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Können Gläubige besessen sein?

 

Der unbiblische

"Befreiungsdienst"

und die befreiende biblische Wahrheit 
 

Rudolf Ebertshäuser 
 
 
 
 
 

I. Der "Befreiungsdienst"

in charismatischen und nichtcharismatischen Kreisen 
 
 

Besonders in extremeren Pfingstkreisen und in der Charismatischen Bewegung hat sich die Praxis des "Befreiungsdienstes" weit verbreitet, d.h. die Behandlung von angeblicher Besessenheit und (angeblichen oder wirklichen) dämonischen Einflüssen und Bindungen bei Gläubigen durch Lösen, Gebieten und Austreiben von Geistern. Eine nicht unbeträchtliche Zahl von Gläubigen auch aus "gemäßigteren" Gruppen ist von dieser "Seelsorge"praxis und den mit ihr verbundenen Lehren beeinflußt oder geprägt.  
 

Das Austreiben von Dämonen aus Gläubigen und auch aus Ungläubigen ist ein wesentliches Element pfingstlich-charismatischen "Glaubens"lebens, ein Bestandteil des "vollen Evangeliums". Entsprechend der Auffassung, wahres, vollmächtiges Christentum müsse alle Werke des Herrn Jesus und der Apostel unter dem Volk Israel nachahmen, auch die messianischen Wunderzeichen, gilt die "Vollmacht", Dämonen auszutreiben, als eine der Folgen der "Geistestaufe" und als wichtige Ausrüstung gerade für die letzte Zeit.  
 

Aber auch in nichtcharismatischen Kreisen findet sich eine sehr ähnliche Form von "Befreiungsdienst", die sich u.a. auf Blumhardt und gewisse pietistische Traditionen beruft. Auch hier wird vielfach behauptet, daß ein wiedergeborener Gläubiger noch von Dämonen bewohnt oder besessen sein könne. Es wird gelehrt, daß sich Fluchlinien von den Voreltern her auch bei Gläubigen noch als Belastung zeigen könnten und daß eine besondere ?Btefreiung� und ?Lösung� durch ?bevollmächtigte Seelsorger� Voraussetzung für eine Befreiung sei. 
 

Es ist daher wichtig, den "Befreiungsdienst" vom Wort Gottes her zu prüfen und die Aussagen der Bibel zum Thema Befreiung von dämonischen Angriffen darzustellen, gerade auch, um bedrängten und in Not geratenen Gläubigen zu helfen, ihre wahre Befreiung in Christus zu ergeifen. Im weiteren Sinn geht es darum, welche Stellung ein Gläubiger in Christus gegenüber den Mächten der Finsternis und ihren Einwirkungen hat und wie er solchen Einwirkungen im Glauben widerstehen kann.1 
 
 

1. Grundzüge des "Befreiungsdienstes" 
 

Bei allen unterschiedlichen Lehrschattierungen lassen sich doch gewisse Grundelemente der Lehre und Praxis des ?Befreiungsdienstes� erkennen, die hier kurz skizziert werden sollen: 
 

1. Dem "Befreiungsdienst" liegt die Annahme zugrunde, daß ein gläubiger, von neuem geborener Christ noch von innewohnenden bösen Geistern besessen oder zumindest besetzt sein kann. Genauso ist er nach diesen Lehren noch gebunden an Flüche von den Voreltern her, an vererbte "dämonische Belastungen". Er ist angeblich zahlreichen dämonischen Einwirkungen mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert, z.B. "belasteten" Häusern oder "belasteten" Menschen, wenn er nicht spezielle "Schutzmaßnahmen" ergreift. Sein Leib kann angeblich von "Krankheitsdämonen" bewohnt sein, die sich in verschiedenen Körperpartien einnisten können. 
 

2. Dementsprechend führen "Befreiungs-Seelsorger" einen großen Katalog von Symptomen in erster Linie oder ausschließlich auf angebliche dämonische Einwirkung oder Innewohnung zurück: Starke Ängste, Depressionen, Bitterkeit, Rebellion, Sündenbindungen wie Unzucht, Lüge, Verleumdung oder Eßgier, aber auch Krankheiten aller Art. Sie schreiben damit den Finsternisgeistern große Macht und weitreichenden Einfluß im Leben eines Gläubigen zu.  
 

So schreibt etwa der extreme Charismatiker Wolfhard Margies: "Die Anzahl der durch innewohnende [!] dämonische Mächte verursachten Störungen ist beeindruckend groß und vielseitig. Wer die nachfolgende Auflistung durchgeht, dem kann sicher angst und bange werden, weil er schier jede Form von menschlicher Störung und charakterlicher Abweichung als durch böse Mächte bedingt erkennt."2 
 

3. Die "Befreiungs"-Therapie beginnt zumeist mit einer genauen Diagnose der angeblichen Belastung. Nach der falschen Lehre müssen die Ursachen der Belastung (der Anlaß, wann der Dämon angeblich Zutritt zum Gläubigen fand), der Name des Geistes und u.U. auch sein Sitz im Körper bekannt sein, damit die "Befreiung" Erfolg haben soll. Diese "Diagnose" wird oft durch gefälschte, hellseherische "Geistesgaben" wie Visionen oder "Worte der Erkenntnis" gewonnen, von denen der ganze Verlauf der "Befreiung" abhängig ist.  
 

Gewisse "Befreiungs-Seelsorger" wenden sich direkt an die Geister und fragen sie über ihren Namen, über Art und Umstände der "Besetzung" oder andere Informationen aus. Diese dämonischen "Auskünfte" bauen sie dann in ihre "Therapie" mit ein. Hier wird die Grenze zum Spiritismus vollends überschritten. Besonders die "Befreiung" von angeblichen Flüchen oder okkulten Belastungen von den Voreltern her beruht oft gänzlich auf falschgeistige "Offenbarungen". Der Hilfesuchende wird hier von seinem medial "begabten" "Seelsorger" abhängig gemacht, ohne dessen "Offenbarungswissen" er angeblich nicht frei werden kann. 
 

4. Die eigentliche "Befreiung" ist ebenfalls überwiegend oder völlig abhängig vom "vollmächtigen" Handeln des "Seelsorgers", der "im Namen Jesu" (vgl. dazu Mt. 7,22) die Geister bindet und ihnen befiehlt, auszufahren. Bisweilen schicken solche Leute die angeblich ausfahrenden Geister auch noch "in den Abgrund", obwohl die Zeit dafür jetzt noch nicht gekommen ist, sondern erst beim Anbruch des Tausendjährigen Reiches (vgl. Mt. 8,29-32, Mt. 12,43-45 und Offb. 20,1-3).  
 

In anderen Fällen wird eine "Lösung" vorgenommen, Flüche werden für ungültig erklärt, Ketten mit Vollmachtsworten zerbrochen; in magischer Weise werden Dinge in Menschen "hineingebetet". Das Opfer selbst bleibt überwiegend passiv, wobei Sündenbekenntnisse oder Lossagegebete seinerseits meist Teil der "Befreiung" sind. 
 

Die bei der "Befreiungs-Seelsorge" angesprochenen Geister äußern sich oft während einer solchen "Austreibung"; manche "Befreier" rechnen geradezu mit solchen Erscheinungen und halten sie für ein unerläßliches Zeichen des "Erfolges" ihrer Behandlung. Zu den Begleiterscheinungen gehören Husten, Schreien, Zuckungen und Zwangshandlungen, Hinfallen und andere, z.T. scheußliche Phänomene. In manchen Fällen gestaltet sich der "Befreiungsdienst" zu einer wüsten Szene stundenlanger dämonischer Auftritte, verbunden mit schwarmgeistigem Gebieten und Beten und dem "Austreiben" einer Vielzahl von Dämonen. 
 
 

2. Die fragwürdigen Früchte des "Befreiungsdienstes" 
 

In der Beurteilung dieses "Befreiungsdienstes" zeigt sich eine weitverbreitete Unsicherheit und Unklarheit über die Wahrheiten der Heiligen Schrift. Manche Gläubigen gründen ihre Zurückhaltung oder Ablehnung gegenüber solchen Praktiken mehr auf Gefühle oder auf Meinungen anderer; viele glauben aufgrund der Berichte über den Dienst der Apostel in Israel, daß Dämonenaustreibungen "biblisch" seien; manche verweisen als Begründung für ihre Befürwortung der Dämonenaustreibung auf Erlebnisse und Erfolge aus der Seelsorge. 
 

Wir können hier nur zu der dringend notwendigen Klarheit kommen, wenn wir diese Art von Seelsorge auf geistliche, biblische Weise prüfen. Der entscheidende Maßstab hierfür ist die geoffenbarte Wahrheit des Wortes Gottes: Stimmen diese Lehren und Praktiken mit dem Gesamtzeugnis der Schrift, insbesondere der Apostellehre überein? Daneben sollen wir nach dem Wort Gottes auch die Früchte einer solchen Praxis prüfen (Mt. 7,16-20). 
 

Wenn wir zunächst die Früchte des "Befreiungsdienstes" betrachten, so gehen die Meinungen hier weit auseinander. Glaubt man den Erfolgsberichten seiner Befürworter, so wären schon Scharen belasteter, gebundener Christen durch ihren Dienst zu freudigen, siegreichen, strahlenden Jüngern geworden, völlig umgewandelt durch ihre vollmächtige Seelsorge.  
 

Aber die Realität sieht anders aus. Es geschieht durchaus häufig, daß eine "Befreiung" empfunden wird, teilweise sogar begleitet von beeindruckenden Erlebnissen und Gefühlen. Aber die allermeisten Opfer erleben früher oder später entweder einen Rückfall oder eine Verlagerung des Problems auf eine neue "Belastung". "Weggebetete" Sünden gewinnen wieder Macht, "zerschnittene" Bindungen erweisen sich noch als sehr wirksam, "ausgetriebene" Geister treten wieder auf oder werden durch andere ersetzt.  
 

Nicht wenige Menschen werden auf diese Weise zu "Seelsorgefällen", oft jahrelang auf der Suche nach dem wirklich "vollmächtigen Seelsorger", der sie endlich aus den angeblichen dämonischen Besetzungen und Ketten ganz "freibeten" kann. Oftmals entwickeln sich Ängste, Glaubensstörungen und verstärkte dämonische Symptome als Früchte einer "Befreiungs-Seelsorge", und manch ein irregeführter Anhänger der charismatischen "Befreiung" landet am Ende in einer psychiatrischen Klinik. 
 

Solche üblen Früchte könnten unmöglich die Folge sein, wenn man einen gesunden, biblischen Weg gegangen wäre. Von diesen Früchten her ergibt sich schon der Rückschluß, daß der Baum faul sein muß. Aber wirkliche Klarheit darüber kann uns nur die gesunde Lehre der Heiligen Schrift bringen. Sie wollen wir jetzt betrachten, denn sie gibt uns nicht nur Erkenntnis der Wahrheit, sondern sie vermag auch die Bedrückten und Angefochtenen wirklich frei zu machen, wie es uns das Wort sagt: "Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen! (...) Wenn euch nun der Sohn frei machen wird, so seid ihr wirklich frei" (Joh. 8,31f.36). 
 
 
 

II. Die biblische Lehre:

Der Christ und die Macht des Widersachers 
 
 

Wenn wir im folgenden die Stellung eines Gläubigen in Christus dem Widersacher gegenüber kurz umreißen, dann muß betont werden, daß diese Ausführungen nur für wahrhaft gläubige, durch Gottes Geist und den Samen des Wortes von neuem gezeugte Gotteskinder gelten. Menschen, die noch nicht durchgedrungen sind zu einer echten, klaren Bekehrung "von der Finsternis zum Licht und von der Herrschaft des Satans zu Gott" (Apg. 26,18), stehen immer noch unter der Herrschaft Satans, wie jeder natürliche, nicht wiedergeborene Mensch, auch wenn sie vielleicht von einer schwarmgeistigen Religiosität erfaßt sind. 
 

Dies muß so gesagt werden, weil es vor allem in der Charismatischen Bewegung durchaus möglich ist, daß Menschen ohne klare, biblische Verkündigung des Evangeliums unter dem Einfluß des dämonischen Schwarmgeistes eine "Entscheidung für Jesus" treffen und von diesem trügerischen Geist erfüllt werden, ohne jemals eine wahre, vom Heiligen Geist bewirkte Wiedergeburt erlebt zu haben. Sie meinen, sie seien Christen, sogar besonders erleuchtete und vollmächtige Christen, und sind in Wahrheit immer noch in der Finsternis, zweifach betrogene Sünder. Denn Errettung und Gotteskindschaft haben nach der Schrift die Voraussetzung, daß das Wort Gottes, das wahre Evangelium gehört und geglaubt wird und eine klare Abkehr von der Sünde und eine Aufnahme des wahren Sohnes Gottes als Herrn und Erlöser erfolgt.  
 

Dort, wo ein anderer Geist wirkt, wo ein anderes Evangelium verkündigt wird und ein anderer Jesus, dort sind echte biblische Bekehrungen keineswegs die Regel; in manchen Kreisen sind sie eher selten. Dafür trifft man in diesen Kreisen Menschen, die sich aufgrund von schwarmgeistigen Erlebnissen (etwa Visionen, Gefühlen beim "Ruhen im Geist", falschen Wunderheilungen usw.) und einer "Predigt", die ihnen ein erfolgreiches, tolles, dynamisches "Super-Leben" versprach, "zu Jesus bekehrt" haben, ohne daß die echte Frucht eines Wiedergeburtslebens bei ihnen erkennbar ist.  
 

Bei solchen Menschen können durch die dämonische "Geistestaufe" zuweilen seelische Erkrankungen, frühere mediale Veranlagungen und dämonische Einflüsse noch verstärkt werden, so daß sie in einen Zustand seelischer und geistlicher Zerrüttung und Gebundenheit kommen. Sie können erst wirklich frei werden, wenn sie durch Gottes Gnade von ihrem irrgeistigen religiösen Wahn loskommen und sich wahrhaft zu dem biblischen Jesus Christus bekehren. Anderenfalls stehen sie wie andere Sünder und Kinder der Finsternis immer noch unter der Herrschaft des Fürsten dieser Welt, der sie beeinflussen, quälen und durch falschreligiöse Offenbarungen verführen kann.  
 

Denn die eigentliche Grundlage für die Herrschaft und Einwirkung des Teufels und seiner Dämonen auf unbekehrte Sünder ist der verderbte, durch die Sünde vergiftete Zustand ihres Herzens, die vom Sündenfall geprägte menschliche Natur, die sich in Eigensucht, Hochmut, Haß, Unversöhnlichkeit, Lügenhaftigkeit, Machtgier und anderen sündigen Haltungen äußert. Jeder, der noch unter der Herrschaft des "Fleisches" lebt, wie es die Bibel nennt, steht automatisch unter der Herrschaft Satans und kann von ihm angegriffen, gebunden und verführt werden. Konsequenterweise bezeichnet die Bibel daher auch Okkultsünden wie Zauberei und Götzendienst als Werke des Fleisches (vgl. Gal. 5,19-21).  
 

Nur der klare Bruch mit der Sünde und das gläubige Erfassen des vollkommenen Sühnopfers Jesu Christi, die bewußte Unterstellung unter Seine Herrschaft führen zur biblischen Errettung, die zugleich auch eine Befreiung von aller Kontrolle des Satans im Leben eines Menschen beinhaltet. Dann sind wir, um ein Schlüsselwort dieses Abschnittes zu zitieren, "errettet aus der Herrschaft [od. der Gewalt / dem Macht-bereich] der Finsternis und versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe" (Kol. 1,13). 
 
 

1. Unsere Stellung in Christus gegenüber der Macht der Finsternis 
 

Wer sich in Wahrheit von der Finsternis zum Licht und von der Macht des Satans zu Gott bekehrt und im Glauben den Herrn Jesus Christus als Erretter und Herrn angenommen hat, ist Teilhaber an einer wunderbaren Erlösung, einem herrlichen Heil geworden. Der stellvertretende Sühnetod Christi am Kreuz, Sein für uns vergossenes Blut tilgt alle unsere Sündenschuld, die uns von Gott trennte und dem Satan Herrschaftsrecht über uns gab. In der Kraft Seiner Auferstehung sind die, die an Ihn glauben, herausgenommen aus der Macht Satans und zu einer neuen Schöpfung geworden, hineinversetzt in das himmlische Reich des Christus. In dem herrlichen Namen Jesus Christus ist vollkommene Errettung von der Sünde und damit auch vor der Macht Satans! 
 

Diese völlige Erlösung und Befreiung können wir aber nur dann auch wirklich einnehmen und in unserem Leben erfahren, wenn wir sie im rechten Glauben erfassen, denn wir wandeln im Glauben an die unsichtbaren, geistlichen Heilstatsachen, nicht schon im Schauen, Spüren und Fühlen. Obwohl jedes Gotteskind seiner Stellung in Christus nach gleichen Anteil an diesem Heil hat, ist doch das Ausleben und Erleben dieser Stellung in Christus sehr unterschiedlich.  
 

Wieweit wir uns am Heil in Christus erfreuen und es in unserem Leben auch erfahren können, hängt im wesentlichen von drei Voraussetzungen ab.  
 

*  Zum einen kommt es entscheidend auf  unsere Herzenshaltung Gott gegenüber an; es macht einen großen Unterschied, ob wir in geistlicher Gesinnung wandeln, in Aufrichtigkeit, Demut, Gehorsam und Gottesfurcht, in echtem Glauben und Hingabe an unseren Herrn, oder ob wir in fleischlich-selbstsüchtiger Gesinnung wandeln, unaufrichtig, zwiespältig, voll Weltliebe, seelisch-gefühlsabhängig und dem Wort ungehorsam (vgl. u.a. 1. Korinther 2; 1. Kor. 3,1-3; Hebr. 5,11-14).  
 

*  Eine wichtige Grundlage der Freiheit in Christus ist die klare, richtige Erkenntnis dessen, wer wir in Christus sind und was unser Herr in Seinem vollkommenen Sühnopfer für uns bereitet hat. Ein aufmerksames, betendes Lesen in der Schrift, besonders in den Briefen des NT, und ein Wachsen in der gesunden Lehre ist die Voraussetzung für ein gesundes Glaubensleben. Hier herrscht viel Not in der Gemeinde. Aufgrund des Mangels an guter, biblischer Lehre und durch den Einfluß falscher Menschenlehren wissen viele Gläubige nicht, was ihnen geschenkt ist, und der Feind kann sie umdunkeln, ängstigen und berauben. 
 

*  Zur Erkenntnis des Wortes Gottes muß jedoch auch der Glaube und der Gehorsam kommen. Die geoffenbarten Heilswahrheiten der Schrift werden in vielem erst dann für mich zur Realität, wenn ich sie im Glauben für mich erfasse und im Gehorsam umsetze. Wenn ich mit den unsichtbaren Realitäten des Lebens in Christus nicht rechne, nicht von ihnen überzeugt bin, dann kann der Feind mich durch Gefühle, Gedanken und Erlebnisse verunsichern und irreführen. 
 

Hier sollen einige wenige, kurze Andeutungen folgen, die uns den Blick für die Herrlichkeit und die vielfachen Segnungen unserer Stellung in Christus öffnen mögen, die sich erst nach und nach dem erschließen, der das Wort Gottes mit offenem Herzen liest. Der Verfasser schreibt sie nieder als einer, der selbst erst ein wenig von dieser Fülle erkennen durfte und doch bezeugen kann, wie befreiend und aufbauend die biblische Wahrheit nach Jahren schwarmgeistiger Irrlehre wirkt. 
 
 

a) Die vollkommene Erlösung in Christus 
 

Die alles entscheidende, felsenfeste Grundlage unserer völligen Erlösung ist der Herr Jesus Christus selbst. Durch Seinen stellvertretenden Kreuzestod, durch Sein vergossenes Blut hat Er  Gott ein einmaliges, heiliges, vollkommen genügendes Sühnopfer dargebracht, das das ewig gültige Fundament unseres Heils ist. Durch dieses Sühnopfer ist alle unsere Schuld und Sünde für immer getilgt und weggetan, wenn wir es im Glauben für uns annehmen und uns Jesus Christus als unserem Herrn und Heiland ausliefern. 
 

Durch die Auferweckung Jesu Christi aus den Toten hat Gott die Gültigkeit dieses Sühnopfers besiegelt und damit auch uns gerechtgesprochen, die wir Christus angehören (Rö. 4,25). Er hat Seinen Sohn zum Erstling der neuen Schöpfung gemacht: Christus ist der Anfang, der Erstgeborene aus den Toten (Kol. 1,18). Aber Gott hat damit auch alle, die Christus angehören, mitauferweckt, mitlebendig gemacht durch die Kraft des Auferstehungslebens des Christus, an dem wir Anteil haben. 
 

In Christus haben wir ewiges Leben, Leben aus Gott, und sind eine neue Schöpfung, durch die der Tod und die Sünde, das "Alte" grundsätzlich überwunden ist (vgl. 2. Kor. 5,15-17; 2. Petr. 1,4; Gal. 6,15; Rö. 6,4-11; Rö. 8,5-17). Gott hat uns bei der Wiedergeburt durch die Taufe mit dem Heiligen Geist in Christus versetzt (Römer 6); Er hat bewirkt, daß wir mit Christus gekreuzigt, gestorben, begraben und auferweckt sind.  
 

Der Kreuzestod des Christus und Sein Auferstehungsleben ist in uns wirksam, damit unsere alte Sündennatur unwirksam gemacht wird und wir in Neuheit des Lebens wandeln können (Rö. 6,6.4; Gal. 2,20; Gal. 5,24). Durch den Glauben dürfen wir erkennen, daß wir unserem sündigen Eigenleben gestorben sind, damit wir in Seiner Kraft für Ihn, unseren Herrn, leben (vgl. Rö. 6,10f.; 2. Kor. 5,14f.; Kol. 3,3) und Tag für Tag mit dem rechnen, was Er in uns vollbracht hat und vollbringt. 
 

Durch Buße und Glauben an Jesus Christus haben wir den alten Menschen ausgezogen (d.h. die sündhafte Herzenshaltung und Gesinnung unseres alten Lebens) und den neuen Menschen angezogen, "der Gott entsprechend geschaffen ist in wahrhafter Gerechtigkeit und Heiligkeit" (Eph. 4,20-24; vgl. Kol. 3,8-11).  
 

Das Fleisch, unsere sündhafte menschliche Natur, ist zwar noch vorhanden, solange wir in diesem Leib der gefallenen Schöpfung leben; wir erreichen in dieser Heilszeit nicht einen Zustand der Perfektion oder Sündlosigkeit, wie es manche falsche "Heiligungs"lehrer verkünden. Aber kraft der Erlösung in Christus müssen wir nicht mehr dem Fleisch gehorchen und der Sünde dienen; seine Begierden müssen uns nicht mehr versklaven und beherrschen; wir können im Glauben die Sünde und das Fleisch überwinden und im Geist wandeln. "Wir wissen ja dieses, daß unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde außer Wirksamkeit gesetzt sei, so daß wir der Sünde nicht mehr dienen; denn wer gestorben ist, der ist von der Sünde freigesprochen" (Rö. 6,6f.). 
 

All das sind Aussagen der Heiligen Schrift über unsere Stellung in Christus; es ist ein Werk Gottes in Christus an uns, das wir nur durch Glauben empfangen und annehmen können, indem wir uns dafür halten und mit den uns zugesagten unsichtbaren Tatsachen glaubend rechnen (vgl. Rö. 6,11).  
 

Wieweit wir diese uns zugesicherten Heilsgüter in unserem Wandel, in unserem alltäglichen Glaubensleben verwirklichen können, ist eine andere Sache; hier müssen wir immer wieder feststellen, wie wenig wir im Grunde auf der Höhe und in der Kraft der uns geschenkten Gnade zu leben vermögen. Hierin zu wachsen und zuzunehmen durch Buße und Erneuerung der Gesinnung (vgl. Eph. 4,23; Rö. 12,2), durch zunehmende Erkenntnis und geistliche Reife (vgl. Eph. 1,15-23; 4,13-16; Phil. 1,9-11; Kol. 1,29; 4,12) ist eine stete Herausforderung für jeden treuen Gläubigen.  
 

Biblisches Glaubensleben bedeutet, daß wir trotz all unserem Versagen beständig mit dieser unserer Gnadenstellung in Christus rechnen, immer neu auf das bauen, was unser Herr und Heiland für uns und in uns vollbracht hat und was wir in IHM (und nicht in uns selbst!) sind.  
 
 

b) Die Errettung aus der Macht der Finsternis 
 

Für unser Thema sind nun vor allem jene Aussagen bedeutsam, die die Heilige Schrift über die Stellung eines Gotteskindes gegenüber dem Satan und seinen Dämonen macht. Hier wollen wir zuerst die zentrale Stelle Kol. 1,12-14 anführen:  
 

Hier wird uns gezeigt, was Gott tut an denen, die an Jesus Christus glauben, und zwar in dem Moment tut, wo sie sich "bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Macht des Satans zu Gott" (Apg. 26,18). Paulus sagt denen, die Christus angehören, daß Gott sie aus der Macht der Finsternis errettet hat, daß sie nicht mehr unter der Macht und Kontrolle des Widersachers stehen, sondern hineinversetzt sind in das himmlische Reich Jesu Christi. Diese Errettung, dieser grundlegende, radikale Herrschaftswechsel wird uns im Wort Gottes als ein abgeschlossenes Handeln Gottes gezeigt: "Denn ihr wart einst Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht in dem Herrn" (Eph. 5,8).  
 

Es ist sehr wichtig, zu verstehen, daß unsere Herauslösung aus allen Herrschaftsansprüchen Satans eine vollendete Tatsache ist, die aufgrund des vollkommenen Sühnopfers Jesu Christi von Gott selbst gewirkt wurde und die der Satan niemals von sich aus rückgängig machen kann. Gott bekräftigt diesen Herrschaftswechsel, indem er jeden Gläubigen versiegelt hat mit dem Heiligen Geist der Verheißung (Eph. 1,14). Dieses Siegel bedeutet nach dem Rechtsbrauch des Altertums das Zeichen, daß ein erworbener Gegenstand rechtmäßig dem neuen Eigentümer gehört. Dazu schreibt Albert von der Kammer:  
 

Wir sind als Gläubige in Christus; wir sind mit Ihm versetzt in die Himmelswelt (Eph. 2,6), ja, unser Leben ist "verborgen mit dem Christus in Gott" (Kol. 3,3) � wie könnte uns da der Satan zerstörerisch treffen oder beherrschen? Das Wort Gottes sagt uns, daß der Böse einen aus Gott Geborenen nicht willkürlich antasten kann (1. Joh. 5,18). Jede Einwirkung des Satans auf ein Kind Gottes ist nur möglich, wenn Gott selbst sie aus erzieherischen Gründen zuläßt (vgl. Hiob 1 u. 2, Lk. 22,31f.) oder wenn der Gläubige dem Feind selbst durch Aberglauben, Öffnung für Irrgeister oder Verharren in Sünde dazu Raum gibt. 
 
 

Ein wiedergeborenes Gotteskind kann nicht "besessen" sein 
 

Christus, der König der Könige, ist in uns � wo Er, der Herr der Herrlichkeit, Seine Königsherrschaft im Leben eines wahren Gotteskindes aufgerichtet hat, da kann kein Dämon mehr herrschen oder Kontrolle ausüben. Die vielfach vertretene Lehre, nach der ein Gotteskind "besessen" sein könnte, ist daher irreführend und falsch. Besessenheit ist nach den Aussagen der Heiligen Schrift nur bei nicht wiedergeborenen Sündern möglich.  
 

Genauso ist es unbiblisch und irreführend, von einer "Innewohnung" von Dämonen bei Gläubigen zu sprechen. Wenn der Heilige Geist in einem Menschen wohnt, kann dieser nicht von Dämonen bewohnt sein. Der Tempel Gottes kann nicht zugleich ein Tempel von bösen Geistern sein (vgl. 1. Kor. 3,16; 1. Kor. 6,11.19).  
 

Wohl spricht das Wort Gottes von der ernsten Möglichkeit, daß Gotteskinder Gemeinschaft mit Dämonen haben (1. Kor. 10,20) und einen falschen Geist "empfangen" können (2. Kor. 11,4). Beides ist nach unserer Überzeugung in der Pfingst- und Charismatischen Bewegung der Fall, wie auch die erschreckende Tatsache, daß Gotteskinder durch leichtfertige Öffnung für einen falschen Geist zum Sprachrohr für dämonische Botschaften werden können (vgl. 1. Kor. 12,3; 2. Thess. 2,2: eine irreführende Botschaft in der Gemeinde erfolgte "durch einen Geist").  
 

Von der Gesamtaussage der Bibel her ist es am zutreffendsten, davon zu sprechen, daß Gläubige sich für das Wirken falscher Geister öffnen und ihnen Raum geben können; es wäre jedoch falsch und irreführend, von einer Innewohnung oder gar Besessenheit auszugehen. Zwar mag es in Ausnahmefällen auch bei Gotteskindern, die dem Feind durch schwere Sünden, Auslieferung des Willens oder Öffnung für falsche Geister o.ä. starke Einwirkungsmöglichkeiten gegeben haben, zu Symptomen kommen, die denen Besessener ähneln, aber dennoch darf man diese Wirkungen des Feindes nicht als Besessenheit deuten oder behandeln.  
 

Entweder ein Mensch steht unter der Herrschaft Satans � dann ist er ein Kind der Finsternis und muß sich bekehren, um frei zu werden. Oder ein Mensch steht unter der Herrschaft des Herrn Jesus Christus � dann ist er ein Kind des Lichts und kann durch Buße und gläubiges Erfassen seiner Stellung in Christus frei werden. Bei einem Kind Gottes kann der Feind nur in Teilbereichen des Lebens und nur begrenzt Kontrolle ausüben; die wahre Herrschaft über das Leben eines Gotteskindes liegt in der Hand seines Herrn. 
 

Ein Gläubiger, der eine klare Abkehr von seinen Sünden vollzogen hat und in der Heiligung lebt, kann vom Feind nicht wirklich angetastet, willkürlich angegriffen oder beherrscht werden. Er ist völlig beschützt und bewahrt durch seinen Erlöser und Herrn. Dies bedeutet allerdings nicht, daß er vor allen Versuchungen und Anfechtungen bewahrt würde � diese Angriffe des Feindes gehören vielmehr zur Glaubenserziehung eines jeden Gotteskindes, und der Herr Jesus erspart sie uns nicht, sondern trägt uns durch sie hindurch und lehrt uns, in ihnen zu überwinden.  
 
 

Christus hat uns von allen Flüchen und Anrechten des Feindes erlöst 
 

Es ist völlig unbiblisch und zerstörerisch, wenn falsche Lehrer behaupten, ein Gotteskind sei noch unter dem Bann von Flüchen oder okkulten "Belastungen" seiner Voreltern, die alle einzeln erkannt und "gelöst" werden müßten. Das Wort Gottes lehrt uns, daß wir erlöst worden sind von unserem nichtigen, von den Vätern überlieferten Wandel mit dem kostbaren Blut des Christus als eines Lammes ohne Fehler und ohne Flecken (1. Petr. 1,19). Für die Schuld unserer Väter gilt wie für unsere eigenen Okkultsünden vor der Bekehrung: "Aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerechtfertigt worden in dem Namen des Herrn Jesus und in dem Geist unseres Gottes" (1. Kor. 6,11); "Das Alte ist vergangen; siehe, es ist alles neu geworden" (2. Kor. 5,17).  
 

Alle Anrechte des Feindes sind durch das vollkommene Sühnopfer Jesu Christi am Kreuz getilgt und unwirksam gemacht � es sei denn, der Gläubige hat sich von bestimmten Sünden, okkulten Fähigkeiten oder Praktiken nicht klar und bewußt abgewandt, sondern hält noch an ihnen fest; in diesem Fall bedarf es aber lediglich einer klaren Abkehr, um die Erlösung auch für diese Punkte wirksam zu machen und dem Feind jegliche Einwirkung zu verwehren. Grundsätzlich gilt für jeden wahren Gläubigen: 
 

Preis sei unserem Herrn Jesus Christus! Dieser Sieg über den Feind und seine Mächte, diese unsere Befreiung ist bereits vollbracht; ist am Kreuz für uns errungen worden. Das sind geistliche Tatsachen, die vor Gott gelten und die auch der Feind anerkennen muß. Aber auch wir müssen diese vollbrachte Befreiung im Glauben annehmen und unsere Stellung in Christus durch alle Anfechtungen hindurch bewahren und verteidigen, sonst werden wir in der Praxis ihre Segnungen und Vorrechte nicht im vollen Umfang erleben und genießen können. Denn der Feind kann und darf unseren Glauben prüfen und versuchen, uns aus unserer Glaubensstellung herauszulocken; das ist Teil von Gottes Erziehungsplan für uns.  
 
 

 
 

Wie der Feind Gläubigen die Freiheit rauben kann 
 

Der Feind kann uns den Genuß unserer völligen Befreiung in Christus auf zwei Wegen rauben: Der eine Weg besteht in der Verführung zur Sünde und zum Verharren in ihr; auf diese Weise verliert ein Gotteskind die Vorrechte der beständigen Gemeinschaft mit Christus, Seinen Frieden und Schutz; es gewährt dem Feind Einwirkungsmöglichkeiten und kann zum Ziel dämonischer Angriffe werden.  
 

Es ist in diesem Sinn auch Sünde, und zwar eine besonders gefährliche, wenn ein Gläubiger sich dem Einfluß und Wirken eines falschen Geistes öffnet, wie es in der Pfingst- und Charismatischen Bewegung der Fall ist. In diese Bewegung hineinzugehen und ihre "Geistestaufe" zu empfangen bedeutet Gemeinschaft mit Dämonen zu haben.  
 

Diese Sünde gibt dem Feind weitergehende Einwirkungsmöglichkeiten wie religiöse Wahnideen, Lästergedanken, Selbstmordgedanken, Depressionen usw. bis hin zu Manifestationen, die an Besessenheit erinnern. Daher sind gerade solche schwarmgeistig beeinflußten Gläubigen öfters Kandidaten für einen "Befreiungsdienst", der sie nur umso tiefer verstrickt. 
 

Der andere Weg besteht darin, daß der Feind Gotteskindern durch falsche Lehren den Blick für ihre völlige Erlösung in Christus raubt, sie zum abergläubischen Starren auf ihn verführt, so daß sie seine Macht überschätzen und durch Unglauben zu Opfern seiner Einwirkungen werden.  
 

Genau das ist die Taktik des Widersachers bei der Irrlehre des "Befreiungsdienstes". Er verdunkelt den Gläubigen ihre vollbrachte Erlösung und Befreiung in Christus und spiegelt ihnen vor, daß sie erst noch "Befreiung" bräuchten. Er verführt sie, nicht mehr mit ihrem Herrn Jesus Christus, Seinem vollkommenen Sühnopfer und Seiner Macht zu rechnen, sondern mit der Macht und Herrschaft des Feindes in ihrem Leben. 
 

Solchermaßen irregeführte Gläubige schauen nicht mehr glaubensvoll auf Christus, sondern auf die Symptome und Wirkungen, die der Feind inszeniert, auf die bösen Geister, die angeblich überall und in allem, besonders in ihnen selbst, stecken. Solcher Aberglaube ist Sünde und gibt dem Feind erst recht Einwirkungsmöglichkeiten. Wer diesen Irrlehren glaubt, verliert seine in Christus geschenkte Freiheit immer mehr; er erkennt nicht mehr den biblischen Weg, satanischen Belästigungen zu widerstehen (Jak. 4,7f.) und wird ein Opfer teuflischer Verwirrungs- und Zermürbungstaktik. 
 
 
 

2. Der von Gott zugelassene Handlungsspielraum des Widersachers  
 
 

Manche Gläubige lassen sich von falschen "Befreiungs"lehren einfangen, weil sie keine klare, biblisch gegründete Vorstellung von dem durch Gott zugelassenen Handlungsspielraum des Feindes in ihrem Leben haben. Sie haben Angst, von Dämonen belastet oder gar besetzt zu sein, wo sie in Wahrheit Anfechtungen ausgesetzt sind, die zu einem normalen Glaubensleben dazugehören und von Gott dazu gebraucht werden, uns zur Wachsamkeit und Heiligung zu erziehen und unseren Glauben zu stärken. 
 

Das Wort Gottes zeigt uns, daß der Feind unter der Zulassung Gottes die Gläubigen auf drei Weisen angehen darf - wobei er klare, von Gott gesetzte Grenzen beachten muß (vgl. Hi. 1,12; 2,6; Lk. 22,31f.; 1. Kor. 10,13): durch Angriffe gegen uns (Luther prägte dafür den Begriff "Anfechtungen"), durch Versuchung zur Sünde und durch betrügerische Irreführung. Alle drei Methoden des Widersacher wollen wir kurz näher betrachten. 
 
 

a) Anfechtungen bzw. Angriffe  
 

"Seid nüchtern und wacht! Denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann. Dem widersteht, fest im Glauben, in dem Wissen, daß sich die gleichen Leiden erfüllen an eurer Bruderschaft, die in der Welt ist." (1. Petr. 5,8f.) 
 

Der Feind darf Gläubige in bestimmten Situationen angreifen, sie in äußerliche und innere Bedrängnis bringen, wie wir an Hiob, aber auch an Paulus besonders deutlich sehen.  
 

Jede solche Anfechtung hat zwei Seiten, und wir müssen darauf achten, von welcher Seite wir sie ansehen. Der Feind verfolgt dabei das Ziel, uns zu Fall zu bringen; aber Gottes Ziel ist das Wachstum und die Bewährung unseres Glaubens. Wenn wir die Anfechtungen treu und gehorsam, im Glauben durchstehen, dann wird der Ausgang nach dem Wort Josephs sein: "Ihr gedachtet mir zwar Böses zu tun; aber Gott gedachte es gut zu machen" (1. Mo. 50,20).  
 

Wenn uns der Feind jedoch einmal zu Fall gebracht hat, dürfen wir wieder aufstehen, uns reinigen und vom Herrn stärken lassen und von Ihm lernen, zu überwinden. Das ist Gottes Erziehungsziel mit uns, wenn Er uns den Anfechtungen aussetzt: Wir sollen lernen, Überwinder zu werden im Aufblick zu Jesus Christus, der für uns überwunden hat. 
 

Anfechtungen können durch Menschen erfolgen (Widerstand und Angriffe, Verleumdungen, Intrigen, Tätlichkeiten, Verfolgungen), aber auch durch böse Geister (Lästergedanken, manche Zustände von Angst, Depression, Verwirrung, Zweifel, Schwächung, manchmal auch körperliche Krankheiten). Den unmittelbaren Angriffen der Dämonen sollen wir entschlossen widerstehen, wozu uns die Waffenrüstung Gottes gegeben ist (Jak. 4,7; Eph. 6,10-17). Das bedeutet z.B. perverse und lästerliche Gedanken, die der Feind in unser Denken senden will, klar abzuweisen und nicht anzunehmen; Ängsten, Depressionen, Krankheiten usw. im Glaubensgebet und Festhalten an den Verheißungen Gottes zu begegnen, uns im Glauben auf das Wort Gottes zu stellen und unsere Stellung in Christus bewußt einzunehmen.  
 

Angriffe von Menschenseite müssen wir oft einfach erdulden und durch die Liebe und Sanftmut des Christus überwinden, wobei das gläubige Gebet zu Gott, daß Er die dahinterstehenden Pläne und Absichten des Feindes zunichtemachen möge, nicht fehlen darf (vgl. Jak. 1,12; 1. Thess. 3,1-8; 1. Petr. 1,6f.; 1. Petr. 2,19; 1. Petr. 4,12-19; 2. Thess. 3,2; Rö. 15,30f.; Hebr. 13,18f.; Eph 6,12) 
 

Wesentlich ist, daß wir in der Anfechtung eine Haltung der demütigen Unterwerfung unter den allmächtigen Gott und Seinen heiligen Willen bewahren, daß wir die Anfechtungen aus Seiner Hand nehmen und Ihm vertrauen, der alle unsere Wege lenkt, der uns befestigen und vor dem Bösen bewahren wird (2. Thess. 3,3), der uns durchträgt und eine guten Ausgang aus der Anfechtung schenken wird (vgl. 1. Petr. 5,6f.; Jak. 4,4-10; 2. Kor. 12,7-10; 1. Kor. 10,13).  
 

Dann wird die böse Absicht Satans, uns zu Unglauben, Murren, Rebellion und fleischlicher Selbsthilfe zu verführen, zunichte werden � nicht umsonst hat uns das Wort Gottes hier die Wüstenwanderung des Volkes Israel als warnendes Vorbild vor Augen gestellt! Die Frucht der Anfechtung für uns wird dann Bewährung im Glauben, Reifung und zuletzt der Siegeskranz sein (vgl. Jak. 1,2-4.12; Offb. 2,10). 
 
 

b) Versuchung zur Sünde  
 

"Entzieht euch einander nicht, außer nach Übereinkunft eine Zeitlang, damit ihr euch dem Fasten und dem Gebet widmen könnt; und kommt dann wieder zusammen, damit der Satan euch nicht versucht um eurer Unenthaltsamkeit willen" (1. Kor. 7,5).  
 

Der Feind wirkt unter Gottes Zulassung als Versucher und Verführer zur Sünde (vgl. Mt. 4,3; 1. Thess. 3,5); durch ihn werden wir geprüft, damit offenbar wird, was in unseren Herzen ist. In Jak. 1,13-15 gibt uns das Wort Gottes eine wichtige Lehre zu diesem Thema. Gottes Wort stellt heraus, daß letztlich die sündige Natur des Menschen mit seinen fleischlichen Begierden für die Wirksamkeit der Versuchung verantwortlich ist (vgl. Mt. 15,18-20). Verschiedene Irrlehrer des "Befreiungsdienstes" machen für Sünden einseitig den Satan verantwortlich und leugnen damit die Verderbtheit des menschlichen Herzens und die Verantwortlichkeit des Menschen für die Sünde, die er tut. Wenn Christen an eine bestimmte Sünde gebunden sind, so sind dafür letztlich sie selbst verantwortlich, weil sie ihrem Fleisch mit seinen Begierden Raum gegeben und sich somit in Knechtschaft begeben haben (vgl. Gal. 5,13-25; Rö. 6,12-16). Keinesfalls darf man solche Sündenbindungen "innewohnenden Dämonen" zuschreiben.  
 

Gottes Absicht mit der Versuchung ist, uns zu tieferer Buße und Reinigung von Sünden zu führen und uns stark zu machen, den uns in Christus geschenkten Sieg über die Sünde auch tatsächlich zu ergreifen und nach Kräften auszuleben. Gott selbst verführt nie zur Sünde (Jak. 1,13-15), aber Er läßt die Verlockung zur Sünde aus erzieherischen Gründen oder auch als Gericht zu.  
 

Solche Versuchungen sind also Teil des uns von Gott verordneten Glaubensweges hier auf Erden; unser Herr Jesus wurde in allem versucht, und so begegnen auch Seinen Jüngern allerlei Versuchungen (Hebr. 2,18; 1. Petr. 1,6). Dabei dürfen wir jedoch wissen: "Gott aber ist treu, er wird nicht zulassen, daß ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern er wird zugleich mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen, so daß ihr sie ertragen könnt" (1. Kor. 10,13; vgl. Hebr. 12,4-11). Sind wir einmal gefallen, so dürfen wir im Vertrauen auf das Sühnopfer des Christus wieder aufstehen, klare Buße tun und die Reinigung durch das Blut Jesu Christi empfangen (1. Joh. 1,7-10).  
 

Wir dürfen lernen, in kindlichem Vertrauen auf die Kraft der vollkommenen Erlösung in Christus und in gottesfürchtigem Gehorsam zu widerstehen, und wir dürfen das Wort für uns annehmen: "Aber in dem allem überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat" (Rö. 8,37), und: "Der Herr weiß die Gottesfürchtigen aus der Versuchung zu erretten" (2. Petr. 2,9). 
 
 

c) Verführung durch betrügerische Geister  
 

Diese Taktik satanischer Versuchung ist die raffinierteste und wohl auch gefährlichste. Sie ist im besonderen in der Endzeit ausgeprägt. Der Vater der Lüge versucht, durch falschgeistige Erlebnisse und Offenbarungen (Visionen, Stimmen, Wunder, Prophetien, Hellseherei) sowie durch unbiblische Irrlehren, die von Dämonen inspiriert sind, den gesunden Glauben der Gotteskinder zu verderben und zu untergraben (vgl. Kol. 2,18; 2. Kor. 11,14; 1. Tim. 4,1). Er zerstört die Einfalt und Lauterkeit des Glaubens (2. Kor. 11,3), indem er das Herz von Gläubigen abwendet von dem wahren Herrn Jesus Christus und seine Aufmerksamkeit auf einen falschen Jesus und seine Botschaften, Visionen und Krafttaten lenkt.  
 

Durch falsche Lehren entzieht der Feind den Gläubigen, die sich verführen lassen, den Felsengrund ihres ganzen Glaubenslebens: die Heilige Schrift als Gottes geoffenbarte Wahrheit. Eine solche Verführung ist jedoch auf Dauer nur bei denen möglich, die dieser Wahrheit in gewissem Maß untreu und ungehorsam wurden, "die der Wahrheit nicht geglaubt haben, sondern Wohlgefallen hatten an der Ungerechtigkeit" (2. Thess. 2,12). 
 

Solche Christen � Scheingläubige und sicher auch einige wahre Gläubige � wird es nach den Aussagen der Bibel gerade in den letzten Tagen viele geben, die "die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern sich selbst nach ihren eigenen Lüsten Lehrer beschaffen, weil sie empfindliche Ohren haben; und sie werden ihre Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Legenden zuwenden" (2. Tim. 4,3f.). Wer aber der ernüchternden, demütigenden, zur Buße rufenden Wahrheit der Bibel ausweichen will, um sich schwärmerischen Höhenflügen und einem falschen "Über-Christentum" zuzuwenden, muß einen teuren Preis bezahlen. 
 

Die betrügerischen Lehren des Feindes scheinen zwar sehr "geistlich", "vollmächtig" und "erleuchtet", aber wer sich ihnen öffnet, gerät in schwarmgeistige Verblendung; er wird bis zu einem gewissen Grad für die Wahrheit der Schrift blind. Das gilt natürlich nicht nur für pfingstlich-charismatische, sondern genauso für liberal-bibelkritische, feministische oder andere Irrlehren, die in der Gemeinde Fuß zu fassen suchen. Solche Irrlehren sind ein gefährliches Gift, das jeder wahre Gläubige meiden sollte wie die Pest, denn es vermag den gesunden Glauben zu zerstören (2. Tim. 2,18). 
 

Erscheint Satan in der Anfechtung als brüllender Löwe, in der Versuchung als listige Schlange, so nimmt er in der Irreführung die Gestalt eines Engels des Lichts an, um falschprophetische Offenbarungen und Lehren von Dämonen in die Gemeinde zu schleusen. Sie verkehren das Wort Gottes und vermischen es mit verführerischen Lügen des Teufels, so daß letztlich ein Pseudo-Christentum entsteht, durch das Menschen vom wahren Glauben abgewendet werden sollen.  
 

Daß der Feind auf diese Weise unter der Zulassung Gottes sein zerstörerisches Werk treiben darf, ist für viele Christen schwer verständlich und beunruhigend, und sie verschließen gern die Augen vor dieser Tatsache. Aber auch in dieser notvollen Erscheinung unserer letzten Zeit ist die Hand Gottes in Gericht und Gnade erkennbar; auch dadurch wird die Echtheit des Glaubens, die Liebe zur Wahrheit geprüft, und der allmächtige, gnädige Gott vermag Seine Auserwählten vor der Verführung zu bewahren (vgl. Mt. 24,24; 2. Thess. 3,3). Doch ist gegenüber dieser Art von Versuchung in besonderem Maß Wachsamkeit, Gottesfurcht, Beugung unter die Wahrheit des Wortes und auch eine feste Gründung im Wort Gottes nötig. 
 
 

d) Versuchungen sind uns gegeben, um sie zu überwinden 
 

Der biblische Begriff, mit dem vor allem die beiden ersten Arten satanischer Aktivität benannt werden, ist peirasmos, zu deutsch "Prüfung, Erprobung; Versuchung; Anfechtung". Der Grundgedanke ist, daß der Widersacher ausprobieren darf, wie echt unsere Herzenshaltung vor Gott ist, wie klar unser Stand im Glauben und wie gerecht unser Wandel in Christus ist.  
 

Dies führt uns in die Selbstprüfung und Buße, erhält uns wachsam und läßt uns reifen im Glauben und in der Heiligung, wenn unsere Herzensbeziehung zu unserem Herrn und Heiland stimmt. So tröstet das Wort Gottes in 1. Petr. 1,6f. auch uns, wenn es das göttliche Ziel der Anfechtungen und Versuchungen nennt: "damit die Bewährung eures Glaubens (der viel kostbarer ist als das vergängliche Gold, das doch durchs Feuer erprobt wird), Lob, Ehre und Herrlichkeit zur Folge habe bei der Offenbarung Jesu Christi". 
 

Wenn uns also Versuchungen und Anfechtungen widerfahren, brauchen wir nicht ängstlich auf den Widersacher zu starren und uns nicht verunsichern lassen (vgl. 1. Petr. 4,12f.), als habe der Feind irgendwelche Macht über uns oder müsse gar ausgetrieben werden. Diese Dinge sind Teil unseres Wandels als Christen; sie setzen auch keineswegs notwendigerweise voraus, daß wir dem Feind durch Sünden besondere Anrechte gegeben hätten (obwohl dies bei allen hartnäckigen und schweren Angriffen geprüft werden muß).  
 

Wir haben über solche Versuchungen den Sieg in Christus und müssen lernen, ihn auch in der täglichen Lebenspraxis zu verwirklichen. Als Schutz gegen diese Angriffe, die sich besonders gegen unsere Gedanken- und Gefühlswelt richten, hat uns der Herr Seine göttliche Waffenrüstung gegeben: 
 

Gerade weil der Kampf gegen satanische Anfechtungen hauptsächlich in unseren Gedanken, unseren Gefühlen und unserem Willen ausgefochten wird, ist das Wort Gottes so entscheidend wichtig bei der Überwindung dieser Angriffe. Es stärkt und und überführt uns; es ermutigt uns und richtet unseren Glaubensblick immer neu auf unseren Herrn, "den Anfänger und Vollender des Glaubens" (Hebr. 12,2), es zeigt uns unsere Vorrechte in Christus und lehrt uns Gerechtigkeit. Dieses kostbare Gotteswort in Lauterkeit und Glauben, in Gehorsam und Fleiß aufzunehmen und auszuleben ist ein entscheidender Faktor für unseren Sieg; es hat die Kraft, aufzuerbauen und ein Erbe unter allen Geheiligten zu geben (Apg. 20,32). 
 
 
 

3. Die Rolle des Fleisches als Grundlage für Angriffe des Feindes 
 
 

Bei allen seinen Aktivitäten gegen den Gläubigen knüpft der Widersacher an das Fleisch an, die alte menschliche Natur. Diese ist sozusagen seine Operationsbasis, weil der sündige alte Mensch von den Wesenszügen und der Gesinnung Satans geprägt und vergiftet ist. Obwohl die alte Sündennatur durch die Kraft der Erlösung in Christus grundsätzlich überwunden und abgetan ist, ist sie im Gläubigen noch vorhanden und kann wirksam werden, wenn er nicht im Glauben und im Geist wandelt (Gal. 5,13-25). Sie ist im Leib der gefallenen Schöpfung verwurzelt, durch den wir mit Adam verbunden sind, dem "Leib der Sünde" mit seinen Begierden und Lüsten.  
 

In unserer geistlichen Beziehung Gott gegenüber ist der Leib der Sünde und unser alter Mensch mit Christus gekreuzigt, gestorben und begraben. Unserer Stellung nach sind wir nicht mehr "im Fleisch", d.h. Sünder von Natur, sondern "im Geist" aufgrund der Wiedergeburt und Innewohnung des Heiligen Geistes (vgl. Rö. 8,8-15). Aber was unseren Wandel, unser alltägliches Leben hier auf Erden betrifft, so müssen wir das, was uns durch unsere geistliche Stellung in Christus gegeben ist, im Glauben und Gehorsam auch umsetzen und verwirklichen. 
 
 

 
 

Unsere Verantwortung, das Fleisch im Kreuzestod des Christus zu halten 
 

Deshalb fordert der Apostel Paulus in Kol. 3,5-11 die Gläubigen unter Hinweis auf die Erlösung in Christus auf: "Tötet daher eure Glieder, die auf Erden sind" und: "Nun aber legt auch ihr das alles ab", nämlich Zorn, Wut, Bosheit usw.  
 

Der Sieg über die Sünde ist uns in Christus objektiv gegeben, aber er wirkt sich nicht automatisch aus, sondern muß im Glauben ergriffen und in der Kraft des Heiligen Geistes ausgelebt werden. Damit werden wir in einen Kampf gestellt, den Paulus in Gal. 5,17 schildert: "Denn das Fleisch gelüstet gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch; und diese widerstreben einander, so daß ihr nicht das tut, was ihr wollt." 
 

Hier sind wir selbst gefordert, hier liegt unsere Verantwortung für unser Leben in der Nachfolge: Wir können die uns in Christus geschenkte Freiheit zu einem Vorwand für das Fleisch mißbrauchen und immer wieder den Begierden des Fleisches nachgeben, so daß wir sündigen (Gal. 5,13), oder wir können in der Kraft des Heiligen Geistes das Fleisch überwinden aufgrund der Wirksamkeit des Kreuzestodes Jesu Christi und der Kraft des Auferstehungslebens des Christus in uns: "Wandelt im Geist, so werdet ihr die Lust des Fleisches nicht vollbringen" (Gal. 5,16).  
 

Wenn das Fleisch ungehinderte Entfaltungsmöglichkeit hat, dann ist die Auswirkung unweigerlich Sünde: "Offenbar aber sind die Werke des Fleisches, welche sind: Ehebruch, Unzucht, Unreinheit, Zügellosigkeit; Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn, Ehrgeiz, Zwietracht, Parteiungen; Neid, Mord, Trunkenheit, Gelage und dergleichen" (Gal. 5,19-21). 
 

Wir sehen im 1. Korintherbrief, daß wiedergeborene Gotteskinder, die fleischlich gesinnt waren, statt der Heiligung nachzujagen, fast alle diese Sünden begehen konnten. Und wie sieht es mit uns selbst aus? Wo geben wir dem Fleisch noch Entfaltungsmöglichkeiten, anstatt den Sieg Jesu Christi über die Sünde in Anspruch zu nehmen? 
 
 

Der Mensch ist selbst für seine Sünde verantwortlich und nicht irgendwelche Dämonen 
 

All diese Fragen stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der unbiblischen "Befreiungs"lehre, die wir untersuchen wollen. Mit dieser Lehre ist nämlich vielfach die Auffassung verbunden, daß schwere oder hartnäckige Sünden wie Unzucht, Zornausbrüche oder Zauberei bei Gläubigen ihre Ursache in dämonischem Einfluß oder gar in der Innewohnung von Dämonen hätten. Der Weg zur Befreiung von solchen Sünden wird daher in einer Austreibung oder einem Vertreiben der verursachenden Geister gesehen.  
 

Demgegenüber sagt die Heilige Schrift sehr deutlich, daß solche Sünden ihre Wurzeln in der gefallenen menschlichen Natur, in der Bosheit des menschlichen Herzens haben. Der Mensch selbst ist für diese Sünden verantwortlich; er kann sie nicht irgendwelchen Geistern in die Schuhe schieben! Hier wird ein verdeckter Humanismus, eine heimliche Rechtfertigung des Menschen deutlich, der selbst zu solchen Sünden scheinbar nicht fähig ist und für sie auch nicht zur Verantwortung gezogen werden will. Solche Lehren verleugnen letztlich die Verderbtheit der menschlichen Natur; indem sie den Menschen von seiner Verantwortung "entlasten" wollen, verbauen sie ihm den Weg zu wirklicher Befreiung
 

Das Wort Gottes betont die Verantwortung des Menschen für die Sünde, die er tut, und es nennt die Wurzel des Übels ganz deutlich beim Namen. Nicht der Satan ist diese Wurzel, sondern unsere alte, gefallene sündige Natur: "Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugnisse, Lästerungen. Das ist's, was den Menschen verunreinigt!" (Mt. 15,19f.). 
 

Der biblische Weg zur Befreiung von Sündenbindungen besteht daher nicht in der Austreibung von "Unzuchts"- "Lügen"- oder "Kritik"geistern, sondern in gründlicher Herzensumkehr, im gläubigen Erfassen des vollkommenen Sühnopfers Jesu Christi, in der Erneuerung unserer Gesinnung und einem bewußten Wandel im Geist. Wenn dies geschieht, dann können die Versuchungen zur Sünde, die der Feind an uns herantragen darf, überwunden werden, und dort, wo infolge unserer schuldhaften Verstrickung der Feind Möglichkeiten zu dämonischen Belästigungen und Einwirkungen hatte, werden diese weichen müssen. 
 

Dort wo Christen infolge der Irrlehre der "Befreiung" die Schuld für ihre Sünden auf Dämonen abschieben wollen und nicht selbst die Verantwortung für sie vor Gott übernehmen, dort wo sie die Wahrheiten des Wortes Gottes über ihre alte Natur und über ihre neue Stellung in Christus verleugnen, indem sie sich angebliche innewohnende Geister austreiben lassen, werden sie die Sünden nicht wirklich überwinden können, sondern sich in zusätzliche Gebundenheiten verstricken.  
 

Wenn ein Christ aber erkennt, daß er in Christus eigentlich Befreiung von Sündenbindungen und satanischen Belästigungen bereits hat und daher die Ursache für seine Gebundenheiten bei ihm selbst liegt, dann ist der Weg offen für eine echte und bleibende Befreiung, auch wenn dies längere Zeit dauern mag und vielleicht Prozesse der Reinigung und des Zerbruchs einschließt. 
 
 
 

4. Ursachen für dämonische Einwirkungen bei Gläubigen 
 
 

Wenn man von den oben dargelegten Aussagen der Bibel ausgeht, dann gibt es eigentlich nur zwei mögliche Ursachen dafür, daß ein Christ die in Christus gegebene völlige Befreiung aus dem Herrschaftsbereich des Satans nicht erlangt bzw. wieder verliert und es zu wirklichen dämonischen Einwirkungen kommt. Entweder war seine Abkehr von der Finsternis und von der Macht des Satans nicht tief und klar genug, so daß er noch an gewissen Sünden oder okkulten Bindungen im Grunde seines Herzens hängt, oder aber der Christ hat durch Unglaube, Aberglaube und Verharren in bestimmten Sünden den Feind in sein Leben eingelassen und sich freiwillig unter dessen Knechtschaft begeben. 
 

Handelt es sich um einen wirklichen, von neuem geborenen Christen, dann ist jede Innewohnung von bösen Geistern oder gar Besessenheit unmöglich. In jedem Gotteskind wohnt der Heilige Geist, und wer mit dem Heiligen Geist versiegelt ist, kann nicht von einem anderen Geist bewohnt oder beherrscht werden. Allerdings können böse Geister auch wahre Gläubige über das "normale" Maß der Anfechtung und Versuchung hinaus beeinflussen, belästigen und quälen, wenn diese ihnen durch Fehlverhalten das Recht dazu einräumen. Einige mögliche Einfallstore für solche dämonischen Einwirkungen sollen kurz aufgezählt werden: 
 

1. Unglaube und Aberglaube:  Wer im Unglauben in bezug auf die völlige Erlösung und seine Stellung in Christus lebt, wer die Wahrheiten des Wortes nicht im Glauben festhält, den kann der Feind leicht einschüchtern und belästigen. Verschiedene magisch-abergläubische Auffassungen, die die Macht des Feindes in unbiblischer Weise überzeichnen, können ihm Einwirkungsmöglichkeiten öffnen. Dazu zählen gerade auch viele Lehren der "Befreiungs-Seelsorge".  
 

Wer also in dem Glauben lebt, bestimmte Krankheiten und Sünden seien von Dämonen verursacht, die in ihm wirken, kann durch solchen Aberglauben dem Feind Möglichkeiten geben, genau das durch Einwirkungen zu "bestätigen". Ähnliches gilt für abergläubische Ängste vor Gegenständen und jede Form des magischen Denkens.4 
 

2. Verharren in der Sünde: 1. Joh. 5,18 deutet an, daß es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Meiden der Sünde und der Zusicherung, daß der Feind ein Kind Gottes nicht antastet. Ein Verbleiben in Sünden wie etwa Lüge, Unversöhnlichkeit oder Unzucht, die Weigerung, über erkannten Sünden klare Buße zu tun, kann einen Christen sehr wohl unter dämonischen Einfluß bringen; er gibt damit dem Teufel Raum (Eph. 4,27).  
 

Das muß sich nicht nur in Belästigungen und Nöten für den Betroffenen äußern; der Feind kann solche Menschen auch bis zu einem gewissen Grad gebrauchen und durch sie zerstörerisch wirken. Es mag also sein, daß durch einen in Sünde lebenden Christen ein unzüchtiger, lügnerischer, rebellischer Geist wirkt, der auch andere, ja eine ganze Gemeinde beeinflußt und befleckt.  
 

Hochmut und Verblendung, Gebundenheiten und Zwänge können Folgen von Unbußfertigkeit sein; sie sind Ausdruck der Züchtigung Gottes für einen schlimmen, gefährlichen Herzenszustand, dessen ganzen Ernst wir aus Oberflächlichkeit und mangelnder Gottesfurcht heraus kaum noch zu erfassen vermögen. Doch das Wort bleibt gültig: "Irrt euch nicht: Gott läßt sich nicht spotten! Denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten" (Gal. 6,7). 
 

3. Passivität und Auslieferung des Willens: "Wißt ihr nicht: Wem ihr euch als Sklave hingebt, um ihm zu gehorchen, dessen Sklaven seid ihr und müßt ihm gehorchen" (Rö. 6,16). Im Zuge der endzeitlichen Verführung versucht der Feind immer mehr, durch Manipulation und Ausschaltung des Willens Kontrolle über Menschen zu bekommen.  
 

Alle Arten von Meditation, "Entspannungs"- und "Atemübungen", Hypnose, Trancezustände, autogenes Training, Yoga und Zen sowie eine Vielzahl von New-Age-"Bewußtseinstechniken" dienen letztlich dazu, den Willen und das Bewußtsein, die Selbstkontrolle des Menschen auszuschalten und ihn in eine willenlose, passiv-aufnahmebereite Haltung zu führen, in der er für dämonische Einwirkungen empfänglich wird.  
 

Dasselbe gilt für den suggestiven Einfluß des pfingstlich-charismatischen Irrgeistes, der ebenfalls durch gruppendynamische Wirkungen und hypnotische Anziehung versucht, die Ausschaltung von Bewußtsein und Willen seiner Anhänger zu erreichen. 
 

Während der Geist Gottes die bewußte Persönlichkeit des Menschen respektiert und in seinem Wirken gerade Herz, Gewissen, Bewußtsein und Willen des Menschen anspricht, ist es ein Charakteristikum dämonischer Geister, daß sie den Willen des Menschen umgehen und vergewaltigen (vgl. 1. Kor. 12,2), daß sie aus dem Dunkel des "Unterbewußtseins" wirken und passive Unterwerfung unter ihren Willen fordern. Im Zuge der endzeitlichen Unterwanderung der Gemeinde Jesu gibt es immer mehr solche dämonischen "Bewußtseinstechniken" auch unter christlichem Tarnmantel.5 Die verderbliche Wirkung ist jedoch die gleiche geblieben, und alle solchen Praktiken sollten als Sünde bekannt und abgelegt werden. 
 

4. Empfang eines verführerischen Geistes: Öffnet sich ein Christ bewußt einem verführerischen Irrgeist, wie es vor allem in der Pfingst- und Charismatischen Bewegung der Fall ist, so kommt er dadurch in Gemeinschaft mit Dämonen und unter ihren verstärkten Einfluß. Die Bibel sagt uns, daß ein wiedergeborener Christ einen anderen, betrügerischen Geist empfangen (2. Kor. 11,4) und auf seine Lehren und Offenbarungen achten kann (1. Tim. 4,1). Das ist, auch wenn es aus Unwissenheit und Täuschung heraus geschieht, ganz klar Sünde.  
 

Zwar gilt auch hier, daß bei wiedergeborenen Christen nicht von "Besessenheit" gesprochen werden darf; aber ein solcher irregeführter Christ räumt einem dämonischen Geist große Einflußmöglichkeiten auf sein Herz und sein Leben ein, ja, er unterwirft ihm seinen Willen und folgt blindlings seinen Impulsen und Offenbarungen, in der irrigen Annahme, es handele sich um den Heiligen Geist.  
 

Die Folgen sind in manchen Fällen ähnlich wie bei anderen okkulten Einflüssen: Es treten Lästergedanken, unreine Zwangsvorstellungen oder Phantasien, Selbstmordgedanken oder Hellseherei auf. Es kommt zu einer Beeinträchtigung und Verfälschung des Glaubenslebens, nicht selten zum Verlust der Heilsgewißheit und zu geistlicher Blindheit. 
 

5. Nicht bereinigte okkulte Verstrickungen: Es mag auch bei Gläubigen vorkommen, daß sie sich von gewissen okkulten Verstrickungen ihrer ungläubigen Vergangenheit nicht klar abgekehrt haben, so daß der Feind hierüber noch gewisse Wirkungsmöglichkeiten hat, oder daß sie sich nach ihrer Bekehrung noch in okkulte Praktiken verstricken ließen � etwa Pendeln, Augendiagnostik, Homöopathie u.ä. Auch das kann dem Feind Möglichkeiten zur Einwirkung geben.  
 

Menschen, die sich in pfingstlich-charismatischen Kreisen bewegen, können über verschiedene Praktiken in okkulte Verstrickungen kommen: durch Handauflegung und "Ruhen im Geist", durch hellseherische "Offenbarungen", denen Glauben geschenkt wurde, durch Geistheilungen, durch "Dämonenaustreibungen" und magische "Glaubens"techniken wie "In-Existenz-Sprechen" usw. 
 

All dies ist jedoch für Gläubige kein Grund zur Angst oder zur Bedrückung. Kraft der Erlösung in Christus gibt es für alle solchen Einwirkungen des Bösen Befreiung � und zwar nicht durch ein Austreiben von Geistern, sondern durch Buße und Glauben. 
 
 
 

5. Die Dämonenaustreibungen des Herrn und Seiner Apostel 
 
 

Vielfach werden die Dämonenaustreibungen bei Gläubigen mit dem Argument gerechtfertigt: "Aber es steht doch in der Bibel! Der Herr fordert uns doch auf, Dämonen auszutreiben!" Das leuchtet bei oberflächlicher Betrachtung manchem ein. Die Wahrheit finden wir, wie so oft bei der Prüfung schwarmgeistiger Irrlehren, erst dann, wenn wir die heilsgeschichtlichen Unterscheidungen in der Heiligen Schrift beachten. Wir müssen die Heilszeit des alten Bundes mit Israel, die Verkündigung des messianischen Königreiches in Israel durch den Herrn Jesus und Seine Apostel und die neue Heilszeit der Gemeinde deutlich unterscheiden, sonst geraten wir in Verwirrung und Unklarheit. 
 

Jesus Christus selbst macht deutlich, daß die Dämonenaustreibungen in Israel ein messianisches Zeichen waren: "Wenn ich aber die Dämonen durch den Geist Gottes austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen!" (Mt. 12,28). Es ging also um ein Zeichen, eine symbolische Handlung, die auf eine Botschaft verwies, auf das Evangelium des anbrechenden Gottesreiches für Israel und die Offenbarung des Messias (vgl. Mk. 16,17). Diese Botschaft sollte sichtbar bekräftigt werden � das ist auch der Grund, weshalb die Besetzung durch die Dämonen und die folgende Austreibung sichtbar und hörbar waren, während in der Heilszeit der Gemeinde die bei einer Bekehrung erfolgende Befreiung von Dämonen in aller Regel von außen nicht wahrgenommen werden kann.  
 

In Israel wurden die Dämonenaustreibungen ausschließlich an Ungläubigen vorgenommen und waren nicht direkt mit Glauben und Errettung verbunden. Die allermeisten solchermaßen befreiten Israeliten, so müssen wir aus der Bibel schließen, blieben im Unglauben und bekehrten sich nicht wirklich vom Satan zu Christus, worauf der Herr in Seinem Wort von der Rückkehr unreiner Geister anspielt (Mt. 12,43-45). 
 

Der Auftrag des Herrn, das Evangelium des Reiches zu predigen und in Verbindung damit Wunderzeichen zu tun, darunter auch Dämonenaustreibungen, bezieht sich eindeutig auf Israel und nicht auf die Gemeinde. Er erging auch nicht an alle damaligen Jünger, sondern nur an die zwölf Apostel und später an die siebzig weiteren Ausgesandten.  
 

Der eindeutige Bezug zu Israel wird besonders in Mt. 10,5-15 deutlich, wo der Herr Seinen Auftrag mit den Worten einleitet: "Begebt euch nicht auf die Straße der Heiden und betretet keine Stadt der Samariter; geht vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel" (Mt. 10,5f.). Die anderen in diesem Zusammenhang ergangenen Anweisungen des Herrn werden von denen, die den Auftrag der Dämonenaustreibung für die Gemeinde und für sich selbst in Anspruch nehmen, nur allzu oft ignoriert (vgl. Mt. 10,8b-15; Mk. 6,7-13; Lk. 9,1-6; Lk. 10,1-12). 
 

Als ein Wunderzeichen zur Bekräftigung des neu geoffenbarten Wortes Gottes finden wir das Ausfahren von Dämonen auch außerhalb Israels bei dem Apostel Paulus (Apg. 16,18; Apg. 19,12), aber es trägt offenkundig einen anderen Akzent als in Israel: es wird nicht allgemein und gegenüber allen befohlen oder praktiziert.  
 

In den Briefen, der Apostellehre für die Gemeinde, findet sich keine einzige Anweisung über das Dämonenaustreiben, weder in bezug auf Ungläubige noch in bezug auf Gläubige. Wenn das Wort Gottes von bekehrten Heiden spricht, die in Dämonie verwickelt waren (vgl. die Neubekehrten zu Ephesus, Apg. 19,18-20; die Korinther, 1. Kor. 6,9-11; 12,1-3), dann wird nirgends ein "Befreiungsdienst" erwähnt, sondern die Befreiung als durch Umkehr und Glauben an Christus gegeben dargestellt. Dank der in der Evangeliumsverkündigung wirksamen Kraft des Wortes vom Kreuz (vgl. Rö. 1,16; 1. Kor. 1,18) und dem vollbrachten Sieg über alle Finsternismächte ist die Dämonenaustreibung bei Ungläubigen unnötig und unbiblisch; sie lenkt nur vom wahren Evangelium ab. 
 

Was aber die Gläubigen betrifft, so findet sich in der ganzen Bibel kein einziger Fall, wo bei einem wiedergeborenen Gotteskind Dämonen ausgetrieben worden wären! Die Dämonenaustreibung bei Gläubigen ist ein unbiblischer Irrweg, der die vollbrachte Erlösung und Befreiung von aller Macht der Finsternis in Christus verdunkelt und in Zweifel zieht, der von der Siegesmacht und Herrlichkeit des auferstandenen Herrn ablenkt und dem Feind einen Einfluß und eine Wirkungsmöglichkeit zuschreibt, die er in Wahrheit gegenüber Kindern Gottes nicht besitzt. 
 
 
 
 

III. Die gefährlichen Folgen des unbiblischen "Befreiungsdienstes" 
 
 
 

Wir haben gesehen, daß der "Befreiungsdienst" eine Form der Seelsorge ist, die den Lehren des Wortes Gottes widerspricht und weder notwendig noch wirksam ist. Es muß jedoch auch auf die besondere Gefährlichkeit dieser schwarmgeistigen Praxis hingewiesen werden. Wie alle irreführenden Lehren, die aus der bösen List des Verführers stammen, ist auch die Irrlehre des "Befreiungsdienstes" nicht nur einfach falsch, sondern sie hat böse, für Gläubige gefährliche Früchte. Es ist daher nicht nur eine Ansichtssache, wie wir zu ihr stehen; jeder bibeltreue Gläubige sollte sich gründlich mit ihr auseinandersetzen, sie verwerfen und aktiv bekämpfen.  
 

 
 

1. Der sündhafte Eingriff in die Geisterwelt 
 
 

Die sündhafte Verfehlung, die dem "Befreiungsdienst" zugrundeliegt, besteht in einem eigenmächtigen, vom Wort Gottes nicht gedeckten Eingriff in den Machtbereich der bösen Geister. Der "Seelsorger" wendet sich an Dämonen und spricht sie persönlich an; er gibt ihnen Befehle und stellt ihnen womöglich Fragen.  
 

Eine solche eigenmächtige Kontaktaufnahme und Einwirkung auf böse Geister ist uns durch Gottes Wort streng untersagt. Die "Befreiungs"praxis läuft im Grunde auf Geisterbeschwörung, Zauberei und Spiritismus in christlichem Gewand hinaus.  
 

Solche Praktiken, verbunden mit fromm-abergläubischen Lehren über die angebliche Macht von Dämonen über Gotteskinder, geben dem Widersacher erst recht die Möglichkeit, einzugreifen und sich bei einer "Befreiung" kräftig und listig zu offenbaren, was dann wiederum von den verblendeten Okkult-Seelsorgern als Beweis einer angeblichen "Besessenheit" bzw. Belastung gewertet wird. Damit entsteht ein wahrer "Teufelskreis", in dessen Verlauf der Hilfesuchende oft immer stärker von dämonischen Belästigungen heimgesucht wird und die "Austreibungs"versuche immer mehr ausgeweitet werden. 
 

Diese Zusammenhänge werden auch von einzelnen Charismatikern gesehen, und es erheben sich warnende Stimmen gegen solche Praktiken. Peter Kierner schreibt: 
 

Kierner trifft sogar die für einen Charismatiker ungewöhnlich klare Feststellung: "Die Erkenntnis, daß wiedergeborene Christen von Dämonen besetzt sein können, kommt weder aus der Heiligen Schrift noch aus einer Inspiration des Heiligen Geistes. Diese Botschaft verbreitet der satanische Geist der Verführung."7 
 
 
 

2. Die zerstörerischen Auswirkungen der Dämonenaustreibung auf die Beteiligten 
 
 

Die Frucht einer solchen irrgeistig inspirierten "Seelsorge" ist keine echte Befreiung, sondern eine tiefere Verstrickung in die Machenschaften der Finsternis; sie bedeutet in vielen Fällen für die Hilfesuchenden, obwohl die "Befreier" das sicherlich nicht beabsichtigen, Seelenverführung und Seelenquälerei. Auf die gefährlichsten Folgen des "Befreiungsdienstes" soll im folgenden noch eingegangen werden. 
 
 

a) Geistliche Entmündigung statt echter Buße 
 

Weil die meisten "Befreiungs-Seelsorger" Sünden und Bindungen im Leben der Hilfesuchenden einseitig mit dem Wirken von Dämonen erklären, lenken sie von der eigentlichen Wurzel, der alten Sündennatur, ab und hindern die Hilfesuchenden daran, ihre eigene Verantwortung für diese Sünden und den Weg zu echter Befreiung klar zu erkennen. Die schwarmgeistige "Befreiung" von angeblich innewohnenden Dämonen wird zum Ersatz für echte, tiefgehende biblische Buße. Ein ganz entscheidender Schritt zu echter "Gesinnungsänderung" und Befreiung, nämlich das gläubige Erfassen und Festhalten der vollkommenen Erlösung, die uns in Christus bereits gegeben ist, wird durch die falschen Lehren geradezu verhindert. 
 

Auf diesem falschen Weg kann der Hilfesuchende nicht von seiner Sündenbindung loskommen. Wenn die Grundlage für dämonische Einwirkungen nicht durch klare biblische Buße beseitigt wurde, ist das Ergebnis von "Austreibungen" nur, daß neue "Belastungen" zu den alten hinzukommen bzw. diese ersetzen. Wo hingegen in der "Befreiungs-Seelsorge" echte, bleibende Befreiungen geschehen, so ist das nicht auf die "Austreibung" von Dämonen, sondern auf die Aufrichtigkeit und klare Buße der Hilfesuchenden und das Erbarmen Gottes zurückzuführen. 
 

Wenn der Hilfesuchende nicht seine eigene Verantwortung vor Gott für die Sünden und dämonischen Verstrickungen erkennt, sondern sie bewußt oder unbewußt auf die Dämonen abschiebt, muß er für diese verkehrte Haltung einen teuren Preis bezahlen. Er bleibt nicht nur in seinen Bindungen gefangen; er kommt auch in weitere Bindungen hinein: in eine krankhafte und ungeistliche Abhängigkeit von "Befreiungs-Seelsorgern", die für ihn stellvertretend handeln sollen und ohne deren "Vollmacht" und "Offenbarungserkenntnis" für ihn keine Aussicht auf Hilfe besteht. So wird eine bestehende geistliche Unmündigkeit noch vertieft, und es besteht Gefahr, daß sich der Hilfesuchende immer mehr an Menschen klammert und zu einem "Dauer-Seelsorgefall" wird. 
 

Solch eine Situation kommt andererseits oftmals der verkehrten, ichbezogenen fleischlichen Gesinnung mancher Hilfesuchenden entgegen, denen eine klare Buße und die Konsequenzen eines Lebens in Heiligung und Gehorsam auf diese Weise "erspart" bleiben und die bewußt oder unbewußt ein Leben in Gebundenheit dem schmalen Weg der biblischen Christusnachfolge vorziehen. Man darf nicht außer acht lassen, daß die Rituale der "Befreiungs-Seelsorge" solchen verkehrt gesinnten Menschen auch eine Befriedigung ihrer Geltungssucht oder eines seelisch-fleischlichen Wunsches nach Zuwendung verschaffen. Walter Nitsche schreibt dazu: 
 

b) Zerrüttung des Glaubenslebens 
 

Die falsche Lehre der "Befreiung" schreibt dem Feind viel mehr Anrechte und Einflußmöglichkeiten im Leben eines Gläubigen zu, als er eigentlich haben darf. Auf der anderen Seite verfälscht sie die wahre Stellung des Gotteskindes und leugnet die vollbrachte Befreiung, die jeder Gläubige in Christus bereits besitzt. Damit schwächt und verbiegt sie den Glauben der Hilfesuchenden und macht sie gegenüber den Listen und Angriffen des Feindes wehrlos.  
 

Die vom Feind selbst inspirierte Vorstellung, man habe als Gläubiger noch verschiedene Dämonen in sich wohnen und sei ihnen ausgeliefert ohne einen "vollmächtigen Seelsorger", erzeugt zumindest schwere Nöte und Anfechtungen; sensiblere und im Glauben schwächere Opfer solcher "Seelsorge" können diese Lehren in massive Ängste und geistliche und seelische Zerrüttung bringen. 
 

Der Hilfesuchende wird in der Praxis dazu verführt, sein Augenmerk immer mehr auf den Feind und seine "Manifestationen" zu richten statt auf den Erlöser Jesus Christus und Seinen vollbrachten Sieg. Ihnen wird ein falscher Glaube an die Macht des Feindes und eine verkehrte, abergläubische Erwartungshaltung eingeimpft, die den Einwirkungen des Widersachers die Türe erst richtig öffnet und es ihm ermöglicht, ein böses Verwirrspiel mit dem Betroffenen zu treiben. Der Teufel erhält damit eine Aufmerksamkeit und Ehre, die ihm absolut nicht zusteht.  
 

Die Gefahr ist groß, daß bei dem Betroffenen eine abergläubisch-magische Sicht entsteht, die immer mehr mit dem Wirken des Widersachers rechnet und nicht mehr mit der vollbrachten Erlösung des Herrn. Solcher Unglaube und Aberglaube ist aber Sünde und kann zu einem wachsenden Einfluß des Feindes auf das Denken und Leben eines Christen führen. 
 

In Verbindung mit solchen falschen Lehren tritt eine "fromme" Spielart des magischen Denkens auf, die recht weit verbreitet ist.9 Dabei werden übernatürliche Wirkungen, Schutz oder Gefahr von bestimmten Formeln und Handlungen oder von "beseelten", mit besonderen Kräften versehen Gegenständen erwartet, statt von dem Herrn Jesus Christus. Die allermeisten Christen werden solche magisch-abergläubische Bräuche dort erkennen und ablehnen, wo sie sich im Katholizismus oder im Volksaberglauben äußern (Bekreuzigen, Rosenkranzbeten als Abwehrmagie gegen böse Geister, Aberglaube in bezug auf Vorzeichen, "beschützende" Gegenstände wie Kreuze, Weihwasser usw.).  
 

Manche Gläubige sind sich jedoch nicht der Tatsache bewußt, daß auch einige Praktiken charismatischer und nichtcharismatischer "Befreiungsseelsorger" objektiv magisch-abergläubischen Charakter haben. Dazu zählt die Furcht vor "dämonisch verunreinigten" oder "wirksamen" Gegenständen, vor Flüchen oder okkulten Handlungen anderer, die angeblich über Gotteskinder noch Macht haben können.  
 

Wer z.B. meint, er müsse ein Haus mit besonderen "Austreibungsgebeten" und unter magischer Anwendung des "Blutes Jesu" erst von Dämonen "freibeten", wer meint, Okkultisten hätten mit ihren Zaubereien Macht über wahre Christen, wer meint, über gekaufte Gegenstände in eine okkulte Belastung hineinzukommen, ist im Grunde bereits einem fromm getarnten Aberglauben aufgesessen.  
 

In der "Befreiungs-Seelsorge" verleitet die unbiblische Beschäftigung mit dem Feind zu einer Spielart weißer Abwehrmagie, die gefährliche Sünde und Verführung ist. Es ist interessant, daß dabei Charismatiker mit "evangelikaler" Vergangenheit bedenkenlos uralte magische Praktiken der katholischen Kirche übernehmen, weil sie sich angeblich durch "Erfahrungen" bzw. Aussagen von Dämonen als "wirksam" erwiesen haben. Man verwendet "geweihtes" Wasser oder Öl oder Kreuzeszeichen als "bannende" Mittel gegen böse Geister und scheut sich nicht, auch das Blut Jesu Christi als ein magisches Abwehrmittel zu mißbrauchen, indem man Menschen oder Gegenstände mit ihm "besprengen" oder "reinigen" will (das Wort Gottes sagt dagegen, daß jeder wahre Christ von Gott einmalig und wirksam durch das Blut Jesu Christi gereinigt und mit ihm besprengt ist!).  
 

Auch die unter Christen weitverbreitete Vorstellung, man sei vor dem Feind besser geschützt, wenn man sich "unter den Schutz des Blutes Jesu" stelle, und der Feind könne einen angreifen, wenn man das unterlasse, entspricht nicht dem Wort Gottes und unserer Stellung in Christus; in ihren extremeren Formen nähert sie sich magischem Denken. Christus selbst ist unser Schirm und Schild; wir sind in Ihm befreit und vor den Einwirkungen des Feindes bewahrt!10 
 

Es ist für einen klarsichtigen Christen erschreckend, die Verwandtschaft der charismatischen Dämonenaustreibung mit dem alten katholischen Ritual des "Exorzismus" und den auch im Heidentum überall verbreiteten Praktiken der Geisterbeschwörung zu sehen. Walter Nitsche und Benedikt Peters geben in ihrem Buch die Darstellung eines katholischen Exorzismus wieder, die sehr aufschlußreich ist, nicht zuletzt deshalb, weil die Geister hier auch auf die Anrufung von Maria hin "ausfahren".11  
 

Das biblische Beispiel der jüdischen Geisterbeschwörer (diese Spielart der Magie wird mit dem griechischen Wort exorkistès bezeichnet) in Apostelgeschichte 19 zeigt, daß auch Heiliges und Göttliches wie der Name Jesus oder das Blut Jesu Christi magisch mißbraucht und in abergläubischen "Gebeten" eingesetzt werden kann, um Macht über Geister auszuüben.  
 

Wenn Christen sich zu solchem magischen Denken und Handeln verführen lassen, dann betrüben sie den Heiligen Geist, und ihr Glaubensleben wird dadurch vergiftet und krank. Sie geraten nur tiefer in Unglauben, Angst und Gebundenheit. Der Weg zu wirklicher Freiheit im Geist führt nur durch klare, tiefe Buße und Abkehr von diesen falschen Lehren und Praktiken. 
 
 

c) Spiritistische Verstrickungen der "Befreier" und "Befreiten" 
 

Die schwerwiegendste Folge der unbiblischen Dämonenaustreibung ist die Verstrickung in die Sünde des Spiritismus, die eigenmächtige Kontaktaufnahme mit Geistern der Finsternis und der Versuch, sie zu beeinflussen oder auszufragen. Rudi Holzhauer weist auf diese gefährliche Verirrung hin: 
 

Jede Art von Dämonenaustreibung ist mit einem Anrufen und Einwirken auf böse Geister verbunden, das an sich schon Sünde ist und die Reaktion der Mächte nach sich zieht:  
 

Die Verführung zur Kontaktaufnahme mit Geistern der Finsternis 
 

Hier liegt eine weitere Falle des Feindes bereit. Immer wieder lassen sich "Okkult-Seelsorger" dazu verleiten, den Äußerungen der sich offenbarenden Geister Glauben zu schenken und sie zu befragen, um verborgene Informationen aus der Geisterwelt oder dem Leben des Opfers zu erhalten. Auch wenn dies in scheinbar guter Absicht geschieht, ist diese Geisterbefragung eine schwere Zaubereisünde, die in Israel mit Steinigen bestraft wurde (vgl. auch 5. Mo. 18,9-14). Auch der Hilfesuchende kann sich in Sünde verstricken, wenn er den "Offenbarungen" der Dämonen Glauben schenkt.  
 

Die Schrift sagt uns ganz klar, was von solchen Äußerungen der Finsternisgeister zu halten ist. Unser Herr Jesus sagt vom Teufel: "[Er] steht nicht in der Wahrheit, denn Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben" (Joh. 8,44).  
 

Die Dämonen, von denen manche "Befreier" wichtige Aufschlüsse gewinnen wollen, werden in der Bibel ausdrücklich irreführende [od. betrügerische] Geister genannt (1. Tim. 4,1). Auch wenn sie, um die Täuschung zu perfektionieren, wahre Informationen in ihre Lügen mischen, ist es schwere Sünde, auf solche Äußerungen zu achten und ihnen Glauben zu schenken. Hierdurch gerät man in eine Schlinge des Satans, in dämonische Gebundenheit und Verblendung. Nur klare Buße und radikale Abkehr von allen solchen Kontakten mit der Geisterwelt können hier zu einer Befreiung führen. 
 

Besonders die "vollmächtigen Seelsorger" selbst verstricken sich durch solche Praktiken aufs schwerste und werden, ohne es zu wollen oder sich dessen bewußt zu sein, zu Werkzeugen des Feindes, der sie manipuliert und benutzt, um seine irreführenden Lehren weiterzutragen und Christen in seine Fallstricke zu bringen. Geschickt versucht der Feind, ihren Hochmut zu nähren und sie durch Erlebnisse und Äußerungen "ausfahrender" Dämonen im Wahn einer besonderen "Vollmacht" zu bestärken und auf dem falschen Weg der Austreibung zu bestätigen. Zunehmende geistliche Blindheit und Offenheit für die betrügerischen Botschaften der Dämonen kann die Folge sein.14  
 

Der Feind benutzt solche verstrickten und verblendeten Personen nicht selten, um spiritistische Irrlehren in die Gemeinde einzuschleusen. Er gibt ihnen angebliche "Offenbarungen" über die jenseitige Welt, über unerlöste Seelen Verstorbener, die durch stellvertretend-magisches Handeln "erlöst" werden wollen, ja, er läßt sogar angebliche Totengeister Verstorbener auftreten (die in Wahrheit dämonische Fälschungen sind).  
 

Hier muß man leider feststellen, daß dieser Betrug ihm auch bei manchen pietistischen "Vätern" (eigentlich ein unbiblischer Begriff, vgl. Mt. 23,9!) gelungen ist. Wenn man die Lebensgeschichte etwa von Jung-Stilling, Oetinger, Oberlin, Johannes Gommel oder Michael Hahn daraufhin untersucht, wird man bald Spuren mehr oder weniger starken spiritistischen Einflusses und falscher, aus irrgeistiger Quelle stammender Offenbarungen finden.15 Das sollte uns eine Warnung sein, daß auch ernste Christen verführt werden können, wenn sie sich aus einem verkehrten Streben nach Einblicken in die Geisteswelt und Erkenntnissen über die Schrift hinaus falschgeistigen Offenbarungen öffnen. 
 

Im Zusammenhang mit Dämonenaustreibungen wird hier von den Befürwortern oft das "Vorbild" Johann Christoph Blumhardts angeführt, der als Gottesmann und Erweckungsprediger einen guten Ruf hat. Sein "Befreiungsdienst" an der Gottliebin Dittus ist berühmt geworden und hat nicht wenig dazu beigetragen, daß die Dämonenaustreibung auch in manchen pietistischen Kreisen zur "biblischen Seelsorge" gezählt wird. 
 

Betrachtet man diesen "Kampf" jedoch einmal nüchtern aus biblischer Sicht, so wird deutlich, daß sich dieser Diener Gottes hier in gefährliche Irrtümer und unbiblische Praktiken verstricken ließ, die denen moderner charismatischer (und nichtcharismatischer) Dämonenaustreiber stark ähneln.  
 

Nicht nur ließ sich Blumhardt durch die dämonischen Manifestationen zu einem unbiblischen "Austreibungs"marathon verleiten; er beging auch die schwerwiegende Verfehlung, auf die Äußerungen der Dämonen zu achten und ihre Verstellungs- und Lügenkünste für die Wahrheit zu halten. Er ließ sich auf Gespräche mit angeblichen Geistern Verstorbener ein und wurde durch ihre Äußerungen dazu verführt, Verstorbene durch Gebete aus ihren angeblichen Bindungen an den Satan "loszulösen". Ja, Blumhardt war durch den Betrug der Dämonen so verblendet, daß er einem angeblichen Totengeist auf dessen Bitten gestatten wollte, sich in seiner Kirche aufzuhalten, einem anderen gar sein Pfarrhaus als Aufenthaltsort anbot.  
 

Es ist erschütternd, zu lesen, wie raffiniert der Feind diesen Mann durch allerlei Listen in die Irre führte. Letztlich hat sich Blumhardt in Spiritismus verstrickt, und sein Beispiel kann uns nicht als Vorbild, sondern nur als Mahnung zu biblischer Nüchternheit und Klarheit dienen.16  
 

Die Dämonenaustreibung ist nicht nur ein falscher, sondern ein geistlich überaus gefährlicher Weg, der zur Verstrickung in Zauberei und Spiritismus führt und die Ketten, die er zu sprengen vorgibt, nur noch verstärkt. 
 
 
 

IV. Der biblische Weg zu echter Befreiung 
 
 

Die ermutigende Wahrheit für alle, die in den irrgeistigen "Befreiungsdienst" verstrickt waren, lautet: In Christus haben wir bereits völlige Befreiung! Sie muß nicht von Menschen durch Gebieten und Austreiben und "vollmächtige" Rituale bewirkt werden, sondern sie ist durch den Kreuzestod und die Auferstehung Jesu Christi so vollkommen geschehen, daß kein Mensch das geringste dazutun kann.  
 

In Christus haben wir auch Vergebung für alle Befleckung durch magisches Denken und spiritistische Praktiken � wie kostbar ist Seine völlige Erlösung, Seine Gnade, Sein reinigendes Blut! Wer durch die Irrlehren der falschen "Befreiung" in Gebundenheit, Aberglauben und Sünde hineinkam, kann sich in der Kraft des Sühnopfers Jesu Christi davon klar lösen und dafür aufrichtig Buße tun, und er darf frei werden, darf hineinfinden in die kostbare Freiheit der Kinder Gottes, die ihm in Christus erworben und zugesagt ist. 
 

In der Wahrheit des Wortes Gottes finden solche, die vom Feind durch Irrlehren verblendet wurden, Licht und Klarheit über das völlige Heil in Christus, über ihre Stellung als Gläubige und über den biblischen Weg des Überwindens. Sie dürfen sich vom Vater erleuchtete Augen des Verständnisses erbitten und wachsen in der göttlichen Wahrheit, die wirklich frei macht. 
 
 

Die Befreiung ergreifen 
 

Was wir tun müssen, ist, diese Befreiung im Glauben zu ergreifen und unserer Stellung in Christus gemäß zu leben � dann wird die Befreiung für uns auch wirksam. Hier gibt uns das Wort Gottes einige wertvolle Anweisungen, die wir beherzigen sollten: 
 

Die ganze Hingabe an den Herrn Jesus Christus und klare Abkehr von erkannter Sünde ist ein erster, wesentlicher Schritt zu echter Befreiung. Zumeist ist die Verstrickung in dämonische Angriffe auch das Ergebnis eines inneren Abdriftens von Gott und Seinen Wegen. Dieser Schaden muß zuerst geheilt werden, damit die Wiederherstellung wirksam werden kann. Erst dann hat der Gläubige die innere Kraft, den Anfechtungen des Feindes zu widerstehen. 
 

Die Schrift nennt Hochmut und Rebellion als zwei Wesenszüge des Widersachers und seines bösen Geistes. Dort, wo Christen Hochmut und Rebellion bei sich dulden, haben sie nicht die innere Herzenshaltung und Stärke, den Feind zu überwinden. Die demütige Unterwerfung unter die Hand des Vaters ist nötig, damit wir die Befreiung in Christus behalten und dem Feind widerstehen können: 
 

Biblische Nüchternheit ist das Gegenteil von seelisch-schwärmerischem Gefühlschristentum, von unbiblischen Wunschträumen und dem Hunger nach irrgeistigen, falschen Lehren. Wer frei werden will, muß sein ganzes Leben und Denken auf die gesunde Lehre der Schrift gründen statt auf Irrlehren und schwarmgeistige Gefühlserlebnisse. Ohne klare Abkehr vom Irrgeist der Pfingst- und Charismatischen Bewegung wird kein Gotteskind dauerhafte Befreiung von dämonischen Einwirkungen empfangen. 
 

Wachsamkeit bedeutet, daß sich der Gläubige nicht in Illusionen wiegt über den Charakter unserer Endzeit mit ihren Verführungen, daß er auf der Hut ist vor falschen Lehren und falschen Hirten, die wie Wölfe in die Herde des Herrn eindringen. Es bedeutet auch, daß der Gläubige erkennt, daß es in dieser letzten Zeit schwerwiegende Folgen hat, wenn man mit der Sünde spielt und die Heiligung, das Leben in Gottes Licht und Wahrheit mißachtet. 
 

Im Glauben fest zu stehen und zu widerstehen ist nur möglich, wenn man sich die biblische Erkenntnis von der vollkommene Erlösung in Christus von Herzen aneignet und sie nach Kräften auch auslebt. Es bedeutet, allem schwärmerischen Schauen- und Spürenwollen abzusagen und mit der geistlichen Wirklichkeit des Wortes zu rechnen. Und es bedeutet, in allen Anfechtungen fest auf die Gnade unseres Gottes zu vertrauen, der auch uns durch alle Gefahren dieser letzten Zeit durchtragen und uns "völlig zubereiten, festigen, stärken, gründen" wird. 
 
 
 
 

Anmerkungen 
 
 

1 Über dieses Thema haben Walter Nitsche und Benedikt Peters ein hilfreiches und klärendes Buch geschrieben, das einige Anregungen für die folgenden Ausführungen gegeben hat und vieles ausführlicher behandelt, was hier nur gestreift werden kann: W. Nitsche/B. Peters, Dämonische Verstrickungen - Biblische Befreiung. 2., überarb. Aufl. 1989. Weitere wertvolle Hinweise finden sich in dem Heft von R. Holzhauer, Der betrügerische Exorzismus... (inzwischen verfügbar in dem wertvollen Sammelband Verführungsprinzipien desselben Autors aus dem IABC-Verlag Wuppertal). Auch von gemäßigt-charismatischen Autoren sind Stellungnahmen erschienen, die vor der unbiblischen Praxis des "Befreiungsdienstes" warnen: P. Kierner, Engel des Lichts im 20. Jahrhundert. Gedanken zu Befreiungsdienst und geistlicher Kriegführung, und H. P. Grabe, Wiedergeboren und besessen? 
 

2 W. Margies, Befreiung, S. 36. 
 

3 A. v. d. Kammer, Der Heilige Geist, der in uns wohnt, S. 37.  
 

4 Vgl. dazu die näheren Ausführungen bei Nitsche/Peters, Dämonische Verstrickungen..., S. 46-56, "Das magische Denken". 
 

5 Hierzu gibt A. Seibel in seinem Buch Die sanfte Verführung der Gemeinde wertvolle Hinweise, vgl. vor allem S. 11-25. 
 

6 Kierner, aaO, S. 73. 
 

7 ebd., S. 77. 
 

8 Nitsche/Peters, aaO, S. 58f. 
 

9 vgl. ebd., S. 46ff., "Das magische Denken". 
 

10 Jedem Interessierten sei hierzu der Aufsatz von J. Neidhart "Das Blut Jesu Christi" empfohlen, der als Sonderdruck der Zeitschrift Bibel und Gemeinde erschienen ist. 
 

11 Nitsche/Peters, aaO, S. 62-69. 
 

12 R. Holzhauer, Der betrügerische Exorzismus..., S. 42. 
 

13 ebd., S. 36. 
 

14 Vgl. Holzhauer, aaO, S. 34f.: "Die Exorzisten benutzen oft unbewußt die belasteten Menschen als Medien, durch die sich dann die Geistermächte kundtun, die sowohl die Belasteten als auch den Austreiber selbst beeinflussen oder gar beherrschen. Zwischen Opfer und Akteur entsteht sozusagen ein okkult-magisches Kraftfeld, in dem sich jederzeit dämonische Aktivitäten entwickeln und entfalten können. Für die Geister wiederum sind die 'Austreiber' mediale Kontaktpersonen, die sie benutzen, um sich artikulieren zu können (...) Eines machen diese Fälle deutlich: nicht die Exorzisten, sondern ihre Gegner beherrschen die Szene! Immer dort, wo sich fromm-verführte Menschen mit dem Exorzismus befassen, gibt es gefährlich-betrügerische Geisterkontakte, die zu den schlimmsten Verirrungen führen, die im christlichen Bereich anzutreffen sind." 
 

15 R. Holzhauer hat diese irrgeistigen Verstrickungen mancher führender Pietisten des 18. und 19. Jahrhunderts in seiner wichtigen Arbeit Erleuchtung aus dunklem Hintergrund kurz dargestellt (Bd. II, H. 3, S. 123ff.). Eine solche geistliche Prüfung von Persönlichkeiten, die heute noch verehrt werden und einen gewissen Einfluß ausüben, ist sehr nötig. Ihr Vorbild und ihre Schriften haben dazu beigetragen, daß der Pietismus in mancher Beziehung für schwarmgeistige Irreführungen offen war, und behindern z.T. noch heute eine klare biblische Abgrenzung von solchen Einflüssen. Damit sollen die segensreichen Züge im Leben dieser Christen nicht abgestritten werden; doch von allem Menschengewirkten gilt: "Prüfet alles, das Gute behaltet!" 
 

16 Vgl. den Bericht über Blumhardts "Kampf" in der "klassischen" Biographie F. Zündels, die zwar Blumhardts Verirrungen nicht beim Namen nennt, aber dem nüchternen Leser reichlich Informationen gibt, um den Betrug zu erkennen: Johann Christoph Blumhardt - Zeuge der Siegesmacht Jesu über Krankheit und Dämonie, bes. S. 98-135. Es ist in diesem Zusammenhang nicht uninteressant, daß Blumhardt die schwarmgeistige Erwartung von einer endzeitlichen Geistesausgießung nach Joel 3,1 teilte und auf ein "neues Pfingsten" wartete. Seine unbiblischen Auffassungen über die Verstorbenen hingen wohl auch damit zusammen, daß er mit der falschen Lehre der Allversöhnung sympathisierte. Vgl. dazu R. Haug, Johann Christoph Blumhardt � Gestalt und Botschaft, S. 49ff., S. 100ff. Es wird auch berichtet, daß Blumhardt in einer Kapelle Predigten für die Seelen Verstorbener hielt, die er anwesend wähnte. Zur Beurteilung der spiritistischen Verstrickung Blumhardts vgl. R. Holzhauer, Erleuchtung..., aaO, S. 151ff.; ders., Okkult-Religiosität und seelische Erkrankungen, H. 2, S. 40ff., inzwischen als Buch veröffentlicht in dem Band Verführungsprinzipien im IABC-Verlag Wuppertal. 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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1. Auflage Januar 2003

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Bearbeiteter Auszug aus dem Buch des Verfassers "Die Charismatische Bewegung im Licht der Bibel",

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