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Also seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus, um  eines anderen zu werden, des aus den Toten Auferweckten, auf daß wir Gott Frucht

brächten."       
Römer 7,4


Der Zusammenhang
  von Römer 7 und 8
 

„Denn wir wissen, daß die ganze Schöpfurig zusam­men seufzt und zusammen in

Geburtswehen liegt
bis jetzt. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir die

Erstlinge des Geästes haben,
auch wir selbst seufzen in uns selbst, erwartend die Sohnschaft: die

Erlösung unseres Leibes.'

 

Der Zusammenhang von Römer 7 und 8

1.) Der Zusammenhang von Römer 1- 8
2.) Fürwörter und Zeitangaben in Römer 7
3.) Vergleiche zwischen den zwei Kapiteln
4.) Lösung leicht missverständlicher Ausdrücke
5.) Ein rechter Anblick - wahre Heiligung im Lichte des HErrn

Zuerst denken wir an das Wort von 2.Timotheus 3,16: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nütze... ". Sie ist kostbar und gleich einem Gewebe, bei dem alle Fäden zusammen gehören, miteinander verbunden. Wohl haben wir das Wort der Wahrheit recht zu tei­len, doch wir müssen uns auch vor einer Zerstücke­lung hüten. Wir müssen beachten, daß Römer 1- 8 zu­sammengehören und somit ein Ganzes bilden, das nicht voneinander getrennt werden darf.

Nach der Einleitung in Kapitel 1 wird uns die Stellung der Juden und Heiden gezeigt. Das Evangelium ist Gottes Kraft, sowohl für den Juden als auch für den Heiden. Die Heiden, als Griechen bezeichnet, wie auch die Barbaren, werden uns in ihrer ganzen Sündhaf­tigkeit vor Augen geführt. Am Ende des Kapitels wird dann auch auf die Juden hingewiesen: „Die, wiewohl sie Gottes gerechtes Urteil erkennen, daß, die solches tun, des Todes würdig sind, es nicht allein ausüben, sondern auch Wohlgefallen an denen haben, die es tun" (Vers 32). „Deshalb bist du nicht zu entschuldi­gen..." (2,1). Der hier leitende Gedanke ist wohl der, daß der sich über den Heiden erhaben dünkende Jude nicht besser ist vor Gott als der heidnische Sünder. Obwohl wir zuerst einen Hinweis auf offenbar beson­ders sündige Menschen vor uns haben, so besteht für den Juden trotzdem keine Entschuldigung. Denn ge­mäß seiner größeren Erkenntnis hat er auch größere Verantwortungen. Kapitel 2 wendet sich dann an den Juden und sagt: „Denkst du aber dies, o Mensch, der du die richtest, die solches tun, und verübst dasselbe, daß du dem Gericht Gottes entfliehen werdest?" Ka­pitel 3 setzt dann fort und schließt in Vers 9 gewisser-, maßen die Beweisführung: „Denn wir haben sowohl Juden als Griechen zuvor beschuldigt, daß sie alle unter der Sünde seien". Dann haben wir ein Zeugnis der wunderbaren Gnade Gottes, wie sie durch die Ver­söhnung unseres HErrn Jesus Christus geoffenbart wor­den ist. Gott ist zugleich ein Gott der Juden und der Heiden-ein Gott derer, die durch den Glauben an Christum aus den Juden und Heiden herausgebracht wurden und noch werden. So sehen wir hier die Er­rettung durch Seine freie Gnade als den Inhalt: „Dem aber, der wirkt, wird der Lohn nicht nach Gnade zu­gerechnet, sondern nach Schuldigkeit. Dem aber, der nicht wirkt, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit ge­rechnet" (4,4.5). Hier haben wir also diejenigen vor uns, denen Gnade durch den Glauben an den HErrn Jesus. Christus zuteil wurde- und das bedeutet vollkommene Gnade. Kapitel 5 spricht von denen, die durch Glau­ben gerechtfertigt sind und Frieden haben. Sie haben die Fülle der Gnade empfangen und die Gabe der Gerechtigkeit. Die Gnade ist überströmend gewor­den und herrscht durch Gerechtigkeit. Wir sind in dem Gerechten angenommen worden. Dies ist das gesegne­te Verhältnis derer, die jetzt unter das Haupt Jesu Christi einbezogen sind. Sie sind nicht mehr unter dem Haupte Adams. Kapitel 6 erörtert dann eine wich­tige Schlußfolgerung. Es heißt da: „Was sollen wir nun sagen? Sollten wir in der Sünde verharren, auf daß die Gnade überströme?" Dann kommt die Ant­wort: „Das sei ferne! Wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie sollen wir noch in derselben leben?" Durch die Taufe bezeugt der Gläubige dieses. Wir sehen aus dem Zusammenhang, wie wichtig diese Erörterung ist. Die Errettung geschieht durch die Gnade, denn durch die Gnade sind wir gerechtfertigt worden. Hier­


 

bei müssen wir auch einen Nachdruck auf den Glau­ben legen. Wenn wir jetzt durch die Gnade berufen, sind, dann sollen wir auch dem Wort Gottes gehorsam, sein- auch in der Taufe gemäß der Heiligen Schrift. Kapitel 6 beschäftigt sich mit der Heiligungsfrage. Die Taufe folgt dem Glauben, denn es heißt: „Wer da glaubt und getauft wird" (Mark.16,16). So ist in den Kapiteln 4 und 5 der Glaube und in Kapitel 6 die Taufe, Kraft und Heiligung behandelt. Der Gehorsam von Gottes Volk wird hier als Folge der Errettung betont. In den Versen 15 - 23 haben wir dieselbe Fra­ge: „Was nun, sollten wir sündigen, weil wir nicht un­ter Gesetz, sondern unter Gnade sind?" Hier ist der , selbe Gedanke, und der Apostel zeigt deutlich, wie Gläubige ihre Glieder zum Dienste der Gerechtigkeit und Heiligkeit hingeben sollen. Es wird uns klar ge­sagt, daß der alte Mensch mitgekreuzigt wurde. Das ist eine geschehene Tatsache, und es wird uns deshalb an keiner Stelle der Auftrag gegeben, daß wir das Fleisch kreuzigen sollen. Aber der Errettete ist auch mit Christus auferstanden. Deshalb soll er sich jetzt als in Christus lebend halten und über das Fleisch sie­gen. Kapitel 6 enthält kein Zeugnis davon, daß das Fleisch bei einem Erretteten beseitigt wurde. Vielmehr heißt es: „Also auch ihr, haltet euch der Sünde für tot" (Vers 11). Es besteht also noch die Möglichkeit, auch als Begnadigte unseren Leib als Werkzeug der Ungerechtigkeit zu gebrauchen. Wir haben noch den irdischen Leib und sollten diesen nicht mehr dem Dienst der Ungerechtigkeit unterstellen. Die Sünde soll nicht mehr herrschen in unserem sterblichen Leibe (Vers 12). Wir lesen nicht, daß der alte Mensch getötet wurde, sondern es heißt, er wurde gekreu­zigt. Der Heilige Geist setzt die Worte richtig, und dies müssen wir wohl beachten. Kreuzigung und Tö­tung sind zwei verschiedene Worte und haben auch zwei verschiedene Bedeutungen.. Auf diese werden wir später noch näher eingehen. Der sündhafte Leib muß in seinem Wirken gehindert werden. Wir brau­chen und dürfen nicht mehr der Sünde Knechtesein, und die Sunde darf nicht mehr in uns herrschen. Bei dem Wort „herrschen" wollen wir uns kurz an andere Ausdrücke in dieser Verbindung erinnern. Die­selben sind hilfreich und geben uns ein besseres Ver­ständnis dafür, was mit diesem Ausdruck gemeint ist. In Kap.5,14 lesen wir: „Der Tod herrschte" und in Vers 17: „Im Leben herrschen". Dann in Kap.5,21: „Al­so auch die Gnade herrsche durch Gerechtigkeit" und schließlich lesen wir in Kap.6,12: „So herrsche denn nicht die Sünde in eurem sterblichen Leibe". Fortfahrend geht es in Kapitel 7 weiter. Es wird da auf die Heiligkeit und die Heiligung hingewiesen„ die des HErrn Volk charakterisieren sollte. Dann in Ka­pitel 8 die Vollendung in der Herrlichkeit an „jenem" Tage". Dort in Vers 31 finden wir wieder dieselbe Frage: „Was sollen wir nun hierzu, sagen?" Achten wir auf die Antwort: „Wenn Gott für uns ist, wer wider uns? Wer wird wider Gottes Auserwählte Anklage erheben? Wer ist, der verdamme? Wer wird uns schei­den von der Liebe Christi?" So erreichen wir raun den, heiligen Höhepunkt und die kostbare Zusicherung: Nichts vermag uns zu scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserem HErrn. Wie kostbar sind doch die den verschiedenen, Versen zugrundeliegenden Gedanken. Hier haben wir einen Hinweis auf ein beständiges Leben für Gott durch Jesus Christus, unseren HErrn. Die Gabe Gottes ist ewiges Leben durch Jesus Christus, unseren HErrn. Unsere Erret­tung geschieht durch Ihn, sie ist etwas Gewisses, wie auch unsere Heiligung, Freude und ewige Sicherheit. Möchten unsere Herzen durch diesen wunderbaren Zusammenhang der einzelnen Kapitel viel Erbauung finden. Dann werden wir auch die• uns durch Gottes freie Gnade durch den Glauben geschenkte Errettung in einem Ihm wohlgefälligen Leben offenbaren, bis wir den Höhepunkt der Herrlichkeit mit unserem ge­liebten HErrn, als dem Erstgeborenen unter vielen Brüdern, erreicht haben (Römer 8,29).

Mit diesem allgemeinen Überblick über den Zusam­menhang der Kapitel 1-8 wollen wir uns nun Römer 7 ;Zuwenden. Zum besseren Verständnis dieses Ka­pitels werden uns die angewandten Fürwörter und Zeitangaben helfen. Vers 1 beginnt: „Oder wisset ihr nicht, Brüder (denn ich rede zu denen, die Gesetz ken­nen), daß das Gesetz über den Menschen herrscht, so lange er lebt?" Diese Worte zeigen uns den allgemei­nen Standpunkt. Der Apostel spricht hier von der Ver­gangenheit. „Also seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus, um eines anderen zu werden, des aus den Toten Auf­erweckten" (Vers 4). „Denn als wir im Fleische waren, wirkten die Leidenschaften der Sünden, die durch das Gesetz sind" (Vers 5). „Jetzt aber sind wir von dem Gesetz losgemacht (Vergangenheit), da, wir dem ge­storben sind, in welchem wir festgehalten wurden (Ver­gangenheit), so daß wir dienen in dem Neuen des Gei­stes (Gegenwart) und nicht in dem Alten des Buch­stabens" (Vers 6). „Was sollen wir nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber die Sünde hätte ich nicht erkannt, als nur durch Gesetz. Denn auch von der Lust hätte ich nichts gewußt, wenn nicht das Ge­setz gesagt hätte: „Laß dich nicht gelüsten" (Vers 8). „Die Sünde aber, durch das Gebot Anlaß nehmend, bewirkte jede Lust in mir; denn ohne Gesetz ist die Sünde tot. Ich aber lebte einst ohne Gesetz; als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf; ich aber starb" (Verse 9 und 10). Hier haben wir eine ganze Anzajhl Aussprüche in der Vergangenheit, die den Lauf des Le­bens eines Unerretteten beschreiben. Und dann werden wir plötzlich von eine eingetretene Krise gestellt. ... als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf; ich aber starb. Und das Gebot, das zum Leben gegeben, das­selbe erwies sich mir zum Tode" (Verse 9 u. 10). „Denn die Sünde, durch das Gebot Anlaß nehmend, täuschte mich und tötete mich durch dasselbe" (Vers 11). Hier haben wir Anführungen aus der Vergangenheit, welche einen bestimmten Werdegang behandeln. Wie lange dieser Zustand währte, wird uns nicht angegeben, doch allem Anschein nach war er sehr kurz und gipfelte in einem plötzlichen Ereignis. „So ist also das Gesetz

 

heilig und das Gebot heilig und gerecht und gut. Ge­reichte nun das Gute mir zum Tode? Das sei ferne!" Das Gegenteil ist der Fall: „sondern die Sünde, auf daß sie als Sünde erschiene, indem sie durch das Gute mir den Tod bewirkte, auf daß die Sünde überaus sündig würde durch das Gebot. Denn wir wissen, daß das Ge­setz geistlich ist, ich aber bin fleischlich". In diesen Stellen ist das „ich" und „bin"' besonders hervorgeho­ben. In kaum einem anderen Zusammenhang der Hei­ligen Schrift finden wir soviele schnell aufeinander fol­gende Zeitangaben der Gegenwart, wie hier in den Versen 14-23. Mehr als dreißigmal begegnen wir in diesem kurzen Abschnitt der Gegenwart. Wir wollen den Zusammenhang und folgende Ausdrücke, z. B. in Vers 15, beachten:

1.) Was ich vollbringe,

2.) erkenne ich nicht; (oder billige ich nicht) 3.) denn nicht, was ich will, 4.) das tue ich,

5.) sondern, was ich hasse,

6.) das übe ich aus.

Die ganze Wortstellung dieses Verses ist ungewöhnlich. In Vers 24 geht es auf die Zukunft über: „Wer wird mich retten von diesem Leibe des Todes?" Wir wollen nun die gebrauchten Fürwörter betrachten. Zuerst sollten wir sehen, daß der Apostel in Römer 7 deutlich von sich selbst durch das bestimmt gebrauch­te Wort „ich" redet. Gewiß sind alle der Meinung, daß wenn er „ich" sagt, auch „ich" meint, also sich selbst. Darauf müssen wir einen Nachdruck legen, denn alle Schrift ist von Gott eingegeben und jedes Wort steht an seinem rechten Platz. Es gibt Dinge, welche der Apostel auch auf andere übertrug. Z. B. in 1.Kor.4,6: „Dies aber, Brüder, habe ich auf mich und Apollos ge­deutet um euretwillen, auf daß ihr an uns lernet, nicht über das hinaus zu denken, was geschrieben ist". Was Paulus von sich und Apollos sagt, betraf sie auch bei­de gleichermaßen. Durch das „ich" des Apostels in Römer 7 haben einige gedacht, daß Gottes Knecht hier persönliche Erfahrungen aus seiner Vergangenheit mit­teilt. Doch kann dieses nicht sein, denn es würde die bereits betrachteten Zeitangaben zunichtemachen. Wo wir die Vergangenheit vor uns haben, bezieht es sich auch auf diese. Wo aber die Gegenwart gebraucht wird, müssen wir auch die Gegenwart gelten lassen, sonst bringen wir alles durcheinander. Die verschiedenen Zeitangaben sind doch kein bloßer Zufall, noch weniger sind sie bedeutungslos. Vielmehr ist alles voller Unter­weisung für uns. So sollte uns auch das gebrauchte persönliche Fürwort „ich" so auffallen wie die voraus­gegangenen und nachfolgenden Worte wo er die Mehr­zahl anwendet. Kurz vor Kapitel 8 finden wir wieder die Mehrzahlsform.
In Kapitel 7 haben wir somit einen ganz bestimmten göttlichen Nachdruck in bezug auf die Person und die Zeit. Es müßte uns also ausdrück­lich gesagt sein, daß sich diese Worte auf einen ande­ren oder auf andere Personen als auf Paulus beziehen, und sollte eine andere Zeit als die angegebene gemeint sein, in welcher der Brief geschrieben wurde, müßte dies auch erwähnt sein. Achten wir nun auf die Bezie­hungen zwischen den zwei Kapiteln 7 und 8. Einige denken, daß sie aus der Erfahrung die Kapitel 7 schil­dert, „herausgekommen" seien und sich nun im Bereich von Kapitel 8 befinden. Dadurch stellen sie diese Kapi­tel einander gegenüber. Doch möchten wir fragen, ob diese lieben Gläubigen die Belehrung in Römer 7 schon richtig erfaßt haben. Trotz der verschiedenen Anblicke in diesen zwei Kapiteln haben wir doch einen auffallenden Zusammenhang. Viele, die vor einem Rät­sel stehen, wenn sie in Römer 7 von der betonten Schwäche lesen, nennen dieses Kapitel das „Elendska­pitel". Diesen Ausdruck nehmen sie aus Vers 24. Betrachten wir nun Römer 8. Der Apostel sagt hier: „Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar, tot der Sünde wegen" (Vers 10). Haben wir in diesen Worten nicht den Widerhall von Kapitel 7,24: „Ich elender Mensch, wer wird mich retten von diesem Leibe des Todes?" So erinnern auch die Worte: „Wennaber der Geist dessen, der Jesum aus den Toten auf-, erweckt hat, in euch wohnt, so wird Er, der Christum aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen" (Vers 11) an Kapitel 6, wo wir lesen: „So herrsche denn nicht die Sünde in eurem sterblichen Leibe, um seinen Lüsten zu gehorchen". Diese Äußerung ist sehr auffällig. Es heißt nicht: Sün­de ist nicht mehr in eurem Fleische, sondern die Er­mahnung lautet: So herrsche denn nicht die Sünde! „Herrschen" hat eine besondere Bedeutung. Achten wir auch auf den hinzugefügten Gedanken: „um seinen Lü­sten zu gehorchen". Wir gehen weiter und denken an die Offenbarung der Söhne Gottes und daß diese noch Zukunft ist. Heute besitzen wir eine verborgene Stel­lung. Dieses „Offenbarwerden" der Söhne Gottes ist die Erwartung der ganzen Schöpfung, die heute noch seufzt und schmachtet. Und es heißt: „Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlinge des Geistes haben, auch wir selbst seufzen in uns selbst, erwartend die Sohnschaft: die Erlösung unseres Lei­bes" (8,23). Wer Kapitel 7 als das ..Elendskapitel"' be­trachtet, kann das vom Heiligen Geiste in Kapitel 8 be­zeugte Seufzen noch nicht beachtet haben. Noch andere Ausdrücke sollten wir in Römer 7 beachten. Wir den­ken an die Wortstellung der Verse 14 und 15: „Ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft; denn was ich vollbringe, erkenne ich nicht; denn nicht, was ich will, das tue ich, sondern, was ich hasse, das übe ich aus". Wir können es verstehen, wenn manche sich fragen, ob sich eine solche Beschreibung auf den Zustand ei­nes Erretteten beziehen kann. Manche, die im Zweifel darüber sind, wenden diese Aussprüche auf die Ungläu­bigen an. Würde das zutreffen, dann würde es bedeu­ten, daß der gottlose Mensch ein gutes Bestreben nach Gott und ein Verlangen nach Heiligkeit hat, was aber nicht der Fall ist, da dies mit dem Zeugnis der Heili­gen Schrift nicht übereinstimmt. Von Natur gibt es doch keinen Menschen, der wirklich Gott sucht, und welcher natürliche Mensch könnte an Gottes Gesetz Freude haben? Wäre dies möglich, dann erübrigte sich

eine Wiedergeburt. Andere denken, daß der erwähnte Zusammenhang von einem Gläubigen spricht, der sich in einem „Übergangsstadium" befindet, der nach der Freude in Christo Jesu ringt. Es ist durchaus möglich, daß so etwas die Erfahrung eines Gläubigen sein kann, doch können wir dies kaum verallgemeinern. Was will uns aber Römer 7 allgemein und insbesondere sagen? Ist nicht ein Abscheu vor Sünde, wie Römer 7 zeigt, ein Beweis einer wahren Erfahrung eines Gläubigen, der „in Christo Jesu" ist? Nun haben wir aber die Worte: „Ich aber bin fleischlich unter die Sünde ver­kauft". Wir denken an Ahab, von welchem wir lesen: „Da war keiner, wie Ahab, der sich selbst unter die Sünde verkaufte". Es heißt in erwähntem Vers: „Ich bin fleischlich (Gegenwart) ... verkauft" (Vergangen­heit). Wann wurde er verkauft? Als Adam in Übertre­tung fiel. Wenn dieses die Erklärung ist, worin besteht dann noch die Schwierigkeit im nächsten Vers? Alles in den Worten Gezeigte entspricht doch einer frommen Erfahrung. Welches Kind Gottes kann demütig sagen: ich bin nicht mehr fleischlich, ich weiß immer, was ich tue und erkenne alles vollkommen; stets tue ich das, was ich wünsche -und was ich hasse, das übe ich nicht aus? Wer dies von sich sagen wollte, wäre gewiß auf einem sehr gefährlichen Weg, auf einer abschüs­sigen Bahn, wenn nicht sogar schon gefallen. Das Fleisch ist unheilig, und was den erwähnten Aufschrei verursacht, ist das Heilige. Heute besteht unter den Gläubigen viel Unwissenheit über das verderbliche Fleisch. In der Schrift finden wir kein Zeugnis dafür, daß das Fleisch bei einem Gläubigen ausgerottet ist. Es ist kein Wort zu Gunsten einer Beseitigung des Fleisches gesagt, doch auch nichts zu Gunsten einer Verbesserung desselben. Daher sind gegenteilige An­sichten über Römer 7 ein Irrtum. Denn wenn das Fleisch nicht beseitigt und auch nicht verbessert wer­den kann, so haben wir die Schlechtigkeit desselben auch noch in seinem gekreuzigten Zustande, und es bleibt uns nur die Tötung desselben in der Kraft des Heiligen Geistes übrig. Auf diese Weise muß der Gläubige ständig wahrnehmen, wie er in den Dingen des [HErrn zukurz kommt. In diesem betrachteten Zusammenhang haben wir eine Beschreibung des Heiligen Feistes über den wahren Zustand des Fleisches. Die ',Gottlosen sind im Fleische, aber Römer 7,5 sagt von en Erretteten: „Als wir im Fleische waren Wir ka­ien aus diesem Zustand in ein anderes Bereich, in eine andere Stellung. In Vers 18 heißt es: „Denn ich reiß, daß in mir, das ist in meinem Fleische, nichts gutes wohnt". Wer will dies widerlegen und sagen: In seinem Fleische wohnt Gutes? Möchten alle Gläubien den wahren Zusammenhang zwischen dem physischen und dem sündigen Fleische erkennen. Die Glieder unseres physischen Leibes können Werkzeuge des ~ösen sein, wie es in Eden der Fall war. Satan wirkt durch das Fleisch. Auf dieselbe Weise versuchte Satan den HErrn in der Wüste. Wenn wir von dem jetzigen Leibe erlöst sein werden, sind wir auch glcichzeig von unserem moralischen Fleische befreit. Dann ist ie Offenbarung der Söhne Gottes. Nicht nur unsere eele wird errettet sein, sondern auch unsere Leiber rid dann erlöst. Der Geist ist vollkommen, denn Er ,t eine neue Gabe. Von der Seele heißt es: „errettet erden" (1.Kor.1,18). Der Leib sieht der Erlösung noch entgegen (Römer 5,9.10). Möchten wir hierüber ganz lar sein. Wohl sind wir rechtmäßig, also gesetzmäßig rrettet, doch nicht durch das Gesetz (Eph.2,8). Was ie Seele angeht, lesen wir, daß wir in dasselbe Bild erwandelt werden von Herrlichkeit zu Herrlichkeit .Kor.3,18). Doch die Verwandlung des Leibes findet och nicht statt (Phil.3,20.21). Aber auch diese wird er­)lgen. Mit Seele bezeichnen wir hier ganz besonders ie bewußte Persönlichkeit. Als ganze Person wurden rir lebendig gemacht, aber wir können nicht sagen, aß wir als solche vollkommen gemacht sind. Wir be­nden uns in dem Zustand eines Errettetwerdens (Rö­ter 5,9.10). Der „Geist" hatte eine Errettung nicht nötig, denn Er ist eine neue Gabe. Das, was vom Geiste geboren ist, ist Geist, doch der Leib ist immer noch derselbe. Wir sollen jetzt unsere Glieder darstellen zu

Werkzeugen und Waffen der Gerechtigkeit. „Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib 'zwar tot der Sün­de wegen (Römer 8,10). „Wer wird mich retten von diesem Leibe des Todes?" (Römer 7,24). Wir danken Gott durch unseren HErrn Jesus Christus, daß wir auch davon noch befreit und Ihm in Vollkommenheit dienen werden. Wir leben in der Erwartung „Jenes Ta­ges", daher der ständige Kampf. Wer macht nicht die Erfahrung, daß er tut, was er nicht will, sondern waa er haßt? Dieses ist das Zeugnis der zwei Anblicke in Römer 7,25: „Also nun diene ich selbst mit dem Sinne Gottes Gesetz, mit dem Fleische aber der Sünde 'Ge-, setz". Wird das Fleisch jemals etwas anderes tun, als dem Gesetz der Sünde dienen? Könnte das Fleisch dem Gesetz Gottes dienen, dann erübrigte sich ein göttli­ches Lebendigmachen. Doch das Fleisch kann nur dem Gesetz der Sünde dienen. Der Apostel sagt nicht: „Ich diene mit dem Sinne dem Gesetz Gottes und wähle mit dem Fleische das Gesetz der Sünde". Nein, er spricht vom neuen Leben und sieht seine Verantwortung in der Verwirklichung. Er muß jedoch erfahren, wie er durch sein Fleisch in seinen Werken ständig zukurz ­kommt. Gleich einem Maler, dessen Werk zwar von, anderen bewundert wird, der selbst aber alle Mängel seines Gemäldes sieht, so empfindet der Apostel Schmerz in der Wahrnehmung seines Zukurzkommens. Der Gläubige macht solche Erfahrungen -und das ist der dargestellte Anblick in Römer 7. Wir dürfen nicht denken, daß wir es hier mit vor Menschen offenbaren Sünden zu tun haben. Wir erhalten hier einen Einblick in das innere Empfinden, in den inneren Kampf die­ses Knechtes Gottes, den kein anderer sieht, der aber allen verständlich ist, die in denselben Erfahrungen leben. Gottes Diener empfindet Schmerz über sein persönliches Zukurzkommen. Viele Kinder Gottes aber scheinen heute hiervon gar nichts zu wissen, weil sie es mit der Sünde nichtmehr-genau- nehmen. Es ist die ganz persönliche Erkenntnis der Unvollkommen­heit, die einen Gläubigen demütigt. Darum auch das angewandte persönliche Fürwort „Ich". Der Apostel konnte seine Erfahrung damals nicht auf alle Gläu­bigen in Rom anwenden. Sie waren_ in ihrem geistlichen -Wachstum noch nicht soweit fortgeschritten. Die Mehrzahl konnte die Bedeutung des Gesagten noch nicht verstehen und auch nicht mitsprechen, daher das persönliche „ich". Ungleich dem Ausdruck: „Also ist keine Verdammnis für die, welche in Christo Jesu sind" spricht ein Teil von Römer 7 nur von der Er­fahrung einiger Erretteter. Römer 8 beschreibt dann alle Gläubigen als Gottes Auserwählte. Wir danken Gott, sie sind alle errettet und keine Anklage kann ge­gen sie erhoben werden. Sie sind Geliebte Gottes in, Christo Jesu, und daher errettet von Verdammnis, denn Gott hat die Sünde im Fleische verurteilt. Sein vielgeliebter Sohn hat an unserer Statt das Gericht auf sich genommen. In dieser Hinsicht sind Gläubige nicht mehr im Fleische, sondern im Geiste, denn der Geist Gottes wohnt in ihnen. Sie sollen nicht mehr nach dem Fleische leben, sondern vielmehr durch den Geist die Handlungen des Fleisches töten (Römer 8,13). Töten aber alle Gläubigen in demselben Maße die Handlun­gen des Fleisches? Nein! Töten alle Erretteten die Wer­ke des Fleisches wie Römer 7 es beschreibt? Wir le­sen z. B.: „Aber ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meines Sinnes wider­streitet" (Vers 23). Die Mehrzahl der Gläubigen sieht und bedauert nur die Folgen, die Ergebnisse, des „an­deren Gesetzes in ihren Gliedern. Wenn sie damit verbundene Fehler sehen, ist es schon zu spät, dann ist die Sünde schon geschehen. Gottes Diener aber hat­te die Äste (um im Gleichnis zu reden), längst abge­brochen, und spricht von der Wurzel, von der Ursa­che! Und hier war es, wo er im heißen Kampfe stand. Er wollte die Wurzel behandeln, ehe irgendwel­che Anzeichen von Gesetzlosigkeit offenbar wurden. Solange wir auf Erden pilgern, kommen wir aus der Erfahrung von Römer 8 nicht heraus und sollten uns auch nicht über die Erfahrungen von Kapitel 7 gleich­gültig hinwegsetzen. Wir stehen in diesen Kapiteln auf einem Kampfplatz, von dem der andere gar nichts sieht. Hier soll Sünde in ihrem Anfangsstadium er­stickt werden, ehe sie sich auswirken kann und ein anderer Kenntnis davon nimmt. Doch nur bei einem eng mit Gott verbundenen Wandel wird es ein tiefes schmerzlich empfundenes Bewußtsein der eigenen Sündhaftigkeit geben. Als sich Jesaja in der Gegenwart Gottes sah, sagte er: „Wehe mir!" Als Gott zu Hiob redete, verabscheute er sich selbst. Paulus machte ei­ne ähnliche Erfahrung. Er war ein treuer Mann Got­tes und wandelte in den Wegen des HErrn, so daß er bei einem zarten Gewissen eine tiefere Erfahrung als viele andere machte, die trotz ihrer Errettung ihre herrlichen damit verbundenen Vorrechte weniger er­fassen. Jemehr wir in Gnade wachsen und sie schät­zen, desto schrecklicher muß uns die Erkenntnis der Sünde sein. Wir sollten ein heiliges, zartes Gewissen für Sünde haben, Gott haßt Sünde, und so müssen auch wir unsere Werke, die nicht gut sind, hassen. So­bald wir dieses begriffen haben, werden wir erken­nen, wie die verschiedenen Äußerungen gebraucht wer­den, um Sünde zu entschuldigen. Das können aber nur jene tun, die dem HErrn fern stehen. Diese Kapitel geben uns auf diese Weise eine schöne Prüfmöglich­keit in bezug auf unsere Stellung zum HErrn an die Hand.

Was ist nun das Ergebnis einer solchen Betrachtung für uns als Kinder Gottes? Möchten auch wir uns zu einer wahren Heiligkeit gemäß der Wahrheit erman­nen. Möchten wir mehr mit unserer neuen Schöpfung eins werden. Der Heilige Geist erklärt hier: „In mei­nem Fleische wohnt nichts Gutes". Ferner: „Ich selbst diene mit dem Sinne Gottes Gesetz". So sieht der Apostel zwei „Ich. Das eine in Vers 15 und das ande­re ist das der neuen Schöpfung, welches Sünde haßt. Auf diese Weise läßt sich der Kampf erklären. Ja, für ein treues Kind Gottes ist es ein heißer Kampf, doch der Kampf führt zum Sieg, so schmerzlich Feh­ler und Zukurzkommen empfunden werden.

Kreuzigung und Tötung 

In unserer Betrachtung über Römer 7 und 8 haben, wir bereits kurz daraufhingewiesen, daß die zwei ge­brauchten Ausdrücke „kreuzigen" und „töten" zwei ganz verschiedene und auch zeitlich getrennte Hand­lungen beschreiben. Wir wollen uns jetzt noch etwas eingehender mit diesen Gedanken beschäftigen und sehen, was diese Ausdrücke zu sagen haben. Immer wieder werden wir in der Heiligen Schrift vor die wichtige Tatsache gestellt, daß Abscheu und Haß gegen jede Art von Sünde Kennzeichen eines Wieder­geborenen sind. Auf der einen Seite weist uns Gottes Wort auf die wunderbare Liebe zum HErrn hin, die auch unser Leben mehr charakterisieren sollte-und auf der anderen Seite zeigt sie uns, daß auch Haß wider Sünde ein Teil der neuen Natur ist. Der Psalmist bekannte: ,.Ich hasse eitle Gedanken", und dies zeigt uns etwas vori-seinern Ha11 gegen alles, das ge­gen Gott ist. Solche Erfahrungen müssen auch wir im­mer mehr durch Seine Gnade machen. Unser gelieb­ter HErr konnte sagen: ..Der Eifer um Dein Haus, hat Mich verzehrt". Möchte es Gott gefallen, uns für diese Wirklichkeit das rechte Verständnis zu geben. Wir sollten Gott ernstlich bitten, daß Er die hier dar­gereichten Gedanken gebrauchen möchte, uns ein bes­seres Verständnis für die zwei Handlungen „kreuzi­gen" und „töten" zu schenken. Diese Ausführungen mögen vielleicht nicht besonders interessant sein, da­für aber um so notwendiger und praktischer. Und dies ist ja auch der Zweck der Heiligen Schrift. Sie . soll den Gläubigen nicht unterha1ten, sondern sie ist uns zur Lehre gegeben, zur_ tlber__führung,zur Zurecht­weisung;-zur Unterweisung in der Gerechtigkeit. Wenn wir eine Gegenüberstellung machen wollten, so wür­den wir vielleicht dreimal soviel Hinweise auf Zu­rechtweisung finden als auf die Lehre. Dies will uns, gewiß zeigen, wie wir immer wieder Zurechtweisung benötigen. Jeder Gläubige sollte die Worte von 2.Ko­

rinther 6,10 erfahren: „Als Traurige, aber allezeit-un& freuend". Auch in bezug auf begangene Sünde müssen wir es anwenden. Wenn wir durch Sündenerkennt­nis nicht betrübt werden, sondern leichtfertig darüber hinweggehen, kann - uns auch ein Glaubensblick auf den HErrn Jesus nicht freudig machen. Von der heu­te unter Gläubigen zur Schau getragenen Freude ist sehr wenig wirklich tief. Sie ist oft nur der Vernunft angepaßt, wie sie der HErr Jesus im Gleichnis von Matthäus 13,20 zeigt. Unser geliebter HErr wünscht uns Seine Liebe, Seine Freude und auch Seinen vol­len Frieden. Diese drei Stücke sind ein Teil der Frucht des Heiligen Geistes (Gal.5,22) und werden in der Berg­predigt hervorgehoben. Der HErr Jesus sagte nicht nur: „Ein neues Gebot gebe Ich euch, daß ihr einan­der liebet" (Joh.13,34), sondern auch: „Bleibet in Mei­ner Liebe" (Joh.15,9). Weiter sagte Er: „Dies habe Ich zu euch geredet, auf daß Meine Freude in euch sei, und eure Freude völlig werde" (Vers 11). Ferner: „Frieden lasse Ich euch, Meinen Frieden gebe Ich euch" (Joh.14,27). Der Heilige Geist empfängt alles von Christus (Kap.16,14). Deshalb lesen wir: Meine Liebe, Meine Freude, Meinen Frieden. Die rechte Freu­de ist eine von Herzen empfundene Freude. So kommen wir nun zuerst zu dem Wort „Kreuz" oder „kreuzigen". Das im Urtext hierfür gebrauchte Wort beschreibt einen aufrechtstehenden Pfahl und so­weit wir aus der Heiligen Schrift 'ersehen können, starb der HErr Jesus an einem solchen. Was man heute in der sogenannten Christenheit unter dem Wort „Kreuz" versteht, hat seinen Ursprung im Heidentum. Auch im deutschen Sprachgebrauch versteht man un­ter Kreuz gekreuzte Balken. Dies ist jedoch nicht in, Übereinstimmung mit der Heiligen Schrift -und wir sollten uns hüten über die Heilige Schrift hinauszu­gehen. Die aus dem Heidentum übernommene Kreu­zesform, die dann durch das Christentum mit der Kreuzigung unseres geliebten HErrn in Verbindung gebracht wurde, sollte uns betrüben, und das Kind Gottes sollte eine heilige Abscheu vor der unwahren

Darstellung der Kreuzesform in bezug auf unseren geliebten HErrn empfinden (Joh.3,14; 4.Mose 21,8.9). Unser geliebter HErr wurde gekreuzigt, und so werden die Seinen als mit Ihm gekreuzigt betrachtet. Dies lesen wir in Galater 2,20: „Ich bin mit Christo ge­kreuzigt". Es folgen dann die Worte: „Und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt lebe im Fleische, lebe ich durch Glauben, durch, den an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat". Wir werden aber nicht mit Christus in der Gleichheit Seiner Kreuzi­gung gelassen. Deshalb haben wir den Nachdruck auf Auferstehung: Ich lebe, Christus lebt in mir. Auf der einen Seite gelten wir mit Ihm als gekreuzigt, und auf der anderen Seite haben wir jetzt unsere Gemein­schaft mit Ihm in der Auferstehung, im Leben. Der HErr Jesus sagte: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht". Dies geschieht in der Auferstehung. Bis zu Seinem Tode blieb der HErr Je­sus in dieser Hinsicht allein.. Die Seinen waren dem, HErrn Jesus vor Seiner Auferstehung gleich einem in der Frucht schlummernden Keime zugerechnet. Un­ser Dasein und unsere Gemeinschaft kam erst zustan­de, als aus der Frucht das neue Leben sproßte. Auf ei­ne solche Weise ist das Verhältnis der Seinen zu Ihm beschrieben. Wenn wir zu den Berufenen Jesu Chri­sti zählen, dann sind wir mit Christo gekreuzigt wor­den, das betont Galater 5,21: „Die aber des Christus sind, haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leiden­schaften und Lüsten". Diese zwei Aussagen in diesem Briefe müssen wir jedoch auseinanderhalten. Die Wor­te: „Ic in gekreuzigt" stehen in der Passivform und drücken somit den göttlich gewirkten Zustand aus, zu welchem der Gläubige nichts beigetragen hat, während die anderen Worte: „die aber des Christus sind, haben das Fleisch gekreuzigt" auf ein Handeln seitens des Gläubigen hinweisen. Es ist also zwecklos von einem unerretteten Menschen zu erwarten, daß er sein Fleisch kreuzigt. Es heißt: „Die aber des Christus sind, haben

das Fleisch gekreuzigt. Wir müssen hierbei auch be­achten, daß es nicht heißt: sie kreuzigen das Fleisch. Durch die Zeitangabe wird ganz bestimmter Weise be­tont, daß ein Christ dies in der Vergangenheit getan hat. Daher ist es falsch zu sagen: kreuzige das Fleisch, wo doch die Schrift sagt: sie haben das Fleisch gekreu­zigt. Es ist sehr wichtig, hierfür das rechte Verständ-. nis zu besitzen. Diese Stelle sagt auch nicht, daß dies nur einige Gläubige getan haben, sondern daß alle es; taten, die in Christo sind. Somit muß dies auch der Zustand jedes Wiedergeborenen sein, es ist die Ge­schichte jedes Gläubigen. Ja, unsere Vergangenheit hat eine Geschichte, und sie lautet: „Die aber des Christus sind, haben das Fleisch gekreuzigt". Diese Handlung geht zurück in die Zeit, da wir zuerst mit Christus bekannt wurden, in die Zeit, da wir in Seiner Barm herzigkeit lebendig gemacht wurden, den HErrn Je-. sus empfingen, Seinem Werke vertrauten und uns selbst verleugneten. Dies betrifft alle „die des Chri­stus sind". Durch dieses klare Kennzeichen eines Chri­sten haben wir die Möglichkeit zu einer ernsten Selbst­prüfung. Hat ein solches Selbstgericht nicht stattge­funden, dann besteht auch keinerlei Beziehung zu Christus und Seinem vollbrachten Werk. Dies ist sehr wichtig. Wir lernen daraus auch, daß Gott eine klare Linie gezogen hat zwischen Seinen Heiligen und den Weltmenschen -und Gott hat diese bis heute nicht be­seitigt. Folglich muß der Heilige vom Weltmenschen zu unterscheiden sein. Es muß einen sichtbaren ganz klaren Unterschied zwischen einem Erretteten und ei­nem Unerretteten geben. Es wird uns nun verständ­lich sein, daß im Brief an die Galater eine passive ne­ben einer aktiven Stellung erwähnt ist („bin gekreu­zigt" und „haben gekreuzigt" 2,20; 5,24). Einen ähnli­chen Gedanken finden wir in Römer 6,6: „indem wir dieses wissen, daß unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, auf daß der Leib der Sünde abgetan sei, daß wir der Sünde nicht mehr dienen". Es heißt: „in­dem wir wissen", also nicht: denken, hoffen oder wün­schen. Es heißt auch nicht, daß unser alter Mensch 

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mitgekreuzigt wird, sondern worden ist! Der Zweck ist: „auf daß der Leib der Sünde abgetan sei", also unwirksam oder außer Tätigkeit gebracht worden ist. Vielleicht ist hier ein Beispiel hilfreich. Wenn wir z. B. einen Löwen fesseln und in Ketten legen, daß er sich nicht mehr frei bewegen und seine ihm sonst ei­genen Tätigkeiten nicht mehr ausführen kann, haben wir ein Bild des mit „gekreuzigt" beschriebenen Zu­standes. Die erwähnten Stellen sagen nicht, daß es mit dem Leib der Sünde zu Ende ist, also daß derselbe, beseitigt wäre, sondern daß die Kreuzigung desselben stattfand, deren Zweck und Ziel das Unwirksammachen des Leibes der Sünde ist. Zu unterscheiden ist wohl, was stattfand und was dabei als Ziel ins Auge gefaßt wurde. Wir werden noch auf einen anderen Zweck aufmerksam gemacht. Wir sollen nicht mehr länger Sklaven der Sünde sein. Hier wie auch in Galater 2 folgt auf das Passiv ein frommer Lebenswandel. „Ich lebe durch Glauben, durch den an den Sohn Gottes". Die Kreuzigung des alten Menschen ist somit in einem Anblick gewissermaßen das Fundament zur Frömmig­keit. In Galater 6,14 haben wir einen anderen Passiv in bezug auf Kreuzigung. Auf diese Weise erhalten wir verschiedene Anblicke. In jedem Brief haben wir einen bestimmten Anblick. Im Briefe an die Römer ist die Rechtfertigung durch Glauben der besondere Gedanke. Auch wird in beiden Briefen die Wassertaufe als ein Bild von dem, was unsere heutige Betrachtung ist, betont. In Römer 6,4 heißt es: „So sind wir nun mit Ihm begraben worden durch die Taufe auf den Tod." Die Taufe ist ein Bild von dem, was zum Tode führt. Nur wird das Begräb­nis von der Auferstehungsseite aus betrachtet. Bei Christus war die Reihenfolge: Leben, Tod, Begräbnis, Auferstehung. Einem irdischen Leben des Gehorsams folgte der Tod, dann das Begräbnis und schließlich die Auferstehung. Wir aber als Gläubige wurden zuerst mit Ihm in der Auferstehung vereinigt, dem dann Begräbnis, Tod und ein irdisches Leben des Gehorsams folgen. Die Wassertaufe versinnbildlicht Alen Tod und

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die Auferstehung zum neuen Leben. In Galater 6,14.15 sagt der Apostel: „Von mir aber sei es ferne, mich zu rühmen". Ein Pharisäer rühmte sich gern. Paulus aber wollte es nicht tun, solange er nichts Rühmenswer­tes hatte. „Von mir aber sei es ferne, mich zu rühme,-,i, als nur des Kreuzes unseres HErrn Jesus Christus, durch welchen-oder welches (grammatisch ist bei­des richtig) -mir die Welt gekreuzigt ist, und ich der Welt. Denn weder Beschneidung noch Vorhaut ist et­was, sondern eine neue Schöpfung". Daher, ob nun die Welt heidnisch oder jüdisch ist, für ihn ist die Grenze gezogen. Diese Worte: „Durch welchen mir die Welt gekreuzigt ist, und ich der Welt", zeigen einen anderen Anblick als der bereits betrachtete: „Die aber des Chri­stus sind, haben das Fleisch gekreuzigt". Wir werden auf zwei Feinde eines Christen aufmerksam gemacht. Einmal auf das Fleisch, und dann auf die Welt. Doch Gott „wird in kurzem den Satan unter eure Füße zer­treten" (Römer 16,20)-die Welt, das Fleisch und den Teufel. „Die aber des Christus sind, haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Lüsten." Sie taten dies, damit ihm keine Bewegungsfreiheit gelas­sen würde und damit den Leidenschaften und Lüsten, dem Fleisch in seinem Wesen. Das als Leidenschaften übersetzte Wort des griechischen Urtextes spricht von Gemütsbewegungen, darunter fallen jedoch nicht die göttlichen Wünsche, sondern eben die dem Fleische entspringenden Gefühle und Lüste. Wir dürfen nie das Beste eines Amalek verschonen wollen (1.Sam.15,9.15).

Auch in Galater 6 haben wir die Kreuzigung der, Welt. Das sagt mir, daß die Welt für mich ein Auswurf geworden ist; und ich ihr. Wer am Kreuze hängt, wird von seinen Feinden nicht geehrt. Im Morgenland wur­den früher die Sklaven an das Holz gehängt, und dies. war der schmachvollste Tod. Geistlich betrachtet be­deutet dies also: daß eine schöne anzügliche Welt durch die Kreuzigung für mich gleich einem Sklaven wurde, den man eines todeswürdigen Verbrechens überführte und an das Holz hängte. Das Wort für „Welt" wird auch für „Schmuck" und „Zierart" gebraucht. Daran sollten wir denken, denn es bedeutet in diesem Sinn übersetzt: „Durch welchen mir der Schmuck gekreuzigt wurde, und ich dem Schmuck". Sicher ist durch dieses Wort, alles weltlich Schöne und Anzügliche in einer sich stets verändernden Welt für den Gläubigen als abgetan gerichtet. Der Gläubige ist in der Welt ein Pilger, und als ein solcher kann er weder einen Palast bewohnen noch sich mit Putz und Prunk umgeben. Wir haben es bei unserer Betrach­tung mit Tatsachen zu tun und nicht mit bloßen Mög­lichkeiten. Ein Mensch, der sich als Christ ausgibt und diese vorausgegangenen Zeugnisse nchit auslebt, stellt sein Bekenntnis in Frage. Aber es ist nicht unsere Sache ihn zu beurteilen, denn der HErr allein weiß, wer Sein Eigentum ist. Doch es ist unsere Verantwor­tung zu wissen, was und wie ein Christ sein, und was und wie er nicht sein soll. In der Anerkennung eines Menschen als Christen müssen wir sehr vorsichtig sein, denn, die betrachteten Teile sagen uns ganz klar, was Kinder Gottes offenbaren sollen und wie man solche erkennen kann: „Die aber des Christus sind, haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaf­ten und Lüsten". Wie könnte dann ein Gläubiger noch seinem Fleische Freiheit gewähren? In Galater 5,25 geht es weiter: „Wenn wir durch den Geist leben, so laßt uns auch durch den Geist wandeln". Wir beken­nen, daß unser Fleisch zu nichts geistlichem taugt und haben es bildlich in der Taufe begraben und wollen auch so wandeln, wie wir leben sollen-im Geiste. Wenn das alte Leben verändert wurde, dann muß auch der alte Wandel eine Veränderung erfahren haben. Die des Christus sind und das Fleisch gekreuzigt ha­ben, können nicht mehr nach dem Fleische wandeln, denn sie haben kein Recht mehr dazu. Gleichförmig­keit zur Welt darf für ein Kind Gottes keine unge­löste Frage sein. Ein Kind Gottes darf nicht mehr fleischlich oder fleischlich gesinnt sein. Wenn, es das ist, dann baut es wieder auf, was es einmal abgebrochen hat (Galater 2,18). Gott hat die Scheidelinie gezogen und Seine Worte: „Seid nicht in einem ungleichen Jo­

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ehe mit Ungläubigen" (2.Kor.6,14) müssen unsere Her­zen erreichen. Der Gläubige ist ein Gegensatz zu de­nen ohne Christus und auch in bezug auf den Zustand, in welchem er sich früher befand. Die Kreuzigung ist in der Vergangenheit geschehe n und kann nicht wie­derholt werden. Doch Kreuzigung ist noch nicht der Tod, wie wir bereits gesehen haben. Das Fleisch ist noch am Leben, auch wenn ihm durch die Kreuzigung die Bewegungsfreiheit genommen wurde. Doch' die Kreuzigung hat den Tod zum Ziel und Zweck. Das sind zwar zwei verschiedene Anblicke, sind aber eng miteinander verbunden. Sicher wählte der Heilige Geist dieses Bild, um uns eine Belehrung zu geben. Bei der Kreuzigung wurden häufig die Hände und Füße des zum Tode Verurteilten angenagelt. Der so Gepfählte konnte sich wohl noch bis zu einem gewis­sen Grade bewegen, doch bereitete, ihm jede Bewegung viel Schmerzen. Ähnlich kann sich das gekreuzigte Fleisch noch bewegen. Doch ist seine Bewegungsfrei­heit und Wirksamkeit eingeschränkt. Es ist gleich dem Verbrecher verurteilt, verachtet und verworfen. Das Fleisch ist der Mittelpunkt der Sünde, deshalb heißt es: „So herrsche denn nicht die Sünde in eurem sterb­lichen Leibe (Römer 6,12). Ein verurteilter, gehäng­ter Sklave kann nicht über euch herrschen! Hier be­steht auch der Gedanke: Als ihr zu Christus kamet, verurteiltet ihr euer Fleisch. Habt ihr dies nicht ge­tan? Weshalb kamet ihr dann zu Christus? Wenn, sich das Fleisch verbessern läßt, dann verbessert es, wenn es aber unverbesserlich ist, dann habt Vertrauen in den HErrn Jesus Christus. Hier haben wir also den. Anfang eines gläubigen Lebens, eine vollkommene Verleugnung von irgend etwas Gutem im natürlichen Menschen. So konnte mit dem Fleische nichts anderes getan werden als es völlig zu verurteilen, zu kreuzi­gen. Seitdem hängt es verurteilt am Kreuze, seine Erlösung durch den Tod erwartend.

Mit diesen Gedanken über die „Kreuzigung kommen wir nun zur Wortbetrachtung „Tötung". Hierzu wer­den wir ermahnt. Die Heilige Schrift macht einen Unterschied zwischen diesen beiden Handlungen, deshalb müssen auch wir ihn machen. Die Tötung setzt fort. was die Kreuzigung begann. Es heißt nicht: „Die aber. des Christus sind, töteten_ das Fleisch'- Vielmehr geht die Ermahnung dahin, daß wir jetzt zu töten haben. Die Kreuzigung geschah in der Vergangenheit. Das Tö­ten jedoch ist unsere gegenwärtige Aufgabe. Zwei be­sondere Worte werden hierfür im griechischen Text gebraucht. Eines finden wir in Römer 8,13: „Denn wenn ihr nach dem Fleische lebet, so werdet ihr ster­ben, wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben". Wir sehen dar­aus, daß das Fleisch noch nicht tot ist, daß es noch lebt, denn was tot ist, kann nicht mehr getötet werden. Auf diese Weise sollen wir erkennen, wie das Leben eines Gläubigen ein Leben ständigen Kampfes ist. Doch das vollbrachte Werk Christi ist das Unterpfand zum Siege, und das Werk des Geistes Gottes gibt die Kraft dazu. „Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, der Geist aber wider das Fleisch; diese aber sind einander entgegengesetzt, auf daß ihr nicht das tuet, was ihr wollt" (Gal.5,17). Die Lüste des Fleisches müssen getötet werden, damit sie nicht zur Ausfüh­rung gelangen. Das Fleisch sucht sich noch zu bewe­gen und zu behaupten, und diese Bewegungen müs­sen wir wahrnehmen und töten. Wie groß ist doch unser aller Zukurzkommen in dieser Hinsicht. Der Hei­lige Geist ermahnt uns: Bleibet am Töten! Nun wird uns gesagt warum. „Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, diese sind Söhne Gottes" (Rö­mer 8,14). Vorher werden wir darauf aufmerksam ge­macht, daß der Zustand, durch den Heiligen Geist ge­führt zu werden, uns Zeugnis gibt, daß wir nicht mehr unter Gesetz sind. Und hier haben wir nun das Zeug­nis, daß durch die Leitung des Heiligen Geistes die Tötung der Handlungen des Leibes zustande kommt. So lernen wir, daß wir auf Erden nicht ein Leben des Genusses, sondern des Kampfes zu führen haben. Das Leben eines Gläubigen trägt nicht nur Frucht, son­dern auf der negativen Seite hat es zu töten. Einseitigkeit im Verständnis der Schrift hat soviele irre­geführt. Diese zwei Anblicke müssen wir beachten. Heute hören wir öfters sagen: Dein Fleisch ist getö­tet, oder: Mit deinem Fleische hast du nichts mehr zu schaffen. Solche Äußerungen finden wir nicht in der Heiligen Schrift. Denn diese sagt uns: Töte die Hand lungen des Fleisches, das du gekreuzigt hast. Es gibt Handlungen, die nur einmal getan werden können, während andere fortgesetzt werden müssen. Ein Gläu­biger wird z. B. nur einmal getauft, nachdem er zum wahren Glauben gekommen ist. Doch das, was in ider Taufe dargestellt wird, muß ständig dem Ziele näher­gebracht werder und bedeutet ein tägliches Sterben.

Das andere für Tötung gebrauchte Wort finden wir in Kolosser 3,5. In Römer 8 haben wir die Gegenwart und die Aufforderung mit dieser Handlung fortzuset­zen. In Kolosser 3,5 ist ein Hinweis auf die Vergan­genheit in Übereinstimmung mit einer Spracheigen­heit, es sofort zu tun: „Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind". Nun folgt eine Aufzählung vonk Sünden und der Apostel fügt hinzu: „um welcher Din­ge willen der Zorn Gottes kommt über die Söhne des Ungehorsams; unter welchen auch ihr einst ge­wandelt habt, als ihr in diesen Dingen lebtet". Jetzt lebt ihr im Geiste, darum wandelt auch nach dem Geiste! Leget alles, was diesem Stand zuwider ist, ab! Wieder folgt eine Reihe von üblen Handlungen: „Belüget einander nicht, da ihr den alten Menschen mit seinen Handlungen ausgezogen und den neuen an­gezogen habt, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Bilde dessen, der ihn erschaffen hat". D. h. also: Ihr habt den alten Menschen mit seinen Handlungen ausgezogen und so handelt dementsprechend. Tötet so­fort eure in Gefahr befindlichen Glieder, die auf der Erde sind! Warum? Weil der Gläubige auf das zu sin­nen hat, was droben ist. Eine der betrüblichsten Be­schreibungen in der Heiligen Schrift ist wohl die, wo wir über den Zustand von Bekennern lesen: die auf das Irdische sinnen! Ein Gläubiger sollte nicht mehr nach Dingen dieser Erde trachten, denn es heißt ja: Ihr seid

der Welt gekreuzigt. So tötet die Glieder, die .auf der Erde sind und übet euch im Trachten nach dem, was oben ist! Wir haben auch die andere Ermahnung: „Stellet auch nicht eure Glieder der Sünde dar zu Werkzeugen der Ungerechtigkeit, sondern stellet euch selbst Gott dar als Lebende aus den Toten, und eure Glieder Gott zu Werkzeugen der Gerechtigkeit" (Rö­mer 6,13). Töte die Glieder auf Erden und übe die Glieder für das himmlische Bereich. Auf diese Weise ist die Tötung das Ergebnis der Kreuzigung oder •die Anerkennung, daß die Kreuzigung in der Vergangen­heit stattfand. Tötung ist die tägliche Aufgabe eines jeden. Gläubigen. Ein Erretteter kann nicht mehr wie früher leben, denn er kreuzigte das Fleisch und daran muß er denken, solange er auf dieser Erde lebt. Wir wollen die Ermahnung beherzigen: „Also auch ihr, hal­tet euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Chri­sto Jesu" (Römer 6,11). Allein durch eine ständige Tö­tung der Handlungen des Leibes können wir dieses verwirklichen. Es ist ein Kampf, und dieser ist uns verordnet. Sowohl ein „Kindlein" als auch ein „Va­ter" in Christo hat diesen zu führen. Gewiß wird kein: wahrhaft Erretteter sagen können, daß er diesen Kampf nicht zu führen braucht, denn dann müßte ja sein Fleisch tot sein und das sagt uns die Schrift nicht, wie wir gesehen haben. Wir können nicht mehr der Sünde Knecht sein und nicht mehr in der Sünde le­ben, denn in Christo Jesu haben wir den Sieg, auch wenn wir nicht das gekreuzigte Fleisch, sondern des­sen Handlungen, töten. In der Herrlichkeit werden wir keinen solchen Kampf mehr haben, denn dann wird auch das gekreuzigte Fleisch nicht mehr da sein. Dann gibt es weder einen Kampf wider die Sünde noch eine Erinnerung an Sünde. So fassen wir diese Gedanken noch einmal zusam­men: In der Vergangenheit kamen wir zu einer Freiheit von der Sündenstrafe. Jetzt sollen wir frei wer_ den von der Macht der Sünde in der Kraft des Hei­ligen Geistes. In der Zukunft werden wir aller Sünde enthoben sein, weil dann Sünde nicht mehr sein wird. Das Fundament für all dieses ist Gottes Gnade, und der Höhepunkt wird Herrlichkeit sein. Allewege gibt Gott auf dem Pilgerpfade Gnade. Gnade am An­fang, mehr Gnade in der Gegenwart und am Ende wird Seine Gnade alles übertreffen. Eines übertrifft das Andere zu Seinem Preise. Gott ist der Gott aller Gnade!