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EINFÜHRUNG Titel und
Verfasserfrage: Das Buch Ruth ist nach einer moabitischen
Frau benannt, die einen hebräischen Mann, der in Moab lebte, heiratete.
Nach dem Tod ihres Ehemannes zog Rut zusammen mit Noomi, ihrer
verwitweten hebräischen Schwiegermutter, nach Bethlehem in Israel. Dort
versorgte sie der Herr auf wunderbare Weise und führte sie so, daß sie
Boas, einen wohlhabenden jüdischen Bauern, heiratete. Rut wurde auf
diese Weise die Urgroßmutter von König David. Sie wird im Stammbaum Jesu
in Mt 1,5 genannt.
Rut und Ester sind die einzigen biblischen
Bücher, die nach einer Frau benannt sind. Ester war eine jüdische Frau,
die einen heidnischen König heiratete. Gott gebrauchte Ester in einer
wichtigen Phase der Geschichte Israels, um das Volk Israel vor der
Vernichtung zu bewahren. Rut dagegen war eine heidnische Frau, die einen
jüdischen Mann heiratete. Gott gebrauchte sie, um die Linie des Messias,
des Herrn Jesus Christus, fortzusetzen. Das Buch Rut wird von orthodoxen Juden jährlich
am Pfingstfest gelesen. Das Fest erinnert an die Gesetzgebung am Berg
Sinai und steht am Anfang des Festes der Erstlingsfrucht der Ernte ( 2Mo
23,16 ). Ruts Verlobung fand zur Zeit der herbstlichen Erntefeste statt,
als die Gerste geworfelt wurde ( Rt 3,2; vgl. Rt 1,22 ). Niemand weiß genau, wer das Buch Rut schrieb.
Die jüdische Tradition schreibt das Buch Samuel zu. Wenn er der Autor
war, wurde das Buch kurz bevor David zum König gesalbt wurde verfaßt.
Einer der Gründe, die Samuel für das Verfassen des Buches hatte, war
dann, die Berechtigung des Thronanspruchs Davids über seine Urgroßeltern
Rut und Boas zu belegen. Die meisten konservativen Forscher gehen davon
aus, daß Rut zur Zeit der Monarchie, zur Zeit Davids oder Salomos,
geschrieben wurde. Da Salomo im Stammbaum am Ende des Buches ( Rt
4,18-22 ) nicht genannt wird, könnte man schließen, daß das Buch zur
Zeit Davids entstand. Auf der anderen Seite wird im Buch Rut ein alter
Brauch, nämlich das Austauschen der Sandale ( Rt 4,7 ), erläutert. Dies
hat einige Ausleger veranlaßt, die Abfassung in die Zeit Salomos zu
verlegen, da einige Zeit verstreichen mußte, damit dieser Brauch aus der
Gewohnheit kommen konnte. Hals hat diese Fragen sehr detailliert
dargestellt ( The Theology of the Book of Ruth , S. 65 - 75). Historische und literarische Fragen Das Buch Rut gleicht einer schönen Perle auf
einem schwarzen Hintergrund. Die Handlungen, die in diesem Buch
berichtet werden, fanden zur Zeit der Richter statt ( Rt 1,1 ), also zu
einer dunklen Zeit in der Geschichte Israels. Den Siegen Josuas folgten
Zeiten des geistlichen Niedergangs, die nur von kurzen Zeiten der
Erweckung unterbrochen wurden. Je länger die Zeit der Richter andauerte,
desto schlimmer wurde der Abfall von Gott, bis am Ende des Buches
Richter völlige Verdorbenheit und blutiger Bürgerkrieg standen. Die Zeit der Richter war von schwachem Glauben
und unverantwortlichem Lebenswandel gekennzeichnet. Sogar Gideon, der
großen Glauben gegenüber den widrigsten Umständen zur Zeit des Überfalls
durch die Midianiter, Amalekiter und östlichen Wüstenstämme ( Ri
7,12.17-21 ) bewies, versagte später und fragte nicht nach Gottes Rat
für seine täglichen Entscheidungen als Richter ( Ri 8,16-17.21.27 ). Er
hatte viele Frauen und Konkubinen, die ihm 70 Söhne gebaren ( Ri 8,29-32
). Nach dem Tod Gideons tötete Abimelech, ein Sohn
Gideons von dessen Konkubine in Sichem, alle anderen Söhne außer einem
und setzte sich selbst als gottlosen und blutigen König ein ( Ri 9 ). Da Rut die Urgroßmutter Davids war ( Rt 4,17 ),
der seine Herrschaft in Hebron im Jahr 1010 v. Chr. begann, gehören die
Ereignisse um Rut in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts v. Chr. Rut
könnte deswegen zur Zeit Gideons gelebt haben (vgl. die Übersicht "Die
Richter Israels" zur Einleitung des Kommentares zu Ri). Das Wirken des Richters Simson wurde ein
Musterbeispiel für einen Helden, der zwar stark an körperlicher Kraft,
aber schwach an geistlichem und moralischem Charakter war. Auf diesem ungeistlichen Hintergrund stehen
Rut, eine Moabiterin, und Boas, ein jüdischer Landbesitzer, als
leuchtende Beispiele für Reinheit, Glauben und verantwortliche
Lebensweise. Die Geschichte von Rut ist eine gnädige Erinnerung daran,
daß Gott selbst in den dunkelsten Zeiten an den Herzen seiner
übriggebliebenen Gläubigen wirkt. Das Maß der Unmoral Israels ist ein Thema, das
im Richterbuch immer wieder angesprochen wird. Im letzten Vers wird es
noch einmal betont: "Zu der Zeit war kein König in Israel; jeder tat,
was ihn recht dünkte" ( Ri 21,25 ). Im Gegensatz dazu zeigt uns das Buch
Rut Menschen, die verantwortlich handeln, und sich, statt unmoralisch zu
sein, im Glauben der Herrschaft und Führung des souveränen Gottes
unterstellen. Rut selbst steht auch im deutlichen Gegensatz
zu dem dunklen Hintergrund ihrer eigenen moabitischen Vorfahren. Mose
berichtet die traurige Geschichte von der Entstehung des moabitischen
Volkes ( 1Mo 19,30-38 ). Die Töchter Lots machten ihren Vater nach der
Zerstörung von Sodom und Gomorra betrunken und begingen Inzest mit ihm,
woraus Moab und Ben-Ammi, die Stammväter der Moabiter und Ammoniter,
entstanden. Beide Völker brachten Israel oft in Bedrängnis. Rut, die Moabiterin, brach mit der
götzendienerischen Tradition ihrer Vorfahren und der ältesten Tochter
Lots und glaubte an den Gott der Hebräer. Sie sah ihre Erfüllung als
Mutter und hielt die gerechten Gebote des mosaischen Gesetzes. Dadurch
erwies sie sich als würdig, unter den vornehmsten Frauen Israels genannt
zu werden. Die Leviratsehe (ein Mann heiratete die
kinderlose Witwe seines verstorbenen Bruders, 5Mo 25,5-6 ) und die
Funktion des 'erlösenden Verwandten' enthält eine weitere Bedeutung des
Buches Rut. Rt 4,9-17 berichtet darüber, wie Boas diese Funktion
übernahm und die Witwe Rut heiratete. Der Bericht hat einen starken
Unterton, nämlich die Gnade des erlösenden Verwandten, da Boas nicht zu
den durch das Leviratsehengesetz verpflichteten Verwandten gehörte, da
er kein Bruder des verstorbenen Machlon war. Seine Bereitschaft, die
Verantwortung auf sich zu nehmen, zeigt die Qualität seines Charakters
und seine Liebe zu Rut. Diese Bereitschaft setzt Boas in Gegensatz zu
seinem Vorfahren Juda, einem der zwölf Söhne Jakobs. Juda handelte nicht
verantwortungsvoll gegenüber seiner Schwiegertochter Tamar. Er hatte
drei Söhne von seiner kanaanitischen Frau. Sein ältester Sohn heiratete
Tamar, die ebenfalls Kanaaniterin war. Dieser Sohn, Er, war gottlos,
weshalb Gott sein Leben nahm ( 1Mo 38,7 ). Juda gab Tamar deswegen
seinen zweiten Sohn Onan, damit dieser seine Leviratsverantwortung
wahrnehmen und einen Sohn für seinen Bruder aufziehen sollte. Onan "wußte, daß die Kinder nicht sein eigen
sein sollten" ( 1Mo 38,9 ), da die von ihm und Tamar gezeugten Kinder
nicht seinen, sondern den Namen seines Bruders tragen würden. Deswegen
ließ er seinen Samen auf den Boden fallen, obwohl er sich der sexuellen
Beziehung zu Tamar erfreute. Wegen der Weigerung, seine
Leviratsverantwortung wahrzunehmen, mißfiel Onan Gott und mußte sterben
( 1Mo 38,10 ). Nach Onans Tod gab Juda Tamar seinen dritten
Sohn Schela nicht. Es schien so, als würde die Familienlinie aussterben.
Aber nachdem Juda Witwer geworden war, verstellte sich Tamar als Hure
und verführte ihn. Sie wurde schwanger und gebar Zwillinge, Perez und
Serach. Juda erklärte trotz des Vorgehens Tamars, daß sie gerechter sei
als er, da er sich geweigert hatte, ihr den dritten Sohn zu geben und
die Anforderungen des Gesetzes der Leviratsehe zu erfüllen ( 1Mo
38,11-30 ). Als die Ältesten im Tor von Bethlehem die
Leviratsehe von Boas und Rut schlossen, segneten sie die Verbindung mit
Hinweis auf Perez, den Tamar Juda geboren hatte ( Rt 4,9-12 ). Rut stand
im Gegensatz zu Tamar, weil sie die Leviratsehe unter Beachtung des
mosaischen Gesetzes vollzog, während Tamar dazu Lüge und Verführung
benutzte. Ohne die Geburt von Perez (durch Tamar) und Obed (durch Rut)
wäre der Stammbaum von Juda zu David unterbrochen worden. Die Gnade wird dadurch deutlich, daß Gott
mehrere Nichtisraeliten in die Linie Davids einschloß. Da dies die Linie
war, aus der später der Messias kommen sollte, ist die Aufnahme von
Heiden eine Vordeutung der Aufnahme der Heiden in die Gemeinde durch den
größten Sohn Davids, den Herrn Jesus Christus. Vier nichtjüdische Frauen
werden in Mt 1 im Stammbaum Jesu als einzige Frauen erwähnt: Tamar ( Mt
1,3 ), Rahab ( Mt 1,5 ), Rut ( Mt 1,5 ) und Urias Frau, also Batseba (
Mt 1,6 ). Tamar war Kanaaniterin und wurde die Mutter der Kinder Judas,
Perez und Serach. Rahab war eine kanaanitische Hure und wurde eine
Vorfahrin von Boas (vgl. den Kommentar zu Rt 4,21 ). Rut war Moabiterin
und wurde die Mutter von Obed. Batseba, die David Salomo gebar, galt
wohl als Hetiterin, da sie mit dem Hetiter Uria verheiratet gewesen war. Das Buch Rut ist eine wunderschöne romantische
Geschichte mit symmetrischem Aufbau, die mit tragischen Umständen
beginnt und mit einer fröhlichen Erfüllung endet. Es ist ein Buch der
Suche. Rut suchte ein Haus, eine Versorgung, einen Ehemann und letztlich
einen Sohn. Obwohl sie verwitwet und ohne Nachkommen war, schenkte der
Herr ihr einen Ehemann und einen Sohn. Noomi verlor ihren Ehemann und ihre beiden
Söhne in Moab. In ihrer Niedergeschlagenheit übersah sie den Wert ihrer
moabitischen Schwiegertochter Rut. Doch am Ende des Buches wird Noomis
Niedergeschlagenheit in Freude verwandelt. Ihre Nachbarn erinnerten sie
daran, daß Rut mehr wert sei als sieben Söhne. Noomi hielt ihren Enkel
Obed in den Armen. Doch ihre Nachbarn nannten Obed Noomis "Sohn" ( Rt
4,17 ), weil Boas die Leviratspflichten willig auf sich genommen hatte. Schwiegermutterwitze gehören zum Repertoire
jedes Komödianten. Dies mag zur Zeit Noomis genauso gewesen sein. Doch
Ruts Liebe und Fürsorge für ihre alte Schwiegermutter ist ein Vorbild
für alle Generationen. Die Tatsache, daß Boas Noomi ebenso versorgte,
zeigt, daß er darin mit Rut völlig in Einklang stand. Das Buch Rut ist
die schönste Schwiegermuttergeschichte und sollte deswegen immer wieder
erzählt werden. Theologische Schwerpunkte Der Autor von Rut betont bestimmte theologische
Wahrheiten. Die Namen Gottes werden unterschiedlich häufig verwendet.
"Herr" (Jahwe) wird 17 Mal verwendet, "Gott" ( ?MlOhIm ) dreimal ( Rt
1,16 [zweimal]; Rt 2,12 ) und "der Allmächtige" ( Sadday ) zweimal ( Rt
1,20.21 ). Jahwe war der Bundesname Gottes, der sein aktives Eingreifen
in das Leben seines Bundesvolkes bezeichnete. Bei zwei Gelegenheiten spricht der Autor direkt
über die Souveränität Gottes, der gnädig an den Hauptpersonen des Buches
handelt: 1) Noomi lernte "im Moabiterland, daß der Herr sich seines
Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte" ( Rt 1,6 ); Rut war in
Moab jahrelang unfruchtbar gewesen, bevor ihr Mann starb. Später
ermöglichte ihr es "der Herr", als Frau des Boas, "daß sie schwanger
ward, und sie gebar einen Sohn" ( Rt 4,13 ). Achtmal sprechen die Hauptpersonen des Buches
von Gottes Handeln ( Rt 1,13.20-21 [fünfmal]; Rt 2,20;4,12.14 ). Der
Herr wurde regelmäßig gebeten, Gebete um ihretwillen zu erhören ( Rt
1,8-9;2,12;4,11-12 ). Fünfmal wurde der Segen Gottes für gläubige
Menschen erfleht ( Rt 2,4 [zweimal]; Rt 2,19-20;3,10 ). Rut und Boas
verpflichteten sich, ihre Verantwortung im Licht der Treue Gottes zu
tragen ( Rt 1,17;3,13 ). Boas empfahl Rut, Zuflucht unter den Flügeln
des Gottes Israels zu suchen ( Rt 2,12 ). Gott handelt immer verantwortlich und führt
seinen Plan aus. Die Frage ist jedoch, ob die Personen des Buches Rut in
verantwortlicher Weise antworten. Elimelech handelte verantwortungslos,
indem er Bethlehem verließ und nach Moab zog ( Rt 1,2 ). Noomi dagegen
handelte verantwortlich, indem sie zurückkehrte ( Rt 1,7 ). Orpa kehrte
in ihre Heimat und zu den moabitischen Göttern zurück; Rut entschied
sich im Gegensatz dazu, Noomis Gott zu folgen und sie zu versorgen ( Rt
1,14-17 ). Obwohl der nächste Verwandte sich weigerte, Rut zu lösen,
handelte Boas verantwortlich und vollzog die Lösung ( Rt 3,12;4,1-10 ).
Die verschiedenen Formen für "Lösung", "lösen", "Löser" werden 20 Mal in
Rut gebraucht, wodurch dieser Begriff zu einem der Schlüsselbegriffe des
ganzen Buches wird. Ein anderer Schlüsselbegriff ist HeseD , der
von der Hingabe aus Liebe und der Güte für solche, denen gegenüber man
Verantwortung trägt, spricht. Noomi bat den Herrn, ihrer
Schwiegertochter HeseD zu erweisen ( Rt 1,8 ). Sie sprach von Gottes
HeseD zu ihr selbst durch alles, was Boas für Rut getan hatte ( Rt 2,20
). Boas betonte die HeseD Ruts, weil sie ihn um die Heirat bat und nicht
nach einem jüngeren Mann suchte. Ihre Güte ihm gegenüber war für Boas
sogar größer als ihre frühere Güte Noomi gegenüber ( Rt 3,10 ). Er
selbst zeigte seine HeseD , als er über die Grenze dessen hinausging,
wozu er verpflichtet war, und Rut heiratete. Die Botschaft Die Botschaft des Buches könnte eine
Bestätigung der Thronrechte König Davids gewesen sein. Daß Gott in
seiner souveränen Erhaltung und Fürsorge der Welt diese Geschichte
geschehen ließ, kann Christen in ihrem Glauben bestärken, daß Gott auch
in ihrem Leben handelt. Die für alle Zeiten gültige Wahrheit des Buches
könnte man wie folgt formulieren: Der Herr ist in seinem liebenden,
vorsorgenden und planenden Handeln für sein Volk treu. Gottes Volk
sollte deswegen mit seinem Handeln im alltäglichen Leben rechnen. Da
sein Volk wie Rut und Boas Empfänger seiner Gnade ist, sollte es in
glaubendem Gehorsam Gott antworten, auch, indem es anderen gegenüber
Güte erweist. In einer Zeit der Verantwortungslosigkeit in
der Geschichte Israels war das Buch Rut ein klarer Aufruf zu einem
verantwortlichen Leben. Diese Botschaft ist heute genauso nötig. Boas ist ein Bild für seinen größten
Nachkommen, den Herrn Jesus Christus. Boas löste in seiner Gnade Rut.
Christus handelte in Gnade und gab sich selbst als Erlöser dahin, um die
Erlösung für alle Menschen zu erwirken. GLIEDERUNG I. Einführung ( 1,1-5 )
A. Eine tragische Reise ( 1,1-2 )
B. Eine drückende Leere ( 1,3-5 ) II. Auf der Suche nach einer Heimat durch den
Glauben ( 1,6-22 )
A. Eine Wahl der Liebe ( 1,6-18 )
B. Eine bittersüße Rückkehr ( 1,19-22 ) III. Auf der Suche nach der verantwortlichen
Fürsorge ( Kap.2 )
A. Ein von Gott herbeigeführtes Ereignis ( 2,1-3 )
B. Eine wohlverdiente Güte ( 2,4-17 )
C. Ein Ausdruck der Freude ( 2,18-23 ) IV. Auf der Suche nach der lösenden Liebe (
Kap.3 )
A. Ein Plan für die Lösung ( 3,1-5 )
B. Ein Anspruch auf die Lösung ( 3,6-9 ) C.
Eine Bitte um die Lösung ( 3,10-15 )
D. Eine Vorwegnahme der Lösung ( 3,16-18 ) V. Der Lohn für die lösende Liebe ( 4,1-13 )
A. Eine Zurückweisung der Lösung ( 4,1-8 )
B. Eine vollzogene Lösung ( 4,9-12 )
C. Die Lösung als Lohn ( 4,13 ) VI. Schluß ( 4,14-22 )
A. Eine fröhliche Erfüllung ( 4,14-17 )
B. Ein überraschender Stammbaum ( 4,18-22 ) AUSLEGUNG I. Einführung ( 1,1 - 5 ) Die Erzählung beginnt mit der notwendigen
Erwähnung der Zeit, der Namen, der Orte und der Ereignisse. Die
Ausgangslage war traurig, weil eine Familie aufgrund einer Hungersnot
gezwungen war, Bethlehem zu verlassen und ins Ausland zu ziehen. Doch
diese Lage wurde ein Anlaß für Gott, seine Gnade zu zeigen. Die
Entfaltung der Geschichte zeigt, wie Gott in seiner souveränen Fürsorge
den Nöten seines Volkes begegnet. A. Eine tragische Reise ( 1,1 - 2 ) Rt 1,1 Die Ereignisse, die im Buch Rut berichtet
werden, fanden zur Zeit der Richter statt, vermutlich zur Zeit des
Richters Gideon (vgl. den Abschnitt "Historische und literarische
Fragen" in der Einleitung ). Die Hungersnot im Land war vermutlich
Gottes Handeln als Gericht über sein sündiges Volk. Viele Jahre später
sandte Gott in den Tagen Elias eine andere Hungersnot wegen der
Verehrung Baals als Gericht über Israel ( 1Kö 16,29-; 17,1; 18,21.37;
19,10 ). Die göttliche Kontrolle über das Wachstum des
Getreides ist ein wichtiger Faktor in der Entwicklung der Ereignisse im
Buch Rut. Während der Zeit der Richter war die Anbetung der
kanaanitischen Gottheit Baal unter den Israeliten weit verbreitet ( Ri
2,11; 3,7; 8,33; 10,6.10 ). Baal galt als Besitzer des Landes und als
Herr über dessen Fruchtbarkeit. Baals weibliches Gegenstück war
Aschtoret bzw. Astarte. Die Sexualität zwischen diesen beiden Göttern
regelte angeblich die Fruchtbarkeit des Landes und der Geschöpfe. Gott hatte den Israeliten unter der Leitung
Josuas befohlen, das Land von den Kanaanitern und ihren Göttern zu
säubern ( 5Mo 7,16; 12,2-3; 20,17 ). Das Versagen der Israeliten in
diesem Punkt ( Jos 16,10; Ri 1,27-33 ) beließ die Versuchung im Land,
den landwirtschaftlichen Segen nicht von Gott, sondern von den
kanaanitischen Götzen zu erwarten. Vielleicht waren auch die kultische
Prostitution und die sexuellen Praktiken in der Baalsverehrung eine
Versuchung für die Hebräer. Interessanterweise hatte Gideons Vater Baal
einen Altar erbaut, den Gideon aber zerstörte ( Ri 6,25-32 ). Das Buch
Rut zeigt, daß es weiser ist, sich auf Gott und seine Vorsorge zu
verlassen, statt auf die kanaanitischen Gottheiten. Bethlehem liegt etwa 8 km südlich von
Jerusalem. Später wurden Obed, der Sohn von Boas und Rut, und Obeds
Enkel David in Bethlehem geboren ( Rt 4,18-22; 1Sam 17,58 ). Bethlehem
war natürlich auch der Geburtsort des größten Sohnes Davids, des Herrn
Jesus Christus ( Lk 2,4-7 ). Ein Mann aus Bethlehem entschied sich, mit
seiner Familie nach Moab , etwa 80 km östlich auf der anderen Seite des
Toten Meeres, zu ziehen. Er wollte dort nur für kurze Zeit leben. Es
wird nichts darüber gesagt, warum er Moab auswählte. Wahrscheinlich
hatte er gehört, daß dort keine Hungersnot herrschte. Die folgenden
Ereignisse zeigen jedoch, daß dies eine schlechte Entscheidung war und
Bethlehem, nicht Moab, der Ort war, an dem Gott ihn segnen wollte. Die
Einwohner Moabs waren von der Versammlung des Herrn ausgeschlossen ( 5Mo
23,3-6 ). (Zur Herkunft der Moabiter vgl. den Abschnitt "Historische und
literarische Fragen" in der Einleitung ; vgl. 1Mo 19,30-38 .) Sie
verehrten den Gott Kemosch. Diese Verehrung ähnelte der Verehrung Baals. Rt 1,2 Der Name des Mannes war Elimelech , seine Frau
hieß Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon . Manche Ausleger
stellen die Bedeutung des Namens Elimelech ("Mein Gott ist König")
besonders heraus, doch es bleibt eigentlich gleich, ob Elimelech gemäß
seines Namens lebte oder nicht (vgl. den Kommentar zu V. 20 - 21 wegen
des Wortspiels mit Noomis Namen). Efratiter bezeichnet die Einwohner von
Efrat (auch Efrata genannt), einem anderen Namen für Bethlehem (vgl. Rt
4,11; 1Mo 35,19; 48,7; Mi 5,1 ). B. Eine drückende Leere ( 1,3 - 5 ) Rt 1,3 Es wird nicht gesagt, wie lange die Familie in
Moab gelebt hatte, bevor Noomis Mann starb. Aber Noomi hatte, obwohl sie
verwitwet war und besorgt in einem fremden Land lebte, eine Hoffnung,
solange ihre beiden Söhne lebten. Noomi wird nun die Hauptperson der
Erzählung. Rt 1,4 Beide Söhne Noomis heirateten moabitische
Frauen , nämlich Orpa und Rut . Die Eheschließungen werden nicht
verurteilt. Das mosaische Gesetz verbot den Israeliten zwar, Kanaaniter
zu heiraten ( 5Mo 7,3 ), aber es sagte nirgends, daß sich dieses Verbot
auch auf Moabiter bezieht. Die späteren Erfahrungen Salomos beweisen
jedoch, daß die größte Gefahr in solchen Eheschließungen die Versuchung
war, den Göttern einer ausländischen Frau zu dienen ( 1Kö 11,1-6; vgl.
Mal 2,11 ). Es besteht kein Zweifel, daß orthodoxe Israeliten es für
unweise gehalten hätten, eine moabitische Frau zu heiraten. Das Buch Rut gibt nicht an, wie lange diese
Ehen dauerten, sondern nur, daß beide kinderlos waren. Erst in Rt 4,10
erfährt der Leser, welcher der Söhne mit Rut verheiratet gewesen war,
nämlich Machlon. Sie ... lebten etwa 10 Jahre in Moab , was vermutlich
wesentlich länger war, als die Familie ursprünglich beabsichtigt hatte
(vgl. Rt 1,1 ). Rt 1,5 Schließlich starben beide Söhne Noomis. Die
jüdische Tradition sieht in dem Tod der drei Männer (Elimelech, Machlon
und Kiljon) das Gericht Gottes über den Fortzug aus Bethlehem. Auch wenn
dies möglich ist, geht es doch nirgendwo aus dem Text hervor. Noomi
stand nun vor einer Anhäufung von Anlässen zur Trauer. Ihr Ehemann und
ihre einzigen Söhne waren vorzeitig gestorben. Sie war ein Fremdling in
einem fremden Land. Wenn der Familienname weitergetragen werden sollte,
mußte es einen Erben geben. Aber ohne Söhne blieb Noomi ohne Hoffnung .
Ihre moabitischen Schwiegertöchter boten ihr keinen Weg an, einen Erben
zu erhalten. II. Auf der Suche nach einer Heimat durch den
Glauben ( 1,6 - 22 ) Hier beginnt die eigentliche Erzählung. Der
Dialog ist das Hauptstilmittel des Erzählers. 59 von 84 Versen des
ganzen Buches enthalten Dialoge. Der erste Dialog beginnt in Rt 1,8
.Noomi entschied sich, in ihre Heimat zurückzukehren und war davon
überzeugt, daß sie dazu ihre Schwiegertöchter in Moab zurücklassen
mußte, weil das das beste für diese war. Sie war erstaunt, als Rut sich
dafür entschied, mit ihr zu ziehen. A. Eine Wahl der Liebe ( 1,6 - 18 ) Rt 1,6-7 Noomi erfuhr, daß es in ihrer Heimat wieder
regnete. Die Hungersnot war zu Ende, und Gott sorgte wieder für Nahrung
(Getreide vom Feld und Früchte von den Bäumen). Es war der Herr, der die
Hungersnot beendete und Regen schenkte, nicht Baal, von dem die
Kanaaniter glaubten, daß er für den Regen verantwortlich sei. Rückkehr
(Heimkehr) ist in seinen verschiedenen Formen ein Schlüsselwort im Buch
Rut. In Kapitel 1 wird es häufig verwendet. Wir haben hier eine schöne
Illustration für Buße und Umkehr vor uns. Noomi kehrte die Richtung um,
die sie und ihr Mann eingeschlagen hatten. Sie kehrte sich von Moab und
ihren früheren Irrwegen ab. Sie kehrte sich ebenso von den tragischen
Gräbern ihrer Lieben ab und eilte zurück nach Juda , ihrer Heimat. Rt 1,8 Noomi, die fühlte, daß die Aussichten auf eine
Wiederheirat ihrer Schwiegertöchter in Israel gering waren, drängte
diese, in Moab zu bleiben. Ihre Aufforderung, daß jede in das Haus ihrer
Mutter zurückkehren solle, ist in einer von Männern dominierten
Gesellschaft erstaunlich. Da Noomi jedoch an die Wiederheirat ihrer
Schwiegertöchter dachte, verwies sie diese an ihre Mütter, weil sie mit
diesen ihre Heiratspläne besprechen konnten. Das Wort Güte kommt von dem hebr. Wort HeseD .
Es ist ein dominanter Begriff im Buch Rut (vgl. Rt 2,20;3,10 ) wie im
ganzen AT. Er spricht von Gottes Bundestreue zu seinem Volk und schließt
Gnade ein, weil Güte auch gewährt wurde, wenn sie unverdient war. Hier
gingen der göttliche Wille und das menschliche Handeln Hand in Hand.
Gott und Mensch handelten in HeseD . Die Grundlage für Noomis Segen war
das gütige Handeln von Rut und Orpa an ihren Ehemännern und an Noomi.
Beide jungen Frauen waren es in den Augen ihrer Schwiegermutter wert,
daß sie die Güte Gottes für sie erbat. Auch wenn sie Ausländer waren,
hatten sie doch israelitische Männer geheiratet und standen dadurch mit
im Bund Gottes. Rt 1,9-10 Noomi bat dann Gott, jeder einen Ort der Ruhe
mit einem neuen Ehemann zu geben. Diese Bitte wird zu einem
Hauptbestandteil des gesamten Buches. Eine Heirat bedeutete Sicherheit
für die Frau. Ironischerweise scheint Rut diese Sicherheit aufzugeben,
als sie Moab verließ. Noomis Küsse waren als Zeichen des Abschieds
gedacht, aber beide Schwiegertöchter erklärten ihren Wunsch, mit Noomi
zurückzukehren. Vielleicht war dies ein Brauch in der damaligen Zeit. Rt 1,11 Dreimal bestand Noomi darauf, daß sie nach Moab
zurückkehren sollten (V. 11 - 12.15 ). Sie mußten ihre Wiederheirat
sicherstellen. Im Alten Orient war eine Frau ohne Ehemann in einer
schwierigen Lage, weil ihr jede Sicherheit fehlte. Besonders Witwen
waren hilflos. Noomi verwies auf die Leviratsehe in Israel. Ein Bruder
war verantwortlich, die Frau seines verstorbenen Bruders zu heiraten, um
für seinen Bruder einen Sohn zu zeugen und dadurch den Namen und das
Erbe seines Bruders zu erhalten ( 5Mo 25,5-10 ). Noomi stellte
allerdings klar, daß dies in diesem Fall nicht möglich sein würde, weil
sie keine weiteren Söhne hatte. Rt 1,12-13 Noomi sagte, daß sie über das Alter, in dem man
Kinder gebärt, hinaus sei. Selbst wenn sie einen neuen Ehemann erhalten
und Söhne gebären würde, wäre es unsinnig, wenn Orpa und Rut warten
wollten, bis diese herangewachsen seien. Noomi schien die Trauer ihrer Schwiegertöchter
nicht richtig empfunden zu haben. Sie hielt ihren Fall für bitterer,
weil ihre Schwiegertöchter ja immerhin noch Kinder gebären konnten. Sie
betrachtete ihr Leid als eine Anfechtung Gottes (vgl. V. 20 - 21 ).
Noomi befand sich offensichtlich in einem Zustand großer Trauer, der sie
dazu veranlaßte, in ihrem Ärger gegen Gott zu sprechen. Trotzdem war sie
auch weiter eine Frau des Glaubens. Sie hatte keine Zweifel daran, daß
Gott in ihrem Leben handelte (vgl. V. 8-9 ; 2,20 ). Sie sah Gott als
souveränen Herrscher, der die letzte Ursache für alle Ereignisse des
Lebens ist. Rt 1,14 Orpa sollte nicht vorschnell dafür kritisiert
werden, daß sie nach Moab zurückkehrte. Sie gehorchte damit den Wünschen
ihrer Schwiegermutter. Sonst wird im Buch Rut nichts weiter über sie
gesagt. Vermutlich heiratete sie in Moab erneut. Rut tat dagegen das Unerwartete. Während Orpa
sich dafür entschied, einen neuen Ehemann zu suchen, blieb Rut bei Noomi
und entschied sich offensichtlich, ihrer verwitweten Schwiegermutter zu
dienen, anstatt einen neuen Mann zu suchen. Sie war sich dabei wohl
bewußt, daß diese Entscheidung bedeuten würde, nie wieder einen Ehemann
oder Kinder zu haben. Nach Jak 1,27 war die Sorge für eine Witwe ein
Beispiel für wahren Gottesdienst. Rt 1,15 Noomi bedrängte Rut noch einmal, nach Moab
zurückzukehren. Sie verwies auf Orpas Gehorsam gegenüber ihrer Bitte.
Noomi war sich im klaren darüber, daß eine Entscheidung zur Rückkehr
nach Moab auch den fortgesetzten Einfluß der moabitischen Götter ,
einschließlich des Hauptgottes Kemosch ( 4Mo 21,29; 1Kö 11,7 ), mit sich
brachte, aber die Bedeutung eines neuen Ehemannes für Rut schien
wichtiger zu sein. Sie machte es Rut nicht leicht, zum Glauben an den
Gott Israels zu kommen. Rt 1,16 Rut hatte dreimal der Aufforderung ihrer
Schwiegermutter, nach Moab zurückzukehren, widerstanden (V. 11 - 12.15
). Sie wählte ein Leben mit Noomi anstelle ihrer Familie, ihrer
Nationalität und ihres Götzendienstes. In einer der schönsten
Ausdrucksformen der Hingabe in der Weltliteratur verband sie ihre
Zukunft mit der Noomis. Sie erklärte das Volk Israel ( dein Volk ) zu
ihrem Volk und den Gott Israels ( dein Gott ) zu ihrem Gott. Wir haben
hier ein deutliches Beispiel eines völligen Bruches mit der
Vergangenheit vor uns. Wie Abraham entschied sich Rut dafür, das Land
ihrer götzendienenden Vorfahren zu verlassen und in das Land der
Verheißung zu ziehen. Doch Rut tat dies, ohne von einer Verheißung
ermuntert zu werden. Ja, sie fällte die Entscheidung sogar, obwohl Noomi
sie mehrfach ermutigte, das Gegenteil zu tun. Rt 1,17 Ruts Entscheidung war so ernst, daß sie die
Erwähnung von Tod und Begräbnis einschloß. Sie würde bei Noomi bis zum
Tod und darüber hinaus bleiben. Um die Ernsthaftigkeit ihrer
Entscheidung zu unterstreichen, rief sie das Gericht des Gottes Israels
für den Fall herab, daß sie ihre Verpflichtung zur Hingabe an ihre
Schwiegermutter brechen sollte. Ruts Bekehrung war vollständig. Die
folgenden Ereignisse zeigen, daß ihr Leben mit ihrem Bekenntnis in
Einklang stand. Rt 1,18 Noomi ließ davon ab , Rut zur Rückkehr nach
Moab zu drängen. Da Rut in ihrem Bekenntnis den Namen Gottes angerufen
hatte (V. 17 ), verstummte Noomi. Es war nichts mehr hinzuzufügen. Das
Buch Rut berichtet nirgends, daß Noomi ihre Schwiegertochter in der
Gemeinschaft derer, die auf Gott vertrauen, begrüßte. Rut hatte durch
ihren Glauben die Hindernisse überwunden, die vor ihr aufgebaut worden
waren. B. Eine bittersüße Rückkehr ( 1,19 - 22 ) Rt 1,19 Die beiden Frauen reisten nun nach Bethlehem
weiter. Der ausschließlich weibliche Charakter von Kapitel 1 wird hier
fortgesetzt, weil die ganze Stadt Bethlehem durch seine Frauen die Frage
stellt: Ist das die Noomi? Die Frage legt nahe, daß sie sich an Noomi
erinnerten, daß diese sich aber verändert hatte, vermutlich zu ihrem
Nachteil. Rt 1,20 Noomi brachte wieder, wie schon in Rt 1,13 ,in
Trauer und Depression ihren Ärger über Gott zum Ausdruck. Ihr Name sei
zwar Noomi, was "süß" oder "lieblich" bedeute, sagte sie, aber er sei in
ihrer Situation unangemessen. Sie wollte lieber Mara , also "bitter",
heißen. Als Grund führte sie an, daß der Allmächtige ( Sadday ) ihr
Leben sehr bitter gemacht habe . Indem sie von Gott als dem Allmächtigen
sprach, betonte sie seine große Macht (oder seine "Versorgung"; vgl. den
Kommentar zu 1Mo 17,1 ). Diesem großen Gott kann niemand widerstehen.
Das Unglück, das er schickt, kann niemand abwenden. Noomi hatte einen
solchen Glauben an Gott und sein persönliches Handeln in ihrem Leben,
daß sie wußte, daß auch die bitteren Erfahrungen, die sie machte, von
Gott kamen. Ihre Trauer war echt. Offensichtlich nahm sie Gott sehr
ernst. Rt 1,21 Noomis Klage wurde konkret. Vor Jahren war sie
voll , d. h. mit einem Ehemann und zwei Söhnen, nach Moab gezogen, nun
kehrte sie leer zurück . In ihrer Trauer und Depression war sie nicht in
der Lage, in ihren moabitischen Schwiegertöchtern irgendeinen Wert zu
erkennen. Später erfuhr sie jedoch großen Segen durch Rut ( Rt 4,15 ).
Noomi war sich sicher, daß Gott an allem schuld war. Ihre Rückkehr
vertiefte ihr Leid nur. Sie sah nichts als die Einsamkeit und
Hilflosigkeit einer Witwe vor sich. Ihre Klage beginnt und endet mit der
Nennung des Allmächtigen , dem Namen des allmächtigen Gottes. Gott würde
in ihr tiefes Leid bald gnädig eingreifen. Rt 1,22 Dieser Vers bildet den Übergang zur Hoffnung
für Noomi und Rut. Gott war nicht ihr Gegenspieler, sondern handelte in
seiner souveränen Fürsorge zugunsten der beiden Witwen. Noomi hatte Bethlehem wegen einer Hungersnot
verlassen. Nun kehrte sie mit Hunger in ihrer Seele zurück. Die
Gerstenernte in Bethlehem mußte ein willkommenes Zeichen gewesen sein,
auch wenn es Noomi in ihrer Trauer nicht erkannt haben mag. (Die
Gerstenernte lag im Monat Nisan [März/April]; vgl. die Übersicht "Der
Kalender in Israel" bei 2Mo 12 .) Noomi meinte, sie sei mit leeren Händen
zurückgekehrt. Doch sie hatte Rut, die Moabiterin , bei sich. Die Ernte
war reif, und deswegen gab es Hoffnung. III. Auf der Suche nach der verantwortlichen
Fürsorge ( Rt 2 ) Rut war nun eine Gläubige (vgl. V. 12 ), und
sie lebte in Israel. Wie würde sie sich verhalten? Da die Moabiter von
der Versammlung Israels ausgeschlossen waren ( 5Mo 23,4 ), war sie aus
Gnade dort. Die Ereignisse in Kapitel 2 zeigen, wie sie aufgenommen
wurde. In diesem Kapitel wird auch eine weitere Person, nämlich Boas,
ein reicher Bauer, eingeführt. Würde er ein verantwortungsvolles
Mitglied der göttlichen Versammlung Israels sein? Noomi war zu Hause.
Würde ihr Leid vergehen und ihre Depression heilen? Durch ihre Worte und
Taten offenbaren die drei Personen ihren wahren Charakter.
A. Ein von Gott herbeigeführtes Ereignis ( 2,1 - 3 ) Rt 2,1 War die Erzählung bisher von Frauen bestimmt,
wird nun ein wichtiger Mann in die weitere Erzählung eingeführt. Boas
war ein naher Verwandter von Elimelech , dem verstorbenen Mann Noomis (
Rt 1,2-3; vgl. Rt 2,3 ). Er war ein Mann mit ungewöhnlichen Qualitäten.
Die hebr. Worte für ein angesehener Mann , ?IS gibbNr Hayil , bedeuten
wörtl. "ein mächtiger Mann von Wert". Genauso werden auch die Richter
Gideon und Jeftah bezeichnet, die "streitbare Männer bzw. Helden"
genannt wurden ( Ri 6,12; 11,1 ). Sie waren wertvolle Männer, die in der
Lage waren, etwas zu erreichen und im Krieg als unverzichtbar galten.
Boas war ein ebensolcher Mann in seiner Gemeinde und lebte einen
vorbildlichen Lebensstil (vgl. Hayil für Rut in Rt 3,11 ). Rt 2,2 Der Verfasser erinnert seine Leser noch einmal
daran, daß Rut eine Moabiterin war. Vielleicht will er damit ihre
zuvorkommende Behandlung durch Boas noch unterstreichen. Rut kannte das
Recht der Armen in Israel, Getreide auf einem Feld zu sammeln, das von
den Erntearbeitern schon abgeerntet war. Die Ecken der Felder sollten
bewußt nicht abgeerntet werden, um für die Armen auszureifen ( 3Mo
19,9-10; 23,22 ). Einige großzügige Bauern waren bekannt dafür, daß sie
bis zu einem Viertel ihres Getreides für die Armen und Fremden stehen
ließen. Rut wartete nicht, bis Noomi ihr diente, sondern ergriff die
Initiative. Noomi ermutigte Rut, zu gehen. Rt 2,3 Weil Boas bereits in Vers 1 eingeführt wurde,
ist klar, daß sich Rut nicht durch Zufall auf dem Feld von Boas befand.
Sie war im Gehorsam gegenüber ihren Rechten nach dem Gesetz Gottes
vorwärts gegangen und wurde durch Gnade an einen Ort geführt, den Gott
vorbereitet hatte. Dieselbe souveräne Führung, die später die Magier
nach Bethlehem führte ( Mt 2,1-8 ), brachte Rut auf das richtige Feld in
Bethlehem. Noch einmal erklärt der Verfasser, daß Boas aus dem
Geschlecht Elimelechs stammte (vgl. Rt 2,1 ). Diese Tatsache ist für die
kommenden Ereignisse von Bedeutung. B. Eine wohlverdiente Güte ( 2,4 - 17 ) Rt 2,4 Der geistliche Umgang zwischen Boas und seinen
Arbeitern war von Wärme und Herzlichkeit geprägt. Als er sie mit dem
Segen "Der HERR sei mit euch" begrüßte, antworteten sie ganz ähnlich
"Der HERR segne dich" . Der Glaube war in ihrem Leben aktiv. Boas sprach
die Sprache des Glaubens. Würde sein Handeln mit seinen Worten
übereinstimmen? Rt 2,5-6 Als Boas unter den Ährenlesern eine junge Frau
entdeckte, wurde seine Neugier geweckt. Als er danach fragte, wer sie
sei, bezeichnete der Vorarbeiter sie als die Moabiterin, die aus Moab
zusammen mit Noomi zurückgekehrt war. Einige Ausleger meinen, daß der
Hinweis auf Moab Rut herabsetzen sollte, aber der Text gibt keine
Veranlassung dazu. Rt 2,7 Der Vorarbeiter fügte hinzu, daß Rut um
Erlaubnis gefragt hatte, hinter den Garben sammeln zu dürfen. Sie habe
ununterbrochen von der Zeit, als sie am Morgen kam, mit Ausnahme einer
kurzen Ruhepause gearbeitet. Damit stellte er fest, daß Rut eine
fleißige Arbeiterin sei. Rt 2,8-9 Boas sprach Rut im Hinblick auf ihren
Altersunterschied als "meine Tochter" (vgl. Rt 3,10-11 ) an. Boas kam
eher an das Alter von Noomi heran (vgl. "jüngere Männer", Rt 3,10 ). Er
sprach nicht nur von seinem Glauben an den Herrn ( Rt 2,4 ), sondern
auch seine Taten stimmten mit seinen Worten überein. Als er Rut anwies,
weiterhin auf seinem Feld Ähren zu lesen, meinte er offensichtlich, daß
sie während der ganzen mehrwöchigen Erntezeit (vgl. V. 23 ) Gerste
(März/April) und Weizen (Juni/Juli) sammeln solle. Normalerweise kamen
die Ährenleser erst auf ein Feld, wenn die Erntearbeiter es verlassen
hatten. Doch Rut wurde aufgefordert, den Mägden, die die Ernte
einsammelten, direkt zu folgen. Boas versicherte Rut, daß sie vor allen
Bemerkungen oder erschreckenden Ereignissen seitens der männlichen
Arbeiter sicher sei (vgl. V. 15 ). Wenn sie durstig würde, sollte sie
sich keine Sorgen wegen des Wassers machen, sondern von dem Wasser
trinken, das für die Arbeiter bereitgestellt wurde. Auf verschiedene
Weisen versorgte Boas Rut damit weit über das hinaus, was das Gesetz von
ihm verlangte (vgl. V. 16 ). Rt 2,10 Rut antwortete mit äußerster Demut. Sie fiel
auf ihr Angesicht und verneigte sich zur Erde , eine Geste, die im Alten
Orient weit verbreitet war und in der Bibel oft erwähnt wird (vgl. z. B.
1Mo 19,1; 42,6; 43,26; 48,12; Jos 5,14; 2Sam 1,2 ). Sie war von der
Gnade (vgl. Rt 2,2.13 ) überrascht, die sie von diesem wichtigen Mann
empfing. Das Wort Gnade ( HEn , auch "Annahme") wird im AT oft gebraucht
(z. B. 1Mo 6,8; 18,3; 30,27; Ps 84,12; Spr 3,3.34 ). Rut hatte eine
gegenteilige Behandlung erwartet. Sie empfing Gnade und war dankbar
dafür. Aber sie war bestrebt, herauszufinden, warum gerade sie für eine
solch ungewöhnliche Behandlung auserwählt worden war, da sie ja eine
Ausländerin und Fremde war. Rt 2,11 Boas wußte viel über Rut. Die Nachrichten über
sie hatten sich in der kleinen Stadt schnell verbreitet. Er war von dem,
was Rut für Noomi getan hatte, tief beeindruckt und sprach von ihr mit
Worten der höchsten Anerkennung. Seine Worte darüber, daß sie ihre
Eltern und ihr Vaterland verlassen hatte, um mit einem Volk zu leben,
das sie nicht kannte, erinnern an die Worte Gottes bei der Berufung
Abrams ( 1Mo 12,1 ). Rt 2,12 Boas betete dafür, daß Gott Rut ihre Güte, die
sie ihrer Schwiegermutter erwiesen hatte, vergelten würde. Er
unterstrich seine Bitte mit dem Gebet, daß sie einen reichen Lohn von
dem Gott erhalten möge, an den sie zum Glauben gekommen war. Er verglich
dies mit dem Bild der Zuflucht unter den Flügeln Gottes , also dem
Küken, das unter den Flügeln der Henne Schutz sucht (vgl. Ps 17,8; 36,8;
57,2; 61,5; 63,8; 91,4; Mt 23,37 ). Sie vertraute auf Gottes Schutz.
Bald sollte Boas selbst das Werkzeug sein, das Gott zur Erfüllung seines
Gebetes benutzte. Rt 2,13 Obwohl die Worte Boas' Anlaß zum Stolz geben
konnten, antwortete Rut weiterhin in Demut. Noomi hatte keine Worte der
Ermutigung gesprochen, doch dieser Mann sprach solche Worte, die ihre
Seele erwärmten. Rut zeigte ihren Dank für die Güte und Fürsorge von
Boas (vgl. V. 2.10 ) und brachte die Hoffnung zum Ausdruck, daß sie
anhalten würden. Sie hielt sich für geringer als die Mägde von Boas. Rt 2,14 Boas setzte seine Güte gegenüber Rut fort. Er
lud sie ein, von dem guten Essen zu essen, das für ihn und seine
Erntearbeiter zubereitet worden war. Rut wurde nicht sich selbst
überlassen, wie dies sonst mit Ährenlesern der Fall war. Boas gab ihr
mehr, als sie überhaupt essen konnte, entweder um sein ernstes Interesse
an ihr zu zeigen oder um ihr die Möglichkeit zu geben, ihrer
Schwiegermutter etwas nach Hause mitzunehmen (vgl. V. 18 ). Der
Essigtrank war offensichtlich eine Spezialität, die das Essen
bereicherte. Geröstete Körner waren damals ein Grundnahrungsmittel. Es
bestand aus auf einer Eisenplatte über einem offenen Feuer gerösteten
Gerstenkörnern. Rt 2,15-16 Rut blieb nicht lange bei der Mahlzeit. Nachdem
sie zum Ährensammeln zurückgekehrt war, wies Boas seine Arbeiter an,
mehr zu tun, als sie nur Ähren auflesen zu lassen. Sie sollten sie
zusätzlich zwischen den Garben auflesen und ganze Gerstenbüschel auf
ihren Weg fallen lassen, so daß sie überreichlich versorgt sei. Auch
dies ging weit über das hinaus, was das Gesetz von Boas verlangte (vgl.
V. 9 ). Außerdem sollten seine Männer Rut nicht ermahnen oder sonstwie
behindern. Rt 2,17 Nachdem Rut den ganzen Tag hart gearbeitet
hatte, klopfte sie die Ähren aus und hatte am Ende etwa einen Scheffel
Gerste. Dies war ein ungewöhnlich reiches Ergebnis für einen Tag der
Ährenlese und reichte für viele Tage aus. C. Ein Ausdruck der Freude ( 2,18 - 23 ) Die Heimkehr Ruts beendete Noomis Leere und
erfüllte die ältere Frau mit Dankbarkeit und Hoffnung. Rt 2,18 Als Rut den Scheffel Gerste, den Ertrag ihrer
Mühe, nach Hause brachte, sah Noomi die große Menge. Dazu gab ihr Rut
die Extraportion, die sie von der Mahlzeit mit Boas aufgehoben hatte
(vgl. V. 14 ). Hier war eine Witwe, die nicht, wie so oft, bei der
täglichen Versorgung übersehen wurde (vgl. Apg 6,1 ). Noomi wurde von
Rut versorgt. Rt 2,19 Noomi erfragte den Namen des Wohltäters und
betete um den Segen für ihn, bevor Rut die Frage beantworten konnte. Rut
teilte ihr daraufhin mit, daß sie auf dem Feld von Boas gearbeitet
hatte. Rt 2,20 Noomi wiederholte ihre Segnung, als sie wußte,
wem sie eigentlich galt (vgl. V. 19 a). Die Nacht des Leidens und der
Nebel der Depression wich der Morgendämmerung eines neuen Freudentages.
So wie Gott die Quelle ihres Leidens gewesen war ( Rt 1,20-21 ), war er
auch die Quelle ihrer Freude. Gottes Güte ( HeseD ; vgl. Rt 3,10 und den
Kommentar zu Rt 1,8 ) ruhte wieder auf den Lebendigen, auf Rut und ihr
selbst. Noomis Geist erfaßte sofort die Bedeutung der
Situation. Sogar die Toten könnten bald gepriesen werden, weil der Name
Elimelechs, ihres verstorbenen Mannes, durch die treue Schwiegertochter
Rut fortleben könnte. Boas war ein naher Verwandter, ja noch mehr, er
war ein Löser ("Erlöser"). Er konnte den Besitz und die Personen lösen.
Er konnte als levir (ein lateinischer Begriff für Schwager) handeln.
Boas konnte lösen, indem er das Leviratsehengesetz erfüllte, das von dem
Bruder eines verstorbenen Mannes verlangte, daß er die Witwe heiratete
und einen Sohn mit dem Namen seines Bruders aufzog ( 5Mo 25,5-10 ).
Obwohl Boas kein Bruder von Machlon, Ruts verstorbenem Ehemann war ( Rt
4,10 ), war er doch ein naher Verwandter, der als levir auftreten
konnte, wenn er wollte. Noomi spürte die Bereitschaft von Boas. Es wird
keine Erklärung gegeben, weshalb Noomi den noch vorhandenen näher
verwandten Löser nicht erwähnt (vgl. Rt 3,12 ). Rt 2,21-22 Aber Rut brachte noch mehr gute Nachrichten.
Boas hatte sie eingeladen, während der ganzen Ernte auf seinem Feld zu
bleiben (vgl. V. 8.23 ). Natürlich ermutigte Noomi Rut, dieses
großzügige Angebot von Boas anzunehmen. Sie erinnerte Rut an die
Gefährlichkeit anderer Felder. Vielleicht wollte sie dadurch die
Notwendigkeit unterstreichen, auf dem Feld von Boas zu bleiben.
Jedenfalls spielte sie damit auf die unmoralischen Zustände zur Zeit der
Richter an. Rt 2,23 Ruts Hingabe wird durch ihren Gehorsam
gegenüber den Worten Noomis offenbart. Sie sammelte mehrere Wochen
während der Gersten- und Weizenernte zusammen mit den Mägden von Boas
(vgl. V. 8 ) Ähren und lebte mit Noomi zusammen. Allerdings stieg die
Spannung, als sich die Erntezeit dem Ende zuneigte. Was würde aus den
Witwen nach der Erntezeit werden? IV. Auf der Suche nach der erlösenden Liebe ( Rt 3 ) Noomi hatte keine Depressionen mehr. Sie wurde
zum Ehevermittler und bereitete Rut darauf vor, die Liebe ihres
bereitwilligen Lösers Boas zu suchen. Die Erzählung steht an ihrem
Wendepunkt. A. Ein Plan für die Lösung ( 3,1 - 5 ) Während der Wochen der Gersten- und Weizenernte
(vgl. Rt 2,23 ) hatte Noomi Zeit, um ihren Plan auszuarbeiten. Als die
richtige Zeit gekommen war, handelte sie. Rt 3,1 Noomi war ausdauernd (vgl. Rt 1,8-15 ). Sie
widmete sich nun ganz der Suche nach Ruhe und Sicherheit durch eine
Heirat für ihre Schwiegertochter Rut. Diese hatte die Möglichkeit der
Wiederheirat aufgegeben, um sich um die alternde Noomi zu kümmern, doch
plötzlich war die Möglichkeit einer Wiederheirat jedoch gegeben. Es war
üblich, daß hebräische Eltern die Ehen für ihre Kinder arrangierten
(vgl. Ri 14,1-10 ). Ein Heim finden heißt wörtl. "einen Ruheplatz
finden" (vgl. Rt 1,9 ). Die Ruhe wurde in einem "Haus" zusammen mit
einem Ehemann gefunden. Rt 3,2 Noomi wies darauf hin, daß Boas ein Löser für
Rut sein könnte, weil er zu ihren Verwandten zählte. Er hatte ein
offenes und williges Herz. Noomi empfahl Rut, an diesem Abend auf die
Tenne zu gehen. Die Einwohner von Bethlehem wechselten sich in der
Benutzung der Dreschtenne ab. Die Tenne war eine feste, ebene Fläche auf
einer leicht erhöhten Stelle. Beim Dreschen wurden die Getreidekörner
mit Hilfe des Dreschflegels oder von im Kreis laufenden Ochsen aus den
Halmen geschlagen (vgl. Rt 2,17 ). Anschließend wurde das Getreide
geworfelt, d. h. in die Luft geworfen, damit der Wind die Spreu
davontrug. Die Getreidekörner wurden dann zum Verkauf oder Lagern
gesammelt. Das Dreschen und Worfeln war eine Zeit großer
Feste und Freude. Noomi wußte, daß Boas genau an dem Tag, den sie in
ihrem Plan ausgesucht hatte, am Dreschen war. Sie wußte außerdem, daß
Boas in der Nähe seines Getreides schlafen würde, um es zu bewachen. Rt 3,3 Rut sollte sich durch Waschen und Parfümieren
vorbereiten. Mit Kleid ist ein großes Überkleid gemeint. Dies sollte
verhindern, daß ihre Identität sofort festgestellt werden konnte. Sie
sollte Boas beim Essen und Trinken beobachten, aber ihn nichts von ihrer
Anwesenheit wissen lassen. Rt 3,4 Nachdem Boas zu Ende gegessen und getrunken
hatte, sollte Rut beobachten, an welcher Stelle er sich zur Ruhe legen
würde. Im Schutz der Dunkelheit sollte sie dann zu Boas gehen, seine
Füße entblößen und sich dort niederlegen . (Zur Bedeutung des Entblößens
der Füße vgl. den Kommentar zu V. 7 ). Boas würde Rut dann laut Aussage
von Noomi mitteilen, was sie zu tun habe. Es ist selbstredend klar, daß
Rut demnach alles tun sollte, was er ihr sagen würde. Rt 3,5 Rut erklärte, daß sie ohne Rückfragen sich in
vollem Gehorsam an alle Anweisungen ihrer Schwiegermutter halten würde
(vgl. Rt 2,22-23 ). B. Ein Anspruch auf die Lösung ( 3,6 - 9 ) Die Vorbereitungen für die Lösungserfahrung
waren sorgfältig getroffen worden. Nun mußte der Plan nur noch
ausgeführt werden. Rt 3,6 Rut ging zur Tenne und führte den Plan in jedem
Detail so aus, wie ihn ihr die Ehevermittlerin Noomi dargelegt hatte. Rt 3,7 Einige Ausleger vermuten, daß Rut eine
Gelegenheit zum unmoralischen Handeln schuf. Aber es gibt nichts in dem
ganzen Abschnitt, das diese Ansicht unterstützt. Ihre Schwiegermutter
hatte offensichtlich völliges Vertrauen in die moralische Integrität des
Erlösers. Boas würde verantwortungsvoll handeln. Rut wurde von allen als
eine Frau von edlem Charakter (V. 11 ) angesehen. Das Entblößen der Füße
war eine Zeremonie, die vollständig sauber war. Vermutlich geschah alles
in der Nacht, so daß Boas die Möglichkeit hatte, den Wunsch Ruts
abzulehnen, ohne daß die ganze Stadt davon erfuhr. Rt 3,8-9 Irgend etwas erschreckte Boas mitten in der
Nacht, und er beugte sich vor , um zu entdecken, daß eine Frau zu seinen
Füßen lag . Boas fragte nach der Identität seiner ungewöhnlichen
Besucherin (vgl. Rt 2,5 ). Rut antwortete in Demut (vgl. Rt 2,10 ): Ich
bin deine Magd Rut . Sie hatte sich unter die Flügel Jahwes begeben und
bat nun darum, unter die Flügel von Boas genommen zu werden. Das Wort
"Zipfel", kAnAP , in dem Ausdruck breite den Zipfel deines Gewandes ...
aus, wird in Rt 2,12 mit "Flügel" übersetzt. Rut benutzte ein poetisches
Bild, das seine Wurzel in dem Segen Boas' für Rut in Rt 2,12 hatte. Eine
moabitische Witwe erinnerte einen angesehenen Hebräer an seine
Verantwortung. Er konnte nun seinem eigenen Segensspruch folgen und der
Löser für Rut werden und ihr die Sicherheit der Ehe schenken. C. Eine Bitte um Lösung ( 3,10 - 15 ) Boas nahm die Bitte Ruts mit Freuden an. Doch
die Spannung der Geschichte besteht weiter, da ein anderer näherer
Verwandter zuerst seine Rechte geltend machen konnte. Rt 3,10 Boas gibt keinerlei Hinweis, daß Rut ihm mit
ihrem Vorgehen einen Anstoß gegeben oder daß sie sonst etwas getan
hatte, was nicht ihr Recht gewesen wäre oder gegen den Brauch ihrer Zeit
verstoßen hätte. Statt sich irgenwelchen Einbildungen und Gedanken
hinzugeben, wie andere es in seiner Situation vielleicht getan hätten,
segnete er Rut umgehend: Der HERR segne dich . Er benutzte wieder den
Ausdruck meine Tochter , der den Altersunterschied deutlich macht (vgl.
Rt 2,8; 3,11 ). Er pries die Güte ( HeseD ) von Rut, die größer als ihre
Entscheidung, ihrer Schwiegermutter zu dienen, war. Boas lobte sie, weil
sie keinen jüngeren Männern nachgegangen war. Er ging offensichtlich
davon aus, daß Rut ohne Schwierigkeiten einen solchen gefunden hätte. So
pries er Rut dafür, daß sie bereit war, einen älteren Mann zu heiraten,
um ihren Verpflichtungen gegenüber ihrem ersten Ehemann, Machlon (vgl.
Rt 4,10 ), und dem Familiennamen Elimelech nachzukommen. Rt 3,11 Boas erleichterte Rut ihre Sorgen, die sie
vielleicht hatte, umgehend, indem er ihr sagte, daß er alles, was sie
erbeten hatte, tun würde. Vielleicht hat er gefühlt, daß sie
verunsichert war, wie er ihr direktes Vorgehen beurteilen würde.
Deswegen sagte Boas ihr, daß das ganze Volk in meiner Stadt (wörtl. "das
Volk im Tor", womit wahrscheinlich die Ältesten von Bethlehem gemeint
waren) sie für eine tugendsame Frau hielt. Mit "tugendsam" wird hier das
Wort Hayil ("Wert") übersetzt, dasselbe Wort, mit dem der Wert von Boas
beschrieben wurde ( Rt 2,1; vgl. Spr 12,4; 31,10.29 ). Die beiden waren
eine gute Partie! Rt 3,12 Die Erzählung ist jedoch noch nicht am Ende, da
eine weitere Komplikation auftritt, die gelöst werden mußte. Boas hatte
sich bereits mit der juristischen Seite der vorgeschlagenen
Eheschließung beschäftigt, vielleicht hatte er auch Ruts Wunsch
vorhergesehen. Er wußte, daß Rut durch ihre Heirat in das Geschlecht
Elimelechs noch einen näheren Verwandten als ihn hatte. Boas würde alles
tun, um dafür zu sorgen, daß das Ergebnis für Rut zufriedenstellend war. Rt 3,13 Boas handelte in zweierlei Hinsicht
verantwortlich: Erstens sandte er Rut nicht mitten in der Nacht nach
Hause. Er würde sie beschützen, aber nur anrühren, wenn er das Recht
dazu erhielt. Zweitens bewahrte er auch die Rechte des näheren
Verwandten. Falls er Rut lösen wollte, war dies sein Recht. Wenn er es
aber nicht wollte, würde Boas es sicher tun, was er mit einem Schwur
bestätigte. Dabei gab es keinen Zweifel darüber, welchen Ausgang der
Dinge sich Boas wünschte. Rt 3,14 Rut legte sich bis zum frühen Morgen wieder zu
seinen Füßen nieder . Sie stand vor Anbruch des Tages auf. Boas wollte
nicht, daß das Leben von Rut durch Dorfgeschichten erschwert würde.
Deswegen drängte er sie, niemanden wissen zu lassen, daß sie auf der
Tenne gewesen war. Es war nichts Falsches geschehen, aber
Gerüchteerzähler kümmern sich bekanntlich nicht um die Tatsachen. Rt 3,15 Boas tat sechs Maß Gerste für Rut und Noomi in
das Tuch von Rut. Noomi verstand immer vollständiger, wie weise ihre
Entscheidung gewesen war, nach Bethlehem zurückzukehren. Das "Maß"
Gerste war vermutlich ein Sea (ein Drittel eines Scheffel). Sechs Maß
wogen über 50 kg. Ruth muß eine starke Frau gewesen sein, um dieses
Gewicht tragen zu können. Boas hob ihr die Last wahrscheinlich auf ihren
Kopf. Einige hebr. Manuskripte lesen: Dann ging er in
die Stadt zurück ; doch andere lesen "sie" statt "er". Da Rut zu dieser
Zeit nach Bethlehem zurückkehrte, während Boas dies erst später am
Morgen tat ( Rt 4,1 ), entsprechen beide Lesarten der Wahrheit. D. Eine Vorwegnahme der Lösung ( 3,16 - 18 ) Noomi erwartete sehnsüchtig den Ausgang von
Ruts Abenteuer. Sie sagte vorher, daß Boas den Fall schnell erledigen
werde. Ganz gleich, wie die Sache ausgehen würde und wer Rut lösen
sollte, es würde auf jeden Fall Ruts Lösungstag werden. Rt 3,16-17 Noomi wollte sofort wissen, wie es Rut ergangen
war. Wie zuvor nannte sie Rut: meine Tochter (V. 1 ; Rt 2,2; vgl. Rt
1,11-13; 3,18 ). Rut gab ihr einen ausführlichen Bericht und fügte
hinzu, daß Boas ihr Gerste gegeben hatte, so daß Noomi an Ruts
zukünftiger Erfüllung teilnehmen konnte. Noomi hatte die Ehevermittlung
gut geplant und verdiente dafür einen Lohn. Die altgewordene Witwe
konnte in Sicherheit ruhen, weil sie in der Zukunft nicht vergessen
werden würde. Rt 3,18 Noomi und Rut hatten alles getan, was sie
konnten. Nun lag die Initiative bei Boas. Boas würde nicht ruhen, bis er
die Sache zu Ende gebracht haben würde . V. Der Lohn für die erlösende Liebe ( 4,1 - 13 ) Nach der Wendung, die die Geschichte nun
genommen hatte, lag die Initiative nun bei Boas. Würde der nähere
Verwandte nehmen, was Boas angeboten worden war? A. Eine Zurückweisung der Lösung ( 4,1 - 8 ) Rt 4,1 Boas ging hinauf in das Tor von Bethlehem. Das
Tor war der Ort, an dem alle persönlichen Geschäfte und zivilrechtlichen
Angelegenheiten abgeschlossen wurden. Die Tenne lag unterhalb der
eigentlichen Stadt, weshalb Boas zum Tor "hinauf"gehen mußte, denn das
Gebiet ist ziemlich hügelig. Der Löser , der näher mit Elimelech
verwandt war ( Rt 3,12 ), kam am Tor vorbei, und Boas bat ihn, sich
niederzusetzen. Der Umstand, daß dieser Mann nirgends mit Namen genannt
wird, könnte poetische Gerechtigkeit sein, da er die Lösung ablehnte.
Mein Lieber wurde in Israel ein stehender Ausdruck für jemand
Unbekannten und wurde noch von den Rabbinern so verwendet. Rt 4,2 Boas rief zehn Älteste von Bethlehem zusammen,
und sie setzten sich ebenfalls nieder. Sie sollten als Zeugen der
legalen Transaktion dienen (V. 4.9 - 11 ). Es wird nicht gesagt, warum
Boas zehn Männer aussuchte. (Jahrhunderte später wurde zehn die
Mindestzahl für eine jüdische Ehesegnung und eine Synagogenversammlung.) Rt 4,3 Boas verfolgte eine sorgfältig geplante
Strategie. Er entfaltete den Fall Schritt für Schritt. Zuerst erklärte
er, daß Noomi (und Rut, vgl. V. 5 ) ein Feld besaßen, das Noomis
verstorbenem Ehemann gehörte. Es wird nicht gesagt, wie sie zu diesem
Besitz gelangte. Ihre Armut machte es nötig, diesen Besitz zu verkaufen.
Wenn möglich, sollte das Land jedoch in der Familie bleiben (vgl. Jer
32,6-12 ). Rt 4,4 Der näher verwandte Mann hatte als erster ein
Anrecht auf das Grundstück, Boas war der nächste. Wenn der mit Rut näher
Verwandte den Besitz nicht lösen (kaufen) würde, wäre Boas bereit, dies
zu tun. Doch der Mann war bereit, das Stück Land zu lösen. Rt 4,5 Aber nun erklärte Boas, daß der näher
Verwandte, wenn er das Grundstück lösen wolle, auch Rut, die Moabiterin,
lösen müßte. Das Grundstück war nach Elimelechs Tod offensichtlich an
Machlon vererbt worden, so daß Machlons Witwe Rut in die Verantwortung
des Lösers eingeschlossen war. Es mußte ein Sohn aufgezogen werden, dem
das Grundstück gehören und der den Familiennamen tragen würde. Als der näher verwandte Löser die Bedingung der
Heirat hörte, wies er das Recht des Grundstückerwerbs zurück. Er
fürchtete, daß sein eigener Besitz in Gefahr kommen könnte. Damit gab er
das Recht zur Lösung an Boas weiter. Warum änderte er seine Meinung?
(Vgl. V. 4 b: "Ich will's lösen" mit V. 6 : "Ich vermag es nicht zu
lösen".) Vielleicht war er zu arm, um ein Stück Land und eine Frau zu
unterhalten. Vielleicht fürchtete er auch, wie einige vorgeschlagen
haben, daß er durch eine Heirat mit einer Moabiterin dasselbe Schicksal
wie Machlon, der erste Mann Ruts (V. 10 ), erleiden könnte. Die beste
Erklärung ist jedoch, daß ihm, als er hörte, daß Rut das Grundstück
zusammen mit Noomi besaß (V. 5 ), klar wurde, daß wenn Rut einen Sohn
gebären würde, dieser nicht nur das gelöste Grundstück, sondern
möglicherweise auch einen Teil seines eigenen Besitzes erben würde. Das
würde erklären, weshalb er seinen eigenen Besitz in Gefahr sah. Wenn es
sich nur um Noomi gehandelt hätte, hätte kein Sohn aus einer Leviratsehe
einen Teil des Besitzes des Lösers erben können, da Noomi über das Alter
hinaus war, in dem sie Kinder hätte zur Welt bringen können. Rt 4,7-8 Die eigentliche, legale Transaktion wurde nicht
durch die Unterschrift auf ein Papier, sondern durch einen dramatischen
symbolischen Akt vollzogen, an den sich alle erinnern würden, um ihn zu
bezeugen. Die Übergabe der Sandale symbolisierte das Recht von Boas, auf
dem Land als seinem Besitz umherzugehen (vgl. 5Mo 1,36; 11,24; Jos 1,3;
14,9 ). Nachdem er Boas seine Sandale gegeben hatte, verschwindet der
unbekannte Verwandte aus der Geschichte und versinkt für immer in der
Anonymität. An den Namen Boas' erinnern sich dagegen alle späteren
Generationen (vgl. Rt 4,14 ). B. Eine vollzogene Lösung ( 4,9 - 12 ) Boas beeilte sich, die Transaktion zu beenden.
Er beanspruchte und erhielt das Recht, das Land Elimelechs und Ruts zu
lösen, da Rut die einzige Witwe war, die durch die Geburt eines Kindes
den Familienamen weitertragen konnte. Rt 4,9-10 Boas rief die Ältesten als Zeugen herzu, als er
Noomis Land in Besitz nahm und Rut, die Moabiterin, heiratete (vgl. Rt
1,22; 2,2.21; 4,5 ). Boas zeigte keinerlei Hemmungen, Rut eine
Moabiterin zu nennen. Er achtete sie als eine wertvolle Person. Er würde
ihren Sohn aufziehen, um den Namen Elimelechs und seines Sohnes Machlons
zu erhalten. In Vers 9 - 10 werden die Familienmitglieder mit Ausnahme
von Orpa noch einmal genannt. Orpa trat ebenso wie der unbekannte nähere
Verwandte in die Anonymität zurück. Auch wenn es nicht ausdrücklich
gesagt wird, liegt es nahe, daß Boas nicht nur die Verantwortung für
Rut, sondern auch für Noomi übernahm. Dies folgt aus der Verpflichtung,
die Rut gegenüber Noomi auf sich genommen hatte. Außerdem wird dies
später von den Frauen Bethlehems bestätigt ( 4, 15 ). Boas ist eine
wunderschöne Illustration für den Herrn Jesus Christus, der der Erlöser
der Menschheit wurde und der alle Dinge vor Gott, dem Vater, für die
regelt, die an ihn glauben. Rt 4,11 Die Ältesten wurden für diesen Akt der Erlösung
bereitwillig Zeugen. Sie segneten Boas und baten Gott, daß er Rut zu
einer fruchtbaren Mutter machen möge. Die Erwähnung von Rahel und Lea
ist von Bedeutung. Rahel, die zuerst genannt wird, war viele Jahre
unfruchtbar, bevor sie Kinder bekam. Rut war in Moab ebenfalls
unfruchtbar gewesen. Die Ältesten beteten dafür, daß Boas in Efrata
stark ( Hayil ) werden möge. Das Wort Hayil ("Wert") wird schon vorher
für Boas ( Rt 2,1 ) und Rut ( Rt 3,11 ) gebraucht. Efrata (auch "Efrat")
war ein anderer Name für Bethlehem (vgl. 1Mo 35,19;48,7; Mi 5,1 ). Die
Ältesten beteten auch dafür, daß der Name von Boas in Bethlehem
gepriesen werde. Gott hat dieses Gebet weit über Bethlehem hinaus
beantwortet. Rt 4,12 Die Ältesten beteten ebenso für eine verzweigte
Nachkommenschaft. Das Gebet erkannte an, daß Kinder ein Geschenk Gottes
sind ( Kinder, die dir der HERR geben wird von dieser jungen Frau ; vgl.
Ps 127,3 ). Sie wußten noch nichts davon, daß aus dieser Ehe die größten
Könige Israels hervorgehen würden, einschließlich des Königs David und
des ewigen Königs, dem Herrn Jesus Christus. Perez wird hier
möglicherweise genannt, a) wegen seiner Leviratsbeziehung zu Tamar (vgl.
die Einleitung ), b) weil sich die Nachkommen von Perez in Bethlehem
niederließen ( 1Chr 2,5.18.50-54; beachte "Efrata" und "Bethlehem" in
1Chr 2,50-51 ), oder c) weil Perez ein Vorfahre von Boas war ( Rt
4,18-22 ). C. Eine Erlösung als Lohn ( 4,13 ) Rt 4,13 Der Höhepunkt der Geschichte ist kurz, aber
voller Bedeutung. Die Heirat, die gottgeschenkte Empfängnis und die
Geburt des langersehnten Erben werden mit wenigen Worten erwähnt. Rut war während ihrer gesamten Zeit der Ehe mit
Machlon in Moab unfruchtbar gewesen ( Rt 1,4-5 ). Nun wurde ihr
Glaubensgehorsam belohnt, indem Gott Empfängnis schenkte. In gewisser
Hinsicht war dies eine Vordeutung der wunderbaren Geburt des Sohnes
Gottes, die in Bethlehem geschah, als die Zeit erfüllt war ( Lk 1,26-38;
2,1-7; Gal 4,4 ). Der Aufenthalt in Moab dauerte mindestens zehn Jahre (
Rt 1,4 ). Im Gegensatz dazu erfuhr Rut nach ihrer Rückkehr in Bethlehem
in wenigen Wochen den reichen und umfassenden Segen Gottes. VI. Schluß ( 4,14 - 22 ) Der Schluß der Erzählung steht in einem schönen
Gegensatz zur Einleitung ( Rt 1,1-5 ). Die tiefe Trauer wich der
überschäumenden Freude, die Leere wich der Fülle. A. Eine fröhliche Erfüllung ( 4,14 - 17 ) Rt 4,14 Noomi rückt noch einmal in den Mittelpunkt der
Erzählung. Die Frauen Bethlehems, die Zeugen der Leere Noomis bei ihrer
Rückkehr nach Bethlehem gewesen waren ( Rt 1,19 ), priesen nun Gott,
weil sie den verwandten Löser gefunden hatte. Wäre Noomi nicht bereits
über das Alter, in dem man Kinder gebärt, hinaus gewesen ( Rt 1,12; 4,15
), hätte sie sich selbst in jener Nacht zu den Füßen von Boas auf die
Tenne legen können ( Rt 3,7 ). Die Frauen wußten das und sprachen
deswegen von Boas als von dem Löser Noomis. Sie segneten Boas mit einem
ähnlichen Segen wie die Ältesten (vgl. Rt 4,11 ) und beteten dafür, daß
er in Israel berühmt werden möge; eine Bitte, die Gott erfüllte. Das
Buch Rut ist gefüllt mit Gebeten und Segnungen des Volkes Gottes ( Rt
1,8-9; Rt 2,4.12.20; Rt 3,10; Rt 4,11-12.14-15 ). Rt 4,15 Die Frauen sagten vorher, daß Boas für Noomi
sorgen würde, indem er ihr Leben erneuern und ihr Sicherheit in ihrem
hohen Alter geben würde. Rut, die Noomi nicht für eine Erwähnung wert
hielt, als sie nach Bethlehem kam, erklärten die Frauen für wertvoller
als sieben Söhne. Sieben Söhne waren der Inbegriff des Segens, den eine
hebräische Familie empfangen konnte (vgl. 1Sam 2,5; Hi 1,2 ). Rt 4,16-17 Noomi wurde die Wärterin ihres Enkels Obed .
Dies könnte ein formaler Akt der Adoption gewesen sein. Die Frauen
Bethlehems nannten den Jungen "Obed", was "Anbeter" bedeutet. Noomi
akzeptierte den Namen. Sie, die einst leer war, war nun erfüllt. Noomi
hatte nun einen Sohn (genauer einen Enkel, aber "Sohn" bedeutet im Hebr.
oft einfach "Nachkommen"). Mit der Zeit wurde der fürsorgliche Plan
Gottes deutlicher. Das Kind wurde der Großvater des Königs David. B. Ein überraschender Stammbaum ( 4,18 - 22 ) Die Nachkommen von Perez waren ein Beweis für
den vorsorgenden Plan Gottes. Scheinbar bedeutungslose Ereignisse im
Buch Rut (z. B. Reisen, Eheschließungen, Tod, Ernten, Mahlzeiten,
Schlaf, Landkauf) offenbarten die Führung und das planende Handeln des
souveränen Gottes. Rt 4,18-20 Perez war der Sohn Judas und Tamars ( 1Mo
38,12-30; Rt 4,12 ). Hezron gehörte zu der Familie Jakobs, die nach
Ägypten zog ( 1Mo 46,12 ). Ram wird in 1Chr 2,9 erwähnt. Amminadab war
der Schwiegervater Aarons ( 2Mo 6,23 ), Nachschon das Haupt des Hauses
Juda ( 4Mo 1,7; 7,12; 10,14 ). Rt 4,21-22 Salmon war der Vater von Boas . Nach Mt 1,5 war
die Mutter von Boas die kanaanitische Hure Rahab aus Jericho. Rahab
lebte jedoch zur Zeit Josuas etwa 250 bis 300 Jahre früher.
Wahrscheinlich war Rahab demnach die "Mutter" von Boas im Sinne von
"Ahnin" (vgl. "unser Vater Abraham", Röm 4,12 ). Obed , der Sohn von Boas und Rut, wurde der
Vater von Isai , der der Vater Davids war ( 1Sam 17,12; vgl. die
Übersicht "Die Vorfahren Davids seit Abraham" bei 1Sam 16,1-13 ). Die
Abstammung Jesu Christi wird über Maria auf David zurückgeführt ( Mt
15,22; 20,30-31; 21,9.15; 22,42 ). Obwohl die Umstände bisweilen genau gegenteilig
aussahen, hatte der treue Gott zugunsten von Rut eingegriffen. Gläubige
sollten sich ebenfalls auf Gottes Handeln in ihrem Leben verlassen. Der
Lohn für ein verantwortliches Leben ist immer die süße Frucht der Gnade
Gottes. |