Mal 3.16

3. Mose

Das Laubhüttenfest



Exkurs: Das Laubhüttenfest


Das Laubhüttenfest heißt Joh 7, 2 ἡ σκηνοπηγία. Den gleichen Namen führt es bei Josephus, Antiq 8, 4, 1; 13, 13, 5; 15, 3, 3; voller: ἡ τῆς σκηνοπηγίας ἑορτή Antiq 13, 8, 2; Bell Jud 2, 19, 1. Hebräische Bezeichnungen waren חַג הַסֻּכּוֹת oder bloß חָג, aram. חַגָּא. Daß man es „das Fest“ schlechthin nannte, zeigt, daß das Laubhüttenfest wohl das populärste von allen jüdischen Festen gewesen ist. Josephus sagt Antiq 8, 4, 1, daß es das heiligste u. größte Fest (ἑορτὴ ἁγιωτάτη καὶ μεγίστη) bei den Hebräern gewesen sei. Das Laubhüttenfest dauerte sieben Tage, u. zwar vom 15.–21. Tischri; davon hatte der 1. Festtag sabbatlichen Charakter. Den Schluß bildete am 8. Tage (22. Tischri) ein besonderer Feiertag mit Festversammlung עֲצֶרֶת Lv 23, 36. — Dem Laubhüttenfest gaben sein besonderes Gepräge das Wohnen in der Festhütte, der Feststrauß לוּלָב, der Umzug um den Brandopferaltar mit Weidenzweigen, die Wasserlibation u. die damit in Verbindung stehenden Freudenveranstaltungen.


I. Das Wohnen in der Festhütte

A. Größe u. Beschaffenheit der Laubhütte סוּכָּה.

Sukka 1, 1: Eine Laubhütte, die nach oben hin höher ist als 20 Ellen, ist untauglich. R. Jehuda (um 150) erklärte sie für brauchbar; u. wenn sie nicht 10 Handbreiten hoch ist, u. wenn sie nicht drei Seitenwände hat, u. wenn ihre Sonne (die durch die Bedachung hindurchscheint) mehr beträgt als ihr Schatten,2 so ist sie untauglich. Eine alte Hütte erklärte die Schule Schammais für untauglich, die Schule Hillels erklärte sie für tauglich. Und welches ist eine alte Hütte? Jede, die man 30 Tage vor dem Fest gemacht hat. Aber wenn man sie im Namen des Festes (d. h. unter ausdrücklicher Bestimmung für das Fest) selbst zu Anfang des (vergangenen) Jahres gemacht hat, ist sie tauglich. ‖ Das. 1, 2: Wenn jemand seine Laubhütte unter einem Baume macht, so ist das, als ob er sie im Hause machte (d. h. sie ist untauglich); macht er eine Laubhütte über einer andren, so ist die obere tauglich u. die untere untauglich. R. Jehuda (um 150) sagte: Wenn man in der oberen nicht wohnen kann (weil die untere die Last nicht tragen würde), so ist die untere tauglich. ‖ Das. 1, 3: Wenn man ein Tuch über die Laubhütte wegen der Sonne oder unter ihre Bedachung wegen des abfallenden Laubes breitet, oder wenn man über ein Gestell von vier Stangen (an den vier Bettfüßen) einen Vorhang breitet, so ist die Laubhütte untauglich; wohl aber darf man über zwei durch eine Querstange verbundene Stangen (am Kopf- u. Fußende des Bettes) einen Vorhang breiten. (Bei dem Gestell mit 4 Stangen entsteht durch den darüber gebreiteten Vorhang ein besonderes plattes Dach; man würde also nicht unter einer Laubhütte, sondern unter einer Zeughütte wohnen; bei dem Gestell mit 2 Stangen entsteht kein besonderes plattes Dach, auch würde man einen solchen Aufbau keine סוּכָּה nennen.) ‖ Das. 1, 4: Wenn man über die Laubhütte (zu ihrer Bedeckung) einen Weinstock oder einen Kürbis oder Epheu hinzieht u. darüber (etwas) Laub deckt, so ist sie untauglich; wenn aber die Deckung mehr beträgt als jene, oder wenn man jene abgeschnitten hat (so daß sie nicht mehr am Boden haften), so ist sie tauglich. Dies ist die Regel: alles was (rituelle) Unreinheit annimmt u. sein Wachstum nicht aus der Erde hat, damit darf man nicht decken, u. alles, was keine Unreinheit annimmt u. sein Wachstum aus der Erde hat, damit darf man decken. ‖ Das. 1, 5: Mit (ganzen) Bündeln von Stroh, von Holz oder von Reisig deckt man nicht; aber sie alle sind tauglich, wenn man sie aufgelöst hat; auch sind sie tauglich zu den Seitenwänden. ‖ Das. 1, 6: Mit (schmalen) Brettern darf man decken; das sind Worte des R. Jehuda (um 150); R. Meïr (um 150) verbot es. Hat man ein Brett darüber gelegt, das vier Handbreiten breit ist, so ist die Laubhütte tauglich; nur darf man nicht (gerade) unter diesem Brett schlafen. ‖ Das. 1, 7: Betreffs eines Lattenbelags, auf dem sich kein Estrich befindet (falls man ihn zur Errichtung einer Festhütte benützen will), sagte R. Jehuda (um 150): Die Schule Schammais sagte: Man macht sie (die einzelnen Latten) lose u. nimmt immer eine zwischen ihnen fort. Die Schule Hillels sagte: Man macht sie entweder lose oder nimmt immer eine zwischen ihnen fort. R. Meïr (um 150) sagte: Man nimmt immer eine zwischen ihnen fort, ohne daß man die übrigen lose macht. ‖ Das. 1, 8: Wenn jemand seine Laubhütte mit Bratspießen oder mit den Brettern eines Bettes bedeckt, so ist sie tauglich, falls der Zwischenraum zwischen ihnen ebensoviel beträgt, wie sie selbst. Wenn jemand einen Garbenhaufen (Strohmiete) aushöhlt, um darin eine Laubhütte zu machen, so ist das keine Laubhütte (vgl. das am Schluß von Mischna 1, 3 Bemerkte). ‖ Das. 1, 9: Wenn man die Seitenwände von oben nach unten zieht (d. h. mit ihrer Herstellung oben beginnt), so ist, wenn sie drei Handbreiten hoch von der Erde abbleiben, die Laubhütte untauglich. Zieht er sie von unten nach oben, so ist sie tauglich, sobald sie zehn Handbreiten hoch von der Erde sind. R. Jose (um 150) sagte: Wie von unten nach oben zehn Handbreiten genügen, so auch zehn Handbreiten von oben nach unten. Läßt man die Bedeckung drei Handbreiten von den Seitenwänden entfernt, so ist die Laubhütte untauglich. ‖ Das. 1, 10: Wenn man über einen abgedeckten Raum (dessen Dach durchbrochen oder abgetragen ist) ein Laubdach legt, so ist das untauglich, falls die Entfernung von der Wand bis zur Bedeckung vier Ellen beträgt. Dasselbe gilt von einem Hof, der von einer Säulenhalle umgeben ist. Eine große Laubhütte, die man (oben) mit etwas umgeben hat, womit man nicht bedecken darf, ist, wenn darunter ein Raum von vier Ellen ist, untauglich. ‖ Das. 1, 11: Wenn man seine Laubhütte wie eine Binsenhütte (pyramidenförmig) macht, oder wenn man sie an eine Wand lehnt, so erklärt sie R. Eliʿezer (um 90) für untauglich, weil sie kein Dach habe; die Gelehrten aber erklärten sie für tauglich (vgl. hierzu TSukka 1, 10). Eine große Rohrmatte, die man angefertigt hat, um darauf zu liegen, nimmt Unreinheit an, u. man darf damit (die Laubhütte) nicht bedecken; hat man sie zur Bedeckung angefertigt, so darf man damit (die Laubhütte) bedecken, u. sie nimmt (weil nicht für menschlichen Gebrauch bestimmt) keine Unreinheit an. R. Eliʿezer (um 90) sagte: Sowohl eine kleine als auch eine große nimmt, wenn man sie angefertigt hat, um darauf zu liegen, Unreinheit an, u. man darf damit (die Laubhütte) nicht bedecken; hat man sie zur Bedeckung angefertigt, so darf man damit (die Laubhütte) bedecken, u. sie nimmt keine Unreinheit an. ‖ Das. 2, 1: Wer unter einem Bett in der Laubhütte schläft, hat seiner Pflicht (in einer Laubhütte zu wohnen) nicht genügt (denn das Bett war für ihn eine Hütte, aber keine Laubhütte). R. Jehuda (um 150) hat gesagt: Wir haben gewöhnlich unter einem Bett vor den Augen der Ältesten geschlafen, u. sie haben uns kein Wort (deswegen) gesagt. R. Schimʿon (um 150) hat gesagt: Es geschah, daß Ṭebi, der Sklave des Rabban Gamliël (II., um 90) unter einem Bett schlief; da sagte Rabban Gamliël zu den Ältesten: Habt ihr meinen Sklaven Ṭebi gesehen? Weil er ein Gelehrtenschüler ist u. weiß, daß Sklaven von der Laubhütte befreit sind, deshalb schläft er unter einem Bett. Nebenbei lernen wir daraus, daß, wer unter einem Bett schläft, seiner Pflicht nicht genügt hat. ‖ Das. 2, 2: Wenn man seine Laubhütte auf die Füße eines Bettes stützt, so ist sie tauglich. R. Jehuda (um 150) sagte: Wenn sie nicht für sich allein stehen kann, ist sie untauglich. Eine dürftig bedeckte Laubhütte, wenn nur ihr Schatten mehr beträgt als ihre Sonne, ist tauglich. Die so dicht ist wie ein Haus, selbst wenn man aus ihr die Sterne nicht sehen kann, ist gültig. ‖ Das. 2, 3: Wenn man seine Laubhütte auf einem Wagen oder auf einem Schiff macht, so ist sie tauglich, u. man darf am Feiertag hinaufgehn. Hat man sie auf einem Baum oder auf einem Kamel gemacht, so ist sie tauglich; aber man darf an einem Feiertag nicht hinaufgehn (aus Gründen der Sabbatruhe, s. Beça 5, 2). Wenn zwei Seitenwände durch einen Baum gebildet werden u. eine von Menschenhand herrührt, oder wenn zwei von Menschenhand herstammen u. eine vom Baum, so ist die Laubhütte tauglich, aber man steigt an einem Feiertag nicht empor zu ihr. Stammen drei Seiten von Menschenhand her u. eine vom Baum, so ist die Laubhütte tauglich, u. man darf zu ihr an einem Feiertag emporsteigen. Dies ist die Regel: jede Laubhütte, die, auch wenn der Baum weggenommen würde, für sich allein bestehen kann, ist gültig, u. man darf zu ihr an einem Feiertag emporsteigen. ‖ Das. 2, 4: Wenn man seine Laubhütte zwischen Bäumen macht, so daß die Bäume ihr als Seitenwände dienen, so ist sie tauglich. — Weiteres hierher gehörendes Material s. TSukka 1 u. SLv 23, 42 (417a).

B. Der Aufenthalt in der Laubhütte.
In der Laubhütte hatte man siebena Tage lang zu wohnen. Das Wohnen in ihr schloß auch das Schlafen u. Essen darin in sich.b Der siebentägige Aufenthalt in der Laubhütte war Pflicht für die gesamte israelitische Männerwelt, ferner für die Proselyten u. die freigelassenen Sklaven, endlich für die israelitischen Knaben, soweit sie der Mutter nicht mehr bedurften; frei von der Pflicht waren die Frauen, die Sklaven, die auf ihre Mutter noch angewiesenen Knabenc u. die Kranken.d Auch Regengüsse hoben die Pflicht in der Laubhütte zu weilen auf.e

a. Sukka 4, 1: Das Wohnen in der Laubhütte … findet sieben Tage lang statt. ‖ SLv 23, 34 (413a): „Am 15. Tage dieses 7. Monats ist das Hüttenfest sieben Tage für Jahve“ Lv 23, 34. Was will die Schrift lehrend sagen? Wenn es heißt: „In Hütten sollt ihr sieben Tage wohnen“ Lv 23, 42, so weiß ich nicht, ob die sieben ersten oder die sieben letzten Tage hindurch (so daß im letzteren Fall der erste Feiertag ausgeschlossen u. der 8. Tag, das Beschlußfest, eingeschlossen wäre). Wenn die Schrift nun sagt Vers 34: „Am 15. Tage dieses 7. Monats ist das Hüttenfest sieben Tage für Jahve“, siehe, so sind (Vers 42) die sieben ersten u. nicht die sieben letzten Tage gemeint. ‖ Sukka 2, 9: Die ganzen sieben Tage soll der Mensch seine Laubhütte zum feststehenden (regelmäßigen) u. sein Haus zum gelegentlichen (vorübergehenden) Aufenthaltsort machen. ‖ SDt 16, 13 § 140 (102a): „Das Hüttenfest sollst du dir sieben Tage lang halten“ Dt 16, 13. R. Eliʿezer (um 90) sagte: Wie man seiner Pflicht am 1. Feiertag des Hüttenfestes nicht genügt mit dem Feststrauß eines andren, so genügt man am 1. Feiertag des Hüttenfestes seiner Pflicht nicht mit der Laubhütte eines andren; denn es heißt Dt 16, 13: Das Hüttenfest „sollst du dir (= von dem Deinigen) halten“. Die Gelehrten aber erwiderten: Mit dem Feststrauß eines andren genügt man seiner Pflicht nicht; denn es heißt Lv 23, 40: Nehmet euch am 1. Tage prächtige Baumfrüchte usw., d. h. jeder einzelne für sich; wohl aber genügt man seiner Pflicht mit der Laubhütte eines andren; denn es heißt Lv 23, 42: „Alle Eingeborenen in Israel sollen in Hütten (בַּסֻּכּת mit defektiver Schrift) wohnen“, d. h. alle Israeliten können (einer nach dem andren) in einer Hütte wohnen. — Dasselbe als Bar Sukka 27b. ‖ Sukka 4, 8: Das Wohnen in der Laubhütte findet sieben Tage lang statt. Wie denn? Wenn man mit dem Essen (am 7. Tage) fertig ist, soll man seine Laubhütte nicht abbrechen; wohl aber darf man die Gerätschaften vom Nachmittag (des 7. Tages) an u. weiter herausnehmen (u. ins Haus schaffen) zu Ehren des letzten (achten) Feiertages des Hüttenfestes.
b. SLv 23, 42 (417a): „Ihr sollt wohnen“ תּשְׁבוּ Lv 23, 42. תֵּשְׁבוּ bedeutet nichts andres als „ihr sollt wohnen“ תדירו. Von hier aus hat man gesagt: Man ißt in der Laubhütte, u. man trinkt in der Laubhütte, u. man ergeht sich in der Laubhütte, u. man schafft seine Sachen in die Laubhütte. Das geht aber für mich nur auf die Tage; woher, daß es auch für die Nächte gilt? Siehe, ich ziehe folgenden Schluß: Es heißt hier (Lv 23, 42) „sieben“, u. es heißt „sieben“ beim Offenbarungszelt (Lv 8, 33); wie bei den sieben Tagen, die beim Offenbarungszelt genannt sind, die Nächte wie Tage angesehen werden, so werden auch bei den sieben Tagen, die hier genannt sind, die Nächte wie Tage angesehen (in die Tage miteinbezogen). — Es folgt dann ein andrer Analogieschluß, der die Nächte ausschließen will; derselbe wird jedoch abgelehnt u. die erste Schlußfolgerung als zutreffend anerkannt. ‖ Sukka 28b Bar: Die ganzen sieben Tage soll ein Mensch seine Laubhütte zum feststehenden u. sein Haus zum gelegentlichen Aufenthaltsort machen. Wie denn? Hat er schöne Geräte, so schafft er sie hinein in die Laubhütte; schöne Teppiche (Polster), so schafft er sie hinein in die Laubhütte; er ißt u. trinkt u. ergeht sich in der Laubhütte. Woher diese Worte? Denn in einer Bar ist gelehrt worden: תשבי Lv 23, 42 bedeutet nichts andres als „ihr sollt wohnen“ תדורו. Auf Grund hiervon hat man gesagt usw. (Es folgt die obige Bar noch einmal, nur daß zum Schluß hinzugefügt wird: „u. man studiert in der Laubhütte“.) ‖ TSukka 1, 7 (192): Hat man darin (in der Laubhütte) Nüsse aufgehängt u. Granatäpfel u. Brötchen u. Kämme von Weintrauben u. Kränze aus Ähren, so ist sie tauglich; man darf aber davon nicht essen, auch nicht am letzten Feiertag des Hüttenfestes; wenn er jedoch (von vornherein) in bezug auf sie bestimmt hatte, daß er von ihnen im Feste essen wolle, so ist es ihm erlaubt. ‖ Zum Schlafen in der Laubhütte vgl. bei d u. e.
Speziell über das Essen in der Laubhütte wird Sukka 2, 4 f. gesagt: Man darf gelegentlich (Gegensatz zu den feststehenden eigentlichen Mahlzeiten) außerhalb der Laubhütte essen u. trinken. Man brachte einmal dem Rabban Jochanan b. Zakkai († um 80) etwas zum Kosten eines Gerichtes u. dem Rabban Gamliël zwei Datteln u. ein Schöpfgefäß mit Wasser; sie sagten aber: Tragt es in die Laubhütte! (Sie wollten also auch nicht gelegentlich etwas außerhalb der Festhütte genießen.) Als man dagegen dem R. Çadoq (um 70) Speise reichte, die weniger als ein Ei betrug, faßte er sie mit einem Tuch (weil er seine Hände nicht zuvor abgespült hatte) u. aß sie außerhalb der Laubhütte, auch sprach er keinen Lobspruch hinterher. ‖ TSukka 2, 2 (193): Rabbi hat erzählt: Einmal kam ich u. R. Elʿazar b. Çadoq (um 150) zu R. Jochanan b. Nuri in Beth-Scheʿarim, u. wir aßen Feigen u. Weintrauben außerhalb der Laubhütte. ‖ Sukka 2, 6: R. Eliʿezer (um 90) sagte: 14 Mahlzeiten ist der Mensch verpflichtet, in der Laubhütte zu essen, eine bei Tage u. eine am Abend (wörtlich: in der Nacht). Die Gelehrten aber sagten: Darüber gibt es keine Festsetzung, abgesehen vom Vorabend des ersten Feiertages des Laubhüttenfestes (mit welchem der 1. Festtag beginnt u. an welchem man in der Laubhütte ein Freudenmahl zu halten verpflichtet ist). Ferner sagte R. Eliʿezer: Wer etwa am Vorabend des ersten Feiertages das Mahl nicht gehalten hat, soll es ersetzen (nachholen) am Vorabend des letzten (d. h. des achten) Feiertages. Die Gelehrten aber erwiderten: Dafür gibt es keinen Ersatz; in bezug darauf heißt es Qoh 1, 15: Krummes kann nicht gerade gemacht u. Fehlendes nicht zuerteilt werden. ‖ Sukka 2, 7: Wenn einer mit seinem Kopf u. dem größeren Teil seines Körpers sich in der Laubhütte befindet, während sein Tisch (beim Essen) im Hause steht, so erklärte das die Schule Schammais für verwerflich, die Schule Hillels aber für angängig. Die Schule Hillels sagte zur Schule Schammais: Geschah es nicht einmal also, daß die Ältesten der Schule Schammais u. die Ältesten der Schule Hillels gingen, um den R. Jochanan b. Ha-choroni zu besuchen, u. sie fanden ihn, wie er dasaß mit seinem Kopf u. dem größeren Teil seines Körpers in der Laubhütte, während sein Tisch im Hause stand (u. man sagte ihm deshalb nichts)? Die Schule Schammais antwortete ihnen: Von daher soll ein Beweis kommen? Auch haben sie zu ihm gesagt: Wenn du so zu tun gepflegt hast, hast du dein lebelang das Hüttengebot nicht gehalten.
c. SLv 23, 42 (417a): „Alle Eingeborenen in Israel sollen in Hütten wohnen“ Lv 23, 42. אזרח „Eingeborener“, damit ist der eingeborene Israelit gemeint; האזרה „der Eingeborene“ will die Frauen ausschließen; כל האזרה „alle Eingeborenen“ will die Kleinen (Minderjährigen) einschließen; „in Israel“ will die Proselyten u. die freigelassenen Sklaven einschließen. — Dasselbe als Bar Sukka 28a. ‖ Sukka 2, 8: Frauen, Sklaven u. kleine Kinder sind von der Laubhütte frei; ein kleines Kind, das seiner Mutter nicht mehr bedarf, ist zur Laubhütte verpflichtet. Es geschah einmal, daß die Schwiegertochter Schammais des Alten (30 v. Chr.) gebar (nämlich einen Knaben an einem Laubhüttenfest); da ließ er den Estrich (über ihrem Lager) durchbrechen u. machte um des Kindes willen ein Laubdach über ihrem Bett.
d. Sukka 2, 4: Kranke u. deren Wärter sind frei von der Laubhütte. — TSukka 2, 2 fügt hinzu: Und nicht bloß ein gefährlich Kranker, sondern auch der, der Augen- oder Kopfschmerzen hat. R. Schimʿon b. Gamliël (um 140) hat erzählt: Einmal hatte ich Augenschmerzen in Cäsarea; da erlaubte mir R. Jose, daß ich u. mein Wärter außerhalb der Laubhütte schlafen dürften. ‖ Auch die sog. שְׁלוּהֵי מִצְוָה, d. h. Leute, die mit der Ausführung eines andren Pflichtgebotes befaßt sind, waren vom Festhüttengesetz befreit. Sukka 2, 4: Die mit der Ausübung eines (andren) Gebotes befaßten Personen sind von der Laubhütte frei. — TSukka 2, 1 bringt diesen Satz gleichfalls, bemerkt aber dazu: „Obwohl man gesagt hat, daß es kein Ruhm für einen Menschen sei, im Fest sein Haus zu verlassen.“ ‖ Einige spezielle Fälle. TSukka 2, 3 (193): Die, welche eine Stadt bei Tage bewachen, sind des Nachts (zur Laubhütte) verpflichtet u. bei Tage frei; die, welche eine Stadt des Nachts bewachen, sind bei Tage verpflichtet u. des Nachts frei; die, welche eine Stadt sowohl bei Tage als auch des Nachts bewachen, sind sowohl bei Tage als auch des Nachts frei. Reisende sind des Nachts verpflichtet u. bei Tage frei. Garten- u. Parkhüter sind sowohl bei Tage als auch des Nachts frei.
e. Sukka 2, 9: Wenn Regengüsse niedergehn, von wann an darf man da (die Laubhütte) räumen? Sobald ein Brei dadurch verdirbt (ungenießbar wird). Man sagte ein Gleichnis. Womit läßt sich das vergleichen? Mit einem Sklaven, der im Begriff ist, seinem Herrn einen Becher zu mischen; da gießt ihm dieser einen Pokal (Wasser) ins Gesicht. — In der Bar Sukka 29a begleitet der Herr sein abweisendes Tun noch mit dem Wort: „Ich mag deine Bedienung nicht!“ ‖ TSukka 2, 4 (194): Wenn einer in der Laubhütte speiste, u. es gingen Regengüsse auf ihn nieder, u. er stand auf u. lief davon, so verpflichtet man ihn nicht, auch wenn die Regengüsse aufgehört haben, zurückzukehren, bevor er (mit dem Essen in dem andren von ihm aufgesuchten Raum) fertig ist. Hatte er in der Laubhütte geschlafen, u. es gingen Regengüsse auf ihn nieder, u. er stand auf u. lief davon, so verpflichtet man ihn nicht, auch wenn die Regengüsse aufgehört haben, zurückzukehren, bevor er aufgewacht ist (ausgeschlafen hat).

C. Bedeutung des Wohnens in Laubhütten.
Das Wohnen in der Festhütte wurde meist als Dankespflicht zur Erinnerung an die Wundertaten Gottes während des Wüstenzuges aufgefaßt.

Pesiq 188b: Es steht geschrieben Dt 16, 13: „Das Hüttenfest halte dir sieben Tage lang.“ Warum machen die Israeliten eine Laubhütte? Für die Wunder, die ihnen Gott getan hat, als sie aus Ägypten auszogen; denn Wolken der Herrlichkeit umgaben sie u. wurden über sie gedeckt, wie es heißt Lv 23, 43: „In Hütten habe ich die Kinder Israel wohnen lassen“, u. im Targum haben wir gelernt (dȧß diese Worte bedeuten): „In einer Wolkenhütte habe ich die Kinder Israel wohnen lassen.“ Ferner heißt es Lv 23, 42: „In Hütten sollt ihr sieben Tage wohnen.“ Weshalb? „Damit eure Geschlechter wissen, daß ich die Kinder Israel in Hütten habe wohnen lassen“ das. Vers 43. Gott sprach zu den Israeliten: Meine Kinder, ihr sollt Hütten machen u. sieben Tage darin wohnen, damit ihr erinnert werdet an die Zeichen, die ich euch in der Wüste getan habe; u. wenn ihr auch die Hütte macht, so erweist ihr mir damit keine Wohltat (der kein früheres Tun meinerseits entspricht), sondern ihr vergeltet mir (was ich euch zuvor getan habe), wie es heißt Lv 23, 43: In Hütten habe ich die Kinder Israel wohnen lassen. — Ferner s. TanchB אמור § 30 (51b) bei I, D Ende.

Ganz singulär ist die Anschauung, daß das Wohnen in Laubhütten ein Gericht darstelle, das die Israeliten an sich selbst vollziehen: wegen seiner Sünden habe das Volk das Exil verdient, darum wohne es sieben Tage in Hütten, um jene Strafe aufzuheben.

Pesiq 189a: R. Elʿazar b. Merom (um 350) hat gesagt: Warum machen wir nach dem Versöhnungstag eine Laubhütte? Es will dir sagen: Weil du es also findest, daß Gott am Neujahrstag über alle, die in die Welt kommen, zu Gericht sitzt u. am Versöhnungstag das Urteil besiegelt, so ist vielleicht das Urteil über die Israeliten ergangen, daß sie ins Exil ziehen sollen. Deshalb machen sie eine Laubhütte u. ziehen aus ihren Häusern aus in eine Laubhütte, u. Gott rechnet es ihnen so an, als ob sie nach Babel in die Verbannung gezogen wären, wie es heißt Micha 4, 10: Winde dich u. brich hervor, Tochter Zion, wie eine Gebärerin; denn jetzt ziehst du aus aus der Stadt u. wohnst auf dem Felde u. kommst (gleichsam) nach Babel, dort wirst du befreit, dort wird dich Jahve erlösen aus der Hand deiner Feinde.

D. Der Lohn der Laubhütte.

Pesiq 186a: R. Levi (um 300) hat gesagt: Wer das Gebot betreffs der Laubhütte in dieser Welt erfüllt, von dem sagt Gott: Er hat das Gebot betreffs der Laubhütte in dieser Welt erfüllt, so will ich ihn schützend decken vor der Glut des kommenden Tages … (186b:) Denn siehe, der Tag kommt, brennend wie ein Ofen, u. es werden alle Übermütigen u. wer immer Gottlosigkeit verübt, zu Spreu, u. verbrennen wird sie der Tag, der da kommt, spricht Jahve der Heerscharen, so daß er ihnen weder Wurzel noch Zweig wird lassen Mal 3, 18. In jener Stunde macht Gott für die Gerechten eine Hütte u. birgt sie dort hinein, wie es heißt Ps 27, 5: „Denn er wird mich bergen in einer Hütte am Tage des Unglücks,“ u. ebenso Jes 4, 6: „Es wird ein Schirmdach sein zum Schatten am Tage vor Hitze“, vor der Glut des Tages. ‖ Pesiq 187a: „Es wird ein Schirmdach sein zum Schatten am Tage vor Hitze“ Jes 4, 6. Wer das Festhüttengebot in dieser Welt erfüllt, den schützt (deckt) Gott vor den bösen Geistern מַזִּיקִין, daß sie ihn nicht schädigen; denn so sagt die Schrift: Mit seinem Fittich deckt er dich u. unter seinen Flügeln bist du geborgen. ‖ Pesiq 187b: „Es wird ein Schirmdach sein zum Schatten am Tage vor Hitze“ Jes 4, 6. Wenn einer das Festhüttengebot in dieser Welt erfüllt, so wird ihm Gott auch in der Zukunft (in den Tagen des Messias) Anteil geben an Sukkoth im Gebiet Sodoms, das Gott dereinst an die Gerechten stammweise verteilen wird, wie es heißt Ps 60, 8: „Gott hat zugesagt bei seinem Heiligen (so der Midr): Ich will frohlocken, will Sikhem austeilen u. das Tal Sukkoth vermessen.“ Was heißt: „Gott hat zugesagt bei seinem Heiligen“? R. Jehoschuaʿ b. Nechemja (um 350) hat gesagt: Damit ist unser Vater Abraham, Friede sei mit ihm! gemeint. „Ich will frohlocken“, u. wenn ich frohlocken werde, wenn sein Reich in der Welt aufgestrahlt (erschienen) ist, dann werde ich Sickhem austeilen, werde es stammweise an deine Kinder verteilen; u. was bedeutet: Und das Tal Sukkoth will ich vermessen? Damit ist Sukkoth im Gebiet Sodoms (das Siddimtal) gemeint, (das Sukkoth hieß,) weil es von sieben Bäumen (Baumarten) bedeckt מסיככת war, die sich gegenseitig bedeckten: Weinstock, Feige, Granatbaum, Pfirsich, Mandelbaum, Nußbaum u. Dattelpalmen über ihnen (allen). ‖ Pesiq 187b: R. Jiҫchaq (um 300) hat im Namen des R. Jochanan († 279) gesagt: Es gibt eine Geierart, die sich 25 Mil nach oben erhebt, u. sie sieht, was auf der Erde ist. R. Meïr (um 150) u. R. Jose (um 150) u. die Gelehrten. Der eine von ihnen sagte: Wenn ein Gegenstand von drei Handbreiten Größe auf der Erde liegen würde. ein solcher Geier würde ihn auf der Erde sehen. Der andre sagte: Einen Gegenstand von anderthalb Handbreiten Größe; u. der dritte sagte: Einen Gegenstand, der eine Größe von drei Fingerbreiten hat. Gott sprach: Wer das Festhüttengesetz in dieser Welt erfüllt, dem gebe ich in der Zukunft (in den Tagen des Messias) einen Anteil, den auch der Vogel nicht erblicken kann, wie es heißt Hi 28, 7: Gaben (so der Midr), die nicht der Adler erkennt, noch erspäht des Geiers Auge. ‖ Pesiq 187b: „Es wird ein Schirmdach sein zum Schatten am Tage vor Hitze“ Jes 4, 6. R. Levi (um 300) hat gesagt: Wer das Festhüttengebot in dieser Welt erfüllt, den wird Gott auch in der (messianischen) Zukunft sitzen lassen in einer Hütte aus Livjathanfell, wie es heißt Hi 40, 31: Kannst du denn deinen Wunsch erfüllen nach Hütten aus seiner Haut? (so nach Targ u. Raschi z. St.) … (188b:) Was tut Gott (nachdem der Livjathan erlegt ist)? Er nimmt das Fell des Livjathan u. macht daraus eine Hütte für die Gerechten … (vgl. hierzu BB 75a). ‖ TanchB אמור § 30 (51b): Gott sprach zu den Israeliten: In dieser Welt habe ich euch gesagt, daß ihr eine Laubhütte machen sollt, um mir meine Wohltaten zu vergelten, die ich euch erwiesen habe, wie es heißt Lv 23, 42 f.: „In Hütten sollt ihr sieben Tage wohnen usw.; denn in Hütten habe ich die Kinder Israel wohnen lassen.“ Und ich rechne es euch so an, als ob ihr mir eine Wohltat erwieset; u. in der zukünftigen Welt (= in der messianischen Zeit) strahle ich über euch hervor mit dem Reich, u. ich werde euch beschirmen wie (durch) eine Hütte; denn es heißt Jes 4, 6: Und eine Hütte wird sein zum Schatten am Tage vor Hitze.

E. Zwei die Laubhütte betreffende Lobsprüche.

Sukka 46a: Wer eine Laubhütte für sich selbst anfertigt, spricht: Gepriesen seist du, Jahve unser Gott, König der Welt, daß du uns am Leben erhalten u. uns hast bestehen u. diese Zeit erreichen lassen! — Tritt man (in die Laubhütte) ein, um in ihr zu wohnen, so sagt man: Gepriesen seist du, Jahve unser Gott, König der Welt, der uns geheiligt hat durch seine Gebote u. uns geboten, in der Laubhütte zu wohnen! Und wenn man den (letztern) Lobspruch am ersten Festtag gesprochen hat, so braucht man ihn (an den übrigen Tagen) nicht zu wiederholen. (Doch war die Schlußbestimmung umstritten, s. Sukka 46a, 10.)


II. Der Feststrauß

A. Name u. Bestandteile des Feststraußes.
Der Feststrauß לוּלָב,a auch הוֹשַׁעְנָא,b hatte seine biblische Grundlage an Lv 23, 40. Nach der rabbin. Deutung bezeichnet in dieser Stelle פרי עץ הדר den Ethrog אֶתְרוֹג (die Pompelmuse, eine Citrusart), כפת תמרים Palmenwedel, ענף עץ עבת Myrtenzweige u. ערבי נחל die Weide.c Dementsprechend sollte der Feststrauß bestehen aus 1 Ethrog, 1 Palmwedel, 2 Weiden- u. 3 Myrtenzweigen.d Der Ethrog als Frucht bildete einen Teil für sich;e dagegen wurden die genannten Zweige, von denen die Palme eine Länge von 4 u. die übrigen von 3 Handbreiten haben sollten,f zu einem Strauß vereinigt,g u. zwar so, daß der Palmwedel als das Hauptstück die übrigen Zweige um 1 Handbreite überragte. Dadurch sollte erreicht werden, daß beim Schütteln des Feststraußes (s. weiter unten) der Palmwedel sich möglichst frei u. ungehemmt hin u. her bewegen könne.h Um dem Feststrauß in sich selbst Halt zu geben, wurde er für gewöhnlich zusammengebunden; doch war dies nicht gerade Vorschrift.i Die Anforderungen, denen der Feststrauß u. seine einzelnen Bestandteile zu entsprechen hatten, sind meist schon von der Mischna genau festgestellt worden.k Darunter findet sich auch die Bestimmung, daß der Feststrauß nicht geliehen, vollends nicht geraubt sein dürfe, da man, wenigstens am 1. Festtag, seiner Pflicht nicht mit einem Feststrauß genügen könne, der einem andren gehöre. Da aber die Beschaffung eines ordnungsmäßigen Feststraußes häufig mit großen Schwierigkeiten verknüpft sein mochte — Rabban Gamliël (um 90) hat einmal für einen solchen 1 Golddenar, also fast 20 M bezahlt —, so wurde weiter bestimmt, daß der Feststrauß zwar von einer Hand in eine andre übergehen dürfe, aber der jedesmalige Inhaber müsse ihn als Geschenk dem andren so überlassen, daß dieser ihn als wirkliches Eigentum besitze.l — Die Sitte des Feststraußes ist alt. Sie begegnet zuerst im 2. Makkabäerbuch, wo 10, 1 ff. erzählt wird, daß Makkabäus mit den Seinen die Tempelreinigung am 25. Kislev als achttägiges Freudenfest nach der Weise des Laubhüttenfestes begangen hätte; „deshalb, heißt es das. Vers 7, trugen sie Laubstäbe θύρσους u. schöne Zweige κλάδους ὡραίους, auch Palmblätter φοίνικας u. brachten Loblieder dar dem, der zur Reinigung seiner Stätte das Gelingen gegeben.“ Josephus aber beschreibt Antiq 3, 10, 4 den Feststrauß schon ganz so, wie wir ihn aus den rabbin. Schriften kennen: φέροντας ἐν ταῖς χερσὶν εἰρεσιώνην μυρσίνης (Myrte) καὶ ἰτέας (Weide) σὺν κράδῃ φοίνικος (Palmzweig) πεποιημένην, τοῦ μήλοὑ τοῦ τῆς Περσέας (persischer Apfel = Ethrog) προσόντος.

a. לוּלָב (Dalman לוֹלָב) bezeichnet zunächst den Palmzweig, sodann den ganzen Feststrauß. Belege finden sich überall in den nachfolgenden Zitaten, in denen das Wort in seiner speziellen Bedeutung mit „Palmwedel“ u. in seiner allgemeinen Bedeutung mit „Feststrauß“ übersetzt worden ist.
b. הוֹשַׁעְנִא (= hilf doch!) wurde der Feststrauß genannt, weil er bei diesem Ausruf geschüttelt wurde, s. bei B. — Sukka 33a: Abaje († 338/39) hat gesagt: Daraus kann man entnehmen, daß diese ägyptische (oder am Ackerrain wachsende) Myrte für den Feststrauß הושענא tauglich ist. ‖ Sukka 37a: Rabbah († 331) sagte zu denen, die den Feststrauß הושענא für das Haus des Exilarchen flochten: Wenn ihr den Feststrauß הושענא für das Haus des Exilarchen flechtet, so laßt daran eine Stelle übrig (vom Bindematerial frei), an der man anfassen kann, damit nichts Trennendes (zwischen Hand u. Feststrauß) vorhanden sei. Raba († 352) sagte: Alles, was zu seinem hübschen Aussehn dient, macht keine Trennung. Ferner hat Rabbah gesagt: Man erfasse den Feststrauß הושענא nicht mit einem Tuch … (37b:) Ferner hat Rabbah gesagt: Man soll den Palmwedel לוּלַבָּא nicht in den Feststrauß הושענא (nachträglich) hineinstecken, damit keine Blätter abgerissen werden u. so etwas Trennendes entsteht. Raba sagte: Art an Art bildet keine Trennung. Ferner hat Rabbah gesagt: Man soll den Palmwedel לולבא nicht im Feststrauß הושענא abschneiden (wenn er unten über die Myrten- u. Weidenzweige hinausragt; Grund, wie im vorigen Satz). ‖ Sukka 46b: R. Zeʿira (um 300) hat gesagt: Ein Kind soll man am 1. Festtag einen Feststrauß הושענא nicht (auf dem Wege des Geschenks, s. bei l) erwerben lassen.
c. SLv 23, 40 (416a): „Baumfrucht“ פרי עץ Lv 23, 40, d. h. bei der der Geschmack des Baumes (des Holzes) den Früchten gleicht, das ist der Ethrog. Ben ʿAzzai (um 110) sagte: (Baumfrucht) „der Pracht“ הָדָר (das.), d. h. „welche bleibt“ הַדָּר an den Bäumen von einem Jahr ins andre (also ein Baum ist gemeint, der immer Früchte hat, das ist der Ethrog). „Palmenwedel“ כַּפֹּת תמרים; R. Ṭarphon (um 100) sagte: כָּפוּת = gebunden: wenn er entfaltet ist, soll man ihn zusammenbinden יכפתנו. „Und Gezweig von dichtbelaubten Bäumen“ וענף עץ עבת; damit ist ein Baum gemeint, dessen Gezweig einem Geflecht gleicht, das ist die Myrte. „Und Bachweiden“ וערבי נהל; das sind für mich nur solche am Bach; woher auch solche auf unbewässertem Boden u. auf Bergen? Die Schrift sagt lehrend: (ganz allgemein) „Bachweiden“ (d. h. nicht der Standort, sondern die Spezies der Weide wird durch נהל bezeichnet, u. da die Spezies „Bachweide“ überall wächst, so sind Lv 23, 40 auch solche auf trockenem Boden u. auf Bergen mitgemeint; s. auch TSukka 2, 7 bei k. — Ähnliche Ausführungen liest man pSukka 3, 53c, 42. 48; 53d, 18. 21; Sukka 31a; 31b; 32a; 32b; 33b; 35a; Pesiq 183b; LvR 30 (128b–128c). ‖ Targ Onk Lv 23, 40: „Ihr sollt euch am ersten Tage nehmen Baumfrüchte, Ethrogs, u. Palmwedel לולבון u. Myrten u. Bachweiden.“ — (Ähnlich Targ Jerusch I.) Wenn daher R. Tanchuma (um 380) pSukka 3, 53d, 21 (vgl. Pesiq 183b u. LvR 30 [128b]) sagt, daß עקילס das Wort הדר Lv 23, 40 mit ὕδωρ übersetzt habe. so kann er dabei nicht den Targum Onkelos, sondern nur die griechische Übersetzung des Aquila im Auge gehabt haben. ‖ LvR 30 (128d): Wer hat den Israeliten die Auslegung gegeben, daß jene 4 Arten (in Lv 23, 40) der Ethrog, der Palmwedel לולב, die Myrte u. die Weide sind? Die Gelehrten, wie es heißt Spr 30, 24: Sie sind weise u. weise gemacht. (Die Beziehung dieser Worte auf die Gelehrten ist ohne jede Berücksichtigung des Textzusammenhangs erfolgt.)
d. Sukka 3, 4: R. Jischmaʿel († um 135) sagte: (Zum Feststrauß gehören) 3 Myrtenzweige, 2 Weidenzweige, 1 Palmwedel לולב u. 1 Ethrog, auch wenn zwei (von den 3 Myrtenzweigen an der Spitze) abgehackt sind, u. einer ist nicht abgehackt (so ist der Feststrauß tauglich). R. Ṭarphon (um 100) sagte: Auch wenn alle drei abgehackt sind. R. ʿAqiba († um 135) sagte: Wie 1 Palmwedel לולב u. 1 Ethrog, so 1 Myrten- u. 1 Weidenzweig. — Dasselbe mit Schriftbeweis SLv 23, 40 (416a). Weitere Parallelstellen: pSukka 3, 53c, 53; Sukka 34b; LvR 30 (128c). — Die Halakha richtet sich nach R. Jischmaʿel u. R. Ṭarphon, s. Maimonides zur Mischna.
e. SLv 23, 40 (416a): R. Eliʿezer (um 90) sagte: Unterliegt etwa auch der Ethrog mit ihnen der Regel des Zusammenbindens? Wie, heißt es denn פרי עץ הדרּ וכפת „Baumfrucht der Pracht und Palmenwedel“? Wie also? Der Ethrog für sich u. jene (drei Zweigarten) ein Bund für sich. — Beweis durch das verbindende Vav: während die 3 Zweigarten Lv 23, 40 durch ו unter sich zu einer Einheit verbunden werden, fehlt das ו vor כפת, wodurch die Schrift anzeigt, daß der Ethrog mit den drei hinterher genannten Zweigarten nicht zu einer Einheit zu verbinden sei. Parallelstelle: Sukka 34b.
f. TSukka 2, 8 (195): Das Maß der Myrte u. Weide beträgt 3 Handbreiten u. beim Palmwedel לולב vier. R. Ṭarphon (um 100) sagte: Bei einer Elle, die 5 Handbreiten beträgt. — Dasselbe pSukka 3, 53c, 33; Sukka 32b. — Dagegen heißt es Sukka 3, 1: Ein Palmwedel לולב, der 3 Handbreiten lang ist, um genügend damit schütteln zu können, ist tauglich. Dieser Satz wird Sukka 32b so gedeutet: Ein Palmwedel, der 3 Handbreiten lang ist u. außerdem noch soviel länger, daß man damit schütteln kann, ist tauglich. — Ferner s. Sukka 32b bei h.
g. SLv 23, 40 bei e.
h. Sukka 32b: Rab Jehuda († 299) hat gesagt, Schemuël († 254) habe gesagt: Das Maß der Myrte u. der Weide beträgt 3 u. das des Palmwedels לולב 4 Handbreiten, damit der Palmwedel über die Myrte 1 Handbreite hinausgehe. R. Jochanan († 279) hat gesagt: Die Mittelrippe des Palmwedels לולב muß über die Myrte 1 Handbreite hinausgehn (daß man damit schütteln kann).
i. TSukka 2, 10 (195): Der Feststrauß לולב ist, sowohl wenn er zusammengebunden ist, als auch wenn er nicht zusammengebunden ist, tauglich. Man soll ihn nicht an einem Feiertag zusammenbinden; wohl aber darf man einen Stengel daraus nehmen, um ihn (damit) zusammenzubinden. Man darf den Feststrauß nur mit etwas binden, was von seiner Gattung ist; das sind Worte des R. Jehuda (um 150). R. Meïr (um 150) sagte: Auch mit Bindfaden. R. Meïr hat erzählt: Es geschah, daß die Leute von Jerusalem ihre Feststräuße mit goldenen Bändern banden. Man erwiderte ihm: Daher soll ein Beweis kommen? Auch sie banden den Feststrauß unten mit etwas von seiner Gattung (u. erst darüber die goldenen Bänder). — Eine teilweise Parallelstelle ist Sukka 3, 8. ‖ Sukka 33a Bar: Der Feststrauß ist, sowohl wenn er zusammengebunden ist, als auch wenn er nicht zusammengebunden ist, tauglich. R. Jehuda (um 150) sagte: Zusammengebunden ist er tauglich; wenn er nicht zusammengebunden ist, ist er untauglich.… Bar: Es ist Vorschrift, den Feststrauß zu binden; wenn man ihn aber nicht bindet, so ist er (doch) tauglich. — Eine weitere Parallele s. SLv 23, 40 (415a).
k. Sukka 3, 1: Ein trockener Palmwedel לולב ist untauglich; ebenso einer, der aus einem Götzenhain oder aus einer zum Götzendienst verführten Stadt herrührt. Ist seine Spitze abgebrochen, sind seine Blätter abgerissen, so ist er ungültig; haben sich seine Blätter entfaltet, so ist er tauglich. R. Jehuda (um 150) sagte: Man bindet ihn (in letzterm Fall) oberwärts zusammen. Die Steinpalmen vom Eisenberg (nordöstlich vom Toten Meer, Josephus, Bellum Jud 4, 8, 2) sind tauglich. — Einige dieser Bestimmungen galten auch von den Myrten- u. Weidenzweigen, sowie vom Ethrog, s. Sukka 3, 2 f. u. 5. Über letztern bestimmt Sukka 3, 7 noch folgendes: Das Maß eines kleinen Ethrog (den man noch benützen darf), sagte R. Meïr (um 150), ist wie eine Nuß. R. Jehuda (um 150) sagte: Wie ein Ei. Beim großen ist es so, daß man zwei mit einer Hand fassen kann; das sind Worte des R. Jehuda (um 150). R. Jose (um 150) sagte: Auch wenn man einen mit beiden Händen fassen muß (ist er noch tauglich). ‖ TSukka 2, 7 (194): Weide von trocknem Boden u. von Bergen ist tauglich. Wenn dem so ist, warum wird (Lv 23, 40) gesagt: „Bachweiden“? Es soll die צַפְצָפָה genannte ausgeschlossen werden (nach Raschi zu Giṭ 68b, 39 = Pappelweide). Welches ist die Çaphçapha-Weide? Die wie eine Säge geformt ist (d. h. die gezähnte Blätter hat). Welches ist eine untaugliche Weide? Deren Stengel weiß u. deren Blatt rund ist. (Die Wiener Handschrift liest: Welches ist eine taugliche Weide? Deren Stengel rot u. deren Blatt länglich ist.) — Parallelstellen: pSukka 3, 53c, 48; Sukka 34a, 4. 16 ‖ TSukka 2, 9 (195): Hat jemand keinen Ethrog in seiner Hand, so soll er keine Quitte oder sonst irgend etwas in seine Hand nehmen. Welke Ethrogs sind tauglich, vertrocknete sind untauglich. R. Jehuda (um 150) sagte: Auch vertrocknete sind tauglich. R. Jehuda sagte: Es geschah, daß die Stadtbewohner zur Zeit der Bedrückung (während der Hadrianischen Verfolgung naçh 132 n. Chr.) ihre Feststräuße auf ihre Kinder vererbten (also waren sie vertrocknet). Man antwortete ihm: Die Zeit der Bedrückung ist (als Notzeit) kein Beweis. — Dasselbe Sukka 31a. ‖ Sukka 31a Bar: Wie man von den vier Arten im Feststrauß nichts wegnehmen darf, so darf man auch zu ihnen nichts hinzufügen. — Die Bar findet sich TSukka 2, 8 (195). ‖ SLv 23, 40 (416a): Woher, daß eins das andre verhindert (d. h. daß der ganze Feststrauß untauglich ist, sobald einer seiner 4 Bestandteile fehlt)? Weil es Lv 23, 40 heißt: Ihr sollt euch am ersten Tage nehmen usw.; es soll das Nehmen ein vollständiges (kein lückenhaftes) sein; das lehrt, daß eins das andre verhindert. — Dasselbe als Bar Sukka 34b. — Men 3, 6: Die vier Bestandteile des Feststraußes verhindern einander.
l. Sukka 43a Bar: „Ihr sollt nehmen“ Lv 23, 40; das Nehmen soll durch jeden einzelnen geschehn. Ihr sollt „euch“ nehmen, d. h. von dem Eurigen, um Geliehenes oder Geraubtes auszuschließen. — Die Bar stammt aus SLv 23, 40 (415a); hier schließt sich folgende Ausführung an: Von hier aus hat man gesagt: Niemand genügt am ersten Festtag des Laubhüttenfestes seiner Pflicht mit dem Feststrauß eines andren; aber wenn er will, darf er ihn als Geschenk einem andren geben, u. dieser wiederum einem andren, selbst wenn es hundert sind. Es geschah einmal, daß Rabban Gamliël (um 90) u. die Ältesten auf ein Schiff gegangen waren, u. es befand sich ein Feststrauß nur in der Hand des Rabban Gamliël — der ihn für 1 Golddenar bekommen hatte, fügt TSukka 2, 11 hinzu. — Da gab ihn Rabban Gamliël als Geschenk dem R. Jehoschuaʿ u. dieser dem R. Elʿazar b. ʿAzarja u. dieser dem R. ʿAqiba, u. so genügten sie alle ihrer Pflicht. — In der Parallelstelle TSukka 2, 11 (195) wird die geschenkweise Überlassung, von der im Eingangssatz die Rede ist, als ein „vollkommenes Geschenk“ מהנה גמורה bezeichnet, das ist eine Schenkung, bei der sich der Schenkende jedes Anspruchs auf den verschenkten Gegenstand begibt. — Eine weitere Parallelstelle Sukka 41b. ‖ Sukka 3, 13: Die Gelehrten haben gesagt: Niemand genügt seiner Pflicht am 1. Feiertag des Laubhüttenfestes mit dem Feststrauß eines andren; aber an den übrigen Tagen des Festes genügt man mit dem Feststrauß eines andren seiner Pflicht. ‖ Sukka 3, 1: Ein geraubter Palmwedel לולב … ist untauglich. ‖ Sukka 3, 2: Ein geraubter Myrtenzweig … ist untauglich. ‖ Sukka 3, 3: Ein geraubter Weidenzweig … ist untauglich. ‖ Sukka 3, 5: Ein geraubter Ethrog … ist untauglich. — Zu diesen Sätzen wird mehrfach ein Gleichnis gesagt. Pesiq 182a: R. Levi (um 300) hat gesagt: Wer einen geraubten Feststrauß nimmt, womit läßt sich der vergleichen? Mit einem Räuber, der an einem Scheideweg sitzt u. die Vorübergehenden beraubt. Einmal ging ein Befehlshaber vorüber, der die Steuern einer Stadt einziehen wollte. Er machte sich über ihn her, schlug ihn u. nahm ihm alles ab, was er bei sich hatte. Nach einigen Tagen wurde jener Räuber eingefangen u. ins Gefängnis gebracht. Als jener Befehlshaber davon hörte, ging er zu ihm u. sprach zu ihm: Wohlan, gib mir alles wieder, was jener Mann (d. h. du) geraubt u. mir abgenommen hat; wenn du dann morgen ins Gericht vor dem König kommst, wird er dich rufen u. zu dir sagen: Hast du einen Menschen, der für dich Verdienstliches geltend machen (d. h. deine Verteidigung führen) kann? Dann sage zu ihm: Der u. der Befehlshaber. Der König ließ ihn rufen u. sprach zu ihm: Weißt du etwas Verdienstliches für diesen Mann geltend zu machen? Er antwortete ihm: Ja! Zu jener Zeit, da du mich aussandtest, die Steuern der u. der Stadt zu erheben, hat er sich über mich her gemacht u. alles geraubt u. genommen, was ich bei mir hatte, u. dieser Teppich ist Zeuge wider ihn. Da fingen alle an zu schreien u. sagten: Wehe diesem! denn sein Verteidiger ist sein Ankläger geworden. So nimmt ein Mensch den Feststrauß, um durch ihn Verdienst zu erwerben; wenn er aber geraubt war, so schreit er vor Gott u. sagt: Geraubt bin ich, mit Gewalt bin ich genommen worden! Und die Engel des Dienstes sagen: Wehe diesem! denn sein Verteidiger ist sein Ankläger geworden. — Dasselbe LvR 30 (128b); TanchB אמיר § 26 (50a). — pSukka 3, 53c, 10 lautet das Gleichnis so: R. Levi hat gesagt: Wer einen geraubten Feststrauß nimmt, womit läßt sich der vergleichen? Mit einem, der einen Befehlshaber mit einer Schüssel ehrte; es ergab sich aber, daß sie zu dem Besitz dieses gehörte. Da sagte man: Wehe jenem! denn sein Verteidiger ist sein Ankläger geworden.

B. Der Gebrauch des Feststraußes.
Das Wesentliche des Feststraußgebotes Lv 23, 40 hat die alte Synagoge im „Nehmen“ (נְטִילָה oder לְקִיחָה) des Feststraußes gesehen. So heißt es Sukka 46a: „Wenn man ihn (den Feststrauß) nimmt, um damit seiner (Lv 23, 40 vorgeschriebenen) Pflicht zu genügen, so spricht man“ usw. Darin liegt, daß der eigentliche Inhalt des Gebotes mit dem Nehmen oder Ergreifen des Feststraußes erschöpft sei. Das Erfassen selbst geschah so, daß man zunächst folgenden Lobspruch sprach: Gepriesen seist du, Jahve unser Gott, König der Welt, der uns geheiligt hat durch seine Gebote u. uns Befehl gegeben betreffs des Nehmens des Feststraußes! Darauf nahm man den Ethrog in die linke u. den Feststrauß in die rechte Hand.a Den Abschluß aber fand das Nehmen des Feststraußes in seinem Bewegen oder Schütteln (נִעְנוּעַ, vom Zeitwort נִעְנַע bewegen). Über die Ausführung dieses Schüttelns erfahren wir aus der älteren Zeit nichts; eine Bar pSukka 3, 53d, 51 sagt nur kurz: „Man muß dreimal schütteln.“ Später hat man das Schütteln des Feststraußes mit dem Schwingen der beiden Pfingstbrote verglichen. Sukka 37b: Dort (nämlich Men 5, 6) haben wir gelernt: Wie verfuhr er (der Priester) mit den beiden Broten u. den beiden Lämmern des Pfingstfestes (Lv 23, 17–20)? Er legte die beiden Brote auf die beiden Lämmer, u. seine beiden Hände legte er unter sie; dann schwang er sie hin u. her, aufwärts u. abwärts, wie es heißt Ex 29, 27: „Welche geschwungen u. welche hochgehoben worden ist“ (so der Midrasch). R. Jochanan († 279) hat gesagt: Er schwang sie (die beiden Brote) hin u. her für den, dessen die vier Himmelsrichtungen sind, aufwärts u. abwärts für den, dessen der Himmel u. die Erde ist.… Raba († 351) hat gesagt: Ebenso ist es beim Feststrauß. — Hiernach hat das Schütteln des Feststraußes darin bestanden, daß man ihn dreimal nach vorn u. hinten, nach rechts u. links u. nach oben u. unten ausstreckte, wobei der die Myrten- u. Weidenzweige überragende Palmwedel in starke Bewegung kam. Aber noch um das Jahr 300 bestanden Meinungsverschiedenheiten über die Einzelheiten des Schüttelns. So muß noch R. Zeʿira (um 300) fragen, ob das Ausstrecken u. das Zurückziehen des Feststraußes jedes für sich, oder ob beides zusammen als ein einmaliges Schütteln anzusehen sei. Die Antwort erfolgte zwar im letzteren Sinn, aber sie genügte ihm nicht; er wiederholte deshalb seine Frage, um damit anzudeuten, daß sie für ihn noch nicht erledigt sei, pSukka 3, 53d, 51.b
Zum Nehmen des Feststraußes war jeder israelitische Mann verpflichtet;c Knaben, sobald sie das „Schütteln“ auszuführen imstande waren.d Über die Stunde, in der der Feststrauß zu nehmen sei, bestanden keine bindenden Vorschriften. Die Mischna bestimmt sehr allgemein Sukka 3, 9: „Wer sich unterwegs befand u. nicht die Möglichkeit hatte, den Feststrauß zu nehmen, der nehme ihn, wenn er nach Hause gekommen ist, bei Tisch; hat man ihn nicht des Morgens genommen, so nehme man ihn zwischen den beiden Abenden (gegen die Abenddämmerung hin); denn der ganze Tag ist für den Feststrauß tauglich.“ (Die letzten Worte auch Meg 2, 5.) Doch hatte sich in dieser Hinsicht schon frühzeitig eine feste Sitte herausgebildet. Solange der Tempel bestand, erschien man bereits zum Morgengottesdienst des 1. Festtages (etwa um 9 Uhr) regelmäßig nur mit dem Feststrauß. Hier war auch der Augenblick festgesetzt, in welchem die Festversammlung der Pflicht, den Feststrauß zu schütteln, zu genügen hatte. Der Augenblick nahte, sobald die Leviten im Anschluß an die Darbringung des täglichen Morgenopfers das Hallel (Ps 113–118) anstimmten. In stillem Gebet bereitete man sich darauf vor, indem man den Lobspruch sprach: „Gepriesen seist du, Jahve unser Gott, König der Welt, daß du uns am Leben erhalten u. uns hast bestehen u. diese Zeit erreichen lassen“, pSukka 3, 53d, 7. Wenn dann aber die Leviten im Hallel an die Worte kamen: „Danket Jahve!“ Ps 118, 1, dann hob das Schütteln des Feststraußes an, um noch zweimal wiederholt zu werden, u. zwar bei den Worten: „Ach, Jahve, hilf doch“ Ps 118, 25a, u. „Danket Jahve“ Ps 118, 29.e Diese Tempelmorgengottesdienste mit Hallel u. Feststrauß wurden in der frühesten Zeit, von der unsere Quellen reden, an den sämtlichen sieben Tagen des Hüttenfestes gehalten, wenn der 1. Feiertag auf einen Sabbat fiel; traf er auf einen andren Tag, dann kam am Sabbat der Festwoche aus Gründen der Sabbatsruhe der Feststrauß beim Tempelgottesdienst in Wegfall.f Im ersteren Fall wurde überdies der Sabbat vor einer Entheiligung noch dadurch geschützt, daß die Feststräuße bereits am Tage zuvor auf den Tempelberg geschafft werden mußten, um so der Bestimmung zu genügen, daß an einem Sabbat kein Gegenstand aus dem Privatbezirk des Hauses in einen öffentlichen Bezirk hinausgetragen werden dürfe. Allein dieses frühere Hinschaffen der Feststräuße nach dem Tempel bewährte sich nicht. Ihre Wiedererlangung führte zu Unzuträglichkeiten, indem man sich dabei drängte u. stieß. Der oberste Gerichtshof verbot deshalb den Gebrauch des Feststraußes im Tempel auch für den Sabbat, der auf den 1. Feiertag fiel, so daß in den letzten Zeiten vor der Tempelzerstörung der Feststrauß regelmäßig nur sechsmal bei den Tempelgottesdiensten in Gebrauch genommen werden konnte.g
Für das Landgebiet, d. h. das ganze jüdische Land mit Ausnahme von Jerusalem, lagen die Verhältnisse wesentlich anders. Hier durfte, solange der Tempel bestand, der Feststrauß nur am 1. Feiertag benützt werden. Man begründete das aus Lv 23, 30 in folgender Weise: „Ihr sollt euch freuen vor Jahve eurem Gott sieben Tage“ Lv 23, 40, aber nicht im Landgebiet die ganzen sieben Tage, SLv 23, 40 (416a). Diese Auslegung beruht auf der Annahme, daß die Worte: „Ihr sollt euch freuen sieben Tage“ sich auf den Gebrauch des Feststraußes beziehen, u. daß mit dem Ausdruck „vor Jahve“ das Heiligtum im Gegensatz zum Landgebiet gemeint sei. Andrerseits heißt es aber auch Lv 23, 40 ganz allgemein: „Ihr sollt euch nehmen am ersten Tage“; der Ausgleich wird dann eben darin gefunden, daß der letzte Satz mit dem einen Tage dem Landgebiet u. der erste Satz mit den sieben Tagen dem Bezirk des Heiligtums mit Einschluß Jerusalems gelte. — Eine Änderung trat hierin erst nach dem Jahre 70 ein. Nach der Zerstörung des Tempels ordnete Rabban Jochanan b. Zakkai († um 80) an, daß zur Erinnerung an den Tempel der Feststrauß auch im Landgebiet sieben Tage hindurch zu nehmen sei.h Im Lande, wo die Synagoge den Tempel ersetzte, bot natürlich der Synagogengottesdienst die beste Gelegenheit, dem Feststraußgebot zu genügen. Auch hier schaffte man, wenn der 1. Feiertag auf einen Sabbat fiel, bereits am Rüsttag auf das Fest die Feststräuße in die Synagoge, genau so wie es anfänglich im Tempel üblich gewesen war.i Soweit man aber den Feststrauß nicht im Synagogengottesdienst benützen wollte, scheint man ihn gern vor der Ausübung irgendeiner andren religiösen Pflicht ergriffen zu haben. Wir entnehmen das folgender Ausführung in TSukka 2, 10 (195): „R. Elʿazar b. Çadoq (wohl der Ältere, um 100 n. Chr.) hat gesagt: So pflegten die Jerusalemer zu verfahren: ging einer in die Synagoge, so war sein Feststrauß in seiner Hand; stand er auf, um (beim Synagogengottesdienst den Schrifttext aramäisch) zu verdolmetschen oder um vor das Vorbeterpult zu treten, so war sein Feststrauß in seiner Hand; (trat er hin,) um aus der Tora vorzulesen oder um seine Hände (falls er ein Priester war, zum Segen) zu erheben, so legte er ihn auf die Erde; ging er aus der Synagoge fort, so war der Feststrauß in seiner Hand; trat er ein, um Trauernde zu trösten, so war sein Feststrauß in seiner Hand; trat er ein, um Kranke zu besuchen, so war der Feststrauß in seiner Hand; trat er in das Lehrhaus ein, so gab er ihn seinem Sklaven oder seinem Boten u. schickte ihn in sein Haus zurück.“ — Die Parallelstelle Sukka 41b fügt noch einige weitere Fälle hinzu: Ging er aus seinem Haus, so war der Feststrauß in seiner Hand …; rezitierte er das Schemaʿ oder betete er (das Schemone-ʿEśre), so war der Feststrauß in seiner Hand. — pSukka 3, 54a, 37 bringt die Ausführung des R. Elʿazar b. Çadoq als anonyme Baraitha. Diese jerusalemische Sitte wird auch im Landgebiet Nachahmung gefunden haben.

a. Sukka 37a: Rabbah († 331) hat gesagt: Der Feststrauß (gehört) in die rechte u. der Ethrog in die linke Hand, weil jene (die drei Bestandteile des Feststraußes) drei Gebote u. dieser ein Gebot darstellt. — Dasselbe, doch ohne die Begründung, als Ausspruch Rabas († 352) Sukka 31b.
b. pSukka 3, 53d, 51: In einer Bar ist gelehrt worden: Man muß (den Feststrauß) dreimal schütteln. R. Zeʿira fragte: Gilt so (= hin) als einmal u. so (= zurück) als einmal? oder gilt so u. so als einmal? Dort (nämlich Nidda 9, 7) haben wir gelernt: „Man muß (einen Blutfleck auf einem Kleidungsstück) dreimal mit jedem einzelnen (der sieben Prüfungsmittel) reiben“ (d. h. wie beim Reiben das Hin u. Her zusammen erst ein wirkliches Reiben ist, so zählt auch beim Feststrauß erst das Hin u. Her als einmaliges Schütteln). R. Zeʿira fragte (abermals): Gilt so als einmal u. so als einmal? oder gilt so u. so als einmal?
c. SLv 23, 40 (415a): „Ihr sollt euch nehmen“ (Lv 23, 40), d. h. jeder einzelne. — Dasselbe Sukka 43a. ‖ Sukka 42a: Die Frau ist der Pflicht (den Feststrauß zu nehmen) nicht unterworfen.
d. Sukka 3, 15: Ein Minderjähriger, der zu schütteln versteht, ist zum Feststrauß verpflichtet. — Sukka 42a wird eine Bar zitiert, die mit den Worten beginnt: „Ein Minderjähriger, der zu schütteln versteht, ist zum Feststrauß verpflichtet.“ Diese Bar findet sich TChag 1, 2 (232).
e. Sukka 3, 9: Wo (d. h. bei welchen Worten des Hallel) schüttelte man? Bei: „Danket Jahve“ zu Anfang u. am Ende (von Ps 118, also bei Vers 1 u. Vers 29; andre erklärten: Zu Anfang u. am Ende von Vers 1; s. Raschi u. Bertinoro zur Mischnastelle) u. bei: „Ach Jahve, hilf doch!“ Ps 118, 25a. Das sind Worte der Schule Hillels. Die Schule Schammais sagte: Auch bei: „Ach Jahve, laß doch gelingen!“ Ps 118, 25b. R. ʿAqiba († um 135) hat gesagt: Ich habe auf Rabban Gamliël (II., um 90) u. auf R. Jehoschuaʿ (um 90) geblickt (um zu sehen, wie diese es machen würden); während alle Leute ihre Feststräuße schüttelten (in Übereinstimmung mit den Worten der Schammaïten), schüttelten sie nur bei den Worten: „Ach Jahve, hilf doch!“ — Hierzu bemerkt pSukka 3, 53d, 48: Etwa bei: „Danket Jahve“ nicht? (Will ʿAqiba sagen, daß Rabban Gamliël u. R. Jehoschuaʿ auch bei: „Danket Jahve“ nicht geschüttelt haben?) Er will ausschließen (das Schütteln) bei den Worten: „Ach Jahve, laß doch gelingen.“ — Wir haben hier ein Beispiel, wie die von der Mischna festgestellte religiöse Praxis durchaus nicht immer derjenigen der früheren Zeiten entsprochen hat. Nach dem Zeugnis des R. ʿAqiba hat sich die Menge beim Schütteln des Feststraußes im Tempel noch bis in dessen letzte Zeit nach den Worten der Schammaïten gerichtet; das Unterlassen des Schüttelns bei den Worten: „Ach Jahve, laß doch gelingen“ kann also erst nach der Tempelzerstörung, als die Hilleliten zur Alleinherrschaft gelangten, in den Synagogengottesdiensten üblich geworden sein.
f. Sukka 4, 1 f.: Der Feststrauß wurde an sechs Tagen u. an sieben Tagen genommen.… Der Feststrauß wurde an sieben Tagen genommen. Wie denn? Wenn der 1. Feiertag des Laubhüttenfestes auf einen Sabbat fiel, wurde der Feststrauß an sieben Tagen genommen; wenn aber auf einen der übrigen Tage (so daß der Sabbat auf einen der sechs letzten Feiertage treffen mußte), so wurde er an sechs Tagen genommen (nämlich nicht an dem Sabbat, der auf den 2.–7. Feiertag fiel). — Den Schriftbeweis führt SLv 23, 40 (416a) in folgender Weise: (Ihr sollt nehmen) „am Tage“ Lv 23, 40, u. nicht in der Nacht; „am ersten Tage“, u. selbst an einem Sabbat; „am ersten Tage“, den Sabbat verdrängt nur der erste (Feier-)Tag. — Der Grundsatz, daß nur der 1. Feiertag den Sabbat verdränge, in andrer Form: daß der Feststrauß nur zu Anfang, d. h. wenn er zum erstenmal genommen wird, also am 1. Feiertag den Sabbat verdränge, wird öfters wiederholt, zB TSukka 3, 1 (195); Sukka 43a. b. — Die Bestimmung der obigen Mischna bezieht sich natürlich nicht bloß auf den Gebrauch des Feststraußes im Tempel, sondern auch auf seine Benützung in den Häusern.
g. Sukka 4, 4: Wie hielt man es mit dem Feststraußgebot, wenn der 1. Feiertag des Laubhüttenfestes auf einen Sabbat fiel? Sie brachten ihre Feststräuße (tags zuvor) auf den Tempelberg, u. die (Tempel-)Aufseher nahmen sie ihnen ab u. reihten sie auf der Säulenhalle (im äußeren Vorhof) auf; die Alten aber (um am nächsten Tage nicht ins Gedränge zu kommen) legten die ihrigen in einer Halle nieder. Auch wies man die Leute an zu sagen: In wessen Hand auch immer (morgen) mein Feststrauß kommen mag, siehe, er gehöre ihm als Geschenk (hierzu s. bei II, A, l). Am nächsten Tage kamen sie in aller Frühe; die (Tempel-)Aufseher warfen die Feststräuße vor sie hin, u. sie griffen eilig zu u. schlugen einer den andren. Als der Gerichtshof sah, daß sie in Gefahr gerieten, verordnete man, daß jeder den Feststrauß (an dem auf einen Sabbat fallenden 1. Feiertag) in seinem Hause (aber nicht mehr im Tempel) nehme (um so seiner Pflicht zu genügen). — Der Gebrauch des Feststraußes in den Häusern an dem Sabbat, der zugleich der 1. Feiertag war, wurde also durch diese Verordnung nicht berührt; dagegen durfte an dem Sabbat, der auf den 2.–7. Feiertag fiel, der Feststrauß weder im Tempel, noch in den Häusern in Gebrauch genommen werden, s. Anm. f. — Bemerkenswert ist noch TSukka 2, 11 (195): R. Jose (um 150) sagte: Wenn der 1. Feiertag des Laubhüttenfestes auf einen Sabbat fällt, so ist es verboten, den Feststrauß zu tragen, nachdem man mit ihm seiner Pflicht genügt hat.
h. Sukka 3, 12: In früherer Zeit wurde der Feststrauß im Heiligtum sieben Tage genommen u. im Landgebiet einen Tag (nämlich am 1. Feiertag, gleichviel ob dieser ein Sabbat war oder nicht). Als das Heiligtum zerstört worden war, verordnete Rabban Jochanan b. Zakkai, daß der Feststrauß im Landgebiet sieben Tage genommen würde zum Andenken an das Heiligtum.
i. Sukka 3, 13: Wenn der 1. Feiertag des Laubhüttenfestes auf einen Sabbat fällt, bringen alle Leute ihre Feststräuße (tags zuvor) in die Synagoge. Am nächsten Tage kommen sie in aller Frühe; jeder kennt den seinigen u. nimmt ihn; denn die Gelehrten haben gesagt: Niemand genügt seiner Pflicht am 1. Feiertag des Laubhüttenfestes mit dem Feststrauß eines andren; aber an den übrigen Tagen des Festes genügt man seiner Pflicht mit dem Feststrauß eines andren.

C. Bedeutung des Feststraußes.
1. Der Feststrauß ein Siegeszeichen.

LvR 30 (128a): „Freudensättigung vor deinem Angesicht“ Ps 16, 11. Lies nicht שׂבַע שְׂמָחוֹת (Sättigung mit Freuden), sondern שֶׁבַע שמחות (sieben Freuden). Das geht auf die sieben Gebote, die das Laubhüttenfest betreffen. Diese sind: die vier Arten im Feststrauß, die Laubhütte, das Festopfer (der einzelnen Israeliten) u. die (Fest-)Freude. Aber wenn Freude (geboten wird), weshalb noch Festopfer? (denn die Festfreude besteht ja in der Opfermahlzeit), u. wenn Festopfer (geboten ist), weshalb noch Freude? (denn die Opfermahlzeit schafft ja von selbst Freude!) R. Abin (I. um 325; II. um 370) hat gesagt: Es verhält sich damit wie mit zwei Leuten, die vor den Richter treten. Wir wissen nicht, wer der Sieger ist; aber wer den Palmzweig (בָּאיִין = βαΐον) in seiner Hand trägt, von dem wissen wir, daß er der Sieger ist. So kommen die Israeliten u. die Völker der Welt u. klagen (einander) vor Gott am Neujahrstag (14 Tage vor dem Laubhüttenfest) an, u. wir wissen nicht, wer gesiegt hat. Aber daraus, daß die Israeliten von Gott weggehn mit ihren Feststräußen u. ihren Ethrogs in ihren Händen, wissen wir, daß die Israeliten die Sieger sind. Deshalb ermahnt Mose die Israeliten u. spricht zu ihnen Lv 23, 40: Nehmt euch am ersten Tage usw. — Dasselbe Pesiq 180a; vgl. auch TanchB אמור § 27 (50a) u. Midr Ps 16 § 12 (62b). ‖ LvR 30 (128a): „Nehmt euch am ersten Tage“ Lv 23, 40. Das meint auch Ps 102, 18: „Er wandte sich zum Gebet des Entblößten.“ Wenn die Israeliten im (göttlichen) Gericht gesiegt haben, so daß ihre Sünden vergeben wurden, so sprechen diese (die Völker der Welt): Die Israeliten haben gesiegt, wie es heißt 1 Sm 15, 29: Auch der Sieg Israels wird nicht trügen, noch bereut werden. Das ist es, was David zu den Israeliten gesagt hat: Wenn ihr das Gebot des Feststraußes erfüllt, der lieblich genannt wird, wie es heißt Ps 16, 11: „Lieblichkeiten in deiner Rechten ewiglich“, siehe, so darfst du dich versichert halten, daß du über die Völker der Welt gesiegt hast, wie es heißt 1 Sm 15, 29: Auch der Sieg Israels wird nicht trügen usw. Deshalb ermahnt Mose die Israeliten u. spricht zu ihnen: „Nehmt euch am ersten Tage“ usw. Lv 23, 40. ‖ Etwas anders ist der Gedanke von Israels Sieg im göttlichen Gericht gewandt LvR 30 (128b): „Am ersten Tage“ Lv 23, 40. Dieser ist doch der 15. Tag (im Monat), u. du sagst: „Am ersten Tage“? R. Mana aus Scheëb (um 350) u. R. Jehoschuaʿ aus Sikhnin (um 330) haben im Namen des R. Levi (um 300) gesagt: Gleich einer Stadt, die dem König Steuerreste schuldete; der König ging, um sie einzutreiben. Da zogen ihm in einer Entfernung von zehn Mil die Großen der Stadt entgegen u. priesen ihn, u. der König erließ den dritten Teil ihrer Steuern. Innerhalb von fünf Mil zogen die Mittleren der Stadt aus u. priesen ihn; da erließ ihnen der König noch ein Drittel. Als er in die Stadt kam, zogen alle Einwohner der Stadt aus, Männer u. Frauen u. Kinder, u. priesen ihn. Da erließ er ihnen alles. Der König sprach zu ihnen: Was vergangen ist, das ist vergangen; von hier an wollen wir die Rechnung (neu) beginnen. So fasten am Rüsttag auf Neujahr die Großen des Zeitalters, u. Gott erläßt ihnen (den Israeliten) ein Drittel ihrer Sünden; von Neujahr bis zum Versöhnungstag fasten einzelne (Angesehene), u. Gott erläßt ihnen ein Drittel ihrer Sünden; am Versöhnungstag fasten alle, Männer u. Frauen u. Kinder. Da spricht Gott zu den Israeliten: Was vergangen ist, ist vergangen; von hier an u. weiter wollen wir die Rechnung (neu) anfangen. Und vom Versöhnungstage bis zum Laubhüttenfest beschäftigen sich alle Israeliten mit Pflichtgeboten: dieser beschäftigt sich mit seiner Laubhütte u. jener mit seinem Feststrauß. Am ersten Feiertag des Laubhüttenfestes stehen alle Israeliten vor Gott mit ihren Feststräußen u. ihren Ethrogs im Namen Gottes, u. er spricht zu ihnen: Was vergangen ist, ist vergangen; von hier an wollen wir die Rechnung (neu) anfangen. Deshalb ermahnt Mose die Israeliten: „Am ersten Tage (der neuen Rechnung) nehmt euch“ usw. Lv 23, 40. — Parallelstellen: Pesiq 182b; Tanch אמור 178a; TanchB אמור § 30 (51a); Midr Qoh 9, 7 (41b).

2. Der Feststrauß ein Dankeszeichen.

LvR 30 (128a): „Aufgeschrieben werde dies für das letzte Geschlecht“ Ps 102, 19. Damit sind diese Geschlechter gemeint, die zum Tode gebeugt sind; „u. das dann erschaffene Volk wird Jahven rühmen“ (das.); denn Gott wird sie zu einer neuen Kreatur schaffen. Und was liegt uns ob? Den Feststrauß u. den Ethrog zu nehmen, damit wir Gott preisen. Deshalb ermahnt Mose die Israeliten u. spricht: „Nehmt euch am ersten Tag“ Lv 23, 40. — Dasselbe Pesiq 181a; vgl. auch Midr Ps 102 § 3 (216a). ‖ LvR 30 (128c): R. Mani (wohl der II., um 370) eröffnete seinen Vortrag mit Ps 35, 10: „Alle meine Gebeine werden sprechen: Jahve, wer ist wie du?“ Dieser Vers ist nur wegen des Feststraußes gesagt worden: das Rückgrat (d. h. die Mittelrippe) des Palmwedels gleicht dem Rückgrat des Menschen; die Myrte gleicht dem Auge, die Weide gleicht dem Munde u. der Ethrog gleicht dem Herzen. David sprach: Unter allen Gliedern ist keins wichtiger als diese, denn sie wiegen den ganzen Körper auf. Das meinen die Worte: Alle meine Gebeine werden sprechen usw.

3. Der Feststrauß ein Sinnbild Gottes.

Pesiq 184a: R. ʿAqiba († um 135) sagte: „Baumfrucht der Pracht“ Lv 23, 40, das geht auf Gott, von dem geschrieben ist Ps 104, 1: In Majestät u. Pracht hast du dich gekleidet. „Palmenwedel“ Lv 23, 40, das geht auf Gott, von dem geschrieben ist Ps 92, 13: Der Gerechte (= Gott im Sinn ʿAqibas) wird wie eine Palme sprossen. „Zweige von dichtbelaubten Bäumen“ Lv 23, 40, das geht auf Gott, von dem geschrieben ist Sach 1, 8: Und er stand zwischen den Myrten. „Bachweiden“ ערבי נחל, das geht auf Gott, von dem geschrieben ist Ps 68, 5: Machet Bahn dem, der einherfährt in ערבות (Steppen). — ʿAqibas Meinung geht dahin, daß die Israeliten mit dem Feststrauß Gott nehmen sollen; s. zu diesem Gedanken die Ausführung des R. Simon b. Pazzi in LvR 30 bei Nr. 5. — In LvR 30 (128c) findet sich ʿAqibas Ausspruch anonym.

4. Der Feststrauß ein Sinnbild Israels.

LvR 30 (128c): „Baumfrucht der Pracht“ Lv 23, 40, das geht auf die Israeliten: wie in dem Ethrog Geschmack u. Geruch ist, so gibt es unter den Israeliten solche Leute, die Torakenntnis u. gute Werke haben. „Palmenwedel“ (das.), das geht auf die Israeliten: wie in der Dattel Geschmack, aber kein Geruch ist, so gibt es unter den Israeliten solche, welche Torakenntnis, aber keine guten Werke haben. „Zweige von dichtbelaubten Bäumen“ (das.), das geht auf die Israeliten: wie in der Myrte Geruch ist, aber kein Geschmack, so gibt es unter den Israeliten solche, die gute Werke, aber keine Torakenntnis haben. „Bachweiden“ (das.), das geht auf die Israeliten: wie in der Weide weder Geschmack noch Geruch ist, so gibt es unter den Israeliten solche Leute, die weder Torakenntnis noch gute Werke haben. Und was tut Gott diesen? Sie zu vernichten, ist nicht möglich; vielmehr hat Gott gesagt: Sie sollen alle zu einem Bund zusammengebunden werden, daß sie füreinander Sühnung schaffen (denn die Israeliten sind Bürgen füreinander, s. zB Sanh 27b bei Lk 24, 26 S. 278, e); u. wenn ihr also tut, so werde ich in jener Stunde erhöht; das meint Amos 9, 6: „Der im Himmel seine Söller baut“; u. wann wird er erhöht? Wenn sie (die Israeliten) zu einem Bunde אֲגוּדָּה werden, wie es heißt (das.): „Wenn sein Bund אגודתו auf Erden gegründet ist“ (so der Midr). Deshalb ermahnt Mose die Israeliten: „Nehmt euch am ersten Tage“ Lv 23, 40. — Parallelstellen: Pesiq 185a; Men 27a; TanchB אמור § 25 (49b). ‖ Wie in der vorstehenden Stelle die einzelnen Bestandteile des Feststraußes auf vier Klassen von Israeliten gedeutet werden, so Pesiq 184a u. LvR 30 (128c) auf die Erzväter, die Erzmütter u. das Synedrium.

5. Älter als obige Deutungen ist die Meinung, daß der Feststrauß mit dem Regengebet in Zusammenhang stehe, das vom 1. Passahfeiertag an unterblieb u. am letzten (achten) Feiertag des Laubhüttenfestes wieder aufgenommen wurde. Des Regens geschieht im täglich dreimal zu betenden Achtzehngebet an zwei Stellen Erwähnung: in der 2. Benediktion mit den Worten: „Der den Wind läßt wehen u. den Regen niederfallen“ u. in der 9. Benediktion mit den Worten: „Gib Tau u. Regen auf das Land.“ Nur die letzten Worte haben die Form eines Gebetes, während man von den Worten in der 2. Benediktion sagte, daß sie eine einfache „Erwähnung“ des Regens enthielten. Streitig war nun, von wann an in der 2. Benediktion der Regen zu „erwähnen“ sei. R. Jehoschuaʿ (um 90) meinte vom letzten Feiertag des Laubhüttenfestes an, also von demselben Tage an, an welchem man mit dem eigentlichen Gebet um Regen in der 9. Benediktion begann. Dagegen vertrat R. Eliʿezer (um 90), der Träger der älteren Traditionen, die Ansicht, daß die Erwähnung des Regens bereits mit dem 1. Feiertag des Laubhüttenfestes einzusetzen habe, überdies brauche man die Erwähnung des Regens in der 2. Benediktion das ganze Jahr hindurch nicht zu unterlassen. Zur Begründung seiner Meinung verwies er auf den Feststrauß, der ja ebenfalls am 1. Feiertag des Laubhüttenfestes genommen werde, um bei Gott gewissermaßen den Boden vorzubereiten für eine günstige Aufnahme des Regengebetes, das vom letzten Feiertag an gebetet wird.

Taʿan 2b Bar: Von wann an erwähnt man מַזְכִּירִין die Regenfälle? R. Eliʿezer sagte: Von der Stunde an, da man den Feststrauß nimmt (also vom 1. Tage des Laubhüttonfestes an). R. Jehoschuaʿ sagte: Von der Stunde an, da man ihn fortlegt (also nach dem 7. Festtage). Rabbi Eliʿezer sagte: Weil jene vier Arten (im Feststrauß) Gott nur in bezug auf das Wasser (Regen) geneigt machen wollen; u. wie jene vier Arten unmöglich ohne Wasser sein können, so kann auch die Welt unmöglich ohne Wasser sein. Es sprach zu ihm R. Jehoschuaʿ: Sind denn nicht Regengüsse im Laubhüttenfest (um die man nach deiner Meinung vom 1. Feiertag an bitten würde) lediglich ein Zeichen des Fluches (insofern sie das Wohnen in den Festhütten verhindern)? Es antwortete ihm R. Eliʿezer: Auch ich habe nicht gesagt, daß man (um Regen) beten, sondern daß man ihn „erwähnen“ solle להזכיר, u. gleichwie man die Auferstehung der Toten (in der 2. Benediktion des Achtzehngebetes) das ganze Jahr hindurch (ohne Unterbrechung) erwähnt, obwohl diese nur zu ihrer bestimmten Zeit stattfindet, so darf man auch die Gotteskraft in den Regengüssen das ganze Jahr hindurch erwähnen, obgleich diese nur zu ihrer bestimmten Zeit eintreten; wenn man sie deshalb das ganze Jahr hindurch erwähnen will, so darf man es. — Die Mischna, die diese Kontroverse Taʿan 1, 1 gleichfalls bringt, erwähnt den Feststrauß überhaupt nicht. ‖ Auch später noch hat man den Feststrauß mit dem zu erflehenden Regen in Verbindung gebracht. LvR 30 (128c): R. Jehuda (um 320) hat im Namen des R. Schimʿon b. Pazzi (um 280) seinen Vortrag eröffnet mit Spr 4, 10: „Höre, mein Sohn, u. nimm an meine Reden.“ Ein vielfaches „Nehmen“ habe ich euch geboten, um euch Verdienste zu verschaffen. Ich habe zu euch gesagt Nu 19, 2: „Sie sollen dir eine rote fehlerlose Kuh nehmen“, etwa meinetwegen? Doch nur um euch zu reinigen, s. das. Vers 19: Und der Reine spritze auf den Unreinen. Ich habe zu euch gesagt Ex 25, 2: „Sie sollen mir לי eine Hebe nehmen“, damit ich unter euch wohne, u. Ex 25, 8: „Machet mir ein Heiligtum.“ Wenn man so sagen darf, hat Gott gesagt: „Nehmet mich, daß ich unter euch wohne“; er sagt nicht Ex 25, 2: „Sie sollen eine Hebe nehmen“, sondern: „Sie sollen לי nehmen“, d. h. mich אותי sollen sie nehmen. Ich habe zu euch gesagt Lv 24, 2: „Sie sollen dir lauteres gestoßenes Olivenöl nehmen“; wie, habe ich denn euer Licht nötig? Siehe, es steht geschrieben Dn 2, 22: „Das Licht wohnt bei ihm“! Vielmehr um euch Verdienste zu beschaffen u. Sühnung für eure Seelen, die mit einer Leuchte verglichen werden, wie es heißt Spr 20, 27: „Eine Leuchte von Jahve ist des Menschen Seele, durchforschend alle Kammern des Innern.“ Und jetzt habe ich euch gesagt Lv 23, 40: „Nehmt euch am ersten Tage“, um euch Verdienste zu beschaffen, damit ich euch Regen niederfallen lasse. Deshalb ermahnt Mose die Israeliten: „Nehmt euch am ersten Tage“ usw. ‖ Ebenso hat man dem Schwingen des Feststraußes eine Beziehung zu atmosphärischen Vorgängen gegeben. Sukka 37b: Chama b. ʿUqba (um 300) hat im Namen des R. Jose b. Chanina (um 270) gesagt: Er (der Priester) schwang (die beiden Pfingstbrote, s. oben II, B gegen Anfang) hin u. her, um schädliche Winde fernzuhalten, aufwärts u. abwärts, um schädlichen Tau fernzuhalten.… Raba († 352) hat gesagt: So ist es auch beim Feststrauß. — Bei all diesen Beziehungen, in die man den Feststrauß zum Regen u. zum Tau gebracht hat, darf nicht übersehen werden, daß nach RH 1, 2 am Laubhüttenfest im göttlichen Gericht gerade über das Wasser (Regen usw.) Beschluß gefaßt wird: An vier Zeitpunkten wird die Welt gerichtet: am Passahfest in bezug auf das Getreide; am Pfingstfest in bezug auf die Baumfrüchte; am Neujahrstage gehen alle, die in die Welt kommen, vor Gott vorüber wie in einem Soldatentrupp, u. am Laubhüttenfest wird man gerichtet in bezug auf das Wasser.

D. Der Lohn des Feststraußes.

Ganz allgemein wird großer Lohn in Aussicht gestellt Pesiq 179a: R. Abba b. Kahana (um 310) hat gesagt: Aus dem Lohn für das eine Nehmen kannst du den Lohn für das Nehmen des Feststraußes lernen. Von Ägypten heißt es Ex 12, 22: „Nehmt ein Büschel Ysop.“ Für einen wie hohen Preis? Für vier, für fünf Minen. Der war es, der ihnen zur Beute von Ägypten u. am Meer u. von Sichon u. ʿOg u. von den 31 Königen (Kanaans) verhalf. Um wieviel mehr wird das vom Feststrauß gelten (daß er großen Lohn bringt), der dem Menschen auf einen hohen Preis zu stehen kommt, u. mit dem wer weiß wie viele Gebote verknüpft sind! — Dasselbe LvR 30 (127d); etwas anders Midr HL 2, 3 (96a. b) als Ausspruch des R. Jehuda b. Simon (um 320). ‖ Die messianische Erlösung als Lohn für den Feststrauß Pesiq 185a: R. Berekhja (um 340) hat im Namen des R. Abba b. Kahana (um 310) gesagt: Im Verdienst des Gebotes: „Ihr sollt euch nehmen am ersten Tage“ usw. Lv 23, 40, spricht Gott, werde ich mich euch als Erster offenbaren u. euch rächen an dem Ersten u. euch bauen den Ersten u. euch bringen den Ersten. Ich werde mich euch als Erster offenbaren, das ist Gott, wie es heißt Jes 41, 4: Ich Jahve bin der Erste. Ich werde euch rächen an dem Ersten, das ist Esau, der Frevler (= Rom), wie es heißt Gn 25, 25: Es kam der Erste heraus rötlich. Ich werde euch bauen den Ersten, das ist das Heiligtum, wie es heißt Jer 17, 12: Ein Thron der Herrlichkeit, hocherhaben, von der Erste an מדאשון ist die Stätte unsres Heiligtums. Und ich werde euch den Ersten bringen, das ist der Messias, wie es heißt Jes 41, 27: Der Erste für Zion, siehe, siehe da ist es nun, u. an Jerusalem sende ich frohe Botschaft. — Dasselbe LvR 30 (128d). ‖ Einmal wird das Nehmen des Feststraußes dem Darbringen eines Opfers gleichgestellt. Sukka 45a: R. Abbahu (um 300) hat gesagt, R. Elʿazar (um 270) habe gesagt: Wer den Palmwedel nimmt in seinem Gebundensein (falls er angefangen hatte, sich zu entfalten) u. die Myrte an ihrem dichtbelaubten Zweig, dem rechnet es die Schrift so an, als ob er einen Altar gebaut u. ein Opfer darauf dargebracht hätte, wie es heißt Ps 118, 27: Bindet den Feststrauß mit dichtbelaubten Zweigen, bis an die Hörner des Altars (wohin das Blut gewisser Sündopfer getan wurde, wird euch das gerechnet). ‖ Als Lohn für das Schütteln des Feststraußes erscheint Pesiq 189a die Erfüllung von Jes 55, 12: (Gott spricht zu Israel:) Ich habe euch gesagt. daß ihr den Feststrauß nehmen u. vor mir schütteln sollt; u. wenn ihr auch also tut, so erweist ihr mir damit keine Wohltat, sondern zahlt mir nur zurück (was ich euch zuvor getan habe); denn als ich euch aus Ägypten führte, ließ ich die Berge sich vor euch bewegen (schütteln), wie es heißt Ps 114, 4: Die Berge hüpften wie Widder; u. auch in der (messianischen) Zukunft werde ich euch also tun, das meint Jes 55, 12: Die Berge u. die Höhen werden vor euch her in Jubel ausbrechen u. alle Bäume des Feldes in die Hände klatschen.


III. Die Weidenprozession um den Brandopferaltar

Eine eigenartige Feier am Hüttenfest bildete der Umzug um den Brandopferaltar, der an sechs, bezw. sieben Tagen des Festes stattfand, u. bei dem man Weidenzweige in den Händen trug. Die Einzelheiten der Veranstaltung sind nicht immer völlig durchsichtig; wir bringen deshalb zunächst das einschlägige ältere Quellenmaterial.

Sukka 4, 1: Feststrauß u. Weide עֲרָבָה (waren im Gebrauch) sechs oder sieben Tage. — Das. 4, 3: Die Weide sieben Tage, wie denn? Wenn der 7. Tag der Weide auf einen Sabbat fiel, war die Weide sieben Tage im Gebrauch; wenn auf einen der übrigen Tage, sechs Tage. (Wenn der Sabbat nicht auf den 7., sondern auf einen der sechs ersten Feiertage fiel, fand an ihm aus Gründen der Sabbatruhe das Tragen der Weiden nicht statt.) — TSukka 3, 1 (195) drückt das so aus: Der Feststrauß verdrängte den Sabbat an seinem (des Hüttenfestes) Anfang (d. h. am 1. Feiertag) u. die Weide an seinem Ende (d. h. am 7. Feiertag). ‖ Sukka 4, 5–7: Das Weidengebot, wie (wurde es ausgeführt)? Es war ein Ort unterhalb von Jerusalem, der Moça hieß; dorthin ging man hinab u. sammelte daselbst Weidenzweige; man kam u. stellte sie an die Seiten des Brandopferaltars aufrecht hin, so daß ihre Spitzen über den Altar geneigt waren. Man bließ einen (kurzen) Stoßton, einen (langgezogenen) Lärmton u. einen (kurzen) Stoßton. An jedem Tag zog man um den Altar einmal u. sprach: Ach Jahve אָנָּא יהוה, hilf doch; ach Jahve, laß doch gelingen Ps 118, 25! R. Jehuda (um 150) sagte: (Man sprach:) אֲנִי וְהוּ (ich und er), hilf doch! Und an jenem (dem siebenten) Tage zog man siebenmal um den Altar. Was sprach man, wenn man sich (vom Altar) entfernte? „Schönheit dir, o Altar; Schönheit dir, o Altar!“ R. Eliʿezer (um 90) sagte; „Ihm (Gott) u. dir, o Altar; ihm u. dir, o Altar“ (Schönheit oder Ehre)! — Wie das Verfahren damit an einem Wochentag war, so war das Verfahren damit am Sabbat (wenn dieser auf den 7. Feiertag fiel); nur daß man sie (die Weidenzweige) am Rüsttag auf Sabbat sammelte u. sie in goldene Becken stellte (die mit Wasser gefüllt waren), damit sie nicht verwelkten. R. Jehoschuaʿ (l. Jochanan) b. Beroqa (um 110) sagte: Zweige von Dattelpalmen holte man u. schlug damit auf die Erde an den Seiten des Altars (nach andrer Lesart: auf den Altar). Und jener (siebente) Tag wurde „Tag des Zweigabschlagens“ יוֹם הִבּוּט חָרִיּוֹת genannt. Sofort warfen die Kinder ihre Feststräuße hin u. aßen ihre Ethrogs. — TSukka 3, 1 (195) ist es nicht R. Eliʿezer, sondern R. Eliʿezer b. Jaʿaqob (I., um 90, II. um 150), der die zweite Form der Abschiedsworte an den Altar überliefert. ‖ TSukka 3, 1 (195): Es geschah, daß die Boëthusianer (eine Gruppe innerhalb der sadduzäischen Partei) große Steine am Rüsttag des Sabbats darauf (nämlich auf das herbeigeschaffte Weidenmaterial) packten (in der Annahme, daß die Pharisäer am nächsten Sabbattage die Steine nicht anrühren würden, um sie wegzuschaffen); gesetzesunkundige Leute עמי הארץ erfuhren aber davon u. zogen u. holten sie am Sabbat unter den Steinen hervor; denn die Boëthusianer gaben nicht zu, daß das Abschlagen der Weiden den Sabbat verdränge. — Ausführlicher Sukka 43b: Einmal fiel der 7. Weidentag auf einen Sabbat; man holte die Weidenzweige am Rüsttag auf den Sabbat u. legte sie im Vorhof nieder. Die Boëthusianer bemerkten es u. nahmen sie u. packten sie unter Steine. Am nächsten Tage merkten es gesetzesunkundige Leute u. machten sie unter den Steinen frei, u. die Priester holten sie u. stellten sie an die Seiten des Altars aufrecht hin; denn die Boëthusianer gaben nicht zu, daß das Abschlagen der Weiden den Sabbat verdränge. ‖ TSukka 3, 1 (195, 21): „Der Weidengebrauch ist eine Halakha von Mose von Sinai her (d. h. eine uralte Tradition). Abba Schaʾul (um 150) leitete ihn aus der Schrift ab; denn es heißt Lv 23, 40: „Bachweiden“ (Plural), das sind zwei: eine für den Feststrauß u. eine für den Altar.“ — Diesen Schriftbeweis des Abba Schaʾul liest man öfters, zB SLv 23, 40 (416a): pSukka 4, 53c, 49; Sukka 34a; 44a; Pesiq 184a; LvR 30 (128c); in allen diesen Stellen lauten die letzten Worte: „u. eine für das Heiligtum“. — Genau so hat übrigens auch R. Jochanan b. Beroqa (s. oben Sukka 4, 5–7) den Schriftbeweis für seine Annahme geführt, daß man nicht Weiden-, sondern Palmzweige an den Seiten des Altars abgeklopft habe; s. Sukka 45b: „Rab Huna († 297) hat gesagt: Was ist der Schriftgrund des R. Jochanan b. Beroqa gewesen? Weil geschrieben steht Lv 23, 40: כַּפּוֹת (Zweige), das sind zwei: einer für den Feststrauß u. einer für den Altar. Die Rabbinen aber sagten: כפת steht geschrieben (das auch כִּפַּת, von כִּפָּה, gelesen werden kann u. dann einen Zweig bedeutet). ‖ pSukka 4, 54c, 3 wird der Anfang einer Barajtha mit den Worten zitiert: „Und mit Leibesfehlern Behaftete.“ Um was es sich handelt, zeigt der darauf folgende Satz: R. Schimʿon b. Laqisch (um 250) lehrte vor R. Jochanan († 279): Mit Leibesfehlern Behaftete (nämlich Priester) traten in den Raum zwischen Tempelvorhalle u. Brandopferaltar (was ihnen nach Kelim 1, 9; TSukka 4, 23 verboten war). — Deutlicher Sukka 44a: Resch Laqisch hat gesagt: Mit Leibesfehlern behaftete Priester kamen in den Raum zwischen Tempelvorhalle u. Brandopferaltar, um der Pflicht mit der Weide zu genügen. ‖ Sukka 45a: In einer Bar ist gelehrt worden: (Die um den Altar gestellten Weidenzweige) waren 11 Ellen groß u. lang u. hoch, damit sie über den (10 Ellen hohen) Altar 1 Elle emporragten. — pSukka 4, 54b, 56 nennt den Bar Qappara (um 220) als Autor.

Das sind die Nachrichten, die wir über die Altarprozession aus der älteren (mischnischen) Periode besitzen. Offenbar wird darin mancherlei als allgemein bekannt vorausgesetzt, was uns nicht mehr bekannt ist. So erhalten wir namentlich auf die Frage, wer denn eigentlich den Umzug um den Altar ausgeführt hat, keine Antwort. Merkwürdigerweise wird diese Frage auch in der nachmischnischen Periode nirgends berührt. Wir sind also für ihre Beantwortung lediglich auf Vermutungen angewiesen. — In der Bar Sukka 43b, die den Vorfall mit den Boëthusianern erzählt, wird beiläufig gesagt, daß Priester die Weiden nahmen, um sie am Altar aufzustellen. Da den Priestern der Dienst am Altar oblag, war es natürlich auch ihre Sache, für die Ausschmückung des Altars mit Weiden Sorge zu tragen. — Den Schriftbeweis für das Umstellen des Altars mit Weiden hat R. Abbahu (um 300) in Ps 118, 27 gesehen, wo er den Schlußsatz deutet: Umgebet am Laubhüttenfest mit dichten Baumzweigen den Altar bis an die Hörner, Sukka 45a. — In einer späteren anonymen Diskussion wird Sukka 43b darauf hingewiesen, daß Abgesandte des Gerichtshofes die Weidenzweige nach dem Tempel geschafft hätten, während das Hinschaffen der Feststräuße nach dem Tempel jedem einzelnen Israeliten überlassen worden sei. Raschi bemerkt dazu: Abgesandte des Gerichtshofes schafften die Weiden am Rüsttag auf den Sabbat zur Stelle, u. am folgenden Tage (d. h. am Sabbat) galt das Gebot (des Weidentragens) nicht jedem einzelnen, sondern die Priester zogen mit Weiden um den Altar. Raschi spricht hier nur von dem Fall, daß der 7. Feiertag zugleich ein Sabbat war; aber für diesen Fall behauptet er auf das bestimmteste, daß an dem Umzuge um den Altar nur Priester teilgenommen hätten. Wie es in diesem Stück an den übrigen Feiertagen gehalten wurde, erfahren wir nicht. — Bei der Besprechung des Vorfalls mit den Boëthusianern Sukka 43b kommt Raschi noch einmal auf diesen Punkt zurück; dabei sagt er: Priester trugen den Weidenzweig in der Hand u. schüttelten ihn u. zogen damit auf ihren Füßen um den Altar, u. hinterher stellten sie ihn (um den Altar) aufrecht hin. — Neu ist hier die Schlußbemerkung, aus der wir ersehen, daß das Aufstellen der Weidenzweige am Altar erst nach dem Umzug erfolgte, u. daß die aufgestellten Zweige dieselben waren, die man beim Umzug getragen hatte. Da aber jener Zusammenstoß mit den Boëthusianern an einem Sabbat stattgefunden hat, so scheint auch diesen Worten Raschis zunächst nichts entnommen werden zu dürfen in bezug auf die nichtsabbatlichen Feiertage. Allein Raschi hat zu den Worten, daß die Priester die Weidenzweige um den Altar aufstellten, noch hinzugefügt: „Ein Israelit (d. h. ein Nichtpriester) durfte nicht in den Raum zwischen Tempelhalle u. Brandopferaltar eintreten.“3 Das ist eine Regel, die natürlich nicht bloß für den Sabbat, sondern für jeden Tag verbindlich war, u. wenn Raschi gerade diese Regel auf die Weidenprozession des Hüttenfestes in Anwendung gebracht hat, so hat er damit ausgesprochen, daß an jener Prozession niemals Laien, sondern immer nur Priester teilgenommen haben.
Gegen diese Meinung Raschis könnte zunächst die Bar pSukka 4, 54c, 3 geltend gemacht werden, nach der die mit Leibesfehlern behafteten Priester in den Raum zwischen Tempelvorhalle und Altar eintreten durften, um ihrer Pflicht mit der Weide zu genügen. Denn wenn diesen Priestern am Hüttenfest ein sonst für sie gesperrter Raum zugänglich gemacht wurde, damit sie einer religiösen Pflicht genügen könnten, warum hätte nicht aus gleichem Grunde das analoge Sperrverbot auch für die israelitische Laienwelt während des Hüttenfestes aufgehoben werden können! Aber jene Bar ist schon Sukka 44a angefochten worden; insonderheit ist gegen sie geltend gemacht worden, daß sie vielleicht gar nicht vom Tragen des Weidenzweiges während der Prozession, sondern vielmehr vom Aufstellen der Weiden um den Altar handle. Da aber letzteres, wie die Tosaphisten zu Sukka 44a אמר bemerken, gar wohl ausführbar war, ohne daß die mit einem Leibesfehler behafteten Priester dabei den Raum zwischen Tempelhaus u. Altar betraten, so beweist die Bar nicht, was sie beweisen soll, nämlich daß jener gesperrte Raum während des Laubhüttenfestes den in Rede stehenden Priestern freigegeben war. Noch viel weniger ist die Bar dann für die weitere Folgerung beweiskräftig, daß auch die israelitische Laienwelt jenen verbotenen Raum am Hüttenfest hätte betreten dürfen.
Mit besserem Erfolg scheint man gegen Raschis Meinung jene Auslegung heranziehen zu können, die Abba Schaʾul (s. oben TSukka 3, 1) dem Wort ערבי Lv 23, 40 gegeben hat, daß nämlich der Plural ערבי auf zwei Weidenzweige hinweise, einmal auf den, der im Feststrauß, u. sodann auf den, der bei der Altarprozession zu tragen war. Denn da das „Nehmen“, von dem Lv 23, 40 die Rede ist, nicht bloß den Priestern, sondern jedem Israeliten geboten wird, so scheint Abba Schaʾul der Ansicht gewesen zu sein, daß auch das Nehmen eines besonderen Weidenzweiges während der Prozession jedermanns Pflicht gewesen sei. Aber schon die Tosaphisten haben a. a. O. dieser Folgerung jede Beweiskraft in bezug auf die Beteiligung der Laien an der Prozession mit der Erklärung genommen, daß der Umzug um den Altar von den Priestern gehalten worden sei, daß aber die übrigen Israeliten im Vorhof gestanden hätten, ohne an dem Umzug selbst teilzunehmen. Allerdings sagen es die Tosaphisten nicht ausdrücklich, aber nach dem ganzen Zusammenhang muß es im Hinblick auf Abba Schaʾuls Deutung doch in der Richtung ihrer Gedanken gelegen haben, daß auch die Laien, während sie im Vorhof der Prozession der Priester zuschauten, Weidenzweige in ihren Händen getragen haben u. so in der Lage waren, dem Gebot Lv 23, 40 im Sinne des Abba Schaʾul zu genügen. So gewinnen wir, wenn wir die Meinung Abba Schaʾuls, Raschis u. der Tosaphisten miteinander verbinden, etwa folgendes Bild von der Altarprozession.
Vermutlich im Anschluß an die Musaphopfer ordnete sich etwa auf der Südseite des Altars die Priesterschaft zum feierlichen Umzug. Am Umzug selbst nahmen nur Priester teil, die 11 Ellen lange Weidenzweige tragend unter dem wiederholten Ruf: „Ach Jahve, hilf doch; ach Jahve, laß doch gelingen!“ an den sechs ersten Feiertagen den Altar einmal umschritten. Nach beendigtem Umzug wurden die Weidenzweige rings um den Altar aufgestellt. Dabei stießen bereitstehende Priester dreimal in die Trompete. Die Laien, ebenfalls Weidenzweige in den Händen haltend, schauten etwa von der Nord- u. Ostseite des Altars aus dem feierlichen Umzuge zu. Fiel der Sabbat in die sechs ersten Feiertage, so unterblieb an ihm der Umzug samt dem Tragen der Weidenzweige. Am 7. Feiertage aber, gleichviel ob es ein Sabbat oder ein Wochentag war, fand der Umzug in gleicher Weise siebenmal statt. Den Abschluß fand die Prozession am 7. Feiertag mit dem Aufschlagen der Weidenzweige auf die Erde, dessen Zweck wohl die Entblätterung der Zweige war, um anzudeuten, daß nunmehr der Herbst im Anzuge u. damit das Erntejahr beendigt sei. — Daß die Prozession wirklich in der geschilderten Weise verlaufen sei, soll natürlich nicht behauptet werden; es handelt sich lediglich um eine Vermutung. Mehr als eine Vermutung bedeutet aber auch jene andre, auch in Riehms Handwörterbuch, 1884, 1, 893b vertretene Annahme nicht, daß „alles Volk“, also auch die Laienwelt, täglich den Brandopferaltar umzogen habe.
Im einzelnen ist zu dem oben beigebrachten Quellenmaterial noch folgendes zu bemerken.
1. Moça, die Herkunftsstelle der Weidenzweige, wird in beiden Gemaren mit dem Ort Qelonja identifiziert, der vermutlich das Lk 24, 13 erwähnte Emmaus ist; s. bei Lk 24, 13 Nr. 2 S. 271.
2. Wenn R. Jehuda (um 150) Sukka 4, 5 versichert, daß man in dem Hosiannaruf statt אנא יהוה gesagt habe אֲנִי וְהוּ (ich u. er), so hat der Grund zu dieser Änderung zweifellos in der Scheu gelegen, den Jahvenamen vor den Ohren des Volkes auszusprechen. Wir wissen aus verschiedenen Zeugnissen, daß der Gottesname bei seinem Gebrauch im Tempel undeutlich ausgesprochen wurde, damit er von der Menge nicht verstanden würde, s. pJoma 3, 40d, 55 u. 58 oben S. 312 im Exkurs: Memra Jahves. Aus dem gleichen Grunde haben die Priester auch das אנא יהוה so ausgesprochen, daß es wie אני והו klang. Erst die spätere Zeit hat in diese Worte dann die Bitte hineingedeutet, daß Gott seinem Volk (= אֲנִי) u. zugleich sich selbst (וְהוּ) helfen wolle. — pSukka 4, 54c, 5: R. Abbahu (um 300) hat (in bezug auf die Worte אני והו) gesagt: „Es heißt Ps 80, 3: ‚Dir zur Hilfe (u.) uns‘, tatsächlich ist לך gemeint“ (d. h. לְכָה Ps 80, 3 ist לְךָ = „dir“ zu lesen). — Diese Auslegung der Worte אני והו ruht auf der alten, besonders von R. ʿAqiba († um 135) vertretenen Anschauung, daß Gott überall mit seinem Volk in der Verbannung u. in der Not weile, so daß Israels Erlösung sich zugleich zu einer Erlösung Gottes gestaltet, s. zB Mkh Ex 12, 41 (19b–20a), ferner die Aussprüche, die sich pSukka 4 an das eben gebrachte Wort des R. Abbahu anschließen, u. TanchB אחרי § 18 bei Mt 21, 5 S. 843 f.
3. Von dem siebenmaligen Umzug am 7. Feiertage hat R. Acha (um 320) pSukka 4, 54c, 22 gesagt: Das ist eine Erinnerung an Jericho.
4. Die Abschiedsworte an den Altar: „Schönheit dir, o Altar!“ passen nur wenig in den Mund der Priester, denen der Anblick des Altars gerade nichts Ungewöhnliches war; um so verständlicher erscheinen sie im Munde der Menge, der es nur selten vergönnt war, in feierlicher Festfreude bis in die Nähe des Altars zu gelangen. — Die 2. Fassung der Abschiedsworte wird Sukka 45b so gedeutet: Zu ihm (Gott) bekennen wir uns (daß er unser Gott ist), u. dich preisen wir (daß du uns Sühnung schaffst)!
5. Neben dem Namen „Tag des Zweigabschlagens“ (s. oben Sukka 4, 5–7) findet sich für den 7. Feiertag auch die Bezeichnung „Tag des Hoschaʿna“ יוֹם הוֹשַׁעְנָא, aramäisch יוֹמָא דְהוֹשַׁעְנָא.

LvR 37 (133d) wird von einem wohltätigen Mann erzählt: Am Hoschaʿnatag ביומא דהושענא gab ihm seine Frau zehn Folles (kleine Geldmünzen, s. bei Mt 5, 26 S. 294) u. sprach zu ihm: Geh, kaufe deinen Kindern etwas vom Markt. Als er auf den Markt kam, begegneten ihm die Almosenerheber; sie sprachen: Siehe, da kommt der Freund (wörtlich: der Herr) der Almosen! Sie sprachen zu ihm: Gib deinen Teil zu diesem guten Werk, denn wir wollen für eine Waise eine Tunika kaufen. Er nahm jene zehn Folles u. gab sie ihnen u. schämte sich in sein Haus zu gehen. Er ging in eine Synagoge u. sah dort jene Ethrogs, die die Kinder am Hoschaʿnatag aufzubrauchen pflegen, wie wir dort (Sukka 4, 7) gelernt haben: „Sofort warfen die Kinder ihre Feststräuße hin u. aßen ihre Ethrogs“. Er nahm von ihnen u. füllte davon einen Sack u. trat eine Reise auf dem großen Meer an, bis er in die Hauptstadt des Königs kam. Als er dort angekommen war, traf es sich, daß der König gerade an Unterleibsbeschwerden litt. Sie sprachen zu ihm: Als Heilmittel iß von jenen Ethrogs, mit denen die Juden am Hoschaʿnatag beten, so wirst du genesen! (Man sucht dann nach solchen Ethrogs u. findet sie endlich bei jenem Mann.) Sie sprachen zu ihm: Was ist das? Er antwortete ihnen: Sie sind von jenen, mit denen die Juden am Hoschaʿnatag beten. (Der König genaß u. ließ jenem Mann seinen Sack mit Denaren füllen.)

Späteren Ursprungs ist der Name „Tag des großen Hoschaʿna“ יוֹם הוֹשַׁעְנָא רַבָּא für den 7. Laubhüttenfesttag.

Beth ha-Midr 6, 9, 7: R. Schimʿon (das ist der Apostel Petrus) stieg zur Zeit des Laubhüttenfestes am Tag des großen Hoschaʿna zum Ölberg empor usw.; s. die ganze Stelle bei Mt 10, 2 S. 532 in der 2. Rezension der dort gebrachten Petruslegende.

6. Über den Ursprung der Weidenprozession liegt in der oben gebrachten Tosephtastelle Sukka 3, 1 (195) die doppelte Tradition vor, daß sie entweder eine Halakha von Mose vom Sinai her sei, oder daß sie auf einer Anordnung der Tora ruhe, so namentlich Abba Schaʾul (um 150). Beide Meinungen werden auch in der späteren Zeit wiederholt, zB pSchebiʿith 1, 33b, 43. 44. 45; Sukka 34a; 44a. Daneben tritt dann noch die andre Meinung, daß jene Sitte eine Anordnung oder doch ein Brauch der Propheten sei, Sukka 44a. b. Raschi z. St. denkt dabei an die letzten Propheten Haggai, Sacharja u. Maleachi; dagegen spricht pSchebiʿith 1, 33b, 50 ausdrücklich von den früheren Propheten. Etwas Tatsächliches erfahren wir aus alledem über die Entstehung der Weidenprozession nicht. Ebensowenig wissen uns unsre Quellen etwas über die Bedeutung jener Prozession mitzuteilen. — Was aber sonst noch in der späteren Zeit zu unsrer Frage verhandelt wird, ob das Nehmen des Weidenzweiges zu einem Lobspruch verpflichte, ob man außer dem Weidenzweig noch etwas andres in der Hand halten dürfe, ob ein bestimmtes Maß für den Weidenzweig vorgeschrieben sei (pSukka 4, 54b, 58; Sukka 44b), ob man seiner Pflicht mit dem Nehmen des in dem Feststrauß befindlichen Weidenzweiges genügen könne (Sukka 44b) u. dgl., bezieht sich nicht auf den Umzug im Tempel, sondern auf spätere Gebräuche in den Synagogengottesdiensten u. kann deshalb hier unberücksichtigt bleiben.


IV. Die Wasserspende

Die Wasserspendea נִיסּוּךְ הַמַּיִם wurde nur am Laubhüttenfest auf dem Brandopferaltar dargebracht. Bei Tagesanbruch füllten Priester eine goldene, dreib Log fassende Kanne mit Wasser aus dem nahen Siloah. Sobald sie damit in der Nähe des Wassertorsc auf der Südseite des inneren Vorhofes angekommen waren, stießen andre Priester dreimal in die Trompete, um einen kurzen, einen langgezogenen u. wiederum einen kurzen Ton erschallen zu lassen; das geschah im Hinblick auf Jes 12, 3: Ihr werdet Wasser schöpfen mit Frohlocken.d Die Darbringung des Wassers erfolgte beim Morgentamide in Verbindung mit der Spendung des Trankopfers.a Der dazu ausgeloste Priesterf stieg auf der Rampe, die sich an der Südseite des Brandopferaltars befand, zu diesem empor, um sich dann nach links, d. h. zur Südwestecke des Altars zu wenden. Auf dem Altar standen zwei silberne Schalen סְפָלִים bereit, die eine zur Aufnahme des Trankopfers u. die andre zur Aufnahme der Wasserspende, u. zwar hatte die letztere westlich, d. h. links von der ersteren ihren Platz. Nachdem das Trankopfer in die dafür bestimmte Schale gegossen war, geschah das gleiche mit der Wasserspende; eine Verwechslung der beiden Schalen untereinander machte die Darbringung nicht ungültig.g Dagegen forderte man von dem amtierenden Priester, daß er beim Ausgießen des Wassers seine Hand möglichst hoch hebe, damit jedermann erkennen könne, daß das Wasser wirklich in seine Schale u. nicht etwa auf die Erde gegossen werde. Das forderte man auf Grund eines unliebsamen Vorkommnisses mit den Boëthusianern.h Jede der beiden Schalen hatte eine Öffnung, durch die ihr Inhalt auf den Grund des Altars ab- u. von dort unterirdisch weiterfloß. Da man den Abfluß aus beiden Schalen gern in ein u. demselben Augenblick beendigt sehen wollte, war die Öffnung in der Schale des träger fließenden Weines etwas größer gehalten, als die in der andren Schale.i Als selbstverständlich wird man annehmen dürfen, daß die Abflußöffnung in den beiden Schalen bis zur Beendigung der eigentlichen Spendehandlung geschlossen blieb.k Die feierliche Darbringung der Wasserspende wiederholte sich täglich während des siebentägigenl Festes; selbst an dem in die Festwoçhe fallenden Sabbat unterblieb sie nicht, nur wurde dann das Wasser bereits am Rüsttag zuvor aus dem Siloah herangeschafft.a Nach R. Jehuda (um 150) wäre die Wasserspende auch am 8. Feiertag, d. h. am Beschlußfest dargebracht worden.l Über den Ursprung der Sitte erfahren wir aus unsren Quellen nichts Näheres. Einige führten sie auf die Schrift zurück,m andre erklärten sie für eine Halakha von Mose vom Sinai her,n also für eine uralte Einrichtung. Ihrer Bedeutung nach wird die Wasserspende in enge Beziehung zu der nach dem Laubhüttenfest eintretenden Regenzeit gebracht: sie soll dazu beitragen, daß die Regengüsse gesegnet werdeno (vgl. Sach 14, 16 f.). Doch scheint man auch schon frühzeitig zwischen Prophetenworten wie Jes 12, 3; Ez 47, 1 ff.; Sach 13, 1; 14, 8 f. u. dem Ritus der Wasserspende Verbindungslinien gezogen zu haben.p

a. Um die Hauptstelle nicht in Einzelbelege zu zerreißen, geben wir sie hier im Zusammenhang wieder. Sukka 4, 9: Wie geschah die Wasserspende? Eine goldene Kanne, die 3 Log (1,641 Liter) faßte, wurde aus dem Siloah gefüllt. Wenn man (Priester) damit an das Wassertor kam, blies man einen kurzen Stoßton, einen langgezogenen Lärmton u. einen kurzen Stoßton. Er (der amtierende Priester) stieg auf der Rampe (an der Südseite des Brandopferaltars) empor u. wandte sich nach seiner Linken (= westwärts). Zwei silberne Schalen waren dort. R. Jehuda (um 150) sagte: Von Gips (Kalk) waren sie, aber sie waren inwendig vom Wein dunkel geworden (so daß sie silbern aussahen). Sie hatten Löcher wie zwei kleine Nasenlöcher (nämlich jede Schale ein Loch); das eine (für den Wein) war etwas größer u. das andre etwas kleiner, damit beide (Schalen) auf einmal (mit dem Abfluß) zu Ende kämen. Die westliche (am weitesten links stehende) war für das Wasser, die östliche für den Wein. Goß einer das für die Wasserschale Bestimmte in die für den Wein u. das für die Weinschale Bestimmte in die für das Wasser, so genügte er (doch) seiner Pflicht (die Handlung war gültig). R. Jehuda sagte: Mit einem Log (Wasser) vollzog er die Spende alle acht Tage (u. nicht bloß an den sieben ersten Feiertagen, s. hierzu bei b u. l). Dem spendenden Priester rief man zu: „Hebe deine Hand hoch!“ Denn einmal spendete einer (ein Boëthosäer) auf seine Füße, u. alle Leute bewarfen ihn mit ihren Ethrogs; vgl. Anm. h. ‖ Sukka 4, 10: Wie das Verfahren damit an einem Wochentag war, so war das Verfahren damit am Sabbat, nur daß man am Rüsttag auf Sabbat ein goldenes Faß, das noch nicht geheiligt (eingeweiht) war, aus dem Siloah füllte u. es in einer Kammer (im Vorhof) niederlegte. Wurde es ausgegossen oder aufgedeckt, so füllte man (das Wasser zur Spende) aus dem Kijjor (dem großen ehernen Becken); denn Wein u. Wasser, die abgedeckt waren, sind auf dem Altar unbrauchbar (weil möglichenfalls eine Schlange Gift hineingespritzt hat).
b. Die Wasserspende betrug nach der Mischna (s. a) 3 Log, nach R. Jehuda 1 Log. Hierzu heißt es TSukka 3, 16 (197): „R. Jehuda sagte: Mit einem Log vollzog er die Wasserspende alle acht Tage; aber die Gelehrten sagten: Mit drei Log alle sieben Tage. Daraus ergibt sich: wer die größere Zahl bei dem Wasser hat (wie die Gelehrten), hat die kleinere bei den Tagen, u. wer die größere bei den Tagen hat (wie R. Jehuda), hat die kleinere bei dem Wasser.“ (So ist der Text zu verbessern nach der Wiener Handschrift u. nach pSukka 4, 54d, 20.) — Die Gelehrten haben die Quantität der Wasserspende nach der des Trankopfers bemessen; denn für letzteres schreibt Ex 29, 40 ein Viertel Hin, das sind 3 Log, vor. R. Jehuda stützt sich auf eine davon abweichende Tradition; vgl. auch bei i; zu den 7 oder 8 Tagen s. bei l.
c. Hierzu s. in Anm. a; ferner Mid 2, 6: Warum wird sein Name „Wassertor“ genannt? Weil man durch dasselbe die Kanne mit Wasser für die Wasserspende am Hüttenfest hineinschaffte. — Ebenso TSukka 3, 3 (195). Eine andre Deutung des Namens s. bei p.
d. Sukka 48b wird betreffs der drei Trompetenstöße, die die Mischna erwähnt (s. bei a), gefragt: Woher diese Bestimmung? Rab ʿEna (um 300) hat gesagt: Weil die Schrift sagt Jes 12, 3: Ihr werdet mit Frohlocken Wasser schöpfen usw. — pSukka 4, 54c, 50 erklärt R. Jose b. Chanina (um 270) die drei Trompetenstöße aus dem Bemühen, „um der Sache öffentliche Feierlichkeit zu geben“. — Je ablehnender sich die Sadduzäer gegen den Ritus der Wasserspende verhielten, desto mehr Wesens suchten damit die Pharisäer zu machen.
e. TSukka 3, 16 (197): Wann gießt man die Wasserspende aus? In Verbindung mit dem Tamidopfer. — Daß dies das Morgentamid war, geht aus Joma 2, 5 hervor: „Das Tamidopfer (nebst dem Feinmehl Ex 29, 40, dem hohenpriesterlichen Speisopfer Lv 6, 12 ff. u. dem Trankopfer Ex 29, 40) wurde dargebracht von neun, von zehn, von elf u. von zwölf Priestern, nicht mehr u. nicht weniger. (Wie denn?) Es selbst von neun (indem sechs für die Glieder des Tamidlammes u. drei für die Beiopfer nötig waren); am Laubhüttenfest von einem die Kanne mit dem Wasser, das sind zehn. Zwischen den beiden Abenden (wurde das Tamidopfer dargebracht) von elf: es selbst von neun, u. zwei hatten in ihren Händen zwei Holzscheite (wäre die Wasserspende auch beim Abendtamid dargebracht worden, so wären nicht elf, sondern zwölf Priester erforderlich gewesen). Am Sabbat von elf: es selbst von neun, u. zwei hatten in ihren Händen zwei Schalen mit Weihrauch für die Schaubrote (vgl. Lv 24, 7 f.); u. am Sabbat während des Laubhüttenfestes von einem die Kanne mit dem Wasser“ (das sind zwölf). — Die obige Folgerung ist bereits Joma 26b gezogen worden: „R. Abba (um 290) — es ist auch gesagt worden: Rammi b. Chama (um 320), es ist auch gesagt worden: R. Jochanan († 279) habe gesagt: Man hat die Wasserspende am Laubhüttenfest nur beim Morgentamid ausgegossen. Woher? Weil gelehrt worden ist (Joma 2, 5): ‚Und am Sabbat während des Laubhüttenfestes von einem die Kanne mit dem Wasser‘; u. wenn man annehmen wollte; daß man bei dem Tamidopfer zwischen den beiden Abenden die Wasserspende ausgegossen habe (am Sabbat), so müßte man das auch an einem Wochentag finden (was aber nicht zutrifft, da nach der Mischna beim Abendtamid nur 11 u. nicht 12 Priester fungierten). Rab Aschi († 427) hat gesagt: Auch wir lernen es gleichfalls aus der Mischna (nämlich Sukka 4, 9, s. bei a): ‚Dem die Wasserspende ausgießenden Priester rief man zu: Hebe deine Hand hoch! Denn einmal spendete einer auf seine Füße, u. alle Leute bewarfen ihn mit ihren Ethrogs‘; folgere daraus.“ — Rab Aschi meint: Daß man den betreffenden Priester mit Ethrogs bewarf, sei ein Beweis, daß der Vorgang sich beim Morgentamid abgespielt habe; denn beim Abendtamid trug man den Feststrauß nicht. Der Beweis ist allerdings nicht stichhaltig.
f. Daß die Wasserspende von einem besonderen Priester dargebracht wurde, sagt Joma 2, 5 (s. bei e) ausdrücklich zweimal. Dagegen heißt es Sukka 4, 9 (s. bei a): „Goß einer das für die Wasserschale Bestimmte in die für den Wein u. das für die Weinschale Bestimmte in die für das Wasser, so genügte er (doch) seiner Pflicht.“ Diese Worte können kaum anders verstanden werden als so, daß ein u. derselbe Priester die Weinspende u. die Wasserspende ausgegossen hat. Zur Beseitigung der vorliegenden Unebenheit darf man vielleicht annehmen, daß das Hinaufschaffen des Trankopfers u. der Wasserspende auf den Altar durch zwei Priester, das Ausgießen aber durch einen geschah.
g. Vgl. Sukka 4, 9 bei a, dasselbe zum Teil auch TSukka 3, 14 (197).
h. Sukka 4, 9 bei a. ‖ TSukka 3, 16 (197): Einmal geschah es bei einem Boëthosäer, daß er die Wasserspende auf seine Füße goß (denn die Sadduzäer, zu denen die Boëthusianer gehörten, erkannten die Sitte des Wasserspendens nicht an), u. alle Leute bewarfen ihn mit ihren Ethrogs. Dabei wurde ein Horn des Altars abgebrochen, u. der Altardienst hörte an jenem Tage auf, bis man eine Salzscholle brachte u. auf den Altar stellte, damit er nicht verstümmelt aussehe; denn jeder Altar, an dem nicht Hörner, eine Rampe u. eine Grundlage (der unterste Altarabsatz) befindlich sind, ist untauglich. R. Jose b. Jehuda (um 180) sagte: Auch an dem kein Umgang סוֹבֵב ist (ein solcher befand sich am Brandopferaltar 6 Ellen über dem Erdboden = 5 Ellen über der Grundlage יְסוֹד, s. Mid 3, 1). — Ähnlich so Sukka 48b; vgl. auch pSukka 4, 54d, 21.
i. Sukka 4, 9 bei a; eine Parallelstelle dazu ist TSukka 3, 14 (197). Ausdrücklich heißt es in der Baraitha Sukka 48b: R. Jehuda (um 150) sagte: Zwei Schalen waren dort, eine für das Wasser u. die andre für den Wein; bei der für den Wein war die (Abfluß-)Öffnung weit, bei der für das Wasser war die Öffnung eng, damit beide auf einmal zu Ende kämen. — R. Jehuda nahm an, daß das Trankopfer 3 Log u. die Wasserspende 1 Log enthielt (s. oben bei b); sollte der Ausfluß aus beiden Schalen zu gleicher Zeit beendigt sein, so mußte die Abflußöffnung in der Weinschale natürlich bei weitem größer sein.
k. pSukka 4, 54c, 63: Jose b. Aschjan (wann?) hat im Namen des Resch Laqisch (um 250) gesagt: Die Schalen mußten zur Zeit der Spendung verstopft sein. Was ist der Schriftgrund? „Im Heiligtum spende Trankopfer (als) Rauschtrank“ Num 28, 7. — Nach pSukka 4, 54d, 9; Sukka 49b; Pesiq 57b; PesiqR 16 (80a); Tanch פנחס 241b; NuR 21 (192a) hat man nach Rabbis Vorgang in den 3 Wörtern הסך, נסך u. שכר Nu 28, 7 eine Steigerung gesehen: הסך gehe auf mäßiges Trinken, נסך auf reichliches Trinken u. שכר auf Trinken bis zur Berauschung; Gott lasse sich in seiner Freundlichkeit herab. die 3 Log Wein im Trankopfer als eine solche Menge zu bezeichnen, die über jedes Trinkbedürfnis hinausgehe. Darum müsse nun aber auch, meint Resch Laqisch, das Trankopfer in seiner ganzen Fülle auf dem Altar zur Erscheinung gebracht werden, u. das sei der Grund gewesen, weshalb die Schalen mit dem Trankopfer u. der Wasserspende verstopft gehalten wurden bis zu dem Augenblick, da der Abfluß beginnen sollte.
l. Die Darbringung der Wassserspende nur an den sieben Tagen des eigentlichen Laubhüttenfestes wird von der Mischna vertreten, während R. Jehuda (um 150) behauptet, daß sie auch am 8. Feiertag, d. h. dem Schlußfest erfolgt sei, s. Sukka 4, 9 in Anm. a; TSukka 3, 16 (197) in Anm. b u. Sukka 4, 1: Die Wasserspende geschah an sieben Tagen. — Aus Taʿan 3a erfahren wir übrigens, daß die von der Mischna vertretene Ansicht auf der Autorität des R. Jehoschuaʿ (um 90) ruhte u. als traditionelle Halakha galt. Ferner ersehen wir aus Taʿan 2b–3a, daß nach einer Meinung des R. Jehuda b. Bathyra (um 110) die Wasserspende zwar nur sieben Tage hindurch dargebracht sei, aber nicht bereits vom 1. Feiertag, sondern erst vom 2. Feiertag an, so daß also der 8. Feiertag oder das Schlußfest ganz im Sinne des R. Jehuda der letzte Darbringungstag war. Ebendaselbst hören wir endlich, daß nach R. ʿAqiba († um 135) die Wasserlibation nur an zwei Tagen, nämlich am 6. u. am 7. Feiertag vorgenommen worden sei. Die abweichende Meinung des R. Jehuda b. Bathyra u. des R. ʿAqiba hing mit deren Ansicht über die Frage zusammen, von wann an des Regens in der 2. Benediktion des Achtzehngebetes Erwähnung geschehe (s. oben II, C, 5), u. hatte ihren letzten Grund in dem Schriftbeweis, den beide Gelehrte für die Wasserspende aus Nu 29 geführt haben. Ihre Meinung ist daher lediglich als eine theoretische Konstruktion anzusehen, die keine historische Überlieferung zur Grundlage hat. Geschichtlichen Wert kann nur die von der Mischna anerkannte Tradition des R. Jehoschuaʿ u. die davon abweichende Meinung des R. Jehuda in Anspruch nehmen. Der letztere verfügte dank den Beziehungen seines Vaters zu R. Eliʿezer (um 90) über gutes Traditions-material; doch wird man in diesem Fall der Überlieferung des R. Jehoschuaʿ den Vorzug zu geben haben, da dieser selbst noch in seiner Jugend die Tempelfeier des Laubhüttenfestes kennen gelernt hatte, also aus eigener Erfahrung heraus Selbsterlebtes berichtete. Die Stelle Taʿan. 2b–3a lautet: R. Jehuda b. Bathyra sagte: Am 2. Tage im Hüttenfest erwähnt man (zum erstenmal den Regen in der 2. Bitte des Achtzehugebetes); R. ʿAqiba sagte: Am 6. Tag im Hüttenfest erwähnt man ihn. R. Jehuda sagte im Namen des R. Jehoschuaʿ: Wer am letzten (= achten) Feiertag des Hüttenfestes als letzter (zum Vorbeten) vor die Lade tritt, erwähnt ihn; wer als erster, erwähnt ihn nicht. (Jenes bezieht sich auf das Musaph-Gebet, dieses auf das Frühgebet.) Am 1. Feiertag des Passahfestes (von wo an das Regengebet in Wegfall kam) erwähnt ihn der erste, der letzte erwähnt ihn nicht.… R. Jehuda b. Bathyra sagte: Am 2. Tage im Hüttenfest erwähnt man ihn (zum erstenmal). Was war der Schriftgrund des R. Jehuda b. Bathyra? In einer Bar heißt es: R. Jehuda b. Bathyra sagte: Es heißt vom 2. Tag (des Laubhüttenfestes Nu 29, 19): וְנִסְכֵּיהֶם („u. ihre Trankopfer“, während es heißen sollte וְנִסְכָּהּ „u. sein [des fortwährenden Brandopfers] Trankopfer“; der Schrifttext liest also ein überflüssiges ם am Ende des Wortes; man wird übrigens anzunehmen haben, daß R. Jehuda b. B. in seiner Torarolle das Wort in defektiver Schreibung ונסכהם — vgl. Nu 29, 33 — vor sich gehabt hat, da ihm sonst ohne das ם nicht ונסכה verblieben wäre); u. es heißt vom 6. Tag (Nu 29, 31): וּנְסָכֶיהָ („u. seine Trankopfer“, während es heißen sollte וְנִסְכָּהּ „u. sein Trankopfer“, der Schrifttext liest also ein überflüssiges י im Wort); u. es heißt vom 7. Tag (Nu 29, 33) כְמִשְׁפָּטָם („nach ihrem Recht“, während es sonst im ganzen Kapitel — s. Vers 18. 21. 24. 27. 30. 37) — immer nur כמשפט „nach dem Recht“ heißt; der Schrifttext liest also ein überflüssiges ם). Siehe Mem, Jod, Mem (sind die 3 überflüssigen Buchstaben), die ergeben hier (am Laubhüttenfest) מים = Wasser. Von hier hat man eine Andeutung in bezug auf die Wasserspende aus der Tora. Und was ist es um den 2. Tag (des Hüttenfestes) andres, daß er (Jeh. b. B.) an ihm (den Beginn der Regenerwähnung) annahm? Wenn sich Andeutungen in bezug darauf in der Schrift finden, so ist es (zuerst) der 2. Tag, bei dem sie sich finden; deshalb erwähnen wir (den Regen zuerst) am 2. Tag (des Hüttenfestes). R. ʿAqiba sagte: Am 6. Tag im Hüttenfest erwähnt man ihn (zum erstenmal); denn es heißt vom 6. Tag (Nu 29, 31): וּנְסָכֶיהָ („u. seine Trankopfer“, während man erwarten sollte „u. sein Trankopfer“ וְנִסְכָּהּ), von zwei Trankopfern redet die Schrift, das eine ist die Wasserspende u. das andre ist die Weinspende. Aber man könnte sagen, daß sich beide auf die Weinspende beziehen! Er (ʿAqiba) meinte es wie R. Jehuda b. Bathyra, der sagte, es (Mem, Jod, Mem) seien Hindeutungen auf das Wasser. Wenn er es so gemeint hat wie R. Jehuda b. Bathyra, so hätte er es auch so wie jener sagen sollen (nämlich daß die Regenerwähnung vom 2. Tage des Hüttenfestes an zu geschehen habe)! R. ʿAqiba meinte: Wenn eine Spende mehr geschrieben steht (in dem Plural נסכיה Nu 29, 31), so ist es der 6. Tag, bei dem sie geschrieben steht (deshalb erwähnt man den Regen zuerst am 6. Feiertag).… Aber was wir da (in Sukka 4, 1, s. zu Anfang von l) gelernt haben: „Die Wasserspende geschah an sieben Tagen“, wer ist davon der Autor? Wenn es R. Jehoschuaʿ wäre, so würde er gesagt haben: „Einen Tag“ (geschah die Wasserspende, da ja nach seiner Meinung die Regenerwähnung erst am letzten Feiertag erfolgte); wenn es R. ʿAqiba wäre, so würde er gesagt haben: „Zwei Tage“ (geschah sie, am 6. u. am 7. Feiertag, da man am 6. mit der Erwähnung des Regens begann); wenn es R. Jehuda b. Bathyra wäre, so würde er gesagt haben; „Sechs Tage“ (vom 2. Feiertag an, da man an diesem den Regen zum erstenmal im Gebet erwähnte). Immerhin entspricht R. Jehudas b. Bathyra Meinung jener Meinung (der Mischna, daß die Wasserspende sieben Tage lang erfolgte), u. er meinte es wie R. Jehuda, von dem wir gelernt haben (s. Sukka 4, 9 in Anm. a): R. Jehuda sagte: „Mit einem Log (Wasser) vollzog er die Spende alle acht Tage“. (Raschi: Er meinte es nicht wie jener darin, daß er sagte: ‚Alle acht Tage vollzog er die Spende‘, sondern darin, daß er sagte: ‚Am 8. Tage vollzog er die Spende‘, u. weil er die Spende am 8. Tage vollzog, ergab sich daraus für R. Jehuda [b. Bathyra], daß er sagte: Am 2. Tage fing man mit der Wasserspende an alle sieben Tage.) Er schloß den 1. Tag aus u. den 8. Tag ein (so daß er gleich wie Sukka 4, 1 ein siebentägiges Wasserspenden annahm). Aber was ist es denn um den 1. Tag andres, daß er ihn nicht einschloß? Wenn Andeutungen betreffs der Wasserspende (Nu 29) gemacht werden, so ist es der 2. (nicht der 1.) Tag, bei dem sie gemacht werden. Gilt das aber auch vom 8. Tage? Wenn Andeutungen betreffs der Wasserspende (Nu 29) gemacht werden, so ist es ja der 7. (nicht der 8.) Tag, bei dem sie gemacht werden. (Hiermit wendet sich dann die Gemara wieder der Ausgangsfrage nach dem Autor der anonymen Mischna Sukka 4, 1 zu u. antwortet abschließend:) Vielmehr R. Jehoschuaʿs Meinung ist es, u. die Wasserspende die ganzen sieben Tage hindurch hat man als eine traditionelle Halakha gelehrt (zu diesem Satz s. die Fortsetzung der Stelle in Anm. n).
m. Die Schriftbeweise des R. Jehuda b. Bathyra (um 110) u. des R. ʿAqiba († um 135) sind bereits bei l nach Taʿan 2b gebracht worden. Den Schriftbeweis des R. ʿAqiba liest man auch Zeb 110b als Bar. Die Beweisführung des R. Jehuda b. B. findet sich zuerst SNu 29, 13 § 150 (55a); außerdem auch Schab 103b; anonym Pesiq 193b; 195a; PesiqR Zusätze 4 (202b). In pSchebiʿith 1, 33b, 46; pSukka 4, 54b, 32 u. pRH 1, 57b, 32 ist sie dem R. ʿAqiba beigelegt. — Einen dritten, etwas jüngeren Schriftbeweis für die Wasserspende besitzen wir von R. Nathan (um 160). Taʿan 3a Bar: R. Nathan sagte: (Es heißt Nu 28, 7:) „Im Heiligtum spende eine Spende הַסֵּךְ נֶסֶךְ von Rauschtrank für Jahve“; von zwei Spenden redet die Schrift; die eine ist die Wasserspende u. die andre die Weinspende. Man könnte doch auch sagen, beide seien die des Weines! In diesem Fall hätte die Schrift schreiben müssen entweder הַסֵּךְ הַסֵּךְ „spende, spende“, oder נֶסךְ נֶסֵךְ „eine Spende, eine Spende“; was besagt. הסך נסך? Du kannst daraus entnehmen: eine von Wasser u. eine von Wein. — Kürzer SNu 28, 7 § 143 (53b): R. Nathan sagte: Spende eine Spende von Rauschtrank (Nu 28, 7); warum wird es gesagt (da doch entweder הסך oder נסך fehlen könnte)? Um die Wasserspende miteinzuschließen. — Dasselbe SNu 29, 13 § 150 (55a).
n. Taʿan 3a: R. Ammi (um 300) hat gesagt, R. Jochanan († 279) habe im Namen des R. Nechonja von der Ebene Beth-חורתן (Chauran = Hauran) (um 230) gesagt: Die zehn jungen Bäume (um derentwillen man ein Feld von einem Sea Aussaat, auf dem sie zerstreut stehen, bis zum Neujahr des Brachjahres pflügen darf Schebiʿith 1, 6), die Weide (zur Altarprozession am Hüttenfest) u. die Wasserspende sind eine Halakha von Mose vom Sinai her. — Dasselbe Sukka 44a, 16. 25. 33; MQ 3b; Zeb 110b. — In Sukka 34a ist R. Jochanan als Autor genannt; desgleichen in pSchebiʿith 1, 33b, 45; pSukka 4, 54b, 31, doch fehlt in den beiden letzten Stellen die Erwähnung der zehn jungen Bäume. — In pSchebiʿith 1, 33b, 50 u. pSukka 4, 54b, 35 nennt R. Chonja von Biqʿath-חיורן (Hauran) „die Weide, die Wasserspende u. die 10 jungen Bäume“ eine Anordnung der früheren Propheten.
o. TSukka 3, 18 (197): R. ʿAqiba († um 135) hat gesagt: Die Schrift sagt: Bringe die Gerstenerstlingsgarbe am Passahfest (s. Lv 23, 10 ff.), weil es die Zeit der Gerstenreife ist, damit um ihretwillen der Ernteertrag gesegnet werde. Bringe die Weizenbrote als Erstlinge am Pfingstfest (s. Lv 23, 16 ff.), weil es die Zeit der Weizenernte ist, damit dir die Baumfrüchte gesegnet werden. Spende Wasser am Hüttenfest, weil es die Zeit der Regengüsse ist, damit dir die Regengüsse gesegnet werden, wie es heißt Sach 14, 17: Und geschehen wird es, wer nicht hinaufzieht von den Geschlechtern des Landes nach Jerusalem, um anzubeten vor dem König Jahve der Heerscharen (am Hüttenfest nach Vers 16), über die wird kein Regen kommen usw. — Parallelstellen mit Abweichungen: TRH 1, 12 (210); SNu 29, 12 § 150 (55a); pRH 1, 57b, 33; RH 16a. — Zum Verständnis dieses Ausspruchs ʿAqibas sei daran erinnert, daß nach RH 1, 2 die Welt am Laubhüttenfest in bezug auf das Wasser gerichtet wird; s. diese Mischna unter II, C, 5 Ende. ‖ Targ Jerusch I Nu 29, 31: Und eine Kanne Wasser spendete man an dem Tage (nämlich dem 6. Tage) des Hüttenfestes als gute Erinnerung an das Niederfallen des Regens. — Man sieht, der Targum Jerusch I schließt sich eng an R. ʿAqiba an, nach dessen Ansicht die Erwähnung des Regens im Gebete u. die Darbringung der Wasserspende erst am 6. Festtag erfolgte. — Ferner s. Targ HL 4, 15 bei Joh 4, 10 Anm. a S. 434.
p. Das Prophetenwort Jes 12, 3: „Ihr werdet mit Frohlocken Wasser schöpfen“ ist mehrfach mit dem Ritus der Wasserspende in Verbindung gebracht worden. So werden die drei Trompetenstöße, die nach Sukka 4, 9 (s. Anm. a) das Herbeibringen der Wasserspende begleiteten, Sukka 28b ausdrücklich mit Jes 12, 3 begründet, s. die Stelle bei d. Vor allem aber hat man die öffentlichen Freudenbezeigungen, die dem Schöpfen der Wasserspende galten — s. den nächsten Abschnitt V —, aus Jes 12, 3 gerechtfertigt. Man hatte nämlich dem Frauenvorhof im Tempel, in welchem jene Freudenäußerungen laut wurden, den Namen בֵּית הַשּׁוֹאֵבָה oder, ב׳ הַשּׁוֹאֲבָה = „Stätte des Schöpfens“ gegeben. Nun hatte aber der Frauenvorhof mit dem eigentlichen Schöpfen des Wassers gar nichts zu schaffen; der Name ließ nur erkennen, wie unzertrennlich für das Volksbewußtsein die festlichen Freudenveranstaltungen mit der Wasserspende verknüpft waren, so daß die Stätte der Belustigungen geradezu als „Stätte des (Wasser-)Schöpfens“ bezeichnet werden konnte. Es konnte daher nicht ausbleiben, daß die auffällige Bezeichnung zu allerlei Erklärungen u. Deutungen Anlaß gab, u. eben hierbei spielt Jes 12, 3 eine gewisse Rolle. Sukka 50b: Es ist gesagt worden: Rab Jehuda († 299) u. RabʿEna (um 300); der eine (nämlich der letztere) lehrte als tannaïtische Tradition: שׁוֹאֲבָה „Schöpfen“ (heißt es in dem Namen בית השואבה); der andre hat als tannaïtische Tradition gelehrt: הֲשׁוּבָה „geachtet, angesehen“ (heißt es in dem Namen, der also בֵּית הֲשׁוּבָה gelautet hätte). Mar Zuṭra (um 300) hat gesagt: Der, welcher lehrte ‚שואבה‘, hat nicht unrecht, u. der, welcher lehrte ‚השובה‘, hat nicht unrecht. Der, welcher lehrte ‚שואבה‘, hat nicht unrecht; denn es heißt Jes 12, 3: Ihr werdet mit Frohlocken Wasser schöpfen; u. der, welcher lehrte ‚חשובה‘, hat nicht unrecht; denn Rab Nachman († 320) hat gesagt: Ein geachtetes Gebot מִצְוָה חֲשׁוּבָה war es (nämlich das Gebot der Wasserspende), u. es stammte aus den sechs Schöpfungstagen (denn da der שׁית genannte unterirdische Raum, in den die Wein- u. die Wasserspende vom Altar aus abflossen, ein Schöpfungswerk Gottes war — s. Sukka 49a —, so mußte das Gebot der Wasserspende bereits bei der Weltschöpfung den Gedanken Gottes vorgeschwebt haben). ‖ pSukka 5, 55a, 42: R. Jehoschuaʿ b. Levi (um 250) hat gesagt: Warum hieß der Name „Stätte des Schöpfens“ בית השואבה? Weil man von dort den heiligen Geist schöpfte wegen des Wortes: Ihr werdet mit Frohlocken Wasser schöpfen aus den Quellen des Heils Jes 12, 3.… R. Jona (um 350) hat gesagt: (Der Prophet) Jona, der Sohn Amittais, gehörte zu den Festpilgern u. kam zu der Freude an der Stätte des Schöpfens (d. h. zu den Freudenveranstaltungen im Frauenvorhof, die mit der Wasserspende zusammenhingen). Da ruhte der heilige Geist auf ihm; das will dich lehren, daß der heilige Geist (d. i. der Geist der Prophetie) nur auf einem fröhlichen Herzen ruht. — In beiden Stellen wird die Bezeichnung des Frauenvorhofes als „Stätte des Schöpfens“ mit dem verheißenen Schöpfen aus den Quellen des Heils Jes 12, 3 begründet, u. zwar, wie besonders die letzte Stelle zeigt, weil sich in ihm die Freuden abspielten, die nach dem Prophetenwort mit dem Schöpfen verknüpft sein sollten. Diese Namenserklärung war aber schließlich doch nur möglich, wenn man in dem Schöpfen u. Spenden des Wassers am Hüttenfest einen Typus des zukünftigen Schöpfens aus den Quellen des Heils gesehen hat. Einer solchen Anschauungsweise mochte es dann auch nicht fernliegen, mit der Wasserspende im Tempel sowohl jenen Segensstrom, der nach Ez 47, 1 ff. (Sach 14, 8) am Ende der Tage vom Heiligtum ausgehen soll, als auch jenen Quellborn, der nach Sach 13, 1 dereinst gegen alle Sünde u. Unreinigkeit erschlossen werden wird, in Verbindung zu bringen. In dieser Richtung scheint sich namentlich TSukka 3, 3 (195) zu bewegen. Nachdem hier zunächst auf die Frage, weshalb das Wassertor auf der Südseite des inneren Vorhofs diesen Namen führe, die Antwort gegeben ist: „Weil man dort die Kanne Wasser für die Spendung am Hüttenfest hereinbrachte“, heißt es dann weiter: R. Eliʿezer b. Jaʿaqob (wohl der I., um 90) sagte: Bei ihm (dem Wassertor) „rieseln die Wasser hervor“ המים מפכים Ez 47, 2; das lehrt, daß sie tröpfeln מפכפכין u. aufsteigen ähnlich einer Flaschenmündung כמין פי הַפַךְ. — Dann folgt eine Beschreibung des allmählichen Anwachsens des Wassers zu einem mächtigen Strom nach Ez 47 u. Sach 14, 8 u. eine Schilderung der Segensfülle, die der Strom überallhin mit sich bringt nach Ez 47, 8 ff.; dabei wird auch Sach 13, 1 herangezogen. — Dasselbe als Bar, aber stark gekürzt, Joma 77b; vgl. auch Mid 2, 6.


V. Besondere Freudenveranstaltungen

Im vorigen Abschnitt IV ist in Anm. p bereits darauf hingewiesen worden, daß das Prophetenwort Jes 12, 3: „Ihr werdet mit Frohlocken Wasser schöpfen“ eine Reihe von Freudenveranstaltungen ins Leben gerufen hat, die insonderheit der Wasserspende galten. Diese Lustbarkeiten begannen nach Beendigung des 1. Feiertags u. wiederholten sich in den folgenden Nächten bis hin zum 7. Feiertag; sie währten also sechs Tage oder, falls der Sabbat auf einen der sechs letzten Feiertage fiel, fünf Tage; denn die Nacht zum 1. Feiertag u. zum Sabbat blieb regelmäßig von ihnen frei. Die Stätte der Lustbarkeiten war der Frauenvorhof, der deshalb „Stätte des Schöpfens“ genannt wurde, s. Abschnitt IV, p. Die Freudenkundgebungen selbst hießen entweder „Freude der Stätte des Schöpfens“ שִׂמְחַת בֵּית הַשּׁוֹאֲבָה oder, da die Flötenmusik der Leviten dabei eine große Rolle spielte, „Flötenspiel der Stätte des Schöpfens“ הֶחָלִיל שֶׁל בֵּית הַשּׁוֹאֲבָה.

Sukka 5. 1: Das Flötenspiel dauerte fünf oder sechs Tage (je nachdem der Sabbat auf den 1. Feiertag fiel oder nicht); damit ist das Flötenspiel der Stätte des Schöpfens gemeint; denn es verdrängt weder den Sabbat noch den (eigentlichen, d. h. 1.) Feiertag. — Daß die Freudenkundgebungen nicht bloß eine Nacht gedauert, sondern sich auch in den folgenden Nächten wiederholt haben, bezeugt sehr anschaulich R. Jehoschuaʿ b. Chananja (um 90), der sie als Sprößling einer Levitenfamilie selbst noch miterlebt hat. TSukka 4, 5 (198): R. Jehoschuaʿ b. Chananja hat erzählt: Alle Tage der Freude der Stätte des Schöpfens haben wir keinen Schlaf gesehen, sondern frühmorgens machten wir uns zum Morgentamidopfer auf, von da in die Synagoge, von da ins Lehrhaus, von da zum Musaphgebet, von da zu den Musaphopfern, von da zum Essen u. Trinken, von da zum Mincha-(Nachmittags-)Gebet, von da zum Tamidopfer zwischen den beiden Abenden u. von da zur Freude der Stätte des Schöpfens. — In der Parallelstelle pSukka 5, 55b, 22 wird darauf gefragt: Aber geißelt man denn nicht einen, der sagt: „Schwur, daß ich drei Tage lang nicht schlafen will“? Um R. Jehoschuaʿs Wort damit in Einklang zu bringen, wird dann bemerkt: „Sie haben (ein bißchen) geschlummert“ מתנמנמין חיו. Parallelstelle: Sukka 53a.
Welcher Art die Freudenkundgebungen gewesen sind, zeigen folgende Stellen. Sukka 5, 1–4: Man hat gesagt: Wer die Freude der Stätte des Schöpfens nicht gesehen hat, der hat sein Lebtag keine Freude gesehen. Nach Ausgang des 1. Feiertages des Hüttenfestes stieg man in den Vorhof der Frauen hinab, wo man eine große Vorkehrung getroffen hatte (um die Männerwelt von der Frauenwelt zu trennen, s. das nächste Zitat). Goldene Leuchter waren daselbst, u. (je) vier goldene Schalen waren auf ihnen, u. vier Leitern befanden sich bei jedem einzelnen; vier Jünglinge aber aus der priesterlichen Jungmannschaft hatten Ölkrüge zu 120 Log in ihren Händen u. gossen davon in die einzelnen Schalen. Von den abgetragenen Beinkleidern der Priester u. von ihren Gürteln machte man die Dochte, die man anzündete. Es gab keinen Hof in Jerusalem, der nicht hell war von dem Licht der Stätte des Schöpfens. Fromme u. werktätige Männer (wörtlich: „Männer der Tat“ = die gute Werke aufzuweisen hatten) tanzten vor ihnen (vor der Menge) mit Feuerfackeln in ihren Händen u. sprachen (sangen) vor ihnen Worte von Liedern u. Lobgesängen. Und die Leviten standen mit Zithern u. Harfen u. Zimbeln u. Trompeten u. (andren) Musikinstrumenten ohne Zahl auf den 15 Stufen, die aus dem Vorhof der Israeliten in den Frauenvorhof hinabführten u. die den 15 Stufenliedern in den Psalmen entsprachen — auf ihnen also standen die Leviten mit Musikinstrumenten u. sangen Lieder. Zwei Priester standen im oberen Tor, das aus dem Vorhof der Israeliten in den Frauenvorhof hinabführte, u. zwei Trompeten waren in ihren Händen. Wenn der Hahn krähte (oder nach andrer Erklärung: wenn der Herold rief. s. pSukka 5, 55c, 18), trompeteten sie einen kurzen Stoßton, einen langgezogenen Ton u. einen kurzen Stoßton (das war das Freudensignal, bei dem Priester zum Schöpfen des Wassers aus dem Siloah sich aufmachten; bis zum Morgenanbruch zogen sich also die Lustbarkeiten im Frauenvorhof hin). Kamen sie (bei ihrem Hinabsteigen in den Frauenvorhof) bis zur zehnten Stufe, so trompeten sie einen kurzen Stoßton, einen langgezogenen Ton u. einen kurzen Stoßton. Kamen sie bis in den (Frauen-)Vorhof, so trompeten sie einen kurzen Stoßton, einen langgezogenen Ton u. einen kurzen Stoßton, u. so trompeteten sie immer weiter bis sie an das Tor kamen, das nach Osten hinausführte (d. h. an das Nikanortor). Kamen sie bis an das Tor, das auf der Ostseite hinausführte, so wandten sie ihr Angesicht gen Westen (dem Tempelgebäude zu) u. sprachen: Unsre Väter, die an diesem Orte (zur Zeit des 1. Tempels) waren, wandten ihren Rücken dem Tempel Gottes zu u. ihr Angesicht ostwärts u. warfen sich ostwärts vor der Sonne nieder; wir aber richten auf Jahve unsre Augen! R. Jehuda (um 150) sagte: Wiederholt haben sie gerufen: Wir sind Jahves, u. auf Jahve sind unsre Augen gerichtet! ‖ TSukka 4, 1 ff. (198): In früherer Zeit, da man der Freude der Stätte des Schöpfens zuschaute, schauten die Männer vom inneren u. die Frauen vom äußeren Kreis aus zu (d. h. die Männer standen innerhalb des sie umgebenden Frauenkreises); als aber der Gerichtshof wahrnahm, daß sie dadurch in Leichtfertigkeiten gerieten, ließ man drei Galerien im Frauenvorhof machen, entsprechend den drei Seiten, damit die Frauen von dort aus der Freude der Stätte des Schöpfens zuschauten, u. so standen sie nicht vermischt durcheinander, wenn sie der Freude der Stätte des Schöpfens zuschauten. (Diesen Galerienbau hat die obige Mischnastelle im Auge, wo sie von der großen Vorkehrung spricht, die man im Frauenvorhof getroffen habe.) Fromme u. werktätige Männer haben vor ihnen mit Fackeln getanzt u. Worte des Lobes vor ihnen gesprochen. Was haben sie gesagt? Wohl dem, der nicht gesündigt hat, u. dem, wenn er gesündigt hat, vergeben ward! Einige von ihnen sprachen: Heil meiner Jugend, daß sie mein Alter nicht beschämt! Das waren die werktätigen Männer. Und andre von ihnen sprachen: Heil meinem Alter, daß es Sühnung beschafft hat für meine Jugend! Das waren die Bußfertigen. Hillel der Alte (um 20 v. Chr.) sagte: Nach dem Ort, den mein Herz liebt (gemeint ist der Tempel), bringen mich meine Füße. Wenn du in mein Haus kommst (spricht Gott), so komme ich in dein Haus; u. wenn du nicht in mein Haus kommst, so komme ich nicht in dein Haus, wie es heißt Ex 20, 24: An jedem Ort, wo ich ein Gedächtnis meines Namens stiften werde, werde ich zu dir kommen u. dich segnen. Es geschah, daß Rabban Schimʿon b. Gamliël (ein Sohn Gamliëls des Alten, der vor der Zerstörung Jerusalems zu den leitenden Männern gehörte) mit acht Feuerfackeln tanzte, ohne daß eine von ihnen die Erde berührte. Wenn er sich verbeugte (bei einem Lobspruch), legte er seinen Finger (nach den Parallelstellen seine beiden Daumen) auf den Estrich, verharrte (so einen Augenblick) u. küßte (den Estrich) u. richtete sich sofort (ohne eine Hilfsbewegung mit seinem Körper zu machen) gerade auf. — Parallelstellen: pSukka 5, 55b, 28. 55; 55c, 1; Sukka 51b; 53a, 2. 9. 20. In der zuletzt genannten Stelle wird der Fackeltanz des Rabban Schimʿon b. Gamliël so beschrieben: Er nahm acht Feuerfackeln u. warf die eine (hoch) u. ergriff die andre, u. nicht berührten sie einander. ‖ pSukka 5, 55b, 58 kennt noch einen weiteren Ausspruch, den Hillel der Alte bei den Lustbarkeiten des Hüttenfestes getan haben soll. „Als Hillel der Alte sah, daß sie in Ausgelassenheit handelten, sagte er zu ihnen: Wenn wir hier sind, wer ist hier? (Doch nichts!) Bedarf er (Gott) denn unsres Lobes? Es steht ja geschrieben Dn 7, 10: Tausendmaltausend dienten ihm, u. Zehntausendmalzehntausend standen vor ihm. Als er sah, daß sie sich nach Gebühr verhielten, sagte er: Wenn wir nicht hier sind, wer ist hier? Denn ob es wohl wer weiß wie viele Lobgesänge vor ihm gibt, so ist ihm doch der Lobgesang Israels lieber als alle (übrigen).“ Was ist der Schriftgrund? „Etwas Liebliches sind die Lieder Israels“ 2 Sm 23, 1; „der da thront auf den Lobgesängen Israels“ Ps 22, 4. — bSukka 53a, 6 hat den Ausspruch singularisch gewandt: Als Hillel der Alte sich an der Freude der Stätte des Schöpfens erfreute, sagte er also: „Wenn ich hier bin, sind dann alle hier (so daß Gott außer mir keine Verehrer hätte)? Und wenn ich nicht hier bin, wer ist hier?“ — Faßt man den zweiten Teil des ersten Satzes als Frage u. versteht man unter dem Ich des Sprechenden Israel, so stimmt der Ausspruch inhaltlich einigermaßen mit der Überlieferung im pT überein. — Raschi läßt Hillel im Namen Gottes reden: Wenn ich (Gott) in diesem Tempel bin, besteht dessen Herrlichkeit, u. alle können hierher kommen; aber wenn ich weiche, wer kann hierher kommen? Daraus sollen die ausgelassenen Festpilger die Mahnung entnehmen, Gott durch ihre Sünden nicht zu erzürnen.


VI. Das Beschlußfest

1. Den Schluß des Laubhüttenfestes bildete der 8. Feiertag, für den Lv 23, 36 u. Nu 29, 35 eine besondere Festversammlung עֲצֶרֶת vorschreibt, durch die das Fest gleichsam abgeschlossen (עצר) werden sollte. Man kann also diesen 8. Feiertag als „Beschlußfest“ ansehen. Haggadisch wird das Wort עצרת einigemal mit עצר „zurückhalten“ in Verbindung gebracht.a — Wie Lv 23, 36 u. Nu 29, 35, so wird das Beschlußfest auch im Rabbinischen als „achter Tag des Hüttenfestes“ bezeichnet;b meist führt es jedoch den Namen „letzter Feiertag des Hüttenfestes“ דוֹם טוֹב חָאַחֲרוֹן שֶׁל חָג.c — Obgleich so das Beschlußfest als achter Feiertag zum Hüttenfest gerechnet worden ist,d hat es doch den Charakter eines selbständigen Festes behauptet. Man sah seine Selbständigkeit besonders darin ausgesprochen, daß die Priestergeschäfte eigens für den 8. Tag verlost werden mußten, indem sie an den einzelnen Festtagen unter den 24 Priesterklassen der Reihe nach umgingen; ferner darin, daß das Beschlußfest mit einem besonderen Lobspruch begrüßt wurde, daß sein Name in einigen Gebeten ausdrücklich zu nennen war, daß es seine besonderen Opfer, seinen besonderen Tempelpsalm u. dgl. hatte.e Auch die Tatsache, daß man am Beschlußfest nicht mehr in der Laubhütte wohnte, daß man den Feststrauß nicht mehr verwandte, u. daß die Wasserspende im Tempel unterblieb, wurde als Beweis angesehen, daß der 8. Feiertag ein Fest für sich sei.f

a. SNu 29, 35 § 151 (55a): „Am 8. Tage soll euch Versammlungsfeier עֲצֶרֶת sein“ Nu 29, 35; zurückhalten עצר will die Schrift, daß man nicht hinausgeht (aus Jerusalem). Siehe, wenn einer sein Geheiligtes (wie Friedmahlsopfer) aus Bethphage nach Jerusalem bringt, so könnte ich annehmen, daß er es in Jerusalem verzehren u. in Bethphage übernachten dürfe. Da sagt die Schrift lehrend: „Am 8. Tage soll euch עצרת, d. h. ‚Zurückhaltung‘ sein“; zurückhalten will ihn die Schrift, daß er nicht hinausgeht (aus Jerusalem). — Bethphage wird in dieser Stelle, anders wie sonst gewöhnlich, nicht zu Jerusalem gerechnet, s. dazu bei Mt 21, 1 A S. 839. — Andre Beispiele, in denen עצרת aus עצר „zurückhalten“ gedeutet wird, s. unter der folgenden Nr. 2, a.
b. zB Taʿan 2b in IV, l; weitere Beispiele bieten die hier folgenden Zitate.
c. zB Sukka 2, 6 in I, B, b; — Sukka 4, 8 in I, B, a; — TSukka 1, 7 (192) in I, B, b; — TSukka 4, 17 (199) in der folgenden Anm. e; — Taʿan 2b in IV, l; — TanchB פנחס § 13 (78a) in der folgenden Anm. d. Weitere Beispiele s. in Taʿan 1, 1. 2; SLv 23, 41 (416a); SNu 29, 35 § 151 (55b). — Eine Stelle, in der der 7. Laubhüttenfesttag „letzter Tag“ genannt wird, ist uns nicht begegnet. Vgl. bei Joh 7, 37 S. 490.
d. TanchB פנחס § 13 (78a): Der letzte Feiertag (d. h. der 8. Tag) wird zu den Tagen des Hüttenfestes gerechnet יום טוב האחרון עולה לימות החג.
e. TSukka 4, 17 (199): Der letzte (= 8.) Feiertag des Hüttenfestes hat eine Verlosung (der Priestergeschäfte) für sich, זְמַן für sich, רֶגֶל für sich, Opfer für sich (s. Lv 23, 36; Nu 29, 35–38), ein Psalmlied für sich u. einen Segen für sich, wie es heißt 1 Kg 8, 66: Am 8. Tage entließ er (der König Salomo) das Volk, u. sie segneten den König u. gingen zu ihren Zelten usw. — Dasselbe Sukka 48a, nur daß hier der Hinweis auf 1 Kg 8, 66 fehlt. — Zum Verständnis der Bar wird folgendes bemerkt. Mit זמַן = „Zeit“ ist der Lobspruch gemeint, mit dem man in einen Feiertag eintrat, Gott preisend, daß er den Sprechenden „diese Zeit“ זמן הזה habe erleben lassen. Der Lobspruch lautete: „Gepriesen seist du, Jahve unser Gott, König der Welt, der uns am Leben erhalten u. uns hat bestehen u. diese Zeit erreichen lassen!“ Dieser Lobspruch zeichnete den 8. Feiertag vor dem 2.–7. Feiertag aus, an denen er nicht gesprochen wurde, s. Sukka 47b. — Unter רֶגֶל = „Fest“ ist die ausdrückliche Nennung des Namens des Festes in gewissen Gebeten zu verstehen, zB in dem Lobspruch: „Gepriesen seist du usw., der uns geheiligt hat durch seine Gebote u. uns Festzeiten gegeben zur Freude, den ‚achten Tag des Hüttenfestes‘, dieses Beschlußfest.“ Die Nennung des 8. Tages des Hüttenfestes in diesem Lobspruch beweist, daß dieser Tag ein Fest für sich ist. — Das Psalmlied des 8. Feiertages ist Ps 12 gewesen, offenbar wegen seiner Überschrift עַל הַשְּׁמִינִית, Tr Sopherim 19 § 2. ‖ Am 1. Feiertag wurde gesungen Ps 76, am 2. Ps 29, am 3. Ps 50, 16 ff., am 4. Ps 94, 16 ff., am 5. Ps 94, 8 ff., am 6. Ps 81, 7 ff. u. am 7. Ps 82, 5 ff. Fiel der Sabbat auf den 2.–7. Feiertag, so wurde an dem betreffenden Tage der gewöhnliche Sabbatpsalm, d. h. Ps 92 gesungen; die Festpsalmen verschoben sich dann um einen Tag nach hinten u. der des 7. Tages, Ps 82, 5 ff., fiel fort. Der Festpsalm des 8. Tages blieb von dieser Verschiebung unberührt, u. eben darin tat sich kund, daß der letzte Festtag ein Fest für sich war. Über die Festpsalmen s. die Bar Sukka 55a u. Tr Sopherim 19 § 2. ‖ Sukka 47a: (R. Jehuda, um 150) sagte: Der 8. Tag ist ein Fest für sich; denn wie die sieben Tage des Hüttenfestes ein (besonderes) Opfer, ein (besonderes) Lied, einen (besonderen) Lobspruch u. das Übernachten (in Jerusalem nach Darbringung eines Friedmahlsopfers) nötig machen, so macht auch der 8. Tag ein (besonderes) Opfer u. ein (besonderes) Lied u. einen (besonderen) Lobspruch u. das Übernachten (in Jerusalem) nötig. — Mit dem hier erwähnten Lobspruch ist der zu dem Wort רֶגֶל im vorigen Zitat angeführte gemeint. — Zum Übernachten in Jerusalem s. das Zitat in Anm. a.
f. Sukka 47a: R. Levi b. Chama (lies b. Lachma, um 260) oder, wie auch gesagt ist, R. Chama b. Chanina (um 260) hat gesagt: Wisse, daß er (der 8. Tag) in drei Stücken (von den sieben ersten Feiertagen) verschieden ist: in bezug auf die Laubhütte (die am 8. Tage nicht mehr bewohnt wird), in bezug auf den Feststrauß (der am 8. Tage nicht mehr zu gebrauchen ist) u. in bezug auf die Wasserspende (die am 8. Tage nicht mehr dargebracht wird). — Auch in diesen Besonderheiten des 8. Tages hat man ein Anzeichen gesehen, daß er ein Fest für sich sei. ‖ Pesiq 194b: Ist es einem Israeliten erlaubt, am 8. Tag in seiner Laubhütte zu speisen? So haben die Gelehrten gelehrt (nämlich Sukka 4, 8): Wenn man das Essen (am 7. Tage) beendigt hat, soll man seine Hütte nicht (sofort) abbrechen, wohl aber schafft man von der Minchazeit an u. weiter die Gerätschaften hinaus (ins Haus zurück) wegen der Ehre des letzten (8.) Feiertags des Hüttenfestes (der im Hause zu begehen ist). R. Jehoschuaʿ b. Levi (um 250) hat gesagt: Man muß sich am 8. Tag von seiner Hütte absondern; denn längst hat die Tora gesagt: In Hütten sollt ihr sieben Tage wohnen Lv 23, 42 u. nicht acht Tage; u. wenn ihm seine Hütte wohlgefällt, wie soll er es machen? R. Hoschaʿja (um 225) hat gesagt: Er gehe u. spreche in seinem Haus das Qidduschgebet (schließend mit den Worten: Gepriesen seist du Jahve, der Israel u. die Zeiten [Feste] heiligt מְקַהֵשׁ), u. dann gehe er u. speise in seiner Hütte. Rabbi hat gesagt: Man muß die Hütte, solange es noch Tag ist, (am 7. Tage) untauglich machen. Wie macht man sie untauglich? Man nimmt einen Zweig von ihr weg, so ist sie untauglich. Warum aber bemüht ihn die Tora, in sein Haus zu gehen am 8. Tage? Weil dieser ein Fest für sich ist. Die Lehrer haben gesagt: Der 8. Tag ist ein Fest für sich, er hat eine Verlosung (der Priestergeschäfte) für sich, ein Opfer für sich u. einen Lobspruch für sich. Welchen Lobspruch hat er für sich? R. Elʿazar (um 270) hat gesagt: Man hat an ihm (dem 8. Tag) die Zeit זמן zu erwähnen (s. Anm. e); daraus erkenne, daß er ein Fest für sich ist. R. Abin der Levit (um 370) hat gesagt, R. Acha (um 320) habe gesagt: Bei allen Tagen des Hüttenfestes steht geschrieben: וביום „u. am Tage“ (s. Nu 29, 17. 20. 23. 26. 29. 32); aber bei diesem (dem 8. Tag) steht geschrieben ביום „am Tage“; das will dich erkennen lassen, daß er ein Fest für sich ist. — Parallelstellen: Pesiq 192b; pSukka 4, 54c, 41; PesiqR Zusatz 4 (202a).

2. Die Bedeutung des Schlußfestes hat die alte Synagoge meist darein gesetzt, daß es Israel zur Erflehung des Regens gegeben sei.a Daneben betont die Haggada aber auch den Gedanken, daß sich in der Einsetzung des Schlußfestes Gottes ganz besondere Liebe zu Israel offenbare.b

a. TanchB פנחס § 13 (78a): Warum haben die Gelehrten erlaubt, am letzten (8.) Feiertag aus der Laubhütte zu scheiden? Alle sieben Tage des Hüttenfestes hat man um Tau gebetet, aber am letzten Tage betet man um Regengüsse; deshalb darf man aus der Laubhütte scheiden, damit man mit ganzem Herzen um Regengüsse bete. — Dasselbe Tanch פנחס 242b. ‖ Pesiq 193b: R. Alexandrai (um 270) hat gesagt: Gleich einem König, dem eine Hochzeitsfreude kam. Alle sieben Tage des Hochzeitsmahles winkte die Matrone den Palastbewohnern u. sprach zu ihnen: Solange der König mit seinem Freudenfest beschäftigt ist, bittet um eure Bedürfnisse (denn da ist die Erfüllung eurer Wünsche euch gewiß); da sie es aber nicht verstanden, legte die Matrone für sie noch einen Tag zu. So gibt die Tora die ganzen sieben Tage (des Hüttenfestes) den Israeliten einen Wink u. spricht zu ihnen: Erbittet von Jahve Regen! Erkenne es, daß dem so ist: Am 2. Tage heißt es: ונסכיחם̇ (Nu 29, 19, statt ונסכה), am 6. Tage ונסכיֹה (Nu 29, 31, statt ונסכה), am 7. Tage כמשפטם̇ (Nu 29, 33, statt כמשפט), מ, י, מ (sind überflüssig), siehe das gibt מים Wasser; von hier hat man aus der Tora einen Beweis für die Wasserspende am Hüttenfest (s. hierzu oben bei IV, l). Da sie es aber nicht beachteten, legte ihnen die Tora noch einen Tag zu; darum mußte die Schrift sagen (Nu 29, 35): Am 8. Tage soll euch eine עֲצֶּרֶת sein, d. h. eine Hinzufügung (עצרת wird aus עָצַר „sammeln, hinzulegen“ gedeutet). — In der Parallelstelle Pesiq 195a ist der Gedanke etwas anders gewandt, insofern עצרת als „Zurückhaltung“ (von עָצַר zurückhalten) gefaßt ist; die Matrone nötigte die Gäste, noch einen Tag zu bleiben, damit sie ihre Wünsche vorbrächten. ‖ Pesiq 195a: Am 8. Tage soll עֲצֶרֶת sein Nu 29, 35. Dort, Dt 16, 8, heißt es: „Es ist עֲצֶרֶת für Jahve deinen Gott“; u. hier (Nu 29, 35) heißt es: „Es soll עֲצֶרֶת für euch sein.“ R. Chanina b. Ada (= b. Idi, gegen 300) hat gesagt: (Gott spricht:) Am Passahfest verschließe ich vor euch die Winde u. die Regengüsse, damit ihr euch mit der Feldarbeit befassen könnt; aber jetzt am Hüttenfest verschließt ihr euch vor mir (insofern nach Schluß der drei Wallfahrtsfeste Israel sich vom Tempel fernhält), u. ich öffne euch die Schatzkammern, in denen die Winde u. die Regengüsse sind; das meinen die Worte: Es soll eine עְצֶרֶת, d. h. eine Verschließung oder Zurückhaltung für euch sein. R. Levi (um 300) hat im Namen des R. Chama b. Chanina (um 260) gesagt: Womit läßt sich das vergleichen?’ Mit zwei Geschäftsleuten, die in eine Stadt kommen; der eine von ihnen antwortete u. sprach zu dem andren: Wenn wir beide zugleich unsren Handel aufmachen, siehe, so bewirken wir Geschäftslosigkeit in der Stadt; vielmehr mache du deine Woche lang auf, u. dann mache ich meine Woche lang auf (so würden sich Gott u. die Israeliten gegenseitig gehindert haben, wenn die Wallfahrtsfeste u. die Regenzeit in derselben Jahreshälfte gelegen hätten). R. Chanina b. Ada (= b. Idi, gegen 300) hat gesagt: „Wie schön sind deine Schritte in den Verschließungen (נְעָלִים „Schuhe“ 7, 2 gedeutet = נְעִילוֹת „Verschließungen“); בנעל (Singular) steht hier nicht geschrieben, sondern בנעלים (Plural), d. h. in den beiden Verschließungen; damit ist gemeint die Verschließung am Passahfest u. die Verschließung am Hüttenfest. Gott spricht zu den Israeliten: Meine Kinder, ihr schließt vor mir am Hüttenfest (so nach der Parallelstelle in Midr HL), u. ich schließe vor euch am Passahfest (so nach Midr HL). Ihr schließt vor mir am Hüttenfest u. ich mache auf (so nach Midr HL) u. lasse die Winde wehen u. führe Wolken herauf u. lasse Regengüsse niedergehen u. den Tau hervorbrechen u. die Gewächse wachsen u. die Früchte fett werden. Und ich schließe vor euch am Passahfest (so nach Midr HL), u. ihr geht hinaus u. erntet u. findet (das Land) voller Segen. Deshalb mußte die Schrift sagen Nu 29, 35: Am 8. Tage soll euch עצרת, d. h. eine Verschließung sein. — Parallelstelle: Midr HL 7, 2 (126a). ‖ Pesiq 191b: R. Levi (um 300) hat gesagt: Gott spricht zu den Israeliten: Meine Kinder, seid sorgsam auf die Opfer bedacht, die ich euch in der Tora geschrieben habe; denn es gibt keinen besseren Fürsprecher (פרקליט = παράκλητος) für das Niedergehen der Regengüsse als die Opfer; deshalb mußte die Schrift sagen Nu 29, 35: Am 8. Tage soll euch eine Festversammlung sein. ‖ Joma 21b: R. Jiçchaq b. Abdimi (um 300) hat (als Bar, s. BB 147a) gesagt: Am Ausgang des letzten Feiertages des Hüttenfestes schauten alle auf den Rauch der (Altar-)Holzschicht. Neigte er sich nach Norden, so freuten sich die Armen u. die Besitzer waren traurig, weil (beim Herrschen des Südwindes) die Regengüsse des Jahres zahlreich (ergiebig) u. ihre Früchte faulig werden (u. deshalb nicht zwecks Preistreiberei zurückgehalten werden können). Neigte er sich nach Süden, so waren die Armen traurig u. die Besitzer freuten sich, weil (beim Herrschen des Nordwindes) die Regengüsse des Jahres gering werden u. ihre Früchte sich aufbewahren lassen (infolgedessen die Preise steigen). Neigte er sich nach Osten, so freuten sich alle (weil beim Herrschen der Westwinde ein gutes Erntejahr zu erwarten war). Neigte er sich nach Westen, so waren alle traurig (weil die Ostwinde eine Mißernte bedeuteten). — Diese Bar ruht auf dem Gedanken, daß am Hüttenfest der Gerichtsspruch über die nächstjährigen Regenverhältnisse gefällt wird, u. daß das gefällte Urteil am Ausgang des 8. Feiertages in der Richtung des Altarrauchs sich kundtut. — Parallelstelle: BB 147a.
b. Pesiq 193b: R. Alexandrai (um 270) hat gesagt: Gleich einem König dem ein Freudenfest kam. Die ganzen sieben Tage des Mahles war der Sohn des Königs um die Gäste bemüht; als die sieben Tage des Mahles dahingegangen waren, sprach der König zu seinem Sohn: Ich weiß, daß du die ganzen sieben Tage des Mahles um die Gäste bemüht gewesen bist; jetzt wollen wir uns, ich u. du, einen Tag lang erfreuen; u. ich will dir nicht viel Mühe machen, sondern nimm ein Huhn u. ein Litra Fleisch. So sind die Israeliten die ganzen sieben Tage des Hüttenfestes (der Text liest: „des Mahles“) mit den Opfern für die Völker der Welt beschäftigt; denn R. Pinechas (b. Chama, um 360) hat gesagt: Alle jene 70 Farren, die die Israeliten im Hüttenfest geopfert haben, haben sie mit Bezug auf die 70 Völker (der Welt) geopfert, damit die Welt nicht da ohne (nämlich ohne Regen) ausgehen möchte; das meinen die Worte Ps 109, 4: Für meine Liebe befeinden sie mich, u. ich bin Gebet, d. h. wir verlassen uns auf das Gebet. Und wenn die sieben Tage des Hüttenfestes dahingegangen sind, spricht Gott zu den Israeliten: Ich weiß, meine Kinder, daß ihr die ganzen sieben Tage des Hüttenfestes mit den Opfern für die Völker der Welt beschäftigt gewesen seid, u. jetzt wollen wir, ich u. ihr, uns zusammen erfreuen, u. ich will euch nicht viel bemühen, sondern einen Farren u. einen Widder (sollt ihr darbringen, s. Nu 29, 36). Und als die Israeliten solches hörten, fingen sie an Gott zu loben u. sprachen Ps 118, 24: Dies ist der Tag, den Jahve gemacht hat, laßt uns jubeln u. froh sein über ihn. R. Abin (I. um 325; Il. um 370) hat gesagt: Wir wissen nicht, worüber wir froh sein sollen, ob über den Tag oder über Gott. Da ist Salomo gekommen u. hat es erklärt HL 1, 4: „Wir wollen jubeln u. froh sein über dich“; über dich, über deine Tora; über dich, über deine Hilfe. R. Jiçchaq (um 300) hat gesagt: Über dich בך, d. h. über die 22 Buchstaben, mit denen du uns deine Tora geschrieben hast, ב ist (seinem Zahlenwert nach) 2, כ ist 20. — Dasselbe, aber kürzer u. unter dem Autornamen des R. Elʿazar (um 270, statt des R. Alexandrai) Sukka 55b; anonym u. ohne das Gleichnis PesiqR Zusatz 4 (202b); Pesiq 195b. In den letzten Stellen berechnet R. Berekhja (um 340) die 70 Farren Nu 29, 13–32 in folgender Weise: Am 1. Tage 13 u. am 7. Tage 7, das sind 20; am 2. Tage 12 u. am 6. Tage 8, das sind 20; am 3. Tage 11 u. am 5. Tage 9, das sind 20, u. am 4. Tage 10. das sind 70. — Die Meinung, daß die 70 Farren der sieben ersten Tage des Hüttenfestes für die 70 Völker der Welt dargebracht worden seien, wird ziemlich oft ausgesprochen, s. außer den oben genannten Stellen zB noch Midr HL 1, 15 (74a); 4, 1 (109a); TanchB פנהס § 14 (78b); NuR 21 (192c); Midr Ps 109 § 4 (233a). — Angeschlossen möge hier noch folgende Ausführung zu den 70 Opferfarren werden: Warum ist täglich (1 Farre) weniger? Die Tora will dich die Art der Menschen lehren: wenn jemand in eine (Privat-)Herberge kommt u. der andere nimmt ihn auf, so gibt er ihm am 1. Tage Geflügel (עזפיח Druckfehler für עופית) zu essen, am 2. gibt er ihm Fische, am 3. Fleisch, am 4. Grünkraut u. so immer weniger, bis er ihm Hülsenfrüchte zu essen gibt Pesiq 195b. Dasselbe TanchB פנחס § 16 (78b); NuR 21 (192c). ‖ Pesiq 195a: Du findest, wie das Schlußfest des Passah (d. h. Pfingsten, das ebenfalls עֲצֶרֶת heißt) 50 Tage entfernt ist, so hätte auch dieses (Schlußfest des Hüttenfestes) 50 Tage entfernt sein sollen, u. warum liegt es dicht beim Hüttenfest? R. Jehoschuaʿ b. Levi (um 250) hat gesagt: Womit läßt sich die Sache vergleichen? Mit einem König, der viele Kinder hatte, von denen einige in einem fernen Ort u. einige in einem nahen Ort verheiratet waren. Wenn er nach denen, die in einem nahen Ort verheiratet waren, verlangte, so kamen sie zu ihm, u. wenn sie zu gehen wünschten, entließ er sie, denn der Weg war nahe, u. an jedem Tage, da sie wiederzukommen wünschten, konnten sie immer wiederkommen. Aber wenn die, die an einem fernen Ort verheiratet waren, zu ihm kamen u. wieder abzureisen wünschten, so hielt er sie noch einen Tag bei sich zurück. So sind am Passahfest die Tage des Sommers, darum ziehen die Israeliten am Wochenfest (Pfingsten) 50 Tage hinterher nach Jerusalem hinauf; aber jetzt nach dem Hüttenfest sind die Tage der Regengüsse, u. die Wege (das Reisen) sind beschwerlich. Deshalb spricht Gott: Solange sie noch hier sind, sollen sie das Schlußfest halten; das meinen die Worte (Nu 29, 35): Am 8. Tage soll euch Versammlungsfeier sein. — Parallelstellen: Pesiq 193a; Tanch פנחס 242b; TanchB פנחס § 13 (78a); Midr HL 7, 2 (126a); die letzte Stelle s. bei Apg 2, 1 S. 598 Anm. e.


Strack, H. L., & Billerbeck, P. (1922–1926). München: C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck.

Die Opfer von J. N. Darby

Die Reihenfolge der Opfer

Es ist vor allen Dingen nötig, die Ordnung der Opfer zu beachten. Die Reihenfolge ihrer Anwendung steht durchweg im Gegensatz zu der ihrer Einsetzung. Es gibt vier grosse Klassen von Opfern: 1. Das Brandopfer, 2. Das Speisopfer, 3. Das Dank- oder Friedenopfer, 4. Das Opfer für die Sünde. Ich zähle sie hier in der Reihenfolge ihrer Einsetzung auf. In ihrer Anwendung kommen die Sündopfer immer zuerst, denn der Mensch ist immer ein Sünder und muss mit Gott versöhnt werden. Wenn er Gott nahen will durch ein Opfer, so muss dies stets durch die Wirksamkeit des Opfers geschehen, das die Sünde wegnimmt, indem diese Sunde durch einen anderen getragen worden ist. Der Herr Jesus aber, als das grosse Opfer, hat nur als Sünder an unserer Statt gehandelt werden können, weil Es sich ohne Flecken Gott geopfert hat, indem Er selbst keine Sünde kannte. Jesus hat sich selbst zum Opfer gestellt mit den Worten: „Ich komme, um deinen Willen, o Gott, zu tun“. Er gab sich freiwillig hin, damit die Sünde auf Ihn gelegt werden und so den Tod für unsere Sünden erleiden konnte.

Überdies liegt, nachdem die Sünde hinweggetan ist, die Quelle unserer Gemeinschaft in der Vortrefflichkeit Christe, des fleckenlose Opfers. Obwohl es zu unserer Einführung in diese Gemeinschaft unbedingt nötig war, dass Christus zuvor unsere Sünden trug, kommen doch das Brandopfer, das Speisopfer und das Friedensopfer zuerst, und danach erst die Opfer für die Sünde besonders. Diese letzteren sind vor allem notwendig für uns; aber sie drückten nicht die Vollkommenheit Christi aus, denn Er

wurde darin als Sünder behandelt, obgleich Er zu diesem Zweck notwendigerweise in sich selbst vollkommen sein musste.

Aus dem soeben Gesagten erhellt, dass es Christus ist, den wir in diesen Opfern erblicken müssen. Es ist der Wert der Wirkung dieses vollkommenen Opfers, den wir unter seinen verschiedenen Formen betrachten wollen. Wohl ist es wahr, dass auch der Christ in einem untergeordneten Gesichtspunkt seine Darstellung darin findet, denn er soll seinen Leib als ein lebendiges Schlachtopfer darstellen. Auch soll er durch die Früchte der christlichen Liebe Gott Opfer des lieblichen Geruchs darbringen, Gott wohlannehmlich durch Jesum Christum. Für den Augenblick ist es jedoch nicht unser Zweck, den Christen darin zu betrachten, sondern Christum.

Ich habe gesagt, dass es vier grosse Arten von Opfern gibt: Brandopfer, Speisopfer, Friedensopfer und Sündopfer, eine Einteilung, die wir in Hebr. 10,8 angedeutet finden. Allein es besteht noch ein anderer wesentlicher Unterschied zwischen den Opfern, der sie in zwei bestimmt unterschiedene Klassen teilt: in die Opfer für die Sünde einerseits, und in all die anderen Darbringungen anderseits. Als Sündopfer waren die ersten niemals „Feueropfer lieblichen Geruchs dem Jehova“, während die letzten dies waren. In den ersten trat die Sünde augenscheinlich hervor. Sie waren gleichsam mit Sünden beladen. Sie stellte Sünde dar. Wer sie anrührte, wurde verunreinigt. In der Ursprache gibt es sogar nur ein Wort für Sünde und Sündopfer. Man verbrannte diese Art von Opfern, aber nicht auf dem Altar, mit Ausnahme des Fettes einiger von ihnen, von denen wir später reden werden.

Die anderen Opfer waren Feueropfer lieblichen Geruchs dem Jehova. Sie stellen uns Christum dar, wie Er sich selbst ohne Flecken Gott opfert, nicht aber Christum, als unsere Sünden tragend und als Sünder seitens des heiligen und gerechten Gottes behandelt.

 

 

Diese beiden Punkte sind in dem Opfer Christi sehr bestimmt unterschieden und sehr kostbar. Gott hat Den als Sünder behandelt, der keine Sünde kannte, aber ist ebenso wahr, dass Christus sich selbst durch den ewigen Geist Gott geopfert hat ohne irgendwelchen Flecken. Diesen letzten Punkt wollen wir jetzt zunächst betrachten in der Reihenfolge der Opfer, wie das 3. Buch Mose sie uns darstellt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Das Brandopfer

Die erste Art Opfer, zugleich die vollständigste und meist charakteristische der „Feueropfer lieblichen Geruchs“, ist das Brandopfer. Der Anbeter musste sein Opfer an den Eingag des Zeltes der Zusammenkunft bringen und es schlachten vor Jehova, zum Wohlgefallen für ihn.*)

Was nun zunächst den Ort betrifft, wo der Dienst vor sich ging, so war die Stiftshütte in drei Teile geteilt. Den ersten bildete das Allerheiligste, der innerste Teil des Zeltes, der durch einen Vorhang von dem übrigen getrennt war. Hier befanden sich die Bundeslade und die Cherubim der Herrlichkeit, die den Sühnungsdeckel oder Gnadenstuhl überschatteten, und nichts anderes. Hier war der Thron Gottes, sowie das Vorbild Christo, in welchem Gott sich geoffenbart hat, von Christ, der wahren Bundeslade und dem wahren Gnadenstuhl

Der Vorhang deutete an, wie der Apostel uns sagt, dass der Weg ins Allerheiligste nicht geoffenbart war, so lange der alte Haushalt noch bestand. Ausserhalb, unmittelbar vor dem Vorhang, stand der goldene Räucheraltar, von dem man bei gewissen Gelegenheiten Weihrauch in einem Räucherfass nahm, um ihn innerhalb des Vorhangs darzubringen. Seinem Zweck nach gehörte er also zum Allerheiligsten. Ferner stand ausserhalb des Vorhangs, (in dem Teile der Stiftshütte, der zur Unterscheidung von dem „Allerheiligsten“ „das Heilige“ genannt wurde,) auf der einen Seite der Schaubrottisch und auf der anderen der siebenarmige goldene Leuchter — die Schaubrote ein Vorbild des fleischgewordenen Christus, des wahren Brotes, in Verbindung mit und als Haupt von den zwölf Stämmen; der Leuchter ein Bild

*) Das ist der Sinn des hebräischen Wortes. Zugleich waren die Brandopfer freiwillige Opfer, was bei den Opfern für die Sünde nicht der Fall war.

 

 

 

 

der Vollkommenheit*) des Geistes als Spender des Lichtes. Die Kirche trennt Christum also, und der heilige Geist wohnt in ihr. Was sie jedoch als Kirche charakterisiert, ist die Kenntnis eines himmlischen und verherrlichten Christus und di Gegenwart des Heiligen Geistes in Einheit in ihr. Hier ist es Christus in Seinen irdischen Beziehungen, und der Heilige Geist in Seinen mannigfaltigen Machtentfaltungen.

In das „Heilige“ ging nicht nur der Hohepriester hinein, sondern die Priester im allgemeinen hatten hier fortwährend Zutritt, aber auch nur sie allein. Wir wissen, wer jetzt dort eingehen darf, und wer allein. Es sind diejenigen, die zu Königen und Priestern gemacht sind, die wahren Heiligen Gottes. Nur, dürfen wir hinzufügen, ist jetzt der Vorhang, der das Allerheiligste verbarg und den Zugang dahin versperrte, von oben bis unten zerrissen und darf nie wieder erneuert werden. Wir haben durch das Blut Jesu Freimütigkeit, ins Allerheiligste einzutreten. Der Vorhang, „das ist Sein Fleisch“, ist zerrissen worden. Wir finden in Joh. 6 nicht nur das in dem Fleisch gewordenen Christus vom Himmel hernieder gekommene Brot, sondern auch Fleisch und Blut, d. i. den gestorbenen Christus. Eins mit Christo, treten wir jetzt ein und setzen uns im Geiste da nieder, wo Er sich gesetzt hat. Unser Verrecht ist, zu aller Zeit und als solche, die ein Recht dazu haben, ins Heiligtum einzugehen — das Heiligtum ein Bild des geschaffenen Himmels; das Allerheiligste ein Bild dessen, was in der Schrift „die Himmel der Himmel“ genannt wird. In gewissem Sinne, was geistliches hinzunahen und geistlichen Verkehr betrifft, sind jetzt, nachdem der Vorhang zerrissen ist, Allerheiligstes und Heiliges zu Einem geworden, obwohl Gott stets in einem für den Menschen

*) Die Zahl sieben ist die Zahl der Vollkommenheit, zwölf ebenfalls, wie dies aus manchen Schriftstellen hervorgeht. Sieben deutet absolut Vollkommenheit im Guten oder Bösen an, zwölf Vollkommenheit in einer dem Menschen anvertrauten Verwaltung

 

 

 

 

unnahbaren Lichte wohnt. Wir befinden uns schon jetzt, wiewohl nur im Geist, als Priester in den himmlischen Örtern.

Draussen vor dem Heiligtum befand sich der Vorhof des Zeltes der Zusammenkunft. Es war ein äusserer Hof, umgeben von Byssus - Behängen, die an Säulen befestigt waren. Beim Eintritt in diesen Hof begegnete man zunächst dem Brandopferaltar.  Zwischen diesem und der Stiftshütte stand das eherne Waschbecken, in welchem die Priester sich wuschen, ehe sie zur Verrichtung ihres Dienstes in die Stiftshütte gingen.

Ws liegt auf der Hand, dass wir Gott nicht nahen können, als nur auf Grund des Opfers Christi, und das wir gewaschen sein müssen in dem Waschbecken der Wiedergeburt, ehe wir im Heiligtum dienen können.*) als Priester bedürfen wir auch der Fusswaschung seitens des Herrn, um unseren beständigen Dienst im Heiligtum ausüben zu können (S. Joh. 13.)

Auf diesem Wege hat Christus selbst sich genaht, allerdings nicht auf Grund des Opfers eines anderen, sondern indem er sich selbst als ein vollkommenes Opfer Gott darbrachte. Es gibt nichts Rührenderes, nichts was unserer eingehenden Betrachtung würdiger wäre, als die Art und Weise, wie Jesus sich freiwillig Gott darstellte, damit Gott in Ihm vollkommen verherrlicht werde. Er litt schweigend, und dieses Schweigen war das Ergebnis

*) Diese Ordnung ist auffallend. Wir würden das Waschbecken vor den Altar gesetzt haben. Aber für den, der herzunaht, kommt das Opfer Christi zu allererst. Der Altar ist für die Sünden, und das ist das erst, dessen wir bedürfen. In dem Waschenbecken sehen wir unseren Tod vorgebildet: die Anwendung des Todes auf unsere Natur. Wir sind mit Christo gestorben. Das kommt nachher. Den Altar finden wir in Römer 3,20 usw.,  das Waschbecken in Römer 6. Der eherne Altar im Vorhof ging nicht weiter als zur Genugtuung für die Sünden, entsprechend der Verantwortlichkeit des Menschen, während der Sühnungsdeckel im Allerheiligsten das andeutete, was für die Gegenwart Gottes notwendig war. In dem Werke Christi finden wir beides. Bei der Anwendung steht das Waschbecken zwischen den beiden.

 

 

 

 

Eines vollkommenen und tiefen Entschlusses, sich im Gehorsam für die Verherrlichung Gottes aufzuopfern. Und diesen Dienst hat Er gepriesen sei Sein Name! Voll und ganz erfüllt, so dass der Vater jetzt in Seiner Liebe zu uns ruht.

Diese Hingehung an die Herrlichkeit des Vaters konnte sich auf zweierlei Art offenbaren: zunächst dadurch, dass Er alle Kräfte und Fähigkeiten des lebenden Menschen, (dessen Vollkommenheit aber durch den Tod und das Feuer des Gerichtes erprobt werden musste,) Ihm widmete — das ist es, was uns im Speisopfer dargestellt wir; und zweitens dadurch, dass Er sich selbst, Sein Leben, der göttlichen Herrlichkeit zum Opfer brachte — das ist es, was wir im Brandopfer vorgebildet finden. Beide Opfer sind grundsätzlich gleich, indem sie die gänzliche Widmung des menschlichen Daseins Gott gegenüber darstellen, das andere die Hingabe des Lebens in den Tod.

Bei dem Brandopfer brachte der Opfernde das Opfertier ganz und gar Gott dar an dem Eingang des Zeltes der Zusammenkunft. So hat auch Christus sich dargebracht, um den Ratschluss Gottes zu erfüllen und Ihn zu verherrlichen. In dem Vorbilde waren das Opfer und der Opfernde notwendigerweise unterschieden, und der Opfernde legte seine Hände auf den Kopf des Opfertieres, zum Zeichen dass er sich mit ihm einmachte. Christus war beides: Er war das Opfer, und Er opferte sich selbst. Führen wir einige Stellen an, die uns Christum in diesem Charakter vorstellen, wie Er den Platz dieser Opfer einnimmt. Der Heilige Geist lässt den Herrn in Hebr. 10,7 sagen, indem Er den 40. Psalm anführt: „Da sprach ich: Siehe, ich komme; in der Rolle des Buches steht von mir geschrieben. Dein Wohlgefallen zu tun, mein Gott, ist meine Lust; und dein Gesetz ist im Inneren meines Herzens“*)

*) Bekanntlich war durch die Aufrichtung des goldenen Kalbes (nächste Seite)

 

 

 

 

 

 

Christus also, der sich völlig hingibt, um den ganzen Willen Gottes zu tun, tritt an die Stelle der Opfer. Er ist das Gegenbild der „Schatten der zukünftigen Güter“. Wenn Er an einer anderen Stelle von Seinem Leben spricht, so sagt Er: „Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selbst. Ich habe Gewalt es zu lassen und habe Gewalt es Widerzunehmen. Dieses Gebot habe ich von meinem Vater empfangen.“ (Joh. 10,18) Das war Gehorsam, aber ein Gehorsam, der sich in der Aufopferung Seiner selbst kundgab. Deshalb sagt Er auch im Hinbild auf Seinen Tod: „Der Fürst der Welt kommt und hat nichts in mir; auf dass

die Autorität Gottes verachtet und mit Füssen getreten worden. Israel hatte seinen freiwilligen Entschluss, alles zu tun, was Jehova gesagt hatte, auf diese Weise gebrochen. Es hatte ganz und gar gefehlt. Wie sollte nun der Mensch Gott nahen? Das Gesetz hatte das Böse, das im Mensch war, ans Licht gebracht. War es nun an Gott, mit denen zu unterhandeln, die soeben erst gefallen waren, und sie in ihrer Bosheit anzuerkennen? Sollte Gott sich Seines Charakters entkleiden? Wenn Er das nicht tun konnte, nicht tun durfte, so blieb Ihm nichts anderes übrig, als in Gnade vom Himmel zu reden. Es gab keine andere Möglichkeit mehr, mit den Menschen auf der Erde zu verkehren. Die hatten Den verachtet, der auf die Erde zu ihnen redete. Die Frage war also: Wie kann der Mensch mit Gott im Himmel Verbindung gebracht werden?

Dazu bedurfte es eines Opfers. Aber wo ein Opfer finden, das imstande war, den Menschen der Sünde rein zu waschen? Es gab keinen Menschen, der imstande oder geneigt gewesen wäre, so etwas zu tun. Das war kein Werk für einen Sünder. Da sprach der Sohn Gottes: „Siehe, ich komme, um deinen Willen, o Gott, zu tun. Dein Gesetz ist im Innern meines Herzens.“ — „Schlachtopfer und Speisopfer hast du nicht gewollt, einen Leib aber hast du mir bereitet.“ Es war der Leib, in welchem der wohnen sollte, welcher Gehorsam selbst war. „Ohren hast du mir bereitet.“ Und wir sehen Christum freiwillig diesen Leib annehmen, um dein Willen Gottes zu tun. Auf diese Weise besitzen wir jemand, der fähig war, das Opfer zu werden, Einen, der sich mit der Gestalt eines Knechtes bekleidet hat um den Geboten Jehovas gehorsam geworden ist. Er hatte sowohl den Willen als auch die Fähigkeit, dies zu tun: „Dein Gesetz ist im Innern meines Herzens“.

 

 

 

 

 

 

 

Die Welt erkenne, das ich den Vater liebe und also tue, wie mir der Vater geboten hat“. (Joh. 14,30+31) So lesen wir auch in Luk. 9,51: „ Es geschah aber, als sich die Lage Seiner Aufnahme erfüllten, dass Er Sein Angesicht feststellte, nach Jerusalem zu gehen“. — Wie schön und voller Gnade ist doch dieser Weg des Herrn! Er war ebenso fest entschlossen, sich Gott zu weihen und sich zu unterwerfen, wie der Mensch leichtfertig gewesen war, sich von Gott zu entfernen, und hartnäckig, in dieser Entfernung zu beharren. Jesus machte sich selbst zu nichts und erniedrigte sich bis zum Tode, damit auf diesem Wege die Majestät und Liebe Gottes, Seine Wahrheit und Gerechtigkeit vollkommen ans Licht gebracht werden könnten.*) So wurde der Mensch in der Person Christi mit Gott versöhnt. Gott ist ebenso vollkommen in dem Menschen verherrlicht worden, wie Er in ihm verunehrt worden war. (Der Leser wolle beachten, dass ich nicht sage: in den Menschen, sondern in dem Menschen.) Und das gesegnete Ergebnis war nicht nur Vergebung der Sünden, sondern Einführung in die Herrlichkeit Gottes.

Das Brandopfer musste „ohne Fehl“ sein. Die Anwendung dieser Eigenschaft auf Christum ist zu deutlich, um einer Erklärung zu bedürfen. Er war das Lamm „ohne Fehl und ohne Flecken“. Der Opfernde musste das Opfertier vor Jehova schlachten. Dieser Umstand macht

*) In der Tat, um Sünde in die Gegenwart Gottes einzuführen, musste Jesus nicht nur das Gesetz beobachten, sondern gehorsam werden bis zum Tode, ja, bis zum Tode am Kreuz. Er hätte die Gerechtigkeit verkündigen können in der grossen Versammlung (Ps. 40,10), aber die Menschen hassten die Gerechtigkeit. Er hätte jede Art von Werken der Barmherzigkeit und des Segens tun können, aber die einen beneideten, die anderen verspotteten Ihn. Alle Kundgebungen der Gerechtigkeit in Ihm waren an und für sich von keinem Nutzen. Deshalb war es nötig, dass Er ein Opfer wurde. Sein Blut musste vergossen werden, sollten wir anders Gott nahen können. Unter diesem Charakter stellt uns das Brandopfer Christum vor Augen.

Die Ähnlichkeit mit Christo vollständig, denn obgleich Er offenbar nicht sich selbst töten konnte, gab Er doch Sein Leben freiwillig hin. Niemand nahm es von Ihm. Er liess es freiwillig vor Jehova. Das war, in der Zeremonie des Opfers, das Teil dessen, der das Opfer darbrachte, und ebenso war es das Teil Christi als Mensch. Der Mensch sah im Tode Christi nur das Gericht des Menschen, die Macht des Kajaphas oder die Macht der Welt. In Wirklichkeit aber, als Opfer betrachtet, opferte Christus sich selbst vor Jehova.

Wir kommen jetzt zu dem Teil, das der Herr und der Priester an dem Brandopfer hatten. Das Opfer musste dem Feuer des Altars Gottes unterworfen werden. Es wurde in Stücke zerschnitten, gewaschen und so, entsprechend der Reinigung des Heiligtums, dem Gericht Gottes anheimgegeben, denn das Feuer, als Vorbild, bezeichnet stets das Gericht Gottes. Was die Waschung mit Wasser betrifft, so machte sie das Opfer vorbildlich zu dem, was Christus Seinem Wesen nach war: rein. Bedeutungsvoll aber ist hier, dass die Reinigung des Opfers und die unsrige nach demselben Grundsatz und nach demselben Massstabe geschehen. Wir sind geheiligt durch den Geist zum Gehorsam. Jesus kam, um den Willen seines Vaters zu tun, und so hat Er, vollkommen von Beginn Seiner Laufbahn an, an dem, was Er litt, den Gehorsam gelernt. Allezeit vollkommen gehorsam, wurde Sein Gehorsam doch auf immer schwerere Proben gestellt, so dass Er stets an Tiefe und Vollendung zunahm: Er lernte den Gehorsam. Derselbe war neu für Ihn als eine göttliche Person, (für uns ist er neu, weil wir von Natur Aufrührer sind gegen Gott,) und Er lernte ihn in seiner ganzen Ausdehnung.

Überdies geschieht diese Waschung mit Wasser in unserem Falle durch das Wort, und Christus bezeugt von sich selbst, dass der Mensch von jedem Wort lebe, das durch den Mund Gottes ausgehe. Selbstredend besteht notwendigerweise dieser Unterschied, das Christus Leben hatte in sich selbst und das Leben war (s. Joh. 1 u. 5), während wir dieses Leben von Ihm empfangen. Und während Er selbst dem geschriebenen Worte gehorsam war, bildeten die Worte, die von Seinen Lippen Flossen, den Ausdruck Seines Lebens und sind die Richtschnur für das unsrige

Untersuchen wir diesen Gegenstand noch etwas näher. Das Wasser der Reinigung stellte auch die Macht des Heiligen Geistes dar, die durch das Wort und den Willen Gottes wirkt, sowie den Beginn dieses Lebens in uns: „Nach Seinem eigenen Willen hat ER uns durch das Wort der Wahrheit gezeugt, auf dass wir eine gewisse Erstlingsfrucht Seiner Geschöpfe seien“. (Jak. 1,18.) „Durch welchen Willen wir geheiligt sind.“ (Hebr. 10,10.) Dieses Werk des Geistes aber findet uns tot in Sünden und Vergehungen. Die Befreiung muss also durch den Tod und die Auferstehung Christi geschehen. Deshalb floss bei Seinem Tode Wasser und Blut aus Seiner Seite hervor, als die Zeichen der reinigenden und sühnenden Kraft. Der Tod also, und der Tod allen, reinigt uns von der Sünde und sühnt sie. „Wer gestorben ist, ist freigesprochen von der Sünde“ ( Röm. 6,7), und das Wasser wurde auf diese Weise das Zeichen des Todes, denn dieser allein reinigt.

Diese Wahrheit von einer wirklichen, durch den Tod erfolgte Reinigung war denen, die unter dem Gesetz lebten, notwendigerweise verborgen. Sie besassen nur die Vorbilder davon, denn das Gesetz wandte sich an den lebenden Menschen und forderte Gehorsam von ihm. Der Tod Christi aber stellte die Wahrheit ans Licht, dass wir tot waren, dass in unserem Fleische nichts Gutes wohnte, und das also eine Reinigung nur durch Tod und Auferstehung erfolgen konnte. Deshalb sagt die Schrift, indem sie auf den simbolischen Gebrauch des Wassers in der Taufe anspielt: „Wisset ihr nicht, dass wir, so viele auf Christum Jesum getauft worden, auf Seinen Tod getauft worden Sind?“ Indes ist es klar, dass wir nicht bei dem Tode stehen bleiben dürfen, denn gerade die Mitteilung des Lebens Christi befähigt uns, den alten Menschen für tot zu halten und uns selbst als bereits gestorben in unseren Vergehungen und Sünden „Wenn Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot der Sünde wegen, der Geist aber Leben der Gerechtigkeit wegen.“ (Röm. 8,10) Auch wird uns gesagt: „Euch, als ihr tot waret in den Vergehungen und in der Vorhaut eures Fleisches, hat Er mitlebendig gemacht mit Ihm“; und: “So sind wir nun mit Ihm begraben worden durch die Taufe aus den Tod, auf dass, gleichwie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, also auch wir in Neuheit des Lebens wandeln“. (Kol. 2,12; Röm. 6,4.) Nur in der Macht eines neuen Lebens sind wir fähig, uns der Sünde für tot zu halten. Erst dann, wenn wir die Kraft des Todes und Auferstehung Christi verstanden haben und wissen, dass wir i Ihm sind durch den Heiligen Geist, können wir sagen: Ich bin mit Christo gekreuzigt; ich bin nicht mehr im Fleische. Wir sehen also, dass diese Reinigung, die für dein Juden nur in einer sittlichen Wirkung bestand, in uns wirksam ist durch die Mitteilung des Lebens Christi und das darstellt, was uns gemäss der Kraft Seines Todes und Seiner Auferstehung geheiligt hat. Die Sünde als Gesetz in unseren Gliedern ist gerichtet. Der erste Adam hat als eine lebendige Seele sich selbst verderbt. Der zweite Adam teilt als ein lebendig machender Geist uns ein neues Leben mit.

Wenn aber die Mitteilung des Lebens Christi durch eine Verhöhnung diese Wirkung in uns hervorbringt, so ist es offenbar, dass dieses Leben in Ihm wesentlich rein war, während in uns das Fleisch wider den Geist gelüftet. Jesus war, selbst dem Fleische nach, von Gott geboren. Nichtsdestoweniger musste Er, obgleich vollkommen rein, sich der Taufe unterziehen, und zwar nicht nur der Wassertaufe, um allen Gerechtigkeit zu erfüllen, sondern auch zur alles dessen, was in Ihm war,

der Feuertaufe. „Ich habe eine Taufe“, sagte Er, „womit ich getauft werden muss, und wie bin ich beengt, bis sie vollbracht ist!“

Christus opferte sich also gänzlich Gott, um Gottes Herrlichkeit völlig zu offenbaren und sich Seinem Gericht zu unterwerfen. Das Feuer erprobte, was Er war. Er musste „mit Salz gesalzen werden“. Die vollkommene Heiligkeit Gottes, in der ganzen Gewalt Seines Gerichts, erprobte bis aufs äusserte alles was in Jesu war. Der Schweiss, der wie grosse Blutstropfen zur Erde fiel, das ergreifende Flehen, das Er im Garten Gethsemane „mit starkem Geschrei und Tränen“ emporsandte, die tiefe Seelenangst, die Ihm am Kreuz, im Bewusstsein Seiner Gerechtigkeit, den Schrei auspresste: „Warum hast du mich verlassen?“ – ein Schrei, der im Blich auf eine Erleichterung der Bedrängnis unbeantwortet blieb, - alles das zeigt uns den Sohn Gottes völlig auf die Probe gestellt. Tiefe rief der Tiefe. Alle Wogen und Wellen Jehovas gingen über Ihn hin. (Ps. 42,7.) Aber so wie Er sich ganz und gar freiwillig dieser Probe unterwarf, die bis auf den tiefsten Grund Seiner Seele ging, ebenso hat dieses Feuer des Gerichts, das Seine innersten Gedanken erprobte, nichts anderes hervorzubringen vermocht als einen lieblichen Geruch für Gott. Es ist bemerkenswert, dass das Wort, welches im Urtext angewandt wird, um die Handlung des Verbrennens des Brandopfers zu bezeichnen, dasselbe ist dasjenige, dessen die Schrift sich bedient, wenn sie von dem Verbrennen des Weihrauchs redet. Handelt es sich dagegen um das Verbrennen des Sündopfers, so gebraucht sie ein anderes Wort.

Wir erblicken also in dem Brandopfer Christum in der vollkommenen Aufopferung Seiner selbst, sowie in der Erprobung des Innersten Seiner Seele durch das Feuer des schrecklichen Gerichts Gottes. Sein Leben, das wie ein Brandopfer auf dem Kreuze verzehrt wurde, war „ein Opfer lieblichen Geruchs dem Jehova“, in jeder  Beziehung unendlich angenehm für Gott. Da war nicht ein Gedanke, nicht ein Wille, oder er wurde dort auf die Probe gestellt und Sein Leben darin verzehrt. Alles wurde, ohne dass Er anscheinend irgend eine Antwort erhalten hätte, von Ihm aufgeopfert. Alles war von Anfang bis zu Ende ein duftender Wohlgeruch für Gott.

Als Noah sein Brandoper darbrachte, heisst es: „Jehova roch den lieblichen Geruch, und Jehova sprach in Seinem Herzen: Nicht mehr will ich hinfort den Erdboden verfluchen um des Menschen willen; denn das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an“. (1. Mose 8,21.) Es hatte Gott gereut, dass Er den Menschen gemacht hatte, und Ihn geschmerzt in Sein Herz hinein. (1. Mose 6,6.) Als Er nun aber den lieblichen Geruch roch, sprach Er in Seinem Herzen: „Ich will nicht mehr verfluchen“. So hat Gott ein vollkommenes und unendliches Wohlgefallen an der freiwilligen Opferung Christi gefunden. Bei dem Brandopfer handelt es sich durchaus nicht um die Anrechnung der Sünde, sondern um die Vollkommenheit, Reinheit und Ergebenheit des Opfers, die als ein lieblicher Geruch zu Gott emporfliegen. Wohl war der Tod notwendig, denn die Sünde war da, und es liegt auf der Hand, dass Gott ohne den Tod hinsichtlich des Zustandes des Menschen nicht hätte verherrlicht werden können. Aber es ist sehr wichtig, das Brandopfer von den Opfern für die Sünde zu unterscheiden. Bei den letzteren wurden sie Sünden auf das Opfer gelegt, und es trug sie. Das war beim Brandopfer nicht der Fall. Christus opferte sich selbst, um Gott durch Seinen Vollkommenen Gehorsam und Seine völlige Hingabe zu verherrlichen. Ich wiederhole also: es handelt sich hier nicht um die Übertragung der Sunden auf das Oper, sondern um die Vollkommenheit und Reinheit dieses Opfers im Tode, und wir sind in Seiner ganzen Annehmlichkeit, in Seinem lieblichen Geruch vor Gott dargestellt. Welch ein kostbarer Ge-

 

danke für uns! Wir sind annehmlich gemacht in dem Geliebten, nach der ganzen Wonne, die Gott an dem Wohlgeruch dieses Opfers findet. Ist Gott in Christo Vollkommen, in allem was Er ist, verherrlicht worden? In diesem falle ist er auch verherrlicht, wenn Er uns annimmt. Findet Er Seine Wonne an Christo und an jener vollkommensten Tat Seiner Liebe? In diesem Falle findet Er auch Seine Wonne an uns. Stiegt jener Wohlgeruch allezeit vor Ihm auf als ein ewiges Gedächtnis dessen, was Seinen Augen so überaus angenehm war? Nun, dann sind auch wir vor Ihm dargestellt gemäss der Wirksamkeit dieses wohlgefälligen Opfers. Es handelt sich, wie bereits gesagt, nicht nur um die Auslöschung unserer Sünden durch den Sühnungsakt. Nein, die vollkommene Annehmlichkeit Dessen, der jenen Akt vollzog, der süsse Geruch Seines sündlosen Opfers sind unser, sind unser Wohlgeruch vor Gott. Die Annehmlichkeit des Opfers, ja, Christus selbst ist unser. Wir stehen vor Gott kraft dieses Opfers. Wir sind eins mit Christo.

Vergessen wir jedoch nicht, dass das Opfer Christi, als Brandopfer betrachtet, wobei es sich also nicht um das Tragen der Sünden handelt, doch den Charakter des Todes trug, daraus der Tatsache hervorging, dass die Sünde vor Gott in Frage stand. Das macht die Prüfung und das Leiden umso schrecklicher. Der Gehorsam Christi wurde vor Gott erprobt and der Stätte der Sünde, und Er war gehorsam bis zum Tode, nicht in dem Senne des Tragens und Hinwegtuns der Sünde, obgleich das in demselben Akte geschah, sondern in der Vollkommenheit Sein er Selbstaufopferung an Gott ; und zwar wurde Sein Gehorsam von Gott geprüft, indem Er als Sünde behandelt würde und nur ein lieblicher Geruch Für Gott war. Daher fehlt in dem Bradopfer das sühnende Element  nicht, wie es den auch in V. 4 heisst: „und es wird wohlgefällig für ihn sein, um Sühnung in einem Sinne, nämlich als die Erprobung des Gehorsams

 

 

Und die Verherrlichung Gottes darin von tieferer Bedeutung als das Tragen der Sünden.

 

„Seid nun Nachahmer Gottes, als geliebte Kinder, und wandelt in Liebe, gleichwie auch der Christus uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat als Darbringung und Schachtopfer, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch.“ (Eph. 5,1.&2.) Wer unter de Heiligen kennt nicht die Krft dieser Liebe? Wenn das Werk unserer Erlösung einerseits auch in einem Mensch und durch einen Menschen geschehen ist, so ist es doch auch geschehen in der göttlichen Liebe, in der Liebe des Vaters selbst. Wie köstlich ist es, dass Jesus in einem Leibe gekommen ist, der Ihm zubereitet worden war, und dass Er, in unbedingtem Gehorsam handelnd, uns ein vollkommenes Muster der Gerechtigkeit hinterlassen hat, in dem Er sich selbst, als ein freiwilliges Opfer, in der Fülle der göttlichen Liebe dahingab!

Das erste, was der, welcher Gott naht, findet, ist also der Bradoperaltar. Dort begegnet der Sünder Gott im Gericht, aber er begegnet auch dem Jesu, der sich selbst aufopferte.  Nicht im Heiligtum, noch im Allerheiligste ist Gott ein vollkommenes Opfer dargebracht worden, sondern angesichts der Erde obgleich erhöht von ihr, ein Opfer,  in welchem Satan nichts finden konnte, in welchem Gott aber alles gefunden hat, was Er fordern musste – ein Opfer, an dessen Vollbringung der Mensch kein Teil haben konnte. Es war ein Werk zwischen Gott und dem Sohne, und wenn auch die Gläubigen allein seinen Wert verstehen, so wurde es nichtsdestoweniger vollbracht vor der Welt und durch die Hände derer, die da waren. Jesus Christus wurde vor unseren Augen gekreuzigt, indem Er der Welt ein Zeugnis gab, das sie ohne Entschuldigung lässt. Und wenn es keinen anderen Weg gibt, um zu Gott zu kommen, als diesen Jesus, der so dem Tode preisgegeben wurde, was tut dann der Unglaube, wenn er den verachtet und verwirft, der jetzt,

 

im Himmel thronend, der Spender aller Segnungen ist für die, welche glauben!

Mein Leser! Du kannst tätig und besorgt sein um viele Dinge, aber es gibt nur eins, worauf Gott achtet. Ist diese Liebe Gottes in Jesu Christo, Seinem Sohne, bis jetzt nur ein inhaltsleere Geschichte für dich gewesen, während du den Eitelkeiten, die  sich dir hienieden darbieten, mit Eifer nachgetrachtet hast? Bleibt dein Herz kalt bei der Liebe Gottes, wie wenn die Stätte, wo einst das Kreuz aufgerichtet wurde, ein leerer Raum in der Welt wäre? Das natürliche Herz hasst die Rechte, die Gottes Liebe und Heiligkeit an uns haben. Das Kreuz aber ist das mächtige Mittel in der Hand Gottes, um das Herz von der Liebe zur Welt zu befreien.

 


Das Speisopfer

 

Wir kommen jetzt zu dem Speisopfer. Es stellt uns Christum in seiner Menschheit dar, Seine Gnade und Vollkommenheit als ein lebender Mensch, aber doch als Gott geopfert. Es bestand aus feinem Mehl, das mit Öl vermischt und mit Weihrauch belegt wurde. Das Öl wurde in zweierlei Weise angewandt: es gab Kuchen, gemengt mit Öl, und Fladen, gesalbt mit Öl. (2.Mo 29,2; 3.Mo 7,12) In Christo musste die Darbringung als Opfer bis in den Tod und Seine Unterwerfung unter den Tod den ersten Platz haben, denn ohne die Vollkommenheit dieses Gehorsams, selbst bis zum Tode, hätte nichts angenommen werden können. Da aber dieser Gehorsam von Anfang an vollkommen was, (denn Christus kam, um den Willen Seines Vaters zu tun,) so war Sein ganzes Leben als Mensch vollkommen und annehmlich vor Gott, ein Wohlgeruch unter der Prüfung Gottes. Abel wurde auf Grund des Blutes angenommen. Kain, der als natürlicher Mensch nur die Frucht seiner Arbeit und Mühe opferte, wurde verworfen. Alles was unsere natürlichen Herzen Gott darbringen können, ist nichts als „Opfer der Toren“. Es geht hervor aus der Härte dieser Herzen, die weder unseren Zustand noch unser Verderben und unsere Entfernung von Gott anerkennen. In der Tat, welch eine Herzenshärtigkeit zeigt sich in Kain! Aus dem Garten Eden vertrieben und den Folgen der Sünde unterworfen, tritt er vor Gott hin mit Opfern, die der Preis einer als Strafe auferlegten Arbeit und des auf die Sünde folgenden Fluches waren, ganz so als wenn gar nichts geschehen wäre. Es war der Gipfelpunkt der Verhärtung und Verblendung des Herzens.

Die erste Handlung Adams bestand darin, seinen eigenen Willen zu tun und durch seinen Ungehorsam sich und seine ganze Nachkommenschaft ins Elend zu stürzen.

 

 

 

 

Christus dagegen ist in diese Welt des Elends eingetreten, indem er sich aus Liebe hingab, den Willen des Vaters zu tun. Er kam hernieder und machte sich selbst zu nichts, um, koste es was es wolle, Gott zu verherrlichen. ER war in dieser Welt der gehorsame, unterwürfige Mensch, dessen Wille nur darin bestand, den Willen Seines Vaters zu tun – Die erste Handlung und zu gleicher Zeit Quelle alles menschlichen Gehorsams und der Verherrlichung Gottes durch ihn. Dieser Gehorsamswille und diese Hingebung an die Verherrlichung Seines Vaters verlieh allem, was Er tat, einen lieblichen Geruch.  Alle Seine Werke strömten diesen Wohlgeruch aus. Man kann das Evangelium Johannes, in welchem die Person des Herrn, das was ER war, in besonderer Weise uns entgegen strahlt, unmöglich lesen, ohne bei jeder Gelegenheit diesem Wohlgeruch des Gehorsams, der Liebe und der völligen Selbstverleugnung zu begegnen. Daher kommt es auch, dass gerade dieses Evangelium das Herz so sehr anzieht und zugleich den Unglauben abstösst. Es ist nicht eine Geschichte. Es ist Christus selbst, den man hier sieht, sowie die Bosheit des Menschen, die sich einen Weg erzwingt durch die heilige Hülle, mit der die Liebe Seinen Herrlichkeit umgeben hatte, und die den mit Niedrigkeit umkleideten Jesus nötigt, ans Licht zu treten und diese Herrlichkeit zu offenbaren. ES ist dieses göttliche Wesen, das im Geiste der Sanftmut durch eine Welt ging, die Ihn verwarf. Und selbst dann, wenn Er genötigt ist, sich zu zeigen, dient es doch nur dazu, Seiner freiwilligen, nie wankenden Selbsterniedrigung ihre ganze Kraft und Schönheit zu verleihen, sogar in den Fällen wo Er gezwungen ist, Seine Göttlichkeit zu bekennen. Er war allerdings der „Ich bin“ des Alten Testaments, aber jetzt in der Erniedrigung und einsamen Stellung des vollkommensten und demütigsten Gehorsams. Da war kein geheimes Verlangen in Ihm, inmitten Seiner Erniedrigung einen Platz behaupten zu wollen. Sein Herz kannte keinen anderen Wunsch , als seinen Vater zu verherrli-

 

 

chen. Der „Ich bin“ war da, aber in der Vollkommenheit des menschlichen Gehorsams. Das ist es, was überall zum Vorschein kommt. Tritt der Versucher an Ihn heran, so ist Seine beständige Antwort: „Es steht geschrieben! – „Es steht geschrieben: „Nicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Worte, das durch den Mund Gottes ausgeht“.“ (Matth. 4,4) Zu Johannes dem Täufer sagt Er „Lass es jetzt so sein; denn also gebührt es uns, alle Gerechtigkeit: „Demnach sind die Söhne frei . . . aber gib ihnen für mich und dich“. (Matth. 3,15; 17, 26. 27.)

Soweit das Geschichtliche. Im Evangelium Johannes, wo, wie bereits bemerkt, die Person Christi in einer noch unmittelbareren Weise: „Dieses Gebot habe ich von meine Vater empfangen . . . , und ich weiss, dass Sein Gebot ewiges Leven ist.“ – „Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, ausser was Er den Vater tun sieht.“ – „Ich habe die Gebote meines Vaters gehalten, und bleibe in Seiner Liebe.“ – „Wenn jemand am Tage wandelt, stösst er nicht an.“ Manche der angeführten Worte wurden bei Gelegenheiten gesprochen, wo das Glaubensauge durch die heilige Erniedrigung des Heilandes hindurch Seine göttliche Natur erblickt – Gott, denn Sohn, dessen Schönheit nur umso herrlicher strahlt, weil Er sich also verbirgt. Gerade so wie die Sonne, die das menschliche Auge nicht fest anzuschauen vermag, die Kraft Ihrer Strahlen darin zeigt, dass sie durch Wolken hindurch ein völliges Licht gibt. Die Wolken verhüllen und mildern die Strahlen. Obgleich Gott sich erniedrigt, ist Er doch nichtsdestoweniger Gott. Es ist immer Er, der dies tut. „Er konnte nicht verborgen sein.“

Dieser unbedingte Gehorsam verbreitete einen duftenden Wohlgeruch über alles, was Christus tat. Er Erschien stets  wie ein Gesandter. Er suchte die Herrlichkeit des Vaters, der Ihn gesandt hatte. Er errettete einen jeden, der zu Ihm kam, weil Er nicht gekommen war, um Seinen eigenen Willen zu tun, sondern den Willen Dessen, der Ihn gesandt hatte. Und da die Sünder nicht zu Ihm kommen konnten, es sei denn dass der Vatter sie zog, so war ihr kommen gleichsam die Ermächtigung für Ihn, sie zu erretten, denn Er musste unbedingt den Willen des Vaters tun. Welch ein Geist des Gehorsams tritt uns hier entgegen! W3er sind die, die Er errettet? Alle diejenigen, die der Vater Ihm, dem allezeit Seinem Willen unterworfenen Diener, gibt. Verheisst Er ihnen die Herrlichkeit? „Es steht nicht bei mir“, sagt ER, „sie zu vergaben, sondern ist für die, welchen sie von meinem Vater bereitet ist.“ ER muss auch belohnen nach Seines Vater Willen. Wer selbst ist nichts, aber Er muss alles ausführen, was dem Vater gefällt Ihm zu gebieten. Dennoch, wer hätte dies tun können, als nur Er, der die Macht und zugleich den Willen hatte, alles zu tun, was der Vater getan haben wollte? Die unendliche Grösse und die Macht, alles zu tun, was irgend der Vater wollte, gingen Hand in Hand mit einem Gehorsam, der keinen ande4ren Willen kannte, als den Willen eines anderen zu tun. Dennoch war Christus ein einfacher, demütiger, niedriggesinnter Mensch.

Sehen wir jetzt, wie diese Menschheit für das in Rede stehende Werk passt. Das Speisopfer Gottes, von der Frucht der Erde genommen, bestand aus dem feinsten Mehl. Alles was die menschliche Natur an Reinem und Lieblichem in all ihrem Elend besass, fand sich in seiner ganzen Vortrefflichkeit in Jesu, der von der Sünde abgesondert, aber all die Trübsalen unterworfen war, welche die Sünde nach sich gezogen hat. In Ihm gab es keine Unebenheit, keine besonders hervorstechende Eigenschaft, die dazu angetan gewesen wäre, Ihm einen bestimmten Charakter aufzuprägen. Er war, obgleich Verachtet und von den Menschen verworfen, die Vollkommenheit der menschlichen Natur. Man fand in Ihm in vollkommener Weise das feine Gefühl, die Festigkeit, die Entschiedenheit (letztere auch in Verbindung mit dem Grundsatz des Gehorsams), die Erhabenheit, die Sanftmut und Demut, die dieser Natur angehören.

In einem Paulus finde ich Tatkraft und rastlosen Eifer, in einem Petrus glühende Zuneigung des Herzens, in einem Johannes eine zarte Empfindsamkeit, verbunden mit einem keine Schranken kennenden Verlange, die Rechte Dessen zu verteidigen, den er liebte. Aber die genannten Eigenschaften waren in diesen Männern vorherrschend und charakterisierten sie. Paulus bereute es nicht, seinen ersten Brief an die Korinther geschrieben zu haben, obgleich es ihn gereut hatte. ( 2.Kor. 7,8) Er hatte keine Ruhe in seinem  Geiste, weil er Titus, seinen Bruder, nicht fand. Er zog fort nach Macedonien, obgleich der Herr ihm eine Tür in Troas aufgetan hatte.(2.Kor 2,13.) Er wusste nicht, als er vor dem Synedrium stand, dass es der Hohepriester war. (Apg 23,5.) Er war gezwungen sich zu rühmen (2. Kor. 12,11.) Bei Petrus, dem treuen und eifrigen Manne, in welchem Gott so mächtig wirkte für das Apostelamt der Verschneidung, gab sich Menschenfurcht kund. (Gal. 2,8. 12.) Und Johannes, der in seinem Eifer die Rechte und die Herrlichkeit Jesu verteidigen wollte, wusste nicht, wes Geistes er war, und wollte sich der Verherrlichung Gottes widersetzen, weil der, der für sie eintrat, nicht mit ihnen wandelte. (Luk. 9,49-56) Solche waren Paulus, Petrus und Johannes – Männer, die Säulen zu sein schienen

Aber in dem Menschen Jesus finden wir nichts von dieser Unebenheit. In Seinem Charakter geht es nichts Hervorstechendes, weil in Seiner Menschheit alles Gott Volkommen unterworfen war. Jeder Zug Seines Charakters hatte seinen Platz, trat ans Licht und handelte zu seiner Zeit, und verschwand dann wieder. Gott wurde

 

 

Verherrlicht, und alles stand in völliger Harmonie. Wenn Ihm Sanftmut geziemte, so war Er sanftmütig. Wenn Zorn am Platze war, wer hätte dann der überwältigenden Kraft Seiner Verweise widerstehen können? War Gnade nötig, so zeigte Er sich voll Mitgefühl gegen den verkommensten Sünder, ohne sich im geringsten durch das herzlose, stolze Wesen eines kalten Pharisäers beeinflussen zu lassen, dem es nur darum ging zu erforschen wer Jesus war. (Vergl. Luk. 7.) Als die Stunde des Gerichts gekommen war, konnte die Tränen derer, die Ihn beweinten, Ihm keine anderen Worte entlocken als: „Weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst und über eure Kinder“, - Worte, die ein tiefes Mitgefühl, aber zugleich auch eine völlige Unterwerfung unter das verdiente Gericht Gottes ausdrückten. Das dürre Holz bereitete sich seine Verbrennung selbst zu. Voll Zärtlichkeit geigen Seine Mutter, vertraute Er sie, nachdem Er Sein Werk am Kreuz vollbracht hatte, der liebenden Sorge dessen an, der sozusagen Sein Freund gewesen war und an Seiner Brust gelegen hatte. Aber Er war taub gegen ihre Worte und Bitten, so lange Er mit dem Dienste Gottes beschäftigt war. Alles befand sich an seinem richtigen Platze, mochte Er vor Seinem öffentlichen Auftreten in dieser Welt zeigen, dass Er Gott war, oder (als Mensch und unter Gesetz geboren) der Mutter, die Ihn trug, und Joseph unterwürfig sein. Man sah ferner in Ihm eine Ruhe, die Seine Gegner ausser Fassung brachte. Und mit dieser sittlichen Kraft, welche die Gegner bisweilen niederschmetterte, vermischte sich eine Sanftmut, die alle Herzen anzog, welche noch nicht durch einen vorsätzlichen Wiederstand verhärtet waren. Wenn es sich darum handelte, zwischen Bösem und Gutem zu unterscheiden, war Er wie eine scharfgeschliffene Schneide. In dieser Hinsicht taten der Charakter und die Person Jesu das, was die Macht des Heiligen Geistes später vollführte, indem sie das böse und das Gute zwang, sich in einem offenen Bekenntnis zu offenbaren. Abgesehen von der Versöhnung,

 

 

wurde ein gewaltiges Werk von Dem vollbracht, der, nach dem äusseren Ergebnis zu urteilen, „sich um sonst abmühte“. (Jes. 49.) Überall da, wo ein Ohr war, um zu hören, redete die Stimme Gottes mittels dieses Charakters des Menschen Jesus zu den Herzen und Gewissen Seiner Schafe. Er ging durch die Tor ein, und der Türhüter tat Ihm auf, und die Schafe hörten Seine Stimme. Die vollkommene Menschheit Jesu, die sich in allen Seinen Wegen kundgab und nach dem Willen Gottes in die Herzen drang, richtete alles war ihr im Menschen begegnete, bis auf den Grund der Seele.

Doch wir haben uns von dem eigentlichen Segenstand unserer Betrachtung entfernt. Mit einem Worte denn: die Menschheit Christi war vollkommen, völlig Gott unterworfen. Alles entsprach Seinem Willen und stand deshalb notwenderweise im Einklang untereinander. Die Hand, welche die Saiten berührte, fand sie alle wohl gestimmt. Alles entsprach hier den Gedanken Gottes, dessen Ratschlüsse der Gnade, der Heiligkeit und Güte, und gleichwohl des Gerichts hinsichtlich des Bösen, dessen Segens- und Barmherzigkeitsgefüllle – eine süsse Melodie für jedes ermüdete Ohr! – ihren Ausdruck in Christo fanden, und in Ihm allein. Jedes Element, jede Fähigkeit Seiner menschlichen Natur gehorchte dem Antrieb, den der göttliche Wille gab, hörte dann auf zu wirken und zog sich in ein Ruhe zurück, ihn der das Ich keinen Raum fand. So war Christus in Seiner Menschlichkeit. Obwohl fest und entschieden, wenn die Gelegenheit es erforderte, war doch die Sanftmut dasjenige, was Ihn charakterisierte, weil Er in der Gegenwart Gottes, Seines Gottes, war, und Er war dies alles inmitten des Bösen. Man hörte Seine Stimme nicht auf den Strassen, denn die Freude kann da in lauteren Tönen hervorbrechen, wo alles den Ruf widerhallen lässt: „Preis sei Seinem Namen und Seiner Herrlichkeit!“

Doch dieses Frei sein der menschlichen Natur unseres Herrn von jedem Fehler war mit noch tieferen und wich-

 

tigeren Quellen verbunden, die uns in unserem Vorbilde in zweierlei Weise, negativ und positiv, vorgestellt werden. Wenn jede Fähigkeit dieser Natur also dem göttlichen Antrieb gehorchte und ihm nur als Werkzeug diente, so liegt es auf der Hand, dass der Wille richtig sein, dass der Geist und der Grundsatz des Gehorsams seine Quelle sein musste, denn gerade die Tätigkeit eines unabhängigen Willens ist der Grundsatz der Sünde. Christus hatte das Recht, einen unabhängigen Willen zu besitzen: „Der Sohn macht lebendig, welche Er will“; aber ER kam, um den Willen Seines Vater zu tun. Sein Wille war, zu gehorchen. Deshalb war es ein vollkommener und sündloser Wille.

In dem Wort Gottes ist der Sauerteig stets ein Sinnbild des Verderbens: „Der Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit“. Deshalb gab es in dem Kuchen, den man Gott zum lieblichen Geruche opferte, keinen Sauerteig. Alles, worin sich Sauerteig befand, konnte Jehova nicht zum lieblichen Geruche dargebracht werden. Wir sehen dies deutlich in dem Falle, wo gesäuerter Kuchen dargebracht werden musste. Es war verboten, sie als ein Opfer lieblichen Geruchs, als ein Feueropfer, darzubringen. Es gab zwei Fälle, in denen die Kuchen mit Sauerteig gebacken werden durften. Der eine dieser beiden, der wichtigere und bezeichnender, findet sich in dem Kapitel, das wir betrachten, und genügt, um den Grundsatz, mit dem wir und beschäftigen, klarzustellen.

Wenn die Erstlinge dargebracht wurden, fügte man ihnen zwei mit Sauerteig gebackene Brote bei, aber nicht als ein Opfer lieblichen Geruchs. Man opferte auch Brandopfer und Speisoper, und diese zum lieblichen Geruch; nicht aber das Opfer der Erstlinge. (Vergleiche 3.Mose 2,11. 12 und 23, 15-21.) Und was stellten diese Erstlinge dar? – Die Kirche, geheiligt durch den Heiligen Geist. Denn dieses Fest der Erstlinge oder Erstlingsfrüchte war das wohlbekannte Vorbild des Pfingstfestes, es war tatsächlich das Pfingstfest. „Wir sind“,

 

 

Sagt der Apostel Jakobus, „eine gewisse Erstlingsfurcht Seiner Geschöpfe.“ In 3.Mose 23, 10-14 sehen wir, dass am anderen Tage nach dem Sabbat des Passahfestes, dem Auferstehungstage Christi, eine Garbe der Erstlinge der Ernte dargebracht wurde: Kornähren, die weder ausgeschlagen noch geschorten waren. Hier konnte offenbar von Sauerteig keine Rede sein: Jesus ist auferstanden, ohne die Verwerfung gesehen zu haben. Auch begleitete diese Darbringung der Erstlingsgarbe kein Sündopfer. Wenn man aber die mit Sauerteig gebackenen Brote darbrachte, welche die durch den Heiligen Geist geheiligte Kirche darstellten, deren Glieder aber noch eine verdorbene Natur besitzen, opferte man zu gleicher Zeit ein Opfer für die Sünde. (3. Mose 23, 17. 19.) Denn das Opfer Christi ist diesem Sauerteig unserer verderbten Natur begegnet, die zwar durch die Tätigkeit des Heiligen Geistes überwunden wird, aber nicht aufhört zu bestehen. Diese verdorbene Natur konnte in der Erprobung durch das Gericht Gottes nicht von lieblichem Geruch sein, und deshalb auch nicht als ein Feueropfer lieblichen Geruchs vor Jehova erscheinen. Mittels des Opfers Christi aber, das dem Bösen begegnet ist und eine Sühnung desselben zuwege gebracht hat, konnte sie Gott dargebracht werden. Deshalb wird nicht nur gesagt, dass Christus sich für unsere Sünden hingegeben hat, sondern auch: „Das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war, tat Gott, indem Er, Seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches Sünde und für die Sünde senden, die Sünde im Fleische verurteilte“. (Rom. 8, 3.) Gott hat die Sünde im Fleische gerichtet, und zwar indem Christus Sühnung dafür tat, indem Er das Gericht, das die Sünde verdiente, auf sich nahm und für uns zur Sünde gemacht wurde. Damit starb Er zugleich der Sünde, sodass wir das Recht und die Plicht haben, uns der Sünde für tot zu halten. Es ist wichtig für einen beunruhigtes, aber zartes und treues Gewissen, sich daran zu erinnern, dass Christus nicht nur für unsere Sünden,

 

 

sondern auch für unsere Sünde gestorben ist, denn die in uns wohnende Sünde beunruhig ein treues Gewissen weit mehr als viele vergangene Sünden.

Die Brote also, welche die Kirche darstellten, wurden gesäuert gebacken und konnten nicht als ein Opfer lieblichen Geruchs dargebracht werden. Das Speisopfer dagegen, das Christum vorstellte, war ohne Sauerteig, „ein Feuerofer lieblichen Geruchs dem Jehova“. Die Feuerprobe des Gerichts Gottes fand in Christo einen vollkommenen Willen. In Ihm gab es nichts Böses, keine Spur von einem Geiste der Unabhängigkeit. „Dein Wille geschehe!“ das war es, was die menschliche Natur des Heilandes kennzeichnete, in welchem die Fülle der Gottheit leibhaftig wohnte, der aber gleichwohl der Mensch Jesus, das Opfer Gottes war.

Beiläufig möchte ich bemerken, dass wir bei den Dank- oder Friedensopfern ein weiteres Beispiel von diesem Gegensatz finden. Bei diesen Opfern hatte Christus Sein Teil, und der Mensch ebenfalls. Deshalb gab es ungesäuerte Kuchen und gesäuerte Brote. ( S. 3. Mose 7, 12.13.) Die letzteren, die den Anteil der Kirche an dem Opfer Christi darstellen, führten notwendigerweise den Menschen ein. Darum war der Sauerteig da, dieses stete Sinnbild des Bösen, das sich in uns vorfindet. Die Kirche ist zur Heiligkeit berufen. Das Leben Christi in uns ist „Heiligkeit dem Herrn“. Aber es bleibt immer wahr, dass in und, das ist in unserem Fleische, nichts Gutes wohnt.

Dies führt uns zu einem anderen grossen Grundsatz, den das Speisopfer uns vor Augen stellt. Der Kuchen musste mit Öl gemengt werden. „Was aus dem Fleische geboren ist, ist Fleisch“, und da wir aus dem Fleische geboren sind, so sind wir in uns selbst naturgemäss nur Fleisch, verderbt und abgefallen, „aus dem Willen des Fleisches geboren“. Obgleich wir aus dem Geist geboren wurden, als wir im Glauben zu Gott kamen, ist doch dadurch unsere Natur nicht verändert,

 

 

 

Nicht aufgehoben worden. Wohl können wir durch den Heiligen Geist, der in uns wirkt, von der Tätigkeit des Fleisches befreit werden und seine Regungen unterdrücken, aber die Natur bleibt unverändert. Das Fleisch in Paulus war ebenso geneigt, sich zu überheben, nachdem er im dritten Himmel gewesen war, wie zurzeit da er „mit Gewalt und Vollmacht von den Hohepriestern nach Damaskus reiste“, um, wenn möglich, den Namen Christi von der Erde auszurotten. Ich sage nicht, dass diese Neigung des Fleisches in beiden Fällen dieselbe Kraft hatte; aber sie war im ersten Falle ebenso schlecht oder noch schlechter, weil sie sich angesichts viel höherer und besseren Dingen offenbarte.

Aber der Wille des Fleisches hatte bei der Geburt Christi nicht den geringsten Anteil. Seine menschliche Natur war ebenso sehr ein Ausfluss des göttlichen Willens, wie die Gegenwart der göttlichen Natur auf dieser Erde. Indem Marie sich einfältigen Auges und reinen Herzens in heiligem Gehorsam unter diesen Willen beugte, offenbarte sie in rührender Weise die Unterwürfigkeit ihres Herzens und ihrer Vernunft gegenüber der Offenbarung Gottes. „Siehe, ich bin die Magd des Herrn“, sagt sie; „es geschehe mir nach deinem Wort.“ Die menschliche Natur Christi war frei von der Sünde, indem sie von dem Heiligen Geiste empfangen war. Er kannte keine Sünde. Das heilige Wesen, das von der Jungfrau geboren werden sollte, sollte Gottes Sohn genannt werden. Er war wirklich und wahrhaftig ein Mensch, von Maria geboren, aber Er war zugleich ein Mensch, von Gott geboren. In Übereinstimmung damit finden wir diesen Titel: „Sohn Gottes“, in drei verschiedenen Weisen auf Christum angewandt. 1. Er ist der Sohn Gottes, der Schöpfer. So hören wir von Ihm in den Briefen an die Kolosser und an die Hebräer, sowie an vielen anderen Stellen, die von Ihm als dem vom Vater gesandten Sohne reden. 2. Er ist Sohn Gottes als geboren in dieser Welt. 3. Er ist Sohn Gottes als auferstandenen

 

 

Aus den Toten – „als Sohn Gottes in Kraft erwiesen durch Toten-Auferstehung“. (Röm. 1,4.)

Der Kuchen*) wurde mit Öl gemengt. So entlehnte die menschliche Natur Christi ihren Charakter dem Heiligen Geiste, dessen bekanntes Sinnbild immer wieder das Öl ist. Aber Reinheit ist nicht Kraft. Deshalb wird die Übertragung der geistlichen Kraft, die durch die menschliche Natur Jesu wirkte, unter einer anderen Form dargestellt: die Fladen mussten mit Öl gesalbt werden. Dementsprechend steht geschrieben, dass „Gott Jesum von Nazareth mit Heiligem Geiste und mit Kraft gesalbt habe, der umherging, wohltuend und heilend alle, die von dem Teufel überwältigt waren“. (Apstgsch. 10, 38) Nicht als ob Jesu irgendetwas gemangelt hätte. Denn als Gott hätte Er alles tun können. Aber Er hatte sich freiwillig zu nichts gemacht und war gekommen, um zu gehorchen. Daher trat Er auch nicht eher öffentlich auf, bis Er berufen und gesalbt war, obgleich Seine Unterredung mit den Schriftgelehrten im Tempel von Anfang an Seine Beziehungen zum Vater dartat.

 

*) Das Speisopfer wurde in verschiedenen Formen dargebracht, aber alle stellten die beiden oben berührten Grundsätze ans Licht. Zunächst haben wir die grosse allgemeine Wahrheit: „seine Opfergabe soll Feinmehl sein; und er soll Öl darauf giessen und Weihrauch darauf legen“ Es gab Ofengebäck, Kuchen, gemengt mit Öl, und Fladen, gesalbt mit Öl, - alle selbstredend ungesäuert. Wurde ein Speisopfer in der Pfanne dargebracht, so musste es Feinmehl sein, gemengt mit Öl, wenn im Napfe, Feinmehl mit Öl. So kamen in allen Formen, in denen Christus als Mensch betrachtet werden konnte, die Abwesenheit der Sünde zum Ausdruck, sowie die Bildung Seiner menschlichen Natur in der Kraft des Heiligen Geistes und Seine Salbung mit dem Geiste. Betracht wir Seine menschliche Natur als solche in sich selbst, so ist Öl darauf gegossen. Sehen wir sie bis aufs äusserste erprobt, so kommt nichts als Reinheit und die Gnade des Geistes in ihr zum Vorschein. Betrachten wir sie in ihrem wesentlichen, inneren Charakter oder in ihrem äusseren Verhalten, so offenbart sich in jedem einzelnen Teile dieser vollkommenen und durch die Kraft des Geistes gebildeten Natur die völlige Abwesenheit der Sünde und die Macht des Heiligen Geistes.

In dieser Hinsicht gibt es in unserer Stellung  eine gewisse Ähnlichkeit. Aus Gott geboren, oder mit dem Heiligen Geiste versiegelt und gesalbt zu sein sind zwei verschieden Dinge. Der Pfingsttag, de Hauptmann Kornelius, die Gläubigen in Samaria, denen die Apostel die Hände auflegten, damit sie den Heiligen Geist empfangen mochten, beweisen die Wahrheit des Gesagten, neben manchen anderen Stellen, die sich auf diesen Gegenstand beziehen. So sagt die Schrift z. B.: Weil ihr Söhne des Herzen seid, so hat Gott den Geist Seines Sohnes in unsere Herzen gesandt, der da ruft: Abba, Vater!“ (Gal. 4,6.) Und: „In welchem ihr auch, nachdem ihr geglaubt habt, versiegelt worden seid mit dem Heiligen Geiste der Verheissung, welcher das Unterpfand unseres Erbes ist, zur Erlösung des erworbenen Besitzes“. (Eph. 1, 13. 14) Ferner lesen wir im 7. Kapitel des Evangeliums Johanes: Dies aber sagte Er von dem Geiste, welcher die an Ihn Glaubenden empfangen sollten“.

Der Heilige Geist kann durch die Mitteilung einer neuen Natur in einer Seele heilige Wünsche und die Liebe zu Jesu hervorgebracht haben, ohne dass die Selle selbst das Bewusstsein ihrer Befreiung besitzt, oder dass die Kraft und die Freude der Gegenwart Gottes in der Erkenntnis des vollbrachten Werkes Christi empfangen hat. – Was den Herrn Jesus betrifft, so wissen wir, dass die Erfüllung jenes Vorbildes, die Salbung mit dem Heiligen Geiste, stattfand, nachdem Er von Johannes getauft worden war. (In dieser Taufe stellte sich Der, der keine Sünde kannte, mit Seinem Volke, damals dem Überrest Israels, der unter dem Einfluss der Gnade den Pfad des Glaubens wandelte, auf einen Boden.  Durch Sein kommen zu Johannes gab Er kund, dass Er mit den Seinigen sein wolle auf dem ganzen Pfade jener Gnade mit all seinen Prüfungen und Kümmernissen.) Er, der Sündlose, wurde mit dem Heiligen Geiste gesalbt, indem dieser in leiblicher Gestalt, wie eine Taube, aus dem Himmel herniederkam und auf Ihm blieb. Dann wurde

 

Er durch den Geist in den Kampf für uns geführt, aus dem Er durch die Kraft des Geistes als Sieger hervorging. Ich sage: „als Sieger durch die Kraft des Geistes“, denn wenn Jesus die Angriffe Satans einfach durch Seine göttliche Macht abgeschlagen hätte. So wäre selbstverständlich zunächst von einem Kampf überhaupt keine Rede gewesen, und zweitens läge für uns darin weder ein Beispiel noch eine Ermunterung. Aber der Herr trieb den Feind zurück durch einen Grundsatz, der Tag für Tag uns als Plicht obliegt. Dieser Grundsatz heisst: Gehorsam, und zwar ist es ein einsichtsvoller Gehorsam, der sich des Wortes Gottes bedient und den Feind, sobald er  sich als solcher offenbart, mit Unwillen zurückweist. Wenn Christus Seine Laufbahn antrat mit der Freude und dem Zeugnis, die einem Sohne gebühren, so begann Er eine Laufbahn des Kampfes und des Gehorsams. Er hatte den Starken zu binden, und Er hat ihn gebunden. Gerade so verhält es sich mit uns. Wir besitzen Freude, Befreiung, Liebe, überströmenden Frieden, den Geist der Sohnschaft und stehen in dem Bewusstsein, dass wir dem Vater annehmlich gemacht sind. So treten wir die christliche Laufbahn an. Gleichwohl bedeutet diese Laufbahn Kampf und Gehorsam. Hören wir auf zu gehorchen, so hören wir auf zu siegen. Satan bemühte sich, diese beiden Dinge in Jesu zu trennen. Er sagte: „Wenn du Gottes Sohn bist, so sprich dass diese Steine Brot werden“, - d.h. gebrauche deine Macht, handle nach deinem eigenen Willen. Die Antwort Jesu lautet ihrem Sinne nach: Ich bin hier, um zu gehorchen. Ich bin hier als dein Knecht, und ich habe kein Gebot empfangen, die Steine zu Brot zu machen. Es steht geschrieben: „Nicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Worte, das durch den Mund Gottes ausgeht“. Ich verharre in meinem Stande der Abhängigkeit.

Das war Kraft, aber eine Kraft, die in einem Stande der Abhängigkeit und des Gehorsams angewandt wurde. Adam konnte nur in einer einzigen Sache ungehorsam

 

 

Sein, und er war ungehorsam. Er aber, der die Macht hatte alles zu tun, bediente sich Seiner Macht nur, um noch vollkommener zu dienen und sich noch völliger zu unterwerfen. Wie schön ist das Gemälde, das die Wege des Herrn uns darbieten! und das inmitten der Mühsale und der Folgen des Ungehorsams des Menschen – Folgen, denen Er sich (die Sünde ausgenommen) unterzog wegen der Natur, die Er angenommen hatte. „Denn es geziemt Ihm, um deswillen alle Dinge und durch den alle Dinge find, (indem Er den Zustand sah, in welchem wir uns befinden,) indem Er viele Söhne zur Herrlichkeit brachte, den Anführer ihrer Errettung durch Leiden vollkommen zu machen.“ (Hebr. 2,10.)

Jesus kämpfte also in der Kraft des Heiligen Geistes. In derselben Kraft trieb Er Teufel aus und trug unsere Schwachheiten. Ebenso opferte Er sich in der Kraft des Heiligen Geistes ohne Flecken Gott. Aber das ist mehr das Brandopfer. In allem, was Er tat, und in allem, was Er nicht tat, handelte Er durch die Kraft des Geistes Gottes. Er ist unser Vorbild, dem wir mit gemischten Kräften folgen, indem das, was vom Geiste ist, sich vermengt mit unserer natürlichen Kraft. Aber zugleich folgen wir Ihm mit einer Kraft, die uns, wenn es Sein Wille ist, befähigt, nicht nur die Werke zu tun, die Er getan hat, sondern sogar noch grössere. Es heisst nicht, dass wir vollkommener sein könnten als Er, sondern dass wir grössere Werke zu tun vermögen. Während Seines Wandels hienieden war Er unbedingt vollkommen im Gehorsam. Aber gerade aus diesem Grunde tat Er und konnte Er vieles nicht tun, was Er jetzt tun und durch Seine Apostel und Seine Knechte vollbringen lassen kann. Denn zur Rechten Gottes erhöht, sollte Er, selbst als Mensch, Macht offenbaren, und nicht Gehorsam. „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue, und wird grössere als diese tun, weil ich zum Vater gehe.“ (Joh. 14,12.) Das

Versetzt uns in die Stellung von Dienern, denn wir sind durch die Kraft des Heiligen Geistes Diener Christi. „Es sind Verschiedenheiten von Diensten, und derselbe Herr.“ (1.Kor. 12,5.)

Die Apostel taten deshalb grössere Werke, die aber, was ihren persönlichen Wandel betrifft, mit Unvollkommenheiten aller Art vermischt waren. Mit wem z.B. stritt der Herr, obwohl Er immer recht Hatte? Vor wem offenbarte Er Menschenfurcht? Wann bereute Er etwas, das Er getan hatte, wie Paulus, der nachher sogar anerkennen musste, dass kein Grund zur Reue vorgelegen habe? Nein! Obgleich sich nach der Erhöhung des Herrn zur Rechten Gottes, wie Er es verheissen hatte, eine grössere Kraft offenbaren mochte, so entfaltete sich diese doch in Gefässen, deren Schwachheit zur Genüge bewies, dass alle Ehre nur Gott zukam, und deren Gehorsam ausgeübt wurde im Kampf mit einem widerspenstigen Willen, der in ihnen war. Hierin liegt der grosse Unterschied. Jesus hatte niemals einen Dorn im Fleische nötig, um Ihn vor Überhebung zu schützen. – Hochgelobter Herr! Du redest, was Du musstest, und zeugest von dem, was Du gesehen hattest. Aber um dies tun zu können, hast Du Dich zu nichts machen, Dich selbst erniedrigen und Knechtsgestalt annehmen müssen, auf dass wir dadurch erhöht würden! – Die Höhe, das Bewusstsein der Höhe, von der Er herabgestiegen war, die Vollkommenheit Seines Willens, in dem Knechtsstande, den Er angenommen hatte, zu gehorchen, machte jede Erhöhung für Ihn unnötig. Dennoch blickte Er hin auf die „vor Ihm liegende Freude“ und wurde nicht beschämt, denn er erniedrigte sich eben bis zu diesem Punkte, dass Er sich über die in Aussicht stehende Belohnung freute. Und Er ist hoch erhoben worden. „Lieblich an Geruch sind deine Salben, ein ausgegossenes Salböl ist dein Name.“ (Hohel. 1,3.) In dem Speisopfer gab es neben dem Feinmehl und Öl auch Weihrauch, den Wohlgeruch all der Tugenden Christi. Wie oft begegnet es uns, dass wir

 

 

Die Gnaden oder Tugenden, die wir besitzen, den Menschen zur Annahme darbieten! Das Ergebnis davon ist, dass das Fleisch oft für Gnade gehalten oder wenigstens mit ihr vermengt wird, indem die Dinge nach dem Urteil des Menschen beurteilt werden. In Jesu wurden alle Gnaden oder Tugenden Gott dargeboten. Allerdings hätte der Mensch diese Gnaden sehen können oder sehen sollen, wenn der Wohlgeruch des Weihruchs sich rund um ihn verbreitete, obwohl er ausschliesslich als Opfer für Jehova verbrannt wurde. Aber wie wenige gibt es, die so ihre Liebe Gott darbringen, indem sie alles, was sie für ihres gleichen tun, einzig und allein im Blick auf Gott tun, so dass sie nicht müde werden, obgleich sie vielleicht, je mehr Liebe sie beweisen, um so weniger geliebt werden; denn sie tun alles aus Liebe zu Gott und um Seinetwillen. Insoweit sich diese Gesinnung bei uns findet, ist das, was wir tun, ein Wohlgeruch für Jehova. Aber das ist schwierig. Und um so handeln zu können müssen wir sehr nahe bei Gott sein.

In Christo erblicken wir ein vollkommenes Beispiel von dem, was wir soeben gesagt haben. Je treuer Er war, desto mehr wurde Er verachtet, desto mehr wurde Ihm widersprochen. Je mehr Er Seine Sanftmut und Demut offenbarte, desto geringer wurde Er geachtet. Aber alles das brachte in Seinem Tun nicht die geringste Veränderung hervor, weil Er alles, was Er tat, einzig und allein im Bick auf Gott tat. Mochte Er mit der Volksmenge verkehren, oder unter Seinen Jüngern sein, oder endlich vor Seinen ungerechten Richtern stehen – allezeit war Sein Verhalten vollkommen, denn in allen Umständen und Lagen handelte Er nur im Blick auf Gott. Der Weihrauch Seines Dienstes, Seines Herzens und Seiner Zuneigung stieg immer und überall zu Gott empor. Und wo gäbe es einen reicheren und süsseren duftenden Weihrauch, als in dem Leben Jesu? Jehova roch einen lieblichen Geruch, und anstatt des Fluches, der gerechterweise auf uns lastete, kam in Jesu der Segen Gottes auf den Menschen.

 

Dieser Weihrauch wurde also dem Kuchen des Speisopfers beigegeben, denn er war tatsächlich eine Frucht, die in dem Leben Jesu durch den Geist hervorgebracht wurde, ein Ausdruck Seiner Natur. Aber in allen Fällen stieg dieser Weihrauch empor. Mit der Fürbitte und Verwendung Jesu für uns verhält es sich ebenso, denn sie war eine Frucht Seiner heiligen Liebe. Die Gebete Jesu, der Ausdruck Seiner Heiligen Abhängigkeit, waren unendlich angenehm vor Gott und von mächtiger Wirkung. Sie waren alle vor Ihm ein leiblicher Geruch, wie Weihrauch: „das Haus wurde von dem Geruch der Salbe erfüllt“.

Verboten war bei den Opfern ausser dem Sauerteig noch etwas anderes: der Honig, d. h. alles das, was dem Geschmack des natürlichen Menschen besonders angenehm ist, wie z. B. die Zuneigung derer, die wir nach dem Fleische leiben, die angenehmen Beziehungen zu unsersgleichen und ähnlichen Dingen. Nicht als ob diese Dinge in sich selbst böse wären: „Hast du Honig gefunden, so iss dein Genüge, damit du seiner nicht satt werdest“, sagt der Weise. (Spr. 25,16.) Als Jonathan ein wenig Honig gekostet hatte, den er am Tage des Kampfes, als er in der Kraft des Glaubens für Israel stritt, im Walde fand, da wurden seine Augen hell. (1. Sam. 14) Aber nie durfte Honig al ein Feueropfer dem Jehova geräuchert werden. Derselbe Herr, der in der schrecklichen Angst des Kreuzes, als alles vollbracht war, zu seiner Mutter sagen konnte: „Weib, siehe, dein Sohn!“ und zu dem Jüngeren: „Siehe, deine Mutter!“ konnte auch während der Zeit Seines Dienstes sagen: „Weib, was habe ich mit dir zu schaffen?“ Er war ein Fremdling den Söhnen Seiner eigenen Mutter, gleich Levi (in dem Segen Mose, des Mannes Gottes), der als ein Opfer von Seiten des Volkes Israel vor Jehova gestellt wurde, „der von seinem Vater und von seiner Mutter sprach: Ich sehe ihn nicht; und seine Brüder nicht kannte, und von seinen Söhnen nichts Wusste. Denn sie haben dein Wort beobachtet, und deinen Bund bewahrten sie.“ (Vergleiche 4.Mose 8,11; 5.Mose 33,9.)

Es bleibt noch eine Bemerkung übrig. IN dem Brandopfer wurde alles vor Jehova verbrannt, denn Christus hat sich selbst ganz und gar Gott geopfert. Die menschliche Natur Christi aber ist die Speise der Priester Gottes. Aaron und seine Söhne mussten den Teil des Speisopfers essen, der nicht auf dem Altar geräuchert wurde. Christus ist das wahre Brot, das aus dem Himmel herniedergekommen ist, um der Welt das Leben zu geben, damit wir, die Priester und Könige, durch den Glauben von diesem Brote essen und nicht sterben möchten. Das Speisopfer war etwas „hochheiliges“, wovon Aaron uns seine Söhne allein essen durften; - und wer darf sich heute von Christo nähren, wenn nicht die, welche, geheiligt durch den Heiligen Geist, das Leben des Glaubens leben und sich von der Speise des Glauben nähren? Ist Christus nicht die Speise unserer gottgeweihten Seelen, Er, der uns allezeit Gott weiht? Kosten unsere Seelen nicht in dem Heiligen, der sanftmütig und von Herzen demütig war, - in Ihm, der als Licht der menschlichen Vollkommenheit und der göttlichen Gnade leuchtete inmitten eines verderbten Geschlechts, - kosten unsere Seelen nicht in Im das was nährt, erquickt und heiligt? Fühlen wir nicht, was es bedeutet, Gott dargebracht zu sein, indem wir, mittelst des Mitgefühls des Geistes Jesu in uns, Sein Leben hienieden verfolgen, was es war Gott und Menschen gegenüber? Als ein Beispiel für uns trägt Er das Gepräge eines Menschen, der gänzlich für Gott lebt. Er zieht uns sich nach, indem Er selbst die Kraft ist, die uns auf dem Wege fortschreiten lässt, den Er zurückgelegt hat, und an dem wir unsere Freude und Wonne finden. Werden unsere Herzen nicht an Jesum gefesselt, wenn wir so mit Freuden über das nachsinnen, was Er auf Erden war? Werden wir Ihn nicht ähnlicher? Ja, wir bewundern

 

 

 

Ihn, wir werden gedemütigt und durch die Gnade in Sein Bild verwandelt. Indem Er die Quelle des neuen Lebens in uns ist, wird das Beilspiel, das Er uns von der Vollkommenheit dieses Lebens gibt, zu dem Mittel, es in uns zu entfalten und zu kräftigen. Denn wer könnte stolz sein in der Gemeinschaft des demütigen Jesus? Demütig wie Er ist, würde Er uns, wie jemand richtig bemerkt hat, lehren, den letzten Platz einzunehmen, wenn Er ihn selbst noch nicht eingenommen hätte. Anbetungswürdiger Herr! möchten wir doch wenigstens näher bei Dir, in Dir verborgen sein!

Wie unermesslich gross ist doch die Gnade, die uns in diese innige Gemeinschaft mit dem Herrn eingeführt hat! die uns zu Priestern gemacht hat, damit wir an dem teilnehmen möchten, was die Wonne Gottes, unseres Vaters, ausmacht, an dem, was Ihm als ein Feueropfer lieblichen Geruchs dargebracht worden ist und was den Tisch Gottes bedeckt! Dies ist uns als unser ewiges und unveränderliches Teil durch einen Bund besiegelt. Deshalb durfte das Salz des Bundes unseres Gottes bei keinem Opfer fehlen. Es stellte die Festigkeit, die Dauerhaftigkeit und bewahrende Kraft dessen dar, was göttlich war, obgleich es für uns vielleicht nicht immer leiblich und angenehm ist. Es war das Siegel von Seiten Gottes, um zu bezeugen, dass jener liebliche Geruch nicht vorübergehend, und dass das Wohlgefallen nicht nur ein augenblickliches, sondern ein ewig dauerndes war. Denn alles, was von dem Menschen ist, vergeht. Alles, was von Gott ist, besteht ewiglich. Das Leben, die Lieb, die Natur und die Gnade sind bleibend. Diese heilige, absondernde Kraft, die uns vor Verderbnis bewahrt, ist von Gott und teilt die Beständigkeit der göttlichen Natur. Wir sind mit Ihm verbunden, nicht mittelst unseres eigenen Willens, sondern nach der Festigkeit der göttlichen Gnade. Diese Gnade ist tätig in uns, ist rein und heiligend – aber es ist Gnade. Wir sind mit Gott verbunden durch die Kraft des göttlichen Willens, durch die Unverbrüchlichkeit

 

 

der göttlichen Verheissung, aber diese Kraft und diese Treue sind diejenigen Gottes, nicht die unsrigen. Sei sind gegründet auf das Opfer Christi, durch das der Bund Gottes uns besiegelt und untrüglich sicher gemachten worden ist. Anders würde Christus nicht geehrt sein. Es ist der Bund Gottes, fest geworden durch zwei unveränderliche Dinge, wo bei es unmöglich ist, dass Gott lügen sollte. (Hebr. 6.)

Sauerteig und Honig, die Sinnbilder der Sünde und unserer natürlichen Zuneigungen,  dürfen also dem Opfer Gottes nicht beigegeben werden, aber die Kraft Seiner Gnade (die das Böse nicht schont, aber das Gute sicher stellt,) ist da, um uns zu dem unfehlbaren Genus der Früchte und Wirkungen dieses Opfers zu befähigen. Das Salz machte nicht das Opfer aus, aber es durfte bei keinem Opfer fehlen. Es konnte in der Tat nicht fehlen bei dem, was von Gott war. Wir müssen uns daran erinnern, dass der wesentliche und unterscheidende Charakter des Speisopfers, wie des Brandopfers der war, dass es Gott dargebracht wurde. Das konnte von Adam nicht gesagt werden. IN seinem Stande der Unschuld erfreute er sich Gotte. Er dankte Ihm dafür oder hätte es wenigsten tun sollen. Aber es gab in seinem Falle nur Freude oder Genuss und Dankbarkeit. Er konnte sich nicht selbst Gott als Opfer darbringen. Das aber war das Wesen des Lebens Christi. Es wurde Gott dargebracht, und deshalb war es abgesondert, ganz und gar abgesondert von allem, was es umgab. Christus war heilig, nicht nur unschuldig, denn Unschuld ist das Nichtvorhandsein des Bösen, die Unkenntnis betreffs des Bösen, nicht aber die Absonderung von dem Bösen. Gott ist heilig. Er kennt das Gute und das Böse, aber Er ist unendlich über das Böse erhaben, völlig von Ihm abgesondert. Christus war heilig, ich widerhole es, nicht nur unschuldig, sondern heilig. Sein Wille war ganz und gar Gott geweiht. Er war abgesondert von dem Bösen und lebte in der Kraft des Heiligen Geistes.

 

 

 

Die wesentlichen Bestandteile des Speisopfers waren also Feinmehl, Öl und Weihrauch, die Sinnbilder der menschlichen Natur, des Heiligen Geistes und des Wohlgeruchs der Gnade. Sauerteig und Honig waren ausgeschlossen. Was die Art der Zubereitung betrifft, so mengte man den Kuchen mit Öl und salbte ihn mit dem Öl. Überdies durfte bei keinem Opfer das Salz des Bundes Gottes fehlen. Letzteres wird hier deshalb besonders erwähnt, weil man hätte denken können, dass bei dem, was die Gnade der menschlichen Natur Christi betraf, was den Menschen anging, (einen Menschen, der sich selbst Gott opferte, nicht im Tode, sondern im Leben,) das Salz, diese göttliche, erhaltende Kraft, hätte fehlen können, oder mit anderen Worten, dass es sich hier nur um die Handlung eines Menschen als solchen handle. – Noch einmal denn: das Wesentliche geopferte, dass es zum lieblichen Geruch verbrannt und aus den drei obengenannten Dingen hergestellt werden musste, aus Feinmehl, Öl und Weihrauch.

Das Dank- oder Friedensopfer

 

Wir kommen jetzt zu dem Dank- oder Friedensopfer. Es ist das Vorbild der Gemeinschaft der Heiligen mit Gott, gemäss der Wirksamkeit des Opfers, sowie ihrer Gemeinschaft mit dem Priester, der es für uns dargebracht hat, und mit der ganzen Kirche Gottes. Das Friedensopfer kommt nach denjenigen Opfern, die uns den Herrn Jesus in Seiner Dahingabe in den Tod (Brandopfer) und in Seiner Dahingabe und Gnade im Leben, aber bis zum Tode und zur Feuerprobe (Speisopfer) darstellen. Wir sollen dadurch verstehen, dass die Gemeinschaft mit Gott einzig und allein auf die vollkommene Annehmlichkeit und den Wohlgeruch dieses Opfers gegründet ist, und zwar nicht nur weil das Opfer nötig war, sondern weil Gott Seine Wonne daran fand.

Ich habe schon darauf aufmerksam gemacht, dass, wenn ein Sünder Gott nahen wollte, das Sündopfer zuerst kam, denn die Sünde muss getragen und hinweg getan sein, soll anders der Sünder fähig sein, vor Gott hinzutreten. War er aber so gereinigt und rein, so nahte er kraft des Wohlgeruchs der Opfergabe Gottes, d.h. kraft der vollkommene Annehmlichkeit Christi, der, keine Sünde kennend, sich in einer Welt der Sünde Gott geweiht hat, um Ihn vollkommen zu verherrlichen. Er gab Sein Leben hin, damit auch alles das, was Gott im Gericht war, verherrlicht werden möchte, und zwar durch den Menschen in der Person Christi, und damit so eine unendliche Gunst auf diejenigen käme, die durch Ihn Gott nahen würden. „Darum leibt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, auf dass ich es wiedernehme.“ (Joh. 10,17.) Der Herr sagt hier nicht: „weil ich mein Leben für die Versammlung lasse“, - das wäre eher das Sündopfer, - sondern Er redet von der Kostbarkeit Seines Werkes und dem Seiner Tat innewohnenden Wert, denn in dieser Tat hat der Mensch (Christus) alle Vollkommenheit erfüllt. Die ganze Wahrheit und Liebe Gottes, samt Seiner Gerechtigkeit wider die Sünde, wurden in dem Menschen, in Jesu Christo, vollkommen verherrlicht. „Jetzt ist der Sohn des Menschen verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in Ihm.“ (Joh. 13,31.) „Denn da ja durch einen Menschen der Tot kam, so auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.“ (1. Kor. 15,21) Das Böse, das Satan hervorgerufen hat, ist weit mehr als wieder gut gemacht worden, und zwar auf demselben Schauplatz, auf den er das Verderben gebracht hatte, und durch dasselbe Werkzeug, durch das er es gebracht hatte; durch den Menschen. Wenn Gott einerseits im Menschen und durch den Menschen verunehrt worden ist, so ist Er anderseits in gewissem Sinne (in der Person Jesu) des Menschen Schuldner geworden im Blick auf Seine höchste und ausgezeichnetste Verherrlichung. Denn ist auch alles in einer Hinsicht nur ein freies Geflecht Gottes an uns, so ist es doch zugleich der Mensch gewordene Christus, der das Werk vollbracht hat. Alles was Christus war, und alles was Er getan hat, war Gott unendlich angenehm, und hier finden wir die Grundlage für unsere Gemeinschaft, nicht aber im Sündenopfer. Daher folgt auch das Friedensopfer unmittelbar auf das Brandopfer und Speisopfer, obwohl, wie schon bemerkt, das Sündopfer in erster Linie steht, sobald es sich um die Anwendung des Opfers auf den Mensch handelt.

Das erste, was beim Friedensopfer geschehen musste, war die Darstellung und das Schlachten des Opfers an der Tür des Zeltes der Zusammenkunft, sowie das Springen des Blutes, mit anderen Worten das, was die Grundlage jedes tierischen Opfers ausmacht. Der, welcher das Opfer darbrachte, machte sich eins mit ihm, indem er seine Hände auf den Kopf des Opfertiers legte.*)

 


*) Eine Ausnahme von dieser Regel bildeten das Sündopfer am grossen Versöhnungstage und die rote Kuh (3.Mose 16; 4.Mose 19.)Allein diese Ausnahmen bestätigen nur den grossen Grundsatz oder dienen zur Klarstellung einzelner seiner Teile.

Hernach wurde alles Fett, ganz besonders das der inneren Teile, auf dem Brandopferaltar vor Jehova verbrannt. Das Blut und das Fett zu essen war verboten. Das Blut war das Leben und gehörte Gott, denn das Leben kam von Ihm. Das Fett wird in der Schrift häufig als Sinnbild gebraucht. So lesen wir z.B.: „Ihr Herz ist dick geworden wie Fett“. „Da ward Jeschurun fett und schlug aus.“ „Ihr fettes Herz (Eig. Ihr Fett) verschliessen sie, mit ihrem Munde reden sie stolz.“ (Ps. 119,70; 5.Mose 32,15; Ps. 17,10.) Das Fett ist das Sinnbild der Energie und Kraft des Willens, des Inneren des menschlichen Herzens. Wenn daher Christus Seiner gänzlichen Entäusserung und Erniedrigung Ausdruck geben will, so sagt Er: „Alle meine Gebeine könnte ich zählen“, und in Ps. 102,5: „Ob der Stimme meines Seufzens klebt mein Gebein an meinem Fleische“.

In Jesu war indes alles, was an Energie und Kraft in der Natur vorhanden war, Sein ganzes Inneres, ein Brandopfer für Gott, das völlig als ein Opfer leiblichen Geruchs Gott dargebracht wurde. Es war Gottes Anteil an dem Opfer, „eine Speise des Feueropfers dem Jehova“. Jehova fand Seine Wonne daran. Seine Seele ruhte darin, denn es war etwas sehr Gutes: gut inmitten des Bösen, gut wegen der Energie der Hingabe an Ihn, gut wegen des vollkommenen Gehorsams. Wenn das Auge Gottes, gleich der Taube Noahs, über diese Erde hinblickte, konnte es auf nichts mit Wohlgefallen ruhen, bis Jesus auf sie herabstieg. Auf Ihn konnte das Vaterauge mit Wonne blicken. Welches auch die Ratschlüsse des Himmels sein mochten, er bleib dennoch, was den Ausdruck seines Wohlgefallens betraf, so lange verschlossen, bis Jesus auf die Erde kam: Er, der zweite Mensch, Vollkommene, der heilige, der da kam, um sich Gott zu opfern, um Seinen Willen zu tun. In demselben Augenblick, da Jesus sich anschickte, Seinen öffentl ichen Dienst anzutreten, öffnete sich der Himmel.

Der Heilige Geist kam hernieder, um auf Ihm, dem einzigen Ort, wo Er hienieden eine Ruhestätte finden konnte, zu bleiben, und die Stimme des Vaters, die jetzt nichts mehr zurückzuhalten vermochte, bezeugte vom Himmel her: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an welchem ich Wohlgefallen gefunden habe“. Sollte dieser Gegenstand, der zu gross, zu kostbar war, als dass der Himmel und die Liebe des Vaters hätten schweigen können, irgend etwas von seiner Vortrefflichkeit und seinem Wohlgeruch in einer Welt der Sünde einbüssen? Weit entfernt davon! Im Gegenteil sollte gerade Seine ganze Kostbarkeit erprobt und erwiesen werden.

Wenn Jesus durch das, was Er litt, den Gehorsam lernte, so war es wahr von Ihm, dass jede Regung Seines Herzens Gott geweiht war. Er wandelte in der Gemeinschaft Seines Vaters und ehrte Ihn in allem, im Leben und im Tode. Jehova fand an Ihm Seine beständige Wonne, und am allermeisten dann, als Er Sein Leben liess. Da offenbarte sich „die Speise des Opfers“

So viel über den grossen Grundsatz des Friedensopfers; aber dann wird uns der Anteil gezeigt, den unsere Seelen an diesem allem haben. Das Fett wurde als ein Brandopfer auf dem Altar verbrannt, zum Ausdruck dessen, dass jene Widmung Christi für Gott völlig erprobt worden ist und sich bis zum äussersten als vollkommen erwiesen hat. – Aus dem „Gesetz“ des Friedensopfers (Kap. 7) ersehen wir, dass der Rest des Opfertieres gegessen werden musste. Die Brust war für Aaron und seine Söhne, die vorbildlich die ganze Kirche oder Versammlung Gottes darstellten. Der rechte Schenkel war für den Priester, der die Sprengung des Blutes vollzog, ein besonderes Vorbild von Christo als opferndem Priester droben. Was von dem Tiere übrigblieb, wurde von dem gegessen, der es darbrachte, und von seinen Geladenen. Auf diese Weise bestand eine Einsmachung

 

 

 

Und Gemeinschaft mit der Herrlichkeit und dem Wohlgefallen, ja, mit der Wonne Dessen, dem das Opfer dargebracht wurde, ferner mit dem Priestertum und dem Altar, den Werkzeugen und Mitteln zur Darbringung des Opfers.

Ein ähnliches Verfahren gab es auch unter den Heiden. Daher die Beweisführung des Apostels hinsichtlich des den Götzen Geopferten in 1. Kor. 10. Wenn er in dieser Stelle vom Abendmahl des Herrn redet, dessen Bedeutung mit dem uns beschäftigenden Vorbilde in inniger Verbindung steht, so sagt er: „Sehet auf Israel nach dem Fleische. Sind nicht die, welche die Schlachtopfer essen, in Gemeinschaft mit dem Altar? (V. 18.) Dieser Grundsatz war so wahr, dass in der Wüste (wo dies ausführbar war) niemand das Fleisch irgendeines Tieres essen durfte, es sei denn dass er es vorher als Gabe vor das Zelt der Zusammenkunft gebracht hatte. Eine ähnliche, zur Aufrechterhaltung des Grundsatzes notwendige Verordnung wurde im Lande Kanaan gegeben. Was uns Christen betrifft, so sollten wir im Namen des Herrn Jesus essen, indem wir unsere Opfer des Lobes, d. i. die Frucht der Lippen, die Seinen Namen bekennen, darbringen und auf diese Weise alles, woran wir teil haben, wie auch uns selbst Gott weihen, in Gemeinschaft mit dem Geber und mit Demjenigen, der uns in dem Genuss des uns Gegebenen erhält. Indes handelt es in unserem Kapitel um ein Opfer im eigentlichen Sinne.

So ist denn die Darbringung Christi als Brandopfer Gott höchst angenehm: Er findet Seine Wonne daran, Seine Seele erfreut und erquickt sich an diesem duftenden Wohlgeruch. Die Anbeter

Nun, die gleichsam vor dem Herrn, an Seinem Tische, Platz nehmen, nahen auch Kraft dieses vollkommenen Opfers nähren sich von Ihm. Sie haben vollkommene Gemeinschaft mit Gott an der derselben Freude über das Opfer Jesu, ja, an Jesu selbst, der sich also geopfert hat. Sie besitzen mit Gott denselben Gegenstand der Freude, sie geniessen eine gemeinsame ge-

 

 

Segnete Freude an dem herrlichen Erlösungswerke, das Jesus vollbracht hat. Gleichwie Eltern sich gemeinschaftlich an ihren Kindern erfreuen, eine Freude, die noch durch das gegenseitige Interesse an ihnen erhöht wird, haben auch die Anbeter, die mit dem Geiste erfüllt und durch Christum erkauft sind, die nämlich Gefühle wie der Vater hinsichtlich der Kostbarkeit Christi. Sie erfreuen sich mit Gott an der Vortrefflichkeit dieses vollkommenen Opfers. Und sollte der Priester, der alles dieses zuwege gebracht hat, allein ausgeschlossen sein von dieser Freude? Nein. Auch Er hat Seinen Teil daran. Er, der das Opfer dargebracht hat, nimmt mit teil an der Freude der Erlösung, und die ganze Versammlung soll daran teilnehmen.

Jesus findet also als Priester Sein Wohlgefallen an der Freude dieser Gemeinschaft, die ER selbst zwischen Gott und Seinem Volke (den Anbetern) zuwege gebracht hat, und deren Gegenstand Er ist. Denn worin besteht die Freude eines Erlösers, wenn nicht in der Freude, in der Gemeinschaft und dem Glück seiner Erlösten? Das ist also der wahre Gottesdienst der Heiligen. Er besteht darin, dass man sich gemeinsam in Gott freut, kraft der Erlösung und der Dahingabe Jesu, dass man dieselben Gefühle mit Gott teilt, indem man sich mit Ihm an der Kostbarkeit des reinen, fleckenlosen Lammes erfreut, das sich selbst aufgeopfert, das uns erkauft, versöhnt und in dieser Gemeinschaft gebracht hat und uns nun auch die Zuversicht gibt, dass die Freude, die wir geniessen, die Freude Jesu selbst ist, ihres Urhebers und Mitteilers.

Diese Freude der Anbetung gehört notwendigerweise der Gesamtheit der Erkauften an, als in den himmlischen Örtern betrachtet, mögen sie uns nun schon vorangegangen sein oder noch hienieden im Leibe wallen. Denn Aaron und seine Söhne mussten auch ihren Anteil haben, uns sie sind stets das Vorbild der Versammlung Gottes, als ein Ganzes, ein Körper, betrachtet, dessen Glieder alle-

 

 

 

Samt das Recht haben, in die himmlischen Örter einzugehen und Weihrauch darzubringen, da sie zu Priestern Gottes gemacht sind. Denn die Stiftshütte mit allen ihren Verordnungen war das Muster der himmlischen Dinge, und diejenigen, welche die Kirche oder Versammlung Gottes ausmachen, bilden auch die Gesamtheit, die Körperschaft der himmlischen Priester Gottes. Jeder wahre Gottesdienst kann deshalb nicht von der ganzen Körperschaft der wahren Gläubigen getrennt werden. Ich kann nicht in Wirklichkeit mit einem Opfer der Hütte Gottes nahen, ohne daselbst auch die Priester der Hütte zu finden. Ohne den Hohenpriester ist alles eitel, denn was haben wir ohne Jesum? Ihn aber kann ich nicht finden, als nur in Verbindung mit Seinem Leibe, Seinem geoffenbarten Volke. Gott hat überdies Seine Priester, und ich kann nur auf dem von Ihm vorgeschriebenen Wege nahen, in Verbindung mit und in Anerkennung von allen denen, die der Hut Seines Hauses warten, d. i. der ganzen Körperschaft derer, die in Christo geheiligt sind. Alles was nicht mit diesem Geist in Übereinstimmung ist, steht im Widerspruch mit der Verordnung Gottes und ist kein wahres, der Einsetzung Gottes entsprechendes Friedensopfer.

Es bleibt uns noch übrig, auf einige andere Einzelheiten einzugehen. Zunächst konnten nur diejenigen, die rein waren, an dem Opfermahle teilnehmen. Wir wissen, dass heute die sittliche Reinigung an die Stelle der zeremoniellen getreten ist: „Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe“. (Joh. 15,3.) „Gott machte keinen Unterschied zwischen uns und ihnen, indem Er durch den Glauben ihre Herzen reinigte.“ (Apostgsch. 15,9) Damals waren es die Israeliten, die teil hatten an den Friedensopfern, und wenn ein Israelit unrein war durch irgend etwas, was ihn nach dem Gesetz Gottes verunreinigte, so konnte er, so lange seine Verunreinigung dauerte, nicht von dem Opfer essen. So sind es heute auch nur die Christen, (deren Herzen durch den Glauben gereinigt sind, indem sie das Wort mit Freuden

 

Aufgenommen haben,) die wirklich vor Gott anbeten und an der Gemeinschaft der Heiligen teilnehmen können. Ist das Herz verunreinigt, so ist die Gemeinschaft unterbrochen. Niemand, der offenbar verunreinigt ist, hat das Recht, an dem Gottesdienst und der Gemeinschaft der Versammlung Gottes teilzunehmen. Der Leser wolle beachten, dass „kein Israelit sein“ oder „nicht rein sein“ zwei verschiedene Dinge waren. Wer kein Israelit war, hatte niemals an den Friedensopfern teil. Nie durfte er sich dem Zelte der Zusammenkunft nahen. „Nicht rein sein“ bewies aber nicht, dass jemand kein Israelit war. Im Gegenteil, die Zucht, von der wir reden, fand nur auf Israeliten ihre Anwendung. Aber die Verunreinigung machte ihn unfähig, sich mit denen, die rein waren, an den Vorrechten der Gemeinschaft zu beteiligen, weil die Friedensopfer, obwohl die Anbeter teil daran hatten, dem Herrn gehörten. (Kap. 7,20. 21.) Wer unrein war, sah sich dieses Anrechts beraubt. Die wahrhaftigen Anbeter nun müssen „den Vater in Geist und Wahrheit anbeten; denn auch der Vater sucht solche als Seine Anbeter“. (Joh. 4,23.) Wenn aber der Geist es ist, der die Anbetung und die Gemeinschaft bewirkt, so ist es klar, dass nur diejenigen daran teilnehmen können, die den Geist Christi besitzen und Ihn nicht betrübt haben, die durch den Geist ist, unmöglich gemacht.

Es gab allerding in Verbindung mit dem Friedensopfer eine Verordnung, die dem eben Gesagten zu widersprechen scheint, in Wirklichkeit aber den Gegenstand nur um so schärfer beleuchtet. Man musste nämlich mit den Gaben, die dieses Opfer begleiten, gesäuerte Brote darbringen. (Kap 7,13.) Denn wenn auch das, was unrein ist oder vielmehr was als solches erkannt werden kann, fern bleiben muss, so gibt es doch immer eine Beimischung von Bösem in unserer Anbetung. Der Sauerteig ist da, denn der Mensch kann nicht ohne Sauer-

 

 

 


teig sein. Es mag verhältnismässig wenig vorhanden sein, wie es der Fall sein wird, wenn der Geist nicht betrübt ist. Aber wo irgend der Mensch ist, da ist auch Sauerteig. – Neben den gesäuerten Broten gab es auch ungesäuerte Kuchen, denn Christus ist da, und der Geist Christi ist in uns, in denen sich Sauerteig vorfindet, weil wir Menschen sind.

Mit jener gottesdienstlichen Handlung war dann noch eine andere wichtige Verordnung verknüpft. War nämlich das Friedensopfer ein Gelübde oder eine freiwillige Gabe, so durfte das Fleisch des Opfertiers noch am zweiten Tage, nachdem man das Fett, die Speise Jehovas, verbrannt hatte, gegessen werden. Handelte es sich dagegen um ein Dankopfer, so musste das Fleisch an demselben Tage gegessen werden, an dem man das Opfer darbrachte: „er soll nichts davon liegen lassen bis an den Morgen“. Hierdurch wurden die Reinheit der Anbeter und die Darbringung des Fettes vor Gott eng miteinander verbunden. So ist es denn auch unmöglich, wahre geistliche Anbetung und wahre Gemeinschaft von der vollkommenen Hingabe Christi an Gott zu trennen. Sobald wir diese aus dem Auge verlieren, sobald unsere Anbetung sich von dem Opfer trennt, von seiner Wirksamkeit und von dem Bewusstsein, wie vollkommen wohlgefällig Jesus vor dem Vater ist, wird sie fleischlich. Sie wird zu einer Form oder dient zur Befriedigung des Fleisches. Wenn das Friedensopfer nicht in Verbindung mit der Darbringung des Fettes gegessen wurde, so war es ein bloss fleischliches Fest, oder eine blosse Form des Gottesdienstes, die nicht mit dem Gegenstand der Wonne und des Wohlgefallens Gottes gemein hatte. Eine solche Handlung war nicht nur nicht wohlgefällig vor Gott, sondern geradezu gottlos.

Wenn der Heilige Geis uns zu einer wahren geistlichen Anbetung anleitet, so führt Er uns in die Gemeinschaft mit Gott, in die Gegenwart Gottes ein; und dann wird ganz naturgemäss der unendliche Wert, den

 

 

Das Opfer Seines Sohnes für Gott hat, unserem Geiste gegenwärtig. Wir nehmen teil an der Wertschätzung dieses Opfers. Sie bildet einen unzertrennlichen und unerlässlichen Teil unserer Gemeinschaft und unseres Gottesdienstes. Wir können unmöglich n der Gegenwart und Gemeinschaft Gottes sein, ohne dieses Opfer dort zu finden. Es ist ja die Grundlage unserer Annahme bei Gott und unserer Gemeinschaft ihn Ihm. Verlieren wir das aus dem Auge, so  wird unser Gottesdienst fleischlich, die Gebete werden zu einer blossen Form, zu dem, was man zuweilen eine „Gebetsgabe“ nennen hört, und was könnte betrübender sein als das? Anstatt durch die Salbung des Heiligen Geistes der Ausdruck der Gemeinschaft zu sein und unsere Bedürfnisse und Wünsche kundzugeben, bestehen die Gebete aus einer fleissenden Aufzählung bekannter Wahrheiten und Grundsätze. Das Singen der Lieder wird zu einer blossen Befriedigung für das Ohr. Man erfreut sich an der lieblichen Melodie und schwelgt in den schönen Worten. Alles wird zu einer äusseren Form. Anstatt die Gemeinschaft im Geist zu sein, ist es das Fleisch in einer neuen Form, und ich brauche kam zu sagen, dass das durchaus böse ist. Einen solchen Gottesdienst kann der Geist Gottes nicht anerkennen. Er ist nicht im Gies und in der Wahrheit, sondern wird u einer Sünde.

Es gab, wie schon angedeutet, einen Unterschied in dem Werte der verschiedenen Arten des Friedensopfers: War es ein Gelübde, so konnte es noch am zweiten Tage gegessen werden. War es ein Dankopfer, nur am Tage seiner Darbringung. Dies stellt uns im Vorbilde zwei verschiedene Stufen geistlicher Kraft dar. Wenn unser Gottesdienst das Ergebnis einer einfältigen und ungeheuchelten Ergebenheit ist, so kann er länger andauern und annehmlich sein, weil wir, mit dem Geist erfüllt, in wahrer Gemeinschaft dastehen. Der Wohlgeruch unseres Opfers bleibt auf dieser Wiese länger vor Gott erhalten, der an der Freude Seines Volkes teilnimmt. Denn die

 

 

 

Kraft des Geistes erhält, in der Gemeinschaft, Seine eigene Freude in den Seinigen vor Gott annehmlich. Ist dagegen die Anbetung die natürliche Folge schon empfangener Segnungen, so ist sie Gott wohl auch annehmlich, (denn wir sind Ihm stets Dank schuldig,) aber sie ist nicht die Frucht derselben Energie der Gemeinschaft. Die Danksagung wird Gott ohne Zweifel in Seiner Gemeinschaft dargebracht, aber mit der Danksagung hört auch die Gemeinschaft auf.

Auch ist zu beachten, dass wir beim Gottesdienst im Geist anfangen und im Fleisch vollenden können. Wenn ich z. B. länger singe, als der Geist es bewirkt, was nur zu häufig geschieht, so wird mein  Singen, das im Anfang eine wahre Herzensmelodie zur Ehre des Herrn war, in angenehmen Gedanken und Empfindungen, in blosser Musik, d. h. also im Fleisch endigen. Diesen Wechsel wird die geistliche Seele, der einsichtsvolle Anbeter, alsbald empfinden. Durch einen solch fleischlichen Gottesdienst wird die Seele immer geschwächt, und sie gewöhnt sich gar schnell an geistliche Schwäche, und dann wird sehr bald durch die Macht des Feindes das Böse inmitten der Anbeter eindringen. Möge der Herr uns nahe bei sich erhalten, damit wir in Seiner Gegenwart alles beurteilen, denn ausserhalb derselben sind wir zu jedem geistlichen Urteil unfähig.

Der Ausdruck in Kap 7,20: „das Jehova gehört“, ist unserer ersten Beachtung wert. Der Gottesdienst, das was bei ihm in unseren Herzen vorgeht, ist für Gott. Es gehört nicht uns, sondern dem Herrn. Der Herr hat es zu unserer Freude in unsere Herzen gelegt, damit wir teil haben möchten an dem Opfer Christi, an Seiner eigenen Freude an Christo. Sobald wir den Gottesdienst uns zueigen, entweihen wir ihn. Deshalb musste das von dem Opfertier Übriggebliebene mit Feuer verbrannt werden, und aus demselben Grunde durfte nichts Unreines sich daran beteiligen. Eben deshalb war es auch nötig, das Fleisch in Verbindung mit

 

 

dem Verbrennen des Fettes für Jehova zu essen, damit es wirklich Christus in uns sei, und mithin eine wahre Gemeinschaft mit Gott, die Darbringung Christi (von dem unsere Seelen sich nähren) vor Gott.

Vergessen wir nie, dass unser ganzer Gottesdienst Gott gehört, dass er der Ausdruck der Vortrefflichkeit Christi in uns ist, und dementsprechend unsere Freude vor Gott durch einen und denselben Geist. Christus im Vater, wir in Ihm und Er in uns, das ist die wunderbare Kette der Vereinigung, die ebensowohl in der Gnade wie in Gnade wie in der Herrlichkeit besteht. Unser Gottesdienst ist der Ausdruck und Ausfluss dessen, was unsere Herzen durch Christum erfüllt und erfreut. So sagt denn auch der Herr, wenn Er in dieser Hinsicht in unserer Mitte Seinen Dienst verrichtet: „Verkündigen will ich deinen Namen meinen Brüdern; inmitten der Versammlung will ich dich loben“. (Ps. 22,22, Hebr. 2,12.) Möchten unsere Stimmen und unsere Herzen hierin nur immer unserem himmlischen Führer folgen! Wahrlich, Er wird unsere Lobgesange richtig anleiten und so, wie es dem Vater wohlgefällt. Und wie wird das Ohr des Vaters aufmerken, wenn Er diese für Ihn so kostbare Stimme uns leiten hört! Welch eine vollkommene und tiefe Erkenntnis dessen, was vor Gott wohlannehmlich ist, muss Derjenige haben, der in dem Erlösungswerk alles nach den Gedanken Gottes ausgeführt hat! Der Sinn Christi ist der Ausdruck von alledem, was dem Vater angenehm ist, und Er unterweist uns in diesen Dingen, damit wir, obwohl schwach und unvollkommen, ebenso wohlgefällig seien wie Er. „Wir haben Christi Sinn.“

„die Frucht der Lippen“ (Hebr. 13,15; Hos. 14,2) ist der Ausdruck desselben Geistes, durch den wir „unsere Leiber als ei lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer darstellen“, indem wir prüfen, was „der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist“. Das ist unser Gottesdienst, das unser Dienst, den unser Dienst sollte in gewisser Hinsicht unser Gottesdienst sein.

 

Es ist schon darauf hingewiesen worden, dass unter den Anweisungen bezüglich des Friedensopfers sich auch das Gebot findet, weder von dem Fett noch von dem Blut zu essen. Dieses Gebot hat hier offenbar deshalb eine Stelle gefunden, weil von den Friedensopfern ein grosser Teil durch die Anbeter gegessen wurde. Seine Bedeutung erhellt aus dem bereits Gesagten zur Genüge: das Leben und die inneren Kräfte des Herzens gehörten ganz und gar Gott. Das Leben gehörte Gott und musste Ihm geweiht werden. Einem anderen Geschöpf das Leben zu nehmen, war ein an den Rechten Gottes begangener Hochverrat. Gerade so war es mit dem Fett. Indem es nicht gewöhnliche Verrichtungen (wie die Bewegung eines Gliedes oder dergleichen, sonder die Energie des ganzen inneren Menschen) kennzeichnete, gehörte es ausschliesslich Gott. Christus allein hat sich Gott so geweiht, weil Er allein Gott alles das geopfert hat, was Ihm gebührte, und deshalb stellt auch das Verbrennen des Fettes bei diesen und anderen Opfern Seine Selbstaufopferung als einen lieblichen Geruch für Gott dar. Aber es ist nicht weniger wahr, dass alles Gott gehörte und noch gehört. Der Mensch konnte es sich nicht zu seinem Gebrauch aneignen. Nur in dem Falle, wo ein Tier von selbst starb oder zerrissen wurde, konnte man sich des Fettes bedienen. So oft aber ein Mensch einem Tiere mit Absicht das Leben nahm, musste er die Rechte Gottes anerkennen und seinen Willen dem Willen Gottes unterordnen als Dem, der allen Ansprüche an diesem Leben besass.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Die Sünd- und Schuldopfer

 

Die Sünd- und Schuldopfer waren, wie bereits bemerkt, keine Opfer „lieblichen Geruchs“. Ihrem Grundsatz nach sind sie einander ähnlich, in ihrem Charakter und ihren Einzelheiten aber voneinander verschieden. Wir werden von diesem Unterschiede noch reden. Zunächst jedoch ist ein sehr wichtiger Grundsatz zu beachten. In den Opfern, die wir bisher betrachtet haben, den Opfern lieblichen Geruchs, sahen wird den Opfernden eins gemacht mit dem Opfer. Diese Einsmachung fand ihren Ausdruck in dem Legen der Hände des Anbeters auf den Kopf des Opfertiers. Der Opfernde – sei es nun Christus selbst, oder ein Mensch, der durch den Geist Christi geleitet und so mit Ihm vor Gott eins gemacht wurde – kam freiwillig und fand sich auf diese Weise, als Anbeter, mit der Annehmlichkeit seines Opfers, das Gott vollkommen angenehm war, eins gemacht.

Bei dem Sündopfer begegnen wir zwar auch demselben Grundsatz der Einsmachung mit dem Opfer vermittelst des Händeauflegens. Allein der Opfernde nahte nicht als Anbeter, sondern als Sünder, nicht als rein, um sich der Gemeinschaft mit Gott zu erfreuen, sondern als schuldig und befleckt. Und statt dass der Opfernde mit der Annehmlichkeit des Gottwohlgefälligen Opfers eins gemacht worden wäre, (obgleich das nachher auch wahr wurde,) wurde das Opfertier mit seiner Sünde und Befleckung eins gemacht: es wurde an seiner Statt zur Sünde gemacht und dementsprechend behandelt. Das war voll und ganz der Fall, wenn es sich einfach um ein Sündopfer handelte. Ich habe oben hinzugefügt: „obgleich das nachher auch wahr wurde“, weil bei mehreren Sündopfern ein gewisser Teil des Opferdienstes sie mit der Annahme Christi, des vor Gott stets Wohlgefälligen, eins machte – eine Annahme, die

 

 

 

In Ihm, der in Seiner Person den Wert und die Kraft aller Opfer vereinigte, nie völlig aus dem Auge verloren werden konnte.

Die Unterscheidung zwischen der Einsmachung des Opfers mit der Sünde des Schuldigen und der Einsmachung des Anbeters mit dem vor Gott angenehmen Opfer lässt sehr klar den Unterschied zwischen den Opfern überhaupt hervortreten und zeigt uns auch die beiden Seiten des Werkes Christi.

Ich komme jetzt zu den Einzelheiten. Es gab vier gewöhnliche Klassen von Sünd- und Schuldopfern, und ausserdem zwei äusserst wichtige besondere Opfer, von denen wir später reden werden. Die erste Klasse umfasste die Sünden, die das natürliche Gewissen verletzten (Kap. 4); die zweite (bis zum 13. Verse des 5. Kapitels) diejenigen Dinge, die infolge der Satzungen Jehovas zur Sünde wurden, wie z. B. Verunreinigungen, durch die ein Anbeter unfähig wurde, Gott zu nahen, und andere Dinge. Diese Klasse hatte einen gemischten Charakter. Es wird gesprochen von Sünd- und Schuldopfern. Die dritte Klasse (vom 14.-19. Verse des 5. Kapitels) begriff die Vergehen in sich, die an den dem Herrn geheiligten Dingen begangen wurden; die viere endlich (Kap. 5,21-26) Vergehungen gegen den Nächsten durch Vertrauensbruch und dergleichen. Den beiden anderen bemerkenswerten Beispielen von einem Sündopfer begegnen wir am grossen Versöhnungstage (3. Mose 16) und in dem Opfer der roten Kuh (4. Mose 19) Sie erfordern eine besondere Betrachtung.

Die das Opfer begleitenden Umstände waren ganz einfach. Es liegt auf der Hand, dass wenn das gesamte Volk oder der Hohepriester gesündigt hatte, jede Gemeinschaft mit Gott unterbrochen war. Es handelte sich dann nur um die Wiederherstellung einer einzelnen Person, sondern um die Wiederherstellung der Gemeinschaft zwischen Gott und dem ganzen Volke. Auch stand nicht die Bildung einer Beziehung, eines Verhältnisses

 

 

zu Gott in Frage, - das geschah am grossen Versöhnungstage, - sondern es handelte sich um die Wiederanknüpfung einer unterbrochenen Gemeinschaft. Deshalb wurde das Blut siebenmal vor dem Vorhang gesprengt, um so eine vollkommene Wiederherstellung jener Gemeinschaft zu vermitteln. Ebenso tat man das Blut an die Hörner des goldenen Räucheraltars. Im Falle einer persönliche Sünde war diese Gemeinschaft im Allgemeinen nicht unterbrochen, sondern nur der einzelne, der die Sünde beging, verlor den Genuss der Gemeinschaft. Das Blut wurde deshalb nicht an den Altar des wohlriechenden Räucherwerks ( im Heiligtum) gesprengt, wohin nur der Priester nahen konnte, sondern an den Brandopferaltar (im Vorhof), wo der einzelne Israelit Zutritt hatte. Die Wirkung des Sündopfers Christi ist notwendig für jede Sünde, wie es denn auch ein für allemal für jede Sünde vollbracht worden ist, aber die Gemeinschaft der Körperschaft oder der Gesamtheit der Anbeter wird durch die Sünde des einzelnen, obwohl beeinträchtigt, so doch nicht unterbrochen. Sobald jedoch die Süde bekannt ist, muss Sühnung für den geschehen, der sie begangen hat. Wir wissen, dass der Herr zuweilen die ganze Versammlung straft, wenn die Sünde eines einzelnen verborgen bleibt. So sagt Er z. B. in dem Falle Achans: „Israel hat gesündigt“. Aber sobald die Sünde bekannt war, wurde Achan allein bestraft, und der Segen kehrte auf die Gemeinde zurück, wenn auch unter viel grösseren Schwierigkeiten als vorher. Tatsache ist, dass der Herr, der in der Kirche die allgemeine Regierung mit dem Gericht über den einzelnen zu vereinigen weiss, wenn im allgemeinen Treue vorhanden ist, das Böse, das bei einer einzelnen Person sich findet, offenbar macht oder es nicht erlaubt (was noch viel besser ist), und dass Er anderseits die Sünde des einzelnen benutzen kann, um den ganzen Körper zu züchtigen. Es scheint mir sogar, dass in dem angeführten Falle, obgleich die Veranlassung zur Züchtigung in der Sünde Achans ans Licht trat, Israel doch

 

Vertrauen auf einen fleischlichen Arm gezeigt hatte, und Gott hielt es für gut, Israel zu züchtigen, um ihm die Eitelkeit dieses Vertrauens vor Augen zu stellen, gerade so wie die Kraft Jehovas sich vor Jericho als völlig hinreichend geoffenbart hatte, um den Feind zu besiegen.

Doch wie dem auch sei, jedenfalls geht aus den Einzelheiten dieser Opfer für die Sünde klar hervor, dass Gott stets Kenntnis von der Sünde nimmt. Er kann sie vergeben, aber Er kann sie nicht übersehen. Eine Sünde die dem Menschen selbst verborgen ist, ist deshalb nicht verborgen vor Gott, denn aus welchem anderen Grunde bleibt sie dem Schuldigen verborgen, als nur deshalb, weil sein geistliches Verständnis durch die Sünde und durch die Nachlässigkeit, die eine Folge der Sünde ist, verdunkelt wird? Gott richtet die Sünde nicht dem gemäss, was dem Menschen geziemt, sondern was Ihm geziemt. Jehova wohnte in der Mitte Israels, und deshalb musste Israel gerichtet werden nach dem, was der Gegenwart Gottes geziemte. Unsere Vorrechte sind stets der Massstab unserer Verantwortlichkeit. Die Menschen lassen in ihre Gesellschaft nur solche zu, die sie dafür würdig erachten. Sie gestatten keinem verdorbenen Menschen den Zutritt, indem sie dessen Bosheit entschuldigen und zudecken, und sie tun dies, weil es ihren Gewohnheiten und ihrem Stande entspricht, so zu handeln. Sollte nun Gott allein Seine Gegenwart dadurch entweihen müssen, dass Er anders handelt? Sollte all das böse, in das der Mensch durch seine Verderbtheit gebracht werden kann, allein in der Gegenwart Gottes Entschuldigung und Billigung finden? Nein. Wenn Gott uns glücklich machen will in Seiner Gegenwart, so muss Er notwendigerweise das Böse richten, ja, alles Böse, und zwar gemäss der Heiligkeit Seiner Gegenwart, d. h. Er muss es völlig von dieser Gegenwart ausschliessen. Wenn die sittliche Torheit, die eine Folge der Sünde ist, uns unfähig macht, das Böse in uns zu entdecken, ist das dann ein Grund für Gott, es auch zu übersehen? Muss Er blind werden, weil

 

die Sünde uns blind gemacht hat? Soll Er sich selbst entehren, soll Er andere unglücklich und jede heilige Freude, selbst in Seiner Gegenwart, unmöglich machen, um so das Böse ungestraft hingehen lassen zu können? Unmöglich! Nein, jede Sünde wird gerichtet. Gott übersieht nichts, und das Böse, so völlig es uns auch verborgen sein mag, ist böse vor Ihm. „alles ist bloss und aufgedeckt vor den Augen Dessen, mit dem wir es zu tun haben.“ Gott kann Mitleid mit uns haben. Er kann uns durch Seinen Geist erleuchten. Er kann einen Weg bereiten, auf dem der grösste Sünder Ihm mit Freimütigkeit zu nahen vermag. Aber alles das verändert nicht im geringsten Sein Urteil über das Böse. „Und der Priester soll Sühnung für ihn tun wegen seines Versehens, das er begangen hat, ohne es zu wissen; und es wird ihm vergeben werden. Es ist ein Schuldopfer; er hat sich gewisslich an Jehova verschuldet.“ (Kap. 5,18.19.)

Es bleibt mir noch übrig, auf einige Verschiedenheiten in den Einzelheiten der Sündopfer aufmerksam zu machen, die von grossem Interesse sind.

Die Leiber der Opfertiere, die für die Sünde des ganzen Volkes oder des Hohepriesters (was auf dasselbe hinauslief, denn in beiden Fällen war die Gemeinschaft des gesamten Volkes unterbrochen) dargebracht wurden, diese Leiber wurden ausserhalb des Lagers ganz und gar verbrannt, jedoch nicht als ein Feueropfer lieblichen Geruchs, denn das Opfer war zur Sünde gemacht und als ein verunreinigter Körper ausserhalb des Lagers gebracht worden. Das Opfer an und für sich war ohne Fehl, aber nachdem der Schuldige seine Sünden auf dessen Kopf bekannt hatte, wurde es als mit diesen Sünden beladen, von Gott zur Sünde gemacht, betrachtet  und ausserhalb des Lagers gebracht. So hat auch Jesus (wie der Apostel es ausdrückt) ausserhalb des Tores gelitten, um durch Sein eigenes Blut das Volk zu heiligen. (Hebr. 13, 12.) – Diese Verbrennung ausserhalb des Lagers fand immer statt, wenn das Blut für die Sünde

 

ins Heiligtum gebracht wurde. Eines der Opfer- die rote Kuch (4. Mose 19), bezüglich deren ich hier nicht Einzelheiten eingehen will –wurde ganz und gar als Sünde betrachtet, getötet und, nachdem ein Teil des Blutes an der Tür des Zeltes der Zusammenkunft gesprengt worden war, vollständig, mit Fett und Blut, ausserhalb des Lagers verbrannt.

Bei den drei anderen Opfern, die das ganze Volk angingen, wurden die Leiber, wie bemerkt, auch ausserhalb des Lagers verbrannt, aber die Verbindung mit der vollkommenen Annehmlichkeit Christi als Dessen, der sich selbst zum Opfer dargebracht hat, wurde durch das Verbrennen des Fettes auf dem Brandopferaltar aufrecht gehalten. Zugleich erkennen wir in dieser letzten Handlung, auf welche Weise Er für uns zur Sünde gemacht worden ist: nämlich als Derjenige, der keine Sünde kannte, unddessen Natur und innerste Gedanken Gott vollkommen wohlgefällig waren und Sein Gericht ertragen konnten. Aber obgleich das Fett auf dem Altar verbrannt wurde, um jene Verbindung und die Einheit des Opfers Christi aufrecht zu halten, so wird es dennoch, um den allgemeinen Charakter und den Zweck dieser Verschiedenheit zu wahren, nicht ein leiblicher Geruch für Jehova genannt.

Indes besteht ein Unterschied zwischen dem einen der drei eben genannten Sündopfer, dem Opfer des grossen Versöhnungstages, und den anderen in 3. Mose 4 erwähnten. Am grossen Versöhnungstage wurde das Blut ins Allerheiligste, innerhalb des Vorhangs gebracht, denn das Opfer dieses Tages bildete die Grundlage aller anderen Opfer, die Grundlage aller Beziehungen zwischen Gott und dem Volke Israel. ES setzte Gott in den Stand, inmitten des Volkes zu wohnen und die anderen Opfer anzunehmen. Die Wirkung dieses Opfers erstreckte sich auf ein ganzes Jahr, (für uns währt sie ewig, wie der Apostel die im Hebräerbrief beweist,) und auf dasselbe war er ganze Verkehr Gottes mit Israel gegründet. Deshalb wurde das Blut auf den Gnaden-

 

 

stuhl gesprengt, um dort immerdar vor den Augen Dessen zu sein, der auf diesem Throne der Gnade und der Heiligkeit Seinen Sitz hatte. Kraft dieses Opfers konnte Gott inmitten des Volkes wohnen, so gleichgültig, undankbar und widerspenstig es auch war. Gerade so ist es mit der Wirkung des Blutes Christi. Dieses Blut ist für immer auf dem Gnadenstuhl als die Grundlage der Beziehungen zwischen Gott und uns.

Die anderen Opfer hatten den Zweck, die Gemeinschaft derer, die durch die Gnade in jene Beziehung zu Gott eingetreten waren, aufrecht zu halten und wiederherzustellen. Deshalb wurde in 3. Mose 4, 1-21 ein Teil des Blutes auf den Altar des wohlriechenden Raucherwerks gesprengt, (der das Symbol der Ausübung dieser Gemeinschaft war,) und das übrige Blut wurde, wie gewöhnlich bei den Opfern, am Fusse des Brandopferaltars (der Statte des angenommenen Opfers) ausgegossen. Der Leib des Opfertieres wurde, wie wir gesehen haben, verbrannt. Was die Opfer für die Sünde und Schuld eines einzelnen betrifft, so litt, wie gesagt, die Gemeinschaft der Gesamtheit nicht unmittelbar darunter, aber der einzelne wurde ihres Genusses beraubt. Deshalb war der Altar des wohlriechenden Raucherwerks nicht verunreinigt oder sozusagen nicht zur Benutzung unbrauchbar gemacht. Im Gegenteil, er wurde fortwährend benutzt. Das Blut dieser letzten Oper wurde deshalb an die Hörner des Brandopferaltars getan, wo der einzelne Israelit Zutritt hatte. Dort naht jede Seele durch Christum und auf Grund der Wirksamkeit des ein für allemal vollbrachten Opfers Christi, und so, kraft dieses Opfers, angenehm gemacht, geniesst sie alle den Segen und all die Vorrechte, in deren Genuss und Besitz die Kirche als Ganzes fortwähren steht.

Es ist jedoch noch eine andere Sache bei diesen Opfern für die persönliche Sünde zu beachten. Der Priester, der das Blut darbrachte, ass das Opfertier. Es bestand also eine völlige Einheit zwischen dem Priester

 

 

und dem Opfer, das die Sünde des Opfernden darstelle. Der Priester hatte die Sünde nicht begangen. Im Gegenteil, er tat Sühnung dafür mittelst des Blutes, das er sprengte. Nichtsdestoweniger machte er sich völlig mit der Sünde des Schuldigen eins. So hat auch Christus, indem Er uns einen vollkommenen Trost  bereitete, ohne die Sünde gekannt zu haben, Sühnung  getan für die Sünde und sich mit allen unseren Sünden eins gemacht. Wie bei den Friedensopfern der Anbeter eins gemacht wurde mit der Annehmlichkeit des Opfers, dessen Fett auf dem Altar verbrannt wurde,  gerade so machte sich hier der Priester eins mit der Sünde dessen, der das Opfer darbrachte: diese Sünde verlor und verzehrte sich gleichsam in ihm. Der Sünder nahte Gott, indem er seine Sünde bekannte und sich demütigte. Aber was seine Schuld und das Gericht über seine Sünde betraf, so war es der Priester, der sich damit belud, so dass (da die Versöhnung geschehen war) die Sünde nicht bis vor den Richterstuhl Gottes kam und die Beziehungen zwischen Gott und dem Schuldigen in keiner Weise antastete. Seine Anbetung wurde erneuert in der Kraft der Annehmlichkeit Christi, unseres wahren Priesters. Die Sünde, welche di Gemeinschaft unterbrochen hatte, wurde gänzlich weggenommen, oder diente nur dazu, in einem in den Staub niedergebeugten und angesichts der Güte Gottes tief gedemütigten Herzen die Beziehung und Gemeinschaft zu erneuern, die sich auf eine Güte gründeten, die dem Herzen auf diese Weise unendlich kostbar geworden war. Zugleich wurde das Bewusstsein der Reichtümer und der Sicherheit jener Vermittlung erneuert, die Christus auf immerdar für uns zuwege gebracht hat, nicht um die Gedanken Gottes gegen uns zu verändern, sondern um unserer gegenwärtige Gemeinschaft und unseren Genus dieser Gemeinschaft zu sichern (ungeachtet unserer Armseligkeit und unserer Fehler) in der Gegenwart, der Herrlichkeit und der Liebe Dessen, der sich nie verändert.

Schliesslich möchte ich noch auf einige interessante

 

 

Umstände aufmerksam machen. Es ist bemerkenswert, dass nichts so sehr den Charakter der Heiligkeit und einer gänzlichen Absonderung für Gott trug wie das Sündopfer. Bei den anderen Opfern begegnen wir einer vollkommenen Annehmlichkeit, einem lieblichen Geruch und in einzelnen Fällen, vermengt damit, unseren gesäuerten Broten. Aber alles trug sich sozusagen zu in der naturgemässen Freude, die Gott an dem fand, was vollkommen und ausgezeichnet war. Bei den Sündopfern hingegen war es ausdrücklich geboten, dass das Opfer ganz ohne Fehl sein musste. Alle möglichen Vorkehrungen waren getroffen, um dessen unverletzliche Heiligkeit darzutun (Kap. 6, 18-21.) In dem ganzen Werken Jesu gibt es nichts, was so sehr Seine tatsächliche Heiligkeit, Sein vollkommene und gänzliche Absonderung für Gott kennzeichnet, als die Tatsache, dass Er unsere Sünden getragen hat. Nur Derjenige, der nie eine Sünde gekannt hatte, konnte zur Sünde gemacht werden, und gerade die Tatsache, dass Er die Sünde trug, beweist die völligste Absonderung für Gott, die nur zu erdenken ist, ja die unser Denkvermögen völlig übersteigt. Christus konnte sagen: „Jetzt ist der Sohn des Menschen verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in Ihm“. Er hatte sich ganz und gar, mochte es kosten was es wollte, der Verherrlichung Gottes geweiht, und Gott konnte auch nichts Geringeres annehmen, denn Er musste gerade so verherrlicht werden, wie Er verunehrt worden war. Als Sündopfer betrachtet, ist Christus also in besonderer Weise heilig, wie Er denn auch jetzt, kraft dieses Opfers als Priester vor Gott stehend und uns vertretend, „heilig, abgesondert von den Sündern und höher als die Himmel geworden ist“. (Hebr. 7, 26.) Nichtsdestoweniger ist Er so wahrhaftig zur Sünde gemacht worden, dass derjenige, der den Bock Asasel in die Wüste führte (3. Mose 16), und der, welcher die Asche der roten Kuh sammelte oder Wasser der Reinigung auf jemand sprengte (4. Mose 19), unrein war bis zum Abend und

 

 

Seine Kleider waschen und sein Fleisch im Wasser baden musst, ehe er wieder ins Lager kommen durfte. Auf diese Weise treten uns jene beiden grossen Wahrheiten hinsichtlich de Sündopfers Christi deutlich und klar in den vorbildlichen Opfern vor Augen. Denn einerseits können wir uns keinen grösseren Beweis der gänzlichen Absonderung Christi für Gott vorstellen als die Tatsache, dass Er sich selbst zum Sündenopfer dargebracht hat, und andererseits, wenn Er die Sünde nicht wirklich in ihrer ganzen Ausdehnung getragen, wenn der Fluch nicht wirklich Ihn getroffen hätte, so hätte Er nicht wirklich die Sünde vor Gott hinweg nehmen können.

Ewig sei der heilige Name Dessen gepriesen, der dies getan hat! Und Gott gebe uns, dass wir immer besser die Vollkommenheit Christi in der Vollbringung des Erläsungswerkes kennen und verstehen lernen möchten!

3. Mose Betrachtungen

Der Sühnungstag William Kelly
3. Mose Synopsis J.N.Darby mp3
Opfer J.N.Darby
Übersicht Opfer

 

Der Sühnungstag
Kommentar zu 3. Mose 16
William Kelly

Lieber Hans Peter
Selten hat mich ein Kommentar so tief bewegt wie der von W. Kelly mit dem Thema Sühnungstag / 3. Mose 16.
Anhand dieser Arbeit habe ich viel Neues für das tägliche Rüstzeug hinzugewonnen und Bestehendes wieder
aufgefrischt, vertieft und gefestigt. Sei es das Verstehen des Hebräerbriefes, die Gewissheit dass
ein Kind GOTTES das Heil nicht verliert, unsere Werke weniger als nichts beitragen können und wir auch
anhand schwieriger Stellen aus dem AT das Evangelium an jetzt noch verlorene oder in die Irre geratenen Seelen verkünden können,
all dies und noch mehr habe ich in diesem Kommentar gefunden.

Dieser ist in schriftlicher Version auffindbar unter:
http://www.bibelkommentare.de/pdf/324.pdf Inhalt und mp3 Dateien sind gegliedert in:

1) Vorwort
2) Der allgemeine Grundsatz
3) Die beiden Böcke
4) Das Räucherwerk und der Stier
5) Asasel oder das Los des Volkes
6) Schlussbemerkungen

3. Mose  Synopsis J.N.Darby  mp3

Einleitung und KP 1

3. Mose 2

3. Mose 3

3. Mose 4-5
3
. Mose 6-7
3
. Mose 8-10

 

3. Mose Betrachtungen

Der Sühnungstag William Kelly
3. Mose Synopsis J.N.Darby mp3
Opfer J.N.Darby
Übersicht Opfer

 

Der Sühnungstag
Kommentar zu 3. Mose 16
William Kelly

Lieber Hans Peter
Selten hat mich ein Kommentar so tief bewegt wie der von W. Kelly mit dem Thema Sühnungstag / 3. Mose 16.
Anhand dieser Arbeit habe ich viel Neues für das tägliche Rüstzeug hinzugewonnen und Bestehendes wieder
aufgefrischt, vertieft und gefestigt. Sei es das Verstehen des Hebräerbriefes, die Gewissheit dass
ein Kind GOTTES das Heil nicht verliert, unsere Werke weniger als nichts beitragen können und wir auch
anhand schwieriger Stellen aus dem AT das Evangelium an jetzt noch verlorene oder in die Irre geratenen Seelen verkünden können,
all dies und noch mehr habe ich in diesem Kommentar gefunden.

Dieser ist in schriftlicher Version auffindbar unter:
http://www.bibelkommentare.de/pdf/324.pdf Inhalt und mp3 Dateien sind gegliedert in:

1) Vorwort
2) Der allgemeine Grundsatz
3) Die beiden Böcke
4) Das Räucherwerk und der Stier
5) Asasel oder das Los des Volkes
6) Schlussbemerkungen

3. Mose  Synopsis J.N.Darby  mp3

Einleitung und KP 1

3. Mose 2

3. Mose 3

3. Mose 4-5
3
. Mose 6-7
3
. Mose 8-10