Mal 3.16

Psalmen

Maskilm Psalmen

Wortbetrachtungen über die Maskilm-Psalmen

(Charles Andrew Coates)

 

Psalm 32

1 Von David. Ein Maskil. Glückselig der, dessen Übertretung vergeben, dessen Sünde zugedeckt ist!

2 Glückselig der Mensch, dem Jehova die Ungerechtigkeit nicht zurechnet, und in dessen Geist kein Trug ist!

3 Als ich schwieg, verzehrten sich meine Gebeine durch mein Gestöhn den ganzen Tag.

4 Denn Tag und Nacht lastete auf mir deine Hand; verwandelt ward mein Saft in Sommerdürre. (Sela.)

5 Ich tat dir kund meine Sünde und habe meine Ungerechtigkeit nicht zugedeckt. Ich sagte: Ich will Jehova meine Übertretungen bekennen; und du, du hast vergeben die Ungerechtigkeit meiner Sünde. (Sela.)

6 Deshalb wird jeder Fromme zu dir beten, zur Zeit, wo du zu finden bist; gewiss, bei Flut großer Wasser - ihn werden sie nicht erreichen.

7 Du bist ein Bergungsort für mich; vor Bedrängnis behütest du mich; du umgibst mich mit Rettungsjubel. (Sela.)

8 Ich will dich unterweisen und dich lehren den Weg, den du wandeln sollst; mein Auge auf dich richtend, will ich dir raten.

9 Seid nicht wie ein Ross, wie ein Maultier, das keinen Verstand hat; mit Zaum und Zügel, ihrem Schmucke, musst du sie bändigen, sonst nahen sie dir nicht.

10 Viele Schmerzen hat der Gesetzlose; wer aber auf Jahwe vertraut, den wird Güte umgeben.

11 Freuet euch in Jehova und frohlocket, ihr Gerechten, und jubelt, alle ihr von Herzen Aufrichtigen!

In diesen Wortbetrachtungen gedachten wir aus der Schrift zu lernen, dass Gott in diesen letzten Tagen eine Schar auf Erden haben möchte, die durch Weisheit gekennzeichnet ist; Daniel 11 und 12 reden von ihr in Vers 33 und 35, bzw. Vers 3 und 10 als den Weisen oder Verständigen, den Maskilim.

Diese Psalmen wurden im Blick daraufhin vorgeschlagen, weil sie solche zur Unterweisung sind und deshalb einen besonderen Platz bei denen haben, die Weise oder Unterwiesene genannt werden. Jeder geübten Seele muss es klar sein, dass wir in den letzten Tagen leben, in der Zeit der Geschichte der Kirche, die der in Daniel 11 und 12 in der Geschichte Israels entspricht; deshalb ist es höchst wichtig, weise und unterwiesen zu sein.

Der erste dieser Psalmen ist der 32., und der bringt uns die dem Evangelium gemäße Erkenntnis Gottes. Da haben wir die Glückseligkeit dessen, der weiß, dass seine Übertretung vergeben, seine Sünde bedeckt, seine Hinterhältigkeit hinweggetan ist; er hat ein gereinigtes Gewissen und hat den Geist empfangen, er hat Gott als einen Rechtfertiger, Befreier, Führer und als die Quelle der Freude kennengelernt.

Dem Wesen nach ist es das, was uns das Evangelium bringt. Dieser Psalm ist ein Evangeliumspsalm, er stellt uns die Segnungen des neuen Bundes vor, wie sie durch das Evangelium gekannt und durch den Geist genossen werden; das ist die erste große Unterweisung, die Gott uns zu eigen machen möchte.

Es ist gut, immer daran zu denken, dass die Heiligen die Gegenstände der göttlichen Unterweisung sind. In der Ordnung des neuen Bundes gibt es keine höhere Segnung als die: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein“ (Joh. 6, 45), was der Herr aus Jes. 54,13 anführt. Das besagt nicht nur, in der Schrift unterwiesen zu sein. Man könnte in einer Schule mit den Knaben und Mädchen die Schrift lesen und erklären, Was gewiss sehr gesegnet ist, doch derart ist nicht die Belehrung dieser Maskil- oder Unterweisungspsalmen; sie bringen uns das, worin Gott uns unterwiesen haben will. In ihnen lernt die Seele Gott und Christum durch viele tiefe Seelenübungen kennen; wir haben solche durchzumachen, wir können das nicht nur aus Büchern lernen.

Jedem, der die Psalmen liest, ist es klar, dass es keinen unter ihnen gibt, der nicht ein gut Teil Übung erfordert, wenn man das, was er bringt, wahrhaft in sich aufnehmen will. Die Psalmen sind ein wunderbarer Teil der Schrift, sie enthalten viel Seelenerfahrung. Wir sollten uns nicht der Lehre halber zu den Psalmen wenden, sondern der Seelenerfahrungen halber, um zu lernen, wie wir Gott erfahrungsmäßig kennen lernen.

Psalm 32 zeigt uns den Weg, wie wir zu der Erkenntnis Gottes kommen, zu der Israel unter dem neuen Bunde gelangen wird. Er beginnt mit der Vergebung und Nichtzurechnung der Sünde, und auf diese Erkenntnis gründet sich das Weitere.

Wir können unbedenklich sagen, dass der Herr nie durch diese Erfahrung ging. Er kommt in vielen der vorausgehenden Psalmen vor uns, und im Blick auf die Schönheit und Vollkommenheit, in der Er daselbst dargestellt wird, bekommt die Seele einen wahren Begriff von der Sünde.

Wir sollten beachten, dass die Psalmen einer göttlichen Ordnung gemäß niedergeschrieben sind; sie gleichen darin nicht der Kapiteleinteilung der Bibel, die des Menschen Werk ist, oder einem Liederbuch, worin die Lieder nach verschiedenen Grundsätzen angeordnet sein können. Wir lesen zum Beispiel: „Wie auch in dem zweiten Psalm geschrieben steht“ (Apg. 13, 33), deshalb können wir die Psalmen nicht umstellen.

Nun, den 32. Psalm haben wir nach einer wunderbaren Entfaltung der Person Christi in sittlicher und persönlicher Hinsicht sowie auch als Opfer; Sein Tod, Seine Auferstehung, Seine Auffahrt und Herrlichkeit sind dargetan worden. Eine derartige Erfahrung, wie die des Psalms 32, folgt erst auf eine Erkenntnis Christi, die den vorausgehenden Psalmen entspricht. Das erste Buch der Psalmen, Psalm 1 - 41, ist ein höchst wunderbarer Teil der Schrift, er ist voll vom Menschen des Wohlgefallens Gottes, von Gottes Gesalbtem. Er beginnt mit der Glückseligkeit dieses Menschen und endet damit, dass Er ewig vor Gottes Angesicht stehen werde.

Denken wir an Psalmen wie Psalm 1, 2, 8, 16, 22, 24, die den Christus Gottes, den Sohn Gottes darstellen. Bei Seinem Auftreten brauchen wir nicht erstaunt zu sein, dass es den sündigen Menschen Vergebung brachte. Sein Kommen machte das Herz Gottes frei, all dessen Liebe und Gnade der Vergebung zu offenbaren. Er tat Sich als einer kund, der Ungerechtigkeit nicht zurechnet, als „Jehova, Gott, barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und groß an Güte und Wahrheit“ (2. Mose 34, 6; Ps. 86, 15), doch Sein Herz war hierzu nicht frei, bis Christus gekommen war und das Werk vollbracht hatte.

In Psalm 2 führt Gott Seinen gesalbten Sohn mit den Worten ein: „Du bist mein Sohn“ (V. 7).

In Psalm 8 ist Er dann des Menschen Sohn (V. 4), der Jehovas Namen auf der ganzen Erde herrlich macht, und unter Dessen Füße alles gestellt ist (V. 1.6).

In Psalm 16 sehen wir Seine sittliche Vollkommenheit im Wandel vor Gott, getrennt von einer dem Götzendienst ergebenen Welt, und dass Er die, die Gott lieben, die Herrlichen auf Erden, zu Seinen Gefährten macht.

Welch eine Entfaltung des Werkes Christi enthält dann der 22. Psalm! Und das Ergebnis dieses Werkes ist, dass Gottes Name den Brüdern verkündigt wird und Lobgesang inmitten der Versammlung ertönt (V. 22).

Wenn Christus vor uns ist und Sein Werk und Seine Auferstehung, so können wir verstehen, dass Gottes Herz frei ist, dem neuen Bunde gemäß offenbar zu werden; Er ist frei, uns trotz allem, was wir waren und noch sind, zu lehren. Er kann uns Christum vorstellen und das Ergebnis Seines Kommens.

Der 32. Psalm ist eine der gesegnetsten Entfaltungen davon im Alten Testament. In den Psalmen kommen die inneren Gefühle und Erfahrungen Christi zum Ausdruck, nicht so sehr dagegen in den Evangelien. Dort finden wir mehr Seine Worte und Taten.

Es ist etwas Großes, die Psalmen zu lesen, um Christum darin zu finden. Sie werden von den Gläubigen im Allgemeinen mehr als andere Teile der Schrift gelesen, aber nicht, um Trost zu erlangen, und dann wird nur aufgenommen, was man auf seine Umstände anzuwenden vermag. Sie sind einem willkommen für den Trost, den sie bieten; doch es ist besser, sich Christo und Dessen Erfahrungen halber zu den Psalmen zu wenden. Auf diese Weise werden wir frei, da wir mit einer anderen Person beschäftigt sind und uns selbst vergessen, und das sind glückselige Augenblicke. C.H.M. nannte das die höchste Stufe der christlichen Erfahrung. Das zu pflegen, tut uns not; es ist sehr wohl möglich, mit Christo und des Vaters Gedanken über Ihn beschäftigt zu sein.

Da uns der Geist Gottes in den Psalmen die Menschwerdung, den Tod, die Auferstehung, Auffahrt und Wiederkunft Christi vorstellt, sind wir berechtigt, alles das in Verbindung mit den Psalmen zu bringen und sie im Lichte dessen zu lesen, was am Tage des Geistes besteht. Anstatt sie also im Lichte alttestamentlicher Frömmigkeit zu lesen, können wir sie im Lichte der gegenwärtigen Stellung Christi lesen, wonach Er, als in der Zeit geboren, Seinen Lauf hienieden erfüllte, in den Tod ging, auferstand, auffuhr und wiederkommen wird.

Die größte Unterweisung, die Gott uns geben konnte, liegt im Kommen Christi; doch Er möchte uns auch über die Folgen davon belehren.

Psalm 32 ist die Grundlage der Maskilpsalmen. Ohne dieselbe würden wir Bedenken tragen, einige von ihnen zu betrachten. Gott möchte, dass jede Seele mit dem Lichte beginne, wie Er Christum und alles das eingeführt hat, was in Ihm Gestalt gewann. Im Lichte dessen sollten wir alles das erfassen, sogar die tiefste Seelenangst.

In der Geschichte der Seelen, sogar solcher, die das Brot mit brechen, haben wir oft tausenderlei Übungen, an deren Ende man zu Christo kommt, doch das ist nicht der göttliche Weg. Dieser ist, mit Christo zu beginnen, und alle die Übungen in Seinem Lichte durchzunehmen. Darin besteht der Unterschied zwischen Knechtschaft und Freiheit.

Gott hatte Christum vor Sich, als Er Adam machte; dieser war nur „ein Bild des Zukünftigen“ (Röm. 5, 14). Adam wurde Christo ähnlich gemacht, und nicht umgekehrt.

In Psalm 32 steht ein Mann Tag und Nacht unter dem Druck der Hand Gottes. Gott sucht ihm nahezubringen, was er ist und was er getan hat, und Er lässt ihn nicht frei, bis er die Wahrheit anerkennt. Je länger er da standhält, um so schlechter für ihn.

Er geht durch alle die Übungen von Vers 3 und 4, seine Gebeine verfielen durch sein Gestöhn den ganzen Tag, und er ward ausgedörrt wie durch Sommerdürre. Welch eine schwere Übung, und all das, um einen Menschen zum Bekenntnis zu bringen!

Gott kann den unbußfertigen Sünder nicht segnen. Es ist höchst wichtig, das zu beachten, denn eine Evangeliumspredigt ohne Buße hat armselige Bekehrte zur Folge, die keine wahre sittliche Grundlage in ihrer Seele haben. Buße ist eine große Segnung von Gott, eine der größten Segnungen des Evangeliums, worin im Namen Christi „Buße und Vergebung der Sünden gepredigt“ werden sollten (Luk. 24, 47).

Gott gibt dem Menschen eine Gelegenheit, den rechten Platz vor Ihm einzunehmen. In Hebr. 12, 17 ist von einem die Rede, der keinen Raum zur Buße fand; uns aber gibt Gott jede Gelegenheit. Bei diesen Übungen handelt es sich um das Werk Gottes, Er bringt die Gegenstände Seiner Gnade zur Buße, und wenn diese stattgefunden hat, genießen sie die Glückseligkeit von Vers 1.

In der Anwendung auf uns begreift das in sich, dass wir den Geist haben. Das ist höchst lehrreich, denn darin haben wir die durch den Geist gewirkte Erkenntnis Gottes, die Vergebung, die Nichtzurechnung der Sünde und das Hinwegtun aller Hinterhältigkeit unseres Geistes. Du hast dir nicht im Geringsten etwas anzumaßen, was du nicht bist; je schlechter du bist, um so mehr verherrlichst du Gottes Gnade. Der selbstgerechte Pharisäer ist in uns allen sehr lebendig.

Dieser Psalm bildet die Grundlage von Röm. 1 - 5, er führt zur Glückseligkeit. Röm. 4 und 5 entsprechen dem, ja, unser Psalm wird dort angeführt (Röm. 4, 7. 8). Dann sind wir derart von Gottes Haltung uns gegenüber überzeugt und stehen so in deren Glückseligkeit, dass es uns zum Gebet führt (V. 6).

Wer Vergebung empfangen hat, ist ein Gottseliger oder Frommer. Den wahren Gottseligen, den Heiligen, sehen wir in Psalm 16, doch der, dem vergeben ist, ist auch ein Gottseliger, er ist dahin gekommen, dem Wesen nach Christo zu entsprechen. Ich bin ein Sünder, dem vergeben worden ist, und wenn ich den Geist habe, so habe ich Christi Wesensart aus reiner Gnade erlangt.

Für den Beter gibt es eine wunderbare Errettung. Was auch die Bedrängnis sein mag, Ihn umgibt Rettungsjubel (V. 7). Der Gottselige hat einen Ausweg - das Gebet. Die ganze Macht Satans kann nichts gegen einen Beter ausrichten. Ein altes Lied sagt: „Satan zittert, wenn er sieht, dass der schwächste Heilge kniet.“

Wenn uns Gottseligkeit kennzeichnet, so ist diese im Heiligen Geiste, sie ist nicht fleischlich. Hier haben wir einen Beter, der Gott findet. Wir leben in einer Zeit, wo Gott gefunden werden kann, Er verbirgt Sich nicht: „Siehe, jetzt ist. die wohlangenehme Zeit, siehe, jetzt ist der Tag der Errettung“ (2. Kor. 6, 2).

Gebet ist ein großer Schutz. Ein Glückseliger, der den Geist hat, fromm ist und Christi Wesensart besitzt, wird nicht um Dinge bitten, um sie in seinen eigenen Lüsten zu vergeuden (Jak. 4, 3). Wenn ich den Geist habe und Christo gemäß gestaltet bin, muss ich dem treu sein, was ich bin. Wenn Gott einen Betenden sieht, sagt Er gleichsam: das ist Christus!

Jedes wahre Gebet ist im Geiste. Es gibt einen Notschrei, doch wahrhaftes Gebet geht von einer gottseligen Person aus. Du magst fühlen, beten zu müssen, und nach einiger Übung darüber machst du die Entdeckung, dass du es nicht kannst, du wirst inne, dass es etwas war, das nicht wert war, darum zu beten.

Dieser Psalm möchte uns zu Weisen, zu Verständigen machen, zu „Maskilim“, die einen so großen Platz in Dan. 11 und 12 haben. Hier sehen wir, wie sie gestaltet werden.

Vers 8 und 9 stehen mit geistlichem Tun in Verbindung. Wer in der Glückseligkeit des Geistes steht, gottselig ist, betet und Gesänge der Befreiung, den Rettungsjubel, kennt, kann auf des Geistes Führung in geistlicher Wirksamkeit rechnen. Hier handelt es sich nicht um Führung in tagtäglichen Angelegenheiten, zum Beispiel, wo ich meine Ferien verbringe.

Wir sollten nicht den uneinsichtigen Rossen und Maultieren gleichen. Oft müssen wir gleichsam auf den Pfad geistlicher Glückseligkeit geschoben werden. Vielleicht trachten wir nicht nach Erkenntnis Gottes und werden auf ein Krankenbett gelegt - das ist ein Geschobenwerden. Zaum und Zügel entsprechen nicht dem Wohlgefallen Gottes; doch wir müssen zerbrochen und Gott unterwürfig gemacht werden. Der da sprach: „Dein Wohlgefallen zu tun, mein Gott, ist meine Lust“ (Ps. 40, 8), war durchaus unterwürfig.

Einer, der wertvolle Hunde züchtete, wurde gefragt: „Wann erachten Sie einen Hund als völlig ausgebildet?“ Er antwortete: „Wenn ich mit dem Hunde ausgehe und ein Kaninchen läuft über den Weg, und der Hund blickt zuerst auf mich, so ist er völlig ausgebildet.“ Darauf kommt es an, der völlig ausgebildete Hund blickt erst nach seines Herrn Auge und tut nichts zuvor.

Doch was nützt das auf mich gerichtete Auge, wenn es nicht meinen Blick auffängt? Zuerst muss ich gebrochen sein, und dann habe ich nach Leitung von Gott auszuschauen. Wenn wir dem Willen Gottes unterwürfig sind, entrinnen wir dem Kummer des Zaumes und Zügels.

Diese Art Zucht begehrt Gott nicht. Sie setzt einen nicht im Einklang mit dem Willen Gottes befindlichen Willen voraus, der durch äußere Dinge zurückgehalten werden muss. Das ist nicht Gottes Gedanke der Unterweisung; doch Er mag so etwas gebrauchen, mich vor Verkehrtem zu bewahren. Ich kann mir zum Beispiel ein Bein brechen. Das ist eine der Vorsehung gemäße göttliche Bewahrung, doch an sich keine Unterweisung. Söhne werden gezüchtigt. Doch hier haben wir Rosse und Maultiere und wir werden gewarnt, ihnen zu gleichen.

Dieser Psalm ist ein guter Beginn in der Schule göttlicher Unterweisungen.


Psalm 42 und 44

Psalm 42

1 Dem Vorsänger. Ein Maskil von den Söhnen Korahs. Wie ein Hirsch lechzt nach Wasserbächen, also lechzt meine Seele nach dir, o Gott!

2 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott: Wann werde ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht?

3 Meine Tränen sind mir zur Speise geworden Tag und Nacht, da man den ganzen Tag zu mir sagt: Wo ist dein Gott?

4 Daran will ich gedenken und in mir ausschütten meine Seele, wie ich einherzog in der Schar, mit ihnen wallte zum Hause Gottes, mit der Stimme des Jubels und des Lobes - eine feiernde Menge.

5 Was beugst du dich nieder, meine Seele, und bist unruhig in mir? Harre auf Gott! Denn ich werde ihn noch preisen für das Heil seines Angesichts.

6 Mein Gott, es beugt sich nieder in mir meine Seele; darum gedenke ich deiner aus dem Lande des Jordan und des Hermon, vom Berge Mizhar.

7 Tiefe ruft der Tiefe beim Brausen deiner Wassergüsse; alle deine Wogen und deine Wellen sind über mich hingegangen.

8 Des Tages wird Jehova seine Güte entbieten, und des Nachts wird sein Lied bei mir sein, ein Gebet zu dem Gott meines Lebens.

9 Sagen will ich zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mich vergessen? Warum gehe ich trauernd einher wegen der Bedrückung des Feindes?

10 Wie eine Zermalmung in meinen Gebeinen höhnen mich meine Bedränger, indem sie den ganzen Tag zu mir sagen: Wo ist dein Gott?

11 Was beugst du dich nieder, meine Seele, und was bist du unruhig in mir? Harre auf Gott! Denn ich werde ihn noch preisen, der das Heil meines Angesichts und mein Gott ist.

Psalm 44

1 Dem Vorsänger. Von den Söhnen Korahs, ein Maskil. Gott, mit unseren Ohren haben wir gehört, unsere Väter haben uns erzählt die Großtat, die du gewirkt hast in ihren Tagen, in den Tagen vor alters.

2 Du, mit deiner Hand hast du Nationen ausgetrieben, und sie hast du gepflanzt, Völkerschaften hast du verderbt, und sie hast du ausgebreitet.

3 Denn nicht durch ihr Schwert haben sie das Land in Besitz genommen, und nicht ihr Arm hat sie gerettet; sondern deine Rechte und dein Arm und das Licht deines Angesichts, weil du Wohlgefallen an ihnen hattest.

4 Du selbst bist mein König, o Gott; gebiete die Rettungen Jakobs!

5 Durch dich werden wir niederstoßen unsere Bedränger; durch deinen Namen werden wir zertreten, die wider uns aufstehen.

6 Denn nicht auf meinen Bogen vertraue ich, und nicht wird mein Schwert mich retten.

7 Denn du rettest uns von unseren Bedrängern, und unsere Hasser machst du beschämt.

8 In Gott rühmen wir uns den ganzen Tag, und deinen Namen werden wir preisen ewiglich. (Sela.)

9 Doch du hast uns verworfen und zu Schanden gemacht, und zogest nicht aus mit unseren Heeren.

10 Du ließest uns zurückweichen vor dem Bedränger, und unsere Hasser haben für sich geraubt.

11 Du gabst uns hin wie Schlachtschafe, und unter die Nationen hast du uns zerstreut.

12 Du verkauftest dein Volk um ein Geringes und hast nicht hochgestellt ihren Preis.

13 Du machtest uns zum Hohne unseren Nachbarn, zum Spott und Schimpf denen, die uns umgeben.

14 Du machtest uns zum Sprichwort unter den Nationen, zum Kopfschütteln unter den Völkerschaften.

15 Den ganzen Tag ist vor mir meine Schande, und die Scham meines Angesichts hat mich bedeckt,

16 wegen der Stimme des Schmähers und Lästerers, wegen des Feindes und des Rachgierigen.

17 Dieses alles ist über uns gekommen, und wir haben deiner nicht vergessen, noch betrüglich gehandelt wider deinen Bund.

18 Nicht ist unser Herz zurückgewichen, noch sind unsere Schritte abgebogen von deinem Pfade;

19 obgleich du uns zermalmt hast am Orte der Schakale, und uns bedeckt mit dem Schatten des Todes.

20 Wenn wir vergessen hätten den Namen unseres Gottes und unsere Hände ausgestreckt zu einem fremden Gott,

21 würde Gott das nicht erforschen? Denn er kennt die Geheimnisse des Herzens.

22 Doch um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag, wie Schlachtschafe sind wir geachtet.

23 Erwache! Warum schläfst du, Herr? Wache auf! Verwirf uns nicht auf ewig!

24 Warum verbirgst du dein Angesicht, vergissest unser Elend und unsere Bedrückung?

25 Denn unsere Seele ist in den Staub gebeugt, unser Bauch klebt an der Erde.

26 Stehe auf, uns zur Hilfe, und erlöse uns um deiner Güte willen!

Wir betrachteten letzte Woche Psalm 32, welcher der erste der Psalmen ist, die der Geist Gottes. als zur Unterweisung dienend bezeichnet; Maskil heißt Unterweisung.

Wir sahen, dass Psalm 32 die Grundlage aller göttlichen Unterweisung bildet, nämlich der Erkenntnis Gottes. Die Sünden sind vergeben, werden nicht zugerechnet, und die Seele ist infolge der Gegenwart des Geistes in Glückseligkeit. Eine solche Seele kennzeichnet Frömmigkeit und Abhängigkeit, sie gleicht dem Wesen nach Christo.

Göttliche Befreiung ist für solche eine Antwort auf Gebet, und geistliche Leitung zeigt ihnen, wie sie mit Gott zu wandeln haben. Dieser Psalm umfasst augenscheinlich die großen Grundgedanken der Seelenbeziehungen zu Gott. Gott wird als Rechtfertigender, Vergebender, Versöhner, Zuflucht und Leiter Seines Volkes gekannt. Das macht die große, grundlegende Erkenntnis derer aus, die Gott in Gnade berufen hat. Das ist der erste Bestandteil der göttlichen Belehrung. Wenn unsere Seelen nicht derart in der Erkenntnis Gottes befestigt sind, können wir keine Unterwiesenen sein.

Gottes Vorsatz ist, solche zu haben, und deshalb müssen wir von Ihm unterwiesen werden. Den neuen Bund kennzeichnet unter anderem: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein“ (Joh. 6, 45). Wir nun sind unter die Unterweisung Christi gekommen, wenn wir „anders ihn gehört...und in ihm gelehrt worden“ sind (Eph. 4, 21).

Nicht auf das, was wir in Büchern gelesen haben oder auf ein gewisses Maß Schriftkenntnis kommt es an, sondern darauf, dass Gottes Volk göttlich unterwiesen ist. Man kann immer wieder sehen, welch einen Unterschied es macht, mit der Erkenntnis Gottes dem 32. Psalm gemäß zu beginnen. Wenn wir durch tiefe und verwickelte Übungen gehen, so haben wir dann einen Halt, einen Ankergrund in unseren Seelen.

Psalm 42 weist auf tiefe Übungen hin; doch die Seele hat eine derartige Erkenntnis Gottes, dass sie Ihm vertraut und nach Ihm dürstet; sie findet ihre Zuflucht in der Erkenntnis Gottes. Gegenwärtig werden wir auf die Probe gestellt. Wenn Gott uns Erkenntnis über Sich Selbst gibt, stellt Er uns auf die Probe; die Erprobung des Glaubens ist für Gott sehr kostbar. Gott liebt es, das auf die Probe zu stellen, was wir in Ihm gefunden haben, zu prüfen, ob wir eine solche Erkenntnis über Ihn haben, dass wir sogar dann unseren Pfad gehen, wenn uns genossene Vorrechte genommen sind.

Ich denke, das zweite Buch der Psalmen zeigt, dass sogar Enterbte und Ausgetriebene finden, dass Gott genug ist. Gott Selbst wird das Teil eines enterbten Volkes. Hier kommt vor uns: Inwieweit kennen wir Gott, wenn wir geprüft werden? Damit auch die geringste Unruhe der Seele schwinde, muss sie durch eine Übung gehen. Auch da, wo man den Frieden des Gewissens hat, kann es manchen Anlass zur Unruhe geben.

Der 32. Psalm sucht uns im Frieden des Gewissens zu befestigen; jede sittliche Frage ist erledigt, und Gott wird als eine allezeit zugängliche Zuflucht gekannt. Die eine Sache ist, Gott als eine Zuflucht zu kennen (wir alle sollten zugeben, dass Er das ist), sind wir aber wirklich zu dem lebendigen Gott gelangt?

Das ist lediglich eine Erfahrungsangelegenheit; wir haben da der Übung ins Angesicht zu schauen, ob wir eine solche Befriedigung in Gott gefunden haben, dass alle Unruhe der Seele geschwunden ist.

In Psalm 42 lesen wir von einem, der dessen gedachte, wie er mit der feiernden Menge zum Hause Gottes zog, und dies mit der Stimme des Jubels und des Lobes (V. 4). Wir mögen das Vorrecht haben, an Versammlungen und dem teilzunehmen, was der festlichen Art des Hauses Gottes entspricht, und geistliche Freude daran empfinden; doch sowohl Johannes als auch Paulus verloren dieses Vorrecht. Hast du genug, selbst dann den Pfad zu wandeln, wenn du es verloren hast? Ich denke nicht, dass jemand unter uns sagen könnte, dass er bei einer derartigen Prüfung keine Seelenunruhe empfunden habe.

Der Dienst des Johannes hat den Herzenszustand im Auge, der seine Befriedigung in der Erkenntnis Gottes finden möchte, deshalb ist vom Durst die Rede. Ich denke, das lebendige Wasser in Joh. 4 ist der der Seele die Erkenntnis Gottes bringende Geist, durch den sie vollständig befriedigt wird. Die Erkenntnis Gottes in der Kraft des Geistes genügt, selbst dann den Pfad zu wandeln, wenn äußere Vorrechte versagen.

In Psalm 42 haben wir nicht nur die feiernde Menge (das Haus Gottes ist eigentlich mit einer solchen erfüllt, denn wir sollten nicht traurig zusammenkommen), sondern auch die mit dem Jordan, dem Hermon und dem Berge Mizhar verbundene, uns klein machende Übung.

Ich habe, was die Übung dieses Psalmes verlangt, an die Übung Paulus denken müssen, die er nach dem 2. Korintherbriefe durchzumachen hatte. Daselbst haben wir in Kap. 3 und 4 die Segnung des Evangeliums; doch dann sehen wir, wie jede Art von Druck auf das Gefäß eindringt, um auf die Probe zu stellen, ob das gesegnete Gute, was es im Dienste brachte, genug war, es hindurchzuführen. Nun, Paulus fand, dass Gott genug war.

Führt diese Übung zu geistlicher Zunahme? Jawohl, sie ist sehr lehrreich. Das erste ist der Dienst des Evangeliums, und danach kommt die Zeit der Zucht für den Diener, und dann haben wir den Dienst der Versöhnung, und dann wieder eine Zeit der Zucht, damit das Gefäß ein Zeugnis in Kraft von dem sei, worin es gedient hat. Es handelt sich hier um das lebendige Zeugnis eines Menschen, der imstande ist, durch jede Drangsal zu gehen. Es kamen allerhand außergewöhnliche Umstände; der Diener aber überstand sie in der Kraft seines eigenen Dienstes, darin besteht die göttliche Unterweisung.

Was ist das Land des Jordan? Paulus redet davon, dass der Tod in uns wirkt; nichts macht so wenig aus uns wie der Tod. Er ist der große Entwürdiger, er macht alles das zunichte, was uns von Natur eigen ist. Paulus redet davon, allezeit dem Tode überliefert zu werden. Das ist das Land des Jordan, er sagt: „Wir...werden allezeit dem Tode überliefert um Jesu willen, auf dass auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleische offenbar werde“ (2. Kor. 4, 11).

Es ist eine durchaus in unserem Wandel offenbar werdende Zunichtemachung. Wenn Gott Sich in Gnade und Güte kundmacht, wird ein Zunichtemachen erforderlich, und das ist der Jordan. Der Hermon ist eine rauhe Stätte, in Verbindung mit ihm haben wir widrigen Umständen ins Angesicht zu sehen; Paulus hatte deren viele, die mancherlei einschneidenden Schwierigkeiten. Der Berg Mizhar ist ein kleiner Hügel, da werden auch wir klein; Paulus kam durch den Dorn im Fleische dahin. Alles das macht uns zunichte.

Dieser Psalm stellt an uns die Frage, ob wir den innigen Wunsch haben, kennenzulernen, was uns der gepriesene Gott in Umständen sein kann, die das, was wir von Natur sind, gänzlich zunichte machen.

Von anderer Seite ist darauf hingewiesen worden, dass Gott uns zur Zunichtemachung des Fleisches in örtlichen Versammlungen zusammengefügt hat. Mir kam manchmal der Gedanke, dass ich im Bewusstsein der Gegenwart Gottes und Seiner Liebe wohl unstreitig allem gewachsen sei.

In Vers 5 haben wir das Vertrauen, dass im Angesicht Gottes in allen Umständen Errettung ist, es heißt da: „Ich werde ihn noch preisen für das Wohl seines Angesichts“ oder „die Rettungen seines Angesichts“, - das besagt, dass im Angesicht Gottes jede Errettung zu finden ist. Gott leuchtet mir, sei es im Lande des Jordan, des Hermon oder des Berges Mizhar - Gott ist genug.

Paulus sagte: „Mein Gott aber wird alle eure Notdurft erfüllen“ (Phil. 4, 19). Das waren keine lediglich irdischen Bedürfnisse; denn zu Philippi stand eine Schar für das Zeugnis Gottes, und zwar Schulter an Schulter mit Paulus in der Verteidigung der frohen Botschaft. Sein Gedanke ist, Gott würde ihnen Derselbe sein wie ihm, was auch die Umstände sein mochten.

Paulus hatte Gott als genügend erfunden, und er sagt damit den Philippern, dass sie das auch erfahren würden; es handelte sich nicht bloß um irdische Bedürfnisse. Die Worte Pauli in Phil. 1, 19: „Ich weiß, dass dies mir zur Errettung ausschlagen wird“, entsprechen der Übung unseres Psalmes, in dem wir einen auf dem Wege zu dem sehen, was Paulus besaß.

Ein großer Nutzen der Psalmen ist, dass sie einem den Weg zu etwas zeigen. Wenn wir jedoch den Wunsch haben, es zu erlangen, so müssen wir uns zum Neuen Testament wenden. Paulus hatte das Urteil des Todes in sich selbst, damit er nicht auf sich selbst vertraute. Jawohl, sein Teil war in Gott, obwohl alles Äußere versagt hatte. Im Gefängnis hatte Paulus nicht das Vorrecht von Zusammenkünften, er entbehrte die Gemeinschaft der Brüder, zog nicht mit der feiernden Menge einher.

Psalm 44 ist sehr wichtig, dann er hat es nicht so sehr mit dem Einzelnen zu tun, sondern mit dem Zustand des Volkes Gottes. Er belehrt uns, dass wir nicht in Tagen leben, wo Gott Sein Volk öffentlich unterstützt. Wenn wir Zeichen öffentlicher Unterstützung erwarten, werden wir keine bekommen; deshalb wendet sich der Psalmist dem zu, was Gott an den Vätern tat. Das entspricht bei uns dem in den Tagen der Apostel, der siegreichen Kraft Gottes in ihnen.

Hier sagt der Psalmist: „Doch du hast uns verworfen“ (V. 9). Dem Feinde sind wir in jeder Hinsicht zu Gegenständen der Verachtung geworden. Sind wir geneigt, diese Übung anzutreten? - es ist eine Kirchenübung - oder begehren wir, öffentlich unterstützt und anerkannt zu sein? Das ist ganz und gar nicht Gottes Gedanke uns gegenüber. Er hat uns wie Schafe zur Schlachtung hingegeben. Das ist unsere äußere Stellung.

Manche geben vor, Wunderbares zu haben, mit Zungenreden, Kranke heilen zu können und öffentlich von Gott anerkannt zu sein; wir jedoch müssen bekennen, nichts derart zu haben.

In Psalm 44 finden wir ein Volk, das keine äußere Unterstützung von Gott bekam. Sie sind Gegenstände des Spottes, ihre Gegner betrachten sie mit Verachtung, und doch sagen sie: „Dieses alles ist über uns gekommen; doch wir haben deiner nicht vergessen, noch haben betrüglich gehandelt wider deinen Bund. Nicht ist unser Herz zurückgewichen noch sind unsere Schritte abgebogen von" deinem Pfade“ (V. 17 u. 18).

Das ist auch unsere öffentliche Stellung. Halten wir uns selbst denn an das, was von Gott Selbst ist, wenn kein äußeres Zeichen dafür spricht, dass Gott mit uns ist? Die Menschen sagen: „Wo ist euer Gott? Ihr seht sehr wenig Frucht, richtet nichts aus, man sieht nicht, dass Gott mit euch ist.“

Man ist so bereit zu sagen: „Wo ist euer Gott?“ Wenn wir jedoch begehren; Unterwiesene zu sein, so haben wir unseren Pfad zu gehen, ohne öffentlich anerkannt zu werden. Wir brauchen das nicht, wir haben kein offenbares Eingreifen zu erwarten, sondern vielmehr als Schafe zur Schlachtung geführt zu werden. Gott greift nicht öffentlich ein und wir lassen das mit uns geschehen, was die Menschen wollen.

Manche ernste Seele möchte öffentlich anerkannt sein, jeden Tag Bekehrte haben; doch es ist zu spät für irgend eine Schar Gläubiger, in einer öffentlichen Weise ausgezeichnet oder hervorragend dazustehen.

Römer 8 zeigt uns, dass uns alles das nicht von der Liebe Christi zu scheiden vermag. Ist die Liebe Christi etwa nicht genug? Sind wir, was die öffentliche Stellung anlangt, damit zufrieden, Spott, Verachtung und Schmach zu leiden, doch durch die Liebe Christi entschädigt, dies lieber auf uns zu nehmen, als in Ansehen zu stehen? Die Auszeichnung Philadelphias besteht darin, dass solche aus der Synagoge Satans „erkennen, dass ich dich geliebt habe“ (Offb.3, 9). Unsere große Auszeichnung ist, von Christo geliebt zu sein.

Wir können mit dem Gedanken fortfahren, es heißt in Vers 17: „Doch wir haben deiner nicht vergessen“ - das steht in Beziehung zum Abendmahl. Der Herr vertraut Sich uns jeden ersten Wochentag an und verbürgt uns die Treue Seiner Liebe. Ist das nicht genug? Sind wir damit zufrieden, öffentlich Schmach zu leiden, aber durch die Liebe Christi entschädigt zu werden? Wenn es sich also verhält, so werden wir nach Psalm 45 völlig entschädigt werden.

Wir haben zu beachten, dass Psalm 44 einen außergewöhnlichen Zustand vor uns bringt, nicht den Tag des Sieges, sondern der Niederlage; wir erleiden genau so wie der Herr eine Niederlage:

„In Schwachheit unterlegen,

Errang die Krone Er“

Der Herr sagte zu Philadelphia: „Du hast eine kleine Kraft“ (Offb. 3, 8). Nichts könnte gesegneter sein, als derart durch all diese göttliche Unterweisung beherrscht zu werden, dass der Geist Gottes Christum für uns zum Mittelpunkt machen kann.

In Psalm 45 sehen wir eine Seele, die ihren Mittelpunkt in Christo gefunden hat; nicht ein Wort in dem Psalm hat das Ich zum Mittelpunkt. Es handelt sich darin nur darum, was Christus ist, was Er sein wird und was Ihm die Versammlung ist. Welch ein Reichtum!

Das ist ein Reichtum, der, wie ich glaube, nur gekannt wird, wenn wir der Unterweisung von Psalm 44 entsprochen haben. Was im nächsten Psalm dargestellt wird, ist so groß, dass es das Herz erfüllt, und anstatt, dass der Psalmist dürstet, wallt sein Herz über von gutem Worte.

Wir haben alle das Vorrecht, Tondichter zu sein. Wir sollten etwas über den König gesanglich ausdrücken. Es ist etwas Großes, einen Psalm zu machen, doch es ist auch gut, das zu singen was andere gemacht haben.

Psalm 42 und 44

 

 

Psalm 42

1 Dem Vorsänger. Ein Maskil von den Söhnen Korahs. Wie ein Hirsch lechzt nach Wasserbächen, also lechzt meine Seele nach dir, o Gott!

2 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott: Wann werde ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht?

3 Meine Tränen sind mir zur Speise geworden Tag und Nacht, da man den ganzen Tag zu mir sagt: Wo ist dein Gott?

4 Daran will ich gedenken und in mir ausschütten meine Seele, wie ich einherzog in der Schar, mit ihnen wallte zum Hause Gottes, mit der Stimme des Jubels und des Lobes - eine feiernde Menge.

5 Was beugst du dich nieder, meine Seele, und bist unruhig in mir? Harre auf Gott! Denn ich werde ihn noch preisen für das Heil seines Angesichts.

6 Mein Gott, es beugt sich nieder in mir meine Seele; darum gedenke ich deiner aus dem Lande des Jordan und des Hermon, vom Berge Mizhar.

7 Tiefe ruft der Tiefe beim Brausen deiner Wassergüsse; alle deine Wogen und deine Wellen sind über mich hingegangen.

8 Des Tages wird Jehova seine Güte entbieten, und des Nachts wird sein Lied bei mir sein, ein Gebet zu dem Gott meines Lebens.

9 Sagen will ich zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mich vergessen? Warum gehe ich trauernd einher wegen der Bedrückung des Feindes?

10 Wie eine Zermalmung in meinen Gebeinen höhnen mich meine Bedränger, indem sie den ganzen Tag zu mir sagen: Wo ist dein Gott?

11 Was beugst du dich nieder, meine Seele, und was bist du unruhig in mir? Harre auf Gott! Denn ich werde ihn noch preisen, der das Heil meines Angesichts und mein Gott ist.

 

 

Psalm 44

1 Dem Vorsänger. Von den Söhnen Korahs, ein Maskil. Gott, mit unseren Ohren haben wir gehört, unsere Väter haben uns erzählt die Großtat, die du gewirkt hast in ihren Tagen, in den Tagen vor alters.

2 Du, mit deiner Hand hast du Nationen ausgetrieben, und sie hast du gepflanzt, Völkerschaften hast du verderbt, und sie hast du ausgebreitet.

3 Denn nicht durch ihr Schwert haben sie das Land in Besitz genommen, und nicht ihr Arm hat sie gerettet; sondern deine Rechte und dein Arm und das Licht deines Angesichts, weil du Wohlgefallen an ihnen hattest.

4 Du selbst bist mein König, o Gott; gebiete die Rettungen Jakobs!

5 Durch dich werden wir niederstoßen unsere Bedränger; durch deinen Namen werden wir zertreten, die wider uns aufstehen.

6 Denn nicht auf meinen Bogen vertraue ich, und nicht wird mein Schwert mich retten.

7 Denn du rettest uns von unseren Bedrängern, und unsere Hasser machst du beschämt.

8 In Gott rühmen wir uns den ganzen Tag, und deinen Namen werden wir preisen ewiglich. (Sela.)

9 Doch du hast uns verworfen und zu Schanden gemacht, und zogest nicht aus mit unseren Heeren.

10 Du ließest uns zurückweichen vor dem Bedränger, und unsere Hasser haben für sich geraubt.

11 Du gabst uns hin wie Schlachtschafe, und unter die Nationen hast du uns zerstreut.

12 Du verkauftest dein Volk um ein Geringes und hast nicht hochgestellt ihren Preis.

13 Du machtest uns zum Hohne unseren Nachbarn, zum Spott und Schimpf denen, die uns umgeben.

14 Du machtest uns zum Sprichwort unter den Nationen, zum Kopfschütteln unter den Völkerschaften.

15 Den ganzen Tag ist vor mir meine Schande, und die Scham meines Angesichts hat mich bedeckt,

16 wegen der Stimme des Schmähers und Lästerers, wegen des Feindes und des Rachgierigen.

17 Dieses alles ist über uns gekommen, und wir haben deiner nicht vergessen, noch betrüglich gehandelt wider deinen Bund.

18 Nicht ist unser Herz zurückgewichen, noch sind unsere Schritte abgebogen von deinem Pfade;

19 obgleich du uns zermalmt hast am Orte der Schakale, und uns bedeckt mit dem Schatten des Todes.

20 Wenn wir vergessen hätten den Namen unseres Gottes und unsere Hände ausgestreckt zu einem fremden Gott,

21 würde Gott das nicht erforschen? Denn er kennt die Geheimnisse des Herzens.

22 Doch um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag, wie Schlachtschafe sind wir geachtet.

23 Erwache! Warum schläfst du, Herr? Wache auf! Verwirf uns nicht auf ewig!

24 Warum verbirgst du dein Angesicht, vergissest unser Elend und unsere Bedrückung?

25 Denn unsere Seele ist in den Staub gebeugt, unser Bauch klebt an der Erde.

26 Stehe auf, uns zur Hilfe, und erlöse uns um deiner Güte willen!

 

 

Wir betrachteten letzte Woche Psalm 32, welcher der erste der Psalmen ist, die der Geist Gottes. als zur Unterweisung dienend bezeichnet; Maskil heißt Unterweisung.

Wir sahen, dass Psalm 32 die Grundlage aller göttlichen Unterweisung bildet, nämlich der Erkenntnis Gottes. Die Sünden sind vergeben, werden nicht zugerechnet, und die Seele ist infolge der Gegenwart des Geistes in Glückseligkeit. Eine solche Seele kennzeichnet Frömmigkeit und Abhängigkeit, sie gleicht dem Wesen nach Christo.

Göttliche Befreiung ist für solche eine Antwort auf Gebet, und geistliche Leitung zeigt ihnen, wie sie mit Gott zu wandeln haben. Dieser Psalm umfasst augenscheinlich die großen Grundgedanken der Seelenbeziehungen zu Gott. Gott wird als Rechtfertigender, Vergebender, Versöhner, Zuflucht und Leiter Seines Volkes gekannt. Das macht die große, grundlegende Erkenntnis derer aus, die Gott in Gnade berufen hat. Das ist der erste Bestandteil der göttlichen Belehrung. Wenn unsere Seelen nicht derart in der Erkenntnis Gottes befestigt sind, können wir keine Unterwiesenen sein.

Gottes Vorsatz ist, solche zu haben, und deshalb müssen wir von Ihm unterwiesen werden. Den neuen Bund kennzeichnet unter anderem: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein“ (Joh. 6, 45). Wir nun sind unter die Unterweisung Christi gekommen, wenn wir „anders ihn gehört...und in ihm gelehrt worden“ sind (Eph. 4, 21).

Nicht auf das, was wir in Büchern gelesen haben oder auf ein gewisses Maß Schriftkenntnis kommt es an, sondern darauf, dass Gottes Volk göttlich unterwiesen ist. Man kann immer wieder sehen, welch einen Unterschied es macht, mit der Erkenntnis Gottes dem 32. Psalm gemäß zu beginnen. Wenn wir durch tiefe und verwickelte Übungen gehen, so haben wir dann einen Halt, einen Ankergrund in unseren Seelen.

Psalm 42 weist auf tiefe Übungen hin; doch die Seele hat eine derartige Erkenntnis Gottes, dass sie Ihm vertraut und nach Ihm dürstet; sie findet ihre Zuflucht in der Erkenntnis Gottes. Gegenwärtig werden wir auf die Probe gestellt. Wenn Gott uns Erkenntnis über Sich Selbst gibt, stellt Er uns auf die Probe; die Erprobung des Glaubens ist für Gott sehr kostbar. Gott liebt es, das auf die Probe zu stellen, was wir in Ihm gefunden haben, zu prüfen, ob wir eine solche Erkenntnis über Ihn haben, dass wir sogar dann unseren Pfad gehen, wenn uns genossene Vorrechte genommen sind.

Ich denke, das zweite Buch der Psalmen zeigt, dass sogar Enterbte und Ausgetriebene finden, dass Gott genug ist. Gott Selbst wird das Teil eines enterbten Volkes. Hier kommt vor uns: Inwieweit kennen wir Gott, wenn wir geprüft werden? Damit auch die geringste Unruhe der Seele schwinde, muss sie durch eine Übung gehen. Auch da, wo man den Frieden des Gewissens hat, kann es manchen Anlass zur Unruhe geben.

Der 32. Psalm sucht uns im Frieden des Gewissens zu befestigen; jede sittliche Frage ist erledigt, und Gott wird als eine allezeit zugängliche Zuflucht gekannt. Die eine Sache ist, Gott als eine Zuflucht zu kennen (wir alle sollten zugeben, dass Er das ist), sind wir aber wirklich zu dem lebendigen Gott gelangt?

Das ist lediglich eine Erfahrungsangelegenheit; wir haben da der Übung ins Angesicht zu schauen, ob wir eine solche Befriedigung in Gott gefunden haben, dass alle Unruhe der Seele geschwunden ist.

In Psalm 42 lesen wir von einem, der dessen gedachte, wie er mit der feiernden Menge zum Hause Gottes zog, und dies mit der Stimme des Jubels und des Lobes (V. 4). Wir mögen das Vorrecht haben, an Versammlungen und dem teilzunehmen, was der festlichen Art des Hauses Gottes entspricht, und geistliche Freude daran empfinden; doch sowohl Johannes als auch Paulus verloren dieses Vorrecht. Hast du genug, selbst dann den Pfad zu wandeln, wenn du es verloren hast? Ich denke nicht, dass jemand unter uns sagen könnte, dass er bei einer derartigen Prüfung keine Seelenunruhe empfunden habe.

Der Dienst des Johannes hat den Herzenszustand im Auge, der seine Befriedigung in der Erkenntnis Gottes finden möchte, deshalb ist vom Durst die Rede. Ich denke, das lebendige Wasser in Joh. 4 ist der der Seele die Erkenntnis Gottes bringende Geist, durch den sie vollständig befriedigt wird. Die Erkenntnis Gottes in der Kraft des Geistes genügt, selbst dann den Pfad zu wandeln, wenn äußere Vorrechte versagen.

In Psalm 42 haben wir nicht nur die feiernde Menge (das Haus Gottes ist eigentlich mit einer solchen erfüllt, denn wir sollten nicht traurig zusammenkommen), sondern auch die mit dem Jordan, dem Hermon und dem Berge Mizhar verbundene, uns klein machende Übung.

Ich habe, was die Übung dieses Psalmes verlangt, an die Übung Paulus denken müssen, die er nach dem 2. Korintherbriefe durchzumachen hatte. Daselbst haben wir in Kap. 3 und 4 die Segnung des Evangeliums; doch dann sehen wir, wie jede Art von Druck auf das Gefäß eindringt, um auf die Probe zu stellen, ob das gesegnete Gute, was es im Dienste brachte, genug war, es hindurchzuführen. Nun, Paulus fand, dass Gott genug war.

Führt diese Übung zu geistlicher Zunahme? Jawohl, sie ist sehr lehrreich. Das erste ist der Dienst des Evangeliums, und danach kommt die Zeit der Zucht für den Diener, und dann haben wir den Dienst der Versöhnung, und dann wieder eine Zeit der Zucht, damit das Gefäß ein Zeugnis in Kraft von dem sei, worin es gedient hat. Es handelt sich hier um das lebendige Zeugnis eines Menschen, der imstande ist, durch jede Drangsal zu gehen. Es kamen allerhand außergewöhnliche Umstände; der Diener aber überstand sie in der Kraft seines eigenen Dienstes, darin besteht die göttliche Unterweisung.

Was ist das Land des Jordan? Paulus redet davon, dass der Tod in uns wirkt; nichts macht so wenig aus uns wie der Tod. Er ist der große Entwürdiger, er macht alles das zunichte, was uns von Natur eigen ist. Paulus redet davon, allezeit dem Tode überliefert zu werden. Das ist das Land des Jordan, er sagt: „Wir...werden allezeit dem Tode überliefert um Jesu willen, auf dass auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleische offenbar werde“ (2. Kor. 4, 11).

Es ist eine durchaus in unserem Wandel offenbar werdende Zunichtemachung. Wenn Gott Sich in Gnade und Güte kundmacht, wird ein Zunichtemachen erforderlich, und das ist der Jordan. Der Hermon ist eine rauhe Stätte, in Verbindung mit ihm haben wir widrigen Umständen ins Angesicht zu sehen; Paulus hatte deren viele, die mancherlei einschneidenden Schwierigkeiten. Der Berg Mizhar ist ein kleiner Hügel, da werden auch wir klein; Paulus kam durch den Dorn im Fleische dahin. Alles das macht uns zunichte.

Dieser Psalm stellt an uns die Frage, ob wir den innigen Wunsch haben, kennenzulernen, was uns der gepriesene Gott in Umständen sein kann, die das, was wir von Natur sind, gänzlich zunichte machen.

Von anderer Seite ist darauf hingewiesen worden, dass Gott uns zur Zunichtemachung des Fleisches in örtlichen Versammlungen zusammengefügt hat. Mir kam manchmal der Gedanke, dass ich im Bewusstsein der Gegenwart Gottes und Seiner Liebe wohl unstreitig allem gewachsen sei.

In Vers 5 haben wir das Vertrauen, dass im Angesicht Gottes in allen Umständen Errettung ist, es heißt da: „Ich werde ihn noch preisen für das Wohl seines Angesichts“ oder „die Rettungen seines Angesichts“, - das besagt, dass im Angesicht Gottes jede Errettung zu finden ist. Gott leuchtet mir, sei es im Lande des Jordan, des Hermon oder des Berges Mizhar - Gott ist genug.

Paulus sagte: „Mein Gott aber wird alle eure Notdurft erfüllen“ (Phil. 4, 19). Das waren keine lediglich irdischen Bedürfnisse; denn zu Philippi stand eine Schar für das Zeugnis Gottes, und zwar Schulter an Schulter mit Paulus in der Verteidigung der frohen Botschaft. Sein Gedanke ist, Gott würde ihnen Derselbe sein wie ihm, was auch die Umstände sein mochten.

Paulus hatte Gott als genügend erfunden, und er sagt damit den Philippern, dass sie das auch erfahren würden; es handelte sich nicht bloß um irdische Bedürfnisse. Die Worte Pauli in Phil. 1, 19: „Ich weiß, dass dies mir zur Errettung ausschlagen wird“, entsprechen der Übung unseres Psalmes, in dem wir einen auf dem Wege zu dem sehen, was Paulus besaß.

Ein großer Nutzen der Psalmen ist, dass sie einem den Weg zu etwas zeigen. Wenn wir jedoch den Wunsch haben, es zu erlangen, so müssen wir uns zum Neuen Testament wenden. Paulus hatte das Urteil des Todes in sich selbst, damit er nicht auf sich selbst vertraute. Jawohl, sein Teil war in Gott, obwohl alles Äußere versagt hatte. Im Gefängnis hatte Paulus nicht das Vorrecht von Zusammenkünften, er entbehrte die Gemeinschaft der Brüder, zog nicht mit der feiernden Menge einher.

Psalm 44 ist sehr wichtig, dann er hat es nicht so sehr mit dem Einzelnen zu tun, sondern mit dem Zustand des Volkes Gottes. Er belehrt uns, dass wir nicht in Tagen leben, wo Gott Sein Volk öffentlich unterstützt. Wenn wir Zeichen öffentlicher Unterstützung erwarten, werden wir keine bekommen; deshalb wendet sich der Psalmist dem zu, was Gott an den Vätern tat. Das entspricht bei uns dem in den Tagen der Apostel, der siegreichen Kraft Gottes in ihnen.

Hier sagt der Psalmist: „Doch du hast uns verworfen“ (V. 9). Dem Feinde sind wir in jeder Hinsicht zu Gegenständen der Verachtung geworden. Sind wir geneigt, diese Übung anzutreten? - es ist eine Kirchenübung - oder begehren wir, öffentlich unterstützt und anerkannt zu sein? Das ist ganz und gar nicht Gottes Gedanke uns gegenüber. Er hat uns wie Schafe zur Schlachtung hingegeben. Das ist unsere äußere Stellung.

Manche geben vor, Wunderbares zu haben, mit Zungenreden, Kranke heilen zu können und öffentlich von Gott anerkannt zu sein; wir jedoch müssen bekennen, nichts derart zu haben.

In Psalm 44 finden wir ein Volk, das keine äußere Unterstützung von Gott bekam. Sie sind Gegenstände des Spottes, ihre Gegner betrachten sie mit Verachtung, und doch sagen sie: „Dieses alles ist über uns gekommen; doch wir haben deiner nicht vergessen, noch haben betrüglich gehandelt wider deinen Bund. Nicht ist unser Herz zurückgewichen noch sind unsere Schritte abgebogen von" deinem Pfade“ (V. 17 u. 18).

Das ist auch unsere öffentliche Stellung. Halten wir uns selbst denn an das, was von Gott Selbst ist, wenn kein äußeres Zeichen dafür spricht, dass Gott mit uns ist? Die Menschen sagen: „Wo ist euer Gott? Ihr seht sehr wenig Frucht, richtet nichts aus, man sieht nicht, dass Gott mit euch ist.“

Man ist so bereit zu sagen: „Wo ist euer Gott?“ Wenn wir jedoch begehren; Unterwiesene zu sein, so haben wir unseren Pfad zu gehen, ohne öffentlich anerkannt zu werden. Wir brauchen das nicht, wir haben kein offenbares Eingreifen zu erwarten, sondern vielmehr als Schafe zur Schlachtung geführt zu werden. Gott greift nicht öffentlich ein und wir lassen das mit uns geschehen, was die Menschen wollen.

Manche ernste Seele möchte öffentlich anerkannt sein, jeden Tag Bekehrte haben; doch es ist zu spät für irgend eine Schar Gläubiger, in einer öffentlichen Weise ausgezeichnet oder hervorragend dazustehen.

Römer 8 zeigt uns, dass uns alles das nicht von der Liebe Christi zu scheiden vermag. Ist die Liebe Christi etwa nicht genug? Sind wir, was die öffentliche Stellung anlangt, damit zufrieden, Spott, Verachtung und Schmach zu leiden, doch durch die Liebe Christi entschädigt, dies lieber auf uns zu nehmen, als in Ansehen zu stehen? Die Auszeichnung Philadelphias besteht darin, dass solche aus der Synagoge Satans „erkennen, dass ich dich geliebt habe“ (Offb.3, 9). Unsere große Auszeichnung ist, von Christo geliebt zu sein.

Wir können mit dem Gedanken fortfahren, es heißt in Vers 17: „Doch wir haben deiner nicht vergessen“ - das steht in Beziehung zum Abendmahl. Der Herr vertraut Sich uns jeden ersten Wochentag an und verbürgt uns die Treue Seiner Liebe. Ist das nicht genug? Sind wir damit zufrieden, öffentlich Schmach zu leiden, aber durch die Liebe Christi entschädigt zu werden? Wenn es sich also verhält, so werden wir nach Psalm 45 völlig entschädigt werden.

Wir haben zu beachten, dass Psalm 44 einen außergewöhnlichen Zustand vor uns bringt, nicht den Tag des Sieges, sondern der Niederlage; wir erleiden genau so wie der Herr eine Niederlage:

„In Schwachheit unterlegen,

Errang die Krone Er“

 

Der Herr sagte zu Philadelphia: „Du hast eine kleine Kraft“ (Offb. 3, 8). Nichts könnte gesegneter sein, als derart durch all diese göttliche Unterweisung beherrscht zu werden, dass der Geist Gottes Christum für uns zum Mittelpunkt machen kann.

In Psalm 45 sehen wir eine Seele, die ihren Mittelpunkt in Christo gefunden hat; nicht ein Wort in dem Psalm hat das Ich zum Mittelpunkt. Es handelt sich darin nur darum, was Christus ist, was Er sein wird und was Ihm die Versammlung ist. Welch ein Reichtum!

Das ist ein Reichtum, der, wie ich glaube, nur gekannt wird, wenn wir der Unterweisung von Psalm 44 entsprochen haben. Was im nächsten Psalm dargestellt wird, ist so groß, dass es das Herz erfüllt, und anstatt, dass der Psalmist dürstet, wallt sein Herz über von gutem Worte.

Wir haben alle das Vorrecht, Tondichter zu sein. Wir sollten etwas über den König gesanglich ausdrücken. Es ist etwas Großes, einen Psalm zu machen, doch es ist auch gut, das zu singen was andere gemacht haben.


 

(Charles Andrew Coates)

Psalm 45

 

Psalm 45

1 Dem Vorsänger, nach Schoschannim. Von den Söhnen Korahs; ein Maskil, ein Lied der Lieblichkeiten. Es wallt mein Herz von gutem Worte. Ich sage: Meine Gedichte dem Könige! Meine Zunge sei der Griffel eines fertigen Schreibers!

2 Du bist schöner als die Menschensöhne, Holdseligkeit ist ausgegossen über deine Lippen;   darum hat Gott dich gesegnet ewiglich.

3 Gürte dein Schwert um die Hüfte, du Held, deine Pracht und deine Majestät!

4 Und in deiner Majestät ziehe glücklich hin um der Wahrheit willen und der Sanftmut und der Gerechtigkeit; und Furchtbares wird dich lehren deine Rechte.

5 Deine Pfeile sind scharf - Völker fallen unter dir - im Herzen der Feinde des Königs.

6 Dein Thron, o Gott, ist immer und ewiglich, ein Zepter der Aufrichtigkeit ist das Zepter deines Reiches.

7 Gerechtigkeit hast du geliebt und Gesetzlosigkeit gehasst: darum hat Gott, dein Gott, dich gesalbt mit Freudenöl, mehr als deine Genossen.

8 Myrrhen und Aloe, Kassia sind alle deine Kleider; aus Palästen von Elfenbein erfreut dich Saitenspiel.

9 Königstöchter sind unter deinen Herrlichen; die Königin steht zu deiner Rechten in Gold von Ophir.

10 Höre, Tochter, und sieh, und neige dein Ohr; und vergiss deines Volkes und deines Vaters Hauses!

11 Und der König wird deine Schönheit begehren, denn er ist dein Herr: so huldige ihm!

12 Und die Tochter Tyrus, die Reichen des Volkes, werden deine Gunst suchen mit Geschenken.

13 Ganz herrlich ist des Königs Tochter drinnen, von Goldwirkerei ihr Gewand;

14 in buntgewirkten Kleidern wird sie zum König geführt werden; Jungfrauen hinter ihr her, ihre Gefährtinnen, werden zu dir gebracht werden.

15 Sie werden geführt werden unter Freude und Jubel, sie werden einziehen in den Palast des Königs.

16 An deiner Väter Statt werden deine Söhne sein; zu Fürsten wirst du sie einsetzen im ganzen Lande.

17 Ich will deines Namens gedenken lassen alle Geschlechter hindurch; darum werden die Völker dich preisen immer und ewiglich.

 

Wir betrachteten die Maskilpsalmen, die Psalmen der Unterweisung, deren erster Psalm 32 ist; er spricht von der Glückseligkeit der Vergebung, vom gerechtfertigten Menschen und stellt die Erkenntnis Gottes dar, wie sie unter den Verhältnissen des neuen Bundes gekannt werden wird. Da wird Gott erkannt in Vergebung und Rechtfertigung, und ferner als Befreier, Leiter und die Freude Seines Volkes. Dies alles ist es gerade, was uns in dem Evangelium gebracht wird, nämlich die dem neuen Bunde gemäße Erkenntnis Gottes, die der Seele auf Grund der Buße zugute kommt.

Der nächste Psalm ist der 42. Psalm; dieser und der 43. gehören zusammen. Psalm 43 hat keine Überschrift, doch wenn wir beide Psalmen lesen, erkennen wir, dass sie einen Gedankengang haben. Sie sind in Wahrheit Teile eines Psalms. In ihnen vertieft Gott durch persönliche Übung Sein Werk in den Seelen Seines Volkes, so dass sie, anstatt lediglich mit dem zu gehen, was öffentlich gang und gäbe ist, dahin kommen, persönlich ein wirkliches Seelenband mit Gott zu haben.

Man kann mit dem, was unter dem Volke Gottes allgemein Brauch ist, gehen, sich mit ihnen an dem freuen, was sie genießen, das heißt nach Psalm 42 mit ihrer Schar einherziehen, doch Gott möchte uns etwas mehr geben. Es ist ganz schön, mit der Menge zu wandeln, zumal zum Hause Gottes, doch dessen können wir beraubt werden, und deshalb wünscht Gott in unseren Seelen etwas zu gestalten, was uns nicht genommen werden kann, und dies durch eine gewisse persönliche Prüfung, so dass wir auch nach der Beraubung unseres äußerlichen Vorrechts Freude in Ihm haben.

Der Mann In Psalm 42 wird dahin geführt; ein tiefinneres Verlangen nach Gott zu haben. Er ist dessen beraubt worden, was er in der Volksmenge genoss, und nun hat er ein inniges Verlangen, etwas Derartiges zu besitzen, was seine Seele bewahren kann. In Psalm 43 wird angedeutet, wie das erreicht wird: „Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten, mich bringen zu deinem heiligen Berge und zu deinen Wohnungen. So werde ich kommen zum Altar Gottes, zu dem Gott, der meine Jubelfreude ist“ (V. 3 u. 4).

Dieser Mann hat die Wahrheit des 32. Psalms in vertiefter Weise. Gott ist weit mehr und persönlicher seine Freude geworden als da, wo er zuerst das Evangelium hörte. Nur eine tiefe Übung kann den 43. Psalm bei uns hervorbringen, eine tiefe Übung sowie das Werk des Geistes. Getrennt vom Geiste gibt es kein tiefes Dürsten nach Gott.

Wir haben alle kennengelernt, was es heißt, mit dem Volke Gottes zu sein, unseren Platz in den Versammlungen einzunehmen und deren Freude zu teilen. Wir haben uns mit der feiernden Menge gefreut, doch in den Wegen Gottes können wir das verlieren, und dann haben wir zu lernen, was der Jordan ist, was der Berg Hermon und der Berg Mizhar sind.

Es kann Elend und Drangsal über uns kommen, all das, was uns klein macht und uns empfinden lässt, wie wenig wir Gott in unseren Seelen gekannt haben. Es ist das, was jemand empfinden mag, wenn er sich im Gefängnis befindet.

Viele von uns haben Seelenunruhe kennen gelernt, als sie in Umstände kamen, die uns demütigen. Es gibt keinen noch so jungen Gläubigen hienieden, der nicht in Berührung damit gekommen wäre. Doch Gottes Gegenstand ist, uns all die Gnade der frohen Botschaft in einer tieferen Weise zuteil werden zu lassen. Der Psalmist sagt: „Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten“ (V. 3). Es ist eine Sache, von den Brüdern geleitet zu werden, aber eine ganz andere, durch Gottes Licht und Wahrheit geleitet zu werden.

Welch ein vertieftes Werk ist es, wenn Gott Sein Licht und Seine Wahrheit aussendet und sie uns leiten! Dann haben wir etwas, was nicht versagt, und kommen zur Wohnung Gottes und zu Seinem Altar. Wir werden dann nicht mehr von der Menge geleitet, sondern gelangen durch unsere eigene persönliche Erfahrung zu Gott, unserer Jubelfreude. Es geht uns wie einem Schulknaben, der die Ferien über nach: Hause geht. Es muss ein Augenblick in unseren Seelen kommen, wo wir fühlen, dass das Wandeln mit der Menge nicht genügt.

Die Seele hat dann ein inniges Verlangen nach Gott! Sie fühlt dass sie Ihn zu ihrer eigenen Befriedigung haben muss. Man fühlt, dass das bloße Wandeln in Gemeinschaft und Liebe, so lieblich dies ist, einen nicht befriedigt. Die Güte Gottes bringt uns dahin. Welch eine Quelle der Kraft unter den Brüdern ist ein Bruder oder eine Schwester, die dahin gekommen ist!

Gottes Licht und Wahrheit sind in jene Seele gekommen, und sie hat sich aus eigener Übung zur Wohnstätte Gottes begeben und hat Gott als die Quelle ihrer Jubelfreude gefunden. Das ist eine beständige Kraft, die du nicht verlieren kannst. Sie bleibt dir im Gefängnis, wenn du von den Brüdern getrennt oder krank bist und darniederliegst. Was du so gelernt hast, kann dir nicht genommen werden.

In Psalm 44 haben wir eine andere Unterweisung. Die Seele kann sagen: Wir haben das Wunderbare gehört, das Gott vor alters für Sein Volk getan hat, und jetzt tut Er nichts dergleichen. Welch eine Übung! Unter Josua war einst alles Sieg, nun aber heißt es in Vers 9 -13: „Doch du hast uns verworfen...Du machtest uns zum Hohn unseren Nachbarn, zum Spott und Schimpf denen, die uns umgeben.“

Damit hat der Psalmist das ganze Volk Gottes vor sich. Unter derartigen Übungen lernt die Seele, dem Bunde treu zu sein (V. 17). Obwohl wir in anderen Verhältnissen leben, ist es in den Tagen der Versammlung fast genau so. Dieser Psalm enthält eine Versammlungsübung.

Wir leben nicht in Tagen, wo nichts vor dem Volke Gottes standhalten kann. Jetzt ist ein Tag der Schmach und Verachtung, wie zur Zeit Nehemias, wo sie sagten: „Wenn ein Fuchs hinaufstiege, so würde er ihre steinerne Mauer auseinanderreißen“ (Neh. 4, 3).

Die Israeliten waren Gegenstände des Gelächters, und das ist unser Teil heutzutage - wir haben das zu lernen, und ich bezweifle, dass einer, der das nicht gelernt hat, für Gott eintreten kann. Was tun wir in Zeiten der Schmach? Vers 17 und 18 sagt uns: „Dieses alles ist über uns gekommen, doch wir haben deiner nicht vergessen, noch betrüglich gehandelt wider deinen Bund: Unser Herz ist nicht zurückgewichen, noch sind unsere Schritte abgebogen von deinem Pfade.“ Das liegt uns selbst in Tagen der Schmach ob. Gott zeichnet uns nicht öffentlich aus; doch wir fahren fort, Seiner zu, gedenken im Abendmahl und in Treue, wir geben nichts auf, was mit dem Zeugnis des Herrn zu tun hat.

Wir haben die besondere Übung von 2. Timotheus, nicht nur die alltägliche. In Römer 8 haben wir die gewöhnlichen Leiden eines Christen, jetzt haben wir nach dem 2. Timotheusbriefe die außergewöhnlichen Leiden der letzten Tage: Wir haben unter der öffentlichen Schmach des christlichen Bekenntnisses zu leiden und dazu noch die besondere der Treuen auf uns zu nehmen. Sind wir bereit, unbeirrt durch Schmach und Verachtung, unseren Pfad weiterhin zu wandeln? Was gewinnen wir dadurch? Das Bewusstsein, dass uns nichts von der Liebe Christi, scheidet, und wenn wir das haben, sind wir für den 45. Psalm zubereitet.

Wir müssen für einen Pfad öffentlicher Schmach zubereitet werden. Manche wenden da ein: Es geschieht heute Wunderbares, wir hatten an unserem Orte tausend Bekehrte, weshalb gehst du nicht mit uns? Andere sagen: Wir können Kranke heilen, mit Zungen reden, wir haben alles wie am Anfang. Mit alledem verbindet man aber Menschenverherrlichung. Wenn du so etwas begehrt, fällst du in die Hände Satans.

Wir haben Schmach zu tragen; Paulus im Gefängnis ist ein Vorbild von dem Platze des Zeugnisses heutzutage. Ein Evangelist sagte mir einmal: „Wir sollten in den herrlichsten Gebäuden des Landes predigen.“ Ich antwortete: „Nach der Schrift sollte ich eher erwarten, den Evangelisten im Kreisgefängnis eingeschlossen zu sehen.“

Das Zeugnis hat immer Schmach zu leiden gehabt; doch heute betrachtet man die Sachlage anders. In den Tagen der Apostel war die ganze Kraft der zukünftigen Welt vorhanden. Wir haben keine Apostel, die umhergehen und Wunder wirken, so dass die Welt dadurch gleichsam umgekehrt wurde. Heute haben wir nichts dem ähnliches.

Wenn die Brüder ohne eine Trennung untereinander weiterbestanden hätten, so würde es keine Schmach gegeben haben. Aber die Geschichte der göttlichen Bewegungen in der Versammlung und wie diese sich auswirkten, hat uns Schmach eingetragen. Die Leute sagen: „Ihr habt euch alle gegeneinander abgeschlossen, keiner weiß, wieviele Parteien nun bestehen.“ Wir sind Gegenstände des Gelächters. Sind wir jedoch bereit, mit dem Bunde und dem Gedenken des Herrn weiter zu wandeln und uns nicht zurückzuwenden?

Auf diesem Wege würden dann unsere Herzen voll von Christo sein. Derartiges ist heute treuen Männern anvertraut. Auch Schwestern sind darin, wie ich glaube, mit eingeschlossen. Das Herz keines anderen könnte voll von Christo sein. Wir sangen vorhin das Lied: „Unser Herz ist voll von Christo“ - ist das so oder begehren wir das wirklich?

Ich kann das im Sinne eines Gebets singen, wie auch viele andere Lieder, mit dem innigen Verlangen, in dieser Wahrheit zu stehen. Lieder geben die Richtung an, die unser Verlangen einschlagen kann, sie gleichen den beständigen Geleisen, auf denen sich ein Zug bewegt. Das Begehren und die Zuneigungen der Heiligen können sich ihnen gemäß vorwärtsbewegen.

Psalm 45 ist wohl in gewissem Sinne der Mittelpunkt und die Krone der Maskilpsalmen, weil er uns zeigt, dass Gott bei Seinem Volke ein derart glückseliges Ziel erreichen kann, dass ihre Herzen zu Seinem Wohlgefallen voll von Christo und dem sind, was in Beziehung zu Ihm steht; nichts könnte gesegneter sein. Dieser Psalm redet von Christo, wie Er öffentlich in der zukünftigen Welt gekannt werden wird, und das erfüllt die Herzen der Heiligen, noch ehe diese Zeit gekommen ist. Bevor wir in der zukünftigen Welt sind, ist diese in uns. In Hebr. 2, 5 heißt es: „Den zukünftigen Erdkreis, von dem wir reden“, darin bezieht sich das „wir“ auf alle Christen.

Wovon könnten wir sonst reden, als von der zukünftigen Welt? Was haben wir denn über diese Welt zu sagen? Nur, dass kein Raum für Christum in ihr ist. Wir reden von der zukünftigen Welt, weil Gott und Christus in ihr überaus erhaben sein werden, und Gott und Sein Gesalbter uns dies schon geworden sind. Anstatt zu dürsten, wie in Psalm 42, 2, wallen unsere Herzen auf und fließen über.

Wer spricht in Psalm 45? Das führt zu etwas sehr Lehrreichem. Der Redende ist offenbar nicht Gott. Es handelt sich hier nicht darum, dass Gott über Christum redet. In dem Evangelium redet Gott über Christum, hier aber ist es das Herz und die Zunge eines Menschen. Hier redet ein Mensch über Christum, und dieser Mensch kann jeder von uns sein, der unter der Macht der Liebe Christi steht.

Die Entschädigung für die Erfahrung von Psalm 44 ist, dass wir unsere Untrennbarkeit von der Liebe Christi kennenlernen, und wenn wir derart entschädigt worden sind, können wir ein Lied machen, es heißt: „Ich sage meine Gedichte dem Könige!“ Ist es dir noch nicht aufgefallen, dass du ein Lied über Christum machen kannst, das seit den Tagen der Pfingsten nie gemacht worden ist?

Es ist etwas Großes, die Stellung von Lilien zu haben. Schoschannim in der Überschrift des Psalms heißt Lilien. Die Lilie ist in der Schrift ein Bild des besonderen Platzes, den die Heiligen der gegenwärtigen Zeit haben. Der Herr sagt im Hohenlied 2, 2: „Wie eine Lilie inmitten der Dornen, so ist meine Freundin inmitten der Töchter.“ Das ist unsere Stellung heutzutage. Du sagst vielleicht: Ich weiß genug über Dornen, die mich stechen und zerfleischen; hier aber sollen die Dornen die Eigenart der Lilien in ein besonderes Licht stellen. Wie sehr fällt eine Lilie unter Dornen auf! In einem Lilienbeete sind alle einander gleich, doch der Gegensatz macht auffallend.

Etwas ähnliches tritt uns in Phil. 2, 15 entgegen: „Auf dass ihr tadellos und lauter seid, unbescholtene Kinder Gottes, inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts.“ Das zeigt den Unterschied, die Wertschätzung Christi bringt ihn zustande, sie hat mich zu einer Lilie gemacht, wenn ich eine bin. Eine Lilie stellt Reinheit dar, eine Reinheit, die Christum vor sich hat und sagt: „Mein Herz, von Christo ganz erfüllt, verlangt, Ihn völlig kundzutun.“ Das tut in diesem Psalm die Seele des Psalmisten.

Wie wunderbar, so frei zu sein, sagen zu können: „Meine Zunge sei der Griffel eines fertigen Schreibers!“ Das Herz erfasst vieles und kann, da es Christum schätzt, derart von Ihm reden, wie Er in der zukünftigen Welt gekannt werden wird. Der Hebräerbrief hat es mit der zukünftigen Welt zu tun. Die Schönheit und Zierden Christi, die in der zukünftigen Welt gekannt werden, kennen die Herzen der Heiligen schon jetzt.

Hier sehen wir, wie Gott uns in dem unterweist, was Ihm Selbst höchst kostbar ist. Uns einen Begriff von Christo zu geben, bereitet Ihm mehr Freude als irgendeine andere Gabe. Er erfüllt die Seele mit Gedanken über Christum und lehrt uns, Vergleiche anstellen; Er lehrt uns die unermessliche Überlegenheit Christi über die Söhne der Menschen erkennen, und das haben wir zu lernen.

Es handelt sich nicht darum, dass Er den Söhnen Belials überlegen ist, sondern Männern wie Henoch, Abraham, Joseph, Mose, David. Das bezieht sich auf solche, die Schönheit Gott gegenüber besitzen. Von Mose heißt es in Apg. 7. 20, dass er schön für Gott war, und das waren Gott alle anderen Heiligen. Doch dieser Eine hier ist schöner als die Söhne der Menschen (V. 2). Das besagt, das, was wir in einem Heiligen sehen, gehört zwar derselben Ordnung an, wird aber von Christo unendlich übertroffen

In den Söhnen der Menschen kommt ein geistlicher Zug vor uns, doch im besten Falle nur trübe; ihn umgibt gleichsam ein Nebel. In Christo jedoch sind alle diese Züge in ungetrübter Vollkommenheit vorhanden, so dass Er schöner ist als Menschensöhne. Diesen Platz hat Er nun in dem Herzen, da übertrifft Er einen jeden. In diesen Psalmen sehen wir, wie Er sogar Seine Genossen übertrifft und deshalb mehr mit Freudenöl gesalbt wird als sie.

Je mehr wir Seine Züge in den Heiligen sehen, desto mehr können wir das Übermaß in Christo schätzen. Alles Schöne kam von Christo. Wenn ich einen schönen Zug in einem Heiligen sehe, so führt mich das, wenn es mein Herz in der rechten Weise berührt, zur Quelle, zu dem Einen, in dem dieser und jeder andere Zug ohne einen Makel gesehen wird. Es handelt sich hier um keinen Vergleich mit den verderbten Söhnen der Menschen, sondern mit denen; die Schönheit vor Gott besitzen, und, göttlich unterwiesen, geben wir Ihm jenen Platz, jenen überragenden Platz.

Die Braut im Hohenliede sagt in Kap. 5, 10, dass ihr Geliebter „ausgezeichnet vor Zehntausenden“ ist. Demgegenüber verschwinden selbst die Heiligen. Keiner der Söhne der Menschen könnte ganz und gar lieblich sein, doch Er ist das (V. 16). Er hat in allem den Vorrang, das sehen wir auf dem heiligen Berge (2. Petr. 1, 18). Da hatten keine zwei bösen Menschen zu erscheinen, sondern Mose und Elia. Petrus lernte das, und so konnte er, als der Herr die Frage stellte „Ihr aber, wer saget ihr, dass ich sei?“, sie beantworten. Andere hatten gesagt: Johannes der Täufer, Elia, Jeremia oder einer der Propheten; das waren alles Männer, die schön vor Gott waren, doch Er war schöner, und so sagt Petrus: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Matth. 16, 14-16). Er übertraf sie alle bei weitem.

Die Braut im Hohenliede sagt: „Das ist mein Geliebter“ (Kap. 5, 16). Welch eine Freude für Gott, wenn Gedanken, wie diese über Seinen Geliebten, einen wahrhaftigen Ausdruck durch eines von unseren Herzen finden! Dieser Psalm ist „ein Lied über den Geliebten“ (Überschrift). Es werden darin nicht nur Seine sittlichen Vollkommenheiten anerkannt, sondern Er ist der Geliebte unserer Herzen geworden, Er ist unseren Herzen das geworden, was Er Gott ist: Er ist Gottes Geliebter sowie der unsere. In welch inniger Zuneigung sind wir mit Gott und dem Geliebten verbunden!

Bis dahin haben wir in unserem Psalm das Gefäß. Alles in dieser Welt, was göttliche Schönheit und Tadellosigkeit in den Augen Gottes besitzt, übertrifft und übersteigt es und setzt es beiseite. Ich war gewohnt, in diesem Vers einen Hinweis auf den natürlichen Menschen zu sehen, doch es hat mir geholfen, als ich sah, dass alles, was „schön vor Gott“ war, in diesem Einen übertroffen und verklärt ist. Nun sagt Gott gleichsam, dies ist das Gefäß, das ich mit meiner Gnade erfüllen werde, damit Er sie euch gegenüber zum Ausdruck bringe.

„Holdseligkeit ist ausgegossen über deine Lippen“ (V. 2). Zuerst sehen wir das Gefäß, also das, was Er persönlich ist, und dann die über Seine Lippen ausgegossene Holdseligkeit. In jenem Vollkommenen finden alle die kostbaren Gedanken Gottes den Menschen gegenüber. ihren Ausdruck. Alles war in diesem Gefäß enthalten, damit es zu dir und mir ausfließe.

Das haben wir im Evangelium des Lukas. Dort wird Er als das Gefäß, nicht als die Quelle, angesehen. Da sehen wir das Gefäß und sodann, was hineingetan ward, und damit steht das Wohlgefallen Gottes an Ihm in Verbindung. In Sprüche 8 sagt die Weisheit, der Pflegling der Liebe Gottes: „Ich... war Tag für Tag seine Wonne“, doch inwiefern? Als „vor ihm mich ergötzend ...auf dem bewohnten Teile seiner Erde, und meine Wonne war bei den Menschenkindern“ (V. 30 u. 31).

Gottes Wonne an Ihm steht in Verbindung mit der Tatsache, dass Gott in Ihm alle Seine Gedanken der Gnade gegen die Menschen zum Ausdruck gebracht hat. So geschah es bei Seiner Taufe, als der Herr Seinen Platz unter dem bußfertigen Überrest einnahm. Zu dieser Zeit öffnete Gott die Himmel, um zu sagen: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe“ (Matth. 3, 17). Sowie Er Seinen Platz unter den Menschen einnahm, findet Gott Sein Wohlgefallen an dem Gefäß Seiner unendlichen Gedanken der Gnade.

Gott möchte unsere Herzen mit Gedanken über Christum füllen. Denken wir an die Gnade im Evangelium Lukas in den Kapiteln 4, 5, 7, 14, 15, 16 und 23; da haben wir eine wahre Hochflut des Herzens Gottes, den Ausdruck der Gnade des Himmels in Christo. Öffentlich wird dies in der zukünftigen Welt gekannt werden, und Wunder der Wunder, wir kennen es jetzt!

„Darum hat Gott dich gesegnet ewiglich“, heißt es dann in Vers 2. Er hat Ihn auf immerdar gesegnet. Das führt uns zu der neuen Stellung, in der Er jetzt gefunden wird. All die Gnade, deren Gefäß Er hienieden war, besteht in Ihm, dem erhöhten und verherrlichten Menschen, fort. Er ist auf immerdar zur Rechten Gottes gesegnet. Das ist der große Gegenstand des Zeugnisses zu Anfang der Apostelgeschichte. Was auch in Ihm als einem demütigen Menschen an Gnade zum Ausdruck kam, sehen wir in Ihm, dem verherrlichten Menschen.

Alles in Psalm 45 hat Christum zum Mittelpunkt, ist von Ihm erfüllt, und das ist die wahre Frucht geistlicher Freiheit. Wenn ich die Lehre von Psalm 42, 43 und 44 in mich aufgenommen habe, so werde ich in diesem Seelenzustande sein. Wenn aber nicht, so sollte ich darum bitten. Wir können dies mit keiner Ungewissheit im Herzen tun; denn Gottes Absicht ist es, dass wir das haben. Er hat uns im Blick hierauf göttlich belehrt.

In der zukünftigen Welt führt Gott öffentlich, gemäß Vers 4, Wahrheit, Sanftmut und Gerechtigkeit ein, und wo das nicht durch göttliche Unterweisung zustande kommt, wird Er dies in göttlicher Kraft tun. Das Schwert und die Pfeile von Vers 3 - 5 greifen da ein, damit die Segnungen der Wahrheit, Sanftmut und Gerechtigkeit die Erde erfüllen.

Diese Eigenschaften jedoch sind schon jetzt in den Herzen der Heiligen gekommen. Wenn Wahrheit, Sanftmut und Gerechtigkeit einen Platz in mir haben, so ist die zukünftige Welt in mir, obwohl ich noch nicht in ihr bin. Psalm 45 entspricht in gewissem Sinne dem Hebräerbrief. Was die zukünftige Welt erleuchtet, ist die Herrlichkeit Christi.

Obwohl das nun noch nicht öffentlich geschehen ist, brauchen wir nicht zu warten. Wir können jetzt schon Jesum mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt sehen (Hebr. 2, 9). Wir können Ihn in Seiner Herrlichkeit und Seinem Reiche sehen und in der innigsten persönlichen Verbindung mit Ihm stehen.

Es ist etwas Wunderbares, die Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi, Jesu unseres Herrn, zu haben. Sie macht uns vor allem, was nicht Christus ist, frei. Die Frage ist, wovon wird mein Herz in Anspruch genommen? Der Psalmist war mit gutem Worte und dem, was den König betraf, erfüllt. Wie unermesslich ist es, wenn unser Herz etwas über Christum zum Ausdruck bringt und von dieser guten Sache erfüllt ist!

Gott hat alles, was Christus ist, und all Seine Gnade in einem Gefäße unvergleichlicher Schönheit, Kostbarkeit und Anziehungskraft zum Ausdruck gebracht. Es gibt Einen, der schöner ist als die Kinder der Menschen, Einen, der sie alle übertrifft, und das nicht nur die Kinder der gefallenen Menschen, sondern solche, die göttliche Schönheit besaßen, wie ein Abraham, Mose und David.

„Holdseligkeit ist ausgegossen über deine Lippen“. Gott hat alle Seine Gunstbezeugungen den Menschen gegenüber den Lippen jenes gelobten Menschen anvertraut, es ist inmitten all unserer Entfernung und unseres Unglaubens zu uns gekommen. Gott hat uns alles Ihm Entsprechende und dem Herzen Anziehende in Christo gebracht. Es gibt keinen, der es mit Ihm aufnehmen könnte, keinen Ihm Ebenbürtigen, Er steht allein da! Ein Derartiger ist es, in dem Gott uns Seine Gnade nahe gebracht hat, und Gott hat Ihn auf immerdar gesegnet. Er hat Ihn verherrlicht, weil Er so überaus vortrefflich ist.

Gott führt Wahrheit, Sanftmut und Gerechtigkeit ein. Gott steht im Begriff herbeizuführen, dass alles Christo weichen muss, und wenn es der Anziehungskraft Seiner Person und Seiner Lippen nicht weichen will, so erreicht Er das durch das Schwert, die Pfeile und die Stärke Seiner rechten Hand.

Gott hat einen Jeden von uns aufgenommen, damit, Seinem ewigen Vorsatze gemäß, alles in uns Christo weiche und in unseren Seelen die Gott entsprechenden Züge, also die Christi, entfaltet werden. Diese sind Wahrheit, Sanftmut und Gerechtigkeit. Wir können sie daher erlangen. Auf diesen Eigenschaften beruht die Macht des Reiches, wie es in Vers 6 und 7 mit den Worten zum Ausdruck kommt: „Dein Thron, o Gott, ist immer und ewiglich, ein Zepter der Aufrichtigkeit ist das Zepter deines Reiches. Gerechtigkeit hast du geliebt und Gesetzlosigkeit gehasst; darum hat Gott, dein Gott, dich gesalbt mit Freudenöl, mehr als deine Genossen.“

Es ist wunderbar, zu sehen, was das Reich im Besitze des Sohnes der Liebe des Vaters zustande bringt. Es bringt uns dahin, das zu lieben, was Christus liebt, und das zu hassen, was Er hasst. Das Reich umfasst Seine Person. Deshalb können wir nicht unter den Einfluss Christi kommen, ohne das zu lieben, was Er liebt, und das zu hassen, was Er hasst, und insoweit das bei uns wahr geworden, befinden wir uns im Reiche des Sohnes der Liebe des Vaters (Kol. 1, 13).

In diesem Reiche gibt es keine willkürliche Herrschaft. Welch ein wunderbares Reich, wo die Untertanen lieben, was der König liebt, und hassen, was Er hasst! Solche sind passende Genossen für Ihn. Eben das kommt hier vor uns; das Reich besteht, damit der König Genossen habe. Er braucht Genossen, die in sittlicher Hinsicht ganz mit Ihm übereinstimmen. Ohne ein solches Geschlecht könnten wir nicht an die Versammlung denken. Der Gedanke des Reiches geht dem der Königin voraus. Auf den Einfluss des Reiches kommt es an; Obergewalt kann willkürlich sein, nicht so der Einfluss, er ist sittlicher oder geistlicher Art. Die Obergewalt des Reiches ist in keiner Hinsicht willkürlich, sie kommt in sittlicher Hinsicht dadurch zur Geltung, dass Gott angemessene Einflüsse auf uns wirken lässt. Es ist eine Ordnung der Freiheit und Liebe und nicht der Knechtschaft.

Es ist etwas Wunderbares, das Bewusstsein zu bekommen, passende Genossen Christi zu sein. Wer sagt in Vers 7„Darum hat Gott, dein Gott, dich gesalbt mit Freudenöl“?

Ich denke, der Heilige, der es geistlich sah. Das Weib, das Ihn am Ende der Evangelien salbte, hatte das Bewusstsein, dass Er der Gesalbte war, und wenn Er Gottes Gesalbter war, so war Er auch, der ihrige, und so verwandte sie alles auf Ihn. Das Salben hat es mit Wohlgeruch zu tun, und so ist es auch hier.

Wir sind geneigt, dabei mehr an das Amtliche zu denken. Es ist amtlich bei der Salbung des Priesters oder des Königs; doch in diesem Psalm haben wir nicht die amtliche Salbung vor uns, da hier von Freudenöl die Rede ist. Das kann nichts mit Amtlichem zu tun haben. Er hat in Seiner Freude Genossen, solche, denen etwas von dem Wohlgeruch eigen ist, der von Ihm ausgeht. Ich glaube nicht, dass wir Ihn salben können, ohne etwas von Seiner Wohlgeruch an uns zu haben.

Das Weib in den Evangelien goss solchen über Ihn aus, doch sie trug etwas davon mit sich fort. Dieser Psalm zeigt uns das, was persönlich von Christo erkannt wird, noch ehe alles, was Er ist, öffentlich erkannt wird. Wir sind hier innerhalb der königlichen Gemächer, denn es heißt in Vers 13: „Ganz herrlich ist des Königs Tochter drinnen.“ Es wird nicht gesagt, dass sie draußen herrlich ist. Sie ist dies in der Abgeschlossenheit der Stätte, wo Christus gekannt und genossen wird und göttliche Gedanken erkannt werden.

„Myrrhen und Aloe, Kassia sind alle deine Kleider“ (V. 8) redet vom Wohlgeruch Seiner Person. Es ist eine besondere Wonne, den Wohlgeruch Christi zu erfassen. Das ist etwas anderes als Seine sittliche Vollkommenheit. Es geben alle zu, dass Er schöner als die Söhne der Menschen ist. In Ihm, der Gerechtigkeit geliebt und Gesetzlosigkeit gehasst hat, ist jede sittliche Vollkommenheit zu finden. Er ist somit fähig, in Seiner Person der Ausdruck des Reiches Gottes zu sein.

Doch der Wohlgeruch hat etwas Eigenartiges an sich: alle Seine Kleider sind von der Salbung durchdrungen, die über Ihn ausgegossen ist. Wenn der Priester gesalbt wird und das Öl herabfließt auf den Saum seiner Kleider (Ps. 133, 2), so werden auch diese wohlriechend. Hier werden dieselben Gewürze erwähnt wie im heiligen Salböl (2. Mose 30,23.24).

In ganz besonderer Weise stieg der Wohlgeruch Christi in Seinem Tode zu Gott empor. Das sollte unseren Geist anregen und wir sollten ernstlich danach verlangen, mehr und mehr davon ergriffen zu werden. Wir werden bekehrt, geben das offenbar Schlechte auf und kommen unter das Volk Gottes, daselbst eignen wir uns ein gewisses Betragen und Benehmen an, in dem vielleicht etwas zum Wohlgefallen Gottes sein kann, doch inwieweit ist unser Geist davon erfasst? Wieviel vom Wohlgeruch Christi umgibt uns?

Gott ist der Vater der Geister, Ihm ist nicht soviel an unserem Betragen wie an unserem Geiste gelegen, denn wenn unser Geist recht steht, so wird es auch unser Betragen sein. Mein Geist ist, was ich bin, er ist das wahre Ich. Es ist gesegnet, an den Wohlgeruch Christi zu denken, der in Seinem Tode offenbar wurde. Im Neuen Testament werden Myrrhe und Aloe mit Ihm in Seinem Tode verbunden, Nikodemus brachte sie. Matthäus, Markus und Lukas erwähnen das nicht, das war Johannes vorbehalten.

In Matth. 27, 59, Mark. 15, 46 und Luk. 23, 53 wird die feine Leinwand erwähnt, deren Reinheit Matthäus besonders betont, doch diese Gewürze nicht. Daraus sehe ich, dass sie mit Seiner Person in Verbindung stehen, so dass wir sie in Johannes zu finden erwarten durften. Hundert Pfund dieser Gewürze führt er an; sie werden mit Christo im Tode einsgemacht. Da haben wir ein Wohlgeruch einer derartigen Person, wie sie Johannes darstellt, als diese im Tode liegt. Matthäus stellt Ihn als das Schuldopfer, Markus als das Sündopfer dar, in Lukas geht Er der Gnade Gottes gemäß in den Tod; doch in Johannes handelt es sich um Seine Person.

Welch ein Wohlgeruch leidender Liebe steht mit Seiner Person in Verbindung! Da haben wir einen seltenen und eigenartigen Wohlgeruch, und wir können nur fühlen, wie wenig wir davon kennen. Wir verstehen und kennen wohl ein wenig von dem Werte Seines Werkes, Gott aber möchte uns durch den Wohlgeruch, der im Tode Seines geliebten Sohnes offenbar ward, ungemein anregen. Der Herr möchte uns gern dahin leiten, den ganzen Wohlgeruch Seiner Person zu schätzen, der unter dem Auge Gottes in Seinem Tode zum Ausdruck kam.

Frage: Ist das derselbe Gedanke wie in Eph. 5, 2, wonach der Christus sich selbst für uns hingegeben hat als Darbringung und Schlachtopfer, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch?

C. A. C.: Ja, da kommt der Wohlgeruch vor uns Die Versammlung, die Königin, wird durch dessen Wertschätzung gestaltet.

Frage: Würde uns da das Buch Esther helfen?

C.A.C.: Ja, Esther wurde durch köstliche Salben gereinigt (Esther 2,12). Der Herr braucht eine Braut, deren innerste Empfindungen, Gemütsbewegungen und Gefühle mit den Seinen übereinstimmen, und dies nicht nur in sittlicher Hinsicht; sondern diesem unbeschreiblichen Wohlgeruche gemäß.

Der große Gedanke in diesem Psalm ist, dass wir zu Seinem Wohlgefallen sind, also nicht das, was wir tun. Es handelt jeden Schar zum König; seien es die Genossen, die Königin oder die Jungfrauen, sie alle stehen in unmittelbarer Beziehung zu Ihm. Wir sollten ein starkes persönliches Bewusstsein unserer Verwandtschaftsbeziehung zu Christo pflegen, so dass wir Ihn lieben und Er uns liebt; das ist etwas innig Persönliches. Wir sind ein gut Teil damit beschäftigt, von Seiner Liebe und Gesellschaft angeregt zu werden, und können das sein, doch wir sollten etwas anderes erwägen, nämlich, wie Er von unserer Liebe berührt wird. Unsere Liebe berührt Ihn. Er hat uns gesagt, dass Ihn unsere Liebe tief bewegt, und zwar derart, dass Er zu uns kommen will. Seine Worte lauten: "Wenn ihr mich liebet, so haltet meine Gebote; und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Sachwalter geben" (Joh.14, 15.16), und dann sagt Er in Vers 18: "Ich komme zu euch." Damit sagt Er gleichsam: Wenn ihr mich liebt, komme ich zu euch.

Denken wir, dass der Herr Seinem in Liebe zu Ihm versammelten Volke fernbleiben könnte? Das kann Er nicht, das bewegt Ihn so sehr, dass Er zu ihnen kommt. Ich möchte gern etwas von der Freude kennen, die Er an der Liebe der Seinen hat. Im Hohenliede wird der Geliebte durch die Liebe der Braut gefesselt. Bieten wir dem Herrn die Gelegenheit, uns wirklich zu lieben?

Was diesen Wohlgeruch anlangt, so verbindet die Schrift Myrrhe und Aloe mit Christo in Seinem Tode, sie bietet uns aber sehr wenig Anhalt, die Bedeutung von Kassia festzustellen. Ich vermute, es weist auf den Wohlgeruch Christi als Mensch hin, der mit Ihm in die Auferstehung hinüberging. In dem Herrn war etwas vorhanden, das unverändert in den Kreis der Auferstehung eingehen konnte.

Als der Herr Sein Leben ließ und den Fleisches und Blutzustand aufgab, war in Ihm als Menschen hienieden .eine unermessliche Segensfülle entfaltet worden, die in der Auferstehung unverändert blieb. Denken wir an Seine Freude und Wonne in Gott, Seine Liebe zu Seinem Volke, all Seine Herzenszuneigungen, alles, was die Seele des Herrn beherrschte - die Schrift sagt von Seiner Seele: "Du wirst meine Seele nicht im Hades lassen" (Apg. 2, 27; Ps. 16, 10) - all Sein Inneres ward ohne einen Wandel in die Auferstehung übergeführt. Das ist für uns von großer Wichtigkeit, weil alles, was bei uns einer geistlichen Ordnung angehört, ohne Wandel in die Auferstehung übergeht. Uns kann jetzt ein Wohlgeruch eigen sein, der nicht den geringsten Wandel erleiden würde, wenn wir in die Auferstehung übergingen, er ist etwas Unwandelbares.

Der Herr möchte uns üben, derart am Wohlgeruch Christi teilzuhaben, dass wir Eigenschaften und Wesenszüge erlangen, die geraden Wegs in die Auferstehung eingehen. Was wir nicht dahin mitnehmen können, ist nicht von Bedeutung. Im christlichen Kreis haben wir es mit dem zu tun, was unverändert in den der Auferstehung übergehen kann. So kann ich zum Beispiel Gott preisen - wird das nicht in die Auferstehung hinübergehen? Wenn ich Gott, Christum und die Brüder liebe, werden nicht alle diese in geistliche Zuneigung und Gefühle in die Auferstehung übergehen?

Deshalb ist dem Herrn so daran gelegen, dass wir ewiges Leben genießen, weil nichts davon hier zurückgelassen wird. Wir können etwas erlangen, was ganz und gar verschieden von dem ist, was uns anhaftete, als wir in die Welt kamen. Die Königin steht in Gold von Ophir da, sie trägt ein neues Kleid, das sie nie zuvor anhatte.

Haben wir die Tatsache in Betracht gezogen, dass wir auf eine gänzlich neue Weise dastehen werden, um für Christum passend zu sein, und dass uns Gott das Allergrößte völlig frei zuteil werden lässt?

Der verlorene Sohn ist hierfür die beste Erläuterung; alles ihm von Natur Eigene waren: Eigenwille, den Lüsten frönen, Armut und Lumpen. Doch damit war es vorbei, es kam zu einem ganz neuen Anfang, wo alles zum Wohlgefallen des Vaters war, zu dem besten Kleid, dem Ring und den Sandalen. Alles das war vollkommen und von Gott, und so ging er in das Haus als eine Zierde desselben, als ein Gegenstand der Freude des Vaterhauses. Die Königin steht in Gold von Ophir da, nichts ist vorhanden, was dem Natürlichen angehört, alles ist geistlich.

Es ist anziehend, in diesem Psalm die innige Verwandtschaftsbeziehung, die aufgerichtet worden ist, zu sehen. Im Hohenliede finden wir die Königin nicht, dort kommt es nicht zur Hochzeit, da haben wir das Auf und Nieder, das Ein und Aus, das unseren Erfahrungen entspricht. In Psalm 45 dagegen kommen wir zur Beständigkeit der Zuneigung.

 

Psalm 45 (Fortsetzung)

Wir betrachteten letzte Woche den 45. Psalm. Er stellt uns Christum vor, wie Er in der zukünftigen Welt gekannt wird. Inzwischen ist es unser Vorrecht, die gesegnete Erkenntnis Seiner Selbst zu haben, sowohl dessen, was Er persönlich ist, und der kostbaren über Seine Lippen ausgegossenen Gnade, die in Ihm als einem Menschen auf Erden ihren Ausdruck fand sowie die Seines Platzes in der Herrlichkeit. Gott lehrt uns, dass alles Christo Raum geben muss. Wird ihm dieser nicht kraft der Gnade und Liebe zuteil, so wird das durch Schwerter und Pfeile geschehen. Seine Feinde werden zum Schemel Seiner Füße gemacht (Ps. 110, 1).

Inmitten des allgemeinen Verfalls dürfen wir keine nach außen hin angesehene Stellung erwarten, unsere Vergünstigung liegt vielmehr in einer zunehmenden Erkenntnis Christi. Äußerlich ist die denkbar schwächste Stellung unser, doch innerlich können wir eine derart gesegnete Erkenntnis Christi erlangen, wie sie Weise kennzeichnet.

Wie erwähnten letzte Woche, dass Myrrhe und Aloe in Verbindung mit den Leiden Christi stehen. Alles, was mit Seiner Person zusammenhängt, ist seinem größten Wohlgeruche nach in Seinem Tode zum Ausdruck gekommen. Jedes Amt, das Er ausfüllt, jeder Dienst, den Er tat, jede Ihm als Menschen anhaftende Herrlichkeit ward dadurch in Mitleidenschaft gezogen, dass Er im Tode lag. Dieser Wohlgeruch ist Ihm infolge dessen eigen, dass Er im Tode war.

In den Wegen Gottes hat alles Christo Eigene durch Seinen Tod einen Wohlgeruch erlangt. Der König musste der Leidende sein, und der Wohlgeruch Seiner Person ward in Seinem Tode offenbar. Alle Seine Vollkommenheiten sind als ein lieblicher Wohlgeruch vor Gott zum Ausdruck gekommen, alle, die Ihn lieben, erfassen das.

"Myrrhen und Aloe, Kassia sind alle deine Kleider" (V. 8), sie tragen den Wohlgeruch der Liebe, die Ihn durch solch ein erstaunliches Leiden samt dessen Kummer führte - der König ward zum Leidenden. Der König hat auch Genossen, Er hat nicht nur Untertanen, sondern Genossen, die lieben und hassen, was Er liebt und hasst, und auf die der Weg, den Er gegangen, einen mächtigen Einfluss hat.

Wir haben gelernt, wie sehr Er Gerechtigkeit liebte. Er starb, um sie aufrechtzuerhalten, und Er hasste Gesetzlosigkeit und starb, sie hinwegzutun. Alles, was mit Bezug auf uns zum Troste und Wohlgefallen Christi erreicht worden ist, ward auf Kosten Seines Todes gesichert. Alles hat Er durch den Tod erreicht, auch das, was in uns zum Wohlgefallen Gottes ist, und dadurch kommen wir zu Elfenbeinpalästen.

"Aus Palästen von Elfenbein erfreut dich Saitenspiel" (V. 8). Solche Paläste wurden Christo gesichert, alle Teile derselben wurden durch den Tod gewonnen. Der Elefant ist ein ansehnliches Tier, sein Elfenbein aber wird nur durch den Tod erlangt. Mein Eindruck ist, dass jeder Palast für Christen nur durch den Tod zustande kommt.

Nach welchen Grundsätzen können wir Christo Elfenbeinpaläste sichern? Nur dadurch, dass wir den Tod auf unsere Glieder, die auf der Erde sind, anwenden (Kol. 3, 5). Wir müssen den Tod als eine Waffe gebrauchen. Es handelt sich in Kolosser 3 um unsere sterblichen Glieder.

Jeder von uns könnte nach denselben Grundsätzen wie die Leute der Welt leben, wir könnten alles zu unserer Selbstbefriedigung gebrauchen, unseren Neigungen leben, die uns von angeboren sind, doch darin ist nichts für Christum.

Wer Christum liebt, hat gelernt, den Tod auf alles das anzuwenden, damit etwas für Christum gesichert werde, nämlich ein Elfenbeinpalast IHM. Jedes bisschen Elfenbein redet vom Tode. Was ziehen wir vor, uns selbst zu leben oder Christo einen Elfenbeinpalast zu sichern?

Als ein in dieser Welt Lebender könnte ich etwas tun, was mir Freude macht. Stattdessen aber wende ich den Tod darauf an, damit Christus einen Palast habe. Gerade dadurch, dass unser Herz in Tätigkeit tritt, wird Ihm etwas gesichert, und Seinem Maße gemäß kann das ein Palast sein, aus dem Ihn Saitenspiel erfreut.

Sollten wir nicht danach verlangen, etwas zur Freude Christi beizutragen? Das wendet sich in hohem Maße an den Jüngsten. Von Natur könnten wir an keinen Elfenbeinpalast denken, wohl aber geistlich als eine Stätte der Aufnahme für Christum, deren jeder Teil kraft unserer Liebe zu Ihm durch den Tod des uns von Natur Eigenen gesichert worden ist. Viele versuchen oft, das nicht aus Liebe zu tun, doch dieser Psalm ist die Sprache eines Liebenden, der genug in Christo gefunden hat, sein Herz zu beherrschen. Diese Person ist uns eine Verpflichtung, und in jener Zuneigung können wir einen Elfenbeinpalast bereiten. Das steht dem Jüngsten offen.

In dem Elfenbeinpalaste sind Saiteninstrumente. Kraft unserer Liebe empfängt Christus aus ihnen eine Antwort.. Bedenken wir, dass es möglich ist, etwas auf unseren Herzen zu haben, was den verherrlichten Christus erfreut, und dadurch zu Seiner Freude beitragen zu können!

Das erfordert große Achtsamkeit, denn ein Saiteninstrument ist sehr empfindlich und kommt leicht aus der Stimmung. Es muss sorgfältig abgestimmt werden. Kein großer Musiker wird eine Geige so gebrauchen, wie er sie nach seinem letzten Spiele beiseite stellte. Sie muss wieder sorgfältig gestimmt werden.

Wenn wir einen Elfenbeinpalast und Saiteninstrumente haben, so ist sorgfältig darauf zu achten, dass unsere Zuneigungen nicht außer Stimmung sind, so dass der Wohlklang dadurch gestört wird, denn wir sind dazu berufen, der Freude Christi zu dienen.

Wir betrachteten, was Christus in unseren Augen ist. Doch nun handelt es sich darum, was wir für Ihn sind. Wir haben Seine persönliche, amtliche und königliche Herrlichkeit gesehen, doch woran hat Er Wohlgefallen? Da kommt unsere Seite in Frage. Wir haben das große Vorrecht, für Saiteninstrumente zu sorgen; doch wir müssen wieder und wieder unter die Hand des Hauptmusikers kommen, um der Höhe des rechten Eignungsmaßstabes entsprechend gestimmt zu werden.

Unser Psalm ist einer der Psalmen für den Vorsänger oder Hauptmusiker. Es handelt sich darum, wie die Musik Seinem Ohr erklingt. Bedenken wir, dass die Musik Christi Ohren wohl zu erklingen hat! Nichts könnte unseren Geist so in die rechte Stimmung versetzen wie des Herrn Abendmahl, worin Er Sich uns immer wieder in einer frischen Weise darbietet.

Der große Vorteil eines Liebenden ist, Offenbarungen von Ihm zu bekommen. Durch sie werden die Instrumente gestimmt. Ich glaube, wir sollten nicht meinen, dass es Offenbarungen nur einmal in hundert Jahren gibt.

Viele denken, dass nur J.N.D. und J. B. S. sie gehabt hätten, doch Christus verfährt mit jedem Ihm gehorsamen Liebenden in derselben Weise. So ist der ordnungsgemäße Lauf überragender und glückseliger Liebe. Er kann Sich keinem Liebenden vorenthalten. Wenn ich keine Offenbarungen bekomme, ist an mir nicht viel von einem Liebenden.

Ich weiß nicht, wie es zustande kommt, doch der Herr vermag Sich Selbst in einer ganz unverkennbaren und geistlichen Weise vor uns zu bringen, so dass unsere Herzen einen frischen Anlauf, eine frische Anregung bekommen, und dann ist das Instrument gestimmt.

Haben wir jedoch keinen Elfenbeinpalast, so haben wir auch keine Saiteninstrumente. Du musst den Tod auf das anwenden lernen, was dir als einem Kind Adams eigen ist, und tust das in Kraft der Liebe, weil du einen Platz für Christum begehrst. Jedes bisschen Elfenbein wird auf Kosten des Lebens gewonnen. Wieviel haben wir auf diese Kosten für Christum gesichert?

Wir können nun sehen, wie alles dieses die sittliche Grundlage für die Wahrheit der Königin bildet. Christus hat in sittlicher Hinsicht Genossen, die Gerechtigkeit lieben und Gesetzlosigkeit hassen. Sie werden durch eine solche Zuneigung gekennzeichnet, dass sie Elfenbeinpaläste bauen und Saiteninstrumente darin haben.

Diese Gedanken insgesamt geben uns einen Begriff von der Unterwürfigkeitsseite. Im letzten Teile des Psalms haben wir die Königstöchter, die Königin, die Tochter Tyrus und danach hauptsächlich des Königs Tochter (V. 9 - 13). Es handelt sich da um das Weibliche, die Unterwürfigkeitsseite, um das, was in den Heiligen für das Herz Christi ist. Begehren wir in diesen letzten Tagen, kurz vor der öffentlichen Aufrichtung des Reiches, für Christum zu sein, so ist das eine wunderbare Unterweisung.

Man kann sagen, dieser Psalm redet von Christo und der Versammlung. Die Versammlung tritt an den Platz der Königin und der Königstochter. Streng genommen bezieht sich das zweifellos auf Jerusalem, das die Königin sein wird. Ihr Name wird "Vermählte" sein, und Gott wird Sich über Jerusalem freuen wie der Bräutigam über die Braut (Jes.62, 4.5).

Gegenwärtig ist die Braut eine Stadt, und die Königin ist eine Stadt. Der König muss eine Stadt haben. Gegenwärtig hat die Versammlung diesen Platz. Als Johannes gerufen wurde, die Braut zu sehen (Offb. 21, 9), wurde ihm eine Stadt gezeigt, woraus wir sehen, dass der Geist Gottes die Braut und die Stadt als eines hinstellt.

Frage: Haben wir in der Stadt einen Hinweis auf Regierung?

C. A. C.: Zweifellos steht die Stadt in Beziehung zur Verwaltung, doch hier haben wir den Gedanken, das die Königin zur Freude des Königs ist. Die Versammlung wird das Herz Christi dadurch befriedigen, dass sie alle die Züge dieser Stadt trägt. Sie werden im Bilde in ihr dargestellt, und das macht sie Christo anziehend.

Zuerst haben wir die Königstöchter, sie stellen die Heiligen ihrer königlichen Herkunft nach dar. Wir sind aufgrund unserer erhabenen Abstammung für Christum passend. Haben wir gelernt, uns als Königstöchter zu erachten? Bedenken wir, wie erhaben die Heiligen als aus Gott geboren sind! Wir gehören einem geistlichen Stammbaum an, der uns passend macht, in dieser wunderbaren Beziehung zu Christo zu stehen. Johannes sagt: "Ihr seid aus Gott" - das ist unser Ursprung - "Ihr seid aus Gott, Kinder, und habt sie überwunden" (1. Joh. 4, 4). Die Heiligen gehören einem derartigen Geschlecht an, dass sie Kraft haben, Antichristen zu überwinden.

Es ist lehrreich, diese verschiedenen Gedanken vor uns zu haben. Die Königin steht in Gold von Ophir da, weiter unten besteht ihr Gewand aus Goldwirkerei und Buntstickereikleidern. Das sind drei verschiedene Gedanken, doch sie kommen alle in den Heiligen zustande.

Frage: Was ist Gold von Ophir?

C.A. C.: Ich dachte, es stellt die durch göttliche Gnade verliehene Herrlichkeit dar. Am Tage der Zukunft, wenn Israel als die Wonne Jehovas erkannt werden wird, wird die Königin in den Genuss der Gunst Gottes in Christo gebracht sein. Die Folge davon ist öffentliche Herrlichkeit, die dem Gold entspricht und von den Nationen rings umher anerkannt werden wird.

Im Christentum begreift der Dienst der Gerechtigkeit und des Geistes in sich, dass die Heiligen mit einer Herrlichkeit angetan sind, die im Zeugnis ausstrahlt. Von diesem Dienste heißt es in 2. Kor. 3, 11, dass er in Herrlichkeit besteht. Als solche, die den Geist als Darreichung von Gott empfangen haben, umgibt die Heiligen eine Herrlichkeit. Das gewirkte Gold ist mehr das in den Heiligen Gewirkte.

Gerechtigkeit und den Geist empfangen wir an und für sich als die zwei großen Segnungen, die Gott allen erteilt, die an den Herrn Jesum Christum, den Herrn der Herrlichkeit, glauben. Goldwirkerei aber weist auf Gestaltung hin, auf das Werk Gottes, das beginnt, wenn wir Gerechtigkeit und den Geist empfangen haben. Als eine Schriftstelle hierfür würde ich auf das Gebet Pauli in Epheser 3 hinweisen, eine bessere weiß ich nicht. Dieses Gebet findet seine Antwort darin, dass wir mit Kraft gestärkt werden durch den Geist des Vaters an dem inneren Menschen, auf dass der Christus durch den Glauben in unseren Herzen wohne, und damit wir mit allen Heiligen zu erfassen vermögen, "welches die Breite und Länge und Tiefe und Höhe sei, und zu erkennen die die Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus, auf dass ihr erfüllt sein möget zu der ganzen Fülle Gottes. Dem aber, der über alles hinaus zu tun vermag, über die Maßen mehr, als was wir erbitten oder erdenken, nach der Kraft, die in uns wirkt, ihm sei die Herrlichkeit in der Versammlung in Christo Jesu, auf alle Geschlechter des Zeitalters der Zeitalter hin!" (V. 18 - 21).

Da haben wir das gewirkte Gold, es gewinnt durch Gebet Gestalt. Ich glaube, das vom Geiste Gewirkte kommt unter tiefer Übung zustande, und jede Übung läuft auf Gebet hinaus. Unsere Gebete offenbaren das Maß unserer geistlichen Übung. Das von Gott Gewirkte kommt in einem Gebetskreise zustande - da wirkt Gott. Durch bloßes Anhören von Dienst wird nichts Göttliches in uns gewirkt, es heißt: "Der uns aber eben hierzu bereitet hat, ist Gott" (2. Kor 5, 5)

Die Frage ist: Wie groß bin im Blick auf meine Versetzung in die himmlische Stadt? Das bildet das Maß des in mir von Gott Gewirkten. Viele haben Gerechtigkeit und den Geist, doch sie haben sehr wenig Übung und Gebet, sehr wenig, was sie von Gott erwarten, und so ist wenig geistliche Gestaltung vorhanden. Nur ein ganz klein wenig von reinem Golde, um in die Stadt einzugehen, nur reines Gold ist in der Stadt.

Wie groß bin ich im Blick auf diese Stadt? Gerade so groß wie das, was göttlich in mir gewirkt ist, denn nichts anderes geht daselbst ein. Gott wirkt in den Heiligen, damit sie geeignet sind, in die Stadt einzugehen.

Diese beiden Gedanken sind hilfreich. Sie zeigen uns, wie wir in die göttliche Herrlichkeit eingekleidet sind und auch, wie wir Gegenstände der göttlichen Wirksamkeit werden.

Das dritte bilden die Buntstickereikleider, damit kommen wir zu unserer Seite. Sie werden Stich für Stich gearbeitet. Offenbarung 19 sagt uns, dass es der Braut gegeben ward, in feiner Leinwand gekleidet zu sein, die die Gerechtigkeiten der Heiligen darstellt.

Buntstickereikleider entstehen dadurch, dass sich das Leben Christi in seinen Einzelheiten in den Heiligen auswirkt. Nur das, was vom Leben Christi in den Heiligen ausgeht, trägt die Wesensart der Gerechtigkeit. Das ist eine Sache täglicher Übung, und diese Kleidung wird Tag für Tag ausgearbeitet. Alles, was aus dem Leben Christi hervorgeht, was Gerechtigkeit vor Gott ist, wird dazu verwandt.

Es steht in Verbindung mit den Worten in Römer 8: "Der Geist aber Leben der Gerechtigkeit, wegen" (V. 10). Der Geist ist gekommen, die Kraft des Lebens zu sein, damit das Gerechte einen Platz bei uns habe, und das ist, sittlich genommen, das Leben Christi.

Wir haben eine göttliche Wirksamkeit in den Heiligen, und das gleicht der Goldwirkerei; doch des weiteren haben wir noch eine Auswirkung im Leben, und das ist unsere Seite davon.

Das wackere Weib von Sprüche 31 verwendet Fleiß auf die Einzelheiten des Lebens, und das Stich für Stich.

Gott stellt uns alles das zur Unterweisung in den letzten Tagen vor, und wir sollten es in uns aufnehmen, wenn wir in ihnen das Teil von Weisen haben wollen. Psalm 45 ist in gewissem Sinne der wichtigste der Maskilpsalmen, weil er die Person Christi sowie das, was zu Seinem Wohlgefallen ist, vor uns bringt.

Wortbetrachtungen über die Maskil-Psalmen

(Charles Andrew Coates)

 

Psalm 52 - 55

 

Der Hauptgedanke, den wir beim Lesen dieser Maskilpsalmen vor uns hatten, war, in ihnen die Umstände zu sehen, in denen sich das Volk und das Zeugnis Gottes in den Letzten Tagen befindet; der Geist Gottes hat sie gegeben, den Glauben und die Liebe in den Tagen vor der Aufrichtung des Reiches zu stärken. Es ist zu beachten, dass sehr wenige Psalmen und Schriftworte das tatsächlich errichtete Reich vor sich haben. Der größte Teil der Schrift, einschließlich der Psalmen, ist mit den Übungen und Erfahrungen, den Leiden und Triumphen des Volkes Gottes an Tagen beschäftigt, wo das Böse öffentlich die Oberhand hat und das Reich erwartet wird.

In den vier verlesenen Psalmen kommen wir zu Umständen, unter denen das Zeugnis aufrechtzuerhalten ist, der Glaube ist da die Stütze. Grundsätzlich haben wir zweifellos durch dieselben Übungen zu gehen wie die Unterwiesenen Israels, es tut uns wie auch ihnen not, weise zu sein.

Es ist sehr wichtig, unterwiesen oder einsichtig zu sein, damit das Zeugnis Gottes mit Einsicht abgelegt werde. Haben wir gemäß Psalm 45 Christum und das, was zu Ihm in Beziehung steht, geschätzt, so haben wir in Psalm 52 zu lernen, dass der tödlichste Widerstand unser Teil ist

Der Gewaltige von Vers 1 ist dem Volke Gottes Todfeind. Der Psalm weist zweifellos auf Doeg, den Edomiter, hin. Er stellt den Menschen nach dem Fleisch dar und war Sauls Hauptknecht, also der eines Mannes, der dem Fleische diente. Er schätzte Gottes Gesalbten nicht und war bereit, das, was heilig und priesterlich war, zu töten - er erschlug 85 Männer, die das leinene Ephod trugen (2. Sam. 22, 18). Er war bereit, die Priester zu töten, und wir stehen solchen Gewaltigen gegenüber.

In Psalm 45 lernten wir die Vortrefflichkeit Christi kennen, und dass Gott unsere Herzen erfüllt, das niederzuschreiben. Er ist jedem anderen Menschen überlegen, alles Herrliche steht in Verbindung mit Ihm. Der Antichrist ist demgegenüber tot, und wir befinden uns schon jetzt, sittlich genommen, in den Zeiten des Antichristen (1. Joh. 2, 18). Um uns sind viele Antichristen, obwohl der persönliche Antichrist noch nicht gekommen ist.

Was wird uns in der Gegenwart des Gewaltigen bewahren? Wenn ein Gewaltiger hienieden in tödlicher Auflehnung wider Gottes Gesalbten steht und alles das, was heilig und priesterlich ist, wie werden wir da aufrechterhalten? Der Herr tut das dadurch, dass Er uns zu grünen Olivenbäumen in Seinem Hause macht. An einem derartigen Tage vermag nichts Geringeres als geistliche Männer und Frauen etwas auszurichten. Ein Olivenbaum stellt einen geistlichen Mann dar, der geistliche Frucht trägt, und da haben wir auch Frische, denn es handelt sich um einen grünen Olivenbaum. Er ist kein Besucher des Hauses, er ist daselbst in dem Boden der Herzensgüte Gottes gepflanzt. Darauf wächst er und bringt im Hause Gottes Frucht.

Den Gegensatz davon sehen wir in Ps. 37, 35: „Ich habe einen Gesetzlosen gesehen, der gewaltig war und sich ausbreitete wie ein nicht verpflanzter grüner Baum.“- Das ist ein Hinweis auf den Antichristen, der der völlige Ausdruck dessen ist, was der auf seinem Heimatboden aufwachsende Mensch sein kann, und dies für sich selbst.

Die Luft ist heute voll vom Geiste des Antichristen, von dem, was der Mensch sich selbst sein kann, und was hält da wider stand? Nur geistliche Männer und Frauen, die alles der Herzensgüte Gottes entnehmen und dartun, was Er den Menschen sein kann, nur solche, die wie Christus in beständiger Abhängigkeit und im Vertrauen auf Gott leben. Christus erwies auf jedem Schritt, was Gott den Menschen sein kann, Er war der grüne Olivenbaum; doch jeder Heilige kann ein solcher sein. Gottes Herzensgüte ist nämlich der Boden, auf dem Sein Haus steht.

In den Übungen von Psalm 51 lernen wir Gottes Herzensgüte kennen. Psalm 45, der voll von Christo und der Pracht des Werkes Gottes ist, erfordert die Übungen von Psalm 51, weil ich, je mehr ich Christum schätze, um so tiefer in meinem Selbstgericht gehen muss, und es gibt keine tiefere Übung im Selbstgericht als die von Psalm 51. Gott erlässt keinem diese Übung, doch in ihr erfahren wir die Herzensgüte Gottes.

In Psalm 51 haben wir einen Mann völligen Versagens vor uns, und zwar nicht nur in seinem Tun, sondern auch in dem, was er ist. Doch er erfährt, dass er auch in den tiefsten Tiefen auf die Herzensgüte Gottes rechnen kann, und wenn das der Fall ist, so kann man immer auf sie rechnen.

Unsere Erkenntnis der Herzensgüte Gottes richtet sich nach dem Maße unseres Selbstgerichts. Petrus musste lernen, wozu er fähig war, und so wir alle. Es ist ein fester Grundsatz Gottes, dass wir das lernen müssen. Petrus glaubte nicht, was Gott sagte, und der Psalmist David hatte wahrscheinlich viele Psalmen vor diesem Psalm geschrieben, und nun hatte er diesen Weg zu gehen, damit er Gott kennenlerne und Ihn rechtfertige, und so sagte er: „Damit du gerechtfertigt werdest“ (V. 4).

Ein geistlicher Mann ist einer, der Christum schätzt und sich selbst verurteilt. Wenn wir die Psalmen 45 und 51 nebeneinander stellen, haben wir die zwei Seiten eines geistlichen Menschen, eine große Wertschätzung Christi und ein tiefes Selbstgericht. Alle Weisen haben diese Aufgaben zu lernen.

Damit meine ich nicht, dass wir eine große Sünde begehen müssen, um sie zu lernen. Das ist nicht der tiefste Weg, sie zu lernen. Wir können sie in der Gegenwart Gottes lernen, und dadurch lernen wir die Herzensgüte Gottes kennen.

Psalm 52, 1 lautet: „Die Güte Gottes währt den ganzen Tag“, und Vers 8: „Ich vertraue auf die Güte Gottes immerfort“, darauf vertraut die Seele.

Frage: Welchen Unterschied machen Sie zwischen Herzensgüte und Liebe ?

C.A.C.: Die Herzensgüte Gottes kommt in den Umständen zum Ausdruck, in denen sich Sein Volk befindet. Es ist ein schönes Wort, das in der englischen Bibel oft mit Erbarmen wiedergegeben wird, doch es bedeutet inniges Verlangen, Inbrunst. Es drückt die Wärme der Haltung Gottes den Menschen gegenüber aus, dass Er trotz der Sünde Seiner Geschöpfe Freude daran hat, ihre Hilfsquelle und Stütze zu sein.

Seine Liebe verbirgt sich dahinter, doch es deutet mehr darauf hin, wie Er Sich uns zur Verfügung stellt. Er ist so gütig und zart den Menschen gegenüber gesinnt, und darin sollten wir gewurzelt sein. Die Wertschätzung Christi vertieft das Selbstgericht und das Vertrauen auf die Herzensgüte Gottes.

Und dann haben wir den grünen Olivenbaum angesichts des Antichristen. Dieser Psalm wird in der Gegenwart des Antichristen erfüllt werden, und wenn dann, so können wir ihm jetzt im Voraus entsprechen. Da gibt es nichts Halbes. Wir wachsen entweder auf dem Boden unserer Natur auf oder als im Hause Gottes gepflanzt.

Bern.: In Psalm 36, 8 heißt es: „Sie werden reichlich gesättigt durch die Fettigkeit deines Hauses.“

C.A.C: Jawohl, und in Vers 7 heißt es dort: „Wie köstlich ist deine Güte, o Gott! daher nehmen die Söhne der Menschen Zuflucht zu deiner Flügel Schatten.“ Das ist eine der schönsten Schriftstellen, die es gibt. Die Söhne der Menschen können geradewegs zum Gnadenstuhl kommen und den Flügeln Jehovas vertrauen, und Gott wird so als die Quelle von allem erkannt, „sie werden reichlich gesättigt durch die Fettigkeit deines Hauses“.

Zweifellos ging David durch Übungen, die ihn befähigten, ein für Gott brauchbares Gefäß zu sein; doch grundsätzlich können wir sie auf uns anwenden.

Ohne diese Unterweisung können wir der Macht des Antichristen nicht standhalten, die alles aus dem Menschen macht, der auf dem ihm eigenen Boden aufgewachsen ist. Im Zeugnis Gottes ist das einzige, was Wert hat, ein grüner Olivenbaum im Hause Gottes, ein Mensch, der beständig auf die Herzensgüte Gottes vertraut.

In der Gegenwart eines Menschen, der schöner als die Kinder der Menschen ist, lernen wir uns selbst richten. Dann finden wir in Psalm 52 im Gegensatz zu dem Gewaltigen, der auf seinem eigenen Boden wächst, den geistlichen Menschen, der in so schöner Weise als ein grüner Olivenbaum im Hause Gottes bezeichnet wird, der, auf die Herzensgüte Gottes ver­trauend, alles aus Gottes Hand nimmt und erfährt, was Gott für den Menschen sein kann, wie auch Christus es erfuhr.

Im nächsten Psalm, dem 53., kommt der allgemeine Zustand des Menschen ans Licht. Die Menschen sind gemeinhin in einem derartigen Zustande, dass jeder von ihnen ausgehende Einfluss darauf ausgeht, Gottes Volk zu fressen. Es heißt in Vers 4: „Die mein Volk fressen, als äßen sie Brot.“ Dieser Art ist der von den Menschen ausgehende Einfluss. Er ist zerstörend und verderbt, und das erklärt die Gefangenschaft des Volkes Gottes. Sie sind unter den Einfluss dessen gekommen, was vom Menschen ausgeht. Es ist notwendig, diese Gefangenschaft zu wenden (V. 6).

Jeder von uns hat erfahren, was es ist, unter den Einfluss dessen zu kommen, was vom Menschen ausgeht. Das bedeutet geistliche Gefangenschaft, und es ist notwendig, dass diese gewendet wird und die Errettung aus Zion kommt. Wir alle bedürfen dieser Erfahrung.

Frage: Meinen Sie damit die Lehre der Menschen?

C.A.C.: Ich dachte an alle Einflüsse, die das Volk Gottes in Gefangenschaft brachten. Sie begannen zu wirken, noch ehe die Apostel den Schauplatz verließen. Sie kamen vom Menschen und nicht von Gott, und die Folge war, dass das ganze christliche Bekenntnis in Gefangenschaft geriet. Dasselbe, was Israel widerfuhr, ist dem christlichen Bekenntnis widerfahren, und so müssen wir durch unumschränkte Gnade von allem befreit werden, was vom Menschen ausgeht.

Wenn unsere Freude nicht völlig ist, so rührt es daher, dass etwas bei uns in Gefangenschaft geraten ist. Bei vielen von uns umfasst das eine große Menge. Es beherrscht uns innerlich und wirkt sich nach außen aus. Wir können viel äußere Gefangenschaft wahrnehmen und haben nötig, in unserem Geiste befreit zu werden. „Rettungen“ kommen aus Zion.

Das unumschränkte Erbarmen Gottes, wovon Zion redet, lenkt unser Augenmerk auf etwas in unserem Wandel, Benehmen, Geiste oder Dienste oder in unseren religiösen Verbindungen, das nicht von Ihm, sondern von Menschen ausgeht. Gott lenkt das Augenmerk darauf, damit von den Rettungen eine nach der anderen eingreifen kann, uns frei zu machen. Gott wird die Gefangenschaft Jakobs und Israels wenden. Die unsere hat Er die letzten hundert Jahre gewendet, um so tiefe Freude in unseren Herzen zu genießen. Diese aber können wir nicht ohne die Rettungen aus Zion haben.

Frage: Entbehren deshalb unsere Zusammenkünfte manchmal der Freude?

C.A.C.: Jawohl, wenn mehr geistliche Freude vorhanden wäre, was würde daraus hervorquellen! Worauf es in Psalm 54 ankommt, ist das Freiwilligkeitsopfer und der Preis Jehovas. Der priesterliche Dienst wird damit fortgesetzt, keine Macht des Feindes kann das hindern. Wenn wir jedoch dadurch keine Kraft bekommen haben, dass unsere Gefangenschaft gewendet worden ist, so sind wir nicht frei zum Dienst.

Paulus war in Philipper 3 hierzu frei. Er sagt: „Denn wir sind die Beschneidung, die wir durch den Geist Gottes dienen und uns Christi Jesu rühmen“ (V. 3). Das gleicht dem Psalm 54. Da haben wir einen Mann, dessen Gefangenschaft vollkommen gewendet worden ist, die Errettung hat ihn von allem befreit.

Nun, alles das ist für die Weisen wesentlich. Wir haben uns dem in persönlicher Übung und geistlicher Kraft zu unterziehen.

In Psalm 54, 6 ist David dahin gekommen zu sagen: „Opfern will ich dir mit Freiwilligkeit; deinen Namen will ich preisen, Jehova, denn er ist gut.“ Die Macht des Feindes sucht zu verhindern, dass Gott Sein Teil bekommt; dazu gebraucht er Gewalt. Unsere Brüder, der jüdische Überrest, werden in einem schrecklichen Maße darunter leiden müssen, und auch uns kann das widerfahren.

In den letzten Jahren hat uns der Feind durch gewaltsames Eindringen zu hindern gesucht, und wir mögen noch mehr davon durchzumachen haben. Wir sollten jedoch bereit sein, der Möglichkeit ins Angesicht zu schauen, dass es dem Feind erlaubt wird, uns auf diese Weise zu hindern. Ehe die Kirche hinaufgenommen wird, kann sie durch Übungen zu gehen haben, die sie befähigen, mit ihren leidenden Brüdern in zukünftigen Tagen Mitgefühl zu haben.

Frage: Meinen Sie das in einem öffentlichen Sinne?

C.A.C.: Ja, Satan wird alles tun, den Dienst Gottes zu verhindern. Doch wir sollten dessen eingedenk sein, dass der Dienst Gottes auch in den dunkelsten und schrecklichsten Tagen der großen Drangsal nie aufhören wird, und so ist dieser Dienst auch jetzt weiterzuführen. Wir sollten die Würde des heiligen Vorrechts bedenken, dass es uns erlaubt ist, in den Nächten im Hause Gottes zu stehen, Seinen Dienst auszuüben und unsere Hände zu Seinem Preise zu erheben (Ps. 134, 1.2).

Wir sollten mehr an den Dienst Gottes denken. Wir denken oft an unsere Segnung, statt an das Opfer des Lobes. Das alles gleicht dem Saft des Olivenbaumes, es ist die Wirksamkeit des Geistes Christi. Der Feind bringt Drangsal, damit sie den Dienst Gottes verhindere. Ist es dir noch nicht aufgefallen, dass am Sonntagmorgen etwas eintrat, was deinen Geist aus der Fassung brachte? Satan liebt es, das zu tun, und wir haben darauf zu achten, dass wir seinen Bemühungen nicht nachgeben.

Frage: Welcher Art ist das Lobopfer?

C.A.C.: Wir bringen Gott darin das, woran Er Wohlgefallen findet, nämlich Christum. Sogar, wenn wir Ihm daheim nahen, sollten wir das bedenken.

Wir sind so viel mit unseren Bedürfnissen beschäftigt. Beim Beten kommt oft eins nach dem anderen vor uns, und zwar in Verbindung mit unseren Bedürfnissen, unserem Seelenzustand und dem Dienst. Dabei vergeht die Zeit, und man hat sich aufzuraffen und zu bekennen: Habe ich denn gar nichts für Gott, nur das, was mir dient? Da fängt man an zu bedenken, dass man ein Opfer haben muss und überlegt, was man Gott über Christum sagen kann. Man kommt mit der Quelle göttlicher Kraft und Freude in Berührung und wendet sich dem Opferdienst zu.

Der Dienst Gottes ist mit Seiner Verherrlichung angesichts alles dessen in Verbindung, was zu sein Er Sich geoffenbart hat. Der Feind liebt es, ihn durch einen Einfluss zu verhindern.

Weshalb gibt es so viele schweigsame Brüder? Der Feind kann nicht zerstören, doch er weiß, wenn er den Dienst Gottes hindert, so bringt er das zustande, und die Weisen haben zu lernen, nicht zuzulassen, dass der Dienst irgendwie gehindert werde. Es handelt sich um unser höchstes Vorrecht, nämlich das, womit die Herrlichkeit Gottes in Verbindung steht. Die Herrlichkeit der Versammlung ist, dass sie eine Stätte der Herrlichkeit Gottes ist.

Mit der Glückseligkeit des Hauses Gottes in Berührung zu kommen, ist eine große Anregung. Wir sind schwach, weil in unseren täglichen Gebeten so wenig Lob ist. Haben wir jedoch die Freude erlebt, dass die Gefangenschaft von uns gewendet ist, so finden wir Wohlgefallen an Gott, und dann ist mehr Lob vorhanden.

Wie ausnehmend groß ist es, unsere Übungen zu vergessen und in unseren Herzen anbetend bei der Herzensgüte Gottes und den Schönheiten und Vollkommenheiten Christi zu verweilen! Wenn wir das daheim täten, was würde es dann sein, wenn die Versammlung zusammenkommt! Man kann sich das kaum vorstellen.

Der nächste Psalm, der 55., enthält in gewissem Sinne die tiefste Übung von allen, nämlich die Kirchendrangsalsübungen, die von innen kommen. Viele von uns können heute Abend bezeugen, dass ihnen diese einen tieferen Kummer und tiefere Übung bereiteten als alle anderen. Hast du je gewünscht, Flügel der Taube zu haben und hinweg fliegen zu können, um Ruhe zu finden? (V. 6). Alle diese Beschwerden haben wir in der Stadt (V. 9) - siehe auch Vers 10 und 11. Es sind Versammlungsdrangsale. Am Tage der Zukunft wird der Überrest innere Drangsale haben, die in gewissem Sinne schlimmer sind als die äußeren.

In Vers 12 - 14 heißt es: „Denn nicht ein Feind ist es, der mich höhnt, sonst würde ich es ertragen, nicht mein Hasser ist es, der wider mich großgetan hat, sonst würde ich mich vor ihm verbergen, sondern du, ein Mensch meinesgleichen, mein Freund und mein Vertrauter, die wir trauten Umgang miteinander pflegen, ins Haus Gottes wandelten mit der Menge.“ Sogar die Brüder haben dich im Stich gelassen, und das ist der allerbitterste Kummer. Viele könnten bezeugen, dass sie darob mehr schlaflose Nächte durchzumachen hatten als anderer Umstände halber. Das Heilmittel dafür bekommen wir in Vers 22 und 23, nämlich Vertrauen auf Gott.

Der Psalm nimmt Bezug auf die Zeit Absaloms, der die Herzen des Volkes stahl. Eine einnehmende, sich einschmeichelnde Rede übte einen Einfluss auf das Volk Gottes aus, der der Wahrheit entgegen war. Wahrscheinlich war Ahitophel der vertraute Freund (2. Sam. 16, 23).

Gar manchmal kommt es vor, dass ein Mann, den man für einen hielt, der nach Gottes Wort fragte und dessen Aussprüche redete, versagt und ein Gegner wird. Welch ein Kummer! Er war ein höchst gewichtiger Bruder, und dennoch verließ er uns! Wir sollten auf so etwas gefasst sein, es gehört zu der Übung der letzten Tage. Wir sollten uns auf Drangsal „in der Stadt“ und „in ihrer Mitte“ gefasst machen, das heißt auf das Versagen von Brüdern, die uns geholfen und göttlich beraten haben.

Was können wir da tun? Es heißt: „Wirf auf Jehova, was dir auferlegt ist, und er wird dich erhalten; er wird nimmermehr zulassen, dass der Gerechte wanke . . . Ich aber werde auf dich vertrauen“ (V. 22 u. 23). Das gibt Trost und Ermutigung.

Wir haben zu lernen, auf Gott zu vertrauen, Er wird nimmermehr zulassen, dass Gerechte wanken; sie werden durch jede Kirchendrangsal geführt werden und dem Einfluss Ahitophels entrinnen, Er führt sie stracks hindurch.