Mal 3.16

NT Auslegung

1.Johannes 2,24

1.Johannes 2,24

24 Ihr, was ihr von Anfang gehört habt, bleibe in euch. Wenn in euch bleibt, was ihr von Anfang ehört habt, so werdet auch ihr in dem Sohne und in dem Vater bleiben.

Dieser eine Vers, herausgepikt aus einem Brief, verbirgt 2, 3 und mehr interessante Aspekte.

Der Vers beginnt mit einem lauten ruf: «Ihr». Er gleicht einem Fingerzeig, welcher auf alle Leser zeigt. Dieser Vers würde auch ohne dieses «ihr» inhaltlich genau dasselbe aussagen, jedoch entschieden weniger kraftvoll. Dieser Ausruf kann als Ekphonesesis eingeordnet werden, welcher als Gefühlsausbruch in Worten erklärt wird[1]. Das was Johannes im vorherigen Text zur Unterscheidung geschrieben hat, kommt hier und in den folgenden Versen zur Schlusspointe.
Man könnte sagen: «Ihr, die ihr eure Brüder liebt...», «Ihr, die ihr die Welt nicht liebt...», «Ihr, die ihr das Böse überwunden habt...», «Ihr, weil euch die Sünden vergeben sind...», «Ihr, die ihr erkannt habt, ...», «Ihr, die ihr im Lichte wandelt...», «Ihr, die ihr nicht leugnet, dass der Herr Jesus der Christus Gottes Sohn ist.», «Ihr, die ihr die Salbung erhalten habt,...». Diese Liste könnte erweitert werden. Viele Segnungen sind darin zu erkennen.

Wenn wir mit dem «ihr» so direkt angesprochen werden, so gibt es auch ein schönes Beispiel im Evangelium nach Johannes: Joh 21,19-22. Als dort der Herr Jesus zu Petrus spricht: «Folge mir nach», so blicke Petrus zurück und fragte nach, was mit diesem sei. Der Blick fiel auf Johannes. Petrus bekam darauf unter anderem die Antwort zurück: «Folge du mir nach».

Wird der Vers etwas strukturierter dargestellt, fällt eine besondere Anordnung auf:

24 Ihr, was ihr von Anfang gehört habt, bleibe in euch.

Wenn in euch bleibt, was ihr von Anfang gehört habt,

so werdet auch ihr in dem Sohne und in dem Vater bleiben.

Hierbei handelt es sich um eine besondere Art des Parallelismus. Dieser ist über das Kreuz parallel (Vgl. gelb- und grün hinterlegten Text). Es ist ein Chaismus. Dieser Name kommt vom griechischen X, welcher die über das Kreuz angeordneten Satzglieder symbolisiert. Diese Figur verstärkt die Aussage des Satzes.

Auch ein Konditionalsatz ist zu erkennen: Wenn «A» so tritt «B» ein oder man kann sagen, wenn die Bedingung «A» eintrifft, so gilt «B». Die Bedienung, dass wir in dem Sohne und in dem Vater bleiben ist daran verknüpft, ob wir in dem was wir von Anfang gehört haben, bleiben. Was bedeutet nun diese «von Anfang gehört»? Dies wird uns ganz am Anfang in 1Joh Kp 1 Vers 1ff geoffenbart:

1 Was von Anfang war, was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir angeschaut und unsere Hände betastet haben, betreffend das Wort des Lebens;

2 (und das Leben ist geoffenbart worden, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, welches bei dem Vater war und uns geoffenbart worden ist;)

3 was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir euch, auf daß auch ihr mit uns Gemeinschaft habet; und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohne Jesus Christus.

 

4 Und dies schreiben wir euch, auf daß eure Freude völlig sei.

5 Und dies ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: daß Gott Licht ist und gar keine Finsternis in ihm ist.

 

[1] Ekphonese:

Gefühlsausbruch in Worten, auf die nicht unbedingt eine Entgegnung folgen muss. Jemand, der Schmerz oder Trauer, Empörung, Angst, Entsetzen empfindet, aber auch Entzücken oder jubelnde Freude, redet einen Einzelnen oder ein Kollektiv (z. B. eine Stadt) an. Das kann in harter Weise geschehen; dann kommt es einer Anklage (griech. katägoria) nahe, wie wenn man heftig (kompellativ) zur Rede gestellt wird.
J. Dominik Harjung, Lexikon der Sprachkunst, Seite 157.

von Andreas Moser So Mo 04.03.2018