Mal 3.16

Altes Testament

Daniel AZ

Der Prophet Daniel 
 .mp3: ►►  Achim Zöfelt

Online seit dem 28.01.2014, Bibelstellen: Daniel 2

Wir stehen hier am Ende der alttestamentlichen Geschichte des irdischen Volkes Gottes, und das Buch Daniel gibt uns den Wendepunkt, an dem Gott Seine direkte Regierung über Sein Volk und über die Erde beendet und die Zeiten der Nationen (Lk 21,24) beginnen lässt. In diesen Zeiten der Nationen leben wir heute übrigens noch immer – das gibt dem Buch Daniel auch eine große Aktualität für unsere Tage.

Gott lässt jetzt in Seiner Vorsehung die Welt von den großen vier Weltreichen beherrschen. Das ist nicht ein Ergebnis menschlicher Politik oder Kriegsführung, sondern Er selbst hat diesen Wandel herbeigeführt. In 2. Chr 36,16 lesen wir, dass Zedekia, der letzte König von Juda, so treulos gehandelt hatte, dass keine Heilung mehr war. Gott hatte daraufhin den König von Babel gegen Juda heraufkommen lassen und Sein Volk in die Gefangenschaft gegeben. Zu diesem Zeitpunkt beginnen die Zeiten der Nationen, und sie werden andauern bis zur Erscheinung des Herrn Jesus in Herrlichkeit auf dieser Erde, wenn Er Sein Reich aufrichten wird.

Überblick über das Buch Daniel:

  • Kap 1: Einleitung; moralische Haltung des treuen jüdischen Überrestes in Daniel und seinen drei Freunden

  • Kap 2: der Traum Nebukadnezars; die Herrlichkeit des Menschen in den vier Weltreichen

  • Kap 3–6: der moralische Charakter des ersten und zweiten Weltreiches

  • Kap 7: das Gesicht Daniels; die gleichen vier Weltreiche in der Gestalt von reißenden Tieren; nicht mehr ihre menschliche Herrlichkeit, sondern ihre ungezähmte Wildheit

  • Kap 8–12: die Entwicklung des dritten und vierten Weltreiches

Das Buch Daniel ist von überragender Bedeutung für das Verständnis der gesamten Prophetie. Wenn man Daniel und die Offenbarung zusammen hat, dann hat man das ganze Bild der Prophetie, die sich nicht in erster Linie nur auf Israel bezieht. Jesaja, Jeremia, Hesekiel haben immer Israel als das irdische Volk Gottes im Mittelpunkt ihres Dienstes. Letzten Endes gibt es in der biblischen Prophetie drei wesentliche Gesichtspunkte:

  • die wichtigste Person ist der Herr Jesus, der Sohn Gottes, der Messias Israels

  • das wichtigste Volk ist Sein irdisches Volk Israel, zu dem Er gehört und über das Er herrschen wird

  • alle Entwicklungen, die notwendig sind und die Gott so lenkt, dass der Herr Jesus einmal über Israel herrschen wird. Dieser Gesichtspunkt nimmt den größten Raum in der biblischen Prophetie ein: Bewegungen, die Gott herbeiführen wird, damit Sein Sohn einmal im 1000-jährigen Reich den ersten Platz einnehmen wird.

Es gibt in der Tat kein wichtigeres Buch im Blick auf die Prophetie als das Buch Daniel. Wenn wir dieses Buch nicht hätten, würden wir viele Passagen des prophetischen Wortes – vor allen Dingen im Neuen Testament – nicht verstehen können. Die prophetische Rede des Herrn in Lk 21 könnten wir ohne Daniel nicht verstehen; wir wüssten nämlich nicht, was die Zeiten der Nationen eigentlich sein sollen. Und in der Offenbarung wird nicht nur Daniel zitiert, sondern es ist geradezu die Grundlage für alles, was dort geschildert wird. Wenn wir verstehen wollen, was die Offenbarung zeigt, brauchen wir unbedingt das Buch Daniel.

Und dieses Buch Daniel ist nicht nur sehr wichtig, sondern es ist auch mehrfach als authentisch bezeugt und bestätigt worden. Der Teufel hatte Angriffe auf dieses Buch gestartet, um einerseits den Propheten selbst aber auch seine Botschaft in Misskredit zu bringen. Deshalb bezeugt das Wort Gottes selbst den Propheten Daniel als eine geschichtliche Person, und seine Botschaft als Offenbarung Gottes. In Mt 24,15 z.B. nennt der Herr Jesus selbst Daniel mit Namen und bestätigt ihn als einen Propheten. In Mt 21,44 spielt der Herr ganz offensichtlich auf das Bild aus dem Traum Nebukadnezars an, wo dieses Bild in seiner letzten Erscheinungsform an den Füßen zerschmettert werden wird. Und in Mt 26,64 gebraucht der Herr Jesus eine Schilderung aus Daniel 7 für die Ankündigung Seiner Ankunft. In Heb 11,33+34 wird eindeutig auf die Begebenheiten von Daniel in der Löwengrube und den drei Freunden im brennenden Feuerofen angespielt.

Es ist bemerkenswert, wie viel Mühe sich Gott macht, dieses Buch zu legitimieren. Hesekiel und Jeremia waren Zeitgenossen Daniels. In Hes 14,13+20 spricht Gott selbst von seinem Knecht Daniel und stellt ihn auf eine Stufe mit Noah und Hiob. Er hat in der Endzeit des Alten Testaments die gleichen moralischen Qualitäten bewiesen, wie die beiden Patriarchen ganz aus der Anfangszeit der Geschichte des Alten Testamentes. Daniel ist eine wirklich außergewöhnliche Person, er ist der einzige Mensch im Wort Gottes, der mehrmals „Vielgeliebter“ genannt wird. Wir wissen viel über seine Herzensübungen, über seine Gedanken und seine Empfindungen. Von ihm werden uns – wie auch von Joseph – keine Fehler berichtet. Gott hat es für gut befunden, keine Schwäche dieses Mannes aufzuzeichnen.

Grundsätzliches über biblische Prophetie:

Prophetie und Geschichte liegen dicht beieinander. Aber zuerst steht die Prophetie, und dann hat sich in der Geschichte die Prophetie erfüllt. Und in dieser Reihenfolge müssen wir uns auch hier diesem Thema nähern. Zunächst haben wir es hier mit Prophezeiungen zu tun darüber, wie sich die Dinge entwickeln würden, und dann hat es sich genauso in der Geschichte erfüllt. Wir dürfen also dieses Kapitel nicht anhand der geschichtlichen Entwicklungen auslegen, sondern nur anhand des Wortes Gottes. Rückblickend sehen wir heute in der geschichtlichen Entwicklung eine Bestätigung der Auslegung – aber Ausgangspunkt und Basis aller Erklärungen ist das Wort Gottes. Wir dürfen nie versuchen, die Prophetie mit der Geschichte zu erklären! Das ist ein total falscher Weg. Die Geschichte wird das bestätigen, was die Prophetie gesagt hat; aber die Auslegung der Prophetie hängt niemals auch nur im Geringsten von der Geschichte ab.

Für Gott ist Prophetie vorausgesagte Geschichte! Wir sehen Geschichte nur im Nachhinein, wenn sie sich ereignet hat. Aber Gott sagt sie uns in Seinem Wort im Voraus. Und das ist ja auch der größte Angriff gegen das Buch Daniel, dass man ihm wegen dieser wortwörtlichen Voraussagen vorwirft, es könne unmöglich vor diesen ganzen Ereignissen geschrieben worden sein, es muss erst hinterher geschrieben worden sein. Damit zieht man die ganze Autorität der Bibel in Zweifel und kommt dahin, dass sogar in den großen Kirchen die Bibel als Märchenbuch angesehen wird. Aber wir dürfen daran festhalten, dass Gottes Wort in Ewigkeit fest steht in den Himmeln (Ps 119,89). Für uns heute besteht die größte Gefahr nicht in Verfolgung, sondern in Verführung. Mit äußerster Raffinesse wird unseren Kindern in den Schulen Zweifel am Wort Gottes beigebracht. Deshalb müssen wir uns ernstlich darum bekümmern, welchen Einflüssen sie in den Schulen ausgesetzt sind, damit wir sie in den guten Wegen des Herrn unterweisen können – so wie Daniel es in seinem Elternhaus vor der Zeit der Wegführung nach Babylon erfahren haben muss, sonst hätte er nicht so stehen können, wie er stand.

Wir finden zwar in der Bibel an keiner Stelle ein einheitliches Gesamtbild der prophetischen Schau bis hin zum 1000-jährigen Reich, aber die Einzelheiten in den verschiedenen prophetischen Büchern passen wie die einzelnen Teile eines Puzzles zusammen, und wie bei einem Puzzle können sie unter Aufwendung von etwas Mühe zusammengelegt werden. Man darf natürlich nicht den Fehler machen, wie es auch in weiten Teilen der Christenheit geschehen ist, dass man die einzelnen Teile dieses Puzzles mit Gewalt zusammenzwängt, auch wenn sie nicht zusammengehören. Das prophetische Wort in seiner richtigen Auslegung ist wie eine Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet (2. Pet 1,19). Möchte es in unseren Herzen leuchten, bis der Tag anbricht und wir das volle Licht genießen werden, und möchte es bis dahin die Wirkung auf uns haben, dass die Person des Herrn Jesus und Sein Kommen für uns lebendiger in unseren Herzen wird!

Der Prophet Daniel (02) - Daniel 2,1-13

Online seit dem 30.01.2014, Bibelstellen: Daniel 2,1-13

Kapitel 1 war eine Art Einleitung zu diesem Buch, der eigentliche Beginn der prophetischen Botschaft ist Kapitel 2. Kapitel 1 war sozusagen die Vorbereitung für die Schau, die jetzt folgt. Es zeigte uns den Schauplatz der Ereignisse, die handelnden Akteure, und das Ergebnis Gottes. Ein junger Mann und seine drei Freunde ehrten Gott durch Treue und Vertrauen in der Gefangenschaft in einer fremden und gottlosen Umgebung. Sie möchten sich nicht verunreinigen, und Gott gibt darauf Antwort, indem Er ihnen zum Lohn mehr Weisheit als allen anderen schenkt. Kapitel 3 zeigt dann, dass ein treuer Überrest – zu welcher Zeit auch immer – durch Verfolgungen zu gehen haben wird. Also zeigt uns

  • Kapitel 1 die Treue des gläubigen Überrestes,

  • Kapitel 2 die Weisheit und das Verständnis des gläubigen Überrestes, und

  • Kapitel 3 die Verfolgungen des gläubigen Überrestes wegen ihrer Treue.

Dieses lange Kapitel 2 nun könnte in etwa in folgende Abschnitte eingeteilt werden:

  • Verse 1–11: die Unzulänglichkeit der menschlichen Weisheit, um die Gedanken Gottes erkennen zu kön nen; die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott (1.Kor 3,19)

  • Verse 12–30: die edle Gesinnung Daniels, die sich in einerseits in Demut und Bescheidenheit, und anderer seits in Kühnheit des Glaubens äußert

  • Verse 31–36: die Schilderung des Traumes, den Nebukadnezar hatte

  • Verse 37–45: die Deutung des Traumes

  • Verse 46–49: die Reaktion Nebukadnezars auf den Traum und seine Deutung

Und im zweiten Jahr der Regierung Nebukadnezars hatte Nebukadnezar Träume, und sein Geist wurde beunruhigt, und sein Schlaf war für ihn dahin. Und der König befahl, dass man die Wahrsagepriester und die Sterndeuter und die Magier und die Chaldäer rufen sollte, um dem König seine Träume kundzutun; und sie kamen und traten vor den König“ (Vers 1+2)

„Der vergessene Traum“ könnte die zutreffende Überschrift über dieses Kapitel sein. Nebukadnezar hatte einen Traum, den er danach wieder vergaß. Wir lernen daraus schon eine erste wichtige Lektion: Gott hat die Zügel vollkommen in Seiner Hand! Er regiert hier ja nicht mehr direkt, aber Er hat die Zügel in der Hand. Ob es sich um große Entwicklungen oder um kleine unscheinbare Dinge handelt – Gott hat die Zügel zu jeder Zeit in Seiner Hand, auch heute! Gott war es, der den Traum gegeben hatte, und Gott war es, der dafür sorgte, dass Nebukadnezar den Traum vergaß. Beides miteinander führt dazu, dass nach Seinem Rat dieser gottesfürchtige junge Mann vor den größten König der Erde, den es je gab, gebracht wird. Gott ist im Regiment, auch heute noch!

Es mag eine gewisse Schwierigkeit darstellen, dass Daniel und seine Genossen drei Jahrelang umerzogen werden sollten (Dan 1,5), und er hier schon im zweiten Jahr der Regierung Nebukadnezars diesen Traum deuten sollte. Der Grund wird in den verschiedenen Zählweisen über die Regierungsjahre der Könige liegen. Hier ist alles babylonisch, auch die Zählweise der Regierungsjahre. Wenn in Dan 1,1 vom dritten Jahr Jojakims die Rede ist, dann war es tatsächlich nach Jer 25,1 schon sein viertes Regierungsjahr. Bei der babylonischen Zählung wurde das erste Regierungsjahr als das Jahr der Thronbesteigung nicht mitgerechnet. Deshalb wurde das dann folgende zweite Jahr als das erste Regierungsjahr gezählt, und damit ist das hier erwähnte zweite Regierungsjahr Nebukadnezars eigentlich schon sein drittes Jahr.

Träume stehen hier in der Mehrzahl; Nebukadnezar hätte vielleicht bei nur einem einzelnen Traum gesagt, dass dieser durch seine viele Geschäftigkeit verursacht worden sei (Pred 5,2). Offensichtlich hatte Gott mehrfach durch Träume zu ihm gesprochen, sodass ihm bewusst wurde, dass da mehr dahinter stecken musste als einfach nur ein Traum. Aus Vers 29 sehen wir, dass Nebukadnezar sich selbst Gedanken über die Zukunft seines Reiches gemacht hatte. Er war ein hochintelligenter Mann, der nicht gedankenlos in den Tag hinein lebte. Und dann kamen diese Träume, die einander ergänzten und durch Gott von Daniel in diesem einheitlichen Bild gedeutet wurden. Nebukadnezar sollte lernen, dass Gott selbst etwas mit ihm tun und dass Er durch Nebukadnezar etwas bewirken wollte. Er sollte lernen, dass Gott ihm diese Macht verliehen hatte, und dass er für das Verständnis dieser Dinge andere brauchte. Gott hatte zwar den Nationen die Macht gegeben, aber die Einsicht darüber war nur bei den treuen Gläubigen aus dem Überrest Seines Volkes.

Im Alten Testament offenbarte sich Gott auch durch Träume. Heute ist das nicht mehr die Regel, in uns wohnt der Heilige Geist, und wir haben das vollendete Wort Gottes in Händen, und darin lernen wir heute die Gedanken Gottes kennen. Wir sollten deshalb Träumen nicht ein Gewicht beimessen, das sie heute nicht mehr haben.

Der König rief auf diese Träume hin seine gesamte wissenschaftliche und religiöse Elite zusammen. Sie übten Dinge aus, die Gott Seinem Volk ausdrücklich verboten hatte, die aber am Ende ihrer irdischen Geschichte unter Manasse praktiziert wurden (5. Mo 18,9–122. Chr 33,5+6). Deshalb musste Gott das angekündigte Gericht über Sein Volk bringen.

Nebukadnezar hatte aus seiner Sicht alles Nötige getan, um an seinem Hof Weisheit zu haben, aber als diese Weisheit aufs Äußerste erprobt wurde, dachte er nicht an Daniel. Eigenartig, denn er selbst hatte sie doch zehnmal überlegen gefunden all seinen Leuten gegenüber (Dan 1,20). Er muss ihn entweder vergessen oder sogar verachtet haben. Diese Berater hatten gewissen Einfluss auf die Regierungsgeschäfte und Entscheidungen des Königs (Jes 47,12+13). Wenn sie nun den Befehl erhielten, dem Nebukadnezar seine Träume kundzutun, so umfasste das sowohl erst einmal das Nennen der Träume, als dann auch das Angeben der Bedeutung dieser Träume.

Und der König sprach zu ihnen: Ich habe einen Traum gehabt, und mein Geist ist beunruhigt, diesen Traum zu verstehen. Und die Chaldäer sprachen zum König auf Aramäisch: O König, lebe ewig! Sage deinen Knechten den Traum, so wollen wir die Deutung anzeigen. Der König antwortete und sprach zu den Chaldäern: Die Sache ist von mir fest beschlossen: Wenn ihr mir den Traum und seine Deutung nicht kundtut, so sollt ihr in Stücke zerhauen werden, und eure Häuser sollen zu Kotstätten gemacht werden; wenn ihr aber den Traum und seine Deutung anzeigt, so sollt ihr Geschenke und Gaben und große Ehre von mir empfangen. Darum zeigt mir den Traum und seine Deutung an“ (Vers 3–6)

In den ersten Versen dieses Kapitels machen verschiedene Umstände absolut deutlich, dass hier die Zeiten der Nationen angebrochen sind:

  • zunächst ist zu beachten, dass der heidnische König diese Träume von Gott bekommen hatte, nicht der Prophet aus Israel. Erst in Kapitel 7 ist es Daniel, der in einem Traum das zweite Gesicht über diese Zeit der Nationen erhält, aber zuerst ist es hier in Kapitel 2 der König Nebukadnezar, der weltliche Herrscher. Gott macht auch durch diesen Umstand deutlich, dass Israel steht nicht mehr an der ersten Stelle steht,

  • auch werden die Zeiten ab Kapitel 2 nicht mehr nach den Jahren der Könige Israels gezählt, sondern nach der Regierungszeit der weltlichen Herrscher (siehe Vers 1),

  • ab Vers 4, der Antwort der Chaldäer an den König, verfasst Gott Sein Wort bis zum Ende von Kapitel 7 nicht mehr auf Hebräisch, sondern in der Sprache des Volkes, das jetzt die Herrschaft besaß. Der Teil, der besonders Babylonien und Medo-Persien angeht, wurde auf Aramäisch geschrieben. Wenn es ab Kapitel 8 dann wieder mehr um das jüdische Volk geht, lässt Gott wieder in hebräischer Sprache schreiben.

Dass der König seinen eigenen Traum nicht mehr wusste und jetzt nicht nur die Deutung des Traumes von seinen Weisen verlangte, sondern auch den ganzen Traum an sich, wird aus der englischen Übersetzung von JND deutlicher. Was hier übersetzt ist mit „die Sache ist von mir fest beschlossen“, übersetzt Darby mit „the command [word, matter, thing] is gone forth from me“, was so viel bedeutet wie „die Sache ist mir entschwunden oder entflohen“. Das Hebräische ist so knapp in seinem Wortbestand, es hat viel weniger Formen als im Deutschen, dass es in manchen Fällen nicht einfach ist, den Sinn eindeutig zu verstehen. Aber es scheint doch hier der Gedanke zu sein, dass Nebukadnezar nur noch einen Eindruck von diesem gewaltigen Traum hatte, er aber die Offenbarung Gottes tatsächlich nicht mehr präsent hatte und sie nicht mehr in Worte kleiden konnte.

Nebukadnezar hatte seine Macht von Gott empfangen, aber das bedeutete überhaupt nicht, dass er in Übereinstimmung mit Gott lebte und nach Gott fragte. In Kapitel 3 werden uns die moralischen Merkmale seines Reiches vorgestellt, aber auch hier schon finden wir zwei Charakterzüge in seiner Machtausübung: er war ein gottloser Mann, und er war ein grausamer und gewalttätiger Mann, so beschreibt ihn auch der Prophet Habakuk (Hab 1,5–13). Es war nicht nur ein Test für die Chaldäer, in dem Nebukadnezar sie auf diese Probe stellen wollte, sondern es ging um Leben und Tod für sie. Es gab für sie nur eine grausame und furchtbare Perspektive: entweder sie halfen dem König und deuteten ihm seinen Traum, oder sie würden auf grausamste Weise ihr Leben verlieren. Nebukadnezar war beunruhigt worden durch seine Träume und wollte unbedingt Klarheit darüber bekommen. Er zeigt einerseits seine alles überragende Machtfülle, aber andererseits auch seine totale Unwissenheit über Gott. Das ist übrigens das Bild der Welt bis heute; und auch alle Wissenschaft der Welt kann daran nichts ändern – ohne Gott und ohne Hoffnung (Eph 2,12).

Sie antworteten zum zweiten Mal und sprachen: Der König sage seinen Knechten den Traum, so wollen wir die Deutung anzeigen. Der König antwortete und sprach: Ich weiß zuverlässig, dass ihr Zeit gewinnen wollt, weil ihr seht, dass die Sache festbeschlossen ist, dass, wenn ihr mir den Traum nicht kundtut, es bei eurem Urteil bleibt; denn ihr habt euch verabredet, Lug und Trug vor mir zu reden, bis die Zeit sich ändert. Darum sagt mir den Traum, und ich werde wissen, dass ihr mir seine Deutung anzeigen könnt. Die Chaldäer antworteten vor dem König und sprachen: Kein Mensch ist auf dem Erdboden, der die Sache des Königs anzeigen könnte, weil kein großer und mächtiger König jemals eine Sache wie diese von irgendeinem Wahrsagepriester oder Sterndeuter oder Chaldäer verlangt hat. Denn die Sache, die der König verlangt, ist schwer; und es gibt keinen anderen, der sie vor dem König anzeigen könnte, als nur die Götter, deren Wohnung nicht bei dem Fleisch ist“ (Vers 7–11)

Die Weisen Babels konnten den Traum Nebukadnezars weder ansagen noch deuten, obwohl sie den Anspruch hatten, in geheime göttliche Dinge vordringen zu können. Es ging also um zwei verschiedene Forderungen des Königs. Deshalb erzählt Daniel später auch zuerst den Traum selbst, bevor er die Deutung angibt.

Wo jetzt die Weisen Babels auf die Probe gestellt werden, müssen sie ihre totale Unfähigkeit bekennen. Es ist der völlige Zusammenbruch aller weltlichen Weisheit. Aber die Verlegenheiten der Menschen sind Gottes Gelegenheiten. Gott ließ es soweit kommen, dass sie nicht mehr ein noch aus wussten. Seine Hand führte es so, dass Sein treuer Zeuge vor die höchste Autorität gebracht wurde.

Daniel wusste wie einst Joseph, dass die Deutungen der Träume Gottes sind (1. Mo 40,8). Wenn Gott durch Träume redet, dann lässt Er sich die Deutung nicht aus der Hand nehmen. Die Chaldäer besaßen ein sehr hohes Maß an Sicherheit, den Traum deuten zu können, wenn sie ihn denn kennen würden (Vers 4). Doch diese Selbstsicherheit wurde gespeist aus okkultem Vertrauen, und sie erwies sich als Illusion. Diese Chaldäer bringen noch zwei Dinge zum Ausdruck, von denen das eine wahr und das andere nicht wahr ist. Wahr ist, dass tatsächlich kein Mensch auf dem Erdboden aus sich selbst dem König diesen Traum anzeigen konnte; und falsch ist, dass sie dann wieder zu ihren Göttern ihre Zuflucht nahmen. Beides wird offenbar gemacht durch das Handeln Gottes. Allerdings war es dann dem Daniel durch Offenbarung von Gott doch möglich (Ps 25,14).

Darüber wurde der König zornig und ergrimmte sehr, und er befahl, alle Weisen von Babel umzubringen. Und der Befehl ging aus, und die Weisen wurden getötet; und man suchte Daniel und seine Genossen, um sie zu töten“ (Vers 12–13)

Nebukadnezar war ungerecht und brutal in seinem Vorgehen, und auch Daniel und seine Freunde sollten dem Tod überliefert werden. Es ist nicht ganz klar, wie weit dieser Befehl schon umgesetzt worden war, als Daniel und seine Genossen hinzugebracht wurden. Aber hier wird auch ein prophetisches Bild deutlich. Der gläubige Überrest wird aus vor diesem Tod bewahrt, Daniel und seine Freunde werden verschont. Ein Hinweis auf kommende Tage, wo Gott den gläubigen Überrest Israels Schutz gewährt und ihn hineinbringt in die Segnungen des Reiches.

Daniel und seine Freunde mussten wohl deshalb gesucht werden, da ihre dreijährige Ausbildungszeit bereits beendet war und sie sich nicht mehr am Hof des Königs befanden (vgl. mit Vers 1).

Der Prophet Daniel (03) - Daniel 2,14-26

Online seit dem 01.02.2014, Bibelstellen: Daniel 2,14-26

Da erwiderte Daniel mit Verstand und Einsicht dem Arioch, dem Obersten der Leibwache des Königs, der ausgezogen war, um die Weisen von Babel zu töten; er antwortete und sprach zu Arioch, dem Oberbeamten des Königs: Warum der strenge Befehl vom König? Da teilte Arioch Daniel die Sache mit. Und Daniel ging hinein und erbat sich vom König, dass er ihm eine Frist gewähre, um dem König die Deutung anzuzeigen.“ (Vers 14–16)

Es wird überhaupt nicht einfach gewesen sein, direkt bis vor den König zu gelangen. Aber Daniel gelang es; und dann erbittet er von dem König eine Frist, nicht etwa, um danach vielleicht dem König die Deutung anzeigen zu können. Nein, Daniel geht definitiv davon aus, dass Gott ihm den Traum und seine Deutung zeigen würde. Er sagt kein vielleicht, sondern er hat volle Gewissheit. Was hat ihn dazu geleitet, so sprechen zu können? Er hatte ein totales Vertrauen auf seinen Gott. Zwei Punkte mögen zu diesem Gottvertrauen Anlass gegeben haben:

  • es war eine ganz außergewöhnliche Situation; die ganze Weisheit der Menschen war erprobt worden bis zum Äußersten, und sie hatte sich als machtlos und nutzlos und umsonst erwiesen. Und Daniel hat gesehen, dass dieser Moment geeignet war, dass sein Gott sich groß und herrlich erweisen könnte durch Seinen Knecht Daniel – eine einmalige Situation

  • Daniel hatte seine Treue Gott gegenüber erwiesen, er hatte in schwierigsten Umständen die Ehre Gottes hochgehalten; und er konnte sich nicht vorstellen, dass dieser Gott, der ihm so viel Gnade und Barmherzigkeit erwiesen hatte, jetzt ihn und seine drei Freunde fallen lassen würde, wo sie in Todesgefahr schwebten

Eine Lektion auch für uns, dem Gott zu vertrauen, der Sich verherrlichen will und der auch Seinen Knecht nicht zu Schanden werden lässt!

Warum erbittet Daniel diese Frist vom König? Wenn er so viel Vertrauen besaß, hätte denn Gott ihm das alles nicht auch gleich offenbaren können? Gott hatte natürlich keine Frist nötig, aber Daniel brauchte sie, um in dieser Zeit das Angesicht Gottes im Gebet zu suchen. Gottvertrauen macht uns nicht unabhängig, sondern es führt uns im Gegenteil in vermehrte Abhängigkeit von Gott. Gottvertrauen lässt uns auch nicht voreilig oder selbstsicher handeln, aber es heißt: „wer glaubt, wird nicht ängstlich eilen“ (Jes 28,16). Wir können uns vorstellen, dass Daniel in würdevoller Ruhe hineinging und vor den König trat, denn Glaube gibt Sicherheit! Es ist übrigens bemerkenswert, dass dem Daniel die erbetene Frist gewährt wird, denn den Chaldäern wirft Nebukadnezar in Vers 8 noch vor, dass sie Zeit gewinnen wollten.

Wir können hier drei verschiedene Reaktionen bei Daniel unterscheiden. Es geht für ihn um Leben und Tod, aber er reagiert nicht spontan und lässt sich nicht überrumpeln, sondern angesichts größter Probleme handelt er mit Einsicht und Verständnis, er wandelt in Weisheit gegenüber denen, die draußen sind (Kol 4,5). Eine geistlich besonnene Reaktion kommt aus einem gewohnheitsmäßigen Umgang mit Gott hervor. Genauso beeindruckend ist dann sein nächster Schritt: sein Glaube lässt sich nicht lähmen, sondern er ergreift eine sichere Initiative und geht zu dem König hinein. Und als letztes versichert er in Kühnheit und Vertrauen des Glaubens, dass er nach der Frist dem König die Deutung anzeigen könne.

Hierauf ging Daniel in sein Haus; und er teilte die Sache seinen Genossen Hananja, Misael und Asarja mit, damit sie von dem Gott des Himmels Barmherzigkeit erbitten möchten wegen dieses Geheimnisses, damit Daniel und seine Genossen nicht mit den übrigen Weisen von Babel umkämen. Hierauf wurde Daniel in einem Nachtgesicht das Geheimnis offenbart. Da pries Daniel den Gott des Himmels.“ (Vers 17–19)

Wir haben hier das erste gemeinsame Gebet von Gläubigen in der Bibel. Das zeigt uns, welches innere Glaubensleben diese vier jungen Männer gepflegt haben. Wir sehen vier junge Männer auf den Knien – das war ein Spektakel! Daniel wollte durch die Frist vom König nicht nur Zeit gewinnen, sondern er geht zu seinen Brüdern, um mit ihnen zusammen auf die Knie zu gehen. Wenn wir heute vom Herrn eine Aufgabe bekommen haben, ist die Gebetsgemeinschaft darüber mit unseren Brüdern außerordentlich wichtig dabei. Was nicht im Einklang mit den Brüdern geschieht, kann Gott nicht segnen.

Daniel wendet sich hier an den Gott des Himmels, genau an den Gott, der nach Vers 37 dem Nebukadnezar diese Macht und Gewalt verliehen hat. Zum ersten Mal finden wir diesen Ausdruck in 1. Mo 24,7. In den geschichtlichen Büchern ist es immer in Verbindung mit den Zeiten der Nationen, dass Gott mit diesem Namen bezeichnet wird (mehrfach in Esra und Nehemia). In guten Zeiten war Gott in Israel der Gott der ganzen Erde (z.B. Jos 3,11) und hatte in Israel Seinen Thron. Von dort aus ging Sein Einfluss über Sein irdisches Volk und über die ganze Erde. Diese Position ist durch die Untreue des Volkes Gottes verloren gegangen. Gott hatte sich in den Himmel zurückgezogen, Sein Thron ist nicht mehr in Jerusalem. Und dass Daniel den Gott des Himmels anrief, war zuerst eine Anerkennung dessen, was durch die Untreue des Volkes Israel eingetreten war. Es ist auch für uns in unseren Tagen sehr wichtig, dass wir uns eins machen mit dem Verfall in unserer Mitte!

Er erbittet von dem Gott des Himmels Barmherzigkeit. In Dan 1,9 hatte er schon einmal Gnade und Barmherzigkeit von Gott empfangen. Barmherzigkeit ist für elende Leute, ist Mitleid mit dem Elend anderer. Und weil diese vier Freunde in großer Gefahr waren, bitten sie um Barmherzigkeit – wie angemessen war das. Brauchen nicht auch wir alle Barmherzigkeit, jeder von uns in seinen persönlichen Umständen? Wir haben auch den großen Gott auf unserer Seite, und wenn wir Seinen Weg gehen, wird Er uns nie fallen lassen.

Daniel muss in völligem Gottvertrauen in dieser Nacht sogar geschlafen haben, denn Gott gab ihm die Antwort auf das gemeinsame Gebet in einem Nachtgesicht, in einem Traum. Gottvertrauen gibt Ruhe, das hatte auch schon David auf seiner Flucht vor Absalom erlebt (Ps 3,6); Petrus hatte im Gefängnis die Nacht vor seiner beschlossenen Hinrichtung so fest geschlafen, dass der Engel Mühe hatte, ihn wach zu bekommen (Apg 12,6+7). Dem Nebukadnezar war nach den Träumen der Schlaf dahin, er war beunruhigt (Vers 1). Daniel dagegen hatte Gottvertrauen, und das machte ihn ruhig.

Vers 19 zeigt den engen Zusammenhang zwischen Offenbarung und Lobpreis. Es ist immer das eigentliche Ziel Gottes, wenn Er uns Wahrheit offenbart, dass das bei uns Lobpreis und Anbetung bewirkt. Wenn Gott sich den Patriarchen offenbarte, antworteten sie oft mit einem Altar, mit Anbetung.

Daniel hob an und sprach: Gepriesen sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit! Denn Weisheit und Macht, sie sind sein. Und er ändert Zeiten und Zeitpunkte, setzt Könige ab und setzt Könige ein; er gibt den Weisen Weisheit, und Verstand den Verständigen; er offenbart das Tiefe und das Verborgene; er weiß, was in der Finsternis ist, und bei ihm wohnt das Licht. Dich, Gott meiner Väter, lobe und rühme ich, dass du mir Weisheit und Kraft gegeben und mir jetzt kundgetan hast, was wir von dir erbeten haben; denn du hast uns die Sache des Königs kundgetan“ (Vers 20–23)

Es ist bemerkenswert, dass Daniel nicht sofort zum König geht und ihm die Deutung anzeigt, noch nicht einmal geht er schnell zu seinen Freunden, um ihnen davon zu berichten, sondern zuerst geht er direkt zu Gott. Das zeigt uns das geistliche Wesen dieses Mannes. Wie oft haben wir Gott schon um eine Gnade gebeten; aber haben wir auch immer Gott verherrlicht, wenn Er sie uns gewährt hat? Wie leicht nehmen wir die Wohltaten und die Erhörungen Gottes an, und vergessen dann den Geber; wir erfreuen uns der empfangenen Dinge, aber wir vergessen den Geber!

Nicht so Daniel, das erste, was er tut: er geht zu seinem Gott! Und während die Worte des Gebetes der vier Freunde uns nicht aufgeschrieben sind, wird die Danksagung Daniels Wort für Wort wiedergegeben. Das zeigt uns, dass bei Gott die Danksagung sehr wichtig ist; Er will verherrlicht werden, und Daniel gibt Ihm die Herrlichkeit, die Ihm gebührt. Er erfreut sich nicht nur der Segnung, sondern er preist den, von dem alles gekommen ist.

Bevor Daniel Gott dafür rühmt, dass Er ihm den Traum und seine Deutung kundgetan hat, preist er Gott selbst (der Name steht für die Person). Er hat einen Lobpreis für Gott, und er möchte, dass dieser Lobpreis eine ewige Wirkung habe. Das sagt ein Gläubiger des Alten Testamentes! Was für ein Gebet hat dieser junge Gläubige von 20 Jahren gesprochen! Und in dem Inhalt seines Lobpreises werden dann sieben verschiedene Merkmale Gottes gerühmt, die wir vielleicht am besten in vier Haupt-Kennzeichen zusammenfassen können:

  • dass Weisheit und Macht Sein sind; durch die Deutung des Traumes wurde sichtbar, dass auf Seiten Gottes Weisheit und Macht sind (vgl. Hiob 12,13). Bei dem Lobpreis des Lammes auf dem Thron Gottes in Offb 5,12 werden auch Seine Macht und Weisheit gerühmt. Der Herr Jesus als das Lamm Gottes ist der heutige Ausdruck der Macht und Weisheit Gottes. Woanders als bei Gott kann man Weisheit und Macht nicht finden, sie sind Sein, sie gehören allein Ihm. Und wenn wir heute in unseren Umständen diese Dinge brauchen, dann müssen und dürfen wir zu Ihm gehen. Es ist ein wichtiges Eingeständnis, dass wir das in uns selbst nicht besitzen.

Im Christentum ist die Kombination von Weisheit und Macht nicht vorherrschend. Die Weisheit nimmt im Christentum eine ganz hohe Stelle ein; heute ist die Versammlung der Ausdruck der Weisheit Gottes. 1. Kor 1,30 zeigt uns die Weisheit Gottes in einem gestorbenen Christus; geistliches Verständnis und wahre Weisheit gipfelt in der Kenntnis der Heiligen Schrift (Kol 1,9).

Der König Nebukadnezar hatte Macht, besaß aber keine Weisheit; seine Chaldäer besaßen in einem gewissen Sinn Weisheit, hatten aber keine Macht.

  • dass Er Zeiten und Zeitpunkte ändert und Könige absetzt und einsetzt; die Unumschränktheit Seines Handelns, die Ihm eigene Souveränität. Menschen meinen, sie könnten durch politische Vereinbarungen Regierungen einsetzen oder stürzen, durch Kriege Länder und Könige besiegen, aber letzten Endes können sie sich nur in den Bahnen bewegen, die Gott ihnen freigibt. Nebukadnezar anerkennt am Ende seines Lebens nach seiner Wiederherstellung genau diese Souveränität Gottes (Dan 4,32). Gott hat absolute Autorität zu handeln, so wie Er es will.

Der Ausdruck Zeiten und Zeitpunkte hat es immer mit dieser Erde zu tun, bezieht sich immer auf das Geschehen auf der Erde. Zeiten meint dabei mehr Zeitepochen, und Zeitpunkte bestimmte Merkmale, die diese Epochen kennzeichnen.

  • dass Er Weisheit den Weisen und Verstand den Verständigen gibt; seltsam, diese Leute haben doch schon Weisheit, brauchen sie noch mehr davon? Es ist ein wichtiger Grundsatz, dass der große Gott nur dort etwas gibt, wo der Herzensboden in Übereinstimmung mit Ihm ist. In Mt 25,29 lernen wir durch die Worte des Herrn Jesus, dass „jedem, der hat, gegeben werden wird“. Wo die Furcht Gottes, der Weisheit Anfang (Ps 111,10Spr 9,10) ist, da gibt Gott mehr. Er gibt da Weisheit, wo Er eine Einstellung findet, die von Gottesfurcht geprägt ist

  • dass Er das Tiefe und das Verborgene offenbart, und weiß, was in der Finsternis ist, und bei Ihm das Licht wohnt; die absolute Kenntnis und Allwissenheit Gottes. Für Gott gibt es nichts, was dunkel wäre, Er schaut durch alles hindurch, für Ihn ist alles Tag und Licht, Er ist der allwissende Gott. Ps 139,1–6 zeigt uns diesen allwissenden Gott. Ps 104,2 zeigt, dass Gott sich praktisch in Licht einhüllt, und 1.Joh 1,5 zeigt uns, dass Gott selbst Licht ist und keine Finsternis in Ihm ist.

Auch im Neuen Testament finden wir bestätigt, dass Gott das Verborgene offenbart (1. Kor 4,5), dabei geht es allerdings um den Richterstuhl des Christus, wo alles offenbar werden wird.

Dieser Lobpreis ist in seinem Inhalt eigentlich eine Auslegung des Traumes des Königs. Das, was Daniel hier über Gott zum Ausdruck bringt, zeigt, dass er in seinem Herzen im Glauben erfasst hat, was dieser Traum eigentlich bedeutet. Er sagt, dass es einen Gott gibt, der über allem steht. Dieser Gott war es, der Nebukadnezar eingesetzt hatte. Wenn Gott uns eine Wahrheit in Seinem Wort offenbart hat, dann ist es nicht damit getan, diese Dinge an andere weiterzugeben. Ich muss sie zuerst mit Gott selbst in Verbindung bringen. Dann wird auch der Dienst des Weitergebens Kraft haben.

In Vers 23 ist der Wechsel von ich und mir zu wir und uns auffallend. Die vier Freunde hatten miteinander gebetet, aber die Deutung des Traumes wurde nur dem Daniel gegeben. Trotzdem verbindet er sich auch darin mit seinen drei Freunden. Diese gegenseitige Anerkennung ist etwas Großartiges, was wir unter Brüdern eigentlich auch kennen sollten.

Daniel konnte dann in diesem Vers sagen, dass Gott ihm Weisheit und Kraft gegeben hatte. Es sind die gleichen Ausdrücke, wie sie in Vers 20 Gott zugeschrieben werden. Diese Weisheit ist nicht Daniels eigener Verstand, und diese Kraft sind nicht seine Muskeln; wenn Gott sie einem Menschen verleiht, dann haben sie immer ihre Quelle in Ihm.

Wir finden in diesen Versen im Verhalten Daniels sieben verschiedene Punkte, in denen er seinen Gott ehrt:

  • er ehrt Ihn durch ein Verhalten und Auftreten in Weisheit (Vers 14)

  • er ehrt Ihn durch bedingungsloses Vertrauen; er sagte dem König schon im Voraus, dass er ihm die Antwort bringen würde (Vers 16)

  • er ehrt Ihn durch Abhängigkeit im Gebet in der Gemeinschaft mit seinen Genossen (Vers 17)

  • er ehrt Ihn durch Dankbarkeit und Lobpreis, noch bevor er dem König die Antwort bringt (Vers 19+20)

  • er ehrt Gott dadurch, dass er Ihn kennt (Vers 20+21)

  • er ehrt Ihn dadurch, dass er diesem Gott allein die Ehre gibt (Vers 23)

  • er ehrt Ihn dadurch, dass er selbst demütig bleibt und nichts sich selbst zuschreibt (Vers 23)

Deshalb ging Daniel zu Arioch hinein, den der König beauftragt hatte, die Weisen von Babel umzubringen; er ging hinein und sprach zu ihm so: Bring die Weisen von Babel nicht um; führe mich vor den König, und ich werde ihm die Deutung anzeigen. Da führte Arioch Daniel schnell vor den König, und er sprach zu ihm so: Ich habe einen Mann unter den Weggeführten von Juda gefunden, der dem König die Deutung kundtun wird. Der König hob an und sprach zu Daniel, dessen Name Beltsazar war: Bist du imstande, mir den Traum, den ich gesehen habe, und seine Deutung kundzutun?“ (Vers 24–26)

Daniel hatte unter großem Druck gestanden und die Hilfe des Herrn erfahren; und doch reagiert er hier nicht in einem fleischlichen Triumph, sondern zusätzlich zu der bisher gezeigten Demut handelt er in geistlicher Besonnenheit und bleibt abhängig. Es ist eine nur sehr schwer zu kontrollierende Eigenschaft unseres Fleisches, dass es sich mit Erfolgen – auch auf geistlichem Gebiet – kränzen und rühmen will. Daniel offenbart dabei die geistliche Haltung von Ps 115,1.

Es ist sehr beeindruckend, dass Daniel vor dem Arioch sich als erstes um die Lebensgefahr der chaldäischen Wahrsager kümmert. Er offenbarte damit sein Herz für diese ungläubigen Menschen, und er wollte verhindern, dass noch mehr von ihnen umgebracht würden. Er dachte nicht nur an sein Volk, sondern auch an diese ungläubigen Menschen.

Im Gegensatz zu dieser Demut und Besonnenheit Daniels schmückt sich der Arioch mit fremden Federn und hat nichts Eiligeres zu tun, als vor dem König Nebukadnezar zu betonen, dass er einen Mann gefunden habe, der dem König die Deutung anzeigen kann. Es ist eine traurige Eigenschaft des Menschen, dass er sich selbst gern der Dinge rühmt, die Gott anderen hat zu Teil werden lassen. Aber er muss doch bekennen, dass dieser Mann von den Weggeführten Judas war, dass also die Deutung des Traumes nur durch einen Mann Gottes erfolgen konnte.

Arioch nennt den Daniel nur einen Mann unter den Weggeführten von Juda. Zwei Begriffe, die jeweils ein anderes Licht auf Daniel werfen. Als die Weggeführten stehen sie unter der demütigenden Zucht Gottes, aber als der Mann aus Juda zeigt er seine eigentliche wahre geistliche Identität. Tun wir das in unserer Umgebung auch? Und wenn der König dann spricht, werden sogar beide Namen Daniels erwähnt, da stoßen praktisch wieder zwei verschiedene Welten aufeinander.

Achim Zöfelt

Der Prophet Daniel (04) - Daniel 2,27-36

Online seit dem 03.02.2014, Bibelstellen: Daniel 2,27-36

Daniel antwortete vor dem König und sprach: Das Geheimnis, das der König verlangt, können Weise, Beschwörer, Wahrsagepriester und Sterndeuter dem König nicht anzeigen. Aber es ist ein Gott im Himmel, der Geheimnisse offenbart; und er hat dem König Nebukadnezar kundgetan, was am Ende der Tage geschehen wird. Dein Traum und die Gesichte deines Hauptes auf deinem Lager waren diese: Dir, o König, stiegen auf deinem Lager Gedanken auf, was nach diesem geschehen wird; und der, der die Geheimnisse offenbart, hat dir kundgetan, was geschehen wird. Mir aber ist nicht durch Weisheit, die in mir mehr als in allen Lebenden wäre, dieses Geheimnis offenbart worden, sondern deshalb, damit man dem König die Deutung kundtut und du die Gedanken deines Herzens erfährst.“ (Vers 27–30)

Daniel steht jetzt wohl zum dritten Mal vor dem König, als 20-jähriger vor dem mächtigsten Mann der Erde! Was würde er auf die Frage des Königs antworten? Würde er sich oder das Volk Gottes ins beste Licht rücken, Ehre für sich selbst suchen? Wir sehen in seiner Antwort, dass wahre Erkenntnis niemals aufbläht. Wahre Erkenntnis führt zu Demut. Daniel verbirgt sich selbst hinter Gott und gibt Ihm die Ehre. Ein wahrer Diener des Herrn strebt nicht selbst in den Vordergrund. Es ist ja nicht nur eine Gefahr für uns, Ehre in der Welt zu suchen, Ehre unter Brüdern kann auch ein Antrieb für uns sein!

Daniel zeigt dem König dann auch nicht nur den Traum und dessen Deutung an, sondern er spricht auch von dem, was diesem Traum vorausgegangen war, was die persönlichen Befindlichkeiten und inneren Beweggründe bei Nebukadnezar waren, die dazu geführt hatten, dass Gott ihm diesen Traum gezeigt hatte. Der König hatte sich offenbar Gedanken und Sorgen über die zukünftige politische Entwicklung seines eigenen babylonischen Reiches gemacht, was seine Nachfolger wohl einmal machen würden. Gott gibt ihm in seinem Traum aber eine Schau, die weit über das hinausgeht, was er eigentlich hatte wissen wollen.

Die Antwort Daniels erstreckt sich auf drei Teile:

  • Vers 27–30: Daniel zeigt hier, wer die Quelle dieser Offenbarung ist. Er weist weit von sich, dass er das etwa sei. Die Quelle von allem ist der Gott im Himmel. Und die Absicht, die Gott mit dieser Offenbarung verband ist, dass Nebukadnezar wissen sollte, was am Ende der Tage geschehen würde. Und dann zeigt Daniel, dass Gott Interesse hat an diesem heidnischen König. Danach verbirgt sich Daniel; Offenbarung führt sowohl zur Anbetung als auch auf Seiten des Dieners zu einer wirklichen Demut.

  • Vers 31–36: hier wird das Bild in seinen ganzen Einzelheiten gezeigt

  • Vers 37–45: die außerordentlich wichtige Deutung des Bildes

Nebukadnezar sollte wissen, was am Ende der Tage geschehen wird. Mit diesen Worten wird angedeutet, dass dieser Traum eine Offenbarung Gottes war, die nicht nur Nebukadnezar betreffen würde, sondern ihre Auswirkungen bis an das Ende der Tage hat. Damit ist das Ende der Zeiten der Nationen gemeint, was mit dem Ende des wiederhergestellten römischen Reiches erreicht sein wird. Dieser Ausdruck wird mehrfach im Alten Testament gebraucht, zum ersten Mal in 1. Mo 49,1; und auch diese Prophetie von Jakob erstreckt sich bis in die Endzeit (vgl. auch die Weissagung Bileams in 4. Mo 24,14). So gewaltig ist der Umfang dessen, was Gott Nebukadnezar offenbaren wollte. Es ist eine gewaltige Sache, dass Gott Seinen ganzen Ratschluss, der münden wird in die Regierung Christi auf Erden, in diesen kurzen Worten offenbart! Das Ende der Tage darf also nicht verwechselt werden mit den letzten Tagen (z.B. 2. Tim 3,12. Pet 3,3) aus dem Neuen Testament, wo es um die letzten Tage des christlichen Bekenntnisses geht.

Dreimal finden wir in diesen Versen den Ausdruck offenbaren und dreimal auch den Ausdruck kundtun. Es ist etwas bis dahin nie Dagewesenes, dass Gott sich in solch einer gewaltigen weltverändernden Angelegenheit nicht Seinen Propheten offenbart, sondern diesem ungläubigen König, den Er selbst in Seiner Vorsehung dazu erkoren hat, das Haupt von Gold zu sein (vgl. Vers 38). Nebukadnezar ist zwar nicht die einzige ungläubige Person, die jemals eine Offenbarung von Gott bekommen hat (z.B. Bileam, die Frau von Pilatus), aber es ist schon etwas sehr Außergewöhnliches, dass Gott ungläubigen Menschen Dinge offenbart.

Du, o König, sahst: Und siehe, ein großes Bild; dieses Bild war gewaltig und sein Glanz außergewöhnlich; es stand vor dir, und sein Aussehen war schrecklich. Dieses Bild, sein Haupt war aus feinem Gold; seine Brust und seine Arme aus Silber; sein Bauch und seine Lenden aus Kupfer; seine Schenkel aus Eisen; seine Füße teils aus Eisen und teils aus Ton.“ (Vers 31–33)

Es sind nicht vier Bilder von vier Königreichen, sondern ein einheitliches, zusammenhängendes Bild, so dass die vier Königreiche, die aufeinander folgen, ein einheitliches Ganzes bilden und nicht in vier einzelnen Teilen gesehen werden. Es geht um einen einheitlichen Zeitabschnitt, in dem vier Weltreiche aufeinander folgen. Es geht hier um Veränderungen in der Weltgeschichte, die für das Verständnis der ganzen Prophetie des Alten Testamentes und des Neuen Testamentes von fundamentaler Bedeutung sind. Mit der Geschichte Nebukadnezars ist eine völlig neue Zeitperiode angebrochen. Sie beginnt mit der Wegführung Judas in die babylonische Gefangenschaft, und das Ende dieses Bildes ist, dass der Herr hier auf der Erde das letzte Reich, das hier beschrieben wird, selbst beseitigen und an dessen Stelle Sein eigenes 1000-jähriges Reich errichten wird. In diesem Zeitabschnitt der Zeiten der Nationen wechselt übrigens auch ein heilsgeschichtlicher Zeitabschnitt, die Haushaltung des Gesetzes endet, und mit dem ersten Kommen des Herrn auf diese Erde (während des vierten Weltreiches) beginnt die Haushaltung der Gnade.

Dass das Bild groß und gewaltig war, zeigt die ganze Ausdehnung dieser Reiche, es handelt sich um Weltreiche. Und dass das Aussehen schrecklich war, deutet auf die Grausamkeiten hin, die in diesen Weltreichen ausgeübt wurden; das, was Gott gegeben hatte, wurde in den Händen der Menschen wieder verderbt. Die ganze Beschreibung des Bildes weist auf einen Menschen hin, und das zeigt deutlich, dass jetzt die Macht von Gott in die Hand von Menschen gegeben wird.

Das Bild wird von oben nach unten beschrieben und in vier Bereichen von jeweils abnehmendem Wert aber zunehmender Härte des Metalls vorgestellt. Es gibt in diesen Weltreichen einen fortschreitenden Verfall, und der hat seinen Grund darin, dass die Menschen immer weiter abgewichen sind von der Quelle ihrer verliehenen Macht, von Gott selbst. Je weiter man sich von Gott entfernt, umso mehr weicht man auch in der Art und Weise der Ausübung dieser Macht von Gott ab. Daniel sagte dem Nebukadnezar in Dan 4,24, dass er statt Sünden Gerechtigkeit und statt Ungerechtigkeiten Barmherzigkeit gegen Elende üben sollte, wenn sein Friede Dauer haben soll. Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sollten nach dem Willen Gottes die Prinzipien seiner Herrschaft sein. Die Geschichte lehrt leider gerade das Gegenteil!

  • Haupt von feinem Gold: das babylonische Weltreich; ca. 606 – 538 v.Chr. = ca. 68 Jahre

  • Brust und Arme von Silber: das medo-persische Weltreich; ca. 538 – 336 v.Chr. = ca. 202 Jahre

  • Bauch und Lenden aus Kupfer: das griechische Weltreich; ca. 336 – 30 v.Chr. = ca. 306 Jahre

  • Schenkel aus Eisen und Füße teils aus Eisen, teils aus Ton: das römische Weltreich; ca. ab 30 v.Chr.

In Lk 21,24 spricht der Herr Jesus prophetisch von der Dauer der Zeiten der Nationen. Diese Zeiten haben ihren Anfang genommen mit Nebukadnezar, und das Reich Christi wird diese Zeiten und die Macht der Nationen beenden. Zwischen Lk 21,24 und Lk 21,25 liegt die Zeit der Gnade, eine Zeit von unbestimmter Länge, die nicht im Alten Testament gezeigt wird, höchsten in schwachen Andeutungen. Das große Standbild ist also ein Bild, das verschiedene Stadien der Zeiten der Nationen zeigt, die mit dem babylonischen Reich begannen und mit der Erscheinung Christi in Herrlichkeit enden werden. Dieser Stein, der das alles zerschmettern wird, ist also ein Hinweis auf das Kommen des Herrn in Macht und Herrlichkeit (vgl. Mt 24,30Heb 1,6Off 19,11 ff.), um in der äußersten Endzeit des wiedererstandenen römischen Reiches die Rechte Gottes hier auf der Erde zu verwirklichen.

Du schautest, bis ein Stein sich losriss ohne Hände und das Bild an seinen Füßen aus Eisen und Ton traf und sie zermalmte. Da wurden zugleich das Eisen, der Ton, das Kupfer, das Silber und das Gold zermalmt, und sie wurden wie Spreu der Sommertennen; und der Wind führte sie weg, und es wurde keine Stätte für sie gefunden. Und der Stein, der das Bild geschlagen hatte, wurde zu einem großen Berg und füllte die ganze Erde. Das ist der Traum; und seine Deutung wollen wir dem König ansagen:“ (Vers 34–36)

Es ist auffallend, dass die Beschreibungen der vier aufeinander folgenden Weltreiche hier relativ knapp gehalten wird, während das Erscheinen des Steines und die damit verbundenen Auswirkungen sehr ausführlich beschrieben werden. Ausführlicher wird das in der Deutung in den Versen 44+45 auch nicht mehr dargestellt. Dieser Stein wird das monumentale Bild vollständig und plötzlich zerstören. Ohne Zweifel ist das ein Bild von dem Herrn Jesus (vgl. 1. Mo 49,24). Wenn dann gesagt wird, dass dieser Stein das Bild an seinen Füßen trifft, dann weist das darauf hin, dass das zur Zeit des wiederhergestellten römischen Reiches geschehen wird. Und die Zerstörung dieser Weltreiche wird dann nicht von oben nach unten sondern von unten nach oben geschildert – das ganze Bild wird zerstört werden, das Ende des römischen Reiches wird auch das Ende aller anderen ehemaligen Weltreiche sein. Dass der Stein zu einem Berg wird und die ganze Erde erfüllt, ist ein Hinweis auf das 1000-jährige Reich (Ps 72,8). Der Stein riss sich los ohne Hände, ohne menschliche Vermittlung und nicht von dieser Schöpfung (vgl. Heb 9,11). Dieses Eingreifen Gottes liegt völlig außerhalb alles dessen, was der Mensch sehen oder gar beeinflussen könnte. Es bleibt bei dieser Zerstörung der Weltreiche kein riesiger Trümmerhaufen übrig, es wird alles verweht werden; und was übrigbleibt, ist die Herrlichkeit des Herrn!

Frage: Warum wird es hier so geschildert, als würden erst durch den Stein alle vier Weltreiche zusammenbrechen? Sind sie denn nicht vorher schon zusammengebrochen? In der zurückliegenden Geschichte sind sie natürlich als Weltmacht schon einmal zerstört worden, zunächst das babylonische, dann das medo-persische und dann das griechische Weltreich. Aber als Restbestände werden sie unter anderem Namen eine Existenz bewahren in allen Ländern – bis heute. Alle vier Länder, die in diesem Bild gezeigt werden, bestehen heute und bis ganz zum Schluss als Restbestände. Es besteht z.B. Persien, es besteht der Irak, und wir sehen heute, dass all diese Länder wieder aktiv werden. Zeigt uns das nicht, wie nahe das Ende sein mag? Ein atemberaubender Gedanke! Ein zweiter Gedanke zu dieser Frage ist, dass es hier um das moralische Verderben geht, das diese vier Weltreiche kennzeichnete. Und das wiedererstehende römische Weltreich wird eine moralische Zusammenfassung dessen sein, was Satan in den vorhergehenden Weltreichen schon bewirkt hat. Das wird alles ein Ende finden, wenn dieser Stein die Füße trifft.

Durch das bis in Vers 34 wird wohl angedeutet, dass Nebukadnezar sich das Standbild eine Zeit lang in seinem Traum anschauen konnte. Aber dieses bis ist sicher auch ein Hinweis auf den gleichen Zeitpunkt, der in Ps 110,1 beschrieben wird, wo der Herr Jesus dann aufstehen wird und Sein Reich antreten wird.

Das ist der Traum. Wir können uns vorstellen, dass Nebukadnezar atemlos zugehört haben muss; und auch uns geht es heute nicht viel anders. Empfinden wir nicht eine gewisse Ehrfurcht angesichts dieser Mitteilungen des Geistes Gottes durch Daniel? Es handelt sich um ganz gewaltige Ereignisse! Sie betreffen zwar diese Welt und haben letzten Endes mit der Hoffnung des Christen nichts zu tun. Aber die Dinge sind trotzdem für uns wichtig. Sind wir nicht manchmal etwas leichtfertig, wenn es um Dinge geht, die nicht direkt uns angehen? Aber sie gehen unseren Herrn Jesus an und Seine endgültige Herrschaft. Seinetwegen ist uns das alles doch wichtig. Gott erwartet von uns, dass uns das interessiert, was Seinen geliebten Sohn angeht.

Achim Zöfelt

Der Prophet Daniel (05) - Daniel 2,37-45

Online seit dem 06.02.2014, Bibelstellen: Daniel 2,37-45

„Du, o König, du König der Könige, dem der Gott des Himmels das Königtum, die Macht und die Gewalt und die Ehre gegeben hat; und überall, wo Menschenkinder, Tiere des Feldes und Vögel des Himmels wohnen, hat er sie in deine Hand gegeben und dich zum Herrscher über sie alle gesetzt – du bist das Haupt von Gold.“ (Vers 37–38)

Jeremia, Hesekiel und Daniel haben ungefähr in der gleichen Zeit geweissagt; Jeremia und Hesekiel kurz vor dem Fall und während der Wegführung Judas, und Daniel ab der babylonischen Gefangenschaft bis zur Wiederherstellung am Ende der 70-jährigen Gefangenschaft. Es gibt ganz erhebliche Überschneidungen der Dienstzeiten dieser drei Prophe-ten, nicht aber ihrer Weissagungen. Denn Jeremia und Hesekiel beschäftigen sich in erster Linie mit dem Volk Gottes während dieser Zeit, während Daniel mehr den Schwerpunkt darauf legt, dass Israel beiseite gesetzt ist und die Zeiten der Nationen begonnen haben.

Wir fragen uns vielleicht, warum die Beschreibung dieser vier Weltreiche in diesem Traum mit dem babylonischen Reich beginnt, denn davor bestand doch schon das assyrische Weltreich. Nach menschlicher Geschichtsschreibung ist das sicherlich so, aber wenn Gott Seine Weltgeschichte beschreibt, dann immer so, wie Sein irdisches Volk davon be-troffen ist. Sicher war der König von Assyrien ein gewaltiger Herrscher seiner Zeit, und er zog zur Zeit Hiskias gegen Juda herauf (Jes 36 + 37), aber er hat Jerusalem nie besiegt, die Zeiten der Nationen hatten noch nicht begonnen. Erst später Nebukadnezar hat die Stadt Jerusalem und den Tempel zerstört, und Hesekiel beschreibt in diesem Zusammen-hang sehr eindringlich, wie Gott die Herrlichkeit Seiner Gegenwart aus Jerusalem entfernt (Hes 8,4; 9,3; 10,4.18+19; 11,23) und sich außerhalb Jerusalems hingestellt hat.

Damit hat Gott selbst gewissermaßen den Weg frei gemacht, dass Nebukadnezar diesen nun von Gott nicht mehr be-wohnten Tempel zerstören konnte. Die Gegenwart Gottes konnte an dem Ort, den Er sich selbst als Wohnort erwählt hatte, nicht mehr bestehen. Nachdem Gott nun nicht mehr von Jerusalem aus regierte, hat Er selbst diesen Mann, Ne-bukadnezar, als das Haupt von Gold eingesetzt. Von den dann folgenden drei Weltreichen lesen wir das nicht mehr, die-se Königreiche sind nicht mehr direkt von Gott selbst eingesetzt worden.

Gott setzt jetzt auf der Erde einen Menschen zum Regenten ein. Dass Nebukadnezar das Haupt von Gold war, weist da-rauf hin, dass er seine Macht und Größe von Gott selbst erhalten hatte. Aber es erstreckt sich nicht nur auf die Person Nebukadnezars, sondern auch auf seine Söhne; in Jer 27,7 werden praktisch die drei Generationen des babylonischen Weltreiches zusammengefasst, die alle unter dem Begriff Haupt von Gold fungieren. Der erste Sohn als Nachfolger Ne-bukadnezars war Ewil-Merodak (2. Kön 25,27), und dessen Sohn ist dann Belsazar als der letzte König des babyloni-schen Reiches. Gold ist in der Bibel ein Bild der göttlichen Herrlichkeit. Bei der Schilderung des Traumes in Vers 32 war noch von feinem Gold die Rede; feines Gold, oder wie bei den Geräten des Heiligtums in der Stiftshütte reines Gold spricht eigentlich immer von dem Herrn Jesus. Gott hat einen gewissen Abglanz von dem, was Er selbst ist, auf Nebukadnezar gelegt (vgl. Jer 51,7); auch hatte Er vollkommene Absichten, die aber von Nebukadnezar überhaupt nicht verwirklicht wurden. Dieser hat sich als völlig unwürdig erwiesen. Und es ist dabei von Bedeutung, dass Gott in diesem gleichen Augenblick auch schon deutlich gemacht hat, dass sein Reich begrenzt sein würde, dass es nur für eine Zeit bestehen würde, denn Er hat in diesem Traum schon das nachfolgende Reich bestimmt, wovon Daniel später dem König Belsazar sogar wörtlich voraussagte, dass es Persien sein würde (Dan 5,26–28).

Daniel nennt Nebukadnezar hier König der Könige, ein Titel, den Gott in Hes 26,7 selbst auch für diesen König ver-wendet. Er ist der einzige Mensch, der diesen Titel von Gott bekommt. König der Könige bedeutet, dass Nebukadnezar nicht nur Regent über sein eigenes Land sein, sondern auch über Könige anderer Länder regieren würde. Er hatte die Oberherrschaft über verschiedene andere Nationen und auch Gewalt, unantastbare Autorität. Aber Nebukadnezar war nur ein König der Könige, der König der Könige ist der Herr Jesus (1. Tim 6,15Off 19,16).

Worüber wurde Nebukadnezar von Gott gesetzt? Es gibt dabei eine gewisse Parallelität zu der Herrschaft, die Gott dem ersten Menschen übertragen hat (1. Mo 1,26), ausgenommen die Fische des Meeres. In diesem Sinn war seine Herr-schaft begrenzter als die Adams, aber Nebukadnezar hatte auch Macht über Menschen (Dan 5,18+19), in diesem Sinn war seine Herrschaft weiter als die Adams. Einen solchen Herrscher hat es wohl nie wieder auf der Erde gegeben! Wenn wir das aber einmal mit der Herrschaft des Sohnes des Menschen vergleichen, sehen wir aber einen ganz deutli-chen Unterschied (Ps 8,7–9). Seine Machtfülle geht weit über das hinaus, was Menschen je an Macht besessen haben, und Sein Reich wird ewigen Bestand haben.

„Und nach dir wird ein anderes Königreich aufstehen, geringer als du; und ein anderes, drittes Königreich, aus Kupfer, das über die ganze Erde herrschen wird.“ (Vers 39)

Furchtlos tritt dieser junge Daniel vor den mächtigsten Herrscher hin und kündigt ihm mit den Worten „nach dir wird ein anderes Königreich aufstehen“ unumwunden die Tatsache an, dass sein Reich nur für eine Zeit bestehen würde. In Jer 25,11+12 hatte Gott schon deutlich gemacht, dass das Reich Nebukadnezars nur 70 Jahre dauern würde. Diese Zeit ist die Dauer der Gefangenschaft der Juden, aber es ist zugleich auch das Ende des Reiches der Babylonier. Und auch Jesaja hatte schon über 100 Jahre früher das Ende dieses babylonischen Reiches durch die Meder vorhergesagt (Jes 13,1+17; auch Jer 51,1+11). Gott hat alles in Seiner Hand, Er verkündigt das Ende von Anfang an (Jes 46,10).

Dieses Haupt von Gold wird also durch ein nächstes Weltreich abgelöst. Es ist das medo-persische Reich (Dan 8,20); die beiden Arme stehen dabei für Medien und Persien, die zusammen dieses Weltreich bildeten und ungefähr 538 v.Chr. das babylonische Weltreich ablöste. Es waren also nicht zwei verschiedene Reiche, sondern die Perser hatten die Meder erobert und waren mit ihnen eine Art Allianz eingegangen, so dass im Buch Daniel auch von zwei Fürsten dieses Reiches die Rede ist: Kores, der Perser, und Darius, der Meder. Die Gesetze in diesem medo-persischen Reich werden ja auch die Gesetze der Meder und Perser genannt (Dan 6,13+16). Dieses zweite Reich würde geringer sein als das ba-bylonische Weltreich. Das Silber ist in seinem Wert geringer als das Gold. Aber das bezieht sich weder auf die Größe noch auf die Zeitdauer des medo-persischen Reiches, denn unter diesen Aspekten war es ausgedehnter als das babyloni-sche Reich. Geringer ist das medo-persische Reich im Blick auf die Regierungsform, auf die Machtausübung und Machtposition seines Herrschers. Kores hatte schon nicht mehr diese absolutistische Macht wie Nebukadnezar sie be-saß; er konnte z.B. seine eigenen Befehle nicht mehr aufheben und war den Gesetzen selbst unterworfen.

Gott hatte den Nebukadnezar benutzt, um Sein irdisches Volk zu richten und Jerusalem und den Tempel zu zerstören; und Er benutzt jetzt Kores, der einerseits das babylonische Weltreich vernichtete, aber andererseits auch den Befehl zu gab, dass der Tempel in Jerusalem wieder aufgebaut werden sollte. Gott hält zu allen Zeiten alle Dinge in Seiner Hand!

Das dritte Königreich ist dann das griechische Weltreich (Dan 8,21), das etwa 336 v.Chr. das medo-persische Reich ab-löste. Gottes Wort sagt das wieder ganz genau voraus, und es bleibt absolut nicht unseren menschlichen Vermutungen überlassen, wer damit gemeint sein könnte. Auch Dan 11,2–4 zeigt diese Abfolge deutlich auf; der vierte König aus Vers 2 ist der Ahasveros des medo-persischen Reiches aus dem Buch Esther, der tapfere König aus Vers 3 ist Alexand-er der Große von Griechenland. Mit diesem griechischen Weltreich setzt sich die Degeneration der Machtausübung üb-rigens fort. Alexander der Große konnte nur mit Unterstützung und Zustimmung seiner Generäle regieren. Im römi-schen Weltreich wurde dann schon immer mehr die Stimme des Volkes befragt. Und jetzt, am Ende dieser Zeiten der Nationen, leben wir hier in unserem Land in einer Demokratie, in der laut Grundgesetz alle Macht vom Volk ausgeht. Man sieht also, dass die Regierungsformen sich immer weiter von dem entfernen, was Gott als Regierung haben wollte, dass sie immer geringer werden. Die Demokratie ist von dem, was Gott eigentlich will, am weitesten entfernt.

Auffallend ist, dass Daniel recht ausführlich über das erste Weltreich spricht, dass er ganz knapp nur das zweite und dritte Weltreich in einem Vers zusammenfasst, und dass er dann wieder in mehreren Versen ausführlicher über das rö-mische Weltreich spricht.

„Und ein viertes Königreich wird stark sein wie Eisen; ebenso wie das Eisen alles zer-malmt und zerschlägt, so wird es, wie das Eisen, das zertrümmert, alle diese zermalmen und zertrümmern“ (Vers 40)

Als der Kanon der Schriften des Alten Testamentes vollendet war, gab es noch keinen geschichtlichen Hinweis auf das dritte und das vierte Weltreich. Bis zum Abschluss des Alten Testamentes existierte Rom als wahrnehmbare Macht noch gar nicht. Der direkte Übergang des griechischen Reiches zum römischen Reich vollzog sich während der 400-jährigen Zeit des Schweigens zwischen Altem Testament und Neuem Testament. Die Geschichtsschreibung des Alten Testamentes schließt mit der Zeit des zweiten Weltreiches. Das römische Weltreich als das vierte hier in diesem Bild hat ungefähr 30 v.Chr. seinen Anfang genommen. In der Deutung des Traumes wird hier nicht mehr von den Schenkeln aus Eisen gesprochen (Vers 33). Es sind zwei Schenkel, was eine Anspielung auf das west-römische und das ost-römische Reich ist. Der riesige Komplex des römischen Reiches wurde 396 n.Chr. geteilt in einen West-Teil und einen Ost-Teil. Das ost-römische Reich hatte als Hauptstadt Konstantinopel, es ist 1453 erst zerstört worden und spielt keine Rolle mehr in der biblischen Prophetie. Wenn später von dem wiedererstandenen römischen Reich die Rede sein wird, ist damit immer das west-römische Reich gemeint. Das ost-römische Reich als solches ist nicht mehr existent.

Vers 40 bezieht sich zurück auf Vers 33 a, die erste große Phase dieses römischen Reiches. Das charakteristische We-sen dieses Reiches ist Grausamkeit, es zermalmt und zertrümmert alles; zwei Beispiele aus dem Neuen Testament ma-chen das deutlich: Pilatus hatte das Blut der Galiläer mit ihren Schlachtopfern vermischt (Lk 13,1), und es gibt keine grausamere Tötungsmethode als die Kreuzigung – und genau in diese Zeit mit seinem grausamsten Herrscher hinein ist der Herr Jesus Mensch geworden und hat diesen Kreuzestod erlitten! Schon zu der Zeit, als der Er geboren wurde, be-saß dieses römische Reich sehr ausgedehnte Macht und Umfang (vgl. Lk 2,1). An vielen weiteren Stellen des Neuen Testaments finden wir noch Hinweise darauf (z.B. Lk 3,1; 20,25Joh 19,12+15). Aber wo ist nun dieses Reich heute? Es existiert tatsächlich nicht.

„Und dass du die Füße und die Zehen teils aus Töpferton und teils aus Eisen gesehen hast – es wird ein geteiltes Königreich sein; aber von der Festigkeit des Eisens wird in ihm sein, weil du das Eisen mit lehmigem Ton vermischt gesehen hast. Und die Zehen der Füße, teils aus Eisen und teils aus Ton: Zum Teil wird das Königreich stark sein, und ein Teil wird zerbrechlich sein. Dass du das Eisen mit lehmigem Ton vermischt gesehen hast – sie werden sich mit den Nachkommen der Menschen vermischen, aber sie werden nicht anei-nander haften: so wie sich Eisen nicht mit Ton vermischt“ (Vers 41–43)

Die Verse 41–43 beziehen sich dann zurück auf Vers 33b, wo es nicht mehr um das mittlerweile vergangene römische Reich geht, sondern um das wiedererstehende römische Reich, das auch heute noch zukünftig ist. Es wird zwar nicht ausdrücklich von zehn Zehen gesprochen, aber in diesem Bild von einer menschlichen Gestalt sind sie in den Füßen mit Zehen zumindest angedeutet. Off 13,1+2 zeigt uns den kommenden König des wiedererstehenden römischen Reiches. Dieser römische Fürst wird Gewalt vom Teufel (dem Drachen) bekommen. Diese Regierung ist die erste, die nicht von Gott ist, sie ist direkt vom Teufel; er hat zehn Hörner, was für zehn Königreiche steht, die dieses Tier aus dem Völker-meer beherrschen wird. Es wird also eine Konföderation aus zehn Staaten sein. Der römische Fürst wird mit großer Schnelligkeit diese zehn Staaten zusammenbringen. Wenn wir übrigens jetzt an die EWG denken, die einmal zu einem bestimmten Zeitpunkt aus zehn Ländern bestand, dann würden wir die Prophetie erklären mit der Geschichte. Die Ver-träge, auf denen das vereinte Europa gegründet ist, heißen bis heute die römischen Verträge. Aber man muss sich doch die Frage stellen, was Europa eigentlich treibt, dass sie mit Gewalt eine einheitliche Währung haben müssen? Es gibt keine vernünftige ökonomische Notwendigkeit, eine einheitliche Währung für ganz Europa einzuführen. Es sind die Vorbereitungen unter der Wirksamkeit des Teufels für das bald wieder erstehende römische Reich. Der EU-Ratsvorsitzende Gaston Thorn aus Luxemburg hat schon vor ca. 30 Jahren in seiner Antrittsrede gesagt, dass seit dem Untergang des römischen Reiches Europa noch nie so nahe an einer Wiedererstehung dieses Reiches war, wie heute.

Das Haupt des wiedererstehenden römischen Reiches wird verglichen mit einem Leoparden, mit einem Bären und mit einem Löwen. Aus einem Vergleich mit der Beschreibung der Charaktere der ersten drei Reiche in Dan 7,3–6 sehen wir, dass dieser kommende Fürst alle Charakterzüge der vorhergehenden Reiche in sich vereinigen wird. Off 17,3 zeigt eine weitere nähere Beschreibung dieses Reiches, wobei die sieben Köpfe für sieben verschiedene Regierungs-formen stehen könnten, unter denen das römische Reich im Laufe der Zeit regiert wurde (Republik, Diktatur, Konsule, Kaiser usw.). Andererseits können sie auch als ein Hinweis auf die sieben Hügel Roms gedeutet werden.

Die zehn Hörner stehen auch hier wieder für die zehn Staaten dieses Reiches (Off 17,12). Und dann finden wir in Off 17,7+8 die Bestätigung dafür, dass das römische Reich erst noch wiedererstehen wird: Es „war“ (das beschreibt die Zeit des Reiches in der Vergangenheit zur Zeit des Herrn Jesus), „und ist nicht“ (in unserer gegenwärtigen Zeit be-steht es nicht), „und wird aus dem Abgrund heraufsteigen“ (aus heutiger Sicht in noch zukünftigen Tagen). Die zehn Könige dieses Reiches sind die Zehen der Füße aus Dan 2,41+42. Es zeigt den letzten Zustand des römischen Reiches. Und das Gericht Gottes wird an den Füßen dieses Reiches, also an seinem letzten Zustand auf der Erde beginnen. Off 19,19+20 zeigt uns dann dieses Gericht durch den aus dem Himmel kommenden Herrn Jesus. Es ist ein erschütternder Akt der Gerechtigkeit Gottes, wenn das Tier (der Fürst dieses römischen Reiches) und der falsche Prophet (der Anti-christ) persönlich in ihrem Körper in den Feuersee geworfen. Es sind die ersten Wesen, die in der Hölle sein werden – nicht der Teufel, sondern der falsche König und der falsche Prophet!

Diese letzte Phase des wiedererstandenen römischen Reiches wird die kürzeste Epoche dieser Zeiten der Nationen sein und seine Regierungsform wird durch Vermischung gekennzeichnet sein. Dreimal in diesen Versen ist von dieser Ver-mischung die Rede: 
• zunächst nur die Füße und die Zehen (Vers 41); dabei geht es nicht um eine äußere Teilung, sondern um innere Vermischung. Eisen ist ein Element, und Ton (Lehm) ist an sich schon ein Gemisch aus Gesteinsmehl, das überhaupt keine Stabilität besitzt. Lehm ist ein absolut formbares Material ohne jede Festigkeit. Es sind Ele-mente der Machtzerstörung Roms.
• dann die Zehen der Füße (Vers 42); hier wird nicht die Teilung oder Vermischung an sich beschrieben, sondern die Festigkeit bzw. Instabilität dieser Materialien; es wird eine Vermischung von stark und zerbrechlich sein. Das Eisen als das starke Element ist die Monarchie in der Form einer absoluten Monarchie. Ein Monarch be-herrscht alle zehn Reiche. Die zehn Könige des Endes in diesem zukünftigen römischen Reich ist das Element, was dieses Reich schwächt, in diesem Bild der Ton. Diese Könige sind schwach, weil sie ihre Macht dem Tier geben werden. Sie werden nur durch die Macht Satans gebildet und zusammengehalten.
• die Vermischung mit den Nachkommen der Menschen (Vers 43); hier kommt die menschliche Schwäche zum Ausdruck. Lehm und Ton ist in der Bibel immer der Ausdruck der Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit des menschlichen Elementes (2. Kor 4,7). Das menschliche Element ist so einflussreich, dass es die Regierungs-form als solche, die an sich von äußerer Gewalt gekennzeichnet ist, insgesamt schwächt. Das ist ein deutlicher Hinweis auf die negativen Auswüchse einer Demokratie. Gottes Regierungs-Ideal ist nicht Demokratie, son-dern Autokratie, und das wird im 1000-jährigen Reich vollkommen durch den Herrn Jesus ausgeübt werden. In einer Demokratie kommt es vor, dass ein Regierungsbeschluss (Eisen) durch menschliche Argumente und Ein-flüsse (Ton) zu Fall gebracht wird, siehe z.B. ganz aktuell das Geschehen um Stuttgart 21. Die Demokratie geht an sich selbst zugrunde, nichts ist zerbrechlicher als der Wille des Volkes. Allerdings wollen wir betonen, dass wir heute nicht in dieser Zeit des römischen Reiches leben.

„Und in den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das in Ewigkeit nicht zerstört und dessen Herrschaft keinem anderen Volk überlassen werden wird; es wird alle jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber in Ewigkeit bestehen: Weil du gesehen hast, dass sich von dem Berg ein Stein losriss ohne Hände und das Eisen, das Kupfer, den Ton, das Silber und das Gold zermalmte. Der große Gott hat dem König kundgetan, was nach diesem geschehen wird; und der Traum ist gewiss und seine Deutung zuverlässig“ (Vers 44–45)

Das zweite sichtbare Kommen des Herrn Jesus wird in den Tagen dieser zehn Könige des wiedererstandenen römischen Reiches stattfinden, und Er wird diesem Reich ein Ende setzen. Von dem, der einst auf dieser Erde der Verworfene war, wird dann die vollkommene Regierungsgewalt ausgeübt. Wirklich herrschen wird nur der, der gehorchen konnte – Christus!

Frage: Gibt es denn dieses Reich Gottes nicht heute schon? Natürlich! In Lk 17,21 sagt der Herr Jesus selbst, dass das Reich Gottes – in Seiner Person – mitten unter ihnen ist. Aber das ist nicht das, was hier vorgestellt wird. Das Reich Gottes so wie wir es heute haben, ist ein Reich in einer verborgenen Form, wo der Herr dieses Reiches nicht öffentlich sichtbar in Macht und Herrlichkeit regiert. Daniel beschreibt also nicht das Reich Gottes in der verborgenen Form, wie wir es heute erleben, sondern hier geht es um das Reich Gottes in seiner öffentlichen Form, wie es der Herr Jesus nach Seinem zweiten Kommen auf dieser Erde gründen wird. Es wird Reich Gottes genannt, weil Gott der Ursprung dieser Herrschaft ist. Wenn es das Reich des Sohnes des Menschen genannt wird (Mt 13,41; 16,28), beschreibt es den, dem die Regierung in diesem Reich übergeben worden ist.

Von diesem 1000-jährigen Reich des Herrn Jesus werden hier verschiedene wertvolle Dinge gesagt: 
• es wird in Ewigkeit nicht zerstört werden (vgl. Dan 7,14). Alle menschlichen Reiche haben dadurch ein Ende gefunden, dass sie zerstört worden sind. Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft (Lk 1,33Heb 1,6–8). Das Reich wird zwar nicht ewig währen, sondern nach 1000 Jahren ein Ende haben, aber es trägt auch gewisse Ewigkeits-Züge in sich, die weit über das 1000-jährige Reich hinausgehen und in anderer Form weiter beste-hen (2. Pet 1,11Off 11,15; 21,5). Die Herrschaft Gottes durch das Lamm wird nicht mit dem Ende des 1000-jährigen Reiches aufhören. Es wird nicht zerstört werden, denn Er wird es Seinem Gott und Vater unbe-fleckt und unbeschädigt übergeben, nachdem Er alle Gott entgegenstehenden Elemente durch Seine Gerechtig-keit und Herrschaft unterdrückt und vernichtet und aus der Welt geschafft hat (1. Kor 15,24–28). Dieses Ende und dieses Übergeben an Seinen Gott und Vater, ist eine gewisse Bestätigung oder Qualitätssiegel Seiner voll-kommenen Regierung.


Frage: Können wir sagen, dass nach dem Ende des 1000-jährigen Reiches, wenn die neue Schöpfung, der ewige Zustand beginnt, nur noch Menschen auf der Erde sein werden, die sich in nichts mehr voneinander un-terscheiden (Gal 3,28)? In Off 21,2+3müssen wir gut zwischen diesen beiden Versen unterscheiden. Im ewi-gen Zustand wird es nur noch zwei Gruppen von Menschen geben: die Versammlung (die heilige Stadt, das neue Jerusalem, die Braut); und mittels der Versammlung wohnt Gott dann bei den erlösten Menschen (sowohl die Gläubigen des AT als auch die Gläubigen nach der Entrückung; alle Erlösten, die nicht zur Versammlung gehören) auf der neuen Erde. Diese Menschen auf der neuen Erde sind geschlechtslos (Lk 20,35+36), und sie werden in einem Herrlichkeitsleib dort sein, nicht in einem normalen Körper. Der höchste Gedanke Gottes ist mit Seiner Versammlung verbunden, und Er wird sich ewig verherrlichen in dieser Versammlung (Eph 3,21). 
• nach Vers 35 wird dieses Reich die ganze Erde erfüllen; es wird auch ein größeres Reich sein als alle Weltrei-che, die es je auf dieser Erde gegeben hat. 
• seine Herrschaft wird keinem anderen Volk überlassen werden; wir Menschen haben nachhaltig bewiesen, dass wir nicht herrschen können; wenn wir Menschen Herrschaft bekommen, besteht immer die Gefahr, dass wir sie missbrauchen; deshalb wird Er die Herrschaft niemand anderem mehr überlassen.
• es wird in Ewigkeit bestehen; auf alttestamentlichem Boden meint der Ausdruck ewig nicht wirklich ewig, sondern eine sehr sehr lange Zeit, nach unserem heutigen Verständnis bis zum Ende des 1000-jährigen Rei-ches (z.B. Jes 60,21Dan 7,11). Auch Lk 1,32 bezieht sich auf alttestamentliche Aussagen. Wusste man im Alten Testament überhaupt, dass das Reich des Herrn Jesus eine zeitliche Begrenzung hatte? Wir wissen heute erst aus Off 20, dass dieses Reich 1000 Jahre währen wird, aber die Gläubigen des Alten Testamentes wohl nicht. Ewig im Sinne des Alten Testamentes bedeutete eigentlich, dass die betreffende Sache durch nichts an-deres ersetzt werden wird. Aber wir kommen hier an einen Punkt, wo wir nicht wirklich verstehen können, was Gott gemeint hat, wenn Er im Alten Testament ewig gesagt hat. Wir sollten wie Josua unsere Schuhe auszie-hen und vorsichtig sein. Wie könnten wir beurteilen wollen, was Gott in Seiner Weisheit im Alten Testament gedacht hat?
Welch ein wunderbares Reich wird dieses Reich des Herrn Jesus sein! Das Alte Testament hat wunderbare Beschrei-bungen dieses vollkommenen Segenszustandes in Seinem Reich. Beschäftigen wir uns damit nicht viel zu wenig? Es betrifft uns zwar nicht direkt, aber es betrifft unseren Herrn ganz direkt, und deshalb muss es uns einfach interessieren!

Dass die Vernichtung der vier Weltreiche nicht mit dem ersten Kommen des Herrn auf diese Erde geschieht (scheinbar war es sogar genau umgekehrt), macht Dan 11,13+14deutlich, denn dort wird das Kommen des Herrn Jesus so be-schrieben, dass Er mit den Wolken des Himmels kommen wird, und das ist ein klarer Hinweis auf Sein zweites sichtba-res Erscheinen auf dieser Erde. Und als erstes wird Er in einem Kriegsgericht diese Reiche alle vernichten (Off 19,19+20). Das gehört auch zu dem Gericht der Lebenden (2. Tim 4,1Mt 25,31 ff.). Wenn dieser Stein an die Füße des Standbildes stößt, wird Er dieses ganze Gebilde zerstören; nicht nur das römische Weltreich kommender Tage, sondern auch alle Restbestände der vorhergehenden Reiche werden zu Pulver zermalmt werden. Es wird wie eine Endabrech-nung mit allen entgegenstehenden Gewalten sein (Jer 25,31Zeph 3,8). Alle diese Mächte werden durch diesen Stein zerschmettert werden (Ps 2,8+9). In Mt 21,44 wird uns eine zweifache Gerichtsausübung dieses Steines vorgestellt: „wer auf diesen Stein fällt (Israel), wird zerschmettert werden; auf wen irgend er aber fällt (die Nationen), den wird er zermalmen“.

Daniel hatte seine Deutung mit dem Gott des Himmels begonnen, und er endet hier mit dem großen Gott; alles geht von Gott aus und alles führt zu Gott hin. Das ist das Wesen der göttlichen Wahrheit.

Daniel hatte beide Aufträge erfüllt und ist sich seiner Sache auf ganz sicher. Er sollte zunächst den Traum anzeigen, und dann diesen Traum deuten. Und jetzt hat er zu beiden Dingen eine klare Aussage: der Traum ist gewiss und seine Deu-tung ist zuverlässig. Er fragt den König gar nicht erst, ob er denn den Traum richtig wiedergegeben hatte, ob das auch wirklich sein Traum gewesen sei. Was Gott sagt und was von Gott kommt, ist gewiss und zuverlässig, wir können uns darauf verlassen. Aber es ist auch auffällig, dass solche Formulierungen gerade in Verbindung mit Prophetie gebraucht werden (Off 21,5). Wenn es um Prophetie geht, um die Zukunft, dann gibt es nur eine zuverlässige Quelle für uns, und das ist Gottes Wort. Es gibt auch auf christlichem Gebiet viele Bücher, die sich mit Zukunftsvisionen beschäftigen, es gibt viele Gedanken und Theorien darüber; aber wenn wir wissen wollen, was wirklich und ganz sicher geschehen wird, müssen wir die Bibel lesen (2. Pet 1,19). Da bekommen wir Licht darüber, was mit dieser Erde passieren wird, was nach diesem geschehen wird (Dan 2,29Off 1,19+4,1) – und das soll einen Einfluss auf unser tägliches Leben haben!

Achim Zöfelt



Der Prophet Daniel (06) - Daniel 2,46-49

Online seit dem 08.02.2014, Bibelstellen: Daniel 2,46-49

Da fiel der König Nebukadnezar nieder auf sein Angesicht und betete Daniel an; und er befahl, ihm Speisopfer und Räucherwerk darzubringen. Der König antwortete Daniel und sprach: In Wahrheit, euer Gott ist der Gott der Götter und der Herr der Könige und ein Offenbarer der Geheimnisse, da du vermocht hast, dieses Geheimnis zu offenbaren.“ (Vers 46–47)

Daniel und seine drei Freunde sind ja ein Bild des zukünftigen gläubigen jüdischen Überrestes. Gott sorgt dafür, dass die Feinde dieses Überrestes anerkennen müssen, dass doch Gott diesen Überrest bestätigt (5. Mo 28,9+10). Das ist übrigens wahr im Blick auf Israel und auch im Blick auf uns (Off 3,9). Gott bekennt sich zu der Treue eines Überrestes – sei es damals oder sei es heute.

Die Reaktion Daniels auf die Offenbarung des Traumes war Lobpreis gewesen (Vers 20–23), in diesen Versen finden wir jetzt die Reaktion Nebukadnezars auf die Deutung des Traumes. Als erstes finden wir eine typisch heidnische Reaktion (Apg 14,11–13), er fällt vor Daniel nieder um ihn anzubeten. Auch bei Kornelius finden wir eine ähnliches Verhalten (Apg 10,25), wie auch bei Johannes (Off 19,10; 22,8). Wenn es um die Verehrung von Menschen oder Geschöpfen geht, ist es auffallend, dass Petrus und Paulus das von sich gewiesen haben, während Herodes diese Anbetung annimmt und sich selbst dadurch das Gericht Gottes zuzieht (Apg 12,21–23). Warum hat Daniel diese Huldigung nicht zurückgewiesen? Gott teilt es uns einfach nicht mit, aber seine Haltung in dieser Situation finden wir in Vers 49, wo er sich für seine Freunde verwendet. Es war ihm nicht zum Verhängnis geworden.

Nebukadnezar sah auf den Menschen und hatte nicht verstanden, dass Gott die Quelle dieser Offenbarung war, wie auch bei Paulus in Apg 14. Wenn ein Mensch keine Beziehung zu Gott hat, dann muss sein Gewissen getroffen werden, und das war bei Nebukadnezar noch nicht der Fall. Es ist praktisch eine Illustration von Rö 1,25, und muss für Daniel eine schrecklich beklemmende Situation gewesen sein. Satan versuchte durch diese Huldigung des Königs, ihn innerlich zu Fall zu bringen. Die größte Gefahr für uns ist nicht die Löwengrube oder der Feuerofen, sondern wenn uns durch Menschen Verehrung entgegengebracht wird! Wir müssen uns auch davor hüten, Brüdern, deren Dienst wir schätzen, eine gewisse Verehrung zu erweisen.

Auch was Nebukadnezar dann über Gott zum Ausdruck bringt, zeigt, dass er ist immer noch in seiner heidnischen Götter-Vorstellung gefangen ist. Er spricht ihm zwar allerhöchste Autorität zu und auch Macht über jeden Regenten dieser Erde, aber er spricht zu Daniel von eurem Gott, er selbst hatte immer noch keine persönliche Beziehung zu diesem Gott. Für ihn ist er der Gott der Götter, der Oberste von allen Götzen. Aber was er so über Gott sagt, ist natürlich überhaupt nicht wahr. 1. Kor 8,4–6zeigt deutlich, dass es nur einen wahren und lebendigen Gott gibt und alle Götzenbilder und Götter nichts sind. Was Menschen als Götter bezeichnen, ist nichts als tote Materie, wenn auch Dämonen dahinterstehen. Wir können allerdings nicht sagen, dass sie gar nicht existieren, es sind Kreaturen des Teufels; aber es sind keine der Anbetung würdigen Götter. Satan, der Gott dieser Welt (2. Kor 4,4) hält diese falschen Götter am Laufen; und zu bestreiten, dass sie existieren, würde ihm direkt in die Karten spielen. Wenn wir wir auch in Ps 136,2 aufgefordert werden, den Gott der Götter zu preisen, ist das aber nicht der gleiche Sinn, wie Nebukadnezar es ausgedrückt hat. Es ist die Anerkennung der Tatsache, dass Gott über allem steht.

Nebukadnezar hatte außerdem auch anerkannt, dass Gott der Herr der Könige ist. Das scheint ein Hinweis darauf zu sein, dass er verstanden hatte, dass seine Macht nur von begrenzter Zeit war, dass es einen Gott gibt, der Könige absetzt und Könige einsetzt. Und als letztes hatte er auch noch anerkannt, dass es bei seiner Elite keine Weisheit gab, dass wahre Weisheit nur bei diesem Gott der Juden zu finden ist, der ein Offenbarer der Geheimnisse ist. Wenn unser Gott sich mitteilt, dann tut Er es so, dass man es verstehen kann.

Nebukadnezar zeigt hier nur ein äußeres Beeindruckt-Sein von dem, was er erlebt hatte, ohne sich unter diesen Gott zu beugen. Er kommt zu dem verstandesmäßigen Ergebnis, dass das, was Daniel für ihn getan hatte, ein normaler Mensch gar nicht hätte tun können. Es ist deshalb seine Schlussfolgerung, dass dieses Wesen, das Daniel dazu geleitet hatte, höher als alle seine Götter sein muss. Nebukadnezar ist also überhaupt nicht Gott näher gekommen; er hatte nur anerkennen müssen, wenn er seinen Verstand nicht ganz ausschalten wollte, dass es einen höheren Gott als alles, was er kannte, geben musste. Es besteht also doch eine große Kluft zwischen einer gewissen verstandes- oder gefühlsmäßigen Anerkennung Gottes und dem rettenden Glauben, zu dem man nur kommen kann, wenn Herz und Gewissen erreicht worden sind.

Und wenn die Erkenntnis Gottes nur gefühls- oder verstandesmäßig bleibt, dann wird sie auch nicht sehr dauerhaft sein und möglicherweise sogar ins Gegenteil umschlagen. Das wird auch bei Nebukadnezar in Daniel 3 deutlich, wo er offenkundig überhaupt nicht mehr an einen Gott der Götter denkt, sondern dieses gewaltige Bild aus Gold und damit im Grunde sich selbst anbeten lässt, und dann sogar der Überzeugung ist, dass es keinen Gott gibt, der aus seiner Hand zu erretten vermöchte (Dan 3,15).

Frage: Wie weit kann eigentlich der natürliche Mensch Gott erkennen oder in eine Beziehung zu Gott kommen? In Römer 1 wird vorgestellt, dass jemand, der die Schöpfung unvoreingenommen betrachtet, zu der Schlussfolgerung kommen muss, dass es ein Wesen geben muss, der dies alles hervorgebracht hat. Das ist eine Erkenntnis, die Gott dem Menschen durch den Verstand gibt; der menschliche Verstand muss durch die Herrlichkeit der Schöpfung zu dem Ergebnis kommen, dass es einen Gott im Himmel gibt. Es erhöht seine Verantwortung, aber es hilft ihm noch nicht richtig weiter. Dazu ist dann das Evangelium nötig. In diesem Sinn sind Daniel 2 und Römer 1kein Evangelium. Es zeigt dem Menschen, dass er eine Beziehung zu Gott hat, eine Stellung der Verantwortlichkeit Gott gegenüber. Der einzige Weg, Gott zu erkennen und mit ihm in Beziehung zu treten, geht allein über Herz und Gewissen eines jeden Menschen.

Darauf machte der König Daniel groß und gab ihm viele große Geschenke, und er setzte ihn als Herrscher ein über die ganze Landschaft Babel und zum Obervorsteher über alle Weisen von Babel. Und Daniel bat den König, und er bestellte Sadrach, Mesach und Abednego über die Verwaltung der Landschaft Babel. Und Daniel war am Hof des Königs.“ (Vers 48–49)

Daniel und seine Freunde hatten Gott geehrt, und jetzt sorgt Gott dafür, dass sie geehrt werden und an den Platz kommen, den Er ihnen zugedacht hat (1. Sam 2,30Spr 15,33). Wir finden hier auch den so wichtigen inneren Zusammenhalt unter Gläubigen. Daniel hatte die Offenbarung bekommen, aber er wollte den Ruhm nicht für sich allein haben, sondern verwendet sich für die, die mit ihm gebetet hatten. So gibt es unterschiedliche Aufgaben unter den Gläubigen, aber der dabei vom Herrn geschenkte Segen ist für alle, nicht nur für die, die an vorderster Front stehen (1. Sam 30,24)! So ist auch der Segen dieser Konferenz nicht nur für die Brüder, die dabei sein konnten, sondern auch für alle Geschwister, denen es nicht vergönnt war und die zu Hause für diese Konferenz gebetet haben.

Daniel bekommt hier zwei große Ehren angeboten, er sollte zum Herrscher über die zentrale Landschaft Babel und auch zum Obersten aller Weisen gemacht werden. Aber anstatt das für sich anzunehmen, verwendet er sich für seine Freunde und schlägt dem König vor, die Verwaltung über die Landschaft Babel ihnen zu geben. Das Angebot, über alle Weisen gesetzt zu werden, hatte er nicht abgelehnt, und das ist übrigens auch der Grund, warum er am Hof des Königs blieb und die drei Freunde in Kapitel 3 ohne Daniel gefunden werden. Vers 49 ist also gewissermaßen auch eine Einführung in das nächste Kapitel. Dort werden alle Regierungsbeamten zur Einweihung des Standbildes gerufen, aber Daniel war kein Beamter sondern Oberster der Weisen Babels. Daniel hat nie nach hohen Dingen getrachtet (Rö 12,16Mt 6,33Spr 16,7), sondern in Einfachheit und Schlichtheit um jeden Preis die Ehre bei Gott höher wertgeschätzt als die Ehre vor den Menschen. Er wollte keinen Erfolg haben, er wollte nur seinem Gott treu sein. Möchten wir diese Haltung für uns selbst und auch in der Erziehung unserer Kinder nachahmen!

Diese beiden Verse haben auch eine prophetische Aussage. Wir finden hier einen Hinweis darauf, dass der Herr Jesus einmal groß gemacht wird, dass Er einmal herrschen wird. Und so, wie Daniel hier seine drei Freunde nicht vergessen hatte und auf das Wirken von Daniel hin auch erhoben werden, so wird auch der Herr Jesus Seine Herrschaft nicht allein ausüben. Die, die zu Ihm gestanden haben, werden Seine Herrlichkeit teilen.

Achim Zöfelt


Der Prophet Daniel (07) - Daniel 3,1-7

Online seit dem 10.02.2014, Bibelstellen: Daniel 3,1-7

In Kapitel 2 hatten wir die äußere Entwicklung dieser vier Weltreiche gesehen. In den Kapiteln 3 bis 6 finden wir jetzt historische Ereignisse, und zwar in Dan 3 – 5 in Bezug auf das erste Weltreich der Babylonier, und in Dan 6 ein historisches Ereignis in Bezug auf das zweite Weltreich der Meder und Perser. Aber es sind nicht nur historische Ereignisse, sondern sie tragen auch einen prophetischen Charakter. In dem Standbild, das sich Nebukadnezar in diesem Kapitel aufstellt, haben wir einen Hinweis auf den Gräuel der Verwüstung, der später im Tempel aufgerichtet werden wird (Mt 24,15), Götzendienst in seiner schlimmsten Form. Und in den drei Freunden im Feuerofen haben wir einen Hinweis auf die Leiden des Überrestes in der großen Drangsalszeit.

Diese vier Kapitel können wie folgt charakterisiert werden:

  • Kap 3: der Versuch, durch weltliche Religiösität Einheit zu erreichen

  • Kap 4: das Haupt wird zum Tier, jedes Gottes-Bewusstsein geht verloren

  • Kap 5: die Gottlosigkeit und Vermessenheit Belsazars, in der er zur Verunehrung Gottes auftritt

  • Kap 6: der Mensch macht sich selbst zum Gott in dem König Darius von den Medern

Und doch hat auf alle diese furchtbaren Fehlentwicklungen Gott eine Antwort, und alle vier Kapitel enden damit, dass Gott die Oberhand behält. Wenn wir bedenken, dass wir heute in diesen Zeiten der Nationen leben, dann müssen wir doch feststellen, dass auch die Regierungen heute letztlich diese Kennzeichen tragen. Wir dürfen uns keinen falschen Eindrücken von unseren sogenannten christlichen Regierungen hingeben; der moralische Charakter für die gesamte Zeitperiode der Zeiten der Nationen ist immer derselbe.

Der König Nebukadnezar machte ein Bild aus Gold: seine Höhe sechzig Ellen, seine Breite sechs Ellen; er richtete es auf in der Ebene Dura, in der Landschaft Babel“. (Vers 1)

Nebukadnezar hatte gerade unmittelbar zuvor eine Offenbarung des Gottes des Himmels gehört, aber seine Reaktion darauf war nur eine kurzfristige religiöse Aufwallung gewesen, eine Form der Gottseligkeit, ein frommes Bekenntnis, in seinem Herzen war er noch weit entfernt von Gott (Mt 15,8). Seine Lippen sprechen scheinbar wohllautende Worte aus, aber sein Herz vermochte nicht zu glauben. Was tatsächlich sein Herz bewegt, finden wir in diesem Kapitel. Diese Selbstverherrlichung in öffentlich zelebriertem Götzendienst ist das zersetzende Element weltlicher Herrschaften und ist die Wurzel ihres nahenden Endes. In diesem und den folgenden Kapiteln können wir sehen, woran diese Weltreiche gelitten haben und woran sie letztlich zugrunde gegangen sind.

Nebukadnezar ist ein erschütterndes Beispiel dafür, dass es ein vergebliches Glauben gibt (1. Kor 15,2). Wenn man nur glaubt aufgrund äußerer Wirkungen und Machterweisungen, wenn nur das der Inhalt des Glaubens ist und nicht zugleich das Gewissen berührt wird und ein Werk Gottes an der Seele geschehen kann, dann ist das, was man vorgibt zu glauben, vergeblich. Joh 2,23–25 zeigt uns auch so ein Beispiel für Glauben, ein Für-Wahr-Halten aufgrund von Beweisen, wo es keine Bewegung im Herzen gab, wo kein Werk Gottes in der Seele geschehen war. Nebukadnezar hatte auch geglaubt, dass der Gott Daniels der wahre Gott ist und dass dieser Gott die Quelle der Offenbarung war, die Daniel erhalten hatte. Aber das war zu wenig. Dan 4,5 zeigt deutlich, dass er immer an seinem Gott festgehalten hatte. Wenn man nur die äußeren Beweise zur Kenntnis nimmt und für wahr hält, und dann seinen Weg weitergeht, dann ist das der Weg zum Verderben. Das gleiche finden wir auch bei Simon dem Zauberer (Apg 8,13–21).

Babel ist von 1. Mo 10 bis Off 18 immer das Bild von religiöser Macht, gekennzeichnet durch Menschenverherrlichung bis hin zur Vergöttlichung von Menschen und Gewaltausübung. Das zeigt sich schon bei Nimrod, dem ersten König von Babel, der ein gewaltiger Jäger war (1. Mo 10,8+9). Die Jagd ist Gewaltausübung, die nicht notwendig ist, Lust am Töten. Und das zweite Kennzeichen finden wir dann in 1. Mo 11,4, wo sich die Menschen von Babel durch den Turmbau einen Namen machen und bis an den Himmel gelangen wollten. Und diese beiden Kennzeichen finden wir dann auch noch bei dem Babel der Endzeit, obwohl es dann nur noch ein religiöses Machtsystem sein wird Menschenverherrlichung und Gewaltausübung.

Es scheint fast, als wäre Nebukadnezar durch die Deutung des Traums, wo ihm gesagt wurde, dass er selbst das Haupt von Gold sei, zur Errichtung dieses goldenen Bildes inspiriert worden. Er machte von sich dieses Bild, vor dem sich dann jeder niederbeugen musste. Ähnlich machte es später auch Rom bei den Christenverfolgungen, wo den Gläubigen versprochen wurde, wenn sie sich vor dem Kaiser niederwerfen würden, dass sie am Leben bleiben würden. Die Maße dieses Bildes sind gewaltig, es war zehmal so hoch wie breit, 30 Meter hoch und 3 Meter breit. Es erinnert tatsächlich auch an den Gräuel der Verwüstung in Off 13,15–17, wo der Antichrist dieses Bild aufrichten wird, und wer nicht davor niederfällt, zugrunde gehen wird. Nebukadnezar hatte seine übrigen Götter nicht abgeschafft, das wird aus Dan 3,14 deutlich; aber mit diesem Super-Götzenbild wollte er alle verschiedenen Religions-Strömungen und Götter-Kulten seines riesigen Reiches auf eine einfache Weise zusammenbringen. Er führt hier eine Einheitsreligion auf einfachstem Niveau ein, um die politische Einheit und vielleicht auch den Fortbestand seines Reiches zu sichern. Dieses Götzenbild kommt dem natürlichen Menschen entgegen, denn jeder Mensch trägt eine gewisse Religiösität in sich, und wenn es dann noch so eindrucksvoll präsentiert wird, wie hier dieses 30 Meter hohe Bild aus Gold, dann führt das die Menschen zusammen.

Und der König Nebukadnezar sandte aus, um die Satrapen, die Befehlshaber und die Statthalter, die Oberrichter, die Schatzmeister, die Gesetzeskundigen, die Rechtsgelehrten und alle Oberbeamten der Landschaften zu versammeln, damit sie zur Einweihung des Bildes kämen, das der König Nebukadnezar aufgerichtet hatte. Da versammelten sich die Satrapen, die Befehlshaber und die Statthalter, die Oberrichter, die Schatzmeister, die Gesetzeskundigen, die Rechtsgelehrten und alle Oberbeamten der Landschaften zur Einweihung des Bildes, das der König Nebukadnezar aufgerichtet hatte; und sie standen vor dem Bild, das Nebukadnezar aufgerichtet hatte. Und der Herold rief mit Macht: Euch wird befohlen, ihr Völker, Völkerschaften und Sprachen: Sobald ihr den Klang des Horns, der Pfeife, der Zither, der Sambuke, der Laute, der Sackpfeife und aller Art von Musik hören werdet, sollt ihr niederfallen und das goldene Bild anbeten, das der König Nebukadnezar aufgerichtet hat. Und wer nicht niederfällt und anbetet, der soll sofort in den brennenden Feuerofen geworfen werden. Darum, sobald alle Völker den Klang des Horns, der Pfeife, der Zither, der Sambuke, der Laute und aller Art von Musik hörten, fielen alle Völker, Völkerschaften und Sprachen nieder und beteten das goldene Bild an, das der König Nebukadnezar aufgerichtet hatte.“ (Vers 2–7)

Wenn Gott in den Zeiten der Nationen den Menschen Macht verleiht, entsteht immer die Frage, ob sich der Mensch dieser verliehenen Macht würdig erweisen wird. Auch dieses Kapitel zeigt wie damals schon bei Mose, dass Macht in der Hand von Menschen zur Schlange wird (2. Mo 7,10), der Mensch hat sich nie dieser Macht würdig erwiesen.

Zur Einweihung des Bildes wurden Legislative, Exekutive und Judikative, alle Beamten, Gewalten und Repräsentanten der Führungsschicht des Landes zusammengerufen, um dieses Bild anzubeten. Sie sollten praktisch dem einfachen Volk damit zeigen, dass dies nun die Religion sei, der man zu folgen habe. Und alle folgen diesem Ruf, vielleicht nicht alle freiwillig, aber sie folgten, weil sie wussten, dass ihnen der Tod drohte, wenn sie nicht hingehen würden. Wenn unter der Anstiftung Satans eine Massenbewegung ihren Anfang nimmt, müssen alle ihr folgen. Gehören wir heute zu der Masse, die auch bestimmten Götzen hinterher läuft?

Unsere Vorväter haben auch solche Machtausübung auf religiösem Gebiet erlebt, als die Verbotszeit kam. Adolf Hitler hat sich verehren lassen mit dem Ruf „Heil Hitler“ als vermeintlicher Retter seines Volkes, und dann hat er auch bestimmte Auflagen den Gläubigen gegeben, wenn sie sich versammeln wollten. Und es haben erschreckend viele Gläubige diesen Statuten zugestimmt, nur um sich versammeln zu können. Aber wir wollen auch nicht vergessen, wie in dieser Zeit treue Gläubige die Kraft hatten, diesem zu widerstehen und Verfolgungen und Gefängnis auf sich zu nehmen – der Herr hat sich in dieser Zeit darin verherrlicht, dass Er ein schwaches Zeugnis von seiner Versammlung erhalten hat. Und welchen Segen haben wir dadurch empfangen! Unsere Voreltern haben gelitten, und den Segen von ihrer Treue dürfen wir heute noch erleben.

Was die verschiedenen Musikinstrumente betrifft, so werden sie hier in erster Linie als Signal benutzt, um anzuzeigen, wann man vor dem Bild niederfallen musste. Musik hat aber auch einen betörenden Einfluss auf die Empfindungen des Menschen. Und so können wir hier auch sehen, dass Nebukadnezar eigentlich zwei Mittel benutzt, um die Gefühle des natürlichen Menschen und sein Fleisch anzusprechen:

  • das Auge wird durch dieses beeindruckende und gewaltige Standbild aus Gold gefesselt; dieses Standbild ist ein visuelles Eingangstor – der wahre Gottesdienst setzt dagegen das Wort Gottes

  • das Ohr wird durch die Musik angesprochen; bei der Musik mag sich die verschiedenen Epochen hindurch der Stil ändern, aber es ist immer dasselbe Ziel der Beeinflussung – im wahren Gottesdienst hat Gott Lieder gegeben, die wieder Sein Wort beinhalten und ausdrücken. Die dreimal in diesen Versen wiederholten vielen unterschiedlichen Musikinstrumente weisen darauf hin, dass für jeden Geschmack etwas dabei war. Auch in unseren Tagen drohen uns durch das Eingangstor der Musik manche Gefahren. Den Ursprung der Musik finden wir in 1.Mo 4,21, wo Jubal getrennt von Gott fröhlich sein wollte.

Frage: Hat Nebukadnezar in diesem Abschnitt auch eine prophetische Bedeutung? Steht er vielleicht für den Antichristen oder für den Fürsten des kommenden römischen Reiches?

Bei der Betrachtung eines Abschnittes gibt es immer verschiedene Aspekte. In erster Linie wollen wir immer erst die konkrete Auslegung des jeweiligen Abschnittes in ihrem Schrift-Zusammenhang verstehen und festhalten. Anwendungen sind immer Ausweitungen der Belehrung auf ganz andere Bereiche. Wir erliegen sehr leicht der Gefahr, bei Anwendungen zu weit zu gehen. Natürlich kann man Anwendungen machen, aber wir sollten uns dann immer fragen, ob wir schon die eigentliche Auslegung richtig verstanden haben. Und dann haben wir häufig noch den Aspekt der Prophetie eines Abschnittes, auf welche zukünftigen Ereignisse weist ein Abschnitt neben seiner buchstäblichen geschichtlichen Auslegung noch hin, denn natürlich kann Geschichte auch prophetische Belehrungen enthalten.

In Kapitel 2 haben wir die göttlich inspirierte Darstellung der vier Weltreiche, die damals mit Nebukadnezar begannen und die bei der Erscheinung des Herrn zur Aufrichtung Seines Reiches ihr Ende finden werden. Diese vier Reiche werden der Reihe nach so ablaufen und aufeinander folgen. In den Kapiteln 3 bis 6 haben wir dann Schilderungen des praktischen Verhaltens der Könige Nebukadnezar, Belsazar und Darius, die spezielle Charakterzüge dieser Reiche deutlich machen. Wenn also Nebukadnezar hier in Kapitel 3 dieses Bild aufrichten lässt, dann bezieht sich das zunächst einmal auf ihn selbst und nicht auf das vierte, noch zukünftige Reich. Es muss klar sein, dass hier nicht der Charakter speziell der Endzeit des römischen Reiches beschrieben wird, sondern der des babylonischen Reiches. Wenn dann in künftigen Tagen das römische Reich aufgerichtet wird, wird es allerdings die Charakterzüge aller vorhergehenden Reiche tragen. Auch der Charakter des babylonischen Reiches wird im römischen Reich wieder auftreten.

Achim Zöfelt


Der Prophet Daniel (08) - Daniel 3,8-12

Online seit dem 12.02.2014, Bibelstellen: Daniel 3,8-12

Deswegen traten zur selben Zeit chaldäische Männer herzu, die die Juden anzeigten. Sie hoben an und sprachen zum König Nebukadnezar: O König, lebe ewig! Du, o König, hast den Befehl gegeben, dass jedermann, der den Klang des Horns, der Pfeife, der Zither, der Sambuke, der Laute und der Sackpfeife, und aller Art von Musik hört, niederfallen und das goldene Bild anbeten solle; und wer nicht niederfalle und anbete, der solle in den brennenden Feuerofen geworfen werden..“ (Vers 8–11)

Dieser Abschnitt beginnt mit einem deswegen. Worauf bezieht es sich? Vers 7 hatte damit geendet, dass alle Völker beim Klang der Musik niedergefallen waren und das Bild angebetet hatten – bis auf diese drei Juden. Wir lernen daraus, dass es nie ein Maßstab für Richtigkeit eines Handelns ist, wie viele dabei mitmachen! Immer wenn etwas zwischen unser Gewissen und Gott tritt, müssen wir Gott treu sein. Die drei Freunde kannten ganz einfach Gottes Wort und hielten sich an das erste und das zweite Gebot aus 2. Mo 20,3+4. Das war ihnen genug Motivation, einfach dem Befehl nicht zu gehorchen. Wenn wir Gottes Willen klar und deutlich in Seinem Wort finden können, brauchen wir nicht darum zu beten, wie wir uns verhalten sollen, dann sollten wir einfach nur danach handeln.

Die drei Freunde leisten ihren Widerstand dem Befehl des Königs gegenüber nicht in einer spektakulären Form. Als Beamte sind sie wohl zu der Einweihung des Bildes eingeladen gewesen (Dan 2,49 + 2,3) und dieser Einladung wohl auch gefolgt, aber sie haben sich vor dem Bild nicht gebeugt. Sie unterschieden also sehr wohl, wie weit sie dem Befehl des Königs noch Gehorsam leisten mussten, und wo sie an eine Grenze kamen, die sie in Widerspruch zu Gottes Wort bringen würde. Aus Vers 12 können wir dann sehen, dass diese Grenze für sie immer dann erreicht war, wenn es um die fremden Götter Babels ging; und es war eine grundsätzliche Haltung bei ihnen, diese Göttern nicht zu dienen. Und dann veranstalten sie keine Demonstration, sie verfassen keine Petition, sie betreiben keine Öffentlichkeitsarbeit – sie machen einfach nicht mit und sind sie dann dabei von ihren Anklägern beobachtet worden. Und wenn es dann später darauf ankommt, zeugen sie auch treu von ihrem Gott.

Wohl ohne es zu wollen sprechen die chaldäischen Männer in den Versen 8 und 12 den drei Freunden Daniels ein schönes Zeugnis aus. Sie nennen sie zwar mit ihren neuen babylonischen Namen, aber sie zeigen die Juden an und sprechen von jüdischen Männern. In Kapitel 1 hatten wir gesehen, dass sie um jeden Preis umerzogen werden sollten, um aus ihnen Chaldäer zu machen. Aber sie waren Abgesonderte für ihren Gott geblieben und hatten sich nicht unterkriegen lassen, und das erweckte den Hass dieser Chaldäer. Sie waren ein Stein des Anstoßes und ein Dorn im Fleisch dieses babylonischen Reiches geblieben. Bisher hatten wir übrigens immer gesehen, dass Daniel voranging, aber jetzt finden wir bestätigt, dass diese drei Männer aus dem gleichen Holz geschnitzt waren, dass sie die gleiche Treue hatten. Sie waren keine bloßen Mitläufer gewesen, wie Lot es in seinen Tagen gewesen war.

Der Ausdruck, das hier mit anzeigen übersetzt wird, bedeutet eigentlich jemandes Stücke essen, verleumden, verklagen. Es wird auch später im Blick auf Daniel gebraucht (Dan 6,25). So einen Hass hatten sie gegen diese Juden, dass sie sie am liebsten aufgefressen hätten. Diese jüdischen Männer waren Abgesonderte unter diesem Volk geblieben, hatten sich in ihrem gesamten Verhalten nicht dem babylonischen Ritus angepasst. Sie wurden wegen ihrer Treue angezeigt, nicht wegen falschem Tun (1. Pet 4,15+16).

Diese wenigen treuen Juden sind in der Fremde mit aller Macht der Verführung ausgesetzt:

  • Kap 1 hatte die Verführung durch die kulturelle Welt gezeigt,

  • Kap 2 hatte die Verführung mehr durch die politische Welt gezeigt,

  • Kap 3 zeigt jetzt die Verführung durch die religiöse Welt;

in all diesen Verführungen bleiben sie treu. Es sind nur wenige, aber sie bleiben ihrem Gott wirklich treu, egal in welcher Färbung die Verführung kommt. Und sie stehen hier gewissermaßen für das ganze Volk. Wenn ihre Ankläger von den Juden sprechen, meinen sie in Wirklichkeit nur diese drei Männer. Gott sieht es zu allen Zeiten so, dass diejenigen, die in Treue Sein Wort bewahren, die wahren Repräsentanten Seines Volkes sind.

Von Joseph wird gesagt, dass er der Abgesonderte unter seinen Brüdern war (1. Mo 49,265. Mo 33,16). Offensichtlich hatten sich die meisten der Juden angepasst, nur Daniel und diese drei Freunde nicht. So war es auch während der Verbotszeit, wo viele in den Bund gegangen sind. Und wer es nicht getan hatte, musste Schmach von den eigenen Glaubensgeschwistern erfahren. Damals haben Brüder zu Brüdern gesagt: „Euch kriegen wir auch noch“! Wir sollten uns bewusst sein, dass es auch in unseren heutigen Tagen insgesamt dunkler werden wird, deshalb sollten wir innerlich enger zusammenrücken und mit mehr praktischer Bruderliebe untereinander verbunden den Weg gehen, um uns in unserem Glauben gegenseitig zu stärken und in gegenseitiger Wertschätzung und Unterstützung dem gemeinsamen Ziel entgegenzugehen.

Nun sind jüdische Männer da, die du über die Verwaltung der Landschaft Babel bestellt hast: Sadrach, Mesach und Abednego; diese Männer, o König, achten nicht auf dich. Deinen Göttern dienen sie nicht, und das goldene Bild, das du aufgerichtet hast, beten sie nicht an“ (Vers 12)

Die Ankläger wiederholen in Vers 10+11 sowohl den ausdrücklichen Befehl des Königs als auch die angedrohte Strafe, aber sie machen es in Vers 12 durch die wiederholte persönliche Ansprache zu einer unmittelbaren Sache zwischen dem König und den drei Freunden: „du hast sie …bestellt“; „auf dich achten sie nicht“; „deinen Göttern dienen sie nicht“; „das Bild, das du aufgerichtet hast, beten sie nicht an“. Sie wollen ihn damit darauf hinweisen, dass er als Person und König von ihnen missachtet würde, dass seine Religion von ihnen abgelehnt würde. Mit dieser Verschärfung der Anklage wollen sie sicherstellen, dass an diesen drei Freunden die angedrohte Strafe auch vollzogen würde. Allerdings war der erste Vorwurf, sie würden den König selbst nicht achten, eine gemeine Lüge. In ihrer Verantwortung in Vers 18 gehen die drei Freunde dann auch nur auf den zweiten und dritten Vorwurf ein und bestätigen treu ihre entschiedene Haltung diesen fremden Göttern gegenüber.

In Daniel 1 hatten wir gefunden, dass sie die Tafelkost des Königs nicht gegessen hatten, dann finden wir hier, dass sie grundsätzlich den fremden Göttern nicht gedient hatten, und jetzt kam noch trotz der Strafandrohung des Feuerofens ihre Weigerung, dieses goldene Bild anzubeten. Sie hatten in den ersten beiden Fällen Standhaftigkeit bewiesen und den Geboten Gottes gehorcht, und als dann drittens dieses königliche Gebot zur Anbetung des Bildes kam, haben sie wieder gehorcht. Es gab kein stufenweises Nachgeben bei ihnen. Wenn wir das nämlich tun, werden wir die Kraft verlieren, bei der nächsten Versuchung, die gegen Gottes Gedanken ist, erneut standhaft zu bleiben! Wir müssen in den kleinen Dingen Gott gehorchen und treu sein, dann werden wir auch die Kraft haben, in weiteren Glaubenserprobungen gehorsam zu sein. Möchten wir uns auch darin diese drei jungen Männer zum Vorbild für unser eigenes Glaubensleben nehmen!

Achim Zöfelt

Der Prophet Daniel (09) - Rückblick Kapitel 3,1-12

Online seit dem 29.05.2014, Bibelstellen: Daniel 3,1-12

Überblick über Daniel 2 bis 7

Daniel 2 hatte uns in dem Traum Nebukadnezars die Entwicklung der Herrschaft des Menschen auf der Erde gezeigt. Es waren vier Weltreiche, die mit dem babylonischen Weltreich unter Nebukadnezar ihren Anfang nahmen. Die ganze Geschichte der Herrschaft der Nationen wird in diesem Bild in Daniel 2 in ihrem äußeren Ablaufvorgestellt – vier Weltreiche, endend mit dem römischen Reich, das durch die Macht des Herrn Jesus zerstört werden wird. Es ist ein außerordentlich wichtiger Blick, den wir in diesem Kapitel finden: Gott gibt die Herrschaft den Menschen. Und wie die Menschen diese Macht benutzen, ist dann der Gegenstand der Kapitel 3 bis 6, die historisch genannt werden können. In diesen vier Kapiteln werden innere Entwicklungen gezeigt, die moralische Seite dieser Reiche:

  • Kapitel 3 – Götzendienst

  • Kapitel 4 – Selbst-Überhebung, Verlust der Gottes-Erkenntnis

  • Kapitel 5 – Gottlosigkeit

  • Kapitel 6 – Anbetung des Menschen; die Spitze des Verderbens

Diese historischen Kapitel 3 bis 6 sind eingebunden in die prophetischen Weissagungen der Kapitel 2 und 7. Sie enthalten deshalb nicht nur Historie, nicht nur moralische Unterweisungen, sondern unbedingt auch prophetische Hinweise. Ganz eindeutig hat Gott vor, in diesen vier geschichtlichen Berichten uns prophetische Entwicklungen der Endzeit zu zeigen. Es wird unseren Glauben sehr stärken, wenn wir darin erkennen, wie Gott zu Seinem Christus steht, und wie Er trotz aller Bosheit der Menschen zu Seinem Ziel kommt. Zwei große Linien durchziehen also diese geschichtlichen Kapitel:

  • die innere Entwicklung innerhalb der Zeiten der Nationen sowie der Missbrauch ihrer Macht durch ihre Herrscher

  • die äußeren Umstände und die inneren Charakterzüge des treuen Überrestes, dargestellt in Daniel und seinen drei Freunden

All diese Berichte können also auf verschiedenen Ebenen betrachtet werden, als historisch oder als prophetisch; aber wir wollen auch die Belehrungen dieser Geschehnisse für uns persönlich nehmen.

Die Kapitel 2 bis 4 zeigen an dem Beispiel des Nebukadnezars auch, dass Gott zu jedem Menschen zwei-, dreimal redet, um seine Seele abzuwenden von der Grube, vom Rennen ins Geschoss (Hiob 33,29.14–18). In Kapitel 2 muss er nach der Deutung des Traumes durch Daniel anerkennen, dass der Gott Daniels der höchste Gott ist, da hatte Er sich ihm ganz klar offenbart. Hier in Kapitel 3 offenbart sich Gott ihm wieder ganz deutlich darin, wie Er sich der drei Freunde im Feuerofen annimmt. Und wieder kommt er in den Versen 28+29 unter einen gewissen Eindruck von der Größe und Macht Gottes – aber wie auch beim ersten Mal scheint dieser Eindruck nicht bleibend bei ihm gewesen zu sein. In Kapitel 4 haben wir dann noch ein Reden Gottes zu ihm, diesmal sogar in einem zeitweiligen Gericht. Aber Gott lässt ihn in dieser geistigen Umnachtung nicht laufen und gibt ihm sein Bewusstsein wieder zurück, und wieder muss Nebukadnezar anerkennen, wer Gott ist.

Rückblick auf Daniel 3,1–12

In Kapitel 3 finden wir, dass Nebukadnezar scheinbar sehr schnell die Eindrücke aus der Deutung des Traumes durch Daniel wieder verloren hatte. Scheinbar unmittelbar danach richtete er dieses gewaltige Bild auf, 30 m hoch und vollständig aus Gold. Er wollte damit durch eine gemeinsame Religion den auseinanderdriftenden Kräften seines riesigen Reiches mit seinen vielen unterschiedlichen Religionen entgegenwirken und sein Volk durch eine gemeinsame Religion einigen. Er richtete dieses Bild auf und befahl seinen Untertanen, diesem Bild göttliche Verehrung darzubringen. Gerade damit hatte er sich in Gegensatz gesetzt zu Gott! Gott ist es, der über die Gewissen der Menschen herrscht, und niemals ein Mensch. Das hat Nebukadnezar in seinem Hochmut total übersehen. Er befiehlt den Menschen, zu glauben, was er für richtig hält, nämlich sein goldenes Bild anzubeten. Das ist ein Eingriff in die Rechte Gottes! Und so sahen das auch diese drei Freunde Daniels, die lieber in den Ofen gingen, als Gott zu verleugnen.

Weshalb war eigentlich Juda in die babylonische Gefangenschaft gekommen? Sie waren von Gott wegen ihres Götzendienstes aus dem Land der Verheißung entfernt worden. Das war die Strafe Gottes an ihnen. Und jetzt kommen sie in die Gefangenschaft, und beschämenderweise kannten sie das, wozu sie jetzt gezwungen wurden, schon freiwillig aus dem Land Kanaan. Man muss davon ausgehen, dass die Masse der Juden nicht so treu gewesen ist, wie Daniel und seine drei Freunde – sie hatten es Jahrhunderte schon im eigenen Land so getrieben. Dadurch wird uns das Verhalten dieser vier jungen Männer zu einem so eindrucksvollen Vorbild. Unser Schwachpunkt heute ist, dass wir Gottes Gedanken nicht mehr genügend kennen und deshalb auch nicht mehr mit letzter Treue gehorchen.

Nebukadnezar lässt sein Bild einweihen, und die ganzen führenden Leute seines Reiches sind bei diesem Ereignis zugegen. Nur einer fehlt – Daniel; warum er hier nicht in Erscheinung tritt, darüber gibt uns das Wort Gottes keine Auskunft; aus Dan 2,48+49kann man allerdings entnehmen, dass sich die Wege der vier Freunde getrennt hatten durch die unterschiedlichen Funktionen, die ihnen übertragen worden waren. Die jetzt in Daniel 3 verordnete Religion des Königs war von einfachster Art: wenn der Klang der Musikinstrumente ertönte, sollten alle niederfallen vor diesem Bild und es anbeten – das war es auch schon. Es war also keine so sehr problematische Angelegenheit, aber sie war böse, weil sie über die Gewissen der Menschen herrschte und dem Verehrung zukommen ließ, was Nebukadnezar geschaffen hatte. Sein grenzenloses Selbstbewusstsein wird in der zweifachen Betonung in den Versen 14 und 15, dass er es aufgerichtet und gemacht hatte, ganz deutlich. Wie stolz war dieser Mann auf dieses für sich selbst aufgerichtete Bild.

Es scheint, dass das auch so in seinem ganzen Reich befolgt wurde, nur drei Männer taten nicht nach dieser Aufforderung. Deshalb wurden sie vor dem König angezeigt (Vers 8 ff.). Auffallend ist, dass sie als Juden und jüdische Männer bezeichnet werden, solche, die Sklaven waren. Und dann wird immer wieder betont – wie um das Gewissen Nebukadnezars zu treffen – dass Nebukadnezar selbst sie in ihre jetzige Stellung befördert hatte: du hast sie bestellt, auf dich achten sie nicht, deinen Göttern dienen sie nicht. Es kommt aber auch unheiliger Neid und Eifersucht in den Worten dieser Männer zum Ausdruck. Allerdings ist die Anschuldigung „deinen Göttern dienen sie nicht“ ganz unberechtigt, denn das hatte Nebukadnezar nicht gefordert. Diese Anschuldigung wird von den Anklägern den Worten Nebukadnezars hinzugefügt.

Diese treuen Männer waren gekennzeichnet durch Weisheit und durch Einsicht. Sie erkannten, was hinter dem Bild von Nebukadnezar stand, nämlich seine Götter. Sie durchschauten die ganze Sache und warfen sich deshalb nicht vor dem äußerlichen Bild nieder, weil sie wussten, dass dahinter die Realitäten der Götzen Babylons standen. Sie waren auch weise darin, wann sie etwas sagten und wann sie schwiegen; und in dem wenigen, was sie dann sagen, bewiesen sie auch wieder Weisheit und Unterscheidungsvermögen. Sie zeichneten sich auch nicht nur durch Treue aus, sondern auch durch Standhaftigkeit und Mut; sie waren nicht nur einmal treu, sondern sie blieben treu in ganz schwierigen Umständen. Was können wir doch von diesen jungen Männern lernen! Wie wenig zeigen wir oft in viel einfacheren Umständen von diesen Charakterzügen. Wie oft mangelt es uns an Weisheit und Erkenntnis in Bezug auf das, was die Welt uns heute anbietet. Wie oft fehlt es uns an Weisheit zum Reden und zum Schweigen, auch an dieser Standhaftigkeit und Treue und auch dem Mut dieser jungen Männer.

In Daniel 1 waren sie schon treu gewesen, hatten aber Daniel als ihren Anführer dabei. Hier in Daniel 3 sind sie genauso treu, ohne dass Daniel erwähnt wird. Sie stehen in ihrem Glauben auf eigenen Füßen und haben diesen Mut und diese Treue auch ohne Daniel bewiesen.

Achim Zöfelt

Der Prophet Daniel (10) - Kapitel 3,13-18

Online seit dem 31.05.2014, Bibelstellen: Daniel 3,13-18

Da befahl Nebukadnezar im Zorn und Grimm, Sadrach, Mesach und Abednego herbeizubringen. Da wurden diese Männer vor den König gebracht. Nebukadnezar hob an und sprach zu ihnen: Ist es Absicht, Sadrach, Mesach und Abednego, dass ihr meinen Göttern nicht dient und das goldene Bild nicht anbetet, das ich aufgerichtet habe? Nun, wenn ihr bereit seid, zur Zeit, wenn ihr den Klang des Horns, der Pfeife, der Zither, der Sambuke, der Laute und der Sackpfeife und aller Art von Musik hört, niederzufallen und das Bild anzubeten, das ich gemacht habe – wenn ihr es aber nicht anbetet, sollt ihr sofort in den brennenden Feuerofen geworfen werden; und wer ist der Gott, der euch aus meiner Hand retten wird?“ (Vers 13–15)

Jetzt werden diese drei Männer auf Befehl des Königs vor ihn gebracht. Wenn hier von seinem Zorn und Grimm gesprochen wird, dann sehen wir aus Dan 5,19, wie grausam Nebukadnezar war: „wen er wollte, tötete er, und wen er wollte, ließ er leben“. Seine Autorität war jetzt beleidigt und herausgefordert worden, und er reagiert auf eine typisch fleischliche Art in Zorn und Grimm. Zorn und Grimm sind immer schlechte Berater (Spr 27,4; 16,14), und durch eines Mannes Zorn wird Gottes Gerechtigkeit nicht gewirkt (Jak 1,20). Wir müssen uns über diesen Zorn nicht wundern, denn durch das treue Verhalten der drei Freunde wurde sein ganzes Konzept verdorben, diese einheitliche Religion zu schaffen als Bindeglied über sein großes Volk – dieser Plan wurde mutwillig zerstört. Und doch scheint es so, als würde er den drei Freunden einen gewissen Aufschub gewähren. Ob sie sich durch ihr bisheriges Verhalten seinen Respekt erworben hatten? Er gibt ihnen noch einmal die Chance, sich die Sache zu überlegen.

Diese zweite Chance bedeutete für die drei Freunde aber auch keine geringe Gefahr, sie standen noch immer als ganz junge Männer vor dem mächtigsten Herrscher, den die Welt je gesehen hatte. Zwischen den Kapiteln 2 und 3 wird keine lange Zeitspanne vergangen sein. Nebukadnezar baut ihnen mit seiner Frage „Ist es Absicht“ praktisch eine goldene Brücke, wo sie hätten zugeben können, dass sie mit ihrer Weigerung, sich niederzuwerfen, unbedacht gehandelt hatten. Sie hätten Ausreden finden können und mit vielen Möglichkeiten auf diese zweite Chance reagieren können. Zuerst kam Satan als brüllender Löwe, und jetzt versucht er in seiner List, sie aus ihrer treuen Nachfolge heraus zu verleiten. Aber sie blieben treu und betonten, dass sie mit Absicht so gehandelt hatten.

Als der Zorn und Grimm Nebukadnezars aufwallen, trifft das allein diese drei jungen Männer innerhalb einer riesigen Menge von Juden. Es ist ein Augenblick größter Anfechtung, wo viele andere, die auch aus Juda gekommen waren, sich offensichtlich angepasst hatten an das System Babels. Und sie widerstehen diesem großen Druck, aber auch dem Entgegenkommen in dieser goldenen Brücke Nebukadnezars, dem Lächeln Babels. Was ist wohl gefährlicher für einen, der treu zu seinem Herrn stehen möchte, das Drohen Babels oder das Lächeln Babels? Hiskia hatte dem Widerstand des Assyrers standgehalten, aber dem Lächeln Babels war er zum Opfer gefallen (Jes 36 – 39). Unbewusst stellt Nebukadnezar ihnen sogar noch ein doppeltes schönes Zeugnis aus: sie hatten schon die ganze Zeit ihrer Gefangenschaft hindurch seinen Göttern nicht gedient, und jetzt auch noch das goldene Bild nicht angebetet, das er aufgerichtet hatte.

Zuerst kam Nebukadnezar also mit Verführung, am Ende von Vers 15 aber schreckt er mit seiner unverhohlenen Drohung des brennenden Feuerofens ab. Mit dieser schrecklichen Androhung will er sie noch einmal zur Umkehr ihrer Gedanken bringen. Und dann tut er etwas ganz Furchtbares! Er fordert den Gott Israels heraus mit einer frechen und unfassbar bösen Gesinnung: ‚Den Gott möchte ich mal sehen, der euch aus meiner Hand erretten wird‘. Eine ganz böse Sprache! Nebukadnezar hat mit diesen Worten direkt in die Rechte Gottes eingegriffen, und ob bewusst oder unbewusst macht er die Sache damit zu einer Sache zwischen ihm und Gott. Es handelt sich damit nicht länger um eine Sache zwischen Nebukadnezar und den drei Freunden, sondern zwischen ihm und dem Gott dieser drei Freunde.

In 2. Mo 5,2 führt der Pharao von Ägypten eine ganz ähnliche Sprache, und die Antwort des Herrn darauf ist: „Nun sollst du sehen, was ich dem Pharao tun werde; denn durch eine starke Hand gezwungen soll er sie ziehen lassen“ (2. Mo 6,1). Ähnlich böse Worte führt der König von Assyrien in 2. Chr 32,15 im Mund; und auch im Blick auf das Haupt des römischen Reiches wird ähnlich herausfordernd gesprochen (Off 13,4).

Sadrach, Mesach und Abednego antworteten und sprachen zum König: Nebukadnezar, wir halten es nicht für nötig, dir ein Wort darauf zu erwidern. Ob unser Gott, dem wir dienen, uns aus dem brennenden Feuerofen zu erretten vermag – und er wird uns aus deiner Hand; o König, erretten – oder ob nicht, es sei dir kund, o König, dass wir deinen Göttern nicht dienen und das goldene Bild, das du aufgerichtet hast, nicht anbeten werden“ (Vers16–18)

Die drei Freunde antworten auf diese böse Herausforderung ihres Gottes nichts. Sie lassen in ihrer Erwiderung sogar den Titel König bei der Anrede Nebukadnezars weg, sie nennen nur seinen Namen, vor Gott war er einfach nur Nebukadnezar. Diesen Angriff auf ihren Gott nehmen sie nicht auf und überlassen es dem Gott, der hier beleidigt wurde, sich zu rechtfertigen und Seine Herrlichkeit zu erweisen. Sie machen es bewusst zu einer Sache zwischen ihrem Gott und dem König Nebukadnezar. Nebukadnezar hatte frech gefragt: „Wer ist der Gott…“, und sie antworten jetzt: „Unser Gott…“; sie standen zu ihrem Gott und stellten sich klar auf seine Seite, als Nebukadnezar Ihn so sehr in den Schmutz gezogen hatte. Und der Gott Israels hat geantwortet, und Er hat das auf eine Weise getan, die einfach kostbar ist, und Nebukadnezar muss später bekennen, dass er überwunden worden ist.

Die drei Freunde bewiesen ein unerschütterliches Vertrauen auf ihren Gott, sie wussten, dass der Gott, dem sie dienten, sie nicht in der Hand Nebukadnezars lassen, sondern sie daraus retten würde. Allerdings lassen sie dabei doch offen, wie Gott das tun würde. Aber sie wussten, egal wie Gott handeln würde, ob Er sie vor dem Feuerofen bewahren würde oder in dem Feuerofen bewahren würde, oder ob sie durch den Tod gehen müssten, Er würde sie aus der Hand Nebukadnezars retten. Mit dem Erretten meinen sie also nicht die Erhaltung ihres irdischen Lebens. Es ist die höchste der schönen Stufe (1. Tim 3,13), sein Leben hinzugeben für den Herrn, als Märtyrer für Ihn zu sterben. Es geht also nicht darum, ob Gott retten kann oder nicht, sondern es geht um Seine Absichten in den jeweiligen Umständen, um Sein Wesen der Heiligkeit. Sie wussten jedenfalls felsenfest, dass Gott ihnen helfen würde, dem Befehl des Königs nicht gehorchen zu müssen; davor würde ihr Gott sie retten – ob durch den Tod oder auf einem anderen Weg. Für Nebukadnezar wäre es ja ein größerer Triumph gewesen, wenn die drei Freunde das Bild angebetet hätten, als dass er sie in seiner Macht dem sicheren Tod im Feuerofen überlassen hätte.

Es ist nicht undenkbar, dass die drei Freunde aus ihrer Gemeinschaft mit Gott heraus im Glauben erfasst hatten, dass Gott sie wirklich retten würde. Wenn wir noch einmal an den Pharao von Ägypten denken und an den König von Assyrien, die beide durch ihr freches Auftreten auch die Angelegenheit zu einer Sache zwischen sich und Gott gemacht hatten, so hatten damals Mose und auch Hiskia erlebt, dass Gott Sein Volk buchstäblich gerettet hatte. Das werden doch die drei Freunde gekannt haben. Sie haben, was ihre Seite anging, durch Glauben die Kraft des Feuers ausgelöscht (Heb 11,34). Bruder Kelly schreibt zu diesem Vers: „Das, was diese drei gesagt haben, war keine abstrakte Wahrheit sondern Glauben“! Sie hatten wirklich im Glauben die Handlungen Gottes erfasst und ausgesprochen – neutestamentlich findet das vielleicht eine Parallele in dem Beten im Namen des Herrn Jesus (Joh 16,23).

Die Standhaftigkeit und der Mut der drei Freunde kam aus dem tiefen Bewusstsein hervor, das sie von dem Gott hatten, dem sie dienten. Sie dienten und vertrauten einem größeren Gott und dienten deshalb den Göttern Nebukadnezars nicht. Ihr Vertrauen ging in zwei Richtungen: sie vertrauten der Weisheit Gottes und sie vertrauten der Allmacht Gottes. In den Worten „ob unser Gott…oder ob nicht“ liegt das Vertrauen in Gottes Weisheit; und in der Aussage „er wird uns…erretten“ liegt tiefes Vertrauen in die Allmacht, die Gott hat Ein ähnliches Bewusstsein offenbart auch der Apostel Paulus auf der Schiffsreise in Apg 27,23 – dieser Gott verfügt über alles! Sie fürchteten wie Mose die Wut des Königs nicht und hielten standhaft aus, als sähen sie den Unsichtbaren (Heb 11,27), sie setzen die unsichtbare Welt des Glaubens den sichtbaren Drohungen des Königs entgegen, sie widerstanden dem brüllenden Löwen standhaft im Glauben (1. Pet 5,8+9). Sie fürchteten den nicht, der den Leib töten und danach nichts weiter zu tun vermag, aber sie fürchteten den, der auch nach dem Töten noch Gewalt hat (Lk 12,4+5).

Diese Begebenheit hier ist ein Paradebeispiel dafür, dass man Gott mehr gehorchen muss als Menschen (Apg 5,29). In Rö 13,1 werden wir aufgefordert, den obrigkeitlichen Gewalten untertan zu sein (vgl. auch 1. Pet 2,13+14). Es ist die Aufgabe von uns Christen, die Regierungen, die Gott gegeben hat – auch heute – anzuerkennen. Wir haben sie nicht in Zweifel zu ziehen oder zu hinterfragen, ob sie alles recht machen oder wie sie eigentlich an die Macht gekommen sind, das geht uns absolut nichts an. Unsere Verantwortung ist es, den Obrigkeiten unterworfen zu sein, d.h. ihnen zu gehorchen. Noch heute sind die Regierungen Diener Gottes, die das Böse strafen und das Gute loben. Es ist nicht recht, wenn wir gegen Regierungen vorgehen würden, wir haben sie zu akzeptieren.

Die Regierungen haben also ihren von Gott übertragenen Herrschaftsbereich, wenn sie aber diesen Bereich überschreiten, wenn sie sich in den Bereich der Autorität Gottes hineinwagen, dann muss der Gläubige Gott mehr gehorchen als dem Menschen. Gehorchen müssen wir also immer; es heißt nicht, dass wir in so einem Fall dann gar nicht gehorchen bräuchten – wir gehorchen dann Gott. Diese jungen Freunde wussten, dass man allein den Herrn anbeten sollte und dass sich der König Nebukadnezar hier in die Rechte Gottes einmischte, und deswegen mussten sie widerstehen. Das kann auch uns heute passieren, dass irgendwelche Regierungsstellen Gesetze erlassen, die gegen Gottes Wort sind und uns direkt betreffen und deshalb unser Gewissen beherrschen würden – dann müssen wir das ablehnen, wie auch die Folgen sein mögen. Aber wir müssen dann immer noch gehorchen, nämlich Gott. Es gibt keinen zivilen Ungehorsam1in Gottes Wort, die Gehorsamspflicht bleibt für einen Gläubigen bestehen.

1 Ziviler Ungehorsam gehört in Deutschland zum festen Repertoire des Protests. Ziviler Ungehorsam zeichnet sich dadurch aus, dass mit ihm im Einklang mit dem Gewissen, aber im Widerspruch zum Gesetz die Absicht verfolgt wird, ein empfundenes oder tatsächliches Unrecht zu beseitigen. Eine mögliche Bestrafung wird dabei bewusst in Kauf genommen. Den ungehorsamen Bürgern geht es also nicht um die Abschaffung der herrschenden Ordnung, die sie im Grundsatz anerkennen und durch den Akt des Widerstands im Prinzip sogar stärken wollen – ihren Widerstand empfinden sie als Bürgerpflicht. (http://www.goethe.de/ges/pok/zdk/de11090504.htm)

Achim Zöfelt

Der Prophet Daniel (11) - Kapitel 3,19-23

Online seit dem 02.06.2014, Bibelstellen: Daniel 3,19-23

Da wurde Nebukadnezar von Grimm erfüllt, und das Aussehen seines Angesichts veränderte sich gegen Sadrach, Mesach und Abednego. Er hob an und befahl, den Ofen siebenmal mehr zu heizen, als zur Heizung nötig war. Und er befahl Männern, den stärksten Männern in seinem Heer, Sadrach, Mesach und Abednego zu binden, um sie in den brennenden Feuerofen zu werfen. Da wurden diese Männer in ihren Mänteln, Röcken und Mützen und ihren übrigen Kleidern gebunden und in den brennenden Feuerofen geworfen. Darum, weil das Wort des Königs streng und der Ofen außergewöhnlich geheizt war, tötete die Flamme des Feuers jene Männer, die Sadrach, Mesach und Abednego hinaufbrachten. Und diese drei Männer fielen gebunden in den brennenden Feuerofen“ (Vers 19–23)

In den Versen 16–18 hören wir die Antwort der drei Freunde, aber ab Vers 19 sprechen sie nicht mehr. Als ihr Gott angegriffen wurde, haben sie eine klare Aussage gemacht; aber als es dann ihnen persönlich an den Kragen ging und sie gegriffen und in den Ofen geworfen wurden, hören wir keine Gegenrede mehr von ihnen. Machen wir es nicht manchmal genau umgekehrt? Wenn unser Gott und Seine Ehre angegriffen werden, dann schweigen wir oft und sagen nichts dagegen; aber wenn wir persönlich angegriffen werden, dann setzen wir uns oft wenigstens mit Worten zur Wehr. Was unser Reden betrifft, haben wir einen Hinweis in 1. Pet 3,15–17, die Freunde hatten Rechenschaft gegeben und dabei ein gutes Gewissen gehabt. Und für das Schweigen haben wir das wunderbare Beispiel des Herrn Jesus selbst in 1. Pet 2,23. Dieses Beispiel kannten die drei Freunde noch nicht und entsprachen ihm doch schon auf eine so vorbildliche Weise; – und wir kennen es und müssen doch bekennen, dass wir ihm so wenig entsprechen.

Wenn sie selbst jetzt auch nicht mehr reden, so wird doch auffällig häufig jetzt durch den Heiligen Geist von ihnen geredet. Es ist eine Freude Gottes, die Namen derer, die zu Seiner Ehre ein Zeugnis für Ihn abgelegt haben und jetzt bereit sind, restlos alle Konsequenzen angesichts des Feuerofens zu tragen, immer wieder zu nennen. Gott liebt es, die Namen Seiner Treuen zu nennen, sie sind Ihm kostbar!

Der Grimm Nebukadnezars steigert sich noch mehr, weil die drei Freunde mit ihrem Verhalten furchtlos sowohl seiner Autorität als auch seiner Macht entgegengetreten sind. Deshalb ließ er den Feuerofen siebenmal mehr heizen, eine an sich wenig sinnvolle Sache, denn das machte ja letztlich überhaupt keinen Unterschied, bloß dass die Zeit der Leiden verkürzt wurde dadurch. Feuer kann ja auf zweierlei Weise von Gott gebraucht werden

  • zur Läuterung, um mögliche Unreinheiten des Edelmetalls auszuscheiden (Mal 3,3+4)

  • um zu zeigen, dass das Gold wirklich kostbares reines Material ist (1.Petr 1,7)

Hier würde das Feuer nur den bewährten, belastbaren Glauben der drei Freunde offenbaren. Wie wäre das bei mir?

Wir hören auch nicht davon, dass die drei Freunde zu Gott um Bewahrung vor dem Feuerofen gebetet hätten. Das wäre ja das Normalste der Welt gewesen, bei bevorstehender Gefahr um Bewahrung zu beten. Sie haben die Konsequenzen ihrer Treue einfach aus Gottes Hand angenommen, und sie überließen es ihrem Gott, wie Er sich verherrlichen würde. Gott hätte ihnen sicher diese Probe ersparen und sie auf andere Weise befreien können, aber sie waren einverstanden, ob so oder so, ob durch den Märtyrer-Tod oder nicht. Wenn Gott sie vor dem Feuerofen bewahrt hätte, dann wäre Er nicht so verherrlicht worden, wie es dann der Fall war. Sie vertrauten ihrem Gott und wollten lieber mit Ihm in den Tod gehen, als ohne ihn im königlichen Palast leben. Mit dem Herrn Jesus im Feuerofen ist besser, als ohne Ihn in den Palästen der Könige.

Diese Geschehnisse haben auch eine prophetische Bedeutung: In Off 13,5–7 haben wir den König des wiedererstehenden römischen Reiches, der geradeso wie Nebukadnezar hier große Dinge und Lästerungen reden wird. Und in Vers 7 finden wir dann im Bild das, was hier in Daniel 3 Nebukadnezar mit den drei Freunden tut. Nebukadnezar ist ein erschütterndes Vorbild von diesem letzten König des römischen Reiches, der sich auch ein Bild machen und anbeten lässt (Vers 15). Das ist genau der Vorgang, der hier in der Geschichte von Daniel 3 vor uns ist.

Die drei Freunde stehen also auch für den jüdischen Überrest späterer jetzt noch zukünftiger Tage, der auch ins Feuer geführt werden wird (Sach 13,9). In Off 12,17 sind sie in den Übrigen ihrer [der Frau = Israel] Nachkommenschaft zu sehen, die die Gebote Gottes halten. Und in Off 15,2 stehen sie als die Überwinder über das Tier und über sein Bild an dem gläsernen Meer. Wir lernen aus der Offenbarung – deshalb ist das Buch Daniel auch so notwendig für die Erklärung der Prophetie – dass der Überrest späterer Tage sich wie damals auch aus dem jüdischen Volk rekrutieren wird. Wenn wir später sehen werden, dass die drei Freunde aus dem Feuer bewahrt werden und unversehrt herauskommen, dann ist das auch wieder ein Hinweis auf die späteren Tage. Ein großer Teil wird in dieser Drangsal als Märtyrer umkommen (Off 13,7), aber diese, die das Tier nicht angebetet hatten noch sein Bild, stehen weit über den anderen, die am Leben bleiben und lebendig in das Reich auf der Erde eingehen werden, denn diese Märtyrer werden mit dem Herrn und mit uns vom Himmel her regieren (Off 20,4).

Es ist tief beeindruckend, wie sich das Buch Daniel und die Offenbarung ergänzen, man könnte fast sagen, sie bilden ein prophetisches Ganzes. Die Offenbarung ist nicht zu verstehen ohne Daniel, und Daniel ist ohne die Offenbarung nur halb so aussagekräftig. In der Offenbarung finden wir, wie Gott alles zu Ende führt zur Verherrlichung Seines Sohnes, sie ist Fortsetzung und Vollendung dessen, was Daniel hier schreibt.

Wenn Nebukadnezar hier den Ofen siebenmal mehr heizen ließ, so wird die zukünftige große Drangsal so schrecklich sein, wie sie seit Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nicht wieder sein wird (Mt 24,21Jer 30,7). Obwohl wir nicht so weit gehen können und sagen, dass wir hier eine prophetische Beschreibung der großen Drangsal, die von dem Antichristen und dem Haupt des römischen Reiches ausgeht. Wir finden das wohl dem Charakter nach angedeutet, können es aber nicht 1:1 darauf übertragen und sagen, dass wir hier genau diese Ereignisse vorgestellt finden.

Was wird dieser Feuerofen der großen Drangsal für eine furchtbare Zeit sein für diesen jüdischen Überrest! Wie dankbar dürfen wir sein, dass wir vor diesen furchtbaren Gerichten entrückt werden, dass die Gläubigen der Gnadenzeit durch diese Drangsale nicht zu gehen haben! Allerdings müssen wir deutlich unterscheiden, dass dieses Feuer späterer Tage angezündet wird von Gott selbst als Gericht an Seinem Volk, weil sie Seinen Messias verworfen und an das Kreuz gebracht haben. Das wird das Feuer der Reinigung des Überrestes sein. Hier ist es das Feuer, das wohl unter der Duldung Gottes geschieht, das aber von der Verfolgung Seines Volkes von Seiten der Menschen spricht, die dafür selbst wieder bestraft werden. Denn das Element, das in der Hand Nebukadnezars die drei Männer verderben sollte, richtete sich sofort gegen die, die Nebukadnezar zur Vollstreckung des Gerichtes benutzte; das Gericht kehrt gleichsam um und vernichtet die, die sie in den Ofen werfen sollten. Hier ist es also nicht das direkte Gericht Gottes an Seinem Überrest wegen der Verwerfung des Messias, sondern die Verfolgung des Überrestes von Seiten der Menschen.

Achim Zöfelt


Der Prophet Daniel (12) – Kapitel 3,24-27

Online seit dem 05.06.2014, Bibelstellen: Daniel 3,24-27

Da erschrak der König Nebukadnezar, und er stand schnell auf, hob an und sprach zu seinen Räten: Haben wir nicht drei Männer gebunden ins Feuer geworfen? Sie antworteten und sprachen zum König: Gewiss, o König! Er antwortete und sprach: Siehe, ich sehe vier Männer frei umhergehen mitten im Feuer, und keine Verletzung ist an ihnen; und das Aussehen des vierten gleicht einem Sohn der Götter.“ (Dan 3,24.25)

In den Kapiteln 3, 4 und 5 finden wir bei den Königen Babels ein Erschrecken in absteigender Linie, es zeigt immer weniger Wirkung bei den Königen. Das Erschrecken war aber durchaus gottgewollt, ein erwecktes Gewissen soll dadurch in das ganze Licht Gottes kommen. In Kapitel 4 wird Nebukadnezar durch den Traum erschreckt (Vers 2); und in Kapitel 5 ist es Belsazar, der durch die schreibende Menschenhand entsetzt wird. Hier in Kapitel 3 führt es bei Nebukadnezar zur Besinnung. Offenbar hat nur er den vierten Mann sehen können, seine Räte können nur bestätigen, was sie getan hatten. Er vergleicht ihn mit einem Sohn der Götter; es ist der Herr Jesus, der in Daniel 7,13 beschrieben wird wie eines Menschen Sohn.

Die drei Freunde waren nicht darauf eingegangen, was Nebukadnezar gewagt hatte, gegen den Gott Israels zu sagen. Sie hatten nur davon geredet, wie völlig sie ihrem Gott vertrauten und Ihm die Sache überließen. Ihre Empfindungen werden in den Psalmen ausgedrückt, z.B. in Psalm 25,2.3; 35,21.22. Und jetzt ist es dieser vierte Mann, den Nebukadnezar sieht, der ihn zurückführt. Nur Nebukadnezar sah diesen vierten Mann und das brachte ihn zurecht. Er sieht jetzt kein Gesicht oder Traum, sondern er sieht zwei Wunder:

  • Diejenigen, die gebunden in den Feuerofen geworfen worden waren, gehen frei umher
  • und ein vierter Mann ist bei ihnen.

Dieser leidgeprüfte jüdische Überrest wird die Gegenwart Gottes in ungeahnter Weise genießen!

Hier vergleicht Nebukadnezar diesen vierten Mann mit einem Sohn der Götter, in Vers 28 nennt er ihn einen Engel Gottes. Er hatte schon große Einblicke in das Handeln Gottes und Sein Wesen bekommen, und doch weiß man nicht, wie dieser Mann innerlich wirklich gestanden hat. Er spricht hier absolut als Heide; Sohn der Götter hat nichts mit Sohn Gottes zu tun! Im Hebräischen wäre das nicht so klar zu sagen, weil im Hebräischen für Gott immer die Mehrzahl gebraucht wird und für Götter eben auch die Mehrzahl. Man müsste aus dem Zusammenhang entnehmen, ob der allein wahre Gott gemeint ist oder die Götter. Aber hier haben wir den Text in aramäischer Sprache (Dan 2,4–7,28), und in dieser Sprache ist das anders. In dieser Sprache wird Gott immer in der Einzahl genannt, und wenn die Mehrzahl steht, sind immer Götzen gemeint.

Aber dieses Geschehen hat auch für uns eine Stimme: „Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt werden, und die Flamme wird dich nicht verbrennen“ (Jes 43,2). Jeder von uns hat seine Probleme; jeder von uns weiß ein wenig, was der Feuerofen ist; jeder von uns weiß, dass es keine einfachen Dinge sind und dass Gott sie uns eben nicht erspart und sie uns auferlegt. Aber dann erfahren wir, dass in unseren Nöten der bei uns ist, der uns errettet (Ps 23,4). Das Mitgefühl des Herrn Jesus mit uns im Ofen ist wertvoller als die Bewahrung vor dem Ofen – viele Geschwister haben das im Lauf der Jahrhunderte erlebt! Der Ofen wird zu einem Ort der Gemeinschaft mit Gott, und die Erfahrungen, die dabei gemacht werden, können nicht gemacht werden, wenn der Herr uns vor dieser oder jener Übung bewahrt. Gott verherrlicht sich oft mehr dadurch, dass Er den Seinen in diesen Übungen beisteht und Kraft zum Tragen und zum Ausharren gibt, als dadurch, dass Er in Seiner Macht das eine oder andere verhindert. Gott verherrlicht sich gerade dadurch, dass Er uns prüft, dass Er uns die Prüfungen nicht erspart!

Kirchengeschichtlich war die Epoche Smyrnas ein Feuerofen gewesen. Warum hatte der Herr diesen Feuerofen zugelassen, welche Absicht hatte Er damit verfolgt? Sollte nicht die Versammlung wieder zurückgeführt werden, weil sie ihre erste Liebe verlassen hatte? Und wenn uns der Herr heute persönlich oder als örtlicher Versammlung Prüfungen schickt, dann sollten wir sie auch einmal in diesem Licht sehen. Was hat Er uns damit persönlich zu sagen? Wovon will Er uns freimachen?

Am Anfang der Geschichte des irdischen Volkes Israel sprach Gott aus dem brennenden Dornbusch – ein Bild vom Volk Israel – zu Mose (2. Mo 3,4); dann finden wir diese Tatsache erst wieder ganz am Ende der Wüstenreise erwähnt (5. Mo 33,16). Es ist eine wunderbare Erfahrung, dass Gott mit Seinem Volk in den Übungen gegenwärtig ist.

Der Herr hatte dafür gesorgt, dass an den drei Freunden nur die Fesseln verbrannten. Manchmal führt der Herr auch durch Leiden, um Fesseln und Bindungen zu lösen. Und Er führt dann aus den Leiden heraus, um Brüder oder Schwestern zu befähigen, Ihm in einer besonderen Weise zu dienen. Bruder Heijkoop hat aus seinem Leben berichtet, dass er die schwersten, aber auch die kostbarsten Tage seines Lebens im Konzentrationslager hatte, als er jeden Tag damit rechnen musste, zur Hinrichtung geführt zu werden. Freigelassen wurde er, weil ein junger Offizier die Unterschriften der höheren Vorgesetzten für seine Entlassungsurkunde gefälscht hatte. Dieser wurde dafür hingerichtet. Als Bruder Heijkoop davon hörte, wurde ihm klar, dass der Herr ihn durch diese Umstände freimachen wollte, vollzeitig in Seinem Dienst tätig zu werden.

Bruder Darby übersetzt in seiner Bibel sowohl in den Versen 21, 23, 24 und 26 wie auch in unserer Elberfelder Übersetzung in Vers 25 jeweils die Worte „mitten in …“ bzw. „mitten aus dem Feuer heraus“. Wenn man beim Schmieden das Stahlstück besonders glühend haben will, darf man es nicht an den Rand des Feuers legen, dann muss es direkt in die Mitte des Feuers, dort ist die Hitze am größten – und da befanden sich die drei Freunde und mit ihnen der vierte Mann.

Da trat Nebukadnezar an die Öffnung des brennenden Feuerofens, hob an und sprach: Sadrach, Mesach und Abednego, ihr Knechte des höchsten Gottes, geht heraus und kommt her! Da gingen Sadrach, Mesach und Abednego aus dem Feuer heraus. Und die Satrapen, die Befehlshaber und die Statthalter und die Räte des Königs versammelten sich; sie sahen diese Männer, dass das Feuer keine Macht über ihre Leiber gehabt hatte: Das Haar ihres Hauptes war nicht versengt, und ihre Mäntel waren nicht verändert, und der Geruch des Feuers war nicht an sie gekommen“ (Dan 3,25–27).

Es werden besondere Einzelheiten bei den drei Freunden beschrieben, als sie aus dem Ofen herauskamen:

  • Ihr Haar war nicht versengt; das erinnert daran, dass ohne den Willen Gottes kein Haar von unserem Haupt verloren geht (Lk 21,18).
  • Ihre Mäntel waren nicht verändert; ihr Zeugnis für den Herrn hatte keinen Schaden genommen durch diese schlimme Prüfung.
  • Der Geruch des Feuers war nicht an sie gekommen; keine Spuren des Gerichtes sind zurückgeblieben, keine Erinnerung an vergangenes Leid bleibt zurück (vgl. Jes 25,8).

Wie vollkommen ist doch die Rettung Gottes an diesen drei Freunden! Dieses dreifache Ergebnis wurde vor all den Statthaltern und Satrapen und Würdenträgern Nebukadnezars bezeugt. Das erinnert uns kirchengeschichtlich an die Zusicherung des Herrn für die Treuen in Philadelphia (Off 3,9) und an das Gebet des Herrn in Johannes 17,23, wo die Welt erkennen soll, wie Er die Seinen liebt.

Wir können vielleicht vier Ergebnisse dieser Prüfung des Feuerofens bei den drei Freunden festhalten:

  • Sie hatten die Freude der Gemeinschaft mit ihrem Herrn in dieser Prüfung; diese Gemeinschaft hätten sie verloren, wenn sie sich vor dem Bild niedergebeugt hätten.
  • Es wird bestätigt, dass sie recht gehandelt hatten; Nebukadnezar muss anerkennen, dass der Gott, dem sie dienten, der höchste Gott ist.Gott wird verherrlicht.
  • Sie wurden von den Bindungen befreit.

Zum ersten Mal wird in der Bibel von Gott dem Höchsten gesprochen in 1. Mose 14,18–22. Da ist Melchisedek auch ein Bild von dem Herrn Jesus, der einmal König und Priester sein wird auf Seinem Thron (vgl. Sach 6,12.13), ein Hinweis auf den Segen des 1000-jährigen Reiches. Nebukadnezar spricht hier etwas aus, was er selbst überhaupt nicht verstanden hatte. Seine Worte machen deutlich, dass er noch andere Götter neben diesem höchsten Gott zulässt.

Achim Zöfelt



Der Prophet Daniel (13) – Kapitel 3,28-30

Online seit dem 07.06.2014, Bibelstellen: Daniel 3,28-30

Nebukadnezar hob an und sprach: Gepriesen sei der Gott Sadrachs, Mesachs und Abednegos, der seinen Engel gesandt und seine Knechte errettet hat, die auf ihn vertrauten und das Wort des Königs übertraten und ihre Leiber hingaben, um keinen Gott zu dienen oder ihn anzubeten, als nur ihrem Gott. Und von mir wird Befehl gegeben, dass jedes Volk, jede Völkerschaft und Sprache – wer Unrechtes spricht gegen den Gott Sadrachs, Mesachs und Abednegos, in Stücke zerhauen werden soll und dass sein Haus zu einer Kotstätte gemacht werden soll; weil es keinen anderen Gott gibt, der auf solche Weise zu erretten vermag. Darauf beförderte der König Sadrach, Mesach und Abednego in der Landschaft Babel.“ (Dan 3,28–30)

Unversehrt waren die drei Freunde vor all den Würdenträgern Babylons aus dem Feuerofen herausgekommen. Und Nebukadnezar muss jetzt bekennen, dass Gott Seinen Engel zu ihrer Rettung gesandt hatte. Prophetisch können wir darin ein Bild sehen von der Anerkennung der Nationen und ihrer Führer angesichts der Befreiung des Volkes Israels und auch ihre Huldigung dem König dieses Reiches gegenüber, der diese Befreiung für Sein Volk bewirkte (Sach 8,23Ps 102,16). Das macht deutlich, dass die prophetische Erfüllung dieses Bildes über die Grenzen der damaligen Geschehnisse hinausgeht.

Wir würden allerdings den Hauptgedanken etwas aus den Augen verlieren, wenn wir nicht bei dem bleiben, was wir hier vorliegen haben. Die Hauptbelehrung von Daniel 3ist für uns doch wohl die, wie wir uns angesichts der über uns gesetzten Regierungen und Gewalten zu verhalten haben. Das Standbild in Daniel 2 zeigt uns die komplette Entwicklung der Zeiten der Nationen – von ihrem Anfang bis zu ihrem Ende. Das ist die Basis, auf der die daran anschließenden geschichtlichen Kapitel ruhen. Aber diese geschichtlichen Kapitel enthalten über die normale sittliche Anwendung hinaus auch prophetische Bilder. Wir dürfen sie nur nicht überdeuten. Und diese prophetischen Hinweise sind maßgeblich für die Zeiten der Nationen. Was wir in den Kapiteln 3 bis 6 finden, charakterisiert die ganze Zeit der Nationen, also auch unsere heutigen Tage. Und in diesem Kapitel 3 lernen wir, dass Götzendienst die Zeiten der Nationen bestimmt. Es ist kein Fragen nach Gott, man macht sich seine eigenen Götzen. In den verschiedenen geschichtlichen Berichten haben wir also prophetische Hinweise auf die komplette Zeit der Nationen. Neben der sittlichen Anwendung auf uns dürfen wir diesen Gesichtspunkt also auch weiter betrachten, wir dürfen sie nur nicht überdeuten und durch alle möglichen Nebengedanken die grundsätzliche Linie verlieren.

Das Bild Nebukadnezars ist eine Religion, die verwirklicht werden sollte. Und die heutigen Entwicklungen in Europa gehen in die gleiche Richtung. Es werden heute Dinge gesetzlich geregelt, die gegen Gottes Wort sind. Dieser Geist hat die gesamte Christenheit durchdrungen, z.B. die Stellung der Frau innerhalb des christlichen Bekenntnisses – und auch in den christlichen Zusammenkünften. Die Forderung des Staates nach Gleichstellung ist von der Kirche sofort übernommen worden, und dadurch dringt es in sämtliche Bereiche der christlichen Welt hinein. Können wir uns dem heute noch entziehen? Noch werden wir nicht dazu gezwungen, aber wie weit geben wir diesem Trend freiwillig nach? Spätestens in dem Augenblick der Entrückung der Versammlung wird die letzte Hemmschwelle weggefallen sein (2. Thes 2,6.7). Ein anderes beschämendes Beispiel ist die Gleichbehandlung jeder sexuellen Orientierung; man muss sich heute schon fürchten, öffentlich zu sagen, dass Homosexualität nach der Bibel böse ist. Wenn wir nicht mehr das Wort Gottes sprechen lassen dürfen, dann fangen wir an, unseren Kopf vor diesem Bild zu beugen, und am Schluss liegen wir platt auf dem Boden!

„Gepriesen sei der Gott Sadrachs, Mesachs und Abednegos“: Nebukadnezar hatte erkannt, dass diese drei Freunde einem Gott vertrauten, der die Seinen nicht im Stich lässt. Er schämt sich nicht, der Gott dieser Treuen genannt zu werden (Heb 11,16). Nebukadnezar muss anerkennen, dass die drei Freunde richtig gehandelt hatten, als sie ihrem Gott vertraut und sich nicht dem König unterworfen hatten. Sie hatten ihrem Gott mehr gehorcht als dem Mann, der sich zwischen sie und ihren Gott stellen wollte. Sie hatten ihre Leiber hingegeben, hatten nicht um ihr eigenes Leben gekämpft, sondern es für ihren Gott hingegeben (vgl. Off 12,11). Mehr als ihr eigenes Leben besaßen sie nicht; alles, was sie hatten, gaben sie für ihren Gott hin. Hat das in der Anwendung von Römer 12,1 nicht auch eine sittliche Mahnung für uns heute? Sie gingen keine Kompromisse ein und ihr Gott bekannte sich zu ihnen. Aber in dem, wie Nebukadnezar von diesem Gott spricht, wird doch noch eine gewisse Distanz zu diesem Gott deutlich, ähnlich wie in Daniel 2,47. Er war beeindruckt von dem Handeln Gottes, aber mehr auch noch nicht:

  • Er anerkennt die Macht Gottes; er wusste dieses machtvolle Eingreifen Gottes richtig zuzuordnen.

  • Er anerkennt, dass die drei Freunde Diener Gottes waren und nicht Knechte Nebukadnezars.

  • Er anerkennt das Vertrauen der drei Freunde auf diesen Gott; so wie Mose fürchteten sie die Wut des Königs nicht (Heb 11,27) und schauten auf den Unsichtbaren, der dann im Feuerofen bei ihnen war.

Wenn Nebukadnezar jetzt von einem Engel des Gottes spricht, denen die drei Freunde vertraut hatten, ist er in seiner Erkenntnis weiter gekommen als noch in Vers 25. Hier spricht er ganz klar nicht mehr von einem Angehörigen seiner Götterwelt, sondern von dem einen wahren Gott, der Seinen Engel gesandt hat. In 2. Mose 3,2Richter 6,11 und in vielen anderen Stellen des Alten Testaments ist der Engel des Herrn der Herr Jesus selbst. Auffallend ist an diesen Stellen, dass da im Wechsel vom Engel des Herrn und vom Herrn selbst gesprochen wird, was deutlich macht, dass der Engel des Herrn nicht ein Geschöpf ist, sondern Gott selbst, der Sohn Gottes, der das Bild des unsichtbaren Gottes ist. Die drei Freunde hatten im Feuerofen erfahren, dass sich der Engel des Herrn um die her lagert, die Ihn fürchten, und dass Er sie befreit (Ps 34,8).

Nebukadnezar hatte sich zu Unrecht zwischen das Gewissen der drei Freunde und Gott gestellt; und jetzt tut er in Vers 29 etwas Ähnliches schon wieder. Er schießt in seiner Reaktion über das Ziel hinaus und handelt im Übermaß. Es ist bei uns oft so, dass wir von einer einseitigen Überbetonung schnell in genau das andere Extrem verfallen können. So ein Verhalten finden wir auch beim König Saul mehrfach, der oft aus dem Affekt heraus handelte. Das Neue Testament zeigt uns dagegen deutlich, dass wir in unserem Verhalten durch Nüchternheit und Besonnenheit gekennzeichnet sein sollen, sei es im persönlichen Leben oder auch in den örtlichen Versammlungen.

Nebukadnezar hat aus all seinen schönen Worten nichts gemacht, er hat auch nicht ein Atom gelernt. Er reagiert in Vers 29 genauso autoritär und fleischlich wie in Daniel 2,5. Auch Daniel 4 zeigt das dann sofort. Und es wird erst dann anders mit ihm, als er zunächst zum Tier und danach wieder zum Mensch wird. Erst danach war er ein anderer als vorher. Er findet zwar anerkennende Worte für Gott, aber er ist noch nicht zu Ende mit sich. Das Handeln Gottes mit diesem gottlosen Mann ist schon bewegend. Nebukadnezar hat etwas erlebt, was nie ein Mensch erlebt hat. Gott hatte mit ihm Ziele; und weil Er ihn wiederherstellte, dient er dann als Bild des Endes. Mit dem König Belsazar dagegen handelt Er ganz anders und erledigt ihn an nur einem Tag (Dan 5), Er brauchte nicht lange mit ihm, nachdem die Schrift erschienen war! Heinrich Heine hat darüber eine Ballade verfasst, und sein letztes Wort ist: „Belsazar ward aber in selbiger Nacht von seinen Knechten umgebracht.“1 Dieser Verachtung Gottes, dieser Gotteslästerung, begegnet Gott mit heiligem Ernst; noch in der gleichen Nacht kommt er um und das Reich wird von ihm genommen. Und das ist dann auch der Wechsel vom Babylonischen zum Medo-persischen Reich.

Vers 28 ist die Reaktion Nebukadnezars im Blick auf den Gott Israels, Vers 29 ist seine Reaktion in Richtung auf alle Völker und Nationen, und in Vers 30 hat er auch noch eine Zuwendung zu den drei Freunden. Gott sorgt hier durch den König Nebukadnezar dafür, dass die drei Freunde eine besondere Antwort auf ihre Treue bekommen (vgl. 1. Sam 2,30Jes 25,8). Gott ehrt diejenigen, die Ihn ehren, und Er wird jede Erinnerung an durchlittenes Leid von ihnen wegnehmen! Was diese Zuwendungen der babylonischen Könige an Daniel und seine Freunde betrifft, sehen wir, dass nicht nur Gott mit den Königen Nebukadnezar und Belsazar unterschiedlich gehandelt hatte, sondern dass auch die vier Freunde die Zuwendungen dieser Könige unterschiedlich beantworten. Am Ende von Daniel 2 und hier in Vers 30 haben sie diese Gunsterweisungen offensichtlich angenommen, aber die Geschenke und Ehrungen des Königs Belsazar weist Daniel entschieden zurück (Dan 5,17).

Belsazar

Die Mitternacht zog näher schon;
in stiller Ruh’ lag Babylon.

Nur oben in des Königs Schloss,
da flackert’s, da lärmt des Königs Tross.

Dort oben in dem Königssaal
Belsazar hielt sein Königsmahl.

Die Knechte saßen in schimmernden Reih’n,
und leerten die Becher mit funkelndem Wein.

Es klirrten die Becher, es jauchzten die Knecht’;
so klang es dem störrigen Könige recht.

Des Königs Wangen leuchten Glut;
im Wein erwuchs ihm kecker Mut.

Und blindlings reißt der Mut ihn fort
und er lästert die Gottheit mit sündigem Wort.

Und er brüstet sich frech und lästert wild;
die Knechtenschar ihm Beifall brüllt.

Der König rief mit stolzem Blick;
der Diener eilt und kehrt zurück.

Er trug viel gülden Gerät auf dem Haupt;
das war aus dem Tempel Jehovas geraubt.

Und der König ergriff mit frevler Hand
einen heiligen Becher, gefüllt bis am Rand.

Und er leert ihn hastig bis auf den Grund,
und rufet laut mit schäumendem Mund:

„Jehova! dir künd ich auf ewig Hohn –
ich bin der König von Babylon!“

Doch kaum das grause Wort verklang,
dem König ward’s heimlich im Busen bang.

Das gellende Lachen verstummte zumal;
es wurde leichenstill im Saal.

Und sieh! und sieh! an weißer Wand
da kam’s hervor wie Menschenhand;

und schrieb, und schrieb an weißer Wand
Buchstaben von Feuer, und schrieb und schwand.

Der König stieren Blicks da saß,
mit schlotternden Knien und totenblass.

Die Knechtenschar saß kalt durchgraut,
und saß gar still, gab keinen Laut.

Die Magier kamen, doch keiner verstand
zu deuten die Flammenschrift an der Wand.

Belsazar ward aber in selbiger Nacht
von seinen Knechten umgebracht.

Heinrich Heine



Der Prophet Daniel (14) - Kapitel 3,31-4,4

Online seit dem 09.06.2014, Bibelstellen: Daniel 3,31-4,4

Vorbemerkungen zu Vers 31–33

Die Kapitel-Einteilung ist nicht inspiriert, und das wird hier auch deutlich. Die Verse 31–33 gehören inhaltlich zu Daniel 4, und in der früheren Elberfelder Übersetzung begann Daniel 4 mit Vers 31 aus Daniel 3. Hier ist die überarbeitete Fassung der Elberfelder Übersetzung nicht besser geworden. Diese drei Verse sind eine Vorwegnahme dessen, was in Daniel 4 dann geschieht. Nebukadnezar schreibt einen eigenen Brief, und man könnte sagen, er schreibt diesen Brief über seine Bekehrung. Er schreibt an alle Völker der Erde und will ihnen vorstellen, welche Wunder Gott mit ihm getan hat. Der Bericht darüber folgt dann ab Dan 4,1. Die Verse Dan 3,31–33 sind also eine Zusammenfassung dessen, was am Ende sich dann sichtbar zeigt. Das Ende wird also nach vorne projiziert, es wird zuerst gezeigt, was Gott erreicht hat, und dann der Prozess geschildert, der dahin geführt hat. Auch in den Psalmen finden wir oft eine ähnliche Struktur, dass das Ergebnis vorweggenommen wird in den ersten Versen, und dann der Vorgang geschildert wird, der dahin geführt hat.

Nebukadnezar, der König, allen Völkern, Völkerschaften und Sprachen, die auf der ganzen Erde wohnen: Friede euch in Fülle! Es hat mir gefallen, die Zeichen und Wunder mitzuteilen, die der höchste Gott an mir getan hat. Wie groß sind seine Zeichen, und wie mächtig seine Wunder! Sein Reich ist ein ewiges Reich, und seine Herrschaft währt von Geschlecht zu Geschlecht!“ (Vers 31–33)

Nebukadnezar macht hier eine Mitteilung an sein ganzes Reich und betont darin, was der höchste Gott (vgl. Dan 3,26) „an mir“ getan hat; damit bezieht er sich auf das, was er in Kap 4 erlebt. In Kap 3 hatte er erlebt, was der große Gott an denen, die ihm treu waren, getan hatte. Aber jetzt in Kap 4 bekommt er es ganz persönlich mit Gott zu tun. Wir bekommen eine tiefe Ehrfurcht davor, dass Gott diesen Nebukadnezar nicht gehen lässt; er muss jetzt etwas erleben, was ans Mark geht. Und zu sehen, wie Gott das macht mit diesem stolzen und mächtigen Mann, ist zutiefst beeindruckend. Von keinem anderen Menschen in der Heiligen Schrift wird ein solcher Prozess geschildert, dass er den Verstand verlor und zu einem Tier wurde.

Nebukadnezar schildert in diesem offenen Brief nicht seine Größe sondern die Herrlichkeit Gottes. Aber zuerst wünscht er allen Menschen Frieden in Fülle, dass hatte es bei ihm bis dahin überhaupt noch nicht gegeben! Und neu ist dann auch, dass er von den Wundern und Zeichen spricht, die der höchste Gott in dem Kapitel 4 an ihm getanhat. Bislang war bei ihm nie eine Veränderung eingetreten, ähnlich wie die Leute in Jerusalem zur Zeit des Herrn Jesus, die an Seinen Namen glaubten, weil sie Seine Zeichen sahen, die Er tat (Joh 2,23). Aber der Herr vertraute sich ihnen nicht an, weil Er wusste, dass bei diesem angeblichen Glauben keine wirkliche Buße vorhanden war, kein wirkliches Werk an ihrer Seele geschehen war. So war es bis dahin auch bei Nebukadnezar.

Aber jetzt schreibt er von den Geschehnissen des vierten Kapitels, dass Gott sie an ihm getan hatte. Und er nennt sie große Zeichen und mächtige Wunder. Mit diesem Mann waren Wunder geschehen! Und was er dann in Vers 33 über das Reich und die Herrschaft Gottes sagt, lässt sich direkt verbinden mit seinen Aussagen am Schluss des vierten Kapitels (Dan 4,31) – und dazwischen kommt jetzt der Prozess.

Kapitel 4

In Daniel 3 hatten wir Götzendienst vor uns gehabt, den das Haupt des ersten der vier Weltreiche eingeführt hatte und zu einem Zwang für das ganze riesige Reich machen wollte. In Daniel 4 wird uns ein anderer Gedanke vorgestellt, der immer kennzeichnend für die Menschen gewesen ist von Anfang an: Selbstüberhebung, Missbrauch der von Gott verliehenen Macht, Verlust der Beziehung zu Gott. Gerade für Babel ist dieser Charakterzug kennzeichnend, wenn wir nur an den Turmbau zu Babel, der genauso bis an den Himmel reichen sollte, wie hier dieser große Baum im Traum Nebukadnezars (1. Mo 11,4Dan 4,8).

Gott ist von Anfang der Schöpfung an der alleinige Oberherrscher und König der Welt. David hatte das verstanden, als er den Tempel bauen wollte und dann sein Sohn Salomo dazu von Gott bestimmt wurde und er ihn vor der ganzen Versammlung dazu einsetzte: „Dein, Herr, ist das Königreich, und du bist über alles erhaben als Haupt…und du bist Herrscher über alles…“ (1. Chr 29,11+12). Damit ist die allgemeine Weltherrschaft Gottes des Schöpfers über Seine Schöpfung gemeint, die solange währen wird, wie die Schöpfung existiert. Die erste Unter-Herrschaft hatte Gott dem Adam gegeben; aber schon der erste Mensch hatte die ihm verliehene Fähigkeit und Autorität dazu benutzt, sich gegen Gott zu stellen und sich von Ihm loszumachen. Und dieses Sündenprinzip durchzieht seitdem die gesamte Menschheitsgeschichte. Gott hatte sich Israel als Volk erwählt und wollte ihr König sein (2. Mo 15,18), aber sie waren nicht damit zufrieden, direkt Gott unterstellt zu sein und wünschten einen König wie alle übrigen Nationen zu haben (1. Sam 8,5–7; 19 – 22) – Saul. Dann kam David, der Mann nach dem Herzen Gottes; und schon Salomo, die zweite Generation, versagte kläglich. Selbst diese bevorrechtigte Nation, die eine solche Beziehung zu Gott hatte, hatte versagt. Und dann kommt diese Zeit der Nationen, wo Gott den Menschen der Nationen die Weltmacht überlässt. Sie haben nicht solch eine konkrete Beziehung wie Israel zu Gott, aber sie sollten doch zumindest das Bewusstsein haben, dass Gott noch hinter der Szene steht und sie ihm verantwortlich sind. So kam Nebukadnezar erst dann zur Wiederherstellung, als er zu dieser Einsicht kam, dass die Himmel herrschen. Obwohl er von Gott als das Haupt von Gold eingesetzt wurde, musste er doch anerkennen, dass es einen gibt, der über ihm ist, dass es eine immerwährende Autorität Gottes gibt, die auch ihm seinen Platz gegeben hatte. So schildert es dann Daniel auch dem Belsazar, als er von diesen Erfahrungen Nebukadnezars berichtet (Dan 5,21). Viele Könige in der Geschichte Europas hatten das zumindest im Ansatz verstanden, wenn sie sich als Könige von Gottes Gnaden bezeichnet haben. Nachdem auch diese vier Weltreiche versagt hatten, kommt dann der, den Gott erwählt hat, dem Er das Reich Gottes geben wird. Dann wird ein Mensch wirklich in Übereinstimmung mit Gott über eine Erde herrschen, die in einem neuen Zustand sein wird. Es wird eine Herrschaft sein, die gegründet ist auf Erlösung und Vergebung. Unfassbar, dass sich auch das wieder verderben wird, und das wird dann das Ende der Weltgeschichte sein. Sogar in diesem Reich wird der Mensch beweisen, dass er in seinem natürlichen Zustand unverbesserlich ist und unfähig, die Gedanken Gottes zu tun. 6000 Jahre Menschheitsgeschichte beweisen, dass der Mensch einfach nicht zur Einsicht kommen und nach Gottes Gedanken leben kann und will.

Gott verleiht den Menschen Regierungs-Autorität, Weltmacht, und der Mensch, der ohne Gott lebt, benutzt diese von Gott verliehene Macht zu nichts anderem, als sich selbst an die Stelle Gottes zu setzen. Das ist das zweite große Kennzeichen aller dieser Mächte und damit auch unserer Tage. Von Anfang an hat Satan den Menschen mit dieser Verlockung versucht, dass sie sein würden wie Gott (1. Mo 3,5). Und bis zum Ende der Menschheitsgeschichte wird er den Menschen dahin verführen, sich selbst an die Stelle Gottes zu setzen. Das heutige Bestreben der Autonomie ist nichts anderes als diese Taktik Satans: „Über uns gibt es kein Wesen, keine Autorität“. Und das wird enden in der Verbindung der beiden Machthaber mit dem wiedererstandenen römischen Weltreich, wenn sich der Antichrist selbst in den Tempel Gottes setzen wird und sich selbst als Gott darstellt und anbeten lässt (2. Thes 2,4).

Es kann angenommen werden, dass die Ereignisse dieses Kapitels zeitlich nicht unmittelbar im Anschluss an Daniel 3 stattgefunden haben, sondern einige Jahre dazwischen liegen und eher in der zweiten Hälfte oder gegen Ende der 43-jährigen Regierungszeit Nebukadnezars geschehen sind. Daniel ist dann hier auch kein junger Mann mehr, sondern eher schon ein Mann mittleren Alters. Das wird auch noch erhärtet durch den Umstand, dass sieben Zeiten = sieben Jahre vergehen sollten, bis Nebukadnezar wieder in den menschlichen Zustand zurückkehrte (Vers 13); und nach der Deutung des Traumes durch Daniel und dem Moment, wo das Wort an ihm vollzogen wurde, vergingen ja auch schon 12 Monate = 1 Jahr (Vers 26).

Ich, Nebukadnezar, wohnte ruhig in meinem Haus und hatte Gedeihen in meinem Palast. Ich sah einen Traum, er erschreckte mich; und Gedanken auf meinem Lager und Gesichte meines Hauptes ängstigten mich. Und von mir wurde Befehl gegeben, alle Weisen von Babel vor mich zu führen, damit sie mir die Deutung des Traumes kundtäten. Darauf kamen die Wahrsagepriester, die Sterndeuter, die Chaldäer und die Wahrsager herbei; und ich trug ihnen den Traum vor, aber sie taten mir seine Deutung nicht kund“ (Vers 1–4)

Was Nebukadnezar jetzt schreibt, ist zu seiner tiefen Demütigung, aber er schreibt es doch allen Völkern. Er schreibt, damit die Menschen seines Reiches wüssten, wie es dazu gekommen ist, dass er jetzt auf einmal ein ganz anderer war. Er sitzt da in seinem Palast und hatte Gedeihen; er war ein mit sich und der Welt zufriedener und glücklicher Mensch, nur – ohne Gott. Über diesen Palast wird er später noch mehr sagen (Dan 4,26+27), nämlich dass er und niemand sonst ihn erbaut hatte. Er hatte erreicht, was er erreichen wollte, sein Reich war soweit in Frieden. Eine Zeit der Muße, der Sorglosigkeit und des Übermuts ist auch für den König David eine Gefahr und ein Fallstrick geworden (2. Sam 11,1+2). Hat das nicht auch uns etwas zu sagen? Wieviel Muße haben wir oft, und gerade in unseren Tagen des Internets sind die Gefahren so groß, dass wir in solchen freien Augenblicken gerade durch diese vielfältigen fleischlichen Anreize zu Fall kommen!

Dann bekam Nebukadnezar einen Traum, und diesmal vergaß er den Traum nicht. Ganz genau hatte sich dieser Traum in sein Gedächtnis eingegraben, jede Einzelheit. Und dieser Traum beängstigte ihn, obwohl er seine Bedeutung noch nicht verstand. Nebukadnezar empfindet wohl, dass über dem blauen Himmel sich Wolken zusammenziehen, die wahrscheinlich ihn zum Ziel haben. Und wieder ruft er seine Weisen zusammen, und wieder vermögen sie nicht, ihm den Traum zu deuten. Offenbar aber hatte er Daniel dabei vergessen, obwohl er ihn doch zum Obersten aller Weisen von Babel gemacht hatte (Dan 2,48).

Achim Zöfelt



Der Prophet Daniel (15) - Kapitel 4,5-16

Online seit dem 11.06.2014, Bibelstellen: Daniel 4,5-16

Und zuletzt trat vor mich Daniel, dessen Name Beltsazar ist, nach dem Namen meines Gottes, und in dem der Geist der heiligen Götter ist; und ich trug ihm den Traum vor: Beltsazar, du Oberster der Wahrsagepriester, da ich weiß, dass der Geist der heiligen Götter in dir ist und dass kein Geheimnis dir zu schwer ist, so sage mir die Gesichte meines Traumes, den ich gesehen habe, und seine Deutung. Was nun die Gesichte meines Hauptes auf meinem Lager betrifft, so sah ich:“ (Vers 5–7a)

Nebukadnezar holt den Daniel scheinbar nur aus Verlegenheit, weil er mit seinen eigenen Leuten nicht weiter kam. Daraus wird deutlich, dass er mit Daniel keine Wesensverbindung hatte, er war ihm ein Fremder geblieben. Der Traum war ein Traum des Himmels, aber die Philosophen dieser Welt kennen nur die Gedanken dieser Erde, sie können nicht deuten, was vom Himmel kommt. Ist das aber nicht auch eine Auszeichnung für Daniel, dass er getrennt von ihnen erwähnt wird? Obwohl Nebukadnezar ihn zu einem dieser Männer gemacht hatte, gehörte er doch nicht zu ihnen. Man konnte ihn unterscheiden von den anderen, offensichtlich war er in seinem Lebenswandel geprägt durch Trennung. Von uns wird auch gesagt, dass wir wohl in der Welt sind, aber nicht von der Welt sind (Joh 17,11+14). Wie weit entsprechen wir dem in unserem praktischen Verhalten?

Nebukadnezar wusste ganz genau Bescheid, dass in dem Daniel ein Mann da war, der fähig war, Dinge zu erläutern und zu deuten, die seinen eigenen Schriftgelehrten verborgen blieben. Er nimmt also jetzt Zuflucht zu einem Mann, zu dem keine Wesensverbindung bestand und redet ihn mit seinem heidnischen Namen Beltsazar an. Er hätte lieber seine natürlichen Hilfsquellen benutzt und Daniel gar nicht gebraucht, so wie es auch bei uns noch sein kann, dass wir zu den geistlichen Quellen erst dann Zuflucht nehmen, wenn die natürlichen Hilfsmittel versagen. Aber da sich sein Herz ängstigte und ihm keine Ruhe mehr ließ, nimmt er es in Kauf, diesen Beltsazar zu holen und zu ihm zu sprechen.

Und siehe, ein Baum stand mitten auf der Erde, und seine Höhe war gewaltig. Der Baum wurde groß und stark, und seine Höhe reichte bis an den Himmel, und er wurde gesehen bis an das Ende der ganzen Erde; sein Laub war schön und seine Frucht zahlreich, und es war Nahrung an ihm für alle; die Tiere des Feldes fanden Schatten unter ihm, und die Vögel des Himmels wohnten in seinen Zweigen, und alles Fleisch nährte sich von ihm. Ich sah in den Gesichten meines Hauptes auf meinem Lager: Und siehe, ein Wächter und Heiliger stieg vom Himmel herab. Er rief mit Macht und sprach so: Haut den Baum um und schneidet seine Zweige weg; streift sein Laub ab und streut seine Frucht umher! Die Tiere unter ihm sollen wegfliehen und die Vögel aus seinen Zweigen! Doch seinen Wurzelstock lasst in der Erde, und zwar in Fesseln aus Eisen und Kupfer, im Gras des Feldes; und vom Tau des Himmels werde er benetzt, und mit den Tieren habe er Teil am Kraut der Erde. Sein menschliches Herz werde verwandelt und das Herz eines Tieres werde ihm gegeben; und sieben Zeiten sollen über ihm vergehen. Durch Beschluss der Wächter ist dieser Ausspruch, und ein Befehl der Heiligen ist diese Sache, damit die Lebenden erkennen, dass der Höchste über das Königtum der Menschen herrscht und es verleiht, wem er will, und den Niedrigsten der Menschen darüber bestellt. Diesen Traum habe ich, der König Nebukadnezar, gesehen; und du, Beltsazar, sage seine Deutung, da alle Weisen meines Königreichs mir die Deutung nicht kundzutun vermögen; du aber vermagst es, weil der Geist der heiligen Götter in dir ist.“ (Vers 7b-15)

Dieses Kapitel ist sehr lang, aber viele Verse sind reine Wiederholung des Traumes von Nebukadnezar. Deshalb ist es hilfreich, bei der Betrachtung des Traumes von Nebukadnezar auch gleich die Deutung durch Daniel mit zu betrachten. Die Verse 7 bis 15 beinhalten also den Traum Nebukadnezars, und die Verse 16 bis 24 dann die Deutung des Traums durch Daniel, die fast eine wortwörtliche Wiederholung des Traumes sind. Es ist eigentlich erstaunlich für Gottes Wort, das ja nicht dadurch gekennzeichnet ist, dass es sich ständig wiederholt oder ganze Abschnitte einfach wiederholt werden. Aber hier ist es so. Es muss Gott sehr wichtig sein, sodass Er die Beschreibung fast Wort für Wort wiedergibt. Hilfreich ist deshalb vielleicht die nachfolgende Gliederung der Verse des Traumes und seiner Deutung:

 

Nebukadnezars Traum

Daniels Wiederholung

Daniels Deutung

der Baum

Verse 8+9

Verse 17+18

Vers 19

der Wächter+Heilige

Verse 10+11

Vers 20

Verse 21–22

der Wurzelstock

Vers 12+13

Vers 23

Vers 23

der Höchste herrscht

Vers 14

Vers 22

 

Wenn es um diesen Traum geht, dann wird in diesem Kapitel mit ziemlichem Nachdruck deutlich gemacht, warum Gott dem Nebukadnezar diesen Traum gegeben hat. Dreimal wird eine Begründung für diesen Traum gegeben:

  • die Lebenden sollen erkennen, dass der Höchste über das Königtum der Menschen herrscht und es verleiht, wem Er will und den Niedrigsten der Menschen darüber bestellt (Vers 14); aus Vers 34 wird deutlich, dass Nebukadnezar unter dem Niedrigsten sich selbst versteht; Gott hatte ihn aus seiner Überhebung erniedrigt

  • Nebukadnezar selbst soll erkennen, dass der Höchste über das Königtum der Menschen herrscht und es verleiht, wem Er will (Vers 22b)

  • Nebukadnezar soll erkennen, dass die Himmel herrschen (Vers 23)

Der Traum ist also nicht nur eine Botschaft für Nebukadnezar, sondern ausdrücklich auch eine Botschaft für die Lebenden, die hier etwas zur Kenntnis nehmen sollen, nämlich diesen allgemeinen Grundsatz Gottes, dass Er den erniedrigt, der sich selbst erhöht, und den erhöht, der sich selbst erniedrigt. Aber in diesem Niedrigsten der Menschen können wir auch eine Andeutung auf den Herrn Jesus sehen. Gerade in Ps 8,5–7 wird uns Seine Niedrigkeit beschrieben und wie Er dann zum Herrscher über alles gemacht worden ist. Er hatte sich selbst zu nichts gemacht (Phil 2,7+8), den tiefsten Platz eingenommen – und Gott hat Ihn deshalb erhoben und erhöht und Ihn sehr hoch gemacht (Jes 52,13). Er wird einmal derjenige sein, der die Regierung antritt; wenn im 1000-jährigen Reich die Himmel herrschen werden, dann wird der Herr Jesus, der einst der Niedrigste war, der sich selbst zu nichts gemacht hat, die Herrschaft antreten!

Da entsetzte sich Daniel, dessen Name Beltsazar ist, eine Zeit lang, und seine Gedanken ängstigten ihn. Der König hob an und sprach: Beltsazar, der Traum und seine Deutung ängstige dich nicht. Beltsazar antwortete und sprach: Mein Herr, der Traum gelte deinen Hassern und seine Deutung deinen Feinden!“ (Vers 16)

Daniel muss beim Erzählen des Traumes sofort seine Deutung in allen Einzelheiten verstanden haben, sonst hätte er sich wohl nicht gleich entsetzt. Ein solche tiefe Betroffenheit finden wir bei ihm mehrfach (Dan 7,28; 8,27). Wir können oft über Prophetie sprechen mit ihren sehr ernsten Einzelheiten, ohne dass es uns betroffen macht, was die Menschen treffen wird, auf die sich die Prophetie bezieht. Wir haben oft ein viel zu geringes Empfinden dafür, dass z.B. die Gerichte in der Offenbarung einmal Menschen treffen werden, die vielleicht heute schon leben, die wir kennen. Löst das Empfindungen bei uns aus diesen Menschen gegenüber? Versuchen wir, die Menschen zu überreden, weil wir den Schrecken des Herrn kennen (2. Kor 5,11+20)? Daniel jedenfalls versuchte das in Dan 4,24; er hatte die Empfindungen Jeremias und suchte eher den Frieden der Stadt, wohin der Herr sie weggeführt hatte (Jer 29,7). Hier muss er nun etwas sehen, was Gericht für diesen Herrscher bedeutete, und das erschütterte ihn. Ähnlich ging es wohl dem Samuel, als er dem Priester Eli das Gericht ankündigen sollte (1. Sam 3,15); er hatte noch ein Empfinden für die von Gott verliehene Autorität Elis in seiner Stellung als Priester, und er als Jüngling sollte jetzt diesem Priester entgegentreten.

War es denn nun gut und richtig, dass er hier starr vor Entsetzen wurde? Verständlich war es bestimmt, denn der König Nebukadnezar war ihm nicht egal, er hatte offensichtlich ein gewisses Mitgefühl mit ihm. Und was er jetzt dem König zu sagen hatte, war eine gewaltige Herausforderung, war etwas, was den König zutiefst treffen würde, und dazu brauchte es Mut. Vielleicht können wir eine gewisse menschliche Schwäche bei Daniel sehen, wenn er wünscht, dass der Traum lieber nicht für den König sondern für einen seiner Feinde bestimmt sein sollte.

Es ist ja auffällig, dass Daniel in diesem Vers fast nur Beltsazar genannt wird. Wenn er hier dem König antwortet, ist das wohl das einzige Mal, dass nur der heidnische Name erwähnt wird ohne die Hinzufügung seines eigentlichen Namens Daniel. Vielleicht auch ein kleiner Beleg dafür, dass er in diesem Augenblick, beängstigt und bedroht durch die ernsten Dinge, die er sieht, selbst nicht ganz auf der Höhe des Glaubens ist. Aber dies verändert sich sofort wieder wenn er dem König die Deutung anzeigt. Aber wenn wir daran denken, dass dieses ganze Kapitel ein Brief Nebukadnezars ist, dann fällt doch auf, dass dieser König Babylons selbst Daniel zweimal bei seinem alten jüdischen Namen nennt (Vers 5 und 16). Der, der dem Daniel einen neuen Namen gegeben hatte, um alles auszulöschen, was noch an den wahren Gott erinnerte, nennt ihn noch zweimal bei diesem alten Namen.

Achim Zöfelt

Der Prophet Daniel (16) - Kapitel 4,17-24

Online seit dem 13.06.2014, Bibelstellen: Daniel 4,17-24

Der Baum, den du gesehen hast, der groß und stark wurde und dessen Höhe an den Himmel reichte und der über die ganze Erde hin gesehen wurde, und dessen Laub schön und dessen Nahrung war für alle, unter dem die Tiere des Feldes wohnten und in dessen Zweigen die Vögel des Himmels sich aufhielten: Das bist du, o König, der du groß und stark geworden bist; und deine Größe wuchs und reichte bis an den Himmel und deine Herrschaft bis ans Ende der Erde“ (Vers 17–19)

Ein Baum wächst auf der Erde und ein Baum ist groß, und bildlich steht ein Baum für Größe und Macht und Stärke auf der Erde, nicht vom Himmel sondern in der Schöpfung. Ein Baum bezieht seine Kraft auch nicht vom Himmel her, sondern aus der Erde. Hier in der Deutung wird der Baum direkt auf Nebukadnezar persönlich bezogen, nicht auf Menschenmengen und Völker, und anders auch als in dem Traum Nebukadnezars in Daniel 2, wo die Größe und Herrlichkeit des Bildes auf sein Reich bezogen wird. Und so trifft das Gericht hier auch den König persönlich und sein Reich bleibt weiter bestehen. In Hes 31,10+18 wird ein ähnliches Bild von einem Baum und seiner Größe auf den Pharao von Ägypten bezogen. Und was diesen beiden Bildern gleich ist, ist die Erhebung des Herzens des Menschen. In Mt 13,32 wird auch das Bild eines großen Baumes gebraucht, um damit dieses böse System anzudeuten, zu dem die bekennende Christenheit innerhalb des Reiches der Himmel geworden ist. Das System religiöser Christenheit ist zu einem System äußerer Größe – getrennt von Gott – geworden.

Der Baum ist in der Heiligen Schrift ein Symbol für ein großes beherrschendes Regierungssystem auf der Erde. Wenn also hier Nebukadnezar mit einem Baum verglichen wird, dann ist das ganz legitim, denn Gott hatte ihn zu einer beherrschenden Macht auf der Erde gemacht. Schon in Dan 2,38 hatte Gott die Tiere des Feldes und die Vögel des Himmels in die Hand Nebukadnezars gegeben, sodass hier bei den Vögeln des Himmels in den Zweigen des Baumes nicht unbedingt an Unreinheit zu denken ist, wie sonst oft bei den Bäumen. Nebukadnezar hatte nicht nur die Macht über alle Geschöpfe unter seiner Hand, selbst die Tiere fanden Schutz in diesem System, Nahrung und Bleibe. Es ist also ganz schlicht eine Beschreibung von der Größe und Erhabenheit dieses Königs, wo selbst alle Tiere unter seinem Schutz Gedeihen haben und alle Annehmlichkeiten des Lebens finden. Aber wenn es heißt, dass der Baum bis an den Himmel wuchs, dann ist darin wohl schon die Selbstüberhebung Nebukadnezars angedeutet.

Wenn Nebukadnezar dann zum Tier wird, werden alle Tiere aufgefordert, diesen Baum zu verlassen (Vers 11). Es ist tief bewegend, dass diese Erniedrigung Nebukadnezars auch in gewissem Sinn sich auf die Schöpfung ausgedehnt hat.

Ein Unterschied zu der alles umfassenden Machtfülle des Herrn Jesus, der Er als Sohn des Menschen auf dieser Erde ausüben wird, bleibt allerdings bestehen: Nebukadnezar ist niemals mit der Macht über die Fische des Meeres ausgerüstet worden; von dem Herrn Jesus heißt es, dass die Tiere des Feldes, die Vögel des Himmels und die Fische des Meeres unter Seine Füße gestellt sind (Ps 8,7–9). Diese Herrlichkeit hat der Herr Jesus als der Erbe aller Dinge ganz allein.

Und dass der König einen Wächter und Heiligen vom Himmel herabsteigen sah, der sprach: „Haut den Baum um und verderbt ihn! Doch seinen Wurzelstock lasst in der Erde, und zwar in Fesseln aus Eisen und Kupfer, im Gras des Feldes; und vom Tau des Himmels werde er benetzt, und er habe sein Teil mit den Tieren des Feldes, bis sieben Zeiten über ihm vergehen“ – dies ist die Deutung, o König, und dies der Beschluss des Höchsten, der über meinen Herrn, den König, kommen wird: Man wird dich von den Menschen ausstoßen, und bei den Tieren des Feldes wird deine Wohnung sein; und man wird dir Kraut zu essen geben wie den Rindern und dich vom Tau des Himmels benetzt werden lassen; und es werden sieben Zeiten über dir vergehen, bis du erkennst, dass der Höchste über das Königtum der Menschen herrscht und es verleiht, wem er will. Und dass man gesagt hat, den Wurzelstock des Baumes zu lassen: Dein Königtum wird dir wieder zuteil werden, sobald du erkannt haben wirst, dass die Himmel herrschen“ (Vers 20–23)

In der Beschreibung des Wächters sehen wir, dass Gott auch in der Zeit der Nationen darüber wacht, wie die Herrscher ihre verliehene Macht ausüben und wie Er zu Seiner Zeit eingreift. Und die Beschreibung des Heiligen erinnert uns daran, dass Er Seinen Maßstab der Heiligkeit anlegt an diese Menschen. Gott hatte gewacht und stieg selbst vom Himmel herab. Diese Selbst-Überhebung Nebukadnezars ist in den Augen Gottes etwas ungemein Böses, und als der Wächter Seiner eigenen Heiligkeit und Ehre musste Er darauf in Gericht antworten. Es ist ein doppeltes Gericht, das Daniel aus dem Traum heraus ankündigt:

  • „Haut den Baum um“: einerseits würde ihm seine Herrschaft für eine Zeit weggenommen werden

  • „und verderbt ihn“: andererseits würde er durch Gott in den Zustand eines Tieres degradiert werden

Aber es ist doch erstaunlich, dass es ein zeitliches Gericht bleibt, denn der Wurzelstock sollte in der Erde bleiben. Wenn der Wurzelstock eines Baumes in der Erde bleibt, so gibt es Hoffnung (Hiob 14,7–9). So groß ist die Gnade Gottes, dass selbst in diesem Gericht noch Hoffnung angedeutet bleibt. Eisen und Kupfer dieser Fesseln des Wurzelstocks sprechen von der Festigkeit (Eisen) und der göttlichen Gerechtigkeit (Kupfer) des Gerichts. Es sind Mittel in der Hand Gottes, einmal das Königtum zu bewahren, damit es Nebukadnezar wieder gegeben werden könnte; es sind aber auch Mittel Gottes, Nebukadnezar selbst zu erhalten in diesen sieben Jahren.

Nebukadnezar wurde erniedrigt, er wurde wie ein Tier. Es ist typisch für ein Tier, dass es nach unten guckt. Nur der Mensch ist in der Lage, nach oben zu schauen ohne sich anzustrengen. Eine Beschreibung dessen, was Tier bedeutet, finden wir in Ps 49,21: keine Einsicht haben, das traf auf Nebukadnezar zu! Und das ist also typisch für die Zeit der Nationen, sie sind wie Tiere, sie haben keine Einsicht in die Dinge Gottes (vgl. auch Ps 73,21+22). Ihre einzige Blickrichtung geht zur Erde, und sie verstehen gar nichts von Gott. Sie gleichen einem Tier, das keine Intelligenz hat. Ein erschütterndes Bild der Zeiten der Nationen von Anfang bis zu Ende. Und wenn wir als Gläubige uns abwenden von dem Verständnis der Gedanken Gottes, dann stellen wir uns auf die Stufe eines Tieres.

Gott hatte vor, diesen Baum wieder sprossen zu lassen. Sieben ist die Zahl der Vollkommenheit göttlichen Handelns, und hier hat Gott eine vollkommene Zeit der Zucht, ein zeitlich befristetes Gericht über Nebukadnezar ausgeübt, die dazu führte, dass er zu einer gewissen Erkenntnis Gottes kam. Sieben Zeiten stehen für sieben Jahre, aber sie haben absolut nichts mit den sieben Jahren der Drangsalszeit zu tun. Sie reden von der Fülle der Zeiten der Nationen; diese Zeit wird gekennzeichnet sein durch das, was wir hier haben: Hochmut, man vergisst, dass Gott die Macht gibt, dass man einfach Gott ausschaltet und sich noch höher macht, als man schon hoch zu sein meint. Diese sieben Zeiten sind also eine Beschreibung der Fülle der Zeiten der Nationen, wie sie sich von Anfang bis Ende darstellen werden.

Darum, o König, lass dir meinen Rat gefallen und brich mit deinen Sünden durch Gerechtigkeit und mit deinen Ungerechtigkeiten durch Barmherzigkeit gegen Elende, wenn dein Friede Dauer haben soll“ (Vers 24)

In diesem Vers haben wir die letzte Erwähnung Daniels in diesem Kapitel. Er hatte die Deutung des Traumes angezeigt, und jetzt kommt mit dieser Mahnung sein letztes Wort an den König. Er tut darin in aller Bescheidenheit einen evangelistischen Dienst, sicherlich mit innerlichem Zittern, aber er spricht dennoch Klartext. Hätten wir auch den Mut, mal in unserer nächsten Umgebung eine klare Botschaft zu verkündigen? Es ist eine zeitlos gültige Botschaft, die Daniel bringt: wenn wir je Gelingen haben wollen, dann müssen wir brechen mit unseren Sünden. Die Sünden, von denen Nebukadnezar lassen sollte, waren nicht nur allgemein sein Hochmut, sondern auch seine übergroße Grausamkeit und die Einbildung auf seine eigene Kraft, die in Hab 1,6–11 beschrieben wird. Gott beurteilt und misst die Regenten in der Ausübung ihrer Macht, die Er ihnen anvertraut hat, anhand ihrer Gerechtigkeit und ihrer Barmherzigkeit gegen Elende.

Wer seine Übertretungen bekennt und lässt, wird Barmherzigkeit erlangen (Spr 28,13). Wieviel Langmut hat Gott mit Seinem irdischen Volk gehabt, wieviel Propheten hatte Er gesandt (Jer 7,25). Und wenn wir an die Geschichte der Kirche Gottes auf der Erde denken, wie sie in den Sendschreiben vorgestellt wird, dann haben wir nur zwei Sendschreiben, wo Gott nichts zu tadeln hatte. In allen anderen Sendschreiben ruft Er zur Buße auf (z.B. Off 2,21). Wir wollen auch daraus für uns lernen, langmütig zu sein und abwarten zu können, ob nicht das Vorstellen der Wahrheit und der Aufruf zur Buße Früchte trägt; dass wir nicht zu schnell handeln, sondern abwarten, ob Gott nicht ein Werk zur Umkehr und zur Buße wirken kann. Hier hat Gott das ein Jahr lang getan, aber es hatte keine Frucht bei Nebukadnezar bewirkt.

Diese ganze Szene erinnert stark an Felix und Paulus in Apg 24,25. Für Felix kam die gelegene Zeit nicht mehr, aber er hatte immerhin eine Reaktion auf das Reden Paulus gezeigt und war von Furcht erfüllt worden. Bei Nebukadnezar hier finden wir das nicht. Er lässt Daniel zwar ausreden, aber eine Reaktion in seiner Seele wird nicht sichtbar.

Frage: Wenn Gott in diesem Traum nun das Urteil über Nebukadnezar schon vorhergesagt hatte, besaß er dann überhaupt noch die Möglichkeit zur Umkehr? Wir müssen bei dieser Frage zwischen den Regierungswegen Gottes und Seinem Ratschluss unterscheiden. Wir können das mit der Botschaft Jonas an Ninive vergleichen. Seine Gerichtsankündigung an diese Stadt war, dass Ninive in 40 Tagen umgekehrt sein würde (Jona 3,4). Auch diese Ankündigung stand nicht unumkehrbar fest; in dem regierenden Handeln Gottes gibt Er immer noch die Möglichkeit der Umkehr. Auch Nebukadnezar hätte die Möglichkeit gehabt, in seinem Herzen umzukehren.

Achim Zöfelt

Der Prophet Daniel (17) - Kapitel 4,25-30

Online seit dem 15.06.2014, Bibelstellen: Daniel 4,25-30

Dies alles kam über den König Nebukadnezar. Nach Verlauf von zwölf Monaten ging er auf dem königlichen Palast in Babel umher; und der König sprach: Ist das nicht das große Babel, das ich zum königlichen Wohnsitz erbaut habe durch die Stärke meiner Macht und zu Ehren meiner Herrlichkeit?“ (Vers 25–27)

Die Verse 25–30 sind so etwas wie ein Einschub, es ist keine Erzählung Nebukadnezars in der Ich-Form mehr, sondern die Schilderung des an ihm vollzogenen Gerichtes Gottes. Durch diese geänderte Form des göttlichen Berichtes wird der ganze Vorgang wesentlich ernster noch. Erst in Vers 31 beginnt er wieder in der Ich-Form.

Zwölf ganze Monate wartet Gott. Dieser Umstand, dass Gott langmütig ist und mit dem Gericht nicht sofort kommt sondern Zeit zur Buße gibt (2. Mo 34,6Jona 4,2), wird von dem Sünder benutzt zu sagen, dass da sowieso kein Gericht kommt (Pred 8,11+12). Ein gewaltiger Irrtum! Eine erschütternde Verwechslung der Langmut Gottes mit der eigenen Sorglosigkeit. Dieser König hatte zwölf Monate Zeit, und dann erhebt sich sein Herz. In Spr 6,16+17 zeigt Gott sieben Dinge, die Ihm verhasst sind, und das erste davon sind hohe Augen. „Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade“ (1. Pet 5,5); dieser Grundsatz gilt heute genauso wie damals in Babel. Wenn ein Herz sich erhebt, ist das für Gott ein Gräuel.

Geschichtlich gesehen hatte Nebukadnezar nicht Unrecht mit dieser Angeberei. Sanherib hatte die Stadt in Schutt und Asche gelegt, und durch Nebukadnezar war sie wieder aufgebaut worden. Aber so gewaltig das auch gewesen sein mochte, was er dazu getan hatte oder hatte tun lassen, er schrieb sich hier alles selbst zu. Wenn er hier von der Stärke seiner Macht spricht, werden wir an den totalen Gegensatz zu Eph 6,10erinnert, wo wir aufgefordert werden stark zu sein in der Macht Seiner Stärke. Es gibt durchaus Macht und Stärke, aber sie ist niemals in einem Menschen! Die Haltung Nebukadnezars erinnert auch an die Einstellung des reichen Kornbauern in Lk 16,17–20. So sehr auch die Barmherzigkeit und Langmut Gottes eine Realität ist, wenn ihr Vollmaß ungenutzt verstreicht, dann folgt das Gericht.

Nebukadnezar hatte alles von Gott empfangen, aber er rühmte sich, als hätte er es nicht empfangen (1. Kor 4,7) und spricht Worte reinsten Hochmuts. Aber Gott gibt Sein Ziel selbst mit diesem Mann nicht auf und lässt jetzt die schwerste Erprobung von allen über ihn kommen. Es ist eine Warnung an uns, ja nicht hoch von uns selbst zu denken. Wir stehen in der eminenten Gefahr, dass wir uns auf das bisschen, was wir haben, etwas einbilden; wie groß denken wir oft von uns, auch in der Versammlung – und wir haben doch aus lauter Gnade alles nur geschenkt bekommen!

Bei allen Tagen der Langmut Gottes ist jeder Tag eine besondere Mahnung an das jeweilige Herz. Das hat Nebukadnezar ignoriert. Und dieses Verhalten wird seinem Nachfolger Belsazar zu einer Lektion gemacht (Dan 5,18–21). Er hatte die Tage der Langmut Gottes missbraucht und sein Herz ist verstockt worden. Wenn wir die empfangene Gabe von dem Geber selbst lösen, werden wir selbstherrlich und verlieren jede Zugänglichkeit des Herzens bis hin zur Verstockung.

Noch war das Wort im Mund des Königs, da kam eine Stimme vom Himmel herab: Dir, König Nebukadnezar, wird gesagt: Das Königtum ist von dir gewichen! Und man wird dich von den Menschen ausstoßen, und bei den Tieren des Feldes wird deine Wohnung sein, und man wird dir Kraut zu essen geben wie den Rindern; und es werden sieben Zeiten über dir vergehen, bis du erkennst, dass der Höchste über das Königtum der Menschen herrscht und es verleiht, wem er will. In demselben Augenblick wurde das Wort über Nebukadnezar vollzogen; und er wurde von den Menschen ausgestoßen, und er aß Kraut wie die Rinder, und sein Leib wurde benetzt vom Tau des Himmels, bis sein Haar wuchs wie Adlerfedern und seine Nägel wie Vogelkrallen“ (Vers 28–30)

Nebukadnezar war oft zurechtgewiesen worden und hatte bis hierhin immer wieder seinen Nacken verhärtet; deshalb folgt jetzt sofort bei diesen hochmütigen Worten das Gericht (Spr 29,1). Es ist die Stimme des Wächters und Heiligen, die jetzt vom Himmel her ertönt.

Nebukadnezar wurde nicht zu einem Tier; sein menschliches Herz wurde verwandelt und ihm wurde das Herz eines Tieres gegeben (Vers 14). Damit ist nicht das Organ gemeint, sondern seine menschlichen Empfindungen, Entscheidungen, Urteile. Er blieb in seiner äußerlichen Gestalt eines Menschen, aber er verlor das Gottes-Bewusstsein und verwilderte in seinem Äußeren und lebte bei den Tieren, aber er wurde nicht buchstäblich zu einem Tier. Er lebte mit seiner menschlichen, verwilderten Gestalt wie ein Tier und bei den Tieren und benahm sich wie ein Tier. Gott hat den Menschen in Seinem Bild geschaffen, und davon ist jetzt bei Nebukadnezar überhaupt nichts mehr zu sehen. Wenn der Mensch das Zeugnis Gottes ablehnt, dann wird er auch in seinem Äußeren hingegeben (Rö 1,24+26+28).

Von den Menschen in der Endzeit wird in 2. Pet 2,12 und Judas 10 geschildert, dass sie wie unvernünftige, natürliche Tiere sich verhalten. Wenn der Mensch meint, der beste Freund des Menschen sei der Hund, dann meint er, das Tier auf sein Niveau zu erheben, aber tatsächlich begibt er sich auf das Niveau eines Tieres. Wenn die Moral des Menschen gegen Null geht, wird er in seinem Wesen wie ein Tier, das nur noch seine Bedürfnisse und Triebe befriedigen will. Das traurige Beispiel davon ist der verlorene Sohn in Lk 15,11–16. Tiefer hinab als bis zu den Tieren geht es für den Menschen nicht.

Es ist ergreifend, dass jetzt wohl das Urteil angekündigt wird, dass es aber gleich in gewisser Hinsicht begrenzt wird bis zu dem Augenblick, an dem Nebukadnezar zur Einsicht kommen würde. Daniel hatte das auch schon in seiner Deutung des Traumes in Vers 23 angedeutet mit den Worten „sobald du erkannt haben wirst, dass die Himmel herrschen“. Wie unbegreiflich groß ist die Gnade und Barmherzigkeit Gottes, diesen Mann, der bis zur Vermessenheit sein Herz verstockte (Dan 5,20), doch eine Wiederherstellung zu gewähren.

Achim Zöfelt

 

Der Prophet Daniel (18) - Kapitel 4,31-34

Online seit dem 17.06.2014, Bibelstellen: Daniel 4,31-34

Und am Ende der Tage erhob ich, Nebukadnezar, meine Augen zum Himmel, und mein Verstand kam mir wieder; und ich pries den Höchsten, und ich rühmte ihn und verherrlichte den ewig Lebenden, dessen Herrschaft eine ewige Herrschaft ist und dessen Reich von Geschlecht zu Geschlecht währt. Und alle Bewohner der Erde werden wie nichts geachtet, und nach seinem Willen tut er mit dem Heer des Himmels und mit den Bewohnern der Erde; und da ist niemand, der seiner Hand wehren und zu ihm sagen könnte: Was tust du?“ (Vers 31–32)

Jetzt schildert Nebukadnezar seine Erlebnisse wieder in der Ich-Form, und er schildert drei Dinge:

  • er erhob seine Augen zum Himmel; das war die Verantwortung Nebukadnezars selbst; er nimmt jetzt eine persönliche Beziehung zu Gott wahr (Ps 123,1)

  • sein Verstand kam ihm wieder; das war das Geschenk Gottes an ihn; manchmal muss Gott auch uns demütigen – und dann gibt Er alles wieder zurück; bei Hiob sogar das Doppelte (Hiob 1,3; 42,12)

  • er pries den Höchsten…; das Ziel, das Gott mit ihm erreichen wollte. Nebukadnezar verherrlichte jetzt nicht länger sich selbst und das, was er alles geschafft hatte, sondern er verherrlicht den ewig Lebenden. Er war durch Gott gedemütigt worden, aber Gott war zum Ziel mit ihm gekommen (Ps 119,67.71.75). Er erkennt jetzt, dass er selbst nur eine Person der Zeitgeschichte ist, und dass der Höchste ein ewig lebender Gott ist. Er selbst hatte nur für eine Zeit ein Reich anvertraut bekommen, aber dieser Gott hat ein immerwährendes Reich

Wenn Nebukadnezar hier zweimal sagt, dass ihm sein Verstand wieder kam (Vers 31+33), zeigt uns das, dass er in der Tat wahnsinnig geworden war. Er war nicht buchstäblich zu einem Tier geworden, sondern völlig heruntergekommen und lebte wie ein Tier, weil ihm sein menschlicher Verstand von Gott genommen worden war. Nach Verlauf dieser sieben Jahre konnte er sich seinen Verstand auch nicht selbst wiedergeben, sondern es war das Eingreifen Gottes nötig. Gott geht auch mit den Menschen der Welt Seine Erziehungswege bis sie sich demütigen, ohne dass sie unbedingt eine Glaubensbeziehung zu Ihm haben müssen (1. Kön 21,29). Aber auch bei uns ist es oft nötig, dass Gott uns demütigt, weil wir es selbst nicht tun.

Bruder Wadie Behnam hat aus seinem Leben erzählt, dass er sich mit 20 Jahren vom Herrn abgewandt hatte und nichts von dem wissen wollte, was in seinem gläubigen Elternhaus gelehrt und gelebt wurde. Sein Ziel war es, seine eigenen Wege zu gehen und ein Sportstudium zu machen. Dann geriet er unter eine Straßenbahn und sein rechtes Bein wurde bis zum Knie abgetrennt. Im Alter von 60 Jahren sagte er, dass in den letzten 40 Jahren kein Tag vergangen sei, an dem er dem Herrn nicht gedankt hätte für diese Straßenbahn. Er demütigt uns, aber Er tut es in Treue, damit der Name des Herrn Jesus in unserem Leben verherrlicht wird.

Dass Gott in Seiner Souveränität niemandem Antwort schuldig ist, was Nebukadnezar am Ende von Vers 32 anspricht, wird in vielen weiteren Stellen der Heiligen Schrift bestätigt, z.B. Jes 40,15. Er ist erhabener als ein Mensch, und über all Sein Tun gibt Er keine Antwort (Hiob 33,12+13).

Es sind hier die letzten Worte aus dem Mund Nebukadnezars. Offensichtlich ist Gott in Seiner Langmut und in Seiner Güte mit Seinen Wegen mit diesem mächtigen König noch zu Seinem Ziel gekommen. Er hatte mit diesen sieben Zeiten (Jahren) Sein Ziel mit Nebukadnezar – Lobpreis und Verherrlichung des Höchsten – und Nebukadnezar hat sich von Gott zu diesem Ziel führen lassen. Nebukadnezar spricht hier gar nicht mehr von seinen anderen Göttern, nur noch von seiner Beziehung zu dem alleinigen Gott, dieser Gott allein steht vor seinem Herzen. Er hatte die Lektionen, die Gott ihn schon in den Kapiteln 2 und 3 lehren wollte, jetzt endlich verstanden.

Dass diese Veränderung bei Nebukadnezar auch seine Auswirkung auf die Juden hatte, die bei ihm in der Gefangenschaft lebten, wird aus einem Vergleich von Jer 51,34 mit Jer 52,31–34 deutlich. Dort finden wir zunächst die Schilderung der Grausamkeiten dieses Königs gegen die „Bewohnerin von Zion“. Jeremia 52 zeigt dann das Verhalten seines Sohnes Ewil-Merodak, der gütig zu den Juden redete. Nebukadnezar muss wohl seinen Nachkommen von seinen Erfahrungen mit diesem ewigen Gott weitergegeben haben. Daniel 5 wird dann allerdings zeigen, dass der Enkel Nebukadnezars, Belsazar, gar nichts mehr von diesen Wegen Gottes auf sein eigenes Leben angewandt hatte. Also ist dieses gütige Verhalten nicht charakteristisch für die Könige von Babel. Gerade bei Belsazar sehen wir sogar noch eine weitere Entfaltung der Gottlosigkeit, die eigentlich direkte Gotteslästerung ist.

Zur selben Zeit kam mir mein Verstand wieder, und zur Ehre meines Königtums kamen meine Herrlichkeit und mein Glanz mir wieder; und meine Räte und meine Gewaltigen suchten mich auf, und ich wurde wieder in mein Königtum eingesetzt, und ausnehmende Größe wurde mir hinzugefügt. Nun rühme ich, Nebukadnezar, und erhebe und verherrliche den König des Himmels, dessen Werke allesamt Wahrheit und dessen Wege Recht sind, und der die zu erniedrigen vermag, die in Stolz einhergehen“ (Vers 33–34)

Frage: Können wir eigentlich hier am Ende von Daniel 4 von einer echten Bekehrung Nebukadnezars sprechen?

Diese Verse enthalten gewisse Aussagen, die darauf schließen lassen. In Dan 3,31–33(diese Verse sind ja eine vorweggenommene Zusammenfassung dessen, was Gott in Daniel 4 mit Nebukadnezar erreicht hat) sagt Nebukadnezar zum ersten Mal, dass der höchste Gott etwas an ihm getan hatte. Hier in Dan 4,31 verherrlicht er den ewig Lebenden; also er macht Gott groß in dem, was Er ist. Und in Vers 34 finden wir die beiden Seiten einer Bekehrung angedeutet:

  • er gibt Gott Recht – „dessen Wege Recht sind“; Gott Recht geben im Blick auf Sein Handeln mit einem selbst

  • er verurteilt sich selbst – „der die zu erniedrigen vermag, die in Stolz einhergehen“; damit meint Nebukadnezar sich selbst, seinen Hochmut und seine Selbstüberhebung

Daraus können wir doch den Schluss ziehen, dass es sich hier wirklich um eine wirkliche Umkehr dieses Königs gehandelt hat, neutestamentlich würden wir sagen, dass er sich bekehrt hat. Er hat Gott in seinen Worten verherrlicht und Ihm dafür Dank dargebracht (vgl. Rö 1,21), dass Er ihn wieder eingesetzt hatte und ihm sogar noch mehr gegeben hatte als er vorher besessen hatte. Bei ihm sind die Reaktionen zu erkennen, die dem ewigen Evangelium entsprechen (Off 14,7), Ihn als Schöpfer-Gott zu erkennen. Nebukadnezar ist ja nicht zum Judentum übergetreten, das bestand ja zu seiner Zeit nur in Gefangenschaft, aber zu dem ewigen Gott scheint er sich doch in aller Aufrichtigkeit gewandt zu haben.

Nebukadnezar gibt hier ein erstaunlich hohes Zeugnis von dem Handeln Gottes ab. Er spricht davon, dass Seine Werke allesamt Wahrheit und Seine Wege Recht sind. Was Gott getan hatte, war in Übereinstimmung mit Seinem Wesen, und Sein regierendes Handeln war auch genau das Richtige in der jeweiligen Situation. Dann spricht er noch von dem Erniedrigen, aber nicht mehr davon, dass Gott ihn danach wieder erhöht hatte. Das anzuerkennen in seinem Leben vermag nur jemand, der das auch wirklich erlebt hat. Der Schlusspunkt seines Lobes ist, dass er die Erniedrigung von Gott angenommen hatte. Vielleicht gibt es auch in unserem Leben Situationen, wo Gott uns erniedrigen oder demütigen muss – wohl uns, wenn wir das dann auch annehmen und uns nicht dagegen auflehnen.

Gott hat in Seinem Wort zwei Frauen benutzt, ähnliche Gedanken über das souveräne Handeln Gottes auszusprechen. Hanna spricht davon, dass Er ein Gott des Wissens ist und von Ihm die Handlungen gewogen werden. „Der Herr macht arm und macht reich; er erniedrigt und erhöht auch. Er hebt aus dem Staub empor den Geringen, aus dem Kot erhöht er den Armen“ (1. Sam 2,7+8). Und Maria drückt es so aus: „Er hat die zerstreut, die in der Gesinnung ihres Herzens hochmütig sind. Er hat Mächtige von Thronen hinabgestoßen und Niedrige erhöht“ (Lk 1,51+52).

Dass es bei Nebukadnezar diesmal echt war und nicht wie die vorigen Male nur ein äußeres Bekenntnis, macht auch der Umstand deutlich, wie Gott mit seiner Wiederherstellung verfährt. Er hatte ihm den Verstand genommen, und Er hatte ihm diesen dann wiedergegeben. Damit nicht genug kamen ihm zur Ehre seines Königtums auch seine Ehre und sein Glanz wieder, und ausnehmende Größe wurde ihm hinzugefügt. Prophetisch zeigt uns Zeph 3,8+9, dass in zukünftigen Tagen die Nationen auch durch Gericht dahin gebracht werden, Gott zu erkennen. Durch Gericht kommen sie zur Erkenntnis Gottes und das führt zur Verherrlichung Gottes, und genau das ist auch der Fall hier bei Nebukadnezar. Haben auch wir Lob und Ruhm in unseren Herzen für das, was Gott an uns und für uns getan hat?

In Dan 5,20+21 erinnert Daniel den König Belsazar daran, was sein Vorfahre Nebukadnezar in Kapitel 4 erlebt hatte; und am Ende von Vers 21 kommt dann sein zusammenfassendes Urteil über die Wiederherstellung Nebukadnezars: „bis er erkannte, dass der höchste Gott über das Königtum der Menschen herrscht und darüber bestellt, wen er will“. Der Kern ist also, dass Nebukadnezar Gottes Allmacht und Autorität anerkannte. Weiter geht Daniel dem Belsazar gegenüber nicht, was Nebukadnezar noch mehr erkannt hatte, war offensichtlich nicht für die Ohren Belsazars bestimmt.

In den Zeiten der Nationen wird Gott nicht der Gott der Erde genannt. Nur zweimal in 1. Mo 14,19+22 finden wir diesen Ausdruck. In der jetzigen Zeit ist Jerusalem nicht der Thron Gottes, Er hat den Regenten der Nationen Seine Macht übertragen. Aber der Augenblick wird kommen, wo Er wieder der Gott des Himmels und der Erde genannt werden wird, das zeigen prophetisch die beiden Verse in 1. Mo 14. Das wird im 1000-jährigen Reich so sein. Welch ein herrlicher Augenblick, wenn Gott zu Seinem Ziel gekommen sein wird sowohl im Blick auf Seine Wege mit den Nationen als auch im Blick auf Sein irdisches Volk. Dann wird es Wirklichkeit sein, was wir oft singen: „Erd‘ und Himmel werden spenden Lob und Dank an allen Enden“; dann wird die Erfüllung der Wege Gottes 1000 Jahre auf dieser Erde geschaut werden. In jener Zeit wird die Trennschicht zwischen Himmel und Erde aufgehoben sein. Himmel und Erde werden ein harmonisches Ganzes bilden zu Ehren dessen, der alles erdacht hat – welch ein Ende der Wege Gottes! Auf diesen Augenblick warten wir, und wir geben dem die Ehre, der das alles bewirkt hat.

Achim Zöfelt

 

Der Prophet Daniel (19) – Kapitel 5,1

Online seit dem 15.01.2015, Bibelstellen: Daniel 5

Rückblick auf Daniel 2 bis 4

Die ersten vier Kapitel des Buches Daniel hatten gezeigt, was der Geist Gottes über Nebukadnezar sagt:

In Daniel 2 hatte er einen Traum, in welchem die vier Weltreiche gezeigt werden, die nacheinander auftreten würden. Daniel hatte ihm diesen Traum gedeutet und gezeigt, dass er das Haupt von Gold war: Nebukadnezar hatte von Gott absolute Machtfülle für diese Erde bekommen. Dieses Bild endet damit, dass der Herr Jesus im Vorbild gezeigt wird, der die Zeiten der Nationen beenden wird durch Gericht und Gerechtigkeit.

In Daniel 3 führt Nebukadnezar systematisch Götzendienst ein, um sein Reich in Einheit zu bewahren; jedermann war aufgefordert, dieses Bild zu gegebener Zeit anzubeten. Drei Männer hatten sich diesem Befehl nicht unterworfen, die drei Freunde Daniels. Sie kamen deshalb in den Feuerofen, aus dem Gott sie in wunderbarer Gnade befreite. Nebukadnezar rühmt Gott, nachdem Er so Großes an diesen drei Männern getan hatte.

Dann zeigt uns aber schon Daniel 4 wieder diesen König in Hochmut und Stolz über das, was er meinte, getan und erreicht zu haben (Dan 4,27). Das war der absolute Hochmut, dem Gott mit Gericht begegnete. Daniel kommt hier in Daniel 5 auf diesen Punkt noch einmal zurück (Dan 5,18 ff.). Gott antwortet auf diesen Hochmut mit einem überaus ernsten Gericht an Nebukadnezar: Für einen Zeitraum von sieben Jahren wurde er wie ein Tier. Dann gab Gott Gnade, und der Verstand kam ihm wieder und er wurde wieder in seine vorherige Stellung als König eingesetzt. Und der letzte Blick auf diesen Nebukadnezar ist sein Lobpreis gegenüber Gott am Ende von Kapitel 4.

Diese Ereignisse, die kompletten ersten sechs Kapitel des Buches Daniel, sind geschichtliche Vorgänge. Aber sie haben auch eine tiefergehende, prophetische Bedeutung. Es ist eben nicht nur Geschichte, was hier geschieht, es ist Prophetie im höchsten Sinn. Es sind vier Dinge, die in diesen Ereignissen prophetischen Charakter tragen und die uns einen Schlüssel zum Verständnis geben:

  • das Tun dieser Monarchen, dieser Gewaltherrscher; das, was ihr Handeln ausmacht
  • das Gericht, das Gott darüber sendet
  • der Schutz, den Gott einem Überrest aus Seinem Volk gibt
  • am Schluss all dieser Dinge die symbolische Andeutung der Bekehrung der Heiden

Auch unter Belsazar und unter Darius werden wir diese vier Punkte wiederfinden.

Einleitung zu Daniel 5

Daniel 3 und 4 hatten also Götzendienst und den Hochmut des Menschen gezeigt. In Daniel 5 und 6 finden wir noch einmal eine Steigerung des Bösen. Nebukadnezar hatte den Götzendienst eingeführt, Belsazar die absolute Gottlosigkeit. Das wird in besonderer Weise am Ende der Zeit – wenn die Prophetie sich vollständig erfüllen wird – dann unter dem römischen Herrscher künftiger Tage geschehen: Frevelhaftigkeit im Blick auf alles, was heilig ist (Daniel 5) und dass der Mensch sich selbst als Gott verherrlichen lässt (Daniel 6). Bei Belsazar sehen wir eine unvorstellbare Selbstüberhebung und bei Darius einen Götzendienst, der sich in seinem Fall in einem Menschen konzentriert. Diese Züge werden in dem letzten Römischen Reich und dem wiedererstehenden Babel späterer Tage als einer rein religiösen Macht eine gewisse Verbindung eingehen. Alle Kennzeichen dieser vier Weltreiche werden in dem letzten zukünftigen Weltreich kulminiert wiederzufinden sein; das macht ein Vergleich der Beschreibung von Daniel 7,3–6 mit Offenbarung 13,1.2 deutlich. Das Tier, das in Offenbarung 13 aus dem Meer heraufsteigt, trägt die Kennzeichen der drei Vorgängerreiche von Löwe und Bär und Leopard.

Dieses Kapitel Daniel 5 erfüllt uns mit Schauder. Wir benötigen die Gnade Gottes, um aus diesen sehr ernsten Vorgängen die rechten Anwendungen für uns zu machen. Das Böse steigert sich hier bis hin zu einer zügellosen Ausschweifung. In welch einer anmaßenden Haltung entehrt Belsazar die heiligen Gefäße des Tempels! Er verlästert damit den Gott Israels und verherrlicht seine eigenen Götzen. Deshalb folgt dann auch das unmittelbare Gericht über ihn am Ende des Kapitels. Wir werden also auch sehen, dass Gott alle Dinge in Seiner Hand hält – das galt damals, als ein Belsazar regierte, und das gilt auch heute in unserer Zeit.

Gott selbst hatte den König von Babylon als das Haupt von Gold eingesetzt, und hier sind wir in der letzten Nacht, in der dieses babylonische Reich zu Ende kommen wird. Gott setzt Könige ab und setzt Könige ein (Daniel 2,21), und genau das finden wir in diesem Kapitel. Nicht nur der König Belsazar wird abgesetzt, sondern auch das Babylonische Weltreich als solches kommt zu seinem Ende und wird durch das Medo-persische Weltreich abgelöst.

Die Völker dieser Erde sind Werkzeuge Gottes in den Gerichten über Sein eigenes ungehorsames und abgewichenes Volk. Aber diese Völker sahen das selbst nie so, ganz im Gegenteil. Das wird z.B. an der Haltung des Assyrers deutlich in Jesaja 10,5–7; Gott benutzte diese Nation als Zuchtrute für Sein Volk, aber der Assyrer dachte völlig anders als Gott und meinte, für sich zu erobern und Beute zu machen. Diese Werkzeuge waren sich also überhaupt nicht bewusst, dass sie von Gott benutzt wurden.

Das Wort Gottes enthält viele einzelne Begebenheiten kleinerer und größerer weltgeschichtlicher Ereignisse. Aber Gott schreibt diese Geschichte immer aus Seiner Perspektive heraus. Wenn man die Geschichtsschreibung der Menschen über diesen Wechsel der Weltreiche liest, findet man viele Einzelheiten darüber, wie sich das damals alles ereignete. Die Geschehnisse von Daniel 5 wuren lange Zeit angezweifelt; aber man musste später feststellen, dass man sich geirrt hatte und dass das, was Gott uns hat aufschreiben lassen, absolut die Wahrheit ist. Und Gott stellt uns die Dinge nach Seinen Grundsätzen vor, damit wir als Gläubige daraus lernen.

Achim Zöfelt

 

Der Prophet Daniel (20) – Kapitel 5,1-4

Online seit dem 17.01.2015, Bibelstellen: Daniel 5,1-4

 

Der König Belsazar machte seinen tausend Gewaltigen ein großes Festmahl, und er trank Wein vor den Tausend. Belsazar befahl, als der Wein ihm schmeckte, dass man die goldenen und die silbernen Gefäße herbeibrächte, die sein Vater Nebukadnezar aus dem Tempel in Jerusalem weggenommen hatte, damit der König und seine Gewaltigen, seine Frauen und seine Nebenfrauen daraus tränken. Dann brachte man die goldenen Gefäße, die man aus dem Tempel des Hauses Gottes in Jerusalem weggenommen hatte; und der König und seine Gewaltigen, seine Frauen und seine Nebenfrauen tranken daraus. Sie tranken Wein und rühmten die Götter aus Gold und Silber, aus Kupfer, Eisen, Holz und Stein“ (Dan 5,1–4).

Belsazar war ein Sohn oder sogar Enkel Nebukadnezars (Jer 27,6.7), aber nicht sein direkter Thronfolger. In 2. Könige 25,27–30 wird ein gewisser Ewil-Merodak als König von Babel bezeichnet, der nur eine kurze Zeit regierte; erst danach kam Belsazar an die Macht. Diese ganze Szene hier in Daniel 5 findet übrigens statt, als das Medo-persische Reich schon vor den Toren Babels stand und diese Stadt belagerte.

Was dieser Belsazar hier in Daniel 5 tut, so etwas hatte selbst Nebukadnezar nie getan: Belsazar hatte keinen Respekt vor heiligen Dingen, und in seiner Gottlosigkeit und Frechheit lässt er die heiligen Gefäße der Juden holen. Offenbar hatte er sich nach mehrfachem Genuss von dem Wein gehen lassen. Wenn der Wein seine Wirkung zeigt, dann brechen die Dämme in Bezug auf Sitte und Moral – und wie wir hier sehen auch im Blick auf religiöse Themen – sehr schnell. Dann kann es sehr schnell dazu kommen, dass gespottet und geschmäht wird über heilige Dinge (Ps 69,13Spr 31,4). Allerdings sagt das Wort hier nicht, dass Belsazar betrunken war, es heißt nur, dass der Wein ihm schmeckte, und das ist sicher eine Gefahr. Es wird ihm vollkommen bewusst gewesen sein, was er da tat, als er die heiligen Geräte des Tempeldienstes holen ließ. Und er wird auch vollkommen verantwortlich gemacht dafür. Nebukadnezar hatte diese heiligen Gefäße dem gottgemäßen Gebrauch entzogen, aber Belsazar hatte sie dem frivolen Missbrauch preisgegeben.

Wenn wir uns fragen, wie diese Geräte überhaupt nach Babylon kamen, dann müssen wir verschiedene Gesichtspunkte dabei sehen. Vordergründig waren sie natürlich durch Nebukadnezar aus Jerusalem geraubt worden (2. Chr 36,6.7). Wir dürfen aber auch nicht außer Acht lassen, dass es auch die Schuld des Volkes Gottes war, dass diese Geräte in die Hand ihrer Feinde gelangten. Die Untreue Israels war auch die Ursache dafür gewesen. Und als eine dritte Antwort darauf finden wir in Klagelieder 2,7, dass der Herr Seinen Altar verworfen und Sein Heiligtum verschmäht und die Mauern ihrer Prachtgebäude der Hand des Feindes preisgegeben hatte. Es war also auch ein Gericht Gottes, dass diese Geräte in die Hand der Heiden gelangen konnten.

Was diese Gefäße betrifft, so waren sie durch die Könige und Priester des Volkes Israel längst verunreinigt worden, und als Nebukadnezar sie wegführte, hatte er sie offenbar noch bei sich gelassen und aufbewahrt. Davon wusste sein Enkelsohn Belsazar und lässt sie holen. Für Gott waren diese Gefäße noch heilig; was die Menschen und sogar Sein eigenes Volk damit getan haben mochten – für Ihn waren das immer noch die heiligen Gefäße. In diesen Gefäßen war Gott gedient worden und Er war in diesem Dienst verherrlicht worden. Gott sieht das noch so! Und deshalb war es eine absolute Entheiligung, als dieser heidnische Monarch sich damit über den wahren Gott praktisch lustig machte. Belsazar steigt gleichsam in den Ring und meint, er könne es mit einem anderen Gott aufnehmen. Aber das Gericht darüber kommt schnell und ohne Aufruf zur Buße, anders als bei Nebukadnezar. Gott nimmt die Dinge ernst und Er sieht die Gefäße als heilig an – auch in Tagen des Verfalls.

Die Bundeslade war bei diesen weggeführten Geräten des Heiligtums sicher nicht dabei gewesen, denn sie war seit dem Fall Jerusalems verschwunden und wird auch nie wieder auftauchen (Jer 3,16). Auch der Altar und die Geräte des Heiligtums werden nicht dabei gewesen sein. Aus Esra 1,7–11 können wir entnehmen, dass sie mit einer gewissen Sorgfalt verzeichnet und verwahrt worden waren. Selbst die feindlichen Nationen scheinen bis zu Belsazar eine gewisse Ehrfurcht davor gehabt zu haben. Aber der dann darauf folgende König Kores hatte Kenntnis von dieser guten Organisation in Listen und Unterlagen über diese Geräte. Gott hatte so darüber gewacht in der 70-jährigen Gefangenschaft, dass diese Listen und auch die Geräte noch vorhanden waren und herausgegeben werden konnten.

Nachdem der König und seine Gewaltigen in dieser absolut profanen Weise aus diesen Gefäßen getrunken hatten, rühmten sie ihre eigenen Götter, weil sie ihnen stärker schienen als der lebendige Gott des Volkes Israels – obwohl sie nicht sehen und hören und wahrnehmen (Dan 5,23; Ps 115,4–7). Aber Gott lässt sich nicht spotten (Gal 6,7); in dem Moment, wo diese Szene in ihrer Boshaftigkeit kaum noch zu steigern ist, kommt der Finger Gottes. Gott wacht über diese heiligen Geräte und gibt Seine Ehre keinem anderen (Jes 42,8).

Ähnlich war es auch, als in den Tagen Elis die Bundeslade in die Hand der Philister gefallen war und die Philister sie neben ihren Gott Dagon stellten. Gott hatte nicht verhindert, dass die Bundeslade geraubt wurde, Er hatte es als ein Gericht an Seinem Volk Israel zugelassen – aber als die Philister sie neben ihren eigenen Gott stellten, griff Gott sofort ein und machte auch deutlich, dass Er Seine Ehre keinem anderen gibt!

Praktische Bemerkungen für unsere Tage

Wenn Gott bis zur Zeit Esras so über Seine Dinge gewacht hat, hat das nicht auch für uns eine Bedeutung? Sind nicht auch bis in unsere Zeit viele christliche Wahrheiten von Menschen, die sich Christen nennen, misshandelt worden? Luther hat zur Zeit der Reformation eine Schrift verfasst von der „babylonischen Gefangenschaft der Christenheit“. Er hatte erkannt, dass die ganze Christenheit in die Gefangenschaft eines Feindes geraten war und dort von einer religiösen und politischen Macht unterdrückt worden ist. Dadurch sind viele geistliche Wahrheiten völlig aus dem Bewusstsein verschwunden oder auch missbraucht und entehrt worden – wie hier die Geräte des Heiligtums. Aber Gott hat in Seiner Gnade Anfang des 19.Jahrhunderts vieles davon wieder ans Licht gebracht.

Aber in weiten Teilen der Christenheit und besonders in den beiden großen Kirchen werden viele dieser Wahrheiten immer noch auf völlig verkehrte Weise missbraucht (z.B. Abendmahl, Taufe). Daran sieht man, dass wir uns wieder in Richtung Babylon bewegen. Wenn wir heute entrückt werden, wird morgen Babylon wieder da sein! Und alles, was sich in der Zukunft entwickeln wird, hat in unseren Tagen seine Vorstufen. Deshalb müssen wir sehr wachsam sein, dass wir nicht auch nur annähernd in eine Richtung kommen, wo kostbare Dinge Gottes von einer babylonischen Macht missbraucht werden und dann gegen Gott verwendet werden.

Denn auch unter uns werden kostbare Wahrheiten missbraucht! Die Wahrheit von der Einheit des Leibes, die der Herr in Seiner Gnade vor ca. 200 Jahren wieder offenbar gemacht hat, ist durch die Angriffe der letzten Jahrzehnte so lächerlich gemacht worden, dass man meint, man könnte sie mit bloßen Abkürzungen (AV und NV) bezeichnen. Das wird von Hunderten älterer und jüngerer Geschwister aus unserer Mitte einfach so übernommen, wenn man von dem Zusammenkommen zum Namen des Herrn spricht. Und es ist doch nichts anderes als der Missbrauch von den Gefäßen des Tempels: gedankenlosen Spott mit dem zu treiben, was doch eigentlich wunderbare und erhabene Wahrheiten sind! Wir sind uns oft nicht bewusst, was wir mit unseren Worten und Gedanken für gotteslästerliche Dinge tun. In der Welt gibt es nichts Heiliges mehr, und unsere Gefahr ist, dass wir uns von dieser Entheiligung anstecken lassen und dass wir nicht mehr zu unterscheiden wissen zwischen dem Heiligen und dem Unheiligen.

 


Fußnoten:

  1.  mso-style-name:“Normale Tabelle“; mso-tstyle-rowband-size:0; mso-tstyle-colband-size:0; mso-style-noshow:yes; mso-style-priority:99; mso-style-qformat:yes; mso-style-parent:““; mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; mso-para-margin-top:0cm; mso-para-margin-right:0cm; mso-para-margin-bottom:10.0pt; mso-para-margin-left:0cm; line-height:115%; mso-pagination:widow-orphan; font-size:11.0pt; font-family:“Calibri“,“sans-serif“; mso-ascii-font-family:Calibri; mso-ascii-theme-font:minor-latin; mso-hansi-font-family:Calibri; mso-hansi-theme-font:minor-latin; mso-fareast-language:EN-US;

Achim Zöfelt



Der Prophet Daniel (21) – Kapitel 5,5-12

Online seit dem 19.01.2015, Bibelstellen: Daniel 5,5-12

In demselben Augenblick kamen Finger einen Menschenhand hervor und schrieben, dem Leuchter gegenüber, auf den Kalk der Wand des königlichen Palastes; und der König sah die Hand, die schrieb. Da veränderte sich die Gesichtsfarbe des Königs, und seine Gedanken ängstigten ihn; und die Bänder seine Hüfte lösten sich, und seine Knie schlugen aneinander“ (Dan 5,5.6).

Der Name Belsazar bedeutet Bel (eine babylonische Gottheit) schütze den König. Unter dem Schutz dieses vermeintlichen Gottes meinte er, seine Hand in frivoler Weise gegen den wahren Gott Israels erheben zu können. Eben noch hatten sie scheinbar über den lebendigen Gott triumphiert, aber im gleichen Augenblick schreitet dieser Gott ein. Eben noch hatten sie gemeint: „Frieden und Sicherheit“, doch sofort kam ein plötzliches Verderben über sie (1. Thes 5,2.3).

Und es ist keine Stimme, die da kommt – es erscheint eine Hand, Finger daran, und auf den Kalk der Wand schreibt diese Hand vier Worte. Dieses Zeichen kommt still und leise. Wir können uns vorstellen, dass es bei diesem Gelage von 1000 Leuten nicht leise zuging; und wenn der Wein seine Wirkung tut, wird das noch verstärkt. Es war also eine turbulente Szene – aber dann kommt ganz leise, unvernehmbar, diese Hand. Diese Hand kam von Gott, sagt Daniel später (Dan 5,24), weshalb nicht ganz sicher geschlossen werden kann, dass es sich unbedingt um die Hand Gottes selbst gehandelt hat. Die Hand kam von Gott, aber es war eine Menschenhand; Gott bringt das Gericht durch die Hand eines Menschen (Joh 5,27). Die Beschreibung speziell der Finger einer Menschenhand scheint auf eine besondere Akribie in der jeweiligen Tätigkeit hinzudeuten. So wird in Psalm 8,4 von den Himmeln als „deiner Finger Werk“ gesprochen. Der Nachdruck liegt dabei auf der besonderen Genauigkeit, mit der etwas gemacht wird.

Die Schrift erscheint also auf dem weißen Kalk, dem Leuchter gegenüber. Gott lässt das Licht darauf fallen, so dass jeder es wahrnehmen kann. Aber der Gottlose versteht es trotzdem nicht und auch seine eigenen Götter können ihm dabei nicht helfen (1. Kor 2,14). In welcher menschlichen Sprache diese Schrift geschrieben wurde, ob aramäisch oder nicht, können wir nicht sicher sagen. Auch die Reihenfolge oder Formation der Buchstaben wissen wir nicht. Immerhin konnten die Schriftgelehrten diese Worte ja noch nicht einmal lesen und noch viel weniger erklären.

Was immer es auch für eine Hand war, sie kam von Gott; deshalb müssen wir ein wenig vorsichtig sein, hier direkt von dem Finger Gottes zu sprechen. Der Finger Gottes hatte einst das Gesetz als den Ausdruck Seines heiligen Willens in die steinernen Tafeln eingraviert (2. Mo 31,18). Auch Pharao musste nach seiner Vermessenheit gegen Gott erkennen, dass durch Gottes Finger das Gericht über Ägypten kam (2. Mo 8,12–15). Es ist derselbe Finger, der einst als der Mensch gewordene Sohn Gottes in die Erde schrieb (Joh 8,6). Und jetzt schreibt ein von Gott gesandter Finger hier ein göttliches Urteil, weil man sich gegen diese Heiligkeit versündigt hatte. Dieser Finger schreibt hier das göttliche Urteil über diesen vermessenen König Belsazar, und zwar in demselben Augenblick. Genauso unvermittelt und ohne Verzögerung, wie noch in derselben Nachtsein Leben beendet wird (Dan 5,30) – Gott lässt sich nicht spotten!

Nebukadnezar hatte noch Raum zur Buße bekommen (Dan 4,24–30), bei Belsazar kam das Gericht unmittelbar; es scheint, dass er nach dieser Gerichtsankündigung Gottes keine Möglichkeit zur Buße mehr hatte. Seine Zeit war abgelaufen, wenige Stunden nach diesen Ereignissen musste er sterben! Bei Ahab hatte Gott auch das Gericht ausgesprochen, aber Ahab hatte sich gedemütigt und Gott hatte das Gericht noch einmal aufgeschoben (1. Kön 21,27–29). Das Handeln Gottes ist in jedem einzelnen Fall souverän und absolut gerecht.

Aus der Reaktion des Königs und seinem Erschrecken können wir schließen, dass er doch noch ein Gewissen hatte. Wenn er auch meinte, sich über alles Göttliche hinwegsetzen zu können und seine eigenen Götzen rühmen zu können – mit dieser seiner Haltung war es in dem Augenblick zu Ende, als diese Schrift kam. Er empfand sofort, dass diese Schrift etwas Böses für ihn bedeutete. In sein Gesicht kam die Farbe des Todes, in seine Gedanken kam die Angst, und in seine Knie und Hüften kam die Kraftlosigkeit.

Der König rief mit Macht, dass man die Sterndeuter, die Chaldäer und die Wahrsager hereinbringe; und der König hob an und sprach zu den Weisen von Babel: Jeder, der diese Schrift lesen und ihre Deutung mir anzeigen wird, der soll mit Purpur bekleidet werden, mit einer goldenen Kette um seinen Hals, und er soll als Dritter im Königreich herrschen. Dann kamen alle Weisen des Königs herbei; aber sie vermochten nicht, die Schrift zu lesen und dem König ihre Deutung kundzutun. Da geriet der König Belsazar in große Angst, und seine Gesichtsfarbe veränderte sich an ihm; und seine Gewaltigen wurden bestürzt“ (Dan 5,7–9).

Sofort lässt der König seine Schriftdeuter holen, und Belsazar scheint wie sein Vater Nebukadnezar auch den Daniel dabei ganz vergessen zu haben, denn der muss später wieder extra herzugeholt werden. Belsazar hätte wissen können, dass seine Wahrsager ihm nicht weiterhelfen würden. Aber er hoffte doch, von ihnen aus der Deutung dieser Schrift Trost zu bekommen. Doch er sah sich getäuscht. Man kann hochintelligent sein, aber blind für den Finger Gottes! Wenn man etwas verstehen soll, muss man es auch verstehen wollen.

Dass diese Weisen von Babel nicht an diesem Fest dabei waren und erst in den Saal hereingebracht werden mussten, erklärt sich dadurch, dass es ein Fest für die Großen der Politik war, zu denen die Sterndeuter und Wahrsager einfach nicht dazu gehörten.

Es scheint, dass sowohl diese Wörter gar nicht zu lesen waren als auch erst recht ihre Bedeutung nicht zu erkennen war. Auch bei dieser Szene wird deutlich, dass diese gewaltige Weltmacht abhängig ist von dem kleinen jüdischen Überrest.

Infolge der Worte des Königs und seiner Gewaltigen trat die Königin in das Haus des Gelages. Die Königin hob an und sprach: O König, lebe ewig! Lass deine Gedanken dich nicht ängstigen und deine Gesichtsfarbe sich nicht verändern! Es ist ein Mann in deinem Königreich, in dem der Geist der heiligen Götter ist. Und in den Tagen deines Vaters wurden Erleuchtung und Verstand und Weisheit wie die Weisheit der Götter bei ihm gefunden; und der König Nebukadnezar, dein Vater, hat ihn zum Obersten der Wahrsagepriester, der Sterndeuter, der Chaldäer und der Wahrsager erhoben – dein Vater, o König –, weil ein außergewöhnlicher Geist und Kenntnis und Verstand, ein Geist der Traumdeutung und Rätselerklärung und der Knotenlösung bei ihm gefunden wurde, bei Daniel, dem der König den Namen Beltsazar gegeben hat. So werde nun Daniel gerufen, und er wird die Deutung anzeigen“ (Dan 5,10–12).

Belsazar hatte keine persönliche Beziehung zu Daniel, er muss durch die Mutter des Königs auf ihn hingewiesen werden. Sowohl Daniel als auch die Mutter des Königs waren auf dem Fest nicht dabei gewesen, und das wird von Gott vermerkt. Bei der Mutter des Königs war es aber eine rein äußerliche Trennung gewesen, während Daniel sich auch innerlich von dem Treiben am Hof des Königs immer ferngehalten hatte. Gott jedenfalls nimmt Kenntnis davon, wenn es in diesen gottlosen Zeiten solche gibt, die bei diesem Treiben nicht mitmachen. So war es auch bei dem Herrn Jesus; nach Markus 14,64 waren es alle aus dem Synedrium, die den Herrn zum Tode verurteilten, aber Lukas 23,50.51 zeigt doch, dass es einen gab, Joseph von Arimathia, der in diesen Rat und in diese Tat nicht eingewilligt hatte. Das ist auch eine Botschaft für uns heute in dieser gottlosen Zeit: Wenn wir an diesem gottlosen Treiben nicht teilnehmen, wird das im Himmel vermerkt!

Und wie ist es, wenn es solche Situationen im Volk Gottes gibt? Jesaja 22,12.13beschreibt eine ähnliches Festgelage wie hier bei Belsazar, nur im Volk Gottes. Sicher nicht so extrem bis hin zu offener Gottlosigkeit, aber offenbar war der Zustand in Israel nur wenig anders gewesen. Und Paulus benutzt diese Stelle aus Jesaja 22 in 1. Korinther 15,32.33, um den Korinthern zu sagen, was das Motto jener Tage war – und wir sagen: was auch das Motto unserer Tage ist. Das ist unsere heutige Gesellschaft, sie wird immer gottloser. Deshalb wollen wir uns warnen lassen, damit nicht mit bösem Verkehr gute Sitten verdorben werden. Das ist es, was Absonderung meint! Obwohl wir wissen, wie diese Welt ist, wollen wir doch zur Ehre unseres Herrn Ihm folgen und auch noch ein Zeugnis sein in dieser Welt, auch wenn es schwieriger wird – denn der Richter steht vor der Tür (Jak 5,9).

Die Mutter des Königs war eine indifferente Person, die keine eindeutige Stellung bezog. Sie wusste bestens Bescheid über die Geschichte Nebukadnezars und Daniels; sie hört von den Ereignissen im königlichen Palast während dieses Festes; und dann geht sie zum König und sagt ihm, dass er das alles nicht so ernst nehmen müsse, dass es da jemanden im Reich des Königs gebe, der ihm das alles schon erklären könne. Sie selbst aber glaubte an diesen Gott des Himmels nicht, sie hatte nur den Hinweis auf Daniel gegeben, war für sich selbst aber indifferent geblieben. Es ist einfach zu wenig, wenn wir über die Wege Gottes nur Bescheid wissen! Sie war zwar auch bei diesem Festgelage nicht dabei, aber eine rein äußerliche Trennung von den Dingen dieser Welt führt nicht näher zu den Dingen Gottes.

Sie beginnt mit den Worten: „O König, lebe ewig“ – doch der König lebte nur noch einen halben Tag, noch in derselben Nacht wurde er getötet. Sicher war es eine gebräuchliche Form der Anrede damals, die selbst Daniel schon mal gebraucht hatte (Dan 6,23), aber wir müssen aufpassen, dass wir manche Grüße unter uns nicht zu einer reinen Form werden lassen. Dann spricht sie aus ihrer menschlichen Erfahrung heraus, was sie von dem Daniel wusste: dass er nämlich zweimal mit Nebukadnezar zu tun hatte und mit ihm gesprochen hatte und dass dies bei beiden Gelegenheiten letzten Endes gut für Nebukadnezar ausgegangen war. Daraus schloss sie menschlich, dass das dieses Mal bei Belsazar auch so sein würde. Aber damit lag sie total verkehrt.

Sie hatte auch ein gewisses Bewusstsein von einer übernatürlichen Kraft, die in Daniel wirkte, ohne dass sie genau erkannte, dass diese Kraft von Gott kam. Sie unterschied die Quelle nicht, aus der dieser außergewöhnliche Geist bei Daniel kam. Daniel hatte selbst einmal gesagt, dass diese Weisheit nicht aus ihm selbst kam (Dan 2,30). Und dann spricht die Mutter dreimal von Belsazars Vater Nebukadnezar; damit macht sie dem Belsazar einen ziemlich deutlichen Vorwurf, dass er von diesem Daniel eigentlich hätte wissen müssen. Die Menschen hatten Daniel vergessen, auch der König Belsazar selbst; aber gerade in diesen Jahren der Vergessenheit von den Menschen hatte Daniel von Gott zwei ganz entscheidende Prophezeiungen bekommen (Dan 7,1; 8,1). Gott hatte ihn nicht vergessen und gerade diese Zeit benutzt, um ihm großartige Weissagungen zu geben.

Und zum Schluss nennt die Mutter des Königs den Daniel nicht mit seinem neuen, chaldäischen Namen Beltsazar. Der Eindruck, der sich bei ihr von Daniel gefestigt hatte, war der, dass dieser Mann ein Mann Gottes war, der seinem Gott treu geblieben war und seine Herkunft nicht ein einziges Mal aufgegeben hatte. Was würde die uns umgebende Welt von uns sagen?

Achim Zöfelt

 

Der Prophet Daniel (22) – Kapitel 5,13-24

Online seit dem 22.01.2015, Bibelstellen: Daniel 5,13-24

Darauf wurde Daniel vor den König geführt. Der König hob an und sprach zu Daniel: Bist du Daniel, einer der Weggeführten von Juda, die der König, mein Vater, aus Juda hergebracht hat? Und ich habe von dir gehört, dass der Geist der Götter in dir ist und dass Erleuchtung und Verstand und außergewöhnliche Weisheit bei dir gefunden werden. Und nun sind die Weisen, die Sterndeuter, vor mich geführt worden, damit sie diese Schrift läsen und mir ihre Deutung kundtäten; aber sie vermögen nicht, die Deutung der Sache anzuzeigen. Ich habe aber von dir gehört, dass du Deutungen zu geben und Knoten zu lösen vermagst. Nun, wenn du diese Schrift zu lesen und mir ihre Deutung kundzutun vermagst, so sollst du mit Purpur bekleidet werden, mit einer goldenen Kette um deinen Hals, und du sollst als Dritter im Königreich herrschen“ (Daniel 5,13–16).

Nach dem Tod Nebukadnezars war Daniel also offenbar völlig von der Bildfläche verschwunden, mindestens 15 bis 20 Jahre waren seitdem vergangen, denn hier in Kapitel 5 sind wir ja am letzten Abend des ersten Weltreiches und Daniel muss hier schon ein sehr alter Mann von 85 bis 90 Jahren gewesen sein. Wahrscheinlich war Daniel während dieser Jahre von den Nachfolgern Nebukadnezars verkannt worden (vgl. 2. Mo 1,8), war innerhalb von zwei oder drei Generationen völlig aus dem Gedächtnis verschwunden. Aber Gott sorgt dafür, dass dieser vielgeliebte Mann (Dan 10,11), der Ihm sein ganzes Leben lang treu gedient hatte, gerufen wird, um dem König dessen Endgericht zu verkündigen und damit auch das Ende des ersten der vier Weltreiche.

Wenn nun Daniel vor Belsazar geführt wird, begrüßt ihn der König mit einer verächtlichen und demütigenden Anrede: „einer der Weggeführten von Juda“. Aber es liegt darin auch eine schöne und ernste Belehrung für uns. In Daniel 2,25 wurde Daniel schon einmal mit dieser Bezeichnung damals vor den Nebukadnezar gebracht. Die Nationen dieser Welt sind von dem Volk Gottes abhängig, wenn es sich um die Zukunft, die Wahrheit, das ewige Leben handelt. Nur ein Mann aus dem Volk Gottes konnte helfen. Auch wir sollten jederzeit zur Verantwortung bereit sein gegen jeden, der Rechenschaft von uns fordert (1. Pet 3,15). Nur die Christen können der Welt ein Zeugnis von der Wahrheit und von der Gnade Gottes bringen! Sind wir uns dessen noch bewusst?

Vers 15 darf nicht ohne Vers 8 gelesen werden. Vers 8 sagt ganz klar, dass die Weisen die Schrift nicht lesen konnten und nicht zu deuten vermochten. Wenn dann der König davon zu Daniel spricht, dass sie die Deutung nicht anzuzeigen vermochten, wäre es zu oberflächlich, daraus zu schließen, dass sie die Schrift doch hätten lesen können. Gottes Wort widerspricht sich nicht, und der König erzählt dem Daniel hier in Vers 15 das Endergebnis der Bemühungen seiner Weisen.

In Vers 16 stellt Belsazar dem Daniel den Lohn in Aussicht, den er ihm geben würde, wenn Daniel ihm die Deutung der Schrift anzeigen könnte. Vielleicht fragen wir uns, warum er ihm nicht den zweiten, sondern nur den dritten Platz in seinem Reich verspricht. Wir müssen dabei bedenken, dass Nabonid der eigentliche König über dieses Reich nach dem Tod Nebukadnezars war, der aber die Regierungsgewalt seinem Sohn Belsazar übergeben hatte. Also der erste und der zweite Platz in diesem Reich wurden schon durch Nabonid und Belsazar eingenommen.

Da antwortete Daniel und sprach vor dem König: Deine Gaben mögen dir verbleiben, und deine Geschenke gib einem anderen; jedoch werde ich dem König die Schrift lesen und ihm die Deutung kundtun“ (Daniel 5,17).

Im Verhältnis zu Daniel 2 fällt hier die Spontanität der Antwort Daniels auf. In Daniel 2,16–18 hatte er sich noch von dem König eine Frist erbeten, um im Gebet die Erklärung von Gott zu erfahren. Hier ist er unmittelbar bereit zur Antwort und hat auch direkt die Klarheit über die Bedeutung der Schrift. Dabei müssen wir berücksichtigen, dass er zu diesem Zeitpunkt schon die Gesichte aus Daniel 7 und 8 vor Augen hatte (Dan 7,1; 8,1) und deren prophetische Bewertung kannte. Er war von Gott schon auf diesen Augenblick vorbereitet worden. Auch wir können übrigens im Licht der prophetischen Belehrung eine Bewertung des moralischen Zustandes der uns umgebenden Welt jetzt schon vornehmen, ihre Werte, ihre Gesinnung, die ganze Atmosphäre dieser Gesellschaft.

Mit sehr kühnen Worten lehnte Daniel zunächst die Gaben des Königs ab, obwohl ihm sicher bewusst war, dass er hier vor dem mächtigsten Monarchen dieser Welt stand. Eine sehr mutige Sprache, die uns diesen Daniel immer mehr zum Vorbild werden lässt. Ein wenig erinnert er uns an Abram vor dem König von Sodom in 1. Mose 14,23: „Damit du nicht sagst: Ich habe Abram reich gemacht.“ Er wusste aber auch, dass es mit diesem Reich noch in dieser Nacht zu Ende gehen würde und dass diese Gaben Belsazars keinen Bestand hätten.

Du, o König – der höchste Gott hatte Nebukadnezar, deinem Vater, das Königtum und die Größe und die Ehre und die Herrlichkeit verliehen; und wegen der Größe, die er ihm verliehen hatte, bebten und fürchteten sich alle Völker, Völkerschaften und Sprachen vor ihm. Wen er wollte, tötete er, und wen er wollte, ließ er leben; und wen er wollte, erhöhte er, und wen er wollte, erniedrigte er. Als aber sein Herz sich erhob und sein Geist sich bis zur Vermessenheit verstockte, wurde er vom Thron seines Königtums gestürzt, und man nahm ihm seine Würde. Und er wurde von den Menschenkindern ausgestoßen, und sein Herz wurde wie das der Tiere, und seine Wohnung war bei den Wildeseln; man gab ihm Kraut zu essen wie den Rindern, und sein Leib wurde vom Tau des Himmels benetzt – bis er erkannte, dass der höchste Gott über das Königtum der Menschen herrscht und darüber bestellt, wen er will“ (Daniel 5,18–21).

Der Hauptgedanke dieser Verse ist, dass Gott wirklich über allem steht. Daniel macht das noch einmal an dem Beispiel Nebukadnezars klar. Gott hatte ihm diese Machtfülle verliehen, Gott hatte ihn wegen seiner Überhebung herabgestürzt, und Gott herrscht über das Königtum der Menschen und bestellt darüber, wen Er will!

Wir finden hier keine Aufforderung mehr an den Belsazar, mit seinen Sünden zu brechen, sondern nur noch eine ganz ernste Ankündigung des Gerichts. Aber wenn Gott richtet, dann gibt er im Allgemeinen vorher die Gründe an, warum Er so handelt. Das ist der Grund, warum hier Daniel nicht sogleich die Deutung angibt. Er muss diesem Mann zunächst zeigen, warum diese Schrift an der Wand erschienen ist.

Und er beginnt damit, sich an das Gewissen des Belsazar zu wenden, und spricht von dem, was sein Vater oder Vorfahre Nebukadnezar erlebt hatte, als sich sein Herz erhoben hatte. Hochmut war ein Merkmal Nebukadnezars gewesen, er hatte vergessen und nicht anerkannt, dass seine ganze Größe und unumschränkte Macht von dem Höchsten selbst erhalten hatte. Dann wurde er ausgestoßen und kam unter die Tiere. Hatte Belsazar aus der Geschichte seines Vaters gelernt? Nein! Eine ernste Mahnung für uns; wir tun gut daran, aus der Geschichte unserer Väter zu lernen!

Hier wird die unvergleichliche Machtfülle Nebukadnezars vorgestellt: Größe, Ehre und Herrlichkeit – Attribute, die sonst nur Gott selbst zugeschrieben werden (vgl. 1. Chr 29,11.12). Gott hatte von diesen Eigenschaften, die eigentlich Ihn selbst kennzeichnen, dem Nebukadnezar gegeben. Und auch, dass Nebukadnezar tötete, wen er wollte, und am Leben ließ, wen er wollte, wird sonst von Gott gesagt (vgl. 5. Mo 32,391. Sam 2,6). Und dann erhob sich sein Herz – und das ist die Geschichte Satans; der höchste Engelsfürst hatte sich ebenso erhoben.

Der Heilige Geist berichtet dann hier zum zweiten Mal über das Gericht, die tiefe Erniedrigung, die über Nebukadnezar gekommen war, und er endet in Vers 21 mit nahezu den gleichen Worten, die damals Daniel dem Nebukadnezar gegenüber gebraucht hatte (Dan 4,29). Von der höchsten vorstellbaren Höhe hinabgestürzt in eine nicht vorstellbare Erniedrigung! Es ist ein ganz wesentlicher Gedanke, dass der große Gott souverän ist und souverän handelt, so wie Er will! Hinter allem steht immer Gott, auch heute, wo wir auch Zeuge werden von abscheulichen Bluttaten, wie sie in der Geschichte der Menschheit kaum einmal verübt worden sind.

Und du, Belsazar, sein Sohn, hast dein Herz nicht gedemütigt, obwohl du dies alles gewusst hast. Und du hast dich über den Herrn des Himmels erhoben; und man hat die Gefäße seines Hauses vor dich gebracht, und du und deine Gewaltigen, deine Frauen und deine Nebenfrauen, ihr habt Wein daraus getrunken. Und du hast die Götter aus Silber und Gold, aus Kupfer, Eisen, Holz und Stein gerühmt, die nicht sehen und nicht hören und nicht wahrnehmen; aber den Gott, in dessen Hand dein Odem ist und bei dem alle deine Wege sind, hast du nicht geehrt. Da wurde von ihm diese Hand gesandt und diese Schrift gezeichnet“ (Daniel 5,22–24).

Daniel zeigt ihm den wahren Charakter seines bösen Tuns. Er hatte eine schuldhafte Ignoranz an den Tag gelegt, war arrogant und hochmütig; er hatte alles gewusst und hatte sich doch nicht gedemütigt. Hören und Wissen allein nützt nichts, es erhöht nur die Verantwortung; und weil Belsazar nicht entsprechend gehandelt hatte, muss ihn das Gericht treffen. Wir sehen hier, dass Gott auch bei Belsazar auf eine Demütigung gewartet hat. Aber der hatte sich für den Herrn des Himmels nicht interessiert und sich im Gegenteil sogar über Ihn erhoben. Das ist die eigentliche frevelhafte Tat Belsazars. In Daniel 11,36 finden wir bei einem anderen, noch zukünftigen König, dem Antichristen, ganz ähnliche Züge wie hier bei Belsazar.

In Vers 23 wirft Daniel dem Belsazar seine böse Tat mit fast den gleichen Worten vor, wie sie in dem eigentlichen Bericht in Vers 2 und 3 geschildert werden. Und das, obwohl er bei diesem Fest und dieser Gottlosigkeit ja gar nicht dabei gewesen ist. Woher wusste er das alles so wortgenau, wer hat ihm das gesagt? Aus Kapitel 6 wissen wir, dass er einen gewohnheitsmäßigen Umgang mit seinem Gott hatte. Und in der Stille vor Gott hatte er diese Klarheit darüber bekommen, was sich dort in dem Festsaal des Königs abspielte. Das ist Weissagung, eine Offenbarung, die er von Gott bekommen hatte. Wenn wir heute Dinge klar sehen wollen, müssen auch wir uns nahe bei Gott aufhalten! Zu einer Deutung gehört die Gemeinschaft mit Gott (1. Kor 2,14.15).

Dann folgt eine sehr wichtige Aussage, die für alle Geschöpfe Gottes gilt, besonders aber für alle Gläubigen: „…in dessen Hand dein Odem ist.“ Eine ähnliche Aussage trifft Paulus auf dem Aeropag in Apostelgeschichte 17,25 über den Schöpfer-Gott: „Da er selbst allen Leben und Odem und alles gibt“. Drei Dinge also gibt Gott:

  • Leben, das natürliche Leben

  • Odem oder Atem, das ist die Aufrechterhaltung des Lebens; Gott gibt Leben, und Er hält es auch aufrecht; Er wirkt, dass wir atmen können. Danken wir noch dafür, dass wir atmen können? Keine Luft zu bekommen, ist etwas Erschütterndes!

  • alles; das meint alles, was wir sonst noch brauchen

Wir sehen bei Daniel hier drei schöne Charakterzüge in der Art und Weise, wie er zu dem König spricht. Zunächst einmal spricht er furchtlos und kühn und sehr deutlich; dann hält er auch eine gewisse Distanz zu dem König in seiner Ansprache. Man hat schon fast den Eindruck, als hätte er genötigt werden müssen, um überhaupt vor den König zu treten (Dan 5,12.13: er werde gerufen; er wurde geführt). Und als Drittes lehnt er die Geschenke ab; als Prophet Gottes war er nicht käuflich oder beeinflussbar. Denken wir noch einmal daran, dass er hier schon ein alter Mann geworden war – fest und treu bis ins hohe Alter!

Achim Zöfelt

 

Der Prophet Daniel (23) – Kapitel 5,25-30

Online seit dem 25.01.2015, Bibelstellen: Daniel 5,25-30

Und dies ist die Schrift, die gezeichnet worden ist: Mene, mene, tekel upharsin. Dies ist die Deutung der Sache: Mene – Gott hat dein Königtum gezählt und macht ihm ein Ende. Tekel – du bist auf der Waage gewogen und zu leicht befunden worden. Peres – dein Königreich wird zerteilt und den Medern und Persern gegeben“ (Daniel 5,25–28).

Gott hatte also diese Hand eines Menschen gesandt, und die Schrift stand jetzt wohl noch immer da an der Wand. Daniel legt jetzt den Nachdruck auf ein Wort nach dem anderen und gibt die Deutung an. Aber Belsazar scheint davon überhaupt nicht berührt zu sein. Belsazar und Nebukadnezar waren von total unterschiedlichem Charakter.

Mene – Gott hat dein Königtum gezählt und macht ihm ein Ende. „Die Tage gezählt“ bedeutet, dass sie zu Ende gehen. In Jeremia 25,12 finden wir, dass ganz allgemein die Dauer dieses Weltreiches schon mit 70 Jahren angegeben wurde. Aber in dem Ausspruch über Babel in Jesaja 13,16–19 finden wir, was das ganz real für dieses babylonische Weltreich bedeuten würde, die ganze Schrecklichkeit des Gerichtes Gottes über Babel. So macht Gott dem Königtum Babel ein Ende!

Hier wird das Königreich Babylons dem Belsazar zugeschrieben. Das Haupt von Gold zeigt nicht nur den Nebukadnezar persönlich und seine Machtfülle, sondern die ganze babylonische Dynastie. Nebukadnezar und seine Nachkommen werden als eins gesehen, und der Letzte von ihnen ist hier der König Belsazar. Wir stehen hier an dem erschütternden Augenblick, wo das große babylonische Reich – ein Weltreich von ungeahnter Fülle – zugrunde geht! Die einstige Krone der Regierungen wird zu einem öden Landstrich.

Dieser Ausdruck mene wird als einziger der drei Ausdrücke wiederholt. Gott muss nicht zweimal zählen, aber Er macht mit dieser Wiederholung deutlich, dass Er ganz genau abgezählt hat, genau abgemessen hat; die Tage Babylons werden nicht verlängert werden (Jes 13,22). Auch bei dem Traum des Pharao bedeutete die zweimalige Wiederholung des Traums, dass die Sache ist von Seiten Gottes fest beschlossen war und dass Gott eilt, sie zu tun (1. Mo 41,32).

Tekel – du bist auf der Waage gewogen und zu leicht befunden worden. Gott hatte dem Belsazar etwas zu seiner Verantwortung anvertraut, und Belsazar hatte dieser Verantwortung nicht entsprochen. Psalm 62,10 redet von den Waagschalen Gottes; dort werden die Menschen in ihrer vermeintlichen Selbstherrlichkeit gewogen, und sie sind doch alle leichter als ein Hauch. Die Waage des Heiligtums ist göttlich geeicht, sie entspricht göttlich gerechten Maßstäben (vgl. 1. Sam 2,3Spr 5,21; 16,2; 21,2).

In einem allgemeinen Sinn wird jeder Mensch irgendwann einmal von Gott gewogen. Jedem Menschen hat Gott etwas anvertraut; und jeder Mensch wird einmal dem Urteil unterworfen werden, ob er dem entsprochen hat, was Gott ihm gegeben hatte. Es ist ein sehr ernster Gedanke, dass die Menschen der Welt gewogen werden. Und wenn sie den gerechten Ansprüchen Gottes nicht genügen, wird der Feuersee die ewige Antwort Gottes darauf sein!

Es ist interessant, dass der hebräische Ausdruck für Herrlichkeit eigentlich Gewichtbedeutet. Wenn irgendetwas vor Gott zählt oder wiegt, dann ist das Seine eigene Herrlichkeit. Und diese Herrlichkeit haben wir in dem Herrn Jesus empfangen, so dass wir wissen dürfen, dass wir in diesem Sinn im Blick auf das Erreichen des ewigen Zieles nicht mehr von Gott gewogen werden. Alles hat der Herr Jesus getan, und wir stehen angenehm gemacht in Ihm vor Gott!

Peres – dein Königreich wird zerteilt und den Medern und Persern gegeben werden. Der Bereich, der von babylonischen Herrschern regiert wurde, wird zerteilt werden. Damit ist nicht gemeint, dass jetzt ein Teil davon den Medern gegeben würde und ein anderes Teil den Persern, sondern es würde in Stücke zerhauen und nichts davon würde übrigbleiben. Belsazar hatte also durch seine Bosheit und Verderbtheit nicht nur seine eigene Herrschaft verwirkt und nicht nur er als Person kam nun unter das Gericht Gottes, sondern als Folge davon wurde sein gesamter Herrschaftsbereich zerstört. Es würde eine Umkehrung sein wie die Umkehrung Sodoms und Gomorras (Jes 13,19). Es ist ein ernster Gedanke, dass unser Handeln und Tun nicht nur Folgen für uns hat, sondern fast immer auch Auswirkungen auf andere.

Die Schrift an der Wand hatte bei diesem dritten Ausdruck upharsin, während Daniel in seiner Erklärung das Wort peres gebraucht. Wenn Gott diese Schrift gegeben hatte, dann ist auch allein Er in der Lage, sie zu deuten und wie hier sogar geringfügig zu ändern. Das ist auch bei den Gleichnissen im Neuen Testament manchmal so, dass die Deutung über den ursprünglichen Inhalt der Gleichnisse hinausgeht. Eine Erklärung oder Mitteilung oder Bild, die Gott gegeben hat, kann auch nur von Ihm und durch von Ihm geleitete Werkzeuge gedeutet werden. Dafür ist nämlich eine Einsicht Voraussetzung, die über das Sichtbare hinausgeht.

Darauf befahl Belsazar, und man bekleidete Daniel mit Purpur, mit einer goldenen Kette um seinen Hals; und man rief über ihn aus, dass er der dritte Herrscher im Königreich sein solle“ (Daniel 5,29).

Trotz dieser ernsten Gerichtsankündigung erfüllt Belsazar noch sein Versprechen und gibt dem Daniel die verheißene Belohnung. Er zeigt dadurch, dass er nichts von dem angenommen hatte, was Daniel ihm gesagt hatte. Vor seinen Tausenden sah das gut aus, dass er sein Versprechen einhielt, er wahrte damit sein Gesicht vor ihnen. Das ist übrigens auch in unseren Herzen oft eine Tendenz, dass wir unser Gesicht wahren möchten, wo wir uns doch in Demut zu beugen hätten! Das kann uns und andere in große Mühe und Not bringen und zu manchen Problemen auch unter uns Gläubigen führen. In der Bekleidung mit Purpur ist seine öffentliche Würde zu sehen, in der goldenen Kette eine eher persönliche Würde und in der Proklamation seine öffentliche Anerkennung in dieser Stellung.

Belsazar verschenkt hier Würden, die er doch eigentlich schon fast nicht mehr besaß. Was die Welt zu geben vermag, besitzt keinen dauerhaften Bestand! Diese letzte königliche Handlung Belsazars hat wohl auch noch den Gesichtspunkt, dass er nicht gewusst hatte, dass er noch in derselben Nacht umgebracht würde. Er hatte die Botschaft gehört, aber dass sie praktisch auf der Stelle eintreffen würde, hatte er nicht geahnt. Deshalb hatte er sein Wort nicht gebrochen. Es ist aber auch sehr bewegend, dass er nicht wagte, diese Ankündigung Daniels zurückzuweisen. Der Umstand, dass er seine Versprechen einhielt, zeigt, dass er diese Botschaft für wahr hielt; er war davon überzeugt, dass das die Wahrheit sei – eine Regung zum Guten hat es aber in seinem Herzen nicht bewirkt, sein Gewissen wurde nicht getroffen!

In Vers 17 hatte Daniel noch in aller Kühnheit diese Geschenke des Königs verweigert. Jetzt lässt er es dabei bewenden, es ließ ihn kalt. Kapitel 6 zeigt, worauf er wirklich sein Herz gerichtet hatte. Diese Auszeichnungen waren ihm nicht zu Kopf gestiegen.

In derselben Nacht wurde Belsazar, der König der Chaldäer, getötet“ (Daniel 5,30).

Das Ende des babylonischen Weltreiches kann unter zwei Gesichtspunkten gesehen werden. Auf der einen Seite hatten die Herrscher Babylons in ihrer Verantwortung vor Gott versagt und Gott machte deshalb diesem Reich ein Ende (Jer 25,12), es ist die Rache Seines Tempels (Jer 50,28). Diesen Gesichtspunkt finden wir hier. Auf der anderen Seite waren aber diese 70 Jahre die schon vorher von Gott bestimmte Zeit der Gefangenschaft Judas in Babylon, während derer sich das verunreinigte Land erholen und seine Sabbate nachholen sollte (2. Chr 36,20.213. Mo 26,34.35), danach würde Gott sich wieder in Gnade Seinem irdischen Volk zuwenden (Jer 29,10.11). Die zweimalige Erwähnung der 70 Jahre im Propheten Jeremia zeigt also diese beiden Gesichtspunkte: Gottes Gericht an Babylon und Gottes Gnade für Sein Volk. Gott allein kann zwei Ziele gleichzeitig verfolgen und in vollkommener Übereinstimmung erreichen, und wir müssen beide Seiten erkennen und voneinander unterscheiden können.

Gott hatte das Gericht angekündigt und noch in derselben Nacht wurde es vollzogen. Das babylonische Reich wurde zerstört. Die Geschichte berichtet, dass zu der Zeit, als Belsazar dieses Fest feierte, der König Kores schon die Stadt Babel belagert hatte. Er konnte diese befestigte Stadt nicht erobern, deshalb musste er den Euphrat umlenken, damit seine Soldaten in dem freien Flussbett unter der Vergitterung der Stadtmauer in die Stadt hineinkamen und von innen die Tore öffnen konnten (vgl. Jes 44,26 – 45,3). In dieser gleichen Nacht wurde Belsazar getötet.

Dieses Gericht über Belsazar wurde durch Jeremia schon vorher angekündigt, es war von Seiten Gottes längst vorher beschlossen und durch den Mund des Propheten zum Ausdruck gebracht worden (Jer 51,24.28). Das Gericht über Belsazar ist also nicht nur ein Gericht über eine Einzelperson, sondern ein Gericht über das ganze Volk. Und in Vers 28 wird dann sogar Medien genannt als Vollstrecker des Gerichtes. Es ist zutiefst beeindruckend, wie Gottes Wort in Prophetie spricht und sich die Dinge dann ganz genau so erfüllen! Babylonien ist einer Wüste gleich geworden. – Die Wege Gottes sind ernst, aber sie sind auch anbetungswürdig!

Das Gericht über Babel ist ein erschütternder Hinweis auf das, was einmal Babylon in der Offenbarung treffen wird. Dort wird Babylon in einer doppelten Form gesehen: als Frau, die Mutter der Huren, und als Stadt. Und was Belsazar in Daniel 5 widerfuhr und was die Meder und Perser dann taten, finden wir auch in Offenbarung 18,10 auf dieses antichristliche System der letzten Tage gedeutet. Gott wird es richten in Schnelligkeit, das macht die dreifache Beschreibung „in einer Stunde“ deutlich (Vers 10, 17 und 19). Aber es wird nicht nur Gericht ausgeübt werden, sondern dann wird unser gelobter Herr die Herrschaft ergreifen und alles zur ewigen Herrlichkeit Gottes führen!

Achim Zöfelt

Der Prophet Daniel (23) – Kapitel 5,25-30

Online seit dem 25.01.2015, Bibelstellen: Daniel 5,25-30

Und dies ist die Schrift, die gezeichnet worden ist: Mene, mene, tekel upharsin. Dies ist die Deutung der Sache: Mene – Gott hat dein Königtum gezählt und macht ihm ein Ende. Tekel – du bist auf der Waage gewogen und zu leicht befunden worden. Peres – dein Königreich wird zerteilt und den Medern und Persern gegeben“ (Daniel 5,25–28).

Gott hatte also diese Hand eines Menschen gesandt, und die Schrift stand jetzt wohl noch immer da an der Wand. Daniel legt jetzt den Nachdruck auf ein Wort nach dem anderen und gibt die Deutung an. Aber Belsazar scheint davon überhaupt nicht berührt zu sein. Belsazar und Nebukadnezar waren von total unterschiedlichem Charakter.

Mene – Gott hat dein Königtum gezählt und macht ihm ein Ende. „Die Tage gezählt“ bedeutet, dass sie zu Ende gehen. In Jeremia 25,12 finden wir, dass ganz allgemein die Dauer dieses Weltreiches schon mit 70 Jahren angegeben wurde. Aber in dem Ausspruch über Babel in Jesaja 13,16–19 finden wir, was das ganz real für dieses babylonische Weltreich bedeuten würde, die ganze Schrecklichkeit des Gerichtes Gottes über Babel. So macht Gott dem Königtum Babel ein Ende!

Hier wird das Königreich Babylons dem Belsazar zugeschrieben. Das Haupt von Gold zeigt nicht nur den Nebukadnezar persönlich und seine Machtfülle, sondern die ganze babylonische Dynastie. Nebukadnezar und seine Nachkommen werden als eins gesehen, und der Letzte von ihnen ist hier der König Belsazar. Wir stehen hier an dem erschütternden Augenblick, wo das große babylonische Reich – ein Weltreich von ungeahnter Fülle – zugrunde geht! Die einstige Krone der Regierungen wird zu einem öden Landstrich.

Dieser Ausdruck mene wird als einziger der drei Ausdrücke wiederholt. Gott muss nicht zweimal zählen, aber Er macht mit dieser Wiederholung deutlich, dass Er ganz genau abgezählt hat, genau abgemessen hat; die Tage Babylons werden nicht verlängert werden (Jes 13,22). Auch bei dem Traum des Pharao bedeutete die zweimalige Wiederholung des Traums, dass die Sache ist von Seiten Gottes fest beschlossen war und dass Gott eilt, sie zu tun (1. Mo 41,32).

Tekel – du bist auf der Waage gewogen und zu leicht befunden worden. Gott hatte dem Belsazar etwas zu seiner Verantwortung anvertraut, und Belsazar hatte dieser Verantwortung nicht entsprochen. Psalm 62,10 redet von den Waagschalen Gottes; dort werden die Menschen in ihrer vermeintlichen Selbstherrlichkeit gewogen, und sie sind doch alle leichter als ein Hauch. Die Waage des Heiligtums ist göttlich geeicht, sie entspricht göttlich gerechten Maßstäben (vgl. 1. Sam 2,3Spr 5,21; 16,2; 21,2).

In einem allgemeinen Sinn wird jeder Mensch irgendwann einmal von Gott gewogen. Jedem Menschen hat Gott etwas anvertraut; und jeder Mensch wird einmal dem Urteil unterworfen werden, ob er dem entsprochen hat, was Gott ihm gegeben hatte. Es ist ein sehr ernster Gedanke, dass die Menschen der Welt gewogen werden. Und wenn sie den gerechten Ansprüchen Gottes nicht genügen, wird der Feuersee die ewige Antwort Gottes darauf sein!

Es ist interessant, dass der hebräische Ausdruck für Herrlichkeit eigentlich Gewichtbedeutet. Wenn irgendetwas vor Gott zählt oder wiegt, dann ist das Seine eigene Herrlichkeit. Und diese Herrlichkeit haben wir in dem Herrn Jesus empfangen, so dass wir wissen dürfen, dass wir in diesem Sinn im Blick auf das Erreichen des ewigen Zieles nicht mehr von Gott gewogen werden. Alles hat der Herr Jesus getan, und wir stehen angenehm gemacht in Ihm vor Gott!

Peres – dein Königreich wird zerteilt und den Medern und Persern gegeben werden. Der Bereich, der von babylonischen Herrschern regiert wurde, wird zerteilt werden. Damit ist nicht gemeint, dass jetzt ein Teil davon den Medern gegeben würde und ein anderes Teil den Persern, sondern es würde in Stücke zerhauen und nichts davon würde übrigbleiben. Belsazar hatte also durch seine Bosheit und Verderbtheit nicht nur seine eigene Herrschaft verwirkt und nicht nur er als Person kam nun unter das Gericht Gottes, sondern als Folge davon wurde sein gesamter Herrschaftsbereich zerstört. Es würde eine Umkehrung sein wie die Umkehrung Sodoms und Gomorras (Jes 13,19). Es ist ein ernster Gedanke, dass unser Handeln und Tun nicht nur Folgen für uns hat, sondern fast immer auch Auswirkungen auf andere.

Die Schrift an der Wand hatte bei diesem dritten Ausdruck upharsin, während Daniel in seiner Erklärung das Wort peres gebraucht. Wenn Gott diese Schrift gegeben hatte, dann ist auch allein Er in der Lage, sie zu deuten und wie hier sogar geringfügig zu ändern. Das ist auch bei den Gleichnissen im Neuen Testament manchmal so, dass die Deutung über den ursprünglichen Inhalt der Gleichnisse hinausgeht. Eine Erklärung oder Mitteilung oder Bild, die Gott gegeben hat, kann auch nur von Ihm und durch von Ihm geleitete Werkzeuge gedeutet werden. Dafür ist nämlich eine Einsicht Voraussetzung, die über das Sichtbare hinausgeht.

Darauf befahl Belsazar, und man bekleidete Daniel mit Purpur, mit einer goldenen Kette um seinen Hals; und man rief über ihn aus, dass er der dritte Herrscher im Königreich sein solle“ (Daniel 5,29).

Trotz dieser ernsten Gerichtsankündigung erfüllt Belsazar noch sein Versprechen und gibt dem Daniel die verheißene Belohnung. Er zeigt dadurch, dass er nichts von dem angenommen hatte, was Daniel ihm gesagt hatte. Vor seinen Tausenden sah das gut aus, dass er sein Versprechen einhielt, er wahrte damit sein Gesicht vor ihnen. Das ist übrigens auch in unseren Herzen oft eine Tendenz, dass wir unser Gesicht wahren möchten, wo wir uns doch in Demut zu beugen hätten! Das kann uns und andere in große Mühe und Not bringen und zu manchen Problemen auch unter uns Gläubigen führen. In der Bekleidung mit Purpur ist seine öffentliche Würde zu sehen, in der goldenen Kette eine eher persönliche Würde und in der Proklamation seine öffentliche Anerkennung in dieser Stellung.

Belsazar verschenkt hier Würden, die er doch eigentlich schon fast nicht mehr besaß. Was die Welt zu geben vermag, besitzt keinen dauerhaften Bestand! Diese letzte königliche Handlung Belsazars hat wohl auch noch den Gesichtspunkt, dass er nicht gewusst hatte, dass er noch in derselben Nacht umgebracht würde. Er hatte die Botschaft gehört, aber dass sie praktisch auf der Stelle eintreffen würde, hatte er nicht geahnt. Deshalb hatte er sein Wort nicht gebrochen. Es ist aber auch sehr bewegend, dass er nicht wagte, diese Ankündigung Daniels zurückzuweisen. Der Umstand, dass er seine Versprechen einhielt, zeigt, dass er diese Botschaft für wahr hielt; er war davon überzeugt, dass das die Wahrheit sei – eine Regung zum Guten hat es aber in seinem Herzen nicht bewirkt, sein Gewissen wurde nicht getroffen!

In Vers 17 hatte Daniel noch in aller Kühnheit diese Geschenke des Königs verweigert. Jetzt lässt er es dabei bewenden, es ließ ihn kalt. Kapitel 6 zeigt, worauf er wirklich sein Herz gerichtet hatte. Diese Auszeichnungen waren ihm nicht zu Kopf gestiegen.

In derselben Nacht wurde Belsazar, der König der Chaldäer, getötet“ (Daniel 5,30).

Das Ende des babylonischen Weltreiches kann unter zwei Gesichtspunkten gesehen werden. Auf der einen Seite hatten die Herrscher Babylons in ihrer Verantwortung vor Gott versagt und Gott machte deshalb diesem Reich ein Ende (Jer 25,12), es ist die Rache Seines Tempels (Jer 50,28). Diesen Gesichtspunkt finden wir hier. Auf der anderen Seite waren aber diese 70 Jahre die schon vorher von Gott bestimmte Zeit der Gefangenschaft Judas in Babylon, während derer sich das verunreinigte Land erholen und seine Sabbate nachholen sollte (2. Chr 36,20.213. Mo 26,34.35), danach würde Gott sich wieder in Gnade Seinem irdischen Volk zuwenden (Jer 29,10.11). Die zweimalige Erwähnung der 70 Jahre im Propheten Jeremia zeigt also diese beiden Gesichtspunkte: Gottes Gericht an Babylon und Gottes Gnade für Sein Volk. Gott allein kann zwei Ziele gleichzeitig verfolgen und in vollkommener Übereinstimmung erreichen, und wir müssen beide Seiten erkennen und voneinander unterscheiden können.

Gott hatte das Gericht angekündigt und noch in derselben Nacht wurde es vollzogen. Das babylonische Reich wurde zerstört. Die Geschichte berichtet, dass zu der Zeit, als Belsazar dieses Fest feierte, der König Kores schon die Stadt Babel belagert hatte. Er konnte diese befestigte Stadt nicht erobern, deshalb musste er den Euphrat umlenken, damit seine Soldaten in dem freien Flussbett unter der Vergitterung der Stadtmauer in die Stadt hineinkamen und von innen die Tore öffnen konnten (vgl. Jes 44,26 – 45,3). In dieser gleichen Nacht wurde Belsazar getötet.

Dieses Gericht über Belsazar wurde durch Jeremia schon vorher angekündigt, es war von Seiten Gottes längst vorher beschlossen und durch den Mund des Propheten zum Ausdruck gebracht worden (Jer 51,24.28). Das Gericht über Belsazar ist also nicht nur ein Gericht über eine Einzelperson, sondern ein Gericht über das ganze Volk. Und in Vers 28 wird dann sogar Medien genannt als Vollstrecker des Gerichtes. Es ist zutiefst beeindruckend, wie Gottes Wort in Prophetie spricht und sich die Dinge dann ganz genau so erfüllen! Babylonien ist einer Wüste gleich geworden. – Die Wege Gottes sind ernst, aber sie sind auch anbetungswürdig!

Das Gericht über Babel ist ein erschütternder Hinweis auf das, was einmal Babylon in der Offenbarung treffen wird. Dort wird Babylon in einer doppelten Form gesehen: als Frau, die Mutter der Huren, und als Stadt. Und was Belsazar in Daniel 5 widerfuhr und was die Meder und Perser dann taten, finden wir auch in Offenbarung 18,10 auf dieses antichristliche System der letzten Tage gedeutet. Gott wird es richten in Schnelligkeit, das macht die dreifache Beschreibung „in einer Stunde“ deutlich (Vers 10, 17 und 19). Aber es wird nicht nur Gericht ausgeübt werden, sondern dann wird unser gelobter Herr die Herrschaft ergreifen und alles zur ewigen Herrlichkeit Gottes führen!

Achim Zöfelt

Der Prophet Daniel (24) – Kapitel 6,1-4

Online seit dem 28.01.2015, Bibelstellen: Daniel 6,1-4

Vorbemerkung zu Daniel 6

Mit diesem Kapitel endet der historische Teil des Buches Daniel. Hier in Daniel 6 kommt jetzt also das zweite Reich vor uns, das in dem Traum Nebukadnezars in Daniel 2,39 als geringer als das babylonische Reich bezeichnet wird, das also eine schwächere Autorität haben würde. Der eine Schwachpunkt dieses zweiten Reiches ist, dass es immer mit dem medischen Reich zusammen erwähnt wird. Ein weiterer Schwachpunkt war, dass ihre Regenten niemals eine einmal erlassene Anordnung widerrufen oder abändern oder rückgängig machen durften (Dan 6,9.13.16). Das Grundgesetz dieser Meder und Perser enthielt also eine Regelung, nach der keine jemals erlassene Anordnung wieder rückgängig gemacht werden konnte. Eine absolute Einschränkung der Autorität der Regierung, die sich mit jeder jemals erlassenen Regelung für alle Zeiten selbst die Hände band.

Darius selbst war jedenfalls ein Meder und kein Perser. Schon bevor die Perser aufkamen, waren die Meder ein mächtiges Reich gewesen. Aber der erste König Persiens, Kores, hatte als eine seiner ersten Eroberungen die Meder besiegt. Dennoch hatte er einen gewissen Respekt vor ihnen, so dass er das medische Reich nicht vernichtet hatte, sondern wohl unterworfen, aber parallel neben seinem persischen Reich hatte existieren lassen. Deshalb ist fast nie von den Persern allein die Rede, sondern immer von den Medern und Persern und manchmal auch von den Persern und Medern. Oft aber stehen die Meder sogar an erster Stelle. Das zeigt den Respekt der Könige von Persien vor diesem schon vor ihrer Zeit mächtigen Reich der Meder. Das medo-persische Reich wird uns also sofort in einer schwächeren Form vorgestellt, als es das babylonische Reich gewesen war. Die von Gott gegebene Autorität Babels wurde in den darauf folgenden Weltreichen nie wieder erreicht.

Das babylonische Weltreich hatte ca. 68 Jahre bestanden, und das war die kürzeste Dauer aller vier Weltreiche. Das darauf folgende medo-persische Reich währte ca. 202 Jahre, dann folgten das griechische Reich mit ca. 306 Jahren und darauf die erste Phase des römischen Reiches mit ca. 508 Jahren. Die Zeitdauer der Weltreiche nahm also immer zu, aber die Autorität ihrer jeweiligen Herrscher nahm in dem gleichen Maß ab.

Das medo-persische Reich war auch nicht nur schwächer, was die Autorität ihrer Regenten betraf, es war im Blick auf das Volk der Juden auch ein humaneres Reich im Vergleich zu den Völkern, die vorher und auch nachher regiert hatten. Von Kores wird gesagt, dass er sehr tolerant gegenüber anderen Religionen war. Die autoritären Regimes dieser Welt waren dem Christentum gegenüber immer feindlich. Und die Demokratie, die ja die am weitesten von Gott entfernte Regierungsform ist, ist die am meisten dem Christentum gesonnene Regierungsform, weil sie allen Menschen gegenüber Toleranz erweisen möchte. Dafür zumindest können wir dankbar sein, obwohl wir uns von dem Gedanken verabschieden müssen, dass wir in einem christlichen Europa leben – diese Zeit ist vorbei. Denken wir nur einmal daran, was ungefähr seit den letzten vierzig Jahren an Gesetzen erlassen worden sind, die sich ganz konkret gegen Gottes Wort richten, z.B. die Ehe-Gesetzgebung, Kindererziehung und andere mehr.

Diese abnehmende Linie in der Autorität der Regierungen wird hier in Daniel 6 auch darin deutlich, dass die Vorsteher und Satrapen etwas beschließen konnten, was der König auszuführen hatte. Das zeigt, welche Schwachheit der König bereits hatte. Die Verordnung selbst musste er wohl noch in Gang setzen, aber allein der Umstand, dass diese Leute ihm das vor die Füße legen konnten, zeigt uns diese absteigende Linie.

Aber die Charakterzüge dieser Weltreiche werden auch erkennbar werden am Ende der Zeiten der Nationen. Wir hatten in Daniel 5 gesehen, dass das Gericht über das babylonische Weltreich eine Andeutung ist auf das Gericht über Babylon, die große Hure. Und jetzt sehen wir in Daniel 6 ein besonderes weiteres Merkmal dieser Zeit, nämlich dass der Mensch sich an die Stelle Gottes setzt und sich für unfehlbar hält (Dan 6,8). Niemand durfte von irgendeinem Gott etwas erbitten als nur von diesem König Darius. Genau dieser Charakterzug wird dann auch deutlich am Ende der Zeiten der Nationen, wo der Antichrist dafür sorgen wird, dass alle Menschen das erste Tier (das Haupt des wiedererstehenden Römischen Reiches) anbeten werden (Off 13,12). Und auch der Antichrist selbst wird sich in den Tempel Gottes setzen und anbeten lassen (2. Thes 2,4).

Und Darius, der Meder, bekam das Königreich, als er ungefähr zweiundsechzig Jahre alt war“ (Daniel 6,1).

Weltliche Geschichtsschreiber hatten lange damit zu kämpfen, wer dieser Darius war. Sie sind bei dieser Frage nicht zu einem befriedigenden Ergebnis gekommen. Ähnlich war es ja auch mit Belsazar gewesen, bis vor 250 Jahren ein Fund gemacht wurde, der das genau bestätigt hatte, was hier im Buch Daniel geschildert wurde. Deshalb müssen wir nicht bezweifeln, dass Gott auch das ans Licht bringen wird, was Darius betrifft. Gottes Wort gibt in diesem Buch Daniel viele Details über diesen Mann; hier wird uns sein Alter genannt, in Daniel 9,1 wird sein Vater genannt (Ahasveros), und in Daniel 11,1 sehen wir, dass hinter der Szene ein Engel ihn in seinem ersten Jahr als König als Helfer und Schutz beistand.

Offenbar war dieser Darius ein Fürst aus diesem Haus der Meder, der als Person parallel mit Cyros oder Kores geherrscht hat (vgl. Dan 6,29). Kores war es ja gewesen, der den Erlass zur Befreiung der Juden aus der Gefangenschaft verfasst hatte (2. Chr 36,22.23Esra 1,1–4).

Prophetisch war Darius also durchaus ein Vorausbild auf den zukünftigen Antichristen. Es macht uns vielleicht Mühe, ihn so zu sehen, wo er doch als Person ein durchaus liebenswürdiger Mann war. Er trug angenehme Züge an sich, die wir bisher bei keinem anderen König gefunden haben; er schätzte den Daniel und er trauerte auch um ihn, als er ihn in die Grube hatte werfen müssen – trotzdem ist er ein Bild von dem kommenden Menschen, der sich an die Stelle Gottes setzen wird.

Darius hatte schöne Züge an sich, und der Antichrist wird auch schöne Züge haben. Als der Herr Jesus hier auf der Erde war, haben die Menschen an Ihm nichts Gutes gesehen, Er war ohne Pracht und ohne Ansehen, dass wir Seiner begehrt hätten (Jes 53,2). Wenn der Antichrist kommen und sich in den Tempel setzen wird an Stelle von Gott – übrigens meint Anti in erster Linie anstelle von –, dann wird er Züge haben, die den Menschen gefallen. Darüber geht aber total verloren, dass er ein böser Verführer ist, der sein Ende direkt im Feuersee finden wird (Off 19,20). Seine angenehme Persönlichkeit darf nicht zur Missdeutung seiner wirklichen Bedeutung führen. Der Teufel nimmt sich Werkzeuge, die den Menschen gefallen.

Von wem bekam Darius das Königreich? Vordergründig mögen wir an Kores, den Perser, denken, aber wir wissen, dass hinter der Szene Gott steht und alle Dinge lenkt. Immer wieder haben wir das gerade in diesem Buch Daniel gefunden, und Er ist es auch, der dafür sorgte, dass Darius das Königtum bekam. Wir finden übrigens im ganzen Wort Gottes niemanden, der älter gewesen wäre zu dem Zeitpunkt, als er König wurde, wie hier den Darius.

Es gefiel Darius, über das Königreich 120 Satrapen zu bestellen, die im ganzen Königreich sein sollten, und über sie drei Vorsteher, von denen Daniel einer war – damit jene Satrapen ihnen Rechenschaft gäben und der König keinen Schaden erlitte. Da übertraf dieser Daniel die Vorsteher und Satrapen, weil ein außergewöhnlicher Geist in ihm war; und der König beabsichtigte, ihn über das ganze Königreich zu bestellen“ (Daniel 6,2–4).

Daniel war also einer von den drei Vorstehern über die 120 Satrapen, und weil er mit seinen außerordentlichen Fähigkeiten alle anderen Satrapen und auch die beiden anderen Vorsteher übertraf, wollte Darius ihn über das ganze Königreich bestellen. Dieser Daniel, der nichts aus sich selbst machte, der immer wieder in hohe Stellungen eingesetzt wurde und auch in der Zeit Belsazars in Treue diese hohen Aufgaben ausübte (Dan 8,27), der ist jetzt auch im nächsten Weltreich wieder in herausragende Stellung gesetzt worden. Neue Regenten bringen beim Regierungswechsel in der Regel Leute ihres eigenen Vertrauens mit und wechseln die Mannschaft der Vorgänger-Regierung aus, aber durch seine Treue im Leben und im Dienst fiel dieser alte Mann Daniel einfach auf. Treue in irdischen und in geistlichen Dingen wird gesehen und geachtet!

Die Satrapen mussten also den drei Vorstehern Rechenschaft geben, und sie alle wurden eingesetzt, damit der König keinen Schaden erlitte. Es ging dem Darius nicht darum, dass dem Reich oder seinem Volk kein Schaden entstand, sondern er hatte nur seinen persönlichen Nutzen im Auge, es ging ihm um seine Ehre und seinen Reichtum. Wie viel Bemühungen unternehmen auch wir oft, damit uns ja kein Schaden entsteht, statt in Ruhe die Sache Gott zu überlassen.

Achim Zöfelt

Der Prophet Daniel (25) – Kapitel 6,5-10

Online seit dem 31.01.2015, Bibelstellen: Daniel 6,5-10

Da suchten die Vorsteher und die Satrapen einen Anklagegrund gegen Daniel von Seiten der Regierung zu finden; aber sie konnten keinen Anklagegrund und keine schlechte Handlung finden, weil er treu war und kein Vergehen und keine schlechte Handlung an ihm gefunden wurde. Da sprachen diese Männer: Wir werden gegen diesen Daniel keinen Anklagegrund finden, es sei denn, dass wir einen im Gesetz seines Gottes gegen ihn finden“ (Daniel 6,5.6).

Daniel sollte hier also eine Stellung bekommen, die die übrigen Vorsteher und Satrapen auch gern für sich gehabt hätten. Offenbar hatte Darius diese Absicht, Daniel über das ganze Königreich zu bestellen, nicht sofort umgesetzt. Aber die beiden übrigen Vorsteher und die Satrapen hatten von dieser Absicht augenscheinlich erfahren. Am ehesten waren sicher die beiden anderen Vorsteher davon betroffen, dass Daniel noch über sie gestellt werden sollte; und man kann sich vorstellen, dass sie dann versuchten, die Satrapen für sich zu gewinnen, um etwas gegen Daniel vorbringen zu können. Sie nahmen praktisch Daniels komplettes Leben unter die Lupe, sie forschten ihn aus, um irgendetwas in seiner Amtsführung zu finden, was sie ihm ankreiden und vor dem König zur Last legen könnten, damit er diese hohe Stellung nicht bekäme. Der Beweggrund dafür kann nicht nur Neid und Missgunst gewesen sein (Jak 3,16), sondern sogar Hass. Neid entsteht immer dann, wenn man etwas haben möchte und nicht bekommt, was ein anderer besitzt. Das kann im materiellen Bereich so sein, aber leider auch im geistlichen Bereich!

Die Satrapen und Vorsteher wussten, dass sie nur dann sie einen Anklagegrund gegen Daniel finden könnten, wenn das Gesetz des Gottes Daniels gegen das Gesetz des Königs stehen würde, wenn also im Gesetz Gottes etwas wäre, was im Widerspruch zu dem Gesetz des Königs stand. Aber da gab es auch nichts, und deshalb mussten sie selbst tätig werden und eine solche Situation herbeiführen und eine entsprechende Verordnung in Gang setzen lassen. Diese entschiedene und treue Haltung Daniels erinnert uns an 1. Petrus 4,15.16 und auch an Philipper 2,15. Gläubige Leute sollten treue Leute sein! Und genau das unterstellten diese Satrapen dem Daniel, dass er nämlich auch bei dieser beabsichtigten Verordnung seinem Gott treu bleiben würde. Sie wussten, dass es im Leben Daniels eine Bastion gab, die sie nicht erobern konnten, bei der es keine Kompromissbereitschaft bei Daniel gab. Sie gingen ganz fest davon aus, dass er sich nicht anpassen würde und dass sie ihn dann gerade dadurch kriegen würden. Was für ein indirektes Zeugnis seiner Feinde für den Daniel!

In der Ausführung seiner beruflichen Verantwortlichkeiten war also kein Anklagegrund und keine schlechte Handlung bei Daniel zu finden – nicht eine einzige! Kein Vergehen, noch nicht mal eine Vernachlässigung seiner Pflichten konnte gefunden werden, obwohl sie unter allen Umständen etwas finden wollten. Die Begründung Gottes dafür ist, dass Daniel treu war, und dies alles bezieht sich zunächst nur auf die Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit. Er hatte zuverlässig alles so getan, wie es nach Recht und Ordnung geschehen musste und wie der König es getan haben wollte. Wer könnte das von seiner beruflichen Aufgabenerfüllung sagen – keine einzige Unregelmäßigkeit?! Es hat in den Augen Gottes einen außerordentlich hohen Wert, wenn wir unseren irdischen Beruf treu erfüllen (Kol 3,22.23Tit 2,9.10). Und es besteht auch unbedingt ein Zusammenhang zwischen der Treue eines Gläubigen im irdischen Beruf und seiner Tätigkeit im geistlichen Bereich. Menschen, die der Herr in Seinen Dienst beruft, sind in der Regel solche, die sich vorher in ihrem irdischen Beruf bewährt haben; das Alte und auch das Neue Testament sind voll von solchen Beispielen. Faulenzer wird der Herr nicht in Seinen Dienst stellen!

Es geht hier also um das Verhalten eines Gläubigen in einer feindlichen Welt, um seine Treue im irdischen Beruf. Daniel hatte sich durch seinen Herzensentschluss den dreifachen Einflüssen der Umerziehung der Babylonier – die Sprache der Chaldäer, ihre Speise und die Umbenennung mit babylonischen Namen – so weit wie möglich entziehen können. Da, wo es ging, hatte er Nein gesagt; menschlich gesprochen eigentlich das Ende der Karriereleiter. Aber Gott hatte genau das benutzt, ihn an die höchsten Stellen sowohl im babylonischen als nun auch im medo-persischen Reich zu bringen. Selbst Darius musste bekennen, dass Daniel seinem Gott ohne Unterlass gedient hatte (Dan 6,21). So ist das Beispiel Daniels auch vorbildhaft für alle jungen Gläubigen im Blick auf ihre Ausbildung und ihre berufliche Laufbahn. Das heißt nicht, dass ein Leben des Glaubens in Treue immer von wirtschaftlichem oder irdischem Erfolg gekrönt ist, aber es gibt Lohn von Gott.

Was Karrieren im irdischen Beruf betrifft, können wir im Leben Daniels lehrreiche Punkte finden: Er hatte nie den beruflichen Erfolg gesucht, sondern hatte andere Dinge, die ihm wichtig waren. Und egal, in welcher Stellung er sich befand, er hatte seine jeweilige Aufgabe immer treu erfüllt. Außerdem stand er in allem, was er tat, zuerst vor seinem Gott. Und schließlich zeigt uns dieses Kapitel, dass eine hohe Position auch besondere Gefahren mit sich bringt.

Dann liefen diese Vorsteher und Satrapen eilig zum König und sprachen zu ihm so: König Darius, lebe ewig! Alle Vorsteher des Königreichs, die Befehlshaber und Satrapen, die Räte und Statthalter, haben beschlossen, dass der König eine Verordnung aufstellen und ein Verbot erlassen soll, dass jeder, der innerhalb dreißig Tagen von irgendeinem Gott oder Menschen etwas erbittet außer von dir, o König, in die Löwengrube geworfen werden soll. Nun, o König, erlass das Verbot und lass eine Schrift aufzeichnen, die nach dem Gesetz der Meder und Perser, das unwiderruflich ist, nicht abgeändert werden darf. Deshalb ließ der König Darius die Schrift und das Verbot aufzeichnen“ (Daniel 6,7–10).

Darius war selbst nicht der Mann gewesen, der das unaufhebbare Gesetz eingeführt hatte. Dieses Gesetz der Meder und Perser bestand schon vorher; aber auf der Grundlage dieses unaufhebbaren Gesetzes sollte er jetzt ein Verbot erlassen, das dann eben nicht mehr abgeändert werden durfte. Er wurde von der List seiner Satrapen in eine Falle gelockt, die er nicht erkannte.

Eben noch hatten die Satrapen gesagt, dass sie etwas finden müssten, wo Daniel durch das Befolgen des Gesetzes seines Gottes in Konflikt geraten würde mit den Gesetzen der Meder und Perser. Und sofort laufen sie jetzt zum König. Sie hatten überhaupt nicht beraten müssen, wie sie das hinbekommen würden. Sie müssen bei ihrer Untersuchung in der Amtsführung von Daniel auch gesehen haben, wie treu und regelmäßig er zu seinem Gott betete. Das Leben Daniels war eine Einheit, sein berufliches Leben und sein Leben mit Gott waren eins.

Diese Männer hatten ein sehr feines Netz gesponnen. Es ist doch erstaunlich, was für einen erheblichen Einfluss sie hatten, dass sie von dem König das fordern konnten, was sie beschlossen hatten. Sie waren eines Sinnes geworden, und was sie jetzt dem Darius vorlegen, ist von außergewöhnlicher Raffinesse: Der König sollte nach ihrem Beschluss eine Verordnung aufstellen und ein Verbot erlassen, dass niemand innerhalb von 30 Tagen etwas von irgendeinem Gott erbitten dürfte außer von dem König. Und wer sich daran nicht halten würde, sollte in die Löwengrube geworfen werden. Aber ihr Vorgehen beruhte auch auf einer Lüge, denn es waren ja gar nicht alle Vorsteher, Satrapen und sonstige Autoritäten zu diesem Vorschlag übereingekommen, denn Daniel war bei diesem Ratschlag nicht dabei. Merkwürdig auch, dass der König Darius gar nicht danach fragte, was denn Daniel als ihr Oberster in spe zu diesem Vorschlag zu sagen hatte.

Von irgendeinem Gott war eine so raffinierte Ausdrucksweise. Darius ging in die ihm gestellte Falle, weil er sich damit schmeicheln ließ. Er nahm dieses Angebot nur zu gerne an, für diese 30 Tage sogar höher stehen zu sollen als irgendein Gott, ganz zu schweigen von jedem Menschen. Zeigt das nicht, wie traurig sein Zustand wirklich war? Wäre auch nur ein wenig Ehrfurcht bei ihm vorhanden gewesen vor Gott, hätte er diese Schlinge erkannt, die ihm da gelegt wurde. Aber er ließ sich blenden, und dadurch dass er dann das Verbot aufzeichnen ließ, wurde er der Gefangene seiner eigenen Leute.

Darius ließ sich durch diese Verordnung an die Stelle Gottes setzen – auch wenn es nur für 30 Tage war. Darin ist er ein erschütterndes Vorbild nicht nur von dem Antichristen, sondern auch von dem letzten römischen Fürsten, der sich selbst anbeten lässt, als wenn er Gott wäre. Hätte er doch mal eine Nacht über diesen Vorschlag geschlafen! Aber nein, er lässt diese Schrift unmittelbar aufzeichnen.

Die drohende Konsequenz für das Nichtbeachten dieser Verordnung zeigt auch, dass diese Menschen überhaupt nicht mit Gott rechneten. Sie drohten nicht den sofortigen Tod an, sondern für sie war das Werfen in die Löwengrube gleichbedeutend mit dem sicheren Tod. Von der wunderbaren Rettung der drei Freunde Daniels aus dem babylonischen Feuerofen hatten sie entweder nichts gehört oder sie wähnten die Löwengrube als ein noch sichereres Mittel.

Achim Zöfelt


Der Prophet Daniel (26) – Kapitel 6,11

Online seit dem 02.02.2015, Bibelstellen: Daniel 6,11

Und als Daniel erfuhr, dass die Schrift aufgezeichnet war, ging er in sein Haus. Und er hatte in seinem Obergemach offene Fenster nach Jerusalem hin; und dreimal am Tag kniete er auf seine Knie und betete und lobpries vor seinem Gott, wie er vordem getan hatte“ (Daniel 6,11).

Auffallend in diesem Vers sind sowohl der tiefe Frieden bei Daniel als auch seine innerliche Ruhe und sein ungebrochenes Vertrauen trotz der menschlichen Aktivitäten seiner Feinde. Dreimal lesen wir bei diesen Männern, dass sie eilig waren in ihrem Tun (Dan 6,7.12.16; vgl. Rö 3,15). Hinter dieser Eile steckt zielgerichtete bösartige Energie. Aber Daniel ging ohne besondere Eile an den Ort, den er gewohnheitsmäßig dreimal am Tag zum Gebet aufsuchte. Und er brachte jetzt nicht nur Bitten und Flehen wegen dieser aktuellen Not vor seinen Gott, sondern er fand auch Zeit zum Loben und Preisen. Wie leicht beschränken wir uns in Notsituationen auf Beten und Flehen und Seufzen. Natürlich dürfen wir das aktuelle Geschehen in unserem Leben zu einem zusätzlichen Anlass für unsere Gebete machen und in dieser intensiven Form des Flehens vor Gott kommen. Flehen verrät, dass einem die aktuelle Notsituation zutiefst nahegeht; auch der Herr Jesus selbst hatte als Mensch sowohl Bitten als Flehen (Heb 5,7). Aber wir sollten darüber auch das Loben und Danken nicht vergessen.

Daniel nutzt also nicht seine dienstliche Nähe zum Thronsaal, um dieses Problem anzusprechen; er wendet sich an die höchste Stelle. Diese Nähe zu Gott kannte er gewohnheitsmäßig. Er ist hier die personifizierte Erfüllung der Bitte Salomos bei der Einweihung des Tempels in 1. Könige 8,47.48. Seine Füße waren in der Fremde, aber sein Herz an dem Ort, den Gott sich erwählt hatte. Auch wir haben dieses Gebetsleben in einem geistlichen Obergemach unverzichtbar nötig! Ein Ort, an dem wir ungestört mit unserem Herrn reden können.

Warum eigentlich hat Daniel nicht interveniert bei dem König? Das wäre doch sehr naheliegend gewesen. Aber Daniel war nicht nur ein treuer Mann, er war auch ein weiser Mann. Und er kannte das Prinzip der Meder und Perser, dass diese Verordnung auf keinen Fall rückgängig gemacht werden konnte. Und wenn diese Verordnung auch auf die unmöglichste Art und Weise durch Lug und Trug und Schmeichelei zustande gekommen war, so wusste er, dass ein Protest dagegen überhaupt nichts bewirken konnte. Er hätte nur andere und sich selbst lächerlich gemacht. Es hatte keinen Zweck, deshalb vor dem König vorstellig zu werden, aber er hatte eine weit bessere Stelle, wo er vorstellig werden konnte – die höchste Audienz-Möglichkeit, die es gibt! David und Asaph, die selbst körperlich nicht in das Heiligtum Gottes hineingehen durften, hatten etwas davon verstanden, dass sie sich geistlicherweise dort aufhalten konnten, es war für sie ein Refugium, ein Rückzugsort angesichts ihrer Umstände im Leben (Ps 27,4; 73,17). Daniels Heiligtum war sein Obergemach (Mt 6,6). In dieser Hinsicht ist dieses Kapitel die Fortsetzung und sogar Erhöhung von seinem Verhalten in Kapitel 1. Dort sehen wir die Vorbereitung und hier haben wir die volle Entfaltung des Glaubens Daniels.

Es hatte also keinen Zweck, sich dagegen aufzulehnen. Es hätte aber auch andere Möglichkeiten gegeben, die Daniel aber auch nicht tat. Er hat die Fenster seines Obergemachs nicht geschlossen, und er hat sich auch nicht unterworfen und die 30 Tage abgewartet und nicht gebetet in dieser Zeit – er hat alles so getan wie immer.

Warum wohl hat er die Fenster nicht zugemacht? Hätte er sich nicht sagen können, dass es in dieser kritischen Situation besser sei, die Dinge nicht herauszufordern? Er hatte verstanden, dass sich der König Darius in einen Autoritätsbereich hineingewagt hatte, der ihm nicht zustand – den Bereich der Autorität Gottes. Deshalb konnte Daniel unmöglich das Gebot des Königs befolgen, er wäre dadurch seinem Gott untreu geworden. Aber konnte er nicht bei geschlossenem Fenster weiter zu seinem Gott beten? Hätten wir das nicht getan? Es hätte unbedingt bei seinen Widersachern zu der Schlussfolgerung geführt, dass Daniel eingeknickt wäre, deshalb ließ er die Fenster offen und gab weiterhin seiner Hoffnung auf den Gott Israels hörbaren Ausdruck.

Praktische Hinweise für unser Gebetsleben:

Dreimal am Tag betete Daniel. Natürlich können wir auch öfter beten, aber es wäre gut, wenn wir eine gewisse Konstanz in unserem Gebetsleben haben. Das wäre eine nützliche Gewohnheit und eine Hilfe für unser praktisches Glaubensleben, sich in einem regelmäßigen Gebetsleben zu erhalten. Es ist wichtig, dass wir uns die Zeit dafür nicht wegrauben lassen und wenigstens an diesen gewohnten Zeiten festhalten. Natürlich müssen wir diese festen Zeiten nicht nach der Uhr festlegen, wie es in manchen Religionen der Fall ist, wo man genau zu diesen festgelegten Zeiten beten muss. Aber wenn wir diese feste Angewohnheit haben, regelmäßig zu beten, dann wird der Herr uns auch die Gelegenheiten dazu zeigen; haben wir sie nicht, werden wir schnell Ausreden finden, warum es gerade nicht passt. Gebetszeit ist nicht Zeitverlust, sondern Zeitgewinn!

Wenn wir das Beispiel Daniels vor uns haben, dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass Israel unter Gesetz stand. Wenn wir es wie Daniel dreimal am Tag tun, dann kann bei uns schnell eine gesetzliche Haltung aufkommen, in der wir uns besser als andere dünken (vgl. Lk 18,11). Das ist nicht der Gedanke Gottes für die heutige Zeit. Für uns heute geht es darum, nicht bloße feste Gebetszeiten einzuhalten, sondern auch zwischen den Gebeten ein Leben mit dem Herrn zu führen. Paulus hatte Nacht und Tag gebetet (1. Thes 3,10), für ihn gab es keine drei Gebetszeiten, für ihn waren der ganze Tag und die ganze Nacht Gebetszeit. Das heißt nicht, dass er nur gebetet hätte, denn für ihn gab es auch noch zwei andere Dinge, die er auch Tag und Nacht tat. Mit seinen eigenen Händen hatte er Nacht und Tag gearbeitet (1. Thes 2,9), um seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen und bestimmten Versammlungen nicht zur Last zu fallen; und er hatte auch Nacht und Tag einen jeden mit Tränen ermahnt (Apg 20,31). Diese Ausdrucksweise ist also nicht in absolutem Sinn zu verstehen. Im Blick auf das Gebet lernen wir daraus, dass es für uns überhaupt keine Zeit gibt, in der wir nicht beten könnten. Es drückt eine beständige Abhängigkeit vom Herrn aus.

Wer mit dem Herrn wandelt, weiß gar nicht, wie oft er am Tag gebetet hat. Wenn wir nur in Bedrängnis von irgendwelchen Nöten spontan zum Herrn rufen, dann ist das an sich nicht verkehrt, aber unsere Gebete sind dann nur von unseren persönlichen Bedürfnissen geprägt, es ist dann doch ein etwas einseitiges Gebetsleben. Deshalb sollten wir doch versuchen, gewisse Zeiten für das Gebet zu reservieren; wenn wir das nicht machen, wird es kaum zu einem ausgewogenen Gebetsleben kommen. Wenn wir uns gewisse Regelmäßigkeiten eingerichtet haben, dann haben wir auch Muße, für ganz andere Dinge als unsere persönlichen Umstände zu beten. Es ist etwas Großes, ein Gebetsleben zu führen! Der Herr Jesus war stets im Gebet (Ps 109,4), Er war immer in der Haltung des Gebets.

Wofür beten wir eigentlich? Nicht am meisten für uns selbst? Haben wir Zeit, in unseren Gebeten für die Nöte und Krankheiten unserer Geschwister zu beten? Für das Werk des Herrn? Es gibt ein unendlich breites Spektrum für unsere Gebete (Kol 4,12Eph 6,18.191. Tim 2,1.22. Thes 3,1). Das alles würde zu kurz kommen, wenn wir keine reservierten Gebetszeiten hätten und nur spontan in schwierigen Umständen zum Herrn rufen würden. Wenn man die Gebete des Apostels Paulus mal untersucht, wird man kaum eine Stelle finden, wo er für die äußeren Umstände der Geschwister gebetet hatte, sondern er betete immer für das geistliche Wohl und das geistliche Wachstum der Gläubigen. Ihm lag das Volk Gottes am Herzen wie auch dem Daniel. Dreimal hatte er wegen des Dornes für sein Fleisch zu dem Herrn gefleht; dreimal und nicht mehr, weil der Herr ihm gesagt hatte, dass Seine Gnade ihm genügen würde (2. Kor 12,7–9). Es kann auch in unseren persönlichen Gebetsanliegen mal sein, dass der Herr uns sagt, damit aufzuhören (5. Mo 3,26). Dann müssen wir uns geistlich damit abfinden, dass der Herr in irgendeiner Sache eine Tür für uns geschlossen hat und sie nicht mehr öffnen wird.

Wir lernen also aus dem Beispiel Daniels nicht, dass wir seine Gebetsgewohnheit in einem gesetzlichen und formalen Sinn eins zu eins übernehmen sollten. Das Beispiel von Paulus zeigt uns, dass wir immer unsere Haltung der Abhängigkeit vom Herrn durch Gebet zum Ausdruck bringen sollen. Was unser persönliches Gebetsleben betrifft, sollten wir regelmäßig die am besten geeignete Zeit des Tages dem Herrn geben – egal zu welcher Tageszeit das für jeden Einzelnen sein mag – und uns nicht nur leiten lassen von notvollen Umständen. Jedenfalls sollten wir den Tag nicht starten ohne Gebet, ohne in Kontakt gewesen zu sein mit dem Herrn und mit Seinem Wort. Wo das fehlt, wird der Tag nicht gesegnet sein!

Und Daniel hat sich für sein Gebet auch hingekniet. Die Bibel ist sowohl im Alten wie auch im Neuen Testament voll von Beispielen gläubiger Menschen, die sich im Gebet vor Gott hingekniet haben (z.B. Salomo in 2. Chr 6,13; Elia in 1. Kön 18,42; Esra in Esra 9,5; Petrus in Apg 9,40; Paulus in Apg 20,36; 21,5); selbst unser Herr als Mensch auf der Erde hat auf den Knien gebetet (Lk 22,41). Wenn wir gesund sind, ist das die geziemende Haltung der Demut vor Gott, das Einnehmen des Platzes der Unterwürfigkeit vor Gott. Wer kniet, ist ein hilfloses Wesen; es ist der äußerliche Ausdruck dessen, was wir innerlich sind: unfähig in uns selbst, aber im Vertrauen auf unseren Herrn und auf unseren Gott und Vater! Das Hinknien ist nicht eine Nebensache, es ehrt Gott.

Neben dem persönlichen Gebet eines jeden Einzelnen ist auch das gemeinsame Gebet jeder örtlichen Versammlung außerordentlich wichtig! Wenigstens einmal in der Woche sollten wir als Versammlung zum Gebet zusammenkommen. Und auch dafür gilt das, was für das persönliche Gebet wichtig ist: dass wir mehr für das geistliche Wachstum und Wohlergehen der Geschwister beten sollten. Als Petrus von Herodes ins Gefängnis geworfen wurde, wurde von der Versammlung in Jerusalem anhaltend für ihn zu Gott gebetet (Apg 12,5); das war ein Gebet für die äußeren Umstände des Petrus. Wir dürfen das also durchaus tun, aber die anderen Gesichtspunkte dabei nicht vernachlässigen.

Zusammenfassend können wir aus der Gebetshaltung Daniels in diesem Vers verschiedene Punkte als vorbildlich für unser Gebetsleben festhalten:

  • Die äußeren Umstände (die Verordnung des Königs) hatten seine gute Gewohnheit nicht verändert.

  • Daniel betete in seinem privaten Umfeld in einem ungestörten Raum (ein Obergemach in seinem Haus).

  • Er betete auf der Grundlage des Wortes Gottes (offene Fenster nach Jerusalem; 1. Kön 8,47.48).

  • Er hatte den Ort der Wohnstätte Gottes und das Volk Gottes nicht aus den Augen verloren (nach Jerusalem gerichtet; vgl. Ps 137).

  • Er betete mit einer bestimmten Regelmäßigkeit (dreimal am Tag).

  • Seine äußere Gebetshaltung (auf den Knien) drückte seine Ehrfurcht vor Gott aus.

  • Er hatte auch eine Vielfalt in seinem Gebetsleben (Gebet und Lobpreis).

  • Er hatte ein echtes Bewusstsein davon, vor wem er stand und mit wem er redete (vor seinem Gott).

Achim Zöfelt

Der Prophet Daniel (27) – Kapitel 6,12-18

Online seit dem 04.02.2015, Bibelstellen: Daniel 6,12-18

Da liefen jene Männer eilig herbei und fanden Daniel betend und flehend vor seinem Gott. Dann traten sie hinzu und sprachen vor dem König bezüglich des königlichen Verbots: Hast du nicht ein Verbot aufzeichnen lassen, dass jedermann, der innerhalb von dreißig Tagen von irgendeinem Gott oder Menschen etwas erbitten würde außer von dir, o König, in die Löwengrube geworfen werden sollte? Der König antwortete und sprach: Die Sache steht fest nach dem Gesetz der Meder und Perser, das unwiderruflich ist. Hierauf antworteten sie und sprachen vor dem König: Daniel, einer der Weggeführten aus Juda, achtet weder auf dich, o König, noch auf das Verbot, das du hast aufzeichnen lassen; sondern er verrichtet dreimal am Tag sein Gebet“ (Daniel 6,12–14).

Nachdem der König die Schrift unterzeichnet hat, liefen diese Feinde Daniels sofort zum Haus Daniels, um sich davon zu überzeugen, dass er bei seiner Gewohnheit blieb. Wieder wird von ihrer Eile berichtet; doch als sie dann festgestellt hatten, dass sich die Schlinge zugezogen hatte, treten sie im nächsten Vers in aller Ruhe vor den König hin. Nun war in ihren Augen keine Eile mehr nötig, denn ihr Plan war aufgegangen. Aber als sie dann mitbekommen, dass der König Darius auf einen Ausweg aus dieser Schlinge sucht, eilen sie in Vers 16 wieder, um ihn an die Unumkehrbarkeit seiner Verordnung zu erinnern.

Bevor diese Männer von Daniels treuer Gebetshaltung berichten, binden sie den König praktisch durch ihre scheinheilige Frage nach dem königlichen Verbot. Sie schreiben dem König die Urheberschaft davon vor. Natürlich hatte letztlich Darius das Verbot unterzeichnet, aber sie selbst waren doch der Anlass dafür gewesen, von ihnen war doch der Vorschlag erst gekommen! Sie fangen ihn regelrecht in ihrer fein gesponnenen Schlinge; denn als der König diese Verordnung bestätigt, schwärzen sie den Daniel vor ihm an. Sie tun das mit fast den gleichen Worten, mit denen in Daniel 3,12 die drei Freunde Daniels vor dem Nebukadnezar angeschwärzt wurden. Aber die letzten Worte ihrer Anklage sind gleichzeitig auch eine gewaltige Auszeichnung für Daniel!

Merkwürdig, dass sie den Daniel nicht mit seiner offiziellen Amtsbezeichnung erwähnen, sondern als einen der Weggeführten aus Juda. Dadurch möchten sie Daniel herabwürdigen und die Distanz zwischen dem König und Daniel noch größer machen.

Da wurde der König, als er die Sache hörte, sehr betrübt, und er sann darauf, Daniel zu retten; und bis zum Untergang der Sonne bemühte er sich, ihn zu befreien. Da liefen jene Männer eilig zum König und sprachen zum König: Wisse, o König, dass die Meder und Perser ein Gesetz haben, dass kein Verbot und keine Verordnung, die der König aufgestellt hat, abgeändert werden darf. Dann befahl der König, und man brachte Daniel und warf ihn in die Löwengrube“ (Daniel 6,15–17a).

Jetzt werden die Satrapen also wieder eilig, als sie merken, dass der König einen Ausweg aus dieser Lage sucht. Sie hatten sich in ihrer Einschätzung bezüglich der Treue Daniel nicht geirrt, aber sie hatten sich in dem König Darius und seiner Reaktion geirrt. Sie hatten nicht damit gerechnet, dass Darius einen Weg zur Rettung Daniels suchen würde. Eine ganz ähnliche Situation finden wir in dem Verhältnis von Pilatus zu den Juden im Blick auf die Verurteilung des Herrn Jesus. Wie hier Darius den Daniel so suchte Pilatus den Herrn freizulassen. Aber dann kommt die heftige Reaktion der Juden darauf, und Pilatus überlieferte Ihn an sie (Joh 19,12–16).

Der König war in der listig gelegten Schlinge gefangen und musste nun gegen alle seine eigenen Empfindungen diesen von ihm verehrten Mann Daniel in die Löwengrube werfen. Die Empfindungen Darius’ sind anders als seine Handlungsweise, er ist trotz seiner anziehenden Art ein Bild des Antichristen. In ihrer Persönlichkeit werden sowohl der Antichrist als auch das Haupt des Römischen Reiches sehr attraktive Menschen sein, sonst würde ihnen diese Macht nicht zugesprochen werden.

Der König hob an und sprach zu Daniel: Dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, er möge dich retten! Und ein Stein wurde gebracht und auf die Öffnung der Grube gelegt; und der König versiegelte ihn mit seinem Siegelring und mit dem Siegelring seiner Gewaltigen, damit in Bezug auf Daniel nichts verändert würde“ (Daniel 6,17b.18).

Von Daniel hören wir in dieser Situation überhaupt nichts, kein Wort über seine Empfindungen! Ein über 80 Jahre alter Mann Gottes wird diesen Raubtieren zum Fraß vorgeworfen (vgl. Ps 57,5). Prophetisch gesehen muss auch der gläubige Überrest durch die große Drangsal gehen. Hier die Löwengrube als Todesstrafe der Meder und Perser und in Kapitel 3 der Feuerofen als Todesstrafe der Babylonier zeigen doch jeder auf seine Weise das Höchstmaß an Leiden, die erduldet werden müssen (Mt 24,21.22). Diese furchtbare Zeit wird in dieser Löwengrube vorgeschattet.

Daniel ist in diesem ganzen Kapitel ein Bild des gläubigen Überrestes späterer Tage. Der Überrest hat eine Beziehung zu Gott, der Überrest ist treu, der Überrest betet, der Überrest wird angefeindet, der Überrest setzt sich nicht zur Wehr. Und in dem Moment, wo der König sich an die Stelle Gottes setzt, beginnt die große Drangsal des Überrestes. Aber in dieser Drangsal gibt es für den Überrest auch ein Wort des Trostes: „Dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, er möge dich retten.“

Wir müssen in unseren Anwendungen, die wir aus diesem Kapitel machen, unterscheiden zwischen dem Bild für den gläubigen Überrest späterer Tage und den Anwendungen für den einzelnen Gläubigen, der in seinem Leben durch Drangsale und Verfolgungen und vielleicht sogar durch den Märtyrertod zu gehen hat. Der treue gläubige Überrest wird gerettet werden; auch die gläubigen Märtyrer waren treu bis zum Tod (Off 2,10) und sind doch nicht gerettet worden. Wir dürfen daraus nicht den Schluss ziehen, dass sie etwa nicht treu gewesen wären.

Die Begründung für die Versiegelung der Löwengrube in diesem Vers ist eine sehr passende Erklärung grundsätzlich für die Anwendung eines Siegels. Bei einer Versiegelung geht es um Endgültigkeit, nichts soll mehr verändert werden, wenn einmal ein Siegel auf eine Sache gedrückt wird.

Achim Zöfelt

Der Prophet Daniel (28) – Kapitel 6,19-25

Online seit dem 06.02.2015, Bibelstellen: Daniel 6,19-25

Dann ging der König in seinen Palast, und er übernachtete fastend und ließ keine Nebenfrauen zu sich hereinführen; und sein Schlaf floh vor ihm. Dann stand der König bei der Morgenröte, sobald es hell wurde, auf und ging schnell zur Löwengrube. Und als er sich der Grube näherte, rief er mit trauriger Stimme nach Daniel. Der König hob an und sprach zu Daniel: Daniel, Knecht des lebendigen Gottes, hat dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, vermocht, dich von den Löwen zu retten?“ (Daniel 6,19–21).

Daniel wird sicher keine gute Nacht gehabt haben in der Löwengrube, aber doch eine bessere als der König Darius in seinem Schlafgemach. Der hatte allen Ablenkungen entsagt und war inzwischen dem Daniel so zugetan, dass er nicht schlafen konnte. Und als der Morgen anbrach, da eilte auf einmal auch der König, aber in einem guten Sinn. Und schon aus der Ferne rief er den Namen Daniels. Die Wohlgesonnenheit des Königs Darius gegenüber Daniel nimmt zu. Darin können wir einen sich langsam anbahnenden Wechsel in der Gesinnung der Nationen sehen. Aber ihre Bekehrung, ein totales Umwenden der Nationen zu Gott, ist nur das Ergebnis der Gerichte, die Gott über sie bringen wird.

Zum ersten Mal bezeichnet jetzt Darius den Gott Daniels als den lebendigen Gott, später noch einmal in Vers 27. Und er zeichnet Daniel dadurch aus, dass er ihn Knecht dieses Gottes nennt. Gott hatte den Daniel in all diese Leiden gehen lassen, aber dann ist doch dieser Zuspruch da, dass dieser Märtyrer ein Knecht des lebendigen Gottes ist. Und dann folgt die nächste Auszeichnung: Darius bestätigt dem Daniel, dass dieser seinem Gott ohne Unterlass gedient hatte, die ganzen vielen Jahre hindurch.

Da sprach Daniel zum König: O König, leben ewig! Mein Gott hat seinen Engel gesandt und hat den Rachen der Löwen verschlossen, dass sie mich nicht verletzt haben, weil vor ihm Unschuld an mir gefunden wurde; und auch vor dir, o König, habe ich kein Unrecht begangen. Da freute sich der König sehr, und er befahl, Daniel aus der Grube herauszuholen. Und Daniel wurde aus der Grube herausgeholt; und keine Verletzung wurde an ihm gefunden, weil er auf seinen Gott vertraut hatte“ (Daniel 6,22–24).s

Daniel spricht den König hier in aller gebührenden Hochachtung an, diese Anrede geziemte sich. Er anerkennt die Stellung des Königs und gibt ihm durch diese Anrede die geziemende Ehrerbietung. Und dann könnten wir sagen, dass Daniel danach von seinem doppelten Gewissen spricht. Wenn der Herr uns in Prüfungen führt und wenn wir darin mit Gottes Hilfe rechnen wollen, dann muss einerseits unser Verhältnis zu Ihm in Ordnung sein. Es darf nicht etwas auf unserem Gewissen liegen, was nicht geordnet ist. Das ist auch ein wesentlicher Punkt für den Frieden unserer Seele. Aber zweitens hatte Daniel auch vor dem König ein gutes Gewissen, weil er vor ihm auch kein Unrecht begangen hatte. Er hatte sich keinen Fehltritt vorwerfen müssen, ähnlich wie David es in Psalm 26,1–6 zum Ausdruck bringt und Paulus in Apostelgeschichte 24,16. Sein Gewissen war also vor Gott und vor Menschen rein.

Keine Verletzung wurde an Daniel gefunden, nicht einmal eine Schramme! Warum? Weil er seinem Gott vertraut hatte. Wir gehen alle mehr oder weniger durch schwierige Tage und Umstände, persönlich und gemeinsam. Aber wenn wir auf unseren Gott vertrauen, dann wird auch uns weder Teufel noch Welt eine Verletzung beibringen können. Wenn wir das aus dieser Konferenz-Betrachtung mitnehmen, dass wir unserem Gott still vertrauen, dann werden wir die Rettung Gottes erfahren – auf die eine oder auf die andere Weise. Er wird behüten unseren Ausgang und unseren Eingang (Ps 121,8), Er wird jedes Vertrauen auf Ihn belohnen! So hatten es auch die drei Freunde Daniels in dem Feuerofen erfahren, an sie war noch nicht einmal der Geruch des Feuers gekommen (Dan 3,27). Auch in unserem Leben möchte sich Gott verherrlichen; Er wird uns retten und sich dadurch verherrlichen – „Meine Ehre gebe ich keinem anderen“ (Jes 42,8; 48,11).

In Hebräer 11,33.34 werden uns zwei Begebenheiten von Glaubenshelden aus dem Buch Daniel beschrieben; zum einen die drei Freunde Daniels, die durch ihren Glauben des Feuers Kraft auslöschten, und zum anderen Daniel selbst, der durch Glauben der Löwen Rachen verschloss. Diese Beispiele gehören in Hebräer 11 zu der Gruppe der Glaubenshelden, deren Glaube ausharrt und dadurch Widerstände überwindet. Zur gleichen Zeit aber tritt auch Gott machtvoll ein und setzt hier die Naturgesetze außer Kraft, denn sonst hätten die Löwen den Daniel zerrissen. Daniel schreibt also seine Rettung dem Engel Gottes zu, und Gott schreibt seine Rettung dem Glauben Daniels zu (Heb 11).

Daniel selbst konnte gegen die Löwen nichts tun, er konnte nur seinem Gott vertrauen. Und Gott belohnt solches Vertrauen mit Errettung (Ps 22,5). Gott hat Daniel gerettet – ein wunderbares Beispiel auch für unser Glaubensleben: Das feste Glaubensvertrauen kann höchste Hindernisse überwinden. Der Herr weiß die Gottseligen aus der Versuchung zu erretten (2. Pet 2,9). Und Er tut das – wie auch bei den drei Freunden im Feuerofen –, indem Er ihnen in ihrer Drangsal beisteht (Jes 63,9). Prophetisch ist es ein Bild davon, dass der Herr an den Drangsalen des Überrestes teilnimmt.

Hatte Darius eigentlich das Recht, den Daniel jetzt aus der Löwengrube herauszuholen? Brach er damit das Gesetz der Meder und Perser? Nein, die Beschlussfassung lautete nur, dass derjenige in die Löwengrube geworfen werden sollte; es war nicht verordnet worden, dass er auch von den Löwen gefressen werden sollte. Genau das war geschehen: Daniel war in die Löwengrube geworfen worden, dem Gesetz war Rechnung getragen worden, und Darius war jetzt berechtigt, Daniel daraus herauszuholen. Er hatte sich damit keines Fehlers schuldig gemacht.

„Und der König befahl, und man brachte jene Männer, die Daniel angezeigt hatten, und man warf sie in die Löwengrube, sie, ihre Kinder und ihre Frauen; und ehe sie noch auf dem Boden der Grube angekommen waren, bemächtigten sich ihrer die Löwen und zermalmten alle ihre Gebeine“ (Daniel 6,25).

Darius reagiert hier mit unverhältnismäßiger Tyrannei, indem er auch noch die Frauen und Kinder seiner Satrapen in die Löwengrube werfen lässt (vgl. 5. Mo 24,16). Aber aus Sicht der Satrapen werden sie in dem Netz gefangen, das sie heimlich gelegt haben (Ps 9,16.17Spr 11,8). Gott wird es so leiten, dass diese Feinde des jüdischen Überrestes selbst in die Grube fallen werden, die sie für den Überrest gegraben haben.

Durch das, was hier in diesem Kapitel ganz praktisch mit Daniel geschieht, verherrlicht sich Gott. Und auch in der prophetischen Sichtweise dieses Kapitels verherrlicht sich Gott dadurch, dass Er einen Überrest rettet und dass Er an den Feinden Gericht übt. Das Gericht an den Feinden und die Aufrichtung des Reiches des Herrn werden dazu führen, dass die Nationen, die Ihn bisher gehasst haben, sich – nicht ohne Schmeichelei (Ps 18,45) – direkt unterwerfen werden unter die Herrschaft des Herrn (Zeph 3,9Sach 8,23).

Achim Zöfelt

Der Prophet Daniel (29) – Kapitel 6,26-29

Online seit dem 08.02.2015, Bibelstellen: Daniel 6,26-29

Darauf schrieb der König Darius an alle Völker, Völkerschaften und Sprachen, die auf der ganzen Erde wohnten: Friede euch in Fülle! Von mir wird Befehl gegeben, dass man in der ganzen Herrschaft meines Königreichs bebe und sich vor dem Gott Daniels fürchte; denn er ist der lebendige Gott und besteht ewig, und sein Reich wird nie zerstört werden, und seine Herrschaft währt bis ans Ende; der da rettet und befreit und Zeichen und Wunder tut im Himmel und auf der Erde: Denn er hat Daniel aus der Gewalt der Löwen errettet“ (Daniel 6,26–28).

Die Reaktionen der Repräsentanten der ersten beiden Weltreiche in den Kapiteln 2 bis 6 sind bemerkenswert: In Daniel 2 nach der Deutung des Traumes spricht Nebukadnezar einen Lobpreis aus; in Daniell 3 nach der Rettung der drei Freunde Daniels aus dem Feuerofen spricht er wieder einen Lobpreis aus; in Daniel 4 nach seiner Wiedereinsetzung in seine Stellung als König folgt wieder ein echter Lobpreis Gottes; in Daniel 5 bei Belsazar finden wir gar nichts in dieser Richtung, nur Gericht. Und hier in Daniel 6 bei Darius wieder ein Lobpreis.

Darius wendet sich hier an alle Völker, Völkerschaften und Sprachen, der gleiche Kreis, wie er in Daniel 7,14 im Blick auf die Herrschaft des Herrn, des Menschen Sohn, genannt wird. Wir müssen trotz dieser Anordnung des Königs Darius aber festhalten, dass er keine persönliche, lebendige Beziehung zu Gott hatte! Er spricht immer noch von dem Gott Daniels und ruft zur Furcht dieses Gottes auf. Er nennt Ihn zwar den lebendigen Gott, aber das scheint mehr eine Bewunderung der Tatsache zu sein, dass es einen Gott gibt, der Diener hat, die angesichts solcher Bedrohungen treu an Ihm festhalten.

In der Beschreibung dieses Gottes bringt Darius – ein weltlicher Herrscher aus dem Heidentum – in einer seltenen Fülle und Anhäufung bemerkenswerte Dinge zum Ausdruck, die die Herrlichkeit dieses Gottes herausstellen sollen:

  • Er ist der lebendige Gott: Er ist der Gott, der die Quelle des Lebens ist, der Leben gibt und der Leben bewahrt und Leben nimmt (vgl. Jer 10,10); von dem Herrn Jesus wird gesagt, dass Er der Sohn des lebendigen Gottes ist (Mt 16,16), das zeigt das Fundament der Versammlung Gottes.
  • Er besteht ewig: Dieser Gott ist nicht ein Gott, der auf irgendeine Zeit beschränkt werden kann.
  • Sein Reich wird nie zerstört werden: das große babylonische Weltreich ist zerstört worden, aber Sein Reich kann nicht zerstört werden.
  • Seine Herrschaft währt bis ans Ende: Es gibt niemanden, der Ihm nachfolgt (Jes 41,4; 44,6), Er ist der Erste und der Letzte.
  • Er rettet und befreit: Das hat Gott bei Daniel bewiesen, Er ist der Handelnde; es gibt keinen anderen Gott, der auf solche Weise zu erretten vermag (Dan 3,29).
  • Er gibt Zeichen und Wunder: Nur Gott kann solche Zeichen und Wunder tun, und zwar im Himmel und auf der Erde; der Bereich der Autorität Gottes ist nicht auf die Erde beschränkt.

Es ist wirklich erschütternd, dass dieser Darius, der solche Dinge über Gott sagt, nicht von seinem Gott sprechen kann! Daniel kannte und genoss eine persönliche Beziehung zu diesem Gott, aber für Darius bleibt es der Gott Daniels.

Darius kannte ja nur den konkreten Fall der Rettung Daniels durch Gott. Ein einzelner Mann war gerettet worden, und doch zieht dieser König die allgemeine Schlussfolgerung daraus, dass dieser Gott ein rettender Gott ist. Haben wir das nicht auch alle erfahren (Tit 3,4.52. Kor 1,10Kol 1,132. Tim 1,9 u.a.)?

Und dieser Daniel hatte Gelingen unter der Regierung des Darius und unter der Regierung Kores, des Persers“ (Daniel 6,29).

Auch in dem Leben Josephs lesen wir mehrmals davon, dass er Gelingen hatte (1. Mo 39,3.23). Auch er war in seinem Leben wegen des Hasses seiner eigenen Brüder durch tiefe Nöte und Leiden gegangen. Aber ob ein Leben letztlich von Gelingen gekennzeichnet ist, entscheidet Gott und nicht die Machenschaften der Menschen!

Wir hatten schon gesehen, dass Darius der Meder parallel zu Kores dem Perser regiert hatte. Kores war es gewesen, der schon viele Jahre vorher mit Namen von Gott angekündigt wurde als der, der es den Juden wieder gestatten würde, in ihr Land zurückzukehren, und der von Gott bezeichnet wird als Sein Hirte und der, der all Sein Wohlgefallen ausführt, als Sein Gesalbter und als der, den der Herr liebt (Jes 44,28; 45,1; 48,14). Sind das nicht alles auch Hinweise auf den Herrn Jesus, den wahren Kores? Mit diesem Ausblick endet der geschichtliche Teil des Buches Daniel.

Achim Zöfelt

Der Prophet Daniel (30) – Kapitel 7,1

Online seit dem 09.07.2015, Bibelstellen: Daniel 7

Einleitung zu Daniel 7 – 12 

Mit Kapitel 7 beginnt der zweite Teil des Buches Daniel. Im ersten Teil hatten wir die Zeiten der Nationen gesehen, in denen vier Weltreiche nacheinander auf der Erde die Autorität ausübten, wobei der Schwerpunkt in den ersten sechs Kapiteln auf dem babylonischen Weltreich liegt. Gott hatte diesen Reichen Autorität verliehen, nachdem Er Seinen Thron aus Jerusalem hatte entfernen müssen. Vor dieser Zeit der vier aufeinanderfolgenden Weltreiche, als Israel noch das Volk Gottes war, gab es keine Weltreiche. Zur der Zeit, als Gott dem Nebukadnezar die Macht verlieh und damit das erste der vier Weltreiche begann, war das assyrische Reich unter Sanherib (Jes 36 – 38) schon wieder Geschichte; es kann auch nicht als erstes Weltreich gezählt werden, weil zu dieser Zeit noch der Thron Gottes in Jerusalem stand. Man kann diese Zeiten der Nationen ganz exakt bestimmen: Sie begannen mit der Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar und werden ihr Ende finden in der Herrschaft des Herrn Jesus bei der Aufrichtung Seines Reiches.

Die Kapitel 1–6 zeigen uns, welche Antwort die Regenten dieser Weltreiche Gott auf Seine Güte gegeben haben. Sie waren alle gegen Gott. Nebukadnezar, das Haupt von Gold, der erste Regent, der von Gott direkt eingesetzt wird, verleitete sein ganzes Volk zum Götzendienst. Sein Sohn Belsazar verunreinigte die heiligen Gefäße des Tempels. Darius, der Meder, der das babylonische Reich zerstört hatte, ließ sich göttliche Verehrung darbringen. Das ist in gedrängter Form der Inhalt der ersten sechs Kapitel dieses Buches: Gott überträgt Menschen die Macht – und sie erweisen sich als untreu!

In dem jetzt beginnenden zweiten Teil des Buches Daniel haben wir eine ganz andere Sichtweise. Es ist nicht mehr ein äußerlich beeindruckendes Bild von diesen vier Reichen, sondern in diesen Kapiteln kommt jetzt Israel, das Volk der Juden, mehr vor uns. Wir sehen zwar den tiefen moralischen Zustand der Unreinheit und des Verderbens der vier Weltreiche, aber andererseits auch das Teil des Überrestes in dieser Zeit. Es wird uns gezeigt, welche Stellung und welche Wege dieses Volk während der Herrschaft dieser vier Weltreiche erfahren werden. Dadurch wird diese zweite Hälfte des Buches Daniel so besonders wertvoll. Es ist eben nicht nur trockene und schwer zu verstehende Prophetie; wir sehen, dass Gott – wie böse die Zeiten auch sein mögen – immer einen Überrest für sich haben wird! Auch bei Daniel selbst veränderte sich seine Gesichtsfarbe, als er sah, was mit seinem geliebten Volk noch alles geschehen musste (Dan 7,15); aber er durfte doch auch sehen, dass Gott sich einen Überrest bewahren würde. Und ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt dieser Kapitel ist, dass Gott Seinen Sohn, diesen Sohn des Menschen, an die Stelle bringen wird, die Er verdient hat! Gott wird Seinen Sohn als den Letzten, der Autorität hat, öffentlich anerkennen.

In diesen Kapiteln 7 bis 12 finden wir, dass Daniel vier Gesichte hatte:

  • Daniel 7 hat als Hauptgegenstand das 4. Weltreich, das wiedererstehende römische Weltreich; Daniel hat dieses Gesicht im ersten Jahr Belsazars (Dan 7,1).
  • Daniel 8 hat als Hauptgegenstand das 2. und 3. Weltreich, das medo-persische und griechische Weltreich, und den König des Nordens; Daniel hat dieses Gesicht im dritten Jahr Belsazars (Dan 8,1).

  • Daniel 9 hat als Hauptgegenstand das Ende der babylonischen Gefangenschaft sowie Hinweise auf den kommenden Messias; Daniel hat dieses Gesicht im ersten Jahr des Darius (Dan 9,1).

  • Daniel 10 – 12 hat als Hauptgegenstand den König des Nordens (Dan 10), den König des Südens (Dan 11) und eine Ansprache an den jüdischen Überrest (Dan  12); Daniel hat dieses Gesicht im dritten Jahr des Kores (Dan 10,1).

Sowohl Daniel 2, wo uns diese vier Weltreiche in diesem großen Bild gezeigt werden, als auch Daniel 7, wo wir diese Reiche in den Bildern wilder Tiere vorgestellt finden, enden mit der göttlichen Macht, die diesen Weltreichen ein Ende machen wird. In Daniel 2 ist es der Stein ohne Hände, der das Bild zerschmettern wird; und hier in Daniel 7 ist es der Sohn des Menschen, der das Reich übernehmen wird.

Achim Zöfelt


Der Prophet Daniel (31) – Kapitel 7,1-3

Online seit dem 12.07.2015, Bibelstellen: Daniel 7,1-3

Daniel 7 ist eigentlich der Höhepunkt des ganzen Buches, denn in keinem anderen Kapitel wird die Herrschaft des Herrn Jesus auf derart großartige Weise vorgestellt, wie hier. Es werden zuerst drei Tiere vorgestellt (Dan 7,4–6) und dann ein viertes Tier (Dan 7,7.8). Es sind wieder die vier Weltreiche aus dem Kapitel 2, aber unter einem anderen Charakter; nicht in Form eines Bildes, sondern als wilde Tiere. Tiere haben keinen Verstand und keinen Geist und keine Kenntnis Gottes. Es geht dabei aber nicht um natürliche Tiere, sondern um Symbole, die Ähnlichkeiten vorstellen sollen. Ein Tier ist im Wort Gottes ein Symbol von einem Wesen, das keine Beziehung zu Gott haben kann. Und der Hauptgegenstand dieses Kapitels sind nicht die ersten drei Tiere, die ja bereits aus heutiger Sicht Vergangenheit sind – sie spielen fast keine Rolle in diesem Kapitel –, sondern das vierte Tier: Rom als eine wiedererstehende Macht; das nimmt die ganze Aufmerksamkeit hier in Anspruch. Über die Hälfte dieses Kapitels beschäftigt sich mit dem letzten dieser Reiche. Wir finden hier auch gewisse Wiederholungen, aber es sind doch nie bloße Wiederholungen, denn Gott fügt immer neue Einzelheiten hinzu. Gott wiederholt nie einfach etwas, was Er schon einmal gesagt hat.

Im Ganzen umfasst das Gesicht in diesem Kapitel drei Teile, die immer mit dem Ausdruck „ich schaute in Gesichten der Nacht“ beginnen (Dan 7,2–6; 7 – 12; 13.14). Ab Vers 15 beginnt dann die Deutung dieser drei Gesichte, die auch wieder in zwei Teile zerfällt: Verse 17.18 und Verse 23–27:

Verse 2–6:

das Gesicht über die ersten drei Weltreiche

 

Vers 4

das erste Tier (Weltreich)

 

Vers 5

das zweite Tier (Weltreich)

 

Vers 6

das dritte Tier (Weltreich)

Verse 7–12:

das Gesicht über das vierte Weltreich; der Alte an Tagen, das Gericht

 

Vers 7.8

das vierte Tier (Weltreich)

 

Vers 910

der Alte an Tagen

 

Vers 11.12

das Gericht über die vier Weltreiche

Verse 13.14:

das Gesicht über einen wie eines Menschen Sohn

Verse 15.16:

Daniels Bitte um Gewissheit über diese Gesichte

Verse 17.18:

Deutung allgemein über die vier Weltreiche und ihr Ende

Verse 19–22:

Daniels Bitte um Gewissheit speziell über das vierte Tier

Verse 23–27:

Deutung speziell über das vierte Weltreich und sein Ende

Im ersten Jahr Belsazars, des Königs von Babel, sah Daniel einen Traum und Gesichte seines Hauptes auf seinem Lager. Dann schrieb er den Traum auf, die Summe der Sache berichtete er. Daniel hob an und sprach: Ich schaute in meinem Gesicht in der Nacht: Und siehe, die vier Winde des Himmels brachen los auf das große Meer. Und vier große Tiere stiegen aus dem Meer herauf, eins verschieden vom anderen“ (Dan 7,1–3).

Bisher hatten Heiden Träume gehabt, und Gott gab dem Daniel Kraft zur Deutung, aber jetzt sieht nicht mehr ein heidnischer König ein Gesicht, sondern Daniel selbst. Gott gibt jetzt diesem Daniel Offenbarungen. Gott spricht nicht mehr wie einst durch Seine Propheten direkt zu dem Volk Gottes, es besteht wegen seines Zustandes eine gewisse Distanz. Dieses Volk war nicht mehr anerkannt von Ihm, es war „Lo-Ammi“, nicht-mein-Volk. Aber dem Daniel gab Er Kenntnis über den Lauf der Dinge, besonders im Blick auf das jüdische Volk. Ähnlich wie bei Johannes auf Patmos hat auch Daniel hier keine direkte Botschaft für das Volk Gottes gehabt. Es muss ein sehr umfassendes Gesicht gewesen sein, von dem Daniel jetzt nur die Summe der Sache berichtet, den wesentlichen Kern seines Traumes. Es war auch nichts irgendwie Nebulöses oder Träumerisches, sondern es waren klar definierte Gesichte, konkrete Offenbarungen.

Wir könnten uns die Frage stellen, warum Gott dem Daniel dieses Gesicht erst im fortgeschrittenen Alter sehen lässt. Das große Bild Nebukadnezars durfte er in jungen Jahren deuten, ungefähr 50 Jahre vor diesem Gesicht; aber erst im Alter wird ihm gezeigt, welche satanischen Mächte hinter all diesen Weltreichen und Machthabern stehen. Vielleicht war er als gereifter Mann mehr in der Lage, das alles auch geistlich zu verarbeiten? Fest steht, dass er diese Gesichte erst gegen Ende des babylonischen Weltreiches bekam bzw. als dieses Reich längst Geschichte war. Vielleicht musste er auch deshalb so alt werden, bis er diese Gesichte bekam, um das Ende des ersten Weltreiches mitzuerleben.

Wenn Daniel hier sieht, dass die vier Winde des Himmels losbrechen auf das große Meer, dann wird uns hier in Symbolen gezeigt, dass jetzt die Mächte der Finsternis einwirken auf die Masse der Menschheit. Wir denken dabei an den Fürsten der Gewalt der Luft, der jetzt wirksam ist in den Söhnen des Ungehorsams (Eph 2,2). Die ganze Erde wird von bösen geistlichen Mächten satanisch beeinflusst, und aus der Masse der Menschen, dem Völkermeer (Jes 17,12.13), steigen dann vier spezielle Tiere herauf. Wenn in Sacharja 6,5 auch von vier Winden die Rede ist, dann wird dort betont, dass sie von dem Herrn der ganzen Erde ausgegangen sind. Auch in Offenbarung 7,1 lesen wir von vier Winden der Erde, die ihren Ursprung im Himmel haben, die sich aber auf der Erde auswirken. Wir lernen daraus die wichtige Wahrheit, dass alles, was Satan tut, er unter der Duldung und Regierung Gottes tut (vgl. 1. Chr 21,1 mit 2. Sam 24,1). Es liegt kein Widerspruch darin. Wenn es um die Regierung der Welt geht, steht Satan unter Gott und darf sogar manchmal unter Seiner Zulassung böse und verderbliche Dinge tun.

Daniel sieht in diesem ersten Gesicht schon vier Tiere; er beschreibt zwar nur die ersten drei Tiere, aber er sieht schon, dass es ein zusammengehörendes Bild von vier Tieren, eine Abfolge von vier Reichen ist. Dass es vier große Tiere sind, zeigt deutlich, dass es sich um gewaltige Mächte, um vier Weltreiche, handelt. Und sie sind voneinander verschieden. Wir müssen bei diesem Gesicht bedenken, dass Daniel hier gegen Ende des ersten Weltreiches sich mitten in diesem Geschehen befindet, dass das zweite Weltreich und alle folgenden Weltreiche für ihn hier aber noch Zukunft sind. Von unserem heutigen Standpunkt aus sind die ersten drei Weltreiche und auch die erste Phase des vierten, des römischen Weltreiches, schon längst Vergangenheit. Aber wir brauchen die Geschichte nicht, um die biblische Prophetie zu erklären. Man ist ja leicht geneigt, geschichtliche Details zu nehmen und dann damit biblische Prophetie zu erklären. Aber es ist genau umgekehrt: Die Prophetie – auch die der ersten sechs Verse dieses Kapitels – eröffnet uns die Geschichte. Ist es dabei nicht erstaunlich, wie präzise Gottes Wort Dinge vorausgesagt hat, die für uns heute schon Vergangenheit sind und die sich ganz genau so ereignet haben?

Wenn wir hier die Abfolge der vier Weltreiche beschrieben finden, dann wird das nicht so vorgestellt, dass das eine Weltreich das vorhergehende besiegt. Es heißt in Vers 12 einfach nur, dass die Herrschaft dieser Reiche weggenommen wurde. Die Geschichte zeigt, dass das durch Eroberungen geschah, aber das wird hier nicht vorgestellt.

Achim Zöfelt


Der Prophet Daniel (32) – Kapitel 7,4-6

Online seit dem 14.07.2015, Bibelstellen: Daniel 7,4-6

Das erste war gleich einem Löwen und hatte Adlerflügel; ich schaute, bis seine Flügel ausgerissen wurden und es von der Erde aufgehoben und wie ein Mensch auf seine Füße gestellt und ihm ein Menschenherz gegeben wurde“ (Dan 7,4).

Einen Löwen mit Adlerflügeln gibt es in der Tierwelt nicht, in der Antike sahen lediglich Fabelwesen so aus. Das macht deutlich, dass es sich um Symbole von gewaltigen Mächten handelt, die mit den charakteristischen Kennzeichen dieser Tiere beschrieben werden. Ganz offensichtlich wird hier das babylonische Weltreich vorgestellt. Der Löwe spricht von Majestät, Würde und Pracht, er ist der Held unter den Tieren, der vor nichts zurückweicht (Spr 30,30), und der Adler von der Schnelligkeit in der Ausübung des Gerichts. Beide Symbole werden auch in Jeremia 49,19.22 in Bezug auf Babel bei seiner Ausübung des Gerichtes über Edom benutzt.

Dann wird in der Passiv-Form beschrieben, was mit diesem Reich geschieht. Der Niedergang beginnt damit, dass die Flügel ausgerissen werden, dass die Ausrichtung auf Beute und Eroberung anderer Reiche von einer anderen Macht – Gott selbst – weggenommen wird. Gott nimmt dieses Reich aus seinem Verantwortungsbereich heraus, ihm wird sein Einflussbereich entzogen und es bekommt eine völlig andere Position. Das Menschenherz, das ihm gegeben wurde, deutet dabei nicht etwa auf eine gewisse Veredelung hin, sondern es ist im Gegenteil ein Zeichen der Schwachheit.

Das babylonische Weltreich hat nur ca. 68 Jahre existiert; es war zwar das Mächtigste der vier Reiche, aber seine Dauer war die kürzeste von allen. Das dann folgende medo-persische Reich hat ca. 207 Jahre bestanden, dreimal länger als das babylonische Reich, aber von geringerer Machtfülle. Dann das griechische Weltreich hat etwas mehr als 300 Jahre bestanden; seine Zeit fällt in die 400 Jahre, die zwischen dem Alten und dem Neuen Testament liegen, deshalb taucht es geschichtlich in der Bibel überhaupt nicht auf. Das römische Reich begann noch in dieser Zeitspanne der 400 Jahre des Schweigens und es dauerte in seiner ersten Phase mehr als 400 Jahre. Die Besonderheit bei dem römischen Reich liegt noch darin, dass in dessen erste Phase das Ende des Heilszeitalters des Gesetzes fällt. Dazu kam der Sohn Gottes in diese Welt, geboren unter Gesetz (Gal 4,4), und Er ist durch Sein Erlösungswerk das Ende des Gesetzes (Rö 10,4). Mit Seinem Tod und Seiner Auferstehung begann das Heilszeitalter der Gnade in dieser Zeit des römischen Weltreiches.

In dem Bild der vier Reiche in Daniel 2 sehen wir eine absteigende Linie im Blick auf das Metall; es fing bei dem Haupt mit Gold an und endete bei den Füßen mit einem Gemisch aus Ton und Eisen. Hier in Daniel 7 haben wir eine absteigende Linie im Blick auf die Gewaltenteilung. Bei dem babylonischen Reich herrscht eine Person, im medo-persischen Reich ist die Herrschaft schon auf zwei Könige aufgeteilt, im griechischen Reich finden wir die vier Generäle nach Alexander dem Großen, und in der noch zukünftigen Phase des römischen Reiches werden es zehn Fürsten sein.

Und siehe, ein anderes, zweites Tier, glich einem Bären; und es richtete sich auf einer Seite auf, und es hatte drei Rippen in seinem Maul zwischen seinen Zähnen; und man sprach zu ihm so: Steh auf, friss viel Fleisch!“ (Dan 7,5).

Der Bär ist ein Bild absoluter Grausamkeit, und das haben die Meder und Perser während ihrer Herrschaft auch ausgelebt. Dass der Bär sich auf einer Seite aufrichtete, deutet auf die Tatsache hin, dass in diesem an und für sich geteilten Reich der eine Teil stärker war als der andere, die persische Seite überwog die medische Seite. In den drei Rippen in seinem Maul sehen wir wieder die Gefräßigkeit, Gier und Bestialität dieses Reiches (vgl. Jes 13,18; Spr 28,15). In Daniel 8,3.4 wird in dem Widder ja auch dieses medo-persische Reich vorgestellt, wie es sich in den drei Himmelsrichtungen Westen, Norden und Süden weitere Reiche einverleibt; die drei Rippen hier in Vers 5 können auch ein Hinweis auf diese drei Richtungen sein. Aus der Geschichte wissen wir, dass sich dieses Reich auch immer weiter Richtung Westen in das griechische Reich vorwagte, was einen erbitterten Hass bei den Griechen hervorrief (vgl. Dan 8,7).

Kores war der größte Vertreter dieses medo-perischen Reiches, und er ließ sich bezeichnen als König von Persien, Haupt von Akkad, Sumer und Babylon, drei der mächtigsten von ihm eroberte Länder. Sie sind vielleicht auch eine Erklärung für die drei Rippen, die dieser Bär in seinem Maul hat. Und der Gedanke der Mordlust und Raubgier wird noch bestätigt durch die Aufforderung: „Steh auf, friss viel Fleisch.“ Gott hat die Meder und Perser benutzt, um das babylonische Weltreich zu vernichten. Durch wen kommt diese Aufforderung? Aus Jeremia 51,11 können wir entnehmen, dass sie direkt von Gott kommt. Kores handelte unter der Hand Gottes und tat das, was Gott wollte – obwohl es ihm selbst sicher gar nicht bewusst war. Gott hatte ihn als Rute Seines Zorns benutzt, Kores aber meinte es nicht also (vgl. in Bezug auf Assur Jes 10,5–7). Er führte zwar den Namen des Gottes Israel im Mund (Esra 1,2.3), aber er besaß keine innere Beziehung zu Ihm, er kannte Ihn nicht (Jes 45,4.5). Und Gott benutzt dann gerade diesen grausamen Herrscher, um einen Überrest Seines irdischen Volkes zurückzuführen nach Jerusalem.

Nach diesem schaute ich, und siehe, ein anderes, gleich einem Leoparden; und es hatte vier Vogelflügel auf seinem Rücken; und das Tier hatte vier Köpfe, und Herrschaft wurde ihm gegeben“ (Dan 7,6).

Der Leopard redet von absoluter Schnelligkeit, Agilität und Wendigkeit (Hab 1,8; in dieser Stelle allerdings auf das babylonische Reich gedeutet). Wir sehen hier in erster Linie Alexander den Großen darin, der in seinen Eroberungszügen eine unglaubliche Schnelligkeit bewies. Er kam in ungefähr drei Jahren fast bis nach Indien. Und die Geschichte beschreibt, dass er sich danach hingesetzt und darüber geweint hätte, dass kein weiteres Reich mehr zu erobern wäre. Sein Weltreich war größer als alle anderen zuvor. Die vier Vogelflügel verstärken diesen Gedanken der schnellen Ausbreitung in alle vier Himmelsrichtungen noch; und auch bei der Beschreibung des griechischen Weltreiches als Ziegenbock in Daniel 8,5 wird der Gedanke dieser außerordentlichen Geschwindigkeit seiner Eroberungszüge dadurch betont, dass dieser Ziegenbock die Erde überhaupt nicht berührte. In der West-Ost-Ausdehnung erstreckte sich das griechische Weltreich vom Ägäischen Meer zwischen Griechenland und der Türkei bis hin zum Hindukusch und dem heutigem Pakistan. In der Nord-Süd-Ausdehnung ging es vom Schwarzen Meer bis nach Ägypten zum Nil.

Alexander der Große als Herrscher über das griechische Reich wird in diesem Vers gar nicht angedeutet, es wird direkt von den vier Köpfen des Leoparden gesprochen. Diese vier Köpfe deuten auf die vier Diadochen oder Generäle hin, die nach dem frühen Tod Alexanders des Großen das Reich unter sich teilen würden. Er wurde keine 33 Jahre alt und starb in Babylon an einem hitzigen Fieber. Seine Krankheit hatte einen sehr schnellen Verlauf genommen, und die ganze Macht, die Gott ihm gegeben hatte, war in einem Augenblick für immer verloren. Nach den Diadochen-Kämpfen teilten letztlich vier seiner Generäle das Reich unter sich auf (vgl. die Ausführungen zu Dan 8,5–10).

Gott zeigt also nicht jede tatsächliche geschichtliche Einzelheit, sondern nur insoweit sie mit Seinem irdischen Volk zu tun haben. Die Eroberungszüge Alexanders des Großen hatten noch nicht direkt Auswirkungen auf Sein Volk, aber von diesen vier Köpfen, vier Generälen, haben später zwei in besonderer Weise zu tun gehabt mit dem Volk Gottes.

Achim Zöfelt


Der Prophet Daniel (33) – Kapitel 7,7-8

Online seit dem 16.07.2015, Bibelstellen: Daniel 7,7-8

Nach diesem schaute ich in Gesichten der Nacht: Und siehe, ein viertes Tier, schrecklich und furchtbar und sehr stark, und es hatte große, eiserne Zähne; es fraß und zermalmte, und das Übriggebliebene zertrat es mit seinen Füßen; und es war verschieden von allen Tieren, die vor ihm gewesen waren, und es hatte zehn Hörner. Während ich auf die Hörner Acht gab, siehe, da stieg ein anderes, kleines Horn zwischen ihnen empor, und drei von den ersten Hörnern wurden vor ihm ausgerissen; und siehe, an diesem Horn waren Augen wie Menschenaugen und ein Mund, der große Dinge redete“ (Dan 7,7.8).

Hier kommt das vierte Weltreich, das römische Weltreich vor uns. Hier gibt es scheinbar keine Vergleichsmöglichkeit mehr mit einem Tier aus der bekannten Tierwelt, es wird nur noch als ein Tier vorgestellt, aber so schrecklich und furchtbar, dass es keinen Vergleich mehr gibt. Es wird als verschieden von allen Tieren, die vor ihm gewesen waren, beschrieben. Warum? Wir können wenigstens vier Gründe dafür angeben:

  • In dem Ursprung seiner Macht: In der zukünftigen Form des Römischen Reiches bekommt das Tier seine Macht direkt von Satan, es ist satanischen Ursprungs; in dieser Form des zukünftigen Reiches ist es keine Regierung, die von Gott eingesetzt wurde (Rö 13,1).
  • In seinen Eigenschaften: Es weist überhaupt keine natürlichen Eigenschaften mehr auf. Alle vier Tiere sind zwar Symbole, aber es ist doch auffällig, dass es für das vierte Tier keinen Vergleich mehr gibt. Es hat eiserne Zähne und kupferne Klauen (Dan 7,19), Produkte menschlicher Intelligenz und menschlicher Industrie von unwahrscheinlicher Härte und Durchsetzungskraft. Es ist also eine menschliche Konstruktion ohne Beziehung zu der Schöpfung wie bei den anderen Tieren; es ist eine absolute Verschlimmerung von allem, was man in der Natur findet

  • In seinen drei verschiedenen Phasen: Es war und ist nicht und wird aus dem Abgrund heraufsteigen und ins Verderben gehen (Off 17,8); die erste Phase dieses Reiches ist bereits Vergangenheit, und wir leben heute in der Zeit, in der es nicht ist, aber wir sehen schon die Vorboten der zukünftigen Phase, die nach der Entrückung der Versammlung beginnen wird.

  • In seinem Ende: Das Römische Reich wird bei seinem Ende tatsächlich getötet und vollständig vernichtet (Off 19,19–21), während den anderen drei Reichen nur ihre Macht genommen wurde und sie in ihrer Existenz bestehen blieben (Dan 7,11.12); als Weltreich gingen sie unter, aber ohne aufzuhören zu existieren.

Es handelt sich hier also um Rom, aber nicht nur in seiner historischen Form, sondern vielmehr prophetisch in der noch zukünftigen Form. Höchstens den ersten Teil von Vers 7 könnte man noch mit dem ersten Aufleben des historischen Römischen Reiches in Verbindung bringen, aber seine eigentliche Bedeutung hat das Bild dieses vierten Tieres in der Phase des römischen Weltreiches, die bis heute noch nicht entwickelt ist. Die zehn Könige und alles, was mit ihnen zusammenhängt, sind heute noch absolut zukünftig, das hat es in der vergangenen Geschichte des Römischen Reiches noch nicht gegeben. Im Unterschied zu dem Bär, der auch fraß, aber zu seiner eigenen Bereicherung sich alles einverleibte, zertritt dieses vierte Tier alles, was es übrig ließ. Was dieses vierte Tier sich nicht einverleibt, das zerstört es vollständig. Diese Brutalität des vierten Weltreichs wird auch schon in bei dem großen Bild aus dem Traum Nebukadnezars betont (Dan 2,40). In erster Linie richtet sich dessen Grausamkeit gegen das Volk der Heiligen (Dan 7,21).

Eine Anwendung davon können wir machen, wenn wir in unseren heutigen Tagen sehen, wie sich brutale Mächte gegen das Christentum wenden. Hat uns da das vergangene Jahr nicht Schrecken einjagen können? Denken wir an Boko Haram in Nigeria oder den Islamischen Staat im Irak und Syrien, die in nie gekannter Grausamkeit Christen brutal ermorden. Auch auf Europa hat diese Bewegung übergegriffen. Aber wir halten fest, dass wir keine Angst zu haben brauchen, auch wenn der Teufel Hand an die Gläubigen legt (1. Pet 5,7.8). Vielleicht werden wir äußerlich gar nicht widerstehen können, aber innerlich sollen wir standhaft im Glauben bleiben und daran festhalten, dass kein Haar von unserem Haupt verloren gehen wird (Lk 21,16–18). Sie vermögen vielleicht den Leib zu töten, aber danach können sie nichts weiter tun (Lk 12,4). Um das festhalten zu können, ist Glauben nötig. Und wenn wir selbst noch Ruhe haben dürfen, wollen wir unsere Glaubensgeschwister, die in solchen Umständen leben, nicht vergessen und dafür beten, dass sie fest im Glauben bleiben können und vielleicht auch Befreiung erfahren können – Gott ist auch heute noch der Weltenlenker und hält die Zügel in der Hand. Und wir sollten auch für die obrigkeitlichen Gewalten beten, dass sie Entscheidungen treffen, die dem Volk Gottes dienen (1. Tim 2,1.2Esra 6,10).

Zehn Hörner – zehn Könige?

Ist das eine symbolische Zahl, wenn hier von den zehn Königen gesprochen wird, oder werden es exakt zehn Könige sein? In der Offenbarung steht vielleicht insgesamt mehr die Symbolik im Vordergrund, aber hier in Daniel sind doch Zahlenangaben meist buchstäblich zu nehmen, so dass man schon annehmen darf, dass das kommende Römische Reich aus zehn einzelnen Reichen bestehen wird. Dieser Gesichtspunkt wird in dem Traum Nebukadnezars bei dem vierten Weltreich schon angedeutet, wenn dort von den Zehen gesprochen wird, zwar nicht ausdrücklich von zehn Zehen, aber das ist ja der Normalfall bei dem Menschen (Dan 2,41.42).

Dass es hier ein Tier mit zehn Hörnern ist, weist darauf hin, dass es ein Reich sein wird, nicht zehn einzelne Reiche oder vielleicht sogar zehn aufeinanderfolgende Reiche. Zehn Fürsten gleichzeitig bestehender einzelner Teil-Reiche werden übereinkommen, ihre Macht dem Tier zu geben (Off 17,12.13). Unsere alten Vorväter haben immer von zehn Reichen geschrieben, und nach dem Zweiten Weltkrieg meinte man schnell, in der Neuordnung Europas diese zehn Reiche gefunden zu haben. Aber dann wurden es immer mehr, und heute besteht die EU aus 28 Ländern. Und haben wir nicht in den letzten Jahren miterlebt, wie sich diese Zusammensetzung Europas von heute auf morgen ändern kann? Es ist heute total offen, welche zehn Länder gemeint sind; zählt z.B. Benelux als ein einziges Land oder als drei Länder? Dann müssten wir bald jedes Jahr die Erklärung der Prophetie neu schreiben und an die politische Entwicklung anpassen. Daraus lernen wir wieder, dass wir nicht die Prophetie des Wortes Gottes anhand der Weltgeschichte erklären oder die Prophetie den Realitäten anpassen dürfen. Bleiben wir dabei, dass es zehn Reiche sein werden.

Daniel war von diesen zehn Hörnern absolut beeindruckt, und es muss ihn total beschäftigt haben, und genau dabei wird dann in Vers 8 beschrieben, wie sich dieses Bild auf einmal verändert und zwischen diesen Hörnern ein kleines Horn emporsteigt und vor diesem kleinen Horn drei der zehn Hörner ausgerissen wurden. Offenbar wird es drei Reiche innerhalb der zehn Reiche geben, die eine besondere Stellung oder Vorherrschaft haben und deshalb von dem kleinen Horn vernichtet werden. Der Ausdruck „wurden vor ihm ausgerissen“ meint ein totales Ausreißen mitsamt der Wurzel; diese drei Könige werden also überhaupt keine Stellung mehr haben. Vers 8 zeigt dabei die Seite, dass Gott dahintersteht und diese Entwicklung so führt, dass dieser kommende Fürst Platz bekommt; in Vers 24 wird die Seite betont, dass es das Haupt des Römischen Reiches selbst sein wird, der diese Reiche erniedrigen und sich diesen Platz durch Gewalt aneignen wird. Beide Seiten sind wahr.

Das kleine Horn – der kommende Fürst des römischen Reiches

Dieses kleine Horn hat Augen wie Menschenaugen und einen Mund, der große Dinge redet. Das ist ein Hinweis auf den kommenden römischen Fürsten, der drei Könige erniedrigen (Dan 7,24) und sich absolute Oberhoheit aneignen wird. Dieses kleine Horn ist etwas total anderes als das kleine Horn in Daniel 8,9! Hier ist es das von Satan inspirierte Haupt des Römischen Reiches, das heute in dieser Stellung noch nicht existiert. Wenn es als klein beschrieben wird, deutet das wohl darauf hin, dass dieser Mensch anfangs überhaupt nicht als solcher wahrgenommen wird. Vielleicht hat er zu Beginn äußerlich kein Charisma, nichts Aufsehenerregendes; aber dann wächst er und steigt empor.

In Offenbarung 13,1.2 wird dieser Fürst des römischen Weltreichs beschrieben in dem Tier, das aus dem Meer heraufsteigt. Aus dieser Beschreibung wird deutlich, dass es alle Kennzeichen der vorhergehenden Reiche (Leopard, Bär, Löwe), wie sie hier in Daniel 7vorgestellt werden, in sich vereinen wird. Die Reihenfolge wird in Offenbarung 13 genau andersherum vorgestellt wie in Daniel 7, was eine ganz einfache Erklärung hat: Als Daniel schrieb, waren diese Dinge noch zukünftig, und als Johannes schrieb, hatte das vierte Weltreich schon begonnen und er blickt zurück.

Die Augen wie Menschenaugen sprechen von Einsicht, teuflischer Einsicht. Und in Offenbarung 13,5 wird zu den großspurigen, prahlerischen, vermessenen Dingen, die er reden wird, noch hinzugefügt, dass er auch Lästerungen aussprechen wird, vom Teufel inspirierte Lästerungen gegen Gott (vgl. Ps 12,4.5). Es ist auffallend, wie diese großen Worte immer wieder bei diesem Haupt des Römischen Reiches betont werden (Dan 7,8.11.20.25). Es sind vermessene Worte gegen den Höchsten, Lästerungen direkt gegen Gott! Dieses ganze Reich wird von Lästerungen gegen Gott gekennzeichnet sein.

Wir leben heute noch nicht in dieser Zeit, aber diese kommenden Ereignisse werfen heute schon ihre Schatten voraus. Gerade in unserer heutigen Zeit erleben wir, dass Gott im christlichen Abendland in einer Weise verspottet und gelästert wird, wie es kaum je zuvor zu finden war. Man spricht in unserer Zeit tatsächlich von einem Menschenrecht auf Gotteslästerung; Gesetze, die die Blasphemie einschränken, seien mit den allgemeinen Menschenrechtsstandards nicht vereinbar (vgl. Ausführungen zu Dan 7,23–25).

Damit ist der Überblick über diese vier Weltreiche auch schon vollständig. Gott stellt sie relativ rasch vor, aber es wird im weiteren Verlauf deutlich, dass das Hauptgewicht auf dem vierten Weltreich liegt. Aber all diese Entwicklungen geschehen nach Seiner Vorsehung. Und das gilt auch für unsere Zeit heute, in der sich unbeschreibliche Grausamkeiten ereignen dürfen. Wir wissen, dass auch hinter diesem allem Gott steht! Niemals entgleiten Ihm die Zügel!

Achim Zöfelt