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Das Reich Gottes  Stand:  06.04.2017  Script RL_englisch Skript Roger Liebi deutsch  

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Inhaltsverzeichnis
Lektion Seite
1 Die Wassertaufe Im Neuen Testament 4
2 Die Entstehung der Kindertaufe 15
3 Unvollendete Reformation: Die Taufe - 27
4 Die Taufdiskussion heute 37
5 Die Taufe mit dem Heiligen Geist- 51
6 Verschiedene Irrtümer über die Taufe mit dem Heiilgen Geist 56
Die Taufe
Die Wassertaufe im Neuen Testament Lektion i
Die Vorbilder der christlichen Wassertaufe
Die jüdische Proselytentaufe
Die jüdische Proselytentaufe war eine symbolische Handlung, durch die Nichtjuden ins Judentum aufgenommen wurden.
1. Ein Proselyt bezeugte durch die Taufe, dass er sich von seiner alten Religion (und der religiösen Gemeinschaft) gelöst und distanziert hat, und dass er sich einer neuen religiösen Gemeinschaft angeschlossen hat.^
2. Diese Taufe geschah durch Untertauchen. Dabei ist es nicht erwiesen, dass Kleinkinder getauft wurden.
Die Taufe des Johannes
1. Die Taufe des Johannes war eine 'Taufe der Buße". Johannes' Verkündigung war
ein Aufruf zur Buße.
a. Die Taufe des Johannes war ein äußeres Zeichen, durch das der Täufling zum Ausdruck brachte, dass ihm seine Sünden Leid tun, dass er auf den Messias wartet und für das Kommen des Messias bereit sein möchte, Joh. 3,23; vgl. Matth. 3,1-12; Joh. 1,19-34.
b. Johannes taufte bußfertige Menschen im Hinblick auf die in Jesus Christus nahegekommene Herrschaft Gottes auf Erden. Apg. 19,3-4; Matth. 3,11; Mk. 1,4.
c. Es ist zu beachten, dass die Buße (Sinnesänderung, Umkehr) der Taufe vorausging. Die Buße geschah vor der Taufe. Matth. 3,6+8.
d. Zur Bußtaufe des Johannes kam jeder selbst. Niemand wurde zur Taufe gebracht. Johannes taufte keine Säuglinge. Jeder, der getauft wurde, bekannte selbst seine Sünden, tat selbst Buße und ließ sich taufen. Vgl. Luk. 7,29.
e. Johannes hat nicht jeden seiner Zuhörer getauft. Taufe ist nicht für jedermann. Wer keine Buße tat, wurde von Johannes nicht getauft. Mt. 3,7-8; vgl. Luk.
7,30.
f. Die Taufe des Johannes geschah durch Untertauchen. Vgl. Mk. 1,10; Joh. 3,23.
g. Es ist anzunehmen, dass eine ganze Reihe derer, die an Pfingsten getauft wurden (Apg. 2,41), auch von Johannes schon getauft waren. Vgl. Apg. 19,2-7.
2. Die Taufe, mit der Jesus getauft wurde, war die Taufe des Johannes, also die Taufe
der Buße.
1 J. Dwight Pentecost, The Words and Works of Jesus Christ (Grand Rapids: Zondervan Publishing House, 1981), S. 84.
4 Die Taufe

Die Taufe im Neuen TestamentVon Ernst G. Maier (1 von 4)1 Die Vorbilder der neutestamentlichen Wassertaufe1. Die jüdische Proselytentaufe war eine symbolische Handlung, durch die Nichtjuden insJudentum aufgenommen wurden.a.Ein Proselyte bezeugte durch die Taufe, daß er sich von seiner alten Religion(und der religiösen Gemeinschaft) gelöst und distanziert hat, und daß er sicheiner neuen religiösen Gemeinschaft angeschlossen hat.1b.Diese Taufe geschah durch Untertauchen. Dabei ist es nicht erwiesen, daßKleinkinder mitgetauft wurden.2. Die Taufe des Johannes war eine „Taufe der Buße.“ Johannes verkündigte einenAufruf zur Buße.a.Die Taufe des Johannes war ein äußeres Zeichen, durch das der Täufling zumAusdruck brachte, daß ihm seine Sünden leid tun, daß er auf den Messias wartetund für das Kommen des Messias bereit sein möchte, Joh. 3,23; vgl. Matth. 3,1-12; Joh. 1,19-34.b.Johannes taufte bußfertige Menschen im Hinblick auf die in Jesus Christusnahegekommene Herrschaft Gottes auf Erden. Apg. 19,3-4; Matth. 3,11; Mk. 1,4.c.Es ist zu beachten, daß die Buße (Sinnesänderung, Umkehr) der Taufevorausging. Die Buße geschah vor der Taufe. Jeder kam selbst, bekannte selberseine Sünden, tat selbst Buße, und ließ sich taufen. Vgl. Luk.7,29. Wer keineBuße tat, ließ sich auch nicht taufen. Vgl. Luk. 7,30.d.Auch die Taufe des Johannes geschah durch Untertauchen. Vgl. Mk. 1,10; Joh.3,23.3. Die Taufe mit der Jesus getauft wurde, war die Taufe des Johannes, also die Taufeder Buße.a.Obwohl Jesus ohne Sünde war, solidarisierte er sich mit den sündigenMenschen. Vgl. 2.Kor. 5,21.b.Seine Taufe diente auch insbesondere der Identifizierung Jesu als den MessiasIsraels. Joh. 1,29-34.4. Jesus selber hat auch getauft. Diese Taufe war wie die Taufe des Johannes eineTaufe der Buße, das heißt, die Täuflinge bekannten öffentlich, daß ihnen ihre Sündenleid tun und daß sie ein neues Leben führen möchten.
Seite 2 von 91.1 Die äußere Form der Wassertaufe1. Die oben erwähnten Vorbilder der christlichen Taufe wurden durch Untertauchenpraktiziert.2. Die Bedeutung der Worte, die für „Taufe“ oder „taufen“ verwendet werden, bedeuten„untertauchen“. Das Wort bapto bedeutet im allgemeinen Sprachgebrauch:„eintauchen, untertauchen, in Farbstoff tauchen, und manchmal: „schöpfen“.2 Baptizoist eine Intensivform und bedeutet: „eintauchen, untertauchen, vernichten (durchversenken)“.3 Pentecost bezeugt, daß für das jüdische Denken baptizo „die Gedankenvon Reinigung und Weihe zu einer neuen Identität oder Beziehung“ beinhaltete. 43. Die symbolische Bedeutung der Wassertaufe kommt in anderen Formen der Taufenicht zum Ausdruck. Vgl. Rö. 6,3-4.4. Die Kirchengeschichte bezeugt durch Schriften und durch gefundene Taufbecken inKirchen, daß die Taufe ursprünglich durch untertauchen durchgeführt worden ist.1.2 Die Bedeutung der Wassertaufe1. Die christliche Wassertaufe wurde von dem Herrn Jesus befohlen. Der Missionsbefehlist ein Gebot> Jünger (Nachfolger) zu machen. Dies geschieht durch dieVerkündigung des Evangeliums. Mit den Jüngern soll zweierlei geschehen (Matth.28,19):a.Erstens, sie sollen auf den Namen des dreieinigen Gottes getauft werden, dasheißt, auf sichtbare Weise mit der Gemeinde Jesu identifiziert werden (undsicherlich in die örtlichen Gemeinden aufgenommen werden). Zweitens, siesollen gelehrt werden in der Lehre Jesu.b.Die Apostel und die erste Gemeinde haben den Missions- und Taufbefehl aufdiese Weise verstanden und auch so praktiziert. Apg. 2,41; 8,12; 8,35-38; 9>19;10,47-48; 11,22; 13,1; 114,22-23; 15,41; 16,5; 19,3-5.2. Die Taufe ist ein Symbol des Todes. Wir sind mit Christus gekreuzigt, gestorben undbegraben. Röm. 6,3-11; Kol. 2,12.3. Die Taufe ist ein Symbol der Auferstehung zu neuem Leben. Wir sind mit Christuslebendig geworden, auferstanden zu neuem Leben. Röm. 6,4-11; Rol. 2,12-13.4.Die Taufe ist ein Symbol der Zugehörigkeit, der Identifizierung mit der Gemeinde Jesuauf Erden.a.Die Taufe des Heiligen Geistes bringt den Gläubigen in die Gemeinde, den LeibJesu Christi. 1.Kor. 12,13. Vgl. Matth. 28,18-20.b.Die Wassertaufe geschieht zur Identifizierung mit der Gemeinde Jesu Christi aufErden, der Ortsgemeinde. Der Täufling bekennt, daß er zur Gemeinde JesuChristi (und damit zur örtlichen Gemeinde Jesu Christi) gehört. Die Taufe istdeshalb (vgl. Apg. 2,41) Voraussetzung zur Aufnahme in die örtliche Gemeindeoder die Handlung der Aufnahme in die Gemeinde am Ort.c.In diesem Sinne war die Taufe schon immer ein bedeutender Schritt (vgl. Apg.
Seite 3 von 92,38; 22,16). Der Glaube ist unsichtbar bis das öffentliche Bekenntnis und diesichtbaren Werke folgen (vgl. Röm. 7,4; Eph. 2,10; Tit. 2,14; 3,8~14; Jak. 2,17).d.Die Taufe ist deshalb, biblisch gesehen, der erste Schritt desGläubiggewordenen. Der Täufling bezeugt, daß er zur Gemeinde gehört undidentifiziert sich dabei mit der örtlichen Gemeinde.5. Die Taufe ist ein Zeichen (Symbol) des Gehorsams und der Anerkennung derHerrschaft Jesu Christi. Da die Wassertaufe durch Untertauchen von Jesus Christusgeboten ist, ist die Taufe auch ein Gehorsamsschritt des Gläubig-gewordenen. Joh.13,17; 114,15+21+23; 1.Petr. 3,21.a.Der Vergleich in 1.Petrus 3,21 ist zwischen Noah, der schon gerecht war (1.Mo.6,8-9; 7,1; 2.Petr. 2,5), bevor er, im Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes, dieArche baute und in die Arche ging, und den Gläubigen der Gemeinde, die schongerettet sind und Vergebung der Sünden haben, und den Heiligen Geist schonempfangen haben, wenn sie sich im Gehorsam gegenüber dem Befehl JesuChristi taufen lassen.b.Die Zeitgenossen Noahs waren ungehorsam (1.Petr. 3,20; die Lutherbibel sagt:„die nicht glaubten“). Der gerechte Noah war gehorsam, baute die Arche, undging in die Arche. Der Bau der Arche war die Antwort Noahs auf das GebotGottes. Die Arche war die „Auswirkung“ seines Glaubens. Die christliche Taufeist die Antwort (Auswirkung) eines guten Gewissens gegenüber Gott (1.Petr.3,20-21). Das Gewissen des Gläubiggewordenen wurde jedoch schon vorherdurch das Blut Jesu gereinigt (Hebr. 9,14).c.Wasser war das Gericht Gottes durch das die Ungläubigen zur Zeit Noahsumkamen. Dasselbe Wasser trug Noah (in der Arche) aus der alten Welt in dieneue Welt. Das Wasser ist bei der Taufe das Zeichen des Gerichts.Untertauchen zeigt bildlich, daß der Gläubige der alten Welt gestorben ist. DerGläubige ist errettet aus der alten Welt und „versetzt in das Reich Jesu Christi“(Kol. 1,13).d.Noahs eingehen in die Arche war ein verurteilen der alten Welt. Untertauchen imWasser signalisiert bei der Taufe Gericht und Tod - ein Verurteilen des altensündigen Lebens.e.Es ist nicht die Taufe die errettet. Die Taufe ist ein Bild (antitüipon; 1.Petr. 3,21).6. Die Wassertaufe ist eine Verkündigung des Evangeliums auf symbolische, bildhafteWeise. Sie ist Anschauungsunterricht. Das Evangelium wird für die Zuhörer undBeobachter auf sichtbare Weise dargestellt und wird dabei zur Evangelisation (Rö.6,3-4). Da, wo die Gläubigentaufe auf biblische Weise praktiziert wird, werden oftAngehörige und Freunde des Täuflings vom Evangelium angesprochen und kommenzum Glauben.7. Die Wassertaufe ist ein Symbol der Reinigung, der Vergebung der Sünden. Vgl. Apg.2,38; 22,16.8. Die Taufe ist für den Gläubiggewordenen eine Entscheidungshilfe. Er trennt sichbewußt von seinem alten Leben. Ich bin überzeugt, daß es heute so viele „lauwarme“(halblebendige, halbtote) Christen gibt, weil nie dieser vollständige Bruch mit demalten Leben stattgefunden hat (vgl. Apg. 22,16).
Seite 4 von 99. Die Wassertaufe hat keine verändernde Kraft. Sie hat Zeugnischarakter. Der Täuflingbezeugt, daß er gläubig geworden ist und zur Gemeinde Jesu Christi gehört. DieTaufe muß deshalb sinngemäß dem Gläubigwerden folgen (Apg. 2,41; 8,12; 8,37;10,47-48; 19,3-5).10. Richtiges Verständnis der Wassertaufe bedeutet, daß keine Kinder getauft werden.Zur Zeit des Neuen Testamentes wurden keine Kinder getauft.5 Jeder der getauftwurde, bezeugte dadurch seinen Glauben.1.3 Die Praxis der Wassertaufe1. Folgende Schriftstellen bezeugen drei Tatsachen: Apg. 2,42; 8,14-16+36-38; 9,19;10,47-48; 16,14-15+30-34; 19,3-5.a.In der Gemeinde des Neuen Testamentes wurden nur Gläubige getauft.b.In der Gemeinde des Neuen Testamentes wurden keine Kinder getauft.c.In der Gemeinde des Neuen Testamentes wurde sofort nach der Bekehrunggetauft.2. Da die Taufe auf Grund des Bekenntnisses des Gläubiggewordenen durchgeführtwurde und sofort nach dem Gläubigwerden stattfand, war es möglich, daß auf Grundeines falschen Bekenntnisses ein Ungläubiger getauft wurde. Vgl. Apg. 8,12+18-25.1.4 Die Apostolische Haushalttaufe1.4.1 Das Haus des Kornelius (Apg. 10,24-48)1. Im Bericht über die Taufe des Kornelius wird der Begriff oikos (Haus) nicht verwendet(Petrus verwendet ihn in Apg. 11,14 im Bericht über die Botschaft des Engels anKornelius. Außerdem wird in Apg. 10,2 gesagt, daß Kornelius mit seinem ganzenHause fromm war).2. „Alle“ die später getauft wurden, waren „Verwandte und Freunde des Kornelius, die inseinem Hause versammelt waren, um das Wort zu hören“. Diese Ausdrucksweise be-schreibt keine Kleinkinder und Säuglinge. Es besteht die Wahrscheinlichkeit, daßKornelius, der „Hauptmann“ war, gar nicht verheiratet war. Apg. 10,24+33.3. „Alle“ die dem Wort zuhörten empfingen den Heiligen Geist und redeten in Zungen (alsein für Petrus erkennbares Zeichen daß sie gläubig geworden sind). Apg. 10,44.4. „Alle“ die den Heiligen Geist empfangen hatten, wurden getauft. Apg. 10,47-48.1.4.2 Das Haus der Lydia (Apg 16,14-15+40)1. Die Schrift sagt nicht, daß Lydia verheiratet war. Alle Aussagen der Schrift deutendarauf hin, daß Lydia nicht verheiratet war oder daß sie Witwe war. IhreBerufsbezeichnung und ihre Aufforderung an Paulus in ihr Haus zu kommen deutendarauf hin, daß sie Oberhaupt ihres Hauses war. Kurt Aland nennt die Vermutung
Seite 5 von 9Lydias Mann sei auf Reisen gewesen „ein verzweifeltes Unternehmen“.6 Lydia hätte,als angesehene Frau, in Abwesenheit ihres Mannes ihre Religion gewechselt undFremde in das Haus ihres Mannes aufgenommen. Außerdem werden Kinder nieerwähnt.2. Lydia und die Personen die zu ihrem Haushalt gehörten wurden getauft, nachdem siegläubig wurden. Apg. 16,14+15.3. Der Haushalt der Lydia wird später „die Brüder“ genannt. Apg. 16,40.4. Von Paulus ist nichts bekannt, daß er jemals Säuglinge getauft hat. DieSäuglingstaufe kann also nicht von anderen Schriftstellen in diese Schriftstellehineingelesen werden.1.4.3 Das Haus des Kerkermeisters (Apg. 16,32-34)1. Paulus und Silas sagten dem Kerkermeister und allen die in seinem Hause waren dasWort Gottes. Wenn hier Säuglinge eingeschlossen sein sollten, dann müßte derKerkermeister sie mitten in der Nacht geweckt haben, und Paulus müßte ihnen dasWort Gottes verkündigt haben. Apg. 16,32.2. Der Kerkermeister und „alle die Seinen“ ließen sich taufen (hier wird der Begriff oikos(Haus) nicht verwendet). Die Taufe war dabei ein äußeres, sichtbares Zeichen derSinnesänderung. Apg. 16,33.3. Der Kerkermeister freute sich, „daß er mit seinem ganzen Hause an Gott gläubiggeworden ist“ (vgl. Schlachterübersetzung). Apg. 16,34. (Warum sollte sein Haus sichfreuen, daß er an Gott gläubig geworden ist, wenn die anderen des Haushalts nichtauch gläubig geworden wären).1.4.4 Das Haus des Krispus (Apg. 18,8; 1.Kor. 1.14)1. Krispus, der Vorsteher der Synagoge, kam zum Glauben mit seinem ganzen Hause.Apg. 18,8.2. Wenn zum Hause des Krispus Säuglinge gehört hätten, dann wären sie „zum Glaubengekommen.“3. Viele der Korinther hörten zu, wurden gläubig, und ließen sich taufen. Apg. 18,8.4. Krispus war unter den wenigen die von Paulus selbst getauft worden sind. 1.Kor. 1,14.5. Kurt Aland folgert aus 1.Kor. 1,14-16, daß Paulus das „Haus des Krispus“ gar nichtgetauft hat, sondern daß er nur Krispus getauft hat,7 da das Haus des Stephanasausdrücklich erwähnt wird, währenddem Krispus allein genannt wird. Die Taufen vonApg. 18,8 wurden wahrscheinlich von den Mitarbeitern des Paulus vollzogen.1.4.5 Das Haus des Stephanus (1.Kor. 1.16; 16.15)1. Paulus taufte das Haus (die Familie) des Stephanus. 1.Kor.1,16.
Seite 6 von 92. Vermutlich gehörten zum Haus des Stephanus keine Kleinkinder, denn von denAngehörigen dieses Hauses wird gesagt:a.Sie sind Erstlinge (des Glaubens) in Achaia. (1.Kor. 16,15).b.Sie haben sieh selbst bereitgestellt zum Dienst (l.Kor. 16,15).c.Sie haben „leitende Funktionen in der Gemeinde“, denn die Korinther sollenihnen untertan sein (1.Kor. 16,16).3. Kurt Aland8 sieht in diesen Schriftstellen den eindeutigen Beweis, daß oikia und oikos(Haushalt, Haus) nur auf Erwachsene bezogen ist, und daß Kinder, insbesondereSäuglinge nicht gemeint sind.1.5 Zusammenfassung1. Das Neue Testament spricht nur von der Taufe Erwachsener Menschen. Die Taufevon Kindern wird im Neuen Testament nie erwähnt! Wenn das Neue Testament vonKindern spricht, ist der Zusammenhang nie die Wassertaufe! Markus 10,13-16 sprichtnicht von Taufe. Jesus hat die Kinder gesegnet und sagte: „Lasset die Kinder zu mirkommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes.“a.Er sagte dies, obwohl diese Kinder nicht getauft waren, und obwohl er selberdiese Kinder nicht getauft hat.b.Im Gegensatz zu landeskirchlichen Christen kennen Jesus und das NeueTestament keine Sorge um „das Heil ungetaufter Kinder“.2. Im Neuen Testament sind immer zwei Voraussetzungen erfüllt, bevor jemand getauftwird:a.Die Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus. Vgl. Röm. 10,17.b.Der vom Heiligen Geist und der Verkündigung des Wortes Gottes gewirkteGlaube des Täuflings. Vgl. Apg. 8,37; 10,47.c.Die neutestamentliche Reihenfolge ist also immer: Verkündigung, Glaube, dannWassertaufe. Mt. 28,19; Mk. 16,16; Apg. 2,38+41; 8,12-13, 8,35-38, 9,17-18,10,43; 14,27; 18,8.d.Wir finden in der Bibel kein einziges Beispiel, wo erst die Taufe kam und dannanschließend der Glaube.e.Die landeskirchliche Behauptung, auf die Reihenfolge von Taufe und Glaubekomme es nicht an, hat keine biblische Grundlage. Auch die ständigeWiederholung dieser Behauptung macht aus der Behauptung keinen Beweis.3. Alle neutestamentlichten Aussagen über die Wassertaufe sprechen von derGläubigentaufe. Alle Formulierungen, alle Belehrungen über die Taufe sind anMenschen gerichtet, die alt genug sind, die neutestamentliche Verkündigung desEvangeliums zu verstehen und auf Grund der Verkündigung eine persönlicheEntscheidung zu treffen.a.Apg. 2,38 ist an Menschen gerichtet, die von der in Vers 37 beschriebenen
Seite 7 von 9Frage umgetrieben wurden.b.Apg. 8,12 spricht von Menschen, die die Verkündigung des Philippus gehörthaben, eine persönliche Entscheidung getroffen haben, und die „sich taufenließen“.c.Apg. 8,35-39 spricht von einem Mann, der die Verkündigung des Evangeliumshörte, der der gehörten Verkündigung glaubte, der persönlich die Taufebegehrte, und „der sich taufen ließ“.d.Apg. 10,47-48 spricht von Menschen von denen Kornelius in Vers 33 sagte: „Nunsind wir alle hier gegenwärtig vor Gott. zu hören alles. was dir vom Herrnbefohlen ist“.e.Apg. 16,14-15 spricht von einer Frau, der „tat der Herr das Herz auf“ und die vonsich sagte: „daß ich gläubig bin an den Herrn“, und deren Haus in Vers 40„Brüder“ genannt wird, die Paulus sah und zu denen er sprach.f.Apg. 16,33 spricht vom Kerkermeister und von „seinem ganzen Hause“. Das„Haus des Kerkermeisters“ waren Menschen die der Kerkermeister mitten in derNacht geweckt hatte, und denen Paulus und Silas das Evangelium verkündigthatten, und von denen es in Vers 34 heißt: „Er freute sich, daß er mit seinemganzen Hause an Gott gläubig geworden war“.g.Apg. 18,8 spricht von Krispus, dem Vorsteher der Synagoge. Von dem heißt es:„(er) kam zum Glauben an den Herrn mit seinem ganzen Hause; und vieleKorinther, die zuhörten, wurden gläubig und ließen sich taufen“.4. Im Neuen Testament ist „Glaube“ im Sinne einer persönlichen Hinkehr zu JesusChristus, die einzige Voraussetzung für das Empfangen der Erlösung. Deshalbwerden im Neuen Testament nur Erlöste getauft.a.Der Glaube wird im Neuen Testament nie als ein Werk gesehen, das zu einerWerksgerechtigkeit führen könnte.b.Der Glaube wird als ein Geschenk des Herrn gesehen, das der Herr durch dasWort Gottes und durch den Geist Gottes im Herzen des Menschen gewirkt hat.Röm. 3,28; 10,17; Eph. 2,8-9; Phil. 1,29.c.Im Zusammenhang der Erlösung sieht das Neue Testament Glauben immer als„persönlichen Glauben“. Niemand wird durch den Glauben eines anderenerrettet!.d.Die Wassertaufe folgt der Erfahrung der Erlösung. Das „sich taufen lassen“ istdie erste Handlung des Gläubig-gewordenen. (Siehe die oben aufgeführtenSchriftstellen).e.Der Taufbefehl in Matthäus 28,19 bezieht sich nicht auf die „Völker“, sondern aufdie „Jünger“. Nicht die Völker werden getauft, sondern nur die Jünger aus denVölkern. Matthäus 28,19 ist ein Gebot der Taufe, aber ein Gebot der„Gläubigentaufe“.5. Es stimmt natürlich, daß die Kindertaufe im Neuen Testament nicht ausdrücklichverboten wird. Das Neue Testament verbietet aber auch nicht das Papsttum, dieMarienverehrung, den Heiligenkult, das Meßopfer, den Ablaß, usw. Das NeueTestament kann natürlich Verirrungen, die nach der Vollendung des NeuenTestamentes entstanden, nicht ausdrücklich beim Namen nennen und verbieten.
Seite 8 von 91.6 Fragen über die Wassertaufe1.6.1 Empfängt man durch die Wassertaufe den Heiligen Geist?1. Die Voraussetzung für das Empfangen des Heiligen Geistes ist persönlicher Glaubean den Herrn Jesus Christus. Apg. 10,44-48; vgl. Apg. 11,15-17; Apg. 19,2; Gal.3,2+14; Eph. 1,13-14.2. Alle wirklich Gläubigen (Christen) haben den Heiligen Geist empfangen. Vgl. Joh.14,16 17, Apg. 19,1 7, Rom. 8,9, 2.Kor. 1,22; 5,5; Gal. 3,1-5; 4,6; Eph. 1,13-14; 2.Tim.1,14.1.6.2 Werden durch die Wassertaufe Sünden vergeben?1. Der Gläubige, der seine Sünde bekennt, empfängt Vergebung der Sünden. Wenn derMensch an den Herrn Jesus gläubig wird, werden ihm seine Sünden vergeben. Vgl.Apg. 3,17; 5,31; 10,43; 13,38~40; 15,9; 26,18; Eph. 1,7; 1.Joh. 1,7+9.2. Apg. 2,38 und 22,16 stehen nicht im Widerspruch zu den obigen Schriftstellen.Sünden müssen manchmal auch vor Menschen „abgewaschen“ werden. DerGehorsamsschritt der Taufe bezeugte den Juden, daß Saulus (Paulus) gläubiggeworden war und nun zur Gemeinde gehörte, die er vormals verfolgte.1.6.3 Besteht ein Unterschied zwischen der Taufe des Johannes und derchristlichen Wassertaufe?1. Die Taufe des Johannes war eine „Taufe zur Buße.“ Der Täufling bezeugte öffentlich,daß er seine Gesinnung geändert hat, und daß er einen Neuanfang machen möchte.Matth. 3,11; Mark. 1,4; Apg. 19,3-4.2. Die Taufe des Johannes hatte rein jüdischen Charakter und darf nicht mit derchristlichen Wassertaufe verwechselt werden. Die von Johannes Getauften wurdenspäter nocheinmal getauft, nachdem sie an den Herrn Jesus Christus gläubiggeworden waren. Vgl. Apg. 2,41; 19,2-7.1.6.4 Besteht ein Unterschied zwischen der Taufe des Heiligen Geistes undder christlichen Wassertaufe?1. Alle Hinweise auf die Taufe des Heiligen Geistes vor Pfingsten sind prophetisch undbeschreiben ein damals zukünftiges Ereignis. Matth. 3,11; Apg. 1,5.2. Die Taufe des Heiligen Geistes geschah zum ersten Mal am Pfingstfest vonApostelgeschichte 2. Apg. 1,5; 2,1-4; 11,15-17.3. Durch die Taufe des Heiligen Geistes wird der Gläubiggewordene der Gemeinde (demLeib Jesu Christi) hinzugefügt. Apg. 2,41; 1.Kor. 12,13; Gal. 3,27.4. Die Wassertaufe wurde zur Zeit des Neuen Testamentes immer nach der Taufe desHeiligen Geistes vollzogen, d.h. nachdem der Mensch gläubig wurde. Vgl. Apg. 2,1-4
Seite 9 von 9+ 41; 10,44-48; 19,1-7. Eine Ausnahme bilden die Samariter in Apostelgeschichte 8.Diese Ausnahme geschah aus ganz bestimmten Gründen.5. Die Wassertaufe ist eine sichtbare Demonstration (Anschauungsunterricht) dessen,was in der Taufe des Heiligen Geistes tatsächlich geschehen ist. In diesem Sinne istdie Wassertaufe ein Sichtbarmachen dessen, was in der unsichtbaren Taufe desHeiligen Geistes geschehen ist. Vgl. Röm. 6,3-4.1.6.5 Ist die Kindertaufe nicht ausreichend, wenn der Mensch später gläubigwird?1. Die biblische Reihenfolge ist immer, Gottes Wort hören, persönlicher Glaube(persönliche Entscheidung, Heilsannahme), Erfahrung der Erlösung, und dann dasZeugnis des Gehorsamsschritts der Taufe. Apg. 2,41; 10,24-48; 16,14-16; 16,32-34.2. Die kirchliche Kindertaufe ist nicht Taufe im biblischen Sinne, da sie keine biblischeGrundlage hat. Die kirchliche Kindertaufe ist eine kirchlich-rechtliche Ordnung durchdie das „getaufte Kind“ rechtlich (steuerrechtlich) zur Kirche gehört. Es gibt inDeutschland heute viele Menschen die durch die Kindertaufe steuerrechtlich Mitgliederder Landeskirche oder der katholischen Kirche sind, die aber im biblischen Sinnekeine Christen sind.1.7 Literaturnachweis1 J. Dwight Pentecost, The Words and Works of Jesus Christ (Grand Rapids: Zondervan PublishingHouse, 1981), S. 842 R. Beasley-Murray, „Taufe“, Theologisches Begriffslexikon zum Neuen Testament. (Wuppertal:Theologischer Verlag Rolf Brockhaus, 1972), Band III, S. 12053 Ebenda4 Pentecost, The Words and Works of Jesus Christ, S. 835 Die Einführung der Kindertaufe in der alten Kirche und die vorausgehenden Änderungen derkirchlichen Lehre werden im nächsten Artikel ausführlicher besprochen.6 Kurt Aland, Die Säuglingstaufe im Neuen Testament und in der alten Kirche. Eine Antwort anJoachim Jeremias. (München: Chr. Kaiser Verlag, 1961), S. 627 Ebenda S. 618 Ebenda© 1986 Ernst G. Maier (Konferenz für Gemeindegründung) Alle Rechte vorbehalten.Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der „Konferenz für Gemeindegründung“ www.kfg.org,Deutsche Gemeinde-Mission e.V. www.dgm-online.orgund Biblischer Missionsdienst Gammertingen www.bmdonline.deURL: http://www.efg-hohenstaufenstr.de


a. Obwohl Jesus ohne Sünde war, solidarisierte er sich mit den sündigen Menschen. Vgl. 2.Kor. 5,21.
b. Jesu Taufe diente auch insbesondere seiner Identifizierung als Messias Israels.
Job. 1,29-34.
3. Jesus selbst hat auch getauft. Diese Taufe war wie die Taufe des Johannes eine Taufe der Buße, das heißt, die Täuflinge bekannten öffentlich, dass ihnen ihre
Sünden Leid tun und dass sie ein neues Leben führen möchten.
Die äußere Form der Wassertaufe
1. Die oben erwähnten Vorbilder der christlichen Taufe wurden durch Untertauchen
praktiziert.
2. Die Bedeutung der Worte, die für "Taufe" oder "taufen" verwendet werden,
bedeuten "untertauchen".
a. Das Wort baoto bedeutet im allgemeinen Sprachgebrauch "eintauchen, untertauchen, in Farbstoff tauchen" und manchmal "schöpfen".
b. Baotizo ist eine Intensivform und bedeutet "eintauchen, untertauchen, vernichten (durch versenken)".
c. Pentecost bezeugt, dass für das jüdische Denken baotizo "die Gedanken von Reinigung und Weihe zu einer neuen Identität oder Beziehung" beinhaltete."
3. Die symbolische Bedeutung der Wassertaufe kommt in anderen Formen des Taufens nicht zum Ausdruck. Vgl. Röm. 6,3-4.
4. Die Kirchengeschichte bezeugt durch Schriften und durch gefundene Taufbecken in Kirchen, dass die Taufe ursprünglich durch Untertauchen durchgeführt worden ist.
Die Bedeutung der Wassertaufe
1. Die christliche Wassertaufe wurde von dem Herrn Jesus befohlen. Der Missionsbefehl ist ein Gebot, Jünger (Nachfolger) zu machen. Dies geschieht durch die Verkündigung des Evangeliums. Mit den Jüngern soll zweierlei geschehen (Matth. 28,19):
a. Erstens, sie sollen auf den Namen des dreieinigen Gottes getauft werden, das heißt, auf sichtbare Weise mit der Gemeinde Jesu identifiziert werden (und sicherlich in die örtliche Gemeinde aufgenommen werden). Zweitens, sie sollen gelehrt werden in der Lehre Jesu.
2 G.R.Beasley-Murray, 'Taufe", Theologisches Begriffslexikon zum Neuen Testament. Wuppertal: Theologischer Verlag Rolf Brockhaus, 1972), Band III, S. 1205.
3 Ebenda. 4 Pentecost The Words and Works of Jesus Christ S. 83.
Die Taufe
b. Die Apostel und die erste Gemeinde haben den Missions- und Taufbefehl auf diese Weise verstanden und auch so praktiziert. Dabei stand der "Glaube" im Vordergrund. Aber wer "glaubte", ließ sich selbstverständlich taufen. Apg. 2,41; 8,12; 8,35-38; 9,18; 10,47-48; 11,22; 13,1; 14,22-23;
15,41; 16,5; 19,3-5.
2. Die Taufe ist ein Symbol (Bild) des Todes. Wir sind mit Christus gekreuzigt,
gestorben und begraben. Rom. 6,3-11; Kol. 2,12.
a. Das Gesprächsthema des Paulus ist hier nicht die Taufe, sondern die Frage von Römer 6,1: "Sollen wir denn in der Sünde beharren, auf dass die Gnade
desto mächtiger werde?"
b. Bei der Beantwortung dieser Frage erinnert Paulus daran, dass die Taufe 'Taufe in den Tod Jesu Christi" ist. Die Taufe identifiziert uns mit dem Tod Jesu Christ', den er für die Sünde gestorben ist.
c. Ein Getaufter sollte nicht "in der Sünde beharren", denn durch die Taufe hat er sich mit dem für die Sünde Gekreuzigten identfiziert. Es wäre sinnlos, sich mit dem für die Sünde Gekreuzigten zu identifizieren und gleichzeitig in der
Sünde beharren zu wollen.
d. In Römer 6,3-4 ist es wichtig, das Symbol (Bild) von der Wirklichkeit zu unterscheiden. Wer damals an Jesus gläubig wurde, ließ sich selbstverständlich auf den Namen des Gekreuzigten taufen. Die Erlösung geschah nicht durch die Wassertaufe, aber die Wassertaufe demonstriert, was in der Erlösung geschehen ist. Niemand wurde zur Zeit des Neuen Testaments getauft, damit er die Erlösung empfange. Jeder, der getauft wurde, wurde getauft, weil er die Erlösung durch den Gekreuzigten empfangen hatte!
3. Die Taufe ist ein Symbol (Bild) der Auferstehung zu neuem Leben. Wir sind mit Christus lebendig geworden, auferstanden zu neuem Leben. Röm. 6,4-11.
a. Die Taufe identifiziert den Getauften nicht nur mit dem Tod Jesu Christi, sondern auch mit der Auferstehung Jesu Christi.
b. Der Getaufte ist rechtlich gesehen vor Gott nicht nur gestorben, sondern auch auferstanden zu neuem Leben. Er hat rechtlich gesehen, "in Jesus
Christus" eine neue Identität.
c. Im Zusammenhang von Römer 6,1-11 sagt Paulus, wer "mit Christus zu neuem Leben auferstanden ist", will nicht mehr in der Sünde beharren.
Damit ist die Frage von Röm. 6,1 beantwortet.
d. Auch hier ist es wichtig, das Symbol der Wassertaufe von der Wirklichkeit
der "Identifikation mit Christus" zu unterscheiden. Die Wassertaufe bewirkt nicht "die Auferstehung mit Christus zu neuem Leben", sondern setzt die Wirklichkeit der Erfahrung der Erlösung voraus.
6 Die Taufe
4. Die Taufe Ist ein Symbol (Bild) der Zugehörigkeit, der Identifizierung mit der
Gemeinde Jesu auf Erden.
a. Die 'Taufe mit dem Heiligen Geist" bringt den Gläubigen in die universale Gemeinde, den Leib Jesu Christi. l.Kor. 12,13.
b. Die Wassertaufe geschieht zur Identifizierung mit der Gemeinde Jesu Christ auf Erden, der Ortsgemeinde. Der Täufling bekennt, dass er zur Gemeinde Jesu Christi (und damit zur örtlichen Gemeinde Jesu Christi) gehört. Die Taufe ist deshalb (vgl. Apg. 2,41) Voraussetzung zur Aufnahme in die
örtliche Gemeinde oder die Handlung der Aufnahme in die Gemeinde am
Ort.
c. In diesem Sinn war die Taufe schon immer ein bedeutender Schritt (vgl. Apg. 2,38; 22,16). Der Glaube ist unsichtbar, bis das öffentliche Bekenntnis und die sichtbaren Werke folgen (vgl. Röm. 7,4; Eph. 2,10; Tit. 2,14; 3,8+14; Jak. 2,17).
d. Die Taufe ist deshalb, biblisch gesehen, der erste Schritt des Gläubiggewordenen. Der Täufling bezeugt, dass er zur Gemeinde gehört
und identifiziert sich dabei mit der örtlichen Gemeinde.
5. Die Taufe ist ein Zeichen (Symbol) des Gehorsams und der Anerkennung der
Herrschaft Jesu Christi. Da die Wassertaufe durch Untertauchen von Jesus Christus geboten ist, ist die Taufe auch ein Gehorsamsschritt des Gläubiggewordenen. Joh. 13,17; 14,15+21+23; l.Petr. 3,21.
a. I.Petrus 3,21 vergleicht zwischen Noah, der schon gerecht war (I.Mo. 6,8-9; 7,1; 2.Petr. 2,5), bevor er, im Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes, die Arche baute und in die Arche ging, und den Gläubigen der Gemeinde, die schon gerettet sind und Vergebung der Sünden und den Heiligen Geist schon empfangen haben, wenn sie sich im Gehorsam gegenüber dem
Befehl Jesu Christi taufen lassen.
b. Die Zeitgenossen Noahs waren ungehorsam (l.Petr. 3,20; die Lutherbibel sagt: "die nicht glaubten"). Der gerechte Noah war gehorsam, baute die Arche und ging in die Arche. Der Bau der Arche war die Antwort Noahs auf das Gebot Gottes. Die Arche war die "Auswirkung" seines Glaubens. Die christliche Taufe ist die Antwort (Auswirkung) eines guten Gewissens gegenüber Gott (l.Petr. 3,20-21). Das Gewissen des Gläubiggewordenen wurde jedoch schon vorher durch das Blut Jesu gereinigt (Hebr. 9,14).
c. Wasser war das Instrument des Gerichtes Gottes, durch das die Ungläubigen zur Zeit Noahs umkamen. Dasselbe Wasser trug Noah (in der Arche) aus der alten Welt in die neue Welt. Das Wasser ist bei der Taufe das Zeichen des Gerichts. Das Untertauchen zeigt bildlich, dass der Gläubige der alten Welt gestorben ist. Der Gläubige ist errettet aus der alten Welt und "versetzt in das Reich Jesu Christi" (Kol. 1,13).
Die Taufe 7
d. Noahs Eingehen in die Arche war ein Verurteilen der alten Welt Das
Untertauchen im Wasser signalisiert bei der Taufe Gericht und Tod - ein Verurteilen des alten sündigen Lebens.
e. Es ist nicht die Taufe, die errettet. Die Taufe ist ein Bild (antitüpon; l.Petr.
3,21).
6. Die Wassertaufe ist eine Verkündigung des Evangeliums auf symbolische, bildhafte Weise. Sie ist Anschauungsunterricht. Das Evangelium wird für die Zuhörer und Beobachter auf sichtbare Weise dargestellt und wird dabei zur Evangelisation (Rom. 6,3-4). Da, wo die Gläubigentaufe auf biblische Weise praktiziert wird, werden oft Angehörige und Freunde des Täuflings vom Evangelium angesprochen und kommen zum Glauben.
7. Die Wassertaufe ist ein Symbol der Reinigung, der Vergebung der Sünden. Vgl.
Apg. 2,38; 22,16.
a. Die Zuhörer der Pfingstpredigt waren getroffen und fragten: "Was sollen wir tun?" Petrus sagt, dass sie "zwei miteinander verbundene Dinge" tun sollen, nämlich Buße tun (die Gesinnung ändern und umkehren) und sich taufen lassen. Taufverweigerung, das heißt, Buße tun, ohne sich taufen zu lassen,
war für Petrus undenkbar.
b. Wer diese "zwei miteinander verbundenen" Dinge tut, die Petrus gebietet, wird "zwei miteinander verbundene" Resultate erfahren, nämlich Vergebung der Sünden und den Empfang des Heiligen Geistes (Taufe mit dem Heiligen Geist). (1) Tut Buße (a) zur Vergebung der Sünden
(2) Lasst euch taufen— -(b) zum Empfang des Heiligen Geistes
8. Die Taufe ist für den Gläubiggewordenen eine Entscheidungshilfe. Er trennt sich bewusst von seinem alten Leben. Ich bin überzeugt, dass es heute so viele "lauwarme" Christen gibt, weil nie dieser vollständige Bruch mit dem alten Leben stattgefunden hat (vgl. Apg. 22,16).
9. Die Wassertaufe hat keine verändernde Kraft. Sie hat Zeugnischarakter. Der Täufling bezeugt, dass er gläubig geworden ist und zur Gemeinde Jesu Christi gehört. Die Taufe muss deshalb sinngemäß dem Gläubigwerden folgen (Apg. 2,41; 8,12; 8,37f.; 10,47-48; 19,3-5).
10. Richtiges Verständnis der Wassertaufe bedeutet, dass keine kleinen Kinder
getauft werden. Zur Zeit des Neuen Testamentes wurden keine kleinen Kinder getauft. Jeder, der getauft wurde, bezeugte durch die Taufe seinen Glauben.
Die Praxis der Wassertaufe
1. Folgende Schriftstellen bezeugen drei Tatsachen: Apg. 2,41; 8,14-16+36-38;
9,18; 10,47-48; 16,14-15+30-34; 19,3-5.
8 Die Taufe
a. In der Gemeinde des Neuen Testamentes wurden nur Gläubige getauft.
b. In der Gemeinde des Neuen Testamentes wurden keine kleinen Kinder getauft.
c. In der Gemeinde des Neuen Testamentes wurde sofort nach der Bekehrung getauft.
2. Da die Taufe auf Grund des Bekenntnisses des Gläubiggewordenen durchgeführt wurde und sofort nach dem Gläubigwerden stattfand, war es möglich, dass auf Grund eines falschen Bekenntnisses ein Ungläubiger getauft wurde. Vgl. Apg.
8,12+18-25.
Die apostolische Haushaltstaufe
Das Haus des Kornelius (Apg. 10,24-48)
1. Im Bericht über die Taufe des Kornelius wird der Begriff ojkos (Haus) nicht verwendet (Petrus verwendet ihn in Apg. 11,14 im Bericht über die Botschaft des Engels an Kornelius. Außerdem wird in Apg. 10,2 gesagt, dass Kornelius mit seinem ganzen Haus fromm war).
2. "Alle", die später getauft wurden, waren "Verwandte und Freunde des Kornelius, die in seinem Haus versammelt waren, um das Wort zu hören". Diese Ausdrucksweise beschreibt keine Kleinkinder und Säuglinge. Es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass Kornelius, der "Hauptmann" war, gar nicht verheiratet
war. Apg. 10,24+33.
3. "Alle", die dem Wort zuhörten, empfingen den Heiligen Geist und redeten in Zungen (als ein für Petrus erkennbares Zeichen, dass sie gläubig geworden waren). Apg. 10,44.
4. "Alle", die den Heiligen Geist empfangen hatten, wurden getauft. Apg. 10,47-48.
Das Haus der Lydia (Apg. 16,14-15+40)
1. Die Schrift sagt nicht, dass Lydia verheiratet war. Alle Aussagen der Schrift deuten darauf hin, dass Lydia nicht verheiratet war, oder dass sie Witwe war. Ihre Berufsbezeichnung und ihre Aufforderung an Paulus in ihr Haus zu kommen deuten darauf hin, dass sie Oberhaupt ihres Hauses war. Kurt Aland nennt die Vermutung, Lydias Mann sei auf Reisen gewesen, "ein verzweifeltes Unternehmen".® Lydia hätte, als angesehene Frau, in Abwesenheit ihres Mannes ihre Religion gewechselt und Fremde in das Haus ihres Mannes aufgenommen.
Außerdem werden Kinder nie erwähnt.
2. Lydia und die Personen, die zu ihrem Haushalt gehörten, wurden getauft, nachdem sie gläubig wurden. Apg. 16,14+15.
3. Der Haushalt der Lydia wird später "die Brüder" genannt. Apg. 16,40.
5 Kurt Aland, Die Säuglingstaufe im Neuen Testament und in der alten Kirche. Eine Antwort an Joachim Jeremias. (München: Chr. Kaiser Verlag, 1961), S. 62
Die Taufe 9
4. Von Paulus Ist nicht bekannt, dass er jemals Säuglinge getauft hat. Die
Säuglingstaufe kann also nicht von anderen Schriftstellen in diese Schriftstelle hineingelesen werden.
Das Haus des Kerkermeisters (Apg. 16,32-34)
1. Paulus und Silas sagten dem Kerkermeister und allen, die in seinem Haus waren, das Wort Gottes. Wenn hier Säuglinge eingeschlossen sein sollten, dann müsste der Kerkermeister sie mitten in der Nacht geweckt haben, und Paulus müsste ihnen das Wort Gottes verkündigt haben. Apg. 16,32.
2. Der Kerkermeister und "alle die Seinen" ließen sich taufen (hier wird der Begriff oikos (Haus) nicht verwendet). Die Taufe war dabei ein äußeres, sichtbares Zeichen der Sinnesänderung. Apg. 16,33.
3. Der Kerkermeister freute sich, "dass er mit seinem ganzen Hause an Gott gläubiggeworden ist" (vgl. Schlachterübersetzung). Apg. 16,34. (Warum sollte sein Haus sich freuen, dass er an Gott gläubig geworden ist, wenn die anderen in seinem Haushalt nicht auch gläubig geworden wären).
Das Haus des Krispus (Apg. 18,8; l.Kor. 1,14)
1. Krispus, der Vorsteher der Synagoge, kam zum Glauben mit seinem ganzen
Hause. Apg. 18,8.
2. Wenn zum Haus des Krispus Säuglinge gehört hätten, dann wären sie "zum Glauben gekommen."
3. Viele der Korinther hörten zu, wurden gläubig und ließen sich taufen. Apg. 18,8.
4. Krispus war unter den wenigen, die von Paulus selbst getauft worden sind.
l.Kor. 1,14.
5. Kurt Aland folgert aus l.Kor. 1,14-16, dass Paulus das "Haus des Krispus" gar nicht getauft hat, sondern dass er nur Krispus taufte,® da das Haus des Stephanas ausdrücklich erwähnt wird, während Krispus allein genannt wird. Die Taufen von Apg. 18,8 wurden wahrscheinlich von den Mitarbeitern des Paulus vollzogen.
Das Haus des Stephanus (l.Kor. 1,16; 16,15)
1. Paulus taufte das Haus (die Familie) des Stephanus. l.Kor. 1,16.
2. Vermutiich gehörten zum Haus des Stephanus keine Kleinkinder, denn von den Angehörigen dieses Hauses wird gesagt:
a. Sie sind Erstlinge (des Glaubens) in Achaia. (l.Kor. 16,15).
b. Sie haben sich selbst bereitgestellt zum Dienst (l.Kor. 16,15).
c. Sie haben "leitende Funktionen in der Gemeinde", denn die Korinther sollen ihnen Untertan sein (l.Kor. 16,16).
6 Ebenda. S. 61.
10 Die Taufe
3. Kurt Aland^ sieht in diesen Schriftstellen den eindeutigen Beweis, dass oikia und oikos (Haushalt, Haus) nur auf Erwachsene bezogen ist, und dass Kinder, insbesondere Säuglinge, nicht gemeint sind.
Zusammenfassung
1. Das Neue Testament spricht nur von der Taufe erwachsener Menschen. Die
Taufe von Kindern wird im Neuen Testament nie erwähnti Wenn das Neue Testament von Kindern spricht, ist der Zusammenhang nie die Wassertaufel Markus 10,13-16 spricht nicht von Taufe. Jesus hat die Kinder gesegnet und sagte: "Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher
ist das Reich Gottes."
a. Er sagte dies, obwohl diese Kinder nicht getauft waren, und obwohl er selber diese Kinder nicht getauft hat.
b. Im Gegensatz zu landeskirchlichen Christen kennen Jesus und das Neue Testament keine Sorge um "das Heil ungetaufter Kinder".
2. Im Neuen Testament sind immer zwei Voraussetzungen erfüllt, bevor jemand getauft wird:
a. Die Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus. Vgl. Rom. 10,17.
b. Der vom Heiligen Geist und der Verkündigung des Wortes Gottes gewirkte Giaube des Täuflings. Vgl. Apg. 8,37; 10,47.
c. Die neutestamentliche Reihenfolge ist also immer: Verkündigung, Glaube, dann Wassertaufe. Mt. 28,19; Mk. 16,16; Apg. 2,38+41,8,12-13; 8,35-38;
9,17-18; 10,43; 18,8.
d. Wir finden in der Bibel kein einziges Beispiel, wo erst die Taufe kam und
dann anschließend der Glaube.
e. Die landeskirchliche Behauptung, auf die Reihenfolge von Taufe und Glaube komme es nicht an, hat keine biblische Grundlage. Auch die ständige Wiederholung dieser Behauptung ändert nichts an dieser
Tatsache.
3. Alle neutestamentlichen Aussagen über die Wassertaufe sprechen von der Gläubigentaufe. Alle Formulierungen, alle Belehrungen über die Taufe sind an Menschen gerichtet, die alt genug sind, um die neutestamentliche Verkündigung des Evangeliums zu verstehen und auf Grund der Verkündigung eine persönliche Entscheidung zu treffen.
a. Apg. 2,38 ist an Menschen gerichtet, die von der in Vers 37 beschriebenen Frage umgetrieben wurden.
7 Ebenda.
Die Taufe 11
b. Apg. 8,12 spricht von Menschen, die die Verkündigung des Philippus hörten, eine persönliche Entscheidung trafen und die "sich taufen ließen".
c. Apg. 8,35-39 spricht von einem Mann, der die Verkündigung des Evangeliums hörte, der der gehörten Verkündigung glaubte, der persönlich die Taufe begehrte, und "der sich taufen ließ".
d. Apg. 10,47-48 spricht von Menschen, von denen Kornelius in Vers 33 sagte: "Nun sind wir alle hier gegenwärtig vor Gott, zu hören alles, was dir vom
Herrn befohlen ist."
e. Apg. 16,14-15 spricht von einer Frau, der "tat der Herr das Herz auf und die von sich sagte: "dass ich gläubig bin an den Herrn", und deren Haus in Vers 40 "Brüder" genannt wird, die Paulus sah und zu denen er sprach.
f. Apg. 16,33 spricht vom Kerkermeister und von "seinem ganzen Hause". Das "Haus des Kerkermeisters" waren Menschen, die der Kerkermeister mitten in der Nacht geweckt hatte, und denen Paulus und Silas das Evangelium verkündigt hatten, und von denen es in Vers 34 heißt: "Er freute sich, dass er mit seinem ganzen Hause an Gott gläubig geworden war".
g. Apg. 18,8 spricht von Krispus, dem Vorsteher der Synagoge. Von dem heißt es: "(er) kam zum Glauben an den Herrn mit seinem ganzen Hause; und viele Korinther, die zuhörten, wurden gläubig und ließen sich taufen".
4. Im Neuen Testament ist "Glaube", im Sinn einer persönlichen Hinkehr zu Jesus Christus, die einzige Voraussetzung für das Empfangen der Erlösung. Deshalb werden im Neuen Testament nur Erlöste getauft.
a. Der Glaube wird im Neuen Testament nie als ein Werk betrachtet, das zu
einer Werkgerechtigkeit führen könnte.
b. Der Glaube wird als ein Geschenk des Herrn gesehen, das der Herr durch das Wort Gottes und durch den Geist Gottes im Herzen des Menschen gewirkt hat. Röm. 3,28; 10,17; Eph. 2,8-9; Phil. 1,29.
c. Im Zusammenhang der Erlösung sieht das Neue Testament Glauben immer als "persönlichen Glauben". Niemand wird durch den Glauben eines
anderen errettet!
d. Die Wassertaufe folgt der Erfahrung der Erlösung. Das "sich taufen lassen" ist die erste Handlung des Gläubiggewordenen. (Siehe die oben aufgeführten Schriftstellen.)
e. Der Taufbefehl in Matthäus 28,19 bezieht sich nicht auf die "Völker", sondern auf die "Jünger". Nicht die Völker werden getauft, sondern nur die Jünger aus den Völkern. Matthäus 28,19 ist ein Gebot der Taufe, aber ein Gebot der "Gläubigentaufe".
5. Es stimmt natürlich, dass die Kindertaufe im Neuen Testament nicht
12 Die Taufe
ausdrücklich verboten wird. Das Neue Testament verbietet aber auch nicht das Papsttum, die Marienverehrung, den Heiligenkult, das Messopfer, den Ablass, usw. Das Neue Testament kann natürlich Verirrungen, die nach der Vollendung
des Neuen Testamentes entstanden sind, nicht ausdrücklich beim Namen
nennen und verbieten.
Fragen über die Wassertaufe
Empfängt man durch die Wassertaufe den Heiligen Geist?
1. Die Voraussetzung für das Empfangen des Heiligen Geistes ist persönlicher Glaube an den Herrn Jesus Christus. Apg. 10,44-48; vgl. Apg. 11,15-17; Apg. 19,2;
Gal. 3,2+14; Eph. 1,13-14.
2. Alle wirklich Gläubigen (Christen) haben den Heiligen Geist empfangen. Vgl. Job. 14,16-17; Apg. 19,1-7; Rom. 8,9; 2.Kor. 1,22; 5,5; Gal. 3,1-5; 4,6; Eph. 1,13-14;
2.Tim. 1,14.
Werden durch die Wassertaufe Sünden vergeben?
1. Der Gläubige, der seine Sünde bekennt, empfängt Vergebung der Sünden. Wenn der Mensch an den Herrn Jesus gläubig wird, werden ihm seine Sünden vergeben. Vgl. Apg. 3,19; 5,31; 10,43; 13,38; 15,9; 26,18; Eph. 1,7; l.Joh. 1,7+9.
2. Apg. 2,38 und 22,16 stehen nicht im Widerspruch zu den obigen Schriftstellen. Sünden müssen manchmal auch vor Menschen "abgewaschen" werden. Der Gehorsamsschritt der Taufe bezeugte den Juden, dass Saulus (Paulus) gläubig geworden war und nun zur Gemeinde gehörte, die er vormals verfolgte.
Besteht ein Unterschied zwischen der Taufe des Johannes
und der christlichen Wassertaufe?
1. Die Taufe des Johannes war eine "Taufe zur Buße." Der Täufling bezeugte öffentlich, dass er in Bezug auf sein sündiges Leben seine Gesinnung geändert hat, er tat Buße. Matth. 3,11; Mark. 1,4; Apg. 19,3-4.
2. Die Taufe des Johannes hatte einen rein jüdischen Charakter und darf nicht mit der christlichen Wassertaufe verwechselt werden. Die von Johannes Getauften wurden später noch einmal getauft, nachdem sie an den Herrn Jesus Christus gläubig geworden waren. Vgl. Apg. 19,2-7.
Besteht ein Unterschied zwischen der Taufe mit dem Heiligen Geist
und der christlichen Wassertaufe?
1. Alle Hinweise auf die Taufe mit dem Heiligen Geist vor Pfingsten sind prophe tisch und beschreiben ein damals zukünftiges Ereignis. Matth. 3,11; Apg. 1,5.
2. Die Taufe mit dem Heiligen Geist geschah zum ersten Mal am Pfingstfest von Apostelgeschichte 2. Apg. 1,5; 2,1-4; 11,15-17.
3. Durch die Taufe mit dem Heiligen Geist wird der Gläubiggewordene der Gemeinde (dem Leib Jesu Christi) hinzugefügt. Apg. 2,41; l.Kor. 12,13; Gal. 3,27.
Die Taufe 13
4. Die Wassertaufe wurde zur Zeit des Neuen Testamentes immer nach der Taufe mit dem Heiligen Geiste vollzogen, d.h. nachdem der Mensch gläubig wurde. Vgl. Apg. 2,1-4+41; 10,44-48; 19,1-7. Eine Ausnahme bilden die Samariter in Apostelgeschichte 8. Diese Ausnahme geschah aus ganz bestimmten Gründen.
5. Die Wassertaufe ist eine sichtbare Demonstration (Anschauungsunterricht) dessen, was in der Taufe mit dem Heiligen Geist tatsächiich geschehen ist. In diesem Sinn ist die Wassertaufe ein Sichtbarmachen dessen, was in der unsichtbaren Taufe mit dem Heiligen Geist geschehen ist. Vgl. Rom. 6,3-4.
Ist die Kindertaufe nicht ausreichend, wenn der Mensch später gläubig wird?
1. Die biblische Reihenfolge ist immer, Gottes Wort hören, persönlicher Glaube (persönliche Entscheidung, Heilsannahme), Erfahrung der Erlösung, und dann das Zeugnis des Gehorsamsschrittes der Taufe. Apg. 2,41; 10,24-48; 16,14-16; 16,32
34.
2. Die kirchliche Kindertaufe ist nicht Taufe im biblischen Sinn, da sie keine biblische Grundlage hat. Die kirchliche Kindertaufe ist eine kirchlich-rechtliche Ordnung, durch die das "getaufte Kind" rechtlich (steuerrechtlich) zur Kirche gehört. Es gibt in Deutschland viele Menschen, die durch die Kindertaufe steuerrechtlich Mitglieder der protestantischen oder der katholischen Kirche sind, die aber im
biblischen Sinne keine Christen sind.
14 Die Taufe
Die Entstehung der Kindertaufe Lektion 2
Das Neue Testament kennt keine Kindertaufe
Zur Zeit des Neuen Testamentes wurden nur Gläubige getauft, die bezeugten, dass sie an Jesus Christus gläubig geworden sind.Wgl. Apg. 2,41; 8,12-16; 8,26
39; 9,18; 10,44-48; 11,16-17; 16,14-15; 16,33-34; 18,8.
1. Die Taufe war eine "Bekenntnistaufe", die unmittelbar dem Gläubigwerden
folgte.
2. Alle Gläubiggewordenen wurden getauft. Es ist undenkbar, dass jemand gläubig wurde und die Taufe verweigerte. Vgl. Apg. 10,47. (Taufe war ein "Vorrecht", zu dem die Berechtigung nachgewiesen werden musste).
Die Veränderung der Taufpraxis
Die Taufe im ersten Jahrhundert
Außer dem Neuen Testament gibt es keine Literatur aus dem ersten Jahrhundert nach Christus, in der die damalige Taufpraxis beschrieben wird. Daher gibt es auch keine Beschreibungen von Taufen im ersten Jahrhundert.
Die Taufe im zweiten Jahrhundert
1. Die Didache' ist vermutlich um die Jahrhundertwende entstanden. Die Taufe wird in Kapitel 7 behandelt. Kapitel 1 bis 6 beschreiben den vorausgehenden Taufunterricht, in Kapitel 7, Abschnitt 4 wird vorgeschrieben, dass der Täufer und die Täuflinge vor der Taufe fasten sollen. Der Taufe folgt dann die Feier des Mahls des Herrn. Diese Bestimmungen zeigen, dass keine Säuglinge oder Kinder getauft wurden.
2. Der Hirte des Hermas^ wurde in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts geschrieben. Er fordert eine Bewährungszeit, die der Taufe vorausgeht. Diese, und die Tatsache, dass die Taufe von "vor der Taufe begangenen Sünden reinigt", zeigt, dass auch hier von keiner Säuglings- oder Kindertaufe die Rede ist.
3. Der Barnabasbrief* bezeugt, dass die Christen "voll von Sünden und Schmutz" ins Taufwasser steigen. Auch das spricht gegen die Säuglings- und Kindertaufe.
1 Zu dieser Erkenntnis sind nicht nur baptistische Theologen gekommen, sondern auch lutherische Theologen. Siehe zum Beispiel: Reinhard Weber, Reformation der Taufe (Am Schmiedehof 7, D-24238 Selent: Ichthys-Seibstverlag, 1983), S. 41. 2 Kurt Aland, Die Säuglincstaufe im Neuen Testament und in der alten Kirche (München: Chr. Kaiser Verlag, 1961), S. 29.
3 Aland, Die Säugiingstaufe. S. 29. 4 Aland, Die Säuglingstaufe. S. 29.
Die Taufe 15
4. Justinus der Märtyrer wurde ums Jahr 100 geboren und wurde im Jahre 165 oder 166 unter Kaiser Marcus Aurellus hingerichtet. Justinus beschrieb In seiner ersten Apologie, Kapitel 61, die Taufe.®
a. Getauft wird nur, wer von der Wahrheit der christlichen Lehre überzeugt Ist, und werverspricht, ein Leben Im Gehorsam zu leben.
b. Die Täuflinge werden angeleitet zu beten und zu fasten, damit sie von Gott Vergebung erflehen.
c. Die Täuflinge werden dann an einen Ort geführt, wo Wasser zum Taufen Ist. Dort werden sie "wiedergeboren". Er zitiert Johannes 3,3.
d. Auf die gleiche Welse wurde er auch getauft.
e. Er bezeichnet die Taufe auch als ein "Bad, In dem Sünden abgewaschen werden". Dazu zitiert er Jesaja 1,16-20.
f. Er nennt die Taufe auch das "Bad der Erleuchtung".
5. Die Apologie des Arlstides stammt auch aus dem zweiten Jahrhundert. Hier wird von den Kindern christlicher Eltern geredet: "Die Knechte aber und Mägde oder die Kinder, wenn einzelne von ihnen (welche) haben, unterweisen sie, dass sie Christen werden, wegen der Liebe, die sie zu ihnen haben. Und wenn sie es geworden sind, nennen sie sie Brüder ohne Unterschied".® Kinder christlicher Eitern gelten also noch nicht als Christen, sondern werden unterwiesen, damit
sie "Christen werden".
Die Taufe im dritten Jahrhundert
1- Die "Kirchenordnung Hlpoolvts" (Kapitel 40,42 bis 46,8) wurde zwischen 200 und 230 nach Christus geschrieben. Darin wird das Taufritual beschrieben, wie es damals praktiziert wurde.'Beim Lesen der folgenden stichpunktartigen Zusammenfassung wird deutlich, wie stark die neutestamentllche Taufe "angereichert" wurde, und wie sie sich in einen Mysterienkult verwandelt hat.
a. Wer in die Kirche aufgenommen werden will, wird nach dem Grund des Begehrens gefragt.
b. Normalerwelse werden die Katechumenen drei Jahre lang unterrichtet. Bei besonders Eifrigen wird die Zelt verkürzt.
c. Vor der Taufe wird der Lebenswandel des Täuflings geprüft, auch sein
Dienst an Kranken und Witwen.
d. Den für die Taufe Zugelassenen wird täglich die Hand aufgelegt. Wenn der Tauftag näher rückt, wird dies vom Bischof selbst ausgeführt.
5 Vergleiche: Texte der Kirchenväter (München: Kösel Verlag, 1964), Band 4, S. 252-253; Aland, Die Säuolinastaufe. S. 30. 6 Aland, Die Säuclinastaufe. S. 33. 7 Siehe: Texte der Kirchenväter. Band 4, S. 253-256.
16 Die Taufe
e. Am fünften Wochentag wird ein Bad genommen. Am Rüsttag (Freitag) wird gefastet. Am Sabbat versammeln sich die Täuflinge zum Gebet und zum Kniebeugen.
f. Der Bischof legt die Hände auf und beschwört fremde Geister, den Täufling zu verlassen. Der Bischof bläst den Täuflingen dann ins Gesicht und versiegelt sie durch das Kreuzeszeichen an Stirn, Ohren und Nase.
g. Den Täuflingen wird dann die ganze Nacht die Schrift vorgelesen und sie
werden belehrt.
h. Beim Hahnenschrei wird über dem Taufwasser gebetet. Dann werden die Täuflinge entkleidet. Zuerst werden die Kleinen ins Wasser geführt, dann die Männer und zuletzt die Frauen, die vorher allen Schmuck ablegen müssen.
i. Auf jeder Seite des Täuflings steht ein Diakon, der den Täufling dem Teufel und seinen Werken absagen lässt. Dann wird der Täufling mit (unter Beschwörung vorbereitetem) Bannöl gesalbt, während der Diakon die Worte spricht: "Jeder unreine Geist möge von dir weichen 1"
J. Nun wird der Täufling dem Bischof oder dem Ältesten nackt zur Taufe übergeben. Dem Täufling wird das apostolische Glaubensbekenntnis vorgesagt. Gefragt nach dem Bekenntnis zu Gott dem Vater sagt der Täufling: "Ich glaube". Dann wird der Täufling getauft. Gefragt nach dem Bekenntnis zu Jesus Christus sagt der Täufling: "Ich glaube" und wird zum zweiten Mal getauft. Auf die Frage nach dem Bekenntnis zum Heiligen Geist sagt der Täufling nochmals "ich glaube" und wird zum dritten Mal getauft.
k. Der Täufling wird aus dem Wasser geführt und unter Gebet mit geweihtem Öl gesalbt. Danach kann der Täufling sich anziehen und die Kirche betreten.
Anschließend dürfen die Getauften am Mahl des Herrn teilnehmen.
2. Tertullian (ca. 150 bis 223 n. Chr.) berichtete zum erstenmal um das Jahr 197 n. Chr. von der Kindertaufe.®
a. Er führte einen heftigen Kampf gegen die in Nordafrika aufkommende Kindertaufe (De baptismo).® Dies zeigt, dass zu seinerzeit die Kindertaufe noch nicht allgemeine Praxis geworden war.
b. Tertullian hielt die Kindertaufe für unnötig, da "Jesus ungetaufte Säuglinge gesegnet und ihnen das Reich Gottes zugesprochen hat (Mt. 19,14)."^°
8 Weber. Reformation der Taufe. S. 116. 9 Friedrich Sondheimer, Die wahre Taufe (GH 5400 Baden, Rathausgasse 8: DynamisVerlag, 1972), S. 52. 10 Siegfried Zimmer, Das Dilemma der Kinderteufe (Ev.-theoi. Fakultät der Universität Tübingen), 8.19.
Die Taufe 17
c. Aland schrieb: 'Tertulllan hält es also für richtig, Kinder erst zu taufen, wenn sie ein Alter erreicht haben, in dem ihnen ein eigentliches Verständnis des Christentums, ein eigenes Bekenntnis zu Christus möglich ist."^^
d. Tertullian empfiehlt das Alter der Pubertät als das für die Taufe geeignete
Alter."
e. Tertullian sagt, dass man auch mit guten Dingen voreilig umgehen kann." Die Tatsache, dass Tertullian die Kindertaufe so energisch bekämpft, zeigt, dass die Kindertaufe keine apostolische Tradition ist.^Tertullian bekämpft die Kindertaufe als eine "neu aufgekommene Praxis". Wäre die Kindertaufe "apostolische Tradition", müsste er seine Ablehnung gegenüber der Kindertaufe anders begründen.
f. Zur Zeit Tertullians ist die Taufe heilsnotwendig geworden. "Ohne Taufe ist das Heil nicht erhältlich.""
g. Tertullian erwähnt auch das dreimalige Untertauchen und sagt: "Wir sind dreimal untergetaucht worden und machen dabei ein etwas volleres Versprechen, als der Herr in dem Evangelium bestimmt hat."^®
Ohne Beweise zu erbringen, behauptete Origenes (ca. 185 bis 254), dass die Kindertaufe apostolisch sei. Sondheimer hält dies für unmöglich, da noch im vierten Jahrhundert prominente Christen erst im fortgeschrittenen Alter getauft wurden." Für Origenes wird durch die Taufe auch die Erbsünde aufgehoben.
Cvprian. Bischof von Karthago, forderte in einem Brief kurz nach 250, "dass die Taufe der Säuglinge am zweiten oder dritten Tage nach der Geburt geschehe". Die Forderung, mit der Taufe bis zum 8. Tage zu warten, wurde von den Bischöfen verworfen." Vermutlich wurde in der nordafrikanischen Kirche damals die Kindertaufe praktiziert. Dies gilt jedoch nicht für die gesamte Kirche, da es damals keine einheitliche Kirchenleitung gab."
In der Mitte des dritten Jahrhunderts entbrannte der Ketzertaufstreit. Im
Gegensatz zur nordafrikanischen Kirche, wurden in Rom "Ketzer und Schismatiker, die auf die triadische Formel oder den Namen Jesu getauft waren, durch bloße Handauflegung in die Kirche" aufgenommen."
11 Aland.Die Säuqlinastaufe.... S. 37. 12 Aland, Die Säuaünastaufe.... S. 78 13 Zimmer, Das Dilemma der Kindertaufe. S. 19. 14 Zimmer, Das Dilemma der Kindertaufe. S. 55. 15 Henry F. Brown, Baptism throuah the Centuries (Mountain View, CA: Pacific Press Publishing Association, 1965), S. 12. 16 Tertullian. Band 40 von The Fathers of the Church (New York: Fathers of the Church, Inc., 1959), S. 236-237. 17 Sondheimer, Die wahre Taufe. S. 52-53. 18 Aland, Die Säuglinostaufe.... 8.16+22. 19 Zimmer. Das Dilemma der Kindertaufe. S. 20. 20 Heussi, Kompendium der Kirchenaeschichte. 8. 83.
18 Die Taufe
Die Taufe Im vierten Jahrhundert
1. Kurt Aland bezeugt: "Die ersten direkten Zeugnisse für die Ausübung der Kindertaufe In Syrien bieten Asterlus, der Sophist (gest. nach 341) und die Apostolischen Konstitutionen (370/380)."^^ "In den kritischen Jahrzehnten nach 330 n. Chr. Ist Asterlus der Sophist der einzige Theologe, der die Taufe der von christlichen Eltern geborenen Säuglingen bezeugt, fordert und begründet.""
2. Im vierten Jahrhundert verbreitete sich eine neue Irrlehre, die zum Taufaufschub bis Ins fortgeschrittene Alter führte. Die Lehre hatte sich dazu verändert, dass durch die Taufe alle bis zur Taufe begangenen Sünden vergeben werden, aber dass nach der Taufe begangene Sünden nicht vergeben werden (beruhend auf einem Missverständnis von Hebräer 10,26-31). Aland schrieb: "Im 4. Jh. kommt es zu einer großen Krise der Kindertaufe... Nicht nur Konstantin d. Gr. schiebt die Taufe bis zum Sterbebett auf, sondern auch von christlichen Eltern geborene Kinder werden zum Teil erst In späten Jahren getauft. Dabei handelt es sich um prominente Christen, bzw. Mitglieder prominenter christlicher Familien: Basilius d. Gr., Ambrosius, Chrysostomus, Hieronymus, Rufin, Paulinus von Nola usw."" Diese prominenten Christen wurden christlich erzogen, aber erst später getauft. "Bezeichnend Ist, dass noch um das Jahr 370 Basilius der Große und bald darauf sein jüngerer Bruder, Gregor von Nyssa, zwar scharf gegen Leute auftreten, die die Taufe Immer wieder hinausschieben, dass sie aber beide Erwachsene Im Auge haben und die Kindertaufe mit keinem Wort erwähnen, obwohl doch von
Basilius berichtet wird, dass er sie In extremis zu vollziehen bereit gewesen sei"."
"Kaiser Konstantin Ist von der Kirche seiner Zelt durchaus als Christ anerkannt worden, obwohl er erst auf dem Sterbebett Taufe und Abendmahl erhält"."
3. Das erste ökumenische Konzil In NIzäa sprach von der "einen Taufe zur Vergebung der Sünden". Damit muss die Gläubigentaufe gemeint sein, denn das
Konzil wurde von Konstantin, der noch selbst ungetauft war, dominiert. Gleichzeitig beklagten sich manche Bischöfe, dass die Täuflinge oft nicht
ausreichend auf die Taufe vorbereitet werden. Das Konzil wurde von über 300
Bischöfen besucht. Nur sechs kamen aus Gebieten Im Westen, In denen die Kindertaufe schon praktiziert wurde."
21 Aland, Die Säualinastaufe.... S. 14. 22 Aland, Die Säualinastaufe.... S. 17. 23 Aland, Die Säualinastaufe.... S. 16. 24 Aland, Die Sauolinastaufe.... S. 17. 25 Aland, Die Säualinastaufe.... S. 20. 26 Weber, Refbrmatlon der Taufe. S. 115.
Die Taufe 19
4. Cyrill von Jerusalem (313 bis 386) war von 348 bis 386 Bischof von Jerusalem. In seiner "Mvstaeoeische Katechese" (2,2-10) beschreibt er die damals übliche Taufhandlung. Diese Beschreibung gleicht der Beschreibung in "Hippolyts Kirchenordnung" (siehe oben). Bestätigt wird:"
a. Die Täuflinge wurden vor aller Augen vollständig entkleidet und waren
"nackt, wie die ersten Menschen im Paradies".
b. Die Täuflinge wurden vom Scheitel bis zur Sohle mit "exorzisiertem Öl"
gesalbt und erhielten Anteil am "edlen Ölbaum Jesus Christus".^®
c. Jeder Täufling wurde dreimal ins Wasser getaucht, entsprechend dem dreitägigen Begräbnis Jesu.
d. Die Taufe reinigt nicht nur von Sünden und vermittelt die Gabe des Heiligen
Geistes, sie ist auch ein Abbild der Leiden Christi.
5. Gregor von Nazianz. Patriarch von der Reichshauptstadt Konstantinopel, lehnte noch im vierten Jahrhundert die Säuglingstaufe ab," und "rät in seiner oratio 40 vom Jahre 381, die Kinder im Alter von etwa drei Jahren zu taufen, weil sie dann nicht nur auf die Tauffragen seibst antworten können, sondern auch imstande sind, wenigstens bis zu einem gewissen Grade das Christentum zu verstehen."®"
Die Taufe im fünften bis siebten Jahrhundert
1. Zur Zeit von Augustinus wurde die Kindertaufe praktiziert. In den folgenden Punkten sind die Taufgrundsätze der damaligen Zeit zusammengefasst.®^
a. Niemand darf von der Taufe ausgeschlossen werden, auch neugeborene
Kinder nicht.
b. Durch die Taufe stirbt der Mensch der Sünde ab. Während Kinder nur der Erbsünde absterben, sterben Erwachsene auch allen Sünden, die sie bis zum Zeitpunkt der Taufe getan haben,
c. Im Namen der Dreieinheit vollzogene Taufe ist gültige Taufe, auch wenn sie von Häretikern vollzogen wurde.
d. Die Taufe darf nur einmal vollzogen werden. Auch wenn jemand von Häretikern getauft wurde, darf die Taufe nicht wiederholt werden.
e. Obwohl ein Kind selbst noch nicht glauben kann, wird es durch die Taufe ein
Gläubiger.
f. Wenn ein getauftes Kind ins Alter der Vernunft kommt, unterwirft es sich mit seinem Willen den Anforderungen des Sakraments der Taufe.
27 Nachzulesen in: Texte der Kirchenväter. S. 248-251 und 257-259. 28 Henry F. Brown erklärt hier, dass Männer von den Diakonen und Frauen von den Diakonissen gesalbt wurden. Baotism throuoh frie Centuries. S. 13. 29 Zimmer, Das Dilemma der Kindertaufe. S. 20. 30 Aland, Die SäuQlinostaufe.... S. 21. 31 Nachzulesen in Texte der Kirchenväter. Band 4, S. 251,264-268.
20 Die Taufe
g. Das Sakrament der Taufe schützt das getaufte Kind vor der Gewalt des
bösen Feindes.
h. Stirbt ein getauftes Kind, bevor es Ins Alter der Vernunft kommt, wird es
durch das Sakrament von der Verdammnis der Erbsünde befreit.
2. In Pseudo-Dlonvslus Areopaeltas "Kirchliche Hierarchie" (2,2-7; Ende des fünften oder Anfang des sechsten Jahrhunderts) finden wir eine Beschreibung der damals üblichen Taufhandlung:"
a. Der Täufling schwört dem Teufel ab. Dreimal wird Ihm die Abschwörungsformel vorgesagt. Dreimal sagt er die Abschwörungsformel nach.
b. Dreimal sagt der Bischof dem Täufling ein Gelöbnis vor, das dieser dreimal nachspricht.
c. Die DIakone entkleiden den Täufling vollständig. Nach dreimaliger Beslegelung durch das Kreuzeszeichen wird der Täufling von Kopf bis Fuß gesalbt.
d. Der Priester heiligt das Wasser durch dreimaliges Aufgießen des allerheillgsten Salböls. Dabei singt der Priester dreimal das heilige Lied.
e. Der Bischof taucht den Täufling dreimal unter und ruft dabei die drei göttlichen Personen an.
f. Nun wird dem Getauften ein Kleid angelegt und der Bischof versiegelt den Mann mit dem göttlich wirkenden Salböl.
3. Die Kindertaufe wurde Im sechsten bis siebten Jahrhundert zur Norm."
Die Voraussetzungen zur Veränderung der Taufpraxis
Die Lehre von der Erbsünde
1. Die biblische Lehre von der "Erbsünde" bezeugt, dass der Mensch von der Zeugung an sündig Ist. Das heißt nicht, dass ein ungeborenes Kind schon persönlich gesündigt hätte. Als Adam sündigte, hat er als natürlicher Stellvertreter aller Menschen gesündigt, so dass alle seine Nachkommen "In Sünde" geboren sind. Ps. 51,7; 58,4; Röm. 5,12-14.
2. Obwohl das Neue Testament die Lehre von der "Erbsünde" kennt, berichtet das Neue Testament nur von der Taufe von gläubiggewordenen Menschen. Die Apostel und die erste Gemeinde fanden es nicht nötig, Säuglinge oder Kleinkinder zu taufen, trotz der Lehre von der Erbsünde.
32 Nachzulesen in: Texte der Kirchenväter. Band 4, S. 245-247. 33 Heussi, Kompendium der Kirchenaeschlchte. S. 73-74.
Die Taufe 21
3. Die Einführung der Kindertaufe geschah auf Grund einer Veränderung der Lehre.
In der nachapostolischen Zeit führte die "Lehre von der Erbsünde" zu einer
"Besorgnis für das Heil der Kinder".
4. Langsam fand der Gedanke Eingang, dass durch die Taufe die Sünde (mindestens
die Erbsünde) abgewaschen wird. Kurt Aland schrieb: "Wo in der Kirche der Frühzeit die Neugeborenentaufe gefordert wird, geschieht das unter Berufung auf die auch im eben geborenen Kind trotz eigener faktischer Sündlosigkeit von der Sünde Adams her vorhandenen Sündenschuld.^
5. Zur Zeit von Augustins war die Lehre der Sündhaftigkeit der Kinder und der folgenden Notwendigkeit der Kindertaufe zur Abwaschung dieser Sündhaftigkeit, so weit durchgedrungen, dass Augustin die Lehre der Kindertaufe zum Beweis der Sündhaftigkeit der Kinder verwenden kann. Kurt Aland schrieb: "Jedoch schon Augustin kann der Proklamation der Sündenfreiheit der Neugeborenen durch die Pelagianer... unter Berufung auf eine allgemeine Übung der Kindertaufe entgegentreten, die doch die angeborene Sündhaftigkeit des Täuflings voraussetze."^®
6. Abschließend können wir feststellen, dass die Lehre von der angeborenen Sündhaftigkeit (vgl. Ps. 51,7; 58,4; Rom. 5,12-14), in Verbindung mit der falschen Taufwiedergeburtslehre, zu der allgemeinen Praxis der Kindertaufe geführt hat.®®
Die Taufwiedergeburtslehre
1. Veränderung der Praxis ist nur möglich, wo die Lehre schon vorher verändert worden ist. Die Entstehung und Annahme der Taufwiedergeburtslehre ist Voraussetzung, damit die Kindertaufe entstehen und sich durchsetzen konnte. (Beachte: Das Handeln eines Menschen steht immer im Einklang mit seinem Denken).
2. Historisch gesehen führte die Taufwiedergeburtslehre zur "Notwendigkeit der Taufe" (Heilsnotwendigkeit der Taufe). Augustin und die römische Kirche leiteten dann von der "Notwendigkeit der Taufe" die "Notwendigkeit der Kindertaufe" ab. Wenn, nach der Lehre der damaligen Kirche, die Wiedergeburt durch die Taufe geschieht, dann müssen alle Kinder getauft werden, und dann sind alle nichtgetauften Kinder verloren.®'
Das Vorbild der heidnischen Mysterienkulte
1. Die Gemeinde war umgeben von einer Vielzahl heidnischer Kulte. Für die wichtigen Übergangspunkte des Lebens (Geburt, Geschlechtsreife und Tod)
34 Kurt Aland, Taufe und Kindertaufe (Güterslohn: Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, 1971), S. 38. Siehe auch: Kurt Aland, Die Säuglingstaufe..., S. 75. 35 Aland, Taufe und Kindertaufe. S. 38. 36 Zimmer, Das Dilemma der Kindellaufe. S. 21-23. 37 Philip Schaff, Histonr of the Christian Church. Band I (Grand Rapids: Wm. 8. Eerdmans Publishing Company, 1910), S. 467.
22 Die Taufe
hatten diese heidnischen Kulte vieie eindrucksvolle Rituale und Zeremonien. Diese Ritualien wurden auch "Mysterien" (Geheimnisse, Sakramente) genannt. Durch diese "Mysterien" wurden Kontakte zur Götterwelt hergestellt, und Bewahrung des menschlichen Lebens durch die Götter wurde dadurch gesichert.^®
2. Die patristische Literatur zeigt, dass die Taufe immer mehr in solch eine "Mysterienfeier" umgewandelt wurde. Die Taufe glich mehr einem heidnischen
Zauberritual als einer neutestamentlichen Taufe. "Das Entstehen der Säuglingstaufe ging Hand in Hand mit einem Eindringen heidnisch-magischen Denkens in die christliche Gemeinde."®® Heussi beschreibt den Zeremonienkult der damaligen Kirche: "Im Katechumenat trat der Unterricht immer mehr hinter umständlichem Zeremoniell zurück (Darreichung von geweihtem Salz; Exorzismen, Bekreuzigung, Anblasen usw.). Auch die Taufe war mit reichen Zeremonien umgeben (feierliche abrenuntiatio an den Satan und Zusage an Christus; Wasserweihe; interrogatio de fide und dreimaliges Untertauchen; Salbung mit Öi; Aufsagen des Vaterunsers durch den Getauften; Bekleidung mit weißen Linnengewändern, Überreichung von brennenden Kerzen, von Milch und Honig usw.). Die auf das Untertauchen folgende Salbung mit geweihtem Öi (chrisma) galt schon im 3.Jh. als ein selbständiges Sakrament f-confirmatio. Firmelung); sie wurde im Abendland dem Bischof vorbehalten und daher von der Taufhandlung gelöst.'*"
3. Tertullian bezeugt, dass durch die Tradition die Taufpraxis und andere Sitten verändert worden sind:"®
a. Bevor der Täufling ins Wasser geht, sagt er dem Teufel, seinen Werken und seinen Engeln in der Gegenwart der ganzen Gemeinde ab.
b. Der Täufling wird dreimal untergetaucht und macht dabei ein "etwas volleres Versprechen, als der Herr in den Evangelien vorgeschrieben hat."
c. Nach der Taufe erhält der Täufling eine Woche lang eine Mischung aus Milch und Honig.
d. Eine Woche lang verzichtet der Täufling auf sein tägliches Bad.
e. Das Mahl des Herrn, das der Herr beim letzten Abendmahl eingesetzt hat, wird in der Morgenversammiung empfangen.
f. Am Jahrestag des Todes von Gläubigen wird der "geistliche Geburtstag" (Eingang in das ewige Leben) gefeiert.
4. Weber spricht in diesem Zusammenhang von dem Bazillus der "Sakralmagie" und vom "Taufzauber"."®
38 Zimmer, Das Dilemma der Kindertaufe. S. 23. 39 Zimmer, Das Dilemma der Kindertaufe. S. 23. 40 Heussi, Kompendium der Kirchenoeschichte. S. 108. 41 Aus: Tertuliian. S. 236-237. 42 Weber, Reformation der Taufe. S. 111. Die Taufe 23
Die Entstehung des Staatskirchentums
1. Konstantin hat die Kirche nicht nur anerkannt, sondern bevorzugt. "Das Universalreich drängte zu einer üniversalreligion; zu einer solchen bot aber das Heidentum nur schwache und ungenügende Ansätze.""' Er wollte eine starke Kirche, denn in einer starken Kirche sah er die Grundlage für ein starkes römisches Reich.""
Die Kirchenmitgliedschaft wurde im Laufe der Jahre zur Staatspflicht.
"NichtChrist" sein wurde zum Staatsverbrechen und wurde strafbar."'
3. Zur Kirchenmitgliedschaft war jedoch die Taufe notwendig. Deshalb wurde die Kindertaufe gesetzlich geboten. "Die Säuglingstaufe wurde zum Fundament der Staatskirche.""®
Die Widerlegung der Taufwiedergeburtslehre
Die Wiedergeburt geschieht nicht durch die Wassertaufe, Keine Schriftstelle bezeugt die Taufwiedergeburtslehre. Viele Schriftstellen widerlegen die Taufwiedergeburts lehre. Die Taufwiedergeburtslehre muss deshalb als eine unbiblische Irrlehre
abgelehnt werden.
1. In der Taufwiedergeburtslehre ist eine offensichtliche Unvereinbarkeit zwischen der Art der Veränderung, die in der Wiedergeburt gewirkt wird, und der Handlung, die in der Taufe geschieht (und die die Veränderung erzeugen soll). Die Veränderung ist geistlicher Art. Die Kräfte sind physikalischer Art."'
2. Die Wiedergeburt geschieht durch das Wort Gottes und durch den Heiligen Geist (l.Petr. 1,23; Jak. 1,18; Joh. 3,3-7; Kol. 2,12-13; 2.Thess. 2,13-14; Tit. 3,4-5).
a. Die Wassertaufe wird in diesen Schriftstellen überhaupt nicht erwähnt.
b. Säuglinge können das Wort Gottes noch nicht hören und aufnehmen und glauben."®
3. Da die Wiedergeburt durch das Wort Gottes geschieht (und den Heiligen Geist), kann Paulus den Korinthern schreiben: "Ich habe euch gezeugt..." (l.Kor. 4,15), obwohl er die meisten Korinther nicht getauft hat (vgl. l.Kor. 1,14).
43 Heussl. Kompendium der Kirchenaeschichte. S. 91. 44 Zimmer, Das Dilemma der Kindertaufe. S. 26. 45 Zimmer. Das Dilemma der Kindertaufe. S. 27. Vergleiche: Heussi, Kompendium der Kirchenaeschichte. S. 93-94, 46 Zimmer, Das Dilemma der Kindertaufe. S. 25. 47 Der lutherische Pfarrer und Theologe Weber sieht es als eine "unerhörte Anmaßung", wenn die Erlösung "in die fünf Minuten menschlichen Tauf-Handelns" gebunden wird. Reformation der Taufe. S. 68. 48 Luther hat auf Grund der Annahme, dass Säuglinge glauben können, die Säuglings taufe beibehalten. Siehe: Zimmer, Das Dilemma der Kindertaufe. S. 38-42.
24 Die Taufe
4. Paulus beschreibt seine Berufung und seine Aufgabe in Apg. 26,18 als: "aufzutun ihre (der Heiden) Augen, dass sie sich bekehren von der Finsternis zu dem Licht und von der Gewalt Satans zu Gott, um zu empfangen Vergebung der Sünden und das Erbteil samt denen, die geheiligt sind durch den Glauben an mich (Jesus)."
a. Die Veränderung der Heiden, die Paulus beschreibt, schließt zumindest die Wiedergeburt mit ein.
b. Trotzdem schreibt Paulus in l.Kor. 1,17: "denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu predigen..."
c. Paulus hat seine Berufung (beschrieben in Apg. 26,18; zur Wiedergeburt führen) erfüllt (Apg. 26,17-19; 2.Tim. 4,7-8; Apg. 20,20-21+26-27), obwohl er nur wenige getauft hat (l.Kor. 1,13-17).
5. In Römer 1,16-17 wird das Evangelium von Jesus Christus als die "Kraft Gottes" bezeichnet, "die da selig macht alle, die daran glauben..." (vgl. Rom. 10,17). Die Taufe wird hier nicht erwähnt. Wenn die Wiedergeburt durch die Taufe geschehen würde, müsste dann nicht auch hier die Taufe erwähnt werden?
6. Die verfolgte Gemeinde verkündigte in Antiochien das Evangelium vom Herrn Jesus. Als Folge davon wurden viele gläubig (Apg. 11,19-21). Diese Gläubiggewordenen werden "Christen" genannt, obwohl die Taufe überhaupt
nicht erwähnt wird.
7. Die Beispiele des Neuen Testamentes zeigen, dass zur Zeit der Apostel nur Gläubige getauft wurden. Wenn ein Mensch gläubig ist, dann ist er aber auch wiedergeboren. Die Wiedergeburt geschah also vor der Taufe. Vgl. Apg. 2,41; 8,12-13; 8,36-38; 10,47; 11,19-26; 13,38-39; 16,14-15; 16,30-33; 18,8.
8. Nach dem Neuen Testament ist der Glaube an Jesus Christus die einzige Bedingung für die Erlösung. Die meisten Schriftstellen, die über Erlösung sprechen, erwähnen die Taufe gar nicht. Vgl. Joh. 1,12; 3,14-18+36; 5,24-25; 6,35+40; 11,25-26; 16,31; Röm. 1,16-17; 10,9-17; Gal. 3,26-27; l.Joh. 5,1-5.
9. Wasser kann Sünden nicht abwaschen. Dies geschieht nur durch das Blut Jesu Christi (Eph. 1,7).
a. Deshalb kann sich Eph. 5,26; Tit. 3,5; und Joh. 3,5 (Wasser) nicht auf das Wasser der Taufe beziehen. Wasser ist ein Symbol für die reinigende Kraft des Wortes Gottes (vgl. Joh. 15,3 für die reinigende Kraft des Wortes Gottes).
b. Apg. 2,38 und Apg. 22,16 sprechen von Juden und von Paulus, die Jesus nicht nur abgelehnt, sondern auch verfolgt haben (vgl. Apg. 2,23; 9,4). Die Taufe ist hier ein öffentliches Bekenntnis, dass sie nun an Jesus, den sie verfolgt haben, glauben. Dadurch wird ihre Sünde "vor Menschen abgewaschen". Die Taufe des-Paulus war ein "glaubwürdiges Zeugnis", dass er nun die Gemeinde nicht mehr verfolgt, sondern dass er nun selbst zur Gemeinde
Die Taufe 25
gehört (beachte, dass Paulus Schwierigkeiten hatte, sich mit den Gliedern der Gemeinde zu treffen; Apg. 9,26-27).
10. Der wiedergeborene Mensch ist ein Kind Gottes und geht deshalb nicht verloren (Joh. 1,12; 3,3-7+16-18+36; 5,24-25; 10,28-30; Rom. 8,28-39).
a. Die Wiedergeburt, eine grundlegende Veränderung im Leben eines Menschen, muss sich im täglichen Leben des Wiedergeborenen auswirken.
Die Schrift sagt, "an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen".
b. Die meisten Europäer sind getauft. Bei den meisten Europäern fehlen aber die "Früchte." Es ist realistisch, anzunehmen, dass die meisten Europäer nicht wiedergeboren sind, obwohl sie getauft sind. Offensichtlich hat also die Taufe die Wiedergeburt nicht bewirkt.
c. Diese Tatsachen zwingen gläubige, lutherische Theologen, von sogenannten "Totgeburten" zu reden. Die Wiedergeburt geschah, aber es ist eben eine Totgeburt."*® Die Abweichung von der Schrift in einem Gebiet biblischer Lehre zwingt zum Abweichen von der Schrift in anderen Lehrgebieten.
11. Markus 16,16 sagt, dass wer nicht glaubt, verloren geht. Wenn die Wiedergeburt durch die Taufe geschehen würde, müsste Markus dann nicht sagen, dass wer nicht getauft ist, verloren geht?
12. Die Wassertaufe ist mit der alttestamentlichen Beschneidung nicht zu verwechseln. Die Taufe ist nicht die Fortsetzung der Beschneidung (die am 8. Tage nur an Knaben vollzogen wurde).®"
a. Kolosser 2,9-14 vergleicht die Taufe nicht mit der Beschneidung. Paulus verwendet in diesem Abschnitt (1) die Beschneidung, (2) die Taufe, (3) das Vernichten eines Schuldbriefes, als drei verschiedene Illustrationen (Bilder), um unseren Reichtum, den wir als Erlöste in Jesus Christus haben, deutlich
zu machen.
b. Gleichzeitig sollte beachtet werden, dass auch die Beschneidung "nur" eine äußere Handlung war, die keine Herzensveränderung bewirkte (vgl. Joh. 8,37-44; Röm. 2,28-29; Matth. 23,1-36). Trotzdem wurde der Gehorsam der Ausführung verlangt. Dies zeigt, dass Gott auch ein äußerliches Ritual, das keine Herzensveränderung bewirkt, gebieten kann, und dann Gehorsam
erwartet.
49 Pastor Rudolf Bäumer (ehem. Vorsitzender der Bekenntnisbewegung "Kein anderes Evangelium"; Informafaonsbrief Nr. 79. April, 1980).
50 Der lutherische Pfarrer und Theologe Weber sieht den Vergleich zwischen Säuglings beschneidung und Säuglingstaufe als eine "Zweckbehauptung", die keinen Bestand hat. Reformation der Taufe. S. 65.
26 Die Taufe
Unvollendete Reformation: Die Taufe Lektion 3
Einleitende Vorbemerkungen
In diesem Studium geht es nicht um eine kritische Verurteilung Luthers. Luther war ein Mann, den Gott gebraucht hat, um das römisch-katholische Lehrsystem zu
durchbrechen. Wir wollen auch den Verdienst Luthers in keiner Weise verkleinern. Luthers Grundfrage war: "Wie finde ich einen gnädigen Gott?" In der Suche nach der Antwort auf diese Frage erkannte Luther vier biblische Grundsätze, die zu Grundpfeilern der Reformation wurden:
1. Allein Christus (im Gegensatz zu: Christus und die Heiligen).
2. Allein die Gnade (im Gegensatz zu: Gnade Gottes und Verdienst des Menschen).
3. Allein die Schrift (im Gegensatz zu: Die Schrift und die Tradition).
4. Allein durch den Glauben (im Gegensatz zu: Der Glaube und die Werke).
In den folgenden Ausführungen soll aufgezeigt werden,
1. dass Luther seinen eigenen Grundsätzen nicht treu geblieben ist.
2. dass Luthers Aussagen über die Taufe widersprüchlich sind.
3. dass Luther selbst die Grundlage gelegt hat, für die Rückkehr zum
Sakramentaiismus und dem damit verbundenen Landeskirchentum.
Die Reformation blieb unvollständig
Luther akzeptierte zum großen Teil die katholische Tauflehre. Er schrieb in Von der
babvlonischen Gefangenschaft der Kirche:
"Gebenedeit sei Gott und der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der nach dem Reichtum seiner Barmherzigkeit nur dieses einzige Sakrament erhalten hat in seiner Kirche unbefleckt und unvergiftet und hat nicht gestattet, dass es mit gottlosem Aberglauben unterdrückt würde".^
Weber folgerte: "Dieses einzige Sakrament, - es blieb in der evangelischen Kirche unevangelisch I, jedenfalls in der Großkirche... der Durchbruch zur evangelischen Taufe wurde der Reformation nicht geschenkt."^
Herbert Venske schrieb: "Es ist Luthers unbeschreibliche Tragik, dass er dieses nicht verwirklicht hat. Seine Reformation ist nicht zum vollen Zuge gekommen. Hier hätte ein abschließendes Ende gesetzt werden müssen Jenes sakramentalen Volkskirchen
1 Geschrieben 1520. Nachzulesen In: Reinhart Weber, Reformation der Taufe (Am Schmiedehof 7,24238 Selent ichthys-Selbstveriag, 1983), 8.126.
2 Weber, Reformation der Taufe, 8.126-127.
Die Taufe 27
tums, das sich in der römischen Kirche in ständiger Fortentwicklung von den urchristlichen Ansätzen offenbarte. Dieses Ende ist aber nicht gesetzt worden. Luther ist im Gegenteil in völliger Inkonsequenz zu seiner Grundauffassung, von der apostolischen Kerngemeinde mit dem volksmissionarischen Ring, wieder bei der sakramentalen Volkskirche, wenn auch mit einwohnender Evangeliumspredigt, gelandet.
Der lutherische Sakramentalismus hat einem Strom von Katholizismus alle Schleusen und Kanäle geöffnet. Luther steht in seiner Stellung zu den Sakramenten jedenfalls näher bei der römischen Kirche als bei den Aposteln und der Urgemeinde. Luther und Paulus stehen bei großer Geistesverwandtschaft in vielen Stücken gegensätzlich zueinander."^
Luthers Taufverständnis und Taufpraxis
Die Taufe beim "jungen" Luther
Luther erkannte auf Grund der Heiligen Schrift, dass der Mensch vor Gott allein durch den Glauben gerecht wird. Luther kam beim Lesen von Hab. 2,4 und dem Römerbrief zu der Erkenntnis, dass der Mensch nichts zu seiner Erlösung beitragen kann. Mit seiner Rechtfertigungslehre stellte sich Luther gegen die katholische Sakramentenlehre.
"Nach katholischer Lehre vermitteln die Sakramente all' denen die Gnade Gottes, die bei ihrem Empfang keinen Riegel vorschieben. (Einen Riegel schiebt derjenige Mensch vor, der sich während des Sakramentsempfang bewusst vornimmt zu sündigen.) Nur ein solcher Riegel macht nach katholischer Lehre das Sakrament unwirksam. Genau diese Lehre bezeichnet Luther nun als Ketzerei: 'Es ist eine Ketzerei, wenn man lehrt, dass die Sakramente Gnad geben all denen, die nicht einen Riegel vorschieben' (WA Bd. 7, S. 317,28)."^
In seiner Wittenberger Römerbriefvorlesung von 1515-16 sagt Luther über Römer 5,1:
"Niemand erlangt Gnade, weil er absolviert oder getauft wird oder das Abendmahl empfängt..., sondern weil er glaubt, dass er durch solches Absolvieren, Taufen, Kommunizieren... Gnade erlangt. Wahr nämlich ist jenes weitest verbreitete und bewährteste Wort: Nicht das Sakrament, sondern der Glaube im Sakrament recht fertigt... und jenes (Wort) des seligen Augustin: Es (das Sakrament) rechtfertigt nicht, weil es geschieht, sondern weil geglaubt wird.... Das Herz nämlich wird nicht gereinigt anders als durch Glauben, Apg. 15,9."®
In seinen Erläuterungen zu den 95 Thesen wandte Luther seinen Grundsatz: "Allein durch den Glauben" auf die katholische Sakramentenlehre an, indem er schrieb:
3 Herbert Venske, Vollendete Reformation (Wuppertal: Brockhaus Verlag. 1958), S. 80-83.
4 Nachzulesen bei Siegfried Zimmer, (wiss. Assistent an der Ev.-theol. Fakultät der Uni versität Tübingen, nichtveröffentlichtes Arbeitspapier) Das Dilemma der Kindertaufe, s. 30.
5 Weber, Reformation der Taufe. 8.130.
28 Die Taufe
"Die Behauptung, dass die Sakramente des Neuen Bundes den Menschen ohne weiteres gerecht machen, wofern er sich nicht absichtlich gegen ihre Wirkung innerlich verschließt, ist nicht bloß falsch, sondern auch ketzerisch/'®
In seiner siebten These sagt Luther: "Nicht das Sakrament, sondern der Glaube bringt uns in den Genuss der Vergebung der Sünden; im Worte Gottes, nicht im Sakrament hat der Mensch teil an der Gnade Gottes, an Gottes Reich und Leben."' Heitmüller fasst zusammen: "Dem reformatorischen jungen Luther war also das Wort Gottes viel wichtiger als die Sakramente, und die Predigt des Wortes stellte er viel höher als die Verwaltung der Sakramente."®
In "Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche", geschrieben 1519, sagt Luther,
was "allein durch den Glauben" für die Praxis der Taufe bedeutet. Er schrieb:
"Also rechtfertigt auch die Taufe niemanden und ist auch niemand nütze, sondern der Glaube an das Wort der Verheißung, zu welchem wird die Taufe getan; denn dieser Glaube rechtfertigt und erfüllet das, was die Taufe bedeutet... Die
Sakramente werden nicht erfüllet, wenn sie verrichtet werden, sondern wenn sie geglaubt werden. Also kann auch nicht wahr sein, dass in den Sakramenten sei eine kräftige Macht der Rechtfertigung oder dass sie seien kräftige Zeichen der Gnade. Denn das alles wird geredet dem Glauben zum Nachteil... Denn gibt mir das Sakrament die Gnade darum, weil ich es empfange, so erlange ich in Wahrheit Gnade aus meinem Werke, und nicht aus dem Glauben, und ergreife auch nicht die Verheißung in dem Sakrament, sondern allein das Zeichen... Wir aber sollen die Augen auftun und lernen, mehr das Wort als das Zeichen, mehr den Glauben als das Werk oder den Gebrauch des Zeichens in acht zu nehmen, und wissen, dass, wo Gottes Verheißung ist, da der Glaube erfordert werde, und, dass beides so nötig, da keines ohne das andere kräftig sein könne. Denn es kann nichts geglaubet werden, es sei denn eine Verheißung da, und es wird auch die Verheißung nicht befestigt, sie werde denn geglaubet; wenn aber beides vorhanden, machen sie den Sakramenten eine wahre und sehr gewisse Kraft." (WA, Bd.6, S. 532,36).
Luthers Probleme mit der Kindertaufe
Luther spürte die Spannung zwischen seiner Rechtfertigungslehre und der allgemeinen
Tauflehre. Er schrieb:
"Vielleicht möchte meinen obigen Worten entgegen gesetzt werden die Taufe der kleinen Kinder, die die Verheißung Gottes nicht verstehen, auch den Glauben der Taufe nicht haben können, darum entweder der Glaube nicht erfordert würde oder die Kinder vergebens getauft werden." (WA Bd. 6, S. 538,4).
6 Friedrich Heitmüller, Die Krisis in der Gemeinschaftsbeweaunq (Hamburg 3, Holstenwall 21: Christliche Gemeinschaftsbuchhandlung, 1931), S. 144. 7 Heitmüller, Die Krisis.... S. 128. 8 Heitmüller, Die Krisis.... S. 129.
Die Taufe 29
Luther versuchte die Kindertaufe beizubehalten. Die Probleme waren Ihm bekannt, wie seine Schriften zeigen. Luther bestand jedoch darauf, dass vorder Taufe Glaube da sein muss. "Stellvertretenden Glauben" lehnte er ab. In seiner Predigt zum 3. Sonntag nach Epiphanias (Matth. 8,1-13) lesen wir:
"Vor diesem Gift und Irrtum (als ob die Sakramente an sich die Kraft hätten, dem Menschen die Sünden zu vergeben) hüte dich, wenn es gleich aller (Kirchen=) Väter und Konzilien ausgedrückte Meinung wäre; denn sie besteht nicht, hat keinen Grund in der Schrift für sich, sondern eitlen Menschendünkel und Träume. Dazu ist sie stracks wider die vorigen Hauptsprüche, da Christus spricht: "Wer glaubt und getauft wird, der soll selig werden" usw., - dass kurzum beschlossen ist: "Taufe hilft niemand, ist auch niemand zu geben, er glaube denn für sich selbst, und ohne eigenen Glauben niemand zu taufen ist."... Über diese sind etliche andere, wie die Brüder Waldenses genannt, die halten, dass ein jeder müsse für sich selbst glauben und mit eigenem Glauben müsse die Taufe oder das Sakrament empfangen, wo nicht, so sei ihm die Taufe oder das Sakrament kein nütze. Sofern reden sie und halten sie recht. Aber dass sie zufahren und taufen gleichwohl die jungen Kinder, welche sie auch halten für die, die keinen eigenen Glauben haben, das ist ein Spott der heiligen Taufe, und sündigen wider das andere Gebot, dass sie Gottes Namen und Wort unnütz und vergeblich führen mit Wissen und Mutwillens. Es hilftauch nichts die Ausrede, dass sie sagen, die Kinder taufe man auf ihren zukünftigen Glauben, wenn sie zur Vernunft kommen, denn der Glaube muß vor oder in der Taufe da sein, sonst wird das Kind nicht los vom Teufel und von der Sünde. Darum, wenn ihre Meinung recht wäre, so müßten das alles eitle Lügen sein, das mit dem Kinde in der Taufe gehandelt wird. Denn da fragt der Täufer, ob das Kind glaube, und man (die Paten) antwortet: "Ja" an seiner Statt. Nun wird doch niemand an seiner Statt getauft, sondern es wird selbst getauft. Darum muß es auch selbst glauben oder die Paten lügen, wenn sie sagen an seiner Statt: Ich glaube. - Wo wir nun nicht können beweisen, dass die Jungen Kinder selbst glauben und eigenen Glauben haben, da ist es mein treuer Rat und Urteil, dass man stracks abgehe, je eher, je besser, und taufe nimmermehr kein Kind, dass wir nicht die hochgelobte Majestät Gottes mit solchen Alfanzen und Gaukelwerk, da nichts hinter ist, spotten und lästern" (Erl. Ausg. ll,60ff.).
Aus diesen Aussagen Luthers werden drei Tatsachen deutlich:
1. Persönlicher Glaube ist für die Taufe notwendig. Ohne das Vorhandensein von Glauben darf nicht getauft werden. "Der persönliche Glaube ist für Luther beim Empfang der Sakramente unerlässlich."'
2. Man kann Kinder nicht auf ihren zukünftigen Glauben taufen, denn der Glaube
muss vor oder In der Taufe da sein. An diesem Punkt verurteilt Luther die Waldenser, da sie in Erwartung des zukünftigen Glaubens des Kindes tauften."
9 Zimmer, Das Dllemma der Kindertaufe. S. 30. 10 Luther verurteilt damit auch die heutige Praxis der Kindertaufe.
30 Die Taufe
3. Es gibt keinen "stelivertretenden Giauben". Wenn die Kinder keinen eigenen Glauben haben, sollen sie auch nicht getauft werden.
Wende in Luthers Stellung zur Taufe
Eine Zeit lang schwankte Luther hin und her. Siegfried Zimmer weist auf eine widersprüchliche Aussage Luthers hin: "Hier sage ich, was alle sagen, dass den kleinen Kindern wird zu Hilfe gekommen mit einem fremden Glauben derer, die sie
zur Taufe bringen" (WA, Bd. 6,538,4). Aus mehreren Gründen kann diese Antwort
nicht befriedigen.
1. Diese Auffassung widerspricht dem Neuen Testament, auf das sich Luther früher
als die unumstößliche Autorität berufen hat. Das Neue Testament kennt kein einziges Beispiel von "fremdem Glauben", der zur Seligkeit geführt hätte.
2. Diese Auffassung widerspricht auch der Wirklichkeit. Zimmer fragt: "Außerdem
ist an Luthers Ablasskritik zu erinnern. Er selbst hat betont, dass Gott nur demjenigen vergibt, der wahrhaftige Reue zeigt. Wie hätte Luther wohl geantwortet, wenn ihm von einer "fremden Reue" erzählt worden wäre, mit der
einer dem andern zu Hilfe kommen kann? Warum können nicht - ähnlich wie
beim Glauben—andere für meine Schuld Reue empfinden, wenn doch Reue und Glauben wesensgleich sind? Was bei der Reue unmöglich ist, soll beim Glauben möglich sein? Wenn es eine Taufe ohne Glauben des Getauften gibt, dann müsste es auch eine Vergebung ohne Reue des Sünders geben. Das aber hat Luther aufs schärfste abgelehnt."^^
3. Diese Auffassung widerspricht auch Luthers eigenen Aussagen. Einige Jahre zuvor hat Luther selbst den "fremden Glauben" abgelehnt.
Vermehrte Schwierigkeiten
Luthers Argumentation über den "fremden Glauben" war nicht überzeugend, und viele zogen die Konsequenzen, die Luther nicht zu ziehen wagte.
1. 1521 forderten die "Zwickauer Propheten" in Wittenberg die Abschaffung der Kindertaufe. Die engsten Mitarbeiter Luthers, Melanchthon und Armsdorf, waren überrascht und überfordert. Diese führenden Theologen der Reformation konnten die Argumente der Zwickauer Propheten nicht widerlegen.^^
Melanchton schrieb dann einen Brief an Luther.
2. Da die Kindertaufe Staatsgesetz war, übergab Melanchthon die Forderung der Zwickauer Propheten dem Kurfürsten. Dieser erkannte: Aufgabe der Kindertaufe
bedeutet das Ende des Staats- und Volkskirchentum. Dazu war man aus
verschiedenen Gründen nicht bereit. Infolgedessen wurden die Zwickauer Propheten des Landes verwiesen."
11 Zimmer, Das Dllemma der Kindertaufe. S. 35. 12 Zimmer, Das Dilemma der Kindertaufe. S. 36. 13 Zimmer, Das Dilemma der Kindertaufe. S. 36-37.
Die Taufe 31
3. Luther schrieb In seiner Antwort an Melanchthon: "Immer habe ich erwartet, daß der Satan diese wunde Stelle anrührt, aber er wollte es nicht tun durch die Papisten. Bei uns selbst und unter uns bricht diese schwere Spaltung auf, aber Christus wird sie bald unter unsere Füße vernichten" (WA, Briefe 2,427,177).
4. Luthers Antwort ist aufschlussreich. Er "hat also das Problem der Kindertaufe schon längere Zeit als 'wunde Stelle' empfunden, d.h. als eine Stelle, die kaum geschützt ist"."Trotzdem ist Luther in dieser Frage nicht gesprächsbereit. "Erwartet wird die 'Vernichtung' derer die die Kindertaufe ablehnen.""
Luther fordert den Glauben als Voraussetzung für die Taufe
Nun verwirft Luther auch die Ansicht der böhmischen Brüder, die die Kinder in der Hoffnung auf ihren zukünftigen Glauben tauften (also die heutige Taufpraxis vorweggenommen haben). Dagegen betont Luther: Die Taufe hilft niemand, ist auch niemand zu geben, er glauben denn für sich selbst, und ohne eigenen Glauben ist niemand zu taufen... Es hilft auch nicht die Ausrede, dass sie sagen, die Kinder taufe man auf ihren zukünftigen Glauben, wenn sie zur Vernunft kommen. Denn der Glaube muß vor oder in der Taufe dasein, sonst wird das Kind nicht los vom Teufel und Sünden' (WA Bd. 1711,5.80ff).
Luther berief sich nun auf die Taufliturgie, die er weitgehend von der katholischen Kirche übernommen hat. Sorgfältige Beurteilung zeigt, dass diese Taufliturgie jedoch für die ursprüngliche Gläubigentaufe entworfen war, da der Täufling mehrmals befragt wird (diese Fragen werden von den Eltern und Paten stellvertretend beantwortet). Luther
schrieb: "Darum, wenn ihre Meinung (die Meinung der böhmischen Brüder) recht wäre, so müßt das alles eitel Lügen und Spott sein, was mit dem Kind in der Taufe gehandelt wird. Denn da fragt der Täufer, ob das Kind glaube, und man antwortet 'ja' an seiner Statt, und obs wolle getauft werden, da antwortet man auch 'ja' an seiner Statt. Nun wird dennoch niemand an seiner Statt getaufet, sondern es wird selbst getaufet. Darum muss es auch selbst glauben, oder die Paten müssen lügen, wenn sie sagen an seiner Statt: "Ich glaube.""
Luther kehrt zur katholischen Tauflehre zurück
Luthers Aussagen über die Taufe sind widersprüchlich. Luther hat im Laufe seines Lebens
einen Wandel durchlaufen.
1. Zuerst entfernte er sich von der römisch-katholischen Tauf- und Sakramentslehre, blieb jedoch im römisch-katholischen Taufdenken stecken" und kehrte später zu
dieser Lehre zurück.
14 Zimmer, Das Dllemma der Kindertaufe. S. 37. 15 Zimmer, Das Dilemma der Kindertaufe. S. 38. 16 Zitiert von Zimmer, Das Dilemma der Kindertaufe. S. 39. Es ist zu beachten, dass Luther hier (schon im Voraus) die heutige Taufpra)ds der evangelisch-lutherischen Kirche venvorfen hat. 17 Weber, Reformation der Taufe. S. 129.
32 Die Taufe
2. Luther hatte entweder nicht die Kraft oder nicht den Mut, um seinen
reformatorischen Grundsätzen treu zu bleiben. Heitmüller schrieb:
"Anstatt dem reformatorischen Grundsatz 'Allein durch den Glauben' auch in der
Tauflehre und -praxis wieder zu seinem Rechte zu verhelfen, hielt er schließlich doch an den grundstürzenden Irrtümern der katholischen Lehre vom 'Sakrament
der Taufe' fest und verankerte sie in der werdenden Landeskirche."18
3. Luther hat den Gedanken von der Wirksamkeit der Taufe nie ganz abgelegt. Taufe ohne Glaube ist nicht wirksam, aber Taufe verbunden mit persönlichem Glauben ist nach seiner Meinung wirksam.
Luthers Lehre vom "Säuglingsglauben"
Luther lehnte fremden (stellvertretenden) Glauben ab. Der Täufling muss selbst glauben. Aber, muss man fragen, kann ein Säugling schon glauben? Heitmüller schrieb: "Um nun aber die Kindertaufe, die das System der Landeskirche begründet, zu retten, wird das absolut Unmögliche zur Möglichkeit erklärt: Die Kinder in der Wiege können schon glauben. Durch diesen "unbegreiflichen Akt" hat die Kirche der Reformation den wiedergefundenen großen neutestamentlichen Begriff des Glaubens preisgegeben, diese sittliche Macht, die unter den Schrecken des
Gewissens entsteht, die sich zugleich als ein Wissen, ein Zustimmen und Vertrauen in die Arme des Gekreuzigten wirft (D. Hase).""
Zimmer schrieb dazu:
"Luther äußert ein neues abenteuerliches Argument zur Verteidigung der Kindertaufe. Er behauptet, dass der Säugling an Jesus Christus glaubt und diesen Glauben bei seiner Taufe (unhörbar) bekennt! Und er schreibt von diesem Säuglingsglauben: "Wenn wir ihn nicht festhalten können, gibt es nichts weiter zu erörtern, dann muß die Kindertaufe schlechtweg verworfen werden"(!) (WA Briefe 2,427,177). Luther macht sich jetzt nichts mehr vor. Wenn man nicht davon ausgehen kann, dass die Säugiinge einen christlichen Glauben haben, dann besteht zwischen seiner Rechtferdgungsiehre und der Kindertaufe ein fundamentaler Widerspruch}^
Zimmer beurteilt Luthers Argument von einem "Säuglingsglauben" folgendermaßen: "Mit der Behauptung eines 'Säuglingsglaubens' hat Luther den Widerspruch zwischen Kindertaufe und der Rechtfertigung aus (eigenem) Glauben nur scheinbar überwunden. In Wirklichkeit hat er sich nur neue Schwierigkeiten damit eingehandelt."^^
Luther postulierte drei Argumente für einen Säuglingsglauben. Man muss beachten, dass keines dieser Argumente eine biblische-exegetische Grundlage hat:
1. Luther glaubte in Luk. 1,41 einen direkten "Schriftbeweis" gefunden zu haben.
18 Heitmüller, Die Krisis der Gemeinschaftsbeweauna. S. 146. 19 Heitmüller, Die Krisis der Gemeinsctiaftsbeweauno. S. 147. 20 Zimmer, Das Dilemma der Kindertaufe. S. 38. 21 Zimmer, Das Dilemma der Kindertaufe. S. 42.
Die Taufe 33
2. Luther wies auf Jes. 55,11 hin. Gottes Wort kommt nicht leer zurück. Da bei einer Kindertaufe Gottes Wort gepredigt wird, wirkt das Wort Gottes in dem Säugling Glauben.
3. Luther sah in der Tatsache, dass Gott Menschen gesegnet hat, die als Kinder
getauft worden sind, einen Beweis dafür, dass die Kindertaufe nicht falsch sein
kann.
Luthers Intoleranz
Luther forderte nun die Vernichtung aller, die die Kindertaufe ablehnen." Heitmüller bestätigte, dass Luther schuldig ist am Tode von Tausenden, die seiner Lehre widersprochen haben, insbesondere in der Tauffrage."
Der ältere Luther wurde gegenüber allen evangelischen Andersgläubigen intolerant.
Heitmüller schrieb:
"Luther hat es offen zugegeben, dass er das Sakrament der katholischen Kirche anerkenne und dass er in der Sakramentsfrage den Papisten (Katholiken) näher stehe als den Calvinisten (Reformierten). 'Selig ist der Mann, der nicht wandelt im Rate der Sakramentierer, noch tritt auf den Weg der Zwinglischen, noch sitzt, wo die Züricher sitzen', so schreibt Luther an seinen Freund Probst. Er pries sich glücklich, dass er diesen 'Seelenmördern und Seelenfressern stets
widerstanden' habe. Noch in einer seiner letzten Schriften: 'Kurzes Bekenntnis vom Heiligen Sakrament' (September 1544) hat er in schroffster Form gegen die 'trunkenen Leute von Zürich' gekämpft und von dem 'ganz durchteufelten Herzen der Sakramentierer' gesprochen. Luther wies mit dem Papst und seinen Priestern auch alle Gegner seiner Sakramentslehre in die Hölle.""
Was können wir aus Luthers "Irrweg" lernen?
1. Es muss noch einmal betont werden, dass es hier nicht um eine Verurteilung Martin Luthers geht. Wir müssen jedoch Tatsachen erkennen, bewerten und für unsere heutige Praxis auswerten.
2. Martin Luther hat einen guten Anfang gemacht. Er hat wichtige biblische Wahrheiten erkannt und gelehrt (und verteidigt).
3. Martin Luther konnte seine Reformation nicht konsequent durchführen. Unter Schwierigkeiten hat Luther in entscheidenden Fragen nachgegeben. Luther hat dies später bereut. Er schrieb: "Unter tausend ist kaum ein rechter Christ" (Erl. Ausg. 2,65). "Wenn man die Predigt vom lebendigen tätigen Glauben recht triebe, du solltest sehen, wo Jetzt tausend zum Sakrament, da würden ihrer kaum hundert hingehen, also würden der gräulichen Sünden weniger, so kämen wir zuletzt wieder zu einer christlichen Versammlung, da wir jetzt fast Heiden unter christlichem Namen" (Erl. Ausg. 28,315). "Wenn du einen christlichen
22 Zimmer, Das Dilemma der Kindertaufe. S. 38. 23 Heitmüller, Die Krisis.... S. 189-190. 24 Heitmüller, Die Krisis.... S. 131
34 Die Taufe
Bauern findest, so triffst du tausend unchrlstllche Bauern" (Erl. Ausg. 23,326). "Wo man jetzt die Großen und Alten sollt taufen, halt Ich wahrlich, dass sich der zehnte Teil nicht ließe taufen" (Erl. Ausg. 23,165). "Ich wollte wünschen, dass Bauern, Bürger und Adel, so jetzt das Evangelium aufs schändlichste missbrauchen, noch unter dem Papsttum wären, denn sie sind doch dem Evangelium nur eitel Hindernis, Schande und Schade" (Erl. Ausg. S,2S4). "Wenn Ich jetzt das Evangelium sollte anfangen zu predigen. Ich wollte mich anders dreinschicken. Den großen rohen Haufen wollte Ich unter des Papstes Regiment lassen bleiben, sie bessern sich des Evangelll nichts, sondern missbrauchen nur seine Freiheit. Aber den geängsteten, gedemütigten, verzagten und blöden Gewissen wollt Ich sonderlich das Evangelium und Trost predigen" (Walch 22,1034).^®
Schriftgebundene Antworten sind notwendig
In der Diskussion um die Taufe und Kindertaufe müssen drei Fragen geklärt werden. Die Frage der "Wirksamkeit des Sakraments", die Frage der Beziehung zwischen Wassertaufe und Geistestaufe, und die Frage der "Beziehung zwischen Glaube und
Sakrament" müssen biblisch beantwortet werden.
Die Frage der Wirksamkeit der Taufe
Es scheint, dass Luther zeitlebens an der "Wirksamkeit der Taufe" festgehalten hat. Dies Ist nicht welter verwunderlich, da Im Laufe der Kirchengeschichte verschiedene Antworten auf die Frage nach der Wirksamkeit der Taufe vorgeschlagen wurden und Luther sich nicht so schnell von all dem Ballast menschlicher Philosophien lösen konnte. Einige Antworten, die In der Vergangenheit auf die Frage nach der Wirksamkeit der Taufe gegeben wurden, sollen hier genannt werden:
1. Das Sakrament Ist immer wirksam.
2. Das Sakrament Ist Immer wirksam, wenn es richtig gegeben wird. 3. Das Sakrament Ist wirksam, wenn der Empfänger sich der Wirksamkeit nicht
verschließt.
4. Das Sakrament ist wirksam, wenn der Spender "autorisiert" ist. 5. Das Sakrament Ist wirksam, wenn der Empfänger glaubt. 6. Das Sakrament Ist wirksam, wenn die Paten stellvertretend für den Empfänger glauben. 7. Das Sakrament ist wirksam In Erwartung des zukünftigen Glauben des Getauften. 8. Das Sakrament gibt (vermittelt) den Glauben. Gott hat sich für die Erlösung des Menschen nicht an die Wassertaufe gebunden. Die unblbllsche Taufwiedergeburtslehre Ist eng verbunden mit der Frage nach der Wirksamkeit der Taufe. Da die Einwände gegen die Taufwiedergeburtslehre Im letzten Beitrag über die Taufe besprochen wurden, werden sie hier nicht wiederholt^® Außerdem hat die Taufwiedergeburtslehre mit der Verwechslung der Taufe mit dem Helligen Geist mit der Wassertaufe zu tun, wie Im nächsten Abschnitt aufgezeigt wird.
25 Zitiert von Heltmüller, Die Krisls.... S. 84. 26 Siehe "Die Entstehung der Kindertaufe".
Die Taufe 3S
Die Beziehung zwischen Wassertaufe und Geistestaufe
Das Neue Testament versteht die Geistestaufe als Kommen des Heiligen Geistes in einen Gläubiggewordenen und die Eingliederung des Gläubiggewordenen in den Leib Jesu Christi, die Gemeinde (l.Kor. 12,13). Die Taufe mit dem Heiligen Geist (Kommen des Heiligen Geistes in einen Gläubiggewordenen und die Eingliederung des Gläubigge wordenen in den Leib Jesu Christi, die Gemeinde) geschieht im Augenblick des Gläubigwerdens, da der Heilige Geist im Augenblick des Gläubigwerdens in den Menschen kommt (vgl. Apg. 19,2; Eph. 1,13-14).
Die Taufe mit dem Heiligen Geist muss von der Wassertaufe unterschieden werden. Es gibt eine ganze Reihe Unterschiede zwischen der Taufe mit dem Heiligen Geist und der Wassertaufe. Leider wird von lutherischen Theologen diese Unterscheidung nicht berücksichtigt. Dadurch entsteht dann die bekannte Verwirrung.^®
Die Beziehung zwischen Glaube und Taufe
Zur Zeit des Neuen Testaments wurden nur Gläubige getauft. Als der Kämmerer zu Philippus sagte: "Siehe, da ist Wasser; was hindert's, dass ich mich taufen lasse?" antwortete Philippus: "Wenn du von ganzem Herzen glaubst, so mag es geschehen" (Apg. 8,36-37).^® Interessant ist, dass der Taufbefehl ein wesentlicher Bestandteil der evangelistischen Verkündigung war, denn woher sollte der Kämmerer von der Taufe wissen, wenn Philippus ihm nichts darüber gesagt hätte.
Paulus sagt dem Kerkermeister: "Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig" (Apg. 16,31). Allem Anschein nach wurde der Kerkermeister und die Seinen in jener Nacht getauft." Dies zeigt, dass "Gläubigwerden" (Gläubigwerden bedeutet Empfang des Heiligen Geistes und Taufe mit dem Heiligen Geist, wie oben gezeigt wurde) und die Wassertaufe sehr eng miteinander verbunden waren, d.h., dass die Wassertaufe sehr bald dem Gläubigwerden folgte.
Auch die Hausgenossen des Kerkermeisters wurden gläubig, denn der Kerkermeister freute sich, "dass er mit seinem ganzen Hause an Gott gläubig geworden ist" (vgl. Schlachterübersetzung; Apg. 16,34). Warum sollte sein Haus sich freuen, dass er an Gott gläubig geworden ist, wenn die anderen des Haushalts nicht auch gläubig geworden
wären.
27 Vergleiche Horst Georg Pöhlmann, "Das Problem ist die Taufe von Kindem ungläubiger Eitern." idea St?eklrum. Nr. 5.1987, S.12. 28 Ein ausführlicher Vergleich zwischen der Taufe mit dem Heiiigen Geist und der Wassertaufe folgt in Lektion 6. 29 Manche mögen einwenden, dass diese Verse eine spätere Einfügung sind und nicht von Lukas geschrieben wurden. Auch wenn dies zutreffen seilte, we die meisten Textfbrscher heute annehmen, sind diese Verse ein mächtiges Zeugnis für die Gläubigentaufe der ersten Gemeinde. 30 Paulus sagte dem Kerkermeister und allen, die in seinem Hause waren, das Wort Gottes. Wenn hier Säuglinge eingeschlossen wären, müsste der Kerkermeister sie mitten in der Nacht geweckt haben, und Paulus müsste ihnen das Wort Gottes verkündigt haben (vgl. Apg. 16.32).
36 Die Taufe
Die Taufdiskussion heute Lektion 4
Die Stellung der EKD zur Säuglingstaufe
Die Gültigkeit der lutherischen Bekenntnisschriften
Ein wesentliches Merkmal der lutherischen Lehre ist die Taufwiedergeburtslehre. Diese Lehre geht zurück auf Luther. Im Großen Katechismus lesen wir über die Taufe:
Darümb fasse es aufs allereinfältigst also, daß dies der Taufe Kraft, Werk, Nutz, Frucht und Ende ist, daß sie selig mache... Selig werden aber weiß man wohl, daß nichts anders heißet, denn von Sunden, Tod, Teufel erlöset in Christus' Reich kommen und mit ihm ewig leben. Da siebest Du abermal, wie teuer und wert die Taufe zu halten sei, weil wir solchen unaussprechlichen Schatz darinne erlangen.... Denn durchs Wort kriegt sie die Kraft, daß sie ein "Bad der Wiedergeburt" ist, wie sie Paulus nennet an Titum am 3,5... Darümb hat ein iglicher Christen sein Leben lang gnug zu lernen und zu üben an der Taufe; denn er hat immerdar zu schaffen, daß er festiglich glaube, was sie zusagt und bringet: Überwindung des Teufels und Tods, Vergebung der Sunde, Gottes Gnade, den ganzen' Christum und heiligen Geist mit seinen Gaben.
Für Luther war die Taufe wirksam, auch wenn der Täufling nicht glaubt. Er schrieb im
Großen Katechismus:
Darnach sagen wir weiter, daß uns nicht die größte Macht daran liegt, ob, der da getauft wird, glaube oder nicht glaube; denn darümb wird die Taufe nicht unrecht, sondern an Gottes Wort und Gepot liegt es alles. Das ist nu wohl ein wenig scharf, stehet aber gar darauf, daß ich gesagt habe, daß die Taufe nichts
anders ist denn Wasser und Gottes Wort bei und miteinander, das ist, wenn das Wort bei dem Wasser ist, so ist die Taufe recht, obschön der Glaube nicht dazu kömmpt; denn mein Glaube machet nicht die Taufe, sondern empfähet die Taufe. Nu wird die Taufe davon nicht unrecht, ob sie gleich nicht recht empfangen oder gebraucht wird, als die (wie gesagt) nicht an unsern Glauben, sondern an das Wort gebunden ist. Denn wenngleich diesen Tag ein Jüde mit Schalkheit und bösem Fursatz erzukäme und wir ihn mit ganzem Ernst täuften, sollen wir nichtsdestoweniger sagen, daß die Taufe recht wäre. Denn da ist das Wasser sampt Gottes Wort, ob er sie gleich nicht empfähet, wie er soll, gleich als die unwirdig zum Sakrament gehen, das rechte Sakrament empfahen, ob sie gleich nicht gläuben.
Da für Luther die Taufe wirksam ist, auch wenn der Täufling nicht glaube, ist es verständlich, dass er die Wiedertaufe entschieden ablehnt. Er schrieb im Großen
Katechismus:
Also siehest Du, daß der Rottengeister Einrede nichts taug. Denn, wie gesagt, wenngleich die Kinder nicht gläubten, welchs doch nicht ist (als izt beweiset), so wäre doch die Taufe recht und soll sie niemand wiedertäufen, gleich als dem
Die Taufe 37
Sakrament nichts abgebrochen wird, ob jemand mit bösem Fursatz hInzugInge, und nicht zu leiden wäre, daß er ümb des Mißbrauchs willen auf dieselbige Stunde abermal nähme, als hätte er zuvor nicht wahrhaftig das Sakrament empfangen. Denn das hieße das Sakrament aufs höhest gelästert und geschändet... Darümb sind es je vermessene, tölplsche Geister, die also folgern
und schließen: Wo der Glaube nicht recht Ist, da müsse auch die Taufe nicht
recht sein... Lieber kehre es ümb und schleuß vielmehr also: Eben darümb Ist die Taufe etwas und recht, daß man's unrecht empfangen hat... Darümb sei beschlossen, daß die Taufe allezeit recht und In vollem Wesen bleibt, wenn gleich nur ein Mensch getauft würde und dazu nicht rechtschaffen gläubte... Sie aber, die Schwärmergelster, sind so verblend, daß sie Gottes Wort und Gepot nicht sehen und die Taufe und Oberkelt nicht welter ansehen denn als Wasser Im Bach und Topfen oder als ein andern Menschen und, well sie keinen Glauben noch Gehorsam sehen, soll es an Ihm selbs auch nichts gelten.
Obwohl wir Luthers Tauflehre entschieden zurückweisen müssen, Ist es Interessant, nebenbei festzustellen, dass zur Zelt Luthers noch durch Untertauchen getauft wurde. Dies wird nicht nur durch die Besichtigung älterer Taufsteine In evangelischen Kirchen eindrücklich bezeugt, sondern auch durch die Schriften Luthers. Luther
schrieb auch Im Großen Katechismus:
Das Werk aber oder Gebärde Ist das, daß man uns Ins Wasser senket, das über uns hergehet, und darnach wieder erauszeucht. Diese zwei Stück, unter das Wasser sinken und wieder erauskommen, deutet die Kraft und Werk der Taufe, Weichs nichts anders Ist denn die Tötung des alten Adams, darnach die Auferstehung des neuen Menschens, welche beide unser Leben lang In uns gehen sollen, also daß ein christlich Leben nichts anders Ist denn eine tägliche Taufe, einmal angefangen und Immer darin gegangen.
Luthers Lehre über die Taufe Ist In der EKD Immer noch gültig. Im Handbuch für
KIrchengemelnderäte lesen wir:
In der Taufe handelt der Dreieinige Gott selbst an dem Täufling; er lässt
verkünden, dass er den Getauften dadurch in die Gemeinschaft des Leidens und Sterbens und der Auferstehung Jesu Christi hineingenommen und damit vom Fluch der Sünde und des Todes befreit hat; er spricht Ihm seine Gnade zu, stellt Ihn unter seine Herrschaft, beruft Ihn als Glied seines Leibes zur Sammlung und Auferbauung seiner Gemeinde und führt Ihn seinem Reich entgegen.^
Die Wiedertaufe wird Immer noch entschieden abgelehnt. Ein persönlicher Freund und Pfarrer, sagte mir: "Uns stört nicht, dass Ihr Erwachsene tauft, das tun wir auch. Uns stört, dass Ihr Leute tauft, die als Kind schon getauft wurden." Im Handbuch für
KIrchengemelnderäte erfahren wir:
Von der Taufe wird gelehrt, dass sie nötig Ist und dass durch sie die Gnade Gottes angeboten wird. Man soll auch schon die Kinder taufen, denn sie werden
1 Herausgegeben von Rolf Lehmann. Stuttgart: Quell Verlag, 1977. 3. 546.
38 Die Taufe
durch die Taufe Gott überantwortet und ihm gefällig. Es werden die Wiedertäufer verworfen, welche lehren, dass die Kindertaufe nicht recht sei.^
Wer Pfarrer sein will, muss Säuglinge taufen
Es gehört zum Amt des Pfarrers, Kinder zu taufen. Wer nicht bereit ist, Kinder zu taufen, kann auch nicht Pfarrer in der EKD sein. "Kein Inhaber eines geistlichen Amtes der Kirche darf die ernstliche Bitte von Eltern, die für Ihr Kind die Taufe begehren, ablehnen oder ihnen von der Kindertaufe abraten, sofern die Voraussetzungen für die Taufe gegeben sind (vgl. § 4 und § 5 Abs. 1)."' Sollten Eltern Ihr Kind nicht zur Taufe anmelden, ist es Pflicht des Pfarrers, die Eltern aufzusuchen. "Bei einem solchen Taufaufschub ist ein persönliches Gespräch des Seelsorgers mit den Eltern unerlässlich (§ 6 Abs.3), um zu klären, aus welchen Gründen die Anmeldung zur Taufe unterbleibt.^
Gelegentlich gehen Berichte durch die Presse, dass auch Pfarrer sich mit der Tauffrage beschäftigen und zu Folgerungen kommen, die für die EKD unannehmbar sind. Ein Beispiel ist Pfarrer Klaus Hoffmann. In Idea Spektrum (42/86, S. 9) lesen wir:
Für die Abschaffung der Kindertaufe hat sich der Frankfurter Pfarrer Klaus Hoffmann ausgesprochen. Der SSjährige Geistliche, der auch als stellvertretender Vorsitzender der Frankfurter Evangelischen Allianz amtiert,
hatte sich im Juli zusammen mit seiner Frau taufen lassen, obwohl er bereits als Kind getauft wurde. Als er der hessen-nassauischen Kirchenleitung seinen Schritt mitteilte und bat, keine "unmündigen Kinder mehr taufen zu müssen", wurde er zunächst von der Wahrnehmung seines Amtes entbunden und später im gegenseitigen Einvernehmen für drei Monate zu Studienzwecken beurlaubt. Er soll sich dabei auch auf ein eventuelles Lehrgespräch mit einem Kollegium vorbereiten, nach dem über die Fortsetzung seines Dienstes entschieden wird... Die Taufe Hoffmanns hatte auch in der Frankfurter Evangelischen Allianz zu Auseinandersetzungen geführt. So wurde auf dem Einladungszettel zu einer kürzlich veranstalteten Evangelisation der Name Hoffmanns geschwärzt.
Prediger Klaus Hildenbrand schrieb dazu in einem Leserbrief (Idea Spektrum 45/86,
S. 23):
Heute geht Tradition und "Volksdogmatik" über die Offenbarungen Gottes in der Bibel hinaus! Auf diesem Hintergrund erscheint es ganz natürlich, dass Hoffmann zu einem "Lehrgespräch" erscheinen muss, bei dem die Fortsetzung seines Dienstes auf dem Spiel steht. Für die Reaktion seiner Kirchenleitung muss ich leider Verständnis aufbringen. Aber dass ihn auch einige seiner Brüder in der Evangelischen Allianz ins Abseits stellen, tut mir, als einem Evangelikaien, weh.
Herbert Grau schrieb dazu (Idea Spektrum 45/86, Leserbriefs. 24):
2 Handbuch für Kirchenaemeinderäte. S. 467. 3 Handbuch für Kirchenaemeinderäte. S. 547. 4 Handbuch für Kirchenaemeinderäte. S. 548.
Die Taufe 39
Endlich hat ein beamteter Theologe gewagt, was bisher weitgehend den Laien vorbehalten blieb: die "heilige Kuh" der Baby-Taufe, häufig unscharf als "Kindertaufe" bezeichnet, anzutasten. Für alle Interessierten bleibt sorgfältig zu beobachten, wie hoch der Preis (Amtsenthebung? Frühpensionierung?) für so viel Wahrheitsliebe und Zivilcourage ausfallen wird.
Gläubigentaufe wird als Wiedertaufe verurteilt
Superintendent Ernst Volk spricht vom Unrecht der Wiedertaufe: "Eine Wiedertaufe ist deshalb unrecht, weil sie zum Ausdruck bringt, dass Gottes Zusage bei der ersten Taufe nicht gegolten habe, obwohl Gott In seiner Verheißung nicht lügen kann" (Idea Spektrum. 50/86, S. 28). Wilma Funck sagt: "Die Taufe ist ein einmaliges Sakrament und nicht wiederholbar. Wer eine Taufe auf den Namen des Heiligen Dreieinigen Gottes wiederholt, schlägt damit Gott ins Angesicht, indem er Gottes Zusage an den Täufling nicht ernst nimmt und damit Gottes Wort zu einer Farce macht" (Idea Spektrum. 47/86, S. 20).
Auch Fritz Grünzweig lehnt die Gläubigentaufe eines als Säugling Getauften
entschieden ab. Er schrieb:
Damit unsere Taufe, die wir als Kind empfangen haben, für uns Taufe im Sinne von Römer 6 und der anderen neutestamentlichen Schriftstellen ist, ist nur eines nötig: unser Glaube. Wenn wir all dessen teilhaftig werden wollen, was uns Gott mit der Taufe schenken will, ist also nicht eine Wiedertaufe erforderlich. Sondern lebendiger Glaube mit der Übergabe unseres Lebens an unseren Herrn ist nötig. Wir können, wenn wir einst die Kindertaufe empfangen haben, nicht nun als jetzt Glaubende zu unserem Herrn sagen: "Damals, als Ich ein Kind war, konntest du mich noch nicht taufen, ich war damals noch nicht bewusst und eigentlich 'dabei'. Nun musst du das noch einmal ausführen." ("Sich noch einmal taufen lassen?" Lebendige Gemeinde: Informationen und Orientierung. Nr. 1,1986, S. 9).
Auch Kurt Heimbucher vertritt, als lutherischer Theologe, die "Unwiederholbarkeit der Taufe". Für ihn ist "rechter Vollzug" viel wichtiger als "richtige Voraussetzungen". Er
schrieb:
Die Taufe ist gültige Taufe und grundsätzlich unwiederholbar, wenn sie auf den "Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes" oder aber auch auf den "Namen Jesu Christi" verbunden mit dem Zeichen des Wassers geschieht. ("Ich bin getauft auf deinen Namen..." Gnadauer Materialdienst. 1979, Heft 14, S. 3-4).
Es wird deutlich, dass bei diesen Männern ein anderes Taufverständnis zugrunde liegt. Die biblische Unterscheidung zwischen Taufe des Heiligen Geistes (Eingliederung in den Leib Jesu Christi) und dem Symbol, der Wassertaufe, wird unterlassen. Wäre die Taufe des Heiligen Geistes (Eingliederung in den Leib Jesu Christi) tatsächlich durch die Kindertaufe geschehen, dann müsste konsequenterweise die spätere Wiederholung der Taufe abgelehnt werden. Aus diesem Grunde ist es zweckmäßig
40 Die Taufe
erst die Frage des Taufverständnisses zu klären, bevor über Säuglingstaufe oder Gläubigentaufe sinnvoll gesprochen ^werden kann.
Die Möglichkeit des Taufaufschubs
Es ist erfreulich, dass manche Landeskirchen die Möglichkeit des Taufaufschubs als Möglichkeit offen lassen. Dies muss als erster Schritt in die richtige Richtung begrüßt
werden. Rolf Scheffbuch beschreibt seine Haltung zu der Taufe von Kindern ungläubiger Eltern folgendermaßen:
Wenn gleichgültige Eltern die Taufe für ihren Säugling erbitten, dann weise ich sie auf das Gelöbnis der Eltern und Paten hin und frage sie, ob sie denn dazu überhaupt fähig sind, ein solches Gelöbnis einzuhalten. Ich rate ihnen zu der Möglichkeit, ihre Kinder auf die Taufbewerberliste nehmen zu lassen. Dann kann das Kind alle evangelische Unterweisung erhalten. Die Eltern können dann ihrem Kind - etwa bei Beginn des Konfirmandenalters - sagen: "Du weißt, dass wir
selbst mit der Kirche und mit Gott 'nichts am Hut* haben. Darum haben wir dich auch nicht taufen lassen. Du solltest ja in so einer wichtigen Sache nicht bloß 'pro forma' Kirchenmitglied sein. Aber du darfst dir in dieser Sache selbst eine Meinung bilden. Du darfst dich auch taufen lassen, wenn du mit Gott rechnen und leben willst." ("Sollen kleine Kinder getauft werden?" Lebendige Gemeinde: Informationen und Orientierung. Nr. 1,1986, S. 7-8).
Im Falle gläubiger Eltern, die den Taufaufschub für ihr Kind wünschen, lehnt die Kirche die Kindersegnung ab. "Eine Vortragung oder Segnung ungetaufter Kinder im Gottesdienst findet nicht statt. Dagegen können sie auf Wunsch ihrer Eltern in einem Predigtgottesdienst der Fürbitte der Gemeinde namentlich empfohlen werden.®
Auch Scheffbuch lehnt die Kindersegnung ab. Er sieht aber die Möglichkeit eines Dankgottesdienstes.
Als Mitglied der Landessynode unserer Kirche möchte ich dafür eintreten, dass wir auf einen "Dankgottesdienst" für neugeborene Kinder zugehen, der kein
"Ersatz" für die Taufe sein soll. Aber er soll Eltern, die für ihre Kinder die Möglichkeit der Erwachsenentaufe offen lassen wollen, die Gelegenheit geben, zusammen mit der Gemeinde, in der sie bewusst Glied sein wollen, Gott für das Geschenk dieses Kindes zu danken und Bewahrung für dies Kind zu erbitten. ("Sollen kleine Kinder getauft werden?" Lebendige Gemeinde; Informationen und Orientierung. Nr. 1,1986, S. 8).
5 Handbuch für Kirchenaemeinderäte. S. 548.
Die Taufe 41
Argumente für die Säuglingstaufe
Die Taufe sei eine "Zusage Gottes an den Täufling"
Wilma Funck spricht In Ihrem Leserbrief (Idea Spektrum. 47/86, S. 20) von "Gottes Zusage an den Täufling". Sie kann sich dabei zwar auf den lutherischen Katechismus berufen, aber nicht auf das Neue Testament. Pastor Kurt Witzemann fragt mit Recht (Idea Spektrum. 49/86, S. 20):
Was wird dem Täufling denn zugesagt bei der Säuglingstaufe? Doch nicht mehr, als was Im Neuen Testament an Zusagen steht, dass, wenn sich dieser Täufling einmal bekehren wird, er gerettet wird und ewiges Leben empfängt. Diese Zusage wird Im Evangelium aber jedem Menschen gemacht, ohne Ausnahme.
Die Säuglingstaufe sei richtig, denn Gott segnet die Kindertaufe
Die Tatsache, dass Gott Menschen, die als Kinder getauft wurden, gesegnet und für den Bau seiner Gemeinde gebraucht hat, Ist für Luther der Beweis der Richtigkeit der Kindertaufe. In Idea Spektrum. (5/87, S. 12) wird seine Argumentation abgedruckt:
Dass die Kindertaufe Christus gefällt, wird aus seinem eigenen Werk genug bewiesen. Gott machte nämlich viele von denen, die so getauft worden sind, heilig und hat Ihnen den Heiligen Geist gegeben; und auch heutzutage gibt es noch viele, an denen man es spürt, dass sie den Heiligen Geist haben, sowohl an Ihrer Lehre als auch an Ihrem Leben. So Ist es Ja auch uns von Gottes Gnade gegeben, dass wir wirklich die Schrift auslegen und Christus erkennen können, was ohne den Heiligen Geist nicht geschehen kann. Wenn aber Gott die Taufe von Kindern nicht annähme, so würde er keinem von Ihnen den Heiligen Geist oder auch nur ein Stück davon geben; kurz, es dürfte dann seit so langer Zelt bis auf den heutigen Tag keinen Menschen auf Erden geben, der ein Christ wäre... Denn Gott kann ja nicht gegen sich selber sein oder der Lüge und Büberei helfen noch seine Gnade und seinen Geist dazu geben. Dies Ist weitaus der beste und stärkste Beweis für die einfachen und ungelehrten Leute.
Dieser "beste und stärkste Beweis" Luthers ruht jedoch auf dem Irrtum der Taufwiedergeburtslehre. Luther Ist uns den Beweis schuldig geblieben, dass der Heilige Geist durch die Wassertaufe gegeben wird. Die Bibel lehrt nicht, dass der Heilige Geist durch die Wassertaufe empfangen wird. Außerdem hätten fast alle Bewohner Westeuropas den Heiligen Geist empfangen, da ja fast alle getauft sind, eine Annahme, die weit von der Wirklichkeit entfernt Ist.
Die Argumentation, dass Gott Menschen gesegnet hat, die als Säuglinge getauft wurden, und Ihnen den Heiligen Geist gegeben hat, Ist kein Beweis für die Richtigkeit der Säuglingstaufe. Das Alte Testament berichtet uns, dass Mose Im Ungehorsam gegenüber dem Wort Gottes den Felsen geschlagen hat (anstatt zu Ihm zu reden). Wir würden erwarten, dass Gott das Wasser für das Volk Israel zurückgehalten hätte.
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Gott gab jedoch seinem Volk den Segen des Wassers, aber Mose wurde von Gott für seinen Ungehorsam verantwortlich gehalten und gestraft.
Die Säuglingstaufe sei eine missionarische Möglichkeit
Ein beliebtes Argument der Befürworter der Säuglingstaufe ist die "missionarische Möglichkeit", die die Volkskirche mit dem Religions- und Konfirmandenunterricht bietet. Ohne Säuglingstaufe, so wird argumentiert, gäbe es keine Volkskirche, und damit wäre die Möglichkeit des Religions- und Konfirmandenunterrichts nicht gegeben.
Hier handelt es sich um eine "pragmatische" Argumentation im Gegensatz zu biblischer oder theologischer Argumentation. Diese "pragmatische" Argumentation muss jedoch aus "pragmatischen" Gründen in Frage gestellt werden. Stimmt die Aussage dieser Argumentation wirklich? Oberflächlich gesehen ja, denn es ist möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich, dass es ohne Säuglingstaufe keine Volkskirche im herkömmlichen Sinne geben würde. Damit wäre auch der breitgefächerte Religions- und Konfirmanden unterricht in Frage gestellt. Immerhin besuchen die meisten getauften Kinder auch den Religionsunterricht, und eine kürzliche Veröffentlichung sagt: 'Trotz der seit 1979 rückläufigen Entwicklung der Konfirmierten kann, so die EKD, davon ausgegangen werden, dass im Gesamtdurchschnitt nach wie vor fast alle getauften Kinder im Alter von 14 Jahren konfirmiert werden" (Idea Spektrum. 7/87, S. 5).
Einige Fragen sind jedoch angebracht. Sicherlich haben gläubige und "bibeltreu geschulte" Lehrer und Pfarrer eine große Möglichkeit. Wie wird diese Möglichkeit genutzt? Die Praxis sieht leider sehr oft anders aus. Was wird im Religions- und Konfirmandenunterricht gelehrt? Vielen Kinder wird im fünften Schuljahr zum ersten Mal systematisch die Evolutionslehre gelehrt - nicht im Biologieunterricht, sondern im Religionsunterricht. Die göttliche Eingebung, Irrtumslosigkeit und Autorität der Bibel wird in Frage gestellt. Pentateuchkritik wird gelehrt. Die Errungenschaften der bibelkritischen Theologie werden den Kindern schon in den ersten Schuljahren gelehrt. Kann man da noch vom "Segen des Religionsunterrichtes" sprechen?
Wie viele Kinder werden wirklich durch den Religions- und Konfirmandenunterricht für Jesus Christus gewonnen? Alle Getauften sind doch durch den Religions- und Konfirmandenunterricht gegangen. Wurden sie für den Glauben gewonnen? Die Statistik über den Kirchenbesuch sagt eindeutig nein.
Die Kinder werden ja auch ohne ihre Zustimmung geimpft
Der lutherische Theologe Prof. Horst Georg Pöhlmann argumentiert, dass Kinder auch ohne ihr eigenes Ja geimpft werden. Also kann man sie auch ohne ihre eigene Zustimmung taufen. Er fragt:
"Aber verstoßen die Eltern gegen die Menschenrechte, wenn sie ihre Kinder, ohne sie zu fragen, gegen Krankheiten impfen lassen, ohne sie zu fragen, den Arzt holen, wenn sie krank sind, ohne sie zu fragen, ihnen Essen, Trinken und Kleidung geben? Ihre Pflicht, ihr Kind zu schützen, will diesem doch nicht die Freiheit nehmen.
Die Taufe 43
sondern eher zu ihr hinführen - auch und gerade, wenn sie Ihr Kind zur Taufe bringen. Die Säuglingstaufe schließt die persönliche Entscheidung des Täuflings nicht aus, sondern gerade ein. (Idea Spektrum. 5/87, S. 12).
Von einem Theologen hätte man sicher ein geistreicheres, oder insbesondere biblischeres Argument erwarten können. Natürlich muss Pöhlmanns Argumentation auf dem Hintergrund der lutherischen Taufwiedergeburtslehre verstanden werden. Wäre die Taufwiedergeburtslehre richtig, dann wäre Pöhlmanns Argument bedenkenswert. Rolf Weinreich beantwortet Pöhlmanns Argumentation (Idea Spektrum. 9/87, S.23-24):
Wenn man ein Kind impft, dann doch wohl deshalb, weil man sich berechtigte Hoffnungen machen kann, dass man dieses Kind damit vor bestimmten Gefahren bewahrt. Der Vergleich zur Taufe hinkt. Gibt es nur ein einziges Faktum (etwa eine Bibelstelle) oder nur eine einzige Erfahrung, die uns zu der Hoffnung berechtigen könnte, dass ein getauftes Kind dem Himmel näher und der Sünde ferner ist als das Ungetaufte? Gnadenhandeln Gottes ist nicht vorprogrammier
barl
Die Säuglingstaufe sei die Beschneidung des Neuen Bundes
Manche Vertreter der Säuglingstaufe sehen die Beschneidung als ein Vorbild auf die Taufe. Da im Alten Testament männliche Säuglinge am achten Tage beschnitten wurden, muss der Säugling auch sehr jung getauft werden. Pfarrer Manfred Staude schrieb (Idea Spektrum. 10/87, S.22):
Ein Säugling wird nicht erst Mensch, sondern ist vollwertiger Mensch, wurde doch auch Jesus als Säugling und durch die Beschneidung ins Gottesvolk aufgenommen. Nach Kol. 2,11 ist die Taufe die Beschneidung durch Christus. Im Alten Bund waren die männlichen Kinder durch die Beschneidung eingeschlossen, im Neuen Bund sollen die Kinder durch die Taufe ausgeschlossen sein.
Man darf Jedoch die Wassertaufe nicht mit der alttestamentlichen Beschneidung verwechseln. Die Taufe ist nicht die Fortsetzung der Beschneidung (die am 8. Tage nur an Knaben vollzogen wurde). Kolosser 2,9-14 vergleicht nicht die Taufe mit der Beschneidung. Paulus verwendet in diesem Abschnitt (1) die Beschneidung, (2) die Taufe, (3) das Vernichten eines Schuldbriefes als drei verschiedene Illustrationen (Bilder), um unseren Reichtum, den wir als Erlöste in Jesus Christus haben, deutlich zu
machen. Der lutherische Pfarrer und Theologe Weber sieht den Vergleich zwischen Säuglings beschneidung und Säuglingstaufe als eine "Zweckbehauptung", die keinen Bestand
hat. Reformation der Taufe. S. 65.
Die Säuglingstaufe und die "Frage des Glaubens"
Ist die Reihenfolge von Taufe und Glaube unwichtig?
Ein häufig vorgebrachtes Argument ist, Glaube und Taufe gehören zwar zusammen, aber auf die Reihenfolge kommt es nicht an. Ob zuerst der Glaube da ist und dann die
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Taufe geschieht, oder ob zuerst die Taufe geschieht und dann später der Glaube dazukommt ist unwichtig. Kein Geringerer als Fritz Grünzweig schrieb:
Entscheidend wichtig, notwendig und unentbehrlich ist, dass in jedem Fall nach Erlangung der entsprechenden Entscheidungsfähigkeit zum Getauftsein der Glaube hinzukommt. Unser Herr spricht: "Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden" {Mark. 16,16). Auf die Reihenfolge, Glaube und Taufe oder Taufe und Glaube, wird es nicht ankommen, aber darauf, dass beides vorhanden ist. Nötig ist, dass die Taufe angenommen, in Anspruch genommen wird und dass wir uns von unserer Taufe, das heißt von dem für uns gekreuzigten und auferstandenen Herrn selbst ganz in Anspruch nehmen lassen. ("Sich noch einmal taufen lassen?" Lebendige Gemeinde: Information und Orientierung. Nr. 1,1986,5.9).
Auf Grund welcher Autorität kann Grünzweig die Aussage machen, dass es auf die Reihenfolge von Glaube und Taufe nicht ankommt. Ist er die Autorität? Er gibt jedenfalls keinen Schriftbeweis, sondern sagt "wird es nicht ankommen". Woher weiß er, dass es auf die Reihenfolge nicht ankommt. Gibt es doch in der Schrift kein einziges Beispiel, wo die Reihenfolge der heutigen kirchlichen Taufpraxis entspricht. In der Schrift kam immer zuerst der Glaube, dann die Taufe. Jeder Theologe, der anders lehrt, ist den Schriftbeweis
schuldig geblieben.
Manfred Becker sagt in ähnlicher Weise in einem Leserbrief (Idea Spektrum, 8/87, S.23):
Mir hat es nie einleuchten wollen, weshalb die Reihenfolge von Glaube und Taufe so entscheidend sein soll, wenn nur der Glaube heilsnotwendig ist... Gleichwohl halte ich den Meinungsstreit für unentschieden. Wir sollten jedem ohne Diskriminierung und Gewissensbelastung die Freiheit zugestehen, die Taufe in der für ihn verbindlichen Form vollziehen zu lassen. Anerkanntermaßen ist die Taufe ja keine Bedingung für die Erlangung des vollen Heils in Jesus Christus.
Die Antwort auf die Frage der Reihenfolge von Glaube und Taufe muss auch im Lichte des Taufverständnisses beantwortet werden. Schenkt Gott den Glauben durch die Taufe, wie Prof. Horst Georg Pöhlmann lehrt (Idea Spektrum, 5/87, S.13), dann ist es selbstverständ lich, dass die Taufe unabhängig vom persönlichen Glauben praktiziert wird.
Das Argument vom Säuglingsglauben
Luther hat die Kindertaufe beibehalten mit dem Argument des Säuglingsglaubens. Luther behauptete, dass der Säugling an Jesus Christus glaubt, und dass er diesen Glauben bei der Taufe unhörbar bekennt.®
Im Taufbüchlein des Kleinen Katechismus gibt Luther Anweisungen für die Durchführung einer Säuglingstaufe. In diesen Anweisungen wird deutlich, dass Luther für die Taufe den Säuglingsglauben voraussetzt:
6 Vgl. Siegfried Zimmer, "Das Dllemma der Kindertaufe." (wlss. Assistent an der Ev.-theol. Fakultät der Universität Tübingen). 8. 38, siehe auch das Zitat von Luther im Kapitel "Unvollendete Reformation: Die Taufe".
Die Taufe 45
Darnach leite man das Kindlein zu der Taufe und der Priester spreche: "Der Herr behüte Deinen Eingang und Ausgang von nu an bis zu ewigen Zeiten." Darnach laß' der Priester das Kind durch seine Paten dem Teufel absagen und spreche: "N., entsagest Du dem Teufel?" Antwort: "Ja."
"Und allen seinen Werken?" Antwort: "Ja."
"Und alle seinem Wesen?" Antwort: "Ja." Darnach frage er: "Glaubest Du an Gott, den allmächtigen Vater, Schepfer Himmels
und Erden?" Antwort: "Ja." "Glaubest Du an Jesum Christ, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, geporn und gelitten?" Antwort: "Ja." "Glaubest Du an den heiligen Geist, ein heilige christliche Kirche, Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sunde, Auferstehung des Fleisches und nach dem Tod ein
ewigs Leben?" Antwort: "Ja." "Willst Du getauft sein?" Antwort: "Ja." Da nehme er das Kind und tauche es in die Taufe und spreche: "Und ich taufe Dich im Namen des Vaters und des Sohns und des heiligen Geistes."
Pfarrer Reinhard Weber weist auf die Widersprüchlichkeiten in den Aussagen Luthers hin, bestätigt dann aber, dass Luther die Säuglingstaufe nur auf Grund eines "Säuglingsglaubens" beibehalten hat fidea Spektrum. 8/87, S. 23).
Es fruchtet nichts, ständig mit Luther Luther zu widersprechen. Da hat jeder recht. Aber das sollte man wissen: Luthers Pro setzt Luthers Behauptung des Babyglaubens voraus. Dann gilt allerdings: "Babys müssen getauft werden", und zwar ohne jede Frage nach Glaube oder Unglaube der Eltern. Erweist sich jedoch diese Prämisse als schriftfremde Spekulation, ist in der Tat, wie Luther für diesen Fall sagt, die Babytaufe eine "Gotteslästerung", dann "rottet wer Babys tauft, den christlichen Glauben gar meisterlich aus". Darum ist die Reformation der Taufe das Gebot der
Stunde.
Nur wenige Pfarrer halten an einem "Säuglingsglauben" fest. Pfarrer Manfred Staude schrieb jedoch (Idea Spektrum. 10/87, S. 22):
Kinder können glauben, weil Glaube nicht zuerst Verstandeswissen ist (auch die Teufel glauben: Jak. 2,19), sondern ein vertrauendes Klammern an eine Person und damit gerade die Grundhaltung des Säuglings. Johannes der Täufer hat schon im Mutterleib den Heiligen Geist empfangen, sicher nicht ohne Glauben (Lk. 1,15).
"Stellvertretender" Glaube der Eltern
Heute wird von den meisten Verfechtern der Säuglingstaufe akzeptiert, dass der Säugling, der getauft wird, keinen "persönlichen" Glauben hat. Pöhlmann schrieb:
Der Säugling kann nicht personale Akte vollziehen und den für die Taufe unerlässlichen Glauben bekennen. Er kann die Taufe nur, insofern sie Gabe ist, nicht insofern sie Aufgabe ist, übernehmen. Hier müssen die Eltern mit ihrem "stell
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vertretenden" Glauben in die Bresche springen. (Dass das Neue Testament so etwas wie einen stellvertretenden, helfenden Glauben kennt, zeigen Markus 2,5 und
Matthäus 15,21ff.)
Für Pöhlmann ist der Glaube der Eltern ausschlaggebend. Er sagt: "Alles in allem gilt:
Falsch ist nicht die Praxis der Taufe von Kindern, sondern die Praxis der Taufe von Kindern ungläubiger Eltern" (Idea Soektrum. 5/87, S. 13). Nicht alle Lutheraner akzeptieren Pöhlmanns Argumentation. Pfarrer Eberhard Kölling sieht die Taufe losgelöst vom "Glauben der Eltern". Er schrieb in einem Leserbrief als Antwort auf Pöhlmanns Ausführungen (Idea Spektrum. 8/87, S.23):
Als lutherischer Pietist kann ich mich jedoch den Ausführungen von Pöhlmann
nicht anschließen. Zwei Gründe möchte ich dafür nennen: 1. Die Taufe von Säuglingen muss ohne Wenn und Aber erfolgen. Es Ist zwar hilfreich, wenn glaubende Eltern ihre getauften Kinder begleiten können. Aber Bedingung kann dieser Glaube nicht sein. Das Speziflkum der Kindertaufe ist, dass sie keinen Glauben voraussetzt, auch nicht den der Eltern.
Die Säuglingstaufe sei ein Gebet um den Glauben
Pöhlmann beruft sich auf die lutherischen Bekenntnisschriften. Trotzdem scheint es ein neuer Gedanke zu sein, dass die Taufe ein Gebet um den Glauben sei. Pöhlmann schrieb (Idea Spektrum. 5/87, S. 13):
Ein entscheidendes Argument für die Kindertaufe war für mich immer, dass die Taufe wesentlich ein Gebet ist, was nicht zuletzt die lutherischen Bekenntnis schriften wiederholt hervorheben. Nach ihnen bittet die Kirche in der Taufe Gott, dass er dieses Kind annehme und ihm den Glauben gebe. Unser Herr und Heiland hat ausdrücklich verheißen: "Bittet, so wird euch gegeben" (Matthäus 7,7). An diese Verheißung habe ich mich immer geklammert, wenn ich Kinder getauft habe.
Pöhlmann gibt keine Bibelstelle, die sagt, dass die Taufe ein Gebet um den Glauben ist. Im Gegenteil, seine Argumentation steht in direktem Widerspruch zu Apostelgeschichte 8,36-37: "Und der Kämmerer sprach: Siehe, da ist Wasser; was hinderts, dass ich mich taufen lasse. Philippus aber sprach: Wenn du von ganzem Herzen glaubst, so mag es geschehen. Er aber antwortete und sprach: Ich glaube,
dass Jesus Christus Gottes Sohn ist."
Die Säuglingstaufe wird Im Neuen Testament nicht gelehrt
Pastor Kurt Witzemann fragt (Idea Spektrum. 49/86, S. 20): "Wie oft müssen die Neutestamentier unter den Theologen noch erklären, dass aus dem Neuen Testament die Säuglingstaufe nicht abzuleiten ist, bis auch der letzte Tradib'onalist das begriffen hat?"
Pfarrer Martin Latteier bedauert: "Es ist für uns eine Not, dass kein direkter Beleg im Neuen Testament vorhanden ist, der zur zweifelsfreien Begründung der Kindertaufe
Die Taufe 47
herangezogen werden kann. Allerdings gibt es auch keine Stelle, wo die Kindertaufe verboten wird" (Idea Spektrum. S/87, S.22).
Der "indirekte Beleg" des Neuen Testamentes für die Säuglingstaufe wird oft in den "Haustaufen" in der Apostelgeschichte gesehen. In Lektion 1 wurde schon deutlich gemacht, dass es sich bei jedem dieser Beispiele aus der Apostelgeschichte um
einen Haushalt handelt, in dem keine Kinder dabei waren. In Lektion 2 wurde gezeigt, dass die Kinder- und Säuglingstaufe erst im dritten Jahrhundert eingeführt wurde und dass dieser Einführung der Kindertaufe eine Veränderung der kirchlichen Tauflehre vorausging.
Der Irrtum derTaufwIedergeburtslehre
Die Entwicklung zur Taufwiedergeburtsiehre
1. Die Taufwiedergeburtsiehre entstand in der nachapostolischen Zeit (2. bis 3. Jahrhundert) durch die Verbindung einer inneren Erfahrung mit einem äußeren
Bekenntnis.
a. Der Täufling bekannte durch die Wassertaufe, dass er an Christus gläubig geworden ist, Vergebung der Sünden empfangen hat, und nun zur
Gemeinde Jesu Christi gehört.
b. F.F. Bruce schrieb in: The Eoistle to the Ephesians. Seite 79:
Die Wassertaufe blieb weiterhin das äußere und sichtbare Zeichen durch das Einzelne, die dem Evangelium glaubten, Buße für ihre Sünden taten, und Jesus als Herrn anerkannten, öffentlich in die Geist-getaufte Gemeinschaft— (getauft in Christus; Gal. 3,27) eingegliedert wurden. Es darf nicht vergessen werden, dass in neutestamentlichen Zeiten, Buße und Glaube, Wiedergeburt und Bekehrung, Wassertaufe, Empfang des Heiligen Geistes, Eingliederung in Christus, Aufnahme in die Gemeinschaft der Gemeinde, und die erste Teilnahme am Mahl des Herrn, alles Teile komplexer Ereignisse waren, die alle innerhalb einer sehr kurzen Zeit, aber nicht immer in einer gleichmäßigen Reihenfolge, stattfanden. Logisch waren
sie unterscheidbar. In der Praxis waren sie alle verbunden mit dem Übergang von dem alten Leben zu dem Neuen.
2. Zweifellos besteht ein enger, zeitlicher Zusammenhang zwischen den von Bruce genannten Ereignissen. Die Verbindung ist jedoch nicht solcher Art, dass die Wassertaufe die Wiedergeburt und die Taufe des Heiligen Geistes bewirkt.
3. Historisch gesehen führte die Taufwiedergeburtsiehre zur "Notwendigkeit der Taufe" (Heilsnotwendigkeit der Taufe).
Die lutherische Kirche lehrt die Taufwiedergeburtsiehre
1. Die kirchlich-lutherische Lehre betont: 'Taufe ist Handeln Gottes", eine "Zusage
Gottes".
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a. Diese Aussage Ist nur richtig, wenn sie auf die "Realität der Taufe" bezogen
wird, anstatt auf die Wassertaufe!
b. Die Wassertaufe ist jedenfalls nicht Handeln Gottes, sondern Handeln von Menschen im Auftrag Gottes!
Kirchlich-lutherische Lehre sieht die Taufe als "Geschenk Gottes", ein Geschenk an einen Menschen, der nicht gläubig ist. Der Getaufte soll dann erst noch gläubig werden. "Der Glaube 'ergreiff das Geschenk der Taufe."'
3. Kirchlich-lutherische Lehre betont: "Kindertaufe schließt jegliche Werkgerechtigkeit aus, da zuerst die Taufe kommt und dann die Werke.
a. Die Absicht dieser Aussage mag gut sein, der Weg, der beschritten wird, ist jedoch unbiblisch.
b. Die Bibel schließt Werkgerechtigkeit aus. Sie beschreitet jedoch einen ganz anderen Weg. Die Bibel lehrt göttliche Erwählung, Berufung, Verkündigung des Evangeliums, Annahme des Heils durch Glaube, Rechtfertigung, Wiedergeburt, dann Wassertaufe.
4. Kirchlich-lutherische Lehre betont die "Wirkung" der Taufe. "Unsere Taufe, die wir als Kleinkind empfangen haben, ist nicht geschwächt oder verjährt, sondern sie ist für den Glaubenden in der ganzen Gnadenfülle als biblische Taufe in Wirkung."®
Unwissenheit über kirchliche Tauflehre
Dass die lutherische Kirche die Taufwiedergeburtslehre lehrt, ist unter Gläubigen der EKD entweder oft nicht bekannt oder sie wird einfach unter den Tisch gekehrt. Wilma Funcks Leserbrief in Idea Spektrum (47/86. S. 20) ist ein Beispiel:
Die Kindertaufe hat sich aus dem innersten und tiefsten Wunsch gläubiger Eltern entwickelt, dass sie das ihnen geschenkte Kind Gott zur Verfügung stellen. Es ist eine falsch verstandene Interpretation, dass mit der Kindertaufe ein Freifahrtschein für ein ewiges Leben angeboten wird.
Auch führende Evangelikaie und Pietisten verteidigen
die Taufwiedergeburtslehre
Leider geben führende pietistische Persönlichkeiten wie Heimbucher oder Bäumer ein unklares Wort über die Frage der Taufwiedergeburtslehre. Sie machen Aussagen, die den Leser zu der Folgerung zwingt, dass Sie die Taufwiedergeburtslehre vertreten. Verfolgt man ihre Aussagen weiter, kommt man zu der Feststellung, dass sie ihre Taufwiedergeburtslehre doch einschränken. So schrieb Heimbucher:
7 Rolf Scheffbuch, "Sollen Kinder getauft werden?", Lebendige Gemeinde: Information und Orientierung. März 1986. 8 Fritz Grünzweig, "Sich noch einmal taufen lassen?", Lebendige Gemeinde: Information und Orientierung. März 1986, S. 10.
Die Taufe 49
In der Taufe nimmt der Herr Jesus Christus uns mit hinein in sein Sterben und in seine Auferstehung, dass wir "in einem neuen Leben wandeln." Die Taufe ist Einverleibung in die Gemeinde mit allen Konsequenzen, die sich für die Gemeinde und den Getauften daraus ergeben. ... Im Klartext: der Täufling wird Christus zugeeignet, er wird in den Christusleib eingefügt, d.h. er wird Eigentum Jesu und Glied seiner Gemeinde. Es muss hier eindeutig festgehalten werden, dass die Wirksamkeit der Taufe nicht an der Würdigkeit des Täufers, sondern am rechten Vollzug hängt. Rechter Vollzug heißt, die Taufe ist Taufe, wenn sie auf den Namen des dreieinigen Gottes vollzogen wird, so wie das Wort Gottes Wort Gottes bleibt, auch wenn es ein ungläubiger Mensch in den Mund nimmt. ("Ich bin getauft auf deinen Namen...." Gnadauer Materialdienst. 1979, Heft 14, S. 4).
Offensichtlich hat Heimbucher selbst Schwierigkeiten mit seinen Aussagen, denn später modifiziert er, was er im ersten Teil seiner Schrift sagt. Er schrieb:
"Zunächst ist festzuhalten, dass Gott mir in der Taufe das volle Heil, das der Heiland für mich erworben hat, zuspricht. Sie ist damit eine Hilfe für Angefochtene, eine Verpflichtung und Ansporn für Leichtfertige. Wirklichkeit für mich wird das Heil aber erst dann, wenn ich es im Glauben ergreife." "Die Taufe ist nicht ein aus sich selbst heraus wirksames Sakrament ("ex opere operato"), sondern sie erfordert die Annahme durch den Glauben des Getauften
(S. 5).
Auch Rudolf Bäumer sieht die Taufe als das "Bad der Wiedergeburt." Er sagt:
"Aber mit der Taufe schenkte mir der barmherzige Gott noch ein Leben, ein anderes, das nicht dem Gesetz des Todes gehorcht, weil es sein Leben ist, das Leben des unvergänglichen Gottes, das er einmal weggegeben hat, als er selbst in die Hölle ging." ("Die Heilige Taufe: Einigendes Band oder Zankapfel."
Informationsbrief Nr. 79 der Bekenntnisbewegung "Kein Anderes Evangelium". April, 1980, S. 4).
Da ja nun fast alle Kinder in Deutschland getauft werden, müssten eigentlich fast alle Menschen in Deutschland wiedergeboren sein. Eine Einschränkung muss also gemacht werden. Bäumer macht diese Einschränkung, indem er anschließend von Totgeburten und von perfekter oder unperfekter Wiedergeburt spricht.
"Wohl setzt Gott den Anfang in der Taufe, aber sie ist eine Totgeburt ohne den ermpfangenden Glauben ... Unverantwortlich ist es aber, wenn in der Predigt so getan wird, als sei die Taufe schon "perfekte" Wiedergeburt - auch ohne die Erneuerung durch den Heiligen Geist (Joh. 3) und ohne die gläubige Hinwendung zum Heiland." (S. 5)
50 Die Taufe
Die Taufe mit dem Heiligen Geist Lektion 5
Die Verheißung der Taufe mit dem Heiligen Geist
1. Durch Johannes den Täufer. Matth. 3,11; Mk. 1,7-8; Luk. 3,16; Joh. 1,33-34.
2. Durch Jesus Christus. Apg. 1,5. Durch diese Schriftstellen wird deutlich, dass am Tag der Himmelfahrt Jesu die Taufe mit dem Heiligen Geist noch nicht geschehen war.
Das Verständnis der Taufe mit dem Heiligen Geist
1. Die Taufe mit dem Heiligen Geist ist die Erfüllung des hohepriesterlichen Gebets
Jesu: "Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, auf dass sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; dass auch sie in uns seien, damit die Welt glaube, du habest mich gesandt." Joh. 17,20-21.
2. Die Taufe mit dem Heiligen Geist ist das Werk Jesu Christi (vgl. Matth. 3,11-12; Mk. 1,7-8; Luk. 3,16; Joh. 1,33-34; Apg. 2,32-33), durch das er dem Menschen, der an ihn glaubt, dem "Leib Jesu Christi", der Gemeinde eingliedert. l.Kor.
12,13.
a. Jesus sagt: "Ich in euch", ein prophetischer Hinweis auf die zukünftige Innewohnung des Heiligen Geistes. Joh. 14,20.
b. Jesus sagt: "Ihr in mir", ein prophetischer Hinweis auf die zukünftige Eingliederung der Gläubigen in den "Leib Jesu Christi". Dies geschieht durch die Taufe mit dem Heiligen Geist. Joh. 14,20.
c. Der biblische Begriff: "In Christus" weist auf die Eingliederung des Gläubigen in den Leib Jesu Christi hin. Dadurch geschieht, zu diesem Zeitpunkt, die Identifizierung des Gläubigen mit Christus in seinem Tod und in seiner Auferstehung. Vgl. Rom. 5,12-21; 6,4-6; l.Kor. 12,13; 2.Kor. 5,17; Gal. 3,27.
d. In der Gemeinde, dem Leib Jesu Christi, ist der Heilige Geist das vereinigende Band, das alle Gläubigen, ohne Ausnahme, miteinander verbindet Vgl. 2.Kor. 13,13; Eph. 4,3.
3. Normalerweise geschieht die Taufe mit dem Heiligen Geist zum Zeitpunkt des Gläubigwerdens. Im Neuen Testament werden die Gläubigen nicht aufgefordert, die Taufe mit dem Heiligen Geist zu suchen oder darum zu beten. Vgl. Apg. 19,2.
4. Die Taufe mit dem Heiligen Geist ist nicht etwas, das einige Gläubige haben, aber andere Gläubige nicht haben, denn Paulus sagt von den, zum Teil ungeistlichen Korinthern, dass sie alle durch einen Geist (en henipneumati) zu
einem Leibe getauft sind. l.Kor. 12,13.
5. Durch die Taufe mit dem Heiligen Geist werden äußerliche, irdische Unterschiede innerhalb der Gemeinde Jesu Christi aufgehoben. Gal. 3,27-28.
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6. Die Taufe mit dem Heiligen Geist ist der Beginn der Innewohnung des Heiligen Geistes. Vgl. Apg. 10,44; 19,2; 2.Kor. 1,22; Eph. 1,13-14.
a. Die Taufe mit dem Heiligen Geist ist ein Ereignis, das zum Zeitpunkt des Gläubigwerdens geschieht. Sie ist kein mit den Gefühlen empfindbarer
Vorgang.
b. Die Innewohnung des Heiligen Geistes ist ein beständiger Zustand, der seinen Anfang zum Zeitpunkt der Taufe mit dem Heiligen Geist hat. Vgl. l.Kor. 12,13.
7. Die Taufe mit dem Heiligen Geist ist nicht wiederholbar. Wenn ein Gläubiger in den Leib Jesu Chrisb' eingegliedert ist, gehört er für ewig zum Leib Jesu. Vgl. Eph. 4,5.
Die Erfüllung der Taufe mit dem Heiligen Geist
Am Pfingstfest von Apg. 2
1. Am Tag der Himmelfahrt Jesu war die Taufe mit dem Heiligen Geist noch zukünftig.
Apg. 1,5.
2. Am Pfingstfest von Apg. 2 geschah etwas Einzigartiges, das Petrus später als die Taufe mit dem Heiligen Geist identifiziert. Apg. 2,lff.; vgl. 10,44-48; 11,15-16.
3. Die 'Taufe mit dem Heiligen Geist" am Pfingstfest von Apostelgeschichte 2 wurde von außergewöhnlichen Ereignissen begleitet;
a. "Ein Brausen vom Himmel, wie eines gewaltigen Windes". Dieses "Brausen erfüllte das ganze Haus, da sie saßen." Apg. 2,2.
b. Das Erscheinen von "Zungen, zerteilt, wie von Feuer". Diese "Zungen wie von Feuer" repräsentierten den Heiligen Geist, von dem es weiter heißt: "und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen." Apg. 2,3.
4. Am Pfingstfest von Apostelgeschichte 2 folgte der Erfahrung der Taufe mit dem Heiligen Geist das "Zeichen der Sprachenrede". Apg. 2,4.
a. Das "Zeichen der Sprachenrede" war ein "Zeichen" für die aus allen Völkern
anwesenden Juden. Apg. 2,4-11.
b. Die durch die "Sprachengabe" gesprochenen Sprachen waren die Muttersprachen von Juden, die aus aller Welt für das jüdische Pfingstfest in Jerusalem versammelt waren. Apg. 2,5-6+8-11.
c. Die natürliche Reaktion der anwesenden gottesfürchtigen Juden war Verwunderung und Entsetzen (Apg. 2,7). Sie verstanden dieses übernatürliche Ereignis als "Zeichen", denn sie waren bestürzt und fragten: "Was will das werden?" Apg. 2,12.
d. Für die im alttestamentlichen Sinne gläubigen Juden, war die Sprachenrede ein "Zeichen", das in dieser neuen Bewegung am Werk war. (Gerichtszeichen; vgl. l.Kor. 14,22; sie waren "ungläubig" in dem Sinn, dass sie nicht an Jesus glaubten.) Dass Gottes Heilsplan von der "Heilszeit Israels" zur "Heilszeit der
52 Die Taufe
Gemeinde" wechselte, konnten sie in seiner vollen Tiefe und Bedeutung
noch nicht erfassen. Vgl. Eph. 2,14-20; 3,1-13.
e. Für die ungläubigen Juden war das "Zeichen der Sprachenrede" missver ständlich. Sie spotteten und sagten: "Sie sind voll süßen Weins". Apg. 2,13.
5. Wenn heute jemand gläubig wird, ist das keine exakte Wiederholung des Pfingstereignisses.
a. An Pfingsten wurde nicht Jemand der Gemeinde Jesu hinzugefügt, sondern die schon an Jesus Gläubigen wurden durch die Taufe mit dem Heiligen Geist zur Gemeinde Jesu (Leib Jesu) zusammengebunden. Joh. 17,20-21; l.Kor.
12,13.
b. Wenn heute jemand gläubig wird, erfährt er im Augenblick des Gläubig werdens die Taufe mit dem Heiligen Geist und wird dadurch in die schon bestehende Gemeinde Jesu Christi eingegliedert. Vgl. Apg. 19,2; l.Kor. 12,13; Eph. 1,13-14.
c. Auf Grund dieser Unterschiede dürfen wir nicht jedesmal wenn jemand gläubig wird, die ständige Wiederholung der besonderen "Zeichen" von Pfingsten erwarten.
Die Einbeziehung der "Samariter"
1. Die Samariter waren "Halbjuden", mit einem "gemischten Gottesdienst", und hatten mit den Juden keine Gemeinschaft. Vgl. Z.Kön. 17,24-41; Joh. 4,9.
2. Apostelgeschichte 8,5-17 berichtet vom evangelistischen Dienst des Philippus in Samaria. Viele der Samariter, die zuhörten, wurden gläubig und wurden getauft, empfingen jedoch den Heiligen Geist nicht Petrus und Johannes beteten für die gläubigen Samariter und legten ihnen die Hände auf. Da empfingen sie den Heiligen Geist (Empfang des Heiligen Geistes ist mit der Taufe mit dem Heiligen
Geist verbunden). Apg. 8,15-17.
3. Auch hier handelt es sich um eine historisch einmalige Situation. Pfingsten war der Anfang der Heilszeit der Gemeinde. Apostelgeschichte 8 beschreibt die Eingliederung gläubiggewordener Samariter in die schon bestehende Gemeinde.
a. Die Verheißung Jesu an Petrus von den "Schlüsseln des Himmelreiches"
muss hier beachtet werden. Matth. 16,19.
b. Die gläubigen Samariter wurden hier der schon bestehenden und bis zu diesem Zeitpunkt judenchristlichen Gemeinde eingegliedert.
1) Jesus wollte nicht zwei Gemeinden, sondern eine Gemeinde, in der Rassenunterschiede bedeutungslos sind. Gott hielt den Heiligen Geist zurück, bis die Apostel Petrus und Johannes als Zeugen gegenwärtig
waren. Vgl. Gal. 3,27-28.
Die Taufe 53
2) Auch die Samariter sollten von Anfang an erkennen, dass sie unter der
Autorität der (jüdischen) Apostel stehen, und dass sie erbaut sind auf dem Grund der Apostel und Propheten. Eph. 2,19-20. c. Gott traf eine besondere (einmalige) Vorkehrung, um den gläubigen Juden und den gläubigen Samaritern deutlich zu machen, dass die Gemeinde Jesu Christi eine organische Einheit ist. Vgl. Eph. 2,14-22.
d. Diese Situation ist einmalig, da die damaligen Umstände einmalig waren. Diese Situation ist deshalb in keiner Weise ein Vorbild für den Empfang des Heiligen Geistes heute.
Die Einbeziehung der Heiden
1. Apostelgeschichte 10,1-24 berichtet von den besonderen Vorkehrungen, die Gott treffen musste, damit Petrus in das Haus eines Heiden (Kornelius) ging. Vgl. Apg. 11,1-18.
2. Während Petrus im Hause des Kornelius predigte, fiel der Heilige Geist auf alle,
die dem Wort zuhörten. Dies bedeutet:
a. Die Zuhörer glaubten dem Wort Gottes, bekehrten sich also und wurden wiedergeboren. Vgl. Apg. 19,2; Eph. 1,13.
b. Die Zuhörer erlebten die Taufe mit dem Heiligen Geist, das heißt, die Eingliederung in die Gemeinde Jesu Christi.
3. Das "Sprachenreden" war für Petrus ein Zeichen dafür, dass diese Heiden gläubig geworden waren und den Heiligen Geist empfangen hatten (wie sollte er es sonst sofort merken?). Apg. 10,44-48; 11,15-17.
4. Petrus war in diesem Falle ein "Ungläubiger", denn er musste überzeugt werden, dass Gott auch unter den Heiden am Werk ist. Apg. 10,47; l.Kor. 14,22.
5. Petrus musste sich in Jerusalem verteidigen. Dabei verglich er das Ereignis im Haus des Kornelius mit dem "Pfingsten der Juden". Apg. 2,lff.; 11,15-17.
6. Interessant ist hier auch, dass zwischen dem Gläubigwerden der Menschen im Haus des Kornelius und dem Empfangen des Heiligen Geistes kein Zeitraum lag.
Die "Johannesjunger" in Ephesus 1. Die "Johannesjünger" waren Gläubige im alttestamentlichen Sinne (Apg. 19,lff.). Obwohl sie schon in der Heilszeit der Gemeinde lebten, hatten sie vom Tod und der Auferstehung Jesu und von der Entstehung der Gemeinde Jesu noch nichts gehört. Möglicherweise kamen sie durch Apollos zum Glauben. Vgl. Apg. 18,24
28.
2. Paulus merkte sehr schnell, dass bei diesen "Gläubigen" irgendetwas nicht stimmte. Deshalb fragte er sie: "Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet?" Apg. 19,2.
54 Die Taufe
3. Paulus verkündigte Ihnen das "vollständige Evangelium". Nachdem sie diese neutestamentliche Botschaft angenommen hatten, ließen sie sich taufen. Paulus legte ihnen dann die Hände auf, damit sie den Heiligen Geist empfingen. Apg.
19,4-7.
4. Auch hier handelt es sich um eine einmalige, historische Situation. Diese "Johannesjünger" wechselten in diesem Augenblick von der Heilszeit Israels zu
der Heilszeit der Gemeinde Jesu Christi.
Die Taufe 55
Verschiedene Irrtümer über
die Taufe mit dem Heiligen Geist Lektion 6
Das Studium und der Gebrauch der Schrift haben verschiedene Formen der Anwendung. Manche "Anwendungen" sind sehr praktisch orientiert. Andere sind lehrhaft in dem Sinn, dass sie Orientierung geben. Wieder andere sind korrigierend, indem sie falsche Denkweisen aufzeigen. Bei dieser Lektion handelt es sich um das
Letztere.
Verwechslung der "Taufe mit dem Heiligen Geist" mit der
Wassertaufe
Unterschiedliche Bedeutungen
Das Neue Testament versteht die Taufe mit dem Heiligen Geist als das Kommen des Heiligen Geistes in einen Gläubiggewordenen und die Eingliederung des Gläubiggewordenen in den Leib Jesu Christi, die Gemeinde (l.Kor. 12,13). In der Apostelgeschichte wird das Ereignis der Geistestaufe mehrmals genannt. Sie geschah zum ersten Mal an Pfingsten (Apg. 2,lff.), denn in Apostelgeschichte 1,5 wird sie als ein Ereignis in den nächsten Tagen beschrieben: "...ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen." In Apostelgeschichte 11,15-16 vergleicht Petrus das Pfingstereignis mit dem Geschehen im Hause des Cornelius und sagt: "...fiel der Heilige Geist auf sie gleichwie auf uns am ersten Anfang. Da dachte ich an das Wort des Herrn, als er sagte: Johannes hat mit Wasser getauft; ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden."
Unterschiedliche Zeitpunkte
Die Taufe mit dem Heiligen Geist (Kommen des Heiligen Geistes in einen Gläubiggewordenen, und die Eingliederung des Gläubiggewordenen in den Leib Jesu Christi, die Gemeinde) geschieht im Augenblick des Gläubigwerdens, da der Heilige Geist im Augenblick des Gläubigwerdens in den Menschen kommt (vgl. Apg. 19,2; Eph. 1,13-14).
Im Neuen Testament geschieht die Wassertaufe und die Taufe mit dem Heiligen Geist nie im gleichen Augenblick. Apostelgeschichte 10,44-48 ist ein für heute typisches Beispiel. Während Petrus predigt, werden die Zuhörer gläubig und empfangen den Heiiigen Geist, erfahren also die Taufe mit dem Heiligen Geistes. An der Begleiterscheinung der Zungenrede, die damals als Zeichen gegeben wurde, erkennt Petrus, dass diese Menschen die gleiche Erfahrung erlebten wie er selbst am Pfingstfest. Apg. 11,15-17. Diese Erkenntnis veranlasst Petrus zu der Aussage: "Mag auch jemand dem Wasser wehren, dass diese nicht getauft werden, die den Heiligen Geist empfangen haben gleichwie auch wir" (Apg. 10,47). Die Folge war, dass Petrus "befahl, sie zu taufen in dem Namen Jesu Christi". Apg. 10,48.
56 Die Taufe
Eine Gegenüberstellung
Die Taufe mit dem Heiligen Geist muss von der Wassertaufe unterschieden werden. Wie die nachfolgende Gegenüberstellung zeigt, gibt es eine Reihe von Unterschieden zwischen der Taufe mit dem Heiligen Geist und der Wassertaufe. Leider wird von lutherischen Theologen diese Unterscheidung nicht berücksichtigt.^ Dadurch entsteht dann die bekannte Verwirrung. Natürlich sind alle mit dem Heiligen Geist Getauften wiedergeboren. Dasselbe kann jedoch nicht von allen mit Wasser Getauften gesagt
werden.
Die Taufe mit
dem Heiligen Geist
Das Werk Jesu Christi. Mt. 3,11
Der Empfang des Heiligen Geistes und die Eingliederung des Gläubiggewor denen in die universale Gemeinde (Leib
Jesu Christi; l.Kor. 12,13).
Kein Ungläubiger empfängt den Heiligen
Geist oder die Taufe mit dem Heiligen
Geist.
Während der Heilszeit der Gemeinde ist
Jeder Gläubige mit dem Heiligen Geist getauft (vgl. l.Kor. 12,13).
Das Neue Testament gibt kein Gebot, "mit dem Heiligen Geist getauft" zu
werden. Der Grund ist, dass Jesus
Christus und der Heilige Geist die Handelnden sind, nicht der Mensch.
Die Wassertaufe
Das Werk von Menschen
Die sichtbare Identifizierung mit der
Gemeinde Jesu Christi und das damit verbundene Zeugnis. Voraussetzung für die Zugehörigkeit zu einer örtlichen
Gemeinde.
Auf Grund der Nachlässigkeit vieler örtlicher Gemeinden werden Ungläubige getauft. Diese ungläubig Getauften sind nach der Wassertaufe genauso ungläubig
wie vor der Wassertaufe und nach der Wassertaufe genauso verloren wie vor
der Wassertaufe.
Auf Grund von Unwissenheit, Nach lässigkeit oder Ungehorsam gibt es heute viele Gläubige, die im neutesta
mentlichen Sinne nicht mit Wasser
getauft sind.
Der Taufbefehl ist ein Gebot Jesu Christi
an die Gemeinde und an die Verant
wortlichen der Gemeinde. Im Neuen
Testament war es normal, dass die Wassertaufe kurz nach dem Gläubig werden, und damit der Taufe mit dem
Heiligen Geist folgte (vgl. Kerkermeister in Jener Nacht; Apg. 16,33).
1 Vergleiche Horst Georg Pöhlmann "Das Problem ist die Taufe von Kindern ungläubiger Eltern", Idea Spektrum. Nr. 5,1987, S. 12.
Die Taufe 57
Der Heilsplan Gottes wird nicht beachtet
1. Die Taufe mit dem Heiligen Geist geschah zum ersten Mal am Pfingstfest von Apg. 2. Dadurch wurde eine neue Heilszeit eingeführt. Die Heilszeit der Gemeinde begann.
2. Das Pfingstereignis ist einmalig, da an Pfingsten die Jünger Jesu, die schon längere Zeit gläubig waren, die Taufe mit dem Heiligen Geist erlebten (empfingen).
a. Die Jünger Jesu waren echte Giäubige (Erlöste) im alttestamentlichen Sinne. Jesus redete sie auch als Erlöste an. Luk. 10,20; Joh. 15,1-5.
b. Die Jünger erlebten vor Pfingsten die Gegenwart des Heiligen Geistes nur im alttestamentlichen Sinne. Joh. 14,17b; 20,22.
c. Johannes 20,21-22 muss als eine Verheißung des zukünftigen Empfangs des
Heiligen Geistes verstanden werden:
1) Die Jünger Jesu haben zu jenem Zeitpunkt den Heiligen Geist nur im alttestamentiichen Sinne empfangen. Heilsgeschichtlich waren sie
immer noch in der alttestamentiichen Heilszeit. 2) Acht Tage später waren die Jünger immer noch verängstigt hinter verschlossenen Türen, ohne irgendwelche Auswirkungen des Empfanges des Heiligen Geistes. Joh. 20,26. 3) Am Tag der Himmelfahrt war das Kommen des Heiligen Geistes immer noch zukünftig. Apg. 1,5+8. 4) Die Himmelfahrt und Verherrlichung Jesu waren Voraussetzungen für das Kommen des Heiligen Geistes. Joh. 7,39; 16,7. d. Die Jünger Jesu wechselten an Pfingsten über von der Heilszeit Israels zu der neuen Heilszeit der Gemeinde. Vgl. Apg. 11,15-17.
3. Der Übergangscharakter der Apostelgeschichte wird nicht genügend beachtet. Die Apostelgeschichte beschreibt das Ausklingen der Heilszeit Israels (des alten Bundes) und das Einläuten der neuen Heilszeit der Gemeinde.
a. Die Apostelgeschichte beginnt mit der Himmelfahrt Jesu und dem Kommen des Heiligen Geistes. Sie beschreibt insgesamt einen Zeitraum von etwa 30
Jahren.
b. Am Anfang dieser Zeit geschahen viele Zeichen und Wunder ais apostolische Zeichen, zur Bestätigung der Apostel Jesu Christi. Vgl. Apg. 3,lff.; 4,10+16; 5,1 -11+12; 9,36-43; 12,3-11; 14,8-13; 19,11-12; 2.Kor. 12,12.
c. Diese Zeichen und Wunder wurden gegen Ende der Apostelgeschichte selten und hörten dann ganz auf (Phil. 2,27; I.Tim. 5,23; 2.Tim. 4,6+20; 2.Kor. 11,2228; 12,2-19).
d. Die erste Gemeinde hatte in der "judenchristiichen Phase" Schwierigkeiten, die "Neuheit der Gemeinde" zu erkennen. Sie wollten die Heiden, die Christen geworden waren, zwingen, Juden zu werden. Vgl. Apg. 15,lff.
58 Die Taufe
e. Selbst die Apostel Jesu hatten Schwierigkeiten, die Neuheit der Gemeinde zu erfassen und das Alte abzulegen. Vgl. Gal. 2,11-14; Apg. 18,18; 21,18-26.
f. Das Angebot des Königreiches an Israel wurde während der Zeit der Apostelgeschichte noch einmal wiederholt. Vgl. Apg. 3,19-21.
4. Die Taufe Jesu Christi durch Johannes den Täufer und das Kommen des Heiligen Geistes auf Jesus, kann nicht mit dem Kommen des Heiligen Geistes an Pfingsten verglichen werden.
Lehre wird auf historische Berichte der Schrift gegründet
1. Historische Berichte sind "inspiriertes Wort Gottes". Sie sagen, was geschehen ist.
Nicht immer sind die beschriebenen Ereignisse die Norm.
2. Die lehrhafte Bedeutung der beschriebenen Ereignisse muss entweder in der Bewertung der Ereignisse durch den prophetischen Schreiber erkannt werden, oder aber in der Beurteilung der berichteten Ereignisse auf Grund von
Lehrabschnitten der Schrift.
3. Lehre muss auf Lehrabschnitte der Bibel gegründet werden. Historische Berichte sind Illustrationen göttlichen Handelns, die ohne Lehre missverständlich sein
können.
Die drei unbiblischen Ecksteine der charismatischen Lehre
von der Taufe mit dem Heiligen Geist
Die Lehre vom "'zweiten Segen"
1. Für Anhänger der charismatischen Bewegung geschieht die Taufe mit dem Heiligen Geist nach der Bekehrung und Wiedergeburt als eine "zweite Erfahrung".
2. Die Argumentation, dass die Jünger schon vorher gläubig waren, aber trotzdem in Jerusalem auf das Kommen des Heiligen Geistes warten sollten, ist keine
stichhaltige Argumentation.
a. Für die 120 Jünger (Apg. 1,15) war die Taufe mit dem Heiligen Geist am Pfingstfest eine "zweite Erfahrung". Nach dem Heilsplan Gottes geschah die Taufe mit dem Heiligen Geist zum ersten Mal am Pfingstfest von Apostel geschichte 2, da nach Gottes souveränem Plan zu diesem Zeitpunkt die Gemeinde geboren werden sollte.
b. Die historischen Berichte der Apostelgeschichte geben jedoch kein eindeu tiges Bild von der Taufe mit dem Heiligen Geist. In Apostelgeschichte 10,44 geschah die Taufe mit dem Heiligen Geist zum Zeitpunkt des Gläubigwerdens.
c. Die historischen Berichte in der Apostelgeschichte geben kein eindeutiges Bild über die Taufe mit dem Heiligen Geist. Deshalb können diese Berichte leicht missverstanden werden und bedürfen der Erklärung durch "inspirierte" Schreiber. Das bedeutet, dass historische Berichte im Licht von eindeutigen
Lehrabschnitten verstanden werden müssen.
Die Taufe 59
Die Lehre von der "Zungenrede''
1. Die meisten Anhänger der charismatischen Bewegung sehen die "Zungenrede" als die normale und wünschenswerte Auswirkung der Taufe mit dem Heiligen Geist.
2. Auch hier ist das "historische Zeugnis" der Apostelgeschichte nicht eindeutig. Wie schon öfters erwähnt, bedürfen die historischen Berichte der "theologischen Erklärung" durch Lehraussagen der Bibel.
a. Die Zungenrede wird nur in Apostelgeschichte 2; 10 und 19 erwähnt.
b. Bei anderen Berichten in der Apostelgeschichte wird die Zungenrede überhaupt nicht erwähnt.
c. Apostelgeschichte 2 sagt nicht, dass die 3000, die gläubig wurden, in Zungen
redeten.
d. Das Zungenreden der 120 war missverständlich und bedurfte der Erklärung durch die Predigt des Petrus. Apg. 2,14ff.
3. In l.Korinther 12,30 sagt Paulus eindeutig, dass nicht alle Gläubigen in Zungen reden werden. Dies ist von besonderer Bedeutung, da er in l.Korinther 12,13 schon sagte, dass alle Gläubigen vom Heiligen Geist in die Gemeinde hineingetauft
wurden.
Die Lehre vom "ernstlichen Suchen"
1. Vertreter der charismatischen Bewegung lehren, dass Christen ernstlich die Taufe mit dem Heiligen Geist suchen sollen. Werner Kniesel schrieb zum Beispiel: "Wie alle Gnadenerweise Gottes wird uns aber die Geistestaufe nur dann geschenkt, wenn wir sie annehmen möchten.... Was wir von Gott empfangen wollen, sollen wir von ihm begehren" (Der Heilige Geist im Leben der Christen (Zürich: Jordanverlag AG, 1986), S. 104).
2. Diese Auffassung hat keine biblische Grundlage.
a. Das Suchen und Beten um die Taufe mit dem Heiligen Geist widerspricht der biblischen Lehre, dass jeder Gläubige mit dem Heiligen Geist getauft wurde und den Heiligen Geist empfangen hat, d.h. vom Heiligen Geist in die Gemeinde eingegliedert wurde. l.Kor. 12,13.
b. Allgemeine Zusagen wie "bittet, so wird euch gegeben" sind nicht zutreffend, da beim Beachten des Zusammenhangs klar wird, dass es hier nicht um das Bitten um den Heiligen Geist oder um die Taufe mit dem Heiligen Geist geht.
c. Die Bibel enthält auch keine Anweisungen, die Taufe mit dem Heiligen Geist zu
suchen oder darum zu bitten.
d. Das Suchen und Beten um die Taufe mit dem Heiligen Geist widerspricht der biblischen Lehre, dass jeder Gläubige die Taufe mit dem Heiligen Geist getauft wurde, und den Heiligen Geist empfangen hat, d.h. vom Heiligen Geist in die Gemeinde eingegliedert wurde.
60 Die Taufe