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Gottes Auserwählung und des Menschen Verantwortlichkeit

A. von der Kammer  
       

 

Bei der Betrachtung über die Auserwählung hört man oft Bedenken laut werden, die sich dahin ausdrücken, es könne durch die Lehre der Auserwählung dem Evangelium die Kraft genommen die Verantwortlichkeit des Menschen ausgestrichen und unsere Errettung als eine Tat unseres Willens nicht anerkannt werden.

      Wir können gut verstehen, dass sich beim Betrachten der souveränen Gnade Gottes im Blick auf die Verantwortlichkeit des Menschen auch bei Gläubigen Schwierigkeiten einstellen, besonders, wenn man versucht, diese

            beiden Tatsachen in Einklang zu bringen.

  Die Schrift bezeugt an vielen Stellen dies sehr deutlich: Nebukadnezar z.B. sagt über Gottes S o u v e r ä n i t ä t  (Unumschränktheit) : "Nach seinem Willen tut Er mit dem Heere des Himmels und mit den Bewohnern der Erde; da ist niemand,   der Seiner Hand wehren und zu Ihm sagen könnte: Was machst Du?"  (Dan. 4,35); und Paulus behandelt in Röm.1,18 - 3,19   eingehend die V e r a n t w o r t l i c h k e i t des Menschen.

    Fangen wir aber an, diese beiden Zeugnisse der Schrift (das eine an die Gläubigen, das andere an die Ungläubigen gerichtet) miteinander zu verbinden, so entstehen sofort Schwierigkeiten.  Da kommt die Frage: Wenn Gott vor Grundlegung der Welt jeden Gläubigen auserwählt hat und der Herr sogar sagt; "Niemand kann zu Mir kommen, es sei denn, dass der Vater Ihn ziehe" (Joh. 6, 44), sind dann nicht alle Bemühungen in der Verkündigung des Evangeliums zwecklos?  ---
"Wer auserwählt ist, wird doch errettet und wer nicht auserwählt ist, muss verloren gehen."--

   Man kann nicht verstehen, dass die Apostel, die die Gläubigen über die Auserwählung belehrten, trotzdem die Ungläubigen mit allem Ernst noch ermahnten: Tut Busse - Last euch retten von diesem verkehrten Geschlecht".  (Apg. 2,39. 40)  "Glaube an den Herrn Jesum und du wirst errettet werden" usw. (Apg.16.31.) Man meint, sie hätten vielmehr sagen müssen:  der Mensch ist tot in Sünden und muss auf Gott warten, der ihn errettet, wenn er auserwählt ist

  Dies Beispiele mögen zeigen, welche Schwierigkeiten entstehen, wenn wir in die Verantwortlichkeit des Menschen mit der souveränen Gnade Gottes in Einklang bringen wollen, anstatt beide Wahrheiten, und zwar

   jede an dem Platze,

dem Gott ihr in dem Worte angewiesen hat, stehen zu lassen und in Ihrer ganzen Tragweite anzuerkennen.

  Das Evangelium hat sein besonderes Gebiet und die "Weisheit Gottes im Geheimnis" hat gleichfalls ihr besonderes Gebiet.  Die Schrift unterscheidet genau zwischen dem Evangelium und dem was mit demselben verbunden ist und der Offenbarung der Dinge, die Gott dem Gläubigen geschenkt hat.  Jedes hat sein eigenes und besonderes Gebiet, wo es entfaltet werden soll.

    Das Gebiet für das Evangelium ist die Welt; es soll allen Menschen gebracht werden.   Gehet hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung. (Mark. 16, 15)

  Das Gebiet für die Offenbarung der verborgenen Weisheit Gottes aber ist nicht die Welt, sondern die Gemeinde. Die Gläubigen sollen damit vertraut gemacht werden, damit sie die Dinge Dinge kennen, die Ihnen von Gott geschenkt sind. (1.Kor.2.12)

Suchen wir aber diese für zwei g e s o n d e r t e Gebiete, für zwei ganz verschiedene Personenklassen bestimmten Dinge auf ein gemeinsames Gebiet zubringen und der menschlichen Vernunft anzupassen, so werden wir anstatt beide (die Verantwortlichkeit des Menschen und die souveräne Gnade Gottes) in ihrer ganzen Weite anzuerkennen, von von dem einen oder anderen nur soviel gelten lassen, als es uns nach unseren Gedanken vereinbar zu sein erscheint.

 So haben manche gemeint, den goldenen Mittelweg wählen zu sollen, indem sie glaubten, die Wahrheit müsse in der Mitte liegen und sie lehren, die Auserwählung sei nicht die Auserwählung einer einzelnen Person, sondern eine solche im allgemeinen Sinne. Jeder Mensch könne nach seiner Wahl der und seiner Fähigkeit das Gute erwählen und sich dadurch der Schar der Auserwählten hinzutun, und deshalb hätten wir in Übereinstimmung mit der Auserwählung allen Menschen das Evangelium zu verkündigen.

  Wir können verstehen, das die , die solcher Meinung sind, ängstlich jedes Wort und jede Schrift, die rückhaltlos von der Auserwählung Zeugnis gibt, meiden und verurteilen. Sie begründen dieses damit, dass, wenn ein solches Zeugnis einem Ungläubigen in die Hand käme, seine Verantwortlichkeit abzulehnen.

 Sollen wir nun deshalb, weil etliche die Schrift zu ihrem eigenen Verderben verdrehen", die Wahrheit, die Gott nicht den Unbekehrten, sondern den Gläubigen gegeben hat, unter den Scheffel stellen? Und warum? Weil etwa ein Ungläubiger Worte, die Ihm überhaupt nicht gelten, auf sich anwenden könnte, der aber die Worte, die Gott an Ihn wendet überhaupt nicht annimmt?

  Wie leicht sind wir doch bereit, von der göttlichen Tat der Liebe in der Auserwählung, von ihrer wunderbaren Grösse, etwas abzustreichen, damit auch für unsere Seite genügend Platz bleibt!

 

 

Unvollkommen wie alles auf dieser Erde...  Stand 29.08.98/Wf


E-Mail Stand 16.10.97