den Fluß wieder auf trockenem
Grund. Wenn ein natürliches Phänomen nötig ist, um die Überquerung der
Israeliten unter Josua zu erklären, dann müßte man auch annehmen, daß
für Elia und Elisa zwei Erdbeben hintereinander stattfanden, was nun
doch unwahrscheinlich ist. Durch dieses große Wunder, nämlich der
Überquerung des Jordans bei Hochwasser durch ein Volk mit ungefähr 2
Millionen Menschen, wurde Gott verherrlicht, Josua geachtet, Israel
ermutigt und die Kanaaniter zu Tode erschreckt. Für Israel bedeutete die Überquerung des
Jordan, daß sie nun endgültig in einen Kampf gegen Armeen, Kampfwagen
und befestigte Städte verwickelt waren. Sie waren nun auch davon
abhängig, im Glauben an den lebendigen Gott zu verharren und sich davon
abzukehren, im Fleisch zu verharren, wie sie es in der Wüste oft getan
hatten. Für Gläubige heute stellt die Überquerung des
Jordan das Voranschreiten von einer Stufe des christlichen Lebens zur
nächsten dar. (Sie ist kein Bild für einen Gläubigen, der stirbt und in
den Himmel kommt!) Sie ist ein Bild für den Beginn des geistlichen
Kampfes und für die Inanspruchnahme der Verheißungen Gottes. Dies
bedeutet das Ende eines Lebens aus menschlicher Anstrengung heraus und
den Beginn eines Lebens im Glauben und Gehorsam. D. Die Aufrichtung von Gedenksteinen ( Jos 4 ) Jos 4,1-3 Es war wichtig, daß Israel dieses große Wunder
niemals vergaß. Damit die Israeliten sich daran erinnern würden, was
Gott für sie an diesem historischen Tage vollbracht hatte, ließ er sie
12 Gedenksteine aufrichten. Dieses Denkmal erinnerte an die Überquerung
der großen Schar der Israeliten durch das trockene Flußbett des Jordans. Der Herr befahl Josua, 12 Männer, die vorher
ausgewählt worden waren, anzuweisen, 12 Steine aus dem Flußbett zum Ort
des Nachtlagers zu tragen. Jos 4,4-8 Nachdem er die 12 Vertreter der Stämme
zusammengerufen hatte, gab er ihnen Anweisungen. Sie sollten bis zur
Mitte des Flußbettes zurückkehren, und jeder von ihnen sollte einen
Stein mitbringen. Diese Steine würden eine sichtbare Erinnerung ( ein
Denkmal ) an Gottes Befreiungswerk (vgl. V. 24 ) und eine gute
Möglichkeit für die Israeliten, ihre Jugend zu unterweisen (V. 6-7 ;
vgl. V. 21-24 ), sein. Die Antwort der 12 Männer kam sofort und ohne
Einwände. Sie hätten allerdings davor Angst haben können, wieder in den
Jordan zu steigen. Immerhin war ungewiß, wie lange er noch trocken
bleiben würde. Wie auch immer, die Ängste wurden zur Seite geschoben,
und sie gehorchten den Anweisungen Gottes, ohne zu zögern. Jos 4,9 Josua begleitete diese Männer bei ihrer
seltsamen Aufgabe, und während sie große Steine aus dem Flußbett trugen,
baute er noch einen anderen Haufen von 12 Steinen im Flußbett selbst
auf, um die genaue Stelle zu markieren, an der die Priester mit der
Bundeslade gestanden hatten. Dies geschah nebenbei aus Josuas eigener
Initiative und drückte den Wunsch aus, eine persönliche Erinnerung an
Gottes Treue am Anfang der Eroberung Kanaans zu schaffen. Jos 4,10-18 Nun war alles vollbracht, was der HERR ...
befohlen hatte . In Anbetracht der Tatsache, daß der Jordan wieder zu
fließen beginnen würde, rief man sich Einzelheiten der Überquerung
wieder in Erinnerung. (1) Die Priester und die Lade verweilten im
Flußbett, während das Volk hinübereilte (V. 10 ; vgl. Jos 3,17 ). (2)
Die bewaffneten Männer der transjordanischen Stämme, die nicht von ihren
Familien und Habseligkeiten behindert wurden, führten die Überquerung an
( Jos 4,12-13 ). (3) Sobald das Volk hinübergegangen und die besondere
Aufgabe der Errichtung der Gedenksteine vollendet worden war, verließen
die Priester das Flußbett - sie waren die ersten, die hineingegangen,
und die letzten, die hinausgegangen waren - und nahmen wieder ihren
Platz an der Spitze des Volkes ein (V. 11,15-17 ). (4) Sofort danach
begann der Jordan wieder zu fließen (V. 18 ). Alle Stämme nahmen an der Überquerung teil,
wobei Ruben, Gad und der halbe Stamm Manasse nur repräsentative Heere
mitsandten. Der Rest dieser zweieinhalb Stämme verblieb auf der
Ostseite, um ihre Häuser und Städte zu beschützen. Die Zahl der Männer
über 20 Jahre in diesen Stämmen betrug 136 930 ( 4Mo 26,7.18.34 ). Die
40 000 Krieger ( Jos 4,13 ) machten 29 Prozent der männlichen
erwachsenen Bevölkerung aus, d. h. noch nicht einmal jeder dritte
erwachsene Mann zog in den Krieg. Alexander Maclaren schreibt: "Der springende
Punkt ist das sofortige Zurückströmen der unruhigen Fluten, als das
Hindernis beseitigt war. Wie ein Pferd sich über die Freiheit freut,
floß die lohfarbene Flut wieder hinunter, und schon bald schien alles
wie vorher zu sein, mit Ausnahme des neuen Felsens, der durch
menschliche Hand errichtet worden war und den nun das Wasser umströmte"
( Expositions of Holy Scripture . London: Hodder & Stoughton, 1908,
3,119). Man muß sich einmal vorstellen, was in den
Israeliten vorging, als sie am Flußufer standen und die strömende Flut
beobachteten, wie sie ihre Spuren beseitigte, und dann hinübersahen zum
gegenseitigen Ufer, wo sie noch an diesem Morgen gestanden hatten. Es
gab nun kein Zurück mehr. Ein neues und wunderbares Kapitel ihrer
Geschichte hatte begonnen. Jos 4,19-20 Doch es war nun keine Zeit zum Nachdenken.
Josua führte das Volk nach Gilgal , ihrem ersten Lagerort in Kanaan,
ungefähr drei Kilometer von Jericho entfernt. Dort wurden die 12 Steine
..., die aus dem Jordan genommen worden waren, aufgerichtet ,
möglicherweise in einem kleinen Kreis . Der Name Gilgal bedeutet Kreis
und bezeichnete möglicherweise ursprünglich einen Steinkreis mit
heidnischer Bedeutung. Wenn dem so war, würde der neue Kreis, der an
Jahwes grosse Taten erinnern sollte, dazu dienen, dem heidnischen
Charakter dieses Ortes entgegenzuwirken. Jos 4,21-23 Die Aufgabe der Steine war einwandfrei eine
pädagogische, nämlich spätere Generationen Israels daran zu erinnern,
daß es Gott gewesen war, der sie durch den Jordan geführt hatte (vgl.
V. 6-7 ), so wie er auch ihre Väter durch das Rote Meer geführt hatte. Doch woher sollten die zukünftigen Generationen
wissen, was die Steine bedeuteten? Die Antwort war eindeutig. Eltern
sollten ihren Kindern Gottes Weg und seine Werke lehren (vgl. 5Mo
6,4-7 ). Ein jüdischer Vater sollte seinen fragenden Sohn nicht zu einem
Leviten schicken, damit dieser ihm auf seine Fragen antwortete. Der
Vater sollte selbst die Antwort geben. Jos 4,24 Außerdem hatten die Gedenksteine neben der
Aufgabe, als sichtbare Hilfe für die elterliche Unterweisung der Kinder
zu dienen, den Zweck, daß alle Völker der Erde wissen sollten, daß die
Hand des HERRN mächtig ist . Als die Familien Israels ihre erste Nacht
im Land verbrachten, waren ihre Herzen sicherlich voll von Ungewißheit
und Angst. Die Berge, die im Westen steil aufragten, waren ein
bedrohlicher Anblick. Doch dann sah das Volk auf die 12 Steine, die aus
dem Jordan genommen worden waren, und wurde daran erinnert, daß Gott an
diesem Tag etwas Großes für sie getan hatte. Sicher konnten sie ihm auch
die weiteren Tage anvertrauen. Josua E. Die Heiligung der Israeliten ( 5,1-12 ) Unter Josuas Führung und durch einen
wundersamen Eingriff überquerten ungefähr 2 Millionen Krieger und
Zivilisten den Jordan. In Gilgal wurde schnell ein Brückenkopf
errichtet, und aus menschlicher Sicht war es nun höchste Zeit, die
Festungen Kanaans zu stürmen. Immerhin war die Moral der Leute in Kanaan
angesichts einer alten und zweier neuerer Begebenheiten, die im ganzen
Land verbreitet wurden, zusammengebrochen: (a) daß der Gott Israels das
Rote (Schilf-) Meer geteilt hatte ( Jos 2,10 ); (b) daß die Israeliten
die mächtigen Könige der Amoriter im Transjordanland besiegt hatten
( Jos 2,10 ); (c) daß Jahwe auch die Wasser des Jordans aufgestaut
hatte, damit die Israeliten nach Kanaan übersetzen konnten ( Jos
5,1; vgl. Jos 4,24 ). Mit diesen Neuigkeiten verbreitete sich auch
die Angst. Gab es einen besseren Zeitpunkt, um einen vernichtenden
Schlag auszuführen? Sicherlich hätten die Militärführer Israels einen
sofortigen gemeinsamen Angriff vorgezogen. Doch dies war nicht Gottes Plan. Er ist niemals
in Eile, obwohl es seine Kinder oft sind. Aus Gottes Sicht war Israel
noch nicht darauf vorbereitet, auf Kanaans Boden zu kämpfen. Es gab noch
etwas zu erledigen, nämlich eine geistliche Angelegenheit. Heiligung muß
der Eroberung vorangehen. Bevor Gott Israel zum Sieg führen würde,
wollte er sie noch durch drei Erfahrungen führen: (a) die Erneuerung der
Beschneidung ( Jos 5,1-9 ); (b) die Feier des Passafestes (V. 10 ); (c)
die Aneignung der Früchte des Landes (V. 11-12 ). 1. Die Erneuerung der Beschneidung ( 5,1-9 ) Jos 5,1-3 Als die Nationen von panischer Angst ergriffen
waren (vgl. Jos 4,24 ), befahl der Herr Josua, die Söhne Israels
zu beschneiden . Er gehorchte, obwohl es für ihn als militärischen
Führer schwer gewesen sein muß, seine gesamte Armee mitten im
feindlichen Gebiet kampfunfähig zu machen. Jos 5,4-7 Nun wird eine Erklärung für den Vorfall
gegeben. Obwohl alle Männer Israels vor dem Auszug aus Ägypten
beschnitten worden waren, waren sie in der Wüste wegen ihres Ungehorsams
bei Kadesch-Barnea gestorben ( 4Mo 20,1-13; vgl. 4Mo 27,14; 5Mo 32,51 ).
Ihre Söhne, die während der Wüstenwanderung geboren worden waren, waren
nicht beschnitten worden, was ein weiteres Zeugnis für die geistliche
Gleichgültigkeit ihrer Eltern war. Daher mußte diese heilige Handlung an
dieser neuen Generation noch vollzogen werden. Jos 5,8-9 Nachdem alle Männer beschnitten worden waren,
erkannte der Herr die Erfüllung der Verpflichtung an und erklärte: Heute
habe ich die Schande Ägyptens von euch weggerollt . Da die Israeliten in
Ägypten Sklaven gewesen waren, hatten sie auch bis zu ihrem Auszug die
Beschneidung nicht praktiziert. Sicherlich hatten die Ägypter die
Beschneidung verboten, da sie nur für ihre eigenen Priester und Bürger
der höheren Klasse reserviert war. "Die Schande Ägyptens" bezieht sich
wahrscheinlich darauf, daß die Ägypter die Israeliten dafür verhöhnten,
daß diese das Land Kanaan nicht besaßen. Ein weiterer Hinweis auf die Wichtigkeit dieser
Sache war die neue Bedeutung, die mit dem Namen Gilgal verbunden wurde.
Die Bedeutung "Kreis" erinnerte Israel an die Gedenksteine (vgl.
Kommentar zu Jos 4,19-20 ), die verwandte Bedeutung "wegrollen" würde
dagegen an Israels Gehorsam am selben Ort erinnern. Doch warum war die Beschneidung so wichtig? Die
Antwort der Bibel ist eindeutig. Stephanus erklärte in seiner
kraftvollen Rede vor dem Sanhedrin, daß Gott Abraham den Bund der
Beschneidung gegeben hatte ( Apg 7,8 ). Die Beschneidung war demnach
kein gewöhnlicher religiöser Ritus; sie war im Abrahamsbund verwurzelt,
einem Vertrag, der das ewige Fortbestehen von Abrahams Samen und dessen
Anspruch auf das Land garantieren sollte ( 1Mo 17,7-8 ). In diesem
Zusammenhang übernahm Gott die Beschneidung als "Zeichen" oder Symbol
des Vertrages ( 1Mo 17,11 ). Gott gebot Abraham, daß jeder männliche
Bewohner seines Hauses sowie jeder seiner männlichen Nachkommen
beschnitten werden sollte, und Abraham gehorchte sofort ( 1Mo
17,23-27 ). Doch warum hatte Gott die Beschneidung als das
Symbol seines Bundes mit Abraham und dessen Samen gewählt? Warum nicht
ein anderes Zeichen oder Werk? Der Akt der Beschneidung selbst
symbolisierte die völlige Abstandnahme von den weitverbreiteten Sünden
des Fleisches: Ehebruch, außerehelicher Geschlechtsverkehr und Sodomie.
Außerdem hatte diese Handlung eine geistliche Bedeutung nicht nur in
bezug auf das sexuelle Verhalten, sondern im Hinblick auf alle
Lebensbereiche. "So beschneidet nun eure Herzen und seid hinfort nicht
halsstarrig" ( 5Mo 10,16; vgl. 5Mo 30,6; Jer 4,4; Röm 2,28-29 ). Israel sollte also verstehen, daß die
Beschneidung nicht nur einfach eine Beschneidung des Fleisches war,
sondern auch ihr Leben heilig sein sollte. Darum sagte Gott in Gilgal
etwa so: "Bevor ich eure Kriege in Kanaan führe, müßt ihr dieses Zeichen
des Bundes an eurem Fleisch haben". Josua verstand die Wichtigkeit
dieser göttlichen Forderung und leitete alle Männer zu unverzüglichem
Gehorsam an. Paulus betont, daß ein Christ in Christus
beschnitten worden ist ( Kol 2,11 ). Diese Beschneidung ist geistlich,
nicht körperlich, und berührt kein äußerliches Organ, sondern unser
inneres Wesen, das Herz. Diese Beschneidung findet zum Zeitpunkt der
Erlösung statt, wenn der Heilige Geist einen Gläubigen zu Christus
führt. In dem Augenblick wird unsere sündige Natur gerichtet ( Kol
2,13 ). Ein Christ sollte sich dieser Tatsache bewußt sein ( Röm
6,1-2 ), obgleich seine fleischliche Natur während dieses Lebens ein
Teil von ihm bleibt. Er sollte seine fleischliche Natur als einen
gerichteten und verurteilten (obgleich noch nicht hingerichteten) Feind
ansehen. 2. Die Feier des Passafestes ( 5,10 ) Jos 5,10 Israel, das bei Gilgal lagerte, feierte nun das
Passafest . Ohne Beschneidung wären sie nicht berechtigt gewesen, an
diesem wichtigen Ereignis teilzunehmen ( 2Mo 12,43-44.48 ).
Interessanterweise erreichte die Nation die andere Seite des Jordan
gerade zum richtigen Zeitpunkt, um das Passafest zu feiern, das am 14.
Tag des ersten Monats stattfand ( 2Mo 12,2.6 ). Gottes Zeitplanung ist
stets sehr exakt! Dies war erst das dritte Passafest, das die
Nation erlebte. Das erste war in Ägypten in der Nacht vor ihrer
Befreiung aus der Knechtschaft und Unterdrückung gefeiert worden ( 2Mo
12,1-28 ). Das zweite fand am Berg Sinai statt, kurz bevor das Volk sein
Lager abbrach und nach Kanaan zog ( 4Mo 9,1-5 ). Anscheinend war das Passafest während der
Wüstenwanderung nicht gefeiert worden, doch nun wurde in Gilgal in
Kanaan die Feierlichkeit wieder aufgenommen. Die gerade erst erfolgte
Überquerung des Jordans war der Überquerung des Roten (Schilf-)Meeres so
ähnlich, daß bei denen, die in Ägypten gewesen waren (Personen, die zur
Zeit des Auszuges unter 20 waren, gehörten nicht zu den von Kanaan
Ausgeschlossenen), lebendige Erinnerungen wieder aufkamen. Sicherlich
wird sich so mancher Israelit daran erinnert haben, wie sein Vater ein
Lamm geschlachtet und dessen Blut an die Türpfosten und die obere
Schwelle des Hauses gesprenkelt hatte. In Kanaan konnten sie sich nun an
die schrecklichen Todesschreie der ägyptischen Erstgeborenen erinnern.
Dann kam die Aufregung des Aufbruches um Mitternacht, die schreckliche
Angst bei der Verfolgung durch die Ägypter und das Erschauern bei dem
Marsch zwischen den Wassermauern, um Ägypten zu entkommen. Nun durchlebten sie es wieder. Als die Lämmer
geschlachtet worden waren, wurde ihnen zugesichert, daß der Überquerung
des Jordans die Niederlage der Kanaaniter ebenso folgen würde, wie der
Überquerung des Roten Meeres die Vernichtung der Ägypter gefolgt war.
Also würde die Erinnerung an die Vergangenheit eine ausgezeichnete
Vorbereitung für die zukünftige Prüfung sein. 3. Die Aneignung der Früchte des Landes ( 5,11-12 ) Jos 5,11 Am Morgen, nachdem Israel das Passamahl
gehalten hatte und nun für den Kampf bereit war, aß das Volk einige der
Früchte des Landes . Da sie gezeigt hatten, daß sie gehorsam gegenüber
dem Gesetz Gottes sein wollten, ist es wahrscheinlich, daß sie zuerst
ein Schwingopfer in Form eines Scheffels Getreide darbrachten, wie es
in 3Mo 23,10-14 vorgeschrieben ist. Danach aß das Volk freimütig von den
Feldfrüchten, einschließlich ungesäuerter Kuchen und geröstetem
Getreide. Geröstete Getreideähren werden im Mittleren Osten immer noch
als Delikatesse angesehen und anstelle von Brot gegessen. Gott hatte versprochen, Israel in ein Land der
Fülle zu bringen, "ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke,
Feigenbäume und Granatäpfel wachsen, ein Land, darin es Ölbäume und
Honig gibt" ( 5Mo 8,8 ). Nun hatten sie endlich die Frucht des Landes
gekostet und wußten, daß es der Vorgeschmack auf den weiteren Segen war,
der noch kommen würde. Jos 5,12 Am nächsten Tag hörte das Manna auf . 40 Jahre
lang hatte es nicht aufgehört (vgl. 2Mo 16,4-5 ), doch nun hörte es so
plötzlich auf, wie es begonnen hatte, was bewies, daß seine Herkunft
nicht zufällig, sondern eine besondere Vorsehung gewesen war. Es ist bemerkenswert, daß Gott das Manna nicht
aufhören ließ, als Israel es verabscheute ( 4Mo 11,6 ), ja selbst dann
nicht, als sich die ungläubige Generation von Kadesch-Barnea
zurückwandte und in die endlose Wüste zog. Zumindest wegen ihrer Kinder
gab er ihnen das Manna solange, bis diese aufgewachsen waren und das
verheißene Land betreten konnten. Erst dann hörte Gott damit auf, dies
Wunder zu vollbringen, da ja nun natürliche Speise vorhanden war. II. Die Eroberung Kanaans ( 5,13-12,24 ) A. Einführung: Der göttliche Feldherr ( 5,13-15 ) Gott hatte die Israeliten gerade durch drei
Erfahrungen geführt: den Akt der Beschneidung, die Feier des Passa und
das Essen der landwirtschaftlichen Produkte Kanaans. All dies diente zur
Stärkung Israels. Nun folgte eine Erfahrung, die Josua allein betraf.
Auch sie war von großer Bedeutung und würde bald dem Volk mitgeteilt
werden. Jos 5,13 Es schien offensichtlich zu sein, daß der
nächste Schritt die Eroberung Jerichos sein würde. Doch da Josua noch
keinen göttlichen Befehl erhalten hatte, wie vor der Überquerung des
Jordans, ging er daran, die scheinbar uneinnehmbare Stadt zu erkunden.
War Josua etwa bestürzt, als er die sicheren Mauern Jerichos zu Gesicht
bekam? Die Späher hatten bei Kadesch-Barnea berichtet, daß die Städte
Kanaans "groß und bis an den Himmel ummauert sind" ( 5Mo 1,28 ). Trotz
Josuas langjähriger militärischer Erfahrung hatte er noch nie einen
Angriff auf eine befestigte Stadt angeführt, die für eine lange
Belagerung ausgerüstet war. Tatsächlich war Jericho von allen
befestigten Städten in Palästina die uneinnehmbarste. Dann gab es noch
das Problem der Bewaffnung. Israels Heer hatte keine
Belagerungsmaschinen, keine Rammböcke, keine Katapulte und keine
beweglichen Türme. Ihre einzigen Waffen waren Schleudern, Pfeile und
Speere, die gegen die Mauern Jerichos wie Strohhalme waren. Josua wußte,
daß die Schlacht von Jericho gewonnen werden mußte, weil die Truppen
Israels nun, da sie den Jordan überquert hatten, keinen Ort mehr hatten,
an den sie sich zurückziehen konnten. Außerdem konnten sie die Stadt
nicht umgehen, weil sie sonst ihre Frauen, Kinder, Güter und ihr Vieh in
Gilgal der sicheren Vernichtung ausliefern würden. Mitten in diese schwerwiegenden Überlegungen
wurde Josua von etwas, das in seinen Gesichtskreis trat, aufgeschreckt.
Er hob seine Augen und sah einen Krieger, der sein Schwert schliff.
Instinktiv rief er den Unbekannten an, indem er ihn fragte "Gehörst du
zu uns oder zu unseren Feinden?" Wenn er ein Freund, also ein Israelit,
gewesen war, befand er sich außerhalb des Lagers und hätte eine
Erklärung abgeben müssen, ganz besonders deshalb, weil Josua noch
niemandem den Befehl gegeben hatte, sein Schwert zu ziehen! War der
Fremde ein Feind, war Josua zum Kampf bereit! Jos 5,14 Die Antwort war überraschend und zugleich
aufschlußreich. Etwas geschah, das Josua davon überzeugte, daß dies kein
sterblicher Krieger war. Genau wie bei Abraham unter der Eiche im Hain
Mamre, bei Jakob in Pnuel, bei Mose am brennenden Dornbusch und bei den
zwei Emmausjüngern geschah eine Offenbarung, und Josua wußte, daß er
sich in der Gegenwart Gottes befand. Es scheint klar zu sein, daß Josua
tatsächlich mit dem Engel des Herrn sprach, einer Erscheinung des Herrn
Jesus Christus in alttestamentlicher Zeit (vgl. Jos 6,2 ). Der Befehlshaber der Armee des HERRN stand mit
gezücktem Schwert da , wodurch er andeutete, daß er mit und für Israel
kämpfen würde. Doch das Schwert zeigt auch, daß Gottes lange Verzögerung
des Gerichts nun ein Ende hatte und daß die Summe der Schandtaten der
Amoriter nun voll war (vgl. 1Mo 15,16 ). Die Israeliten sollten das
Werkzeug sein, mit dem die Strafe des Gerichts nun vollbracht werden
sollte. Was für eine Art militärischer Streitkraft
führte dieser göttliche Feldherr an? Das "Heer des Herrn" war sicherlich
nicht nur auf die Streitmacht Israels begrenzt, obwohl diese darin
enthalten war. Genauer gesagt bezog sich dies auf die Schar der Engel,
derselben "Armee" des Himmels, die später Dotan umkreiste, als Elisa und
sein Diener vom aramäischen Heer bedrängt wurden ( 2Kö 6,8-17 ). Im
Garten Gethsemane bezog sich Jesus auf diese himmlische Streitmacht, als
er bei seiner Festnahme sagte, daß 12 Legionen Engel bereit wären, ihn
zu verteidigen ( Mt 26,53 ). In Hebr 1,14 werden sie als "dienende
Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil ererben
sollen" beschrieben. Obwohl sie unsichtbar sind, dienen und sorgen sie
in Zeiten der Not für die Kinder Gottes. Josua, der diesen himmlischen Besucher mit
gezücktem Schwert erkannte, fiel auf sein Angesicht und betete ihn an,
wobei er sagte: "Was sagt mein Herr seinem Knecht?" Jos 5,15 Die Antwort des Herrn an Josua war kurz, aber
dringlich. Ziehe deine Sandalen aus, denn der Ort, an dem du stehst, ist
heilig . Die Anwesenheit des heiligen Gottes heiligte diesen Platz in
einem fremden und geschändeten Land (vgl. den ähnlichen Befehl an
Mose, 2Mo 3,5 ). Dies war eine höchst wichtige Erfahrung für
Josua. Er hatte eine Schlacht zwischen zwei feindlichen Armeen, der
israelischen und der kanaanitischen, erwartet. Er dachte, daß dies seine
Schlacht sei und er der befehlshabende General sein werde. Doch nun traf
er auf den göttlichen Feldherrn und erkannte, daß die Schlacht dem Herrn
gehörte. Der oberste General der Armee des Herrn war nicht gekommen, um
nur ein unbeteiligter Zuschauer oder ein Verbündeter zu sein. Er hatte
alles selbst in der Hand und würde bald seine Pläne ausführen, indem er
die Festung Jericho eroberte. Wie beruhigend war dies alles für Josua. Er
brauchte die schwere Bürde und Verantwortung der Leitung nicht allein
tragen. Dadurch, daß er seine Sandalen auszog, erkannte er an, daß die
Schlacht und auch die gesamte Eroberung Kanaans Gottes Kampf war und daß
er nur Gottes Diener war. B. Der eigentliche Feldzug ( Jos 6-8 ) Das Modell der göttlichen Strategie für die
Eroberung Kanaans beruhte auf geographischen Faktoren. Von ihrem Lager
bei Gilgal, nahe des Jordans, konnten die Israeliten steile Hügel im
Westen sehen. Jericho kontrollierte den Aufstieg zu diesen Bergen, und
Ai, eine andere Festung, lag an der Spitze des Aufstiegs. Wenn die
Israeliten das Hügelland erobern wollten, mußten sie auf jeden Fall
Jericho und Ai einnehmen. Dies würde sie auf die Spitze des Hügellandes
bringen und ihnen die Kontrolle über das zentrale Gebirge geben und
einen Keil zwischen die nördlichen und südlichen Gebiete Kanaans
treiben. Israel konnte dann die Armeen des Südens, gefolgt vom
entfernteren Feind im Norden, in Kriege verwickeln. Doch zuerst mußte
Jericho fallen - und das würde es, wenn Josua und das Volk dem Kampfplan
Gottes folgten. 1. Die Eroberung Jerichos ( Jos 6 ) a. Die Strategie zur Eroberung Jerichos ( 6,1-7 ) Jos 6,1 Jericho war eine belagerte Stadt. Befehle waren
erteilt worden, die Tore zu schließen, und es war kein Verkehr hinein
oder hinaus erlaubt. Wie Rahab den Spähern erzählt hatte ( Jos 2,9-11 ),
waren die Bewohner Jerichos wegen der heranrückenden Israeliten von
Angst erfüllt (vgl. Jos 5,1 ). Jos 6,2 Doch dort im Blickfeld Josuas, dessen
Unterredung mit dem Befehlshaber der Streitmacht des Herrn weiterging,
stand diese bedrückende Festung. Dieser Feldherr, der Herr selbst,
versprach Josua den Sieg und erklärte, daß er Jericho in seine Hände
gegeben habe. Die Stadt, ihr König und ihre Streitmacht würden an Israel
fallen. Die Zeit des Verbs im hebr. ist prophetisches Perfekt ( ich habe
ausgeliefert ) und beschreibt eine zukünftige Tat, als ob sie bereits
geschehen wäre. Da Gott den Sieg erklärt hatte, war er gewiß. Jos 6,3-5 Der Schlachtplan, den Josua benutzen sollte,
war sehr unüblich. Gewöhnliche Kampfwaffen wie Rammböcke und
Stufenleitern wurden nicht eingesetzt. Dagegen sollten Josua und seine
bewaffneten Männer einmal am Tag, sechs aufeinanderfolgende Tage lang
mit sieben Priestern, die Posaunen bliesen und die Bundeslade
vorantrugen, um die Stadt marschieren. Am siebten Tag sollten sie
Jericho sieben Mal umschreiten, dann würde die Mauer Jerichos
zusammenbrechen und die Stadt eingenommen. In der Bibel symbolisiert die Zahl Sieben oft
Vollkommenheit und Perfektion. Es gab sieben Priester, sieben Posaunen,
sieben Tage und sieben Umgehungen der Mauern am siebenten Tag. Obwohl
Gottes Plan den Menschen verrückt vorgekommen sein muß, war er das beste
Programm für diese Schlacht. Welche Bedeutung hatten die
ertönenden Posaunen ? Diese Instrumente waren "Jubelinstrumente", die
bei den höchsten Festen der Israeliten geblasen wurden, um die Gegenwart
Gottes auszurufen ( 4Mo 10,10 ). Die Eroberung Jerichos war daher nicht
nur ein militärisches Unternehmen, sondern auch ein religiöses, und die
Posaunen riefen aus, daß der Herr des Himmels und der Erde unsichtbar um
diese verurteilte Stadt schritt. Tatsächlich sprach Gott selbst in den
langanhaltenden Klängen dieser priesterlichen Posaunen: "Machet die Tore
weit und die Türen in der Welt hoch, daß der König der Ehre einziehe!"
( Ps 24,7 ). Wenn Christus wiederkehrt, wird er, der König der
Herrlichkeit, in triumphierende Städte einziehen. Die Eroberung Jerichos
war ein ähnlich triumphaler Sieg. Jos 6,6-7 Keine Kampfstrategie erschien sinnloser als
diese. Was sollte das Heer Jerichos davon abhalten, auf die schutzlosen
Israeliten einen Regen von Pfeilen und Speeren niedergehen zu lassen,
während diese ihren stillen Marsch vollbrachten? Oder wer könnte den
Feind davon abhalten, aus den Stadttoren auszubrechen und in die
israelitischen Linien einzufallen, um sie zu trennen und dann
abzuschlachten? Josua war ein erfahrener Militärführer. Sicherlich
werden diese und ähnliche Bedenken wegen der göttlichen Strategie durch
seinen Kopf gegangen sein. Doch im Gegensatz zu Mose, der am brennenden
Dornbusch gegen den Plan des Herrn seine schlechte Beredsamkeit
vorbrachte (vgl. 2Mo 3,11-4,17 ), reagierte Josua mit Gehorsam, ohne
Wenn und Aber. Er verlor keine Zeit, die Priester und Soldaten
zusammenzurufen und ihnen die Anweisungen weiterzugeben, die er von
seinem vorgesetzten Befehlshaber erhalten hatte. Jos 6,10-11 Indem sie absolute Stille einhielten (mit
Ausnahme der sieben Priester, die ihre Posaunen bliesen), schlängelte
sich diese seltsame Parade wie eine Viper nach Jericho und dann um die
Stadt. Die Israeliten benötigten damals wohl etwas weniger als 30
Minuten, um sie zu umschreiten. Als die Umschreitung beendet war,
kehrten die Israeliten zur Verwunderung der Kanaaniter, die
wahrscheinlich einen sofortigen Angriff erwarteten, still zu ihrem Lager
zurück. Jos 6,12-14 Dieselbe Prozedur wurde sechs Tage lang
wiederholt. Noch nie war eine Festung auf diese Art und Weise erobert
worden. Diese seltsame Strategie war Josua vielleicht aufgetragen
worden, um seinen Glauben zu prüfen. Er fragte nicht; er vertraute und
gehorchte. Diese Prozedur war auch erdacht worden, um den Gehorsam
Israels gegenüber Gottes Willen zu prüfen. Das war in diesem Fall nicht
leicht. Jeden Tag setzten sie sich der Schmähung und Gefahr aus. Ein
Soldat aus Jericho mag vielleicht von den Mauern auf das Heer Israels
hinuntergeschaut und gefragt haben, "Meinen die etwa, sie könnten uns
mit dem Klang ihrer Widderhörner einschüchtern, damit wir uns ergeben?"
Die übrigen werden dann vielleicht in ein lautes, höhnisches Gelächter
eingefallen sein. Möglicherweise erhielten die Israeliten ihre
Anweisungen Tag für Tag, so daß ihr Gehorsam keine einmalige
Angelegenheit war, sondern jeden Morgen neu erprobt wurde. Das ist auch
die Art, in der Gott oft mit seinen Kindern umgeht. Es wird ihnen
abverlangt, ihren "täglichen Marsch" zu verrichten, ohne, oder nur mit
wenig, Wissen über das Morgen ( Spr 27,1; Jak 4,14; vgl Mt 6,34 ). Der Glaube der Israeliten siegte über die
Sorge, daß der Feind angreifen werde. Sie triumphierten auch über jede
Hohn- und Spotterwartung. Noch nie zuvor und auch nur selten danach
stieg das 'Glaubensthermometer' in Israel so hoch. Jos 6,15-20 a An diesem schicksalshaften siebten Tag
umkreiste die Prozession die Mauern sieben Mal Diese Parade - bestehend
aus der bewaffneten Wache, den sieben posaunenblasenden Priestern, den
Priestern, die die Bundeslade trugen, und der rückwärtigen Wache - mag
vielleicht drei Stunden gedauert haben (zum Wort geweiht in
V. 17-18 vgl. den Kommentar zu V. 21 ). (Wie Josua berichtet, erlebte
Israel vernichtende Folgen wegen einer baldigen Verletzung der Anweisung
Gottes in V. 18-19 .) Als die siebte Umgehung beendet war, rief die
klare Stimme Josuas: Erhebt das Kampfgeschrei! Denn der HERR hat die
Stadt in eure Hände gegeben! Er befahl ihnen auch, Rahab und ihre
Familie zu verschonen (vgl. Jos 2,12-14 ). Als die Priester nun ihre
Posaunen bliesen, ... erhob das Volk ein lautes Geschrei . Dieses
Geschrei hallte von den Hügeln in der Gegend wider, erschreckte wilde
Tiere und die Bewohner Jerichos in ihren Häusern. Im selben Augenblick
gehorchte die Mauer Jerichos der Aufforderung Gottes und brach zusammen. Jos 6,20-21 (Jos 6,20b-21) Die Männer Israels stiegen über die Trümmer
hinweg. Die Soldaten, die die Bewohner vor Schrecken starr und wehrlos
vorfanden, vernichteten jegliches menschliche und tierische Leben in
Jericho, mit Ausnahme Rahabs und ihres Haushaltes (vgl. V. 17 ). Obwohl
Kritiker behaupten, daß diese Zerstörung ein Schandfleck im Alten
Testament sei, ist es keine Frage, daß Israel auf göttlichen Befehl hin
handelte. Die Verantwortung für diese Zerstörung trägt darum Gott und
nicht die Israeliten. Die Stadt Jericho und alles darinnen sollte
"dem Herrn geweiht ( HErem ) werden" (V. 17 ). In anderen Übersetzungen
steht hier "sollen unter den Bann verfallen", was eine wortgetreuere
Übersetzung ist. Vers 21 enthält eine Verbform dieses
Ausdruckes HErem : Sie weihten ( wayyaHXrImU , von HAram ) die Stadt dem
Herrn . Der Gedanke ist, daß der Inhalt der Stadt dem Herrn übergeben
werden mußte, indem er völlig zerstört wurde. Um dies besser
auszudrücken, setzen einige Übersetzungen und zerstört hinzu. (Das
Verb HAram in Jos 10,28.35.37.39-40; 11,11-12.21 wird in manchen
Übersetzungen mit "völlig zerstört", und in Jos 11,20 mit "zerstört sie
ganz" übersetzt; vgl. 1Sam 15,3.8-9.15.18.20 .Der Ausdruck HErem in Jos
6,17-18; 7,1.11-12.15; 1Sam 15,21 mit "geweiht" oder "geweihte Geräte";
in 5Mo 7,26 mit "abgesondert zur Zerstörung". Auf jeden Fall gehört der
Gedanke der Zerstörung nicht immer zu diesem Wort; vgl. z. B. 3Mo
27,21.28 ). Der Inhalt Jerichos sollte "dem Herrn" als
Erstlingsgabe dieses Landes übergeben werden. Genau wie die Erstlinge
von den Früchten des Feldes, wenn sie dem Herrn gegeben wurden, darauf
hinwiesen, daß es mehr Früchte geben würde, bedeutete die Eroberung
Jerichos, daß Israel von Gott ganz Kanaan erhalten würde. Das Volk
sollte von Jericho keine Beute nehmen. Beim Ausführen des HErem mußten
Menschen und Tiere getötet und andere Dinge entweder zerstört oder
abgesondert werden, im letzteren Fall, um für das Heiligtum verwertet zu
werden. Diese Gegenstände beinhalteten alles "Silber und Gold samt dem
kupfernen und eisernen Gerät" (V. 19 ). Alles wurde entweder zur
Zerstörung oder für den "Schatz" des Herrn bestimmt; auf jeden Fall
mußte alles vom Volk weggegeben werden. Ferner hat Gott das Recht, Menschen und
Nationen, die in Sünde leben, zu richten. Gibt es ein Zeugnis davon, daß
die Schuld der Kanaaniter voll war? Sehr wenige würden in Frage stellen,
daß der Götzendienst und die ausschweifende Lebensführung, wie sie durch
archäologische Funde nachgewiesen wurden (z. B. durch die
Ras-Shamra-Tafeln), das göttliche Gericht über Jericho berechtigten. Außerdem war es Gottes Vorhaben, die Nation
Israel in dem Land zu segnen und sie als Segenskanal für die ganze Welt
zu gebrauchen. Doch dies wäre stark behindert worden, wenn sie von der
widerlichen Religion der Kanaaniter infiziert worden wären. Gleason
Archer meint dazu: "Hinsichtlich des korrupten Einflußes der
kanaanitischen Religion, besonders mit ihrer religiösen Prostitution ...
und Kinderopferung, war es unmöglich, in Israel den reinen Glauben und
Gottesdienst zu bewahren, außer durch die völlige Eliminierung der
Kanaaniter selbst" ( A Survey of Old Testament Introduction . Chicago:
Moody Press, 1964, S. 261). Sünde ist äußerst ansteckend. Kompromiß mit dem
Bösen ist gefährlich und verursacht geistlichen Schiffbruch. Es wurden bereits viele Vermutungen angestellt,
warum die Mauern Jerichos genau in dem Moment zusammenbrachen, als das
Volk das Kampfgeschrei erhob: (1) Ein Erdbeben verursachte das
Zusammenbrechen. (2) Israelitische Soldaten untergruben die Mauern,
während die anderen marschierten. (3) Die Vibrationen, die von den
Klängen der Posaunen und den Schreien der Soldaten erzeugt wurden,
verursachten den Zusammenbruch. (4) Die Druckwelle, die von den
Marschschritten der Israeliten erzeugt wurde, war dafür verantwortlich.
Wie dem auch immer sei, es war ein übernatürliches Phänomen. Dies ist
schon deshalb klar, weil die gesamte Mauer, mit Ausnahme des Teils, auf
dem das Haus Rahabs stand, zerstört wurde. Eigentlich ist es unwichtig,
den genauen Hintergrund festzustellen, wie Gott das eine oder andere
Wunder vollbrachte. Ein neutestamentlicher Schreiber, der dieses
Phänomen Jahrhunderte später noch einmal in Erinnerung rief, begnügte
sich damit zu schreiben: "Durch den Glauben fielen die Mauern Jerichos,
als Israel sieben Tage um sie herumgezogen war." ( Hebr 11,30 ). Das archäologische Zeugnis für den
Zusammenbruch der Mauern Jerichos in den Tagen Josuas ist nicht so
sicher, wie einst angenommen wurde. Dies ist dadurch zu erklären, daß
weitere Ausgrabungen aufgedeckt haben, daß Jericho in seiner langen
Geschichte etwa 34 Mauern gehabt hat. (Jericho ist eine der ältesten
Städte der Welt. Viele Archäologen behaupten, daß sie schon um 7000 v.
Chr. bewohnt gewesen sein muß.) Die zahlreichen Erdbeben in der Gegend,
die Gründlichkeit der Zerstörung der Stadt durch Josua und der fünf
Jahrhunderte lange Erosionsprozeß, bevor die Stadt zu Ahabs Zeit wieder
aufgerichtet wurde ( 1Kö 16,34 ), trugen auch zu den mageren
Überbleibseln und der großen Schwierigkeit, diese Überbleibsel der Zeit
Josuas zuzuordnen, bei. Die bedeutendsten Zeugnisse scheinen ausgedehnte
Töpferüberreste auf dem Hügel und in den Grabstätten der Gegend zu sein.
Diese Funde deuten auf eine Besiedlung der Stadt bis ungefähr 1400 v.
Chr. hin. Unter den Töpferwaren findet sich eine dicke Schicht von
verbrannter Asche, die von einer größeren Zerstörung zeugt. Dies deutet
ohne Frage auf die Zerstörung und Inbrandsetzung der Stadt durch Josua
hin ( Jos 6,24 ). (Für eine eingehendere Beschäftigung mit der
Archäologie des alttestamentlichen Jerichos, vgl. Leon Wood, A Survey of
Israels History . Grand Rapids: Zondervan Publishing House, 1970, S. 94
- 99.) c. Die Folge der Eroberung Jerichos ( 6,22-27 ) Während sich die Geschichte dieser großartigen
alttestamentlichen Begebenheit ihrem Ende naht, werden noch kurz zwei
Ereignisse angeführt: die Rettung Rahabs und das Verbrennen,
Zusammenbrechen und Verfluchen der Stadt. Jos 6,22-25 Wie eine Oase in dieser traurigen Schilderung
der Auslöschung der Kanaaniter ist die Geschichte von Rahabs Errettung.
Bevor die Stadt in Brand gesteckt wurde (V. 24 ), war Rahab
herausgeführt worden. Josua hielt das Versprechen ein, das Rahab von den
beiden Spähern gegeben worden war (vgl. Jos 2,12-21 ), und sandte
dieselben jungen Männer zu dem Hause, an dem das rote Seil aus dem
Fenster hing. Sie und ihre ganze Familie folgten ihnen ohne zu zögern zu
dem angegebenen Ort außerhalb der verfluchten Stadt. Rahab und ihre
Familie mußten, da sie ja Heiden waren, zeremoniell gereinigt werden;
die Männer wurden sicherlich beschnitten, bevor sie sich mit dem Volke
Israel identifizieren durften. Rahabs Geschichte ist ein Beispiel für
die Gnade Gottes, die im Leben eines Individuums und dessen Familie
arbeitet. Trotz ihres früheren Lebens war sie durch den Glauben an den
lebendigen Gott gerettet worden und wurde sogar zu einem Glied in der
messianischen Linie ( Mt 1,5 ). Durch Einhalten des biblischen Weges
wurden Rahab und ihre Familie wegen ihres Glaubens vom göttlichen
Gericht verschont (vgl 1Mo 7,1; 1Thes 5,9 ). Jos 6,26 Die Bestimmung Jerichos zur Zerstörung (vgl.
Kommentar zu V. 21 ) beinhaltete das Aussprechen eines Fluches über
denjenigen, der es wagen würde, durch die Erneuerung ihrer Fundamente
oder ihrer Tore die Stadt wiederaufzubauen . Obwohl der Platz später für
kürzere Perioden besetzt wurde ( Jos 18,21; Ri 3,13; 2Sam 10,5 ), wurde
das Verbot des Wiederaufbaus bis zu den Tagen König Ahabs, 500 Jahre
später, nicht verletzt. Als Zeichen des Abfalles zu dieser Zeit begann
Hiel, der Betheliter, damit, die Mauern Jerichos wieder aufzubauen, was
ihn jedoch das Leben seiner zwei Söhne Abiram und Segub kostete ( 1Kö
16,34 ). Jos 6,27 Doch das Kapitel, das den herrlichen Sieg von
Israels erster Schlacht in Kanaan beschreibt, endet mit einem nicht
unwichtigen Hinweis. Die letzten Worte führen den Leser zurück zu diesem
Triumph und dessen Ursache: So war der HERR mit Josua (vgl. Jos 1,5.9;
3,7 ), und die Kunde von ihm verbreitete sich durch das ganze Land . Das
Geheimnis des Erfolges in Jericho war nicht Josuas militärische
Genialität oder die Geschicklichkeit seines Heeres im Kampfe. Der Sieg
kam daher, daß er und seine Leute Gott vertrauten und seinen Geboten
gehorchten ( Jos 1,6-9 ). 2. Die Niederlage gegen Ai ( Jos 7 ) Unerwarteterweise erlebte Israel als nächstes
eine Niederlage. Bis zu diesem Punkt hatte das Heer, das Josua anführte,
nur Siege erlebt. Die Möglichkeit einer militärischen Niederlage war
das, was den Gedanken der Israeliten am weitesten entfernt lag,
besonders nach dem Triumph über Jericho. Tatsächlich sind Gottes Leute
nie verletzbarer und nie in größerer Gefahr, als direkt nach einem
großartigen Sieg. Ai war das nächste Objekt auf Israels
Eroberungspfad. Es war kleiner als Jericho, jedoch ein strategischer
Treffpunkt zweier natürlicher Straßen, die sich von Jericho bis zum
Hügelland um Bethel erstreckten. Die Unterwerfung Ais würde auch zur
völligen Kontrolle über die Haupt-"Hügelkettenstraße", die sich von
Norden nach Süden längs des zentralen Hochlandes zog, führen. Viele Archäologen haben Ai mit dem Platz
et-Tell ("die Ruine") identifiziert. Ausgrabungen bei et-Tell haben
jedoch noch kein Zeugnis einer Niederlassung zur Zeit Josuas ans Licht
gebracht. Die Geographie dieser Gegend stimmt genau mit den
Beschreibungen in Jos 8 überein. Also war der König von Ai vielleicht
der Anführer von Streitkräften, die sich zum Kampf vorbereiteten, was an
einem Ort geschah, der bereits eher eine Ruine als eine Stadt war.
Einige Archäologen suchen jedenfalls alternative Lagen für Ai, und
Ausgrabungen sind bereits am nahegelegenen Platz Khirbet Nisya im Gange. Auch wenn es noch Fragen über die Lage von Ai
gibt, kann die Wichtigkeit der dortigen Geschehnisse an der Menge der
biblischen Berichte ersehen werden, die sich mit Israels Niederlage
( Jos 7 ) und dessen Sieg an diesem Ort ( Jos 8 ) beschäftigen. a. Ungehorsam ( 7,1 ) Jos 7,1 Das Kapitel beginnt mit dem verhängnisvollen
Wort aber . Die Freude des Sieges wurde schon bald von der Trübsal der
Niederlage eingeholt. Das alles geschah wegen des Ungehorsams eines
Mannes. Jericho war unter Gottes HErem ("Bann der Zerstörung"; Jos
6,18-19 ) gefallen, was bedeutete, daß alles Lebende getötet werden
mußte, und wertvolle Dinge dem Schatz des Herrn übergeben werden mußten.
Kein israelitischer Soldat sollte für sich Beute machen. Doch die
Versuchung war für einen Mann zu groß. Obwohl man dazu geneigt ist, seine Bewunderung
über die Disziplin der Streitkräfte Josuas auszudrücken, weil nur einer
seiner Soldaten der Versuchung nachgab, konnte selbst dieser eine nicht
der Aufmerksamkeit Gottes entgehen. Gott sah Achans Sünde, als dieser
einige der für Gott bestimmten Dinge für sich nahm, und
deshalb entbrannte Gottes Zorn gegen die ganze Nation. Er machte sie
alle kollektiv verantwortlich und hielt seinen Segen zurück, bis die
Angelegenheit wieder in Ordnung gebracht war. Tatsächlich hätte Israels
Geschichte wahrscheinlich hier geendet, wenn Gottes Zorn nicht
abgewendet worden wäre. b. Niederlage ( 7,2-5 ) Jos 7,2 In Unwissenheit des Ungehorsams und der
Begierde Achans, seinen Nutzen aus dem ersten Sieg zu ziehen, traf Josua
Vorkehrungen für die nächste Schlacht, indem er Späher nach Ai , das 16
km nordwestlich von Jericho und östlich von Bethel lag, sandte. Dies
scheint seine reguläre Vorgehensweise gewesen zu sein (vgl. Jos 2,1 ).
( Beth-Awen , "Haus des Bösen", war ein späterer Spitzname ( Hos 10,5 )
für Bethel, "Haus Gottes". Doch hier scheint es ein anderer Ort ungefähr
fünf Kilometer nördlich von Ai gewesen zu sein.) Jos 7,3 Als die Späher zurückkehrten, berichteten sie
mit großer Zuversicht. Sie behaupteten, daß Ai leicht mit nur zwei- oder
dreitausend Männern zu erobern sein würde. Die Stadt hätte nur wenig
Männer , sagten sie. Doch die Späher waren im Irrtum. In Wirklichkeit
hatte Ai 12 000 Männer und Frauen oder ungefähr 6 000 Männer ( Jos
8,25 ). Später, als Gott Josua die Befehle gab, gebot er ihm: Nimm das
"ganze Kriegsvolk" ( Jos 8,1 ). Obwohl Ai kleiner als Jericho war, bot
es seinen Soldaten gute Verschanzungsmöglichkeiten und war stark
befestigt. Israels Fehler war, die Stärke des Feindes zu unter-, und die
eigene zu überschätzen. In diesem Fall wird nirgendwo ein Gebet erwähnt,
noch wird ein Zeugnis für die Abhängigkeit von Gott geliefert. Es ist ein tödlicher Fehler, die Stärke des
Feindes zu unterschätzen. Christen versäumen es oft, zu erkennen, daß
ihre Feinde mächtig sind ( Eph 6,12; 1Pet 5,8 ). Deshalb haben Gläubige
unter schmählichen geistlichen Niederlagen zu leiden. Die Tragik, die die Israeliten erlitten,
entstand zumindest teilweise dadurch, daß sie den Feind unterschätzten
und annahmen, daß ein Sieg den anderen garantieren würde. Doch im Leben
sieht es einfach anders aus. Der gestrige Sieg macht einen Gläubigen
nicht gegen eine heutige Niederlage immun. Er muß in ständiger
Abhängigkeit von Gottes Kraft leben. Als Paulus einmal über den Kampf
des Christen gegen das Böse sprach, schrieb er: "Seid stark in dem Herrn
und in der Macht seiner Stärke!" ( Eph 6,10 ). Jos 7,4-5 Doch Josua sandte nur 3 000 Männer nach Ai, wo
sie traurigerweise nicht siegten, sondern vernichtend geschlagen
wurden . Sie rannten voll Panik den Abhang hinunter, den sie am Morgen
so selbstsicher hinaufgestiegen waren, wurden jedoch von den Verfolgern
bei irgendwelchen Steinbrüchen eingeholt, wo 36 israelitische Soldaten
erschlagen wurden. Die übrigen konnten entfliehen und kehrten zum Lager
zurück. Als sich der Bericht über die Niederlage im
Lager verbreitete, wurde das Volk äußerst demoralisiert. Da verzagte das
Herz des Volkes und wurde wie Wasser . Obwohl dies die einzige
Niederlage Israels in der sieben Jahre dauernden Eroberung Kanaans war,
lag die Haupttragik nicht in der Niederlage selbst, auch nicht einmal in
den 36 toten Kriegern. Israel wurde plötzlich von der schrecklichen
Befürchtung ergriffen, daß die Hilfe des Herrn von ihnen gewichen sei.
Sie konnten sich keinen Grund vorstellen, warum dies hätte geschehen
sollen. Hatte Gott sich anders besonnen? c. Bestürzung ( 7,6-9 ) Jos 7,6-9 Auch Josua war von der Niederlage entsetzt. Der
Führer und die Ältesten vollzogen darauf die alten Klageriten, wobei sie
ihre Kleider zerrissen und sich Staub auf ihr Haupt warfen (vgl. Hi
1,20; Jos 2,12 ). Sie fielen vor der Lade des HERRN auf ihr Angesicht
bis zum Abend . Dann drückte sich Josuas Verworrenheit in Worten aus,
als er dem Herrn drei Fragen stellte: (1) Warum hast Du uns hierher
geführt? Um uns zu vernichten? (2) Was soll ich nun sagen, nachdem
Israel geschlagen worden ist? (3) Was willst du für deinen großen Namen
tun? Josua schien Gott für die Niederlage
verantwortlich gemacht zu haben und bedachte nicht, daß die Ursache auch
woanders liegen könnte. In seiner ersten Frage nahm er sogar das Denken
der Späher auf, gegen das er bei Kadesch so heftig protestiert hatte
(vgl. 4Mo 14,2-3 ). Josuas größte Sorge war, daß die Nachricht über
diese Niederlage den Respekt der Heiden vor Gottes eigenem großen
Namen irgendwie verringern könnte. Demzufolge würde ihr Name ausgelöscht
werden, was heißt, daß sie vernichtet und vergessen werden würden. Josua d. Wegweisungen ( 7,10-15 ) Jos 7,10-11 Die Antwort des Herrn an Josua war
schroff. Steh auf! Warum liegst du denn auf deinem Angesicht? Dann
erklärte Gott die Ursache der Niederlage und die Notwendigkeit zu
handeln. Der Grund für diese Katastrophe lag bei Israel, nicht bei Gott.
Israel hatte gesündigt. In seiner Anklage gebrauchte Gott voll Zorn eine
Aneinanderreihung von Verben. Indem er vom Hauptsächlichen zum
Speziellen kam, beschuldigte er Israel der Sünde, den Bund gebrochen zu
haben, sich einige der gebannten Dinge ( haHErem , "Dinge, die zur
Zerstörung bestimmt sind"; vgl. Jos 6,18-19 und den Kommentar zu Jos
6,21 ) angeeignet zu haben, gestohlen, gelogen und die gestohlenen Dinge
versteckt zu haben. (Die Dinge werden in Jos 7,21 angeführt.) Bevor
diese Übertretungen nicht abgetan und gesühnt waren, würde die Sünde
einer Person der ganzen Nation angerechnet. Jos 7,12 Nachdem Jericho gefallen war, hieß es: "So war
der Herr mit Josua" ( Jos 6,27 ). Doch nun kam von Gott die harte
Aussage: Ich werde nicht mehr mit dir sein , es sei denn, daß diese
Sünde gerichtet wird und die gebannten Dinge zerstört werden. Jos 7,13-15 Der Herr zeigte dann die Schritte auf, die in
dem Untersuchungsprozeß unternommen werden sollten. Zuerst sollte sich
das Volk heiligen. Es kam kein Sieg über seine Feinde in Frage, bevor
dieses Problem nicht gelöst worden war. Zweitens sollte es am nächsten
Tag zusammenkommen, um den Schuldigen, wahrscheinlich durch Auslosen
(vgl. Kommentar zu V. 16-18 ), zu identifizieren, indem zuerst der
schuldige Stamm, dann die Sippe, dann die Familie und zuletzt die Person
festgestellt wurde. Drittens sollten der Missetäter und all sein Besitz
(nicht nur die gestohlenen Dinge) verbrannt werden. Diese Sünde wurde
von Gott als schändliche Tat angesehen. Achans Sünde war vorsätzlicher
Ungehorsam gegen Gottes Anweisung ( Jos 6,18 ), und sie setzte die ganze
Nation der Gefahr aus, vernichtet zu werden. Wenn die Israeliten nicht
alle Güter der Kanaaniter zerstört hätten, hätte Gott wahrscheinlich die
Israeliten zerstört! e. Aufdeckung ( 7,16-21 ) Jos 7,16-18 An diesem verhängnisvollen Tag stand Josua früh
auf. Ganz Israel war für das Ritual, das den Schuldigen herausstellen
würde, zusammengetreten. Dies wurde wahrscheinlich angegangen, indem man
loste, vielleicht durch das Ziehen von beschriebenen Tonscherben aus
einem Krug. Doch warum deckte Gott vor Josua nicht einfach die Identität
des Schuldigen auf? Er wußte doch, wer es war. Die Antwort ist, daß
diese dramatische Methode der Nation Israel die Ernsthaftigkeit des
Ungehorsams gegen Gottes Gebote einprägen würde. Da die Methode Zeit
brauchte, würde sie auch der schuldigen Person eine Gelegenheit geben,
Buße zu tun und ihre Sünde zu bekennen. Hätte Achan auf diese Art
reagiert und Gott um Gnade gebeten, wäre ihm sicherlich vergeben worden,
wie Jahrhunderte später dem schuldigen David ( Ps 32,1-5; Ps 51,1-12 ). Es war totenstill, als der Prozeß über die
Auslosung des Stammes Juda zu der Sippe der Serachiter , dann über die
Familie Sabdi endlich zum Übeltäter selbst, Achan , führte. Dies war
kein einfacher Zufall, sondern Gottes Führung. Salomo beschrieb diesen
Prozeß sehr treffend: "Der Mensch wirft das Los; aber es fällt, wie der
Herr will" ( Spr 16,33 ). Jos 7,19-21 Seltsamerweise blieb Achan während der ganzen
Prozedur still, obwohl er sicherlich von Angst erfüllt war und sein Herz
heftig zu schlagen begann, als seine Entdeckung Schritt für Schritt
näher kam. Schließlich sprach Josua Achan höflich, doch ernsthaft an,
denn obwohl Josua die Sünde haßte, verurteilte er den Sünder nicht. Ein
öffentliches Bekenntnis, in dem die übernatürliche Feststellung der
schuldigen Person anerkannt wurde, war nötig. Achans Antwort war offen und zureichend. Er
bekannte seine Sünde und versuchte nicht, sich zu entschuldigen. Jedoch
drückte er auch keine Reue für den Ungehorsam gegenüber Gottes Anweisung
aus, mit dem er seine Nation betrog, die Niederlage der israelischen
Truppen und den Tod von 36 Männern verursacht hatte. Den einzigen Ärger,
den er wahrscheinlich verspürte, war der Ärger darüber, daß er entdeckt
worden war. Die drei kritischen Stufen bei der Sünde Achans
sind wohlbekannt: er sah , er begehrte und er nahm . Eva ging dieselben
kritischen Schritte im Garten Eden ( 1Mo 3,6 ), genau wie David mit
Batseba ( 2Sam 11,2-4 ). Die Dinge, die Achan aus Jericho mitnahm und in
der Erde in seinem Zelt verbarg, waren (a) ein wertvoller Mantel aus
Babylonien , der vielleicht von jemandem aus Jericho erworben worden
war, der mit Babyloniern handelte, (b) 200 Schekel Silber , die ungefähr
2,25 kg wogen, und (c) ein Goldbarren von 50 Schekel (0,567 kg). Achan
dachte möglicherweise: "Nachdem ich nun während dieser ganzen Jahre in
der Wüste auf all die guten Dinge im Leben verzichten mußte, finde ich
hier ein bildschön gearbeitetes Kleid und etwas Silber und Gold. Wie
könnte Gott mir diese Dinge versagen? Sie werden nie vermißt werden, und
ich erhalte etwas Freude und Wohlstand." Doch es gab einen eindeutigen
Befehl, keine Beute aus Jericho zu nehmen. (Josua hatte dem Volk
befohlen, daß alles Silber und Gold zum Schatz des Herrn getan werden
sollte, Jos 6,19 .) Gottes Wort kann niemals ohne Schaden
wegargumentiert werden. f. Tod ( 7,22-26 ) Jos 7,22-25 Achans Geständnis stellte sich bald als wahr
heraus; die gestohlenen Dinge wurden dort gefunden, wo er es gesagt
hatte. Sie wurden danach vor den HERRN gelegt , dem sie gehörten. Dann
wurde der schuldige Mann zusammen mit der Diebesbeute, seiner Familie,
seinem Vieh und seinem ganzen Hab und Gut zum Tal Achor hinaufgeführt.
Die tödlichen Steine streckten Achan und dessen Kinder nieder, und Feuer
vernichtete ihre Körper und Habseligkeiten. Dadurch, daß er "gebannte"
Dinge gestohlen hatte, wurde Achan selbst unrein und fiel unter den Bann
der Vernichtung. Da Kinder nicht für die Sünden ihrer Väter hingerichtet
werden sollten ( 5Mo 24,16 ), kann man wohl annehmen, daß Achans Familie
(mit Ausnahme seiner Frau, die nicht erwähnt wird) von dem Verbrechen
wußten (vgl. den Kommentar zu 4Mo 16,28-35 ). Jos 7,26 Die letzte Handlung war das Aufrichten eines
historischen Denkmals, eines großen Haufens größerer Steine über dem
Körper Achans. Dies scheint eine gebräuchliche Art der Beerdigung von
schandhaften Personen gewesen zu sein (vgl. Jos 8,29 ). Es erfüllte in
diesem Falle den guten Zweck, Israel vor der Sünde des Ungehorsams gegen
Gottes eindrückliche Gebote zu warnen. Die hebr. Wörter für Achan und Achor sind
wahrscheinlich verwandt. So wurde Achan, was wahrscheinlich "Betrüber"
heißt, im Tale Achor , dem Tal der "Betrübnis", begraben. Doch weil
Israel dazu bereit gewesen war, das Problem der Sünde in ihrer Mitte
anzugehen, wendete sich Gottes brennender Zorn ( Jos 7,1 ) wieder von
ihnen ab, und er war wieder bereit, sie zum Sieg zu führen. 3. Der Sieg über Ai ( Jos 8 ) a. Die Vorbereitung der Schlacht ( 8,1-2 ) Jos 8,1 Die Energie, die Israel durch die wundersame
Überquerung des Jordans und durch den übernatürlichen Sieg über Jericho
bekommen hatte, wurde durch die Niederlage gegen Ai gebrochen. Schwermut
und Hoffnungslosigkeit erfüllte nicht nur alle im Lager, sondern auch
das Herz Josuas. Doch nachdem Achans Verbrechen gerichtet worden
war, war Gottes Wohlwollen gegenüber Israel wieder hergestellt, und er
versicherte Josua erneut, daß er weder ihn noch das Volk verworfen
hatte. Als Josua Gottes Worte der Ermutigung vernahm, wurde sein Herz
erquickt, da dies die selben Worte waren, die Mose in Kadesch-Barnea
gesprochen hatte, als er die 12 Späher aussandte ( 5Mo 1,21 ). Es waren
auch die Worte, die Mose 40 Jahre später zu Josua sagte, als er dem
jüngeren Mann die Zügel der Führung übergab ( 5Mo 31,8 ). Josua hörte
sie wieder, als Gott kurz nach dem Tode Moses zu ihm sprach ( Jos 1,9 ).
In dieser kritischen Zeit im Leben Josuas war es gut, daß er daran
erinnert wurde und erneut zugesagt bekam, daß Gott bereit war, ihn zu
führen, wenn er bereit wäre, auf seine Pläne zu hören. Diese
Bereitschaft besaß Josua. Gottes Plan beinhaltete die Verwendung aller
streitbaren Männer Israels. Obwohl die Hauptursache für die Niederlage
gegen Ai Achans Sünde war, lag die zweite Ursache darin, den Feind
unterschätzt zu haben (vgl. Jos 7,3-4 ). Dieser Fehler würde nun
berichtigt werden. Gott gebot Josua, hinaufzugehen und Ai anzugreifen ,
und er versprach, den Ort der Niederlage in einen Ort des Sieges zu
verwandeln. Jos 8,2 Bevor Josua der eigentliche Schlachtplan
kundgetan wurde, wurde ihm gewährt, daß die Beute Ais und all ihr
Viehbestand von Israel genommen werden durften. Jericho war als
Erstlingsfrucht unter den Bann gefallen, doch Ai war es nicht. Welch eine Ironie! Hätte Achan nur seine
habgierigen und egoistischen Wünsche unterdrückt und in Jericho Gottes
Wort gehorcht, hätte er später alles gehabt, was sein Herz begehrte, und
Gottes Segen dazu. Der Pfad des Gehorsams und des Vertrauens ist immer
der beste. b. Der Ablauf der Schlacht ( 8,3-29 ) Der Ablauf der Ereignisse in Ai unterschied
sich völlig von dem in Jericho. Die Israeliten wanderten keine siebenmal
um die Mauern Ais. Die Stadtmauern fielen nicht auf wundersame Weise.
Israel mußte die Stadt im normalen Kampf erobern. Gott ist nicht auf
irgendeine Methode beschränkt, um zu handeln. Er kann und darf in seinem
Handeln nicht in eine Schablone gepreßt werden. Jos 8,3-9 Die Strategie für die Eroberung Ais war
raffiniert. Sie beinhaltete das Legen eines Hinterhaltes hinter
(westlich) der Stadt. Gott selbst hatte Josua aufgetragen, dies zu tun
(V. 2.7 ). Die Ausführung dieses Planes betraf drei Truppenkontingente.
Das erste war eine Gruppe von tapferen Kriegern, die bei Nacht
ausgesandt wurden, um sich westlich nahe der Stadt Ai zu verstecken.
Ihre Aufgabe war es, in die Stadt zu eilen und sie in Brand zu stecken,
nachdem ihre Verteidiger sie verlassen hatten, um Josua und dessen Heer
zu verfolgen. Diese Einheit zählte 30 000 Männer, und obwohl diese
Anzahl Soldaten viel zu groß zu sein scheint, um sich nahe der Stadt zu
verstecken, machte es das Vorhandensein von großen Felsen in der Gegend
für alle diese Männer möglich, sich versteckt zu halten. Jos 8,10-11 Das zweite Kontingent war das Hauptheer, das
früh am nächsten Morgen die 24 km von Gilgal hermarschierte und im
direkten Blickfeld an der Nordseite Ais lagerte. Mit Sicherheit bestand
dieses gesamte Heer aus Abertausenden von Soldaten. Diese Armee, die von
Josua angeführt wurde, war die ablenkende Kraft, die die Verteidiger von
Ai aus der Stadt locken sollte. Jos 8,12-13 Das dritte Kontingent war ein
weiterer Hinterhalt , der 5 000 Männer zählte, die zwischen Bethel und
Ai lagen, um eine mögliche Truppenverstärkung aus Bethel zur
Unterstützung Ais zu verhindern. Josua befand sich im Tal nördlich von
Ai, einer tiefen Schlucht in den Hügeln. Jos 8,14-22 Der Plan funktionierte einwandfrei. Als der
König von Ai Israels Armee sah, ging er auf diesen Köder ein. Als er die
Verfolgung der Israeliten aufnahm, die die Flucht vortäuschten, blieb
die Stadt Ai unbewacht zurück. Auf Josuas Zeichen eilten die anderen
Truppen schnell hinein und setzten die Stadt in Brand. Die Bestürzung
der Männer von Ai war komplett, als sie die Flammen und die
Rauchschwaden bemerkten, die zum Himmel schlugen. Eh sie sich versahen,
waren sie in einer Zangenbewegung von israelischen Soldaten
eingeschlossen und wurden vernichtet. Jos 8,23-29 Nachdem es alle Soldaten Ais getötet hatte,
kehrte das Heer Israels zur Stadt zurück und tötete alle ihre Einwohner.
Die toten Soldaten und Einwohner ergaben die Anzahl von 12 000. Israels
Soldaten plünderten die Stadt, wie Gott es ihnen erlaubt hatte (V. 2 ).
Die Stadt wurde in einen Trümmerhaufen verwandelt. Der König von Ai, der
bis dahin verschont geblieben war, wurde an einem Baum bis zum Abend
aufgehängt und dann unter einem Steinhaufen begraben (vgl. Achans
ähnliches Begräbnis, 7, 26). Der Leib des Königs wurde bei
Sonnenuntergang vom Baum heruntergenommen, weil Gott es so geboten hatte
( 5Mo 21,22-23; vgl. Jos 10,27 ). Nun hatte Israel, nachdem es Gottes Gunst
wiedererlangt hatte, einen großen Sieg errungen. Nach der Verfehlung kam
eine zweite Chance. Eine Niederlage oder Verfehlung signalisiert für
Gott nicht das Ende der Nützlichkeit eines Gläubigen. Jos 8,32 Zweitens richtete Josua einige große Steine
auf. Auf ihrer Oberfläche fertigte er eine Abschrift des Gesetzes Moses
an. Wie viel des Gesetzes daraufgeschrieben wurde, wird nicht berichtet.
Manche nehmen an, daß nur die 10 Gebote daraufgeschrieben wurden,
während andere meinen, daß die Steininschrift mindestens den Text
von 5Mo 5-26 enthielt. Archäologen haben ähnlich beschriebene Säulen
oder Stelen im Alten Orient entdeckt, die 1,80 - 2,50 m lang sind. Die
Behistun-Inschrift im Iran ist zum Beispiel dreimal so lang wie 5.Mose. Jos 8,33-35 Drittens las Josua dem Volk das Gesetz vor. Das
halbe Volk stand an den Hängen des Berges Garizim zum Süden, die andere
Hälfte stand auf den Hängen des Berges Ebal zum Norden hin, und die
Bundeslade stand, umgeben von Priestern, im Tal dazwischen. Als die
Flüche des Gesetzes einer nach dem anderen vorgelesen wurden,
antworteten die Stämme auf dem Berg Ebal, "Amen!" Als die
Segnungen genauso vorgelesen wurden, antworteten die Stämme auf dem Berg
Garizim, "Amen!" ( 5Mo 11,29;27,12-26 ). Das große, natürliche
Amphitheater, das dort immer noch existiert, machte es möglich, daß das
Volk Israel jedes Wort verstand, und mit aller Ernsthaftigkeit bezeugte
Israel, daß das Gesetz Gottes wahrhaftig das Gesetz des Landes sein
sollte. Von diesem Augenblick an hing die Geschichte
der Juden von ihrer Stellung zum Gesetz ab, das ihnen an diesem Tage in
dieser Versammlung vorgelesen worden war. Wenn sie gehorsam waren,
folgte Segen; waren sie ungehorsam, folgte Gericht (vgl. 5Mo 28 ). Es
ist tragisch, daß die Bezeugungen dieser bedeutungsvollen Stunde so
schnell vergessen wurden. C. Der südliche Feldzug ( Jos 9-10 ) Israels Versäumnis, den Herrn um Rat zu fragen,
war eines der hauptsächlichen Gründe der Niederlage zu Ai, und die
Gebetslosigkeit seiner Führer begann eine neue Krise heraufzubeschwören. Es geschah alles gerade dann, als man es am
wenigsten erwartet hätte. Das Volk kehrte gerade nach Gilgal zum Lagern
zurück, nachdem sie an den Bergen Ebal und Garizim das Gesetz Gottes
vernommen hatten, das ihnen vorgelesen worden war. Es war eine Zeit des
geistlichen Sieges; es war aber auch die Zeit für einen raffinierten
Angriff des Satans. Wenn Gottes Leute denken, "sie hätten es geschafft",
sind sie am wenigsten gegen die Angriffe des Feindes geschützt. Über dieses Geschehen wird in den nächsten
beiden Kapiteln des Buches Josua berichtet: das Bündnis mit den
Gibeonitern ( Jos 9 ) und die Verteidigung der Gibeoniter ( Jos 10 ). 1. Das Bündnis mit den Gibeonitern ( Jos 9 ) a. Der Betrug der Gibeoniter ( 9,1-15 ) Jos 9,1-2 Israels Siege über Jericho und Ai rüttelten das
ganze Land auf, gemeinsam zu handeln. Diese Verse bereiten den Leser auf
die südlichen und nördlichen Feldzüge der Eroberung vor, die in Kapitel
10; 11 beschrieben werden. Die verängstigten Könige sind nach drei
geographischen Gegenden gruppiert: diejenigen aus dem Gebirge in
Zentralpalästina, diejenigen aus dem westlichen Hügelland (Täler oder
Tiefland) und diejenigen aus der Küstenebene, die sich nach Norden bis
zum Libanon erstreckt. Daß sie sich nicht wie geplant zu einer
Streitmacht vereinigen konnten, ist Ergebnis des Erfolges von Josuas
Strategie, einen Keil durch das Rückgrat Kanaans zu schlagen. Doch starke Konföderationen kamen im Norden und
im Süden zustande. Stammesfehden wurden zugunsten von Waffenruhen
ausgesetzt, und Todfeinde waren bereit, gegen das Invasionsheer des
Volkes Gottes gemeinsame Sache zu machen. Nicht alle Feinde Israels wollten kämpfen. Die
Gibeoniter waren davon überzeugt, daß sie Israel niemals im Kampf
besiegen könnten, also versuchten sie, Frieden zu schließen. Gibeon ,
das im Bergland, nur 10 km nordwestlich von Jerusalem und ungefähr
dieselbe Entfernung südwestlich von Ai entfernt lag, war als eine "große
Stadt" ( Jos 10,2 ) bekannt und das Haupt einer kleineren Konföderation,
die drei Nachbarstädte einschloß (vgl. Jos 9,17 ). Jos 9,4-6 Nach einer Beratung stimmten sie einem
raffinierten Plan zu, nämlich Abgesandte zu Josua zu schicken, die als
müde und erschöpfte Reisende, die von einer langen Reise kamen,
verkleidet waren. Eines Morgens kam diese seltsame Gesandtschaft im
Lager Israels in Gilgal mit alten und geflickten Weinschläuchen,
dünngelaufenen Sandalen, schmutzigen und abgetragenen Kleidern und
trockenem und vergammeltem Brot an. Als die Besucher durch die
neugierige Menge stapften, um Josua zu suchen, werden sich die
Israeliten mit Sicherheit gefragt haben, wer die Fremden waren, woher
sie kamen und was sie hier wollten. Als die Gibeoniter Josua fanden, gaben sie
unwahre Antworten. Sie sagten ihm: Wir kommen aus fernen Landen;
schließt mit uns einen Bund . Doch warum bestanden sie darauf, aus einem
fernen Land zu kommen, und warum spielten sie ein so trügerisches
Theater, mit dem sie dies "beweisen" wollten? Wahrscheinlich hatten die
Gibeoniter vom mosaischen Gesetz Kunde erhalten, das Israel erlaubte,
mit Städten, die in einer beträchtlichen Entfernung lagen, Frieden zu
schließen, jedoch von ihnen verlangte, sämtliche Städte der sieben
nahegelegenen kanaanitischen Nationen auszulöschen ( 5Mo 20,10-18; Jos
7,1-2 ). Jos 9,7 Zuerst zögerten Josua und sein Stab und waren
noch nicht ganz überzeugt. Sie sagten: Aber vielleicht wohnt ihr in
unserer Mitte . Es war richtig, daß sie auf der Hut waren, denn die
Dinge sind nicht immer so, wie sie zu sein scheinen. Böse Menschen
versuchen oft, die Gerechten auszuspielen. Die Reisenden aus Gibeon wurden Hiwiter genannt
(vgl. Jos 11,19 ); sie waren Nachkommen Kanaans, eines Sohnes von Ham
( 1Mo 10,17 ). Vielleicht waren die Hiwiter auch die Horiter (in 1Mo
36,2.20 wird Zibon ein Horiter genannt). Jos 9,8-13 Josua prüfte mit Fragen, und die Gibeoniter
erzählten ihr Märchen. Sie drangen darauf, aus großer Entfernung
gekommen zu sein, um dem mächtigen Gott der Israeliten zu huldigen und
im Frieden als Israels Diener zu leben. Sie hatten Nachricht davon
erhalten, was Gott für die Israeliten in Ägypten getan hatte
(wahrscheinlich die Plagen, die Überquerung des Roten (Schilf-) Meeres
und von Gottes Siegen über Sihon und Og [ 4Mo 21,21-25; 5Mo
2,26-3,11 ]). Interessanterweise erwähnten sie jedenfalls Israels letzte
Siege über Jericho und Ai nicht, denn, wären sie aus einem entfernten
Land gekommen, hätten sie von diesen letzten Schlachten noch nicht
gehört. Um diesen raffinierten Trick weiterzuführen, zeigten sie ihnen
ihre Beweise - vergammeltes Brot , geflickte Weinschläuche ,
abgetragene Kleider und ausgelatschte Sandalen - und der Verdacht Josuas
und der Führer verflog. Jos 9,14-15 Durch die gerissene List der Gibeoniter
unvorsichtig gemacht, schlossen die Führer der Israeliten einen
feierlichen Vertrag mit ihnen ab. Doch Josua und die Israeliten begingen
mindestens zwei Fehler. Erstens nahmen sie bei der Prüfung ihrer
Reisevorräte Dinge als Beweismittel an, die höchst fraglich waren. Wären
die Besucher echte Botschafter gewesen, die die Macht hatten, mit einer
anderen Nation einen Vertrag auszuhandeln, dann hätten sie sicherlich
viel beweiskräftigere Ausweismaterialien besessen. Es war dumm von
Josua, diese nicht zu verlangen. Der zweite und bedeutendere Grund für Israels
Versagen wird in Vers 14 beschrieben: Die Führer suchten nach keiner
Weisung von Gott. Dachte Josua etwa, daß die Beweismittel so sehr über
jeden Zweifel erhaben gewesen seien, daß sie den Rat Jahwes nicht
benötigten? Meinte er vielleicht, daß die Angelegenheit zu routinemäßig
oder unwichtig sei, um Gott damit zu "belasten"? Was der Grund auch
immer gewesen sei, es war falsch, ihrem eigenen Urteilsvermögen zu
vertrauen und ihre eigenen Pläne zu verfolgen. Dies trifft auf Gläubige
aller Zeitalter zu ( Jak 4,13-15 ). b. Die Aufdeckung der List ( 9,16-17 ) Jos 9,16-17 Nach drei Tagen stellten sie fest, daß sie
"hinters Licht geführt worden waren", denn die Gibeoniter lebten nur
ungefähr 40 km von Gilgal in Kanaan selbst und nicht in einem fernen
Land. Ein Spähtrupp stellte den Betrug fest, als er die nahe Lage
Gibeons und ihrer drei Städte entdeckte. "... die falsche Zunge besteht
nicht lange" ( Spr 12,19 ). Früher oder später werden Falschheit und
Betrug aufgedeckt. Die Wahrheit wird als Sieger hervorgehen. c. Der Ratschluss der Anführer ( 9,18-27 ) Jos 9,18-19 Wie verärgert werden die Israeliten wohl
gewesen sein, als sie entdeckten, daß sie an der Nase herumgeführt
worden waren! Tatsächlich wollte das Volk den Vertrag nicht beachten und
die Gibeoniter vernichten, doch Josua und sein Stab meinten, daß die
Hinterlist der Feinde den Vertrag nicht ungültig machen würde. Der Bund
war heilig, denn er war durch einen Schwur auf den Namen des HERRN, des
Gottes Israels , bekräftigt worden (vgl. V. 15 ). Ihn zu brechen würde
den Zorn Gottes über Israel bringen, eine Tragödie, die später unter
Davids Regierung zustande kam, als Saul dieses Gelöbnis mißachtete
(vgl. 2Sam 21,1-6 ). Jos 9,20-27 Josua und die Fürsten waren Männer mit
Charakterstärke, die zu ihrem Wort standen. Obwohl sie von dem, was
geschehen war, gekränkt wurden, wollten sie keine Schande dadurch auf
Gott und sein Volk bringen, daß sie einen heiligen Bund brechen würden.
Doch auch wenn Israel von seinem Schwur nicht zurücktreten würde, mußten
die Betrüger bestraft werden. So tadelte Josua die Gibeoniter für ihre
Unehrlichkeit und verkündete, daß sie zu immerwährender Sklaverei
verdammt seien. Diese Sklaverei sah so aus, daß sie zu Holzschnitzern
und Wasserträgern für die Israeliten wurden. Damit der Götzendienst der
Gibeoniter die Religion Israels nicht verwässerte, sollte ihre Arbeit in
Verbindung mit der Stiftshütte geschehen, wo sie der Verehrung des einen
wahren Gottes ausgesetzt waren. Also verloren die Gibeoniter die eigentliche
Sache, die sie zu erreichen suchten. Sie wollten auf jeden Fall freie
Menschen bleiben; doch letztendlich wurden sie zu Sklaven. Doch der
Fluch wurde zum Segen. Gott vollbrachte zugunsten der Gibeoniter ein
großes Wunder (vgl. Jos 10,10-14 ). Später wurde die Stiftshütte bei
Gibeon aufgestellt ( 2Chr 1,3 ); noch später halfen einige Gibeoniter
Nehemia, die Mauer Jerusalems wieder aufzubauen ( Neh 3,7 ). So groß ist
die Gnade Gottes. Er ist sogar in der Lage, einen Fluch in einen Segen
zu verwandeln. Obwohl es meist der Fall ist, daß die natürlichen Folgen
der Sünde ihren Lauf nehmen müssen, kann die Gnade Gottes nicht nur
vergeben, sondern sogar Fehler umkehren und oft aus Sünden und
Verfehlungen Segen wirken. 2. Die Verteidigung der Gibeoniter ( Jos 10 ) a. Die Ursache des Streites ( 10,1-5 ) Jos 10,1-2 Die Handlung wechselt plötzlich von Gibeon 8 km
südlich nach Jerusalem. Der dortige König Adoni-Zedek war von Panik
ergriffen, und das aus gutem Grund. Die verräterische Kapitulation der
gibeonitischen Städte vervollständigte einen Bogen, der bei Gilgal
begann und sich über Jericho und Ai zu einem Punkt erstreckte, der nur
wenige Kilometer nordwestlich von Jerusalem lag. Die Bedrohung war
offensichtlich. Jerusalems Sicherheit war in ernsthafter Gefahr. Wenn
das israelitische Heer weiterhin ohne Hindernisse vorrückte, würde
Jerusalem bald umzingelt und erobert sein. Jos 10,3-4 Darum sandte der König von Jerusalem eine
dringende Botschaft an vier andere Könige in Südkanaan, in der er die
Tatsache, daß Gibeon mit Israel Frieden geschlossen habe, als einen
verräterischen und strafbaren Akt schilderte. Dies könnte anderen
Städten den Weg ebnen, sich auf ähnliche Weise zu ergeben. Es war ein
Aufruf zum Krieg. Es mußte sofort etwas gegen Gibeon unternommen werden. Jos 10,5 Die Reaktion kam schnell. Es verstrich nur
wenig Zeit, bevor die vereinigte Kraft einer südlichen Konföderation von
fünf Königen Gibeon belagerte. Es waren die Könige der Amoriter, das
heißt des kanaanitischen Hügellandes (vgl. den Kommentar zu 1Mo
14,13-16 ). b. Der Verlauf der Streitigkeit ( 10,6-15 ) Jos 10,6 Von der sicheren Ausrottung bedroht, sandten
die Gibeoniter einen Läufer zu Josua nach Gilgal mit einer
nachdrücklichen Aufforderung zur Hilfe gegen die erdrückende Kraft, die
sie bedrohte. Doch warum sollte Josua auf diesen Hilfeschrei
von seiten desselben Volkes reagieren, das ihn betrogen hatte? Die
Israeliten könnten ja so das Zeugnis eines beschämenden Fehltritts
loswerden. Jos 10,7-8 Daß dies für Josua kein Gedanke war, wird an
seiner sofortigen Reaktion deutlich. Manche nehmen an, daß dies der
Beweis ist, daß der Bund zwischen Israel und den Abgesandten der
Gibeoniter ein wechselseitiger Verteidigungspakt gewesen war. Doch der
Bericht in der Schrift sagt das nicht. Es scheint auch widersinnig, daß
Israel sich in einem Vertrag selbst verpflichten würde, einer
"entfernten" Nation zu Hilfe zu eilen, als welche Israel die Gibeoniter
ansah, als der Vertrag abgeschlossen wurde. Der Grund für die Reaktion Josuas liegt auf dem
Gebiet der militärischen Strategie. Bisher hatte Israels Armee eine
befestigte Stadt nach der anderen angegriffen, was bestenfalls eine
lange und ausgedehnte Prozedur war, um das gesamte Land Kanaan zu
erobern. Doch nun wurde Josua gewahr, daß er hier den strategischen
Umschwung hatte, den er benötigte. Die vereinigten amoritischen Armeen
aus Südkanaan lagerten zusammen auf offenem Feld vor Gibeon. Ein
israelitischer Sieg würde den feindlichen Mächten der ganzen Region das
Genick brechen. Außerdem versicherte Gott Josua, daß er sich nicht vor
ihnen zu fürchten brauche (vgl. Jos 1,9; 8,1 ), denn Gott würde ihnen
den Sieg schenken. Nachdem er seine gesamte Streitmacht versammelt
hatte, marschierten Josua und seine Männer im Schutze der Dunkelheit die
40 km von Gilgal nach Gibeon. Es war ein ermüdender Marsch, der über
schweres Gelände bis zu einer Höhe von 1 200 m steil hinaufführte. Es
gab keine Gelegenheit der Rast. Das Heer war erschöpft und stand einem
mächtigen Feind gegenüber. Gott mußte entweder stark eingreifen, oder
alles wäre verloren. Jos 10,9-10 Durch Gottes Versprechen des Sieges motiviert,
führte Josua einen Überraschungsangriff auf die amoritischen Armeen des
Südens an, möglicherweise während es noch dunkel war. Panik erfüllte den
Feind, und nach einem kurzen Kampf, in dem viele getötet wurden, brachen
sie auseinander und flohen in wilder Bestürzung nach Westen. Ihre
Fluchtroute führte durch einen nahegelegenen Paß und das Tal von Ajalon
hinunter, während sie von den Israeliten eifrig verfolgt wurden. Dies
war nicht das letzte Mal, daß die Hochstraße, die vom zentralen
Hügelland hinunterführte, der Schauplatz einer Flucht wurde; 66 n. Chr.
floh der römische General Cestius Gallus diesen Abhang in Flucht vor den
Juden hinunter. Jos 10,11 Die Amoriter waren jedoch nicht in der Lage, zu
fliehen. Indem Gott die Naturkräfte benutzte, um für Israel zu streiten,
ließ der Herr mit tödlicher Präzision große Steine vom Himmel auf die
Feinde fallen, so daß mehr auf diese Art als durch das Schwert getötet
wurden. Dieser gesamte Abschnitt zeigt treffend das
Zusammenspiel zwischen den menschlichen und den göttlichen Möglichkeiten
auf, um einen Sieg zu erringen. Vers 7-11 wechseln ständig von Josua
(und Israel) zum Herrn. Sie alle spielten in dieser Schlacht wichtige
Rollen. Die Soldaten mußten kämpfen, doch Gott gab den Sieg. Jos 10,12 Doch der Tag der Schlacht von Bet-Horon zog
sich hin, und Josua wußte, daß die Verfolgung der Feinde lang und mühsam
sein würde. Der Militärführer hatte noch höchstens 12 Stunden Tageslicht
vor sich. Er benötigte auf jeden Fall mehr Zeit, wenn er die Erfüllung
von Gottes Versprechen erleben (V. 8 ) und die völlige Vernichtung
seiner Feinde sehen wollte. Darum trug Josua dem Herrn eine
ungewöhnliche Bitte vor: Sonne steh still zu Gibeon, und du, Mond, im
Tal Ajalon! Jos 10,13-15 Es war zur Mittagszeit, und die heiße Sonne
stand direkt über seinem Kopf, als Josua dieses Gebet sprach. Der Mond
stand am Horizont im Westen. Die Bitte wurde vom Herrn rasch
beantwortet. Josua betete vertrauensvoll, und es ergab sich daraus ein
großes Wunder. Doch der Bericht über dieses Wunder hat das
schwerwiegendste Beispiel des Konfliktes zwischen der Schrift und der
Wissenschaft geliefert, weil sich die Sonne ja bekanntlich nicht um die
Erde dreht und dadurch Tag und Nacht verursacht. Statt dessen entsteht
Licht und Dunkelheit, weil die Erde auf ihrer Achse um die Sonne kreist.
Warum sprach dann Josua die Sonne anstatt die Erde an? Ganz einfach,
weil er die Sprache des Sichtbaren benutzte; er sprach aus seiner
Perspektive und der Erscheinung der Dinge auf der Erde. Menschen handeln
immer noch genauso, selbst in wissenschaftlichen Kreisen. In Kalendern
und Zeitungen steht die Zeit des Sonnenauf- und Sonnenunterganges.
Trotzdem beschuldigt niemand sie des wissenschaftlichen Irrtums. Trotzdem muß der "lange Tag" in Jos 10 erklärt
werden. Was geschah tatsächlich an diesem seltsamen Tag? Die Antworten
sind vielfältig (eine Finsternis, Wolken über der Sonne, eine Reflektion
der Sonnenstrahlen, usw.). Doch die beste Erklärung scheint die Ansicht
zu sein, daß Gott als Antwort auf Josuas Gebet die Rotation der Erde
verlangsamte, so daß sie in 48 anstatt in 24 Stunden eine ganze
Umdrehung machte. Diese Ansicht scheint sich, sowohl in der Dichtung der
Verse 12 b- 13 a als auch in der Prosa von Vers 13 b zu bestätigen.
( Das Buch Jaschar oder Buch des Redlichen ist eine hebr. literarische
Sammlung von Liedern, die im Gedichtstil zu Ehren der Ruhmestaten der
Führer Israels geschrieben sind; vgl. Davids "Bogenlied" in 2Sam
1,17-27 .) Gott verhinderte die katastrophalen Folgen, die
natürlicherweise eingetreten wären, wie z. B. riesige Flutwellen und
umherfliegende Objekte. Ein Zeugnis davon, daß die
Rotationsgeschwindigkeit der Erde einfach langsamer wurde, findet man in
den abschließenden Worten von Jos 10,13 : Die Sonne ... beeilte sich
nicht unterzugehen fast einen ganzen Tag . Die Sonne war also auf
unnormale Weise langsam oder verspätet, um unterzugehen, das heißt, ihre
Progression von Mittag bis zur Dämmerung war spürbar langsamer, was
Josua und seinen Soldaten genügend Zeit gab, ihre siegreiche Schlacht zu
vollenden. Ein wichtiger Faktor, der nicht übersehen
werden darf, ist, daß die Sonne und der Mond Hauptgötter bei den
Kanaanitern waren. Beim Gebet des israelischen Anführers mußten Kanaans
Götter gehorchen. Diese Erniedrigung ihrer Götter muß für die Kanaaniter
schrecklich bestürzend und beängstigend gewesen sein. Das Geheimnis des
Triumphes über das Bündnis der Kanaaniter steht in dem Worte denn der
HERR stritt für Israel! Als Antwort auf das Gebet erlebte Israel das
dramatische Einschreiten Gottes zu seinen Gunsten, und der Sieg war
sicher. c. Der Höhepunkt der Schlacht ( 10,16-43 ) Jos 10,16-24 Indem er jeden Vorteil des verlängerten Tages
nutzte, setzte Josua dem Feind in hitziger Verfolgung nach. Die fünf
mächtigen Könige und ihre Armeen hatten ihre befestigten Städte
verlassen, um gegen Israel auf offenem Feld zu kämpfen. Nun war Josua
entschlossen, ihren Rückzug zurück in ihre befestigten Städte zu
verhindern. Selbst als ihm zu Ohren kam, daß die fünf Könige sich in
einer Höhle versteckt hielten, kümmerte sich Josua nicht um sie, sondern
setzte vorerst die Verfolgung der amoritischen Soldaten fort, bis er sie
alle, mit Ausnahme einiger weniger, denen die Flucht in ihre befestigten
Städte gelang, getötet hatte. Als er dann zu der bewachten Höhle
zurückkehrte, brachte er die gefangenen Könige heraus und richtete sie
hin. Doch zuerst wies Josua seine Feldhauptmänner an, ihren Fuß auf den
Nacken der Könige zu setzen, wie es bei östlichen Eroberern üblich war
und oft auf ägyptischen und assyrischen Monumenten dargestellt wird.
Dies war ein Symbol für die völlige Unterwerfung des besiegten Feindes. Jos 10,25-27 Danach gebot Josua seinen Soldaten, indem er
die gleichen Worte gebrauchte, die Gott zu ihm gesprochen hatte, sich
nicht zu fürchten oder entmutigt (vgl. Jos 1,9; Jos 8,1 ), sondern stark
und mutig zu sein (vgl. Jos 1,6-7.9 ). Der Sieg über die amoritischen
Könige war ein Vorbild für Israels zukünftige Siege in Kanaan, denn
Josua sagte: Dies ist das, was der HERR mit allen euren Feinden machen
wird, mit denen ihr noch zu kämpfen habt . Josua tötete die Könige, und
ihre Körper wurden bis zum Sonnenuntergang aufgehängt (vgl. Jos 8,29 ).
Danach wurden sie in die Höhle hineingeworfen, die mit großen Steinen
verschlossen wurde, so wie sie es schon vorher getan hatten ( Jos
10,18 ). Diese Steine wurden zu einem weiteren Denkmal für Israels
siegreichen Feldzug durch Kanaan. Jos 10,28-39 Die Niederlage der fünf Könige und ihrer Armeen
besiegelte den Untergang Südkanaans. In einer Serie von Blitzkriegen
griff Josua die Hauptmilitärzentren selbst an, um jede weitere
militärische Operation unmöglich zu machen. Zuerst nahm er Makkeda
ein (V. 28 ), dann Libna (V. 29 ), Lachisch (V. 31 ) und Eglon (V. 34 ).
Diese Städte, die sich von Norden nach Süden hart aneinanderreihten,
bewachten den Zugang zum südlichen Hochland. Jahrhunderte später
benutzten sowohl Sanherib als auch Nebukadnezar die gleiche Strategie,
als sie Juda angriffen. Josua fiel als nächstes in das Herz der
südlichen Region ein und besiegte ihre zwei befestigten
Hauptstädte, Hebron (V. 36 ) und Debir (V. 38 ). Doch Jerusalem und Jarmut, zwei der fünf
Verbündeten (V. 5 ), wurden ausgelassen. Es wird keine Erklärung dafür
gegeben, warum die Eroberung der Stadt Jarmut nicht erwähnt wird. Im
Falle von Jerusalem ist es verständlich, daß die israelitischen Truppen
zu erschöpft waren, um diese schwere Aufgabe noch zu erfüllen, als sie
zum Lager nach Gilgal zurückkehrten. Jedenfalls sollte diese einsame
"Insel" im Lande für die Stämme Juda und Benjamin noch zum Problem
werden, bis sie von David erobert wurde ( 2Sam 5,7 ). Jos 10,40-43 Der Verlauf des israelitischen Feldzuges im
Süden wird in Vers 40-41 zusammengefaßt (vgl. Jos 11,16 ). Die Region
Goschen , nicht das Goschen in Ägypten ( 1Mo 45,10;46,34; 47,1.4.6 ),
war wahrscheinlich das Gebiet um Debir in Südkanaan. Eine Stadt namens
Goschen war eine von elf Städten "im Hügelland", in dem auch Debir lag
( Jos 15,48-51 ). Vielleicht wurde die Gegend nach der Stadt benannt.
Die imponierende Folge von Siegen, die in Jos 10 beschrieben wird, wird
durch die Aussage, Josua brachte alle diese Könige und ihr Land auf
einmal in seine Gewalt, denn der HERR, der Gott Israels, stritt für
Israel , bestätigt. Mit dieser Gewißheit kehrten Josua und seine
erschöpfte Armee nach Gilgal zurück, um Vorbereitungen für die
Vollendung der Aufgabe zu treffen. D. Der nördliche Feldzug ( 11,1-15 ) Nach dem anstrengenden Militärfeldzug im Süden
war Josua nicht in der Lage, eine längere Erholungspause zu genießen,
weil er sich einer noch größeren Herausforderung ausgesetzt sah, nämlich
einer massiven Verbündung von Streitkräften im Norden. Doch er blieb
seinen Vorsätzen treu. Israels Anführer war beides, ein militärisches
Genie und eine geistliche Größe. Militärisch waren seine Taktiken
meisterhaft: (1) Seine Schlachten waren alle offensiv. Wenn er bemerkte,
daß ein Angriff zu erwarten war, kam er diesem durch einen eigenen
zuvor. (2) Er benutzte das Element der Überraschung (z. B. gegen die
fünf amoritischen Könige, die Gibeon belagerten, Jos 10,9; gegen die
zahlreichen Könige an den Wassern des Merom, Jos 11,7; und gegen Ai, als
er eine Scheinflucht arrangierte, Jos 8,14-19 ). (3) Er befahl seinen
Soldaten, den zurückziehenden Feinden nachzujagen, um sie daran zu
hindern, ihre Städte zu erreichen ( 10,19-20 ). Im geistlichen war Josua seinem Volk ein
Vorbild: Er hielt das Versprechen, das seine Späher Rahab gegeben
hatten; er blieb den betrügerischen Gibeonitern treu; er hätte seine
Machtstellung benutzen können, um sich persönlich zu bereichern, doch er
tat es nicht. Mit solch einem Führer, der bei allen
Angelegenheiten das Ruder in Israel in der Hand hielt, begann die letzte
Phase der Eroberung. 1. Das Bündnis ( 11,1-5 ) Jos 11,1-3 Die Beunruhigung der nordkanaanitischen Könige
wurde durch Josuas einschneidende Siege im Süden entfacht. Jabin, der
König von Hazor , begann einen verzweifelten Versuch, die Eroberung des
Landes durch das Heer Israels aufzuhalten. Sicherlich hätte sein Versuch
eine größere Chance gehabt, wenn er dem Bündnis Adoni-Zedeks ( Jos
10,1-3 ) beigetreten wäre und mit einem Heer aus dem Norden zu einem
Sammelpunkt mit den südlichen Armeen marschiert wäre, um Israel bei
Gibeon zu bedrängen. Doch Gott hielt Jabin von diesem Schachzug ab, und
nun reagierte er auf diese Krise mit Hast und fast schon panisch. Boten mit einem dringenden Aufruf zur
Mobilmachung wurden schnell nach Norden, Süden, Osten und Westen
ausgesandt. Dies wird dem Aufruf Sauls geähnelt haben, den dieser später
an Israel richtete, ihm nach Jabesch in Gilead zu folgen, indem er ein
Ochsengespann schlachtete und Stücke der Tiere durch Kuriere aussandte,
die riefen: "Wer nicht mit Saul und Samuel auszieht, mit dessen Rindern
soll man ebenso tun!" ( 1Sam 11,7 ). Kinneret ( Jos 11,2; vgl. Jos
13,27; 19,35; 4Mo 34,11; 5Mo 3,17; 1Kö 15,20 ) ist ein früherer Name des
Sees von Galiläa und auch der Name einer Ortschaft an der Küste dieses
Sees. "Kinneret", was Harfe bedeutet, mag sich von der harfenähnlichen
Form des Sees ableiten. Das Neue Testament bezeichnet manchmal den See
Galiläas als See Genezareth, was eine griechische Schreibweise für das
hebräische Kinneret ist (z. B. Lk 5,1 ). Jos 11,4-5 Obwohl zwischen diesen Königen des Nordens
keine großartige Zuneigung bestand, zwang sie die drohende Vernichtung
zusammenzuarbeiten, und sie trafen sich einige Kilometer nordwestlich
des Sees von Galiläa auf einem Feld nahe der Wasser von Merom . Dieses verbündete Heer war imposant. Es bestand
nicht nur aus Soldaten, die so zahlreich wie der Sand am Meer waren,
sondern auch noch aus Pferden und Kampfwagen in großer Zahl. Josephus,
ein jüdischer Historiker des ersten Jahrhunderts n. Chr., vermutete, daß
diese nördliche Konföderation aus 300 000 Infanteriesoldaten, 10 000
Kavaleriesoldaten und 20 000 Streitwagen bestand. Die Chancen standen für die Israeliten sehr
schlecht. Wie konnte Josua noch hoffen, diese Schlacht zu gewinnen? 2. Die Schlacht ( 11,6-15 ) Das riesige Heer der Kanaaniter lagerte an den
Wassern von Merom (V. 5 ). Sie hatten wahrscheinlich vor, nach der
Organisation ihrer Kampfstellungen und dem Austüfteln einer Strategie,
das Jordantal hinunterzuschwärmen und Josua bei Gilgal anzugreifen. Doch
Josua wartete nicht darauf, bis die Schlacht zu ihm käme; tatsächlich
befand er sich schon auf dem Weg nach Merom, einem Fünftagesmarsch von
seiner Heimatbasis entfernt. Während er marschierte, hatte er eine Menge
Zeit, über das riesige Heer nachzudenken, das ihn erwartete. Ohne Frage
wird er sicherlich bei den Aussichten auf die Schlacht, die sich vor
seinem geistigen Auge abspielte, gezittert haben. Jos 11,6 Dann sprach Gott. Die Zusage, die er Josua gab,
war klar und deutlich: Fürchte dich nicht vor ihnen! (vgl. Jos 1,9;
8,1 ). Denn morgen will ich sie alle vor Israel erschlagen . Dies war
genau das, was Josua brauchte, und Israels Anführer nahm Gottes
Versprechen als Wahrheit an und glaubte, daß er ihnen den Sieg über
ihren furchterregenden Feind geben werde. Gott gebot Josua sogar
speziell, ihre Pferde zu lähmen (die Fußsehnen durchzuschneiden) und
ihre Wagen zu verbrennen (vgl. Kommentar zu Jos 11,9 ). Jos 11,7-9 Die Schlacht fand in zwei Phasen statt. Am
nächsten Tag überraschte Josua den Feind, indem er ihn an den Wassern
von Merom angriff und ihn westwärts zur Küste (nach Sidon und nach
Misrefot-Majim) und ostwärts zum Tal Mizpe jagte. Indem er Gottes
Anweisung (V. 6 ) bis zum letzten I-Tüpfelchen gehorchte, tötete Josua
jeden der Feinde, verbrannte ihre Kampfwagen und lähmte ihre Pferde. Doch warum gab Gott einen so drastischen
Befehl, die Wagen zu verbrennen und die Pferde zu lähmen? Weil die
Kanaaniter Pferde zu ihrem Götzendienst gebrauchten (wie es später auch
Juda tat; vgl. 2Kö 23,11 ). Es bestand auch die Gefahr, daß Israel
diesen neuen Kampfwaffen mehr vertrauen würde als dem Herrn. Der
Psalmist David erklärte: "Jene verlassen sich auf Wagen und Rosse; wir
aber denken an den Namen des Herrn, unseres Gottes" ( Ps 20,8 ). Jos 11,10-14 In der zweiten Phase der Schlacht in Nordkanaan
kehrte Josua nach der Verfolgung des feindlichen Heeres zurück und
eroberte alle Städte der besiegten Könige. Hazor wurde, warum auch
immer, für eine Sonderbehandlung ausgelassen, möglicherweise weil es bei
weitem die größte Stadt des alten Palästina war (8094 a Fläche, man
vergleiche mit Megiddo, das 567 a und Jericho, das 324 a Fläche hatte).
Hazor, das eine strategisch äußerst wichtige Lage hatte, beherschte
mehrere Abzweigungen einer alten Hauptstraße, die von Ägypten nach
Syrien und weiter nach Assyrien und Babylon führte. Diese Lage an den
Handelsstraßen trug zum Wohlstand der Stadt bei. Hazor wurde als einzige
der nördlichen Städte eingenommen und in Brand gesteckt. Obwohl Josua
sich wohl dazu entschlossen haben wird, die anderen eroberten Städte für
den späteren israelitischen Gebrauch zu verschonen, beschloß er, an
Hazor, der Hauptstadt dieser ganzen Königreiche (Stadtstaaten), die auch
das Bündnis ihrer Heere zusammenhielt, ein Exempel zu statuieren. Wenn
Hazor nicht verschont blieb, wären die Kanaaniter gezwungen einzusehen,
daß jede Stadt niedergebrannt werden konnte, wenn Josua es wollte. Jos 11,15 Nun war ein bedeutsamer Sieg im Norden
errungen. Der Schlüssel dazu war der Gehorsam gegenüber Gott. Josua ...
ließ nicht das Geringste von allem, was der HERR Mose befohlen hatte,
unbefolgt. E. Die Aufzählung der Siege ( 11,16-12,24 ) Der Sieg im Norden brachte das formale Ende der
Eroberung. Doch bevor er davon berichtet, wie das Land unter den Stämmen
aufgeteilt wurde, hielt der Autor inne, um das Ausmaß der Siege Israels
in Kanaan noch einmal zu vergegenwärtigen und zusammenzufassen. Er fügte
auch eine geographische Beschreibung der eroberten Gebiete ( Jos
11,16-23 ) und eine Aufzählung der besiegten Könige ( Jos 12 ) bei. 1. Die eroberten Gebiete ( 11,16-23 ) Jos 11,16-17 Die Schlachten, die von Josua und seinen
Truppen geschlagen worden waren, reichten über Länder hinweg, die sich
von Grenze zu Grenze, von Süden nach Norden und von Osten nach Westen
erstreckten. Das Hügelland, der Negev, das Gebiet von Goschen, das
westliche Hügelland, die Araba und die Berge gehören zu den zentralen
und südlichen Teilen des Landes (vgl. Jos 10,40 ). "Der Negev" ist das
Wüstengebiet südwestlich des Toten Meeres und "die Araba" die Landsenke
des Jordantals im Norden und im Süden des Toten Meeres. Der Berg Halak
liegt in der südlichen Wüstenregion; Baal-Gad (genaue Lage unbekannt)
lag im hohen Norden, im Tal des Libanon, vielleicht 50 - 60 km nördlich
des Sees von Galiläa. Jos 11,18-20 Die Zeit der Eroberung dauerte lange. Die Siege
waren nicht leicht oder schnell errungen, was ja selten geschieht. Nun,
nach all diesen militärischen Konfrontationen, hatte nur eine Stadt,
Gibeon, den Frieden gesucht. Die anderen waren im Kampf genommen worden,
weil Gott ihre Herzen verhärtet hatte (vgl. den Kommentar zu 2Mo 4,21;
8,15 ), so daß sie gegen Israel kämpften und vernichtet werden sollten.
Der Tag der Gnade war für die Kanaaniter abgelaufen. Sie hatten gegen
das Licht der Offenbarung Gottes in der Natur ( Ps 19,2; Röm 1,18-20 ),
im Gewissen ( Röm 2,14-16 ) und in seinen kürzlichen Wundern am Roten
(Schilf-)Meer, am Jordan und in Jericho gesündigt. Nun verhärtete der
allmächtige Gott die Herzen dieses bekehrungsunwilligen Volkes in ihrem
sturem Unglauben, bevor er sie richtete. Jos 11,21-22 Spezielle Erwähnung finden die Anakiter , die
Riesen, die die Späher 45 Jahre zuvor so erschreckt hatten ( 4Mo
13,33; vgl. den Kommentar zu Jos 14,10 ) und von denen gesagt wurde:
"Wer kann wider die Anakiter bestehen?" ( 5Mo 9,2 ). Doch unter Josua
wurden diese angeblich unbesiegbaren Feinde völlig vernichtet. Nur ein
paar blieben in den entfernteren Städten Gaza, Gat und Aschdod übrig,
was sich später als unkluge Auslassung von seiten Josuas erwies, denn zu
Davids Zeiten kam Goliat aus Gat, um Israel und seinen Gott zu
verspotten ( 1Sam 17 ). Jos 11,23 Der Abschnitt schließt mit einer Aussage, die
das Buch Josua als Ganzes zusammenfaßt: So eroberte Josua das ganze
Land (vgl. V. 16 ). Dies gibt einen Rückblick und eine Zusammenfassung
der Geschichte der Eroberung in Kapitel 1-11 . Und er gab es Israel zum
Erbteil, einem jeden Stamm sein Teil . Diese Worte geben eine
Vorausschau und Zusammenfassung der Verteilung des Landes in Kapitel
13-22 . Doch wie soll die Aussage "Josua nahm das ganze
Land ein" verstanden werden, wenn doch später geschrieben steht, daß es
immer noch große Gebiete des Landes einzunehmen gilt ( Jos 13,1 )? Für
das hebräische Verständnis steht dieser Teil für das Ganze. Für sie
brauchte nur aufgezeigt werden, daß Josua Hauptzentren in allen Teilen
des Landes einnahm, um die Aussage machen zu dürfen, daß er das ganze
Land erobert hatte. A.J. Mattill, Jr. hat die Eroberung Kanaans
peinlich genau analysiert, indem er die geographische Einteilung des
Landes und dessen repräsentative Orte, die von Josua unterworfen wurden,
erforschte ("Representative Universalism and the Conquest of
Canaan", Concordia Theological Monthly 35. Januar 1964: 8 - 17). Darin
enthalten sind die eroberten Ortschaften an der Küstenebene, der
Schefela (Vorgebirge), das zentrale Plateau, das Jordantal und das
Transjordanplateau. Kein Gebiet wurde völlig ausgelassen. Josua nahm
tatsächlich das ganze Land ein, so wie es ihm Gott versprochen hatte,
wenn er dem göttlichen Wort mehr folgen würde als dem menschlichen
Verstand (vgl. Jos 1,8 ). Vgl. auch den Kommentar zu Jos 21,43-45 .Zur
abschließenden Aussage, dann bekam das Land Ruhe vom Krieg ( Jos 11,23 )
vgl. den Kommentar zu diesen Worten in Jos 14,15 2. Die besiegten Könige ( Jos 12 ) Das zwölfte Kapitel gibt als Zusammenfassung
der Geschichte, die in Kapitel 1 beginnt, eine detaillierte Auflistung
der Könige, die von Israel besiegt wurden. Demnach erwähnen die
vorhergehenden Kapitel nur die größeren Schlachten. Nur hier findet sich
die komplette Auflistung der besiegten Könige. Es wird nicht behauptet,
daß Israel all diese Städte besetzte. Sicherlich hatte Josua nicht
genügend Leute, um an jedem Ort eine Kontrolleinheit zu hinterlassen.
Josua erwartete von den jeweiligen Stämmen, daß sie diese Ortschaften
besetzten. Jos 12,1-6 Zuerst werden die Siege unter Mose an der
Ostseite des Jordan erwähnt. Dies waren die wichtigen Siege über Sihon
und Og. Sihon hatte über einen Landstrich geherrscht, der sich ungefähr
140 km von Süden nach Norden, von der Schlucht des Arnon etwa in der
Mitte des Meeres der Araba (auch Salzmeer und Totes Meer genannt) hinauf
zum See Kinneret (vgl. den Kommentar zu Jos 11,2 ) erstreckte. Og
herrschte über einen Landstrich, der sich von Sihons nördlicher Grenze
ungefähr 95 km nach Norden erstreckte (vgl. 4Mo 21,21-35; 5Mo
2,24-3,17 ). Dieses Gebiet war für die Stämme Ruben, Gad und den halben
Stamm Manasse bestimmt ( 4Mo 32; vgl. Jos 13,8-13 ). (Zu Geschur und
Maacha vgl. den Kommentar zu Jos 13,13 .) Jos 12,7-24 In diesem Abschnitt werden zuerst 16 Könige
Südkanaans (V. 9-16 ) und dann 15 Könige Nordkanaans (V. 17-24 )
aufgezählt. Es ist überraschend, 31.Könige in einem Land
aufgezählt zu finden, das sich höchstens 240 km von Norden nach Süden
und 80 km von Osten nach Westen erstreckt. Doch es muß daran erinnert
werden, daß diese Könige über Stadtstaaten herrschten und nur lokale
Autorität besaßen. Wenn man die Konföderation, die vom König Jerusalems
gebildet worden war, außer acht läßt, machte das Fehlen einer zentralen
Regierung in Kanaan den Israeliten ihre Aufgabe leichter, als sie es
gewesen wäre, wenn eine solche existiert hätte. Über die Bedeutung der Siege Josuas meinte ein
Schriftsteller: "Nie hat es einen größeren Krieg für eine größere Sache
gegeben. Die Schlacht von Waterloo entschied das Los Europas, doch diese
Serie von Schlachten im weitentfernten Kanaan entschied das Los der
ganzen Welt" (Henry T. Sell, Bible Study by Periods Chicago: Fleming H.
Revell Co., 1899, S. 83). III. Die Verteilung Kanaans ( Jos 13-21 ) A. Die Anteile der zweieinhalb Stämme ( Jos 13 ) Nachdem er nun die größten militärischen
Bedrohungen für das Überleben Israels in Kanaan beseitigt hatte, wurde
Josua, der alte Soldat, nun zum Administrator. Das Land, das im blutigen
Krieg errungen worden war, sollte nun den verschiedenen Stämmen
zugeteilt werden, und Josua sollte diese wichtigen Verhandlungen
überwachen. Es würde ein nicht so anstrengender und seinem hohen Alter
eher entsprechender Dienst werden. Auf viele Leute wirkt dieser Teil des Buches
Josua mit seiner detaillierten Aufzählung der Besitztümer und Städte
ermüdend. Jemand hat einmal gesagt: "Der größte Teil dieses langen
Abschnittes liest sich wie eine Besitzurkunde." Genau das ist es auch,
was in diesen langen Aufzählungen vorzufinden ist:
Eigentumsbeschreibungen (nach der damaligen Art und Weise) der Gebiete,
die den 12 Stämmen zugesprochen wurden. Besitzurkunden sind wichtige
Dokumente, deshalb sollten sie nicht als unbedeutend angesehen oder
überflogen werden. Dies war ein höchst wichtiger Zeitpunkt im
Leben dieser jungen Nation. Nach Jahrhunderten in der ägyptischen
Knechtschaft, Jahrzehnten in der kahlen Wüste und Jahren schwersten
Kampfes in Kanaan war nun die Stunde gekommen, in der die Israeliten
sich endlich niederlassen konnten, um sich ein Zuhause zu schaffen, den
Boden zu bearbeiten, Familien zu gründen und in Frieden im eigenen Land
wohnen zu dürfen. Die Tage der Landzusprechung waren eine frohe Zeit für
Israel. 1. Der göttliche Befehl, das Land aufzuteilen ( 13,1-7 ) Jos 13,1 a Gott wies Josua an, jetzt das Land westlich des
Jordans aufzuteilen, denn er war schon sehr alt . Da Josua im Alter von
110 Jahren starb ( Jos 24,29 ), war er wahrscheinlich zu der Zeit
mindestens 100 Jahre alt. Gottes Aufgabe für Josua beinhaltete nicht nur
die Eroberung des Landes, sondern auch dessen Aufteilung unter den
Stämmen (vgl. Jos 1,6 ). Deshalb mußte er sich rasch an die Bewältigung
dieser Aufgabe machen. Jos 13,1-7 (Jos 13,1b-7) Das Land, das noch in Besitz genommen werden
mußte, wird von Süden nach Norden beschrieben und beinhaltete das Land
der Philister (V. 2.3 ; vgl. den Kommentar zu den Philistern zu 1Mo
21,32 ), Phönizien ( Jos 13,4 ), das hier als das Land der
Kanaaniter bezeichnet wird, wobei aber die Einwohner des
Syro-Palästinensischen Küstenlandes gemeint sind, und Libanon (V. 5-6 ).
Dieses ganze Land sollte nun den neuneinhalb Stämmen zugeteilt werden,
da Gott ja versprochen hatte, den Feind hinauszujagen (V. 6 ). 2. Die besondere Zusage an die östlichen Stämme ( 13,8-33 ) Jos 13,8-13 Josua wurde zunächst aufgefordert, zu bezeugen
und zu bestätigen, was Mose bereits an der Ostseite des Jordans getan
hatte. Die Stämme Ruben, Gad und der halbe Stamm Manasse, die große
Viehherden besaßen, waren darauf bedacht, sich auf den reichen
Weideländern des Transjordanlandes niederzulassen. Doch erst nachdem
ihre Männer damit einverstanden waren, mit ihren Brüdern gemeinsam zu
kämpfen, um Kanaan zu gewinnen, war Mose damit einverstanden gewesen,
ihnen ihr Land zu geben ( 4Mo 32 ). In diesen Versen wird ein Überblick
über das Gebiet des Transjordanlandes gegeben ( Jos 13,9-12; vgl. Jos
12,1-5 ). Geschur und Maacha (bereits in Jos 12,5 erwähnt) waren von den
Israeliten nicht geschlagen worden, wofür kein Grund angegeben wird.
Diese Länder lagen östlich und nordöstlich des Sees Kinneret (See von
Galiläa). Jos 13,14 Der Stamm Levi erhielt kein eigenes Land, wie
es die anderen Stämme bekamen (vgl. V. 33 ; Jos 14,3-4; 18,7 ). Statt
dessen bekamen die Leviten 48 Städte mit Weideland für ihre Herden ( Jos
14,4; 21,41 ), wie Mose es bestimmt hatte ( 4Mo 35,1-5 ). Jos 13,15-32 Ruben (V. 15-23 ) erhielt das Gebiet östlich
des Toten Meeres, das früher von Moab bewohnt worden war. Der Stamm
Gad erhielt seinen Teil im Zentrum des Gebietes und das ehemalige Land
Gilead (V. 24-28 ). Der Anteil des halben Stammes
Manasse (V. 29-31 ) war das reiche Tafelland von Baschan östlich des
Sees Kinneret. Jahrhunderte bevor das Land aufgeteilt wurde,
hatte Jakob, als er im Sterben lag, Prophezeihungen ausgesprochen, die
seine Söhne betrafen. Seine Prophezeihung bezüglich Ruben war unheilvoll
(vgl. 1Mo 49,3-4; 35,22 ). Obwohl Ruben der Erstgeborene war, und er
deshalb ein Anrecht darauf hatte ( 5Mo 21,17 ), erhielten weder er noch
sein Stamm den doppelten Anteil. Nach mehr als vier Jahrhunderten ging
die Strafe für Rubens sündige Tat auf seine Nachkommen über; das
Erstgeburtsrecht wurde seinem Bruder Josef übertragen, der zwei Anteile
erhielt, einen für Ephraim, den anderen für Manasse ( 1Mo 48,12-20 ). War der Wunsch der zweieinhalb Stämme, sich im
Transjordanland niederzulassen, ein weiser Entschluß? Die Geschichte
scheint dies zu verneinen. Ihre Länder hatten keine natürlichen Grenzen
zum Osten und waren deshalb ständig den Angriffen der Moabiter,
Kanaaniter, Aramäer, Midianiter, Amalekiter und anderer Stämme
ausgesetzt. Als der König von Assyrien voll Begehren auf Kanaan blickte,
waren Ruben, Gad und der halbe Stamm Manasse die ersten, die von den
assyrischen Armeen in die Gefangenschaft verschleppt wurden ( 1Chr
5,26 ). Jos 13,33 Im Kontrast zum reichen, wenn auch gefährlichen
Erbteil dieser Stämme wird zweimal in diesem Kapitel (V. 14.33 ) und
später zweimal ( Jos 14,3-4; 18,7 ) betont, daß der Stamm Levi kein
Erbteil von Mose erhielt. Auf den ersten Blick mag dies verwirrend
klingen, doch wenn man bedenkt, daß der Stamm Levi statt Landbesitz die
Opfergaben ( Jos 13,14 ), die Priesterschaft ( Jos 18,7 ) und den Herrn
selbst ( Jos 13,33 ) zugeteilt bekam, muß man fragen: Wer hätte sich ein
größeres Erbteil erträumen können? Die zweieinhalb Stämme wählten nach dem
Augenschein, wie es Lot getan hatte (vgl. 1Mo 13,10-11 ), und ihr
Erbteil ging für sie letztendlich verloren. Demgegenüber bekamen die
Leviten, denen kein Anteil zustand, ein Erbe von bleibendem geistlichen
Wert. B. Der Anteil für Kaleb ( Jos 14 ) 1. Einleitung ( 14,1-5 ) Jos 14,1-5 Nachdem die Auflistung der Zuteilungen durch
Mose im Transjordanland beendet ist, kehrt der Bericht zu der Verteilung
des Landes in Kanaan an die verbleibenden neuneinhalb Stämme zurück. Die
Erklärungen betreffend der Zuteilungen der Rubeniter, der Gaditer, des
halben Stammes Manasse und der Vorkehrungen für den Stamm Levi werden
wiederholt (vgl. Jos 13,14.33; 18,7 ). Auch die Methode, mit der die
Verteilung Kanaans stattfinden sollte, war vorgeschrieben: Das Land
sollte durch das Los zugeteilt werden ( Jos 14,2; 18,8; 19,51 ). Der
Herr hatte Mose angewiesen, daß jeder Stamm einen seiner Zahl
entsprechenden Anteil erhalten, dessen Lage durch das Los entschieden
werden sollte ( 4Mo 26,54-56 ). Nach der jüdischen Tradition wurde der
Name eines Stammes aus einer Urne und gleichzeitig die Grenzlinien eines
Gebietes aus einer anderen gezogen. Mit dieser Methode wurden die
Erbteile der Stämme festgesetzt. Doch es war kein blinder Zufall, der
die Lage des Stammesgebietes festsetzte, denn Gott leitete die ganze
Prozedur (vgl. Spr 16,33 ). Die Ungleichheiten, die es bei der Zuteilung
gab und die einige Spannungen und Eifersüchteleien unter den Stämmen
hervorriefen, hätten eigentlich als Teil von Gottes Vorsehung angenommen
werden sollen, und nicht als etwas Willkürliches und Unfaires. 2. Kaleb in Kadesch-Barnea ( 14,6-9 ) Jos 14,6-9 Die Zeit, in der das Los gezogen werden sollte,
war gekommen, und der Stamm Juda, der den ersten Anteil erhielt,
versammelte sich in Gilgal. Bevor das Los gezogen wurde, schritt Kaleb ,
ein bedeutender alter Mann in Israel, nach vorn, um Josua an ein
Versprechen zu erinnern, das der Herr ihm 45 Jahre zuvor gegeben hatte:
"Ihm und seinen Nachkommen will ich das Land geben, das er betreten hat,
weil er dem Herrn treu gefolgt ist" ( 5Mo 1,36 ). Kalebs Leben ging
seinem Ende zu, und er mußte sich entscheiden. Was wollte er noch am
liebsten? In einer bemerkenswerten Ansprache an Josua gab er noch einmal
einen Rückblick auf sein Leben und brachte seinen Wunsch vor. Seine
kurze Autobiographie beleuchtete noch einmal Geschehnisse bei
Kadesch-Barnea während der Wüstenwanderung und der Eroberung. Kaleb wird in diesem Abschnitt als Sohn des
Jefunnes, der Kenasiter vorgestellt. Nach 1Mo 15,19 waren die Kenasiter
ein Stamm Kanaans zu Abrahams Zeiten. Kalebs Familie gehörte also
eigentlich nicht zum Bund und Gemeinwesen der Israeliten, genauso wie
Heber, der Keniter ( Ri 4,17 ), Rut, die Moabiterin ( Rt 1,1-5 ), Uria,
der Hetiter ( 2Sam 11,3.6.24 ) und einige andere. Wahrscheinlich schloß
sich ein Teil der Kenasiter vor dem Auszug dem Stamm Juda an. Also war
ihr Glaube nicht traditionell vererbt, sondern die Frucht der
Überzeugung. Kaleb spiegelte diesen Glauben während seines ganzen,
langen Lebens wieder. Als er vor General Josua, seinem alten Freund
und Späherkameraden ( 4Mo 14,6 ), stand, erzählte der 85 Jahre alte
Kaleb ( Jos 14,10 ) die Geschichte jenes Tages vor 45 Jahren (V. 10 ),
der niemals vergessen werden sollte, als sie beide allein gegen die
anderen 10 Späher und die feige Masse standen. Mose hatte 12 Späher nach
Kanaan ausgesandt ( 4Mo 13,2 ). Zwei von ihnen waren Kaleb und Josua
( 4Mo 13,6.8 ). Als die Späher zurückkehrten, priesen 10 von ihnen das
Land selbst, behaupteten aber, daß Israel es nicht erobern könnte ( 4Mo
13,27-29.31-33 ). Kaleb jedoch wagte es, anderer Meinung zu sein ( 4Mo
13,30 ), und als die Angst des Volkes drohte, eine nationale Rebellion
anzuzetteln, stand Josua seinem Kameraden bei, das Volk dazu
aufzufordern, wegen des Sieges auf Gott zu vertrauen ( 4Mo 14,6-9 ).
Weil Kaleb sich gegen die ungläubigen Späher und Leute stellte, hob ihn
Gott heraus, um ihn zu segnen und versprach ihm eine besondere Belohnung
( 4Mo 14,24; 5Mo 1,36 ). Kalebs Zeugnis ( Jos 14,6-12 ) war einfach. Er
hatte an diesem bemerkenswerten Tag gemäß seiner Überzeugung gesprochen.
Er stellte die Probleme nicht als geringfügig dar, doch er hob Gott
hervor. Für ihn war Gott größer als das größte Problem. Kaleb vertraute
auf die Kraft Gottes . Nicht so die Späher. Sie hoben die Probleme
hervor und stellten dadurch Gott als gering dar. Doch Kaleb wollte sich
der Menge nicht anschließen. Er war niemals dazu bereit, seine eigenen
Überzeugungen aufzugeben, um dem Bericht der Mehrheit Einstimmigkeit zu
verleihen. Statt dessen folgte er dem HERRN, seinem Gott, von ganzem
Herzen (vgl. V. 14 ). 3. Kaleb während der Wüstenwanderung und der
Eroberung ( 14,10-11 ) Jos 14,10 Kaleb führte die autobiographische Geschichte
weiter fort, indem er über Gottes Treue ihm gegenüber über viele Jahre
hinweg sprach. Zuerst bezeugte er, daß Gott ihn in den vergangenen 45
Jahren am Leben erhalten habe , wie er es versprochen hatte. Also war
Kaleb der Empfänger zweier göttlicher Versprechen: erstens, daß sein
Leben verlängert werden würde, und zweitens, daß er eines Tages das
Gebiet nahe bei Hebron erhalten würde, das er so tapfer erkundschaftet
hatte. Doch 45 Jahre sind eine lange Zeit, um auf die Einhaltung eines
Versprechens zu warten, eine lange Zeit, um das Vertrauen auf ein
Versprechen wachzuhalten. Trotzdem wartete Kaleb während der harten
Jahre der Wüstenwanderung und der Jahre des Gehorsams während der
Eroberung. Kaleb hatte großes Vertrauen auf die Versprechen Gottes . Sie
hielten ihn während seiner schweren Zeiten aufrecht. Kalebs Angaben geben Auskunft über die Dauer
der Eroberung Kanaans durch die Israeliten. Kaleb sagte (V. 7 ), daß er
40 Jahre alt gewesen sei, als er als Späher in das Land kam. Die
Wüstenwanderung dauerte 38 Jahre, was sein Alter am Anfang der Eroberung
auf 78 Jahre bringt. Kaleb sagte dann, daß er am Ende der Eroberung 85
Jahre alt gewesen sei. Also dauerte die Eroberung 7 Jahre. Dies wird
durch Kalebs Angabe bestätigt (V. 10 ), daß Gottes Gnade seit
Kadesch-Barnea 45 Jahre lang angehalten habe (38 Jahre Wüstenwanderung
plus 7 Jahre der Eroberung). Jos 14,11 Interessanterweise sagte Kaleb in seinen
Achtzigern, daß er sich mit 85 Jahren genauso stark und lebhaft fühle
wie mit 40! 4. Kaleb bei Hebron ( 14,12-15 ) Jos 14,12-14 Kaleb beendete seine Ansprache an Josua mit
einem höchst erstaunlichen Wunsch. Im Alter von 85 Jahren, in dem er
sich eigentlich ein ruhiges Plätzchen hätte wünschen sollen, wo er seine
letzten Tage verbringen und Blumen und Gemüse ziehen könnte, wollte er
statt dessen dasselbe Gebiet haben, das die Herzen der 10 Späher mit
Angst erfüllt hatte. Dies war das Erbteil, das er sich als Erfüllung von
Gottes früherem Versprechen wünschte. Obwohl die meisten älteren Leute
eher dazu neigen, über alte Kämpfe zu reden, als neue zu kämpfen, war
Kaleb zu einem weiteren guten Kampf bereit. Er war darauf bedacht,
die Anakiter bei Hebron zu bekämpfen und die Stadt einzunehmen. Kaleb
wählte eine große und schwere Aufgabe. Nicht, daß er mit Stolz über sein
eigenes Können erfüllt war. Sondern er glaubte, daß Gott mit ihm sein
würde. Kaleb hatte Vertrauen in die Gegenwart Gottes . Mit funkelnden Augen und lauter Stimme sagte er
endlich: Vielleicht ist der HERR mit mir , so daß ich sie nach der
Verheißung des Herrn aus ihrem Lande vertreiben kann. Und er vertrieb
sie, wie Josua später berichtet ( Jos 15,13-19 ). Josua gab eine
zweifache Antwort auf Kalebs Wunsch: (a) Er segnete Kaleb, das heißt, er
sonderte ihn ab, damit Gott ihn ermächtige, seine Aufgabe erfolgreich zu
vollenden, und (b) er gab ihm Hebron, eine Aussage, die bestätigt, daß
diese Landzusprechung eine gültige Abmachung war. Jos 14,15 Ein geschichtlicher Zusatz, der Kirjat-Arba ,
den früheren Namen Hebrons, erläutert, beendet diese Geschichte. Arba
war ein Riese unter den Anakitern, einem Volk von Riesen, eine Tatsache,
die den heldenhaften Glauben Kalebs noch mehr zum Ausdruck bringt. Das
abschließende Wort und das Land kam zur Ruhe vom Kampf (vgl. Jos
11,23 für denselben Ausdruck am Ende der Eroberung selbst), zeigt auf,
was der Glaube in den Herrn in bezug auf das Land, das noch eingenommen
werden mußte, erreichen kann. C. Die Anteile der neuneinhalb Stämme ( 15,1-19,48 ) 1. Der Anteil für den Stamm Juda ( Jos 15 ) Jos 15,1-12 Nachdem er Kaleb seinen Wunsch erfüllt hatte,
kehrte Josua zum Werk der Aufteilung des Landes westlich des Jordans
unter die neuneinhalb Stämme (vgl. die Karte) zurück. Juda war der
erste, der ein Erbteil erhalten sollte, und als größter Stamm stand ihm
auch ein Anteil zu, der größer war als der Anteil der anderen Stämme.
Jakobs Prophezeiung bezüglich Juda und dessen Samen erfüllte sich auf
bemerkenswerte Art und Weise bei der Landzuteilung nach der Eroberung.
Erstens war Juda von Feinden umgeben ( 1Mo 49,8-9 ). Die Moabiter lagen
östlich, die Edomiter im Süden, die Amalekiter im Südwesten und die
Philister im Westen. So von gefährlichen Feinden umgeben, würde Juda
starke Führer wie David brauchen, um zu überleben. Zweitens hatte der
Landanteil, den Juda zugesprochen bekam, eine ideale Lage für den
Weinanbau ( 1Mo 49,11-12 ). Es war in einem Tal Judas (dem Tal Eschkol)
gewesen, wo die Kundschafter die riesige Weinrebe abgeschnitten hatten
( 4Mo 13,24 ). Drittens war Juda der Stamm, aus dem der Messias kommen
sollte ( 1Mo 49,10; Mt 1,1-3; Lk 3,23.33 ). Judas südliche Grenze ( Jos 15,2-4 ) reichte
von der südlichen Spitze des Toten Meeres nach Westen bis zum Bach
Ägyptens (Wadi el-Arish). Die nördliche Grenze erstreckte sich von der
Nordspitze des Toten Meeres westlich zum Großen Meer, dem Mittelmeer
(V. 5-12 ). Diese beiden Gewässer waren die Ost- und Westgrenze. Die
Gegend, die hauptsächlich aus dem Gebiet bestand, das von Josua bei
seinem südlichen Feldzug erobert worden war, bestand aus einigen
fruchtbaren Landflächen, doch große Teile waren felsig und trocken. Jos 15,13-19 In Judas Landbesitz lag auch Hebron
(Kirjat-Arba; vgl. Jos 14,15 ), das Kaleb zugesprochen worden war. Der
Bericht beschreibt, wie dieser tapfere Kämpfer seinen Besitz errang und
(nach Josuas Tod) mit Hilfe seines tapferen Neffen OtniÙl , der sein
Schwiegersohn (vgl. Ri 1,10-15.20 ) war und später Richter wurde ( Ri
3,9-11 ), ausdehnte. Jos 15,20-63 Als nächstes werden die Städte Judas nach ihrer
Lage in den vier geographischen Hauptgebieten des Stammes aufgezählt: 29
Städte mit ihren Dörfern im Südland oder Negev (V. 21-32 ); 42 Städte
mit Dörfern im westlichen Vorgebirge oder Schefela (V. 33-47 ); 38
Städte mit Dörfern im zentralen Hügelland (V. 48-60 ); 6 Städte mit
Dörfern in der spärlich bevölkerten Wüste Judas, die sich zum Toten Meer
hinunter erstreckt (V. 61-62 ). Die Anzahl der Städte wird mit 29 angegeben
(V. 32 ), doch 36 werden aufgezählt (V. 21-32 ). Dies ist dadurch zu
erklären, daß sieben davon später dem Stamm Simeon übergeben wurden:
Molada, Hazar-Schual, Beerscheba, Ezem, Eltolad, Horma und Ziklag ( Jos
19,1-7 ). Juda besaß gut 100 Städte und scheint sie, mit der bedeutenden
Ausnahme von Jerusalem, mit wenig oder überhaupt keinen Schwierigkeiten
besetzt zu haben. Juda konnte die Jebusiter, die Jerusalem bewohnten,
nicht vertreiben ( Jos 15,63 ). Lag es daran, daß die Männer Judas
"nicht konnten", oder daran, daß sie "nicht sollten"? Lag der Fehler an
einem Mangel an Stärke oder an einem Mangel an Glauben? Das Verzeichnis
von Judas Besitztum endet mit einer verhängnisvollen Aussage. 2. Die Anteile für die Stämme Josefs ( Jos 16-17 ) a. Das Gebiet Ephraims ( Jos 16 ) Jos 16,1-3 Das starke Haus Josefs, das aus den Stämmen
Ephraim und Manasse bestand, besetzte das reiche Gebiet Zentralkanaans.
Weil Josef während der Hungersnot die ganze Familie in Ägypten am Leben
erhielt, bestimmte der Patriarch Jakob, daß Josefs beide Söhne Ephraim
und Manasse, zusammen mit ihren Onkeln, zu Stammesgründern werden
sollten (vgl. 1Mo 48,5 ). Ihr Gebiet in Kanaan war in vielerlei Hinsicht
das schönste und fruchtbarste. Jos 16,4-10 Das Erbteil Ephraims lag an der Nordgrenze des
Gebietes, das Dan und Benjamin zugesprochen bekommen sollten, und
erstreckte sich vom Jordan bis zum Mittelmeer und beinhaltete einige von
Josuas Schlachtfeldern sowie Silo, wo die Stiftshütte für ungefähr 300
Jahre verbleiben sollte. Um die Einheit zu festigen, lagen einige der
Städte Ephraims im Gebiet Manasses (V. 9 ). Doch die Männer Ephraims, wie auch die von
Juda, jagten die Kanaaniter nicht vollständig aus ihrem Gebiet hinaus.
Vom materialistischen Sinn getrieben, entschlossen sie sich, die
Kanaaniter in Geser unter Tributpflicht zu stellen und dadurch
zusätzlichen Reichtum zu erlangen. Dies erwies sich als fataler Fehler,
als nämlich in späteren Jahrhunderten, zur Zeit der Richter, dieses
Arrangement umgekehrt wurde, nachdem die Kanaaniter sich aufgebäumt und
die Israeliten versklavt hatten. Zusätzlich zur historischen Erfahrung
liegt hier ein geistliches Prinzip vor. Es ist für einen Gläubigen allzu
einfach, eine Lieblingssünde zu entschuldigen, um eines Tages
aufzuwachen und zu bemerken, daß sie so gewachsen ist, daß sie ihn
beherrscht und zur geistlichen Niederlage führt. Das Spielen mit der
Sünde führt zu schweren Konsequenzen. b. Das Gebiet Manasses ( 17,1-13 ) Jos 17,1-2.7-10 Die Nachkommen Machirs, dem Erstgeborenen
Manasses, siedelten sich in Transjordanien an (V. 1-2 ). Die übrigen
Nachkommen siedelten in Kanaan selbst und erhielten das Gebiet nördlich
von Ephraim, das sich auch vom Jordan bis zum Mittelmeer ausdehnte
(V. 7-10 ). Jos 17,3-6 Spezielle Erwähnung finden die fünf Töchter
Zelofhads , eines Ururenkels von Manasse. Weil ihr Vater ohne Söhne
gestorben war, sollten sie das Erbteil erhalten (vgl. 4Mo 27,1-11 ), wie
der HERR es in diesem und in anderen solchen Fällen bestimmt hatte. Sie
gingen jetzt zum Priester Eleasar (Aarons Sohn, Jos 24,33 ), der mit
Josua und den Stammesfürsten zusammen die Stammeszuteilungen
beaufsichtigte (vgl. 19, 51). Diese fünf Frauen begehrten und erhielten
ihren Anteil im Gebiet Manasses. Dieser Vorfall ist sehr bedeutend, denn
er zeigt die Sorge um das Recht der Frauen in einer Zeit auf, in der die
meisten Gesellschaften sie nur als bewegliches Eigentum ansahen. Jos 17,11-13 Mehrere Städte, die in den Stammesgebieten
Issachars und Assers lagen, wurden Manasse gegeben. Dies waren die
Kanaaniterfestungen Bet-Schean, Jibleam Dor, En-Dor, Taanach und
Megiddo. (Dor, die dritte in der Liste, war auch als Nafot bekannt.)
Wahrscheinlich wurde es aus militärischen Gründen als notwendig
angesehen, daß diese Städte von einem starken Stamm besetzt würden. Die
Entscheidung wirkte sich jedenfalls für die Söhne Manasses nachteilig
aus, weil sie wie auch die Ephraimiter Tribut statt den Sieg wählten. c. Die Beschwerde Ephraims und Manasses ( 17,14-18 ) Jos 17,14-15 Die Nachkommen Josefs drückten eine freche
Beschwerde vor Josua aus, nämlich, daß ihr Erbteil hinsichtlich ihrer
großen Bevölkerung zu klein sei. Josua bedeutete ihnen mit Taktgefühl
und Entschlossenheit, die Bäume zu roden und in das bewaldete Bergland
zu ziehen (V. 15 ). Er nahm an, daß sie ihre Kräfte vereinen würden, um
die Kanaaniter hinauszutreiben (V. 18 ). Jos 17,16-18 Doch dies war nicht das, was sie hören wollten.
Sie bestanden darauf, daß das Bergland nicht für sie ausreichte, und daß
die Kanaaniter in ihrer Region eiserne Wagen, wahrscheinlich hölzerne
Kampfwagen, die mit Eisen überzogen waren, besaßen. Wieder erinnerte
Josua seine eigenen Stammesleute daran, daß sie sehr zahlreich und stark
und sicherlich in der Lage waren, die feindlichen Kanaaniter
hinauszujagen. Während eine gewisse Ähnlichkeit zwischen diesem
Abschnitt und dem, der Kalebs Wunsch beschreibt ( Jos 14,6-15 ),
besteht, waren ihre Auffassungen völlig verschieden. Kalebs Begehren war
vom Glauben gelenkt, während das der Josefiter der Angst entstammte. Der
Sinn dieser Episode mag sicherlich darin liegen, die Israeliten darauf
hinzuweisen, daß die Stämme im mutigen Glauben wandeln mußten, wenn sie
das verheißene Land ganz besitzen wollten. 3. Die Anteile für die übrigen Stämme ( 18,1-19,48 ) a. Einleitung ( 18,1-10 ) Jos 18,1-3 Bevor die letzten Zuteilungen des Landes
gemacht wurden, zogen die Israeliten zusammen von Gilgal nach Silo, das
ungefähr 32 km nordwestlich vom Jordantal zum Hügelland hin lag. Warum?
Wahrscheinlich weil Silo, das in der Mitte des Landes lag, ein günstiger
Ort war, an dem die Stiftshütte ( das Zelt der Zusammenkunft ) das Volk
daran erinnern konnte, daß der Schlüssel zum Wohlstand und Segen des
Landes in der Verehrung und im Dienst Jahwes lag. Die Unzufriedenheit
der Söhne Josefs mit ihrem Erbteil ( Jos 17,14-18 ) war ein
verhängnisvoller Schatten der zukünftigen Zersplitterung des Volkes
wegen seiner Selbstsucht. Um dieser Neigung entgegenzuwirken wurde die
Stiftshütte in Silo aufgerichtet, im Sinn der Herstellung der nationalen
Einheit. Später, als die Israeliten damit beschäftigt
waren, die Stiftshütte aufzurichten und die neue Anbetungsstätte
einzuweihen, bemerkte Josua, daß sie von einer gewissen Kriegsangst
befallen waren. Sie waren vom Kampf um die Eroberung Kanaans erschöpft.
Deshalb hielt er mitten in der Austeilung der Stammeserbteile inne.
Sieben hatten immer noch kein Zuhause und begnügten sich anscheinend
damit, eine nomadenhafte und sinnlose Existenz weiterzuführen, wie sie
sie bereits in der Wüste erfahren hatten. Ihre Teilnahmslosigkeit
berührte Josua, der Schritte unternahm, um sie in Aktion zu bringen. Er
wies sie scharf zurecht: Wie lange seid ihr noch zu nachlässig, um
hinzugehen und das Land, das euch der HERR, der Gott eurer Väter,
gegeben hat, einzunehmen? Wahrscheinlich sollten die Stämme Dinge
unternehmen, die die Gebietszuweisungen betrafen. Josua sah
wahrscheinlich jeden vergehenden Tag als einen Tag an, der für die
Durchführung der völligen Besetzung des Landes verloren war, einen Tag,
an dem der Feind wiederkehren oder sich stark verschanzen könnte. Jos 18,4-7 Josua war für das Handeln, doch nicht bevor
behutsam Vorkehrungsmaßnahmen getroffen worden waren. Nachdem er die
Einsetzung einer Kommission von 21 Männern, 3 aus jedem der sieben noch
unbestimmten Stämme, geleitet hatte, sandte er diese aus, damit sie eine
topografische Erforschung des verbleibenden Landes durchführten. Wie
lange diese komplexe Aufgabe dauerte, wird nicht vermerkt, doch es war
offensichtlich eine Arbeit, die Zeit und Geschicklichkeit verlangte.
Josephus schreibt, daß diese Männer Experten in Geometrie waren.
Möglicherweise hatten ihre Eltern in Ägypten die Wissenschaft der
Länderforschung ausgeübt. Wer von ihnen hätte es gewagt, davon zu
träumen, daß ihre Kinder einmal dieses Wissen im verheißenen Land so
strategisch anwenden würden? Jos 18,8-10 Nachdem sie ihre Gutachten auf eine
Schriftrolle geschrieben hatten, kehrten die Forscher nach Silo zurück,
wo Josua zurückgeblieben war, um Lose zu ziehen (vgl. den Kommentar
zu Jos 14,1-5; vgl. Jos 19,51 ), um die Anteile festzulegen, die den
verbleibenden sieben Stämmen zugeteilt werden sollten. b. Das Gebiet Benjamins ( 18,11-28 ) Jos 18,11-28 Benjamin wurde das Land zwischen Juda und
Josef, ein Hinweis auf Ephraim, zugeteilt, wodurch die anfängliche
Rivalität zwischen diesen führenden Stämmen verringert wurde. Obgleich
ihr Gebiet von Bergen und Schluchten bedeckt war und sich von Osten nach
Westen nur 40 km und von Norden nach Süden an der breitesten Linie nur
24 km ausdehnte, beinhaltete es viele Städte, die in der biblischen
Geschichte wichtig wurden - Jericho ... Bethel ... Gibeon, Rama ...
Mizpe und die Jebusiterstadt ... Jerusalem (V. 21-28 ). Also lag der
Platz des zukünftigen Tempels in Jerusalem im Stamm Benjamin, eine
Erfüllung von Moses Prophezeiung ( 5Mo 33,12 ). c. Das Gebiet Simeons ( 19,1-9 ) Jos 19,1-9 Weil Juda mehr Land bekam, als es brauchte
(V. 9 ) und als Erfüllung von Jakobs Prophezeiung (vgl. 1Mo 49,5-7 ),
bekam Simeon ein Gebiet im südlichen Teil des Stammesgebietes Judas mit
17 Städten und ihren Orten. Doch es dauerte nicht lange, bis Simeon
seine Individualität als Stamm verlor. Sein Gebiet wurde nach und nach
in das Gebiet von Juda einbezogen, und viele Bewohner zogen nach Norden
zu Ephraim und Manasse (vgl. 2Chr 15,9; 34,6 ). Dies ist auch die
Erklärung dafür, daß, als das Königreich nach Salomo geteilt wurde, im
Norden 10 und im Süden nur zwei Stämme waren (Juda und Benjamin). d. Das Gebiet Sebulons ( 19,10-16 ) Jos 19,10-16 Nach Jakobs Prophezeiung sollte Sebulon "am
Gestade des Meeres und am Gestade der Schiffe" wohnen ( 1Mo 49,13 ). Er
bekam ein Gebiet im unteren Galiläa, das viele als ein vom Land
eingeschlossenes Gebiet ansehen. Es wäre aber denkbar, daß ein schmaler
Landstrich zum Mittelmeer reichte und eine Enklave im Gebiet Issachars
bildete. Seltsamerweise wird die Stadt Nazareth, die sich im
Stammesgebiet Sebulons befand, nicht erwähnt. (Das Bethlehem , das
in Jos 19,15 erwähnt wird, ist nicht das Dorf Bethlehem in Juda [ Mi
5,1 ], in dem Jesus geboren wurde.) e. Das Gebiet Issachars ( 19,17-23 ) Jos 19,17-23 Issachar, dem das Gebiet östlich von Sebulon
und südlich des Sees von Galiläa zugeteilt wurde, besaß das fruchtbare
und schöne Tal Jesreel, das auch als Schlachtfeld bekannt ist. Bis zur
Zeit Davids verblieben seine Bewohner jedoch im Gebirge, am Ostende des
Tals. f. Das Gebiet Assers ( 19,24-31 ) Jos 19,24-31 Asser erhielt die Ländereien an der
Mittelmeerküste, vom Berg Karmel nördlich bis Sidon und Tyrus. Durch
seine gefährliche Lage sollte es Israel vor Feinden an der Nordküste
schützen, z. B. vor den Phöniziern. Zu Davids Zeit war Asser in
Unbedeutsamkeit verfallen, obwohl seine Stammesidentität nicht
verlorengegangen war. Hanna, die Prophetin, die zusammen mit Simeon
ihren Dank für die Geburt Jesu darbrachte, war vom Stamme Asser (vgl. Lk
2,36-38 ). g. Das Gebiet Naftalis ( 19,32-39 ) Jos 19,32-39 Naftali, das im Osten an Assers Gebiet
angrenzte, hatte den Jordan und den See von Galiläa als Ostgrenze.
Während es zur Zeit des AT als Gebiet nicht so bedeutend war, besaß
Naftali zur Zeit des Neuen Testaments sehr wichtige Schauplätze, weil
der Dienst Jesu Christi sich dort konzentrierte. Der Prophet Jesaja
vergleicht Naftalis frühe Schwermut (wegen des assyrischen Einfalls) mit
dem Ruhm, der dort stattfand, als Christus kam (vgl. Jes 8,23-9,1; Mt
4,13-17 ). h. Das Gebiet Dans ( 19,40-48 ) Jos 19,40-48 Der am wenigsten attraktive Anteil fiel an Dan.
Weil er im Norden und Osten von Ephraim und Benjamin und im Süden von
Juda umgeben war, werden seine Grenzen nicht beschrieben, da sie ja mit
denen der anderen Stämme zusammenfielen. Nur Städte werden genannt,
deren Anzahl 17 betrug. Nicht nur, weil das eigentliche Gebiet zu klein
war, sondern auch nachdem ein Teil des Gebietes Dan an die Amoriter
verloren ging ( Ri 1,34 ), zog der größte Teil des Stammes weit nach
Norden und eroberte und bewohnte die Stadt Leschem (Laisch), gegenüber
des nördlichen Teils von Naftali, und nannte es Dan (vgl. Ri 18; 1Mo
49,17 ). So sorgte Gott für den Bedarf eines jeden
Stammes, obgleich in manchen Fällen Teile ihres Gebietes noch in den
Händen der Feinde waren. Die Israeliten sollten das Land durch Glauben
erringen und darauf vertrauen, daß Gott sie dazu befähigen würde, ihre
Feinde zu schlagen. Jahrhunderte später erstand Jeremia ein Feld, das
von der eingefallenen babylonischen Armee besetzt war ( Jer 32 ). Und
wiederum Jahrhunderte danach schaffte es ein römischer Bürger, einen
Platz zu kaufen, auf dem die Gegner Roms lagerten. Israel sollte seinen
Stammesbesitz ähnlich durch Glauben erlangen. Dies zu unterlassen würde
bedeuten, in Armut und Schwachheit zu leben, Umstände, die Gott seinem
Volk nicht wünschte. D. Die Städte für Josua, die Freistädte und die
Städte der Leviten ( 19,49-21,45 ) 1. Die besondere Zuteilung für Josua ( 19,49-51 ) Jos 19,49 Während Kalebs Erbteil zuerst festgelegt worden
war ( Jos 14,6-15 ), wurde Josuas Erbteil als letztes festgelegt. Erst
als alle Stämme ihren Anteil erhalten hatten, fragte Josua nach seinem
eigenen. Was für ein selbstloses Wesen besaß er, und wie sehr
unterscheidet sich sein Verhalten von dem vieler politischer Führer, die
ihre Positionen und ihren Einfluß dazu benutzen, um sich und ihre
Familie zu bereichern. Jos 19,50-51 Josuas Landwahl zeigt weiterhin seine Demut. Er
wünschte sich Timnat-Serach , eine Stadt im wilden, unfruchtbaren und
felsigen Gebiet seines eigenen Stammes ( Ephraim ), obwohl er ein
Landstück im edelsten und ergiebigsten Gebiet Kanaans hätte haben
können. Unter der größten Hochachtung gegenüber seiner göttlichen
Führerschaft gewährten die Söhne Israels Josua seinen bescheidenen
Wunsch, und er baute die Stadt auf und ließ sich dort nieder . Als eine
der letzten Erscheinungen dieses treuen Führers sieht man Josua als
Erbauer (zusätzlich zu seinem Dienst als General und Administrator).
Diese Kombination ist unter Gottes Dienern selten. Alle Stämme erhielten ihr Gebiet ... durch das
Los (vgl. den Kommentar zu Jos 14,1-5 ). 2. Die Bestimmung von Freistädten ( Jos 20 ) Eine der ersten Anordnungen nach der Erklärung
der Zehn Gebote beinhaltete die zukünftige Festsetzung von Freistädten
( 2Mo 21,12-13 ). Diese Städte, die als Unterschlupf für unabsichtliche
Totschläger dienen sollten, werden in 4Mo 35,6-34 und 5Mo
19,1-13 genauer behandelt. Jos 20 behandelt ihre Festsetzung nach der
Eroberung (vgl. ihre Lage auf der Karte "Kanaan zur Zeit der Eroberung"
zu Jos 3 ). Die Tatsache, daß diese Städte in vier Büchern
des AT behandelt werden, kennzeichnet ihre Bedeutung. Es liegt nahe, daß
Gott Israel damit die Heiligkeit des menschlichen Lebens einprägen
wollte. Dem Leben einer Person ein Ende zu setzen, selbst wenn es
ungewollt geschieht, ist eine ernste Sache, und die Freistädte betonten
dies auf deutliche Art und Weise. In der alten Welt wurde die Blutrache allgemein
praktiziert. Im selben Augenblick, in dem eine Person getötet wurde,
nahm ihr nächster Verwandter die Pflicht der Rache auf. Dieser alte
Brauch der Blutrache wurde von einer Generation zur nächsten
weitergereicht, so daß immer mehr unschuldige Menschen eines gewaltsamen
Todes starben. Der Bedarf an Unterschlupf, den diese speziellen Orte in
Israel gewähren sollten, liegt auf der Hand. Jos 20,1-3 Im AT wird klar zwischen vorsätzlichem Mord und
unbeabsichtigtem Totschlag unterschieden (vgl. 4Mo 35,9-15 mit 4Mo
35,16-21 ). Im Falle von Mord wurde der nächste Angehörige
zum Bluträcher , der den Schuldigen tötete. Doch wenn jemand einen
anderen unabsichtlich tötete, stand ihm Asyl in einer von
sechs Freistädten zur Verfügung. In solch einem Fall mußte die
betreffende Person ohne Zögern zum nächsten Zufluchtsort eilen. Nach
jüdischer Überlieferung wurden die Straßen, die zu diesen Städten
führten, stets sorgfältig gepflegt, und die Kreuzungen waren bestens mit
Schildern markiert, auf denen "Zuflucht! Zuflucht!" stand. Entlang der
Straße waren auch Läufer stationiert, die die Schutzsuchenden führen
sollten. Jos 20,4-6 Wenn er das Tor einer Freistadt erreicht hatte,
mußte der Totschläger (atemlos!) seinen Fall den Ältesten der Stadt
vortragen , die das damalige Gericht bildeten (vgl. Hi 29,7; 5Mo
21,19;22,15 ). Darauf wurde ein vorläufiges Urteil gesprochen, um ihm
Asyl zu gewähren, bis eine Hauptverhandlung vor der Gemeinde vorgenommen
werden konnte. Wenn er vom vorsätzlichen Mord freigesprochen wurde,
wurde er zur Freistadt zurückgeleitet, wo er dann wohnte, bis der
Hohepriester starb, wonach der Totschläger die Freiheit hatte, in seine
Heimat zurückzuziehen. Dies konnte viele Jahre später sein. Ungewollter
Totschlag war deshalb eine Sache, die ernsthaft vermieden werden sollte.
Viele haben sich darüber Gedanken gemacht, was der Tod des Hohepriesters
in Beziehung mit dem Wechsel der Situation für den Totschläger zu
bedeuten habe. Die beste Erklärung mag sein, daß der Wechsel der
priesterlichen Administration als Verjährungsfrist zur Begrenzung galt
und dadurch das Exil des Zufluchtssuchenden in der Freistadt beendete. Jos 20,7-9 Die sechs festgesetzten Städte lagen zu beiden
Seiten des Jordans. Auf der Westseite lagen Kedesch in Galiläa ... in
Naftali, Sichem in ... Ephraim und Hebron in ... Juda . Die Städte auf
der Ostseite waren Bezer im Süden in Ruben, Ramot in der
Gegendvon Gilead im Stamm Gad und Golan in der nördlichen Gegend
von Baschan im Stamm Manasse. Doch warum gibt es im AT keinen einzigen
Bericht über einen Fall, in dem diese gnadenvolle Vorkehrung gebraucht
wurde? Einige Kritiker behaupten, daß diese Städte nicht Teil des
mosaischen Gesetzes waren, sondern daß diese Vorkehrung nach dem Exil
getroffen wurde. Doch die nachexilischen Bücher gehen genausowenig auf
ihre Benutzung ein, so daß andere Kritiker annahmen, daß sie bis zur
Zeit Christi unbenutzt blieben. Angesichts solcher Argumente ist es
angebrachter, die Historizität dieser Angaben anzuerkennen und das
Schweigen in der Schrift als Hinweis dafür anzusehen, daß die Autoren
der Schrift sorgfältig auswählten, was sie niederschrieben. Nachdem die
Vorkehrung einmal getroffen war, war es scheinbar nicht notwendig,
spezielle Beispiele für ihren Gebrauch aufzuschreiben. Israels Nutzen von den Zufluchtsstädten
erinnert Gläubige an Ps 46,2 : "Gott ist unsere Zuversicht und Stärke,
eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben." Und an Röm
8,1 : "So gibt es nun keine Verdammnis für die, welche in Christus Jesus
sind." Der Schreiber des Hebräerbriefes muß wohl an die
alttestamentlichen Freistädte gedacht haben, als er schrieb, daß
Gläubige einen starken Trost haben, weil sie ihre "Zuflucht dazu
genommen haben, festzuhalten an der angebotenen Hoffnung." ( Hebr
6,18 ). Aus dieser Sicht scheinen die Freistädte Christus zu
versinnbildlichen, zu dem Sünder, die vom rächenden Gesetz verfolgt
werden, welches Gericht und Tod fordert, fliehen und Zuflucht suchen
können. Paulus' ständiger Ausdruck "in Christus" spricht von der
Sicherheit, die jeder Gläubige hat. 3. Die Festsetzung von Levitenstädten ( 21,1-42 ) Jos 21,1-3 Der letzte und krönende Akt der Verteilung wird
nun beschrieben. Die Fürsten des Stammes Levi schritten nach vorn und
erhoben Anspruch auf die Städte, die ihnen von Mose versprochen worden
waren (vgl. 4Mo 35,1-8 ). Diese 48 Städte mit Weideland, einschließlich
der 6 Freistädte, wurden nun den Leviten zugesprochen. Jos 21,4-7 Es wird beschrieben, wie die Zuteilung nach
drei Hauptfamilienlinien im Stamme Levi vorgenommen wurde, entsprechend
den drei Söhnen Levis, Kehat ... Gerschon und Merari (vgl. die Übersicht
"Moses Vorfahren seit Abraham" zu 2Mo 6,18 ). Jos 21,8-19 Zuerst werden 13 Städte für die Kehatiter
aufgezählt. Neun lagen in den Stammesgebieten von Juda und Simeon
einschließlich von Hebron (eine Freistadt), vier lagen im Stammesgebiet
von Benjamin. Diese 13 waren für die Priester, die Nachkommen Aarons. Jos 21,20-26 Zehn weitere Städte, einschließlich Sichem
(einer Freistadt), wurden den anderen Abzweigungen der Kehatiter in
Ephraim, Dan und im westlichen Manasse zugeteilt. So lagen also die
Priesterstädte letztendlich im Südreich Juda, wo der Tempel in dessen
Hauptstadt Jerusalem erbaut werden sollte. Jos 21,27-33 Die 13 Levitenstädte der Gerschoniter lagen im
östlichen Manasse, in Issachar, Asser und Naftali. Zwei Freistädte
wurden hierbei einbezogen: Golan in Baschan und Kedesch in Galiläa. Jos 21,34-40 Die meraritischen Nachkommen Levis erhielten 12
Städte in Sebulon und in den transjordanischen Stämmen Ruben und Gad
einschließlich Ramot, einer Freistadt in Gilead. So lagen also 10 der 48
Levitenstädte östlich des Jordans, zwei im halben Stamm Manasse (V. 27 )
und vier jeweils in Ruben (V. 36-37 ) und Gad (V. 38-39 ). Diese Verstreuung des Stammes Levi unter die
anderen Stämme erfüllte Jakobs Fluch über Levi und auch über Simeon
( 1Mo 49,5.7 ) für ihren sinnlosen Mord an den Sichemitern ( 1Mo 34 ).
Im Falle der Nachkommen Levis wandelte Gott dies dazu um, ihre
Stammesidentität zu bewahren und sie zum Segen für ganz Israel zu
machen. Er tat dies, weil die Leviten in einer großen Krise zu Mose
standen ( 2Mo 32,26 ) und weil Pinhas (ein Levit und Sohn Eleasars)
Gottes gerechten Namen in der Ebene Moab verteidigte ( 4Mo 25 ). Jos 21,41-42 Doch zum Zeitpunkt der Zuteilung waren viele
der levitischen Städte unter kanaanitischer Herrschaft und mußten noch
erobert werden. Offenbar waren die Leviten nicht immer erfolgreich, und
die anderen Stämme boten ihnen keine Hilfe an. Dies scheint auch die
einfachste Erklärung für den Mangel an Übereinstimmung zwischen dieser
Aufzählung der Levitenstädte und derjenigen in 1Chr 6,39-66 zu sein. Die Möglichkeit des Guten in der Zerstreuung
der Leviten unter den anderen Stämmen war fast unbegrenzt. Mose sagte
bei seiner letzten Segnung der Stämme von Levi: "Sie lehren Jakob deine
Rechte und Israel dein Gesetz" ( 5Mo 33,10 ). Die würdevolle
Verantwortung und das hohe Privileg der Leviten war es, Israel im Gesetz
des Herrn zu unterweisen und die Kenntnis seines Wortes unter dem Volk
zu bewahren. Speziell im Norden und Osten hätten die Leviten Barrieren
gegen den Götzendienst von Tyrus und Sidon sowie gegen die heidnischen
Praktiken der Wüstenstämme bilden sollen. Jemand hat einmal geschätzt, daß niemand in
Israel mehr als 17 km von einer der 48 Levitenstädte entfernt lebte. Das
bedeutet, daß jeder Israelit jemanden in der Nähe hatte, der im Gesetz
Moses wohlunterrichtet war und der Rat in vielen Problemen im
religiösen, familiären und politischen Leben geben konnte. Es war sehr
wichtig, daß Israel dem Wort Gottes in allen Lebensbereichen gehorchte,
weil sonst ihr Reichtum vergehen und ihre Privilegien verwirkt würden.
Die Leviten benutzten ihre Möglichkeiten nicht und erfüllten ihre
Sendung nicht. Hätten sie es getan, hätte sich der Götzendienst und
dessen korruptiver Einfluß niemals über das Land Israel verbreitet. 4. Zusammenfassung der Eroberung und der
Aufteilung des Landes ( 21,43-45 ) Jos 21,43-45 Hier endet der lange Abschnitt, der die
Festsetzung der Gebiete und Städte beschreibt. Der Historiker schaut auf
den Anfang zurück und faßt die Eroberung und Landverteilung mit der
Betonung der Treue Gottes zusammen. Gott hatte sein Versprechen
gehalten, Israel das Land, Ruhe ringsumher und den Sieg über ihre Feinde
zu geben. Tatsächlich löste der Herr jeden Teil seiner Verpflichtung
treu ein. Nicht eines seiner Versprechen ... war dahingefallen . Dies
bedeutete nicht, daß jedes Stück des Landes im Besitz Israels war, denn
Gott selbst hatte Israel gesagt, daß sie das Land stückweise erobern
sollten ( 5Mo 7,22 ). Diese abschließende Aussage widerspricht auch
nicht den Tragödien, die während der Zeit der Richter geschehen sollten,
denn daran würde Israel und nicht Gott Schuld haben. Trotzdem bestritt
der Unglaube Israels in keiner Weise die Treue Gottes. Paulus bestätigte
diese Tatsache in seinem Wort an Timotheus: "Sind wir untreu, so bleibt
er doch treu; denn er kann sich selbst nicht verleugnen" ( 2Tim 2,13 ). Einige Theologen bestehen darauf, daß die
Aussage in Jos 21,43 bedeutet, daß das Landversprechen im
abrahamitischen Bund damals erfüllt war. Doch dies kann nicht stimmen,
weil später die Bibel weitere Vorhersagen über die Inbesitznahme des
Landes durch Israel nach der Zeit Josuas gibt (z. B. Am 9,14-15 ). Jos
21,43 bezieht sich also auf die Ausdehnung des Landes, wie sie in 4Mo
34 angegeben wird und nicht auf die letztendliche Ausdehnung, die es im
messianischen Königreich haben wird ( 1Mo 15,18-21 ). Auch wenn Israel
zu dieser Zeit das Land besaß, wurde es ihm später wieder entrissen,
obwohl der Abrahambund versprach, daß Israel das Land für immer besitzen
würde ( 1Mo 17,8 ) IV. Schluß ( Jos 22-24 ) A. Eine Grenzstreitigkeit ( Jos 22 ) Als die Oststämme zu ihren eigenen Erbteilen
zurückkehrten, drohte ein voreiliges Urteil, die sich gerade
niedergelassenen Gemeinschaften in einen verheerenden Bürgerkrieg zu
stürzen. Es war eine gefährliche und explosive Situation. Der Feind
lauerte in der Nähe und hoffte mit Sicherheit inständig, daß solch eine
trennende Streitigkeit stattfinden würde, so daß er seine verlorenen
Gebiete zurückgewinnen könnte. Doch dank Gottes Vorsehung wurde die
Tragödie verhindert, und Israel bekam eine wertvolle und wichtige
Lektion erteilt. 1. Die Ermahnungen Josuas ( 22,1-8 ) Jos 22,1-4 Die Oststämme Ruben, Gad und der halbe Stamm
Manasse hatten ihre Aufgabe erfüllt. Als sie vor ihren General gerufen
wurden, bekamen sie ein Lob dafür ausgesprochen, daß sie ihr Versprechen
gegenüber Gott, Mose und Josua eingehalten und an der Seite ihrer Brüder
in allen Schlachten der Eroberung Kanaans gekämpft hatten (vgl. 4Mo 32;
Jos 1,16-18; 4,12-14 ). Sieben Jahre lang waren diese Männer von ihren
Frauen und Familien getrennt gewesen, doch nun waren die Kämpfe vorüber,
das Land war verteilt, und es war Zeit, nach Hause zu gehen. So entließ
Josua diese Soldaten in Ehren. Jos 22,5-8 Als die müden, aber frohen Soldaten
losmarschierten, nahmen sie einen großen Beuteteil, den sie dem Feind
entrungen hatten, mit sich. Sie hatten Anweisungen, die Beute mit ihren
Brüdern, die zu Hause geblieben waren, zu teilen (V. 8 ). Die Soldaten
hatten großen Reichtum errungen, der Viehherden, Metalle und Kleider
einschloß. Doch warum sollten diejenigen, die den Schmerz und die
Anstrengung des Krieges gar nicht erlitten hatten, etwas von der Beute
erhalten? Wahrscheinlich hätten viele der Männer, die zurückgeblieben
waren, es vorgezogen, in den Krieg zu ziehen. Doch wer hätte dann die
Herden gehütet und die Frauen und Kinder beschützt? Es wurde einfach das
Prinzip angewendet, daß nicht nur diejenigen Ehre und Belohnung erhalten
sollten, die Waffen tragen, sondern auch diejenigen, die zu Hause
blieben, um die alltäglichen Angelegenheiten vor Ort zu verrichten
( 1Sam 30,24 ). Die heimkehrenden Krieger marschierten dazu mit
sechs ernsthaften Ermahnungen Josuas los, die ihnen noch in den Ohren
klangen: (a) Seid stark darauf bedacht, die Gebote und das Gesetz
einzuhalten , (b) liebt den HERRN, euren Gott , (c) wandelt in allen
seinen Wegen, (d) gehorcht seinen Geboten, (e) haltet an ihm fest und
(f) dient ihm von ganzem Herzen und von ganzer Seele. Diese kurze,
jedoch ernsthafte Anweisung rief zum Gehorsam, zur Liebe, zur Nachfolge
und zum Dienst auf. Ihre militärischen Verpflichtungen waren erfüllt,
doch Josua erinnerte sie an ihre geistlichen Verpflichtungen, die
Vorraussetzung für Gottes kontinuierlichen Segen waren. Wie ein
besorgter Vater, der einen Sohn oder eine Tochter das Haus verlassen
sieht, um dahin zu gehen, wo die junge Person von geistlichen Einflüssen
getrennt sein würde, drückte Josua seine ernsthafte Anweisung gegenüber
den heimkehrenden Kriegern aus. Er befürchtete vielleicht, daß ihre
Trennung von den anderen Stämmen sie dazu verleiten könnte, sich vom
Dienst des HERRN zu entfernen und dem Götzendienst zu verfallen. 2. Der Götzendienst der östlichen Stämme ( 22,9-11 ) Jos 22,9-11 Die Heere der Oststämme, die von Silo
aufgebrochen waren, eilten freudig erregt nach Hause. Als sie sich dem
Jordan näherten, gingen ihnen wahrscheinlich zahlreiche Erinnerungen an
die wunderbare Überquerung vor sieben Jahren, an den bemerkenswerten
Sieg über das nahegelegene Jericho und an die weiteren Siege, die sie
mit ihren Brüdern teilten, von denen sie sich erst kürzlich getrennt
hatten, durch den Kopf. Ein Gefühl der Isolation von den anderen Stämmen
begann sie zu erfüllen. Doch dies lag nicht daran, daß ein ganz normaler
Fluß die Ost- von den Weststämmen trennen würde, denn der Jordan ist
kein normaler Fluß. Auf jeder Seite ragen Berge bis zur Höhe von 600 m
hoch, und das Jordantal, das sich dazwischen windet, ist tatsächlich ein
großer Graben mit einer Breite von 8 bis 21 km. Während eines großen
Teils des Jahres entmutigt die große Hitze die Reisenden. Es war also
eine verstärkte Flußgrenze und mag zu der Befürchtung dieser
Stammesleute beigetragen haben, daß sie und ihre Brüder sich nach und
nach auseinanderleben würden. Schließlich bedeutet "aus den Augen" oft
"aus dem Sinn". Was könnte also dafür getan werden, damit die
kameradschaftliche Verbindung, die sich in den langen Jahren gemeinsamer
Kämpfe gebildet hatte, lebendig erhalten würde? Was könnte getan werden,
um die Gemeinschaft zwischen den Leuten auf beiden Seiten des Flusses zu
symbolisieren, um jeden daran zu erinnern, daß sie alle Kinder der
Verheißung waren? Die Antwort, die sich in den Köpfen jener
Soldaten bildete, war, daß sie einen großen Altar bauen sollten, einen,
der aus großer Entfernung gesehen werden konnte, einen Eindruck
erweckenden Altar, der ihr Recht am wirklichen Altar bei der Stiftshütte
bezeugen sollte. Also errichteten sie einen solchen Altar auf der
israelitischen (westlichen) Seite des Jordans. Warum bauten sie kein
anderes Monument auf? Weil sie wußten, daß die wahre Basis ihrer
Gemeinschaft ihr ständiger Dienst, der sich an den Opfern am Altar
ausrichtete, war. 3. Die Kriegsdrohung ( 22,12-20 ) Jos 22,12 Doch das Symbol der Gemeinschaft wurde zum
Symbol des Abfalls. Als die anderen Stämme davon erfuhren, versammelten
sie sich bei Silo, dem Ort des wahren Altars ( 1Sam 4,3 ), bereit, gegen
die Armeen der Oststämme zu marschieren. Aufgrund dessen, was sie gehört
hatten ( Jos 22,11 ), schlossen die Israeliten, daß es Auflehnung gegen
Gott sei, daß die anderen Stämme gegen das mosaische Gesetz ( 3Mo
17,8-9 ) einen zweiten Opferaltar errichtet hatten. "Sie dachten, die Heiligkeit Gottes sei
gefährdet. Und so sagten diese Männer, die den Krieg satt hatten: 'Die
Heiligkeit Gottes erlaubt keinen Kompromiß' . Ich wünschte, die Kirche
des 20. Jahrhunderts würde dies lernen. Die Heiligkeit des Gottes, der
existiert, erlaubt keinen Kompromiß auf dem Gebiet der Wahrheit"
(Francis A. Schaeffer, Joshua and the Flow of Biblical History , S.
175). Jos 22,13-14 Einem anscheinenden Kompromiß und Ungehorsam
gegen Gott gegenübergestellt, riefen die Israeliten zum Krieg zur
Bestrafung ihrer Brüder auf. Auch wenn man den Eifer für die Wahrheit
und für die Reinheit des Gottesdienstes bewundern muß, ist es doch gut,
wenn Weisheit über Voreiligkeit herrscht. Es wurde beschlossen, damit zu
beginnen, die zweieinhalb Stämme eindrücklich zu ermahnen, in der
Hoffnung, daß sie von ihrem Projekt ablassen würden. Dadurch könnte
Krieg vermieden werden. Eleasars Sohn Pinhas , der für seinen rechten
Eifer für den Herrn bekannt war ( 4Mo 25,6-18 ), führte einen Ausschuß
von 10 Stammesfürsten an, deren Aufgabe es war, sich den anderen
gegenüberzustellen. Jos 22,15-20 Nachdem sie am Standort des neuen Altars
angekommen waren, beschuldigte die abgesandte Gruppe die östlichen
Stammesleute der Abkehr vom HERRN (V. 16.18 ) und der Auflehnung gegen
ihn (V. 16 ; vgl. V. 18-19 ). Sie erinnerten die östlichen Stämme daran,
daß die Sünde Peors das Gericht Gottes über die gesamte Nation gebracht
hatte ( 4Mo 25 ), so wie es auch die Sünde Achans getan hatte ( Jos
22,20; vgl. Jos 7 ). Nun war die ganze Gemeinde wegen ihres
anscheinenden Aktes der Auflehnung wieder in Aufruhr. Solch eine Sünde
würde Gottes Zorn über die gesamte Nation bringen ( Jos 22,18; vgl
V. 20 ). Zuletzt wurde großmütig angeboten, daß, wenn die Angehörigen
der zweieinhalb Stämmen meinten, daß das Land östlich des Jordans
unrein, das heißt, daß es nicht durch Gottes Gegenwart geheiligt sei,
die westlichen Stämme für sie auf ihrer Seite des Jordans Platz schaffen
würden. Dies war ein generöses, liebevolles Angebot, das möglicherweise
großen Aufwand bereiten würde. 4. Die Verteidigung der östlichen Stämme ( 22,21-29 ) Die israelitische Delegation sollte nun
erfahren, wie falsch ihr vorschnelles Urteil und ihr hitziger Vorwurf
gewesen war. Die Gründe für den Aufbau des großen Altars am Jordan kamen
ans Licht. Jos 22,21-23 Anstatt auf den übereilten Vorwurf wütend zu
reagieren, wiesen sie lediglich in allem Ernst und aufrichtig die
Anklage zurück, daß der Altar, den sie errichtet hatten, als Auflehnung
gegen Gott zu verstehen sei. Indem sie sich auf Gott als Zeugen
beriefen, schworen sie zweimal bei seinen drei Namen - El, Elohim, Jahwe
( der Allmächtige, Gott, der HERR ) - und bekräftigten, daß, wenn ihre
Tat in Auflehnung gegen Gott und seine Gebote bezüglich des
Gottesdienstes geschehen sei, sie sein Gericht verdienten. Jos 22,24-25 Warum wurde denn dann der zweite Altar gebaut?
Sie erklärten ernsthaft, daß er wegen der geographischen Trennung und
deren möglichen Auswirkungen auf zukünftige Generationen erbaut worden
sei. Jos 22,26-29 Die Leute der Oststämme erklärten eindeutig,
daß sie sich der Gebote Gottes, die den Gottesdienst Israels bestimmten,
völlig bewußt waren; der gerade erbaute Altar war nicht als Ort für
Brandopfer (vgl. V. 23 ) gedacht, sondern als Zeugnis für alle
Generationen , daß die Transjordanstämme ein Recht darauf hatten, den
Jordan zu überqueren und in Silo Gottesdienst zu halten. Dieser Altar
war nur eine Kopie des wahren Gottesdienstzentrums und ein Beweis für
ihr Recht, dieses aufzusuchen. Auch wenn ihre Sorge um das geistliche
Wohlergehen zukünftiger Generationen bemerkenswert war, so erscheint
doch die Tat der zweieinhalb Stämme als unnötig. Gott hatte im Gesetz
bestimmt, daß alle männlichen Israeliten dreimal im Jahr das Heiligtum
aufsuchen sollten ( 2Mo 23,17 ). Dies würde, wenn es praktiziert würde,
die Einheit der ganzen Stämme, sowohl geistlich als auch politisch,
aufrecht erhalten. Außerdem war der Aufbau eines weiteren Altars auch
ein gefährliches Unterfangen. John J. Davis kommentiert: "Der vereinende
Faktor im alten Israel war nicht dessen Kultur, Architektur, Wirtschaft
oder militärische Gründe. Der weitreichende vereinende Faktor war die
Anbetung Jehovas. Als das zentrale Heiligtum als wahrer Ort des
Gottesdienstes nicht mehr aufgesucht wurde, bildeten die Stämme eigene
Heiligtümer, wodurch sie sich von den anderen Stämmen entfernten und
ihre militärische Stärke schwächten. Die Auswirkungen dieses Trends
werden in der Zeit der Richter ersichtlich" ( Conquest and Crisis , S.
87). 5. Die Versöhnung der Stämme ( 22,30-34 ) Jos 22,30-34 Diese kritische Situation hatte ein glückliches
Ende. Die Erklärung der Repräsentanten der Oststämme wurde von Pinhas
und seiner Delegation, wie auch von den anderen Stämmen, als diese den
Bericht hörten, akzeptiert. Tatsächlich waren die neuneinhalb Stämme
westlich des Jordans froh und priesen Gott. Als er die ganze
Angelegenheit erkannte, drückte Pinhas große Dankbarkeit darüber aus,
daß keine Sünde begangen und daß der Zorn Gottes nicht ausgelöst worden
war. Warum sollte in einem Buch, das die Besetzung
und Verteilung des Gelobten Landes beschreibt, dieses einzelne Geschehen
so detailliert behandelt werden? Ganz einfach, weil es bestimmte
Prinzipien verdeutlicht, die lebenswichtig waren, damit Israel in dem
Land gemeinsam in Harmonie und unter Gottes vollem Segen zusammenleben
konnte. Dieselben Prinzipien gelten für die heutigen Glieder in Gottes
Familie: 1. Es ist für Gläubige empfehlenswert, eifrig
auf die Reinheit des Glaubens bedacht zu sein. Kompromisse auf Kosten
der Wahrheit kommen immer teuer zu stehen. 2. Es ist falsch, die Beweggründe von Leuten
auf der Basis von ungenauen Beweismitteln zu beurteilen. Es ist wichtig,
alle Fakten zu erfahren und zu bedenken, daß es in einem Streit immer
zwei Seiten gibt. 3. Ein offenes und aufrichtiges Gespräch wird
oft die Angelegenheit klären und zur Übereinkunft führen. Doch solch
eine Zusammenkunft sollte im höflichen Sinn angegangen werden und nicht
mit Arroganz ( Gal 6,1 ). 4. Jemand, der fälschlicherweise beschuldigt
wird, tut gut daran, sich an den weisen Rat Salomos zu erinnern: "Eine
linde Antwort stillt den Zorn; aber ein hartes Wort erregt Grimm." ( Spr
15,1 ). B. Die letzten Tage Josuas ( 23,1-24,28 ) Das Buch Josua endet damit, daß der alte Soldat
Lebewohl sagt. Seine Abschiedsworte enthalten einen Anflug von
Traurigkeit, wie es letzte Worte fast immer tun. Sie drückten die tiefe
Besorgnis Josuas aus, der eine wachsende Lässigkeit von seiten Israels
gegenüber den verbleibenden Kanaanitern voraussah, eine leichtfertige
Duldung des gemeinsamen Bewohnens des Landes, welches nur ihnen gehören
sollte. Josua kannte sehr wohl die Gefahr, daß das Volk angesichts des
praktisch bezwungenen Feindes "nachlassen" würde. Bevor er seine aktive
Führerschaft verließ, fühlte er sich genötigt, sie zu warnen, daß der
ständige Gehorsam gegenüber Gottes Geboten nötig ist, um sich seines
ständigen Segens zu erfreuen. Auch wenn manche vermuten, daß diese
letzten Kapitel zwei Berichte derselben Begebenheit enthalten, erscheint
es besser, Kapitel 23 als Josuas Ermahnung an die Führer Israels,
und Kapitel 24 als seine Ermahnung an das Volk anzusehen. 1. Josuas letzte Ermahnungen an die Oberhäupter ( Jos 23 ) a. Die erste Runde ( 23,1-8 ) Jos 23,1-2 Ungefähr 10 oder 20 Jahre nach Beendigung der
Eroberung und der Verteilung des Landes ermahnte Josua Israels Führer,
wahrscheinlich in Silo, wo die Stiftshütte stand, um sie ernsthaft vor
der Gefahr zu warnen, sich von Jahwe abzuwenden. Es war eine feierliche
Zusammenkunft. Sicher war auch Kaleb zusammen mit Eleasar, dem Priester,
und den Soldaten der Eroberung, die ihre Schwerter gegen Pflugscharen
eingetauscht hatten und nun Familienoberhäupte, Älteste und Richter
waren, dort. Sie waren als Antwort auf Josuas Ruf ohne
Zögern gekommen, um die letzten Worte ihres großen Führers zu hören. Der
alte Veteran sprach nur über ein Thema - Gottes unendliche Treue
gegenüber Israel und dessen Pflicht und Verantwortung, ihm treu zu
bleiben. Dreimal wiederholte er seine Hauptaussage (V. 3-8.9-13.14-16 ).
Dreimal betonte er voller Befürchtungen, daß sie nicht hören und
aufmerksam sein würden, die Treue Gottes und die Verantwortung Israels. Jos 23,3-5 Indem er jede Versuchung vermied, sich selbst
zu erhöhen, erinnerte Josua die Führer Israels daran, daß ihre Feinde
nur besiegt worden waren, weil der Herr, ihr Gott, für sie gekämpft
hatte. Die Schlachten waren Kriege des Herrn und nicht Josuas gewesen.
Ein Psalmist wiederholt diese Beteuerung ( Ps 44,4 ). Die Kanaaniter,
die noch im Land verblieben waren, würden vom Herrn auch vertrieben
werden, so daß Israel das Land in Besitz nehmen könnte, das sie bisher
nur zum Teil besetzt hielten. Jos 23,6-8 Um den Israeliten ihre Verantwortung wieder
bewußt zu machen, gab Josua die Worte weiter, mit denen Jahwe ihn
ausgerüstet hatte, als er ihn aufgefordert hatte, den Jordan zu
überqueren: Sei ... stark; sei darauf bedacht zu gehorchen (vgl. Jos
1,6-9 ). Mut und Gehorsam waren die Gnadengaben, die zur erfolgreichen
Eroberung Kanaans geführt hatten, und sie waren nun nicht weniger
wichtig geworden (vgl. Jos 22,5 ). Josua befürchtete besonders Israels
Übereinkunft mit den heidnischen Nationen, die sie umgaben. Deshalb
verbot er ihnen jeglichen Kontakt und jegliche Gemeinschaft mit ihnen,
im Bewußtsein, daß sein Volk Schritt für Schritt abtrünnig werden würde,
bis es sich im Zuge des Abfalles vor den Schreinen der heidnischen
Götzen niederwerfen würde (vgl. Jos 23,16 ). Statt dessen ermahnte er
sie, am HERRN festzuhalten (vgl. Jos 22,5 ). b. Die zweite Runde ( 23,9-13 ) Jos 23,9-13 Indem er zu seinem Thema zurückkehrte, bezeugte
Josua zum wiederholten Mal Gottes bisherige Treue zu Israel. Jahwe hatte
seine Schlachten geschlagen (vgl. V. 3 ), und auch wenn noch einige
Kanaaniter im Lande verweilten: Wo auch immer ein Feind gefunden wurde,
wurde er besiegt. Danach wurde Israel auf der Basis des
göttlichen Eingreifens zu seinen Gunsten feierlich ermahnt, Gott ... zu
lieben (vgl. Jos 22,5 ). Dies würde wegen der Nähe seiner korrupten
Nachbarn Eifer und Wachsamkeit erfordern. Die Versuchung war groß, von
Jahwe abzulassen und den Völkern Kanaans anzuhängen, ja sich sogar bei
ihnen einzuheiraten, was eine fatale Entscheidung wäre, die Israel in
ernsthafte Gefahr brächte. Diese Gefahr wurde von Josua durch Ausmalen
der drohenden Konsequenzen, die darauf folgen würden, eindrücklich
beschrieben. Erstens würde Gott nicht mehr länger diese Nationen
hinausjagen , und sie würden verbleiben und Israels Besitz
beeinträchtigen. Zweitens würden die Kanaaniter unter ihnen
wie Fallstricke und Netze , um sie einzufangen, Geißeln , um sie zu
schlagen, und Dornen in ihren Augen werden. Drittens würden Elend und
Schwierigkeiten in Israel anwachsen, bis sie ihr gutes Land verlören
(vgl. Jos 23,15-16 ). Josua räumte keine Möglichkeit der Neutralität
ein, als er zur Entscheidung rief. Entweder würden sie mit Israels Gott
wandeln oder mit den Völkern Kanaans. So ist es auch heute. Es gibt
keinen Mittelweg. "Niemand kann zwei Herren dienen" ( Mt 6,24; vgl. Mt
12,30 ). c. Die dritte Runde ( 23,14-16 ) Jos 23,14-16 Wie ein meisterhafter Prediger begann Josua
seine Erklärung von neuem, dieses Mal mit Betonung darauf, daß er ein
sterbender Mann war, wobei er sich erhoffte, daß dies seine Worte tiefer
in ihre Herzen einprägen lassen würde. Noch einmal sprach er von Gottes
peinlich genauer Treue gegenüber jeder Zusage (vgl. gute
Versprechen in Jos 21,45 ); noch einmal warnte er vor dem Fluch, der
durch Ungehorsam ausgelöst würde. Josuas schwere Befürchtungen betrafen
die Völker, die noch im Lande verblieben waren. Wenn der alte Soldat in
die Zukunft schaute, sah er Israels sündhaften Kompromiß mit ihnen, und
das tragische Schicksal, das unweigerlich über das Volk Gottes kommen
würde, voraus. Gottes Zorn würde gegen sie entbrennen, und sie würden
das Land verlieren (vgl. gutes Land in Jos 23,13.15-16 ). Der schreckliche Höhepunkt dieser Botschaft an
die Führer der Nation betonte die Tatsache, daß Israels größte Gefahr
keine militärische, sondern eine moralische und geistliche war. 2. Josuas letzte Ermahnung an das Volk ( 24,1-28 ) Josuas letzte Zusammenkunft mit dem Volk fand
in Sichem statt. Ob diese Zusammenkunft kurz nach der vorherigen
geschah, ob sie an einem Jahresfest von dieser stattfand, oder ob sie
nach einer langen Zwischenzeit geschah, kann nicht ermittelt werden. Die geographische Lage ist interessant. Sichem,
das ein paar Kilometer nordwestlich von Silo lag, war der Ort, an dem
Abraham das erste Mal das Versprechen bekam, daß Gott seinem Samen das
Land Kanaan geben würde. Abraham reagierte darauf, indem er einen Altar
baute, um sein Vertrauen in den einen wahren Gott zu bezeugen ( 1Mo
12,6-7 ). Auch Jakob hielt in Sichem auf seiner Rückreise von Paddan
Aram und vergrub dort die Götzen, die seine Familie mitgenommen hatte
( 1Mo 35,4 ). Nachdem die Israeliten den ersten Teil der Eroberung
Kanaans vollbracht hatten, zogen sie nach Sichem, wo Josua Jahwe einen
Altar baute, das Gesetz Gottes auf Steinsäulen schrieb und es für das
ganze Volk wiederholte ( Jos 8,30-35 ). Josua hatte deshalb gute Gründe,
die Israeliten an diesem Ort zu versammeln. Sicherlich standen die
Steine, auf denen das Gesetz geschrieben worden war, immer noch als
anschauliche Denkmäler dieser bedeutsamen Begebenheit. Von diesem Moment
an würde dieses wunderschöne Tal zwischen dem Berg Ebal und dem Berg
Garizim mit dieser ergreifenden Abschiedsszene, als ihr verehrter Führer
zum letzten Mal zu ihnen sprach, in Verbindung gebracht werden. Die literarische Form dieser Rede hat schon
viel Interesse und viele Kommentare hervorgerufen. Es ist heute ziemlich
gut bekannt, daß die Herrscher des Hetiterreiches zu dieser Zeit (ca.
1450 - 1200 v. Chr.) internationale Übereinkünfte mit ihren
Vasallenstaaten schlossen, in denen sie diese verpflichteten, den
Hetiterkönigen in Treue und Gehorsam zu dienen. Diese Lehnsverträge
folgten einer regulären Form und bedurften einer periodischen
Erneuerung. Jos 24 enthält in der damalig regulären Form der
Lehnsverträge ein Bundeserneuerungsdokument, in dem das Volk Israel dazu
aufgerufen wurde, seine Herrschaftsbeziehung mit Gott festzumachen (vgl.
den Abschnitt zur "Struktur" in der Einführung zu 5.Mose). Die Teile der
Bundeserneuerung beinhalteten, wie ein Lehnsvertrag, eine Präambel
(V. 1-2 a), ein historisches Vorwort (V. 2 b. 3-13 ), die Pflichten der
Vasallen mit den Konsequenzen des Ungehorsams (V. 14-24 ) und die
Aufzeichnung der Übereinkunft (V. 25-28 ). Der mosaische Bund, der am
Sinai geschlossen worden war, war kein immerwährender Bund, denn er
mußte in jeder Generation neu geschlossen werden. Diese Erneuerung wurde
nun in einer formalen und eindrucksvollen Zeremonie begangen. a. Rückbesinnung auf ihre Segnungen ( 24,1-13 ) Jos 24,1-13 Gott wurde als der Autor des Bundes und Israel
als das Volk festgesetzt (V. 1-2 a). Dieser Präambel folgt der
historische Prolog (V. 2 b. 3-13 ), in dem Jahwe seine bisherigen
Segnungen für seine Geschöpfe wiederholte. Er brachte sie aus dem Ur der
Chaldäer (V. 2 b. 3-4 ) und aus Ägypten heraus (V. 5-7 ) nach Kanaan
(V. 8-13 ). Einige sagen, daß die Angst und der Schrecken (V. 12 ; 2Mo
23,28; 5Mo 7,20 ) sich auf ägyptische Armeen beziehen, die
möglicherweise Kanaan vor der Eroberung angegriffen hatten. Andere
behaupten, die Schrecken beziehen sich auf die Panik, welche die Völker
Kanaans verspürt haben müssen, als sie hörten, was Gott für Israel getan
hatte (vgl. 5Mo 2,25; Jos 2,10.24; 5,1 ). Andere vermuten wiederum, daß
es sich um wirkliche Hornissen gehandelt habe. (In anderen Übersetzungen
steht für Angst und Schrecken: Hornissen). Es war Gott, der in dieser kurzen Wiederholung
der Geschichte Israels sprach; 13 Mal wird das Personalpronomen "Ich"
gebraucht; Ich nahm ... Ich gab ... Ich sandte ... Ich plagte ... Ich
brachte , usw. Wie ein Hetiterkönig, der seine wohltätigen Werke, die er
an seinen Vasallen getan hatte, aufzählte, so gab Gott einen Rückblick
auf die Wundertaten, die er zum Wohl Israels vollbracht hatte. Jegliche
Größe, die Israel erreicht hatte, war nicht durch Israels Bemühungen,
sondern durch Gottes Gnade und Befähigung erreicht worden. Von Anfang
bis Ende gingen Israels Eroberungen, Befreiungen und Reichtümer auf
Gottes Güte und Gnade und nicht auf seine eigene Kraft zurück. b. Aufzählung ihrer Pflichten ( 24,14-24 ) Jos 24,14-15 Dann wurden die Bedingungen der
Bundeserneuerung genannt: Israel sollte den HERRN fürchten und ihm
dienen . In den hetitischen Verträgen mußten alle fremden Bündnisse
abgelehnt werden; genauso mußte Israel jegliche Bündnisse mit fremden
Göttern ablehnen. Josua forderte es kühn auf, zwischen den Göttern Urs,
die seine Vorfahren jenseits des Flusses (z. B. des Euphrats) angebetet
hatten (vgl. V. 2 ), den Göttern der Amoriter in Kanaan und Jahwe zu
wählen. Daraufhin versicherte ihm Israels verehrter Führer, um ein
mutmachendes Beispiel zu geben, daß, welche Wahl es auch immer treffen
mochte, sein Kurs feststand: Ich aber und mein Haus, wir wollen dem
HERRN dienen . Jos 24,16-18 Das Volk reagierte, von der Stärke der
Argumente Josuas und der Anziehungskraft seines Beispiels bewegt, mit
Bereitwilligkeit. Es verwarf den Gedanken, den Gott, der es aus
Ägyptenland dem Land der Knechtschaft befreit, es in der Wüste beschützt
und es ins verheißene Land geführt hatte, zu verlassen. Seine ernsthafte
Antwort war: Verwirf den Gedanken, daß wir jemals einer solchen
Undankbarkeit schuldig würden. Es gelobte, daß es auch dem Herrn dienen
wolle. Jos 24,19-21 Josua sprach noch einmal. Er war mit dessen
enthusiastischen Antwort noch nicht ganz einverstanden. Hatte er
vielleicht einige Spuren von Unaufrichtigkeit entdeckt? Hatte er
gehofft, daß das Volk seine Götzen hergeben würde, um sie zu zerstören,
wie es Jakobs Familie an diesem Ort Jahrhunderte zuvor getan hatte?
( 1Mo 35,4; Jos 24,14.23 ). Es gab keine solche Reaktion, und so
erklärte Josua schonungslos: Ihr könnt dem HERRN nicht dienen; denn er
ist ein heiliger Gott, ein eifersüchtiger Gott, der eure Vergehen und
Sünden nicht vergeben wird . Mit Sicherheit meinte Josua nicht, daß Gott
nicht ein Gott der Vergebung sei. Er meinte damit, daß Gott nicht
halbherzig gedient werden durfte, und daß ihn zu verlassen, um Götzen zu
dienen, eine schwerwiegende Sünde war, für die es nach dem Gesetz keine
Vergebung gab ( 4Mo 15,30 ). Solch eine Sünde würde in einer Katastrophe
enden. Noch einmal antwortete das Volk auf Josuas prüfende Worte und
wiederholte ernsthaft seine Absicht, Jahwe zu dienen. Jos 24,22-24 Josua sprach ein drittes Mal und forderte es
deutlich auf, als Zeugen gegen sich selbst aufzutreten, falls es sich
von Gott abkehrte. Das Volk antwortete sofort: Ja, wir sind Zeugen . Danach sprach Josua ein viertes und letztes
Mal, wobei er noch einmal auf den Punkt zurückkam, den er am Anfang
erwähnt hatte. So schafft nun die fremden Götter weg, die unter euch
sind (vgl. V. 14 ). Er hatte den Schwur von dessen Lippen vernommen; nun
forderte er es auf, seine Ernsthaftigkeit durch Werke zu beweisen. Weil
er wußte, daß viele insgeheim Götzendienst trieben, gebot Josua dem
Volk, sofort seine fremden Götter zu vernichten. Ohne im geringsten zu
zögern rief das Volk: Wir wollen dem HERRN, unserm Gott, dienen und ihm
gehorchen . Es sagte, daß es gehorsamer Diener Gottes sein wollte, keine
Sklaven Ägyptens oder anderer Götter. (Die Wörter "dienen", "gedient"
und "dient" erscheinen 14 Mal in V. 14-24 .) Es konnte keine Vermischung
zwischen Gehorsam gegenüber Gott und Götzendienst geben. Damals, wie in
jeder Generation, mußte eine eindeutige Wahl getroffen werden. Menschen
müssen zwischen Bequemlichkeit und Prinzipien, zwischen dieser Welt und
der Ewigkeit und zwischen Gott und den Götzen wählen (vgl. 1Thes 1,9 ). c. Die Zeugen des Schwurs ( 24,25-28 ) Jos 24,25-26 a Josua, der feststellte, daß weitere Worte
fruchtlos waren, jedoch von der Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit der
Hingabe des Volkes noch nicht ganz überzeugt war, erneuerte den Bund. Er
schrieb ihre Abmachung im Buch des Gesetzes Gottes nieder, das
möglicherweise neben der Bundeslade aufbewahrt wurde (vgl. 5Mo
31,24-27 ). Bei den Hetitern wurde in ähnlicher Weise der Lehnsvertrag
im Heiligtum des Vasallenstaates aufbewahrt. Jos 24,26-27 (Jos 24,26b-27) Als weiteren Zeugen schrieb Josua die Statuten
des Bundes auf einen großen Stein, der unter einer Eiche an diesem
heiligen Ort aufgerichtet wurde. Archäologen, die bei Sichem
Ausgrabungen durchgeführt haben, haben eine große Kalksteinsäule
entdeckt, die als der hier erwähnte Gedenkstein identifiziert werden
könnte. Josua sagte, dieser Stein sei ein Zeuge, als ob er die
Abmachungen des Bundes gehört hätte. Jos 24,28 Indem er das Volk in einem heiligen Ritual der
Bundeserneuerung schwören ließ, dem Herrn, seinem Gott, zu folgen,
beendete Josua seinen letzten öffentlichen Dienst. Mit der Erinnerung an
diese bedeutungsvolle Begebenheit, die unauslöschlich in ihrer
Erinnerung verankert war, kehrten die Israeliten nach Hause in ihre
Erbteile zurück. C. Nachwort ( 24,29-33 ) Jos 24,29-31 Drei Beerdigungen - alle drei in Ephraim -
kennzeichnen den Schluß des Buches Josua. Zuerst wird berichtet, daß
Josua im fortgeschrittenen Alter von 110 Jahren starb und in seiner
eigenen Stadt beerdigt wurde (vgl. Jos 19,50 ). Es konnte ihm kein
besserer Titel verliehen werden als die Tatsache, daß er der Knecht des
HERRN genannt wurde. Er trachtete nach keinem höheren Rang als diesem. Jos 24,32 Es wird auch die Beisetzung der Gebeine
Josefs berichtet. Sein letzter Wille war gewesen, daß er im Gelobten
Land beigesetzt würde ( 1Mo 50,25 ). Mose, der von diesem Wunsch wußte,
nahm Josefs Gebeine beim Auszug mit ( 2Mo 13,19 ). Nun, nach den langen
Jahren der Wanderung und der Eroberung, wurden Josefs letzte Überreste,
die 400 Jahre vorher in Ägypten einbalsamiert worden waren ( 1Mo
50,26 ), in Sichem zur Ruhe gelegt (vgl. 1Mo 33,18-20 ). Jos 24,33 Das dritte Begräbnis, das hier erwähnt wird,
ist das des Hohepriesters Eleasars, des Sohnes und Nachfolgers Aarons .
Es war sein Privileg, bei der Verteilung des Landes mit Josua
zusammenzuarbeiten ( 4Mo 34,17; Jos 14,1; 19,51 ) und den Gottesdienst
an der Stiftshütte in den kritischen Jahren der Eroberung und
Inbesitznahme Kanaans zu leiten. Der Bericht von drei Beerdigungen ist ein
seltsamer Schluß für ein Buch wie das des Josua! Doch diese drei
friedlichen Gräber bezeugen die Treue Gottes, denn Josua, Josef und auch
Eleasar hatten einst in einer fremden Nation gelebt, wo sie Gottes
Zusage erhielten, sein Volk nach Kanaan zurückzubringen. Nun waren alle
drei im Gelobten Land zur Ruhe gekommen. Gott hielt sein Versprechen
gegenüber Josua, Josef und Eleasar - und auch gegenüber ganz Israel.
Dies ermutigt auch heute Gottes Kinder, auf Gottes unendliche Treue zu
zählen. BIBLIOGRAPHIE Blaikie W G (1978) The Book Joshua . The
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