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 Frage 1058   10,08,03

Hast Du,   gelesen was MacArthur in der Studienbibel  zu Mt 22, 14 geschrieben hat? Ich lese sie sehr gerne. Hat vieles drin,  was ich noch nie gefunden habe. Wenn etwas theologisch unsinniges drin steht,  mache ich immer ein "Q" daneben. 

 

22, 14 viele sind berufen,  aber wenige sind auserwählt. Diese Berufung wird manchmal als »allgemeine Berufung « bezeichnet (oder als »äußere Berufung «).Sie ist eine Aufforderung zu Buße und Glauben und in der Botschaft des Evangeliums inbegriffen. Diese Berufung ergeht an alle,  die das Evangelium hören.» Viele « hören es; nur »wenige « antworten darauf (s.der Vergleich zwischen »vielen « und »wenigen « in 7, 13.14).Die Hörer,  die dem Ruf folgen,  sind die »Auserwählten «.In den paulinischen Briefen bezieht sich das Wort »Berufung « normalerweise auf Gottes unwiderstehlichen Ruf, der nur an die Erwählten ergeht (Röm 8, 30).Sie wird »wirksame Berufung « (oder »innere « Berufung) genannt. Die wirksame Berufung ist das übernatürliche Wirken Gottes,  das zu ihm hinzieht und von dem Jesus in Joh 6, 44 spricht. Hier geht es um eine allgemeine Berufung und dieser Ruf ergeht an alle, die das Evangelium hören. Dieser Ruf ist das bekannte »wer da will « des Evangeliums (vgl. Offb 22, 17).Hier haben wir das rechte Gleichgewicht zwischen der Verantwortung des Menschen und der Souveränität Gottes: Die »Berufenen «, die die Einladung ablehnen, lehnen sie willentlich ab und deshalb ist es vollkommen gerecht, dass sie vom Reich ausgeschlossen werden. Die »Erwählten « kommen nur deshalb ins Reich, weil Gott sie in seinerGnade berufen und zu sich gezogen hat.

 

Lieber Hans-Peter,

ich habe gerade die MacArthur-Study-Bible (ich habe nur das Englische Exemplar) zu Mat 22, 14 nachgelesen. Die Fußnote von Mac Arthur ist die alte calvinistische Lehre,  dass Gott nicht will,  dass alle Menschen gerettet werden,  sondern das Heil nur einem begrenzten Teil der Menschen zugesteht. Die auserwählten Ungläubigen kommen dann durch den "wirksamen Ruf" "unwiderstehlich" zur Wiedergeburt,  danach (!) bekehren sie sich zu Christus.
Calvinisten wie MacArthur teilen den Ruf des einen Evangeliums nach den zwei Gruppen der Zuhörer (auserwählt und nicht-auserwählt) in zwei Teile,  nämlich den "wirksamen Ruf" und den "allgemeinen Ruf". Der allgemeine Ruf ist eigentlich nur eine Art "Scheinruf",  da Gott die Nicht-Erwählten ohnehin zur Hölle bestimmt hat und diese Gruppe gar nicht glauben darf/kann/soll.

Für Mat 22 bedeutet diese Lehre,  dass die Nicht-Erwählten ohnehin der Einladung und dem Ruf "Kommt zur Hochzeit" nicht folgen konnten,  weil ihnen Gott die "unwiderstehliche Gnade" nicht gewährt - der König also an diese Gruppe eine Art "Scheineinladung" ausgesprochen hat.

Der tatsächliche Grund der Ablehnung ist jedoch in Vers 4 zu finden: "sie kümmerten sich nicht darum",  obwohl sie eingeladen waren.
Wenn es dann am Ende heißt "viele sind berufen (oder gerufen),  wenige sind auserwählt" meint dies m.E.,  dass von den vielen,  an die die Einladung erging,  nur wenige dieser Einladung nachgekommen sind. Diese wenigen aber sind auserwählt beim Hochzeitsmahl teilzunehmen.
Ich glaube sowohl,  dass es wirklich im Sinne des Königs war,  dass alle Geladenen tatsächlich auch kommen sollten,  als auch,  dass jeder Mensch (wenn er nicht bereits verstockt ist),  an das Evangelium glauben kann/darf und soll,  wenn er den Ruf,  zu Christus zu kommen,  hört.
Wer dem Ruf sich zu Christus zu bekehren gefolgt ist,  ist dann Teil der Gemeinde,  d.h. er ist auserwählt z.B. zur Heiligkeit und zum Himmel vorherbestimmt. Analog zum Gleichnis ist der Gläubige durch das Festgewand tauglich gemacht worden d.h. auserwählt,  am Hochzeitmahl des Lammes teilzunehmen.

Ich bin zwar auch in Bestiz der MacArthur Study Bible,  kann sie jedoch wegen der durchwegs calvinistischen Interpretationen,  wie auch das Beispiel von Mat22 zeigt,  nicht empfehlen. Ich lese die Bibel dann lieber ohne Kommentare !

Nochmals viele Grüße
Peter