Mal 3.16

NT Auslegung

Die Erwartung des zweiten Kommens des Herrn Jesus Christus

 

Die Erwartung des zweiten Kommens des Herrn Jesus Christus

 

                 Was erwarten Christen?

                      Was ist vom kommenden Messias zu erwarten?

                      In welcher Gestalt und welchem Charakter kommt der Messias?

                      Was wir der Messias tun, wenn er anwesend ist?

                      Was wird das Endergebnis der Anwesenheit des Messias sein?

 

 

Kurzfassung:

Die Christen erwarten, dass Jesus sie bei seinem zweiten Kommen vom Himmel her zu sich in die himmlische Heimat aufnimmt. Sie verlassen dann die Erde und wohnen für immer bei ihm droben.

Für Israel wird Gott den Christus auch noch ein zweites Mal senden, aber erst wenn es Busse getan hat. Nachdem Israels Schuld durch Leiden abgetragen und der Messias  die Erde durch Gerichte gesäubert haben wird, wird Gott schliesslich in der Mitte Israels wohnen. Der Name Jerusalems wird dann heissen: „Der Herr ist hier“ – Jahwe-Schamma. Israels Heimstätte bleibt das Land, der Mittelpunkt  der Erde.

Es ist ein Verlust, wenn Christen einen zu ausgeprägten Hang zur Beschäftigung mit Israel entwickeln, weil dadurch ihre himmlische Berufung und  ihre Vater-Kindbeziehung verdunkelt werden.

 

Was erwarten Christen?

 

Sie haben sich zu Gott bekehrt,…… um seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat – Jesus, der uns errettet von dem kommenden Zorn (1 Thess 1,10).

 

Wenn Christus zum zweiten Mal denen erscheint die ihn erwarten, wird ihre Errettung vollendet sein (Heb 9,28). Denn Gott hat uns nicht zum Zorn gesetzt, sondern zur Erlangung der Errettung, durch unseren Herrn Jesus Christus, der für uns gestorben ist (1 Thess 5,9).

 

Sie erwarten ihren Herrn Jesus Christus vom Himmel her, der ihren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird…..(Phil 3,20).

 

Sie werden durch Gottes Macht durch Glauben bewahrt zur Errettung, die bereit ist in der letzten Zeit offenbart zu werden – in der Offenbarung Jesu Christi (1 Pe 1,5-8).

 

Ihre Hoffnung ist aufgehoben in den Himmeln (Kol 1,5).

 

Ein unverwesliches und unbeflecktes und unverwelkliches Erbteil ist für sie aufbewahrt  in den Himmeln (1 Pe 1,4).

 

Sie wissen, dass sie einen Bau von Gott haben, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, in den Himmeln (2 Kor 5,1).

 

Wenn Jesus wiederkommt, wird er sie zu sich nehmen, damit, wo er ist (im Himmel) auch sie seien (Joh 14,3).

 

 

Was ist vom kommenden Messias zu erwarten?

 

Als erstes kann gesagt werden: Es ist für viele Menschen heute noch gleich unklar, wie es zur Zeit Jesu war.

 

Woher wird der Messias kommen?  Damals gab es eine verbreitete Meinung, er werde plötzlich unter dem Volk erscheinen und seine Herkunft liege im Dunkeln. „Niemand weiss, woher er ist.“ (Joh 7,27). Andere  widersprachen dem und  beriefen sich auf die Schrift, wonach er ein Nachkomme Davids sei und aus Bethlehem komme (Joh 7,42).

Es ist zu befürchten, dass es unter den Israelfreunden heute ebenso viel Unklarheit gibt.

Für einige ist unwichtig woher er kommt; wenn er nur kommt. Andere denken, der Nachweis, dass er aus der Dynastie Davids stamme genüge für seine Legitimation. Diese verschwommene Vorstellung wird mit dazu beitragen, dass sich erfüllt, was Jesus sagte: „Wenn ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, den werdet ihr aufnehmen“ (Joh 5,43). Zu denen werden leider auch viele Israelfans  zählen.

Der Apostel Petrus sagt, Christus sei vom Himmel aufgenommen worden, weil ihn sein Volk abgelehnt hatte. Von dort, vom Himmel her, werde ihn Gott wieder senden (zum zweiten Mal), wenn sie Busse täten und sich bekehrten (Apg 3,19-21). Vorher wird der Messias nicht erscheinen!

 

Wird  der Messias göttliche Natur besitzen? Oder wird er einfach als natürlicher Mensch durch eine Salbung von Gott übernatürliche Fähigkeiten bekommen?  Im Allgemeinen erwarteten die Juden vom Messias, dass er die bestehenden Machtstrukturen zerstöre. Als er gekommen war glaubten sie, dass er mit seinen übernatürlichen Fähigkeiten Israel befreie und das glanzvolle, davidische Königreich  wieder herstelle. Sie wollten ihn deshalb nach der übernatürlichen Brotvermehrung ergreifen und zum König machen (Joh 6,15). Das lehnte Jesus ab mit dem Hinweis, dass es ihm darum gehe, dass jemand Leben in sich selbst habe (Joh 6,53). Jesus stellt klar, dass er nicht nur Leben gibt, sondern selbst das Leben, d. h. von göttlicher Natur, ist. Er ist aus dem Himmel herab gekommen um sein Leben zu geben für das Leben der Welt.  Sein Kommen in die Welt als Messias reichte dazu nicht aus, er gab sein Fleisch für das Leben der Welt – er starb und nur die Aneignung seines Todes verleiht dem Glaubenden Leben. Jede Erwartung eines Messias der weniger als Gott ist, ist im besten Fall Idealismus.

 

In welcher Gestalt und welchem Charakter kommt der Messias?

 

Die Welt geht dem zweiten Kommen von Jesus Christus entgegen, aber es wird keine zweite Menschwerdung geben. Es ist wichtig, das klar festzuhalten, weil sonst die Idee entstehen könnte, der Messias werde so im Fleisch kommen, wie Jesus damals kam, als jeder, der nicht blind war, ihn mit seinen natürlichen Augen sehen konnte.

 

Nun steht aber in Off 1,7, dass jedes Auge ihn sehen werde, auch die, die ihn durchstochen haben. Widerspricht das dem oben gesagten? Keineswegs. Jesus ist auferstanden. Wir fragen deshalb, wie wurde  Jesus nach seiner Auferstehung von den Aposteln gesehen, als er ihnen vierzig Tage hindurch bei gewissen Gelegenheiten erschien und mit ihnen redete (Apg 1,3). Nicht jedermann konnte ihn sehen. Das bezeugt Petrus später nochmals: „Diesen hat Gott am dritten Tag auferweckt und ihn sichtbar werden lassen, nicht dem ganzen Volk, sondern den von Gott zuvor erwählten Zeugen“ (Apg 10,40+41). Etwas salopp, menschlich gesprochen, bedeutet das: Man konnte Jesus nicht filmen, wie das vor seinem Tod möglich gewesen wäre.

 

So wie es nach der Auferstehung möglich war ihn zu sehen, wird er an einem kommenden Tag gesehen werden. Es wird keine körperliche, stoffliche  Anwesenheit sein. Stofflichkeit ist keine Voraussetzung  dafür, dass er gesehen werden kann. Voraussetzung ist einzig, dass Gott ihn sichtbar werden lässt. Das wird er meiner Überzeugung nach dann tun, wenn Jesus auf den Wolken des Himmels kommt. Aber es ist ein einmaliges Ereignis. Mit anderen Worten: Der Messias wird nicht im Tempel sitzen und Audienzen geben. Eine solche Vorstellung wäre völlig naiv.

 

Was wird der Messias tun, wenn er anwesend ist?

 

Die prominentesten Prophezeiungen zeigen einen kriegerischen Messias, der schonungslos mit den Feinden umgeht.

„Jeder Stiefel der Gestiefelten im Getümmel, und jedes Gewand, in Blut gewälzt, die werden zum Brand, ein Frass des Feuers. Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter.“ (Jes 9,4+5).

„Ein Reis wird hervorgehen aus dem Stumpf Isais…und auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn…und er wird die Erde schlagen mit der Rute seines Mundes, und mit dem Hauch seiner Lippen den Gottlosen töten.“ (Jes 11,1-5)

„Die Könige der Erde treten auf, und die Fürsten beraten miteinander gegen den Herrn und gegen seinen Gesalbten (Messias).“  Und weiter: „Habe ich doch meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg!...Fordere von mir und ich will dir die Nationen zum Erbteil geben und die Enden der Erde zum Besitztum. Mit eisernem Zepter wirst du sie zerschmettern, wie ein Töpfergefäss zerschmeissen.“ (Ps 2,6-9)

„Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde hinlege als Schemel für deine Füsse…..Der Herr zu deiner Rechten zerschmettert Könige am Tag seines Zornes. Er wird richten unter den Nationen, er füllt alles mit Leichen; das Haupt über ein grosses Land zerschmettert er.“ (Ps 110)

„Der Geist des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat, den Sanftmütigen frohe Botschaft zu bringen….auszurufen das Jahr des Wohlgefallens des Herrn und den Tag der Rache unseres Gottes.“ (Jes 61,1-3)

„Du zogst aus zur Rettung deines Volkes, zur Rettung deines Gesalbten: du zerschmetterst das Haupt des Gottlosen…“ (Hab 3,13).

„JAHWE wird richten die Enden der Erde und Macht verleihen seinem König und erhöhen das Horn seines Gesalbten (1 Sam 2,10).

 

Das machtvolle Handeln des Messias wird in die völlige Befreiung seines Volkes ausmünden. „Alle Feinde Israels zerschmettert!“ Das tönt gut in den Ohren solcher, für die kaum etwas anderes zählt als die Vernichtung der Feinde Israels. Bevor es jedoch soweit ist, dass „Gott keine Ungerechtigkeit mehr erblickt in Jakob und kein Unrecht sieht in Israel….(Num 23,21) fliesst noch viel Wasser den Jordan hinunter.

 

Was wird das Endergebnis der Anwesenheit des Messias sein?

 

Es wird das Friedensreich sein das sich über die ganze Erde ausdehnt.  „Die Erde wird voll Erkenntnis des Herrn sein, wie die Wasser den Meeresgrund bedecken.“ (Jes 11,9) Der Messias wird die vielgepriesene und nie erreichte neue Weltordnung einführen. Es geht nicht nur um eine Befriedung der Länder im nahen Osten rings um Israel. Es geht um die ganze Erde, wobei das Volk Israel wieder der Liebling des Herrn sein wird, nachdem es von ihm verstossen worden war (Jer 12,7). Wie wird sich das auswirken?

 

Das zweifellos Wichtigste wird der „Neue Bund“ sein, denn Israel steht heute noch ohne Bund mit Gott da. Es hatte am Sinai in einen Bund eingewilligt, dessen Bestand von der beiderseitigen Treue abhing. Dieser Bund ist von Israel gebrochen worden, aber Gott will einen Neuen schliessen, wie Jeremia sagt:

„Siehe, Tage kommen, an denen ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schliessen werde: nicht wie ich mit ihren Vätern geschlossen habe an dem Tag, als ich sie bei der Hand fasste, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen, diesen meinen Bund welchen sie gebrochen haben; …Sondern dies ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel schliessen werde nach jenen Tagen, spricht der Herr: Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben…“ (Jer 31,31-34; vgl. Heb 8,10). Das Ergebnis wird sein, dass sie den Herrn erkennen werden,  vom Kleinsten bis zum Grössten unter ihnen.

In Verbindung mit diesem neuen Bund spricht der Herr, er werde seinen Geist ausgiessen über alles Fleisch (Joel 3,1) und gemäss Hes 37 wird  der Geist (Odem)die toten Gebeine anhauchen, so dass sie lebendig werden (Vers 9).

 

Es besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen dem, wie Gott heute handelt und wie er dannzumal handeln wird. In beiden Fällen bewirkt Gott eine Wiedergeburt. Damit ist nicht die nationale Wiedergeburt von 1948 gemeint. Er schafft ein neues Leben im Inneren der bussfertigen Israeliten, das geprägt ist von der Fähigkeit den Willen Gottes zu erkennen. Dasselbe tut Gott heute an jedem Sünder der sich im Glauben zu Gott hinwendet. Der Unterschied besteht in dem, was die Schrift über den Geist Gottes sagt.

 

Dem wahrhaftig Glaubenden schenkt Gott nicht nur die Wiedergeburt; er legt auch seinen Geist in sein Herz, während er an jenem kommenden Tag seinen Geist über alles Fleisch ausgiessen wird. Paulus sagt von den Christen: „Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen worden in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist.“ (Rö 5,5). – Jedem einzelnen ins Herz hinein, nicht pauschal wie ein Regenguss über alles Fleisch. Dadurch, dass Gott seinen Kindern den Geist seines  Sohnes in ihre Herzen gesandt hat, können sie zu Gott „Abba, Vater“ rufen. Welch ein einmaliges Vorrecht dies ist, verstehen leider viele Gotteskinder nicht in seiner ganzen Tragweite. In ihrer gutgemeinten Zustimmung, dass Israel Gottes auserwähltes Volk ist, verlieren sie leider je länger je mehr das Bewusstsein, was es heisst, mit Gott eine Vater-Kindbeziehung zu haben – eine Beziehung, die Israel nie kennen wird.

 

 

Edi Rohner / Nov. 2014