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Bleibt der Gläubige zeitlebens ein armer Sünder?

Stellung und Zustand des Gläubigen


 

Frage 1236       Fortsetzung von 74

Wieder verloren gehen?
 
Hans Rapold erwähnt klugerweise Joh.3,16: Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.
 
Diese Zentralstelle beinhaltet bereits die komplexe Problematik, ob ein Kind Gottes wieder verloren gehen könne oder nicht. Komplex deshalb, weil wir bei ernstzunehmenden Gläubigen entgegengesetzte und jeweils gut begründete Standpunkte finden, bspw. bei W.J. Ouweneel die Pos. A (= nicht wieder verloren gehen) und bei Erich Mauerhofer die Pos. B (= wieder verloren gehen als Möglichkeit).
 
Im Wissen darüber, dass bereits zahlreiche Stellungnahmen erfolgten, will ich mich kurz fassen. Meine persönliche Meinung (ich sage bewusst Meinung und nicht Lehre) dazu ist:
 
Einen Menschen, welcher sich in Christo Jesu hinein verwurzeln lässt,  betrachte ich als wiedergeboren. Dort ist eine neue Schöpfung und Sein Same bleibt in ihm (1.Joh.3,9). Ein solcher fällt nicht mehr ab, kann es auch nicht. Wo aber ein Mensch in Römer 7 verweilt (wie es auch Darby schmerzlich durchlebte), dort besteht gemäss meiner subjektiven Erkenntnis zumindest die Möglichkeit des Abfalls. Abfallen im vorliegenden Zusammenhang bedeutet die völlige und unwiderrufliche Preisgabe des Glaubens, wie es prägnant in Hebr.6,4-6 beschrieben ist. Also nicht nur ein Zurückgehen in die Welt (obwohl auch solches nicht ohne Folgen bliebe), sondern eine definitive und irreversible Trennung vom Geist der Gnade. Ein derartiger Mensch kehrt nicht mehr zurück; deshalb ist es unmöglich (adynatos = kraftlos, vergeblich), ihn zur Umsinnung zu erneuern. Er wird, will und kann nicht mehr zurückkommen.
 
Dazu eine wahre, aber traurige Geschichte: Ein Unternehmer bekehrte sich anlässlich einer Verkündigung zu Christus. Er besuchte danach eine Gemeinde des Brüdervereins. Nach ein, zwei Jahren kehrte er jedoch wieder in die Welt zurück. Doch Gottes Geist arbeitete weiter an ihm, so dass der Mann erneut in die Gemeinde kam und einen Neuanfang machte. Doch irgendwann (es mögen mehrere Jahre vergangen sein, das weiss ich nicht genau) kehrte er der Gemeinde definitiv den Rücken zu. Dieser Prozess des Abfallens vom lebendigen Gott (Hebr.3,12) setzte sich fort, bis dieser Mensch sich auch von Christus und dem einst bezeugten Glauben unwiderruflich entfernte. Ein mir bekannter Bruder besuchte den Betreffenden etliche Male, um ihn zur Umkehr zu bewegen, doch ohne Erfolg. Dieser elende Mensch, welcher Christus einst bezeugt hatte, sagte nur: "Für dich mag die Bibel recht sein, aber ich brauche das nicht mehr". Er hatte keine Reue, keinen Trieb zur Umkehr mehr in sich. Infolge seines Ungehorsams kam der Abtrünnige so tief in die Sünde hinein, dass er sein ganzes Vermögen vertrank und Unternehmen und Familie verlor, um schliesslich als Landstreicher in der Innerschweiz unterzugehen. Meine lieben Brüder in Christo Jesu: das sind tragische und furchtbare Schicksale!
 
Wer aber hindurchbricht zur herrlichen Freiheit der Söhne Gottes - wie in Römer 8 erfüllt -, tritt in eine unlösbare Lebensgemeinschaft mit dem erhöhten Christus, so dass es heisst:
 
Daher, wenn jemand in Christo ist, da ist eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden. (2.Kor.5,17)
 
Ein solcher Mensch wird und kann nicht mehr verloren gehen, weil er nicht dauernd von seinem Herrn weggehen könnte. Er will es auch gar nicht, weil ein Leben ohne Jesus für ihn unmöglich geworden ist.
 
Zusammenfassend - unter Verzicht auf eine dogmatische Abhandlung:
 
Phase B.
Es gibt Gläubige, die sind in der Bekehrung zu "Teilhabern Heiligen Geistes" geworden. Sie gehen mit dem Herrn und glauben an ihn (= Jünger). Es sind nicht "Scheinbekehrte", sondern solche, die aufgrund ihrer Berufung ein stufenweises Durchlaufen mehrerer Phasen erleben. Bleiben sie in dem Herrn, wird es früher oder später zur Wiedergeburt und damit zu einem "Wandel im Geist" kommen. Lassen sie sich aber nicht verwurzeln, gleichen sie der Rebe, die keine Frucht bringt und letztendlich weggenommen wird. Solche Prozesse können über Jahre hinweg verlaufen. Deshalb hat einer einst gesagt, "in den heutigen Versammlungen gibt es viele Bekehrte, aber nur wenig Wiedergeborene".
 
Phase A.
Andere wiederum erleben die Unzulänglichkeit ihres Tun und Wollens bereits in der dem lebendigen Glauben vorauslaufenden Phase des inneren Zerbruchs, während ihrer Hinwendung zum lebendigen Gott. Auch das kann sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Der Durchbruch ins unauflösbare Gottesleben (= Neuzeugung) erfolgt bei ihnen unmittelbar danach. Sie gehen nicht mehr verloren, weil bleibend mit dem "Heiligen Geiste der Verheissung" versiegelt worden (Eph.1,13).
 
Weshalb die Wege zum unverlierbaren Heil in Christo derart unterschiedlich sind, weiss nur Gott allein. Ich weiss es nicht. Auch müssen nicht alle Leser diese durch subjektive Erfahrung gewonnene Erkenntnis teilen. Um zum Kardinalpunkt Joh.3,16 zurückzukommen, kann ich nun verallgemeinernd sagen, dass ewiges Leben und Glaube an den Sohn Gottes untrennbar zusammengehören. Unter der "Verwaltung der Gnade Gottes" (Eph.3,2) führt solches letztendlich zur Wiedergeburt, beim einen sofort, beim andern später. Wiedergeborene gehen nimmermehr verloren; Bekehrte können wieder verlorengehen, wenn sie nicht in Christo bleiben.
 
In IHM verbunden, Henri
 

21.12.03

Lieber Henri

Ein Problem bei viele Schnellschussbekehrungen bei sog. Massenevangelisationen ist,  dass es da  "Bekehrte" gibt, die dann eine Zeit leben wie Christen. Da sie aber nicht wiedergeboren wurden, da keine Sündenerkenntnis da war, - die  kommt eben nicht nach 1 x Pahls oder 1 x Malgo,  oder Langhammer oder wie sie alle heissen mögen-, gibt es den Landstreichereffekt, den Du erwähnt hast.

Der Samen muss auf tiefe Erde fallen, alles andere ist Betrug.

Liebe Grüsse

Hans Peter


21.12.03

Also ich weiss nicht, was es da viel zu diskutieren gibt:

4 Denn es ist unmöglich, die, welche einmal erleuchtet worden sind und

die himmlische Gabe geschmeckt haben und des heiligen Geistes

teilhaftig geworden sind 5 und das gute Wort Gottes, dazu Kräfte der zukünftigen Welt geschmeckt haben, 6 wenn sie dann abgefallen sind, wieder zu erneuern zur Buße, während sie sich selbst den Sohn Gottes wiederum kreuzigen und zum Gespött machen! 7 Denn ein Erdreich, welches den Regen trinkt, der sich öfters darüber ergießt und nützliches Gewächs hervorbringt denen, für die es bebaut wird, empfängt Segen von Gott; 8 welches aber Dornen und Disteln trägt, ist untauglich und dem Fluche nahe, es wird zuletzt verbrannt.

Hebr. 6,4-8


Siehe:
 Unterscheidungen  
Sicherheit  
Wie kannst du wissen, ob du errettet  bist?
Können Gläubige (Wiedergeborene ) verloren gehen?   von J. Ph. Fijnvandraat


25.12.03
 
Lieber Hans Peter und Michael/de
 
Einleitende Bemerkungen
 
Obwohl ich mit HP meist einig gehe, muss ich doch an dieser Stelle insistieren. Das vorliegende Thema ist für mich von zu ernster Natur, als dass ich darüber hinweg gehen könnte.
 
Ich versuche nachfolgend, der in Brüderkreisen allgemein vorgetragenen "Lehre von der Nichtverlierbarkeit des Heils" eine Sicht der Dinge gegenüber zu stellen, welche mir in Blut, Tränen und schwerem Glaubenskampf zur Gewissheit wurde. Ich habe es nicht von Menschen empfangen, durch keine Lehrmeinung und keinen Bibelkommentar. Deshalb ist es mir unwichtig, ob man mich deshalb einen Arminianer nennen würde. Denn ein jeder sei für sich selbst seiner Meinung gewiss (und das bin ich mir). Und was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde (Röm.14,23).
 
Du sagst: Echte Bekehrung und Wiedergeburt fallen (zeitlich) zusammen. Wenn dem wirklich so ist, gibt es in der Tat keine Möglichkeit des erneuten Verlorengehens Gläubiger. Allerdings stellt sich dann die Kardinalfrage, wann die Wiedergeburt stattgefunden haben soll?
 
Ich sage: Echte Bekehrung und anschliessende Wiedergeburt können - müssen aber nicht - zusammfallen. [Zudem gibt es m.E. in der heutigen Übergangszeit zwischen der "Verwaltung der Gnade" und "Israels Wiederherstellung" erneut zwei Berufungslinien (wie auch in der Übergangsverwaltung nach Pfingsten und der eigentlichen Gemeinde-Haushaltung); doch das ist eine zusätzliches Thema, auf das ich hier nicht näher eingehe.]
 
 
Kann ein Gläubiger wieder verloren gehen?
 
Ich bin überzeugt, dass eine derartige Apostasie (die zum Verlust des Heils führt) unter gewissen Voraussetzungen möglich ist. Um Missverständnissen vorzubeugen, klammere ich für die nachfolgende Erörterung Suggestiv-Bekehrungen (wie sie bei Massenevangelisationen leider immer wieder vorkommen) zum vornherein aus. Mir ist seit jeher schmerzlich bewusst, was für ein seelisches Durcheinander evangelistische Grossanlässe zu bewirken vermögen (sei es bei Pahls, Schulte, Graham, Osborne und wie diese Evangelisten alle heissen mögen). Ich war nie ein Befürworter derartiger Veranstaltungen. Was ich hingegen stets gut fand (nur gibt es das nicht mehr), waren die von Jakob Vetter (Begründer der Deutschen Zeltmission) oder vom ehemaligen Indienmissionar Samuel Hebich durchgeführten Evangelisationsvorträge. Da gab es keine halben Sachen wie heutzutage bei der Evangelischen Allianz. Hebich haben sie in Basel mit Empörung aus der Kirche gejagt, weil er den Baslern zurief, sie seien nicht besser als die Heiden und gingen ohne Jesus auch reformiert getauft für ewig verloren. In solchem Geist hat auch der namentlich erwähnte Erich Mauerhofer (einst Sekundarlehrer, heute Dr.theol.) als "Zeltevangelist des Evang. Brüdervereins" gewirkt (ohne Entgelt). Ich habe seinerzeit solche Vorträge besucht und die Verkündigung war absolut in Ordnung: vorauslaufende Sündenerkenntnis, verbunden mit dem Ruf zur Umkehr und Sinnesänderung, Glaube an Jesus allein und nachfolgende Heiligung. Wer wollte daran etwas rügen? Derart haben auch Jonathan Edwards, David Brainard, Charles G. Finney und Charles H. Spurgeon gewirkt. Und es wäre vermessen, ihnen den ernsthaften Charakter der Verkündigung abzusprechen.
 
Und dennoch gibt es Menschen (Gott allein weiss, weshalb), die - unter solcher Wortverkündigung zum Glauben kommend - nach Jahren der Nachfolge erneut in die Welt zurückfallen. Sie wurden vom Geist der Gnade von Schuld und Verlorenheit überführt, taten Busse und kamen zum Glauben an den Erlöser. Diese als Scheinbekehrte abzustempeln (nur weil es nicht ins liebgewordene Lehrschema passt), wäre äusserst kurzsichtig, wenn nicht gar einem verdeckten Heilsegoismus entspringend. Sie gingen in die Versammlung, ihr Leben veränderte sich sichtbar, und sie wurden zu Zeugen Jesus. Doch irgendwann begann eine Entwicklung, welche schliesslich in den Abfall vom lebendigen Gott und seinem Christus führte. Ja, wo sind diese alle geblieben? Sie verliessen die Versammlung, gewannen die Welt erneut lieb, und heute sind sie tot fürs Evangelium. Solche bekehren sich nicht mehrmals (im Unterschied zu den Scheinbekehrten, die das immer wieder aufs Neue tun). Das sind unleugbare und historisch belegte Vorgänge! Aber sie gehörten nicht "zu uns" (weil nicht wiedergeboren).
 
Aus diesem Grunde sagte ich sinngemäss an anderer Stelle: eine echte Bekehrung führt immer zur Wiedergeburt; aber den Zeitpunkt einer Neuzeugung bestimmt alleine der Geist Gottes und nicht ein Lehrschema. Deshalb kann zwischen Bekehrung und Wiedergeburt eine geraume Zeitspanne liegen. Weil aber die - ansonsten klarsehenden - Brüder solches noch immer nicht wahrhaben wollen, geschehen die merkwürdigsten Sachen!
 
Um die nachfolgende Sicht der Dinge besser darzulegen, muss ich auf die einschlägigen Stellen des Hebräerbriefs zurückgreifen, ungeachtet dessen, was berühmte Namen dazu bereits gesagt haben. Ich stelle es gleich vorne an, dass mir die entsprechenden Auslegungen von Arnold Fruchtenbaum oder Jerome Fleischer (beides christusgläubige Juden) bekannt sind. Aber beide überzeugen nicht wirklich. Und wie schon anderweitig hervorgehoben, ist ein Kriterien der Wahrheit die innere Widerspruchsfreiheit einer Aussage. Das Wort als Ganzes widerspricht sich nie. Wo Widersprüchlichkeiten bleiben, liegt es allein an unserer verkehrten Auslegung (und oft an generationenlangen Traditionen).
 
A. Hebr.6,4-8

Denn es ist unmöglich, diejenigen, welche einmal erleuchtet waren und geschmeckt haben die himmlische Gabe, und teilhaftig geworden sind des Heiligen Geistes, und geschmeckt haben das gute Wort Gottes und die Wunderwerke des zukünftigen Zeitalters, und abgefallen sind, wiederum zur Buße zu erneuern, indem sie den Sohn Gottes für sich selbst kreuzigen und ihn zur Schau stellen. Denn das Land, welches den häufig über dasselbe kommenden Regen trinkt und nützliches Kraut hervorbringt für diejenigen, um derentwillen es auch bebaut wird, empfängt Segen von Gott; wenn es aber Dornen und Disteln hervorbringt, so ist es unbewährt und dem Fluche nahe, und sein Ende ist die Verbrennung.
 
Der Einwand, diese Worte richteten sich ausschliesslich an Hebräer, schliesst weitere Empfänger nicht aus. Schliesslich wurde der Brief an die Epheser auch nicht nur für eine Schar Gläubiger der damaligen Zeit geschrieben, sondern für alle Glieder Seines Leibes. Wenn es für christus-gläubige Juden möglich war, zurück zum Gesetz des Mose zu kehren und damit den Christus erneut zu kreuzigen, so ist solches auch für gläubig gewordene aus anderen Glaubensrichtungen möglich. Wenn einer, nachdem er erleuchtet wurde, zurück in den Schoss der Kirche Roms kehrt, begeht er prinzipiell dieselbe Form des Abfalls wie einer aus dem Judentum, der sich erneut dem Opfersystem des alten Bundes anschliesst. Dass einer dazu nicht einfach die Seiten wechseln kann, wie man ein Kleid austauscht, bedingt einen anhaltenden (und letztendlich irreversiblen) Prozess der inneren und äusseren Abkehr vom Sohne Gottes. Und davon spricht der Verfasser des Hebräerbriefs aufs Allerdeutlichste.
 
> diejenigen, welche einmal erleuchtet waren
 
Wer kann als erleuchtet bezeichnet werden? Doch nur einer, der aus der Verfinsterung seines Denksinnes durch den "Lichtglanz des Evangeliums der Herrlichkeit des Christus" (2.Kor.4,4) befreit wurde: um Christus zu erkennen, wie es bei jedem geschieht, der gläubig wird. Wo aber in einem Menschenherz Christi Lichtstrahl aufleuchtet, kann mit Sicherheit von einem Erleuchtetwerden gesprochen werden.
 
> und geschmeckt haben die himmlische Gabe
 
Die himmlische Gabe schmecken, bedeutet doch zumindest ein erstes Empfangenhaben verheissener Güter, wie es im Gnadengeschenk der Sündenvergebung erfolgt. Etwas anderes vermag ich mir darunter nicht vorzustellen. Dabei geht es nicht nur um ein Hören der Botschaft der Errettung, sondern um ein Schmecken und Kosten der himmlischen Speise. Selbst im profanen Sprachgebrauch sagen wir: "Das Essen hat mir geschmeckt." Und dabei ist doch jedermann völlig klar, dass die Speise dazu vorerst gegessen werden muss.
 
> und teilhaftig geworden sind des Heiligen Geistes
 
Der Grundtext spricht nicht vom Empfang des Heiligen Geistes, sondern von "Teilhabern Heiligen Geistes". Von Menschen, die zu Gefährten Heiligen Geistes wurden; aber noch nicht von solchen, in denen der Geist auch eine Neuzeugung bewirken konnte. Zwischen beidem besteht ein gradueller Unterschied, der vielen gar nicht bewusst ist. Es gibt unterschiedliche Stufen des ewigen Lebens!
 
> und geschmeckt haben das gute Wort Gottes und die Wunderwerke des zukünftigen Zeitalters 
 
Auch hier geht es um Schmecken und Kosten (wenn auch noch nicht um ein tieferes Einverleiben); aber um ein erstes Wissen der Anfangsgründe des Christus. Bis zum Verwurzeltwerden ist es noch ein weiterer Weg. Selbst Kräfte der zukünftigen Weltzeit haben sie gekostet; etwas, das sogar vielen von uns noch fremd ist. Da kann doch nicht länger von einem nur mit der Zungenspitze ein wenig daran Gekostet haben die Rede sein! Nein, nein, sie gingen mit dem Geist der Gnade, wohin Er sie trieb.
 
> Denn es ist unmöglich diejenigen (die solche Anfangsgründe empfingen, Hebr.6,1-3) ... und abgefallen sind, wiederum zur Buße zu erneuern, indem sie den Sohn Gottes für sich selbst kreuzigen und ihn zur Schau stellen
 
Für solche ist es kraftlos und vergeblich (adynatos) geworden, sie einer nochmaligen Sinnesänderung zuzuführen (weil sie für sich selbst den Sohn Gottes erneut gekreuzigt und öffentlich preisgegeben haben). Taten sie es auf Golgatha noch aus Unkenntnis, kann solches hier nicht länger gesagt werden. Sie wussten, was auf dem Spiele steht; hatten sie doch den Anfang mit dem Christus gemacht (= Bekehrung) und waren dadurch zu Gefährten Heiligen Geistes geworden. Und es sollte zur angenehmen Zeit des Heils zu einer Neugeburt im Geiste kommen. Nun aber kommt es nicht zu der neuen Geburt, vielmehr geschieht das Umgekehrte und Unfassbare: sie fallen ultimativ vom Fels des Heils ab; gehen sämtlicher Verheissungen verloren, welche allein in Christus - dem Geheimnis der Gottseligkeit - gegeben sind. Von dort an, wo dieser Prozess des Abfallens in seine irreversible Phase tritt (point of no return), kommen sie nicht mehr zurück, wollen sie nicht mehr zurück, können sie nicht mehr zurück. -- Denn es ist unmöglich! Zumindest dem seelsorgerlich an diesen Jammergestalten tätigen Bruder ist es vergeblich, was er auch für solche tun mag. Ob es für Gott auch unmöglich sei, ist eine ganz andere Frage. Denn wir wissen aus dem Munde des Gottesboten Gabriel, dass "bei Gott kein Ding unmöglich ist" (Luk.1,37). Deshalb heisst es denn auch:
 
> Denn das Land, welches den häufig über dasselbe kommenden Regen trinkt und nützliches Kraut hervorbringt für diejenigen, um derentwillen es auch bebaut wird, empfängt Segen von Gott; wenn es aber Dornen und Disteln hervorbringt, so ist es unbewährt und dem Fluche nahe, und sein Ende ist die Verbrennung.
 
Solche gleichen einem Erdboden, der oftmals mit dem Geist der Gnade begossen wurde. Doch wenn keine Frucht entsteht, wird es zuletzt abgebrannt im Gericht. Auch Paulus muss den Heiligen sagen: "denn wenn ihr nach dem Fleische lebet, so werdet ihr sterben, wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben" (Röm.8,13). Wer zeitlebens im Stande von Röm.7 verbleibt, wird ungeachtet seiner einstigen Bekehrung Schaden nehmen. Wer der Heiligung nicht nachjagt, wird den Herrn nicht schauen (Hebr.12,14). Wer aber den Herrn nicht schaut, wird in der kommenden Weltzeit nicht in des Herrn Gegenwart stehen!
 
Wer seine Gebote hält, bleibt in IHM; wer sie nicht hält, kann nicht bleibend in IHM sein. Wer sie aber hält (und seine Gebote sind nicht schwer), bei diesem wird es zur Wiedergeburt und damit zu einem Leben im Geist nach Röm.8 kommen: "Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen." (Joh.14,23) Wenn der VATER und der SOHN bleibend in einem bekehrten Menschen Wohnung nehmen, vollzieht sich die Neuzeugung aus Wasser und Geist (Joh.3,5-8). Doch solches geschieht oft erst nach Jahren der Nachfolge. In diesem Stand der Gnade ist ein Wiederverlorengehen undenkbar geworden (1.Joh.3,24).
 
Ergänzend dazu ein Wort von Jakob Vetter:
 
Nun, ihr Neubekehrten, wollt ihr auf diese herrliche Stufe gelangen? Ihr sagt: <Ja> - nun, dann bewährt euch in der Stunde der Versuchung. Sie ist nicht mehr fern und kommt schnell ... Lasst euch nicht überwinden - sondern überwindet. Ihr habt in Christus eine Festung und Kraft genug. Geht treu mit dem anvertrauten Gut um.
Und ihr stehen gebliebenen Christen - was soll ich euch sagen? Worte fehlen. Wollt ihr nun endlich in den Gehorsam Christi eingehen? Wer den Gehorsam nicht übet, hat keine Frömmigkeit. Eure Frömmigkeit ist fromme Selbstsucht. Wollt ihr darüber Busse tun und mit jeder Sünde brechen und ein Neues beginnen? O, tut es! Um eurer Seligkeit willen und um der Sache Gottes willen bitte ich euch: Werdet Überwinder! Nicht die Überwundenen stehen vor Gottes Thron, sondern die Überwinder...(aus "Der Triumph des Kreuzes").
 

 
B. Hebr.10,26-31
 
Denn wenn wir mit Willen sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, so bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig, sondern ein gewisses furchtvolles Erwarten des Gerichts und der Eifer eines Feuers, das die Widersacher verschlingen wird. Jemand, der das Gesetz Moses' verworfen hat, stirbt ohne Barmherzigkeit auf die Aussage von zwei oder drei Zeugen; wieviel ärgerer Strafe, meinet ihr, wird der wertgeachtet werden, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch welches er geheiligt worden ist, für gemein geachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat? Denn wir kennen den, der gesagt hat: "Mein ist die Rache, ich will vergelten, spricht der Herr". Und wiederum: "Der Herr wird sein Volk richten". Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!
 
Dieses Donnerwort hat schon viele ernsthafte Gotteskinder in allergrösste Not gebracht, so dass sie sogar am Leben selbst verzweifelten. Mir ist es vor vielen Jahren so ergangen. Doch was besagt das Wort "wenn wir mit Willen sündigen"? -- Hier geht es nie um eine einzelne Sünde, einen Fehltritt, auch nicht um wiederholtes Sündigen, auch nicht um ein Sündigen wider Willen (Röm.7,20); sondern offensichtlich um das Sündigen mit Vorsatz, dh. um ein willentliches und bewusstes Verharren und Verbleiben in der Sünde als solcher.
 
> nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben
 
Die Erkenntnis der Wahrheit zu empfangen, bedeutet im Schriftkontext, Jesus als Herrn und Erlöser erkannt und sich Ihm unterordnet zu haben. Der Ungläubige besitzt keine Erkenntnis der Wahrheit. Erst der Glaubende weiss, dass Jesus der Weg und die Wahrheit und das Leben ist. Wenn einer nun - nachdem er von Christus ergriffen wurde - sich vom wahrhaftigen Leben losreisst, um die Sünde dem Leben in Christo erneut vorzuziehen, dann bleibt kein weiteres Opfer für Sünden übrig; denn er hat ja das einzige Opfer, durch welches er Gott angenehm gemacht wurde, verworfen. Auch der Jude, welcher das Gesetz des Mose verwirft, muss das mit Vorsatz und mit Willen tun (unter- und unbewusst geht nicht); etwa solcherart wie Baruch Spinoza, der alle religiöse Verbundenheit mit dem Judentum willentlich und endgültig von sich abwarf.
 
> wieviel ärgere Strafe, meinet ihr, wird der wertgeachtet werden, der den Sohn Gottes mit Füssen getreten und das Blut des Bundes, durch welches er geheiligt worden ist, für gemein geachtet hat
 
Den Sohn Gottes mit Füssen (nieder)-treten und das teure Blut Jesu für gemein, nichtig und wertlos achten, kann nur einer, der den HERRN kannte, der in Seiner Nähe weilte, der mit dem "grossen Hirten der Schafe" und mit dem "Blut des ewigen Bundes" vertraut war. Das kann von einem Ungläubigen und einem Scheinbekehrten niemals gesagt werden.
 
> und den Geist der Gnade geschmäht hat
 
Solches gehört zum Furchtbarsten, das eine einst gläubige Seele tun kann: den Geist der Gnade schmähen, die Sünde gegenüber der Erlösung vorzuziehen, dem Erlöser für immer den Rücken zuzukehren, den rufenden Gnaden-Geist abzuweisen, sich zum Widersacher emporzuwerfen, dem Sohne Gottes zu trotzen! O furchtbare Ewigkeit! Besser wäre es einem Solchen, er wäre nie geboren.
 
> der Herr wird Sein Volk richten
 
Sein Volk ! Ein Weltmensch - auch ein religiöser - hat niemals Seinem Volke angehört. Und wenn schon jene nicht verschont blieben, die bei Massa und Meriba ungehorsam waren (Hebr.3,7-18) -- wievielmehr wird der umkommen im Gericht eines verzehrenden Feuers (Hebr.12,29), welcher das Leben in der Sünde willentlich-bewusst dem neuen Leben in Christo Jesu bevorzugt, nachdem er zur Erkenntnis der Wahrheit gelangt war!
 
Denn: "Wir sind Genossen des Christus geworden, wenn wir anders den Anfang der Zuversicht bis zum Ende standhaft festhalten." (Hebr.3,14) Nicht nur den Hebräern gilt dies, sondern allen, die dem Herrn nachfolgen.
 
"Genossen Christi" befinden sich auf dem Weg ins unauflösliche Gottesleben und werden das Siegel des Heiligen Geistes noch empfangen (wenn sie nämlich bewährt sind). Dann erst ist ein erneutes Verlorengehen infolge geistlichen Ungehorsams definitiv auszuschliessen. Die "Erstlinge des Geistes" hingegen - die bereits zur neuen Geburt hindurchgebrochen sind, befinden sich schon heute in die himmlischen Örter versetzt. Wer das nicht sehen will, der lasse es sein.
 
Abschliessend rufe ich allen Verzagten und Verängstigten, welche sich obiger Sünde schuldig gemacht zu haben glauben, laut zu :
 
"Lasst euch verwurzeln in IHM, in Christo hinein, und ihr werdet leben! Sein Blut ist mächtig genug, dich von allen Gräueln der Sünde erneut zu reinigen."
 
Und den anderen, die einen Anfang mit dem Christus gemacht und bereits schwach geworden sind:
 
"Kehret um vom Fehltritt eures Weges und richtet das Lahme wieder auf, denn sonst werdet ihr sterben!"
 
Der Gerechte aber wird aus Glauben leben und: Wenn jemand sich zurückzieht, so wird meine Seele kein Wohlgefallen an ihm haben. Wir aber sind nicht von denen, die sich zurückziehen zum Verderben, sondern von denen, die da glauben zur Errettung der Seele. (Hebr.10,38-39)
 
In Jesus Christus, der mich aus dem Tode errettet und zu Sich gezogen hat
Henri Paul
 

25.12.03

Lieber Henri

meine Erfahrung in der Brüderbewegung (AV = exklusiv) ist die, dass es natürlich auch unterschiedliche Ansichten gab. Z.B.:  Bruder HLH vertrat, al er noch lebte, vehement  einen ausgeprägte  Römer 7  -> Römer 8 Zustand. Er konnte  dies für mich nicht genug gesichert begründen. Meine Erfahrung heute nun bei den "Freien Brüdern" in Frauenfeld  ist diese, dass man eigentlich mit jedem sofort Gemeinschaft hat, aufgrund eines total aufgeweichten Verständnisses von Gemeinschaft..., Aber nach 3 Monaten, wenn dann 50 -70%  der "Neubekehrten" nicht mehr kommt und meistens auch in die Welt zurückgefallen ist, ist man wieder ernüchtert, aber ohne jegliche Konsequenz betreffend der "Zulassungspraktik". Interessanter weise "funktioniert" es auch so. Seitdem ich die Verunreinigungslehre (*) der Exklusiven Brüder hinterfragt, hinterschaut und hinter den Rücken geworfen habe, kann ich persönlich mit dem sicher unbefriedigenden Zustande leben.

Sonst habe ich über das Thema schon einiges veröffentlicht, stehe voll und ganz hinter:

Bleibt der Gläubige zeitlebens ein armer Sünder?
Stellung und Zustand des Gläubigen
 Unterscheidungen  
Sicherheit  
Wie kannst du wissen, ob du errettet  bist?
Können Gläubige (Wiedergeborene ) verloren gehen?   von J. Ph. Fijnvandraat


 

(*) Unter Verunreinigungslehre verstehen einige, längst nicht alle in der AV, (fälschlicher weise: "exklusive Brüderbewegung genannt),  dass allein durch die Anwesenheit oder das Mit- Brotbrechen eines  Ungläubigen oder zu einer anderen Gemeinschaft als der exklusiven Brüder gehörenden,  die Anwesenden, und alle mit den Anwesenden in Kontakt kommenden, und alle, die die Anwesenden nicht exkommuniziert habenden,  auch exkommuniziert werden müssen.. Wenn man solche nicht exkommuniziert,  ist man selbstredend nicht mehr  am "Tisch des Herrn"  Oder sollte es nicht richtiger heissen, nicht mehr am "Tisch"  der exklusiven Brüder?  (Nachtrag für alle die mich noch nicht genügend kennen sollten.)  Mir ist das selber mal passiert,  als ich in der Ablösephase war. Ich ging einige Male in eine freien Versammlung, dann zurück zu den möchtegern Exklusiven, und durfte dann 8 Monate nicht mehr am  """Tisch des Herrn teilnehmen."""  So saublöde war ich damals noch, dass ich diesen Schmarren über mich ergehen liess.

Hans Peter Wepf 
Herr vergib Ihnen, denn sie wussten und wissen und werden nicht wissen, was sie tun.

Welche Versammlung?


2.1.04
Sodele,

ich habe den Artikel zur Frage 1240 + 1236 nun gescannt, und er kann unter:

https://eisatsopa.privat.t-online.de/mauerhofer_heil_wieder_verlieren.pdf

geladen werden.

Michael/de

soli deo gloria