Mal 3.16

Altes Testament

The church in ruin (Die Kirche im Zerfall)

 

               The church in ruin (Die Kirche im Zerfall)

Ein Hauptpunkt der Ekklesiologie und der Dispensationslehre von J. N. Darby

 

Wer sich ein faires Urteil über diesen Punkt der Lehre von Darby  bilden will, kommt nicht darum herum, die umfangreichen Schriften mindestens teilweise zu studieren, die im Englischen zum Thema vorhanden sind. Es sind Dokumente, die die Auseinandersetzung enthalten, die Darby mit dissidenten Kreisen im Gebiet der französischen Schweiz geführt hat; von Genf bis Lausanne und Neuenburg.  Sie sind vornehmlich im Band 1 der COLLECTED WRITINGS  enthalten. Es seien hier folgende genannt:

 

            ON THE FORMATION OF CHURCHES. ca. 1840

 

SOME FURTHER DEVELOPMENTS of the principles set forth in the pamphlet, entitled “ ON THE FORMATION OF CHURCHES”   and reply to some objections made to those principles. Genf, 1841

 

REMARKS ON THE STATE OF THE CHURCH, IN ANSWER TO THE PAMPHLET OF Mr. ROCHAT, entitled “A THREAD TO HELP THE SIMPLE TO FIND THEIR WAY”… Genf, 1843

 

REMARKS ON THE PAMPHLET OF Mr. OLIVIER, entitled, “An essay on the kingdom of God…..”  Genf, 1843

 

THOUGHTS ON ROMANS 11, AND ON THE RESPONSIBILITY OF THE CHURCH, in reference to a pamphlet of Mr. Olivier……Lausanne 1844

 

Zum leichteren Verständnis der Ausführungen von Darby sei darauf verwiesen, dass es auch um den Begriff Dispensation geht, für den im Deutschen oft auch Heilszeit oder Haushaltung steht, und was er damit meint .

 

Unter dem Titel „THE RUIN OF THE PRESENT DISPENSATION“ findet sich auf Seite 169 folgendes:  „Ich komme zurück auf den Gegenstand des Zerfalls der gegenwärtigen Dispensation, d. h. des Systems, das Gott hier unten aufgerichtet hat – (ich komme) zu dem, was das Wort Gottes sagt betreffend dem Los (destiny) das dieser Dispensation am Ende beschieden ist.“ …“Ich klammere mich nicht an das Wort Dispensation, obschon es allgemein gebraucht wird um eine bestimmte Ordnung von Dingen zu benennen, die in der Autorität Gottes für einen gewissen Zeitraum angeordnet worden ist.“

 

Auf Seite 144 steht ein aufschlussreicher Abschnitt der überschrieben ist mit „KÖNNEN MENSCHEN DIE DISPENSATION WIEDERHERSTELLEN, DIE GEGENWÄRTIG IN EINEM GEFALLENEN ZUSTAND IST?“

Darby schreibt: „Ich dränge die, welche sich bemühen Kirchen zu organisieren, zu einer Antwort. Wenn wahre Kirchen existieren, dann sind  diese Leute nicht berufen sie zu machen. Wenn sie jedoch, wie sie sagen, (nur)  am Anfang existierten, aber inzwischen aufgehört haben zu existieren, dann ist die Dispensation in Trümmern und in einem Zustand völliger Abweichung von dem was einst bestand. (Das ist an Dissidenten gerichtet, die die etablierte Kirche gerade deshalb verlassen hatten, weil sie den originalen Zustand verloren hatte.)

Sie versuchen folglich, sie wiederherzustellen und müssen zeigen, woher sie das Recht nehmen, diesen Versuch zu unternehmen. Sonst bleibt ihr Versuch ohne jegliche Legitimation. Man wird einwenden, dass die Kirche nicht versagen kann und, dass Gott ihr die Verheissung gegeben hat, dass die Pforten des Hades sie nicht zu überwältigen vermögen. Ich anerkenne das, sofern wir diese Verheissung so verstehen, dass die Rettung der Auserwählten sicher ist, dass die Herrlichkeit der Kirche (ekklesia) in der Auferstehung über Satan triumphieren wird und, dass Gott das Zeugnis Jesu auf der Erde aufrecht erhalten wird bis die Kirche weggenommen wird. Das ist jedoch nicht die Frage…… Wenn jedoch gemeint sein soll, die gegenwärtige Dispensation könne nicht versagen, dann ist das ein grosser, Verderben bringender Fehler. Überhaupt: wenn das wahr ist, warum habt ihr euch von dem Zustand abgesondert, in welchem sie (die Kirche) ist. Wenn die Ökonomie (economy) Gottes als Sammlung der Kirche auf der Erde immer noch in ihrer ursprünglichen Form (standing) besteht, weshalb macht ihr denn neue Kirchen? Der Disput dreht sich um das organisierte Etablieren von Kirchen mittels Einsetzung von Predigern etc.)

 

Und nun etwas zum machen von neuen Kirchen. Auf Seite 235 zitiert Darby aus dem letzten Rapport der Theologischen Schule in Genf.  Zitat: „ Die Erfüllung ihrer bescheidenen gegenwärtigen Aufgabe, jedes Jahr zwei bis drei Diener des Evangeliums abzuliefern (furnish), ist der einzige Grund unsere Schule so weiter zu führen wie sie ist…...“ Aus dem soeben angeführten Zitat wird man leicht erkennen wer in einer schriftgemässeren Art redet; ob die Professoren, deren Schule jährlich zwei bis drei Diener (ministers) abliefert oder jene Christen,  die nur solche Diener anerkennen, die der Herr selbst in seiner Gnade und unumschränkten Gütigkeit der Kirche, die sein Leib ist, gegeben hat. (Das ist eine Breitseite gegen alle Bibelschulen, die eigenmächtig Prediger (ministers) liefern, damit Kirchen gebaut werden oder weiterfunktionieren können.)

 

Und zu einem Einwand, der das Problem von einer heutzutage ganz aktuellen Seite her beleuchtet. Darby greift ihn auf Seite 327 wie folgt auf: Mr. Olivier sagt uns, die praktische Art, auf welche die Schrift zu uns über die Kirche rede, sei eher die Kirche, wie sie den Menschen erscheint, als die Kirche, wie Gott sie sieht – das mag sein, doch wie wird damit  der Unsicherheit die Tür geöffnet, nach all dem, was in der Geschichte der Christenheit passiert ist!  Doch ich frage: wem erscheint sie ? Vielleicht Mr. Olivier. Doch den Mohammedanern, den Heiden, erscheint sie so, als ob die Christenheit die Kirche sei. Sobald jemand einwendet: so ist es aber nicht, ist ein Urteilsvermögen geistlicher Personen gefordert und ich sage. „Einen Moment Mal, bestreitest du, dass die Kirche als ein Zeugnis in die Welt gesetzt worden ist, dass sie ein Brief Christi und EINS sein sollte, damit die Welt glaube?“ Das was der Welt als Kirche erscheint, ist also von sehr grosser Bedeutung für Gott. Er wacht eifersüchtig über der Herrlichkeit seines Sohnes. Und wenn das, was auf der Erde seinen Namen trägt, in den Augen der heidnischen Welt als die Kirche scheint, ihn entehrt und alles was Gott ist Lüge straft anstatt ihn kundtut, und wenn es nirgends Abhilfe gibt, dann ist das eine höchst ernste Tatsache im Zusammenhang mit dem was Kirche zu sein scheint und das, von Gott aus betrachtet, der Welt den Namen des Sohnes vermittelt….Was der Welt scheint Kirche zu sein ist ein Gräuel – es ist nicht die Kirche. Es ist, wenn sie wollen, das Werk des Feindes * und dennoch ist es das Zeugnis das von ihr dem Sohn Gottes ausgestellt wird.

* Fussnote bei Darby: Als Henry Martin in Shiraz, Persien, war, sagte ihm ein Mohammedaner, er sei bestimmt kein Christ, da er ja nahe bei Gott lebe, denn er habe in Calcutta  Christen gesehen und die seien die schlimmsten unter allen Menschen gewesen..

 

Auf Seite 153 fügt Darby unter der Überschrift  „SCHLUSSBEMERKUNGEN“ an: „Es war beim Schreiben dieser paar Seiten nicht meine Absicht, den ruinierten Zustand der Kirche aufzuzeigen oder, dass die gegenwärtige Dispensation nicht wieder in Ordnung gebracht werden kann, sondern eine Frage anzusprechen, die von denen, die Kirchen organisieren wollen, gewöhnlich komplett übergangen wird. Der Zusammenbruch (ruin) der Dispensation ist kurz in einem Traktat über den Abfall der gegenwärtigen Dispensation betrachtet worden. Diese Bemerkung bezieht sich auf den Umstand, dass die Dissidenten in der französischen Schweiz Prediger und Älteste nach eigenem Gutdünken einsetzten, als wäre es ihr gutes Recht und nicht etwa das Recht des Herrn, zu beauftragen wen er wolle. Dazu nochmals einige Worte von Darby auf Seite 146.

 

WAS BLEIBT ZU TUN, WENN DIE DISPENSATION NICHT WIEDERHERGESTELLT WERDEN KANN?

Was ich beklage ist, dass man Menschen nachgefolgt ist und, dass das imitiert wurde, von dem der Geist berichtet, dass es in der Urkirche existierte, anstatt nach dem zu forschen, was das Wort und der Geist bezüglich des gegenwärtigen Zustandes vorausgesagt haben. Dasselbe Wort und derselbe Geist der in Jesaja redete und den Bewohnern Jerusalems gebot, still zu sein, Gott werde sie vor den Assyrern bewahren, derselbe sagte durch den Mund von Jeremia, dass wer zu den Chaldäern hinausgehe  sein Leben errette. Das Bleiben in Jerusalem war im einen Fall Glaube und Gehorsam, im anderen reine  Anmassung und Ungehorsam. Einige werden einwenden, das bringe einfache Seelen in Verwirrung. Gehorsam dem Wort gegenüber in einer demütigen Haltung verwirrt nie. Dem füge ich hinzu: Jene die geneigt sind die ganze Kirche wiederherzustellen, sollten im Wort gut unterwiesen sein und sich hüten irgend etwas unter dem Vorwand der Einfachheit zu tun…..Tatsache ist, dass die Schriften, auch jene die schon angeführt worden sind, beweisen, dass der Zustand der Dispensation an ihrem Ende genau umgekehrt sein wird wie an ihrem Anfang. Die angeführte Stelle Römer 11,22 sagt eindeutig, dass die gegenwärtige Dispensation abgeschnitten  und nicht wiederhergestellt wird, wenn sie nicht an der Güte Gottes bleibt.

 

 

  1. Kleingedrucktes und in Klammern gesetztes ist vom Übersetzer eingefügt.

 

Übersetzung: Edi Rohner / Nov. 2014